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Archiv für Januar, 2009

Expeditionen ins Tierreich 6 – Abenteuer Ozean

Erstellt von Günther Lietz am 31. Januar 2009

Thomas Behrend & Birgit Peters
Expeditionen ins Tierreich 6 – Abenteuer Ozean: Unter Weißen Haien
Euro Video, Ismaning, 26.4.2007
Spieldauer ca. 135 min.
www.eurovideo.de/

(Da aus diesem Set nur eine DVD vorliegt, kann auch nur diese eine beurteilt werden.)

Vor dem Kap der Guten Hoffnung liegen einige kleine Inseln, deren ‚Einwohner’ aus Seebären und Tölpeln bestehen. Um diese Inseln herum gibt es die wohl größten Populationen von Weißen Haien auf der ganzen Welt. Das Team um den Meeresforscher Thomas Behrend will wissen, was es mit der steigenden Zahl der Angriffe auf Menschen auf sich hat.

Selbst die ARD lernt ganz allmählich dazu. Statt 45 Minuten trockenen Wissensaustausch kommt diese Dokumentation wirklich modern mit Hintergrundmusik und einigen Informationen über das Tauch-Team daher. Als Zuschauer ist man schon auf eine gewisse Art und Weise gefangen von dieser Form einer moderneren Dokumentation.

Allerdings wird stellenweise mehr Wert darauf gelegt, das Team vorzustellen, als das eigentliche Problem zu schildern. Zudem wird der Weiße Hai fast als ein Schmusetier verkauft, was nun selbst auf Hai-Fans etwas irritierend wirkt. Offensichtlich legt man größten Wert darauf zu zeigen, was dieser Jäger nicht ist, statt auf das, was er eben ist. Anstatt mit dem Klischee vom blutgierigen Killer aufzuräumen, degradieren die Fotografen diese Raubfische immer wieder zu Angsthasen, wie zum Beispiel in der Szene, in der der Hai die gerade gerissene Robbe immer wieder umschwimmt. Mehrmals wird immer wieder betont, dass der Hai Angst hätte.

Es wird durchaus logisch sein, dass auch Haie mit der Zeit dazulernen und einen natürlichen Respekt vor gewissen Dingen entwickeln. Für die Filmcrew scheint dieses jedoch absolut nicht nachvollziehbar zu sein. Ein Hai ist ein Hai und damit ein Raubtier – dass müssen die Macher allerdings wohl erst während der Dreharbeiten lernen.

Dass es sich bei der überwältigenden Anzahl der Angriffe auf Menschen um Missverständnisse beiderseits handelt und viele immer noch das Hollywood-Klischee im Hinterkopf haben, ist schon lange bekannt, dafür hätte es diese Dokumentation nicht gebraucht, zumal die Macher auch keinerlei neue Erkenntnisse liefern. Dennoch aber sind die Bilder gelungen und lassen eine mystische Unterwasserwelt vor dem Zuschauer entstehen.

Alles in allem eine eher durchschnittliche DVD, deren großer Pluspunkt die wirklich gelungenen Unterwasseraufnahmen sowie eine wundervolle Dia-Show ist. Sollten die anderen beiden Dokumentationen ebenso aufgebaut sein, lohnt es sich allerdings nicht wirklich, soviel Geld auszugeben, zumal die einzelnen Episoden wohl auch bereits im Fernsehen gelaufen sind. (RSch)

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Expeditionen ins Tierreich – Abenteuer Ozean

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Shunichi Nagasaki Black Belt

Erstellt von Günther Lietz am 31. Januar 2009

Produzent: Kanjiro Sakura
Darsteller: Akihito Yagi, Tatsuya Naka, Yuji Suzuki, Takayasu Komiya, Yasuto Kosuda
Musik: Naoki Sato
Altersfreigabe/FSK: ab 12 Jahren

Spieldauer ca. 92 Min.
Kuro-Obi, Japan, 2007
Constantin-Film, München
www.constantin-film.de

Karate ist keine Angriffswaffe sondern eine Technik des Widerstands und der Selbstverteidigung. Als im Jahr 1932 der Großmeister eines Dojos stirbt, müssen seine Schüler selbst entscheiden, auf welcher Seite sie stehen wollen. Der kämpferische und vergleichsweise aufbrausende Taikan unterstellt sich der Armeepolizei. Fortan leitet er, begleitet vom dritten Schüler Choei, das Karatetraining der Soldaten.

Giryu, der versucht dem Nichtangriffsweg des Meisters zu folgen, verliert einen Kampf und wird von einer jungen Bäuerin, ihrem Vater und dem kleinen Bruder gesund gepflegt. Erst als die junge Frau von Verbrechern verschleppt wird, beginnt er, die Lehre des Meisters zu hinterfragen.

Während Taikan diverse Kämpfe ausficht und sich dadurch glaubt zu verbessern, gibt sich Giryu der Landwirtschaft und seinen Übungen hin. Choei, der bereits am Anfang schwer am Arm verletzt wird, folgt Taikan auf dessen Weg und ist so eine Art schlechtes Gewissen für den Kämpfer. Choei versucht, Taikan immer wieder auf den Weg des Meisters zurück zu leiten. Schließlich ist es auch Choei, der vom Meister den schwarzen Gürtel, den Kuro-Obi, mit dem Auftrag bekam, ihn nur an einen würdigen Nachfolger zu übergeben!

Die Frauenhändler paktieren mit dem Kommandanten der Soldaten, und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Taikan und Giryu wieder aufeinander treffen.

„Black Belt“ ist ein Film, der in den Hauptrollen nicht mit Schauspielern sondern mit Karatermeistern besetzt ist und echtes Karate zeigen will. So wird auch im „Making of“ argumentiert – und angesichts der begeisterten Kritiken diverser Karatekämpfer muss man wohl auch annehmen, dass dies gelungen ist.

Als Freund von Actionfilmen und in Erwartung akrobatischer (Show-) Kämpfe wird man von diesem Film jedoch enttäuscht. Zu schnell, unspektakulär und wohl auch bis zu einem gewissen Grad realistisch sind die Kämpfe. Andererseits hört und sieht man im Karate-Special der „Extras“ dann Aussagen wie: So würde man diesen Tritt eigentlich nicht abwehren. Was natürlich die Realität der Kampfszenen wieder etwas in Frage stellt.

Die eigentliche Geschichte des Films und die Entwicklung der beiden Hauptprotagonisten schreiten geradlinig und ebenso unspektakulär wie die Kämpfe voran. Sämtliche Nebenfiguren sind entweder nur gut oder nur böse, einzig Giryu beinhaltet als Charakter ein gewisses Spannungspotential. Er hat die Möglichkeit, sich zwischen den verschiedenen Wegen, die ihm sein Meister mit dem Karate eröffnete, zu entscheiden.

Dass der Schlusskampf zwischen den beiden – ehemaligen – Schülern in Schwarz-Weiß gezeigt wird, kann eventuell als Hervorhebung des Gut-Böse-Kontrasts gesehen werden. Den Zuschauer lässt dieser ‚Effekt’ auf jeden Fall erstmal nach der Fernbedienung greifen, um zu sehen, ob sich irgendwelche Einstellungen geändert haben oder der Fernseher kaputt ist.

Die „Extras“, das „Making of“ und das „Karate-Special“, zeigen, insbesondere im Zweitgenannten, sehr schön, wie die verschiedenen Kampfszenen vorbereitet wurden und verdeutlichen die Karatefähigkeiten der Akteure. Und das gelingt dieser einen Stunde Zusatzmaterial besser als dem Film selbst.

Wie schon erwähnt scheint dieser Film sein Publikum eher bei den Karatebetreibenden und Fans von Kampfkunst an sich zu finden. Der Unterhaltungsfaktor ist für reine Actionfans zu gering und die Handlung letztlich zu vorhersehbar und eindimensional, um wirklich an den Bildschirm zu fesseln. (ft)

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Black Belt

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Dragon Hunters – Die Drachenjäger Vol. 1

Erstellt von Günther Lietz am 30. Januar 2009

FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: 115 Minuten

Regie: Francois Hemmen
Buch: Thomas Barichella, Arthur Qwak, François Hemmen

Produktion: Frankreich/Deutschland/China 2005
Produktionsfirmen: Futurikon
Produzent: Philippe Delarue

In der Zukunft der Menschheit ist nichts mehr wie es war …

… oder es könnte so sein. Die Erde wurde in unzählige Felsbrocken zerschlagen, die nun durch die Luft schweben. Die Menschheit fiel auf einen pseudomittelalterlichen Stand zurück und die seltsamsten Kreaturen bevölkern die neue Welt. Viele davon sind sogenannte Drachen, merkwürdige und oftmals hinterhältige Wesen, die gejagt und zur Strecke gebracht werden müssen.

Die beiden Freunde Gwizdo und Lian-Chu haben sich ganz der Drachenjagd verschrieben. Beide wuchsen in einem Waisenhaus auf und schlagen sich nun mehr schlecht als recht durchs Leben. Dabei ist Gwizdo ein von Geld besessener kleiner Kerl, während der Hüne Lian-Chu für die grobe Arbeit zuständig ist.

Beide sind bei der fülligen Jeanneline untergekommen, die ein Gasthaus besitzt und dort ihre kleine Tochter Zaza großzieht. Da Gwizdo und Lian-Chu bei ihr hoch verschuldet sind und eine feste Operationsbasis brauchen, sind sie dort Dauergäste.

Auf der Jagd werden sie von Hector begleitet, einem jungen, undeutlich sprechenden Drachen. Gemeinsam stellen sie in dieser französisch-chinesischen Zeichentrickserie den Monstern nach und erleben spannende Abenteuer.

Diese liefen bereits im Privatfernsehen auf Super RTL innerhalb der Toggo-Kinderreihe und sind nun auf DVD erschienen. „Dragon Hunters – Die Drachenjäger Vol. 1“ beinhaltet die ersten fünf Episoden und somit die Anfänge dieser erfolgreichen Serie, die in Frankreich Kult ist.

In „Die Drachenmutter“ arbeitet Lian-Chu seine Vergangenheit auf, als er sich nach einem Gedächtnisverlust einer Drachenmutter und ihren Jungen anschließt. Hector will dagegen „Leben wie ein Drache“, doch er muss erkennen, dass Gwizdo und Lian-Chu das Beste ist, was er bekommen kann. Sein Versuch sich einem Exemplar seiner Art anzuschließen, endet jedenfalls katastrophal.

Jeannelines älteste Tochter ist verschwunden. In „Auf der Suche nach Zoria“ spüren die Drachenjäger ihr nach, immerhin war sie Lian-Chus Schülerin und der Kämpfer fühlt sich verantwortlich. In „Rogers Rückkehr“ wird es ebenfalls sehr familiär, denn Zazas Vater Roger taucht unvermittelt auf – gejagt von einem feuerschleudernden Drachen. Auch hier steckt mehr dahinter, als man auf den ersten Augenblick glaubt.

Den Abschluss bildet die Episode „Der falsche Pater“, in der es Zaza schafft die Drachenjäger auf eine Mission zu begleiten, die sich als gefährlich erweist und mit einem überraschenden Ende aufwartet.

Die Geschichten sind spannend geschrieben und besitzen stets einen tieferen Sinn, das macht sie auch für ältere Semester sehenswert. Dabei ist bemerkenswert, das auf der DVD eine Empfehlung ab 6 Jahren gegeben wird, obwohl die Silberscheibe von der FSK mit keiner Altersbeschränkung freigegeben wurde. Respekt, hier nehmen die Produzenten ihre Verantwortung ernst. Und tatsächlich könnten zu junge Zuschauer von der Handlung leicht verwirrt werden. Vom richtigen verstehen mal ganz abgesehen.

Obwohl das Thema nie richtig zur Sprache kommt, besitzt der Tod in der Welt der Drachenjäger eine zentrale Rolle. So werden die Drachen regelrecht abgeschlachtet – und mit ihrem Tod Geld verdient – und setzen sich auch die Jäger selbst großer Gefahr aus und können ebenfalls sterben. Das geschieht auch, doch nur am Rande der gewollten Wahrnehmung. Die Macher der Serie gehen dabei möglichst subtil vor und verzichten auf entsprechende Sterbe- oder Metzelszenen.

Neben den spannenden und faszinierenden Geschichten in dieser mystischen Zukunftswelt, ist auch der darin vorkommende Humor sehr wichtig. Die Sprüche und Verhaltensweisen der Figuren sind immer sehr witzig und zum Kugeln, vor allem ihre oft lineare, aber dennoch erfrischende Art. Auch hier richtet sich der Spaß manchmal nur an ältere Zuschauer und einige Dinge sind für Kinder ungeeignet. Als Beispiel mag hier ausreichen, dass Jeanneline gerne mal scharfe Fleischmesser wirft, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen.

Der Zeichenstil der Serie ist – zeitgemäß – asiatisch durchdrungen und wirkt mit seinem klaren Strich und der recht erdigen Kolorierung sehr erwachsen. Obwohl die Serie den meisten physikalischen Gesetzen trotzt, wirken die Ereignisse in sich logisch und sind nachvollziehbar. Das sorgt für eine konsistente Welt, die den Zuschauer einfach in ihren Bann zieht.

Die deutsche Synchronisation der Serie ist erstklassig und die Stimmen passend besetzt. Die Sprecher leisten gute Arbeit und man merkt ihnen Spielfreude an. Auch die Soundeffekte sind gelungen und passend, doch vor allem die Titelmusik ist der Hit, handelt es sich doch um das „Dragon Hunter’s Theme“ von der bekannten Band „The Cure“, das auf deren Song „Taking Off“ basiert. Leider gibt es nur die erste Strophe des Titellieds im Vorspann.

Während die erste Episode zusätzlich in der französischen Sprachfassung vorliegt, gibt es auf der DVD ansonsten nur deutsche Tonspuren. Alles in Dolby Digital 2.0, was doch leicht veraltet ist und tatsächlich mehr dem TV-Format entspricht, wie auch das 4:3-Bild selbst. Das Zusatzmaterial ist vernachlässigbar, da es sich weitgehend um Texttafeln zu Dingen handelt, die in den Episoden eh behandelt werden.

„Dragon Hunters – Die Drachenjäger Vol. 1“ ist der klasse DVD-Auftakt zu einer außergewöhnlichen Serie. Schade aber, dass das Medium DVD nur unzureichend ausgereizt wird.

(c) 2008 by Günther Lietz

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Die Drachenjäger – Staffel 1(Folgen 1-5)

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There will be blood

Erstellt von Günther Lietz am 30. Januar 2009

Darsteller: Daniel Day Lewis, Kevin J. O’Connor
Regisseur
: Paul Thomas Anderson

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Touchstone
Produktionsjahr: 2007
Spieldauer: 152 Minuten

Der Schleier legt sich. Langsam zwar nur, aber immerhin: Bei Zweitsichtung kann man P.T. Andersons „There will be blood“ doch so ein bisschen einordnen, während bei Erstansicht die schiere Kraft, der Allegorienreichtum dieses Monstrums von Film den Zuschauer einfach nur erdrückt. Der Versuch, dieses Werk in all seinen Facetten mit Worten wiederzugeben, ist zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Die Tragweite dieses mehrdeutigen und vielschichtigen Mammutwerks kann man kaum begreifen, aber irgendwie muss man seine Begeisterung über einen Film, der einen auch beim zweiten Mal vollends gepackt hat, dann doch in Worte fassen.

Anderson erzählt uns die Geschichte eines Ölbarons, die 1898 beginnt und kurz vor Beginn der Weltwirtschaftskrise und der folgenden Depressionszeit endet. Es waren wohl Männer wie Daniel Plainview, die aus den Vereinigten Staaten die Weltmacht erschufen, die sie jetzt noch sind. Selbst in Zeiten der Finanzkrise, in Zeiten, in denen China und Russland wirtschaftlich längst aufgeholt haben, wenn nicht besser dastehen. Der Weg zur Weltmacht führte für die USA nur über Reichtum, der in Form natürlicher Ressourcen schon immer vorhanden war, doch es waren Leute wie Daniel Plainview, die flüssiges, schwarzes Gold in bare Münze verwandelten. Anderson lässt von der ersten Sekunde an keine Zweifel aufkommen, dass der Weg Amerikas dorthin voller Dreck und Schmutz war: Plainview steht in keiner Weise für uramerikanische Mythen. Kein Gerede vom Selbstverständnis von Freiheit und den Weg vom Tellerwäscher zum Millionär, den jeder beschreiten kann: Der Pfad zum Geld besteht bei ihm nur aus Blut, Dreck und (seelischem) Schmerz.

Dementsprechend zeigt Anderson in seiner Eingangsszene, die gute zehn Minuten ohne ein gesprochenes Wort auskommt, Plainview in jüngeren Jahren auf der Suche nach Bodenschätzen. Man fühlt sich in der ersten Einstellung (drei Hügel irgendwo in der Wüste) noch an alte Western erinnert, aber schon die kongeniale Musikuntermalung von Johnny Greenwood kündigt an, wohin die Reise geht: Zwanzig Meter tiefer, hinunter in einen dunklen, trostlosen Schacht, der doch voller Reichtum steckt.

Daniel Plainview adoptiert in dieser Zeit das Kind eines verunglückten Arbeiters und wird im Laufe weniger Jahre ein reicher Mann. Er treibt sich nicht in romantisierten Westernstädtchen mit Saloons, Hufschmieden etc. herum, sondern ist ein rücksichtsloser Kapitalist, wie er im Buche steht: Der Misanthrop arrangiert sich lediglich mit den Menschen, um an noch mehr Geld zu kommen. Seine moralischen Hürden sinken am Ende so tief, dass er als verlassener Mann in einer viel zu großen Villa haust und dort seine letzten beiden Rechnungen begleicht, die sich ausnahmsweise nicht um Geld drehen, sondern um seinen Sohn und den ewigen Rivalen. Plainview hat seine moralischen Bedenken längst der Gier verpfändet, das einzige was ihn weiter antreibt, ist sein unendlicher Hass auf die Menschheit („I have a competition in me. I want no one else to succeed. I hate most people.”), und die Aussicht, ihr irgendwann zu entkommen: „I want to earn enough money that I can get away from everyone.”

Wie Daniel Day-Lewis diesen Verfall darstellt, ist nicht mehr in Worte zu fassen. Man glaubt es ja nicht einmal, wenn man es sieht: Fast jede Szene reißt er so mühelos an sich, als wäre es nichts. Und er schafft es tatsächlich, dass man nach dem Film nicht den Eindruck hat, Day-Lewis in einer Rolle gesehen zu haben, sondern wirklich meint, hier spielte Daniel Plainview in einem Film von P.T. Anderson mit, so sehr wirken Gestik, Mimik und die Aussprache wie die eines realen Menschen. Trotz gelungener Synchronisation ist es definitiv ratsam, sich den Film im Originalton anzusehen, um alle Facetten dieser Jahrhundertleistung wahrnehmen zu können.

Wundersamerweise fällt Paul Dano demgegenüber als Prediger kaum ab, sodass es zu einem mitreißenden Duell zwischen beiden kommt, das eigentlich doch keines ist: Denn wenn sie es nötig haben, können sich beide ohne weiteres arrangieren, um einen Vorteil daraus zu ziehen. Andersons vertritt dazu einen klaren Standpunkt: So weit Religion und Kapitalismus auseinander zu liegen scheinen, so groß ist doch die gegenseitige Abhängigkeit und beides kann ohne Probleme komplementär bestehen.

Doch solcherlei Nuancen fallen bei Erstansicht von „There will be blood“ kaum auf. Zu sehr muss man sich konzentrieren, um die Bedeutung eines jeden Charakters und jede Bildeinstellung richtig einordnen zu können; und es geht Anderson ja nicht nur um das Zusammenwirken von Religion und Politik, sondern da ist noch die hochkomplexe Vater-Sohn-Beziehung, die Sache mit dem plötzlich auftauchenden angeblichen Bruder Henry Plainview, Daniels Einstellung zu Frauen usw. Anderson schneidet all diese Themen nicht nur an, sondern führt sie konsequent zu Ende. Dennoch wirkt sein Film nie überladen, sondern auch dank des hervorragenden Schnitts stets stimmig. Kein Detail scheint überflüssig, sondern notwendig, um das komplexe Gesamtbild abzurunden.

Das alles erzählt Anderson mit Bildern, die genauso zeitlos sind wie seine Aussage. Tatsächlich könnte „There will be blood“ schon vor Jahrzehnten gedreht worden sein, so rein, so unverfälscht wirkt er. Es gibt keine Farbfilter, keine Stakkato-Schnitte und vor allem keinerlei Zugeständnisse an die Sehgewohnheiten des Publikums. In mancher Nahaufnahme meint man, noch Landschaften in den Gesichtern der Protagonisten erkennen zu können, wie das seit den Leone-Western nicht mehr der Fall war. Das ist ein Film in seiner ursprünglichsten Form – Anderson zieht eine Kameraeinstellung auch über mehrere Minuten durch, wenn er es für nötig erachtet. Dabei gelingt ihm manche Bildkomposition schlicht und ergreifend meisterhaft:

Die Explosion des Ölturms, das Gespräch zwischen Henry und Daniel am Strand, die Fahrt von Vater und Sohn in einem uralten Automobil, verfolgt von einer auf Eisenbahnschienen montierten Kamera, oder auch die letzten Einstellungen des Films: Fast schon surreal, inklusive Plainviews jetzt schon legendärer „Milkshake“-Allegorie und den Schlussworten „I’m finished!“. Doch das sind nur wenige Beispiele aus einem Film, in dem man kaum eine Szene findet, die man wegschneiden hätte können, ohne damit etwas Elementares zu zerstören.

Zu einem letztendlich perfekten Gesamtbild trägt dann auch noch Johnny Greenwoods Filmmusik bei, die oft völlig konträr zu den visuellen Eindrücken steht. Den Westen zu dieser Zeit verbindet man immer noch unweigerlich mit Kompositionen von Morricone, Bernstein und Co. Greenwood dagegen unterlegt das Breitwandgeschehen mit verstörenden Klängen, welche die unheilvolle Entwicklung dieser Geschichte vorwegnehmen und einem das ein oder andere Mal die Nackenhaare zu Berge stehen lassen.

Anderson zieht seinen Stil radikal bis zum Schluss durch: da gibt es nichts, was darauf hindeutet, es könne ein gutes Ende mit Daniel Plainview nehmen. Der Regisseur nimmt seine Figuren todernst, eine ironische Distanz wie beim fast zeitgleich erschienen Coen-Meisterwerk „No Country for old Men“ ist nie zu spüren. Kaum ertragbar ist folglich die Szene zum Schluss, als Plainview seinem tauben Adoptivsohn die Wahrheit seiner Herkunft mit einer Konsequenz ins Gesicht schleudert, dass man fast wegschauen muss. Plainview, längst ein von Gier, Hass und Alkohol zerfressenes Wrack, hat daraufhin seinen letzten großen Auftritt im Duell mit Prediger Eli. Es ist diese Szene, welche dem Gesamtwerk von Andersons Meisterwerk den letzten Schliff verleiht, die man aber beim ersten Mal kaum einzuordnen vermag.

„There will be blood“ als ‚sperrig’ zu bezeichnen wäre fast noch untertrieben; der Film scheint vor Klasse fast überzulaufen, ist aber so gegen sämtliche Sehgewohnheiten gebürstet, dass sich nur wenige Leute ins Kino verirrten. Doch wie immer bei Anderson, bekamen die paar Besucher einen außergewöhnlichen Filme zu sehen, der sich nicht nur lohnt, sondern das vielleicht am nachhaltigsten wirkende Werk der jüngeren Kinoära ist. Und der Film ist definitiv für das Kino gedreht, nicht für den Fernsehschirm, sei er noch so groß und flach.

Was immer Anderson jetzt noch anpackt, er muss sich an diesem Werk messen lassen. Es wird nicht mehr reichen, zwischendurch einen „nur“ guten Film wie „Punch-Drunk Love“ abzuliefern, der im Vergleich wie eine flapsige Fingerübung aussieht. Ein bleischweres Meisterwerk, irgendwo zwischen „2001“ „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Wall Street“ und „Blade Runner“. Und doch ganz anders. Die Schublade, in die sich das hier stecken ließe, muss erst noch erfunden werden.

(c) 2009 by Thomas Lehner

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Der Pate I & II (TV-Schnitt)

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

Darsteller: Marlon Brando, Al Pacino, Andy Garcia
Regisseur: Francis Ford Coppola
FSK:  Freigegeben ab 16 Jahren

Der Volksmund sagt ja, dass getretener Quark breit, nicht stark wird. Offenbar gilt dies für Kaviar ebenso, denn der wird länger/breiter/größer auch nicht stärker, prima zu beobachten bei Coppolas TV-Neuschnitt der ersten beiden Teile des “Paten”. Seine Jahrhundertwerke werden hierbei in chronologischer Reihenfolge erzählt und um einige Szenen erweitert, sodass die ohnehin stattliche Laufzeit auf knappe 400 Minuten anwächst, gesplittet in vier Teile.

Das hört sich natürlich erst mal großartig an, denn eine gute Stunde mehr verspricht gleichzeitig mehr Infos und damit ein noch tieferes Eintauchen in die Familiengeschichte der Corleones. Die Wahrheit sieht leider anders aus, denn die zusätzlichen Szenen haben für die Story an sich keinen großen Nutzen und sind nicht ohne Grund aus der Kinofassung geflogen. Die Charaktere gewinnen durch sie kaum an Tiefe, vielmehr wird der eh schon viel Geduld und Aufmerksamkeit erfordernde Plot doch sehr in die Länge gestreckt und lenkt eher von den wirklich wichtigen Szenen ab. Zum Beispiel zeigt Coppola, im Gegensatz zur Kinofassung, die Ermordung des sizilianischen Verräters Fabrizio, durch den Michaels Frau einem Attentat zum Opfer fiel. Für diejenigen, welche die Kinofassungen kennen, ist das durchaus ein interessanter Zusatzaspekt, aber die Story bringt das zu diesem Zeitpunkt keinen Schritt voran, da Fabrizio keinerlei Einfluss mehr auf das Geschehen innerhalb der Familie Corleone hat. Bei den Deleted Scenes auf der DVD-Collection ist solcherlei Material also deutlich besser aufgehoben, als in einem fertigen Film.

Was aber noch schwerer wiegt, ist die Erzählung in chronologischer Reihenfolge. Beim ersten Teil ist das noch unerheblich, der lief ja schon in der Kinofassung in der regulären zeitlichen Abfolge. Anders verhält es sich mit dem zweiten Teil, der ja einen Großteil seiner Faszination gerade aus der Tatsache zog, dass die Geschichte des jungen Vito Corleone (und damit der Aufbau des Familienimperiums) und die seines Sohnes Michael (mit dem Zusammenbruch der Dynastie) parallel montiert wurden. Das sorgte einerseits für Abwechslung, vor allem aber für einen unmittelbaren, tragischen und epischen Sog, den wenige Gangsterfilme danach erreicht haben (Sergio Leones “Es war einmal in Amerika” muss in diesem Zusammenhang natürlich erwähnt werden). In Coppolas Langfassung ist die ganze Tragweite von Michaels Handeln als Don für den Zuschauer daher nicht ganz so spürbar wie in “Der Pate – Teil 2″.

Zudem wird allzu oft deutlich, dass das Drehbuch einfach nicht für einen TV-Vierteiler konzipiert wurde, wodurch der Eindruck eines irgendwie “unrunden” Films entsteht. Besonders schön zu beobachten an der Stelle, wo das Ende des ursprünglich ersten Teils mit dem Anfang der Fortsetzung anhand einer kurzen Alibi-Lückenfüller-Szene mit einem nachdenklichen Michael Corleone am See verbunden wurde. Das wirkt sehr hilflos zusammengeflickt, ebenso wie der ein oder andere Szenenübergang sehr abrupt und unpassend gesetzt wurde. Wo wir gerade beim Schnitt sind: Fast sämtliche Gewaltszenen wurden von Coppola TV-würdig umgeschnitten, sodass von den doch sehr brutalen Ermordungen der Originalfassungen wenig übrig blieb. Natürlich haben die Kinofilme am allerwenigsten von der Gewalt gelebt, aber für Fans bleibt aufgrund dieser Schnitte doch ein fader Beigeschmack haften. Gift für die Atmosphäre ist zudem die Änderung des Bildformats ins fernsehtaugliche Vollbild.

Änderungen größerer Art erfuhr auch die deutsche Fassung, die komplett neu synchronisiert wurde. Einen Qualitätsverlust stellt dies glücklicherweise nicht dar, tummeln sich doch so namhafte Sprecher wie Christian Brückner und Frank Glaubrecht darunter, die ja zudem die gewohnten deutschen Stimmen von de Niro und Pacino sind. Etwas schade allerdings, dass auch legendäre und lieb gewonnene Dialogzeilen der Marke “Möchten Sie mein Freund sein…Mein Pate?” (hier: “Seien Sie mein Freund…Bitte Pate!”) geringfügig geändert wurden. Das entstellt im vorliegenden Beispiel sogar ein wenig den Sinn, wenn aus einer flehenden Bitte eine Aufforderung wird.

Die Aufzählung dieser negativen Aspekte ist natürlich immer noch Jammern auf allerhöchstem Niveau, denn die grandiosen Darsteller, die opulente Ausstattung (v.a. New York im frühen 20. Jahrhundert ist eine Augenweide) und die famose Kameraarbeit kann man ja nicht antasten. Trotzdem kann man auch keine zwei separaten Mozart-Kompositionen zusammenwerkeln, in anderer Reihenfolge ablaufen lassen und um einige Passagen ergänzen. Die individuelle Klasse einzelner Stücke bleibt damit erhalten, aber der Gesamteindruck, das große Ganze, ändert sich nicht unerheblich. Für “Der Pate – Die Saga” gilt eben dies genauso, sodass man fortan lieber immer wieder auf die lieb gewonnenen Originalfassungen zurückgreifen wird.

(c) 2009 by Thomas Lehner

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Die Sopranos

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

Darsteller: James Gandolfini, Edie Falco, Michael Imperioli, Dominic Chianese, Lorraine Bracco
Regisseure: Tim Van Patten, Alan Taylor
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Warner Home Video – DVD
Produktionsjahr: 1999

Man sollte ja mit Attributen wie “revolutionär” und “genial” nicht allzu verschwenderisch umgehen, aber bei den “Sopranos” sind Superlative definitv angebracht. Schöpfer David Chase und seine Crew erkannten die Zeichen der Zeit und kreierten statt eines, oft gesehenen, dreistündigen Mafia-Epos für das Kino einfach eine TV-Serie mit nicht weniger als sechs Staffeln. Statt einzelne Folgen abzuschließen, besteht die Serie aus mehreren staffelübergreifenden roten Handlungsfäden und zeigt uns den Alltag einer mächtigen Mafiafamilie aus New Jersey mit dem Oberhaupt Tony Soprano.

Wenn man so will, haben die “Sopranos” den Leinwandmythos der Mafia aus dem Elfenbeinturm der Coppola- und Scorsesefilme zurück in die Realität geholt. Zwar umgeben sich Tony und seine Crew mit schönen Frauen, fahren Oberklassewagen und leben in Häusern, die sich unsereins niemals leisten könnte – aber die privaten Probleme sämtlicher Familienmitglieder könnten auch die eines Otto Normalbürgers sein. Bedenkt man, dass ein Mafiaboss wie Tony Soprano an Panikattacken leidet und regelmäßig eine Psychologin aufsucht, muss man geradezu von einer Demaskierung des in der Filmhistorie häufig romantisierten Mafialebens sprechen. Von der Erhabenheit und Eleganz eines Vito Corleone ist Tony meilenweit entfernt, vielmehr agiert er als cholerischer, psychisch labiler Schutzpatron seiner Familie, im klassischen wie im kriminellen Sinn.
Glücklicherweise wird mit typischen Mafiaklischees jedoch nicht plump abgerechnet: Immer wieder werden Filmklassiker liebevoll rezitiert, seien es bestimmte Redewendungen (“bei den Fischen schlafen”), diverse Ehrenkodizes (der Umgang mit Verrätern aus den eigenen Reihen, Aufnahmerituale etc.) oder der ein oder andere Abgang. Für Fans klassischer Gangsterfilme sind “Die Sopranos” eine wahre Fundgrube an Anspielungen, zudem sind nahezu alle Hauptrollen mit bekannten Gesichtern aus “GoodFellas” & Co besetzt.

Herausragende Qualität erreicht die Serie jedoch erst durch ihre Charakterzeichnung, denn für wirklich jede Hauptfigur ist genügend Spielraum vorhanden. Fast jede Person hat zwischendurch seine Folgen, in denen ausführlich auf sie eingegangen wird, was sich nicht nur auf Tony und seine Angehörigen beschränkt. Vor allem zu Tonys Seelenleben erhalten wir aber unbeschränkten Zugang, leistet er sich doch regelmäßig Sitzungen bei der Psychologin Jennifer Melfi und plaudert ausführlichst über seine Empfindungen. Bemerkenswert dabei ist sicherlich, wie sehr sich Autor David Chase einen Dreck um eventuelle Sympathiewerte seitens der Zuschauer schert: Häufiger lässt Tony frauenverachtende Sprüche altsizilianischer Schule vom Stapel und spart auch sonst nicht mit Beschimpfungen über Minderheiten (v.a. Schwarze und Schwule). Seine fortwährenden Affären machen ihn nicht unbedingt sympathischer, sodass man als Zuschauer ihm gegenüber ständig zwiespältig eingestellt ist: Einerseits ein treusorgender Familienvater, der immer nur das Beste für die Seinen will und so schnell niemanden aus den eigenen Reihen fallen lässt, andererseits ein unberechenbarer Choleriker mit ausgeprägtem Hang zum Chauvinismus. Bewunderung und Abneigung wechseln sich ständig ab, doch Vorhersehbarkeit und Langeweile kommen definitiv zu keinem Zeitpunkt auf.

David Chase macht es dem konditionierten Zuschauer auch ansonsten nicht leicht mit seinen Handlungssträngen. Nicht nur, dass es davon äußerst viele gibt, sie enden zudem meist gegen jedwede Erwartungen, oder noch schlimmer: Im Nirgendwo. Häufig werden Fäden einfach nicht mehr weitergesponnen und offen gelassen, wobei man zunächst schwer sagen kann, ob das Chase’ Absicht war, oder auch ein Stück Fahrlässigkeit mit im Spiel war. Erst nach dem Ende der sechsten Staffel ist man, zumindest in dieser Hinsicht, schlauer. Oft bleiben Fragen völlig offen: Der Verbleib des Russen in der Folge “Pine Barrens” (nebenbei eine der Besten überhaupt), die Vergewaltigung Melfis oder das Schicksal Furios in der vierten Staffel werden nicht endgültig bzw. gar nicht beantwortet. Dass es sich dabei wohl um ein bewusstes Stilmittel handelt, beantworten schließlich erst die finalen fünf Minuten der “Sopranos”, die gleichzeitig noch einmal stellvertretend für die gesamte Serie stehen:

Die Erwartungen des Zuschauers werden mit dem Ende der vorletzten Folge “Blue Comet” (Tony im Dunkeln zu Bett gehend, mit einem Gewehr in der Hand, dazu eine Instrumentalversion des famosen Songs “Running Wild” von den Tindersticks; eine Gänsehautszene allererster Güte!) geschürt: Tony und seine Familie sind am Boden wie nie zuvor, ein Großteil seiner Kumpanen wurde ausgelöscht, und angesichsts des deutschen Titels der letzten Folge “Die Sopranos schlagen zurück” erwartet man nun die große Rachebluttat Tonys zum Showdown, wie das eben so üblich ist.

Nichts dergleichen passiert: Gerade mal ein Feind muss daran glauben, die restlichen Probleme werden alleine mit Verhandlungsgeschick gelöst. Völlig unspektakulär. Und dann kommt es zu einer kontroversen Schlussszene, wie sie das amerikanische TV bis dato wohl noch nie gesehen hat, die aber doch so typisch für die ganze Serie ist:
Tony, Carmela und Anthony jr. sind beim Essen in einem Restaurant, im Hintergrund läuft Journeys “Don’t stop believing”, was schon textlich wie die Faust aufs Auge passt. Meadow kommt zu spät zum vereinbarten Treffen, und versucht draußen verzweifelt rückwärts einzuparken, währenddessen wird mit jeder Kameraeinstellung, mit jedem Schnitt eine geradezu unerträgliche Spannung aufgebaut. Leute betreten das Restaurant, die Kamera verweilt auf den Gesichtern von Gästen, “Der Pate” wird noch nebenbei zitiert (Mann geht aufs Klo), plötzlich bricht beim Zuschauer fast Panik aus: Ist Tony etwa ausgerechnet jetzt in Gefahr, wo doch alle Angelegenheiten geklärt sind? Das Geschehen ist undurchsichtig, die Szenerie wirkt fast surreal und scheint auf mehreren Ebenen interpretierbar. Man erwartet den großen Knall und es endet:

Im großen Nichts.

Tony schaut erschrocken in die Kamera, die Musik stoppt abrupt, und der Bildschirm bleibt für Sekunden schwarz. Über das, was passiert ist, kann man freilich eifrig diskutieren (am naheliegendsten ist natürlich der Tod Tonys in diesem Moment), oder sich einfach nur damit abfinden, dass Chase uns wieder einmal gepackt und einfach komplett an der Nase herumgeführt hat. Alles kommt anders, als man sich das gedacht hat, und eine Serie, die über sechs Staffeln ohne Cliffhanger zwischen den einzelnen Folgen auskam, fährt nun den größten überhaupt möglichen Cliffhanger mit der allerletzten Szene auf. Grandios!

Chase schlägt auf diese Weise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: “Die Sopranos” werden dank des kontroversen Endes und der damit ausgelösten Diskussionen mit Sicherheit im Langzeitgedächtnis vieler Serienfans haften bleiben, zudem wird die Hintertür für einen Kinofilm oder eine Fortsetzung damit einen Spalt weit offen gelassen, auch wenn das von allen Seiten vehement dementiert wird. Dass aber in der TV-Branche alles möglich ist, wenn nur das Geld stimmt, steht ja außer Frage.

Dem überwiegenden Teil der Deutschen wird das eh scheißegal sein, denn hierzulande war der Serie erwartungsgemäß kaum Erfolg beschieden. Schuld daran sind einerseits die Sender, welche die Folgen zu unmöglichen Zeiten ausstrahlten und eine miserable Werbepolitik betrieben, andererseits, und das zum größeren Teil, die Sehgewohnheiten des deutschen Publikums, in dessen “Hinter-Gittern”- und “Cobra-11″-Horizont ein komplexes Gesamtwerk wie “Die Sopranos” einfach nicht hineinpasst. Außerdem ist die Serie nicht darauf ausgelegt, einen bestimmten Sendeplatz in der Fernsehwoche einzunehmen, sondern ist auf dem Medium DVD am besten aufgehoben. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren mit anderen US-Produktionen wie “24″ oder “Six Feet Under” fort.

“Die Sopranos” haben die TV-Landschaft grundlegend verändert und qualitativ das Tor zu einer neuen Dimension aufgestoßen. Ein gewalttätiges, schwarzhumoriges, trauriges und vielschichtiges Mammutwerk, dem kaum eine Besprechung gerecht werden, und dessen Tragweite man erst nach Komplettansicht und einigem Abstand begreifen kann.

(c) 2009 by Thomas Lehner

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Die Sopranos – Die ultimative Mafiabox (Season 1-6; 28 DVDs)
The Sopranos-Music from the Hbo Original Series

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Babylon A.D.

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 101 Minuten

Regie: Mathieu Kassovitz
Drehbuch: Mathieu Kassovitz, Eric Besnard
Darsteller: Vin Diesel, Melanie Thierry, Michelle Yeoh, Lambert Wilson, Mark Strong, Jérôme Le Banner, Gérard Depardieu, Charlotte Rampling, Joel Kirby, Souleymane Dicko, David Belle, Radek Bruna

Produktion: USA/Frankreich 2008
Produktionsfirmen: Twentieth Century Fox, Canal+
Produzent: Christophe Rossignon, Alain Goldman, Mathieu Kassovitz, Benoit Jaubert, Gary Ungar

Action-Star Vin Diesel in einem Action-Film, das passt wie Diesels Faust aufs Auge …

Die Zukunft: Söldner Toorop (Vin Diesel) schlägt sich in Osteuropa so durchs Leben, als er von Mafiosi Gorsky (Gérard Depardieu) den Auftrag bekommt, eine junge Frau über die Grenze nach New York zu bringen. Als Belohnung winken Geld und ein neues Leben – also sagt Toorop zu.

Schon holt er die schöne Aurora (Melanie Thierry) und ihre Leibwächter-Nonne Schwester Rebeka (Michelle Yeoh) aus einem Kloster ab. Mit dem Auto, der Bahn, dem U-Boot und dem Schneemobil geht es dann los. Unterwegs gibt es allerhand zu erleben und zu zerlegen, denn fremde Häscher sind Toorop und seinem knackigen Schützling auf der Spur …

O weh, was für ein Murks. Irgendwie zeigt der Film weniger, als er könnte. Kein Wunder, dass sich Regisseur Mathieu Kassovitz im Vorfeld von „Babylon A.D.“ distanzierte und darauf verwies, man hätte ihm seine Arbeit mittels Anwälten am Set erschwert und auf eine niedrige Jugendfreigabe hingearbeitet. Auch Vin Diesel soll wegen der Schneidepolitik von Twentieth Century Fox humorvolle Äußerungen getätigt haben, doch irgendwie kommt dann auch immer schnell ein Dementi. Das kann ja aber auch alles nur Zufall sein, also wenden wir uns lieber den actionharten Fakten zu.

„Babylon A.D.“ basiert locker auf dem Roman „Babylon Babies“ des französischen Schriftstellers Maurice G. Dantec. Es handelt sich dabei um einen Actionstreifen mit Vin Diesel, der durch „Pitch Black“ und „xXx“ bekannt wurde. In „Der Babynator“ war er allerdings eine Lachnummer – leider mehr, als es ihm lieb war. Dabei bewies Diesel doch in „Find Me Guilty“, dass er auch Charakterrollen verkörpern kann. Nach einem durch Finanzproblemen gescheiterten Hannibal-Versuch, lässt er sich also in „Babylon A.D.“ förmlich verheizen.

Der Streifen beginnt mit einem typischen Blick aus dem All auf die Erde hinab, dann kommt eine Kamerafahrt durch eine kalte osteuropäische Stadt und als Score läuft doofer Rap, der keinen mehr hinter dem Sofa hervorlockt und einfach nur ein Klischee bedient. Ja, jetzt wissen wir es, es ist eine kalte und gemeine Welt, in der niemand mehr richtig Geld hat und überall LCD-Bildschirme hängen, um der Sache einen futuristischen Anstrich zu verleihen. Das wirkt alles aufgesetzt, aber wenigstens die interaktive Straßenkarte im Kofferraum sieht gut aus – in den 80er Jahren vielleicht. In Bordnavi-Zeiten fragt man sich nur, wo Herr Toorop sein Navigerät gelassen hat. Die sind schneller, einfacher und bequemer. Na ja, sieht mit schicker CGI-Karte dann halt futuristisch aus, ist es aber keineswegs.

Aber weiter im Film! Mister Diesel ist wenigstens körperlich eine passende Besetzung für den Söldner. Leider halten sich seinen körperlichen Einsätze begrenzt oder sind durch lichtarme Kulissen kaum zu erkennen. Was für ein Mist, zu gerne würde man ihn zuhauen und Nasen brechen sehen. Stattdessen turnen High-Tech-Söldner durchs Bild und beginnt Michelle Yeoh mir ihren Kampfkünsten. Aber auch die bringen keine echte Action und sehen einfach nur gut aus. Da fragt man sich, warum der deutsche Schnitt 11 Minuten länger ist als die US-Fassung, aber trotzdem nix passiert. Man wollte wohl wenigstens ein FSK von 16 erreichen. Schade.

Also die Action in diesem Film ist eher müde, der Anteil an Science Fiction wirkt künstlich (und zwar im negativen Sinne) und die Geschichte ist kaum vorhanden und am Ende übereilt. Dazu ein heutzutage übliches familientaugliches Ende, in dem der harte Actionheld seinen weichen Kern zeigt. Nun, wenigstens sieht Melanie Thierry klasse aus und erinnert doch stark an Mila Jovovich. Nun, die gute Mila hätte wenigstens mehr Haut gezeigt und auch mal jemanden vermöbelt. Melanie sieht nur niedlich aus und ist die Rettung der Menschheit und so weiter und so fort.

Also nein, irgendwie ist der Film einfach nur schlecht. Zwar sind alle Zutaten vorhanden, aber es gibt keine Mischung die Spaß macht. Man kann sich „Babylon A.D.“ zwar angucken, aber bitte ohne große Erwartungen – mehr noch – möglichst gar keine Erwartungen. Darf man Mathieu Kassovitz glauben schenken, so haben einfach die Filmstudios in ihrer Lust am Geld die Aufgabe eines Actionfilms missverstanden, denn der soll in erster Linie gut unterhalten und es krachen lassen.

(c) 2008 by Günther Lietz

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Wanted

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: 110 Minuten

Regie: Timur Bekmambetow
Drehbuch: Michael Brandt, Derek Haas
Darsteller: Morgan Freeman, James McAvoy, Angelina Jolie, Terence Stamp, Thomas Kretschmann, Common, Kristen Hager, David O’Hara, Chris Pratt, Konstantin Khabendsky, Dato Bakhtadze, Lorna Scott

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Marc Platts Prod
Produzent: Marc E. Platt, Jason Netter, Jim Lemley, Iain Smith, Marc Silvestri, Adam Siegel, Roger Birnbaum, Gary Barber

Erneut sucht sich eine Comicadaption den Weg in die Kinos, um als Blockbuster für Knalleffekte zu sorgen …

Wesley Gibson (James McAvoy) ist ein unscheinbarer Kerl mit psychischen Problemen, die er mittels Tabletten in den Griff bekommt. Wesley lässt sich von seinem Boss runterputzen, die Freundin wird von Wesleys bestem Freund gefickt und der Kontostand geht gegen Null. Im Grunde das Leben eines ganz normalen Weicheis. Doch dann, eines Abends, spricht in die attraktive Fox (Angelina Jolie) an, erzählt sie kenne Wesleys für ihn unbekannten Vater und schon fliegen die Kugeln – denn der böse Superkiller Cross (Thomas Kretschmann) taucht unvermittelt auf.

Wesley flieht und wird von Fox mit der Bruderschaft bekannt gemacht, einer elitären Vereinigung von Superkillern, die mittels Binärcode das Schicksal der Welt bestimmen. Ihr Anführer ist Sloan (Morgan Freeman). Dieser eröffnet Wesely nun, dass dessen Vater ebenfalls ein Superkiller war und von Cross getötet wurde. In Wesley schlummern auch unvorstellbare Kräfte und die Bruderschaft wäre bereit diesen Niemand von der Straße als Killer auszubilden, damit er an Cross Rache nehmen kann. Nach einigem Zaudern willigt Wesley ein und dann geht es richtig los!

Nach einer kurzen und harten Ausbildung gehört Wesley ebenfalls zur Bruderschaft. Er findet Cross, stellt ihn schlussendlich und es kommt zum Kampf, der die ganze bittere Wahrheit offenbart …

Mit „Wanted“ debütiert der russische Regisseur Timur Bekmambetow endlich auch in Hollywood, nach dem seine Filme „Wächter der Nacht“ (2004) und „Wächter des Tages“ (2006) für internationale Aufmerksamkeit und Ansehen sorgten. Bekmambetow als Actionspezialisten und Garant für frische Ideen einzukaufen, war für Universal sicherlich ein Glücksgriff – denn der Russe (allerdings gebürtig aus Kasachstan) rettet „Wanted“ vor dem sicheren Untergang.

Der Film ist – und das muss man neidlos anerkennen – ein Actionknaller. Und das war es auch schon, denn tatsächlich gab es erst die Idee eines Actionknallers, dann suchten sich die Produzenten das Fleisch für die Knochen, will heißen, den passenden Comic. Dementsprechend dünn ist die Handlung von „Wanted“ und voller Logikfehler. So basiert der Film auf einen Comic, weil heutzutage ein cooler Actionfilm halt auf einem Comic basieren muss. Hauptdarsteller James McAvoy wurde erst aussortiert, dann aber wieder an Bord geholt, weil er dem typischen Underdog entspricht. Angelina Jolie ist eine erotische Frau und dick im Geschäft – prompt wurde das Drehbuch erneut umgeschrieben, damit Jolie eine Rolle hat. Und so zieht sich eine Kette von Überarbeitungen und Anpassungen durch „Wanted“ – zu Lasten einer guten Story. Aber mal ehrlich, „Wanted“ braucht gar keine Story!

Nein, der Film ist so voller Action, abgedrehten Ideen und Einfällen, dass er ein andauerndes Actionfeuerwerk ist. Hier werden sämtliche Sinne ausgereizt, denn es kracht, es bummst, es zischt, es brennt, es knallt und dann ist da noch Angelina Jolie in erotischen, coolen Posen. Vor allem Männer kommen da auf ihre Kosten.

Dieses Actionfeuerwerk und CGI-Spektakel ist von Bekmambetow zwar grandios inszeniert, aber leider überreizt es schlussendlich auch die Sinne des Zuschauers, der nach dem halben Film kaum noch die Szenen genießen kann. Es tritt einfach eine Übersättigung ein. Schade, denn jede Actionszene ist perfekt inszeniert und ästhetisch überzeugend. Doch dieses Übermaß an Glanzlichtern blendet irgendwann, so dass nur noch wenig zu sehen ist. Schade, verdammt schade. Hier ist so viel Action drin, das hätte locker für zwei Filme gereicht.

Die schauspielerische Leistung der Darsteller ist übrigens auch vorhanden. Als Charakterdarsteller agiert Morgan Freeman, der einfach überzeugend spielt und für das Niveau des Films zuständig ist. Den sexy Part übernimmt Angelina Jolie, die sogar eine textilfreie Szene und einen heißen Kuss zum Besten gibt. Beides wirkt im Grunde deplaziert, aber – hey – es ist verdammt cool, also Scheiß auf „Deplaziert“!

Mit James McAvoy hat man sozusagen den Durchschnittstypen, mit dem sich jeder identifizieren kann. Er wird dann zum Superkiller und Superhelden und Supermann. Das macht Spaß. Nebenbei gibt es auch noch einen Seitenhieb auf „Matrix“ Helden Neo (ja, „Wanted“ ähnelt mit Action und Effekten verdammt stark an die „Matrix“-Trilogie), als Wesley eine Sonnebrille anzieht und sie dann mit einem flapsigen Spruch wieder abnimmt. „Wanted“ ist halt kein „Matrix“, das wird hier klargestellt.

Humor hat der Film also auch, keine Frage. Doch der ist manchmal blutig und böse. Aber politisch korrekt ist in „Wanted“ eh niemand. Hier tummeln sich die Spielkinder Hollywoods und lassen die Sau raus – und das zu sehen, macht einfach große Laune und unterhält. Das der Film nur an Erwachsene adressiert wurde, ist übrigens eine Wohltat. Endlich Schluss mit dem unkontrollierten Geschnippsel in harten Streifen, um so viele Besucher wie möglich ins Kino zu locken. Hier darf der böse Bube auch wirklich böse sein und der Zuschauer darf es auch sehen. Dabei handelt es sich keineswegs um tumben Splatter, sondern um pointiert gesetzte Bluteffekte.

„Wanted“ ist einfach moderne Actionunterhaltung. Kein Film der Dialoge, sondern ein Film der Sprüche. Kein Film der tiefgründigen Besinnlichkeit, sondern ein Film der oberflächlichen Coolness. „Wanted“ ist Action on the rocks, reine Unterhaltung ohne Hintergedanken. Also Popcorn raus, anschnallen und los!

(c) 2008 by Günther Lietz

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Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 122 Minuten

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Shia LaBeouf, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Paramount Pictures, Lucasfilm, Amblin Entertainment
Produzenten: Frank Marshall; Denis L. Stewart (Koproduzent); George Lucas, Kathleen Kennedy (Ausführende Produzenten)

Eigentlich ist es ja nur folgerichtig, dass nach all den Revivals der guten, alten Helden von John McClane bis Rambo auch Indiana Jones sein Comeback erleben darf. Wie bei eben genannten, hielten sich im Vorfeld Skepsis und Vorfreude die Waage, und auch das Urteil fällt im Nachhinein ähnlich aus: Ordentlich, aber eine Wiederbelebung der Franchise war bei dem Ergebnis nun wirklich nicht zwingend notwendig.

Spielberg gibt sich von Anfang an Mühe, sowohl Fans der alten Trilogie, als auch die neue Generation zufriedenzustellen. Gleich die erste Einstellung ist eine schöne Reminiszenz an den Einstieg von “Raiders of the lost Ark”, wenig später erklingt John Williams’ Bundesladen-Thema und erzeugt die erste Gänsehaut. Immer wieder wird es solche Anspielungen auf die alten Filme geben; dieses Kokettieren mit dem Nostalgiefaktor zaubert einem immer wieder ein Schmunzeln aufs Gesicht, gerade wo mit zunehmender Filmdauer die Unmöglichkeit des Unterfangens, einen gleichwertigen vierten “Indy” abliefern zu wollen, immer deutlicher wird.

So ist es fast bezeichnend, dass sich das klassische Indy-Feeling, wenn überhaupt, nur in der ersten Stunde ab und zu einstellt, obwohl man sich hier in den Fünfzigern befindet, wo doch alle Teile vorher um den Zweiten Weltkrieg herum spielten. Doch an die Kommunisten als neues, comichaft überzeichnetes Feindbild hat man sich schnell gewöhnt, und was viel wichtiger ist: Spielberg ist einfach ein guter Regisseur, der in der Lagerhallenszene oder bei der Verfolgungsjagd in London einfach ein Gespür für Timing und Tempo besitzt, der Rasanz übermitteln kann, ohne in die Unübersichtlichkeit und Hektik eines modernen Blockbusters der Marke “Jason Bourne” zu verfallen. In den besten Momenten blitzt dieses Können wieder auf, das die LKW-Verfolgung in “Raiders…”, die Lorenfahrt aus “Temple of Doom” oder sämtliche Actionsequenzen des dritten Teils so unvergesslich machte. Ford spielt lässig wie eh und je, und ist scheinbar keinen Tag gealtert. Pointierten Dialogwitz und aus dem Ärmel geschüttelte Oneliner inklusive!

Doch ausgerechnet, als das Abenteuer in Peru so richtig beginnen soll, begeht vor allem das Drehbuch haarsträubende Fehler. Anstatt das kurze Intermezzo im Amazonas-Camp dafür zu nutzen, den neuen Franchise-Figuren um Blanchett, LeBoeuf, Winstone (der gefühlte zehnmal die Seiten wechselt) und Hurt etwas Profil zu verpassen, kommt hier die hanebüchene Story um den Kristallschädel langsam in Gang. Indys Begegnung mit dieser Reliqiuie und ihrer Fähigkeiten wirkt eher befremdlich, als bedrohlich, und über den verrückt gewordenen Professor Oxley schüttelt man vielmehr den Kopf, anstatt sich über ihn zu amüsieren. Geschweige denn, ihn sympathisch zu finden. Auf jeden Fall findet sich weit und breit keine Person der Marke Marcus Brody oder Sallah, welche vorangegangene Teile so unverwechselbar und einmalig machten. Karen Allen, deren Karriere seit Jahren auf Eis liegt, zu casten, wirkt da schon fast wie ein Akt der Verzweiflung, eine Sympathieträgerin neben Ford in die Gegenwart hinüberzuretten. Doch vergleicht man die Marion Ravenwood mit der von vor knapp dreißig Jahren, ist da jegliches Feuer und viel von der Chemie zwischen Jones und ihr verschwunden.

Die Treibsandszene ist für Fans freilich noch einmal ein Schmankerl, wo nebenbei noch die Verwandtschaftsverhältnisse geklärt werden können, die man sich aber eh schon zusammengereimt hat. Die anschließende Hatz durch den Dschungel hat zwar wieder den nötigen Drive (und erinnert beim Degenkampf stark an “Fluch der Karibik 2″), jedoch fällt hierbei der übermäßige CGI-Einsatz zum ersten Mal negativ ins Gewicht, weshalb auch die an und für sich nicht schlechten Szenen mit den Killerameisen weniger bedrohlich erscheinen, als gewollt. Über LeBoefs Johnny-Weissmüller-Gedächtnis-Einlage legt man dann aber am Besten den Mantel des Schweigens, ebenso über Marions Flucht nach vorne eine Schlucht hinunter. Das anschließende Treiben über die Wasserfälle ist sicherlich nett anzusehen, hat man aber vor 25 Jahren im zweiten Teil schon in ähnlicher Form mit einem Schlauchboot bewundern dürfen.

Den folgenden Showdown muss man leider als grob fahrlässig bezeichnen, denn es gibt weder Futter für die Augen (Blanchetts Abgang ist geradezu erbärmlich getrickst), noch fürs Hirn. Letzteres muss Spielberg in solch einem Film zwar gar nicht liefern, aber die Verwirrung bei fast allen Zuschauern im Kino war doch fassbar. Die Bezeichnung “konfus” für all das, was ab dem Eintritt in die Kammer mit den Kristallschädeln passiert, ist fast schon untertrieben. Einen runden Abschluss findet Spielberg mit seinem kitschigen Ende ebenso wenig, außer er wollte mit der letzten Szene die Prüderie und klinische Reinheit der 50er aufs Korn nehmen. Ein Augenzwinkern ist aber leider nicht zu erkennen, sodass im Nachhinein ein eher zwiespältiger Eindruck bleibt.

Sicher, Spielberg liefert einen für die Maßstäbe des modernen Hollywood soliden Film ab, der die Verehrer der alten Filme nicht komplett vergrault, und auch die Halbwüchsigen mit iPod-Nano eine Reihe vor mir gut unterhalten hat. Aber die werden nie wissen, wie es ist, mit neun Jahren am Samstagabend einen Film namens “Jäger des verlorenen Schatzes” auf Sat.1 für sich zu entdecken – grausam gekürzt zwar, und im falschen Bildformat – nur um die Wiederholung am Sonntagmorgen gleich noch mal anzusehen, was bei diesem vierten Teil unmöglich erscheint. Ob das jetzt wirklich an der Qualität liegt, oder einfach nur daran, dass man halt älter wird, mag ich allerdings auch nicht entscheiden. Wahrscheinlich stimmt beides ein bisschen …

(c) 2009 by Thomas Lehner

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Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (2 Discs) [Blu-ray]
Indiana Jones Quadrilogie (5 DVDs)
Indiana Jones and The Kingdom of The Crystal Skull (Music)
Indiana Jones: The Soundtrack Collection
Lego Indiana Jones – Die legendären Abenteuer
Lego Indiana Jones – Die legendären Abenteuer (NDS)
Lego Indiana Jones – Die legendären Abenteuer (Wii)
Lego Indiana Jones 7627 – Der Tempel des Kristallschädels
Indiana Jones 1 – 3: Jäger des verlorenen Schatzes. Indiana Jones und der Tempel des Todes. Der letzte Kreuzzug (Roman)
Das Tagebuch von Indiana Jones (Buch)

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Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 122 Minuten

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Shia LaBeouf, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Paramount Pictures, Lucasfilm, Amblin Entertainment
Produzenten: Frank Marshall; Denis L. Stewart (Koproduzent); George Lucas, Kathleen Kennedy (Ausführende Produzenten)

Eine Legende kommt in die Jahre und zeigt was sie kann …

Indiana Jones (Harrison Ford) ist zwar gealtert, aber dennoch der ewige Abenteurer geblieben. Die Nazis haben allerdings ausgedient und der kalte Krieg nun regiert die Welt. Die Russen sind das neue Feindbild und haben prompt Indy und seinen Kumpel Mac (Ray Winstone) entführt.

Indiana Jones soll für sie in einem Militärlager – inmitten der Wüste Nevadas – eine Kiste mit mysteriösem Inhalt ausfindig machen, so jedenfalls der Wunsch von Russlands Parapsychologin Nummer Eins: Irina Spalko (Cate Blanchett).

Zwar bekommen die Russen die Kiste nebst Inhalt in die Finger und Indys Freund entpuppt sich als Schwein, doch der charmante Abenteurer kann fliehen – mittels einem Düsentriebwerk, einem Kühlschrank und einer Atomexplosion.

Kaum daheim angekommen beschließt Henry Jones Junior das Land zu verlassen. Immerhin lebt er in der McCarthy-Ära und ihm wird eine prokommunistische Gesinnung vorgeworfen – so kann er kaum an der Uni lehren. Doch Bevor der smarte Archäologe das Land verlässt, kontaktiert ihn der junge Mutt (Shia LaBeouf).

Dieser hat einen Brief von Marianne Ravenwood (Karen Allen) im Gepäck, Indys alter Liebe. Es geht um einen Kristallschädel, Südamerika, dem verschollenen Professor Oxley (John Hurt) und die Russen – die auch prompt auftauchen. Also fliehen Indy und Mutt, um sich kurz darauf nach Südamerika zu begeben.

Hier entdecken sie tatsächlich den ominöse Kristallschädel, doch auch die Russen sind wieder da und lauern Indy auf. Im Dschungel beginnt der Spaß erst richtig und Indiana Jones läuft zur Höchstform auf …

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist ein gelungener Abenteuerfilm, doch gemessen an seinen drei Vorgängern könnte man ihn leider auch als uninspirierte Fortsetzung bezeichnen.

Bereits der Einstieg zeigt, dass sich Steven Spielberg weidlich an Filmideen der letzten Jahrzehnte bediente und die Unlogik hemmungslos auf dieser Spielwiese der Einfallslosigkeit weiden lässt. Da gibt es ein Wettrennen wie in George Lucas „American Graffiti“, die Atomdusche mit nackigem Oberkörper ähnlich „James Bond jagt Dr. No“, schwingt sich Shia LaBeouf wie Disneys „Tarzan“ durch den Dschungel – nach dem er, wie einst Marlon Brando in die „Wilden“, daherbraust -, sieht man ein Säbelgefecht im Stile von „Fluch der Karibik 2“, gibt es eine Pyramide nebst Dschungel wie in „Die Mumie 2“ und ein Ende, das an „Begegnung der Dritten Art“ erinnert. Aber auch Serienelemente finden sich wieder. So erinnert die Außerirdischenthematik ein wenig an die Asgard-Auslegung, wie man sie auch in „Stargate SG-1“ findet (zugegeben, das kann quellenbezogener Zufall sein) und ähnelt Indys Kumpel Mac stark der Figur von „McGyver“s Freund Jack Dalton (in der Serie gespielt von Bruce McGill), was Äußerliches und Charakter angeht. Nun, der Film ist sicherlich keineswegs zusammengeklaut, aber man hat halt alles schon mal gesehen.

Das die Handlung von der Mystery in die Science Fiction wechselt ist übrigens eine nette Sache, aber keineswegs überraschend. Überhaupt mangelt es dem Film an überraschenden Momenten. Wo in den ersten drei Teilen Indiana Jones Situationen noch mit scharfen Dialogen oder unkonventionellen Vorgehensweisen löste, bietet sich nun eher Standardkost. Man könnte meinen das Motto würde „Keine Experimente“ lauten. „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist sicherlich ein Blockbuster, aber er ist auch kommerziell sicherer Mainstream. Der Fan bekommt wenigstens den ein oder anderen humorvollen Blick auf die ersten drei Filme geboten.

Was die Handlung angeht, so ist sie durchschaubar und einfach gestrickt. Die Idee selbst könnte gar aus einem Buch des schweizerischen Autoren Erich von Däniken stammen. In seinem Buch „Kosmische Spuren“ behandelt er just diese Schädel (den Wahrheitsgehalt muss jeder selbst bewerten) und in Dänikens Werk „Zeichen für die Ewigkeit“ gibt es weitere Informationen über die Nazca-Linien – alles im Stile von Indy 4. Das gilt auch für den Mitchell-Hedges-Schädel oder den Londoner Schädel (ausgestellt im Britischen Museum). Beleuchtet man den Mitchell-Hedges-Schädel übrigens von hinten, kommt man nahe an die Spezialeffekte des Films heran, denn das Licht dringt durch die Augen hinaus und es bildet sich ein drittes Auge.

Überhaupt sind die Spezialeffekte des Films besonders hervorzuheben. Die meisten Sachen sind Old School und echte Handarbeit. CGI-Effekte kommen eher selten vor und so baut auch der Charme des Films zum Großteil darauf auf. Hier machen verschwitzte Stuntmen einen verdammt guten Job und wirken dabei auch verdammt überzeugend – verdammt, ist das gut!

Handwerklich gibt es einfach keinen Grund zum Meckern. Steven Spielberg versteht seine Arbeit und zaubert einen sauberen Actionknaller auf die Leinwand. Es Bummst, es Kracht, es Zischt, es macht Spaß. Rasante Kamerafahrten, gigantische Explosionen (die Sache mit dem Kühlschrank ist dennoch ein übertriebener Witz und kann von Spielberg auch nur als solcher gemeint sein) und harte Kämpfe. Dazu klasse Verfolgungsjagden, zerfräste Bäume, menschenfressende Ameisen und Abstürze jeglicher Art. Da geht einem einfach freudig das Actionherz auf!

Die Darsteller sind ebenfalls weltklasse. Harrison Ford zeigt zwar graue Haare, aber in der Tradition von Bruce Willis und Sylvester Stallone zeigt er auch, was ein alter Recke noch kann. Gleiches gilt für Karen Allen, die beweist, dass auch in die Jahre gekommen Darstellerinnen überzeugend spielen und begeistern können. Ihr erster Auftritt, Fords reagierender Blick, diese Posen, diese explodierenden Emotionen, dieses breite Grinsen … da wird man wuschisch, da verliebt man sich endgültig in den Film, da werden Erinnerungen an „Jäger des verlorenen Schatzes“ wach. Hach, was kann Kino schön sein …!!!

Dazu eine grandios agierende und spiellustige Cate Blanchett, die einfach alles verkörpern kann – erinnert man sich nur an die Filme jüngeren Datums dieser begnadeten Aktrice: „I’m Not There“ und „Elizabeth – Das goldene Königreich“. Diese Spielfreude, diese gezeigte Boshaftigkeit, dies alles ist ein wahrer Genuss. Ford, Allen und Blanchett alleine würden den Film bereits zu tragen wissen. Da fällt „Transformers“-Beau Shia LaBeouf kaum ins Gewicht. Doch auch er macht seine Sache gut und überzeugt auf ganzer Linie, ebenso wie John Hurt als wahnsinniger Professor „Ox“ Oxley (in „Alien“ entspringt ihm übrigens ein Alien aus der Brust, in „Spaceballs“ parodiert er diese Szene – somit ist er im vierten Indiana Jones als Alienkenner doch gut besetzt).

Über den Score muss eigentlich kein weiteres Wort verloren werden. John Williams hat einen ausgezeichneten Soundtrack geschrieben, der die Ohren verwöhnt und stets nahe beim Thema ist – „Indiana Jones“ für die Ohren eben. Auch die deutsche Synchronisation ist gelungen und weiß zu gefallen. Vor allem Wolfgang Pampel, als Exklusiv-Synchronstimme von Harrison Ford, ist mal wieder als genial zu bezeichnen.

Unter dem Strich ist „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ weniger als er hätte sein können, aber mehr als man glaubt. Auf jeden Fall ein spannender und erstklassiger Abenteuerfilm und vor allem gutes Kino. Diesen Film muss man sehen – trotz oder gerade wegen seiner Schwächen.

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