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Archiv für April 10th, 2009

DEAD MAN’S HAND ab 13.03.2009 im Verleih und im Handel ab 03.04.2009

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

DEAD MAN’S HAND ab 13.03.2009 im Verleih und im Handel ab 03.04.2009

Regie: Charles Band
Darsteller: Robin Sydney, Jessica Morris, Sid Haig u. a.

Als Erbe des Casinos seines verstorbenen Onkels reist Matthew Dragna mit seiner Freundin JJ (Robin Sydney) und einigen Freunden an den Stadtrand von Las Vegas, wo sie das heruntergekommene “Mysteria Casino” vorfinden. Doch die Reise nimmt eine furchterregende Wendung, als die Gruppe entdeckt, dass das Casino von den Geistern von Vegas-Gangster Roy “The Word” Donahue und seinem Kumpanen Gil Wachetta beherrscht wird. Matthew und JJ müssen plötzlich um ihr Leben und ihre Seelen kämpfen, denn die Geister fordern grausame Rache…

TECHNISCHE DATEN
Originaltitel: Dead Man’s Hand
Produktionsland + -jahr: USA, 2007
Genre: Horror
Ton DVD: Deutsch: DD 2.0
Bild DVD: 16:9 Widescreen
Laufzeit: ca. 80 Min.
FSK:18
Bestellnummer: 2006-414
EAN-Code: 4012020064142
Label: Marketing Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment

Titel bei Amazon.de
Dead Man’s Hand

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2 Singles in L.A.

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

2 Singles in L.A. (DVD)

- Darsteller: Sarah Jessica Parker, Jeanne Tripplehorn, Dylan McDermott
- Regie: Scott Winant
- FSK: 12
- Musik: Miles Goodman, Terence Blanchard
- Buch: Winnie Holzman
- Produktion: USA 1997
- Label: Concorde
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 109 Minuten
DVD Features:
• Trailer
• Hintergrundinfos

Liebeskomödien geringer Qualität überschwemmen oft die deutschen (und natürlich auch die internationalen) Kinos, umso verwunderlicher ist es, wenn ein Film wie „2 Singles in L.A.“ kurz vor der schon bekannt gemachten Kinopremiere im August 1997 zurückgezogen wird, und stattdessen nur auf Video und DVD veröffentlicht wird. Die Erwartungshaltung wird rapide heruntergeschraubt und man erwartet eigentlich nur noch einen vollends schrecklichen Filmen, und das obwohl (oder gerade weil) der Film mit vielen namhaften Darstellern aufwarten kann -, aber manchmal kann man sich da eben auch täuschen!

Nick (Dylan McDermott) und Gwen (Jeanne Tripplehorn) leben in Los Angeles, doch sie wissen nichts voneinander und das obwohl sie eine gemeinsam Vergangenheit haben: So wohnten sie im gleichen Ort, gingen auf die gleiche Schule und Nick rannte als 6jähriger Gwen einmal sogar über den Haufen, und sie gingen auch auf die gleiche Uni, wo sie wieder zusammenstießen. Eins von Nicks Architekturmodellen flog aus dem Fenster, und erschlug beinahe Gwen. Dabei verlor Gwen ein selbstgeschriebenes Gedicht, welches Nick tief berührte.

Sonst hat ihre Vergangenheit aber auch große Gegensätze: Gwen lebt in der perfekten Familie: Die Eltern sind beide wohlhabend, und Gwen bekommt jeden Abend vor dem Schlafen die Geschichte erzählt, wie ihre Eltern sich kennen lernten und sie träumt davon, dass dies ihr irgendwann auch einmal so passier mag. Ihre Beziehungen jedoch waren alle ein Fiasko! Einmal war der perfekte Mann plötzlich schwul, ein anderes mal ein arrogantes Arschloch, usw.

Nick kommt dagegen aus der alles andere als perfekten Familie: Seine Mutter hat zahlreiche Jobs um die Familie über Wasser zu halten, und sein Vater ist Alkoholiker. Inzwischen sind die beiden Mitte Dreißig und leben in L.A. und ihre Beziehung hat wieder einen gemeinsamen Nenner: Nick ist seit kurzem mit Francesca (Sarah Jessica Parker) liiert, dem ehemaligen Kinderstar aus Gwen und Nicks Lieblingsserie “Nur als Familie sind wir stark” und Gwen arbeitet seit neustem für Francesca als Ghostwriterin für deren Biographie.

Bald schon bekommen die beiden noch eine weitere Gemeinsamkeit: Gwen zieht in die paradiesische Siedlung “La Paradisa” und Nick bekommt als Architekt den Auftrag diese Siedlung abzureißen und dort ein neues Hochhaus zu errichten. Doch die Bewohner von “La Paradisa”, allen voran Gwen, wehren sich gegen den geplanten Abriss: Gwen schreibt Leserbriefe an eine Zeitung, welche Nick liest und dabei verliebt er sich in die anonyme Schreiberin der Leserbriefe.

Aus diesem Grund geht er nach La Paradisa, lernt dort die Nachbarin von Gwen Harriet (Alice Drummond) kennen, die schon seit den 30er Jahren in “La Paradisa” lebt. Über sie erfährt er, wer “La Paradisa” gebaut hat, seine ehemalige, mittlerweile verstorbene Lehrerin Sophia Monroe (Nina Foch). Schliesslich er auch gegen die Zerstörung von “La Paradisa”. Er beschliesst dagegen zu kämpfen und kommt dadurch auch seinem Vater wieder näher, mit dem er seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen hat.

Gwen muss währenddessen erkennen, dass die Beziehungen in ihrem Umfeld alle gar nicht so toll sind, wie sie dachte: Ihre Eltern etwa haben sich nie geliebt; ihre beste Freundin Debbie (Jennifer Aniston) hat Probleme mit ihrem Ehemann, usw. usf.

“2 Singles in L.A.” ist fast ein Episodenfilm, bestehend aus nur zwei Episoden. Der Film erzählt die Geschichte von zwei Menschen, von Kindheit an, und der Zuschauer weiß von Anfang an, dass diese beiden zusammenkommen werden, doch bis dahin ist es ein weiter Weg, und dieser ist teilweise überraschend unterhaltsam gestaltet. Vor allem der erste Teil des Films, der in der Kindheit der Beiden spielt, ist köstlich.

Regisseur Scott Winant setzt gleich zu Beginn ein Stilmittel ein, dass er immer wieder gebrauchen wird: er lässt die eine Person einen Satz beginnen, welchen dann der/die andere beenden wird. So sitzen die beiden vorm Fernseher, unterschiedlicher wie sie kaum sein können, Gwen auf der einen Seite in einem schönen Haus, zusammen mit ihren Eltern, Nick auf der anderen Seite, in einem Dreckloch mit dem besoffenen Vater im Hintergrund, und beide sind glücklich, wenn sie ihre kitschige Serie schauen, über einen alleinerziehenden Vater von 3 Mädchen und eine alleinerziehende Mutter von 3 Jungen, die sich dann beide ineinander verlieben.

Und dann geht es weiter zur Studentenzeit der beiden, Nick als aufstrebender Architekt, der mit Frauen einfach nur ins Bett geht, Gwen als hoffnungsvolle Literaturstudentin, die sich nach dem Mann fürs Leben sehnt. Erst dann kommt der Film in der Gegenwart an, nach ca. einer halben Stunde!

Diese halbe Stunde zu Beginn ist äußerst amüsant, amüsanter als man es, wenn man die Vorgeschichte kennt (zu schwach fürs Kino) von der stärksten Szene des Films erwarten würde. Nur danach in der “Gegenwart” flacht der Film etwas ab: Vielleicht liegt, dass daran, dass Gwen und Nick sich von nun an kein einziges mal mehr treffen, bis auf den großen Moment fünf Minuten vor Ende des Films, aber es liegt wohl eher an der Unterschiedlichkeit der Rollen und Schauspieler.

Auf der einen Seite ist da ein brillanter Dylan McDermott als Nick. McDermott hat den großen Vorteil, dass er einen komplizierten, vielschichtigen Charakter hat und eine ideale Partnerin, die ebenfalls überragend spielende Sarah Jessica Parker. Diese beiden sorgen für Genuss, sogar phasenweise Hochgenuss.

Auf der anderen Seite hat Jeanne Tripplehorn als Gwen einen sehr schweren Stand dagegen. Dabei muss sie vor allem darunter leiden, dass ihr genau die Vorteile von McDermott fehlen, und so zu Nachteilen werden. Der Charakter der Gwen vereinigt zu viele schlechte Klischees in sich, der Charakter ist auch einfach nicht so interessant, wie der von Nick gestaltet und ihr fehlt ein Partner bzw. Partnerin, wie sie McDermott mit Parker hat.

Tripplehorn zur Seite sollte da wohl Jennifer Aniston stehen, aber diese ist ein Totalausfall. Das liegt mitunter daran, dass die Szenen mit ihr, fast auf ein Minimum beschränkt sind, aber sogar dieses Minimum hätte man weglassen können.

Die Seite von Gwen wird erst interessant als Gwen immer besseren Kontakt zu ihrer Nachbarin Harriet bekommt. Diese wird von Alice Drummond gespielt, die der heimliche Star des Films ist. Sie spielt die alte, senile Schrulle äußerst herzerwärmend, ihr kommt die wichtige Rolle zu: die Brücke zwischen Gwen und Nick wird, und sie sorgt auch für viel Komik, und ihr Tod ist dann die bewegendste Szene des Films.

Von den Schauspielern und Personen etwas in den Hintergrund gerückt wird leider die recht maue Story: Natürlich kommen die beiden am Ende zusammen, das weiß man, aber das sieht man natürlich auch nicht als Kritikpunkt an. Trotzdem ist das Ende recht schwach, geht einem der Sprung vom ersten Kuss, zur nächsten Szene, in der beide ihrer sechsjährigen Tochter die Geschichte des Kennenlernens erzählen, dann doch etwas zu schnell. Schade ist vor allem, dass man von dem Ende von “La Paradisa” nur in einem Satz erfährt, nämlich nur den, als die Tochter fragt, was daraus wurde und Gwen antwortet, es wurde abgerissen.

Dies ist dann für den Zuschauer ein herber Schlag, denn damit rechnet man sicher nicht, und so hat das Ende auch etwas überraschendes, aber etwas unnötig überraschendes und unverständlich überraschendes.

“La Paradisa” wird dem Zuschauer nämlich wie der Name schon sagt, als Paradies präsentiert. Eine Siedlung, wie ein Traum, außen die Häuser, innen ein geräumiger Innenhof mit einem Brunnen, die Bewohner sind alle entweder ganz alt und wohnen seit 60 Jahren dort, oder ganz junge ausgeflippte Musiker und Hippies. Alle wohnen perfekt zusammen, feiern gemeinsame Feste, helfen sich gegenseitig, das Paradies auf Erden also und auch so gebaut. Jede Wohnung sieht von außen und innen wunderschön außen, ein paradiesischer Garten, usw. Das ganze wird dermaßen übertrieben paradiesisch dargestellt, dass es einfach a) nicht passt, dass es am Ende abgerissen wird und b) kein Mensch, selbst der raffgierigste und kapitalistische Unternehmer nicht abreißen würde, dazu wurde es ja auch noch von der größten und bedeutendsten Architektin Los Angeles gebaut.

Dieser Punkt dürfte damit das wohl grösste Manko des Film darstellen und man fragt sich, warum man ein solches Ende gewählt hat, oder warum die Siedlung so übertrieben paradiesisch dargestellt wurde.

Insgesamt kann man den Film aber durchaus empfehlen, es ist sicher kein Meisterwerk, dafür fällt die eine Episode gegenüber der anderen zu stark ab, er ist aber dennoch ein schöner Liebesfilm, der zwar einige Macken hat, aber den man als kurzweilige Kost sicher gut genießen kann, vor allem als Fan des Genres. Sechs von zehn Punkten!

(c) 2003 by Björn Becher

Titel bei Amazon.de
2 Singles in L.A.
2 Singles in L.A.

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13 Geister

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

13 Geister (DVD)

- Darsteller: Tony Shalhoub, F. Murray Abraham, Kathryn Anderson
- Regie: Steve Beck
- FSK: 16
- Musik: John C. Frizzell
- Buch: Neal Marshall Stevens, Richard D’Ovidio
- Label: Columbia TriStar
Zusatzinformationen:
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 87 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 20. August 2002
• Produktion: 2001
DVD Features:
• Verschiedene Trailer, Filmdokumentationen, Making Of
• Filmkommentar: Regisseur, Filmografien

In den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern gab es einen einfallsreichen Regisseur und Produzenten namens William Castle. Er drehte 1960 das Original, auf dem dieses Remake basiert. Allerdings war er wesentlich subtiler und ideenreicher als die Macher dieses Teenhorrormovies. Zu den Machern zählt immerhin “Matrix”-Produzent Joel Silver.

Die Familie Kriticos wird schwer vom Schicksal gebeutelt: Bei einem verheerenden Brand geht der gesamte Besitz in Flammen auf. Obendrein kommt Mutter Jean im Feuer um. Der Familienvater Arthur (Shalhoub) ist zu Recht etwas gebrochen.

Da kommt die Nachricht von einer Erbschaft gerade recht: Ein entfernter Onkel Arthurs ist kürzlich unter mysteriösen Umständen gestorben und hinterlässt ihm ein prunkvolles Haus mit Wänden, die vollständig aus Glas sind. Voll Begeisterung zieht Arthur mit seinen Sprösslingen Kathy (Sh. Elizabeth) und Bobby (Roberts) mitsamt dessen Kindermädchen in das neue Heim.

Doch die Freude währt nur kurz. Die Wände verschieben sich und sind von mystischen Schriftzeichen bedeckt. Wer weiß, was das für Beschwörungen sein mögen. Im Innersten des Heims, das sich nun als Todesfalle erweist, steht ein sonderbarer Mechanismus, der Ähnlichkeit mit einer astronomischen Vorrichtung hat und rasch ein Eigenleben entwickelt.

Schnell kommt die arme Familie mitsamt ihrem Makler hinter das grausige Geheimnis des Anwesens. Onkel Cyril hatte nicht nur mehr als eine Leiche im Keller, sondern auch nicht mehr alle Tassen im Schrank. Einer nach dem anderen tauchen 13 Geister auf, die einem von Cyrils Büchern entstammen. Und sie haben nichts Gutes im Sinn…

Dem Regisseur Steve Beck gelang einerseits ein spannungsgeladenes und effektreiches Remake des Castle-Horrorklassikers “Thirteen Ghosts” von 1960 – dazu bietet die DVD ein Feature.

Allerdings handelt es sich bei dem Film auch um plattes Effektekino, das subtilere Momente nicht zulässt. Hier folgt der Horror Schlag auf Schlag, so dass dem Zuschauer keine Atempause bleibt. Schon bald ergibt man sich betäubt der Materialschlacht auf dem Bildschirm und ist froh, wenn’s vorbei und 99 Prozent der Figuren tot sind.

Was sich zu einem kognitiven Rätsel à la “Alien” hätte entwickeln können, wurde den Interessen des Teen-Horror-Movies vom Schlage “Screams” geopfert. Nur dass hier noch mehr Typen herumlaufen, die aussehen wie Freddy Krueger nach einer Auseinandersetzung mit der “Königin der Verdammten”.

Der Effekte-Overkill bereitet der gar nicht so dummen Grundidee schon bald den Garaus. Dies dürfte auch dazu dienen, die mangelnde Logik der Handlung zu überdecken. Schon bald gehen einem die kreischenden Teens auf den Wecker. Onkel Cyril tritt als Reinkarnation des fabelhaften Vincent Price auf und enttäuscht auf der ganzen Linie.

Die DVD bietet lediglich Mittelmaß: eine knappes Making-of, Regisseurkommentar und Backgroundinfos zum Original des Remakes. Das ist etwas dürftig, könnte aber für Actionfans und Horrorfreaks gerade noch ausreichend sein.

(c) 2002 by Michael Matzer

Titel bei Amazon.de
13 Geister
13 Geister [Blu-ray]

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12 Uhr mittags – High Noon

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

12 Uhr mittags – High Noon (DVD)

- Darsteller: Gary Cooper, Grace Kelly, Thomas Mitchell
- Regie: Fred Zinnemann
- FSK: 12
- Musik: Dimitri Tiomkin
- Buch: Carl Foreman
- Produktion: USA 1952
- Label: Kinowelt
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch, Englisch
• Untertitel: Deutsch
• HiFi Sound, Dolby, PAL
• Laufzeit: 85 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 1. Oktober 1999
DVD Features:
• Trailer
• Infos als Film zu Fred Zinnemann
• Filmmusik
• Bewegtes Bild als Hintergrund des Menüs (Diamondedition)

VORSICHT! SPOILER!

„Do not forsake me, oh my darlin’
On this, our weddin’ day
Do not forsake me, oh my darlin’
Wait … along

The noon day train will bring Frank Miller
If I’m a man I must be brave
And I must face a man who hates me
Or lie a coward, a craven coward
Or lie a coward in my grave.“ (1)

Der Blick fällt auf eine in düsteren, teilweise grellen Schwarz-Weiß-Grau-Tönen sich darbietende Landschaft. Tristesse. Drei Männer nähern sich einem unbedeutenden Nest namens Hadleyville, irgendwo. Es ist ca. 10 Uhr morgens. Jack Colby (Lee van Cleef), Pierce (Robert J. Wilke) und Ben Miller (Sheb Wooley) reiten durch Hadleyville. Jeder kennt sie. Vor allem aber kennt jeder Einwohner den, der gerade nicht in die Stadt reitet, Frank Miller (Ian MacDonald), auf den die drei anderen warten. Frank Miller soll mit dem Zug um 12 Uhr in Headley eintreffen. Frank Miller ist ein verurteilter Mörder, der aus unerfindlichen Gründen begnadigt wurde. Frank Miller wurde vom Marshal der Stadt, Will Kane (Gary Cooper), vor Jahren gefasst. Und Will Kane gilt der Besuch Frank Millers. Jeder in der Stadt weiß das, als die drei Ganoven auftauchen. Und jeder weiß, dass sich Miller an Kane rächen will.

Ein klassischer Western? Nein, beileibe nicht. Fred Zinnemann (1907-1997), der aus Österreich stammende Regisseur, der noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in die USA ging, war eher ein Ausnahmeregisseur in den heiligen Hallen von Hollywood. Bekannt wurde Zinnemann mit „Das siebte Kreuz“ (1944) nach dem berühmten Roman Anna Seghers, später mit Filmen wie „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953), „Oklahoma!“ (1955), „Der alte Mann und das Meer“ (1958), „Geschichte einer Nonne“ (1959), „Der Schakal“ (1973) und „Julia“ (1977), seinem vorletzten Film.

„Oh, to be torn ‘tweenst love and duty
S’posin’ I lose my fair-haired beauty
Look at that big hand move along
Nearin’ high noon

He made a vow while in state prison
Vowed it would be my life or his’n
I’m not afraid of death but oh
What will I do if you leave me?“ (1)

„High Noon“ ist in jeder Hinsicht ein Ausnahme-Western. Wir sehen keine blühenden Landschaften eines glorifizierten Westens und glorifizierenden Westerns, keine furchtlosen Helden ohne Schwächen, keine lustigen Nester, keine „typisch“ amerikanische Nach-Siedler-Generationen, die sich in Furchtlosigkeit vor den Gefahren zusammenschweißt und ihre Führer (längst) auserwählt (hat). Alles läuft anders ab, sieht anders aus und geht anders aus als etwa in Howard Hawks „Rio Bravo“ (1959), in dem John Wayne – der „High Noon“ als „unamerikanisch“ bezeichnet haben soll – die „uramerikanischen Werte“ verteidigt, ohne dass Hawks allerdings sämtliche Register des Pathos ziehen würde (was „Rio Bravo“ wiederum zu einem ansehnlichen Exemplar des Genres werden lässt).

Gary Coopers Marshal Kane hatte Hadleyville von Banditen gesäubert und alle sind ihm dankbar. Jetzt, als die drei Ganoven die Stadt betreten, will Kane, der gerade die um Jahrzehnte jüngere Amy (Grace Kelly) heiratet, die Stadt verlassen. Morgen soll der neue Marshal kommen. Und mit dem üblichen Hochzeittrara verlässt das glückliche Paar mit dem Pferdewagen die Stadt. Kane weiß, dass Miller um 12 Uhr ankommen wird – und kehrt um. Amy versteht nicht warum, vielleicht will sie es auch nicht verstehen, und will aus Protest gegen ihren Mann just mit dem Zug, mit dem Miller kommen wird, wegfahren.

Zinnemann passte die Laufzeit des Films fast exakt der Zeit der Handlung an. Aus knapp zwei Stunden, zwischen kurz nach 10 Uhr und 12 Uhr mittags, wurden 85 Minuten Film. Und in diesen knapp zwei Stunden enthüllt sich derart viel an Schwächen und Verhaltensweisen, das Zinnemann (bewusst) auf die üblichen Stilmittel des Genres weitgehend verzichten konnte. Für ihn war nach eigener Aussage der Western nur die Hülle, unter der sich vor allem Feigheit und Verrat, Gemeinschaft in Worten, aber Einsamkeit in der Tat entblößten.

Kane, der als Marshal weiß, was zu tun ist, der als Mensch aber gleichzeitig eher zurückhaltend, fast schüchtern wirkt, ist gewissenhaft. Er bräuchte nicht zurückkehren, sein Job ist erledigt. Nur ein schlafender Betrunkener, ein Stammgast, liegt noch in der Zelle (Jack Elam). Morgen kommt sein Nachfolger.

Morgen. Eben – erst morgen. Und deshalb kehrt Kane zurück, deshalb, und weil Frank Miller wegen ihm kommt, schließlich weil Frank Miller die Zustände wieder herbeiführen könnte, unter denen Hadleyville zu einem Gemisch aus Kriminalität und Vergnügung verkommen war. Im Saloon, in dem er Hilfssheriffs anheuern will, machen ihm die anwesenden Männer dies mehr als deutlich.

„Do not forsake me, oh my darlin’
You made that promise when we wed
Do not forsake me, oh my darlin’
Although you’re grievin’
I won’t be leavin’
Until I see Frank Miller dead

Wait along, wait along
Wait along
Wait along.“ (1)

Wir erleben Hadleyville als eine Art zeitlichen Knotenpunkt: Leute werden kommen, andere gehen oder wollen gehen, der Marshal will eigentlich weg, aber der andere ist noch nicht da, Kane hat sein Junggesellendasein aufgegeben und geheiratet.
Kane sucht nun die, denen er bislang geholfen hat. Und er findet keinen. Sein Deputy Harvey (Lloyd Bridges) spielt den „Vernünftigen“ und legt seinen Stern ab, will, dass Kane die Stadt verlässt und schüttet sich mit Whisky voll. Alle wollen, dass Kane geht. In der Kirche sucht Kane Hilfe. Doch Bürgermeister Henderson (Thomas Mitchell) beendet seine flammende Rede auf den besten aller Marshals mit demselben Rat: Kane, mach dass du fortkommst. Der Richter (Otto Kruger) sattelt sein Pferd und verschwindet. Und selbst der andere Deputy Herb (James Millican), der Kane anfangs, um kurz nach 10 Uhr, noch helfen wollte, flüchtet in seine vier Wände, als er von Kane hören muss, er habe niemanden sonst gefunden, um gegen Miller zu kämpfen. Ein anderer (Harry Morgen lässt sich, als Kane kommt, von seiner Frau (Eve McVeagh) verleugnen.

Der Schweiß steht Kane auf der Stirn. Aber nicht die Hitze macht ihm vor allem zu schaffen, sondern die Angst, gegen Miller und seine drei Helfershelfer allein dazustehen. Die Angst und die Enttäuschung, die bittere Enttäuschung über Menschen, die sich in ihren Häusern verbarrikadieren. Es wird ruhig in Hadleyville. Auch Kanes Ex-Freundin Helen Ramirez (Katy Jurado) packt ihre Koffer – ob aus Angst, Feigheit oder einfach Enttäuschung über die Einwohner des Ortes und vor allem über ihren Freund Harvey? Wenn sie Kanes Frau wäre, würde sie ihn nicht im Stich lassen, sagt sie Kanes Frau Amy ins Gesicht, die nur an ihre Ehe zu denken scheint, aber nicht an ihren Mann. Warum helfe sie dann Kane nicht, fragt Amy. Sie sei nicht Kanes Frau, pariert Helen.

Als selbst der Vorgänger Kanes, Martin Howe (Lon Chaney Jr.) Kane dazu rät, die Stadt schleunigst zu verlassen, weiß der Marshal, woran er ist. Er bereitet sich vor, muss noch eine Schlägerei mit Harvey überstehen, der ihn zwingen will zu gehen.

Gary Coopers Marshal ist so allein, wie man nur allein sein kann. Er ist bei sich, ganz bei sich. Er bleibt, trotz Angst und Enttäuschung, ja Verbitterung, überlegt, und handelt bis zum bitteren Ende seinem Gewissen folgend. Und dieses Ende ist nicht die erneute Herrschaft Frank Millers über die Stadt, nicht der Sieg Kanes über die vier Gestalten, nicht die wiedergewonnene Sicherheit in Hadleyville. Kane verlässt die Stadt. Seinen Marshal-Stern wirft er den Einwohnern vor die Füße in den Sand.

Düsterer kann man einen Western kaum drehen. Düsterer kann man aber vor allem kaum eine Atmosphäre einfangen, in der sich unter der brüchigen Oberfläche von vermeintlicher Ehre und Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Gemeinschaft, Mut und Entschlossenheit etwas ganz anderes offenbart: Feigheit, Egoismus und letztlich auch Verrat. Ein ganzer Ort hat sich gegen Kane verschworen, der seine Einwohner vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Erst im letzten Moment und in einer einzigen Person offenbart sich ein Fünkchen Hoffnung, als Amy zur Waffe greift und einen der Banditen tötet.

Fred Zinnemann drehte „High Noon“ in einer Zeit, in der ein amerikanischer Senator namens McCarthy sich mit anderen anschickte, „unamerikanische Umtriebe“ zu bekämpfen. Das entsprechende Komitee, dem vor allem Intellektuelle, auch Filmschaffende wie der Schauspieler Lloyd Bridges, Drehbuchautor Carl Foreman und Floyd Crosby, der den Film fotografierte, zum Opfer fielen, war eine Institution der modernen Hexenverfolgung. Man sah überall Kommunisten und wollte sie überall sehen. Vor allem Foreman sah in „High Noon“ einen visuellen Gegenschlag gegen diese organisierte Verfolgung. Der gesichtlose Frank Miller, der erst ganz am Schluss des Films in Erscheinung tritt, und seine ebenfalls konturenlosen drei Kumpane waren für Foreman so etwas wie ein Symbol für das Komitee McCarthys.

Zinnemann selbst äußerte sich in einem Interview, das Charlotte Kerr 1982 mit ihm führte und auf der DVD zu finden ist, scheinbar zurückhaltender. Für ihn sei „High Noon“ nicht auf eine spezielle politische Situation zugeschnitten gewesen. Die Handlung hätte genauso gut in einer anderen Zeit und an anderem Ort spielen können.

Wertung: 10 von 10 Punkten.
Prädikat: besonders wertvoll.

(1) Do Not Forsake Me, Album: Frankie Laine’s Greatest Hits (Ned Washington / Dimitri Tiomkin) Frankie Laine – 1952 Tex Ritter.

(c) 2004 by Ulrich Behrens

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12 Uhr mittags – High Noon
12 Uhr mittags High Noon / Arthaus Premium (2 DVDs)

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11:14

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

11:14 (KINOFILM)

- Darsteller: Ben Foster, Rachael Leigh Cook, Henry Thomas, Shawn Hatosy, Barbara Hershey, Patrick Swayze, Hilary Swank, Colin Hanks
- Regie: Greg Marcks
- Musik: Clint Mansell
- Buch: Greg Marcks
- Produktion: USA 2003
- Label: 3L
Zusatzinformationen:
O-Titel: 11:14
Produktionsfirmen: MDP Worldwide, Firm Films
Produzenten: John Morrissey, Beau Flynn
Ausf. Prod.: Mark Damon, Sammy Lee, Stewart Hall, Raju Patel, Tripp Vinson, Hilary Swank, Jeff Kwatnetz, David Scott Rubin
Kamera: Shane Hurlbut
Schnitt: Dan Lebental, Richard Nord
Produktionsdesign: Devorah Herbert
Kostüme: Christopher Lawrence
Herstellungsleitung: Bonnie Weis
Casting: Mary Vernieu, Felicia Fasano
Kinostart: 1. September 2005
Laufzeit: 86 Min.
FSK: ab 16 Jahre
Bildformat: 35 mm/1:1,85
Tonformat: Dolby-SRD
Einspielergebnis D: € 229.259 / Bes. (EDI) 46.030 Charts-History

Noch dauert es 46 Minuten bis die Kirchturmuhr Mitternacht schlägt – doch bereits jetzt um 23:14 Uhr sollen zwei Schläge des Schicksals dafür sorgen, dass sich das Leben von sieben Kleinstädtern grundlegend verändern wird. Zwei werden tot sein. Einer wird ein wichtiges Körperglied vermissen. Und drei werden sich in Polizeigewahrsam befinden. Wie es zu all dem Schlamassel kommen konnte? Das erzählt Regie- und Drehbuchdebütant Greg Marcks in fünf separaten Episoden, die zusammengesetzt das Rätsel einer ereignisreichen Nacht entschlüsseln.

Alles beginnt mit einem angetrunkenen Autofahrer, der noch fröhlich mit seiner Freundin telephoniert. Doch für diese unachtsame Fahrweise bekommt er schon wenige Sekunden nach dem Auflegen seine Lektion: Nachdem er unter einer Brücke hindurchgefahren ist, kracht eine Leiche auf seine Windschutzscheibe. Die erste der Episoden gehört gänzlich Henry Thomas, der einst als „E.T.s“ Freund berühmt geworden ist. Völlig verzweifelt versucht er seinen Unglücksfall zu vertuschen. Ist entsetzt als eine überfürsorgliche Barbara Hershey [u.a. „beaches / Freundinnen“] ihm unbedingt einen Gefallen tun möchte und die Polizei alarmiert.

Schon diese ersten Minuten des Filmes, der bereits mit vielversprechenden Opening-Credits [die Namen fahren wie Autos über Straßen] eröffnet worden ist, bietet einiges an bitterbösem Humor – was mit unter auch ein Verdienst des gut aufspielenden Henry Thomas ist. Seine verzagten Blicke, wenn er die Leiche vor der Polizei in seinem Kofferraum verstecken will, sind einfach köstlich und werden großartig von der Score Clint Mansells [u.a. „pi“ und „requiem for a dream“] ergänzt. Entgegen der düsteren Situation sind die Melodien, die sich durch den gesamten Film ziehen, fröhlich beschwingt – und würzen so die Handlungen der kopflos agierenden Charaktere mit beißendem Spott.

Nachdem in der ersten Episode schon kleinere Hinweise auf den Verlauf der anderen Schicksale gelegt worden sind, darf in der nächsten Folge Colin Hanks [„Roswell“] mit seinen Freunden Ben Foster [u.a. „Liberty Heights“ und demnächst „X-Men 3“] und Stark Sands Chaos auf den Straßen der friedlichen Kleinstadt verbreiten. Sie bewerfen entgegenkommende Autos mit alten Früchten, pinkeln aus dem Fenster – und überfahren dabei um 23:14 Uhr versehentlich ein junges Mädchen.

Patrick Swayze hingegen plagen andere Nöte. Er befürchtet, dass seine Tochter eine schwerwiegende Dummheit begangen hat und versucht nun hinter deren Rücken mit allen Mitteln die Spuren zu verwischen. Als äußerst nachteilhaft für seine eigenwilligen Problembewältigung erweist sich jedoch der Familienhund, der äußerst gerne an den ungewöhnlichsten Dingen schnuppert und nicht annähernd aufs Wort hört.

Dann gibt es noch die zweifache Oscar-Gewinnerin Hilary Swank [„boys don’t cry“ und „million dollar baby“], die mit einer Zahnspanne das klassische Dorfdummchen gibt und bei ihrer Schicht im örtlichen Supermarkt von ihrem besten Freund besucht wird. Eigentlich keine besondere Situation – aber Shawn Hatosy [u.a. „the faculty“ und „the cooler“] befindet sich in akuter Geldnot und schlägt aufgrund dessen vor, dass er sie kurz vor Ladenschluss überfallen sollte.

Was Rachael Leigh Cook [das hässliche Entlein aus „she’s all that / eine wie keine“] letztlich noch in der letzten Episode erleben wird, soll hier nicht verraten werden. Denn spätestens in den letzten Minuten des Filmes ergeben die Überkreuzungen der einzelnen Handlungsstränge ein Gesamtbild, das eine äußerst makabere Spielweise des Schicksals präsentiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hinterlässt die gesamte Schauspielerriege einen äußerst starken Eindruck.

Obgleich ihre Rollen nur auf fünfzehnminütige Auftritte angelegt worden sind, bieten sie dem Zuschauer allesamt sehr ordentliche Leistungen. Aus der Masse der namhaften Stars ragt ein weiteres Mal – und wen sollte das noch verwundern – Hilary Swank heraus. Ihr Auftritt als Dummchen ist einfach toll. Sie verzieht trotzig die Schnute wenn ihr bester Freund von seinen Plänen erzählt. Ist äußerst amüsant, wenn sie mit der Pistole des möglichen Räubers herumspielt und einfach tierisch glaubhaft, wenn sie an der ein oder anderen Stelle beteuert, dass sie einfach nicht lügen kann.

Der zweifachen Oscar-Gewinnerin kann eigentlich in diesem Maße nur noch Patrick Swayze das Wasser reichen. Und das ist nach seinem feinen Nebenrollenauftritt in dem Kultfilm „Donnie Darko“ ebenso wenig überraschend, so dass er befreit von dem verblassten Starrummel nun einen leicht trotteligen Vater gibt, der herzhaft mit seinem Hund kämpfen kann.

Aber auch ohne die überzeugend aufspielenden Darsteller wäre man bei „11:14“ auf seine Kosten kommen, denn Greg Marcks schafft in seinem „Memento“-verwandten Episodenwerk eine großartig schräge Kleinstadtatmosphäre. Bevölkert wird das verschlafene Middleton mit köstlich überspitzten Charakteren, deren einzelne Abenteuer immer nur einen kleinen Eindruck der Gesamtgeschehnisse bieten. So leidet man teilweise zunächst mit den Figuren mit, hofft, dass sie unter dem enormen Druck doch nicht derartig falsche Entscheidungen – nur um dann in einer anderen Episode zu erkennen, dass diese eigentlich nur eine „gerechte“ Strafe für ihre Schandtaten erhalten hat.

Letzten Endes hätte Marcks sicherlich seinen Film nicht derartig kurz halten müssen – schließlich sind seine Charaktere äußerst interessanten und in gewissem Maße liebenswert. Aber in diesen fünfundachtzig Minuten kann man sich nun sicher sein, dass jede erwähnenswerte Figur ausreichend Raum erhält um ausreichend charakterisiert zu werden – und um darauffolgend deren Schicksal punktgenau darstellen zu können.

Fazit – A dark comedy with killer timing
Gewürzt mit pechschwarzem Humor ist „11:14“ ein starkes Regiedebüt geworden, das den ein oder anderen Paukenschlag bereithält und erst im herrlich inszenierten Finale seine ganzen Verzwickungen offen legt. Somit ein kleiner aber feiner Geheimtipp, der trotz verspäteter Kinoauswertung [Weltpremiere feierte der Film bereits 2003 auf dem FantasyFilmFest] nicht übersehen werden sollte.

(c) 2005 by Jens Hamp

Titel bei Amazon.de
11:14 – elevenfourteen [Blu-ray]

11:14 – elevenfourteen

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11′09”01 – September 11

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

11′09”01 – September 11 (KINOFILM)

- Darsteller: Maryam Karimi, Emmanuelle Laborit, Jérôme Horry
- Musik: Alexandre Desplat
- Produktion: F, GB 2002
- Label: Galatée Films, Studio Canal
Zusatzinformationen:
Regie:
Youssef Chahine (Episode “Egypt”)
Amos Gitai (Episode “Israel”)
Alejandro González Iñárritu (Episode “Mexico”)
Shohei Imamura (Episode “Japan”)
Claude Lelouch (Episode “France”)
Ken Loach (Episode “United Kingdom”)
Samira Makhmalbaf (Episode “Iran”)
Mira Nair (Episode “India”)
Idrissa Ouedraogo (Episode “Burkina Faso”)
Sean Penn (Episode “USA”)
Danis Tanovic (Episode “Bosnia-Herzegovina”)
Künstlerischer Produzent: Alain Brigand, Séquence 19. Productions
Co-Produzent: Jacques Perrin, Nicolas Mauvernay
Ausführender Produzent: Jean de Trégomain
Bildträger/Projektion: 35mm
Ton: Dolby SR
Bildformat: 1 : 1,85
Länge: 130 Minuten

Trauer, Wut, Unverständnis, Ohnmacht, Bilder, die man nie vergessen wird. Bilder, in Sekundenschnelle um die Welt gejagt, schneller als die Türme fielen, viel schneller, als irgend jemand überhaupt begreifen konnte. Bilder auch von einem amerikanischen Präsidenten, der bis heute nichts, aber auch gar nichts begriffen hat, Bilder von europäischen Politikern, die ebenso wenig begriffen haben, und wir selbst, die wir nicht begreifen können, ob wir wollen oder nicht. Geschichte, die verkommt zu einer Aneinanderreihung von Ideologemen und Illusionen, Interessen und Intrigen, Verschleierung und Vergessen.

Der 11. September 2001 war für den französischen Produzenten Alain Brigand Ausgangspunkt für ein Projekt, das in jeder Hinsicht gewagt war. Elf Regisseure aus elf Ländern sollten jeweils einen Kurzfilm von 11 Minuten 9 Sekunden und einem Bild produzieren, keine Reproduktion der Bilder von den einstürzenden Türmen, aber ohne irgendwelche weiteren Vorgaben. Ein Risiko wie jede Stellungnahme zum 11. September 2001. Einzeln betrachtet wird man die Kurzfilme unterschiedlich bewerten. Der eine ist besser als der andere, der x-te kommt einem näher als der davor. Einzeln betrachtet bleibt jeder der elf Filme ein Problem, ein größeres oder ein kleineres. Das, was Brigand und seinen Kompilationsfilm zu einem wertvollen und beeindruckenden Werk macht, ist die Gesamtschau. So unterschiedlich jeder einzelne Film sein mag, so überwältigend ist der Blick auf ein “Wir” – so viel beschworen nach dem Terroranschlag -, das sich jeder dünnen Fassade, jeder Politiker-Beschwörung von einer nebulösen “uneingeschränkten Solidarität” und ähnlichen Geisterformeln widersetzt. Ein “Wir”, das in seiner Vielfalt mehr ist als die Summe seiner “Ichs”, aber letztere eben nicht in sich aufgehen lässt.

Der Rezensent wird nun den Inhalt der elf Kurzfilme wiedergeben. Das schadet der Sicht des Kompilationsfilms nicht. Denn die elf Filme sprechen für sich eine Sprache, die durch Worte kaum wiedergegeben werden kann.

Es gibt Anklagen und Selbstgerechtigkeit in einigen der elf Filme, etwa wenn der Ägypter Youssef Chahine einen Regisseur (sich selbst) in dessen Phantasie mit einem in Beirut 1983 gefallenen amerikanischen GI und einem palästinensischen Selbstmordattentäter konfrontiert. Die Anklage gegen die US-Politik ist hier überdeutlich formuliert. Ebenso überdeutlich wird sein israelischer Kollege Amos Gitaï, der eine Journalistin in Tel Aviv zeigt, die in hysterischer Weise versucht, von einem Selbstmordattentat zu berichten, und nicht begreift, dass die Medien sich voll auf die Ereignisse in New York stürzen, den Fall der Twin Towers. Die Botschaften beider Filme sind zu eindeutig. Und trotzdem realisieren sie ein Stückchen Wahrheit, nicht für sich genommen, aber im Kontext der Kompilation.

Auch Mira Nair aus Indien verfällt in die Falle der Überdeutlichkeit, wenn sie eine in New York lebende Mutter pakistanischer Herkunft in ihrer Verzweiflung zeigt, weil ihr Sohn verschwunden ist, der zudem von den Behörden der Teilnahme an dem Terroranschlag beschuldigt wird. Monate später findet man die Leiche des jungen Mannes, der an Grand Zero helfen wollte und dabei ums Leben kam.

Ken Loach steht in der Gesamtschau der Filme eher in einer vermittelnden Position hin zu einer eher individuellen, fast privaten Perspektive, die aber ihrer politischen Eindeutigkeit nicht beraubt ist. Ein in London lebender Chilene schreibt am 1.9.2001 einen Brief an die Hinterbliebenen der Opfer und erinnert sich an den 11. September 1973, dem Tag, als Salvador Allende durch einen Putsch der Generäle unter Pinochet gestürzt und ermordet wurde. Loach lässt keinen Zweifel daran, wie er die Dinge beurteilt. Und die Fakten sprechen für seine Sicht. Nixon und Kissinger hatten schon Monate vor dem Putsch versucht, Allende in die Knie zu zwingen und etliche Millionen Dollar samt CIA zur Verfügung gestellt. Das Ergebnis war kontraproduktiv: Die Chilenen sammelten sich verstärkt um Allende. Die Verantwortung, insbesondere von Henry Kissinger, dem Friedensnobelpreisträger jener Jahre, für den dann gelungenen zweiten Anlauf, den erfolgreichen Putsch und die mehr als 30.000 Ermordeten ist bekannt und nachgewiesen. Loach unternimmt den Versuch, den 11. September im Licht einer Geschichte zu zeigen, die von den politisch Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten nicht besonders gern gesehen wird. Loach ist plakativ. Andererseits leben noch heute, fast 30 Jahre nach dem Putsch, Tausende von Exil-Chilenen in Europa und in den USA, die für uns kaum vorstellbar darunter leiden, was ihnen, ihren Familien und Freunden geschehen ist. Sie haben inzwischen Kinder, die hier aufgewachsen sind und die bei einer Rückkehr nach Chile ins Exil kämen, weg von ihrer Heimat. So grausam kann Geschichte sein.

Einen scheinbar ganz anderen Blick auf die Ereignisse wirft die iranische Regisseurin Samira Makhmalbaf. Sie zeigt in der Trostlosigkeit eines Flüchtlingsdorfes, in dem vor den Taliban geflüchtete Afghanen leben, eine Lehrerin, die ihren noch sehr jungen Schülern verständlich machen will, was gerade in New York geschehen ist. Doch sie erntet das Unverständnis der Unschuldigen. Den Kindern fehlt nicht nur die Vorstellungskraft dafür, was Tausend Tote auf einmal bedeuten, was Twin Towers sein könnten. Die Kinder leben zudem in der wahrnehmungsbestimmenden Relativität ihrer eigenen Umgebung, die allein für ihre Anschauung maßgeblich ist. Lediglich am Schluss schauen sie andächtig schweigend an einem hohen Schornstein hinauf. Welche Phantasien wohl durch ihre Köpfe gehen?

Ebenso bestimmt von der unmittelbaren Umgebung zeigt Idrissa Ouedraogo aus Burkina Faso fünf Schuljungen, die kein Geld für Schulhefte und Schreibgerät haben. Als sie von der Fahndung nach Osama Bin Laden hören, phantasieren sie, was mit der Millionen-Belohnung alles gemacht werden könnte – gegen die Armut, um das Leben der Mutter eines der Jungen zu retten usw. Und plötzlich sieht einer der Jungen tatsächlich Osama Bin Laden (täuschend echt der Schauspieler), wie er in ein Taxi steigt und zum Flughafen fährt. Keiner glaubt ihm und Bin Laden entkommt.

Auch der französische Regisseur Claude Lelouch konfrontiert das Persönliche mit dem Globalen. Eine taubstumme Französin will ihren amerikanischen Geliebten, den sie als Stadtführer für Taubstumme in New York kennen gelernt hatte, verlassen. Nachdem er zur Arbeit gegangen ist, schreibt sie ihm einen Brief. Sie sitzt vor ihrem Notebook, überlegt, schreibt, während im Fernsehen die einstürzenden Twin Towers zu sehen sind. Lelouch lässt uns gleichzeitig auf die Frau und den Fernseher schauen, schafft dadurch eine enorm gespannte Atmosphäre. Warum schaut sie nicht einmal zwischendurch auf den Fernseher? Warum beschäftigt sie sich in einem solchen Augenblick mit ihren zutiefst privaten Angelegenheiten? Als es klingelt, steht ihr Freund vor der Tür, von Asche zugeschüttet, nicht fähig, irgend etwas zu sagen. Ein fast zerreißender Blick auf die Ereignisse.

Danis Tanovic zeigt Frauen in Srebrenica, einer Stadt des Mordes, in der an jedem 11. des Monats die Frauen auf die Straße gehen und erinnernd demonstrieren. Er zeigt diese “merkwürdige” innere Solidarität, eben nicht die äußere, die proklamierte, die selbstdarstellerische Solidarität, sondern die, die diese Frauen, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre, dazu treibt, an diesem 11. September 2001 auch für die Opfer in New York auf die Straße zu gehen, Frauen, die zum Teil das Schlimmste erlebt haben, was Frauen überhaupt zustoßen kann, Frauen, die ihre Männer verloren haben, ihre Kinder, ihre Eltern.

Zu den Lieblingsbeiträgen des Rezensenten zählen der Film des Mexikaners Alejandro González Iñárritu, Sean Penns und Shohei Imamuras Kurzfilme.

Iñárritu zeigt eine schwarze Leinwand. Man hört zunächst das kollektive Gebet von Chamula-Indios, dann Geräusche, eine Frau, die aus einem der Flugzeuge, die in die Twin Towers gestürzt wurden, ihre Familie anruft, immer vor dem Hintergrund einer dunklen Leinwand. Plötzlich sieht man Streifen, nur Bruchteile von Sekunden, dann etwas länger. Man erkennt, dass es sich nicht um Streifen handelt, sondern um die Twin Towers. In kurzen Sequenzen sieht man, wie Menschen aus den Hochhäusern springen. Der Geräuschpegel nimmt ständig zu. Iñárritu konterkariert die Bilder, die Flut von unvergesslichen Bildern, mit dem Hörbaren und dem Nicht-Sichtbaren, ja dem Unsichtbar-Gemachten, appelliert an die Vorstellungskraft und manipuliert, indem er nur diese Menschen zeigt, die herunterfallen, die tot sind, wie wir alle längst wissen. Wir müssen es noch einmal miterleben, in diesem Film auf eine schreckliche Art. Dieses Herunterfallen, nur in Sekunden gezeigt, beinhaltet in dieser Art von Visualisierung eine unvorstellbare Tragik und Erschütterung. Am Schluss bleibt das Gebet der Indios. Gleichzeitig zeigt diese Art der Visualisierung das Unvorstellbare, die Unmöglichkeit, das Kino eine Erfahrung wiedergeben kann, die man nicht selbst gemacht hat.

Der Japaner Imamura zeigt uns etwas ganz anderes, etwas, was nur scheinbar nicht mit dem 11. September 2001 zu tun. Er zeigt einen japanischen Soldaten, der aus dem 2. Weltkrieg nach Hause kommt und zur menschlichen Schlange geworden ist. Er kriecht, so gut es geht, wie eine Schlange über den Boden, frisst eine Ratte und erntet bei Frau und Familie nur Unverständnis. Er spricht kein Wort. Der Horror des Krieges hat es ihm verunmöglicht, als Mensch weiterzuleben. Das Bild am Schluss zeigt eine Schlange und die Worte: “Da ist nichts, was dem heiligen Krieg vergleichbar wäre.”

Schließlich der Beitrags Sean Penns. Ernest Borgnine spielt einen einsamen alten Mann, der nicht wahr haben will und kann, dass seine Frau tot ist. Penn zeigt Borgnine in Unterwäsche, wie er sich rasiert, wie er mit seiner Frau spricht, jeden Morgen ein Kleid aus dem Schrank holt, um es neben sich auf das Bett zu legen. Ein alter Mann, der nur noch in der Erinnerung lebt, in der Liebe zu seiner Frau, der verwelkt wie die Blumen im Fenster. Dann plötzlich, eines Morgens, am 11. September, wird es hell in seinem Schlafzimmer, sehr hell. auf der Häuserwand sinkt der Schatten eines Turms – und in dem Blumentopf verwandelt sich die verwelkte Blume in einen prachtvoll-bunten Strauß. Der alte Mann ist überglücklich, nimmt die Blume, stellt sie auf sein Bett, zu dem Kleid seiner Frau und nimmt zum ersten Mal wahr, dass seine Frau nicht mehr da ist. Er weint. Auf der Häuserwand sinkt ein zweiter Schatten nach unten.

Sean Penn hat u.a. zu seinem Beitrag geschrieben: “Die Frage ist doch immer, wie man mit dem Heute seinen Frieden schließen und glauben kann, dass es morgen besser sein könnte.”

Fazit:
Insgesamt hält der Rezensent diesen Versuch des französischen Produzenten Brigand und der elf Regisseure für eine überaus gelungene Angelegenheit. Das Faszinierende besteht vor allem darin, dass die Summe der Kurzfilme ein Gesamtbild erzeugt, das fernab jeglicher Bevormundung oder hohler “Wir”-Ideologie dem Betrachter die Chance belässt, zu einem intensiveren Gefühl zu gelangen, darüber, was hier eigentlich vor gut einem Jahr geschehen ist. Der Film demonstriert auf beeindruckende Weise die Ferne des Künstlerischen gegenüber dem Politischen, selbst in den vordergründig plakativen Beiträgen aus Ägypten oder Israel. Diese Ferne bedeutet einen ganz anderen Zugang zu den Ereignissen als über die “große Weltpolitik”. Gott – oder wem auch immer – sei Dank.

Der Erlös des Films geht an die Organisation “Handicap International”, die in 55 Ländern die Hilfe für behinderte Menschen unterstützt und finanziert. Zehn von zehn Punkten!

c) 2003 by Ulrich Behrens

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11′09″01 – September 11

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101 Reykjavik

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

101 Reykjavik (DVD)

- Darsteller: Victoria Abril, Hilmir Snaer Gudnason, Hanna Maria Karlsdottir
- Regie: Baltasar Kormákur
- FSK: 16
- Musik: Damon Albarn, Einar Ørn Benediktsson
- Buch: Baltasar Kormákur
- Produktion: Island/Dänemark/Frankreich/Norwegen 2000
- Label: Kinowelt (Arthaus)
Zusatzinformationen:
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1) Französisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Französisch
• Bildformat: 16:9, 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 85 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 8. April 2003
DVD Features:
• Trailer, Making Of

Kaum war dieser Film in die ersten Kinos in Island gekommen, fühlten sich manche an die frühen Streifen von Pedro Almodóvar erinnert. Und tatsächlich ist »101 Reykjavík« ein ungewohnter, sehr lustiger und frecher Film, der mit Geschlechterrollen, Verweigerungshaltungen und Sexualität sein Spielchen treibt. Doch bevor es zur Besprechung des Films kommt, eine der Stilblüten aus der deutschen Filmkritik, diesmal von Fritz Göttler aus der »Süddeutschen Zeitung«; er schreibt: »Wenn man Victoria Abril sieht, wie sie nach einer langen Nacht nach Hause kommt, eine Pelzhaube auf dem Kopf, ganz Naturmensch, rousseausche Wilde, und dann nimmt sie die Haube ab und hat eine violette Schleife im Haar [...], dann weiß man, wovon der Film spricht.« Was Herr Göttler hier verrät, ist nicht, wovon der Film handelt; er verrät sich selbst.

Hlynur (Hilmir Snær Guðnason) ist professioneller Nesthocker. Mit 28 Jahren lebt er noch immer bei seiner Mutter Berglind (María Karlsdóttir), die beim Versorgungsamt arbeitet und vor der Sohnemann meint, sie sei sein Versorgungsamt. Der Vater, Alkoholiker, ist schon länger up, up and away. Hlynur ist arbeitsscheu und weigert sich konsequent, sich irgendeine Art von Ziel für sein Leben zu setzen. Er verharrt inständig in seinem Postkreis in Reykjavík, Nr. 101, und lebt von Sozialhilfe. Und Mama? Die lässt ihren Sohn in aller Toleranz gewähren, auch wenn sie ihn ab und zu auffordert, endlich mal zum Arbeitsamt zu gehen.

Hlynur verbringt seine Zeit, mehr gelangweilt, in Kneipen, einer Anmache-Disko, in der Drogen und Sex das wichtigste sind, sitzt vor dem Computer, beschwert sich, dass morgens, wenn er aufsteht (also mittags), keine Pornos im Fernsehen laufen und hat eine Freundin, Hofi (þrúður Vilhjálmsdóttir), die für ihn eher eine Nicht-Freundin ist. Sex ist Hlynur sowohl gleichgültig wie nicht gleichgültig – egal!

Doch eines Tages ändert sich für Hlynur alles: die spanische Flamenco-Lehrerin Lola Milagros (Victoria Abril), bei der Mama Berglind Unterricht nimmt, kommt zu Besuch. Während Berglind ihre Mutter für ein paar Tage besucht, versucht Hlynur sich – mehr unbeholfen – an Lola heranzumachen. Nach einer durchzechten Nacht – beide sind stockbesoffen – schlafen Lola und Hlynur miteinander. Doch mit einem hat Hlynur nicht gerechnet: Lola ist eigentlich lesbisch, und Berglind outet sich ihrem Sohn nach ihrer Rückkehr: Sie ist Lolas lesbische Freundin und beide wollen ein Kind. Hlynur kann es nicht fassen …

Der nach einem in Island populären Roman gedrehte Film ist sicherlich eine der besten Komödien des Kinojahres 2002. Kormákur – Schauspieler (hier in der Rolle des Thröstur), Regisseur und Drehbuchautor – treibt die Figur des Hlynur einsam auf die Spitze der Übertreibung und des Humors, ohne in Klamauk oder unrealistische Abgründe zu verfallen. Die Dialoge sind spritzig und witzig, vor allem wenn Hlynurs eigene Logik zur Sprache kommt. So antwortet er seiner Sachbearbeiterin auf dem Arbeitsamt auf die Frage, was er denn werden wolle: Er wisse nicht genau, ob er nun Vater, Onkel oder Bruder des Kindes werde, das Lola bekomme; er verwickelt die konsternierte und leicht entsetzte Dame in ein Gespräch über die Beziehung seiner Mutter – und bekommt einen Stempel, damit sie endlich wieder ihre Ruhe vor diesem Kerl hat. Als Lola ihn fragt, was er in seinem Leben so tue, lautet seine Antwort: »Nothing«. »What kind of nothing?« »The nothing kind of nothing.«

Hlynur, ein wahrer Nichtstuer, der einfach nur lebt, wie man so schön sagt: in den Tag hinein, seinen Postbezirk, wenn es irgend geht, nicht verlässt, kommt mit dem anderen Geschlecht nicht zu Rande. Warum auch? Weil er dazu unfähig ist, sieht er einem Pärchen beim Sex während einer der Sex & Drugs-Parties zu und gibt seine zynischen Kommentare dazu ab – bis die Frau genervt aufgibt. Als seine Mutter ihn zwingt, Weihnachten wie jedes Jahr bei den Verwandten zu verbringen, entwickelt der Nesthocker tödliche Phantasien: Er reißt eine Schusswaffe von der Wand und knallt die ganze Mischpoke ab, in der jedes Jahr die gleichen langweiligen Gespräche geführt werde. Aber das bleibt Phantasie.

Kormákur gewährt uns nicht nur satirische, skurrile Einblicke in den isländischen Alltag, sondern entwickelt einen Anti-Helden und seine soziale Verweigerungsstrategie mit köstlichem schwarzem Humor. Vor allem aber weist er seinem Hlynur einen Weg, den weder der sich ausgesucht, noch jemand anders bewusst für ihn ausgewählt hat: Ausgerechnet die lesbische Beziehung zwischen seiner Mutter und Lola haut unseren Anti-Helden aus seinem Alltagstrott. Kormákur spielt mit Geschlechterrollen, nimmt den leichten Ödipus-Komplex Hlynurs ordentlich auf die Schippe, und wirbelt das Thema Sex ebenso drastisch durcheinander, so dass Hlynur regelrecht aus der Fassung gerät. Und das ist gut so, wie das Ende des Films auf ebenso überzeugende Art beweist.

Damon Albarn (Leadsänger der britischen Band »Blur«) und Einar Ørn Benediktsson (Gründer der populären isländischen Band »Sugarcubes«) haben für den Film einen Soundtrack zusammengestellt, der sich nahtlos in die Handlung einfügt, vor allem ihre Version des alten »Kinks«-Hits »Lola«.

Hilmir Snær Guðnason ist für die Entdeckung des Filmjahres 2002. Er spielt glaubhaft und ist köstlich anzusehen, z.B. in der Szene, als ihm seine Mutter und Lola offenbaren, dass sich Lola hat schwängern lassen. Guðnason spielt in dieser Szene mit spärlichen Worten und viel Mimik, die alles sagt. Er mimt Hlynur als sympathischen Anti-Helden, an dessen Denken und Verhalten man manchmal verzweifeln könnte. Doch die Penetranz zu bleiben, wie er ist, und seine Reaktionen auf die Veränderungen, die mit der Offenbarung der lesbischen Beziehung seiner Mutter beginnen, kann Guðnason so humorvoll darstellen, dass der Anti-Held zum sanften Helden wird.

Victoria Abril – in etlichen Filmen Almodóvars zu sehen (»Fessle mich«, 1989; »High Heels«, 1991; »Kika«, 1993) – ist die feurige, schrille Spanierin, die im kalten Island nicht zu Eis erstarrt, spritzig, lebendig, lebensfroh – eine Wohltat für die Augen des Publikums.

María Karlsdóttir als Berglind überzeugt sowohl als sich kümmernde Mutter für einen 28jährigen, dem sie noch Unterhosen kauft und gewähren lässt, wie auch als zu ihrer Beziehung mit Lola entschlossene Liebende, die Hlynurs Leben schon immer durcheinander gebracht hat.

Auch die Rolle der Hofi, Hlynurs »Halbfreundin«,ist mit þrúður Vilhjálmsdóttir grandios besetzt.

Fazit:
Auf fast sanfte, manchmal aber auch durchaus aggressive Art führt Kormákur das Innenleben seiner Figuren vor. Der Vergleich mit Almodóvar ist vielleicht insoweit angebracht, als »101 Reykjavík« manchmal so schrill und skurril daher kommt wie die frühen Filme des spanischen Regisseurs. Jedenfalls ist der Film eine freche, bunt schillernde und äußerst humorvolle Komödie, die nie den Boden unter den Füßen verliert oder unrealistisch wird. Für Liebhaber dieser Art von Komödie, die sich weit, weit entfernt vom Hollywood-Mainstream bewegt, ein Muss.

(c) 2004 by Ulrich Behrens

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101 Reykjavik

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… und dann kam Polly

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

… und dann kam Polly (DVD)

- Darsteller: Ben Stiller, Alec Baldwin, Jennifer Aniston, Philip Seymour Hoffman, Debra Messing
- Regie: John Hamburg
- FSK: 6
- Musik: Theodore Shapiro
- Buch: John Hamburg
- Produktion: USA 2004
- Label: Universal Pictures (Universal)
Zusatzinformationen:
• Sprachen: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch, Englisch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound, PAL
• Laufzeit: 86 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 8. Juli 2004
DVD Features:
• Deleted Scenes
• Outtakes
• Making Of
• Rudolfo in Hollywood
• Audiokommentar von Regisseur John Hamburg

Man nehme Ben Stiller, einen nackten Franzosen, ein blindes Wiesel, zwei weibliche Seriendarstellerinnen und Philipp Seymour Hoffman, fertig ist ein bunter Mix aus vielen Möglichkeiten gepaart mit wenig kreativem Risiko, so dass eine letztendlich nebensächliche Handlung in knackigen 90 Minuten zur soliden Abendunterhaltung wird. Für die Filmfigur Reuben Feffer (Ben Stiller), Risikoanalytiker eines Versicherungsunternehmens, ein jederzeit kalkulierbares Risiko, schließlich hält mit John Hamburg ein Mann mit Komödienerfahrung die Zügel in der Hand.

Solide erzählt ist die beiläufige Geschichte in jedem Fall, bedarf es nicht allzu viel Konzentration der vorhersehbaren Romantik-Komödie um die ‚Gegensätze-ziehen-sich-an’-Theorie durchaus belustigende Momente abzugewinnen. Dabei geht es um Reuben und sein kompliziertes Liebesleben, das er doch – wie seinen restlichen Alltag auch – geradezu peinlich genauer Planung unterstellt hat. Ins Wanken gerät seine organisierte Welt nur, als seine frisch angetraute Ehefrau Lisa (Debra Messing) noch während der Flitterwochen mit dem nächstbesten Tauchlehrer und Hobby-Nudisten Claude (Hank Azaria) in die Kiste hüpft.

Chaos. Katastrophe. Und ausgerechnet dann tritt Polly Prince (Jennifer Aniston) in Reubens traumatisierte Singlewelt. Es bleibt bis zuletzt unklar warum sich beide zueinander hingezogen fühlen, vielleicht liegt es an Reubens RDS (Reizdarmsyndrom), Pollys blindem Wiesel, seiner Unfähigkeit zu tanzen, ihrer Angst vor festen Bindungen? Jedenfalls, werden die zwei ziemlich schnell ein Paar ohne anfangs viele Gemeinsamkeiten zu entdecken, aber es kommt, wie es eigentlich kommen muss. Gegensätze ziehen sich an.

Im Grunde entwickelt der Film keinerlei echtes Konfliktpotenzial, kratzt gleichbleibend an der Oberfläche des Erzählten und schert sich darüber hinaus um seine eigene dürftige Handlung, deren Konsistenz in vielerlei Hinsicht amerikanische Fernsehserien kopiert. Es mag daran liegen, dass mit Jennifer Aniston und Debra Messing gleich zwei Tv-Stars („Friends“ und „Will&Grace“) zentrale Rollen des Films besetzen, aber über weite Strecken hinweg erreicht Along Came Polly nicht einmal das nahliegende Fernsehformat.

John Hamburg inszeniert seinen Film weitestgehend harmlos, seltsam uninspiriert und oftmals unter den Möglichkeiten der vorhandenen Ideen, denn allzu viele Szenen verpuffen ziemlich wirkungslos. Ben Stiller ist immer noch nur dann witzig, wenn er stringent versucht Charaktere zu spielen, die sich selbst in ihrem Innern verdammt Ernst nehmen und gar nicht erst den Versuch unternehmen ulkig zu sein. Auch hier existieren solche Elemente, gibt es in der Figur des Reuben ebendiese Stiller-typischen Eigenschaften, die allerdings nur manchmal zu tatsächlich gelungenen Gags verleiten. Philipp Seymour Hoffmans Part dagegen ist in vielfacher Hinsicht komisch. Die Rolle von Reubens bestem Freund Sandy Lyle, ist einer dieser verschrobenen Charaktere jeder aktuellen Komödie mit einigen guten, allerdings auch sehr befremdlichen Auftritten als selbstüberschätzender Schauspieler.

Along Came Polly ist solide, witzig, beschwingt, aber doch zu harmlos, um echte Lacher zu produzieren. Die Geschichte an sich birgt wenig Interessantes und so bleibt am Ende nicht viel übrig. „Ganz nett“, trifft es da wohl noch am besten, „Ganz gut“ ist Along Came Polly nur bedingt. Überdurchschnittliche Unterhaltung mit bewährten Zutaten, doch ohne den besonderen Kick. Für Reuben Feffer wohl ein Projekt dessen Risiko an den Kinokassen äußerst kalkulierbar bleibt, denn Ben Stiller ist immer noch ein verlässlicher Komödiengarant.

(c) 2004 by Patrick Joseph

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… und dann kam Polly

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(T)Raumschiff Surprise – Periode 1

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

(T)Raumschiff Surprise – Periode 1 (Special Edition) (DVD)

- Darsteller: Til Schweiger, Rick Kavanian, Anja Kling, Michael “Bully” Herbig, Christian Tramitz, Sky Dumont
- Regie: Michael “Bully” Herbig
- Musik: Stefan Raab und Ralf Wengenmayr
- Buch: Alfons Biedermann, Michael Herbig und Rick Kavania
- Produktion: Deutschland 2004
- Label: Ufa/DVD
Zusatzinformationen:
• DVD Erscheinungstermin: 17. Januar 2005
DVD Features:
• Disc 1: Hauptfilm; Audiokommentar mit Bully und Rick; Isolierte Tonspur ‘Filmmusik’; ‘Super Surprise Mode’, der es ermöglicht, Hintergrundinfos und -Specials; interaktiv während des Films abzurufen
• Disc 2: 50-minütiges Making of; Outtakes; Entfallene Szenen; Featurettes: SFX, H2O2, Die Songs; Premierenspecial; Thesen, Hintergründe, Analysen; Musikvideo ‘Space Taxi’; TV Auftritte, Teaser, Trailer, TV Spots
Für diesen Film liegt eine Rezension vor:
Sternzeit 2004. Filmkritikenlogbuch. Neuer Eintrag von Captain Hamp:

Schluss mit Eierschaukeln – ab ins Kino!
Genau ihr seid es doch, die noch nicht dafür gesorgt haben, dass Michael „Bully“ Herbig seinen umwerfenden Erfolg mit „Der Schuh des Manitu“ wiederholen kann. Dabei sind schon so viele den dezenten Aufforderungen der Werbeindustrie gefolgt – und sorgten dafür, dass mit „(T)raumschiff Surprise – Periode 1“ nun ein deutscher Film in den hiesigen Kinos den erfolgreichsten Kinostart aller Zeiten hinlegen konnte. 625.000 Besucher am ersten Spieltag. Zahlen von denen viele Filme während ihrer gesamten Spielzeit nur träumen können. Aber kann man es den zahlreichen Kinogängern verübeln? Wer kann schon von sich behaupten, dass er dem warmen Charme der Crew der Surprise widerstehen kann? Wenn Mr. Spuck zart seine Augenbraue zurechtstreicht oder Captain Kork “dominant“ seine Befehle herausbrüllt – dann ist es (fast) unmöglich sich ein „leichtes“ Lachen zu verkneifen.

Ob man aber unbedingt aus der Sketch-Reihe einen Film machen muss? „Der Schuh des Manitu“ hat doch schon bewiesen, dass man die besten Witzchen nur schwerlich auf Filmlänge ausdehnen kann. Immer wieder gibt es Leerlauf, der einzig mit der Hoffnung auf eine nächste lustige Einzelszene überbrückt werden kann. Aber nach dem exorbitanten Erfolg des „Manitus“ gierten die Zuschauer nach mehr – und hatten die Qual der Wahl. Innerhalb der „Bullyparade“ durften sie das nächste Projekt der bayrischen Komikertruppe bestimmen. Dass hierbei die Wahl auf die warme Truppe des „(T)Raumschiff Suprise“ fallen würde, war wohl offensichtlich. Schon während der TV-Serie waren Mr. Spuck, Captain Kork und Schrotty die Lieblinge der Zuschauer – konnten sogar schon mit ihren Herumschwulereien den Weg auf eine Audio-CD finden als der Großteil der deutschen Bevölkerung noch nicht einmal den Namen „Bully“ buchstabieren konnte.

Die Vorbereitungen für den ersten demokratisch gewählten Film waren demnach getroffen. Der Zuschauer hatte bestimmt und kann nun – zwei Jahre später – das Ergebnis auf der großen Leinwand betrachten. Die ersten vagen Einblicke konnte man zwar schon durch die omnipräsenten Trailer und Teaser erhaschen – und auch das Heißmachen durch die Fernsehsender [Pro Sieben hat wieder die alten „Bullyparade“-Folgen ausgegraben, Christian Tramitz eine eigene Comedy-Show („Tramitz & friends“) beschert und auch auf den anderen Kanälen waren die bayrischen Komiker zugegen] zeigte seine Wirkungen. Voller Ungeduld wartet man auf den 22. Juli 2004 – der Tag, an dem endlich „(T)Raumschiff Suprise“ die deutschen Kinosäle erobern sollte.

Ob diese perfekt ausgeklügelte Werbekampagne mit Hollywood-Ausmaß [so ist „Periode 1“ auch der erste deutsche Film, der mit einem exklusiven Menü bei Fast-Food-Gigant Mc Donald’s geehrt worden ist] nicht aber die Erwartungen in zu hohe Regionen getrieben hat? Irgendwie konnte man nie das ungute Gefühl leugnen, das Bully und seine Mannen nur durch die Dauerwerbung die mangelnde Qualität des Filmes übertünchen wollten…

Freistilschweber
Der Mars macht mobil – und mit ihm kommt die Bedrohung für die Erde: Der fiese Regulator Rogul will den blauen Planeten unterjochen. Die einzige Rettung für die Menschheit ist die Besatzung der Surprise – dumm nur, dass diese sich gerade in der Vorbereitung für die Miss Waikiki Wahl 2304 befindet. Aber unter der Androhung der Urlaubskürzung kann man die drei Raumfahrer sanft überreden ihre Pflicht zu erledigen.

Ihre Aufgabe? Mit einer Zeitmaschine ins Jahr 2004 reisen und die erste Landung eines Aliens auf der Erde verhindern. Hört sich leichter an als es letztlich ist – denn durch einen dummen Zufall landen die Zeitreisenden im finsteren Mittelalter. Und dicht auf ihren Fersen befindet sich Lord Maul, der Sohn des Regulators, der dafür sorgen soll, dass die Surprise’ler scheitern…

Langsam blasen, Mädels
Eine nahezu unmögliche Mission stand bevor: Das Beamen des „(T)Raumschiff Surprise“ von der Mattscheibe auf die Kinoleinwand. Eine schwere Transformation. Zunächst das knappe pointierte Inszenieren der Sketche. Jetzt das gesamte Geschehen um die warmen Surprise’ler auf knapp neunzig Minuten ausdehnen – ohne dass der Spaßfaktor darunter leidet oder dass der gesamte Film wie ein Witzzusammenschnitt wirkt. Der Versuch ist gelungen. Zumindest in Ansätzen.

Denn wäre der Anfang einer Komödie ausschlaggebend für die finale Qualität, wäre das „(T)Raumschiff“ ein Rohrkrepierer der übelsten Sorte. Es werden alte Gags der TV-Auftritte aufgewärmt – und trotz des Recycling-Konzeptes wird zeitgleich krampfhaft versucht, das Altbekannte einer Rundumerneuerung zu unterziehen. Die Surprise wird urplötzlich von zahllosen Crew-Mitgliedern bevölkert [darunter sogar Frauen! Welch schockierende Neuerung!] – und um in bester „Bullyparaden“-Tradition zu schwelgen darf sogleich eines der Besatzungsmitglieder seinen Oneliner in bester Tschechen-Tradition zum Besten geben. Hört sich zwar lustig an – ist es aber nicht. Schließlich haben nur Pavel und Bronko die Lizenz zum Tschecheln.

Auch ansonsten wirken die ersten Minuten schrecklich konstruiert. Einerseits der Versuch eine akzeptable Story aus dem Hut zu zaubern – andererseits das sketchartige Auftreten der Surprise-Crew. Eine Mischung, die leider nicht wirklich harmoniert. Es gibt immer wieder vereinzelte Lacher. Klar, der ständige saubermachende Putzmann bei der Sitzung des Erdenrats ist genauso einer dieser garantierten Lacher wie das „Freistilschweben“ der Surprise’ler. Aber irgendwas fehlt. Aber was? Der Zusammenhang. Genau, es fehlt irgendwie der Zusammenhang. Alles sind Bruchstück, die wohl auf der TV-Bühne gut rüberkommen würden – aber als Film wirken sie nur wie ein lieblos zusammengeflickter Teppich.

Glücklicherweise bleibt das Drehbuch von Bully, Rick Kavanian und Alfons Biedermann [die alle schon an „Manitus Schuh“ mitgeschrieben haben] aber den üblichen Traditionen des Science-Fiction-Genres treu – die kurz eingeführten Bordmitglieder um Mr. Nasi und Miss Borabora dürfen weiter im Weltraum verschimmeln und müssen Platz machen für die voranschreitende Handlung und die wahren Nebenfiguren, von denen knapp zwei sogar das Team um Mister Spuck und Captain Kork erweitern dürfen. Knapp? Ja, knapp. Denn die Erdenprinzessin Metapha kann mal wohl nicht wirklich als Haudegen bezeichnen – sie ist eher als schmuckes weibliches Beiwerk dienlich, das mit Mister Spuck herrlich um die Gunst des einzig wahren Testosteronbolzens Rock Fertig-Aus buhlen kann.

Dass diese beiden Nebenfiguren aber äußerst passend gewählt sind, ist wohl selbstverständlich. Rock ist das genau Gegenteil der Suprise’ler. Männlich, muskulös und äußerst anziehend auf beiderlei Geschlechter. Metapha hingegen? Die darf hier und da mal beweisen, dass man als vom Arbeitsamt vermittelte Prinzessin auch Köpfchen haben darf.

Gegen Rock Fertig-Aus kann das Prinzess’chen aber nur verlieren – denn dieser machohafte Taxifahrer hat wohl die bombastischsten Szenen im gesamten Film. Schon sein erster Auftritt lässt George Lucas vor Neid erbleichen: Mit seinem gelben Taxi [das nur rein zufällig an eine Symbiose zwischen Anakin Skywalkers Pod-Racer und Korben Dallas’ Taxi erinnert] „fährt“ er die Surprise’ler auf die Erde. Und diese Fahrt hat es wirklich in sich. Unter laufendem Beschuss der aufständigen Marsianer kracht es an allen Ecken und Enden. Man fühlt sich wie bei einem Angriff der Rebellen gegen die dunkle Seite der Macht – und ist tierisch verblüfft wie perfekt die Special-Effects dabei gelungen sind. Klar, das ganze wurde stark an das Aussehen der letzten beiden „Star Wars“-Episoden angelegt, aber dies ist wohl typisch für eine Parodie. Ungewöhnlich und umwerfender ist hingegen die erstaunliche Brillanz, in der der Weltraum und die unzähligen Raumschiffe erstrahlen. Die Programmierer von SCANLINE haben wahrlich vortreffliche Arbeit geleistet – vor allem wenn man bedenkt, dass das Filmbudget „gerade“ mal 9 Millionen Euro betragen hat.

Was letztlich aber „(T)Raumschiff Surprise“ von den neuen seelenlosen Special-Effects-Orgien aus Hollywood unterscheidet, ist, dass die Herbig-Produktion keinesfalls die grandiosen Effekte in den Vordergrund stellt. Der Mittelpunkt des ganzen Schabernacks auf der Leinwand sind immer noch Captain Kork, Mister Spuck und Schrotty. Einzig der rasanten Taxi-Fahrt könnte man wohl vorwerfen, dass sie etwas zu lange ausgefallen ist – und unbedingt die großartige Arbeit der Special-Effects-Schmiede beweisen will. Durch das gekonnte Auflockern der effektisierten Situation mit einigen äußerst amüsanten Sprüchen wirkt das energiegeladene Geschehen jedoch nicht derartig ermüdend wie die völlig misslungenen Verfolgungsjagden im „Angriff der „Clownkrieger““.

Wie schon angedeutet hat „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ seine ganz große Stärke in der Vergangenheit. Wenn die Zeitreisenden im Mittelalter [und später auch im Wilden Westen] ankommen, blitzt das komische Talent der „Bullyparaden“-Komiker auf. Es gibt geniale Wortspiele, pointenlosen Humor und absurde Situationen – genau das, was man sich von dem Film eigentlich erwartet hat.

Und nicht nur die humoristische Seite wandelt sich mit dem Verlassen der zukünftigen Zeitebene – auch stilistisch kann der Film in ungewöhnlich hohe Regionen gehoben werden. Die Kamera von Stephan Schuh wird mit verschiedenen Farbfiltern gefüttert [passenderweise ein silbermetallischer für die Mittelalter-Szenen und ein staubigbrauner für die Wild-West-Ereignisse] und die Schnitte von Alexander Dittner wirken herrlich dynamisch beim mittelalterlichen Tjolsten. Alles wirkt erstaunlich professionell, hat nicht mehr den einfacheren [wenn auch sympathischen] Inszenierungsstil des Vorgängers.

Das letzte Geheimnis des „mittelalterlichen“ Erfolges ist scheinbar auch schnell gefunden: Die Darsteller. Vor allem „Manitu“-Bösewicht Sky Dumont kann ein weiteres Mal seine Genialität beweisen. Mit seiner leckenswerten Nasenspitze ist er als Mittelalterkönig William der Letzte ein brillanter Possenreißer und kann mit herrlich sinnlosen Phrasen um sich werfen.

Aber auch die restlichen Darsteller kommen in den „vergangenen“ Tagen zu ihren besten Szenen. Komisch sind die schmachtenden Blicke Michael Herbigs. Als asthmakranker „Sachse“ macht sich Rick Kavanian [neben Lord Maul spielt er auch noch den Borddoktor Pulle und Schrotty] auf die Verfolgung der Zeitreisenden – und beweist ein weiteres Mal, dass er ein unglaubliches Gummigesicht hat. Christian Tramitz hingegen spielt äußerst zurückhaltend – wirkt dafür aber auch am realistischsten – und ist mit seinem leicht dackeligen Blick herrlich eifersüchtig auf Til Schweiger, der erstaunlicherweise mit seinem selbstironischen Auftritt fast alle an die Wand spielt. In Hollywood nahezu gänzlich als Action-Star [„Tomb Raider 2“ und „Driven“] gescheitert, veralbert er jegliche Heldenklischees und darf gar auf einem rosa gekleideten Pferd zum Tjolsten antreten.

Was letztlich nicht unter den Tisch gekehrt werden darf – und zu allem Übel auch noch überwiegend als schrecklich bezeichnet werden muss, ist der Soundtrack. Schon die vorab in die Charts geschossene Single-Auskopplung „Space Taxi“ ist übelster Nervpop, bei dem das Gesinge der Surprise’ler stark auf den Nerven des Zuhörers herumtrampelt und eindeutig den Komponisten erkennen lässt: Stefan Raab. Der Pro Sieben-Talker verlässt seine gewohnten Tonspuren nicht, bietet wieder simpelste arrangierte Musik, die verzweifelt versucht lustig zu sein. Dass aber leider nur wenige Songs trotz großer Namen wie Bootsy Collins oder auch Helge Schneider wirklich zünden [komischerweise ist bei diesen immer Sky Dumont beteiligt!], zeigt ein weiteres Mal die schwindenden Qualitäten Raabs.

Äußerst ärgerlich ist aber, dass dank der nervenden Klamauk-Musik gänzlich die orchestrale Score von Ralf Wengenmayr untergeht. Die ist im Gegensatz zu den Raab Kompositionen nämlich äußerst hörbar – obgleich die Masse der CD-Käufer das wohl anders sehen wird.

Fazit – Schluss mit Eierschaukeln
Ja, „(T)raumschiff Surprise – Periode 1“ ist gesamtbetrachtet wirklich lustig – und somit auch ein würdiger und gleichwertiger Nachfolger für den ersten filmischen Streich der „Bullyparaden“-Komiker. Und ja, wäre da nicht dieser an eklatanter Witzarmut leidende Anfang, wäre das Abenteuer der Sternenfahrer wohl noch um Lichtjahre besser geworden. Aber so muss man als Zuschauer erst zehn gewöhnliche Minuten über sich ergehen lassen, um dann die herrlich dämliche Zeitreise der Surprise’ler genießen zu können. Gespickt mit zahllosen Anspielungen, liebevoller Detailarbeit und garantierter Witzgarantie ist so „(T)raumschiff Surprise – Periode 1“ ein überdurchschnittlicher Kinospaß, der unter Garantie die Kassen millionenfach zum Klingeln bringen wird!

Ob man letztlich trotz der anfänglichen Mängel den Weg ins Kino finden sollte? Wieso denn nicht? „(T)raumschiff Surprise – Periode 1“ ist gute Unterhaltung für einen hitzigen Sommerabend. Gemütlich zurückgelehnt im Kinosessel sitzend, Das Gehirn auf Sparflamme gestellt und befreit über die lockerleichte Unterhaltung auf der Leinwand lachen. Aber ja nicht wundern, dass die Science-Fiction-Episode bei weitem nicht so lustig ist, wie das bunte Treiben in der Vergangenheit…..

Und nicht vergessen: Bis NACH dem Abspann sitzen bleiben!

(c) 2004 by Jens Hamp

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(T)Raumschiff Surprise – Periode 1 (2 DVDs)

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O

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

O (DVD)
- Darsteller: Julia Stiles, Josh Hartnett
- Regie: Tim Blake Nelson
- FSK: 16
- Musik: Jeff Danna
- Buch: Brad Kaaya nach Shakespeare’s “Othello”
- Label: Concorde
Zusatzinformationen:
• Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Surround, Dolby Digital 5.1, DTS 5.1) Englisch (Dolby Digital 5.1)
• Untertitel: Deutsch
• Bildformat: 1.85:1
• Dolby, Surround Sound
• Laufzeit: 95 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 2. Oktober 2002
• Produktion: 2001
DVD Features:
• Audiokommentar von Tim Blake Nelson, Analyse der Schlüssel-Basketball Szenen, Geschnittene Szenen mit Audiokommentar
• Dt. und US-Kinotrailer, Informationen zu Darstellern und Filmteam

Dieser interessante, gut gespielte Film verlegt die Handlung von Shakespeares Eifersuchtsdrama “Othello” an ein elitäres Südstaateninternat, wo Basketball-Stars um Karrierepunkte rivalisieren. Das Drama endet tragisch, wie sich das gehört. Eine Empfehlung.

Zur Handlung:
Odin James (Phifer) ist der Basketballstar seiner Schulmannschaft, den Palmetto Hawks (Falken). Er ist zudem der einzige Farbige an dem exklusiven Südstaateninternat in Charleston, South Carolina. Der Team-Coach Duke (sehr glaubwürdig: Martin Sheen) prämiert ihn. Er ruft aus, er liebe ihn wie seinen eigenen Sohn. Sein echter “eigener Sohn” sitzt derweil missachtet auf den Rängen. Es geht also auch um das Drama, das aus der Beziehung zwischen Vater und Sohn entsteht. Der gedemütigte Sohn (Josh Hartnett) Hugo sinnt auf Rache. Und der geht sehr raffiniert vor.

Spielt Odin die Rolle des erfolgreichen Aufsteigers, aber Außenseiters Othello, so ist Desi (Julia Stiles) seine Desdemona: seine wahre Liebe und somit sein Verhängnis. Anfangs lieben sich die beiden aufrichtig und treu. Als Unterpfand seiner treuen Liebe schenkt ihr Odin ein Halstuch, das ein Familienerbstück ist. Dies ist nicht nur ein Eheversprechen, sondern auch die Aufnahme in den Familienclan, ein rassenübergreifender Akt von höchster Symbolkraft.

Das versteht der neidische Hugo, der die Rolle des verkannten Jago hervorragend ausspielt, nur zu gut. Schon bald ist das Halstuch verschwunden und taucht bei Odins Rivalen Michael, einem Weißen wieder auf. Hugo setzt Michael auf Desi an, und der ebenfalls angestiftete Roger bringt Odin bei Desis Vater (John Heard), dem Schulrektor, in Misskredit.

Hugo gibt zwar stets vor, Odins “Bruder” zu sein, doch insgeheim erzeugen seine Einflüsterungen eine rasende Eifersucht in dem exponierten Farbigen und Mannschaftsstar. Desi versteht zwar sein wachsendens Misstrauen nicht, kann aber auch nichts tun, um den Verdacht zu entkräften. Ihre Treueschwüre nützen nichts mehr. Odin nimmt Drogen, und beim entscheidenden Ausscheidungsspiel zur Landesmeisterschaft kommt es zu einem ersten Eklat.

Doch das Schlimmste kommt noch: Hugo Komplott sieht vor, dass Odin Desi umbringt und ihm auch Michaels Tod angehängt werden kann. Doch natürlich kommt fast nichts so wie geplant.

Gesamteindruck:
Drehbuchautor Brad Kaaya weiß, wovon sein Film erzählt: Er war selbst in einer elitären Basketballmanschaft und bekam die Rivalenkämpfe und Eifersüchteleien hautnah mit. Shakespeares Tragödie lieferte ihm eine perfekte Vorlage, um dieses Milieu dramaturgisch wirkungsvoll auf die Leinwand zu bannen.

Die Darsteller, allen voran Phifer, Hartnett und Stiles, aber auch Sheen, spielen hervorragend, glaubwürdig und mit einem offensichtlichen Verständnis für die tiefen Emotionen, die ihre jeweilige Rolle verlangte. Nach eigenen Angaben hatten sie dieses Verständnis aus der intensiven Beschäftigung mit Shakespeares Originaltext (nicht mit irgendwelchen Zusammenfasungen!).

Die unausweichlich erscheinende Zerstörung Odin James’ durch Hugo wird mit Hugos Sehnsucht nach Höherem begründet: Diese Jago-Figur ist ebenso von Ehrgeiz wie von einer romantischen Sehnsucht nach Schweben und Fliegen beseelt. Immer wieder sehen wir Hugo in der Vogelvoliere des Internats: Es befindet sich direkt unterm Dach, direkt über dem spiralförmig ansteigenden Treppenhaus. Ist die Treppe die Stufenleiter der Karriere und des Lebens, so träumt sich Hugo in der Voliere an die Spitze der Welt. Hier hält er den Falken, das Maskottchen des Baskettballteams und Symbol für Odin gefangen. Hier gurren die Pärchen von weißen Tauben vor sich hin – Symbole treuer Liebe. Und hier heckt Hugo mit Vorliebe seine Schachzüge gegen den Rivalen Odin aus.

Unterm Strich:
Dieser Film ist absolut sehenswert und garantiert jungen Leuten ab 16 Jahren eineinhalb Stunden spannende und dramatische Unterhaltung. Die Darsteller sind motiviert, glaubwürdig und beeindruckend. Das Komplott, das Hugo gegen Desi und Odin schmiedet, ist durchaus verständlich dargestellt: Alles wird haarklein erklärt. (Die geschnittenen Szenen sind wirklich unnötig.) Die Musik (meist Hip-Hop) macht gute Laune und ist stets passend.

Zwar hat die DVD kein Making-of, doch dies wird durch die 13 Seiten Produktionsnotizen und die Interviews ersetzt. Man bekommt einen guten Einblick in die Entstehung des Films und die Beweggründe seiner Macher. Dazu trägt besonders auch der Audiokommentar des Regiseurs Nelson bei. Insgesamt eine DVD, die sich lohnt und die man auch öfters als einmal ansehen kann.

(c) 2003 by Michael Matzer

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