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Archiv für Juli, 2009

The Brink

Erstellt von Michael Drewniok am 30. Juli 2009

The Brink

Originaltitel: The Brink (USA 2006)
Regie, Kamera u. Schnitt: Benjamin Cooper
Drehbuch: John Bowker, Benjamin Cooper
Musik: Jonathan Coco
Darsteller: Rachel Balzer (Megan Goss), Jeff Ryan (Leo Calloway), Heather Ashley Chase (Bianca Palmer), Jason Flowers (Todd Mooney), Catherine Barlow (Geisterfrau), Matt S. Miller (Geistermann), Kevin Robb (Geisterkind), Mark T. Eakes (Onkel Bud), Mitch Toles (Joseph Dunninger), Monty Wall (Thomas Alva Edison)
Vertrieb: Sunfilm Entertainment (www.sunfilm.de)
Erscheinungsdatum: 08.05.2009 (Leih- u. Kauf-DVD)
EAN: 4012020066429 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 4 : 3 (1,33 : 1   Vollbild)
Audio: Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 70 min.
FSK: 18/keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Thomas Alva Edison (1847-1931) erfand die Glühbirne und viele andere nützliche Dinge, die noch heute unseren Alltag bestimmen. Seine letzte und vielleicht größte Innovation brachte allerdings das Verderben: ein Gerät, das die Kommunikation mit den Toten ermöglicht. Fatalerweise können deren Geister dadurch dem Grab entfliehen, was vor allem die unangenehmen Bewohner des Jenseits’ lockte. Bevor ihn die Geister packten, zerschlug Edison seinen teuflischen Apparat, der danach in Vergessenheit geriet.

Die Konstruktionszeichnungen blieben allerdings erhalten. Viele Jahrzehnte später gelangt die Technik-Studentin Megan Goss in ihren Besitz. Verbissen macht sie sich an den Nachbau. Die Kommilitonen Bianca und Todd sollen ihr helfen. Auch Ex-Lover Leo schließt sich der kleinen Gruppe an, die in einem kleinen, abbruchreifen Haus weit vor den Toren der Stadt und damit ungestört ihrer Arbeit nachgeht.

Edisons Entwurf ist eine brauchbare Vorlage. Der Apparat ersteht neu und nimmt seinen Dienst auf. Auf ein Gelingen des Experiments muss nur kurze Zeit gewartet werden, bis sich eine Geisterstimme mit der beunruhigenden Nachricht “Komm zu mir!” an die Anwesenden wendet. Kurz darauf beginnt es in dem alten Haus mächtig umzugehen. Aus der Forschungssensation – endlich ist nachgewiesen, dass es Geister gibt – wird jedoch nichts, denn Megan hat ihren Gefährten eine wichtige Information vorenthalten: Besagtes Haus war vor zweieinhalb Jahrzehnten Schauplatz eines leichenreichen Familiendramas. Die gespenstischen Bewohner haben nichts von ihrer Mordlust verloren. Sie halten Türen und Fenster fest verschlossen und begeben sich abermals mit Axt und Messer auf die Jagd …

Geister-Drama im Schnelldurchlauf

“Die ich rief, die Geister / werd’ ich nun nicht los.” Dies musste schon der übermütig-überhebliche Zauberlehrling in der gleichnamigen Ballade von Johann Wolfgang von Goethe (1797) feststellen. Geholfen hat es nichts, denn wer liest heutzutage noch Klassiker? Dabei hätten Megan und ihre drei Mit-Geisterjäger die Moral von der Geschicht’ auch als Light-Version kennenlernen können: 1941 schlüpfte Micky Maus im Trickfilm-Epos “Fantasia” in die Rolle des Zauberlehrlings.

Auf der anderen Seite verdanken wir dieser Unkenntnis (oder Ignoranz) eine große Anzahl unterhaltsamer Bücher und Filme; in diesem Zusammenhang ist u. a. – und nicht grundlos – “White Noise” (dummdeutsch ‘übersetzt’ als “White Noise – Schreie aus dem Jenseits”) zu nennen, ein Grusel-Thriller aus dem Jahre  2003, der immerhin mit dem Hollywood-Star Michael Keaton in der Hauptrolle aufwarten kann und eine Geschichte erzählt, die sehr an “The Brink” erinnert. Freilich kann Regisseur (und Drehbuch-Mitautor, Kameramann, Cutter und Produzent) Benjamin Cooper mit Fug und Recht behaupten, der Schnellere gewesen zu sein: “The Brink” entstand eigentlich bereits 2002. Diverse Produktionsprobleme verhinderten indes eine Veröffentlichung vor 2006.

Diese hätte sich problemlos weiter verzögern oder ganz ausfallen können, muss der Zuschauer nach einer Sichtung des Films (oder besser: Filmchens) feststellen. “The Brink” ist ein ehrenwerter aber gänzlich überflüssiger Beitrag zum Genre Horrorfilm. Wenn man ihm etwas Positives zuerkennen möchte, so ist dies die Redlichkeit, mit der Cooper und seine Crew ihr Garn spinnen. Sie hatten kein Geld und litten nicht unter Größenwahn. “The Brink” ist ein Film der beschränkten aber optimal genutzten Möglichkeiten.

Schon die Laufzeit spiegelt dies wider. “The Brink” läuft gerade 70 Minuten. Für einen ‘richtigen’ Film hätte Cooper sein Werk eigentlich auf ca. 90 Minuten verlängern müssen. Darauf ließ er sich nicht ein und tat gut daran. Stattdessen erzählt er seine Geschichte und schließt sie ab, wenn sie zu Ende ist bzw. ihr die Luft (und ihm das Geld) auszugehen beginnt.

Woher nehmen und nicht stehlen?

Dennoch muss die unangenehme Frage gestellt werden, welchen Sinn ein Film wie “The Brink” macht. Die Story ist x-fach abgespulte Routine, und in der Umsetzung geht Cooper keine neuen Wege. Punkten kann er höchstens mit seinem Wagemut als “total filmmaker”. Der Charme des filmisch Unverstellten will sich ebenfalls nur bedingt einstellen. Für Kulissen im eigentlichen Sinn war kein Geld dar. Das kuriose Haus, in dem der Löwenanteil der Handlung spielt, existiert tatsächlich: Der Gründer des kalifornischen Städtchens Pismo Beach baute es. Da es leer und einsam steht, bot es sich als ‘Spukhaus’ an. Dass es weder Elektrizität noch fließendes Wasser oder Heizung gab, stellte Crew und Darsteller während der zweiwöchigen Dreharbeiten, die zudem meist nachts sowie im Winter stattfanden, auf eine besondere Belastungsprobe.

Improvisation war Trumpf. Dem ist Anerkennung zu zollen, die sich freilich nur bedingt auf den Drehbuchautoren Cooper erstrecken kann. Der verlässt sich gar zu sehr auf die Langmut seines Publikums, das einem eifrigen Anfänger doch sicherlich einige kapitale Bockschüsse nachsehen wird? Doch Cooper ist kein Anfänger; er hat bereits einige Filme gedreht und Drehbücher geschrieben. Deshalb hätte er sich stärker konzentrieren müssen und logische Blindgänger wie diese vermeiden müssen:

- Das ‘neue’ Geister-Telefon sieht dem alten Modell überhaupt nicht ähnlich, obwohl es nach demselben Konstruktionsplan entstand.
- Als der Apparat 1931 vom Stromkreis getrennt wird, verschwinden die Geister wieder im Jenseits. Wie kann es ihnen jetzt gelingen, ihn von dort wieder einzustöpseln?
- Mit Stromschlägen halten die Geister Megan und ihre Gefährten vom Gerät fern. Wieso zerschmettern sie es nicht durch einen geworfenen Stuhl? Edison hat 1931 mit einer Axt erfolgreich für Geisterfrieden gesorgt; Gewalt müsste also funktionieren.
- Woher kommt überhaupt der Strom in einem Haus, das angeblich seit Jahrzehnten leer steht? (Auch das Wasser läuft noch.)
- Wieso können die Geister mit Messer und Axt verletzen und töten, während es gleichzeitig möglich ist, durch ihre offensichtlich nur sichtbaren aber nicht stofflichen Körper zu laufen?
- Warum nimmt Megan in einem schmuddeligen Badezimmer ein Bad in jener Wanne, in der sich kurz zuvor noch Würmer und Maden tummelten, vor denen sie sich ausgiebig ekelte?

Für einen gewissen Ausgleich sorgt kurz vor dem Finale ein Drehbuch-Twist, der nachvollziehbar erklärt, wieso Megan für ihr Experiment ausgerechnet ein bzw. dieses Geisterhaus ausgewählt hat. Gelungen ist auch die Auflösung, die auf ein Happy-End nicht nur verzichtet, sondern eine Fortsetzung andeutet, die (zur angenehmen Abwechslung) in der Tat einen Sinn ergäbe, weil sie sich aus dem Geschehen ergibt.

Die Gefährten des (Cooper-) Rings

Obwohl schon seit 1999 im Filmgeschäft aktiv, konnte Benjamin Cooper den Status des “Guerilla-Filmemachers” bisher nicht abschütteln. Seine Werke sind billig in der grundsätzlichen Bedeutung dieses Wortes: Sie durften und dürfen nichts kosten, und so sehen sie auch aus, so hören sie sich an.

Wer unter solchen Umständen Filme drehen will, muss sich auf widrigkeitstolerante Kampfgefährten mit ausgeprägtem Hang zur Selbstausbeutung stützen. Tatsächlich stößt man im Cooperschen Umfeld vor und hinter der Kamera immer wieder auf dieselben Namen. Entweder verbindet sie echte Freundschaft, oder ihnen geht die Fähigkeit ab dazuzulernen, wie auch Cooper als Filmemacher keinerlei Fortschritte zu machen scheint.

Von den Darstellern geht keine besondere Faszinationskraft aus. Rachel Balzer ist immerhin überzeugend als fanatische Zicke, die ein düsteres Geheimnis hütet und psychisch am Abgrund (“brink”) steht. Auch optisch entspricht sie nicht der üblichen silikongestopften Hollywood-Horror-Scream-Queen. In ihrer Rolle ist sie aus deutlich härterem Holz geschnitzt als der sie anschmachtende Jeff Ryan alias Leo, der ohnehin in jedem entscheidenden Moment Mist baut. Jason Flowers muss als Technik-Freak Todd nicht den Nerd-Trottel mimen, sondern überrascht mit einer harten Rechten und als “love interest” der blonden Bianca.

Gescheitert ist Cooper mit dem Konzept von ‘Geistern’, die sich als solche nur durch weiße Gesichtsschminke und schwarze Augenringe von den Lebenden unterscheiden. Diese Spukgestalten können beim besten Willen keinen Schrecken erzeugen! Da hilft es nicht, dass aufgrund des kontrastschwachen und unscharfen Bildes kaum Details erkennbar sind.

Was uns abschließend zu der Frage führt, wieso “The Brink” in Deutschland keine Jugendfreigabe erhielt. Die Spezialeffekte sind überhaupt zahlenarm und lassen sich an den Fingern einer arbeitsversehrten Holzfäller-Hand abzählen. Darüber hinaus sind sie von einer (CGI-) Qualität, die Mitleid erregt. Selbst im Vorabend-Programm des Fernsehens sieht man heute ‘härtere’ Szenen. Hat sich – diese Frage stellt sich nicht zum ersten Mal – die FSK diesen Film überhaupt am Stück angesehen? Oder hat man sich auf die Lektüre der Inhaltsangabe und die Sichtung des Trailers beschränkt; ein Verhalten, zu dem auch dem potenziellen Zuschauer geraten werden kann?

DVD-Features

Verschämt wurden dem Hauptfilm zwei Bildergalerien beigefügt, die dem Zuschauer als “Features” angedient werden. Tatsächlich handelt es sich um beliebige Fotos, deren Informationsgehalt ohne Wissen um den Zusammenhang gleich Null ist.

Wesentlich ergiebiger aber nicht ganz einfach zu finden sind die Extras zum Film auf der Website des Thunderhead Studios; hier gibt es u. a. einen Ausschnitt aus Coopers Produktionsnotizen, die einen guten Eindruck davon geben, was “No-Budget”-Filmarbeit realiter bedeutet:

www.thunderheadstudios.com/brink.htm

[md]

Titel bei Amazon.de:
The Brink

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Preisrätsel 2 x DIE PERLMUTTERFARBE-DVD

Erstellt von Detlef Hedderich am 29. Juli 2009

DIE PERLMUTTERFARBE
Eine Geschichte über Freundschaft, Lüge und Wahrheit
DVD-Verkaufsstart: 23. Juli 2009

Preisrätsel 2 x DIE PERLMUTTERFARBE-DVD

Wer einen der beiden Preisrätseltitel erhalten möchte, der sollte uns folgende Frage mailen: Wie heissen die drei Hauptschauspieler und wie sind ihre Figurennamen? Die Antwort bitte malien an: redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” eintragen. Danke. Sobald 20 richtige Einsendungen erfolgt sind werden aus diesen die beiden Gewinner gezogen. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Die beiden Gewinner lauten: Maurice Keller und Marina Schöpf, herzlichen Glückwunsch!

Bayern in den 30er Jahren. Durch einen dummen Zufall gerät der 13–jährige Alexander (Markus Krojer) in den Besitz eines Fläschchens mit geheimnisvoll schillernder Perlmutterfarbe, die sein bester Freund Maulwurf (Dominik Nowak) erfunden hat. Sofort sucht die ganze Klasse fieberhaft nach dem vermeintlichen Dieb. Doch statt mit der Wahrheit herauszurücken, greift Alexander zu einer Notlüge, die der unliebsame Klassenkamerad Gruber (Benedikt Hösl) auch noch deckt, indem er den Verdacht des Diebstahls geschickt auf die Nachbarklasse lenkt. Immer mehr distanziert sich Alexander somit von seinen Freunden und scheint gefangen in einem Netz aus Lügen. Schlimm genug, wäre da nicht auch noch Lotte (Zoë Mannhardt), auf die Alexander und Maulwurf dummerweise beide Anspruch erheben …

Die 1931 angesiedelte Geschichte um den Jungen Alexander, der sich wegen einer kleinen Lüge aus Eitelkeit in große Schuld verstrickt, spielt – wie alle Rosenmüller-Filme – in Bayern. Erfolgsregisseur Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt, ist länger tot“) beweist auch in diesem zauberhaften, lausbübischen Film sein großes Talent für heimatnahe Geschichten mit authentischen Charakteren.

Für die feinsinnige Parabel auf Freundschaft und Wahrheit, hat der Regisseur wieder den Jungstar Marcus Krojer besetzt – bekannt und beliebt seit seiner Hauptrolle in „Wer früher stirbt, ist länger tot“. An seiner Seite ist Zoë Mannhardt („Hände weg von Mississippi“) zu sehen. Die Erwachsenenrollen wurden mit namhaften Darstellern wie Brigitte Hobmeier, Josef Hader, Gustav-Peter Wöhler und Johannes Silberschneider besetzt.

Weitere Informationen finden sich auch unter: http://www.dieperlmutterfarbe.film.de

Ausstattung der DVD:
Bildformat: 2.35:1 in 16:9
Tonformat: Deutsch Dolby Digital 5.1, Audiokommentar mit Markus Krojer, Thomas Wittmann und Robert Marciniak (Produzent), Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte möglich
Prod.-Jahr: 2008
FSK: ab 6 Jahren
Länge: ca. 99 Min.
Extras: Making of (ca. 20 Min.), Deleted Scenes und Outtakes (ca. 10 Min.), Set-Tour (ca. 5 Min.), Spaß am Set (ca. 2 Min.), Mit den Kids beim Dreh (ca. 13 Min.), Die Menschenfabrik des Dr. Knopf – Film in s/w (ca. 4 Min.), VFX-Making of (ca. 7 Min.), Audiokommentar, Darsteller-Infos

Titel bei Amazon.de
Die Perlmutterfarbe

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Living Hell – Das Grauen hat seine Wurzeln

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Juli 2009

Living Hell – Das Grauen hat seine Wurzeln

Originaltitel: Living Hell (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: Richard Jefferies
Kamera: Eric Leach
Schnitt: Russell Denove
Musik: Terence Jay
Darsteller: Johnathon Schaech (Frank Sears), Erica Leerhsen (Carrie Freeborn), Jason Wiles (Glenn Freeborn), James McDaniel (Colonel Eric Maitland), Terence Jay (Sergeant Arbogast), Charissa Allen (Private Aneta McQueen), Dylan Kenin (Sgt. Teegarden), Judy Herrera (Private Una Fernandez), Vic Chao (Sgt. Kinoshita), Josh Berry (Torbin Struss), Daniel Beer (Tristan Sears), Rick Herod (General Kenneth Lavigne), Joshua Rollins (Kermit Shourt), Darlene Kegan (Elenore Sears) uva.
Label: 3L-Film
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment (www.ascot-elite.de)
Erscheinungsdatum: 09.07.2009 (Leih-DVD) bzw. 20.08.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4049834002282 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nach vielen Jahrzehnten soll Fort Lambert aufgegeben und abgerissen werden. Viele längst vergessene Geheim-Experimente fanden hier tief in der Wüste des US-Staates Neu-Mexiko während des Kalten Krieges statt. Deshalb müssen Spezialisten unter der Leitung von Glenn Freeborn das gewaltige und verschachtelte Gelände mit seinen drei unterirdischen Geschossen nach überlagerten Chemikalien und Waffen durchsuchen. Da Freeborn im Rollstuhl sitzt, ist es Gattin Erica, die an der Gift-Front aktiv ist.

Die schmutzige und heiße Arbeit wird dramatisch unterbrochen, als Schullehrer Frank Sears sich gewaltsam Einlass in Fort Lambert verschafft. Vor Jahrzehnten hat ihm seine Mutter, die in der Anlage beschäftigt war, beschworen, Sorge dafür zu tragen, dass “es” im Fort niemals “gestört” werde; anschließend brachte sie ihren Ehemann und sich um.

Durch Frank aufgeschreckt, finden die Freeborns bei der nochmaligen Überprüfung eines Kellergeschosses eine geheime Kammer. Dort steht ein Tank, der nicht nur die Kadaver unzähliger Versuchstiere, sondern auch eine Leiche enthält, die von einer seltsamen Rankenkreatur befallen ist. Die erweist sich als quicklebendig. Mit rasanter Geschwindigkeit beginnt sie zu wachsen, schnappt sich erst Glenn Freeborn und dann die meisten Soldaten des Forts, während sie an Größe stetig zunimmt und sich als kugelfest erweist.

Eine panische Flucht setzt ein, Washington wird informiert. Mit dem üblichen Brett vorm Kopf wird der Feind militärisch attackiert. Als das missglückt, wird der Einsatz der Atombombe befohlen. Dabei haben Frank und Erica inzwischen herausgefunden, dass dies die Kreatur endgültig unbesiegbar machen würde. Der Schlüssel zum Sieg ist Frank, dessen Blut das Wesen tötet. Doch es muss in seinem Kern getroffen werden, und der befindet sich in Fort Lambert, das unter sauggierigem Wurzelwerk förmlich begraben liegt …

Menschen gegen Monster – ein unsterblicher Klassiker

Am Anfang stand ein durchaus kluger Gedanke: Wir planen ein monumentales SF-Grusel-Epos und haben nur ein Budget von 4,5 Mio. Dollar. Deshalb sparen wir uns gedankliche Tiefe und drehen ein B-Movie nach klassischem Vorbild. Gemeint sind primär die US-amerikanischen Monster-Filme der 1950er Jahre. Die Besseren ihrer Art erzählen eine spannende Geschichte und enthalten zusätzlich ein wenig Stoff zum Nachdenken.

Einst stand vor allem die Angst vor “der Bombe” und dem III. Weltkrieg im Vordergrund. Geändert hat sich seither allenfalls der Gegenstand der Furcht: “Living Hell” thematisiert (SEHR trivial) die moderne Gänsehaut vor einer Gentechnik, deren Produkte sich im Verbund mit biologisch-chemischer Umweltverschmutzung sowie menschlicher Schlampigkeit unaufhaltsam verselbstständigen. In der Tat gleicht die Turbo-Wurzel, die erst Fort Lambert und dann die ganze Welt bedroht, dem umstrittenen Gen-Mais, dessen potenzielle Nebenwirkungen je nach Interessenlage negiert oder beschworen werden. Hier behalten natürlich die Pessimisten Recht, denn nur auf diese Weise kommt (so etwas wie) eine Filmhandlung in Schwung, die anderthalb Stunden trägt.

Zwar daran gedacht aber nicht entsprechend gehandelt

Theoretisch jedenfalls, denn realiter hat Regisseur und Drehbuchautor Richard Jefferies sein Ziel nicht nur knapp verfehlt. Das muss er sich hauptsächlich selbst vorwerfen, da “Living Hell” sein ureigenes Filmkind ist. Dem hätte er zu mehr Schwung und inhaltlicher Stringenz verhelfen müssen. “Living Hell” ist ein lahm und sprunghaft inszeniertes Abenteuer. Schon der Auftakt ist fauler Zauber: Jefferies springt mitten in die Handlung, um danach erst einmal 33 (!) Jahre zurückzuschalten; später wird das einleitend gezeigte Geschehen in voller Länge wiederholt.

Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Zuschauer womöglich schon an die grassierende Langeweile gewöhnt, die “Living Hell” immer wieder verbreitet. Überraschungen glänzen durch Abwesenheit, sämtliche Figuren verhalten sich exakt so, wie wir es aus unzähligen B-Movies kennen. Halt: Die “Living-Hell”-Soldaten sind möglicherweise noch vernagelter als üblich; allerdings belegen Fakten, die z. B. aus dem Irak bekannt werden, dass im US-Militär tatsächlich nicht nachgedacht, sondern nach Vorschrift gehandelt wird. Unter dieser Prämisse überzeugt die Deckel-zu-und-Beton-drauf-Mentalität, die den unglücklichen sowjetischen Überläufer Yurgeni Tarasov, der eine Superwaffe für seine amerikanischen ‘Gastgeber’ entwickeln sollte, im eigenen Test-Tank enden ließ.

Jefferies spart sich durch einschlägige Mach-das-oder-du-kommst-vors-Kriegsgericht-Szenen außerdem viel Denkarbeit, weil er Unlogik direkt ins Geschehen einarbeiten kann. Manchmal kommt man nicht umhin zu vermuten, dass Jefferies diverse Soldaten-Aktionen parodistisch angelegt hat; General Lavigne ist beispielsweise ein Kommisskopp, den man sich lieblicher, d. h. dämlicher, nicht vorstellen kann, wenn er sinnlos Befehle an längst tote Untergebene bellend und mit seiner Dienstwaffe auf Würge-Wurzeln feuernd rückwärts durch eine Bowling-Bahn (!) stolpert.

Gefahr ohne Gesicht

Der übelste Fauxpas ist sicherlich die Wahl des Monsters: Eine Wurzel kann schwerlich so ungeheuerlich wüten, dass es den Zuschauer fesselt. Es fehlt das “Gesicht”, das dem Grauen Züge verleiht. Tarantula, die Riesenspinne, oder Ymir, das Weltraum-Ungetüm, sind Kreaturen, die ihr Publikum noch mehr als ein halbes Jahrhundert nach ihrem Filmtod in den Bann ziehen. Dass Handlung und Tricks von “Tarantula” und “20 Million Miles to Earth” denkbar altmodisch sind, ändert daran gar nichts. Diese Wesen haben Charakter, und sie wachsen dem Zuschauer trotz ihrer Untaten ans Herz. Da muss ein Wurzelgeflecht ohne Kopf, Augen oder Individualität passen. Dieses Problems war sich Jefferies wohl durchaus bewusst; nicht grundlos konzentriert sich der “Kern” des Monsters im konservierten Körper seines Schöpfers. Lösen konnte er es auf diese Weise aber nicht.

Außerdem agiert unsere Wurzel einfallslos. Sie bohrt sich durch den Boden und dann in ihre Opfer. Ein Hirn besitzt sie nicht. Der ständig identische Tod ist trist. Daran ändert die angesichts des wahrlich nicht üppigen Budgets meist erstaunlich saubere Tricktechnik wenig: Die Wurzeln wachsen bemerkenswert überzeugend und unter Vorspiegelung räumlicher Tiefe durch die Wüstenlandschaft. Licht- und Schatteneffekte wurden berücksichtigt.

Das Pressen des Pennys

Für 4,5 Mio. Dollar lässt sich dennoch beim besten Willen kein Film inszenieren, der dem Zuschauer vor Staunen die Augen übergehen lässt. Jefferies tat sein Bestes. Klug wählte er die Wüste von Neu-Mexiko als Schauplatz. Schon Altmeister Jack Arnold ließ unsterbliche SF-Klassiker wie “It Came from Outer Space” (1953, dt. “Gefahr aus dem Weltall”) oder den genannten “Tarantula” (1955) vor der kargen aber eindrucksvollen Kulisse dieser Landschaft spielen.

Vor allem ist “Living Hell” freilich ein Film, der durch Special-Effects lebt. Schon gelobt wurden die Schöpfer der Wurzel-Attacken. Mit Robert Kurtzman wurde ein in seinem Metier sehr bekannter Make-up-Künstler angeheuert, der trotz der finanziellen Einschränkungen in Sachen Wurzelbefall gute Arbeit leistet.

Auf der anderen Seite wird immer wieder geschludert. Einfach lächerlich wirkt vor allem Ericas und Franks CGI-Helikopter-Flug über die von der Wurzel bedeckte Wüste. Noch peinlicher ist die ‘Explosion’ des Hubschraubers, die aus einem billigen Computerspiel übernommen scheint. Zwar einfallsreich aber allzu deutlich als Notlösung erkennbar ist die Darstellung einer militärischen Großattacke, die ausschließlich auf den Radar- und Infrarot-Bildschirmen des Hauptquartiers ’stattfindet’: Für Vor-Ort-Gefechte mit richtigen Panzern und anderem Kriegsgerät war halt kein Geld da. Vielleicht hätte man die Gefahr eine Stufe niedriger ansetzen und nicht gleich den Weltuntergang anmahnen sollen.

Routiniers in Khaki und Tarnstreifen

An der Wurzel-Front finden wir viele übliche Verdächtige – Hollywood-Darsteller der zweiten und dritten Garnitur, die hart für ihr Geld arbeiten und trotzdem auf echten Starruhm verzichten müssen. Dass sie ihr Handwerk verstehen, wird in erster Linie dadurch ersichtlich, dass sie unsäglich dümmliche Dialoge über ihre Lippen bringen und sich der Zuschauer trotzdem nicht dauerhaft vor Lachen kugelt. Die Bürger des Wüstennestes Bennell, das ebenfalls in den Wucherweg der Wurzel gerät, werden von Laien dargestellt, die möglicherweise mit Freibier bei Stimmung gehalten wurden. Panisch wirken sie jedenfalls nicht, wenn die digitalen Wurzelstränge nach ihnen haschen.

Im Gedächtnis haften bleibt die unglaubliche Szene, in der Frank die nackte Erica mit seinem Blut einreibt, um ihr auf diese Weise seine Immunität gegen die Wurzel zu übertragen: Sie wird exakt wie eine Sex-Szene inszeniert, ausgeleuchtet und mit der entsprechenden Musik unterlegt. Vermutlich unfreiwillig gelingt Jefferies hier einer jener kruden Momente, die den ganz besonderen Charme des B-Movies ausmachen. Von ihnen hätte “Living Hell” mehr benötigt; aus einer lahmen Routine-Produktion für den “Sci-Fi-Channel” wäre womöglich ein weiterhin hanebüchener aber wenigstens unterhaltsamer Film geworden.

DVD-Features

Der Trailer und eine Bildergalerie wurden der DVD aufgespielt; einen Bonus zum Hauptfilm gibt es also im Grunde nicht.

[md]

Titel bei Amazon.de:
Living Hell

Preisrätsel 5 x 1 DVD:
Um einen derPreisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Frage beantwortet werden:

Wie heißt die weibliche Hauptdarstellerin?

Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” eintragen. Danke.

Sobald zwanzig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost.

Die Gewinner lauten: Michaela Hagemann, Thomas Hamburger, Kirsten Wiebke, Thomas Havemann, David May, herzlichen Glückwunsch!

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Battlespace – The End Is Near

Erstellt von Redaktion am 21. Juli 2009

Battlespace – The End Is Near
Originaltitel: Battlespace

Land/Jahr: Australien 2006
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: 90 Minuten
Label: Sunfilm Entertainment
Vertrieb Sunfilm: Entertainment

Regie: Neil Johnson
Darsteller: Blake Edgerton, Eve Connelly, Spencer Slasberg, Paul Darrow, Iva Franks Singer
Buch: Neil Johnson

In einer fernen Zukunft hat die Menschheit den Tod besiegt. Sie expandiert unkontrolliert und schon bald befindet sich das Universum in einem gigantischen Krieg. Die einzige Hoffnung liegt bei … ach, lassen wir das doch einfach.

Die Geschichte ist so originell wie ein laues Eiersandwich an einem warmen Sommertag am Baggersee. Sieht nach nichts aus, schmeckt nicht und sollte man meiden. Warum überhaupt ein Label diesen Space-Müll in Deutschland auf den Markt bringt, bleibt ein Rätsel.

Neben der Geschichte sind auch die Spezialeffekte zum Wegwerfen. Es handelt sich dabei um sehr offensichtliche Effekte und die Animationen scheinen aus der Anfangszeit der Computerballerspiele zu stammen. Zeitgemäße Videospiele bieten da heutzutage schon mehr und sind um ein vielfaches besser.

Durch den Einsatz der Sprecherin aus dem Off wirkt der Film manchmal wie ein animiertes Hörbuch – allerdings ohne Spannung. Über das Können der Schauspieler braucht – Verzeihung – sollte man kein weiteres Wort verlieren.

Kann man der Silberscheibe dennoch etwas abgewinnen? Sicher – denn hält man sie in die Sonne glitzert es schön.
(Günther Lietz)

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Battlespace – The End is near

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Mortuary – Wenn die Toten auferstehen

Erstellt von Michael Drewniok am 16. Juli 2009

Mortuary – Wenn die Toten auferstehen

Originaltitel: Mortuary (USA 2005)
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Jace Anderson u. Adam Gierasch
Kamera: Jaron Presant
Schnitt: Andrew Cohen
Musik: Joseph Conlan
Darsteller: Denise Crosby (Leslie Doyle), Dan Byrd (Jonathan Doyle), Stephanie Patton (Jamie Doyle), Alexandra Adi (Liz), Rocky Marquette (Grady), Bug Hall (Cal), Courtney Peldon (Tina), Tarah Paige (Sara), Michael Shamus Wiles (Sheriff Howell), Adam Gierasch (Mr. Barstow), Lee Garlington (Rita), Greg Travis (Eliot Cook), Christy Johnson (Dottie) u. a.
Label u. Vertrieb: Koch Media Home Entertainment (www.kochmedia-dvd.de)
Erscheinungsdatum: 03.02.2006 (Kauf-DVD u. 2-Disc-Special-Edition)
EAN: 4020628989385 (Kauf-DVD) bzw. 4020628989378 (2-Disc-Special-Edition)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nach dem Tod ihres Gatten versucht Leslie Doyle den Neuanfang. Man hat ihr einen Job als Leichenbestatterin in einer kalifornischen Kleinstadt angeboten, in die sie mit ihren Kindern, dem halbwüchsigen Jonathan und seiner jüngeren Schwester Jamie, übersiedelt. Leider hat man sie gelinkt, denn das Bestattungsinstitut erweist sich als Bruchbude, die nicht nur inmitten des Friedhofs, sondern auch auf gründlich verpestetem Boden steht.

Zu allem Überfluss soll in einer der verfallenen Grüfte Bobby Fowler, der missgestaltete, geistig gestörte Sohn der Vorbesitzer sein Quartier aufgeschlagen haben. Das erzählen Jonathan zumindest seine neuen Freunde, die hübsche Liz und ihr schwuler Jugendfreund Grady, die sich trotzdem nicht davon abhalten lassen, dem verrotteten Einbalsamierungskeller einen Besuch abzustatten.

Dort geht es auch deshalb wüst zu, weil Leslie ihr Wissen über das Bestattungswesen nur aus dem Fernstudium zieht, was groteske Zwischenfälle heraufbeschwört. In dem Chaos geht unter, dass einige der eingelieferten Leichen zwar tot aber nicht auf ihren Bahren bleiben, sondern umherwandern und ahnungslose Zeitgenossen mit grünem Schleim bespucken, der sie ebenfalls in Zombies verwandelt.

Denn unter dem Friedhof haust eine uralte Wesenheit, die sich ein Heer hirnloser Befehlsempfänger rekrutiert, mit deren Hilfe sie buchstäblich an die Oberfläche drängt. Auch Leslie fällt ihnen zum Opfer, aber ihre Kinder hat sie nicht vergessen, denen sie mit vielen untoten Gefolgsgenossen energisch auf die Hälse rückt. Zu ihrem Pech geraten auch Liz und Grady ins Visier der Zombies, zu denen sich ein quicklebendiger Bobby Fowler gesellt …

Es hätte durchaus schlimmer kommen können!

Wäre die Kritik gnädiger mit diesem Film umgegangen, hieße sein Regisseur nicht Tobe Hoopere? Er gilt als tragische Gestalt – ein “früh Vollendeter”, dem nur mit seinen ersten Filmen alles gelang. Mit “The Texas Chainsaw Massacre” – dem Original von 1974 – sorgte Hooper für einen Donnerschlag im Horrorkino. Es folgten Klassiker wie “Eaten Alive” und “The Funhouse”. Dann meldeten sich Hollywood und der Mainstream-Film: Hooper drehte 1981 für Stephen Spielberg “Poltergeist”. Mit “Lifeforce” (1985) und “Invaders from Mars” (1986) war Hoopers Höhenflug schon vorbei. Seitdem dreht er als Regisseur fleißig und sparsam aber oft wenig inspiriert Episoden für TV-Serien und kostengünstige Horrorfilme. An seine frühen Erfolge konnte Hooper nie wieder anknüpfen.

Auch “Mortuary” ist Glied der langen Kette mittelmäßiger Routinefilme, die Hooper bis heute herunterkurbelt. Das Budget ist überschaubar, die Schauspieler teilen das Schicksal ihres Regisseurs (Denise Crosby) oder verdienen ihre Brötchen vor allem im Fernsehen, wo man sie oft sieht, ohne dass man sich jemals ihre Namen merkt. Die Spezialeffekte sind als solche ebenso deutlich zu identifizieren wie die wackligen Friedhofskulissen. Klischees bilden den Kitt zwischen wenigen Drehbuch-Einfällen, und viel zu oft können selbst sie gewaltige Logiklöcher nicht füllen.

Auf der anderen Seite ist Hooper ein Profi, der mit den wenigen Pfunden, die ihm zur Verfügung stehen, durchaus zu wuchern vermag. Aus “Mortuary” konnte er beim besten Willen keinen ‘ernsthaften’ Horrorstreifen formen. Folglich versuchte er es gar nicht. “Mortuary” ist eine Grusel-Komödie – ebenfalls keine großartige, aber eine funktionstüchtige, die auf gar zu grobe Kalauer weitgehend verzichtet, sondern die Story mit einem gewissen “tongue-in-cheek”-Schmunzeln erzählt, der ihr sehr gut zu Gesicht steht.

Vom Unterhaltungswert menschlicher Verwesung

Ein ‘Markenzeichen’ Hoopers ist seit “The Texas Chainsaw Massacre” der großzügige Einsatz von Tod und Verwesung. Was dem Sterben folgt, wird für ihn zur Blaupause für abstoßend-unterhaltsame Effekte. Dazu tritt Hoopers Faszination für das spektakulär Missgestaltete, dem er stets auch tragische Züge und damit eine charakterliche Dimension gönnt, die das ‘Monster’ menschlich werden lässt, auch wenn es tötet: Meist haben die ‘normalen’ Menschen es in die Rolle des Ungeheuers gedrängt. So ist es auch Bobby Fowler in “Mortuary” ergangen.

Er hat sich im Untergrund des Friedhofs eine schauerliche Heimstätte eingerichtet. Mit scharfem Blick für morbide Details setzt er Särge, Knochen und Leichen als Möbel und Dekorationsobjekte ein. Den entsprechenden Einfallsreichtum der Kulissenbauer muss man würdigen, denn er trägt zu einem Gutteil zum Filmvergnügen bei.

Auch die Maskenbildner leisten gute Arbeit. Die naturalistische Darstellung des Todes ist dabei nicht Ziel ihre Anstrengungen. Selbst würdig entschlafene Greise entsetzen von vornherein als garstig grünliche Kadaver. Leslie Doyles Murksen als Bestatterin, das eher den Tatbestand der Leichenschändung erfüllt, kann da nicht mehr viel beschädigen. Die Transformation zum Zombie setzt der Scheußlichkeit an der Grenze zur Parodie noch kräftig eins drauf. Das ist Humor der groben Sorte, aber er wirkt immerhin.

Eine Story – muss das sein?

Hat sich der Zuschauer auf “Mortuary”-Niveau begeben, verfliegt der Ärger über das eigenwillige Drehbuch, das einerseits ein Potpourri sehr bekannter Szenen aus anderen Horrorfilmen darstellt, während es andererseits jeglichen Sinn geradezu fanatisch ausklammert. Wie realistisch ist es (selbst in den USA), dass eine Do-It-Yourself-Leichenbestatterin angeheuert wird? Dass der mörderische Dorftrottel seit Jahrzehnten unbehelligt in seiner Gruft hausen kann? Und welcher Hinterbliebene würde seine lieben Verblichenen einem Saustall wie diesem Bestattungsinstitut anvertrauen?

Zumindest der eingeweihte Horrorfreund weiß Bescheid, was ihm nun blühen wird, wenn Leslie Doyle in der Fowler-Gruft auf eine Inschrift stößt, die 1 : 1 dem fiktiven Zauberbuch “Necronomicon” entnommen wurde, das dem Hirn des Phantastik-Klassikers H. P. Lovecraft (1890-1937) entsprang. Auch wenn der Name nie fällt, öffnet sich unter dem Friedhof das Portal zum Reich des “Großen Alten” Cthulhu, der auf die Oberwelt drängt, um dort sein Schreckensregiment zu etablieren.

Die “Mortuary”-Version cthulhuscher Schrecken ist augenfällig Parodie. Mit einigen Büchsen Steinsalz lässt sich der uralte Finsterling bei Lovecraft jedenfalls nicht ausschalten. Hier sorgen die Folgen solchen Einsalzens für weitere Heiterkeit, die sich aus dem Zerfall der so behandelten Zombies speist; leider macht die Qualität der Tricktechnik die Wirkung teilweise zunichte.

Darsteller ohne Furcht vor Schmutz & verdächtigen Flüssigkeiten

Eine ausgesprochen hohe Toleranzschwelle in Sachen Schmutz und Staub war für die “Mortuary”-Darstellerriege Voraussetzung. Dies ist einer jener Filme, die auf äußere Schauwerte und Action setzen, während schauspielerisches Talent nur eine sekundäre Rolle spielt. Rollen wie die in der Inhaltsskizze genannten spielen Profis quasi im Schlaf. Erst recht spielt es keine Rolle, dass der Jonathan Doyle zum Zeitpunkt des Filmdrehs seinen 20 Geburtstag feiern konnte, während Alexandra Adi, seine ‘gleichaltrige’ Freundin Liz, bereits 34 Lenze zählte … (Was mit dicker Schminke und später mit einer noch dickeren Dreckschicht erfolgreich vertuscht wird.) Womöglich als Ausgleich wirkt Stephanie Patton als Jamie Doyle weitaus reifer als ihre 12 Jahre.

Denise Crosbys Karriere ist nach verheißungsvollem Auftakt (“Star Trek – The Next Generation”, “Pet Cemetary; dt. “Friedhof der Kuscheltiere”, 1989) nie richtig in Schwung gekommen. Sie schlägt sich als zuverlässige Nebenrollen-Darstellerin in oft obskuren Filmchen durch. Auch die Leslie Doyle in “Mortuary” dürfte kaum ihre Traumrolle gewesen sein. Als besessener Zombie wirkt sie wesentlich überzeugender denn als Mutter. Ein ungeahntes komisches Talent legt sie immerhin im Kampf mit der Balsamierungsmaschine und einer störrischen Leiche an den Tag.

Die Nebenrollen sind wiederum Parodie. Michael Shamus Wiles warnt als Sheriff Howell schamhaft vor geilen Teenies und “Friedhofsbabys” und legt selbst als Zombie großen Wert auf manierliches Benehmen; Diner-Chefin Rita (Lee Garlington) hat ihr Hirn in Mädchenjahren allzu intensiv in LSD getränkt; Eliot Cook glänzt als schleimiger Hauswirt, der die konsternierte Leslie übers Ohr haut und gleichzeitig anbalzt. Bug Hall, Courtney Peldon und Tarah Paige geben ihr Bestes in den Klischee-Nischen Proll-Hengst und Kleinstadt-Schlampen.

Erstaunlich ist der ständige Perspektivenwechsel. “Mortuary” beginnt aus der Sicht der Tochter Jamie. Sie wird von Mutter Leslie ersetzt und verschwindet im Hintergrund der Handlung, wo sie höchstens noch als “Kind in Gefahr” eingesetzt wird. Leslie wird wiederum von Jonathan verdrängt, der zunächst nur körperlich präsent war. Ein austariertes Gleichgewicht herrscht zwischen den drei Familienmitgliedern nicht. Genau das wäre jedoch nötig, um ein Gefühl der Sympathie beim Zuschauer zu erzeugen.

Schade, dass “Mortuary” auf der Zielgeraden die Luft ausgeht. Es gibt keinen echten Höhepunkt. Stattdessen versucht es Hooper mit dem uralten, müden Trick eines ‘überraschenden’ und ’schockierenden’ Schlussgags, der völlig fehlzündet und sogar der verqueren Logik des bisher Gesehenen ins Gesicht schlägt. Aus unterhaltsamem Mittelmaß wird plötzlich Schwachsinn – ein Tiefschlag, der diesen grellen Film nachträglich völlig über die Grenze zum Trash jagt.

DVD-Features

Dem zwar welken aber weiterhin in der Werbung beschworenen Ruhm des Regisseurs Tobe Hooper ist es wohl zu verdanken, dass “Mortuary” nicht nur als Single-DVD mit diversen Extras bestückt wird, sondern sogar als “2-Disc-Special-Edition” auf den Markt geworfen wurde.

Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Extras der Film-DVD als Mumpitz. Es gibt den Originaltrailer in deutscher und englischer Fassung sowie Bio- und Filmografien von Tobe Hooper, Dan Byrd, Denise Crosby, Lee Garlington und Price Carson – als Texttafeln, wie sie in der Urzeit der DVD-Features üblich waren!

Nur 75 Minuten währen die Extras der (überflüssigen) Zusatz-DVD. Ein beinahe episches “Making of” gestattet immerhin aufschlussreiche Blicke hinter die Kulissen einer Horror-Billig-Produktion. Dazu gibt es – für Komplettisten – einen “Mortuary”-Promotrailer in Kurz- und Langfassung. Abgerundet wird das Ganze durch einen DVD-ROM-Part mit Schnickschnack wie “Mortuary”-Bildschirmschoner, Artwork und Poster, dem deutsch-englischen Dialogbuch, einer kunterbunt durcheinander gewürfelten Bildergalerie sowie einen (längst erloschenen) Link zu einem “Zombie Game”.

[md]

Titel bei Amazon.de:
Mortuary – Wenn die Toten auferstehen …

Mortuary (Special Edition, 2 DVDs)

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Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast

Erstellt von Michael Drewniok am 9. Juli 2009

Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast

Originaltitel: I’ll Always Know What You Did Last Summer (USA 2006)
Regie: Sylvain White
Drehbuch: Michael D. Weiss
Kamera: Stephen M. Katz
Schnitt: David Checel
Musik: Justin Burnett
Darsteller: Brooke Nevin (Amber Williams), David Paetkau (Colby Patterson), Torrey DeVitto (Zoe), Ben Easter (Lance), Seth Packard (Roger), Michael Flynn (Sheriff Davis), K. C. Clyde (Hilfssheriff Hafner), Clay Taylor (P. J. Davis), Don Shanks (Fischer) uva.
Label u. Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment (www.sphe.de)
Erscheinungsdatum: 21.11.2006 (Kauf-DVD)
EAN: 4030521338494 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Türkisch, Portugiesisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min.
FSK: 18/keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Broken Ridge ist ein ödes Nest irgendwo in den hügeligen Weiten des US-Staats Colorado. Bevor Kunst-Fotografin Amber, ihr Lover Colby, die Nachwuchs-Sängerin Zoe, Kumpel Roger und Surfbold P. J. in die weite Welt hinausziehen, wollen sie sich mit einem Knalleffekt verabschieden. Der aufwändig inszenierte Streich, den eine spektakuläre Mordserie inspirierte – ein Killer in der Maske eines Fischers metzelte anderenorts vor Jahren diverse Teenies nieder -, nimmt allerdings ein unglückliches Ende, das P. J. sein Leben kostet. Seine Freunde, die Verdruss und Strafe scheuen – P. J. war der Sohn des Sheriffs! -, schwören einander ewiges Schweigen. Der Mörder, den es nie gab, kann nicht gefasst und der Fall muss zu den Akten gelegt werden.

Ein Jahr später hat das dunkle Geheimnis die Freundschaft zerstört. Man geht einander aus dem Weg. Zufällig naht der Jahrestag des Unfalls, als Amber Broken Ridge einen Besuch abstattet. Kurz darauf findet sie auf ihrem Handy gleich 50-fach folgende anonyme Nachricht: “Ich weiß, was ihr letzten Sommer getan habt!”

Um zu klären, wer ihnen mit Verrat und Rache droht, raufen sich Amber, Colby und Zoe wohl oder übel wieder zusammen. Roger ist allerdings wunderlich geworden und hat sich auf einen Hügel zurückgezogen, wo er in einer Sesselliftstation haust. Dort finden die Freunde ihn auch – zerfleischt und verblutet.

Während die wie üblich begriffsstutzige Polizei Selbstmord vermutet, sehen die überlebenden Drei sich mit einer vermummten Gestalt konfrontiert: Der “Fischer” ist zurück und fordert mordend Vergeltung. Wer verbirgt sich hinter der Maske? P. J., der womöglich überlebt hat? Sein wütender Vater? Neffe Lance? Hilfssheriff Hafner? Die Liste der Verdächtigen ist lang, während die Zahl der Verfolgten rapide abnimmt …

Langer Titel – kurze Story

Nicht manchmal, sondern garantiert kommen sie wieder – jene Filmstoffe nämlich, die im Kino und/oder als DVD/Blu-Ray erfolgreich waren, wobei Erfolg nie durch Qualität, sondern ausschließlich durch die Höhe der eingespielten Geldsumme definiert wird. Dass in der Tat noch die dümmste Story aus der Mottenkiste geholt wird, wenn die Rechnung buchstäblich aufgeht, demonstriert die Existenz dieses merkwürdigen Streifens, dessen Bemerkenswertigkeit sich in der grotesken Länge seines Titels erschöpft.

Die Geschichte vom Fischer Ben Willis, dem gedankenlose Teenager übel mitgespielt hatten und der sich dafür bitter bzw. blutig rächte, hatte ihr logisches Ende schon im Finale des Originalfilms “I Know What You Did Last Summer” (dt. “Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast”) gefunden. Der mit  diversen Jungdarstellern im Karriere-Aufwind besetzte und von der einstigen Horrorfilm-Hoffnung Kevin Williamson in ein solides Drehbuch gefasste Slasher wurde zum Überraschungs-Blockbuster des Jahres 1997 und spielte bei einem Budget von 17 Mio. Dollar weltweit mehr als 125 Mio. Dollar ein.

Diesen Erfolg konnte der unvermeidliche und 1998 hastig heruntergekurbelte Nachzieher “I Still Know What You Did Last Summer” (dt. “Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast”) verdientermaßen nicht annähernd wiederholen. Damit war eigentlich zu erwarten, dass der Fischer endgültig in den ewigen Meeresgründen ruhte. Aber der Horrorfilm ist ein unberechenbares Genre. Im 21. Jahrhundert werden ad acta gelegte Storys der Vergangenheit wiederbelebt und entweder direkt fortgesetzt oder als Remake einfach neu verfilmt. Interessant ist, wie tief dabei der Bodensatz aufgewühlt wird.

Mit Minimal-Budget und dem falschen Versprechung eines spannenden Metzel-Thrillers lockte ein geldgieriges “Last-Summer”-Franchise 2006 für das hoffentlich reichlich zahlende Publikum den Fischer aus seinem feuchten Grab, ernannte ihn kurzerhand zur Kult-Figur à la Michael Myers oder Jason Vorhees und versuchte sich dreist in der Etablierung einer weiteren einträglichen Schema-F-Serie. Da “I’ll Always Know …” direkt für den Videomarkt entstand, hielt sich das Risiko in Grenzen.

Am Haken fauler Geschäftemacher

Einem ungleich höheren Risiko sieht sich der Zuschauer ausgesetzt, wenn er erwartet, unterhalten zu werden, denn dieser Faktor ist dem Franchise-Gedanken höchstens sekundär. Das erkennt man bereits an der Unverfrorenheit, den Fischer ausgerechnet in Colorado auftauchen zu lassen: Dieser US-Staat liegt ziemlich genau in der Mitte des nordamerikanischen Kontinents und ist viele, viele Meilen von jedem Meer oder See entfernt. (Abgesehen davon wurde “I’ll Always Know …” nicht in Colorado, sondern im Mormonen-Staat Utah gedreht. Apropos: Wieso wählt man als Drehstätte einen Wintersportort wie Park City, um dann ausgerechnet im Sommer zu filmen …?)

Der Fischer wird zum “urbanen Mythos” umgedeutet. Nicht mehr schnöde Rache lässt Ben Willis umgehen – er ist jetzt ein Spukbold mit Auftrag: Wer sich in jungen Jahren schlecht benimmt und anschließend vor der gerechten Strafe drückt, beschwört ihn aus dem  Geisterreich herauf. Wem er dann im Nacken sitzt, ist verflucht. Späte Reue ist zwecklos; eine Entscheidung des Schicksals, dem “I’ll Always Know …” auch seinen niederschmetternd blöden Schlussgag verdankt.

Der wiederum eine Fortsetzung androht – aber Halt: Schon “I’ll Always Know …” ist ja im Grunde keine Fortsetzung, sondern eine Kopie. Der Ursprung der “Fischer”-Legende und damit die Existenz der ersten beiden “Last-Summer”-Filme wird ebenso plump wie werbewirksam von der Handlung aufgegriffen. Ansonsten ist “I’ll Always Know …” – klang dies schon an …? – ein stereotyper Slasher: Hübsche Teenies werden auf unterhaltsam bizarre Weise abgeschlachtet.

Wobei dies auf denkbar dezente Weise geschieht. Wieso dieses matte Metzel-Movie keine Jugendfreigabe erhielt, ist rätselhaft. Hier geschieht rein gar nichts Grässliches (wenn man die grobe Machart des Streifens einmal ausklammert), womit ein zentrales Lockmittel für einschlägig gepolte Zuschauer bereits ausfällt.

Auch Sex findet nicht statt; alle Busen bleiben bedeckt, aber es gibt eine Szene mit dem oberkörperfreien Colby in Badeschlappen, was eventuell das weibliche Publikum bezaubert. Für Ausgleich sollen endlose Aufnahmen eines angeblichen Talentwettbewerbs sorgen, an dem offensichtlich nur grottenschlechte Musik-Clowns teilnehmen durften.

Ob Regisseur Sylvain White (der sich als Drehbuchautor des ungleich besser geratenen Thrillers “Walled In” 2009 rehabilitieren konnte) sein Bestes versucht hat, aus der kläglichen Grundidee, dem kümmerlichen Budget und den wenig inspirierten Darstellern (dazu gleich mehr) das möglichst Beste herauszuholen, muss als Frage offen bleiben. Das Heft hat stattdessen Kameramann Stephen Katz übernommen, der sein Arbeitsgerät wie entfesselt zoomen, springen und wirbeln lässt, um eine Handlungsdynamik vorzutäuschen, die nicht existiert, denn “I’ll Always Know …” ist eine erschütternd statische Angelegenheit.

Die Verdammten dieser (Film-) Erde

Für den dritten Teil eines siechenden Filmreihe werden selbstverständliche keine Schauspieler wie Sarah Michelle Gellar oder Jennifer Love Hewitt angeheuert. Brooke Nevin weist als Amber immerhin die fuchshaften Gesichtszüge der beiden “Last-Summer”-Veteraninnen auf. Ansonsten gibt sie die früh gereifte, Karriere, Ehe und Familienleben bereits fest ins Auge fassende, aber (deshalb?) stets langweilig und verdrossen wirkende Heldin. Die einzige Kante in der stromlinienförmigen Persönlichkeit dieser Amber bildet die Bereitwilligkeit, die Mitverantwortung am Tod des Freundes zu vertuschen.

Die aparte und wesentlich anziehender wirkende Torrey DeVitto ist schwarzhaarig und schon deshalb doppelt verflucht: Sie darf nur eine Nebenrolle spielen und muss ins Gras beißen. Zuvor muss sie es wider Erwarten nicht mit einem der männlichen Darsteller treiben, denn so abgelegen liegt sogar Broken Ridge nicht, dass eine junge Frau auf Kandidaten wie den ebenso grausig blondierten wie strunzblöden Colby, den hohlköpfigen Roger oder den langweiligen Lance angewiesen wäre. (Muss dreimal geraten werden, wer aus diesem Trio überlebt und – Strafe muss sein – die blonde Amber am Hals hat?)

Dass sämtliche Teenie-Darsteller für ihre Rollen mindestens fünf Jahre zu alt sind und das überdeutlich zu erkennen ist, darf man nicht ihnen anlasten. “I’ll Always Know …” is das filmische Pendant zu einem Fließband-Produkt: Auf die frist- und budgetgerechte Fertigstellung kommt es an. Also mimen alle Beteiligten, wozu sie das saft- und kraftlose Drehbuch verdammt, und begeben sich ohne Murren und zielgenau in jene einsamen und dunklen Ecken, die ein mit Hirn begabtes potenzielles Mordopfer tunlichst meiden würde, bevor die Karawane zum nächsten B-Movie oder zur nächsten TV-Episode weiterzieht. Dort werden wir, die wider besseres Wissen immer wieder auf überflüssige Filme wie diesen hereinfallen, sie zweifellos erneut treffen …

DVD-Features

Als kalt konstruierte und kalkulierte Konfektions-Ware kommt “I’ll Always Know …” erstaunlich bild- und tonsicher daher. Auch das Beiwerk überrascht. Mit dem Trailer zum Hauptfilm war zu rechnen. Darüber hinaus gibt es ein knapp 27-minütiges “Making of” (auch wenn sich dessen Aussagekraft in Grenzen hält und die übliche “Alles toll, alle Freunde”-Stimmung verbreitet wird) sowie – man lese und staune – einen Regiekommentar. Leider weiß Mr. White nicht, was er uns sagen möchte oder könnte, weshalb er einfach beschreibt, was wir ohnehin sehen (müssen).

[md]

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Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast

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Preisrätsel: 2 x 1 DVD: „Boogeyman 3“ von Regisseur Gary Jones

Erstellt von Detlef Hedderich am 6. Juli 2009

„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“ – so lautete sinnigerweise der deutsche Titel des Mittelkasse-Slashers „Boogeyman“, der 1982 in die Kinos kam. Nach zwei schwachen Fortsetzungen flimmerte 2005 mit dem neuen Boogeyman dann ein Film über die Leinwände, der sich ungelenk zwischen Reboot und Remake bewegte und mit „Boogeyman 3“ von Regisseur Gary Jones nun sein zweites Sequel nach sich zieht. Damit passt das Franchise also bestens in die gegenwärtige Filmlandschaft. Produziert wurden alle drei Teile von der Billig-Horrorfilmschmiede Ghost House Pictures, in deren Vorstand unter anderem Sam Raimi (Tanz der Teufel, Spider-Man) sitzt. Aber das hat den ersten beiden Teilen schon nicht geholfen – und tut dies natürlich auch beim dritten Anlauf nicht.

Ähnlich wie in „Freddy’s New Nightmare“ unternimmt auch hier eine Horrorgestalt den Versuch, aus dem Reich der Legenden und Mythen in die reale Welt einzudringen. Und überhaupt erinnert die „Boogeyman“-Reihe mit den Traumsequenzen, dem Teenager-Cast und dem toughen Girl ein wenig an die Nightmare On Elm Street-Filme: Psychologie-Studentin Sarah (Erin Cahill) lebt in einem College-Wohnheim, hat einen Freund (Chuck Hittinger), einen Jon als Telefonseelsorgerin beim Uni-eigenen Radiosender und steckt mitten im Prüfungsstress. Als sie mit ansehen muss, wie ihre beste Freundin vom Boogeyman geholt wird, traut sie ihren Augen nicht und beginnt an ihrem Verstand zu zweifeln. Dennoch ist sie mit der Zeit immer mehr von der Existenz des Schwarzen Mannes überzeugt, der da im Wandschrank, unter dem Bett oder in dunklen Ecken lauert. Alsbald häufen sich die Todesfälle unter der Studentenschaft und der Horror erhält endgültig Einzug ins Wohnheim… (…)
Christian Horn/filmstarts.de

Preisrätsel:
Gewinnspreise: 2 x 1 DVD
Um einen Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Frage beantwortet werden: Wie heißt die weibliche Hauptdarstellerin?
Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” eintragen. Danke.

Sobald zwanzig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die beiden Gewinner ausgelost. Die beiden Gewinner lauten Herman Will und Claudia Ulrichs, herzlichen Glückwünsch!

Titel bei Amazon.de
Boogeyman 3 (Unrated)
Boogeyman 3 – uncut

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Preisrätsel: 1 x Soundtrack und 1 x DVD und 2 x blu-ray “Shopaholic”

Erstellt von Detlef Hedderich am 6. Juli 2009

Rebecca Bloomwood liebt Shopping und lebt gemäß dem Motto: Kein Mann kann mich so glücklich machen wie ein Shop. Ausgerechnet Sie, für die Geld nur zum Ausgeben da ist, beginnt einen Job als Kolumnistin für ein Finanzmagazin. Mit einem Mal lebt Rebecca auf der Überholspur – bis sie von ihrem leicht überzogenen Bankkonto eingeholt wird. Basierend auf dem absoluten Weltbesteller „Die Schnäppchenjägerin“ von Sohie Kinsella kommt hier eine sexy Romantic Comedy, für die die legendäre Kostümdesignerin Patricia Fields die hinreißende Isla Fisher in Szene gesetzt hat.

Preisrätsel:
Gewinnspreise: 1 x Soundtrack 1 x DVD und 2 x blu-ray
Um einen Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Frage beantwortet werden:
Wie heißt die weibliche Hauptdarstellerin?
Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” eintragen und nicht vergessen anzugeben, ob Sie die DVD oder die blue-ray erhalten möchten. Danke.

Sobald zwanzig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, wird unter diesen Einsendern der jeweilige Gewinner ausgelost. Die Gewinner lauten DVD: Otto Minz, blu-ray: Alexandra Claus, Herman Conradi, Soundtrack: Inge Hanz, Herzlichen Glückwunsch!

Titel bei Amazon.de
Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin
Shopaholic – Die Schnäppchenjägerin [Blu-ray]

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Preisrätsel: 2 x DVD “Glaubensfrage”

Erstellt von Detlef Hedderich am 6. Juli 2009

Die konservative Nonne und Direktorin einer Klosterschule (Meryl Streep) verdächtigt den populären Schul-Priester (Phillip Seymour Hoffman), eine seiner Schülerinnen sexuell zu missbrauchen. Nachdem der Priester die Vorwürfe abstreitet, setzt die Direktorin ihre junge Gehilfin Schwester James auf ihn an, die bald nicht mehr weiß, wem sie glauben soll.

Preisrätsel:
Um einen derPreisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Frage beantwortet werden:

Wie heißt die weibliche Hauptdarstellerin?

Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” eintragen. Danke.

Sobald zwanzig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Die Gewinner heissen: Lothar Michaelis und Petra Bertram, herzlichen Glückwünsch!

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Glaubensfrage

Glaubensfrage [Blu-ray]

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Brutal

Erstellt von Michael Drewniok am 2. Juli 2009

Brutal

Originaltitel: Brutal (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: Ethan Wiley
Kamera: Roel Reiné
Schnitt: Radu Ion u. Bayard Stryker
Musik: Joseph Bauer
Darsteller: Jeffrey Combs (Sheriff Jimmy Fleck), Sarah Thompson (Zoe Adams), Michael Berryman (Leroy Calhoun), Eric Lange (Evan), William Sanford (Rick), Don O. Knowlton (Doc McCall), Kevin Indio Copeland (Barkley), India Dupré (Taffy Reynolds), Crystal Stone (Jamie), Whitney Anderson (Vicki), Cyrus Alexander (Chaz), Lisa Pescia (Serviererin), Jane Le (Rona), Kristin Kirgan (Becky) u. a.
Label u. Vertrieb: KSM – Krause & Schneider Multimedia (www.ksmfilm.de)
Erscheinungsdatum: 12.03.2009 (Leih-DVD) bzw. 09.04.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4260131127908 (Leih-DVD) bzw. 4260131127915 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1 – anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (gekürzt)
FSK: 18

Das geschieht:

In einer kalifornischen Kleinstadt hat seit Jahren Sheriff Jimmy Fleck das Sagen. Just steht seine Wiederwahl an, sodass er auf jeden Fall gut vor der Öffentlichkeit dastehen will. Leider setzt ihn gerade jetzt die deutlich jüngere Hilfssheriff-Frau Zoe, die gleichzeitig seine Geliebte ist, unter Druck, endlich seine angeblich ungeliebte Gattin zu verlassen.

Es kommt noch schlimmer: Seit einiger Zeit werden rund um den Ort immer wieder grässlich verstümmelte Tierkadaver gefunden: Der psychopathische Schullehrer Evan übt für den Tag, an dem er endlich bereit ist, seiner eigentlichen Passion zu folgen. Die verruchte Jamie wird sein Debüt als Serienkiller. Hübsche Frauen werden seine bevorzugten Opfer. Er foltert und tötet sie mit Gartengeräten, schneidet ihnen die Herzen aus der Brust und legt eine Blüte auf die Leichen.

Sheriff Fleck ist mit der Situation überfordert. Er will vor allem Aufsehen vermeiden, bis die Wahl gelaufen ist. Zoe weigert sich, dem Folge zu leisten. Sie erkennt, dass der Mörder eine Botschaft übermitteln will, und erstellt ein Profil. Mit dem alten Leroy Calhoun, einem autistischen Sonderling, der die besten Spürhunde der Gegend züchtet, verfolgt sie die kargen Spuren.

Fleck nimmt Zoes Eifer mit Misstrauen zur Kenntnis. Er sieht sich als Polizist herausgefordert und seine Stellung gefährdet. Außerdem droht Zoe, Flecks Ehefrau über den Ehebruch zu informieren. Der Sheriff kommt zu dem Schluss, dass Zoe das nächste Opfer des Mörders werden muss. Er kennt einen wüsten Halunken, der ihm gern diesen kleinen Gefallen tun wird. Der Blumen-Killer bekommt Wind von der Sache und wird aktiv. Schließlich hat er für Zoes Herz bereits einen Ehrenplatz in seiner Sammlung reserviert …

Misserfolg durch Etikettenschwindel

Drei Namen lassen den altgedienten Horror-Fan aufhorchen: Ethan Wiley genießt als Drehbuchautor der ersten beiden „House“-Filme (1986 bzw. 1987; „House II“ hat er außerdem inszeniert) einen gewissen Ruf. Jeffrey Combs ist Herbert West, der legendäre „Re-Animator“ der kultig verehrten gleichnamigen Film-Trilogie. Michael Berryman ist nicht nur aber vor allem der gruselig anzuschauende Mörder-Mutant „Pluto“ aus den beiden ‚originalen‘ Wes-Craven-Gruslern „Hügel der blutigen Augen“ I und II (1977 und 1985). Dazu das Cover, das einen pupillenlosen Zombie-Meuchler mit Kettensäge und Fleischerhaken zeigt. Wer jetzt noch nicht an ein Splatter-Spektakel glauben mag, wird mit folgendem Untertitel konfrontiert: „Ein erbarmungsloser Slasher!“.

Kein Wunder, dass sich vor allem erwartungstrunkene Gore-Bauern bitter ge- und enttäuscht sahen und ein entsprechendes Wehgeheul anstimmten, weil sich „Brutal“ als meist ruhige Krimi-Komödie ohne übernatürliche Vorkommnisse sowie mit nur wenigen und gar nicht „Hostel“-adäquaten Metzel-Szenen entpuppte. Als solche auf den Markt gebracht (und mit einem weniger suggestiven Titel etikettiert), hätte dieser Film sicherlich eine etwas objektivere Aufnahme erfahren.

Denn obwohl Ethan Wiley kein Glanzstück seines Genres – gleichgültig ob Horror oder Thriller – gelang, verfügt „Brutal“ über einige Qualitäten. So mag die Story simpel sein, doch sie ist vorhanden, wird solide entwickelt und verschafft der Handlung ein tragfähiges Fundament. Aus der Budgetnot wie nie ein Hehl, sondern eine Tugend gemacht. Und „Ernst“ ist eine Eigenschaft, die dem Werk jederzeit abgeht: „Brutal“ ist Wileys „House“ des 21. Jahrhunderts. Gemordet wird mit einem Augenzwinkern, und nur die deutsche Zensur erkennt wieder einmal nicht (dazu unten mehr), wie hanebüchen die entsprechenden Szenen in Szene gesetzt und wie altmodisch sie getrickst werden.

Billig, schmutzig, spaßig

„Altmodisch“ ist das Stichwort, denn „Brutal“ ist nicht nur eine Komödie, sondern will auch eine Hommage an die gute, alte, blutige Zeit des Horrorfilms in den 1970er und 80er Jahren sein. Unter dieser Prämisse werden die ständigen Irritationen und Logiklöcher nicht nur tolerierbar, sondern verständlich. Wie stimmig ist es beispielsweise, dass Sheriff Fleck, der acht Morde aufzuklären hat, vom FBI signalisiert bekommt, man habe kein Interesse ihm zu helfen und sei auf sich allein gestellt? Wie fest schläft Doc McCall eigentlich, wenn es Ethan gelingen kann, in seiner Garage ungestört eine Frau in Stücke zu häckseln? Und wieso ist in dem staubigen Nest der Handlung der Anteil junger, schöner, ständig geiler und sich unbekümmert in dunkler Nacht tummelnder Schlampen so unerhört hoch? Die Antwort ist durchweg identisch: Weil’s zu dieser insgesamt abstrusen Story passt.

Wobei es ein Leichtes gewesen wäre, aus „Brutal“ eine konventionellen Serienkiller-und-Cop-Krimi zu machen. Wiley nimmt sich viel Zeit mit der Vorstellung seiner Hauptfiguren Jimmy Fleck und Zoe Adams. Er verschafft ihnen eine Vorgeschichte, die unabhängig vom eigentlichen Filmgeschehen für dramatische Momente sorgt. Ethan, der Killer, ist kein maskierter Maniac, sondern durchaus überzeugend als täuschend sanfter Lehrer, der von einem Moment zum nächsten ausrasten kann.

Zu diesem Aspekt der Handlung passt das recht gemächliche Tempo. Sogar manche Scherze zünden. Gewissenhaft und oft vergeblich wird ermittelt, während der Mörder im Wettlauf mit der Zeit in einen wahren Blutrausch verfällt. Schnelle Schnitte, raffinierte Kameratricks oder andere modische Effekte des modernen Horrorfilms sucht man vergebens. Überdies scheint Wiley seit 1986 mit demselben Equipment zu arbeiten. Wie sonst ließe sich das großkörnige, farblich verwaschene Filmbild erklären. (Damit dies nicht allzu deutlich ins Auge sticht, wird der deutsche Zuschauer mit einer besonders scheußlichen Synchronisation abgelenkt.)

Leider konnte sich Wiley nicht zwischen Fisch und Fleisch entscheiden. „Brutal“ soll beide Lager bedienen, soll komisch und blutig sein. Das ist ein komplizierter Balanceakt, an dem schon bessere Regisseure und Drehbuchautoren gescheitert sind – und Wiley ist kein wirklich guter Vertreter beider Zünfte!

Paradoxerweise gelingen ihm die ‚blutlosen‘ Sequenzen besser als die Metzel-Episoden, die sich nie in die Handlung fügen wollen, sondern ihr aufgesetzt und aufgezwungen wurden. Zudem sind sie ohne Raffinesse umgesetzt: Gut ausgeleuchtet verarbeitet Ethan seine Opfer in tiefer Nacht zu Schnetzelfleisch – nein, das kann nicht funktionieren! Für richtig ‚gute‘, d. h. scheußliche Tricks war ohnehin kein Geld da.

Schauspieler im Darsteller-Urlaub

Das „Making of“ bringt es an den Tag: Alle Beteiligten hatten ihren Spaß während der Dreharbeiten. Schauspielerische Großtaten galt es nicht zu bewältigen, also ging der Job eher lässig von der Hand. Jeffrey Combs mimt mit sichtlichem Vergnügen den miesen Sheriff Fleck, der hinter der Fassade des biederen Gesetzeshüters mit Cowboy-Hut und -Attitüde allmählich finstere Seiten durchscheinen lässt. Sarah Thompson, sonst vor allem in ‚dramatischen‘ TV-Serien zu sehen, genießt ihren ersten Auftritt in einem Genrefilm und schlägt sich gut als nur scheinbar kleine, schwache Frau unter Provinz-Machos. Eric Lange

Für eine echte Überraschung sorgt Michael Berryman. Aufgrund einer genetischen Schädigung ohne Schweißdrüsen und Nägel sowie dauerhaft haar- und zahnlos geboren, wurde er von der Natur außerdem mit einer Gesichtsphysiognomie bedacht, die an den Oger Shrek erinnert. Das Hollywood der B- und C-Filme nahm ihn mit offenen Armen auf. Seit den 1970er Jahren ist Berryman DER Mann für die Verkörperung von Monstern, Mördern und Mutanten. (Nicht selten spielt er alle drei Rollen in Personalunion – er kann das!)

Doch Berryman verfügt nicht nur über ein Gesicht, das für den Horrorfilm geschaffen ist, sondern auch über echtes Schauspielertalent. Mit den Jahren erweiterte er sein Repertoire und übernahm auch sympathische Rollen. In „Brutal“ gibt er den scheuen, sanften, autistischen Außenseiter Leroy, der in der Krise über sich selbst hinauswächst und in die Heldenrolle schlüpft. Das zu beobachten macht Freude, weil es so authentisch wirkt. (Was natürlich nicht für den weiter oben erwähnte Gore-Bauern gilt, der Berryman gefälligst meuchelnd erleben möchte.)

Ein (typisch) deutsches Trauerspiel

„Brutal“ ist in seinen Splatter-Szenen wie schon erwähnt nicht besonders plakativ. Das gilt vor allem im Vergleich mit manchem Hochglanz-Schocker der „Saw“-Kategorie. Trotzdem fand Wileys Werk vor der deutschen Zensur keine Gnade. Diese arbeitet nicht unbedingt logisch und reagiert primär auf offensive Reize. Hier muss es wohl die Trias „Brutal“, „Slasher“ und „Berryman“ in Kombination mit dem Nonsens-Cover gewesen sein, die für ein Zuschnappen der Schere sogar in der SPIO/JK-Fassung sorgte. „Brutal“ wurde um etwa 30 Sekunden Sägearbeit erleichtert (die man aber im „Making of“ wiederfindet; begreife einer die Welt der Zensoren!)

Auch Vollständigkeit könnte „Brutal“ nicht zum wirklich guten Film adeln. Mittelmaß regiert, aber manches gelingt, und vergleichsweise selten missglückt etwas richtig. Die solide Schauspielerarbeit erstaunt und versöhnt. Vom dämlichen Titel sollte man sich weder abschrecken noch in falschen Erwartungen wiegen lassen. Für einen ruhigen Filmabend taugt „Brutal“ allemal.

DVD-Features

Über die Features lässt sich dieses Mal vor allem Freundliches sagen: Es gibt sie, und sie konzentrieren sich auf das Wesentliche. Regisseur und Drehbuchautor Ethan Wiley gibt in seinem Kommentar Einblick in Arbeit an einem typischen B-Movie. Dazu gibt es ein richtig gutes „Making of“, das auf jegliches Marketing pfeift und als wüste, jederzeit unterhaltsame Mischung aus Kulissen-Impressionen, Interviews und jeder Menge improvisierter Gags daherkommt. Die Schauspieler bleiben nicht selten in ihren Rollen und erweitern (oder untergraben) die Handlung des Hauptfilms auf eigenwillige Weise. Die sonst hinter der Kamera wuselnden Crewmitglieder mischen kräftig mit. Trotzdem gewinnt der Zuschauer ein umfassenden Bild von den Dreharbeiten. Solche Features lohnen das Anschauen! So lassen sich Überflüssigkeiten wie Biografien/Filmographien als Texttafeln und eine beliebig zusammengewürfelte Bildergalerie entschuldigen.

[md]

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