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Archiv für September, 2009

Seraphim Falls

Erstellt von Redaktion am 29. September 2009

seraphim-fallsSeraphim Falls

Genre: Western, Drama
FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 114 Minuten

Regie: David von Ancken
Drehbuch: David von Ancken, Abby Everett Jaques
Darsteller: Liam Neeson, Pierce Brosnan, Anjelica Huston, Michael Wincott, Robert Baker, Ed Lauter, John Robinson

Produktion: USA 2006
Produktionsfirmen: Icon Productions
Produzent: Stan Wlodkowski

Anfangs ein packender Western, der zum Ende hin in trivialen Surrealismus abdriftet …

Ein einsamer Mann in den verschneiten Bergen, ein Schuss, der Mann wird am Arm getroffen und eine Verfolgungsjagd von Norden nach Süden durch die USA beginnt. Der Mann heißt Gideon (Pierce Brosnan), diente im Bürgerkrieg für die Nordstaaten und ist ein harter Hund.

Angeschossen wurde er von Carver (Liam Neeson) und seinen Männern. Auch Carver diente im Krieg, allerdings für die Südstaaten und hat deswegen mit Gideon eine Rechnung offen. Doch die Beute verkauft ihren Pelz verdammt teuer – so teuer, wie Carver Rücksichtslosigkeit einsetzt. Und von nun an dezimiert sich der Jagdtrupp und am Ende kommt es zum großen Endkampf inmitten der Wüste …

„Seraphim Falls“ beginnt als Western mit wunderbar fotografierten Bildern, klassischen Westernelementen und knalliger Action. Die Jagd dominiert vom ersten Augenblick an den Film, packt den Zuschauer und lässt ihn kaum noch los. Da sind kleinere Logikfehler zu verschmerzen, die symptomatisch für den ganzen Film sind und sich ab Beginn öfters mal einschleichen.

So kümmert es Regisseur David von Ancken wenig, ob nun Kugel oder Schall zuerst eintreffen oder ob in einem eiskalten Wildbach die Überlebenschance gegen Null tendiert oder warum die berittenen Jäger langsamer als ein angeschossener Fußgänger sind oder warum dieser die Gäule herantraben hört und noch genug Zeit hat, falsche Fährten zu legen oder, oder, oder – doch o Wunder, die Handlung reißt es stets wieder raus.

Und so folgen die Zuschauer an Carvers Seite Gideon und fiebern mit diesem wiederum mit, wenn er mit Tricks seinen Häschern im letzten Augenblick entkommt oder einen bösen Buben eiskalt erledigt. Und während der lange Jagd werden all die schönen Dinge eingebaut, die einen Western so spannend machen.

Da wird eine Eisenbahn gebaut, kommen Bankräuber vor, ist ein toter Bär zu sehen und vieles mehr. Dabei geht es zwar blutig, aber sehr züchtig zur Sache. Da wird die Hüfte ein bisschen am Arsch der Farmerstochter gerieben, aber die Hose bleibt oben. Selbst der Ausschnitt wird züchtig verdeckt – allerdings sieht man gut das Herausdrücken einer Kugel aus der blubbernden Wunde oder wie eine Messerklinge aus dem klaffenden Hals eines Toten gezogen wird. Nun, us-amerikanische Verhältnisse eben. Irgendwie klingt der Western nach Müll, oder? Schon, aber er ist auch gleichzeitig ein Drama.

Der wahre Motor, der „Seraphim Falls“ am laufen hält, ist der Konflikt zwischen Gideon und Carver, der Dialog zwischen Brosnan und Neeson. Beide Männer zeigen hier ihre Stärke als Charakterschauspieler, spendieren ihren Figuren immer wieder neue und überraschende Nuancen. So überlebt Gideon Schuss, Wildbachfahrt und Selbstoperation, doch er heult dabei Rotz und Wasser, schnauft angeschlagen und man wartet nur darauf, dass der Gejagte tot umfällt. Doch er bleibt am leben, wird immer wieder eingeholt und entkommt im letzten Augenblick. Dank dem überzeugenden Spiel von Neeson und Brosnan wirkt das übrigens natürlich, statt aufgesetzt.

Die Emotionen, das Feuer, der Hass und die Verzweiflung sind fast sichtbar. Es sprüht zwischen den beiden Männern ein richtiger Funkenregen, während die Geschichte langsam und unaufhaltsam auf den Höhepunkt zujagt. So müssen Western sein, das ist spannend, das packt, das reißt mit.

Brosnan gibt dabei den pragmatischen Helden der Nordstaaten, der im Krieg seine Pflicht erfüllte und eines Fehlers wegen Schuld auf sich lud, für die er nun mit seinen Träumen zahlt – so wie auch Carver, hervorragend gespielt von Neeson. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Gekonnt deutet von Ancken den Grund für den tödlichen Konflikt an, um dann rechtzeitig den Fokus auf die Gegenwart, die Jagd zu lenken. Doch die gemeinsame, traumatische Vergangenheit der beiden Feinde ist klar, wird gekonnt in einer gemeinsamen Traumszene aufgezeigt.

So packend der Film auch überwiegend ist, so lahm wird er am Ende und sollte wie ein kranker Gaul erschossen werden – normalerweise macht man das im Western ja. Der Niedergang von Handlung und Charakterspiel tritt ein, als Gideon in schönster Rambomanier Carver überraschend stellt. Danach gibt es einen weisen Indianer am Wasserloch, und erscheint eine mirakelhafte Händlerin (Anjelica Huston) mit ihrem Wagen in der Wüste – lautlos und wissend, was die harten Jungs brauchen. Bullshit!

Aber auch die Auflösung des Konflikts ist Müll, nimmt dem Film, nein, dem grandiosen Charakterspiel seine ganze Substanz. Was hat sich von Ancken bloß dabei gedacht? Anstatt knallhart zum Finale zu kommen – wie es sich für einen richtigen Western gehört – knallt „Seraphim Falls“ auf das Niveau einer Teeparty hinunter. Und das schmerzt!

Ein absolut endgültiges Urteil zu fällen, ist bei diesem dramatischen Western schwer, doch nüchtern betrachtet und nach Punkten gerechnet, geht „Seraphim Falls“ technisch K.O.. Der Film taugt für Zwischendurch, ist kurzweilig und vor allem die ersten 90 Minuten mach Spaß, aber für eine wirkliche Empfehlung des Streifens ist das einfach zu wenig. Schade, hier hat David von Ancken vor dem Showdown einfach seine Munition verschossen.

(Günther Lietz)

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Yellowstone – Legendäre Wildnis

Erstellt von Redaktion am 29. September 2009

Bei Amazon.deYellowstone – Legendäre Wildnis

Label: polyband Medien GmbH
Vertrieb: WVG Medien
FSK: Info-Programm gemäß § 14 JuSchG
System: DVD
Sprache: Deutsch DD 5.1/Englisch DD 5.1
Bildformat/Ton: 1:1,78/16:9
Mehrkanalton: Dolby Digital 5.1
DVD-Features: Featurette
Laufzeit: 135 Min.

Der Yellowstone-Nationalpark wurde 1872 gegründet und ist der älteste Nationalpark der Welt. Er ist Teil der Rocky Mountains und ein Ort der Extreme. In der BBC-Dokumentation „Yellowstone – Legendäre Wildnis“ dreht sich nun alles um die Flora und Fauna des Nationalparks. In drei Folgen – jeweils fünfundvierzig Minuten lang – werden dem Zuschauer fantastische Bilder gezeigt. Dabei besitzt jede Folge ein Kernthema.

Den Auftakt macht „Feuer und Eis“, hier wird der Nationalpark überwiegend in seinem Winterkleid gezeigt. Dabei wird auch auf die klimatischen und geographischen Besonderheiten eingegangen, die für extreme Winter sorgen. Vor allem die Tierwelt hat mit den Unbillen der Natur zu kämpfen. Besonders faszinierend sind dabei die Wölfe, die in Yellowstone leben und die Könige des Winters sind.

„Leben auf dem Vulkan“ ist die die zweite Folge auf der DVD und zeigt eindrucksvoll das Tier- und Pflanzenleben im Frühling und im Sommer. Dabei werden überraschende Einblicke gewährt, die man so kaum vermutet hätte. Besonders packend ist das Leben der Bären in Yellowstone und wie diese pelzigen Riesen selbst einer Geröllhalde noch etwas abgewinnen können.

In der abschließenden Folge „Zeit des Wandels“ konzentrieren sich die Macher vollends auf den Herbst und die Ereignisse, die dann das Leben im Park prägen. Der Zuschauer erfährt sehr eindrucksvoll, wie sich die Tiere auf den nahenden Winter vorbereiten oder aufbrechen, um Yellowstone zu verlassen. Hier kommt auch zum ersten Mal der Mensch ins Bild, der außerhalb des Nationalparks eine große Gefahr für die wandernde Tierwelt darstellt – denn diese hat ja keine Ahnung, dass sie ein geschütztes Gebiet verlässt. Dieser Abschnitt der Dokumentation ist spannend und traurig zugleich, denn die Eingriffe des Menschen in den Lebensraum der Tiere ist dramatisch.

Das Produktionsteam um die beiden Autoren und Regisseure Nathan Budd und Andrew Murray hat ganze Arbeit geleistet und herrliche Bilde eingefangen. Neben detailverliebten Nahaufnahmen gibt es epochale Landschaftsbilder, dynamische Tierbeobachtungen und farbenprächtige Aufnahmen von Pflanzen. Der Yellowstone-Nationalpark hat Einiges zu bieten und die Kameraleute John Aitchison, Spehen de Vere, Jeff Hogan, John Shier und Paul D. Stewart gaben sich redlich Mühe, wunderbare Aufnahmen zu machen. Schnell wird klar, wie anstrengend und zeitraubend die Aufnahmen gewesen sein müssen.

Besonders die Flugaufnahmen von Peter Davis sind hervorzuheben, die majestätisch anmuten und einem schier den Atem rauben. Imposante Felswände und Bergspitzen, einsame Spuren im Schnee, sich windende Flussläufe – man kommt kaum aus dem Staunen heraus. Was ebenfalls Staunen lässt, ist der exzellente Ton. Für den sind Mike Kasic, Jonny Crew und Tim Owens verantwortlich. Man glaubt beinahe, man würde sich tatsächlich nur wenige Zentimeter neben den Tieren befinden oder gar an einem der Bäche Yellowstones liegen. Sicherlich trägt auch die Tonmischung von Tim Bolt dazu bei.

Neben Ton und Bild, ist es aber auch die Musik die begeistert. Imposant, klassisch und mächtig rundet sie die Dokumentation ab, erinnert zeitweise sogar an prominente Soundtracks wie „Der Herr der Ringe“. Immerhin stammt die Musik von Edmund Butt, der mit seinen Soundtracks vor allem in TV-Serien vertreten ist. Als Beispiel mag die TV-Reihe „Merlin“ dienen oder auch die Serie „Life on Mars“. In „Yellowstone – Legendäre Wildnis“ sorgt vor allem seine Musik für die richtigen Emotionen.

Für die deutsche Bearbeitung zeigt sich Heinz Leger verantwortlich und als Sprecher agiert souverän Otto Clemens. Die ausdrucksstarke und einprägsame Stimme des Wiener Schauspielers und Sprecher führt durch die ganze Dokumentation und kleidet die spannenden Bilder in fesselnde Worte. Sehr gelungen umgesetzt.

Auch technisch ist die DVD sehr gut ausgestattet. Das Bild ist exzellent und farbenprächtig. Der Ton liegt in Deutsch und  Englisch vor, jeweils in Dolby Digital 5.1. Leider gibt es keinen Untertitel für Hörgeschädigte.

Bei den Extras auf der DVD wurde ein wenig geknausert. So gibt es eine kleine Sammlung an Trailern, in denen weitere Dokumentationen vorgestellt werden. Wirklich spannend sind aber nur die drei kurzen Reportagen, über die Leute, die bei den Dreharbeiten mitgeholfen haben. Porträtiert werden dabei Jeff Henry und Mike Kasic. Henry wird auch der Snowman genannt und ist im Winter dafür verantwortlich die Dächer der Parkgebäude zu räumen. Was auf den ersten Blick harmlos klingt, ist Tatsächlich eine gefährliche Arbeit. Kasic hat sich dagegen den Spitznamen Fishman verdient. Bewaffnet mit Taucherbrille und Schwimmflossen springt er ins Wasser, folgt der Strömung und spielt mit den Forellen. Beide Porträts sind sehr spannend gestaltet und lassen ein wenig auch Kritik an der aktuellen Klimasituation durchblicken.

Die dritte Mini-Reportage dreht sich dagegen um die Geysir-Gucker – Menschen, deren Hobby und Lebensaufgabe es ist, die Geysiere des Yellowstone-Nationalparks zu beobachten und Meldung zu machen, sobald sich etwas regt.

„Yellowstone – Legendäre Wildnis“ ist eine klasse, aufschlussreiche und auch bildgewaltige Dokumentation in drei Teilen. Die DVD wird der Doku vollkommen gerecht und ist eine klare Empfehlung!

(Günther Lietz)

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Inspector Barnaby – Super Sleuth

Erstellt von Redaktion am 29. September 2009

Bei Amazon.deInspector Barnaby – Super Sleuth
Dokumentation

edel motion
Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bildseitenformat: 16:9
Laufzeit: 55 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Die britische Krimiserie „Inspector Barnaby“ der BBC läuft in mehr als zweihundert Ländern sehr erfolgreich. Natürlich hungern die unzähligen Fans der Serie somit auch nach Hintergrundwissen. Mit „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ soll dieser Hunger gestillt werden. Die Dokumentation bewirbt sich dabei auf der Rückseite des DVD-Covers selbst als „außergewöhnlich“. Außergewöhnlich ist aber nur die dreiste Benutzung dieses Wortes.

„Inspector Barnaby“ basiert auf den Romanen der 1931 in Nuneaton geborenen Kriminalautorin Caroline Graham. Vier ihrer Romane wurden adaptiert, alle weiteren Folgen nur in ihrem Sinne und dem typischen englischen Landschaftsstil. Sämtliche Kriminalfälle spielen in der fiktiven Grafschaft Midsomer und überzeugen vor allem durch ihre schrulligen Charaktere und der liebevollen Darstellung des englischen Landlebens.

Eine dermaßen erfolgreiche Serie, in der scheinbar alle in England lebenden Darsteller bereits ihren Auftritt hatten, sollte genug Stoff für eine spannende Dokumentation hergeben. Macht sie eigentlich auch, aber hier wurde das Ziel leider verfehlt. „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ wirkt wie ein lieblos zusammengestückelter Flickenteppich. Die Interviews mit den Beteiligten sind ziemlich nichtssagend, zusätzlich werden einige Informationen mehrmals wiederholt und es ist offensichtlich, dass die Dokumentation fürs Fernsehen produziert wurde. Die Trennung der einzelnen Kapitel für den Einbau von Werbung ist nämlich klar erkennbar. Um weitere Zeit zu schinden, gibt es dann noch bekannte Ausschnitte aus der Reihe, die ziemlich nichtssagend sind.

Zugegeben, der ein oder andere Informationsschnippsel ist neu, doch im Ganzen rechtfertigt das keinesfalls den Begriff „Dokumentation“. Da stellt man sich doch etwas anderes vor. „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ wirkt eher wie ein Werbetrailer, der beinahe eine Stunde andauert. Eine Stunde Zeit, die man lieber in einen der spannenden Fälle von Barnaby investiert. Die sind nämlich wirklich gute Unterhaltung.

Auf der Rückseite der DVD steht „(…)machen die Doku zu einem echten Muss für Fans.“. Das stimmt auch. Fans werden die DVD ihrer Sammlung zufügen wollen – ungehindert des geringen Informationsgehalts und des zeitschindenden Aufbaus. Allen anderen seien die DVD-Boxen zu „Inspector Barnaby“ empfohlen.

(Günther Lietz)

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Fidel Castro – Das Ende Einer Ära

Erstellt von Redaktion am 29. September 2009

Bei Amazon.deFidel Castro – Das Ende Einer Ära

Autorin, Produzentin, Regisseurin: Adriana Bosch
Label: edel motion
Laufzeit: ca. 120 min
Sprache: Deutsch / Englisch
FSK: Info-Programm

1959 wurde auf Kuba der Diktator Fulgencio Batista durch eine Revolution gestürzt, die von Fidel Castro Ruz und seinen Untergebenen angeführt wurde. Anlässlich dieses fünfzigjährigen Jubiläums, veröffentlicht edel motion die zweistündige ZDF/arte-Dokumentation „Fidel Castro – Das Ende einer Ära“ auf DVD. Buch, Produktion und Regie lagen dabei alleine in der Hand von Adriana Bosch.

Im Zentrum der Doku steht natürlich der „Máximo Líder“ Fidel Castro selbst, doch von seiner Geburt an, bis hin zu seinem durch Krankheit bedingten Abschied aus der Politik, wurde er von unterschiedlichen Menschen begleitet, die ihn auch prägten. Das wird besonders durch die geraffte Darstellung von Castros Leben und Wirken deutlich.

Seine Geburt, Kindheit und Jugend zeigen schon einen willensstarken Charakter, der später zu einem unbeugsamen und starrsinnigen Mann wird, der sich mit den USA ein großes, scheinbar übermächtiges Feindbild aufbaut. David gegen Goliath – so mutet es an. Doch Castro hat die USA nicht bezwungen, aber er hat allen Erschwernissen zum Trotz Widerstand geleistet. Fidel Castro und sein Regime haben selbst die Sowjetunion überlebt.

Adriana Bosch hat ganze Arbeit geleistet, um Fidel Castro und sein Leben zu porträtieren. Gespickt mit unzähligen Archivaufnahmen, alten Fotos und Interviews von Zeitzeugen, zeichnet sie den Lebensweg des Mannes nach, der das moderne Kuba  prägte und auch der Welt trotzig seinen Stempel aufdrückte. Um Objektivität bemüht zeigt Frau Bosch auf, warum Castro als dermaßen polarisierende Persönlichkeit gilt. Sieg und Niederlage, Ehre und Schande, Genialität und Dummheit, Liebe und Hass – all diese Dinge vereinbart Fidel Castro in sich. Dabei wird auch gezeigt, wie Castro im Laufe der Historie sich selbst und seine Ideale verliert und schlussendlich neu definiert.

Großes hat er geleistet, Schlimmes hat er getan. Fidel Castro ist ein Mann der Widersprüche. Zusammen mit Ernesto “Che” Guevara hat er das neue Kuba geformt, seinen Freund schlussendlich still und heimlich ans Messer geliefert und ihn dann als Nationalheld vor den Propagandakarren gespannt. Castro hat Weltpolitiker gespielt, sich im Beistand der Sowjetunion gesonnt und alterte nach deren Zusammenbruch sichtbar. Zigarre, Stiefel und Uniform – so kennen ihn die Leute, so wird er geliebt, so wird er gehasst. Noch zu Lebzeiten ein Mythos, den Adriana Bosch unter die Lupe nimmt. Und das gelingt ihr außerordentlich gut.

Akribisch hat sie Bildmaterial zusammengetragen und Interviews mit Zeitzeugen geführt. Dazu gehören unter anderem Castro-Gegner wie dessen Tochter Alina Fernández oder Castros ehemalige Weggefährten. Das alles gibt ein scheinbar objektives und um Neutralität bemühtes Bild, lässt den Zuschauer sich seine eigene Meinung bilden. Trotzdem überwiegen die harten Aufnahmen, Fotos und Eindrücke: Hinrichtungen, Folter, Mord und Elend. Dem gegenüber steht jedoch auch Hoffnung, Freude und Erlösung – Fakten und Gefühle in einem Hexenkessel der Widersprüche.

Adriana Bosch setzt aus dem gesammelten Material eine faszinierende Gesamtheit zusammen. Dazu ein leiser, kubanischer Sound, der die Dokumentation begleitet, aufgebrochen von Originaltonaufnahmen. Und da gibt es tatsächlich den einzigen Haken an der Sache. Souverän führt ein Sprecher deutschsprachig durch die ganze Dokumentation, doch es gibt viele englische und spanische Tonspuren. Diese werden weder übersetzt, noch gibt es einen Untertitel. Der Zuschauer hat also keine Ahnung, was da gerade gesprochen wird – außer er ist des Englischen und Spanischen mächtig. Das hier eine Übersetzung fehlt ist sehr Schade, vor allem da oft Bezug auf das Gesagte genommen wird. Überhaupt fehlt die Möglichkeit einen Untertitel einblenden zu können.

Sehr positiv ist dagegen, dass der Sound in gutem Raumklang (5.1) daherkommt und mit kleinen Klangspielereien aufwartet. So kommen Nebengeräusche schon mal von den Seiten oder von hinten. Und das, obwohl der Ton angeblich nur in Dolby Digital 2.0 Stereo vorliegt. Auch die Bildqualität ist ziemlich gut, wobei man bei den Archivaufnahmen natürlich einige Abstriche machen muss.

„Fidel Castro – Das Ende einer Ära“ ist eine gelungene und spannende Dokumentation, die zu informieren und auch zu überraschen weiß. Adriana Bosch hat hier hervorragende Arbeit geleistet und das Bild eines Mannes gezeichnet, das man sich ansehen sollte.

(Günther Lietz)

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KOMMISSARIN LUND – DAS VERBRECHEN

Erstellt von Redaktion am 28. September 2009

Es war das TV-Highlight und die Krimi-Sensation des vergangenen Herbstes im ZDF. “Kommissarin Lund – Das Verbrechen” setzte mit der Erstausstrahlung vom 14. September 2008 an einen neuen Meilenstein in der Krimisparte der Deutschen Fernsehlandschaft. Die umfangreiche DVD-Box erscheint diesen Freitag, den 02.10.2009.

10 Folgen, ein Verbrechen – Die neue Krimireihe von den Machern von „Der Adler – Die Spur des Verbrechens“ besticht durch einen innovativen und ungewöhnlichen Erzählcharakter, der ihr 2007 eine Nominierung für den International Emmy als „Best Drama Series“ einbrachte. Über 1000 Minuten delikates Fernsehvergnügen mit Hochspannung pur. Bereits im Nachbarland Dänemark war Kommissarin Lund ein Riesenerfolg mit bis zu 75 % sagenhaftem Marktanteil. In Deutschland ist die zweite Staffel bereits für Anfang 2010 geplant. Um die Wartezeit auf das Highlight zu verkürzen, veröffentlicht Edel am 02. Oktober 2009  alle 10 Folgen der ersten Staffel in einer kompletten DVD-Box!

Die DVD-Box erscheint diesen Freitag, den 02. Oktober 2009.

Kommissarin Lund – Das Verbrechen bei Amazon.de

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A Brush with Death

Erstellt von Michael Drewniok am 24. September 2009

brush-with-deathA Brush with Death

Originaltitel: A Brush with Death (USA 2007)
Regie: Brad Wiebe
Drehbuch: Jordan Wiebe
Kamera: John Kelly
Schnitt: Nick Soares u. Brad Wiebe
Musik: Marc Padgett
Darsteller: Seanna McDonald (Amber), Missy Sturges (Megan), Lily Vu (Samantha), Ali Thurlow (Candice), Nikki Cordell (Hillary), Nicholls Melancon (Ranken), Charles Hoyes (Ronnie), Max Taylor (Caleb), Ted Esquivel (Walter), Christopher Allison (Matt), Anna Kalkowski (Zara), Scott Chedester (Michael), Cody Kinney (Ronnie als Kind) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.07.2009 (Leih-DVD) bzw. 14.08.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4260191250028 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min.
FSK: 18 (keine Jugendfreigabe)

Das geschieht:

Obwohl nicht nur dumm, sondern notorisch mannstoll, beschließen fünf schon leicht angejahrte kalifornische Cheerleaderinnen einen Wochenend-Ausflug ohne Kerle im Wochenendhaus eines Verwandten. Das liegt wie in diesem Filmgenre üblich einsam und abgelegenen sowie irgendwo im Hinterland des San Joaquin Valley. Trotzdem erhebt sich – der ‘Zufall’ will es so – gleich in der Nachbarschaft die Ruine des alten Rue-Anwesens. Seit hier in den 1950er Jahren der verrückte Sohn des Hauses seine Familie niedermetzelte und später auch zwei neugierige Touristenlümmel spurlos verschwanden, gilt es verflucht.

Prompt wollen die Girls eine spannende Gruselnacht in dem alten Haus verbringen. Zuvor langweilen sie den Zuschauer jedoch bis zur Weißglut, indem sie wahlweise im Pool plantschen oder sich um den örtlichen Jungbullen Ranken raufen, den die Neugier und die Hormone in die Runde unserer stets spärlich bekleideten Schönheiten lockten.

Das gilt auch für den geilen örtlichen Tankstellenbesitzer Walter und seinen geistig zurückgebliebenen Mechaniker Caleb, die gern auf dem Grundstück umherschleichen und einen Blick riskieren. Allerdings ahnen sie nicht, dass ein unbekannter Irrer mit Hammer und Riesenspritze naht, um nahtlos an die Traditionen des Rue-Hauses anzuschließen …

Abstieg in den Folterkeller der Filmwirtschaft

“Nach einer wahren Begebenheit” soll “A Brush with Death” entstanden sein; falls damit die nur zu reale Unfähigkeit aller an diesem Machwerk Beteiligten gemeint ist, muss dieser Aussage unbedingt zugestimmt werden. Von einem Slasher erwartet der Zuschauer eigentlich nicht viel außer knackigen Morden und knalligen Boys & Girls; es kann gern auch umgekehrt kommen. Dann braucht es nur noch ein spukiges Ambiente und einen verrückten, möglichst grässlich verunstalteten Killer, der mit unkonventionellen Mordinstrumenten grob aber einfallsreich zu Werke geht.

Tritt man so weit zurück, dass die Details weitgehend verschwimmen (wobei das flaue, kontrastschwache Filmbild hilfreich ist), weist “A Brush of Death” diese Grundelemente auf. Sie in ihrer geringen Zahl in unterhaltsame Bilder umzusetzen, sollte auch einem weniger begabten Filmemacher möglich sein. In diesem Zusammenhang darf man freilich nicht vergessen, dass es noch die Kaste der hoffnungslos Unfähigen gibt – und der sind sowohl Brad als auch Jordan Wiebe (der Grad ihrer Verwandtschaft ließ sich nicht ermitteln) definitiv angehörig.

Wieso sind es viel zu oft die Wiebes dieser Welt, die über die Energie verfügen, ihre kruden Filmträume Wirklichkeit werden zu lassen? Noch wichtiger: Warum genügt es ihnen nicht, in einer Scheune jenes Nestes, dem sie offenbar entsprangen, ein Bettlaken als Leinwand aufzuspannen, um ihre Nachbarn und andere Rednecks mit dem Ergebnis eines kameraaktiv verbrachten Wochenendes zu erfreuen? Und schließlich: Wieso sind es immer wieder die Freunde des Gruselfilms, die mit solchem Unfug heimgesucht werden?

Perfektion des Unzumutbaren

Rein gar nichts funktioniert in “A Brush with Death”. Die simple Story reicht nur von A nach B und wird trotzdem unerhört lahm entwickelt. 80 Minuten (aber ebensoviele gefühlte Stunden) dauert dieser Film, weshalb eine zügig durchgezogene Handlung sowohl möglich als auch Pflicht sein sollte. Stattdessen geht eine volle Stunde mit Leerlauf dahin. Eine falsche Mordspur wird so ungeschickt gelegt, dass sich die wenigen nicht eingenickten Zuschauer mit Grausen winden. Dann folgen endlose Szenen mit fünf Darstellerinnen, die offenbar unter einer akuten Textilallergie leiden und nur Bikinis oder Unterwäsche auf ihrer Haut ertragen. Andererseits haben die Wiebes sie genau deshalb engagiert, und wenn sie sich am Pool aalen, versuchen sie wenigstens nicht zu schauspielern. (Dazu weiter unten deutlich mehr.)

Wer munkelt nun durch das finstere Rue-Haus? Diverse Verdächtige werden uns plump vorgeführt, der tatsächliche Finsterling wird jedoch schließlich aus dem Hut gezogen. Sein ‘Motiv’ für exzessives Meucheln ist ein Kindheitstrauma, das natürlich ebenfalls aufgerollt wird – in schwarzweißen Bildern, damit das Publikum merkt, dass exakt dieselben Kulissen nunmehr die 1950er Jahre repräsentieren sollen.

Auch ein mieser Slasher kann mit perfiden Morden punkten. Überrascht es, dass “A Brush with Death” auch in dieser Beziehung völlig versagt? Für anständige Spezialeffekte war eindeutig kein Geld da. Wenn Hammerschläge Opferschädel nur im Off spalten, versöhnt das nicht mit einem auch sonst jämmerlichen Film, der dreist als “uncut edition” vermarktet wird. Wieso die deutsche FSK den blutarmen Streifen erst ab 18 Jahren freigab, kann jedenfalls nur als Versuch erklärt werden, zumindest die noch formbare Jugend vor diesem Werk der Verdummung zu schützen.

Diese Kritik schließt übrigens die deutsche Fassung ausdrücklich ein. ‘Synchronisiert’ wurde “A Brush with Death” ohrenscheinlich von Sprechern, die in Studionähe auf den letzten Nachtbus warteten und als Gruppe vom Fleck weg engagiert wurden. Ständige Verzerrungen des ohnehin kümmerlichen Bildes (s. o.) lassen außerdem den Verdacht aufkommen, dass hier ein schnödes Letterbox-Originalbild im Format 1 : 1,33 künstlich gestaucht und in die Breite gezogen wurde.

Zombies müssen nicht tot sein!

Angesichts der bisher beklagten Mängel kann die Leistung der angeheuerten Darsteller nur das Prädikat “kongenial” tragen. Für billige (d. h. kostengünstige UND miese) Horrorfilme werden selten richtige Schauspieler oder höchstens Mimen in akuter Finanznot eingesetzt. Die Wiebes mieden Schauspieleragenturen gänzlich. Sie casteten … ja, wo und wen? Die Antwort auf diese Fragen bleibt dunkel. Hingen Regisseur und Drehbuchautor Zettel in einer Provinz-Universität aus? Oder in einem “McDonald’s”? Wurde jugendlichen Delinquenten Strafnachlass angeboten, wenn sie in diesem Film mitspielten?

Die Wucht der kollektiven Untauglichkeit ist ebenso eindrucksvoll wie bestürzend. JEDER Darsteller ist unabhängig von Alter und Geschlecht ein Totalausfall. Sollten unsere Chearleader-Grazien von Ruhm & Reichtum träumen, wird ihr Erwachen böse ausfallen. Selten sah man gleich fünf Objekte männlicher Begierde so hölzern durch eine Filmhandlung stolpern. Ihr Tod könnte gar nicht grausam genug sein, um das halbwegs auszugleichen. Weit in den Schatten stellt sie freilich Ted Esquivel als schmerbäuchiger Tankwart Walter, der akute Geilheit in Anwesenheit von Frauen dadurch ausdrückt, dass er sich – vom Kameramann durch Großaufnahmen unterstützt – pausenlos mit weit ausgefahrener Zunge die Lippen leckt.

Damit soll es genug sein. Mit “A Brush with Dead” ist den Wiebes nicht der erträumte Durchbruch in Hollywood gelungen. Weltweit haben sogar anspruchsarme Horror-Allesfresser dieses Machwerk mit Hohn & Spott übergossen. Dem sollten auch wir uns anschließen – und unbedingt im Hinterkopf behalten, dass die Wiebes 2010 als Produzenten eines Streifens wiederkehren, der den schönen Titel “Tagus Ranch Massacre” trägt und in dem gleich vier Darstellerinnen aus dem “Brush”-Desaster ihren Amoklauf gegen die Schauspielerkunst fortsetzen!

DVD-Features

Extras wurden dieser DVD nicht aufgebrannt. Man muss sich nur einen Trailer anschauen, der trotz aller Bemühungen die Minus-Qualität des Hauptfilms nicht vertuschen kann.

[md]

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Jasper Park – Ausflug in den Tod

Erstellt von Michael Drewniok am 17. September 2009

jasper-parkJasper Park – Ausflug in den Tod

Originaltitel: Backwoods (USA 2008)
Regie: Marty Weiss
Drehbuch: Anthony Jaswinski
Kamera: James W. Wrenn
Schnitt: Thomas A. Krueger
Darsteller: Ryan Merriman (Adam Benson), Danny Nucci (Perry Walters), Haylie Duff (Lee), Troy Winbush (Basso), Craig Zimmerman (Dash), Mimi Michaels (Maggie), Jamison Yang (Mike Chen), Jonathan Slavin (Paul), Eric Larkin (Barmann), Willow Geer (Gwen Marie Holden), Mark Rolston (Ricks), Deborah Van Valkenburgh (Ruth), Robert “Bonecrusher” Mukes (Josiah) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 26.06.2009 (Leih-DVD) bzw. 24.07.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4041658222877 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1; anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch, Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Weil ihr Arbeitgeber, eine hippe Videogame-Schmiede in Los Angeles, sich ‘hungrige’ Angestellte wünscht, die als Business-Team wie Soldaten zusammenarbeiten, werden sechs junge Männer und zwei Frauen in die nordkalifornische Wildnis geschickt. Im Naturschutzgebiet Jasper Park teilen sie sich in zwei Gruppen und treten zum Paintball-Gefecht an.

Zuvor haben sich die arroganten Städter herzlich unbeliebt bei der geistig beschränkten und körperlich inzestuös gezeichneten Ur-Bevölkerung gemacht. Doch es kommt rasch schlimmer: Die Gruppe landet an einem See, der zum Territorium einer Sekte religiöser Wirrköpfe gehört, die sich in den Bunkern einer aufgelassenen Militärbasis häuslich niedergelassen haben. Unter der Leitung von “Mutter” Ruth warten sie auf das Ende der sündhaften Außenwelt. Bis es soweit ist, locken sie dumme Touristen, an denen es nie mangelt, in den Wald, wo die Männer getötet und ausgeplündert werden, während man die Frauen in besagten Bunker verschleppt, wo sie der 2,10-Meter-Hüne Josiah schwängert, um die Schar der Gläubigen zu mehren.

Auch unsere Freizeit-Rambos tappen in die Falle. Bald finden sich die Frauen auf Josiahs Bett und die Männer in Bunkerkäfigen wieder. Die einen möchten, die anderen sollen sterben, aber dann bricht sich jener US-Kampfgeist Bahn, der selbst im dekadentesten Stadtmenschen steckt, und die Überlebenden treten zum Sturm auf das Hinterwäldler-Gesindel an …

Waldluft kann offenbar das Hirn schädigen

Wie viele US-Pechvögel sind eigentlich in den letzten Filmjahrzehnten nach einem Wrong Turn in die Hügel der blutigen Augen geraten, wo beim Sterben jeder der erste ist? Nun geraten acht weitere Opfer auf die Schlachtbank jener Neo-Neandertaler, von denen es in den Wäldern Nordamerikas zu wimmeln scheint. Wenn man Hollywood Glauben schenken möchte, verbarrikadieren sich dort schwerbewaffnete aber leichthirnige Zeitgenossen, um reinblütige Gottesstaaten zu errichten, was sie damit bekräftigen, dass sie sich ausschließlich untereinander vermehren. Für die Güter des alltäglichen Bedarfs sorgen eingangs erwähnte Pechvögel, die nicht selten auch frisches Blut oder gar Fleisch liefern müssen. Aber keine Bange, obwohl die Mehrheit der solchermaßen Betroffenen detailfroh niedergemetzelt wird, rafft sich der schockierte Rest im Finale zuverlässig auf, um dem Pack noch brutaler entgegenzutreten und es mit Stumpf & Stiel auszurotten.

Das ist besonders nach dem Genuss alkoholischer Getränke oder anderer entspannender Substanzen für den nicht an Leib und Leben bedrohten Zuschauer unterhaltsam zu beobachten, wenn es denn halbwegs gekonnt in Szene gesetzt wird, was in diesem Fall ganz sicher nicht zutrifft: “Jasper Park” ist Trash-Horror der ungewollten Art, d. h. bierernst als Schlachtplatte gedreht, so ‘ernst’ ein Splatter halt sein kann, und in wirklich jeder Szene missglückt.

Alles misslungen, und das auch noch armselig

Dieser Vorwurf richtet sich nicht ausschließlich gegen ein ‘Drehbuch’, das nur zusammenklaubt, was im Genre schon oft funktioniert hat. Mit einschlägigen Effekten und vor allem in der richtigen Stimmung kann das anderthalb Stunden tragen. “Jasper Park” ist freilich quasi schaumgebremster Horror, entstanden fürs Fernsehen und deshalb nicht nur möglichst kostengünstig, sondern auch ohne explizite Schnetzeleien und gänzlich ohne nackte Tatsachen umgesetzt.

Um Kosten zu sparen, kam mutmaßlich eine Video-Kamera aus dem 20. Jahrhundert zum Einsatz. Die Bilder sind kontrastschwach und flau, Äste und Laub verschwimmen zu einem grünbraunen Brei, die Arbeit des Beleuchters beschränkt sich darauf, die Lampe grob dorthin zu richten, wo die Kamera die Darsteller bei ihrem Treiben aufzeichnet, und “Regie” mag man die Tätigkeit nicht nennen, mit der Marty Weiss seine Arbeitszeit totgeschlagen hat. Der Kameramann versucht’s ungeschickt zu richten, indem er sein Instrument wild schwanken und zoomen und es gern den Blickwinkel eines unsere Pechvögel belauernden Waldschrates übernehmen lässt. Schwarzweiß oder in Zeitlupe gefilmte Sequenzen gibt es auch; sie dienen (vergeblich) dem Zweck, gar zu jämmerliche Action- und Effekt-Szenen zu vertuschen. Die Filmmusik beschränkt sich auf brachialen Heavy-Metal-Rock, den US-Rednecks bekanntlich rund um die Uhr hören …

Was die ‘Spezialeffekte’ angeht, lässt sich eine ungebrochene Tradition zur Tricktechnik der Stummfilmzeit erkennen. Wahllos in der Waldlandschaft verstreute Dekorations-Einzelstücke müssen symbolhaft aufwendige Kulissen ersetzen; der fußballfeldgroße Bunker, in dem Ruths Horde haust, hat beispielsweise einen Zugang, durch dessen Pforte sich kaum zwei Leute gleichzeitig quetschen können; dem Filmzimmermann erleichterte dies den Job, denn er musste nur einige Bretter zusammennageln und mit betonfarbenem Gips bepinseln. Ähnlich ‘überzeugend’ wirken die oberirdischen Belüftungsschächte des Bunkers; wenn im Eifer des Gefechts Schauspielerfüße den Gebilden zu nahe kommen, verrät heftiges Wackeln, dass sie nur lose auf den Boden gestellt wurden.

Der Zuschauer merkt das bestimmt gar nicht …

Trick-’Qualität’ und Drehbuch-’Logik’ gehen ohnehin eine Zwangsehe ein. Typisch ist jene Szene, in der unsere Helden den Bunker-Teufeln buchstäblich einheizen wollen, indem sie Benzin in einen Belüftungsschacht schütten und anzünden. Der Kanister mit der brennbaren Flüssigkeit hat ein Fassungsvermögen von etwa drei Litern. Welcher Schaden lässt sich damit in einem wie schon gesagt riesigen Bunker anrichten? Glücklicherweise steht ‘zufällig’ direkt unter dem Schacht ein Tisch mit leicht entzündlichen Drogen, die von den Hinterwäldlern in großen Mengen hergestellt werden. (Wieso, für wen – es bleibt das Geheimnis von Regisseur und Drehbuchautor.) Beherzt stürzen sich als Redneck-Debilisten verkleidete Stuntmänner mitten in das kümmerliche Feuerchen. Wider alle Wahrscheinlichkeit heftig in Brand geratend, tollen sie anschließend brüllend durch den Bunker, was in Zeitlupe gefilmt wurde, um wenigstens ein bisschen Dramatik zu suggerieren.

Staunenswert ist auch die Methode, mit der unsere Rednecks die Autos der Touristen lahmlegen: Sie sabotieren nicht den Motor oder lassen die Luft aus den Reifen, sondern saugen aufwendig das Benzin aus den Tanks. Doch was will man von Strolchen erwarten, die als Verfolger nie gleichzeitig von allen Seiten, sondern höflich nacheinander angreifen, damit sie von ihren Opfern einer nach dem anderen abgeknallt werden können?

Solcher Schwachsinn ist in “Jasper Park” – was soll eigentlich dieser nichtssagende deutsche Titel? – Methode, was die Frage aufwirft, ob die wahren Hinterwäldler (“backwoods”) sich wirklich VOR der Kamera tummelten …

Auch Schauspieler essen gern dreimal täglich

Zum x-ten Mal wird an dieser Stelle darüber nachgesonnen, was höchstwahrscheinlich psychisch stabile und wohl auch intelligente Männer und Frauen dazu veranlasst, sich für einen Bockmist wie “Jasper Park” herzugeben. Der Blick auf die Darstellerliste verrät, dass hier die niedere Hollywood-Kaste ihre Faxen treibt. ‘Star’ Haylie Duff ist beispielsweise nur die Schwester von Hilary Duff, die immerhin ein wenig Prominenz für sich beanspruchen darf.

Ein Job wie dieser bringt halt die Miete und das Essen auf den Tisch. No-Names können es sich nicht leisten, wählerisch zu sein. Enthusiasmus lässt ein Projekt wie “Jasper Park” sicherlich nicht aufkommen. Kein Wunder, dass sämtliche Darsteller ihre eindimensionalen Rollen wie im Halbschlaf (oder Vollrausch) und höchstens körperlich ausfüllen. Selbstverständlich regiert das Klischee, was uns u. a. ein Wiedersehen mit nicht wirklich geliebten Figuren wie dem asiatischen Computer-Nerd, dem feigen Großmaul oder dem Alibi-Schwarzen beschert.

Dumm dran sind – die Inhaltsangabe deutet es nicht nur an – wieder einmal die Darstellerinnen (von hartgesottenen Dumpf-Horror-Fans liebevoll gern “fuck meat” genannt). Zwar fällt die genretypische Nacktszene (s. o.) aus, doch lassen sich Begattungs-Zeremonien augenscheinlich auch angezogen sehr abstoßend in Szene setzen. Für reihenweises Zusammenschlagen weiblicher Zuschauer-Knie sorgt dabei sicherlich der Auftritt von ‘Bräutigam’ Robert “Bonecrusher” Mukes, eines in die Jahre gekommenen Ex-Wrestlers, der sich in Hollywood als Unhold und Schlagetot verdingt und mit wuchtiger Präsenz zu überzeugen weiß.

Gibt es denn gar nichts, das für “Jasper Park” spricht? Das ist hier eine rhetorische Frage; die Antwort dürfte – gut begründet – eindeutig ausgefallen sein. Filme wie dieser sind ein echtes Ärgernis. Sie werden ohne Rücksicht auf ihr Publikum ausschließlich für den schnellen Dollar gedreht. Man sieht sie, ärgert sich und verdrängt die böse Erfahrung leider schnell, was gewährleistet, dass man womöglich auf “Jasper Park II” – oh ja, eine Fortsetzung wird nicht nur angedeutet! – erneut hereinfällt.

DVD-Features

Da “Jaspar Park” nur Billig-Futter für das Fernsehen ist, gibt es keine Extras. Aufgespielt wurde nur der Trailer. Ansonsten gibt es ausschließlich Clips, die weitere Filmproduktionen der Firma “RHI Entertainment” ankündigen, vor denen der Horror-Freund an dieser Stelle ebenfalls ausdrücklich gewarnt sei!

[md]

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Torchwood – Staffel 1

Erstellt von Redaktion am 14. September 2009

Bei Amazon.deTorchwood
Staffel 1

Regisseure: Brian Kelly, Colin Teague, James Strong, Alice Troughton, Andy Goddard
Komponisten: Murray Gold und Ben Foster
Darsteller: Captain Jack Harkness (John Barrowman), Gwen Cooper (Eve Myles), Ianto Jones (Gareth David-Lloyd), Owen Harper (Burn Gorman), Toshiko “Tosh” Sato (Naoko Mori)

Originaltitel: Torchwood
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2006, 2007, 2008, 2009
Dauer: etwa 50 Minuten
Originalsprache: Englisch
Idee: Russell T Davies
Genre: Science-Fiction
Erstausstrahlung: 22. Oktober 2006 auf BBC Three
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 11. März 2009 auf RTL 2

Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Bildseitenformat: 16:9
Umfang: 4 DVDs
Spieldauer: 650 Minuten (13 Folgen a ca. 45 min)
FSK: 16
Label: Polyband, 6. Juni 2009
Extras: Making-of, Interviews mit Crew & Cast, Behind the Scenes, Deleted Scenes, Audio-Kommentare, Dreh-Tagebücher

Mit einem Anagramm zum Erfolg

In Großbritannien genießt die Serie „Doctor Who“ Kultstatus und wurde dort von 1963 bis 1989 produziert. Für 2005 war eine Neuauflage der Serie geplant und um das große Geheimnis zu bewahren, bildete man aus „DDoctor Who“ das  Anagramm „Torchwood“ als vorläufigen Projektnamen. Während „Doctor Who“ an den Start ging und sehr familienfreundlich abgedreht wurde, sollte die Serie „Torchwood“ als Ableger ein älteres Publikum ansprechen. So sind die Themen düsterer, kommen mit mehr Gewalt daher und zeigen sich sehr sexy.

In „Torchwood“ gibt es nun etliche Anspielungen auf „Doctor Who“. Bekannte Klänge werden eingespielt, Zusammenhänge kurz angerissen oder es tauchen gar Requisiten auf. Doch auch ohne Vorkenntnisse oder Wissen aus „Doctor Who“ macht „Torchwood“ großen Spaß und bleibt nachvollziehbar.

Das geschieht vor allem durch die Figur der Gwen Cooper (Eve Myles), die aus dem normalen Polizeidienst stammt, und bei Mordermittlungen durch Zufall der Geheimorganisation Torchwood auf die Schliche kommt. Gwen ist sehr neugierig und emotional, spürt Torchwood hinterher und landet schlussendlich in deren Hauptquartier. Obwohl sie eine Amnesiepille untergeschoben bekommt, bleibt sie Torchwood auf der Spur und wird schlussendlich ins Team aufgenommen.

Gwen bildet bei Torchwood 3 – so der Name der Niederlassung im walisischen Cardiff – den emotionalen Pol der abgehärteten Truppe um Captain Jack Harkness (John Barrowman) und dessen Leute. Da Gwen von den Ereignissen, der Aufgaben und der Beschaffenheit des Riss’ unter dem Hauptquartier keine Ahnung hat, stellt sie gleichzeitig auch den ahnungslosen Zuschauer dar, der alles neu erfahren wird. Durch Gwens Augen sieht und lernt das Publikum, was es wissen muss. Ein feiner Kniff.

Die Men in Black Großbritanniens?

Torchwood ist eine Geheimorganisation, die niemandem untersteht und deren Niederlassung in Cardiff vom unsterblichen Captain Jack Harkness geführt wird. Jack verbindet eine ganz besondere Beziehung mit dem Doktor (eben jener Doktor aus „Dr. Who“) die manchmal gestreift, aber nie richtig thematisiert wird. Aufgabe der Niederlassung Nummer drei ist es, einen Raum-Zeit-Riss zu überwachen, der durch Cardiff verläuft – genau unter dem Hauptquartier der Truppe. Dabei kümmert sich Torchwood niemals um normale Probleme, sondern versucht stets Aliens, Monster und Phänomene aufzuhalten und unter den Teppich zu kehren. Dabei erbeutete Artefakte der Aliens werden gerne mal dem eigenen Arsenal einverleibt, was schnell zu großen Problemen führt.

Von der Thematik her fühlt man sich nun an die Men in Black aus „MIB“ erinnert, doch statt der us-amerikanischen Coolness und dem glatten, sauberen Hollywoodflair, ist „Torchwood“ düsterer, erwachsener und vielschichtiger. Action gibt es zwar auch, doch im Zentrum stehen die Charaktere, ihre emotionale Kälte und auch Entwicklung. Liebe, Vertrauen, Sex und Offenbarung sind die Themen, die behandelt werden. Das ergibt somit viele unterschiedlich gelagerte Episoden, die den Zuschauer immer wieder zu fesseln wissen.

Die erste Staffel der Serie setzt sich aus insgesamt dreizehn Episoden zusammen. Die Vermarktung der BBC basiert dabei auf unterschiedlichen Lizenzmodellen. Dadurch sind die einzelnen Folgen in der internationalen Lizenzversion um jeweils zehn Minuten kürzer, als die Originale.

Sexy Science Fiction

Vielleicht traut man dem deutschen Zuschauer nur bedingt zu, den typisch britischen Humor zu verstehen oder die anzüglichen Szenen zu verkraften. Und solche Szenen gibt es zuhauf. Die Sehnsucht der Figuren nach Liebe, Geborgenheit und Verständnis, der Wunsch nach Normalität, treibt dabei auch manch Stilblüte. Ganz abgesehen von den Sexbedürfnissen bei Frau, Mann und Alien.

Sex ist in „Torchwood“ und bei Torchwood eine Angelegenheit, die verschieden ausgeprägt ist. So erleben wir Mediziner und Womenizer Owen Harper (Burn Gorman) der sich seinen Sex auch mal mittels einem Deo besorgt, das unwillige Damen willig macht. Computerfachfrau Toshiko “Tosh” Sato (Naoko Mori) ist dagegen eher gehemmt, scheint prüde – bis sie ein lesbisches Verhältnis anfängt und endlich die Mauer ihrer Zurückhaltung einreißen lässt. Gwen selbst ist mit Rhys Williams (Kai Owen) verlobt. Doch Gwen muss bei Rhys über ihr neues Leben schweigen, wird dadurch emotional beinahe zerrissen und findet Zuflucht und Trost in Owens Bett.

Klingt schon verzwickt, wird aber noch viel besser. Denn Ianto Jones (Gareth David-Lloyd) – Hausmeister, Empfangsdame und Mädchen für alles bei Tochwood 3 – versteckt eine Cyberfrau im Keller. Diese stammt aus der Vernichtung einer anderen Tochwood-Anlage, die in „Doctor Who“ eine Rolle spielte. Ianto ist unfähig mit seiner Vergangenheit abzuschließen und verleugnet, dass er seine Freundin töten muss, da sie kein Mensch mehr ist. Schlussendlich sucht Ianto Zuflucht und Trost in den starken Armen eines Mannes, der selbst unter seiner Vergangenheit leidet: Captain Jack Harkness.

Irre Ideen

Dieses Karussell der Gefühle und Liebschaften dreht sich nun immer schneller. Liebe und Hass gehen dabei Hand in Hand. Aber neben dieser Achterbahn der Emotionen und den tiefsinnigen Handlungsträngen, überzeugt „Torchwood“ auch durch etliche abgedrehte Ideen.

So wird das Team mit einer Maschine konfrontiert, die eine Art emotionale Zeitreise ermöglicht und den sensiblen Owen beinahe zu einem Mord treibt. Märchenfeen zeigen ihr böses Gesicht, töten mit Blüten einen Kinderschänder und lassen keinen Zweifel daran, dass sie bekommen was sie wollen. Ein programmierter Serienmörder und eine tote Kollegin sorgen bei Gwen für große Kopfschmerzen, während durch einen Zeitriss auch mal Menschen aus der Vergangenheit in die Gegenwart katapultiert werden – und manch einer zerbricht regelrecht daran. Schlussendlich endet die Staffel mit einem epischen Kampf und einem Mann, der scheinbar ohne Grenze durch die Zeit reißen kann und Jacks Leute manipuliert, in dem er ihre Gefühle ausnutzt. „Torchwood“ ist nicht rational, „Torchwood“ ist emotional!

Dabei wechseln sich laute und leise Episoden ab. In „Tochwood“ kann es ordentlich krachen, dann gibt es wiederum leise, nachdenkliche Töne. Torchwood selbst ist auch keine Organisation aus unbezwingbaren Superhelden. Oft genug nehmen die Charaktere Schaden, erzielen nur einen Teilerfolg oder versagen gar auf ganzer Linie. Dadurch bleibt die Serie allerdings spannend, denn zu keinem Zeitpunkt ist genau vorhersehbar wie eine Episode endet.

Ein berauschendes Ambiente

Ebenso wie die andersartigen Charaktere und Geschichten, hebt sich auch die Kulisse vom üblichen Mainstream ab. So ist Torchwood eine Organisation, die zu Zeiten Königin Viktorias gegründet wurde. Dadurch entsteht stellenweise eine viktorianische Gaslichtkulisse, die durch Alienartefakte zu modernem Steampunk hochgekocht wird, um das ganze abgerundet und heiß zu servieren. Hochleistungscomputer, Flugsaurier, alte Kanäle und verborgene Geheimnisse in den Katakomben unter Cardiff – das alles bietet „Torchwood“.

Das alles und noch mehr. Denn anstatt in einer typischen Großstadt, spielen die Geschichten im eher beschaulichen Cardiff, der Hauptstadt von Wales. Trotzdem bleibt die Szenerie stets glaubhaft, werden Geschichten auch mal mit Fahrten aufs Land kombiniert und stellen die Produzenten klar, dass keine weiten Reisen und gigantischen Metropolen nötig sind, um eine Gefahr für die Welt darzustellen. In Cardiff ist der Riss, in Cardiff steppt der Bär. Und um einen Eindruck von Cardiff zu vermitteln, gibt es schöne Luftaufnahmen, die oft in einer Draufsicht des Hauptquartiers enden. Das alles wirkt auf den ersten Blick derart harmlos, dass man meint, die Abenteuer von Torchwood könnten auch in der nächst größeren Stadt im eigenen Land stattfinden – beeindruckend beängstigend.

Und der Sieger ist …!

„Torchwood“ ist eine erfrischend andere Art der TV-Science-Fiction. Frische und freche, oft freizügige und immer gefühlsbetonte Geschichten, dazu eine gesunde Prise Trash, viel Düsternis, aber auch britischer Humor … „Torchwood- Stafel 1“ ist eine spannende und brisante Mischung, die mit jeder weiteren Folge hinzugewinnt und ihren Weg findet.

Auch das Bonusmaterial der Box kann sich sehen lassen. Das Making-of, Interviews mit Crew & Cast, Behind the Scenes, Deleted Scenes, Audio-Kommentare und die Dreh-Tagebücher geben einen guten Blick hinter die Kulissen. Vor allem die Hassliebe zum schicken Torchwood-SUV wird sehr deutlich und sorgt für ein Schmunzeln beim Zuschauer.

Die Qualität der DVDs ist hervorragend. Die Synchronisation leider ein wenig flach und vom Wortwitz ging bei der Übersetzung einiges verloren. Ärgerlich ist, dass die deutsche Tonspur nur in Dolby Digital 2.0 daherkommt, während die Originaltonspur mit Dolby Digital 5.1 aufwartet. Heutzutage kann man eigentlich überall 5.1 erwarten, vor allem bei einer dermaßen guten Science-Fiction-Serie. Wer des Englischen mächtig ist, sollte die Episoden auch deswegen mal im Original angucken. Interessanterweise gibt es den Untertitel nur in Englisch, so dass Original mit deutschem Untertitel als Option wegfällt.

Klasse Geschichten, hervorragende Schauspieler und neue Ideen, das macht „Torchwood“ aus – und die erste Staffelbox zu einer klaren Empfehlung!

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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Shutter – Sie sehen dich (Extended Version)

Erstellt von Michael Drewniok am 10. September 2009

shutter-brcShutter – Sie sehen dich (Extended Version)

Originaltitel: Shutter (USA 2008)
Regie: Masayuki Ochiai
Drehbuch: Luke Dawson
Kamera: Katsumi Yanagishima
Schnitt: Tim Alverson, Michael N. Knue
Musik: Nathan Barr
Darsteller: Joshua Jackson (Benjamin Shaw), Rachael Taylor (Jane Shaw), Megumi Okina (Megumi Tanaka), David Denman (Bruno), John Hensley (Adam), Maya Hazen (Seiko), James Kyson Lee (Ritsuo), Yoshiko Miyazaki (Akiko), Kei Yamamoto (Murase), Daisy Betts (Natasha), Adrienne Pickering (Megan), Eri Otoguro (Yoko), Pascal Morineau (Hochzeitsfotograf), Masaki Ota, Heideru Tatsuo (Polizisten) uva.
Label u. Vertrieb: 20th Century Fox Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 31.10.2008 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4010232043528 (Kauf-DVD) bzw. 4010232043542 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 89 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Zwar konnten Benjamin und Jane Shaw ihre Hochzeit in New York feiern, doch schon die Flitterwochen verwandeln sich in einen Arbeitsurlaub: Gatte Ben, ein berühmter Mode-Fotograf, wird in Tokio erwartet, wo er schon früher gearbeitet hat. Jane begleitet ihn, aber sie hat wenig Freude in dem fremden Land. Meist ist allein und irrt ratlos durch die gewaltige Stadt, denn die japanische Sprache beherrscht sie nicht.

Außerdem nagt ein mysteriöser Vorfall an Janes Nerven: Während einer Nachtfahrt über Land war sie unaufmerksam und überrollte eine junge Frau. Die Polizei konnte trotz ausgiebiger Suche kein Opfer finden, der Fall bleibt ungelöst. Schlimmer noch: Jane beginnt die seltsame Frau, die offensichtlich ein Geist ist, nun überall zu sehen. Auch auf den Fotos, die von dem jungen Paar reichlich geschossen werden, ist ihr Schatten sichtbar.

Ben sträubt sich gegen die Erkenntnis, von einem Geist verfolgt zu werden. Dabei weiß er gut, was Jane erst mühsam ermitteln muss: Die junge Frau hieß Megumi Tanaka und war eine Übersetzerin, mit der Ben bei einem früheren Tokio-Aufenthalt eine Beziehung einging. Doch während er darin nur den Zeitvertreib sah, begann Megumi zu ‘klammern’, bis Ben sie mit Hilfe seiner Kollegen und Freunde Bruno und Adam in die Flucht schlagen konnte.

Warum treibt Megumi nunmehr als Geist ihr Unwesen, und wieso ist sie so hartnäckig? Jane bemüht einen Fachmann für Geisterfotografien sowie einen Exorzisten. Alles bleibt vergeblich, und Megumis Attacken werden heftiger; kein Wunder, gibt es da doch einen Aspekt, von dem zumindest Jane nichts ahnt …

Das Licht gefangen und Geister gebannt

“Shutter” nennt der englischsprachige Fotograf den Kameraverschluss, der sich kurz öffnet, um das vom abzubildenden Objekt ausgehende Licht auf jene empfindliche Schicht zu lenken, die später zum Medium der Filmentwicklung wird (was heute in der Regel nicht mehr chemisch, sondern digital geschieht). Diese Benennung eignet sich vorzüglich, die Story des gleichnamigen Kinofilms recht akkurat in ein Wort zu fassen, denn der Geist, um den es sich hier dreht, lässt sich zunächst nur mit technischer Hilfe eines Fotoapparates sichtbar machen.

Dies ist im angelsächsisch-europäischen Raum meist unmöglich; wie Vampire lassen sich ‘unsere’ Geister ungern im Bild festhalten. Im technisch hochgerüsteten Asien des 21. Jahrhunderts haben sie sich womöglich der Realität angeglichen, was ganz eigene Momente der Spannungsförderung ermöglicht; zu den wenigen spannenden “Shutter”-Szenen gehört die Geisterjagd per Polaroid-Kamera: Bis sich das einzelne Bild entwickelt hat, ist der Geist dem Fotografen womöglich schon sehr nahe gerückt …

Neue Besen kehren gut, bis alle Spannung ist dahin

Das Potenzial einer “ghost story” im Milieu der Fotografie ist in der Filmgeschichte nicht neu. In unserem speziellen Fall entsprang sie den Hirnen der thailändischen Regisseure und Drehbuchautoren Banjong Pisanthanakun und Parkpoom Wongpoom, die 2004 mit ihrem “Shutter”-Film (dt. “Shutter – Sie sind unter uns”) debütierten. Nicht nur in Asien konnten sie großes Kritikerlob einheimsen. Auch in den USA und in Europa erregte “Shutter” ob seiner simplen aber geradlinig entwickelten und in packende Bilder präsentierten Handlung großes Lob.

Während die europäische Zuschauerschaft sich problemlos mit dem Original anfreundete, plante Hollywood die übliche Nivellierung für ein US-Publikum, das Filme, die in der Fremde spielen und in denen nicht die eigene Sprache gesprochen wird, zu ignorieren pflegt. “Shutter” wurde 2008 neu und nach bekanntem Muster verfilmt: Das Budget stieg, während Logik und Atmosphäre auf der Strecke blieben.

Handwerklich lässt sich gegen “Shutter – Sie sehen dich” nichts einwenden. Die Sets sind großzügig, die Kamera ist beweglich, für überzeugende Spezialeffekte war genug Geld da. Noch der finsterste Winkel ist perfekt ausgeleuchtet bzw. im Halbschatten zu erahnen. Nur: Handwerk ist nicht alles, während eine gute Geschichte den Zuschauer klaglos Abstriche in Sachen Filmtechnik machen lässt.

Wieso in die Ferne schweifen …?

Schon die Ausgangssituation ist fragwürdig: Wieso spielt “Shutter” weiterhin in Asien – jetzt allerdings in Tokio, nicht mehr in Bangkok -, wenn sämtliche Hauptrollen trotzdem von Nicht-Asiaten gespielt werden? Die “Shutter”-Story könnte durchaus in New York funktionieren, wohin sie im Finale zurückkehrt. Auch das bange “US-Bürger-in-der-Fremde”-Szenario ist für das Geschehen nicht wirklich von Bedeutung. Offenbar versucht sich das Filmstudio 20th Century Fox an der Quadratur des Kreises bzw. am US-Remake eines thailändischen Originals, das gleichzeitig in Japan Kasse machen soll.

Was dabei wie üblich perfekt klappt, ist der Export einschlägiger Klischees. Japan besteht aus dem Fudschijama und Tokio, wobei letzteres von geschäftigen kleinen Leuten bevölkert wird, die seltsamen Hobbys wie der (von professionellen Fälschern dominierten) Geisterfotografie frönen.

Das Gute vergessen, das Dumme verstärken

Einmal mehr werden dem Zuschauer Schauspieler der zweiten bis dritten Garnitur zugemutet. Joshua Jackson genießt offenbar unter der weiblichen Zuschauerschaft einen guten Ruf, welcher freilich primär auf sein stattliches Aussehen zurückzuführen sein muss; als Darsteller von Ben Shaw bleibt sein Mimen eindimensional, was sich im eigentlich emotionsgeladenen Finale als weiterer Stolperstein erweist.

Glücklicherweise steht Jackson mit Rachael Taylor kein darstellerisches Schwergewicht zur Seite. Als Jane ist sie entweder irrational oder eifersüchtig. Ihre entschlossene Suche nach der Wahrheit wirkt wenig überzeugend. Da die finale Enthüllung des Geisterrätsels ohnehin auf einem schwer nachzuvollziehenden Zufall basiert – welcher einigermaßen intelligente Schuft hortet den Bild-und-Ton-Beweis seiner Verworfenheit, statt ihn zu vernichten? -, kann auch Janes sprunghaftes Verhalten nicht die quälende Frage verdrängen, wieso sich Geist Megumi manchmal nur per Kamera, später auch mit dem menschlichen Auge und dann erneut nur durch die Linse sichten lässt …

Als Megumi Tanaka gibt die japanische Schauspielerin Megumi Okina keinen besonders schockierenden oder wenigstens tragischen Rachegeist. Sie tritt deckungsgleich in die Reihe weißgesichtiger, wirrschwarzhaariger, spastisch zuckender Gespensterfrauen, wie wir sie schon in Asia-Remakes wie “The Grudge” oder “The Ring” kennengelernt (und nicht gefürchtet) haben.

Reiner Dummenfang ist das lockende Prädikat “Extended Version”. “Shutter” ist kein Splatter und sollte niemals einer werden. Die für die Kinofassung – aus welchen Gründen auch immer – geschnittenen fünf Minuten liefern daher kein Blut-und-Eingeweide-Spritz-Gewitter, sondern bieten ‘nur’ Handlungsergänzungen. Auch der ‘verlängerte’ “Shutter”-Film ist für sein FSK-16 Siegel erstaunlich harmlos; offene Brutalitäten und Special-Effects-Ekeleien fehlen völlig, Nacktheit selbstverständlich ebenfalls. Man vermisst solche Elemente nicht annähernd so stark wie eine spannende Filmstory.

DVD-Features

“Shutter” entstand als Low-Budget-Film am oberen Ende dieser Kategorie. 8 Mio. Dollar sind im heutigen Hollywood ein Schnäppchen, was man dem Film nicht ansieht. Auch in Sachen Bonus-Material wurde eher geklotzt als gekleckert. Stets interessant sind “Alternative und entfallene Szenen”, die sich in diesem Fall allerdings als echter Schnittabfall erweisen, der dem fertigen Film niemals fehlt.

Die begleitenden und informierenden Kommentare des Produzenten Alex Sundell, der Schauspielerin Rachael Taylor und des Drehbuchautoren Luke Dawson (der zusätzlich durch ein eigenes Interview präsent ist) wird durch folgende Features ergänzt: “Der Geist in der Linse”, “Eine andere Kultur: Der Dreh in Japan”, “Der Regisseur: Masayuki Ochiai”.

Jenseits des Films gibt es Infos zur “Geschichte der Geisterfotografie”. Eher als Gag zu werten ist der Beitrag “Dem Spuken auf der Spur: Tipps und Tricks für die Geisterjagd”.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

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Inglourious Basterds

Erstellt von Redaktion am 10. September 2009

Inglourious BasterdsInglourious Basterds

USA 2009
Regisseur: Quentin Tarantino
Drehbuchautor: Quentin Tarantino

Darsteller: Brad Pitt (Lt. Aldo Raine), Mélanie Laurent (Shosanna Dreyfus), Christoph Waltz (Col. Hans Landa/Cannes Film Festival 2009, Bester Darsteller), Eli Roth (Sgt. Donny Donowitz), Michael Fassbender (Lt. Archie Hicox), Diane Kruger (Bridget von Hammersmark), Daniel Brühl (Pvt Fredrick Zoller), Til Schweiger (Sgt. Hugo Stiglitz), Gedeon Burkhard (Cpl. Wilhelm Wicki), Jacky Ido    (Marcel), B.J. Novak (Pfc. Smithson Utivich), Omar Doom (Pfc. Omar Ulmer), August Diehl (Major Dieter Hellstrom), Denis Menochet (Perrier LaPadite), Sylvester Groth (Joseph Goebbels)

Länge: 153 Min
Land: USA, Deutschland
Sprache: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch
Altersfreigabe: USA:R (certificate #45325), UK:18, Neuseeland:R16, Irland:16, Schweden:15, Finnland:K-15, Australien:MA, Deutschland:16 (bw), Kanada:13+ (Quebec), Kanada:18A (Alberta/British Columbia/Manitoba), Kanada:14A (Ontario), Niederlande:16, Norwegen:15, Singapur:M18, Portugal:M/16 (Qualidade), Frankreich:-12, Hong Kong:IIB (cut), Hong Kong:IIB, Südkorea:18, Island:16
Drehorte: Babelsberg, Potsdam, Brandenburg, Deutschland; Bad Schandau, Saxony, Deutschland; Berlin, Deutschland; Elbe Sandstone Mountains, Saxony, Deutschland; Görlitz, Saxony, Deutschland; Krampnitz, Brandenburg, Deutschland; Nauen, Brandenburg, Deutschland; Paris, Frankreich; Rüdersdorf, Brandenburg, Deutschland; Sebnitz, Saxony, Deutschland; Studio Babelsberg, Potsdam, Brandenburg, Deutschland; (Studio)
Fördergelder: Deutsche Filmförderfonds (6,8 Millionen Euro), Medienboard Berlin-Brandenburg (600.000 Euro), Mitteldeutsche Medienförderung (300.000 Euro)

Tarantinos Abrechnung mit Nazideutschland – Schrott, Genial oder einfach nur Durchschnitt?

In den 40er Jahren macht sich ein Trupp jüdischer US-Soldaten (Inglourious Basterds genannt) auf den Weg nach Frankreich, um Nazis auszuschalten und den Deutschen so richtig schön in den Hintern zu treten. Sie erfahren von einer Filmpremiere, bei der hochrangige Naziführer anwesend sind. Unter dem Kommando von Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) treffen sich die Basterds mit der Agentin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) und erfahren brisante Neuigkeiten.

Beinahe zeitgleich plant die untergetauchte Jüdin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) ebenfalls einen Anschlag. Immerhin soll genau in ihrem kleinen Kino die Filmpremiere stattfinden. Das verdankt sie dem liebeskranken Kriegshelden Fredrick Zoller (Daniel Brühl), der gleichzeitig auch Hauptdarsteller des gezeigten Films ist.

Allen stets auf der Spur ist Kommandant Hans Landa (Christoph Waltz), der auch als Judenjäger bekannt ist. Er ist ein bösartiger Kerl, ein mieses Schwein, ein wahnsinniger Mörder und allen Beteiligten dicht auf den Fersen …

Historie adieu!

Quentin Tarantino erschafft mit „Inglourious Basterds“ eine alternative Zeitlinie. So braucht er sich um historische Fakten kaum zu scheren, die ansonsten als katastrophale Regiefehler erscheinen würden. Allerdings meinte Brad Pitt in einem Interview, der Tod Hitlers im Film hätte ein für allemal mit der deutschen Geschichte aufgeräumt und die Sache wäre nun endlich abgeschlossen. Diese Aussage schlägt in die gleiche Kerbe wie David Hasselhoffs Aussage, sein Lied („Looking for Freedom“) hätte den Deutschen die Wiedervereinigung gebracht. Nun, in einer alternativen Zeitlinie haben vielleicht beide Aussagen tatsächlich eine gewisse Daseinsberechtigung.

Neben den historischen Missgriffen (Tonfilm bevor der Ton in die französischen die Kinos kam, Juden die in Frankreich Land besitzen, Invasionskarten auf denen noch „Osmanien“ eingetragen ist, Orden die falsch sind oder gar nicht existierten, eine Baseballphrase die erst 1990 entstand und so weiter und so fort) startet der Film auch  mit tatsächlichen Regiefehlern, die einfach offensichtlich sind: Ein Milchglas das unterschiedliche Füllhöhen aufweist, eine Uhr mit falschen Angaben und eine Motte die mal da und dann wieder weg ist. Falls das die bereinigte Fassung ist, dann mag man sich kaum vorstellen, wie die Szenen zuerst aussahen. Aber scheinbar hat Tarantino einfach nur schluderig gearbeitet, wollte Spaß, keinen echten Job.

So flaniert Zoller durchs Kino obwohl die Türen geschlossen sind, wechseln Tätowierungen die Seite, da wird Gedeon Burkhards Geburtsstadt München mal nach Österreich verlegt oder steht auf einer Spielkarte Bridgitt Horney, wo zuvor noch Brigitte Helm stand. Das sind alles grobe und fahrlässige Fehler, da sie nicht am Rand des Geschehens, sondern im Mittelpunkt der Kamera, im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Alles nur Geschichte

Tarantino hat lange gebraucht, um „Inglourious Basterds“ zu Papier zu bringen. Und wie üblich holte er sich die Inspiration aus bekannten und unbekannten Quellen. Diesmal hat er sich bei dem Streifen „The Inglorious Bastards“ bedient, der aus dem Jahre 1978 stammt und von Italowestern-Kultregisseur Enzo G. Castellari abgedreht wurde. Dieser wiederum hatte die Inspiration für seinen Film (im deutschen als „Ein Haufen verwegener Hunde“ erschienen) durch Robert Aldrichs “Das dreckige Dutzend” (1967). Hier wurde also eine gesiebte Grundidee nochmals gesiebt und dabei ordentlich versiebt.

Immerhin waren beide Vorgängerfilme mit einer starken Geschichte versehen, von der Tarantino nur Teile der Grundidee übrigließ: US-Soldaten alleine hinter der Frontlinie schießen auf Nazis. Und diese Idee wurde dann mit schmalzigen und klischeebeladenen Szenen und Einstellungen versehen. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass viele der Szenen nur beim entsprechenden Publikum wirken. Und das sind eindeutig US-Bürger und die Alliierten im Allgemeinen. Die dürften auch wissen, woher der ein oder andere markige Spruch stammt, der im Film von sich gegeben wird. Einem Deutschen entzieht sich der Humor Tarantinos doch ein wenig – bei aller Objektivität.

Da die Deutschen auch von Deutschen gespielt werden und im Film oft und lange Deutsch gesprochen wird, kann man den Film auch problemlos im englischsprachigen Original anschauen. Das Verständnis bleibt weitgehend erhalten und auch die Sprüche der Hauptdarsteller kommen unverfälscht herüber. Die deutsche Synchronisation ist dennoch gut gelungen – vor allem, da eher wenig synchronisiert werden musste.

Kamera läuft, Action!

Was Quentin Tarantinos Filme auszeichnet, ist das große Maß an ausgefeilter und blutiger Action. „Inglourious Basterds“ stellt da keine Ausnahme dar und bei etlichen Szenen fragt man sich, woher das FSK 16 kommt. Es muss das Vöglein Kommerz sein, dass dort vom Baum trällert und mit deutschen Filmfördergeldern angefüttert wurde – immerhin mehr als 7,5 Millionen Euro.

Im Film werden Nazis skalpiert, zu Tode geprügelt, bekommen blutig Hakenkreuze in die Stirn geritzt, gibt es verrauchte Schussszenen und wird der Finger in die blutige Wunde gebohrt. Tarantino eben, doch diesmal mit einem faden Beigeschmack. Die Action scheint nur der Action wegen vorhanden zu sein, wirkt recht lieblos und wenig inspiriert. Das gilt auch für die Auswahl der Musik, die Tarantinos Filme ebenfalls auszeichnet. Sie ist mal wieder eingängig und hat ein paar Jahre auf dem Buckel, wirkt aber niemals so präsent wie es in „Kill Bill“ der Fall war. Dort scheinen allerdings etliche Ideen entliehen worden zu sein, die Tarantino in „Inglourious Basterds“ einbringt.

Das gilt vor allem für Kamerafahrten, Stoppszenen, bestimmte Einstellungen und Einblendungen. Die stammen nicht nur aus „Kill Bill“ & Co., sondern auch aus alten Italowestern. Viele der Szenen und Einstellungen werden einem versierten Kenner der Materie bekannt vorkommen. Und nun wird es deutlich, was geschehen ist: Mister Tarantino hat es einfach versäumt sich weiterzuentwickeln. Er stagniert, tritt auf der Stelle. Er bleibt an dem hängen, was ihn zum Kultregisseur machte, kann sich nicht lösen, ist wie gefesselt. Somit werden seine einst frischen Ideensteaks zum abgelaufenen Gammelfleisch.

Hilfe, Hilfe, ein Apache!

Was in „Iglourious Basterds“ besonders herausragt sind die Darsteller, die mit sehr großer Spielfreude agieren und sich offensichtlich richtig ausleben können. Das ist manchmal recht kitschig, aber eindeutig so gewollt. Am prominentesten ist natürlich Brad Pitt, der Lt. Aldo Raine spielt. Im Film führt er den Kampfnamen „Der Apache“. Das Thema wird nochmals bei der Kontaktaufnahme mit  Bridget von Hammersmark aufgenommen, denn diese spielt mit einigen Nazis am Tisch Personenraten. Ein Mitspieler hat „Winnetou“ auf seiner Stirn kleben und auch „Karl May“ kommt vor. Nun soll Raines Kampfname für die Deutschen furchteinflößend sein, allerdings sind Apachen durch die Bücher Mays und der Figur Winnetous für Deutsche positiv belegt. Das führt zum nächsten witzigen Detail im Film, denn als der Name erraten wird steht der Deutsche auf und vollführt eine ausladende Geste mit den Worten: „Ich bin Winnetou!“ („I am Winnetou!“ im Originalton).  Dieser Satz, in Verbindung mit dieser Darstellung, wurde in den 60er Jahren von Pierre Brice in den Karl-May-Verfilmungen uraufgeführt.

Die Arbeit der US-Darsteller ist also gut und voller Spielfreude, doch die deutsche Schauspielriege steckt die zumeist international sehr bekannten Kollegen locker in die Tasche und läuft ihnen problemlos den Rang ab. Man sieht jedem Einzelnen einfach an, mit wie viel Spaß er bei der Sache ist und jedes Quäntchen Zeit aus seiner Rolle quetscht, um sie mit Leben zu füllen. Allen voran der grandios mimende Christoph Waltz in der Rolle des Judenjägers Hans Landa. Er spielt im Film beinahe jede menschliche Emotion, kostet jeden Augenblick aus, besitzt eine Tiefe und Spielvielfalt, die erstaunlich ist. Prompt erhielt er in Cannes 2009 den Preis als bester Darsteller – wohlverdient. So durchschnittlich „Inglourious Basterds“ auch ist, alleine wegen Christoph Waltz ist der Film sehenswert. Für diesen Mann, für diese Rolle, kann es nur stehenden Applaus geben.

Die Antwort auf die Eingangsfrage:

Viele Elemente sind Tarantino einfach misslungen und dabei sollte er es besser können. Dennoch baut der Film leidlich Spannung auf und ist unterhaltsam. Das liegt vor allem an den guten Darstellern und einem genialen Christoph Waltz. Dadurch rückt der Film ins Mittelfeld vor, mit einem guten Passspiel der deutschen Riege und einem Herrn Waltz als Spielmacher, der beteiligte Schauspieler wie Brad Pitt und Eli Roth (mit einer schwachen Leistung) locker in seine Westentasche steckt.Den Film sollte man also sehen, aber die Erwartungen an Tarantino und großes Kino, die bleiben lieber niedrig.

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Das dreckige Dutzend
Ein Haufen verwegener Hunde

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