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Archiv für Januar, 2009

Tropic Thunder

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 106 Minuten

Regie: Ben Stiller
Drehbuch: Jeremy Brock
Darsteller: Ben Stiller, Jack Black, Robert Downey Jr., Steve Coogan, Jay Baruchel, Danny R. McBride, Brandon T. Jackson, Bill Hader, Nick Nolte, Matthew McConaughey, Tom Cruise, Brandon Soo Hoo, Reggie Lee, Trieu Tran, Eva Drew

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: DreamWorks SKG, Red Hour Films
Produzent: Ben Stiller, Stuart Cornfeld, Eric McLeod

Hollywood und seine Heldenepen auf, über und unter dem Prüfstand …

Regisseur Damien Cockburn (Steve Coogan) befindet sich im Dschungel von Vietnam, wo er versucht fünf charakterlich unterschiedliche Schauspieler unter einen Hut zu bekommen, um das teuerste Vietnam-Drama aller Zeiten zu drehen. Allerdings ist es leichter einen Sack Flöhe zu hüten, als mit diesen Darstellern einen Film zu drehen.

Da wäre der ehemalige Action-Star Tugg Speedman (Ben Stiller), dessen Stern seit seinem Behindertendrama „Simple Jack“ unaufhörlich sinkt. An seiner Seite der australische Charakterdarsteller Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.), der so tief in seine Rolle eintaucht, dass er sich seine Haut schwarz färben lässt. Jeff Portnoy (Jack Black) ist ein drogensüchtiger Comedian, der unbedingt ein neues Image braucht, während Rapper Alpa Chino (Brandon T. Jackson) den echten schwarzen Marine stellt. Die Mannschaft wird von Nachwuchsstar Kevin Sandusky (Jay Baruchel) komplettiert, der mit dem Film seinen großen Durchbruch schaffen will.

Da der Film jedoch zu scheitern droht, schnappt sich Cockburn seine Hauptdarsteller und seinen Pyro-Spezialisten, um die Idee von Four Leaf Tayback (Nick Nolte) umzusetzen, der die Buchvorlage schrieb und mit am Set ist: Die Stars im Dschungel aussetzen und ihren Heimweg mit der Kamera festhalten!

Gesagt, getan – doch Cockburn verliert kurz darauf die Kontrolle und mehr, seine Stars denken sie arbeiten das Drehbuch ab und eine echte Drogenbande denkt, sie hat es mit echten Soldaten zu schaffen …

„Tropic Thunder“ ist eine actiongeladene Komödie, in der sich die Hollywoodstars ordentlich selbst aufs Korn nehmen und eines der Lieblingsgenres gleich mit: Den Kriegsfilm. Alleine der Anfang des Films ist genial, denn herrlich überzogen werden sämtliche Klischees durch den Kakao gezogen, der us-amerikanische Heldenpathos in Frage gestellt und anschließend die Hollywoodstars an den Pranger der Albernheiten gekettet. Einfach klasse und Comedy auf hohem Niveau.

Leider gelingt es Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Ben Stiller nicht, dieses Niveau den ganzen Film über aufrechtzuerhalten. Die von ihm inszenierten Gags sind herrlich selbstironisch und fast alle sind auch frisch, frech und famos, allerdings versagt Stiller manchmal dabei, sie konsistent aneinander zu binden. Das macht dem Filmspaß keinen Abbruch, aber es senkt die Qualität des Humors. Vor allem im Lager der Drogenbande wirken viele lustige Einfälle einfach deplaziert und hätten gut in einen anderen Film gepasst. So wirkt „Tropic Thunder“ manchmal wie eine billige Cinemacomedy, dann wieder wie eine intelligente Persiflage. Stiller wagt den Spagat zwischen schneller Unterhaltung und hohem Anspruch, wankt jedoch auf seinem Pfad.

Dabei zeichnet sich seine Darstellerriege durch hohe Spielfreude aus. Vor allem Robert Downey Jr., in der Rolle des Kirk Lazarus als Method Actor, ist grandios besetzt. Er nimmt sich, seinen Berufsstand und die australischen Schauspieler insbesondere aufs Korn, weist gleichzeitig darauf hin, dass Rollen mit ein wenig Behinderung oscarverdächtig sind, mit voller Behinderung scheitern. US-Behindertenverbände kritisierten an „Tropic Thunder“ den entsprechenden Plotpoint, tatsächlich hinterfragt Stiller damit nur Hollywoods Doppelmoral zu diesem Thema.

Ein Schwachpunkt bleibt jedoch an Robert Downey Jr. festzumachen, der allerdings nur seine deutsche Synchronisation betrifft. Diese ähnelt leider zu keinem Zeitpunkt dem Original, trotz aller Bemühungen. Wer in der Lage ist sich „Tropic Thunder“ in der Originalfassung anzugucken, sollte das unbedingt machen. Der australische Akzent ist halt schwer zu übertragen. Und dieser wird hier noch mit einem klasse Slang versehen, so das die Synchronisation einfach scheitern musste.

Der unbedarfte Einsatz von Blut und abgetrennten Körperteilen wird ausgiebig aufs Korn genommen. So sind abgetrennte Körperteile keine Seltenheit und Leute mit einem schwachen Magen sollten sich überlegen, ob ihnen das massiv eingesetzte Filmblut – und man sieht und weiß das es Filmblut ist – nicht zu viel ist.

Besonders gelungen sind die Cameoauftritte bekannter Stars. Allen vorweg Tom Cruise als fluchender Medienmogul, der das Image der Hollywoodbosse auf die Schippe nimmt und mit einer Halbglatze gerne mal durchs Bild tanzt. Seine Rolle setzt den Studiobossen ordentlich zu. Ebenfalls erstklassig agiert Schönling Matthew McConaughey, der Speedmans loyalen Agenten und besten Freund spielt. Seine Rolle ist gänzlich konträr zur allgemeinen Auffassung über die Hollywoodagenten. Und das wiederum schießt gelungen den Vogel ab. Einfach herrlich! Einzig Darsteller Jack Black bleibt ein wenig blass in und mit seiner Rolle. Schade, denn seine Leistungen im komödiantischen Fach sind bisher eigentlich brillant.

Da „Tropic Thunder“ einen Kriegsfilm zum Thema hat, gibt es natürlich auch Explosionen in Masse und überzeichnet Stiller gekonnt den Einsatz von Pyrotechnik in Hollywoodproduktionen und den betont coolen Umgang mit Actionszenen, der – im Grunde genommen – ja mehr lächerlich als künstlerisch ist. Hier dürften sich etliche Kollegen Stilles angesprochen fühlen und vielleicht einmal den hemmungslosen und teueren Einsatz von Feuerwerkskörpern & Co. überdenken.

„Tropic Thunder“ ist ein klasse Film, dem nur wenig zum erstklassigen Film fehlt. Der Streifen ist auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung und begeistert vor allem die Zuschauer, die auch die kleinen Anspielungen auf große Hollywoodfilme verstehen.

(c) 2008 by Günther Lietz

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Wordplay

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: 82 Minuten

Regie: Patrick Creadon
Darsteller: Will Shortz, Merl Reagle, Jon Stewart

Produktion: USA 2006
Produktionsfirmen: Senator Films, IFC Films, The Weinstein Company & O’Malley Creadon Productions
Produzent: Christine O’Malley

„Wordplay“ ist eine unterhaltsame Dokumentation über das Phänomen Kreuzworträtsel. Allerdings dreht sich alles um das Rätsel der berühmten Zeitung „New York Times“ und ist dementsprechend auf den us-amerikanischen Markt zugeschnitten. Trotzdem ist die Dokumentation recht sehenswert, allerdings stellt sich nur bedingt Begeisterung ein.

Wie bereits geschrieben, dreht sich alles um das Kreuzworträtsel der „New York Times“ (auch „Crossword Puzzle“ genannt) und den Kopf dahinter: Will Shortz. Dieser veranstaltet jährlich in Stamford das „American Crossword Puzzle Tournament“ und in „Wordplay“ werden sechs Teilnehmer des Turniers begleitet. Es handelt sich bei diesen Leuten um recht verschiedene Menschen, die durch ihr gemeinsames Hobby miteinander verbunden sind und ein Stück ihres Lebens von der Kamera begleitet werden – natürlich immer das Rätsel im Fokus.

Die kleinen Geschichten sind humorvoll und spannend inszeniert. Der Zuschauer baut schnell eine Bindung zu einer der vorgestellten Persönlichkeiten auf, die sich doch erheblich unterscheiden. Jedem drückt man im Grunde genommen die Daumen, doch gibt es für jeden halt einen Favoriten, der den Sieg sicherlich mehr als alle anderen verdient hat.

Regisseur Patrick Creadon lässt allerdings auch die Macher der Crossword Puzzles zu Wort kommen. Allen voran Will Shortz, aber auch andere Schreiberlinge nehmen erklärend Stellung. Nebenbei werden auch prominente Menschen vorgestellt, die ebenfalls Freude am ausfüllen der – manchmal recht kniffeligen – Leerkästchen haben. Unter anderem Bill Clinton oder auch Bob Dole. Das ist nur ein wenig des Hintergrundwissen, das nebenbei vermittelt wird. So lernt der Zuschauer recht unterhaltsam, dass die Rätsel in der „New York Times“ Montags recht einfach sind und zum Wochenende hin schwerer werden. Auch die Konstruktion der Rätsel wird einem nahe gebracht. Allerdings sollte man stets im Hinterkopf behalten, dass es sich um die USA handelt. Wie die Kreuzworträtsel-Gemeinde in Deutschland oder International aussieht, ist zu keinem Zeitpunkt Thema der Dokumentation. Schade.

Davon unbeachtet verfolgt man nun die Protagonisten des Films, bis hin zum großen Turnier. Es sollte kaum überraschen, dass sich dort auch ausgeflippte Leute wiederfinden, die neben bodenständigen Gesellen brav ihr Rätsel lösen. Dabei gilt: Schnell und fehlerfrei muss es sein! Und nach einem dramatischen Finale steht auch schon der Sieger fest.

„Wordplay“ ist ein unterhaltsamer Ausflug in die us-amerikanische Rätselkultur, wirkt aber manchmal wie ein kleiner Werbefilm für die „New York Times“. Trotzdem ist der Unterhaltungswert sehr groß – falls man sich für seine Weltnachbarn interessiert und mal sehen möchte, was diese so treiben.

Besonders gelungen ist übrigens die deutsche Umsetzung, Die Sprecher fangen den unbeschwerten Stil der Dokumentation fabelhaft ein und es gelingt sogar ziemlich gut die vorgestellten Rätsel und Wortspiele ins Deutsche zu übertragen. Hier wurde richtig gute Arbeit geleistet.

Trotz allem bleibt „Wordplay“ eine Nischendokumentation, da sie einfach zu speziell ist und auf dem deutschen Markt kaum Anklang finden dürfte. Immerhin sollte man sich mit Kreuzworträtseln auskennen, gut amerikanisches Englisch sprechen, Interesse an den USA haben und mit dem Crossword Puzzle der „New York Times“ vertraut sein. Dann, und auch nur dann, entfaltet „Wordplay“ sein ganzes Potenzial.

(c) 2008 by Günther Lietz

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Eden Log

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

Verleih: SUNFILM Entertainment
Land/Jahr: Frankreich, 2007
Produktionsfirmen: Imperia Films
Produzenten: Cédric Jiminez
Regie: Franck Vestiel
Drehbuch
: Pierre Bordage
Darsteller: Clovis Cornillac; Vimala Pons, Zohar Wexler
Kamera: Thierry Pouget
Musik: Alex Cortés, Willie Cortés
Produktionsdesign: Jean-Philippe Moreaux
Make Up Spezialeffekte: Jean-Christophe Spadaccini
Kostüme: Rachel Quarmby
Kinostart: 14. November 2008
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Web-Link: www.edenlog.de

Im finstersten Loch einer Höhle oder Grotte erwacht ein halbnackter Mann in eisiger Kälte. Er zittert, nass, in zerrissene Fetzen gehüllt und scheint nicht zu wissen, wo er sich befindet, geschweige denn, wie er dort hinkam. Kaltes, flackerndes Licht und seltsame mechanische Geräusche lassen in der Ferne Maschinen vermuten.

Er rappelt sich auf, tappt in fast völliger Dunkelheit umher und sucht nach einem Ausweg aus seiner Misere. Meter für Meter schleppt er sich voran, stößt auf zurückgelassene Kleidung und versorgt sich notdürftig. Scheinbar ist er in einer unterirdischen Anlage, da er auf viele – teilweise auch zerstörte – Einrichtungen, Gegenstände und Räumlichkeiten trifft, wie sie in Minen und Bergwerksstollen üblich sind. Sein Instinkt – oder sein verschüttetes und bruchstückhaft zurückkehrendes Wissen – führen ihn nach oben…

Etage für Etage schleicht er sich nach oben, von verwachsenen Kreaturen umgeben, die gefährlich wirken und sich noch auf Abstand von ihm halten. Er stößt auf Wurzelstränge, welche in mechanischen Halterungen hängen, beschädigte Computer- und Kommunikationsanlagen, die er teilweise reaktivieren kann. Ihren Informationen zufolge gehören die Wurzeln zu einer riesigen Pflanze, einem gigantischen Baum, der genährt werden muss. Zu welchem Zweck verschließt sich ihm noch, aber er trifft bald auf die Art Nahrung, die der Baum von menschlichen Wächtern bekommt: Menschen. Sie hängen im Wurzelgeflecht und werden scheinbar angezapft, bis sie nichts mehr haben, was sich abzapfen ließe.

Seine Erinnerung und die spärlichen Aufzeichnungen offenbaren, dass er einer der Wächter der Anlage ist oder war. Doch was hatte er dann auf der niedrigsten Ebene von Eden Log zu suchen… Und was sind diese Kreaturen, die ihm näher kommen? Und wo kommen sie her?

Es wird nicht viel gesprochen in Eden Log. Mit wem auch, die wenigen Menschen, auf die Tolbiac, der einsame Wächter stößt, sind nicht in der Lage, viel mit ihm zu bereden. Leider verschließt sich mir die Logik hinter dem Plot. Ohne viel verraten zu können, sei hier das Geheimnis gelüftet: Die Menschen dienen dem Baum als Nährstoff, der Baum zapft ihnen die Lebensenergie ab, um sie oben an der Oberfläche an die Menschheit abzugeben. Dummerweise sondert der Baum auch noch eine Substanz ab, welche die Infizierten zu oben erwähnten Kreaturen mutieren lässt. Der Baum vernichtet also seine eigene Nahrungsquelle: sehr schlau.

Ebenso muss man sich fragen, was das für ein Energiesystem sein soll, dass menschliche Energie abzapft, um sie oben an Menschen weiterzugeben, nur damit die Licht und Strom für ihre Maschinen haben. Dieser eine Baum kann’s ja wohl nicht alleine packen, also eine Vielzahl von Bäumen, die effektiver sein sollen als Wind, Wasser, Solar oder Atom? Und dies auf Kosten von Menschen, die dabei zu Grunde gehen?

Naja, man ist einiges gewohnt, ärgerlich ist für mich nur, dass so ein schwacher Film, das Etikett Science-Fiction aufgedrückt bekommt und zum immer noch negativen Ruf des Genres seinen Beitrag leisten wird. Wer sich aber an der fehlenden Logik nicht stört, erlebt einen beklemmenden Film, der schwachen Geistern vielleicht eine unruhige Nacht bescheren und das ungetrübte Erlebnis eines Waldspazierganges verleiden wird. Ansonsten ist der Streifen handwerklich sauber gemacht.

(c) 2009 by Werner Karl

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Der Pfad des Wikingers

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

Darsteller: Fiore Tedesco, Tony Stone, David Perry, Gaby Hoffmann, Noelle Bailey, James Fuentes
Regie: Tony Stone
FSK: ab 16 Jahre
Verleih: Ascot Elite Home Entertainment

O-Titel: Severad Ways: The Norse Discovery of America
Land/Jahr: USA 2007
Produzent: Tony Stone
Regie-Assistenz: John Rosenthal
Drehbuch: Tony Stone
Kamera: Nathan Corbin, Damien Paris
Musik: Judas Priest, Dimmu Borgir, Brian Eno, Popol Vuh, Morbid Angel uvm.
DVD Features: Originaltrailer und zusätzliches Tonformat bei DD 5.1 Altnorwegisch
Laufzeit: 109 min.

Die Story: Im Jahre 1007 n. Chr. verbleiben zwei tot geglaubte Wikinger-Kundschafter auf dem nordamerikanischen Kontinent allein zurück. Der Rest ihrer Plünderungs- und Eroberungsexpedition wurde kurz zuvor (vor Beginn der Filmhandlung) von den einheimischen Indianern massakriert. Als die beiden – aus einer Bewusstlosigkeit infolge eines Kampfes? – wiedererwachen, beginnen sie mit ihrem Überlebenskampf. So weit, so gut. Aus dieser Situation ließe sich so einiges machen, man hofft auf einen History-Reißer einer Epoche, von der man noch nicht so viel gesehen hat.

Doch leider wird einem nach wenigen Szenen klar, dass die Hoffnung nicht erfüllt werden wird; und mit jeder weiteren Minute schwindet die Aussicht auf einen spannenden Survival-Film Wikinger vs. Indianer, welche von den Nordmännern als Skaerlinger bezeichnet werden.

Kann man die wackelige Handkamera noch anfangs als begrenztes Sichtfeld des Wikingers aus seinem Helmvisier interpretieren, nervt sie aber dann rasch, wenn die beiden das Ding gar nicht mehr aufhaben.
Wortkarg stapfen die beiden über den Kiesstrand, glotzen nur doof und teilnahmslos (nicht aber wegen eines möglichen Schocks) auf ihre gefallenen Landsleute nieder und verlieren kein Wort darüber, dass sie verlassen sind, die Skaerlinger ihnen nicht vollends den Garaus gemacht haben oder wie es denn weitergehen soll. Keine Diskussion über ihre Chancen etwa nach Hause zu kommen, oder auf diesem fremden Kontinent, bewohnt von feindlich gesinnten Einheimischen, ihr Überleben zu sichern. Ein Konflikt zwischen zwei Strategien läge auf der Hand und gäbe genug her für die Handlung, aber beide sind sich stumm einig, tappen planlos durch die Gegend und bauen sich dann erst mal einen Unterstand.

Anstatt ihre getöteten Landsleute anständig nordisch zu begraben, hacken die beiden munter drauflos, dass es im Wald von den Axthieben nur so schallt. Keiner der beiden scheint Bedenken zu haben, dass auf einmal der halbe Indianerstamm um sie herumlungert, welcher vorher die ganze Besatzung des Wikingerschiffes umgebracht hat. Auch der Standort ist nicht überlegt, zumindest hat der Zuschauer keinen Hinweis erhalten, warum ausgerechnet hier, in der Nähe der Skaerlinger und nicht weit weg irgendwo anders. Kaum ist der Unterstand fertig, schon facht man ein nettes Feuerchen an, dass im Umkreis von dutzenden Kilometern jedem Indianer zeigt: hier sind noch zwei Idioten, die ihr vergessen habt abzumurksen.

Nach einer anständigen Mahlzeit beschließen die beiden nicht auf – wen schon? Keiner weiß, dass sie noch am Leben sind – zu warten und marschieren am nächsten Morgen los. Wohin? Wollen die beiden zu Fuß von Nordamerika zurück nach Norwegen? Hoffen sie auf diesem riesigen Kontinent anderswo Wikinger zu finden? Wiederum keine Diskussion, kein Grübeln, keine Verzweiflung – Odin bewahre! Schließlich sind sie Nordmänner und keine Waschweiber.

So etwas ähnliches finden sie kurz darauf: Eine Lichtung mit einer mickrigen Holzkapelle samt ein paar Christenmissionare, von denen man nur vage vermuten kann, wie sie nach Nordamerika gelangten. Ohne viele Worte metzelt der Blonde der beiden einen Mönch nieder, während der dunkelhaarige Wikinger den letzten fliehenden Mönch in den Wald verfolgt und nach einiger Hetzerei am Leben lässt. Die Erinnerung an einen früher getöteten Christen, der seine Schwester bekehren oder vernaschen wollte, hält ihn von einem Mord ab.

Nach einiger Zeit trennen sich die Wege der beiden Wikinger, der Blonde fragt nicht warum sich sein Kollege absondert. Der Dunkelhaarige scheint sich vorsichtig dem Mönch anzunähern, möglicherweise aufgrund des ach so friedfertigen Verhaltens des Mönches, oder seiner barmseligen (nicht hörbaren) Missionarsworte.

Der Blonde tappt mittlerweile in die Falle einer einzelnen Indianerin, welche ihn mit einer Brombeer-Gabe betäubt und in ihr Waldtipi verschleppt (tolles Weib; schleift einen ausgewachsenen Wikinger nur mit blanken Händen über den Waldboden), um ihn wehrlos zu vergewaltigen. Hält sie ihn für einen der sagenhaften Weißen Götter oder ist sie nur geil? Gibt es keine knackigen Indianerburschen, welche ihr zu Diensten sein könnten? Nun ja, vielleicht sind das ja auch nur die Männerfantasien des Helden/Regisseurs, der gerne mal eine Indianerin…

Schließlich finden sich die beiden Wikinger zufällig wieder und der Blonde hat nichts besseres zu tun, als den begleitenden Mönch niederzuhacken, während kurz darauf sein Kumpel von einem einzelnen Indianer einen Pfeil in die Brust bekommt. Logisch: Der Blonde rächt sich, und marschiert dann schnurstracks weiter in die Gegend, um schlussendlich im Schnee einzuschlafen und zu erfrieren.

Ich glaube nicht, dass die Wikinger so blöde waren, sich in feindlichem Gebiet so töricht zu verhalten. Ich hätte ihnen eher zugetraut, dass sie sich ein kleines Boot bauen, um an der Küste entlang zu segeln, fernab der Indianer, einen Heimweg – zumindest zu versuchen – zu finden. Man hätte aus der Story weitaus mehr machen können, aber Tony Stone ist halt kein Roland Emmerich oder Steven Spielberg oder Wolfgang Petersen oder David Lynch oder…

Um es auf den Punkt zu bringen: Chance vertan, Low-Budget hin oder her, allein mit Metalmusic-Untermalung lässt sich mit dem Ding kein Staat machen, 109 Minuten Enttäuschung und Langeweile.

(c) 2009 by Werner Karl

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Der Pfad des Wikingers – Severed Ways

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The Inspector Lynley Mysteries 6

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 320 Minuten

Regie: Richard Laxton, Robert Biermann, Graham Theakstone
Drehbuch: Lizie Mickery, Ed Whitmore
Darsteller: Nathaniel Parker, Sharon Small

Produktion: GB 2001-2007
Produktionsfirmen: BBC
Produzent: Ruth Baumgarten, David Boulter

Vom Anfang und vom Ende …

Mit der DVD-Box „The Inspector Lynley Mysteries 6“ erzählt die BBC vom Anfang und vom Ende dieser außergewöhnlichen Kriminalserie. Insgesamt wurden 23 Episoden in 24 Teilen produziert. Die Box enthält nun den Pilotfilm (Episode 1, insgesamt 2 Teile) und die finalen Folgen (Episode 22 und 23) der Serie. Kurios ist dabei, dass die Inhaltsangabe auf der Box – und auch auf einigen Websites – den Inhalt des Pilotfilms falsch wiedergibt. Der Text verweist fälschlicherweise auf Episode 8 aus Staffel 2: „Im Angesichts des Feindes“. Dieser Fehler ist peinlich.

Die Serie nimmt in „Gott schütze dieses Haus“ seinen Anfang. Inspector Thomas Lynley (Nathaniel Parker) ist der achte Earl von Asherton. Er übt seinen Beruf leidenschaftlich aus talentiert. Trotzdem glauben viele, Lynley würde den Polizeidienst nur aus Liebhaberei verrichten. In der Gemeinde Yorkshire ist im Dörfchen Keldale nun ein Mord geschehen und Lynley soll ermitteln. Er stammt aus der Gemeinde und kennt die Beamten vor Ort. Damals musste er für Recht und Ordnung innerhalb der Polizei sorgen. Das halten ihm die ehemaligen Kollegen noch immer nach. In London nutzt man die Gelegenheit beim Schopf und stellt Lynley Sergeant Barbara Havers (Sharon Small) zur Seite. Sie gilt als aufsässig und ihre Vorgesetzten hoffen auf einen Eklat mit dem Earl, um Havers dann abschießen zu können. Tatsächlich kommt es während der Ermittlungen zu einigen Reibereien.

Der Mordfall selbst hat es ebenfalls in sich. Der angesehene Farmer William Tey wurde erschlagen in seinem Stall aufgefunden, neben ihm seine sechzehnjährige Tochter Roberta – blutverschmiert und traumatisiert. Die Mordwaffe selbst wurde abgewischt und Roberta ist unfähig eine Aussage zu machen. Stück für Stück kommen Lynley und Havers nun den Verdächtigen auf die Spur. Verschwundene Frauen, ein totes Neugeborene und unfähige Beamte sind nur einige der Hindernisse auf dem Weg zur Lösung des Falls. Und die Wahrheiten sind schrecklicher, als es sich die Beteiligten dachten …

Schauderhaft schöne Kriminalunterhaltung, eindeutig. Der Pilotfilm besteht aus zwei Teilen und hat alles was es braucht, um einen grandiosen Start hinzulegen. Neben dem Primärplot – also dem Mordfall – werden auch viele kleine Geschichten erzählt. Das trifft vor allem auf die Hauptrollen zu. Lynley und Havers haben eine spürbare Vergangenheit und stecken privat mit dem Kopf in der Schlinge. Lynley war Trauzeuge bei der Hochzeit seine besten Freundes – der ausgerechnet die große Liebe des Inspectors ehelicht. Havers Eltern sind dagegen schwer krank und es steht kurzfristig keine staatliche Pflegehilfe zur Verfügung. Der Druck auf die beiden Ermittler ist groß. Verstärkt wird er durch Lynleys ehemalige Kollegen aus der Grafschaft, die den beiden Steine in den Weg legen und die Ermittlung somit behindern. Aber auch die Verdächtigen sind vielschichtige Charaktere, deren Leben sich innerhalb von fast 150 Minuten Stück für Stück ausbreitet.

Die BBC hat 2001 mal wieder einen Knaller produziert. Gegensätzliche Charaktere treffen aufeinander, es gibt viele Reibereien und der Fall ist ein psychologisch ausgeklügeltes Drama zum mitfiebern. Nathaniel Parker ist als smarter Inspector eine ideale Besetzung. Als britischer Schauspieler mit Erfahrung in klassischen Rollen, gelingt es ihm spielend den etwas steifen und manchmal leicht versnobt wirkenden Earl zu spielen. Sharons Smalls Rolle ist sehr gegensätzlich angelegt. Ihre Havers stammt aus einem Arbeitermilieu und muss sich alles hart erkämpfen. Small setzt die Vorgaben ihrer Rolle gekonnt um und gibt ihr die nötige Intensität, um zu überzeugen. Im Zusammenspiel ergeben die beiden Rollen und ihre Auslegungen entsprechendes Konfliktpotenzial. Durch die beiden Darsteller wirken die Konflikte und ihre Lösungen stets glaubhaft. Zu keinem Zeitpunkt komme das Gefühl auf, dass ein Drehbuch dahintersteckt und sich die Protagonisten zusammenraufen müssen.

Die Episode „Die keinen Frieden haben“ wurde 2007 abgedreht und läutet das große Finale der Serie ein. Thomas Lynleys Frau erschoss man ein halbes Jahr zuvor und nun wurden die sterblichen Überreste seines Patensohns Justin gefunden. Justin verschwand vor vielen Jahren nach seiner Geburtstagsfeier. Nun, zwölf Jahre später, soll er endlich seinen Frieden finden. Justins Schwester Julia verweigert jedoch ihr Kommen und bleibt lieber in Italien. Inspector Lynley fliegt nach Rom und überredet Julia mit ihm zu kommen. Gemeinsam kehren sie nach London zurück. Am Ende einer heißen Liebesnacht stürmt die Polizei Lynleys Schlafzimmer, denn Julias Leiche liegt auf der Straße vor seiner Wohnung …

Der Earl ist in die Jahre gekommen, auch Darsteller Nathaniel Parker. Die körperlichen Unterschiede treten sehr deutlich zutage, da sechs Jahre zwischen dem Pilotfilm und den Finalfolgen liegen. Der Zuschauer erfährt einige Dinge über den Inspector und die Schicksalsschläge die ihn schwer getroffen haben. Lynley trinkt, er hat eine Therapie abgebrochen und blickt im Gefühlschaos kaum durch. Nathaniel Parker spielt diesen Wandel und Verfall überzeugend. Er ist fülliger und sein Gesicht weist mehr Falten auf. Es sind Lebensspuren, die der Zuschauer deutlich lesen kann. Auch Sharon Small ist älter und sichtlich reifer. Zum Ende hin überlässt sie allerdings ihrem Partner das Serienparkett und hält sich dezent im Hintergrund. „Die keinen Frieden haben“ ist vor allem Nathaniel Parkers Abschiedsbühne.

Das Ende der Serie wird nun mit „Erkenne deinen Feind“ gebildet. Ein Gaunerpärchen entführt junge Frauen, um diese zu vergewaltigen. Eines der Opfer ist die Diabetikerin Kelly Stevens. Ohne Insulin ist sie dem Tode geweiht. Lynley und Havers haben keine Zeit für langwierige Ermittlungen. Während der Inspector wie ein Bluthund auf die Jagd geht, versucht Havers das Vertrauen der Verdächtigen zu gewinnen, die scheinbar selbst nur ein Opfer ihres gewalttätigen Mannes ist …

Die letzte Episode hat es in sich. Wie zu Beginn der Serie fliegen zwischen Lynley und Havers die Fetzen, prallen verschiedene Gemüter brachial aufeinander ein, um schlussendlich gemeinsam den Weg zum Ziel zu finden. Dabei entpuppt sich der Fall als kompliziert gestrickt, weist eine überraschende Wendung auf. „Erkenne deinen Feind“ ist ein verdientes Serienende. Schlussendlich darf Sharon Small alle Register ziehe und zeigen, was sie drauf hat. Im Charakterspiel mit Nathaniel Parker nimmt sie den Zuschauer mit auf eine emotionale Achterbahn. Dazu ein kniffliges Rätsel und Spannung pur.

Es ist bedauerlich, dass solch eine großartige Serie zu Ende geht. „The Inspector Lynley Mysteries” basiert dabei auf den Romanen der amerikanischen Schriftstellerin Elizabeth George. Anfangs Romanumsetzungen, wurden später für die Serie extra Geschichten entwickelt. So traurig der Abschied auch ist, überwiegt doch die Freude diese Serie überhaupt zu kennen. Immerhin handelt es sich um ausgeklügelte Kriminalunterhaltung auf hohem Niveau. Es wird viel Wert auf Emotionen, Motive und Charakterspiel gelegt. Auch in der Besetzung und den fotografierten Kulissen wird deutlich, dass die fiktiven Geschichten in dieser Art überall spielen könnten. Das ist vielleicht auch das einzige Manko der vier enthaltenen Episoden. Obwohl Lynley ein Earl ist, fehlt es am typisch britischen Flair. Aber vielleicht ist es für den deutschen Zuschauer auch wiederum reizvoll einer Handlung zu folgen, die so auch in der eigenen Heimat spielen könnte. Die Schauplätze scheinen jedenfalls austauschbar.

Jeder der vier Episoden hat eine eigene DVD in der Box, versehen mit in rot gehaltenen Motiven der Serie. Die Menüs sind einfach und zweckmäßig, Bonusmaterial ist keins enthalten. Selbst die erwartete Trailershow fehlt. Dafür gibt es das heutzutage normale Breitbild und zwei Tonspuren in Dolby Digital 2.0: Deutsch und Englisch. Das war es auch schon. Dadurch steht die Qualität der Serie im Gegensatz zur mauen Ausstattung der DVD-Box. Hier hätte man für Fans ruhig ein wenig mehr auf die DVDs packen können. Trotz allem ist „ The Inspector Lynley Mysteries 6” eine absolute Empfehlung.

(c) 2008 by Günther Lietz

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The Inspector Lynley Mysteries Vol. 06 Finale Special Box (4DVDs)

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Rec

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

Originaltitel: [Rec] (Spanien 2007)
Regie: Jaume Balagueró u.  Paco Plaza
Drehbuch: Jaume Balagueró, Luis Berdejo u. Paco Plaza
Kamera: Pablo Rosso
Schnitt: David Gallart
Darsteller: Manuela Velasco (Ángela Vidal), Ferran Terraza (Manu), Pablo Rosso (Pablo), David Vert (Álex), Jorge Yaman Serrano (jüngerer Polizist), Vicente Gil (älterer Polizist), Martha Carbonell (Senora Izquierdo), Carlos Vicente (Guillem Marimon), María Teresa Ortega (alte Frau), Manuel Bronchud (alter Mann), Akemi Goto (japanische Frau), Chen Min Kao (japanischer Mann), Maria Lanau (hysterische Mutter), Claudia Silva (Jennifer), Carlos Lasarte (César), Ben Temple (Arzt), Ana Isabel Velásquez (kolumbianische Frau), Javier Botet (Niña Medeiros) u. a.
Label: 3L Film (www.3l-film.de)
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment (www.ascot-elite.de) u. E-M-S (www.e-m-s.de)
Erscheinungsdatum: 04.11.2008 (Leih-DVD) bzw. 20.11.2008 (Kauf-DVD u. Blu-Ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1 – anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch
Länge: 75 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Moderatorin Ángela und Kameramann Pablo sind für einen spanischen Fernsehsender tätig. Sie begleiten und filmen sie Menschen, die in der Nacht arbeiten müssen. Aktuell sind sie zu Gast in einer Feuerwache der Hauptstadt Madrid. Sie dürfen die Feuerwehrmänner Manu und Álex auf einem Routine-Einsatz begleiten: In einem Mietshaus haben die Schreie der Senora Izquierdo ihre Mitbewohner dazu veranlasst, Polizei und Feuerwehr zu alarmieren. Als Einsatz- und Filmteam sich Einlass in die Wohnung der alten Dame verschafft haben, werden sie von dieser wie eine Furie attackiert, ein Polizist durch einen Biss in die Kehle schwer verletzt.

Als die entsetzten Mieter aus dem Haus flüchten wollen, finden sie die Türen verschlossen: Unter enormen Aufwand hat die Gesundheitsbehörde es inzwischen abriegeln lassen. Als Begründung wird der mögliche Ausbruch einer unbekannten Virus-Erkrankung genannt, deren Ursprung in dem Haus vermutet wird. Es wird durch Speichel übertragen und löst bei den Infizierten u. a. Wahnsinn, ungezügelte Aggression und Kannibalismus aus.

Unter den Hausbewohnern bricht Panik aus: Wer hat sich womöglich bereits angesteckt? Nicht alle Mieter haben ihre Wohnungen verlassen. Wie steht es um den Zustand derer, die noch nicht gesichtet wurden? Eine vorsichtige Untersuchung bestätigt die schlimmste Vermutung: Zombieähnliche Kreaturen streifen durch die verwinkelten Gänge des großen Gebäudes! Weitere Angriffe hinterlassen Tote und Verletzte, die zu Menschenfressern mutieren und sich der ständig wachsenden Schar der irren Untoten hinzugesellen.

Verzweifelt flüchten Ángela und ihre Leidensgenossen durch das Haus, doch nirgendwo sind sie sicher. Immer kleiner wird ihre Zahl, und zu allem Überfluss lauert der Ursprung des Grauens noch unerkannt unter dem Dach …

Ein Haus mit Zombie-Mietern?

Ein Horrorfilm aus subjektiver Kamerasicht? Das weckt Erinnerungen an Kino-Hypes wie „Blair Witch“ oder „Cloverfield“, an kunstvoll verwackelte und unscharfe Bilder und daraus erwachsendes Kopfweh des Publikums. Keine erfreulichen Assoziationen, obwohl einleuchtet, wieso dieser cineastische Trick so reizvoll erscheint: Kamera und Zuschauerauge sind quasi identisch, gezeigt wird (scheinbar) nur, was der Mensch sieht bzw. in diesem Fall aufzeichnet. Das Blickfeld bleibt beschränkt und lässt Unerfreulichkeiten wie hier den Zombies viele Möglichkeiten, sich aus dem Off und daher überraschend auf unsere Protagonisten zu stürzen. Fällt der Strom aus – was natürlich stets in heikler Lage geschieht –, bleibt es auch für das Publikum dunkel. Übersicht wird zum Fremdwort, Chaos und Panik werden nicht nur besser darstellbar, sondern wirken auch wesentlich verständlicher.

Auf diese Weise kann die subjektive Kamera auch eine sonst konventionelle Handlung in Bilder fassen, die sich vom geläufigen Filmstil unterscheiden. Wenn man es richtig macht, kommt dabei ein kleines Juwel wie „[Rec]“ zustande, obwohl hier von einer innovativen Story wahrlich keine Rede sein kann. Untote Menschenfresser treten in konventioneller Kulisse auf. Dort lässt sie der Film gern los; der Kontrast zwischen normaler Alltagsumgebung und grässlichen Kreaturen sorgt garantiert für einen Schock-Effekt. Der wird ausgebaut, indem die Zombies ihre ehemaligen Mitmenschen jagen, möglichst drastisch zu Tode bringen und verspeisen. Eine wackere Gruppe intern chronisch uneiniger Zeitgenossen versucht sich in Sicherheit zu bringen und wird ordentlich dezimiert, bis entweder eine Flucht gelingt oder die Untoten triumphieren.

Was geht hier vor?

Damit ist auch die Handlung von „[Rec]“ skizziert. Zudem muss wieder einmal ein mysteriöser Virus den Ausbruch einer Zombie-Seuche ‚erklären‘, die anschließend in einem anonymen Mietshaus irgendwo in der Millionenstadt Madrid ausbricht. Dieses Haus birgt ein Geheimnis, das es als Ursprungsort markiert, doch darüber informieren die Regisseure ihr Publikum erst in den letzten Filmminuten. Bis es soweit ist, herrscht allgemeine Ratlosigkeit.

Den Deckel auf dem Topf hält die Ordnungsmacht, die eine Flucht aus dem Horrorhaus verhindert. Ohne diesen Kunstgriff wäre „[Rec]“ noch deutlich kürzer als die ohnehin knappen 75 Minuten geraten. Allerdings muss man den beiden Regisseuren zugestehen, dass sie ihre Geschichte nicht künstlich in die Länge ziehen, nachdem sie erzählt ist.

Zurückhaltung wahren Balagueró & Plaza auch in den Spezialeffekten. Zombie-Horror ist in diesem Punkt für optische Drastik bekannt und berüchtigt. Auch in „[Rec]“ wird mächtig zugebissen, doch geschieht dies eher selten in direkter Draufsicht. Die subjektive Kamera bleibt der Realität entsprechend normalerweise bzw. sicherheitshalber ein gutes Stück vom tödlichen Geschehen entfernt. Auch ist es oft halb oder völlig dunkel oder die Sicht bleibt auf andere, klar nachvollziehbare Weise verdeckt. Es reicht aber für erschreckende Momente, was die Darsteller einschließt: Wenn beispielsweise die ‚Leiche‘ eines unglücklichen Feuerwehrmanns durch den Treppenhausschacht stürzt und zwischen den Mietern aufschlägt, wurden die Schauspieler darüber nicht informiert. Ihr Erschrecken ist folglich echt – und überzeugend.

Erstaunlich scheußlich ist dem Maskenbildner die ‚Zombie-Königin‘ vom Dachboden geraten. Der übergroße und skelettdürre Körper des Darstellers Javier Botet wurde zur menschlichen Basis für eine Maske, die es in sich hat und durch die effektvolle Inszenierung endgültig in einen Albtraum verwandelt wird.

Völlig außen vor bleibt Filmmusik. Sie widerspräche dem Doku-Charakter und wird auch nicht vermisst, da ausgeklügelte Toneffekte sie ersetzen. Die gruseligen Überraschungen sind ohnehin so geschickt in Szene gesetzt, dass sie einer Ankündigung durch suggestiv anschwellende Musik nicht bedürfen.

Jäger und Gejagte

Von den Regisseuren wird zu Recht die Bedeutung der Schauspieler hervorgehoben. Diese Bezeichnung müsste man hier eigentlich in Anführungsstriche setzen, denn um „[Rec]“ wie eine reale Reportage erscheinen zu lassen, durften die Darsteller eines eben nicht: sichtbar schau-„spielen“. Stattdessen mussten sie authentisch als ganz normale Zeitgenossen wirken, die sich vor der Kamera spreizen, sie fürchten, zu stottern beginnen oder kurz gesagt: sich natürlich benehmen.

Dies galt vor allem für Manuela Velasco, die nach eigener Auskunft privat nichts mit der eifrigen aber etwas dümmlichen Ángela Vidal gemeinsam hat, die eine billig hergestellte Nischensendung für einen wohl privaten Fernsehsender moderiert. Sie vermag den Wandel von der eingebildeten, das Geschehen von außen nur beobachtenden und als Quotenfutter kalkulierenden TV-Maus zur selbst betroffenen aber couragiert gegen ihr Schicksal ankämpfenden Teilnehmerin der eingeschlossenen Hausgemeinschaft bis zum hilflosen, jeder Selbstkontrolle entkleideten Opfer sehr überzeugend darzustellen.

Als zweite ‚Hauptfigur‘ neben Ángela fungiert die Kamera. Sie wird angeblich von einem „Pablo“ geführt, von dem indes höchstens seine Schuhe ins Bild geraten; ansonsten bleibt er eine körperlose Stimme. Pablo Rosso schafft es dennoch, seiner Figur Präsenz zu verleihen; wir Zuschauer ‚wissen’ jederzeit, dass hinter dem Objektiv ein Mensch steht (bzw. bald meist rennt …)

Die Kamera selbst musste so eingesetzt werden, dass sie einerseits die Handlung so festhielt, wie dies durch einen echten Pablo geschähe, während sich andererseits die gefilmten Szenen überhaupt zu einer Handlung zu fügen hatten. Das bedurfte nicht nur sorgfältigster Vorbereitung seitens des echten Kameramanns, sondern auch harter Arbeit durch die Schauspieler: Während eine Filmszene normalerweise in viele Takes zergliedert wird, besteht „[Rec]“ aus Plansequenzen, die bis zu einer Viertelstunde dauern – so lang halt, wie eine dokumentierende Kamera laufen und Filmszenen produzieren würde, die vor einer Ausstrahlung im Fernsehen noch geschnitten werden müssten, wozu es in unserem Fall nicht mehr kommt.

Eine Viertelstunde Handlung, die meist turbulent und wortreich ist und in deren Verlauf alle Schauspieler wie in einem Live-Ballett gemeinsam ‚funktionieren‘ müssen, bedeutet eine gewaltige Herausforderung, die nur durch ausgiebige Proben zu meistern ist. Gerät in Minute 14 jemand oder etwas aus dem Takt, muss die Aufnahme komplett wiederholt werden. Die daraus resultierenden Schwierigkeiten sieht man dem Film nie an. Die Kamera ‚fliegt‘ von Brennpunkt zu Brennpunkt und zerrt den Zuschauer erbarmungslos mit, die Schockeffekte ‚sitzen‘:„[Rec]“ bietet grundsoliden Horror auf handwerklich hohem Niveau.

Dem mochte man sich in den USA wie üblich nicht anschließen: Dort erfuhr „[Rec]“ 2008 als „Quarantine“ ein Remake. Dieses Mal steht das verseuchte Haus in Los Angeles. Wie es in Madrid weitergeht, verraten Balagueró & Plaza 2009 in „[Rec] 2“ …

DVD-Features

Wie der Hauptfilm ist auch das Feature-Beiwerk recht knapp ausgefallen. Es gibt die obligatorischen Trailer (Original und deutsche Fassung), TV-Spots, eine Bildergalerie sowie – der einzige Beitrag von Interesse – ein „Making of“. Es dauert zwar nur knapp 19 Minuten, ist aber sehr informativ und unterhaltsam, denn es verärgert nicht durch plump verkappte Zusatz-Werbung, sondern bietet echte Impressionen von den Dreharbeiten sowie Hintergrund-Infos der beiden Regisseure. Zudem ist dieses „Making of“ sehr elegant geschnitten; es lässt den bei Features nicht unbedingt häufigen Wunsch nach einer längeren Dauer aufkeimen.

Über „[Rec]“ informieren weiterhin zwei Websites – eine aus Spanien und eine aus sowie für Deutschland:
http://movies.filmax.com/rec
www.3l-filmverleih.de/rec/rec_1.html

(c) 2009 by Dr. Michael Drewniok

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Prom Night – Unrated Version

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

Originaltitel: Prom Night – A Night to Die for (USA 2008)
Regie: Nelson McCormick
Drehbuch: J. S. Cardone
Kamera: Checco Varese
Schnitt: Jason Ballantine
Musik: Paul Haslinger
Darsteller: Brittany Snow (Donna Keppel), Scott Porter (Bobby), Dana Davis (Lisa Hines), Collins Pennie (Ronnie Heflin), Jessica Stroup (Claire), Kelly Blatz (Michael), Johnathon Schaech (Richard Fenton), Idris Elba (Detective Winn), James Ransone (Detective Nash), Brianne Davis (Crissy Lynn), Kellan Lutz (Rick Leland), Mary Mara (Ms. Waters), Ming Wen (Dr. Elisha Crowe), Jessalyn Gilsig (Karen Turner), Linden Ashby (Jack Turner), Jana Kramer (April), Rachel Specter (Taylor) uva.
Label u. Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment (www.sphe.de)
Erscheinungsdatum: 23.10.2008 (Leih-DVD) bzw. 28.11.2008 (Kauf-DVD u. Blu-Ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Länge: 85 min. (Blu-Ray: 89 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Vor drei Jahren hat Richard Fenton, Biologielehrer an der Bridgeport High School, die Eltern und den kleinen Bruder seiner von ihm krankhaften verehrten Schülerin Donna Keppel umgebracht. Der Todeszelle entkam er nur aufgrund offensichtlichen Irrsinns.

Donna wird noch heute von den Erinnerungen an die Blutnacht verfolgt und therapeutisch behandelt. Halbwegs hat sie sich gefangen und möchte unbedingt an der „Prom Night“, dem großen Abschlussball, teilnehmen, der das Ende ihrer Schulzeit markiert. Begleitet wird sie von Bobby, ihrem verständnisvollen Traumprinzen, und an seiner Seite stehen ihr die besten Freunde Lia, Ronnie, Claire und Michael bei.

Gefeiert wird in einem noblen Hotel, in dessen Ballsaal es bald hoch hergeht, während im Polizeirevier der Stadt ein Unheil ankündigender Anruf eingeht: Detective Winn, der Fenton einst festnahm, erfährt, dass dieser bereits vor drei Tagen aus dem Gefängnissanatorium entkommen und spurlos untergetaucht ist. Da Fenton auch in der Haft unbeirrbar an seiner eingebildeten Liebe zu Donna festgehalten hat, ist damit zu rechnen, dass er auf dem Weg nach Bridgeport ist.

Tatsächlich hat Fenton gut getarnt bereits im Hotel eingecheckt. ‚Seine‘ Donna in den Armen des ‚Nebenbuhlers‘ Bobby zu sehen, macht ihn erwartungsgemäß sehr wütend. Die Ahndung dieser Frechheit lässt jedoch auf sich warten, da Fenton ständig die Aufmerksam von Hotelpersonal oder Gästen auf sich zieht, die deshalb umgebracht werden müssen. Nur langsam kann er sich dem Objekt seiner Begierde nähern, während Detective Winn in dem voll besetzten Hotel verzweifelt die Nadel im Heuhaufen sucht …

Ein Film als Anti-Unterhaltung

Beginnen wir damit: „Prom Night“ ist keineswegs das Remake des Splatter-Klassikers von 1980; damals hieß die Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis, die man fast drei Jahrzehnte später schmerzlich vermisst – aber nicht nur sie. Nichts Geringeres als eine vollständige Neuinterpretation schwebte Regisseur Nelson McCormick vor, der vom Original nur den Abschlussball als Zentrum des Geschehens übernahm. Aus einer klassischen Rachegeschichte wurde der Amoklauf eines erotomanischen Stalkers. Das war’s im Grunde in Sachen Modernisierung; dass McCormicks „Prom Night“ Anno 2008 spielt, lässt sich höchstens noch an den Automobilmodellen erkennen.

Selten klafft zwischen den vollmundigen Verlautbarungen der Filmemacher, die sich in den Features zum Hauptfilm ausführlich über ihr Werk auslassen dürfen, und der kläglichen Realität eine solche Kluft. Audiokommentare und Interviews sind zwar auch sonst vor allem zusätzliche Werbung, doch hier kommt dem fassungslosen Zuschauer einfach Unerhörtes zu Ohren. 18 Mio. Dollar standen Regisseur McCormick zur Verfügung, was für einen Film mit recht übersichtlichen Kulissen und fast ohne Spezialeffekte eine ansehnliche Summe ist. Am Geld kann „Prom Night“ also nicht gescheitert sein.

Die Spannung der Thriller-Handlung sollte dieses Mal nicht durch Action oder Splatter herbei gezwungen werden, sondern sich aus dem Plot, seiner Umsetzung und vor allem dem Spiel der Darsteller ergeben. Von der ersten Minute zeigt uns McCormick seine Karten. Überraschungen gibt es nicht. Richard Fenton wird offen eingeführt; nur die chronisch von Dummheit geschlagenen Prom-Teenys (dazu weiter unten mehr) erkennen ihn nicht. Selbstverständlich findet man sie exakt dort, wo niemand ihnen helfen und der Mörder seinem Job ungestört nachgehen kann. Seine Opfer nimmt er sich schön der Reihe nach vor; dank des ihm gewogenen Drehbuchs laufen sie ihm stets einzeln ins Messer. Der unglückliche Detective Winn findet sich dagegen dauernd in Sackgassen wieder, wo er wie ein manischer Trottel nach Verstärkung brüllen muss.

Aus Hollywoods tiefster Mottenkiste

Das schaut man sich eine Weile an und kann es nicht fassen. War nicht die erste halbe Stunde Strafe genug? „Prom Night“ startet als Teeny-Seifenoper auf TV-Niveau: Sechs Freunde – drei stattliche junge Männer, drei hübsche junge Damen, die Rassen bleiben ungemischt – nehmen Abschied von ihrer Jugend. Sie werden sich trennen, sie leiden darunter, sie streiten und versöhnen sich wieder – so geht das ad nauseam. Bloß: Wen interessiert’s in einem Film, der als Thriller angekündigt wurde?

Ohnehin wird niemand Anteil am üblen Schicksal unserer Hauptfiguren nehmen. Sie entsprechen so deckungsgleich den üblen Klischees, mit denen Hollywood seine Jugenddarsteller malträtiert, dass man ihren Tod eher bejubeln möchte, wäre er nicht jedes Mal so entsetzlich stumpfsinnig in Szene gesetzt. Das „Making of“ kündet vom großen Arbeitsspaß der Schauspieler, den man ihnen sogar ansieht. Im Film herrscht dagegen mimischer Totentanz. Man kann – auch zum Vorteil oder zur Entschuldigung der Darsteller – nur annehmen, dass dieser nicht aus Talentlosigkeit geboren, sondern vom unfasslich ideenfreien Drehbuch erzeugt wurde.

Vor allem Brittany Snow wäre dies zu wünschen. Beim besten Willen lässt sich nicht behaupten, dass sich das aus reichen Quellen speisende Entsetzen adäquat in ihren Gesichtsregungen widerspiegelt. Von denen ist ohnehin nur wenig zu sehen, weil das Zeigen besagten Entsetzens für Ms. Snow identisch mit der Aufforderung ist, eine Hand fest vor den Mund zu pressen und diesem erstickte Quiektöne entweichen zu lassen. Ärgerlicherweise ist Mörder Fenton ebenfalls mit Blind- und Blödheit geschlagen, was ärgerlich ist, da Donna schwer verschminkt und in ihr schlappseidenes Babydoll-Hängerchen gezwängt schon aus ästhetischen Gründen einen grässlichen Tod verdient hätte!

Eine andere Art von Grauen

Donna, ihr Bobby und ihre vier Freunde sind brave Jungs und Mädchen. Zwar haben die drei Jungmänner angeberisch eine protzige Suite gemietet, doch falls sie dort dem verbotenen vorehelichen Sex frönen wollten, so verhindert dies nicht nur der mörderische Mr. Fenton, sondern auch das Drehbuch von J. S. Cardone, der sich im Einklang mit seinem Regisseur wusste, als er zusammen mit Spannung & Splatter jeglichen Anflug von Unmoral tilgte. Lisa und Ronnie sind einmal nah dran, doch gerade als er seinen Hosengurt lösen möchte, fällt Lisa auf bzw. ein, dass ihr verrückter Biologielehrer durch die Hotelgänge geistert. Im Sprung verlässt sie das Lotterbett und stöckelt ihrer gerechten Bestrafung entgegen, denn anstatt Ronnie zu informieren oder das Telefon zu benutzen, macht sich Lisa persönlich auf die Suche nach Donna. Für diese Dämlichkeit gehört ihr wahrlich der Hals durchgeschnitten!

Dumme Teenys, taub-blindes Hotelangestellte und ahnungslose Polizisten: Nur vor dieser geistig drastisch abgedimmten Schar kann Killer Fenton jene Genialität entfalten, die ihn nach Auskunft des dreisten Regisseurs an die Seite von Hannibal Lecter stellt. Dabei kommt Fenton nicht aus einem mystischen Dunkel, er hat keine faszinierende Vorgeschichte, er ist nicht raffiniert, sondern einfach nur liebeswahnsinnig. Dafür gebührt ihm höchstens ein Platz unter den langweiligsten Massenmördern der Filmgeschichte – keine bewunderungswürdige Leistung für einen Strolch, der in 85 Minuten immerhin 15 Leichen hinterlässt.

Schon angedeutet wurde, dass uns McCormick das übliche Vergnügen an diesen Übeltaten missgönnt. Fenton tötet mit dem Messer, eine Art des Mordens, bei der normalerweise viel Blut verspritzt wird. In den drögen Gestalten, die seinen „Prom“-Ball bevölkern, kreist offenbar nur wenig von dem roten Saft, denn den versprühen Fentons Opfer nur tröpfchenweise – falls überhaupt: Nicht selten sehen wir niedergemetzelte Pechvögel, deren ‚Wunden‘ sich auf einige Schmierflecken auf der Kleidung beschränken. Das wirkt etwa so realistisch wie das Sterben in alten Filmwestern, wo ein Kugeltreffer durch das Legen der Hand auf die ‚getroffene‘ Stelle markiert wurde.

Wieso „Prom Night“ unter diesen Umständen erst ab 16 Jahren freigegeben wurde, ist rätselhaft bzw. muss auf die Namensgleichheit mit dem ungleich rabiateren Vorgänger von 1980 zurückgehen. Die Version von 2008 ist sogar harmloser als der ebenfalls in diesem Jahr veröffentlichte James-Bond-Thriller „Ein Quantum Trost“, den bekanntlich schon Zwölfjährige besichtigen dürfen. Die DVD/Blu-Ray-Fassung als „unrated“ zu bezeichnen setzt dem die Krone auf – „Prom Night“ wurde in keiner Szene geändert, sondern nur in den Features durch einige Blicke hinter die Kulissen sowie diverse geschnittene Szenen ergänzt. Wo sind denn die „gory scenes not shown in theaters“, von denen die Website schwadroniert? Am rundum negativen Gesamteindruck kann diese Schaumschlägerei indes auch nichts mehr ändern.

DVD-Features

Eindrucksvoll wirkt auf den ersten Blick die lange Liste der Features, die der „Prom Night“-Scheibe aufgespielt wurden. Bei näherer Betrachtung muss auch hier relativiert werden: Was sich gut zu einem einzigen „Making of“ hätte zusammenfassen lassen, wird in minutenkurze Häppchen gehackt, um eine Fülle von Extras vorzutäuschen, die so nicht existiert.

Immerhin gibt es einen Audiokommentar. Regisseur Nelson McCormick sowie die Darsteller Brittany Snow und Jonathon Schaech äußern sich allerdings über einen ganz anderen Film; ihre Äußerungen lassen sich jedenfalls selten mit dem filmischen Elend namens „Prom Night“ in Einklang bringen. Interessant und lehrreich ist dieser Kommentar aber als Lektion über das Scheitern ehrgeiziger Ansprüche, die einen Tornado des Terrors zu einem Sturm im Wasserglas degenerieren lassen.

Fünf entfallene Szenen werden vom Regisseur und den genannten Darstellern ebenfalls kommentiert und für überflüssig erklärt. Dem kann man nur zustimmen – und die Frage anschließen, wieso es bei diesen fünf Szenen geblieben ist: „Prom Night“ hätten weitere Kürzungen nur gut getan. Allein: Es hätte schlimmer kommen können. Als bedrohliche Möglichkeit balancierte Regisseur McCormick einige Zeit mit einem alternativen Ende, von dem sogar Brittany Snow sagt, sie habe dafür gebetet, dass dieses es nicht in die finale Version schafft. Wenn man es sieht, versteht man sie sofort.

Ein „Making of“ gibt es auch. Es dauert keine Viertelstunde und zieht sich trotzdem so elend wie der Hauptfilm in die Länge. Freche Lügen ergießen sich über den Zuschauer, dem ein Film suggeriert wird, den er nie zu sehen bekommt. Eigens ausgekoppelt wurden – wieso, bleibt unklar – Featurettes mit den Titeln „Profil eines Killers“ und „Schaurige Plätze – Die perfekte Location“. (Die Außen- bzw. Innenaufnahmen entstanden übrigens im Millennium Biltmore Hotel in Los Angeles.)

Wesentlich unterhaltsamer als diese ‚Extras‘ sind eine kleine Sammlung sog. „Bloopers“ („- Die besten Versprecher“), das fiktive „Bridgeport High Vikings-Video Jahrbuch“ sowie einige private Abschlussball-Geschichten der Schauspieler geraten.

Wer noch mehr Zeit vergeuden möchte, findet im Internet eine offizielle „Prom Night“-Website: www.sonypictures.com/homevideo/promnight

Doch Vorsicht: Eine ‚echte‘, d. h. nicht nur Werbung verbreitende Website liegt woanders: www.prom-night-film.de

(c) 2009 by Dr. Michael Drewniok

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Prom Night – Eine gute Nacht zum Sterben (Unrated Version)

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Batman – The Dark Knight

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

Genre: Action, Abenteuer
FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 152 Minuten

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan, David S. Goyer
Darsteller: Christian Bale, Heath Ledger, Sir Michael Caine, Maggie Gyllenhaal, Gary Oldman, Aaron Eckhart, Morgan Freeman

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Warner Bros. Pictures, Legendary Pictures, DC Comics, Syncopy
Produzent: Christopher Nolan, Charles Roven, Emma Thomas

Die Geschichte um den dunklen Ritter Gotham Citys wird fortgeführt, doch was bleibt 2008 vom ursprünglichen „Dark Knight“ …?

Batman (Christian Bale) stellt sich erfolgreich dem Verbrechen in Gotham City und räumt unter den Kriminellen ordentlich auf. Dabei wird er zum Helden der Stadt und die Selbstjustiz durch den kostümierten Helden zu keinem Zeitpunkt hinterfragt. Doch was Batman im Schutze der Dunkelheit für die Stadt erreicht, erreicht Bezirkstaatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckhart) im Namen des Gesetzes. Der Mafia sind beide Männer ein Dorn im Auge. Da kommt ein mysteriöser Krimineller namens Joker gerade recht. Anfangs verachtet, ist er schlussendlich der einzige Ausweg für das organisierte Verbrechen.

Der Joker räumt ordentlich auf, kennt keine Skrupel, ist unberechenbar und ein Irrer ohne Gnade. Tatsächlich gelingt es ihm Batman beinahe an die Öffentlichkeit zu zwingen – doch Harvey Denkt springt in die Bresche und es gelingt der Polizei den Joker zu stellen. Aber dieser trickst die Justiz erneut aus, nimmt Bruce Waynes geliebte Freundin Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal) als Geisel und stellt Batman eine Falle, in der auch Dent zu Schaden kommt und bitterliche Rache schwört …

Batman ist und bleibt in seiner Rolle als Dunkler Ritter von Gotham City ein Ausnahmeheld. Wo andere Superhelden mittels ihrer Superkräfte das Böse in die Knie zwingen, verlässt sich Bruce Wayne auf seine Bildung, sein Training und sein Vermögen. Er ist ein normaler Mensch, doch voller Ehrgeiz und psychologisch gestört. Die Paraderolle für Christian Bale, der Batman nun zum zweiten Mal spielt – unterschrieben hat er bisher für insgesamt drei Filme.

Christopher Nolan – Regisseur, Autor und Produzent – gibt seinem Batman dabei neue Aspekte, lässt sich den dunklen Ritter neu erfinden. Erinnert man sich an die Batman-Filme von Tim Burton, so wurde Wayne dort als düsterer und traumatisierter Held gezeichnet, beinahe schon eine mitleiderregende Gestalt ohne Hoffnung. Nolans Batman ist dagegen aktueller und der Neuzeit angepasst, ein moderner Held, der die Massen in die Kinos lockt. Dabei geht einiges vom Charme des ursprünglichen Batmans verloren, doch die Figur wurde im Laufe ihrer Comickarriere oftmals neu definiert. Puristen werden jedoch nachdenklich sein, angesichts des neuen alten Superhelden Gotham Citys.

Allerdings weiß Nolans Batman zu gefallen und Bales Darstellung ist hervorragend. Gekonnt setzt er den – noch – nach Hoffnung strebenden Charakter Waynes um, zeigt auf, dass noch Licht am Ende des Tunnels ist und vollführt glaubhaft die Wandlung zum desillusionierten Batman, der fortan einsam seine Runden in der Nacht zieht. Ein Batman, der sich seine eigenen Feinde heranzieht – und hier folgt Nolan wieder der Comicvorlage.

Aber vor allem Batmans Gegenspieler steht im Fokus des Films: Der Joker, hier gespielt von Heath Leadger. Dieser verstarb unter tragischen Umständen kurz nach Ende der Dreharbeiten und seine Darstellung des Jokers gilt quasi als unübertroffen. Unbeachtet des frühen Todes Leadgers, steht im Film nur seine Darstellung des Jokers auf dem Prüfstand. Und auch hier zeigt sich, dass Nolan einige Kernelemente der Figur über-, aber auch radikale Änderungen vornahm.

Wie auch Batman, muss sich ebenfalls Joker der Realität und Neuzeit stellen, wird das Comicelement mehr unter den Teppich gekehrt und die Science Fiction ausgepackt. Während Batman logisch nachvollziehbar aufrüstet, büßt Joker sein Jokergas (auch als Smilex bekannt) ein und benutzt in „The Dark Knight“ Messer jeglicher Größe und Form, um ein Grinsen ins Gesicht seiner Opfer zu zaubern – was dann auch mit ihrem Tod endet. Jokers eigenes Dauergrinsen scheint ebenfalls von Schnittwunden zu stammen, dazu die obligatorische Schminke. Trägt der traditionelle Joker noch Anzug und Hut, so ist Nolans Joker moderner, ein ungewaschener, verschwitzter Krimineller, der – wie Batman – keine besonderen Fähigkeiten besitzt, sondern durch sein Genie zu triumphieren weiß.

Vergleiche zur Joker-Darstellung von Jack Nichols sind daher wie ein Vergleich zwischen Birnen und Äpfeln. Nichols Joker war eng an der Comicvorlage, Leadgers Rolle ist zeitgemäß. Im diabolischen Vergleich punktet jedoch Nichols, denn Heath Leadger wirkt als Joker zwar bedrohlich, aber selten teuflisch. Auch sein Tod erhebt ihn nicht in den Darstellerolymp, in dem ihn seine Fans gerne sehen würden. Traurig, aber wahr, denn die subjektive Wunschvorstellung des kommerziellen Hollywoods schmälert damit die hervorragende Leistung Leadgers.

Die Darstellerriege in „The Dark Knight“ ist jedenfalls beachtlich. So gibt Sir Michael Caine den Butler Alfred und Morgan Freeman ist als Lucius Fox zu sehen. Beides eher kleinere, aber dennoch feine Rollen. Das gilt auch für Gary Oldman, der in der Rolle von Lt. James Gordon agiert.

Die weibliche Hauptrolle wird von Maggie Gyllenhaal übernommen, die hier eine exzellent Rachel Dawes zum Besten gibt. Maggie Gyllenhaal, mal wieder äußerst bezaubernd und anziehend, bildet ein starkes Gegengewicht in dem Dreiecksverhältnis Wayne, Dawes und Dent. Allerdings sind die Beziehungsparts manchmal ein wenig lang geraten und dabei leider auch langweilig. Die Liebschaft zwischen Bruce und Rachel wird förmlich kaputtgespielt und ist in diesem Ausmaß für den Film von nur wenig Belang.

Gleiches gilt für das pathetische Blabla zum Thema Verantwortung eines Superhelden und moralische Aufgaben und Pflichten. Der Zuschauer weiß schnell, wie Batman gestrickt ist und erwartet von einem Superhelden einfach moralische Integrität – und trotzdem wird es mehrmals wiederholt, bis es auch die letzte Person verstanden hat. Das führt ebenfalls zu ungewollten Längen.

Glücklicherweise reißt Aaron Eckhart mit seiner Darstellung von Harvey Dent vieles wieder raus. Seine Art ist einfach erfrischend und seine Wandlung vom Helden zum Bösewicht ist verdammt überzeugend. Die Maskenbildner haben natürlich einiges dazu beigetragen und auch die Tricktechnik ist vom Feinsten. Nolan zeigt in „The Dark Knight“, wie sich gutes altes Handwerk und moderne Technik ergänzen können, denn die Tricks und die ganzen Actionsequenzen sind überwältigend.

Und Action gibt es wahrlich genug, denn ständig geschieht etwas, explodieren Dinge oder kracht es laut aus allen Ecken. Dazu der wundervolle Score von Hans Zimmer und James Newton Howard, der einfach stimmig und packend ist.

Auch die deutsche Synchronisation ist eine klasse Sache. Die Sprecher verleihen den Charakteren beim übertragen ins Deutsche stimmliche Farbe und unterstützen das Charakterspiel. Vor allem Batman und Joker kommen erstklassig herüber und machen einfach Spaß.

Weniger Spaß macht dagegen der Schnitt. Obwohl der Film ab 16 freigegeben ist, gibt es oftmals Sequenzen, in denen Nolan lieber einen harten Schnitt setzt, als die endgültige Brutalität eines Jokers zu zeigen. Man darf gespannt sein, wie sich der Schnitt in einer späteren DVD-Veröffentlichung präsentiert. Nun, da der Joker trotz allem ein bedrohlicher Mistkerl ist, kann man das aber verschmerzen.

„The Dark Knight“ ist ein klasse Film, der ordentlich rummst und viel Spaß macht – er ist eine gelungene Bereicherung des Batman-Universums.

(c) Copyright 2009 by Günther Lietz

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The Happening

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

Verleih: Fox
Land/Jahr: USA 2008
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: Mark Wahlberg, Zooey Deschanel, John Leguizamo
Kinostart: 12. Juni 2008

Laufzeit: 90 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan

Produktionsfirmen: 20th Century Fox, Blinding Edge Pictures, UTV Motion Pictures
Produzenten: Barry Mendel, Sam Mercer, M. Night Shyamalan

Kamera: Tak Fujimoto
Schnitt: Conrad Buff IV
Musik: James Newton Howard
Produktionsdesign: Jeannine Claudia Oppewall
Kostüme: Betsy Heimann

Der Film startet ganz harmlos in einem Park, in dem zwei Frauen auf einer Bank sitzen und in ihre Bücher vertieft sind. “An welcher stelle war ich gerade?” – nach einer sehr ausführlichen Antwort hört man entfernt einen Schrei. Auf die Frage ob sie das auch gehört hätte fragt die erste Frau nur erneut “An welcher stelle war ich gerade?” und schaut ausdruckslos nach vorne.

Verwundert schaut sich ihre Freundin um … irgendwie scheint die Zeit um sie herum stehen geblieben zu sein, denn alle Menschen stehen auf der Stelle. Während man sich noch fragt was eigentlich los ist, nimmt die immer noch ausdruckslos blickende Freundin ihre (große) Haarnadel und setzt sie an ihrem Hals an – Schnitt!

Gleiche Stadt – nur ein paar Meter weiter an einer Baustelle – erzählt ein Bauarbeiter einen schweinischen Witz, als das Lachen von einem Einschlag hinter der Gruppe übertönt wird. Als sich die Arbeiter der Einschlagstelle nähern wird die Vermutung Gewissheit: Ein Kollege ist abgestürzt. Noch während der Notarzt verständigt wird gibt es einen weiteren Einschlag, knapp darauf noch einen. Der eben noch heitere Witzeerzähler schaut mit Tränen in den Augen nach oben, wo seine Restlichen Kollegen auf dem Weg in Tiefe sind …

Ein guter, überraschender, aber auch schockierender Anfang – wann hat man schließlich schon so viele individuelle Selbstmorde gesehen?

Medien und Regierung sind machtlos – keiner weiß wo es herkommt, was es ist oder was man dagegen tun kann. Sicher ist nur: Es gibt drei Symptome. Sprachliche Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit und das abschalten des stärksten aller menschlichen Triebe – dem Selbsterhaltungstrieb.

Die erste Vermutung ist natürlich ein Terroranschlag, doch als nach und nach immer kleinere Städte und auch Dörfer auch davon betroffen sind wird diese Theorie verworfen.

Das Damoklesschwert der Ungewissheit (was löst dieses ”Happening” aus) hängt lange Zeit in der Luft. Doch auch nachdem diese Fragen geklärt ist, schafft es Shyamalan gekonnt, die Spannung aufrecht zu erhalten, denn diese Bedrohung ist kein Monster aus einer Märchenwelt oder nur ein Schreckgespenst – sie ist erschreckend präsenter als alles bisher Bekannte.

Die Handlung in “The Happening” spinnt sich, ähnlich wie in “Signs”, um eine kleine unbedeutende Gruppe, die in dieser sich zuspitzenden Lage nur das versucht was alle versuchen – zu überleben. Der Protagonist Elliot (Mark Wahlberg), ein Naturkundelehrer und seine Frau Alama (Zooey Deschanel) fliehen zusammen mit Elliots Lehrerkollegen Julian (John Leguizamo) und dessen Tochter mit dem Zug vor diesen tödlichen Phänomenen. Doch der Zug erreicht sein Ziel nicht …

So schafft es M. Night Shyamalan die Ereignisse aus der Sicht von “ganz normalen Leuten” zu zeigen, mit denen sich der Zuschauer schnell identifizieren kann. Sicher sind hier keine weltverändernden Heldentaten zu erwarten, noch hochgreifende Dialoge – und das ist auch gut so. Denn der eigentliche Star des Films ist und bleibt das “Happening”.

Für hartgesottene Horror/Splatter-Konsumenten sind diese Selbstmorde doch eine andere Qualität, man spürt ein großes Maß an Hilfslosigkeit. Was würde man selber machen? Ein weiterer Aspekt, der das Unbehagen weiter schürt ist, dass Menschengruppen das ”Happening” anziehen. So gibt es keine Sicherheit in der Gruppe – man ist auf sich alleine gestellt.

Alles in allem ist ”The Happening” ein gelungener Film, der den Zuschauer durch ein ungewönliches Setting – die Selbstmorde und die ständige Gefahr – die ganze Zeit über in seinen Bann ziehen kann. Danke Mr. Shyamalan – absolut empfehlenswert, wenn man sich auf die Situation einstellen kann!

Anmerkung
Laut Schnitteberichte.com ist die deutsche Kinofassung 60 Sekunden kürzer als das Original.

(c) 2009 by Björn Scheyer

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Besprechung auch erschienen bei Fantasyfreaks.de

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Kommissarin Lund – Das Verbrechen, Folgen 6-10

Erstellt von Günther Lietz am 28. Januar 2009

Genre: Kriminalfilm
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 525 Minuten

Regie: Birger Larsen, Kristoffer Nyholm, Henrik Ruben Genz, Hans Fabian Wullenweber
Drehbuch: Søren Sveistrup
Darsteller: Sofie Gråbøl, Lars Mikkelsen, Bjarne Henriksen, Ann Eleonora Jørgensen, Marie Askehave, Michael Moritzen, Søren Malling, Nicolaj Kopernikus, Bent Mejding

Produktion: Dänemark/Schweden/Deutschland/Norwegen 2007
Produktionsfirmen: Danmarks Radio (DR), Norsk Rikskringkasting, Sveriges Television (SVT), Nordvision
Produzent: Sven Clausen, Piv Bernth

Noch immer jagt Kommissarin Sara Lund (Sofie Gråbøl) dem Mörder von Nanna Birk Larsen (Julie Ølgaard) hinterher. Der dabei ins Visier der Ermittlungen geratene Bürgermeisterkandidat Troels Hartmann (Lars Mikkelsen) verbirgt zwar etwas, doch rückt der Mann erst im letzten Augenblick mit der Wahrheit raus. Lund und Kollege Jan Meyer (Søren Malling) haben erneut die falsche Spur verfolgt. Es gibt zwar Verbindungen in die Politik, doch keine davon steht mit dem Mord in Verbindung. Trotzdem rollen noch einige Köpfe im Rathaus.

Sara Lunds Ermittlungen konzentrieren sich nun auf weitere Morde dieser Art. Vermutlich hat ein Serientäter das Verbrechen begangen. Und tatsächlich verdichten sich die Hinweise entsprechend – oder ist gar der Wunsch Vater des Gedanken? Vor allem, da sämtliche Hinweise wieder ins private Umfeld der Ermordeten führen. Für die Eltern Theis (Bjarne Henriksen) und Pernille Birk Larsen (Ann Eleonora Jørgensen) ein schwerer Schlag, sahen sie doch den Mörder ihrer Tochter bereits als gerichtet an. Und plötzlich soll es ein ihn nahe stehender Mensch gewesen sein … kaum zu glauben. Ttatsächlich sieht es erneut nach einem Irrtum der Polizei aus. Ein Irrtum, den ein Ermittler mit seinem Leben bezahlt …

„Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ umfasst zwanzig Episoden, die jeweils einen Tag der Ermittlungen widerspiegeln. Eine Konzept, das an die erfolgreiche TV-Serie „24“ erinnert und ein voller Erfolg ist. Der Zeitdruck, kombiniert mit der Ermittlungsarbeit der Kopenhagener Polizei, sorgt für große Spannung.

Wurde zum Ende der ersten Staffelbox Troels Hartmann als Verdächtiger forciert, so wendet sich Drehbuchautor Søren Sveistrup in der zweiten Hälfte seiner Geschichte langsam von der Politik ab und schiebt neue und alte Tatverdächtige wieder in den Fokus zurück. Es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass die Politiker und deren Mitarbeiter in ihrem Drang nach Macht die Ermittlungen behinderten. Eine große Gefühlskälte in der Riege der Mächtigen, auf die Sveistrup hier aufmerksam macht. So lässt sich einer der Verdächtigen auch lieber erschießen, als seine Karriere als beendet hinzunehmen. Einzig leuchtendes Vorbild bleibt nur Hartmann – doch der ergibt sich irgendwann seiner Position und muss erkennen, dass ein Licht im Dunkeln zu wenig ist, um die Finsternis zu vertreiben.

Doch mit dem Fall stehen Hartmanns Probleme nicht mehr in Verbindung. Sara Lund und ihre Kollegen haben nun jemand anderen im Blick und begehen dabei mehrere Fehler. Das Sara dabei ihren guten Ruf und ihre Beziehung aufs Spiel setzt, ist da nur eine logische Konsequenz und gibt der Figur mehr Tiefe und Charakterspiel. Kompliment an Sofie Gråbøl für ihre packende und überzeugende Darstellung dieser Ermittlerin, die sich ihrer Überzeugung wegen auch gerne mal an jemandem reibt, in Details versinkt oder sich wortkarg dem Tunnelblick ergibt.

Mit großen Schritten geht es dann endlich aufs Finale zu. Und genau da versagen Autor und Regisseur. Sie verfehlen das Endziel um Längen, lassen einen teilweise unbefriedigten Zuschauer zurück. So wirkt die Handlung schlussendlich konstruiert und die Indizien in ihrer Gesamtheit unschlüssig. Es bleiben einige Fragen offen. Und einige Antworten sind entfallen, denn die Macher versäumen im Finale eine Zusammenfassung der Beweiskette. Und bei einem Fall der über eintausend Minuten geht, kann sich kaum ein Zuschauer alle Details merken. Gekrönt werden diese Fehler mit der Tatsache, dass ausgerechnet ein unschuldiger Sympathieträger das Leid einer Verurteilung ertragen muss.

Søren Sveistrups Absicht ist klar. Er hat seine Figuren auf einen Weg geschickt, an dessen Ende sie zu anderen Menschen wurden. Eine klasse und spannende Sache. Vor allem nachvollziehbar, aber hier hätte man vielleicht ein Auge zudrücken und mehr Zugeständnisse an den Film machen sollen. Somit wäre wenigstens eine Figur vom Schicksal geschlagen, aber relativ unbeschadet davongekommen. So liegt alles in Trümmern – aber darauf wollte Søren Sveistrup auch hinaus: Mord zerstört alles!

Auch die zweite DVD-Box beinhaltet fünf Episoden. Als kleines Schmankerl findet sich ein wenig Bonusmaterial auf den DVDs. Unter anderem eine Zusammenfassung der Figuren und ein paar Bilder. Leider ist es zu wenig, um als vollwertiges Zusatzmaterial durchzugehen.

Wer sich mit dem missglückten Finale abfinden kann, der wird großen Spaß mit der Serie haben. Die Spannung ist hoch und die Charaktere menschlich, somit ist trotz allem gute Unterhaltung garantiert. Man kann am Ende ja auch einfach mal ein Auge zudrücken und Fünfe gerade sein lassen. „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ ist trotz unglücklichem Ende gute Unterhaltung.

(c) 2009 by Günther Lietz

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Kommissarin Lund – Das Verbrechen, Box 2, Folgen 6-10

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