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Archiv für Februar 4th, 2009

Driving Lessons – Mit Vollgas durchs Leben

Erstellt von Günther Lietz am 4. Februar 2009

Driving Lessons – Mit Vollgas durchs Leben
Driving Lessons

FSK: ab 12 Jahre
Laufzeit: 91 Minuten

Regie: Jeremy Brock
Drehbuch: Jeremy Brock
Darsteller: Rupert Grint, Julie Walters, Laura Linney, Fay Cohen, Ruby Mortlock, Michelle Duncan, Tamsin Egerton, Nicholas Farrell, Jacques Kerr, Oliver Milburn, Jim Norton

Produktion: Großbritannien 2006
Produktionsfirmen: ContentFilm, Rubber Tree Plant, UK Film Council
Produzent: Alessandro Camon, Julia Chasman, Alexandra Ferguson, Edward R. Pressman

Fahrstunden als Synonym für die Lektionen des Lebens …

Ben Marshall (Rupert Grint), siebzehn und ein halbes Jahr alt, rasselt katastrophal durch die Fahrprüfung, obwohl ihm seine Mutter Laura (Laura Linney) doch ach so fleißig Fahrstunden gibt. Sie ist eine gläubige Christin und in ihrem Glauben eifriger, als der eigene Ehemann Robert (Nicholas Farrell), der Pastor der örtlichen Gemeinde ist. Lauras Eifer geht sogar so weit, dass sie den geistig verwirrten Mister Fincham (Jim Norton) bei sich aufnimmt und Ben eine Arbeit suchen muss, um Fincham finanziell unterstützen zu können.

Während sich nun hinter Lauras christlicher Fassade und vorbildlichem Verhalten Kontrollsucht und Doppelmoral verbergen und Pastor Marshall seiner dominanten Frau kein Paroli bieten kann, lernt Ben die gealterte Schauspielerin Evie Walton (Julie Walters) kennen, für die er nun an als Gesellschafter und Assistent arbeiten soll.

Evie ist sehr exzentrisch, mehrfach geschieden, extrovertiert und hat ein Alkoholproblem – alles Dinge, vor denen Ben bisher behütet wurde. So lernt er eine andere Seite des Lebens kennen, eine Seite, die ihn schon bald überfordert. Doch beim Versuch zu kündigen wird er von Evie übertölpelt und macht mit ihr einen Campingausflug, der schlussendlich in der Fahrt zu einer Lesung endet. Ben ist eigentlich wütend, will nach Hause, doch er will der bald sterbenden Evie diesen letzten Gefallen erweisen …

Rupert Grint dürfte – jedenfalls in den 2000ern – den meisten Menschen in seiner Nebenrolle als Freund von Harry Potter aus den gleichnamigen Verfilmungen bekannt sein. Dort spielt an seiner Seite auch Julie Walters, die Grints Filmmutter mimt. In „Driving Lessons – Mit Vollgas durchs Leben“ stehen beide nun erneut vor der Kamera, diesmal allerdings als Hauptdarsteller, während sie gleichzeitig eine weitere Potter-Verfilmung abdrehten. Zwei sehr gute und fleißige Schauspieler, das muss man ihnen lassen.

In „Driving Lessons“ geht es nun um die Selbstfindung eines jungen Menschen und eine generationenübergreifende Freundschaft, die vor allem auf Poesie und Literatur basiert. Diese Themen werden von Drehbuchautor und Regisseur Jeremy Brock sanft und humorvoll angegangen, doch stets mit einem ernsten Hintergrund und dem nötigen Maß an Sensibilität – denn immerhin erzählt Brocks Geschichte von Menschen, ihren Stärken und ihren Schwächen. Die Handlung selbst trägt dabei die Charaktere und ist zu keinem Zeitpunkt das dominante Element des Films, sondern nur der Rahmen, der die lebenden Bilder umfasst. Der Zusatz „Mit Vollgas durchs Leben“ ist übrigens mehr verwirrend als informativ oder gar sinnig, denn weder gibt hier jemand Vollgas, noch führt die Reise durchs Leben. Der im Vorspann vorkommende Untertitel „Unterwegs mit Evie“ wäre da schon passender gewesen.

Sympathisch und leise werden die Figuren innerhalb des Films zueinandergeführt. Dabei sind Ben und Evie sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die sich erst einmal finden und erfinden müssen. Vor allem Ben bietet hier viel Identifikationspotenzial und emotionale Augenblicke, während er seinen Weg geht und entdeckt, dass die Welt mehr zu bieten hat, als den Auftritt als Baum in einem christlichen Theaterstück. Witzigerweise soll Ben wohl einen Maulbeerbaum darstellen, in der deutschen Synchronisation wird er aber als Eukalyptusbaum tituliert. Allgemein ist die Synchronisation zwar gut, aber weniger scharf als die Originaltonspur. Vor allem Julie Walters erscheint in Englisch genauer und grantiger, ist derber und schärfer, als es ihre deutsche Stimme zu sein vermag. Das ist jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen.

Die Verbindung zwischen Ben und Evie ist zentrales Element, doch auch die Bindung von Ben zu seiner Mutter hin spielt eine große Rolle. Immerhin muss er sich zwischen zwei Frauen entscheiden. Keineswegs in sexueller Hinsicht, sondern in rein emotionaler Form. Laura Linney brilliert dabei in ihrer Rolle der Laura Marshall, die zwar zuckersüß daherkommt, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Denn schon bald ist ihre Kontrollsucht spürbar, die wiederum Teil eines Liebesverhältnisses ist – denn nur wenn Ben zur Verfügung steht und seine Fahrstunden bei der Mutter bekommt, hat diese ein Alibi für ihr Stelldichein.

Von der Liebschaft scheint Robert Marshall zu wissen, der von Nicholas Farrell mit großer Spielfreude dargestellt wird. Die Resignation und die Hilflosigkeit der eigenen Ehefrau gegenüber ist förmlich greifbar und regelrecht erdrückend. Selbst bei den abstrusesten Situationen oder auch bei den einfachsten Dingen, muss sich Robert Laura unterwerfen und klein beigeben. So bleibt ihm nur sein Hobby: Die Vogelkunde.

Auch das ist wiederum ein Element, das wunderbar die Beziehung zwischen den einzelnen Charakteren aufzeigt. Ben besitzt am Hobby seine Vaters zwar keine echte Freude, doch kann er es instrumentalisieren, um wenigstens einen kurzen Augenblick mit Robert eine gemeinsame Basis zu finden, wenigstens kurz einige Worte auszutauschen und gegenseitige Liebe auszudrücken. Sehr gut inszeniert!

„Driving Lessons – Mit Vollgas durchs Leben“ ist trotz der emotionalen Thematik eine Komödie. Doch der Humor kommt auf leisen Sohlen, entwickelt sich aus der Situation heraus. Es gibt kein Feuerwerk der Lacher, sondern nur gezielte Pointen, überraschende Augenblicke und reine Lebensfreude, die zum Mitlachen, Schmunzeln und Grinsen verführen. Der Film ist einfach großes Kino fürs Herz.

Die Ausstattung der DVD kann leider kaum mit der hohen Qualität der Films mithalten. Es gibt den üblichen Trailerpark, einige unkommentierte Outtakes, ein Making of und ein Interview mit Rupert Grint. Alles nett anzusehen, allerdings ohne Untertitel, recht kurz und nichtssagend. Halt das übliche Minimalprogramm. Hätte man sich auch sparen können.

(c) Copyright 2008 by Günther Lietz

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Driving Lessons

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Leg dich nicht mit Zohan an

Erstellt von Günther Lietz am 4. Februar 2009

Leg dich nicht mit Zohan an
You Don’t Mess with the Zohan

FSK: ab 6 Jahre
Laufzeit: 112 Minuten

Regie: Dennis Dugan
Drehbuch: Judd Apatow, Adam Sandler, Robert Smigel
Darsteller: Adam Sandler, John Turturro, Emmanuelle Chriqui, Nick Swardson, Lainie Kazan, Rob Schneider, Ido Mosseri, Dave Matthews, Michael Buffer, Robert Smigel

Produktion: USA 2008
Produktionsfirmen: Happy Madison Productions
Produzent: Adam Sandler, Jack Giarraputo, Robert Smigel, Barry Bernardi

Adam Sandler mal wieder politisch inkorrekt und vollkommen durchgedreht …

Zohan Dvir (Adam Sandler) ist Top-Agent des Mossad und zeigt den Palästinensern, wo der Hammer hängt, die Rakete explodiert, der Fisch steckt und die Brezel gebogen wird – und noch mehr von diesen Dingen. Zohan hat alles, was sich ein Israeli wünschen kann und ist ein Nationalheld. Aber in den einsamen Stunden sehnt er sich nur nach einem: Ein Frisör zu sein.

Also inszeniert Zohan im Kampf gegen Superterrorist Phantom (John Turturro) seinen Tod, fliegt in die USA und versucht dort als Scrappy Coco einen Job zu finden. Doch die Sache ist schwerer als gedacht und so landet Zohan schlussendlich im kleinen Salon von Dalia (Emmanuelle Chriqui), einer Palästinenserin. Es dauert auch nur kurze Zeit, da wird Zohan erkannt, Phantom setzt sich auf seine Spur und ein amerikanischer Baulöwe nutzt die Gunst der Stunde, um sein Geschäft zu machen …

In „Leg dich nicht mit Zohan“ an arbeiten Adam Sandler und Dennis Dugan erneut zusammen. Ganz wie in „Chuck und Larry“ schnappen sie sich ein eigentlich ernstes Thema, hauen es politisch inkorrekt in die Pfanne und ziehen es danach durch den Comedy-Kakao. Dabei besticht Sandler – wie so oft – durch den schonungslosen Einsatz von Fäkalhumor und niedrigem Niveau. Da er nebenbei Filme wie „Rambo“, „Rocky“ und „Spider-Man“ parodiert, kommt ein lustiger Mix aus Klischees und abgedrehten Gags heraus.

Bereits der Name „Zohan“ scheint eine Parodie auf den legendären Ninja Hattori Hanz? zu sein, dem einst scheinbar alles gelang und dessen Person die Vorlage für den legendären Meisterschmied aus „Kill Bill“ war. Ob Sandler nun auf „Kill Bill“ oder Hattori Hanz? abzielte sei ihm überlassen.

Obwohl Adam Sandler auch mit subtileren Tönen daherkommen und unterhalten kann, verlässt er sich in „Leg dich nicht mit Zohan an“ auf seine bekannten Stärken: Tumbe, harten Gags am Rande der Geschmacklosigkeiten. Und so vögelt er die Omis im Hinterzimmer des Salons, reibt seinen Schwanz an den Schultern älterer Damen und vernascht ungeniert die Mutters seines amerikanischen Freundes. Nebenbei rettet er natürlich auch den Weltfrieden in New York, während er vorher noch nett mit Mariah Carey plaudert.

Anspruch oder Substanz sucht man allerdings vergeblich, aber der direkte Humor und die rauen Gags sind unterhaltsam und springen dabei erfrischend schonungslos mit weltpolitischen Klischees um, dass es eine wahre Freude ist. Die deutsche Synchronisation hat dabei Probleme dem Film zu folgen, da die Dialoge und der Wortwitz recht speziell sind. Zwar geben sich die Synchronsprecher alle Mühe mitzuhalten, doch müssen einfach einige Abstriche gemacht werden. Trotzdem ist Zohans gebrochenes Deutsch eine nette Sache.

„Leg dich nicht mit Zohan an“ – leichte Unterhaltung für Zwischendurch!

(c) Copyright 2008 by Günther Lietz

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