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Archiv für September, 2009

The Unborn – Das Böse will leben

Erstellt von Michael Drewniok am 4. September 2009

unbornThe Unborn – Das Böse will leben

Originaltitel: The Unborn (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: David S. Goyer
Kamera: James Hawkinson
Schnitt: Jeff Betancourt
Musik: Ramin Djawadi
Darsteller: Odette Yustman (Casey Beldon), Cam Gigandet (Mark), Meagan Good (Romy), Idris Elba (Arthur Wyndham), Jane Alexander (Sofi Kozma), Gary Oldman (Rabbi Sendak), Atticus Shaffer (Matty Newton), James Remar (Gordon Beldon), Carla Gugino (Janet Beldon), C. S. Lee (Dr. Lester Caldwell), Rhys Coiro (Mr. Shields), Michael Sassone (Eli Walker), Ethan Cutkosky (Barto), Craig Harris (Rick Hesse), Rachel Brosnahan (Lisa), Kymberly Mellen (Gail Newton) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 27.08.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 5050582706956 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph )
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Türkisch, Russisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch Russisch, Bulgarisch, Rumänisch, Ungarisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Zwar ist Casey Beldon jung und ausnehmend hübsch, und Mr. Right (Mark) hat sie auch schon gefunden. Dennoch ist sie manchmal traurig, seit ihre Mutter verrückt wurde und sich dann aufgehängt hat. Seit einiger Zeit leidet Casey außerdem unter bizarren Albträumen, in denen sie von einem ziemlich tot aussehenden Jungen sowie einem Hund mit Kindermaske heimgesucht wird. In ihrem Badezimmerspiegel spukt es, und bald wird die Heimsuchung konkreter: “Jumby will geboren werden”, ertönt es aus dem Jenseits.

Die entsetzte Casey durchstöbert die Hinterlassenschaften ihrer Mutter und findet einen Artikel, der sie zur alten Sofi Kozma führt, die sich als ihre Großmutter entpuppt und eine schlimme Geschichte erzählt: Anno 1944 wurden Sofi und ihr Zwillingsbruder – damals noch in Deutschland lebend – ins KZ Auschwitz verschleppt und dort vom berüchtigten “Dr.” Mengele gefoltert. Der Bruder starb – und wurde zum Gefäß eines Dibbuks, eines körperlosen Dämonen, der auf solche Gelegenheiten lauert, um in unsere Welt zu gelangen und dort Unheil zu stiften.

Sofi brachte ihren besessenen Bruder damals um, doch der wieder geisterhafte Dibbuk blieb der Familie treu. Er bedrängte ihre Tochter, die darauf dem Wahnsinn verfiel, und nun hat er es auf Casey abgesehen. Obwohl der Plagegeist ihre Verbündeten bedroht, attackiert und umbringt, wehrt sie sich und heuert einen zunächst unwilligen Rabbi an, der im Bund mit einem Priester die Austreibung des Dämonen vorbereitet, die zünftig in den Ruinen des Sanatoriums stattfindet, in dem Caseys Mutter starb …

Es gruseln oder krachen lassen?

Der Horror ist als Genre eine Sammlung grundsätzlicher Konstellationen. Situationen, Orte und Figuren wiederholen sich; wieso auch nicht, wenn sie sich bewährt haben. Werden sie klug eingesetzt, funktionieren sie weiterhin prächtig. Fehlt die Inspiration, gerinnen sie zum Klischee. Was dies als Film umgesetzt bedeutet, können und müssen wir 90 Minuten in “The Unborn” erfahren.

Selbstverständlich war dieser Film nicht als cineastischer Offenbarungseid geplant. Dem präsentierten Werk sieht man durchaus an, das sich die Beteiligten Mühen gegeben haben. Leider kam das aufgebrachte Hirnschmalz fast durchweg an falscher Stelle zum Einsatz.

Beginnen wir mit den wenigen Dingen, die richtig gemacht wurden. “The Unborn” ist ein erfreulich ansehnlicher Film. 16 Mio. Dollar sind heutzutage kein besonders üppiges Budget, doch diese Summe sorgt dafür, dass die Zuschauer nicht schon wieder mit schwammigen Bildern und miesen Tricks geärgert werden. “The Unborn” markiert professionelles Handwerk. Kamera, Licht, Kulissen, Musik und die erwähnten Spezialeffekte hinterlassen in ihrer Gesamtheit einen guten Eindruck.

Dämonen und Dibbuks

Auch die altmodische Story musste kein Manko sein. Die geisterhafte Heimsuchung ist ein klassisches Motiv der Phantastik. Dieses Mal ist es – nun ja – kein Dämon, sondern ein Dibbuk, der seine Opfer piesackt. Der Unterschied besteht im Grunde nur im Namen; der eine verweist auf christliche, der andere auf jüdische Wurzeln, aber böse sind sie beide.

Als Drehbuchautor hat David S. Goyer offensichtlich für seinen Film recherchiert. Wenn Rabbi Sendak im Finale zur großen Dibbuk-Austreibung buchstäblich ins Horn (Schofar) stößt, entspricht dies dem überlieferten Ritus. (Der in unserem Fall als Übersetzer anwesende Baptisten-Priester ist freilich eine der Dramatik geschuldete Zugabe.)

Der “Unborn”-Dibbuk materialisiert sich in unterschiedlichen Gestalten, die teilweise grotesk und teilweise scheußlich sind und die Tricktechniker vor entsprechende Herausforderungen stellten. Die Ergebnisse ihrer Mühen können sich sehen lassen (auch wenn die Dämonenköpfe stark an “Fright Night” oder “From Dusk Till Dawn” erinnern); vor allem die Dibbuk-Hunde mit ihren um 180° am Hals gedrehten Köpfen sind erstaunlich überzeugend geraten. Zwar ebenfalls abgekupfert – dieses Mal immerhin aus dem “Exorzisten” – ist der Knochen und Muskeln brechende “spider walk” eines anderen Besessenen.

Der böse Geist der Einfallslosigkeit

In Sachen Körpereinsatz hinterlässt indes Hauptdarstellerin Odette Yustman den optisch nachhaltigsten Eindruck – und das ohne Maske, sondern einfach, indem sich die Kamera auf ihr von Mutter Natur in ausgesprochen guter Laune geformtes Hinterteil richtet. Das geschieht oft, zumal die hübsche Casey trotz der kalten Jahreszeit, zu der die Handlung spielt, in ihrer Unterwäsche zu schlafen pflegt und des Nachts oft von Durst geplagt wird, was sie aus dem Bett, ins gut beleuchtete Bad und vor besagte Kamera bringt.

Zumindest die männliche Zuschauerschaft ist dankbar über solche Momente zwischen Ärgern und Dösen. “The Unborn” ist nicht nur in den Effekten ein Füllhorn ‘entliehener’ Filmmomente. Quasi jede Szene ist die einfallslose Aufbereitung des längst Bekannten. Die Dramaturgie ist darüber hinaus bzw. zu allem Überfluss vom asiatischen Horrorkino geprägt, dessen besonders erfolgreiche Vertreter man flugs nach Hollywood importierte und die in einem zweiten Schritt nunmehr dort nachgeahmt werden, ohne dass verstanden wurde, was den Grusel aus Fernost so außergewöhnlich machen kann.

Das deutsche Publikum stößt sich natürlich an den Auschwitz-Szenen, was dieses Mal nicht auf die Gutmenschen beschränkt bleibt, weil reales Grauen plump missbraucht wird, um Gruselstimmung zu provozieren. Für die Handlung ist der Nazi-Spuk (samt Josef Mengele im Schattenriss) ohne Belang.

Der Dibbuk ist kein Freund der Logik

Diese Vorgeschichte ist nur der Auftakt zu einer Orgie der Unlogik, die nicht einmal der nachsichtigste Genrefreund zu ignorieren vermag. Was ist das für ein lernresistenter Dämon, der sich ebenso hartnäckig wie vergeblich an ein und dieselbe Familie hängt? Mehr als sechs Jahrzehnte haben ihn erst die Kozmas und dann die Beldons mit kräftigen Arschtritten zurück in sein Zwischenreich getrieben. Gab es denn auf dieser nicht gerade kleinen Welt kein anderes Opfer, in das er fahren konnte?

Das fragt man sich auch deshalb, weil besagter Dibbuk im großen Finale problemlos von Körper zu Körper springt. Wieso behält er beispielsweise nicht den Leib des schwarzen Priesters Arthur? Der ist außerdem Basketballspieler und verfügt über den entsprechend athletischen Körper. Aber nein, mit (immerhin dibbuktypisch) sturer Hartnäckigkeit bleibt der Dämon hinter Casey her.

Man kann dies jedoch im Zusammenhang sehen. Soll heißen: Viel schlauer sind die menschlichen Mitglieder dieses Trauerspiels auch nicht. Da fährt der Dibbuk in den Körper eines Kleinkinds und kündigt Caseys bester Freundin Romy klipp & klar an, was ihr blühen wird, wenn sie sich seinem Opfer nicht fernhält. Romys Reaktion? Als es in der nächsten dunklen Nacht – sie ist übrigens allein im Haus – an der Tür klingelt, öffnet sie selbstverständlich. Da wird ein Messerstich in den Bauch fast zur gerechten Strafe …

Schauspieler in der Alltagshölle

Was uns zu den Unglücksraben bringt, die für “The Unborn” ihre Gesichter (bzw. den Hintern – s. o.) vor die Kamera trugen. Von David S. Goyer, der u. a. die Drehbücher zu Blockbustern wie “Blade” und “Batman Returns” schrieb, hatten sie sich vermutlich mehr versprochen als den Einsatz in einem öden Routine-Streifen. (Sie hätten bedenken müssen, dass Goyer auch für “Jumper” verantwortlich zeichnet …) Für einen Stoff wie diesen ist es fatal, dass es misslingt, im Zuschauer ein Gefühl des Mitleidens zu erwecken. Goyer bringt Casey nie in die Not einer echten Isolation. Schon frühzeitig werden ihre Freunde Zeugen dämonischer Manifestationen. Sie wissen also, dass Casey Hilfe benötigt.

Dummerweise wird ihr diese hauptsächlich von Freund Mark und Freundin Rosy gewährt. Der eine spielt so nichtssagend, dass man sich schon fünf Minuten nach Filmende nicht mehr an sein Gesicht erinnert, während die andere eine solche Nervensäge ist, dass man dem Dibbuk applaudieren möchte, als er sie endlich abmurkst. (Zum Zorn des Zuschauers tragen die deutschen Stimmen von Casey und Rosy bei: Mit digitalem Helium werden sie auf ‘jung’ getrimmt und quietschen dabei wie rostige Türangeln.)

Was haben richtige Schauspieler wie James Remarr, Jane Alexander und vor allem Gary Oldman in diesem Unfug verloren? Ihre Rollen sind völlig nebensächlich; ein weiterer Nobody-Darsteller, wie sie sonst in “The Unborn” auftreten, hätte sie übernehmen können.

Zur Klärung des größten Rätsels dieses Films vermögen sie ohnehin nichts beizutragen: Wie gelingt es Casey, ihr Leben ohne hässliche Fragen seitens der Polizei fortzusetzen, nachdem sich an der Stätte der Dibbuk-Austreibung die Leichen derer, die dem Spukbold zum Opfer fielen, förmlich stapelten? Aber dafür entlässt uns Goyer mit der weniger überraschenden Erkenntnis, dass der Dämon schon zur neuerlichen Attacke bläst – womöglich in einer Fortsetzung! Wo ist der Exorzist, der Mr. Goyer aufsucht und ihm solche grausigen Pläne austreibt?

DVD-Features

Während die Tonspur dieser DVD mit fremdsprachigen Synchronfassungen bis zum Anschlag vollgepackt wurde, blieben die Extras auf einige Szenen beschränkt, die Regisseur Goyer aus dem Film schnitt. Wie sich bei ihrer Sichtung zeigt, tat er gut daran und hätte die Schere noch öfter einsetzen sollen.

[md]

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George Gently – Der Unbestechliche

Erstellt von Günther Lietz am 2. September 2009

george_gently_1George Gently – Der Unbestechliche
Staffel 1

Originaltitel: George Gently
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Produktionsjahr: 2007–2008
Label: edel motion
Darsteller: Martin Shaw, Lee Ingleby

Großbritannien Anfang der 60er Jahre, es ist eine Zeit der Umbrüche, eine Zeit der Korruption und die Zeit von Inspector George Gently. Gently (Martin Shaw) ist ein Mann von gutem Ruf bei der Londoner Polizei – unbestechlich, ehrlich und ein Haudegen alter Machart. Genau das macht ihn bei seinen Kollegen unbeliebt.

Als in der Episode „Kalte Rache“ Gentlys Frau Isabella ermordet wird, beschließt Gently seinen Job hinzuwerfen. Er kennt den Auftraggeber für den Mord, Joe Webster, kann aber seiner nicht habhaft werden. Da geschieht außerhalb Londons ein Verbrechen und Webster scheint involviert. Also wird Gently noch einmal aktiv. Dabei lernt er den jungen und formbaren Detective Sergeant John Bacchus (Lee Ingleby) kennen. Gemeinsam versuchen sie das Verbrechen aufzuklären …

„George Gently“ ist eine Serie, die auf den ersten Blick klassisch gestrickt wirkt, tatsächlich aber mit modernen Mitteln und Techniken umgesetzt wurde. Obwohl die Fälle in den 60er Jahren spielen, sind sie weder altbacken oder langweilig. Im Gegenteil! Hier wird aktuelle Kriminalunterhaltung geboten, die einen ganz besonderen Charme besitzt. Die Einen fühlen sich in die 60er Jahre zurückversetzt, die Anderen betreten Neuland. Besonders packend ist dabei die Einstellung der Figuren und ihr Verhalten, dass manchmal neuzeitlichen Maßstäben entspricht, oft aber auch Überraschungen beinhaltet. Als Beispiel mag die Haltung gegenüber Homosexuellen dienen – die in „Kalte Rache“ thematisiert wird – oder der Umgang Englands mit der Todesstrafe.

Auch in „Der Verbrannte“ („The Burning Man“) kommen antiquierte Sicht- und Verhaltensweisen zum Tragen, in diesem Falle der Umgang mit Frauen. Doch im Fokus steht natürlich ein rätselhafter Mord. Diesmal wurde ein unbekannter Mann getötet und verbrannt, so dass eine Identifizierung unmöglich scheint. Glücklicherweise hatte der Tote einen Ring im Magen, der auf eine heiße Spur führt …

Eine moderne Serie würde nun ein Labor bemühen und hätte innerhalb kurzer Zeit die Identität des Opfers herausgefunden – inklusive DNA, Konfession und Hobbys. George Gently und John Bacchus gehen andere Wege, da ihnen hochmoderne Hilfsmittel und Werkzeuge verwehrt bleiben. Sie müssen sich auf Fakten, Vermutungen und ihren Verstand verlassen, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Das ist sehr reizvoll, was vor allem daran liegt, wie lebendig die Vergangenheit plötzlich wird.

„Die Schuld der Väter“ („Bomber’s Moon“) lässt die Vergangenheit ebenfalls lebendig werden, denn das Opfer ist diesmal ein reicher Deutscher, der auf dem englischen Land alte Freunde besuchte. Ein Mord, der seine Wurzeln vielleicht im zweiten Weltkrieg hat …

Somit wird natürlich auch ein Stück deutscher Geschichte lebendig. Was heutzutage manchmal abstrakt anmutet, war in den 60er Jahren Realität. Gently selbst diente im Krieg und die Erinnerungen sind noch bei allen Menschen sehr frisch. Das führt dementsprechend zu emotionalen Szenen und Motiven.

In „Die Schuld der Väter“ wird das gelungene Charakterspiel zwischen Martin Shaw und  Lee Ingleby besonders deutlich. Ingleby spielt den jungen und ehrgeizigen Detective Sergeant, der Gently zwar mag, sich aber gleichzeitig von ihm ausgebremst fühlt. Shaw gibt dagegen den alten Haudegen, der in seinem jungen Kollegen eine Möglichkeit sieht einen anständigen Polizisten zu formen. Das führt zu entsprechenden Konflikten, die sehr unterhaltend umgesetzt wurden und äußerst packend sind. Gegensätze ziehen sich einfach an.

Vor allem Martin Shaw brilliert. Bekannt wurde er vor allem in der Rolle des Lockenschopfs Raymond Doyle in der Serie „Die Profis“ und zeigte auch außerhalb des Bildschirms sein großes Talent als Darsteller. In Würde gealtert scheint George Gently ihm scheinbar auf den Leib geschneidert.

Auch das Szenenbild ist exzellent umgesetzt und die Kulissen gut fotografiert. Das ländliche England der 60er Jahre einzufangen ist schon eine Herausforderung, die gut gemeistert wurde. Überhaupt sind auch die Requisiten, Kostüme und Frisuren zu bewundern, die stets stimmig sind und die Illusion aufkommen lassen, die Serie wäre tatsächlich 1965 abgedreht worden. Keine leichte Sache, denn auch auf dem Land hat sich einiges verändert. Man muss den Regisseuren Euros Lynn und Ciaran Donnely ordentlich Respekt zollen – ihre Arbeit ist einfach großartig. Sie haben die Romanvorlage Alan Hunters sehr gelungen umgesetzt.

„George Gently – Der Unbestechliche – Staffel 1“ ist eine hervorragende Box voller Kriminalunterhaltung, die auf exzellente Schauspieler und den Charme der Vergangenheit baut. Leider gibt es als Extra nur eine Bildergalerie auf der DVD, die man allerdings getrost ignorieren kann. Schade. Dennoch ist die Box eine uneingeschränkte Empfehlung, da jede einzelne Episode einfach ein Genuss ist.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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