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Archiv für Januar 29th, 2009

Der Pate I & II (TV-Schnitt)

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

Darsteller: Marlon Brando, Al Pacino, Andy Garcia
Regisseur: Francis Ford Coppola
FSK:  Freigegeben ab 16 Jahren

Der Volksmund sagt ja, dass getretener Quark breit, nicht stark wird. Offenbar gilt dies für Kaviar ebenso, denn der wird länger/breiter/größer auch nicht stärker, prima zu beobachten bei Coppolas TV-Neuschnitt der ersten beiden Teile des “Paten”. Seine Jahrhundertwerke werden hierbei in chronologischer Reihenfolge erzählt und um einige Szenen erweitert, sodass die ohnehin stattliche Laufzeit auf knappe 400 Minuten anwächst, gesplittet in vier Teile.

Das hört sich natürlich erst mal großartig an, denn eine gute Stunde mehr verspricht gleichzeitig mehr Infos und damit ein noch tieferes Eintauchen in die Familiengeschichte der Corleones. Die Wahrheit sieht leider anders aus, denn die zusätzlichen Szenen haben für die Story an sich keinen großen Nutzen und sind nicht ohne Grund aus der Kinofassung geflogen. Die Charaktere gewinnen durch sie kaum an Tiefe, vielmehr wird der eh schon viel Geduld und Aufmerksamkeit erfordernde Plot doch sehr in die Länge gestreckt und lenkt eher von den wirklich wichtigen Szenen ab. Zum Beispiel zeigt Coppola, im Gegensatz zur Kinofassung, die Ermordung des sizilianischen Verräters Fabrizio, durch den Michaels Frau einem Attentat zum Opfer fiel. Für diejenigen, welche die Kinofassungen kennen, ist das durchaus ein interessanter Zusatzaspekt, aber die Story bringt das zu diesem Zeitpunkt keinen Schritt voran, da Fabrizio keinerlei Einfluss mehr auf das Geschehen innerhalb der Familie Corleone hat. Bei den Deleted Scenes auf der DVD-Collection ist solcherlei Material also deutlich besser aufgehoben, als in einem fertigen Film.

Was aber noch schwerer wiegt, ist die Erzählung in chronologischer Reihenfolge. Beim ersten Teil ist das noch unerheblich, der lief ja schon in der Kinofassung in der regulären zeitlichen Abfolge. Anders verhält es sich mit dem zweiten Teil, der ja einen Großteil seiner Faszination gerade aus der Tatsache zog, dass die Geschichte des jungen Vito Corleone (und damit der Aufbau des Familienimperiums) und die seines Sohnes Michael (mit dem Zusammenbruch der Dynastie) parallel montiert wurden. Das sorgte einerseits für Abwechslung, vor allem aber für einen unmittelbaren, tragischen und epischen Sog, den wenige Gangsterfilme danach erreicht haben (Sergio Leones “Es war einmal in Amerika” muss in diesem Zusammenhang natürlich erwähnt werden). In Coppolas Langfassung ist die ganze Tragweite von Michaels Handeln als Don für den Zuschauer daher nicht ganz so spürbar wie in “Der Pate – Teil 2″.

Zudem wird allzu oft deutlich, dass das Drehbuch einfach nicht für einen TV-Vierteiler konzipiert wurde, wodurch der Eindruck eines irgendwie “unrunden” Films entsteht. Besonders schön zu beobachten an der Stelle, wo das Ende des ursprünglich ersten Teils mit dem Anfang der Fortsetzung anhand einer kurzen Alibi-Lückenfüller-Szene mit einem nachdenklichen Michael Corleone am See verbunden wurde. Das wirkt sehr hilflos zusammengeflickt, ebenso wie der ein oder andere Szenenübergang sehr abrupt und unpassend gesetzt wurde. Wo wir gerade beim Schnitt sind: Fast sämtliche Gewaltszenen wurden von Coppola TV-würdig umgeschnitten, sodass von den doch sehr brutalen Ermordungen der Originalfassungen wenig übrig blieb. Natürlich haben die Kinofilme am allerwenigsten von der Gewalt gelebt, aber für Fans bleibt aufgrund dieser Schnitte doch ein fader Beigeschmack haften. Gift für die Atmosphäre ist zudem die Änderung des Bildformats ins fernsehtaugliche Vollbild.

Änderungen größerer Art erfuhr auch die deutsche Fassung, die komplett neu synchronisiert wurde. Einen Qualitätsverlust stellt dies glücklicherweise nicht dar, tummeln sich doch so namhafte Sprecher wie Christian Brückner und Frank Glaubrecht darunter, die ja zudem die gewohnten deutschen Stimmen von de Niro und Pacino sind. Etwas schade allerdings, dass auch legendäre und lieb gewonnene Dialogzeilen der Marke “Möchten Sie mein Freund sein…Mein Pate?” (hier: “Seien Sie mein Freund…Bitte Pate!”) geringfügig geändert wurden. Das entstellt im vorliegenden Beispiel sogar ein wenig den Sinn, wenn aus einer flehenden Bitte eine Aufforderung wird.

Die Aufzählung dieser negativen Aspekte ist natürlich immer noch Jammern auf allerhöchstem Niveau, denn die grandiosen Darsteller, die opulente Ausstattung (v.a. New York im frühen 20. Jahrhundert ist eine Augenweide) und die famose Kameraarbeit kann man ja nicht antasten. Trotzdem kann man auch keine zwei separaten Mozart-Kompositionen zusammenwerkeln, in anderer Reihenfolge ablaufen lassen und um einige Passagen ergänzen. Die individuelle Klasse einzelner Stücke bleibt damit erhalten, aber der Gesamteindruck, das große Ganze, ändert sich nicht unerheblich. Für “Der Pate – Die Saga” gilt eben dies genauso, sodass man fortan lieber immer wieder auf die lieb gewonnenen Originalfassungen zurückgreifen wird.

(c) 2009 by Thomas Lehner

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Die Sopranos

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

Darsteller: James Gandolfini, Edie Falco, Michael Imperioli, Dominic Chianese, Lorraine Bracco
Regisseure: Tim Van Patten, Alan Taylor
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Warner Home Video – DVD
Produktionsjahr: 1999

Man sollte ja mit Attributen wie “revolutionär” und “genial” nicht allzu verschwenderisch umgehen, aber bei den “Sopranos” sind Superlative definitv angebracht. Schöpfer David Chase und seine Crew erkannten die Zeichen der Zeit und kreierten statt eines, oft gesehenen, dreistündigen Mafia-Epos für das Kino einfach eine TV-Serie mit nicht weniger als sechs Staffeln. Statt einzelne Folgen abzuschließen, besteht die Serie aus mehreren staffelübergreifenden roten Handlungsfäden und zeigt uns den Alltag einer mächtigen Mafiafamilie aus New Jersey mit dem Oberhaupt Tony Soprano.

Wenn man so will, haben die “Sopranos” den Leinwandmythos der Mafia aus dem Elfenbeinturm der Coppola- und Scorsesefilme zurück in die Realität geholt. Zwar umgeben sich Tony und seine Crew mit schönen Frauen, fahren Oberklassewagen und leben in Häusern, die sich unsereins niemals leisten könnte – aber die privaten Probleme sämtlicher Familienmitglieder könnten auch die eines Otto Normalbürgers sein. Bedenkt man, dass ein Mafiaboss wie Tony Soprano an Panikattacken leidet und regelmäßig eine Psychologin aufsucht, muss man geradezu von einer Demaskierung des in der Filmhistorie häufig romantisierten Mafialebens sprechen. Von der Erhabenheit und Eleganz eines Vito Corleone ist Tony meilenweit entfernt, vielmehr agiert er als cholerischer, psychisch labiler Schutzpatron seiner Familie, im klassischen wie im kriminellen Sinn.
Glücklicherweise wird mit typischen Mafiaklischees jedoch nicht plump abgerechnet: Immer wieder werden Filmklassiker liebevoll rezitiert, seien es bestimmte Redewendungen (“bei den Fischen schlafen”), diverse Ehrenkodizes (der Umgang mit Verrätern aus den eigenen Reihen, Aufnahmerituale etc.) oder der ein oder andere Abgang. Für Fans klassischer Gangsterfilme sind “Die Sopranos” eine wahre Fundgrube an Anspielungen, zudem sind nahezu alle Hauptrollen mit bekannten Gesichtern aus “GoodFellas” & Co besetzt.

Herausragende Qualität erreicht die Serie jedoch erst durch ihre Charakterzeichnung, denn für wirklich jede Hauptfigur ist genügend Spielraum vorhanden. Fast jede Person hat zwischendurch seine Folgen, in denen ausführlich auf sie eingegangen wird, was sich nicht nur auf Tony und seine Angehörigen beschränkt. Vor allem zu Tonys Seelenleben erhalten wir aber unbeschränkten Zugang, leistet er sich doch regelmäßig Sitzungen bei der Psychologin Jennifer Melfi und plaudert ausführlichst über seine Empfindungen. Bemerkenswert dabei ist sicherlich, wie sehr sich Autor David Chase einen Dreck um eventuelle Sympathiewerte seitens der Zuschauer schert: Häufiger lässt Tony frauenverachtende Sprüche altsizilianischer Schule vom Stapel und spart auch sonst nicht mit Beschimpfungen über Minderheiten (v.a. Schwarze und Schwule). Seine fortwährenden Affären machen ihn nicht unbedingt sympathischer, sodass man als Zuschauer ihm gegenüber ständig zwiespältig eingestellt ist: Einerseits ein treusorgender Familienvater, der immer nur das Beste für die Seinen will und so schnell niemanden aus den eigenen Reihen fallen lässt, andererseits ein unberechenbarer Choleriker mit ausgeprägtem Hang zum Chauvinismus. Bewunderung und Abneigung wechseln sich ständig ab, doch Vorhersehbarkeit und Langeweile kommen definitiv zu keinem Zeitpunkt auf.

David Chase macht es dem konditionierten Zuschauer auch ansonsten nicht leicht mit seinen Handlungssträngen. Nicht nur, dass es davon äußerst viele gibt, sie enden zudem meist gegen jedwede Erwartungen, oder noch schlimmer: Im Nirgendwo. Häufig werden Fäden einfach nicht mehr weitergesponnen und offen gelassen, wobei man zunächst schwer sagen kann, ob das Chase’ Absicht war, oder auch ein Stück Fahrlässigkeit mit im Spiel war. Erst nach dem Ende der sechsten Staffel ist man, zumindest in dieser Hinsicht, schlauer. Oft bleiben Fragen völlig offen: Der Verbleib des Russen in der Folge “Pine Barrens” (nebenbei eine der Besten überhaupt), die Vergewaltigung Melfis oder das Schicksal Furios in der vierten Staffel werden nicht endgültig bzw. gar nicht beantwortet. Dass es sich dabei wohl um ein bewusstes Stilmittel handelt, beantworten schließlich erst die finalen fünf Minuten der “Sopranos”, die gleichzeitig noch einmal stellvertretend für die gesamte Serie stehen:

Die Erwartungen des Zuschauers werden mit dem Ende der vorletzten Folge “Blue Comet” (Tony im Dunkeln zu Bett gehend, mit einem Gewehr in der Hand, dazu eine Instrumentalversion des famosen Songs “Running Wild” von den Tindersticks; eine Gänsehautszene allererster Güte!) geschürt: Tony und seine Familie sind am Boden wie nie zuvor, ein Großteil seiner Kumpanen wurde ausgelöscht, und angesichsts des deutschen Titels der letzten Folge “Die Sopranos schlagen zurück” erwartet man nun die große Rachebluttat Tonys zum Showdown, wie das eben so üblich ist.

Nichts dergleichen passiert: Gerade mal ein Feind muss daran glauben, die restlichen Probleme werden alleine mit Verhandlungsgeschick gelöst. Völlig unspektakulär. Und dann kommt es zu einer kontroversen Schlussszene, wie sie das amerikanische TV bis dato wohl noch nie gesehen hat, die aber doch so typisch für die ganze Serie ist:
Tony, Carmela und Anthony jr. sind beim Essen in einem Restaurant, im Hintergrund läuft Journeys “Don’t stop believing”, was schon textlich wie die Faust aufs Auge passt. Meadow kommt zu spät zum vereinbarten Treffen, und versucht draußen verzweifelt rückwärts einzuparken, währenddessen wird mit jeder Kameraeinstellung, mit jedem Schnitt eine geradezu unerträgliche Spannung aufgebaut. Leute betreten das Restaurant, die Kamera verweilt auf den Gesichtern von Gästen, “Der Pate” wird noch nebenbei zitiert (Mann geht aufs Klo), plötzlich bricht beim Zuschauer fast Panik aus: Ist Tony etwa ausgerechnet jetzt in Gefahr, wo doch alle Angelegenheiten geklärt sind? Das Geschehen ist undurchsichtig, die Szenerie wirkt fast surreal und scheint auf mehreren Ebenen interpretierbar. Man erwartet den großen Knall und es endet:

Im großen Nichts.

Tony schaut erschrocken in die Kamera, die Musik stoppt abrupt, und der Bildschirm bleibt für Sekunden schwarz. Über das, was passiert ist, kann man freilich eifrig diskutieren (am naheliegendsten ist natürlich der Tod Tonys in diesem Moment), oder sich einfach nur damit abfinden, dass Chase uns wieder einmal gepackt und einfach komplett an der Nase herumgeführt hat. Alles kommt anders, als man sich das gedacht hat, und eine Serie, die über sechs Staffeln ohne Cliffhanger zwischen den einzelnen Folgen auskam, fährt nun den größten überhaupt möglichen Cliffhanger mit der allerletzten Szene auf. Grandios!

Chase schlägt auf diese Weise gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: “Die Sopranos” werden dank des kontroversen Endes und der damit ausgelösten Diskussionen mit Sicherheit im Langzeitgedächtnis vieler Serienfans haften bleiben, zudem wird die Hintertür für einen Kinofilm oder eine Fortsetzung damit einen Spalt weit offen gelassen, auch wenn das von allen Seiten vehement dementiert wird. Dass aber in der TV-Branche alles möglich ist, wenn nur das Geld stimmt, steht ja außer Frage.

Dem überwiegenden Teil der Deutschen wird das eh scheißegal sein, denn hierzulande war der Serie erwartungsgemäß kaum Erfolg beschieden. Schuld daran sind einerseits die Sender, welche die Folgen zu unmöglichen Zeiten ausstrahlten und eine miserable Werbepolitik betrieben, andererseits, und das zum größeren Teil, die Sehgewohnheiten des deutschen Publikums, in dessen “Hinter-Gittern”- und “Cobra-11″-Horizont ein komplexes Gesamtwerk wie “Die Sopranos” einfach nicht hineinpasst. Außerdem ist die Serie nicht darauf ausgelegt, einen bestimmten Sendeplatz in der Fernsehwoche einzunehmen, sondern ist auf dem Medium DVD am besten aufgehoben. Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren mit anderen US-Produktionen wie “24″ oder “Six Feet Under” fort.

“Die Sopranos” haben die TV-Landschaft grundlegend verändert und qualitativ das Tor zu einer neuen Dimension aufgestoßen. Ein gewalttätiges, schwarzhumoriges, trauriges und vielschichtiges Mammutwerk, dem kaum eine Besprechung gerecht werden, und dessen Tragweite man erst nach Komplettansicht und einigem Abstand begreifen kann.

(c) 2009 by Thomas Lehner

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Babylon A.D.

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 101 Minuten

Regie: Mathieu Kassovitz
Drehbuch: Mathieu Kassovitz, Eric Besnard
Darsteller: Vin Diesel, Melanie Thierry, Michelle Yeoh, Lambert Wilson, Mark Strong, Jérôme Le Banner, Gérard Depardieu, Charlotte Rampling, Joel Kirby, Souleymane Dicko, David Belle, Radek Bruna

Produktion: USA/Frankreich 2008
Produktionsfirmen: Twentieth Century Fox, Canal+
Produzent: Christophe Rossignon, Alain Goldman, Mathieu Kassovitz, Benoit Jaubert, Gary Ungar

Action-Star Vin Diesel in einem Action-Film, das passt wie Diesels Faust aufs Auge …

Die Zukunft: Söldner Toorop (Vin Diesel) schlägt sich in Osteuropa so durchs Leben, als er von Mafiosi Gorsky (Gérard Depardieu) den Auftrag bekommt, eine junge Frau über die Grenze nach New York zu bringen. Als Belohnung winken Geld und ein neues Leben – also sagt Toorop zu.

Schon holt er die schöne Aurora (Melanie Thierry) und ihre Leibwächter-Nonne Schwester Rebeka (Michelle Yeoh) aus einem Kloster ab. Mit dem Auto, der Bahn, dem U-Boot und dem Schneemobil geht es dann los. Unterwegs gibt es allerhand zu erleben und zu zerlegen, denn fremde Häscher sind Toorop und seinem knackigen Schützling auf der Spur …

O weh, was für ein Murks. Irgendwie zeigt der Film weniger, als er könnte. Kein Wunder, dass sich Regisseur Mathieu Kassovitz im Vorfeld von „Babylon A.D.“ distanzierte und darauf verwies, man hätte ihm seine Arbeit mittels Anwälten am Set erschwert und auf eine niedrige Jugendfreigabe hingearbeitet. Auch Vin Diesel soll wegen der Schneidepolitik von Twentieth Century Fox humorvolle Äußerungen getätigt haben, doch irgendwie kommt dann auch immer schnell ein Dementi. Das kann ja aber auch alles nur Zufall sein, also wenden wir uns lieber den actionharten Fakten zu.

„Babylon A.D.“ basiert locker auf dem Roman „Babylon Babies“ des französischen Schriftstellers Maurice G. Dantec. Es handelt sich dabei um einen Actionstreifen mit Vin Diesel, der durch „Pitch Black“ und „xXx“ bekannt wurde. In „Der Babynator“ war er allerdings eine Lachnummer – leider mehr, als es ihm lieb war. Dabei bewies Diesel doch in „Find Me Guilty“, dass er auch Charakterrollen verkörpern kann. Nach einem durch Finanzproblemen gescheiterten Hannibal-Versuch, lässt er sich also in „Babylon A.D.“ förmlich verheizen.

Der Streifen beginnt mit einem typischen Blick aus dem All auf die Erde hinab, dann kommt eine Kamerafahrt durch eine kalte osteuropäische Stadt und als Score läuft doofer Rap, der keinen mehr hinter dem Sofa hervorlockt und einfach nur ein Klischee bedient. Ja, jetzt wissen wir es, es ist eine kalte und gemeine Welt, in der niemand mehr richtig Geld hat und überall LCD-Bildschirme hängen, um der Sache einen futuristischen Anstrich zu verleihen. Das wirkt alles aufgesetzt, aber wenigstens die interaktive Straßenkarte im Kofferraum sieht gut aus – in den 80er Jahren vielleicht. In Bordnavi-Zeiten fragt man sich nur, wo Herr Toorop sein Navigerät gelassen hat. Die sind schneller, einfacher und bequemer. Na ja, sieht mit schicker CGI-Karte dann halt futuristisch aus, ist es aber keineswegs.

Aber weiter im Film! Mister Diesel ist wenigstens körperlich eine passende Besetzung für den Söldner. Leider halten sich seinen körperlichen Einsätze begrenzt oder sind durch lichtarme Kulissen kaum zu erkennen. Was für ein Mist, zu gerne würde man ihn zuhauen und Nasen brechen sehen. Stattdessen turnen High-Tech-Söldner durchs Bild und beginnt Michelle Yeoh mir ihren Kampfkünsten. Aber auch die bringen keine echte Action und sehen einfach nur gut aus. Da fragt man sich, warum der deutsche Schnitt 11 Minuten länger ist als die US-Fassung, aber trotzdem nix passiert. Man wollte wohl wenigstens ein FSK von 16 erreichen. Schade.

Also die Action in diesem Film ist eher müde, der Anteil an Science Fiction wirkt künstlich (und zwar im negativen Sinne) und die Geschichte ist kaum vorhanden und am Ende übereilt. Dazu ein heutzutage übliches familientaugliches Ende, in dem der harte Actionheld seinen weichen Kern zeigt. Nun, wenigstens sieht Melanie Thierry klasse aus und erinnert doch stark an Mila Jovovich. Nun, die gute Mila hätte wenigstens mehr Haut gezeigt und auch mal jemanden vermöbelt. Melanie sieht nur niedlich aus und ist die Rettung der Menschheit und so weiter und so fort.

Also nein, irgendwie ist der Film einfach nur schlecht. Zwar sind alle Zutaten vorhanden, aber es gibt keine Mischung die Spaß macht. Man kann sich „Babylon A.D.“ zwar angucken, aber bitte ohne große Erwartungen – mehr noch – möglichst gar keine Erwartungen. Darf man Mathieu Kassovitz glauben schenken, so haben einfach die Filmstudios in ihrer Lust am Geld die Aufgabe eines Actionfilms missverstanden, denn der soll in erster Linie gut unterhalten und es krachen lassen.

(c) 2008 by Günther Lietz

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Wanted

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: Keine Jugendfreigabe
Laufzeit: 110 Minuten

Regie: Timur Bekmambetow
Drehbuch: Michael Brandt, Derek Haas
Darsteller: Morgan Freeman, James McAvoy, Angelina Jolie, Terence Stamp, Thomas Kretschmann, Common, Kristen Hager, David O’Hara, Chris Pratt, Konstantin Khabendsky, Dato Bakhtadze, Lorna Scott

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Marc Platts Prod
Produzent: Marc E. Platt, Jason Netter, Jim Lemley, Iain Smith, Marc Silvestri, Adam Siegel, Roger Birnbaum, Gary Barber

Erneut sucht sich eine Comicadaption den Weg in die Kinos, um als Blockbuster für Knalleffekte zu sorgen …

Wesley Gibson (James McAvoy) ist ein unscheinbarer Kerl mit psychischen Problemen, die er mittels Tabletten in den Griff bekommt. Wesley lässt sich von seinem Boss runterputzen, die Freundin wird von Wesleys bestem Freund gefickt und der Kontostand geht gegen Null. Im Grunde das Leben eines ganz normalen Weicheis. Doch dann, eines Abends, spricht in die attraktive Fox (Angelina Jolie) an, erzählt sie kenne Wesleys für ihn unbekannten Vater und schon fliegen die Kugeln – denn der böse Superkiller Cross (Thomas Kretschmann) taucht unvermittelt auf.

Wesley flieht und wird von Fox mit der Bruderschaft bekannt gemacht, einer elitären Vereinigung von Superkillern, die mittels Binärcode das Schicksal der Welt bestimmen. Ihr Anführer ist Sloan (Morgan Freeman). Dieser eröffnet Wesely nun, dass dessen Vater ebenfalls ein Superkiller war und von Cross getötet wurde. In Wesley schlummern auch unvorstellbare Kräfte und die Bruderschaft wäre bereit diesen Niemand von der Straße als Killer auszubilden, damit er an Cross Rache nehmen kann. Nach einigem Zaudern willigt Wesley ein und dann geht es richtig los!

Nach einer kurzen und harten Ausbildung gehört Wesley ebenfalls zur Bruderschaft. Er findet Cross, stellt ihn schlussendlich und es kommt zum Kampf, der die ganze bittere Wahrheit offenbart …

Mit „Wanted“ debütiert der russische Regisseur Timur Bekmambetow endlich auch in Hollywood, nach dem seine Filme „Wächter der Nacht“ (2004) und „Wächter des Tages“ (2006) für internationale Aufmerksamkeit und Ansehen sorgten. Bekmambetow als Actionspezialisten und Garant für frische Ideen einzukaufen, war für Universal sicherlich ein Glücksgriff – denn der Russe (allerdings gebürtig aus Kasachstan) rettet „Wanted“ vor dem sicheren Untergang.

Der Film ist – und das muss man neidlos anerkennen – ein Actionknaller. Und das war es auch schon, denn tatsächlich gab es erst die Idee eines Actionknallers, dann suchten sich die Produzenten das Fleisch für die Knochen, will heißen, den passenden Comic. Dementsprechend dünn ist die Handlung von „Wanted“ und voller Logikfehler. So basiert der Film auf einen Comic, weil heutzutage ein cooler Actionfilm halt auf einem Comic basieren muss. Hauptdarsteller James McAvoy wurde erst aussortiert, dann aber wieder an Bord geholt, weil er dem typischen Underdog entspricht. Angelina Jolie ist eine erotische Frau und dick im Geschäft – prompt wurde das Drehbuch erneut umgeschrieben, damit Jolie eine Rolle hat. Und so zieht sich eine Kette von Überarbeitungen und Anpassungen durch „Wanted“ – zu Lasten einer guten Story. Aber mal ehrlich, „Wanted“ braucht gar keine Story!

Nein, der Film ist so voller Action, abgedrehten Ideen und Einfällen, dass er ein andauerndes Actionfeuerwerk ist. Hier werden sämtliche Sinne ausgereizt, denn es kracht, es bummst, es zischt, es brennt, es knallt und dann ist da noch Angelina Jolie in erotischen, coolen Posen. Vor allem Männer kommen da auf ihre Kosten.

Dieses Actionfeuerwerk und CGI-Spektakel ist von Bekmambetow zwar grandios inszeniert, aber leider überreizt es schlussendlich auch die Sinne des Zuschauers, der nach dem halben Film kaum noch die Szenen genießen kann. Es tritt einfach eine Übersättigung ein. Schade, denn jede Actionszene ist perfekt inszeniert und ästhetisch überzeugend. Doch dieses Übermaß an Glanzlichtern blendet irgendwann, so dass nur noch wenig zu sehen ist. Schade, verdammt schade. Hier ist so viel Action drin, das hätte locker für zwei Filme gereicht.

Die schauspielerische Leistung der Darsteller ist übrigens auch vorhanden. Als Charakterdarsteller agiert Morgan Freeman, der einfach überzeugend spielt und für das Niveau des Films zuständig ist. Den sexy Part übernimmt Angelina Jolie, die sogar eine textilfreie Szene und einen heißen Kuss zum Besten gibt. Beides wirkt im Grunde deplaziert, aber – hey – es ist verdammt cool, also Scheiß auf „Deplaziert“!

Mit James McAvoy hat man sozusagen den Durchschnittstypen, mit dem sich jeder identifizieren kann. Er wird dann zum Superkiller und Superhelden und Supermann. Das macht Spaß. Nebenbei gibt es auch noch einen Seitenhieb auf „Matrix“ Helden Neo (ja, „Wanted“ ähnelt mit Action und Effekten verdammt stark an die „Matrix“-Trilogie), als Wesley eine Sonnebrille anzieht und sie dann mit einem flapsigen Spruch wieder abnimmt. „Wanted“ ist halt kein „Matrix“, das wird hier klargestellt.

Humor hat der Film also auch, keine Frage. Doch der ist manchmal blutig und böse. Aber politisch korrekt ist in „Wanted“ eh niemand. Hier tummeln sich die Spielkinder Hollywoods und lassen die Sau raus – und das zu sehen, macht einfach große Laune und unterhält. Das der Film nur an Erwachsene adressiert wurde, ist übrigens eine Wohltat. Endlich Schluss mit dem unkontrollierten Geschnippsel in harten Streifen, um so viele Besucher wie möglich ins Kino zu locken. Hier darf der böse Bube auch wirklich böse sein und der Zuschauer darf es auch sehen. Dabei handelt es sich keineswegs um tumben Splatter, sondern um pointiert gesetzte Bluteffekte.

„Wanted“ ist einfach moderne Actionunterhaltung. Kein Film der Dialoge, sondern ein Film der Sprüche. Kein Film der tiefgründigen Besinnlichkeit, sondern ein Film der oberflächlichen Coolness. „Wanted“ ist Action on the rocks, reine Unterhaltung ohne Hintergedanken. Also Popcorn raus, anschnallen und los!

(c) 2008 by Günther Lietz

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Wanted
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Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 122 Minuten

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Shia LaBeouf, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Paramount Pictures, Lucasfilm, Amblin Entertainment
Produzenten: Frank Marshall; Denis L. Stewart (Koproduzent); George Lucas, Kathleen Kennedy (Ausführende Produzenten)

Eigentlich ist es ja nur folgerichtig, dass nach all den Revivals der guten, alten Helden von John McClane bis Rambo auch Indiana Jones sein Comeback erleben darf. Wie bei eben genannten, hielten sich im Vorfeld Skepsis und Vorfreude die Waage, und auch das Urteil fällt im Nachhinein ähnlich aus: Ordentlich, aber eine Wiederbelebung der Franchise war bei dem Ergebnis nun wirklich nicht zwingend notwendig.

Spielberg gibt sich von Anfang an Mühe, sowohl Fans der alten Trilogie, als auch die neue Generation zufriedenzustellen. Gleich die erste Einstellung ist eine schöne Reminiszenz an den Einstieg von “Raiders of the lost Ark”, wenig später erklingt John Williams’ Bundesladen-Thema und erzeugt die erste Gänsehaut. Immer wieder wird es solche Anspielungen auf die alten Filme geben; dieses Kokettieren mit dem Nostalgiefaktor zaubert einem immer wieder ein Schmunzeln aufs Gesicht, gerade wo mit zunehmender Filmdauer die Unmöglichkeit des Unterfangens, einen gleichwertigen vierten “Indy” abliefern zu wollen, immer deutlicher wird.

So ist es fast bezeichnend, dass sich das klassische Indy-Feeling, wenn überhaupt, nur in der ersten Stunde ab und zu einstellt, obwohl man sich hier in den Fünfzigern befindet, wo doch alle Teile vorher um den Zweiten Weltkrieg herum spielten. Doch an die Kommunisten als neues, comichaft überzeichnetes Feindbild hat man sich schnell gewöhnt, und was viel wichtiger ist: Spielberg ist einfach ein guter Regisseur, der in der Lagerhallenszene oder bei der Verfolgungsjagd in London einfach ein Gespür für Timing und Tempo besitzt, der Rasanz übermitteln kann, ohne in die Unübersichtlichkeit und Hektik eines modernen Blockbusters der Marke “Jason Bourne” zu verfallen. In den besten Momenten blitzt dieses Können wieder auf, das die LKW-Verfolgung in “Raiders…”, die Lorenfahrt aus “Temple of Doom” oder sämtliche Actionsequenzen des dritten Teils so unvergesslich machte. Ford spielt lässig wie eh und je, und ist scheinbar keinen Tag gealtert. Pointierten Dialogwitz und aus dem Ärmel geschüttelte Oneliner inklusive!

Doch ausgerechnet, als das Abenteuer in Peru so richtig beginnen soll, begeht vor allem das Drehbuch haarsträubende Fehler. Anstatt das kurze Intermezzo im Amazonas-Camp dafür zu nutzen, den neuen Franchise-Figuren um Blanchett, LeBoeuf, Winstone (der gefühlte zehnmal die Seiten wechselt) und Hurt etwas Profil zu verpassen, kommt hier die hanebüchene Story um den Kristallschädel langsam in Gang. Indys Begegnung mit dieser Reliqiuie und ihrer Fähigkeiten wirkt eher befremdlich, als bedrohlich, und über den verrückt gewordenen Professor Oxley schüttelt man vielmehr den Kopf, anstatt sich über ihn zu amüsieren. Geschweige denn, ihn sympathisch zu finden. Auf jeden Fall findet sich weit und breit keine Person der Marke Marcus Brody oder Sallah, welche vorangegangene Teile so unverwechselbar und einmalig machten. Karen Allen, deren Karriere seit Jahren auf Eis liegt, zu casten, wirkt da schon fast wie ein Akt der Verzweiflung, eine Sympathieträgerin neben Ford in die Gegenwart hinüberzuretten. Doch vergleicht man die Marion Ravenwood mit der von vor knapp dreißig Jahren, ist da jegliches Feuer und viel von der Chemie zwischen Jones und ihr verschwunden.

Die Treibsandszene ist für Fans freilich noch einmal ein Schmankerl, wo nebenbei noch die Verwandtschaftsverhältnisse geklärt werden können, die man sich aber eh schon zusammengereimt hat. Die anschließende Hatz durch den Dschungel hat zwar wieder den nötigen Drive (und erinnert beim Degenkampf stark an “Fluch der Karibik 2″), jedoch fällt hierbei der übermäßige CGI-Einsatz zum ersten Mal negativ ins Gewicht, weshalb auch die an und für sich nicht schlechten Szenen mit den Killerameisen weniger bedrohlich erscheinen, als gewollt. Über LeBoefs Johnny-Weissmüller-Gedächtnis-Einlage legt man dann aber am Besten den Mantel des Schweigens, ebenso über Marions Flucht nach vorne eine Schlucht hinunter. Das anschließende Treiben über die Wasserfälle ist sicherlich nett anzusehen, hat man aber vor 25 Jahren im zweiten Teil schon in ähnlicher Form mit einem Schlauchboot bewundern dürfen.

Den folgenden Showdown muss man leider als grob fahrlässig bezeichnen, denn es gibt weder Futter für die Augen (Blanchetts Abgang ist geradezu erbärmlich getrickst), noch fürs Hirn. Letzteres muss Spielberg in solch einem Film zwar gar nicht liefern, aber die Verwirrung bei fast allen Zuschauern im Kino war doch fassbar. Die Bezeichnung “konfus” für all das, was ab dem Eintritt in die Kammer mit den Kristallschädeln passiert, ist fast schon untertrieben. Einen runden Abschluss findet Spielberg mit seinem kitschigen Ende ebenso wenig, außer er wollte mit der letzten Szene die Prüderie und klinische Reinheit der 50er aufs Korn nehmen. Ein Augenzwinkern ist aber leider nicht zu erkennen, sodass im Nachhinein ein eher zwiespältiger Eindruck bleibt.

Sicher, Spielberg liefert einen für die Maßstäbe des modernen Hollywood soliden Film ab, der die Verehrer der alten Filme nicht komplett vergrault, und auch die Halbwüchsigen mit iPod-Nano eine Reihe vor mir gut unterhalten hat. Aber die werden nie wissen, wie es ist, mit neun Jahren am Samstagabend einen Film namens “Jäger des verlorenen Schatzes” auf Sat.1 für sich zu entdecken – grausam gekürzt zwar, und im falschen Bildformat – nur um die Wiederholung am Sonntagmorgen gleich noch mal anzusehen, was bei diesem vierten Teil unmöglich erscheint. Ob das jetzt wirklich an der Qualität liegt, oder einfach nur daran, dass man halt älter wird, mag ich allerdings auch nicht entscheiden. Wahrscheinlich stimmt beides ein bisschen …

(c) 2009 by Thomas Lehner

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Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (2 Discs) [Blu-ray]
Indiana Jones Quadrilogie (5 DVDs)
Indiana Jones and The Kingdom of The Crystal Skull (Music)
Indiana Jones: The Soundtrack Collection
Lego Indiana Jones – Die legendären Abenteuer
Lego Indiana Jones – Die legendären Abenteuer (NDS)
Lego Indiana Jones – Die legendären Abenteuer (Wii)
Lego Indiana Jones 7627 – Der Tempel des Kristallschädels
Indiana Jones 1 – 3: Jäger des verlorenen Schatzes. Indiana Jones und der Tempel des Todes. Der letzte Kreuzzug (Roman)
Das Tagebuch von Indiana Jones (Buch)

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Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Erstellt von Günther Lietz am 29. Januar 2009

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 122 Minuten

Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Harrison Ford, Cate Blanchett, Shia LaBeouf, Karen Allen, Ray Winstone, John Hurt

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Paramount Pictures, Lucasfilm, Amblin Entertainment
Produzenten: Frank Marshall; Denis L. Stewart (Koproduzent); George Lucas, Kathleen Kennedy (Ausführende Produzenten)

Eine Legende kommt in die Jahre und zeigt was sie kann …

Indiana Jones (Harrison Ford) ist zwar gealtert, aber dennoch der ewige Abenteurer geblieben. Die Nazis haben allerdings ausgedient und der kalte Krieg nun regiert die Welt. Die Russen sind das neue Feindbild und haben prompt Indy und seinen Kumpel Mac (Ray Winstone) entführt.

Indiana Jones soll für sie in einem Militärlager – inmitten der Wüste Nevadas – eine Kiste mit mysteriösem Inhalt ausfindig machen, so jedenfalls der Wunsch von Russlands Parapsychologin Nummer Eins: Irina Spalko (Cate Blanchett).

Zwar bekommen die Russen die Kiste nebst Inhalt in die Finger und Indys Freund entpuppt sich als Schwein, doch der charmante Abenteurer kann fliehen – mittels einem Düsentriebwerk, einem Kühlschrank und einer Atomexplosion.

Kaum daheim angekommen beschließt Henry Jones Junior das Land zu verlassen. Immerhin lebt er in der McCarthy-Ära und ihm wird eine prokommunistische Gesinnung vorgeworfen – so kann er kaum an der Uni lehren. Doch Bevor der smarte Archäologe das Land verlässt, kontaktiert ihn der junge Mutt (Shia LaBeouf).

Dieser hat einen Brief von Marianne Ravenwood (Karen Allen) im Gepäck, Indys alter Liebe. Es geht um einen Kristallschädel, Südamerika, dem verschollenen Professor Oxley (John Hurt) und die Russen – die auch prompt auftauchen. Also fliehen Indy und Mutt, um sich kurz darauf nach Südamerika zu begeben.

Hier entdecken sie tatsächlich den ominöse Kristallschädel, doch auch die Russen sind wieder da und lauern Indy auf. Im Dschungel beginnt der Spaß erst richtig und Indiana Jones läuft zur Höchstform auf …

„Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist ein gelungener Abenteuerfilm, doch gemessen an seinen drei Vorgängern könnte man ihn leider auch als uninspirierte Fortsetzung bezeichnen.

Bereits der Einstieg zeigt, dass sich Steven Spielberg weidlich an Filmideen der letzten Jahrzehnte bediente und die Unlogik hemmungslos auf dieser Spielwiese der Einfallslosigkeit weiden lässt. Da gibt es ein Wettrennen wie in George Lucas „American Graffiti“, die Atomdusche mit nackigem Oberkörper ähnlich „James Bond jagt Dr. No“, schwingt sich Shia LaBeouf wie Disneys „Tarzan“ durch den Dschungel – nach dem er, wie einst Marlon Brando in die „Wilden“, daherbraust -, sieht man ein Säbelgefecht im Stile von „Fluch der Karibik 2“, gibt es eine Pyramide nebst Dschungel wie in „Die Mumie 2“ und ein Ende, das an „Begegnung der Dritten Art“ erinnert. Aber auch Serienelemente finden sich wieder. So erinnert die Außerirdischenthematik ein wenig an die Asgard-Auslegung, wie man sie auch in „Stargate SG-1“ findet (zugegeben, das kann quellenbezogener Zufall sein) und ähnelt Indys Kumpel Mac stark der Figur von „McGyver“s Freund Jack Dalton (in der Serie gespielt von Bruce McGill), was Äußerliches und Charakter angeht. Nun, der Film ist sicherlich keineswegs zusammengeklaut, aber man hat halt alles schon mal gesehen.

Das die Handlung von der Mystery in die Science Fiction wechselt ist übrigens eine nette Sache, aber keineswegs überraschend. Überhaupt mangelt es dem Film an überraschenden Momenten. Wo in den ersten drei Teilen Indiana Jones Situationen noch mit scharfen Dialogen oder unkonventionellen Vorgehensweisen löste, bietet sich nun eher Standardkost. Man könnte meinen das Motto würde „Keine Experimente“ lauten. „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ ist sicherlich ein Blockbuster, aber er ist auch kommerziell sicherer Mainstream. Der Fan bekommt wenigstens den ein oder anderen humorvollen Blick auf die ersten drei Filme geboten.

Was die Handlung angeht, so ist sie durchschaubar und einfach gestrickt. Die Idee selbst könnte gar aus einem Buch des schweizerischen Autoren Erich von Däniken stammen. In seinem Buch „Kosmische Spuren“ behandelt er just diese Schädel (den Wahrheitsgehalt muss jeder selbst bewerten) und in Dänikens Werk „Zeichen für die Ewigkeit“ gibt es weitere Informationen über die Nazca-Linien – alles im Stile von Indy 4. Das gilt auch für den Mitchell-Hedges-Schädel oder den Londoner Schädel (ausgestellt im Britischen Museum). Beleuchtet man den Mitchell-Hedges-Schädel übrigens von hinten, kommt man nahe an die Spezialeffekte des Films heran, denn das Licht dringt durch die Augen hinaus und es bildet sich ein drittes Auge.

Überhaupt sind die Spezialeffekte des Films besonders hervorzuheben. Die meisten Sachen sind Old School und echte Handarbeit. CGI-Effekte kommen eher selten vor und so baut auch der Charme des Films zum Großteil darauf auf. Hier machen verschwitzte Stuntmen einen verdammt guten Job und wirken dabei auch verdammt überzeugend – verdammt, ist das gut!

Handwerklich gibt es einfach keinen Grund zum Meckern. Steven Spielberg versteht seine Arbeit und zaubert einen sauberen Actionknaller auf die Leinwand. Es Bummst, es Kracht, es Zischt, es macht Spaß. Rasante Kamerafahrten, gigantische Explosionen (die Sache mit dem Kühlschrank ist dennoch ein übertriebener Witz und kann von Spielberg auch nur als solcher gemeint sein) und harte Kämpfe. Dazu klasse Verfolgungsjagden, zerfräste Bäume, menschenfressende Ameisen und Abstürze jeglicher Art. Da geht einem einfach freudig das Actionherz auf!

Die Darsteller sind ebenfalls weltklasse. Harrison Ford zeigt zwar graue Haare, aber in der Tradition von Bruce Willis und Sylvester Stallone zeigt er auch, was ein alter Recke noch kann. Gleiches gilt für Karen Allen, die beweist, dass auch in die Jahre gekommen Darstellerinnen überzeugend spielen und begeistern können. Ihr erster Auftritt, Fords reagierender Blick, diese Posen, diese explodierenden Emotionen, dieses breite Grinsen … da wird man wuschisch, da verliebt man sich endgültig in den Film, da werden Erinnerungen an „Jäger des verlorenen Schatzes“ wach. Hach, was kann Kino schön sein …!!!

Dazu eine grandios agierende und spiellustige Cate Blanchett, die einfach alles verkörpern kann – erinnert man sich nur an die Filme jüngeren Datums dieser begnadeten Aktrice: „I’m Not There“ und „Elizabeth – Das goldene Königreich“. Diese Spielfreude, diese gezeigte Boshaftigkeit, dies alles ist ein wahrer Genuss. Ford, Allen und Blanchett alleine würden den Film bereits zu tragen wissen. Da fällt „Transformers“-Beau Shia LaBeouf kaum ins Gewicht. Doch auch er macht seine Sache gut und überzeugt auf ganzer Linie, ebenso wie John Hurt als wahnsinniger Professor „Ox“ Oxley (in „Alien“ entspringt ihm übrigens ein Alien aus der Brust, in „Spaceballs“ parodiert er diese Szene – somit ist er im vierten Indiana Jones als Alienkenner doch gut besetzt).

Über den Score muss eigentlich kein weiteres Wort verloren werden. John Williams hat einen ausgezeichneten Soundtrack geschrieben, der die Ohren verwöhnt und stets nahe beim Thema ist – „Indiana Jones“ für die Ohren eben. Auch die deutsche Synchronisation ist gelungen und weiß zu gefallen. Vor allem Wolfgang Pampel, als Exklusiv-Synchronstimme von Harrison Ford, ist mal wieder als genial zu bezeichnen.

Unter dem Strich ist „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ weniger als er hätte sein können, aber mehr als man glaubt. Auf jeden Fall ein spannender und erstklassiger Abenteuerfilm und vor allem gutes Kino. Diesen Film muss man sehen – trotz oder gerade wegen seiner Schwächen.

(c) 2008 by Günther Lietz

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