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Archiv für September 29th, 2009

Seraphim Falls

Erstellt von Günther Lietz am 29. September 2009

seraphim-fallsSeraphim Falls

Genre: Western, Drama
FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 114 Minuten

Regie: David von Ancken
Drehbuch: David von Ancken, Abby Everett Jaques
Darsteller: Liam Neeson, Pierce Brosnan, Anjelica Huston, Michael Wincott, Robert Baker, Ed Lauter, John Robinson

Produktion: USA 2006
Produktionsfirmen: Icon Productions
Produzent: Stan Wlodkowski

Anfangs ein packender Western, der zum Ende hin in trivialen Surrealismus abdriftet …

Ein einsamer Mann in den verschneiten Bergen, ein Schuss, der Mann wird am Arm getroffen und eine Verfolgungsjagd von Norden nach Süden durch die USA beginnt. Der Mann heißt Gideon (Pierce Brosnan), diente im Bürgerkrieg für die Nordstaaten und ist ein harter Hund.

Angeschossen wurde er von Carver (Liam Neeson) und seinen Männern. Auch Carver diente im Krieg, allerdings für die Südstaaten und hat deswegen mit Gideon eine Rechnung offen. Doch die Beute verkauft ihren Pelz verdammt teuer – so teuer, wie Carver Rücksichtslosigkeit einsetzt. Und von nun an dezimiert sich der Jagdtrupp und am Ende kommt es zum großen Endkampf inmitten der Wüste …

„Seraphim Falls“ beginnt als Western mit wunderbar fotografierten Bildern, klassischen Westernelementen und knalliger Action. Die Jagd dominiert vom ersten Augenblick an den Film, packt den Zuschauer und lässt ihn kaum noch los. Da sind kleinere Logikfehler zu verschmerzen, die symptomatisch für den ganzen Film sind und sich ab Beginn öfters mal einschleichen.

So kümmert es Regisseur David von Ancken wenig, ob nun Kugel oder Schall zuerst eintreffen oder ob in einem eiskalten Wildbach die Überlebenschance gegen Null tendiert oder warum die berittenen Jäger langsamer als ein angeschossener Fußgänger sind oder warum dieser die Gäule herantraben hört und noch genug Zeit hat, falsche Fährten zu legen oder, oder, oder – doch o Wunder, die Handlung reißt es stets wieder raus.

Und so folgen die Zuschauer an Carvers Seite Gideon und fiebern mit diesem wiederum mit, wenn er mit Tricks seinen Häschern im letzten Augenblick entkommt oder einen bösen Buben eiskalt erledigt. Und während der lange Jagd werden all die schönen Dinge eingebaut, die einen Western so spannend machen.

Da wird eine Eisenbahn gebaut, kommen Bankräuber vor, ist ein toter Bär zu sehen und vieles mehr. Dabei geht es zwar blutig, aber sehr züchtig zur Sache. Da wird die Hüfte ein bisschen am Arsch der Farmerstochter gerieben, aber die Hose bleibt oben. Selbst der Ausschnitt wird züchtig verdeckt – allerdings sieht man gut das Herausdrücken einer Kugel aus der blubbernden Wunde oder wie eine Messerklinge aus dem klaffenden Hals eines Toten gezogen wird. Nun, us-amerikanische Verhältnisse eben. Irgendwie klingt der Western nach Müll, oder? Schon, aber er ist auch gleichzeitig ein Drama.

Der wahre Motor, der „Seraphim Falls“ am laufen hält, ist der Konflikt zwischen Gideon und Carver, der Dialog zwischen Brosnan und Neeson. Beide Männer zeigen hier ihre Stärke als Charakterschauspieler, spendieren ihren Figuren immer wieder neue und überraschende Nuancen. So überlebt Gideon Schuss, Wildbachfahrt und Selbstoperation, doch er heult dabei Rotz und Wasser, schnauft angeschlagen und man wartet nur darauf, dass der Gejagte tot umfällt. Doch er bleibt am leben, wird immer wieder eingeholt und entkommt im letzten Augenblick. Dank dem überzeugenden Spiel von Neeson und Brosnan wirkt das übrigens natürlich, statt aufgesetzt.

Die Emotionen, das Feuer, der Hass und die Verzweiflung sind fast sichtbar. Es sprüht zwischen den beiden Männern ein richtiger Funkenregen, während die Geschichte langsam und unaufhaltsam auf den Höhepunkt zujagt. So müssen Western sein, das ist spannend, das packt, das reißt mit.

Brosnan gibt dabei den pragmatischen Helden der Nordstaaten, der im Krieg seine Pflicht erfüllte und eines Fehlers wegen Schuld auf sich lud, für die er nun mit seinen Träumen zahlt – so wie auch Carver, hervorragend gespielt von Neeson. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Gekonnt deutet von Ancken den Grund für den tödlichen Konflikt an, um dann rechtzeitig den Fokus auf die Gegenwart, die Jagd zu lenken. Doch die gemeinsame, traumatische Vergangenheit der beiden Feinde ist klar, wird gekonnt in einer gemeinsamen Traumszene aufgezeigt.

So packend der Film auch überwiegend ist, so lahm wird er am Ende und sollte wie ein kranker Gaul erschossen werden – normalerweise macht man das im Western ja. Der Niedergang von Handlung und Charakterspiel tritt ein, als Gideon in schönster Rambomanier Carver überraschend stellt. Danach gibt es einen weisen Indianer am Wasserloch, und erscheint eine mirakelhafte Händlerin (Anjelica Huston) mit ihrem Wagen in der Wüste – lautlos und wissend, was die harten Jungs brauchen. Bullshit!

Aber auch die Auflösung des Konflikts ist Müll, nimmt dem Film, nein, dem grandiosen Charakterspiel seine ganze Substanz. Was hat sich von Ancken bloß dabei gedacht? Anstatt knallhart zum Finale zu kommen – wie es sich für einen richtigen Western gehört – knallt „Seraphim Falls“ auf das Niveau einer Teeparty hinunter. Und das schmerzt!

Ein absolut endgültiges Urteil zu fällen, ist bei diesem dramatischen Western schwer, doch nüchtern betrachtet und nach Punkten gerechnet, geht „Seraphim Falls“ technisch K.O.. Der Film taugt für Zwischendurch, ist kurzweilig und vor allem die ersten 90 Minuten mach Spaß, aber für eine wirkliche Empfehlung des Streifens ist das einfach zu wenig. Schade, hier hat David von Ancken vor dem Showdown einfach seine Munition verschossen.

(Günther Lietz)

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Yellowstone – Legendäre Wildnis

Erstellt von Günther Lietz am 29. September 2009

Bei Amazon.deYellowstone – Legendäre Wildnis

Label: polyband Medien GmbH
Vertrieb: WVG Medien
FSK: Info-Programm gemäß § 14 JuSchG
System: DVD
Sprache: Deutsch DD 5.1/Englisch DD 5.1
Bildformat/Ton: 1:1,78/16:9
Mehrkanalton: Dolby Digital 5.1
DVD-Features: Featurette
Laufzeit: 135 Min.

Der Yellowstone-Nationalpark wurde 1872 gegründet und ist der älteste Nationalpark der Welt. Er ist Teil der Rocky Mountains und ein Ort der Extreme. In der BBC-Dokumentation „Yellowstone – Legendäre Wildnis“ dreht sich nun alles um die Flora und Fauna des Nationalparks. In drei Folgen – jeweils fünfundvierzig Minuten lang – werden dem Zuschauer fantastische Bilder gezeigt. Dabei besitzt jede Folge ein Kernthema.

Den Auftakt macht „Feuer und Eis“, hier wird der Nationalpark überwiegend in seinem Winterkleid gezeigt. Dabei wird auch auf die klimatischen und geographischen Besonderheiten eingegangen, die für extreme Winter sorgen. Vor allem die Tierwelt hat mit den Unbillen der Natur zu kämpfen. Besonders faszinierend sind dabei die Wölfe, die in Yellowstone leben und die Könige des Winters sind.

„Leben auf dem Vulkan“ ist die die zweite Folge auf der DVD und zeigt eindrucksvoll das Tier- und Pflanzenleben im Frühling und im Sommer. Dabei werden überraschende Einblicke gewährt, die man so kaum vermutet hätte. Besonders packend ist das Leben der Bären in Yellowstone und wie diese pelzigen Riesen selbst einer Geröllhalde noch etwas abgewinnen können.

In der abschließenden Folge „Zeit des Wandels“ konzentrieren sich die Macher vollends auf den Herbst und die Ereignisse, die dann das Leben im Park prägen. Der Zuschauer erfährt sehr eindrucksvoll, wie sich die Tiere auf den nahenden Winter vorbereiten oder aufbrechen, um Yellowstone zu verlassen. Hier kommt auch zum ersten Mal der Mensch ins Bild, der außerhalb des Nationalparks eine große Gefahr für die wandernde Tierwelt darstellt – denn diese hat ja keine Ahnung, dass sie ein geschütztes Gebiet verlässt. Dieser Abschnitt der Dokumentation ist spannend und traurig zugleich, denn die Eingriffe des Menschen in den Lebensraum der Tiere ist dramatisch.

Das Produktionsteam um die beiden Autoren und Regisseure Nathan Budd und Andrew Murray hat ganze Arbeit geleistet und herrliche Bilde eingefangen. Neben detailverliebten Nahaufnahmen gibt es epochale Landschaftsbilder, dynamische Tierbeobachtungen und farbenprächtige Aufnahmen von Pflanzen. Der Yellowstone-Nationalpark hat Einiges zu bieten und die Kameraleute John Aitchison, Spehen de Vere, Jeff Hogan, John Shier und Paul D. Stewart gaben sich redlich Mühe, wunderbare Aufnahmen zu machen. Schnell wird klar, wie anstrengend und zeitraubend die Aufnahmen gewesen sein müssen.

Besonders die Flugaufnahmen von Peter Davis sind hervorzuheben, die majestätisch anmuten und einem schier den Atem rauben. Imposante Felswände und Bergspitzen, einsame Spuren im Schnee, sich windende Flussläufe – man kommt kaum aus dem Staunen heraus. Was ebenfalls Staunen lässt, ist der exzellente Ton. Für den sind Mike Kasic, Jonny Crew und Tim Owens verantwortlich. Man glaubt beinahe, man würde sich tatsächlich nur wenige Zentimeter neben den Tieren befinden oder gar an einem der Bäche Yellowstones liegen. Sicherlich trägt auch die Tonmischung von Tim Bolt dazu bei.

Neben Ton und Bild, ist es aber auch die Musik die begeistert. Imposant, klassisch und mächtig rundet sie die Dokumentation ab, erinnert zeitweise sogar an prominente Soundtracks wie „Der Herr der Ringe“. Immerhin stammt die Musik von Edmund Butt, der mit seinen Soundtracks vor allem in TV-Serien vertreten ist. Als Beispiel mag die TV-Reihe „Merlin“ dienen oder auch die Serie „Life on Mars“. In „Yellowstone – Legendäre Wildnis“ sorgt vor allem seine Musik für die richtigen Emotionen.

Für die deutsche Bearbeitung zeigt sich Heinz Leger verantwortlich und als Sprecher agiert souverän Otto Clemens. Die ausdrucksstarke und einprägsame Stimme des Wiener Schauspielers und Sprecher führt durch die ganze Dokumentation und kleidet die spannenden Bilder in fesselnde Worte. Sehr gelungen umgesetzt.

Auch technisch ist die DVD sehr gut ausgestattet. Das Bild ist exzellent und farbenprächtig. Der Ton liegt in Deutsch und  Englisch vor, jeweils in Dolby Digital 5.1. Leider gibt es keinen Untertitel für Hörgeschädigte.

Bei den Extras auf der DVD wurde ein wenig geknausert. So gibt es eine kleine Sammlung an Trailern, in denen weitere Dokumentationen vorgestellt werden. Wirklich spannend sind aber nur die drei kurzen Reportagen, über die Leute, die bei den Dreharbeiten mitgeholfen haben. Porträtiert werden dabei Jeff Henry und Mike Kasic. Henry wird auch der Snowman genannt und ist im Winter dafür verantwortlich die Dächer der Parkgebäude zu räumen. Was auf den ersten Blick harmlos klingt, ist Tatsächlich eine gefährliche Arbeit. Kasic hat sich dagegen den Spitznamen Fishman verdient. Bewaffnet mit Taucherbrille und Schwimmflossen springt er ins Wasser, folgt der Strömung und spielt mit den Forellen. Beide Porträts sind sehr spannend gestaltet und lassen ein wenig auch Kritik an der aktuellen Klimasituation durchblicken.

Die dritte Mini-Reportage dreht sich dagegen um die Geysir-Gucker – Menschen, deren Hobby und Lebensaufgabe es ist, die Geysiere des Yellowstone-Nationalparks zu beobachten und Meldung zu machen, sobald sich etwas regt.

„Yellowstone – Legendäre Wildnis“ ist eine klasse, aufschlussreiche und auch bildgewaltige Dokumentation in drei Teilen. Die DVD wird der Doku vollkommen gerecht und ist eine klare Empfehlung!

(Günther Lietz)

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Inspector Barnaby – Super Sleuth

Erstellt von Günther Lietz am 29. September 2009

Bei Amazon.deInspector Barnaby – Super Sleuth
Dokumentation

edel motion
Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bildseitenformat: 16:9
Laufzeit: 55 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Die britische Krimiserie „Inspector Barnaby“ der BBC läuft in mehr als zweihundert Ländern sehr erfolgreich. Natürlich hungern die unzähligen Fans der Serie somit auch nach Hintergrundwissen. Mit „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ soll dieser Hunger gestillt werden. Die Dokumentation bewirbt sich dabei auf der Rückseite des DVD-Covers selbst als „außergewöhnlich“. Außergewöhnlich ist aber nur die dreiste Benutzung dieses Wortes.

„Inspector Barnaby“ basiert auf den Romanen der 1931 in Nuneaton geborenen Kriminalautorin Caroline Graham. Vier ihrer Romane wurden adaptiert, alle weiteren Folgen nur in ihrem Sinne und dem typischen englischen Landschaftsstil. Sämtliche Kriminalfälle spielen in der fiktiven Grafschaft Midsomer und überzeugen vor allem durch ihre schrulligen Charaktere und der liebevollen Darstellung des englischen Landlebens.

Eine dermaßen erfolgreiche Serie, in der scheinbar alle in England lebenden Darsteller bereits ihren Auftritt hatten, sollte genug Stoff für eine spannende Dokumentation hergeben. Macht sie eigentlich auch, aber hier wurde das Ziel leider verfehlt. „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ wirkt wie ein lieblos zusammengestückelter Flickenteppich. Die Interviews mit den Beteiligten sind ziemlich nichtssagend, zusätzlich werden einige Informationen mehrmals wiederholt und es ist offensichtlich, dass die Dokumentation fürs Fernsehen produziert wurde. Die Trennung der einzelnen Kapitel für den Einbau von Werbung ist nämlich klar erkennbar. Um weitere Zeit zu schinden, gibt es dann noch bekannte Ausschnitte aus der Reihe, die ziemlich nichtssagend sind.

Zugegeben, der ein oder andere Informationsschnippsel ist neu, doch im Ganzen rechtfertigt das keinesfalls den Begriff „Dokumentation“. Da stellt man sich doch etwas anderes vor. „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ wirkt eher wie ein Werbetrailer, der beinahe eine Stunde andauert. Eine Stunde Zeit, die man lieber in einen der spannenden Fälle von Barnaby investiert. Die sind nämlich wirklich gute Unterhaltung.

Auf der Rückseite der DVD steht „(…)machen die Doku zu einem echten Muss für Fans.“. Das stimmt auch. Fans werden die DVD ihrer Sammlung zufügen wollen – ungehindert des geringen Informationsgehalts und des zeitschindenden Aufbaus. Allen anderen seien die DVD-Boxen zu „Inspector Barnaby“ empfohlen.

(Günther Lietz)

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Fidel Castro – Das Ende Einer Ära

Erstellt von Günther Lietz am 29. September 2009

Bei Amazon.deFidel Castro – Das Ende Einer Ära

Autorin, Produzentin, Regisseurin: Adriana Bosch
Label: edel motion
Laufzeit: ca. 120 min
Sprache: Deutsch / Englisch
FSK: Info-Programm

1959 wurde auf Kuba der Diktator Fulgencio Batista durch eine Revolution gestürzt, die von Fidel Castro Ruz und seinen Untergebenen angeführt wurde. Anlässlich dieses fünfzigjährigen Jubiläums, veröffentlicht edel motion die zweistündige ZDF/arte-Dokumentation „Fidel Castro – Das Ende einer Ära“ auf DVD. Buch, Produktion und Regie lagen dabei alleine in der Hand von Adriana Bosch.

Im Zentrum der Doku steht natürlich der „Máximo Líder“ Fidel Castro selbst, doch von seiner Geburt an, bis hin zu seinem durch Krankheit bedingten Abschied aus der Politik, wurde er von unterschiedlichen Menschen begleitet, die ihn auch prägten. Das wird besonders durch die geraffte Darstellung von Castros Leben und Wirken deutlich.

Seine Geburt, Kindheit und Jugend zeigen schon einen willensstarken Charakter, der später zu einem unbeugsamen und starrsinnigen Mann wird, der sich mit den USA ein großes, scheinbar übermächtiges Feindbild aufbaut. David gegen Goliath – so mutet es an. Doch Castro hat die USA nicht bezwungen, aber er hat allen Erschwernissen zum Trotz Widerstand geleistet. Fidel Castro und sein Regime haben selbst die Sowjetunion überlebt.

Adriana Bosch hat ganze Arbeit geleistet, um Fidel Castro und sein Leben zu porträtieren. Gespickt mit unzähligen Archivaufnahmen, alten Fotos und Interviews von Zeitzeugen, zeichnet sie den Lebensweg des Mannes nach, der das moderne Kuba  prägte und auch der Welt trotzig seinen Stempel aufdrückte. Um Objektivität bemüht zeigt Frau Bosch auf, warum Castro als dermaßen polarisierende Persönlichkeit gilt. Sieg und Niederlage, Ehre und Schande, Genialität und Dummheit, Liebe und Hass – all diese Dinge vereinbart Fidel Castro in sich. Dabei wird auch gezeigt, wie Castro im Laufe der Historie sich selbst und seine Ideale verliert und schlussendlich neu definiert.

Großes hat er geleistet, Schlimmes hat er getan. Fidel Castro ist ein Mann der Widersprüche. Zusammen mit Ernesto “Che” Guevara hat er das neue Kuba geformt, seinen Freund schlussendlich still und heimlich ans Messer geliefert und ihn dann als Nationalheld vor den Propagandakarren gespannt. Castro hat Weltpolitiker gespielt, sich im Beistand der Sowjetunion gesonnt und alterte nach deren Zusammenbruch sichtbar. Zigarre, Stiefel und Uniform – so kennen ihn die Leute, so wird er geliebt, so wird er gehasst. Noch zu Lebzeiten ein Mythos, den Adriana Bosch unter die Lupe nimmt. Und das gelingt ihr außerordentlich gut.

Akribisch hat sie Bildmaterial zusammengetragen und Interviews mit Zeitzeugen geführt. Dazu gehören unter anderem Castro-Gegner wie dessen Tochter Alina Fernández oder Castros ehemalige Weggefährten. Das alles gibt ein scheinbar objektives und um Neutralität bemühtes Bild, lässt den Zuschauer sich seine eigene Meinung bilden. Trotzdem überwiegen die harten Aufnahmen, Fotos und Eindrücke: Hinrichtungen, Folter, Mord und Elend. Dem gegenüber steht jedoch auch Hoffnung, Freude und Erlösung – Fakten und Gefühle in einem Hexenkessel der Widersprüche.

Adriana Bosch setzt aus dem gesammelten Material eine faszinierende Gesamtheit zusammen. Dazu ein leiser, kubanischer Sound, der die Dokumentation begleitet, aufgebrochen von Originaltonaufnahmen. Und da gibt es tatsächlich den einzigen Haken an der Sache. Souverän führt ein Sprecher deutschsprachig durch die ganze Dokumentation, doch es gibt viele englische und spanische Tonspuren. Diese werden weder übersetzt, noch gibt es einen Untertitel. Der Zuschauer hat also keine Ahnung, was da gerade gesprochen wird – außer er ist des Englischen und Spanischen mächtig. Das hier eine Übersetzung fehlt ist sehr Schade, vor allem da oft Bezug auf das Gesagte genommen wird. Überhaupt fehlt die Möglichkeit einen Untertitel einblenden zu können.

Sehr positiv ist dagegen, dass der Sound in gutem Raumklang (5.1) daherkommt und mit kleinen Klangspielereien aufwartet. So kommen Nebengeräusche schon mal von den Seiten oder von hinten. Und das, obwohl der Ton angeblich nur in Dolby Digital 2.0 Stereo vorliegt. Auch die Bildqualität ist ziemlich gut, wobei man bei den Archivaufnahmen natürlich einige Abstriche machen muss.

„Fidel Castro – Das Ende einer Ära“ ist eine gelungene und spannende Dokumentation, die zu informieren und auch zu überraschen weiß. Adriana Bosch hat hier hervorragende Arbeit geleistet und das Bild eines Mannes gezeichnet, das man sich ansehen sollte.

(Günther Lietz)

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