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Archiv für April 10th, 2009

28 Days Later

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

28 Days Later (KINOFILM)

- Darsteller: Christopher Eccleston, Cillian Murphy, Naomie Harris
- Regie: Danny Boyle
- FSK: 18
- Musik: John Murphy
- Buch: Alex Garland
- Produktion: Großbritannien/USA 2002
- Label: Kinofilm-Verleih: Fox
Zusatzinformationen:
O-Titel: 28 Days Later
Kategorie: Spielfilm
Genre: Horror
Produktionsfirmen: DNA Films, Film Council
Produzenten: Andrew Macdonald
Kamera: Anthony Dodd Mantle
Schnitt: Chris Gill
Musik: John Murphy
Produktionsdesign: Mark Tildesley, Mark Digby, Patrick Rolfe
Kostüme: Rachael Fleming
Ton: John Rodda
Casting: Gail Stevens
Kinostart: 5. Juni 2003
Laufzeit: 113 Min.
Tonformat: Dolby-SRD
Einspielergebnis D: € 3.207.125 / Bes. (EDI) 535.471
USA-Start: 27. Juni 2003, bei Fox Searchlight
Boxoffice USA: $ 33.398.474

Absturz nach gutem Aufstieg!

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so gleichgültig bin – und dass obwohl einem der Protagonisten des Films von Danny Boyle die Augen eingedrückt werden? Vielleicht gerade deshalb. Oder auch deshalb, weil Endzeitszenarien zwar eine nette Sache sind und spannend inszeniert werden können, andererseits Boyles Horror die richtige Spannung, der letzte Schliff, das entscheidende I-Tüpfelchen fehlt – mal abgesehen davon, dass die Grundidee des Films bereits George A. Romero 1973 in „The Crazies“ auf die Leinwand gebracht hatte.

Sicher, die apokalyptische Stimmung wird in „28 Days Later“ durch mit DV von Dogma-Spezialist Mantle aufgenommene Landschaften, menschenleere Autobahnen, Städte und eine dementsprechende leicht düstere, erschreckende Färbung zu einem gewissen Teil, vor allem in der ersten Hälfte des Streifens erzeugt. Auch die Anfangsszenen versprechen zumindest einen nicht ganz inhaltsleeren Unsinn. Einige durchaus erschreckende Szenen ergänzen den ersten guten Eindruck.

Der durch ahnungslose Tierschützer ausgelöste Virusbefall so gut wie der gesamten englischen Bevölkerung durch beißende Versuchsaffen führt bei den durch Blut infizierten Menschen zu deren Verwandlung in wütende, reißende Bestien, die nichts Menschliches mehr an sich haben. Der Fahrradkurier Jim (Cillian Murphy) bekommt von all dem nichts mit. Er erwacht 28 Tage nach dem Beginn der „Rage“-Katastrophe aus dem Koma und sieht ratlos in ein verwüstetes London ohne Leben – bis er (nach einer ersten Begegnung mit einem Pfarrer, der von dem Virus befallen ist) – auf zwei gesunde Menschen trifft: Mark (Noah Huntley) und Selena (Naomie Harris) die ihn über die vergangenen vier Wochen Horror aufklären. Sie hausen in irgendeinem Versteck, haben nur Süßes zu essen und gehen nachts nicht aus dem Haus.

Zusammen begeben sie sich unter großen Risiken in das Haus von Jims Eltern, die sich das Leben genommen haben, um nicht von den Zombie-Menschen gebissen zu werden. Auf ihrem weiteren Weg treffen sie in einem Hochhaus auf den Taxifahrer Frank (Brendan Gleeson) und dessen Tochter Hannah (Megan Burns).

Bis hierher kann der Film durchaus überzeugen. Das erschreckende Szenario muss alle Beteiligten glauben machen, der schreckliche Virus „Rage“ habe inzwischen die gesamte Erdkugel heimgesucht und es könne nur noch ganz wenige versprengte uninfizierte Menschen geben. Die Bilder einer ausgestorbenen und von einzelnen oder in kleinen Horden auftretenden Killer-Menschen mit glühenden Augen und aufgerissenen Mäulern bewohnten Großstadt wie London, in der sich die vier letzten Gesunden – Mark wurde inzwischen infiziert und (da die Infektion in Sekunden zum Wesenswandel führt) von Selena erschlagen – versprechen zumindest eine Geschichte, in der die vier auf der Suche nach anderen gesunden Menschen beginnen, ihr Leben langsam aber sicher und in Abwehr der Zombies unter den schwierigen Bedingungen neu zu ordnen.

Weit gefehlt. Der Absturz des Films in einen mittelmäßigen blutreichen Showdown lässt jede Hoffnung auf eine doch etwas inhaltsvollere Erzählung endgültig dahinsinken. Frank hatte vor Tagen im Radio gehört, in der Nähe von Manchester befinde sich eine Armeeeinheit, die sich erfolgreich gegen die Infizierten wehre. Als die vier dort eintreffen, sieht es auch zunächst nach Schutz und relativer Sicherheit aus.

Vorher jedoch muss Hannahs Vater noch dran glauben. Er infiziert sich und wird von Jim vor den Augen von Hannah getötet. Major Henry West (Christopher Eccleston), der ein Häufchen von Soldaten anführt, nimmt die drei Neuankömmlinge auf. Bald allerdings stellt sich heraus, dass die Soldaten anderes im Schilde führen. Sie sind innerhalb von gerade mal vier Wochen zu einem verrohten Haufen geworden, der es in eindeutiger Absicht auf Selena und Hannah abgesehen hat. Jim hingegen soll mit einem Soldaten, der sich gegen den psychopathischen West zur Wehr setzt, im Wald exekutiert werden. Natürlich entkommt er, und was nun noch folgt, ist einfach billiger Splatter. Der ganze Film verpufft in einer hirnlosen Verfolgungsjagd und im Blutrausch.

Die Verhaltensweise der Soldaten ist aus dem Gesamtzusammenhang der Situation, in der sie sich befinden, mehr als unverständlich. Dass sie in ihrem Bunker, einem Schloss, in einer solchen apokalyptischen Situation nur an Frauen denken und wie die letzten Idioten handeln, kann einem nur die Sprache verschlagen. Dass es in langwierigen Kriegen zu Verrohung kommt, ist bekannt. Dass eine bewaffnete kleine Truppe jedoch nach vier Wochen sich verhält, als wenn sie gerade aus dem Kessel von Stalingrad gekrochen ist, muss zu der Schlussfolgerung verleiten, dass es sich eher um bewaffnete ehemalige Insassen einer Nervenheilanstalt handelt.

Man kann das natürlich damit abtun, dass es sich – ad 1 – um Männer handelt und dass – ad 2 – Männer, die keine Frauen mehr sehen, weil die alle tot oder Zombies sind, durchdrehen. Für mich sind solche Geschichtchen jedoch – PULP!

All das wäre ja für sich noch nicht einmal tragisch. Hinzu kommt, dass so blutreich der Film ist, so blutleer die Dialoge, die Personen und die Erzählung sind. Der Film rutscht ab, als ob den Machern die Ideen ausgegangen wären. Last but not least enthält der „Horror-Road-Movie“ von London nach Manchester auch etliche Mängel, was die Plausibilität des Handelns der Personen anbetrifft. Zwar fährt man mit dem Taxi zu einem Supermarkt, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen; niemand scheint jedoch auf die Idee zu kommen, ein Polizeirevier zu besuchen, um sich geeignete Waffen zur Verteidigung zu verschaffen – ein Gedanke, er mir gleich zu Anfang des Films sofort in den Sinn kam (und wahrscheinlich darüber hinaus jedem, der in eine solche Lage geraten würde). In der Schlussphase des Films spurtet wiederum Jim zunächst mit Waffe gegen Major West und seine Soldaten, um dann alles, was an Waffen so herumliegt, schlichtweg liegen zu lassen und mit bloßen Händen zu operieren.

Summa summarum: trotz eines guten Starts in der ersten Hälfte folgt nichts weiter als Gedankenlosigkeit, Mangel an Ideen und Blut. Zu wenig, um zu überzeugen.

(c) 2007 by Ulrich Behrens

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28 Days Later
28 Days Later
28 Days Later / 28 Weeks Later (2 DVDs)

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27 Missing Kisses

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

27 Missing Kisses (DVD)

- Darsteller: Nino Kuchanidse, Genia Sidischin, Schalwa Iaschwili
- Regie: Nana Djordjadze
- FSK: 12
- Musik: Goran Bregovic
- Buch: Irakli Kvirikadze
- Produktion: Deutschland/Georgien/Großbritannien 2000
- Label: Kinowelt
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL, Widescreen
• Laufzeit: 92 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 9. April 2002
DVD Features:
• Untertitel: Deutsch
• Interviews mit der Regisseurin und den Produzenten, Making of, Starinfos

Erotische Turbulenzen in Georgien.

Zur Handlung:
Im Mittelpunkt des episodenhaft erzählten Geschehens steht die quicklebendige Sibylla (Nuza Kuchianidze). Gerade mal 14 Jahre alt (die Darstellerin war 16), mischt sie das Liebesleben der verschlafenen Kleinstadt am Fuß der georgischen Gebirge gehörig auf, als sie aus dem Bus steigt, um den Sommer bei ihrer Tante Martha zu verbringen.

Ezählt wird die Geschichte von Sibyllas Aufenthalt vom gleichaltrigen Mickey, dem Sohn des alleinerziehenden Witwers Alexanders, 41. Als “blonder Tarzan” ist der arbeitslose Astronom der Liebling der Frauen des Städtchens, seien diese nun verheiratet oder nicht. Auch Sibylla verliebt sich auf der Stelle in Alexander, was aber Mickey sofort eifersüchtig macht. Alexander will sich jedoch mit einer Minderjährigen nicht einlassen, was aber Mickey nicht ahnt. Er erbittet sich von Sibylla 100 Küsse.

Er fördert daher alle anderen Liebschaften seines Vaters nach Kräften, so etwa zu der rothaarigen Veronika, die sich von ihrem Mann, einem Artillerieoffizier, missachtet und vernachlässigt fühlt. Um ein Kind zu empfangen, treibt sie es zunächst mit Alexander, dann mit anderen, stets wachsam durchs Fernglas verfolgt von ihrem Offizier, der mit der einzigen Kanone des Ortes auf sie feuern lässt. Sibylla hingegen macht Alexander des öfteren einen Strich durch die amouröse Rechnung, denn sie will ihn ja ganz für sich haben.

Alexander fühlt sich von Sibyllas Avancen zunehmend bedrängt und heiratet die gesetzte Saffo. Das ficht Sibylla jedoch nicht an. Aber Mickey lässt nicht locker. Sibylla hat ihm schließlich 100 Küsse versprochen, und davon stehen noch eine Menge aus. Im Glauben, sein Vater habe mit der geliebten Sibylla geschlafen, begeht Mickey eine verhängnisvolle Tat…

Gesamteindruck:
Nach eigenem Bekunden möchte Nana Djordzadze “mit Humor traurige Geschichten erzählen”. Diese Geschichten schreibt meist ihr Ehemann Irakli Kvirikadze, der auch für diesen Film auf die skurrilsten Einfälle verfallen ist. Zuweilen mutet der Film wie eine erotische georgische Version von “Die Leute von Seldwyla” von Gottfried Keller an. Allerdings zerfällt der Film nicht in divergierende Erzählstränge, sondern schafft es, stets dicht an der beiden zentralen Figuren dran zu bleiben, ihrer Liebe und ihrem Konflikt.

Es gibt jedoch ein durchlaufendes Motiv, das bislang nicht erwähnt wurde und das als Kontrast zum eher bodenständigen erotischen Reigen in der Kleinstadt fungiert: Ein alter Seemann, gespielt von Pierre Richard, dem “großen Blonden mit dem schwarzen Schuh”, möchte ein großes Motorboot zum Meer schaffen. Das Bild, wie er das Boot mit dem Traktor über die Felder zieht, sieht entweder absurd oder poetisch aus, je nach Einstellung des Zuschauers.

Dieser Erzählstrang überschneidet sich mit dem Rest der Geschichte: Als der Seemann in der Kleinstadt Rast macht, unterhält er sich mit Alexander. Und am Schluss gelangt er ans Meer und nimmt ein junges Mädchen mit…

Schon nach wenigen Minuten beherrscht die Figur der Sibylla den Film: Wir sehen sie nackt im Bade stehen, gewaschen von ihrer Tante, beobachtet von Mickey. Ihr 16-jähriger Körper schlägt ihre Umgebung ebenso in den Bann wie uns, doch es ist ihre Lebensenergie, ihre burschikose Art (sie raucht Zigarren), ihre selbsterwählte Rolle als Verführerin, die uns faszinieren. Sie schlägt selbst die im Dorfkino gezeigte “Emmanuelle” aus dem Feld.

Die einzige Szene, die man für missglückt halten könnte, strapaziert die Gutgläubigkeit des Zuschauers doch ziemlich: Bei einem Rendezvous, an dem Sibylla ausnahmsweise nicht beteiligt ist, hat Pjotr zwecks besseren “Stehvermögens” sein Glied mit einem Stahlring verstärkt. Leider lässt sich das Ding nicht mehr ohne weiteres entfernen. Nach Inspektion des “Standes der Dinge” veranlasst eine resolute Dame, dass Pjotrs Männlichkeit in der Stahlpresse von ihrem unerwünschten Gefängnis befreit werde. Frauen lachen sich hierbei vielleicht halbtot, aber für Männer sieht die Sache doch relativ peinlich aus.

Rund 50 Minuten Hintergrundmaterial bieten die zwei Interviews und das Making-of. Dass die Regisseurin so gut Deutsch beherrscht, überrascht zunächst. Dass sie aber auch eine Freundin von Wim Wenders ist und so an ihren Kameramann aus Hollywood gelangte, verblüfft. Sie ist eine sehr sympathische, energische und einfallsreiche Frau, von der man hoffentlich noch viele Filme sehen wird.

Was die beiden Produzenten zu erzählen haben, grenzt an ein orientalisches Märchen und bildet das eigentliche Making-of zum Film. Sie berichten von den unzähligen Problemen bei den Dreharbeiten (begleitet von Fotos), aber auch von dem Entgegenkommen, diese Art von Film und Story zu finanzieren. Die Finanziers kommen aus ganz Westeuropa. Der Erfolg in Cannes war erheblich und Irakli, der Drehbuchautor, wurde ausgezeichnet.

Ergänzt wird diese Fülle von Informationen durch die Texttafeln, die die sogenannten “Starinfos” liefern: Bio- und Filmografien zu den Machern und den wichtigsten Darstellern. Die Tafeln sind sehr schön gestaltet, der Text informativ.

Die Musik, die der Komponist der Filmmusik zu “Time of the Gypsies” schrieb, wird durch Dolby Digital 5.0 sehr gut wiedergegeben (sofern die DVD-Anlage dafür ausgerüstet ist), ebenso alle Dialoge (zumindest die deutschen). Das Bild selbst ist klar, über Mängel kann man hier nicht meckern.

Fazit:
Ähnlich wie “Der Zauber von Malena” schildert “27 Missing Kisses” die Folgen, die sich aus erotischen Anziehungskraft einer jungen Frau für das Leben in einer kleinen geschlossenen Dorfgemeinschaft ergeben. Im Unterschied zu “Malena” findet die Handlung innerhalb eines kurzen Zeitraums statt. Auch absurde, skurrile und unwahrscheinliche Motive wurden in den Film aufgenommen. Vermutlich gehört dies einfach zur Fabuliertradition Georgiens. Als Ergebnis ist der Film sehr abwechslungsreich, sinnlich und humorvoll geworden, obwohl er doch schließlich auf einen Tod hinausläuft. Doch der Tod gehört bekanntlich zum Leben. Man möchte auf jeden Fall mehr solcher Filme sehen.

Die DVD bietet überdurchschnittlich viel Hintergrundinformationen für Kinokenner. Actionfreunde werden hier leider nichts über Spezialeffekte erfahren.

Pro: unterhaltsam, sinnlich, gute Darsteller, poetisch, gutes Bonusmaterial.
Kontra: kein richtiges Making-of.

(c) 2003 by Michael Matzer

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27 Missing Kisses

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25 Stunden

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

25 Stunden (KINOFILM)

- Darsteller: Rosario Dawson, Philip Seymour Hoffman, Brian Cox, Anna Paquin, Edward Norton, Barry Pepper
- Regie: Spike Lee
- FSK: 12
- Musik: Terence Blanchard
- Buch: David Benioff
- Produktion: USA 2002
- Label: Kinofilmverleih: Buena Vista
Zusatzinformationen:
O-Titel: 25th Hour
Kategorie: Spielfilm
Genre: Drama
Produktionsfirmen: 40 Acres and a Mule Filmworks, Industry Entert. u.a
Produzenten: Spike Lee, Jon Kilik, Tobey Maguire, Julia Chasman
Ausf. Prod.: Nick Wechsler
Kamera: Rodrigo Prieto
Schnitt: Barry Alexander Brown
Produktionsdesign: James Chinlund, Nicholas Lundy
Kostüme: Sandra Hernandez
Ton: Rolf Pardula
Casting: Aisha Coley
Kinostart: 15. Mai 2003
Laufzeit: 135 Min.
Einspielergebnis D: € 545.637 / Bes. (EDI) 91.190
Bes. (FFA) 84.538
USA-Start: 20. Dezember 2002, bei Buena Vista
Boxoffice USA: $ 12.837.540

Der in geschwungene Worte gefasste Ausdruck von Emotionen, Gefühlen und Leiden existiert unter der Begrifflichkeit der Poesie. Poetisch ist, was auf seine ganz eigene Weise das Leben dokumentiert, die jederzeit entfremdete Variation der Wirklichkeit, artifiziell veränderte Natürlichkeit beschreibt, wie in der malenden Kunst mal expressionistisch, mal naturalistisch und immer wieder surreal. Folgt man nur irgendeinem dieser groben Definitionsansätze erscheint Spike Lees sensibel erzähltes Drama „25th Hour“, wie auf Zelluloid gebannte Dichtung, ein traumatischer Bilderbogen, das visuelle Erlebnis einer scheinbar aus den Fugen geratenen Realität. Ein Gedicht für New York.

Mit der 25ten Stunde beginnt für Lees Charaktere eine neue, eine veränderte Wirklichkeit. »Nichts wird mehr so sein wie zuvor«, der Leitsatz des Films ist mehr bittere Erkenntnis als hoffnungsvolle Botschaft. Der eine, Monty Brogan (Edward Norton) wird dann für sieben Jahre wegen Drogenhandels im Gefängnis einsitzen. Seine Freunde Jakob Elinsky (Philipp Seymour Hoffman) und Frank Slaughtery (Barry Pepper) verlieren einen engen Vertrauten, Naturelle Rivieira (Rosario Dawson) den Mann an ihrer Seite, James Brogan (Brian Cox) gar den eigenen Sohn. Es verbleiben 24 Stunden für Monty um sich zu verabschieden, einige Dinge zurechtzurücken und verbittert auf sein Leben zurückzuschauen.

Es gibt keine Zukunft, nur eine unheilvolle Ansammlung aussichtsloser Möglichkeiten. Monty wird den Knast nicht überleben, soviel steht für ihn fest. Er sieht zu gut aus, um homosexuellen Übergriffen zu entgehen, ist zu gebildet, um nicht sogleich aufzufallen und ohne Freunde, ohne Beziehungen wird er es nicht lange durchhalten. Dennoch bleibt Zeit um seinem Hund eine neue Bleibe zu verschaffen, sich endgültig von den falschen, kriminellen Freunden zu lösen und sich letztlich von seinen Freunden zu verabschieden. Noch ein Tag.

25th Hour erzählt keine gewöhnliche Geschichte, es gibt keinen Anfang und kein Ende, selbst die angepeilten 24 Stunden, die Monty in Freiheit verbleiben signalisieren keine zeitliche Limitierung. Spike Lee beschreibt, er schwelgt mit seinem Film in Erinnerungen der Charaktere, wechselt Ort und Zeit, so dass jene scheinbar willenlose Verknüpfung von Begegnungen und Menschen ein fast traumatisches Abbild der Wahrheit ergibt. Im Zentrum steht Monty Brogan, ein gebrochener Mann, verbittert, perspektivlos, verzweifelt, doch in diesem Zustand verweilt nicht er allein. Das Schicksal von Monty zieht seine Umwelt sukzessive hinein in diesen Sog der Depressionen, dem kaum jemand etwas entgegenzusetzen hat als die entmutigende Erkenntnis ihrer ganz eigenen Hilflosigkeit, dem Verlorensein in der Gesellschaft, zwischen Anspruch und Realität.

Der Film kreiert eine bedrückende Stimmung, die Spike Lee durch distanzierte Bilder herstellt, die sich ihren Charakteren nähern, um doch nur die Oberfläche ihrer inneren Empfindungen zu offenbaren. Albtraumhaft und surreal gestaltet 25th Hour ein apokalyptisches Ambiente einer verschobenen Wirklichkeit, die sich nicht mehr auf ihre Vergangenheit stützen kann, denn »Nichts wird mehr so sein wie zuvor«. Für Monty gibt es kein Entkommen, keinen rettenden Ausweg auch wenn der Film dies für wenige Augenblicke suggerieren möchte, um seine Hauptfigur danach doch ihrer schmerzlichen Realität zu überlassen. Diese Realität findet in New York ihr kummervolles Spiegelbild.

Für Spike Lee ist die Stadt mehr als nur filmische Kulisse. Monty leidet wie New York leidet. Der Schmelztiegel unterschiedlicher Gesellschaftsgruppen, Nationalitäten und Klischees erfährt mit 9/11 so etwas wie die Apokalypse und hinterlässt die Stadt in einem posttraumatischen Schockzustand. Lee versucht diese Ohnmacht, dieses Gefühl der offenliegenden Verwundung einzufangen, zu visualisieren, um letztendlich aus dem Einzelschicksal des Monty Brogan, das Schicksal einer Stadt zu machen. Ein problematischer Versuch für ein sensibles Thema. Nicht immer zwingend erscheint die Parallelität zwischen Lees Hauptfigur und ihrer Umwelt, fast glaubt man der unausweichlichen Wahrheit des 11. Septembers auf äußerst penetrante Art ausgeliefert zu sein. Doch vielleicht liegt gerade darin die Stärke von „25th Hour“. Ein bewusstes Erkennen der Leiden, die Akzeptanz des Verlusts, ohne Kompromisse. David Benioff, dessen gleichnamigen Roman Lee für seinen Film adaptierte, hatte diese Allegorie nicht im Sinn als er weit vor den Anschlägen auf das World Trade Center das Porträt zerrissener Figuren entwarf. Eine Tatsache, die man dem Film in Teilen anmerkt.

Dennoch ist Lee ein eindrucksvolles Werk gelungen, das sich nur zum Teil auch als Aufarbeitung eines gesellschaftspolitischen Traumas versteht. Der kontroverse und provokante Regisseur orientiert sich in „25th Hour“ auf das mitunter brillante Spiel seiner Schauspieler, von denen Norton und Pepper herausragen, und die langsame Entfaltung einer künstlerisch ausgesprochen wirkungsvoll inszenierten Leidensgeschichte. Die Handlung lebt von der Atmosphäre, dieser stilistischen Mixtur aus Unsicherheit und Angst, Abschied und Aufbruch in eine neue Wirklichkeit, dieser nachdenklichen Poesie, die Spike Lee in expressionistischen Bildern festhält. „25th Hour“ will keine kurzweilige Unterhaltung sein, sondern tiefer greifen, in das Bewusstsein einer Gesellschaft eindringen, die nicht auf ewig von Traumata gekennzeichnet bleiben will, sondern auch von der Sehnsucht nach Freiheit lebt.

(4,5 von 5 Punkten)

(c) 2004 by Patrick Joseph

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25 Stunden

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21 Gramm

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

21 Gramm (KINOFILM)

- Darsteller: Sean Penn, Naomi Watts, Benicio Del Toro
- Regie: Alejandro González Iñárritu
- FSK: 12
- Musik: Gustavo Santaolalla
- Buch: Guillermo Arriaga Jordan
- Produktion: USA 2003
- Label: Kinofilmverleih: Constantin
Zusatzinformationen:
O-Titel: 21 Grams
Kategorie: Spielfilm
Genre: Drama
Produktionsfirmen: This Is That, Y Prods.
Produzenten: Alejandro González Iñárritu, Robert Salerno
Koproduzenten: Guillermo Arriaga Jordan
Ausf. Prod.: Ted Hope
Kamera: Rodrigo Prieto
Schnitt: Stephen Mirrione
Produktionsdesign: Brigitte Broch, Deborah Riley
Kostüme: Marlene Stewart
Ton: Jose Antonio Garcia
Casting: Francine Maisler
Kinostart: 26. Februar 2004
Laufzeit: 125 Min.
USA-Start: 20. November 2003, bei Focus Features
Boxoffice USA: $ 15.311.855

„Wie viel wiegt Rache?
Wie viel wieget Liebe?
Wie viel wiegt Schuld?
Wie viel wiegt das Leben? – 21 Gramm!“

Drei Jahre hat es gedauert bis Alejandro González Iñárritu (Regie) und Guillermo Arriaga (Drehbuch) nach ihrem oscarnominierten Meisterwerk „Amores Perros“ einen neuen Spielfilm gemacht haben. Wieder ist es ein Film, der von verschiedenen Personen in mehreren Episoden erzählt, wieder ist es ein Film, in dem ein Unfall alle Schicksale verbindet und wieder ist der Tod ein zentrales Thema. Doch das ist es schon fast mit den Gemeinsamkeiten.

Paul Rivers (Sean Penn) ist todkrank. Er wird innerhalb eines Monats sterben, wenn er nicht ein Spenderherz bekommt. Trotzdem will seine Frau Mary (Charlotte Gainsbourg) ein Kind von ihm, vor allem auch, um die kaputte Ehe zu retten, falls Paul überlebt.

Jack Jordan (Benicio Del Toro) hat fast sein ganzes Leben im Gefängnis verbracht. War er mal draußen, fuhr er meistens nur wenige Tage später wieder ein. Vor zwei Jahren hat er Gott gefunden, will nun mit seiner Frau Marianne (Melissa Leo) und seinen beiden Kindern ein ehrliches Leben nach den Regeln Gottes führen. Dabei merkt er nicht, dass er ein fanatischer Christ geworden ist und die Bibel viel zu wortgetreu liest.

Cristina Peck (Naomi Watts) ist glücklich verheiratet. Sie liebt ihren Mann Michael (Danny Huston) und ihre beiden Töchter über alles. Doch ein Unfall wird ihr Leben verändern.

[SPOILER - Nicht lesen, wenn man den Film noch sehen will]
Dieser Unfall wird nicht nur Cristinas Leben verändern, sondern das aller drei Familien. Jack überfährt mit seinem Truck Michael und die beiden Töchter. Er begeht Fahrerflucht, weswegen nicht nur Michael und eins der Mädchen stirbt, sondern auch das zweite Kind, das gerettet worden wäre, hätte er angehalten und es ins Krankenhaus gebracht. Dieser Unfall, der drei Leben beendete, lässt ein anderes beginnen. Paul bekommt Michaels Herz und kann wieder leben.
[SPOILER-ENDE]

„Es heißt, wir alle verlieren 21 Gramm genau in dem Moment, in dem wir sterben … jeder von uns. 21 Gramm. Das Gewicht von fünf Fünfcentmünzen. Eines Schokoriegels. Das Gewicht eines Kolibris. Aber wann verlieren wir die 21 Gramm? Und wie viel gewinnen wir?“

Iñárritu erzählt seine Geschichte(n), wie schon in „Amores Perros“ nicht chronologisch. In „21 Gramm“ ist das Ganze sogar noch deutlich extremer ausgefallen. Die Szenen dauern im Normalfall nur wenige Minuten (oft nicht einmal das) und scheinen zu Beginn einfach wahllos durcheinandergewürfelt zu sein.

Gerade am Anfang macht dies dem Zuschauer sehr zu schaffen. Man bekommt immer wieder neue „Mini-Szenen“ vorgesetzt, die man überhaupt nicht in die Handlung einordnen kann. In der ersten Szene ist Paul mit Cristina im Bett, ein paar Szenen später haben beide plötzliche Ehepartner. Werden sie sich in der Zukunft erst kennen lernen oder haben sie eine gemeinsame Vergangenheit? Eine von vielen Fragen, die den Zuschauer beschäftigen und die man für den optimalen Filmgenuss nicht vorher beantworten sollte, weswegen diese Filmkritik im Gegensatz zu einigen anderen auch nicht darauf eingehen wird.

Es dauert sicher an die dreißig Minuten bis man aus diesem Mosaik von Szenen allmählich einen chronologischen Aufbau erahnen kann, langsam anfängt, wenigstens ein Großteil der Sequenzen zeitlich ungefähr unterbringen zu können, auch wenn es bis zum Ende des Films dauert, bis man alle Szenen einordnen kann. Fast bis dahin dauert es auch bis man merkt, dass Iñárritu mit diesem wilden Aufbau nicht nur übertriebene Kunstfertigkeit unter Beweis stellen will, sondern einen Zweck verfolgt. Die Puzzleteile sind nicht einfach durcheinander gewürfelt, sondern man erkennt einen roten Faden hinter den Szenen und man erkennt, wie sich die Spannungskurve aufgrund dieser Reihenfolge entwickelt. Die Befürchtung, dass das Durcheinander nur dazu diente, die eher schwache Story zu verschleiern, hat sich zum Glück als falsch herausgestellt.

Ganz im Gegenteil. Arriagas und Iñárritus Geschichte ist nicht nur hochinteressant, sondern auch hochdramatisch. „21 Gramm“ ist vor allem auch ein Werk, das den Zuschauer beschäftigt und das wohl noch lange über den Genuss des Films hinaus. Der Tod spielt in unserem Leben eine entscheidende Rolle und er ist das Thema, um das sich die ganze Story dreht. Der Tod eines Nahestehenden, die Tötung eines anderen und der bevorstehende eigene Tod sind die Themen, welche die drei Protagonisten und ihre Angehörigen beschäftigen. Jeder geht anders damit um.

Iñárritu hat für seinen Film ein hervorragendes Team um sich geschart. Die drei Hauptdarsteller agieren alle äußerst beeindruckend. Del Toro und Watts wurden mit einer Oscarnominierung bedacht und hätten beide den Goldjungen verdient. Penn hat die verdiente Nominierung wohl deshalb nicht bekommen, weil er schon für die Rolle in Mystic River für den Oscar vorgeschlagen wurde. Bei Naomi Watts muss man sogar sagen, dass sie ihre Leistung aus Mulholland Drive um Längen in den Schatten stellt. Ihre Darstellung der ganzen Bandbreite von Emotionen, die sie (ebenso wie ihre beiden männlichen Kollegen) hier ausschöpft, ist einfach großartig.

Doch auch hinter der Kamera stimmt alles. Iñárritu hat so ziemlich das gleiche Team hinter der Kamera beisammen wie bei „Amores Perros“ und das ist einfach hervorragend. Prietos Bilder, alle mit einer Handkamera gefilmt, beweisen wieder einmal, dass der Mexikaner zu den besten Kameramännern gehört, Gustavo Santaolallas Score passt phänomenal zu den Bildern und trägt nicht unwesentlich dazu bei, dass die bedrückende Stimmung des Films fesselt und Dave Matthews Song ist einfach hervorragend.

Fazit:
Es ist sehr schwer in den Film zu finden. Dies dauert ungewöhnlich lange und man darf nicht aufgeben, sondern muss höchst konzentriert bleiben und versuchen das Gesehene einzuordnen und zu verarbeiten. „21 Gramm“ ist deswegen und wegen seines Themas keine leichte Kinounterhaltung und für diese Zwecke auch nicht empfehlenswert. Davon abgesehen ist der Film aber hervorragend, auch wenn er nicht ganz an „Amores Perros“ heranreicht und man Iñárritu berechtigterweise den Vorwurf machen kann, dass er es mit seinem Szenenpotpourri phasenweise etwas übertrieben hat.

(c) 2004 by Björn Becher

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21 Gramm
21 Gramm

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2046

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

2046 (DVD)

- Darsteller: Zhang Ziyi, Maggie Cheung, Tony Leung Chiu-wai
- Regie: Wong Kar-wai
- FSK: 12
- Musik: Peer Raben und Shigeru Umebayashi
- Buch: Wong Kar-Wai
- Produktion: China / Frankreich / Deutschland / Hongkong 2004
- Label: Paramount
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Französisch
• Bildformat: 16:9, 1.85:1
• Dolby, HiFi Sound, PAL
• Laufzeit: 128 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 14. Juli 2005
DVD Features:
• Interview
• Trailer

Es gibt viele Geschichten hinter Wong Kar-Wais neuestem Film „2046“. Schon vor Jahren, als der Titel bekannt wurde, ging in einigen politischen Kreisen die Angst vor einem kritischen Film um. 2046 ist das Jahr, in dem Hongkong, Kar-Wais Heimat, seinen Sonderstatus gegenüber China verlieren wird und die ehemalige britische Kolonie endgültig ein Teil Chinas werden wird. Doch darauf zielt Kar-Wai in keiner Minute ab.

Auch die andere Geschichte rund um den Film ist mehr als interessant. Schon im Jahre 2000 direkt nach „In the Mood for Love“, dessen Nachfolger „2046“ ist, begann Wong Kar-Wai mit den Arbeiten. Während der Jahre schien der Titel zum Programm zu werden und es wurde schon gescherzt, dass er seine Uraufführung wohl erst im Jahr 2046 bekommen würde. Immer wieder änderte Kar-Wai Story und das Genre, schließlich schnitt er den Film mehrmals um, erst drei Stunden vor der Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Cannes wurde schließlich eine Kopie angeliefert (vorher wurde kurzfristig noch die Pressevorführung abgesagt), welche die Juroren und die internationale Presse größtenteils verzückte. Kein Grund für den Regisseur die Arbeit einzustellen, denn selbst danach soll er an den wohl unzähligen Stunden Film, die er gedreht hat, weitergearbeitet haben, um sein Werk zu perfektionieren.

Ein „Science-Fiction-Film“, hieß es oftmals im Vorfeld, sei „2046“, ein Gerücht, dem Wong Kar-Wai nicht widersprach, sondern sogar durch einige Äußerungen Nahrung gab. Doch auch wenn die ersten Minuten, in denen der Zuschauer sich in einem Zug in einer futuristischen Welt befindet, dieses Gerücht zu bestätigen scheinen, so ist es doch nicht wahr. Denn kaum setzt die Stimme aus dem Off ein, welche uns den Film über begleiten wird, finden wir uns in einer anderen Zeit wieder. Das Jahr 1966 in Singapur und man bekommt eine Figur zu sehen, die einem als Kenner des Vorgängers „In the Mood for Love“ ein Begriff sein dürfte. Chow Mo Wan (Tony Leung Chiu Wai), der Schriftsteller, sitzt in einer verrauchten Bar. Ihm gegenüber eine wunderschöne Frau: Su Li Zhen (Gong Li). Sie trägt den gleichen Namen, wie jene verheiratete Frau, in die er unsterblich verliebt war (siehe „In the Mood for Love“) und auch mit dieser Frau scheint es einmal Liebe gegeben zu haben. Ein Kartenspiel lassen die Beiden entscheiden, ob sie ihrer Liebe noch einmal eine Chance geben sollen. Chow verliert, was gleichbedeutend ist mit keiner Chance. Später werden wir erfahren, dass er nur verlieren konnte, denn sie betreibt das Spielen mit den Karten professionell.

Er geht zurück nach Hongkong, wo er Lulu (Carina Lau) begegnet, ebenfalls eine Frau aus seiner Vergangenheit. Er begleitet sie zu ihrem Hotel, sie wohnt in Zimmer 2046, eine Nummer, die eine Bedeutung für Chow hat (weiterer Verweis auf „In the Mood for Love“). Wenige Tage später will er sie wieder sehen, sie ist weg. Er quartiert sich in dem Hotel ein, will das Zimmer mit der Zahl haben, an der so viele Erinnerungen hängen. Doch 2046 wird renoviert, er muss nach 2047. Kurze Zeit später zieht die junge Bai Ling (Zhang Ziyi) in Zimmer 2046 ein. Man mag sich am Anfang nicht besonders, was vor allem an dem dauernden Damenbesuch liegt, den Chow empfängt und mit dem es selten leise zu geht. Doch man kommt sich näher und man kommt zusammen. Doch von Chows Seite ist es lange nur eine körperliche Beziehung, er hängt noch zu sehr an den alten Liebschaften, um eine neue Liebe zu akzeptieren. Bevor er dies kann ist es aus und Bai Ling hat sein Leben verlassen.

Es ist nicht die letzte Frau, die ihm in dem Zimmer 2046 begegnet. Eine von vielen ist Wang Jing Wen (Faye Wong), die ältere Tochter des Hotelbesitzers. Sie hat sich in einen Japaner (Kimura Takuya) verliebt, doch ihr Vater heißt die Beziehung mit einem Mann aus dem verhassten Volk nicht gut. Inspiriert von dieser traurigen Liebe setzt sich Chow an eine Geschichte. Sie spielt in der Zukunft, heißt zu Beginn noch „2047“ und handelt von einem Zug namens „2046“, der durch die Zeit reist. In diesem Zug ist Tak (ebenfalls gespielt von Kimura Takuya), der aus dem Zug heraus will und sich dort in einen Roboter (ebenfalls Faye Wong) verliebt. Es wird keine Science-Fiction-Gesichte, auch wenn sie in der Zukunft spielt, es wird eine Geschichte um das elementarste, das ureigenste auf der Welt: Die Liebe….

…und so kann man auch mit einem Satz den Film „2046“ umschreiben. Entgegen aller Erwartungen hat sich Wong Kar-Wai nicht etwas völlig Neuem zugewandt. Sein Film dreht sich wieder einzig und allein um die Liebe.

Einen Großteil des Films begleitet man Chow inmitten des Hongkong der Sechziger Jahre, selten außerhalb des Hotels, mal hin und wieder in die ein oder andere Bar. Nur selten wird dies durchbrochen durch die Zukunftswelt des Buches, welches Chow schreibt. Man sieht die Frauen in Chows Leben kommen und gehen. Man sieht, wie er in melancholischer Stimmung an seiner Zigarette zieht, der alten Liebe nachtrauert und zu spät realisiert, dass die neue Liebe schon da ist.

Wong Kar-Wai, präsentiert dies erwartungsgemäß in unglaublich kraftvollen Bildern. Wie schon bei „In the mood for love“ sind diese in verschiedene Farben getaucht und wie beim Vorgänger rechtfertigen allein die Bilder das Ansehen des Films. Wong Kar-Wais Stammkameramann Christopher Doyle hat sich dabei wieder einmal selbst übertroffen, vor allem die Bilder aus dem Hongkong der sechziger Jahre sind so voller Melancholie und Poesie, dass sie oftmals mehr ausdrücken als tausend Worte. Die futuristischen Szenen in der Zukunft fallen dagegen etwas ab, hier wähnt man sich bisweilen wie in einem Computerspiel, vielleicht mit ein Grund, warum diese Episode des Films nun insgesamt doch sehr wenig Platz einnimmt und deutlich im Hintergrund steht.

Die Kraft der Bilder wird verstärkt durch den fabelhaften Score, der sie untermalt. Ob es orchestrale oder Opernklänge oder der Blues, der den Vorgänger so dominiert hat, die zum Einsatz kommen, es ist selten, dass Bild und Musik so eine fabelhafte Einheit bilden, wie man sie hier zu sehen bekommt.

Unterstützt wird dies durch die exzellente Besetzung. Tony Leung übertrifft sich in der Hauptrolle wieder einmal selbst. Ihm zur Seite steht wohl alles, was an Schauspielerinnen in Hongkong und China zurzeit Rang und Namen hat, wobei die meisten insgesamt nur kleinere Rollen im Film haben. Sie sind alle nur Episoden im Leben von Chow, kurze Affären. Die größte der Rollen hat wohl Zhang Ziyi, die eine der besten Performances ihrer noch jungen Karriere abliefert (dieser doch sehr überstrapazierte Superlativ sei an dieser Stelle gestattet). Einziger kleiner Wermutstropfen: Maggie Cheung, die im Vorgänger die weibliche Hauptrolle begleitete, hat diesmal leider nur einen sehr kurzen Gastauftritt.

Eigentlich bringt „2046“ damit alles mit, um das größte Werk von Wong Kar-Wai zu werden, der Gipfel in seinem Schaffen und der vielleicht beste Film, der je über die Liebe gedreht wurde. Doch es fehlt hier und da der letzte Funke. Gerade am Anfang wird es dem Zuschauer nicht leicht gemacht, sich in die Geschichte zu finden. Der plötzliche Umschwung von der futuristischen Anfangszene ins Singapur der sechziger Jahre, ist lange Zeit nicht einzuordnen. Vieles erschließt sich erst langsam und bisweilen auch erst beim zweiten Ansehen. Dazu ist „2046“, wie man es von Wong Kar-Wai gewohnt ist, ein extrem ruhiger Film, wobei er gelegentlich sehr hart an der Grenze zur Langatmigkeit balanciert, diese glücklicherweise aber nie lange überschreitet.

So ist es sicherlich nicht der beste aller Filme, die je über die Liebe gedreht wurden, aber vielleicht der intensivste. Es ist ein Film, der einen nicht unberührt lässt, ein Film, bei dem man ins Schwärmen kommt, aber auch ein Film voller Melancholie und dabei doch unglaublich romantisch. „Love is all a matter of timing. It’s no good meeting the right person too soon or too late.” sagt Hauptfigur Chow gegen Ende in einem der Off-Kommentare. Ein wahrer Satz, der den Film perfekt beschreibt und zusammenfasst. Denn genau darum geht es den ganzen Film über.

Er startet am 13. Januar 2005 in den deutschen Kinos. Für Freunde von Filmkunst aus Fernost wird dieser Monat ein Freudenmonat. Denn schon eine Woche vor „2046“ startet das neue Werk von „Hero“-Regisseur Zhang Yimou „House of Flying Daggers“. Auch hier geht es um die Liebe, doch auf eine völlig andere Art und Weise erzählt. „House of Flying Daggers“ ist ein wunderbar ausgestatteter Martial-Arts-Film, imposant und atemberaubend, ein Fest für die Sinne. Ein völlig anderer, fast gegensätzlicher Film, doch nicht minder großartig. Also zweimal ins Kino gehen und zweimal erleben, wie interessant, eindrucksvoll und doch unterschiedlich man die Liebe beschreiben kann.

(c) 2004 by Björn Becher

Titel bei Amzon.de
2046 (2 DVDs)

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2009: Lost memories

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

2009: Lost memories (2 DVDs) (DVD)

- Darsteller: Jang Dong-Kun, Kil-Kang Ahn, Tôru Nakamura
- Regie: Si-myung Lee
- FSK: 18
- Musik: Dong-jun Lee
- Buch: Sang-hak Lee und Si-myung Lee
- Produktion: Südkorea 2002
- Label: e-m-s GmbH
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Koreanisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat/Ton: 16:9, 1:1,85
• Dolby Surround
• Laufzeit: 136 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 02. Oktober 2003
DVD Features:
• Making of
• Musikvideo
• Bildergalerie
• Filmhighlights
• Cast & Crew-Infos
• Original Kinotrailer

Veränderte Realitäten sind schon was Feines. Vor allem Filmemacher bedienen sich ihrer gerne, bieten sie doch massig Stoff für fantastische Was-wäre-wenn-Szenarien, in denen man sich herrlich in historischer Fiktion üben kann. „2009: Lost Memories“ ist ein Film, der auf eben dieser Welle mitschwimmt und postuliert, Korea sei – nach dem missglückten Attentat auf einen japanischen Gouverneur 1909 – zur japanischen Provinz geworden. Ein Zustand, der auch 100 Jahre später noch anhält und vor allem ein zähes Häufchen koreanischer Widerstandskämpfer zwackt, die in schöner Regelmäßigkeit mit Attentaten auf japanische Einrichtungen aufwarten. Der jüngste Anschlag gilt einer Kunstausstellung – alle Terroristen verlieren dabei ihr Leben, und zwei Cops machen sich an die Aufklärung des Falles, bei dem mehr dahintersteckt, als das Auge zunächst zu sehen vermag.

Der Beginn ist zweifellos von etlichen Schauwerten geprägt und liefert zumindest den Liebhabern hochgetunter Action das, was sie sehen wollen: Geballer im Großformat, blutige Einschüsse, massiver Munitionsverbrauch und hoher Bodycount. Damit hätten wir das Exposé für die nun folgende zweistündige Mixtur aus Sci-Fi, Cop-Film und Fernost-Actioner. Um es vorneweg zu sagen: Nichts, was man nicht schon ein Dutzendmal gesehen hätte, zumal aus asiatischen Gefilden. Hauptfigur ist der Polizist Sakamoto, der seine ganz eigene Identitätskrise mit sich herumschleppt (Vater war ebenfalls Bulle, jedoch korrupt, und wurde deshalb von den Kollegen umgenietet) und im Laufe des Films von einer Identitätskrise in die nächste schlittert. Wie das genau aussieht, soll hier nicht verraten werden, machen diese Krisen doch einen nicht geringen Prozentsatz des Drehbuchstoffes aus. Im wesentlichen ist mal wieder nichts so, wie es scheint, Freunde werden im Lauf des Films zu Feinden, man wechselt auch mal die Seiten, und zum Schluss gibt’s noch ein bisschen Zeitreisen obendrauf.

Wer „Shiri“ kennt, weiß ungefähr, was ihn zu erwarten hat. Mit dem Unterschied, dass das hier wirklich ernst gemeint ist: Vor allem wird man von der Unmenge an koreanischem Nationalpathos regelrecht erdrückt. Gut, „2009“ ist nun mal eine koreanische Produktion, und die Japaner sind es, die hier als eine Art Patentbösewichter fungieren. Und wieso sollte man den Asiaten das verwehren, was die Amerikaner schon seit Jahren, teils mit nicht zu verhehlendem Erfolg, in die Kinos rund um den Globus lancieren? „2009“ drückt in der Hinsicht zweifellos ordentlich aufs Gaspedal – und damit meine ich nicht nur die theatralische Musikuntermalung, die vor allem im Schlussdrittel des Films eine Breitseite nach der anderen auf den Zuschauer abfeuert.

Ansonsten wird unendlich viel gelabert und philosophiert und die Konflikte unserer Helden breit ausgewalzt. Gefühlskitsch ist wie gesagt Trumpf; es mag freilich sein, dass das nur für verwestlichte Gemüter so schwer verdaulich daherkommt. Trotzdem tut der Film zuviel des Guten, und zwar nicht nur ab und zu, sondern massiert – etwa wenn Protagonist Sakamoto bei einem heißen Feuergefecht noch die Zeit findet, ausgiebig einen toten koreanischen Jungen zu betrauern (inklusive fetter Rückblenden und einem theatralischen „Neeeeeeeeeeeiiiiiin!“-Schrei), während um ihn herum die Kugeln eines anrückenden schießwütigen Terrorkommandos einschlagen. Auch weiterhin darf man sich am exzessiven Einsatz von Flashbacks, Zeitlupen, Parallelmontagen, Zooms auf emotionsgeladene Gesichter und allem erfreuen, mit dem man in Fernost so gerne Emotionen schürt. Damit lässt sich ein Film dann auch mühelos auf die exorbitante Länge von 136 Minuten strecken – was man aber im Fall von „2009“ besser hätte bleiben lassen sollen. Denn abgesehen von der Tatsache, dass einem das ganze inszenatorische Stylebewusstsein schon nach relativ kurzer Zeit auf den Wecker geht, ist die Story ab Halbzeit herzlich vorhersehbar, und man hat am Ende wirklich Mühe, nicht im Sessel einzupennen.

Formal gesehen ist alles im Lot: Irgendwo muss sich die Kohle, die man in dieses hochbudgetierte Produkt gepumpt hat, ja auch niederschlagen. Für die Actionszenen beispielsweise würde Michael Bay seine Oma verkaufen, denn so übersteuert, blutig und gnadenlos kriegt Hollywoods Mr. Mittelmaß das wohl seiner Lebtag nicht hin. Geballert wird natürlich passend zum Stil des übrigen Films, also extralang und so stilisiert, dass der Sehnerv zu schmerzen beginnt. Die Darsteller sind ganz gut, vor allem Dong-Kun Jang macht seine Sache als Sakamoto sehr nett (wenn er auch wie ein Chow-Yun Fat für Arme konzipiert wurde und auch so aussieht).

Auf welche Klientel schielt „2009“ hierzulande also? Actionfreunde bekommen zweifellos einiges fürs Geld geboten, müssen sich dafür andererseits mit einem Übermaß an großdimensioniertem Gefühlswust herumschlagen. Wer auf Tiefgang steht, für den ist das aufgrund des kritiklos-patriotischen Grundtones, der hier angeschlagen wird, ebenfalls unbefriedigend. Und Mainstreamfans finden beide Zutaten auch anderswo in perfekterer Mischung, wenn auch nicht gerade in Streifen aus Südkorea. Ein bisschen Anschauungsunterricht bei den Nachbarn in Japan und Hongkong wäre nicht verkehrt, denn die wissen, wie man so was aufzieht.

Zur DVD:
Erschienen bei e-m-s, mit einem traditionell grauenvollen Cover. Eventuelle Bedenken bei diesem Namen sind auch hier leider berechtigt, denn die technische Umsetzung lässt vor allem im Bereich Bild zu wünschen übrig (deutliche Schwächen v.a. im Bereich Kontrast und Schärfe). Die Extras klingen auf dem Papier zunächst recht pompös, haben aber außer knapp 3(!) Stunden unkommentierter Aufnahmen vom Set nur ein paar Texttafeln/Bildergalerien und den obligatorischen Trailer zu bieten. Andererseits ist das mehr, als manche e-m-s Scheibe zu bieten hat…

(c) 2006 by Markus Römmele

Titel bei Amazon.de
2009: Lost Memories (2 DVDs)
2009: Lost Memories (Einzel-DVD)

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2002 – Durchgeknallt im All

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

2002 – Durchgeknallt im All (DVD)

- Darsteller: Leslie Nielsen, Ophélie Winter, Ezio Greggio
- Regie: Allan Goldstein
- FSK: 6
- Musik: Claude Foisy
- Buch: Alan Shearman, Leslie Nielsen
- Label: Columbia TriStar (Helkon)
Zusatzinformationen:
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 94 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 25. Februar 2003
• Produktion: 2000
DVD Features:
• Verschiedene Trailer
• Making of
• Promotion Featurette; Produktionsnotizen
• Der Leslie-Nielsen-Humor
• Biografien: Cast & Crew

Nielsen in space: Kampf der Klone!

Marshall Dickie Dixon erhält den Auftrag, die Aliens auf dem Mond auszuforschen, die offenbar einen genialen Plan umsetzen, die Erde durch Klone der wichtigsten Persönlichkeiten zu übernehmen. Doch bevor sie die irdischen Silikonvorräte ausbeuten könnte, müssen sie an diversen Damen vorbei, die selbst auf diese Vorräte angewiesen sind…

Marshall Richard “Dick” Dixon (Nielsen) von der Interplanetary Security Force ist der weithin gefürchtete Arm des Gesetzes. Bei der Befreiung von Geiseln aus den Händen von islamistischen Terroristen kann es schon mal vorkommen, dass er die Seiten verwechselt und die Stätte des Verbrechens verwüstet. Hautpsache, sein VW New Beetle fährt noch!

Sein Boss Osgood macht ihn mit der bezaubernden Agentin Cassandra Ménage (Sängerin Ophélie Winter) bekannt, mit der er bei der nächsten Aktion zusammenarbeiten soll – allerdings weit weg von der Erde. Auf der Mondstation Vegan soll er aus einem Geheimlabor der Aliens, die hier eine Durchgangsstation haben, den echten US-Präsidenten Bill Clinton befreien, nachdem festgestellt wurde, dass er von den Aliens geklont und durch die Fälschung ersetzt wurde.

Der perfide Alien-Plan scheint darin zu bestehen, so viele Mächtige der Erde zu ersetzen, bis sie in der Lage sind, die Erde zu übernehmen und deren schier unerschöpfliche Silikonvorräte auszubeuten. Aliens sind bekanntlich total scharf auf Silikon. Allerdings stößt dieser Plan bei Cassandra Ménage auf Widerstand: Sie hat selbst Bedarf für Silikon, wie ein Blick in ihr Décolleté belegt.

Schon auf der Anreise macht Dick Dixon den Space Shuttle zu seinem Trampolin und gewinnt auch den Expressaufzügen der Mondstation Lustgewinn ab: Er fällt auf seine Gastgeberin Dr. Uschi Künstler (A. Kamp). Kein Wunder, dass er später noch mehrere Male mit ihr in den Clinch geht – aber ob sie wohl wirklich ein Mensch ist? (Auf dem Mond herrscht offensichtlich keine lunare Schwerkraft, sondern irdische. Auch die Aliens atmen alle Erdluft, was wirklich sehr entgegenkommend von ihnen ist.)

Das Geheimlabor der Aliens wird geleitet von einem gewissen Dr. Pratt (P. Egan), der sozusagen die Rolle von “Ming the Merciless” aus “Flash Gordon” spielt. Wehe, man spielt mit seinem maßstabsgetreuen Vegan-Modell herum! Dixon tut natürlich nichts lieber als genau das. Dr. Pratt hat eine Sekretärin namens Yetta Pussel, die von Verona Feldbusch anscheinend nur zu dem Zweck gespielt wird, einen Satz zu sagen und sich ein Kleid vom Leib reißen zu lassen – von Dixon natürlich.

Doch nach so mancher peinlichen Situation stößt der Marshall tatsächlich auf den entführten US-Präsidenten – aber ist der echt? Wie auch immer: Der Showdown findet nicht auf dem Mond, sondern in einer Pariser Oper statt, wo sich laute Klone einfinden. Darunter natürlich auch Michael Jackson, Prince und Madonna.

Wie von einem Nielsen-Film nicht anders zu erwarten, trieft die Handlung von blödesten Scherzen, die von der einfachsten aller denkbaren Handlungen ermöglicht werden. Daher dürften auch Sechsjährige keine Mühe haben, ihr zu folgen.

Immerhin aber hat die Tatsache, dass der Streifen von vier Ländern produziert wurde, unter massiver Beteiligung der Bayern, den Vorteil, dass die Frauen diesmal äußerst ansehnlich sind: Die Auswahl fiel auf drei Damen, deren Reize nicht versteckt werden. Die deutsche TV-Schauspielerin Alexandra Kamp kann zudem fließend Englisch, und Ophélie Winter ist in ihrer französischen Heimat offenbar ein Superstar der Popmusique. Was sie drauf hat, zeigt sie in einer Show auf Vegan.

Allan Goldstein schrieb das Drehbuch und drehte professionell, Nielsen brachte seinen ganz speziellen “Humor” – oder nur seine Grimassenkunst – ein, und die visuellen Spezialeffekte kreierte eine Münchener Firma. So fließt das bayerische Filmförderungsgeld wenigstens wieder zurück in die Heimat und sichert dort Arbeitsplätze. Wer jedoch auf intelligenten Wortwitz aus ist, sollte woanders suchen.

Ach ja: “2001″ kommt auch vor. Schon der Prolog mit der Entstehung des Universums und der Krone der Schöpfung – Nielsen! – ist eine Travestie auf das Pathos, das einen Großteil von Kubricks Meisterwerk durchzieht. Eines der Wesen, die Dixon über den Weg laufen, heißt Kubrick. Und das letzte Drittel in der Oper soll wohl dem Schluss von “2001″ entsprechen, in dem Astronaut Dave Bowman sich in einen Erinnerungspalast zurückzieht, der aussieht wie ein Zimmer in Schloss Versailles.

Crazy Credits sind Angaben im Abspann, die man nicht so ganz ernstnehmen sollte. Sie sind aber für den Eingeweihten ein potentieller Quell des Vergnügens, so auch hier. Fans sollten auf die Credits für die nonexistente “Moon Unit” achten, nachdem die Drehteams (units) für Kanada, Frankreich und Dschörmäny vollständig durchgelaufen sind. In der Moon Unit tauchen Kirk und diverse Aliens auf, die nicht ganz koscher sind. Als Zugabe sind ganz am Schluss noch diverse Erzeugnisse aus Nielsens privatem Lieblingsspielzeug angefügt worden: dem Furzkissen. Besonders gefallen hat mir der “Royal Ripper”.

Heutzutage tragen die Einnahmen durch die DVD-Auswertung eines Films bereits mindestens 20-25% vom Gesamtumsatz. Bei “2002″ dürfte aufgrund der gefloppten Kinoauswertung (lief er überhaupt bei uns?) dieser Anteil wesentlich höher liegen. So ließe sich erklären, warum die DVD vollgepackt ist mit Bonusmaterial, das man nur bei teureren Produktionen erwarten würde.

Das Making-of ist mit 37 Minuten von imposanter Länge, aber taugt es auch was? Leslie Nielsen, Co-Autor und Ausführender Produzent des Streifens wird von einer deutschen Journalistin mit verbesserungsfähiger englischer Aussprache interviewt. Sagt er doch glatt, das ganze sei eine “Hommage an Kubrick”, außerdem lässt er sich über Frank Drebin aus, seine Rolle in den “Naked-Gun”-Filmen. Es folgen Interviews mit Verona Feldbusch (völlig nervtötend), Alexandra Kamp (charmant), Ophélie Winter (dito), Peter Egan (klassischer britischer Akzent, yessir!) und Allan Goldstein, dem Regisseur. Er weiß zu berichten, wie es zu dem Filmprojekt kam und warum er die Regie übernahm.

Die Featurette von 12 Minuten Länge erklärt die Spezialeffekte und den Sinn (?!) der Story. Außerdem gibt es ein Interview mit dem bekannten italienischen Schauspieler (“Dracula – tot aber glücklich”) und Sänger etc. Ezio Greggio, der im Film den Stationskommandanten Di Pasquale spielt und eine Menge italienischer Schimpfwörter benutzen darf, die mal wieder niemand versteht – Wörter wie “stronzo”: A***loch. Sogar im Interview gelingt ihm ein solcher “Ausrutscher” (“porca puta”: das will ich lieber nicht erklären, sonst wird dieser Bericht verboten). Auch das verblüffend ähnliche Clinton-Double Damian Mason kommt zu Wort: Er wendet sich an die US-Nation.

Die restliche DVD besteht aus viel Text: elf Seiten über den speziellen “Nielsen Humour”, weitere Seiten über Cast & Crew (wobei die Crew nur aus dem Regisseur besteht), sodann weitere Texte in Form von “Produktionsnotizen”. Hier erfährt man etwas über die Entstehung und Finanzierung des Projekts. Zu guter Letzt sind fünf Trailer zu bewundern, die ich hier nicht aufzählen will.

Fazit:

Die ersten Filme der “nackten Kanone” waren ja noch ganz amüsant, wenn man etwas für Brachialhumor übrig hat. Doch der Humor dieses Machwerks, an dem Nielsen mitschrieb und -produzierte, erschließt sich dem unbedarften Zuschauer nicht sofort. Vielleicht muss man aber auch höchstens sechs Jahre alt sein, um etwas damit anfangen zu können.

Die DVD ist im Gegensatz zum Film mit brauchbaren Beiträgen ausgestattet, die nicht alle in Richtung Werbung getrimmt sind. Eine veritable Journalistin – gelobt sei ihr Wagemut – stellt den Hauptfiguren des Streifens neugierige Fragen, die zum Glück niemanden in Verlegenheit bringen. Maximal zwei von fünf geklonten Sternen!

(c) 2004 by Michael Matzer

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2002 – Durchgeknallt im All

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2001 Maniacs

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

2001 Maniacs (DVD)

- Darsteller: Robert Englund, Lin Shaye, Giuseppe Andrews
- Regie: Tim Sullivan
- FSK: 18
- Produktion: USA 2005
- Label: Sunfilm
Zusatzinformationen:
# Format: Anamorph, Dolby, DTS, PAL, Surround Sound
# Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
# Untertitel: Deutsch
# Region: Region 2
# Bildseitenformat: 16:9
# Anzahl Disks: 1
# FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
# Studio: SUNFILM Entertainment
# DVD-Erscheinungstermin: 19. Mai 2006
# Spieldauer: 84 Minuten

In den Semesterferien zieht es drei Studenten an die Strände Floridas. Auf dem Weg dorthin durchqueren sie die Südstaaten der USA, wo sie den unseligen Entschluss fassen eine ‚Abkürzung‘ zu nehmen. Diese bringt sie zu einer Umleitung und dann in das äußerst abgelegene Dörflein Pleasant Valley. Einen schwulen Junghengst und seine zwei attraktiven Begleiterinnen (!) verschlägt es ebenso wie den schwarzen Biker Malcolm und Lederbraut Kat hierher, wo die acht jungen Männer und Frauen mit altmodischer Südstaatenfreundlichkeit vom leutseligen Bürgermeister Buckman zum berühmten alljährlichen Barbecue von Granny Boone eingeladen werden.

Da die Neuankömmlinge primär geil, vor allem aber dumm sind, lassen sie sich von den angebotenen Köstlichkeiten ebenso verführen wie von der knackigen Dorfjugend beiderlei Geschlechts. Aber diese Gastlichkeit hat ihren Preis, wie der Zuschauer inzwischen weiß: Pleasant Valley ist buchstäblich eine Geisterstadt, bewohnt von den Phantomen seiner 2001 Einwohner, die während des Bürgerkriegs 1862 in toto von den Unionstruppen der Nordstaaten niedermetzelt wurden. Seither erheben sie sich zum Jahrestag ihres Endes aus den Gräbern und warten rachedurstig – bzw. -hungrig – auf unvorsichtige Yankees, die sich zu ihnen in die Einöde verirren. Sie bilden dann den Hauptgang für besagtes Grillfest.

Bis das endlich als böser Verdacht in die pubertär schwer geschädigten Resthirnwindungen unserer Urlauber durchgesickert ist, haben sich deren Reihen bereits stark gelichtet. Unter Einsatz von Pferdestärken, Bratspießen oder wahrhaft mörderischem ‚Selbstgebrannten‘ schalten die Bürger von Pleasant Valley einen ‚Gast‘ nach dem anderen aus, dessen Überreste anschließend in die große Dorfküche kommen. Auf niemanden möchten sie beim großen Fressen verzichten, was die Fluchtversuche der endlich erwachten Überlebenden sehr schwierig werden lässt und zum Einsatz recht drastischer Methoden der Gegenwehr zwingt …

Die Rache ist ein Gericht, das kalt genossen am besten schmeckt. Dieses alte chinesische Sprichwort nehmen die Bewohner von Pleasant Valley (fast) wörtlich. Der Gegner von einst ist die Wurst von jetzt. Das ist ein hübscher, geschmackloser, politisch unkorrekter Witz, der sich als grundsätzliche Idee für einen Film, der von vornherein als überdrehte Horrorkomödie der groben Art geplant ist, durchaus eignet. So wie hierzulande die ‚Bayern‘ über die ‚Preußen‘ (und umgekehrt) lästern, werden von den Yankees im Norden der USA über die vernagelten Rednecks der hinterwäldlerischen, rassistischen, inzestuösen, sodomitischen, aufgeblasenen etc. Südstaaten böse Scherze gerissen, die sich hier im Drehbuch wunderbar aufwärmen und drastisch verstärken lassen. Das sorgt vor Ort verständlicherweise nicht für freundschaftliche Gefühle und fordert trotzigen Widerspruch heraus. „The South Will Rise Again“ lautet denn auch ein für diesen Film grandios trashig verrockter Ohrwurm, der von verbitterten Südstaatlern nach dem verlorenen Bürgerkriegs 1865 gern angestimmt wurde.

Es hätte also etwas werden können aus „2001 Maniacs“, zumal auch die Darsteller gute Arbeit leisten, wie wir weiter unten noch lesen werden. Tatsächlich ist dieser filmische Versuch schwarzhumoriger Blut-und-Eingeweide-Komik gründlich schiefgegangen. Um im Bild zu bleiben: Die Zutaten für ein schmackhaftes Gore-Grillfest waren da, doch leider hat der Koch sie zu einem faden, dünnen Brei verkochen lassen. Es fehlt einfach zu viel von dem Gewürz namens Irrwitz.

Drehbuch und Regie beschwören es geradezu verzweifelt herauf, aber da ist nichts bzw. es reicht nicht. Da mag schieres Unvermögen die Schuld tragen, womöglich ist es aber auch Hollywoods angstvolles Kleben am größten gemeinsamen Nenner, was zur Herstellung von Filmen führt, die möglichst vielen Zuschauern gefallen und möglichst niemanden vor den Kopf stoßen sollen. Man sollte meinen, dass Gekrösespäße wie „2001 Maniacs“ vor solchen Bemühungen sicher sind. Weit gefehlt – und es ist zu merken!

Beispielsweise an den so hymnisch angekündigten Splatterszenen. „Keine Jugendfreigabe“, lockt die deutsche Version, die anscheinend von der Zensorenschere verschont blieb. Bei näherer Betrachtung sind die ‚eindeutigen‘ Sequenzen sowohl rar als auch dezent in Szene gesetzt, was gut ist, denn sie sind ziemlich schlecht inszeniert. Wirklich Drastisches wird man nur sehen, wenn man die Augen am Bildschirm kleben lässt, da sofort ausgeblendet wird.

So etwas lässt sich verschmerzen, wird es durch das sonstige Geschehen aufgefangen. Doch auch da hapert es gewaltig: „2001 Maniacs“ fällt im Mittelteil vor allem durch gewaltige Längen auf. Bizarre Südstaatler-Typen und verdruckster US-‚Sex‘ bilden eine Kette, der entlang sich die Darsteller planlos durch die dünne Handlung sowie eine wahrlich üble Filmkulisse hangeln. „2001 Maniacs“ wurde aus Kostengründen offenbar in einem Museumsdorf gedreht. Gerät die Kamera in Bewegung, fürchtet man stets im Hintergrund neugierige Besucher oder den Parkplatz auftauchen zu sehen.

Für diesen Streifen gilt auch oder sogar ganz besonders, was sich über viele Horrorfilme sagen lässt, die einfach nur unterhalten sollen: Schauspielerische Sonderleistungen sind kein Muss und womöglich hinderlich, da sie dem eigentlichen Vehikel in die Quere kommen. Auch in unserem Fall ist die Liste der Männer und Frauen, die sich um die diversen Blutspritzeffekte kümmern, länger als die der Darstellerriege. Dennoch muss man ein wenig subtiler urteilen als sonst, wo es einfach ist, sich über die talentfreie Brut lustig zu machen, die in den 2001 Versionen von Filmchen des Schlages „Irrer Killer metzelt knackige Teenys“ das Kanonenfutter für diverse Monster und Meuchelmörder mimt: „2001 Maniacs“ ist ein Film, der schauspielerische Übertreibung quasi fordert. Die grelle Story verträgt keinerlei Ernst. Zumindest das ist den Beteiligten klar gewesen. Sie geben dem Affen deshalb kräftig und hemmungslos Zucker.

Das trifft vor allem auf den ‚Star‘ dieser obskuren Produktion zu: Robert Englund hat in viel zu vielen unterirdisch schlechten Gruselklamotten mitgewirkt, als dass er sich noch irgendwelche Zurückhaltung auferlegte. Als Freddy Krueger in den „Nachtmare on Elm Street“-Filmen weiß er zudem, wie man einen klamaukigen Oneliner setzt, um mit dem Entsetzen möglichst viel Scherz zu treiben. Auch in „2001 Maniacs“ gehen die einzigen Wortspiele, die sich wohlwollend als ‚witzig‘ bezeichnen lassen, gänzlich an ihn.

Pech für Lin Shaye, die wie Englund eine Veteranin des Film- und Fernsehgeschäfts ist. Schauspieler ihrer Art bezeichnet die Branche gern als Charakterdarsteller. Sie leisten jene Kärrnerarbeit im Hintergrund, die den eigentlichen Star leuchten lässt. Shayes cineastischer Lebenslauf ist von eindrucksvoller Länge, doch wird sich wohl kaum ein Zuschauer ihrer wirklich erinnern. Das ist schade, denn auch dieses Mal liefert sie einen anständigen Job und wirkt ihrer Rolle entsprechend gleichermaßen altmodisch wie großmütterlich wie grässlich.

In etwa einem Jahrzehnt wird eine interessante Bilanz möglich: Welcher der männlichen und weiblichen Nachwuchstalente, die sich in „2001 Maniacs“ testosteronspuckend bzw. wippbusig die Ehre geben, werden es ‚geschafft‘ haben in dem Sinn, dass sie in Filme auftreten, die nicht ausschließlich als DVD-Premieren auf den Markt gebracht werden? Dieses Rennen ist völlig offen, denn „2001 Maniacs“ liefert keinerlei Hinweise. Zu stark werden alle Beteiligten unter 20 (nun gut: unter 25; Hollywoods ‚Jugendliche‘ sind in der Regel deutlich angewelkt) in ihre eindimensionalen Rollen gepresst. Dabei ziehen die pittoresken Bewohner von Pleasant Valley die besseren Karten, denn den Yankees bleiben nur die Klischees der im Dauer-Sexstress gefangenen Debilteenys. (Einigkeit herrscht indes in einem horrorfilmtypischen Nebenbei: Weibliche Darsteller jüngeren Jahrgangs entledigen sich mindestens einmal ihres BHs; dabei ist es völlig unerheblich, ob sie zu den ‚Guten‘ oder zu den ‚Bösen‘ gehören.)

Anhang: Die fruchtlose Exhumierung einer obskuren Klassikerleiche.
Remakes sind im Horrorfilm zur Zeit mehr als in; sie sind vor allem lästig. „Texas Chainsaw Massacre“, „Dawn of the Dead“, „The Hills Have Eyes“: Man nenne derzeit einen Genreklassiker und wird ihn beinahe garantiert als Neuverfilmung finden. Auch „2001 Maniacs“ bildet da keine Ausnahme. „2000 Maniacs“ heißt ein C-Movie, das im Jahre 1964 ein Brachialfilmer namens Herschel Gordon Lewis auf Zelluloid bannte. Er war auf die eigentlich nahe liegende Idee gekommen, dass sich billigst gemachte und objektiv jämmerlich anzuschauende Filme besser verkaufen lassen, wenn man die beiden Schrauben „Sex“ und „Gewalt“ ein wenig fester anzieht als die Konkurrenz. Da Lewis zu den ersten gehörte, die diesen Weg konsequent gingen, wird er heute nicht mehr mit Steinen beworfen, sondern als ‚Kultregisseur‘ verehrt (was sich in der Regel legt, sieht man sich eines seiner Werke an). Nichtsdestotrotz gehört „2000 Maniacs“ zu den Klassikern des Splatterfilms – dies in dem Sinn, dass dieser Film a) zu den frühen Beispielen seiner Gattung gehört, b) für seine Entstehungszeit in der Tat starken Tobak liefert und c) aufgrund seiner zeitbedingt schlichten Machart heutzutage vor allem für Heiterkeit sorgt und der einstigen Verteufelung enthoben ist.

„2001 Maniacs“ wird sich diesen Status sicherlich nicht erobern können. Die Zeiten haben sich geändert, Provokation ist schwierig geworden und wird hier auch gar nicht versucht. Doch wirklich guter Trash ist genauso schwierig zu drehen wie ein ‚richtiger‘ Film; in der Regel entsteht er unfreiwillig. Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Was die Zuschauer gerade noch amüsierte, langweilt sie wenig später schon wieder. Sie lassen sich nicht zwingen. Je intensiver man es versucht, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit des Misslingens. „2001 Maniacs“ führt diese den Produzenten dieser Welt ebenso bekannte wie verhasste Erkenntnis einmal mehr deutlich vor Augen. Als Zuschauer muss man sich von dieser Lektion nicht unbedingt persönlich überzeugen.

DVD-Features:
Die Verleih?Version von „2001 Maniacs“ beschränkt ihre ‘Extras’ auf einen “Internationalen Trailer” und die wie üblich überflüssigen Werbung für andere DVDs. Ganz anders dagegen die Kauf-DVD, die “Deleted Scenes” und Outtakes (irgendwie ein Widerspruch; enthält denn dieses krude Filmchen überhaupt gelungene Szenen?) und eine alternative Anfangssequenz enthält. Angeblich tritt hier sogar Regisseur John Landis auf, der ja vor 25 Jahren einige recht gute Filme wie “An American Werewolf in London” gedreht hat. Darüber hinaus enthält die Kauf-DVD Aufnahmen vom Casting, ein Making?of sowie Audiokommentare von Regisseur Tim Sullivan und Hauptdarsteller Robert Englund bzw. von Sullivan, Drehbuchautor Chris Kobin und Produzent Chris Tuffin.

(c) 2008 by Dr. Michael Drewniok

Titel bei Amzon.de
2001 Maniacs

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2001 – Odyssee im Weltraum

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

2001 – Odyssee im Weltraum (KINOFILM)

- Darsteller: Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester
- Regie: Stanley Kubrick
- FSK: 12
- Musik: Aram Khatschaturian, Richard Strauss
- Buch: Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke
- Produktion: Großbritannien 1968
- Label: Kinofilmverleih: Warner
Zusatzinformationen:
O-Titel: 2001: A Space Odyssey
Kategorie: Spielfilm
Genre: Science Fiction
Produktionsfirmen: Hawk-MGM
Produzenten: Stanley Kubrick
Kamera: Geoffrey Unsworth, John Alcott
Schnitt: Ray Lovejoy
Produktionsdesign: Tony Masters, Harry Lange, Ernie Archer
Kostüme: Hardy Amies
Ton: Winston Ryder
Effekte: Stanley Kubrick, Wally Veevers, Douglas Trumbull, Con Pederson, Tom Howard, Colin J. Cantwell, Bryan Loftus, David Osborne, John Jack Malick
Kinostart: 22. Februar 2001 (Wiederauff.)
Erster Start: 1969/00/00
Laufzeit: 149 Min.
Einspielergebnis D: € 706.302 / Bes. (EDI) 106.569
Bes. (FFA) 140.975

Cosmic SF: Ein Fest für Auge und Ohr.
“2001″ ist Stanley Kubricks Vision vom Aufbruch des Menschen zu den Sternen, sein Countdown für die Zukunft. Der Film weiß bis heute noch zu inspirieren, Rätsel zu stellen und durch seine Tricks zu verblüffen. Dabei liefert seine Verschmelzung von Musik und Bewegung eine Vision vom neuen menschlichen Erleben in einem Einstein’schen Universum. Doch Leute wie der Bürokrat Heywood Floyd und sein Rechenknecht HAL-9000 werden diese Zukunft nicht erleben.

Am Anfang war kein Licht. Vier Minuten lang herrscht während der “Ouvertüre” lediglich Finsternis. Nicht einmal Sterne sind zu sehen. Sitze ich im falschen Film? Ist das überhaupt ein Film? Ich stelle mir vor, ich betrachte das Innere des schwarzen Monolithen. Vier Minuten können ganz schön lang sein.

Dann endlich die ersten Signets und Zeilen des Vorspanns. Schau an: MGM war das Studio.

1. Satz der Symphonie.
Am Anfang ist die Erde “wüst und leer”, wie es in der Genesis heißt. Schließlich ein Menschenaffe und seine wenigen Artgenossen, die als friedliche Pflanzenfresser neben Tapiren koexistieren (das wird sich ändern). Diese Sippe ist die von Alphamännchen Mond-Schauer. Seinen Namen erfahren wir aus dem Roman von Arthur C. Clarke, nicht aus dem Film. Die Menschenaffen verständigen sich zwar, aber Sprache würde man das nicht nennen. Eingesetzt wird diese Kommunikation aus Beschwichtigungs-, Droh- und Wutschreien besonders dann, als Mond-Schauers Sippe vom einzigen Wasserloch weit und breit verjagt wird und eine andere, wildere Sippe das Loch übernimmt.

Mond-Schauers Sippe ist ganz klar vom Aussterben bedroht, und die Angst vor dem nächsten Angriff des Leoparden ist in seinen Augen abzulesen. Am nächsten Morgen steht ein schwarzer Monolith von perfekter Glätte aufrecht vor ihm. Ligetis Requiem aus atonalen Stimmen steigert sich bedrohlich. Dem anfänglichen Schrecken weicht die Berührung dieses unnatürlichen – und in der Tat außerirdischen – Objektes. Mond-Schauer und seine Leute wandeln sich von Menschenaffen zu Affenmenschen: Die Entdeckung eines Oberschenkelknochens als Werkzeug und Waffe ist ein Triumph, der mit Richard Strauß’ “Also sprach Zarathustra” gebührend gefeiert wird.

Schon bald triumphiert Mond-Schauer über die Tapire, schmeckt Blut, isst Fleisch und besiegt die feindliche Sippe im Kampf um das Wasserloch, Brudermord inklusive. Die Geschichte der Menschheit ist offensichtlich eine Geschichte der Gewalt, des Mordens – und der dabei eingesetzten Technik. Mond-Schauer wirft sein Werkzeug des Sieges in die Luft, den Knochen.

2. Satz: Vier Millionen Jahre später.
Der Knochen hat sich in eine Raumfähre verwandelt. Heywood Floyd, ein führender Bürokrat der Nationalen Raumfahrtbehörde, befindet sich auf dem PanAm-Flug der “Orion” zur halb fertigen Orbitalstation, die von zwei Satelliten von ferne begleitet wird (einer zeigt die deutsche Flagge!). Neben ihm schwebt sein Füllfederhalter: ein weiterer Knochen. Dieses Ballett der schwebenden Körper im Einsteinschen Raum wird begleitet von einem Walzer: Johanns Strauß’ “An der schönen blauen Donau”. Man kann sich diese Himmels-Körper gut bei einem Tanz um gemeinsame Schwerkraftpunkte vorstellen. Und hin und wieder sehen wir sie in Konjunktion, aufgereiht wie Perlen auf einer Kette.

Auf der Station schlendert Floyd nach dem Sicherheitscheck am Hilton-Hotel und Howard-Johnson-Restaurant vorbei, ruft seine Tochter (Vivian Kubrick) an, wimmelt ein paar neugierige Russen ab und trifft endlich beim Anlass seines Besuchs hier ein: eine Sitzung der Verwalter der amerikanischen Zone des Mondes. Die Amis teilen sich die Mondverwaltung mit den Russen.

Seltsame Dinge gehen auf Luna vor sich, und Floyd muss die Maßnahmen rechtfertigen: In seiner Rede erneuert er die Kontrolle, die seine Behörde ausübt, indem er die Tarngeschichte einer Epidemie und die Nachrichtensperre verteidigt. Aber warum das alles? Floyd fliegt mit dem Mondtransporter “Aries” und zwei Kollegen weiter. Das Ritual des Essens verbindet sie Mond-Schauers Sippe. Der Astrodom der amerikanischen Mondbasis öffnet sich wie eine Blüte. Der Weiterflug führt zum Krater Tycho, wo die Ursache des Aufruhrs und der Anlass für Floyds Reise steht: Es ist eine weitere Ausgabe des schwarzen Monolithen. Der erstaunliche Befund: Er wurde vor vier Millionen Jahren hier verbuddelt, von wem, weiß man nicht. Floyd kann nicht umhin, es Mond-Schauer nachzumachen: Er muss das mysteriöse Objekt berühren. Dieses stößt nicht nur einen schrillen Pfeifton aus, sondern sendet zugleich ein starkes Radiosignal – zum Jupiter. Der Monolith ist ein Wachposten. Wen oder was warnt er?

3. Satz: 18 Monate später.
Die “Discovery”, ein knochenförmiges (was sonst?) Raumschiff, fliegt auf den Riesenplaneten zu. Die Startvorbereitungen waren natürlich wieder mal supergeheim, so dass weder die zwei wachen Piloten David Bowman (Dullea) und Frank Poole (Lockwood) noch die drei im Kälteschlaf eingesargten Wissenschaftler ahnen, was der wahre Grund ihrer Reise ist. Der Einzige, der ihn kennt, ist kein Mensch, sondern ein “Elektronengehirn”, eine künstliche Intelligenz namens HAL-9000. Dem Paar der zwei wachen Piloten entspricht das Zwillingspaar der beiden HAL-9000s, dem an Bord der “Discovery” und dem in Houston bei der NAC. Man ist auf Ausfallsicherheit und Kontrolle bedacht. Entsprechend technisch ist der Jargon, in dem man kommuniziert.

Das nützt aber alles nichts, als HAL Dave Bowman bekannt gibt, dass in 72 Stunden ein Bauteil der Außenantenne zu 100 Prozent und mit absoluter Sicherheit ausfallen werde. Der Grund: “ein menschlicher Irrtum/Fehler”. Eine seltsame Begründung für einen neutralen Computer, der ständig seine Verpflichtetheit gegenüber der “Mission” beteuert. HALs Zwilling kann die Prognose nicht bestätigen. Als auch Bowman an dem ausgebauten Bauteil keine Fehler finden kann und somit HAL widerlegt, überlegen er und Poole, HAL abzuschalten. HAL kann ihre Pläne von ihren Lippen ablesen und ergreift Gegenmaßnahmen.

Beim Wiedereinbau des Bauteils kappt er mit Hilfe der Greifarme des Außenbordmoduls Pooles Luftschlauch, so dass der Astronaut nicht nur erstickt, sondern auch abtreibt. Ein Abfangversuch Bowmans ist zwar erfolgreich, doch HAL weigert sich, das Schleusentor zu öffnen, damit Bowman mit Pooles Leiche an Bord zurückkehren kann. Nach einem extrem riskanten Manöver durch die Notluftschleuse legt Bowman HALs Gedächtnisspeicher lahm. Erstaunt verfolgt er die nun von HAL freigegebene, bislang geheimgehaltene Botschaft von Mission Control, verlesen durch Heywood Floyd: Ziel der Mission war das außerirdische Objekt, das von dessen 4 Mio. Jahre altem Gegenstück im Mondkrater Tycho angefunkt wurde.

4. Satz: Wenige Stunden oder Tage später.
Die gesamte Besatzung außer Bowman ist tot. HAL hatte die Kälteschläfer von den lebenserhaltenden Systemen abgeschnitten. Die Katastrophe des technischen Menschen ist perfekt, die Niederlage vollständig. Was bleibt da noch zu tun?

Bowman hat einen gigantischen schwarzen Monolithen entdeckt, der im System Jupiters und seiner Monde (im Buch ist es der Saturn) seine Gravitationskräfte ausübt und eine Konjunktion der Himmels-Körper herbeiführt. Zarathustra lässt grüßen. Schon Bowmans Versuch, mit einem Außenbordmodul, einem EVA-Pod, in die Nähe des außerirdischen Objekts zu gelangen, verändert die Realität. Wie von einem Schwarzen Loch wird er in ein transdimensionales Sternentor gesaugt, auf einen Trip, der ihn und sein Bewusstsein mächtig durchrüttelt. Die Spezialeffekte sind noch heute spektakulär: seltsame Farben und Formen, sowohl technische als auch organische, erfüllen Bowmans Geist.

Bowmans Kapsel steht plötzlich in einem Schlaf- und Badezimmer, das mit Möbeln und Statuen aus dem 18. Jahrhundert (Louis XVI.) ausgestattet ist. Die Musik hat endlich aufgehört, und man hört nur die Stimmen unsichtbarer außerirdischer Beobachter. Bowmans sieht sich als alten Mann im Raumanzug. Bowman sieht einem noch älteren Mann beim Essen zu: er selbst. Der Esser sieht einem sterbenden Greis auf dem Bett zu. Der Sterbende sieht den Schwarzen Monolithen und zeigt auf ihn. Und der Monolith sieht ein Sternenkind auf dem Bett.

Schlussbild zu den Klängen von “Zarathustra”: Wieder einmal befinden wir uns im kosmischen Ballett-Raum der Himmels-Körper. Da sind die altvertraute Erde und ihr Mond – und plötzlich schiebt sich ein gigantischer weiterer Körper ins Bild: Es ist das Sternenkind in seiner Fruchtblase. Sein Auge betrachtet uns wie HALs rotes Kameraauge.

Am Ende herrscht – wieder mal – Finsternis.
Über den Abspann und weit darüber hinaus erklingt “An der schönen blauen Donau”.
Es wird sehr wenig geredet in diesem Film, und was geredet wird, ist oft nicht der Rede wert. Die Menschen des 21. Jahrhunderts haben verlernt, auf natürliche Weise zu kommunizieren. Sie verständigen sich durch Funksignale von der Missionskontrolle, abgespielte Filmaufnahmen mit Geburtstagsglückwünschen, einem Ferntelefonat. Falls es doch einmal zu einem Mensch-zu-Mensch-Gespräch kommen sollte, was Gott verhüten möge, so endet es an einer Mauer des Schweigens: Zuerst blockiert Heywood Floyd den Versuch des Russen ab, mehr über die “Epidemie” auf dem Mond zu erfahren, dann vergattert er selbst seine Mitbürokraten zu Stillschweigen. Selbst Bowman und Poole dürfen nur funktionieren, wenn sie sich auf knappe Anfragen und Befehle beschränken. Sie haben keine Ahnung, was Sache ist.

Diese Sprachlosigkeit der rationalen Intelligenz findet ihren Kontrast in der umso beredteren Bildsprache und vor allem der Musik. Diese sprachlosen Ausdrucksformen rufen im Zuschauer Bilder aus dem Inneren hervor, wie es etwa ein Gedicht tun würde. Tatsächlich vergehen die letzten 30 Minuten ohne ein einziges gesprochenes Wort, und der Zuschauer kann sich nur helfen, indem er individuell assoziiert. Dass so mancher dabei Schiffbruch erleidet, gehört mit zum “ungelösten Rätsel” (die letzten Worte aus Floyds Videobotschaft an die “Discovery”) , das der Schluss von “2001″ bis heute bildet und mit zur weiteren Wirkung beiträgt.

Der unentrinnbare Konflikt zwischen Mensch und Technik, beziehungsweise Maschine, beginnt schon mit dem Gebrauch des ersten Werkzeugs durch Mond-Schauer und endet erst, als Bowman HALs Speichermodule deaktiviert – der erste Mord (an einem Rivalen) findet sein Echo in einem letzten Mord (an einer intelligenten Maschine). Dazwischen liegt ein Erwachen. Es beginnt, als Bowman keinen Zutritt zur “Discovery” erhält. Er soll sterben wie sein Kollege Poole. Denn HAL hat ja den Menschen an sich als Störfaktor und Bedrohung der Mission ausgemacht. Der Mensch muss kämpfen oder aussterben, abgelöst durch eine Maschinen-Evolution. (Diese hat beispielsweise der Science Fiction-Autor und Physiker Gregory Benford geschildert.)

Das Erwachen und der Mord an HAL führt Bowman zu einer weiteren Stufe des Bewusstseins. Weiterzukommen hilft ihm das Sternentor, das der schwarze Monolith bietet. Durch Stufen der Alterung und des Todes gelangt Bowman – als Vertreter der Menschheit – zu einem Neuanfang: als Sternenkind. Erst jetzt ist der Mensch nicht mehr fremd im Kosmos, sondern ein Teil davon. Und nimmt am Walzer der Himmels-Körper teil. Kubricks Vision von der Zukunft des Menschen kommt sehr deutlich zum Ausdruck.

Mit anderen Mitteln setzt Kubrick hier sein Meisterwerk “Dr. Strangelove” fort. Tatsächlich schlug Drehbuch- und Story-Schreiber Arthur C. Clarke sogar scherzhaft vor, der Film solle “Der Sohn von Strangelove” heißen. Das bezog er auf HAL, die Maschinenintelligenz. Clarke lieferte mit der Story “The Sentinel” (Der Wachtposten”) aus dem Jahr 1948 die literarische Vorlage zu Kubricks Filmsymphonie in vier Sätzen, die ursprünglich “Journey beyond the stars” heißen sollte. Sie wurde zwischen 1964 und 1968 für die damals astronomische Summe von 10,5 Millionen Dollar realisiert. Wobei 4,5 Millionen für die Spezialeffekte und Tricks verbraten wurden- was allerdings zu Kubricks einzigem OSCAR führte, immerhin. Clarke hat das detaillierte Treatment zu seinem gleichnamigen Roman ausgearbeitet, der in zahlreichen Punkten vom Film abweicht. Diese aufzuzählen, würde hier zu weit führen.

Wie immer beansprucht das Ansehen eines Kubrick-Films die Sehgewohnheiten und das Begriffsvermögen des Zuschauers. Bei einem derart visuell ausgerichteten Film wie “2001″ gilt das in umso stärkerem Maße. Manche Ansicht der Planeten-Konjunktionen muss man mehrmals betrachten, um festzustellen, wie der Blickwinkel aussieht. Man stellt verblüfft fest, dass eine extreme Untersicht (Froschperspektive) der Fall ist. Der Blick fällt in fernste Fernen.

Ein andermal verknotet sich das Hirn, wenn die Stewardess an Bord der Mondfähre “Aries” scheinbar in Schwerelosigkeit, nur von Velcrosohlen am Wegschweben gehindert, den Passagieren und Piloten ihr Essen bringt (ein ewiges Ritual, vom Menschenaffen bis zum Raumfahrer). Manche Aufnahmen sind so trickreich gemacht, dass man ein Fachbuch wie etwa “The making of 2001″ von Jerome Agel (1970) und “The Lost Worlds of 2001″ von Clarke (1972, dt. 1983) konsultieren muss, um zu begreifen, wie Kubrick das gemacht hat. Es ist eine ähnliche Faszination, wie sie Hitchcock auf Filmemacher wie Francois Truffaut ausgeübt hat. Dementsprechend beeinflusste “2001″ Regisseure wie Spielberg, der “2001″ als den alles bestimmenden “Urknall” seiner Filmemacher-Generation bezeichnete.

Und was soll dieser Firlefanz, mag sich mancher verwirrte Zuschauer fragen. Ein Film ohne Action, weitgehend ohne Sprache, der in düsterer Musik schwelgt und ganz allgemein die NASA runtermacht! “2001″ verändert unsere Wahrnehmung, lässt uns wie Bowman zu etwas erwachen, wovor uns bislang die technokratische Sprache abgeschirmt hat. Lässt uns das Wunder, das “ungelöste Rätsel” des Kosmos wahrnehmen. Dabei wird uns gleichzeitig vor Augen geführt, dass unsere auf Newton basierende Physik und Optik, ja sogar die Akustik – siehe Ligetis atonale Chöre – nicht mehr ausreicht; sie gehören in einem Einstein’schen Universum zum Erbe des alten Adam à la Mond-Schauer. Und wer in den Weltraum vorstoßen will, kann nicht wie Heywood Floyd Scheuklappen aufsetzen und Maulkörbe verteilen, sondern muss wie Dave Bowman die Augen öffnen und sich vom großen Outdoors verändern lassen. Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

Bild und Ton sind superb, aber irgendwelche Extras praktisch nicht vorhanden. Was hier aus der wichtigen Tonspur herausgeholt wurde, ist schon beeindruckend, aber jede moderne HiFi-Anlage könnte diese Wiedergabequalität für die Musik liefern. Dolby-Surround-Effekte sind nur sehr wenige festzustellen, so etwa beim Kampf um die Wasserstelle im 1. Akt. Da sind Klänge aus dem Off aus den hinteren Lautsprechern zu vernehmen.

Das Bild ist, anders als in SKs drei letzten Filmen, auf Widescreen ausgerichtet, nicht auf Vollbild. Wohl dem, der einen entsprechenden Fernsehschirm besitzt. Der kann dann aber auch sämtliche Breitwandinhalte in vollen Zügen genießen. Dies ist ein Film für die große Kinoleinwand. (…)

Die Diskrepanz zwischen Synchronisation und deutschen Untertiteln ist im Gegensatz zu “Spiel mir das Lied vom Tod” keineswegs groß, sondern geradezu von erstaunlicher Werktreue. Die deutsche Übersetzung ist in ihrer Deutlichkeit oftmals verständlicher und eindeutiger als das Original. Interessant sind die letzten Worte HALs. Im Original singt er einfaches Liebeslied an Daisy, die ihn “crazy” macht. Die deutsche Version ist sogar noch anrührender. HAL singt “Hänschen klein”. Auch die Maschinen-Intelligenz war mal ein “Sternenkind”…

Weil “2001″ ein so ungewöhnlicher langsamer Film ist, beansprucht er die Aufmerksamkeit des hektischen modernen Menschen häufig über Gebühr. Man kann dieses Epos, von der Fahrt des Menschen aus dem Staub zu den Sternen, nicht öfters sehen, allenfalls um Original und deutsche Fassung miteinander zu vergleichen.

Kein nennenswertes Bonusmaterial, geschweige denn ein Kommentar lädt zur Auseinandersetzung mit dem Meisterwerk ein. Man kann nur hoffen, dass sich in dieser Hinsicht noch etwas verbessert und in der Zwischenzeit zu Kubrick-Sachbüchern und Biografien raten. Lediglich Bild und Ton sind vom Feinsten, nachdem sie “restauriert und digital überarbeitet” wurden, wie der Text auf der Verpackung besagt.

PRO: visuell und akustisch überragend, engagiert-kritische Aussage mit hoffnungsvollem Ausblick; OSCAR-prämierte Spezialeffekte von Douglas Trumbull & Co.

KONTRA: Schauspieler und Dialoge sind unwichtig; kaum Action; fehlendes Bonusmaterial.

(c) 2004 by Michael Matzer

Titel bei Amazon.de
2001: Odyssee im Weltraum (Special Edition, 2 DVDs)
2001: Odyssee im Weltraum [Blu-ray]
2001: Odyssee im Weltraum

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20 30 40: Liebe hin – Liebe her

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

20 30 40: Liebe hin – Liebe her (DVD)

- Darsteller: Anthony Wong, Sylvia Chang, Rene Liu, Angelica Lee
- Regie: Sylvia Chang
- Musik: Kay Huang
- Buch: Sylvia Chang
- Produktion: Hongkong / Taiwan / Japan 2004
- Label: Sony Pictures
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
• Bildformat: 16:9, 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 108 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 21. Juni 2005
DVD Features:
• Making of

Sylvia Chang’s Episodenfilm „20 30 40“ schildert die Geschichten von drei Frauen unterschiedlichen Alters. Angelica Lee („The Eye“) spielt die zwanzigjährige Xiao Jie, die aus der malaysischen Provinz in die taiwanesische Großstadt Taipeh kommt, wo sie eine Sängerkarriere starten will. Mit ihrer Gesangspartnerin Tong Yi (Kate Yeung) aus Hongkong bezieht sie ein Hotelzimmer und wartet bis ihr schräger Musikproduzent (Anthony Wong) damit fertig ist, ihr einen Song auf den Leib zu schreiben. Dabei entstehen zwischen den beiden Mädchen leichte homoerotische Spannungen…

Rene Liu spielt die dreißigjährige Stewardess Xiang Xiang, die in ihrem Leben viele Männer hat, aber damit nicht glücklich ist. Denn für ihre größtenteils verheirateten Gespielen ist sie nur die Geliebte…

Regisseurin Sylvia Chang spielt schließlich selbst die vierzigjährige Mutter Lily, die einen Blumenhandel betreibt und dabei eines Tages entdecken muss, dass ihr Mann eine zweite Familie hat, eine zweite Frau und ein zweites Kind. Sie lässt sich scheiden und stürzt sich um die Trennung zu verdrängen kopfüber ins Singleleben…

Das Besondere an Sylvia Changs Film liegt in der Vorbereitung. Sie hat ihre beiden Schauspielkolleginnen Angelica Lee und Rene Liu die Storys für ihren jeweiligen Charakter selbst entwickeln lassen und daraus mit ihrem Co-Autor Cat Kwan und ihrer Co-Autorin GC Goo Bi das Drehbuch gezimmert. Dadurch, dass eine Frau aus der jeweiligen Generation die Story für den jeweiligen Charakter schreiben ließ, wollte sie wohl eine möglichst hohe Authentizität erreichen.

Dies ist allerdings nur streckenweise gelungen. „20 30 40“ gerät zum Nachteil, dass die Autoren viel zu oft auf typische Klischees setzen, die Geschichten damit phasenweise vollpacken. Das schadet dem Film merklich und drängt viel zu oft die guten Ideen in den Hintergrund.

Man hat sich gar keine Mühe gegeben, die Geschichten zu verknüpfen. Zu Beginn werden alle drei Frauen am Flughafen von Taipeh vorgestellt, wo sie sich aus unterschiedlichen Motiven aufhalten. Zwischendrin kreuzen sich noch ein paar Mal ihre Wege, doch sie nehmen sich nicht gegenseitig wahr. Die Verbindung zwischen den Geschichten ist also eher auf der Storyebene zu suchen, dreht es sich doch im Endeffekt bei allen Geschichten um Liebe und Beziehungen.

Ein weiterer interessanter Bezugspunkt ist die Rolle des Telefons, vor allem des Handys. Dabei besitzt Letzteres nur eine der drei Frauenfiguren, nämlich Xiang Xiang, die dafür gleich eine ganze Reihe von Handys hat. Es scheint so als hätte sie für jeden ihrer Liebhaber ein eigenes Mobiltelefon. Lily hat zwar kein Handy, dafür hat ihr Mann aber eines. Es ist das Symbol für die Entfremdung der beiden, telefoniert ihr Mann doch die ganze Zeit während sie neben dran steht und zum Beispiel die schweren Koffer vom Band der Gepäckausgabe am Flughafen hebt. Xiao Jie, das Mädchen aus der Provinz, hat schließlich auch kein Handy, muss zum Telefonieren sogar in die Telefonzelle. Allgemein ist das Verhalten der drei Frauen, wenn sie telefonieren, wenn neben ihnen jemand telefoniert oder wenn Xiang Xiang das richtige Handys sucht (oder eins wegschmeißt), sehr interessant zu beobachten. Mimik und Gestik der Frauen sind hier meist ausdrucksstärker und vermitteln mehr als es viele Dialoge des Films schaffen.

Das liegt auch an der größten Stärke von „20 30 40“, den Darstellern. Durch die Bank weg agieren diese sehr lebensnah. Neben den Frauen überzeugen vor allem auch Tony Leung Ka Fai („Der Liebhaber“) und Anthony Wong in einer sehr schrägen Rolle als langhaariger Musikproduzent.

Die sicherlich vorhandenen positiven Aspekte schaffen es aber nicht „20 30 40“ zu dem starken Film zu machen, der er hätte werden können. Zu oft schlagen dann doch die Klischees zu, als zu belanglos erweisen sich einige Szenen. Eine Empfehlung kann trotzdem noch ausgesprochen werden, vor allem Frauen, die sich im Bereich der drei beschriebenen Generationen bewegen (und wohl auch die Zielgruppe des Films sind), könnten daran gefallen finden.

(c) 2005 by Björn Becher

Titel bei Amazon.de
20 30 40: Liebe hin – Liebe her
Liebe hin – Liebe her / 20:30:40 [ Spanische Fassung, Keine Deutsche Sprache ]

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