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Archiv für Februar, 2010

Downloading Nancy

Erstellt von Michael Drewniok am 11. Februar 2010

downloading-nancyDownloading Nancy

Originaltitel: Downloading Nancy (USA 2008)
Regie: Johan Renck
Drehbuch: Pamela Cumings u. Lee Ross
Kamera: Christopher Doyle
Schnitt: Henrik Hanson u. Johan Söderberg
Musik: Krister Linder
Darsteller: Maria Bello (Nancy Stockwell), Jason Patric (Louis Farwell), Rufus Sewell (Albert Stockwell), Amy Brenneman (Carol), David Brown (Billy Ringel), Michael Nyqvist (Stan) u. a.
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 16.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 15.01.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4013575566693 (Leih-DVD) bzw. 0886974374695 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Nancy Stockwell ist eine schöne Frau, die mit ihrem beruflich erfolgreichen Gatten Albert ein wohlhabendes Leben führt. Hinter dieser Fassade tun sich jedoch Abgründe auf. Albert ist ein gefühlskalter, auf das Golfspiel fixierter Reinlichkeitsfanatiker, der nicht erkennt bzw. nicht erkennen will, wie unglücklich Nancy ist. Nicht einmal das Wissen um ihre zahlreichen Sitzungen mit der Psychologin Carol nimmt Albert zum Anlass, sich mit seiner Ehefrau auszusprechen, die sich mit Rasierklingen schneidet, um überhaupt noch etwas zu fühlen.

Längst hat sich Nancy so tief ins seelische Aus gesteuert, dass sie den spektakulären Ausstieg aus einem ihr unerträglich gewordenen Leben plant. Über das Internet, das ihre einzige Verbindung mit der Außenwelt darstellt, hat sie Louis kennengelernt, der in einschlägigen Chatrooms als „Schmerzensmann“ auftritt. Mit ihm schließt Nancy einen Pakt. Sie liefert sich Louis und seinen sadistischen Neigungen aus, um sich schließlich von ihm umbringen zu lassen.

Eines Tages ist es soweit. Nancy verlässt Albert, der ratlos und von der Situation überfordert zurückbleibt. Sie wird nicht zurückkehren, aber auch für Louis sind nach der Begegnung mit der zutiefst verstörten Frau die Tage als „Schmerzensmann“ vorüber: Die Realität holt ihn ein, sodass er sich Nancy letztem Wunsch nicht verschließen kann und Albert mit einer Botschaft in seinem leeren Haus aufsucht …

Keine Hoffnung, kein Ausweg

Für die Randbereiche der menschlichen Psyche gibt es im Kino seit jeher zwei  Darstellungsweisen. Da haben wir einerseits den Horror, der offen, d. h. blutig und dabei unterhaltsam das Wirken & Würgen geisteskranker Serienkiller, durchgeknallter Wissenschaftler oder anderweitig irrer Metzelbolde in Szene setzt, wobei gleichzeitiger Popcorn-Verzehr, Getränkegenuss und freudiges Gejohle durchaus nicht fehl am Platze wirken.

Auf der anderen Seite stehen Filme wie „Downloading Nancy“, die sich dem Phänomen der (Selbst-) Zerstörung ernsthaft und quasi dokumentarisch widmen. Auch hier wird gelitten und gestorben, aber das zu beobachten ist nicht vergnüglich, sondern weckt das Unbehagen des Zuschauers, der sich wie ein Voyeur vorkommt. Man könnte sagen, dass diese Filme in Form und Inhalt der Realität ein wenig zu nahe kommen.

„Nach einer wahren Begebenheit“ heißt es auch im Nachspann von „Downloading Nancy“. Was in der Regel nur ein Trick ist, um billige Zusatz-Werbung für einen Film zu machen, wirkt hier authentisch, weil in den letzten Jahren tatsächlich Fälle belegt sind, in denen verzweifelte Menschen ihren Mörder per Internet suchten – und fanden.

Wer so konsequent ist wie Regisseur Johan Renck, der sich streng auf das Drama dreier verlorener Menschen konzentriert, ohne Konzessionen an ein Publikum zu machen, das in Mainstream-Dramen mit im Drehbuch eigens vorgesehenen Momenten der Entspannung rechnen kann, darf auf einen Blockbuster nicht hoffen. Tatsächlich ertrugen nicht einmal das sich gern intellektuell gebende Publikum des „Sundance Film Festivals“ die Uraufführung von „Downloading Nancy“; Hauptdarsteller Rufus Sewell beobachtete, wie die Zuschauer scharenweise den Kinosaal verließen.

Jenseits des Punktes der Wiederkehr

In der Tat ist „Downloading Nancy“ kein vergnügliches Erlebnis. Dabei gibt es keinerlei Brutalitäten zu besichtigen. Es sind Darstellerkunst und inszenatorisches Geschick, die den Rasierklingenschnitt in ein Bein oder einen Arm zum blanken, weil wiederum realistischen Horror anschwellen lassen. Auch sonst spiegelt jede Szene nur Verlassenheit, Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit wider. Die Bilder sind ausgewaschen und entbehren jeglicher Farbigkeit. Dazu spielt die Handlung im neuenglischen Winter, der besonders düster, eisig und unwirtlich wirkt.

Gemütlichkeit ist auch innerhalb bewohnter Mauern ein Fremdwort. Das Sprechzimmer der Psychiaterin ist eine schäbig möblierte, enge, fensterlose Kammer. Feiern finden in gesichtslosen Hotelkavernen statt. Das Haus der Stockwells ist kein Heim, sondern ein Gefängnis, dessen männlicher Bewohner jegliche ‚Beschädigung‘ durch Schmutz oder Knautschflecken vermeidet. Scheußlich gemusterte, unbequeme Polstermöbel werden mit glatten, kalten Plastikbezügen ‚geschützt‘. Die Depression nimmt Gestalt an.

Die Menschen fügen sich nahtlos in diese Umgebungen ein. Wenn Albert auflebt, dann nur in seinem zum Golfclub umgebauten Keller, in dem er meist völlig allein ist. Wenn seine ‚Freunde‘ Billy und Stan auftauchen, verödet die Unterhaltung in Allgemeinplätzen, denn zu sagen hat man sich im Grunde nichts.

Des Dreiecks mörderische Seite

Doch wo nicht mehr gesprochen wird, kann die Dunkelheit einziehen. Albert sieht genau, dass Nancy sich quält. Er lässt es geschehen. Damit wird er mitschuldig bzw. hauptverantwortlich für ihren Tod. Das ist die Lektion, die ihm Nancy sehr erfolgreich zu erteilen vermag. Ähnlich wird es vermutlich Carol geschehen. Renck ist abermals kompromisslos: Die Therapiegespräche mit Nancy werden zum pagageienhaften Nachplappern angelernten Fachwissens, das immer hektischer wird, je mehr Carol bewusst wird, dass sie Nancys Verzweiflung nichts entgegenzusetzen hat. Anders als Albert will Carol helfen, doch sie kann es nicht, denn über diesen Punkt ist Nancy hinaus: für eine Psychologin eine unerträgliche Erkenntnis und das Eingeständnis einer Niederlage.

Nachdem sie selbst, ihr Partner und die Medizin versagt haben, sieht Nancy nur im Tod eine Erlösung. Den will sie sich aber nicht selbst geben: Sie möchte schmerzvoll sterben, denn Schmerz ist das einzige Gefühl, das sie noch spürt. Das bringt Louis ins Spiel. Er könnte als Figur der Bösewicht dieses Dramas werden, aber diese simple Charakterisierung gestattet Renck nicht. Louis ist keineswegs der kontrollierte, eiskalte „Schmerzensmann“, zum dem er sich stilisiert. Stück für Stück zerbricht diese Fassade im Zusammensein mit Nancy und offenbart einen Menschen, den das Leben mindestens ebenso verletzt hat wie sein ‚Opfer‘, das Louis‘ Liebesbekundungen brutal zurückweist und auf ‚Vertragserfüllung‘ besteht.

Denn Nancy ist in ihrer erbarmungslosen Selbstzerstörung ein gefährlicher Mensch. Carol erlebt es, als ihre Patientin sie attackiert, aber Louis, der ihr länger ausgesetzt ist, wird von Nancy zerstört. Selbst im Tod manipuliert sie ihn weiter und bringt ihn dazu, sich Albert auszuliefern, um ihm ihre letzte Botschaft auszurichten.

Der Herausforderung gewachsen sein

Johan Renck ist kein in den USA aufgewachsener und dort ins Filmgeschäft gekommener Regisseur. Er wurde in Schweden geboren und lebt noch heute in Stockholm. So kann Renck durchaus als ‚europäischer‘ Filmemacher gelten, was in der Kritikerwelt identisch ist mit dem Drang zur unbequemen und unzensierten, sprich: hollywoodfernen Filmkunst.

Zumindest an den Kinokassen konnte Renck diesem Ruf problemlos entsprechen: „Downloading Nancy“ spielte bei Produktionskosten von 3 Mio. Dollar praktisch keinen Cent ein. Der Stoff erwies sich für ein breites Publikum als zu starker Tobak. Zwar wird mancher von der Kritik heiß geliebter ‚Kunstfilm‘ für den Zuschauer mit Fug und Recht als Aufforderung zur Kinoflucht verstanden. Auf „Downloading Nancy“ trifft dies nicht zu, denn dieser Film ist das Werk eines Regisseurs, der sein Thema im Griff hat.

Das verdankt Renck einem ausgewogenen Drehbuch sowie Schauspielern, die ihre schwierigen Rollen außerordentlich überzeugend mit depressivem Leben erfüllen. Vor allen anderen ist natürlich Maria Bello zu nennen, die nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere keineswegs davor zurückscheut, buchstäblich alles zu geben. Nie augenrollend & Schaum spuckend irrsinnig, sondern entweder erloschen oder blindwütig, oft beides im sekundenschnellen Wechsel, Mitleid erregend aber nie sympathisch, ist Nancy die Verkörperung des Lebensekels. Obwohl Bello selbst ohne Make-up, in schmuckloser Kleidung und gefilmt in fahlem Licht eine schöne Frau bleibt, ist sie selbst nackt kein erotischer Anblick – auch über diese Phase ist Nancy längst hinaus; sie sorgt lieber dafür, dass Louis im Baumarkt eine Hacke kauft, mit der er später ihre Leiche besser zerteilen kann.

Unterhaltung muss nicht unterhaltsam sein

Rufus Sewell gibt einen gleichermaßen abscheulichen wie jämmerlichen Albert. Vom seelischen Bankrott trennen ihn nur seine Obsession für Golf und eine Gefühlsarmut, die ihn problemfrei funktionieren lässt. Sewell gibt der undankbaren Rolle eine düstere Größe in seinem von Nancy über Louis in Gang gesetzten Erkenntnis- und Reifeprozess, den er womöglich nicht überstehen wird.

Auch Jason Patric ist fabelhaft als Sadist und Lustmörder, der sich seinen eigentlichen Bedürfnissen stellen muss. Menschen zu verletzen ist einfacher als sich mit ihnen zu verständigen. Als Louis dies vergisst, ist es um ihn geschehen. Patric meistert eine schwierige Doppelrolle, denn ist er zunächst Nancys Fährmann in den Tod, muss er später zum Neustarter für Alberts tief verschüttetes Gefühlsleben werden. Louis redet nicht, er handelt, und er geht dabei ähnlich rücksichtslos vor wie Nancy.

„Downloading Nancy“ bietet die Möglichkeit, sich einen Film nicht nur ‚anzuschauen‘, sondern sich auf ihn einzulassen. Auch die Gabe, das Leere und Niederschmetternde darzustellen und vorstellbar zu machen, verdient Anerkennung. Wie eigentlich immer sollte nur die Geschichte zählen, und die ist zwar traurig, wird aber wunderbar erzählt.

DVD-Features

„Downloading Nancy“ ist ein Film, für den ein „Making-Of“ als verkappter Werbe-Trailer eher kontraproduktiv wäre. Echte Hintergrundinfos – z. B. über die realen Ereignisse, die das Drehbuch inspirierten – wären hilfreich. Da dafür ein gewisser Aufwand getrieben werden müsste, der für Kassengift-Filme als nicht lohnend erachtet wird, fallen folgerichtig sämtliche Features ersatzlos weg.

[md]

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Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Erstellt von Günther Lietz am 10. Februar 2010

Bei Libri.dePrimeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Produktionsjahr: seit 2007

Darsteller: Douglas Henshall, Lucy Brown, Andrew Lee Potts
Regisseure: Jamie Payne, Cilla Ware
Komponist: Dominik Scherrer

Format: PAL, Box-Set
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Episoden: 23 in 3 Staffeln
Spieldauer: 1045 Minuten
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 2009

Neben den us-amerikanischen Science-Fiction-Serien, behaupten sich zunehmend auch Serien aus Großbritannien auf dem internationalen Markt. Der britische Fernsehsender ITV1 schickt seit einigen Jahren „Primeval“ ins Rennen um die Einschaltquoten und liegt damit weit vorne. So erreichten die ersten beiden Staffeln bei ihrer Erstausstrahlung in Großbritannien im Schnitt mehr als sechs Millionen Zuschauer, in Deutschland waren es immerhin mehr als zwei Millionen Menschen, die einschalteten. Deutsche Premiere feierte „Primeval“ auf PRO7 und wurde dann ab Januar 2010 auf Kabel 1 wiederholt. Aus dem Hause Polyband & Toppic Video/WVG stammt nun eine Staffelbox, in der die ersten drei Staffeln enthalten sind. Das macht insgesamt dreiundzwanzig Episoden mit einer Gesamtspieldauer von 1045 Minuten. Stellt sich nur die Frage, wie unterhaltsam diese Minuten sind.

Die erste Staffel der Serie umfasst gerade mal sechs Episoden und ist damit die kürzeste Staffel. Im Zentrum der Handlung steht vor allem die Charaktervorstellung und das zentrale Handlungselement: Die Urzeitmonster, die durch eine Anomalie aus der Vergangenheit in unsere gegenwärtige Welt stolpern. Durch Absicht und Zufall formiert sich hier ein Team, dass im Auftrag der britischen Regierung diese Monster jagt, Schlimmes verhindert und die Anomalien erforscht.

Kopf des Teams ist der Wissenschaftler Nick Cutter (Douglas Henshall). Er ist Evolutionsbiologe und arbeitet zusammen mit seinem Assistenten Stephen Hart (James Murray) an den Vorfällen. Im Verlauf der sechs Episoden kommt heraus, dass die beiden Männer mehr als nur Freundschaft verbindet. Vor allem Cutter erfährt, dass es für ihn eine ganz persönliche Verbindung zu den Anomalien gibt, denn seine verschollene Frau Helen (Juliet Aubrey) scheint in einer dieser Anomalien verschwunden zu sein.

Mehr zufällig schließt sich der junge Student Connor Temple (Andrew-Lee Potts) dem Team an. Er ist etwas ungeschickt, intelligent und über beide Ohren in Abby Maitland (Hannah Spearritt) verliebt, die er in der ersten Episode kennenlernt. Abby ist Tierpflegerin und wird zufällig in die Ermittlungsarbeiten hineingezogen. Dank ihren Fähigkeiten gehört sie schnell zum harten Kern der Truppe. Das Team steht unter der Leitung von Claudia Brown (Lucy Brown), einer Mitarbeiterin des Innenministeriums, die wiederum Sir James Peregrine Lester (Ben Miller) untersteht, einem humorlosen Bürokraten.

Die Aufgabe des Teams ist es nun auffälligen Meldungen nachzugehen und festzustellen, ob es sich um eine Anomalie handelt. Stets entwischt auch ein Bewohner der Urzeit und stellt die Mannschaft vor Probleme. Meistens frisst das Urzeitmonster jemanden auf und muss mit einem Trick wieder in seine eigene Zeit gelockt werden. Im Grunde war es das auch schon.

Die erste Staffel zeichnet sich dadurch aus, dass sie vor allem auf ein junges Publikum zugeschnitten wurde. Die Handlung ist betont episodenhaft und gestückelt. Es gibt unzählige Logikfehler, die zugunsten einer betont lässigen Szenerie in Kauf genommen werden. Hauptsache es sieht gut aus. Dadurch ist die Geschichte flach und auch die Charaktere kommen ohne Tiefe daher. Sehr ärgerlich ist vor allem der monotone Aufbau des Dramas und die stets ähnliche Krisis. In fast jeder Episode fühlt sich der Zuschauer auch an das gute alte Kasperletheater erinnert: Das Krokodil taucht hinter dem Kasper auf, aber er sieht es einfach nicht. Dann dreht sich der Kasper um, aber einen Augenblick vorher ist das Krokodil abgetaucht und steckt woanders seinen Kopf hinaus. Der Kasper dreht sich zurück und wieder ist das Krokodil verschwunden, um plötzlich genau vor der Nase des Kaspers aufzutauchen. Wird der Kasper gegen Cutter oder ein anderes Teammitglied ausgetauscht und das Krokodil gegen ein beliebiges Tier aus der Urzeit, so beschreibt das die meisten der Drehbücher.

Um die jugendliche Lust nach nackter Haut und Teenagerliebe zu bedienen, kommen nun Abby und Connor ins Spiel. Die Rolle der punkigen Tierpflegerin wird dabei von Hannah Spearritt übernommen, die Dank ihres sportlichen Körperbaus jugendlich frisch wirkt. Vor einigen Jahren gehörte sie der Popgruppe „S Club 7“ an, nun versucht sie sich als Schauspielerin. Trotz – oder gerade wegen – der einfach gestrickten Geschichte gelingt ihr das recht gut. Passenderweise ist Abby eine Liebhaberin vom Amphibien. Deswegen schaltet sie ihre Heizung immer hoch, so dass sie in ihrer Wohnung stets knapp bekleidet herumlaufen muss. Bei der Gelegenheit präsentiert sie dann auch ihre knapp verhüllten kecken Brüste und den äußerst knackigen Po.

Connor steht nun stellvertretend für all die Jungs, die nun gerne Abbys Freund wären und die Glückliche mal beglücken würden, aber stets abblitzen. Doch Meter für Meter gräbt sich Connor an seine Auserwählte heran, zieht schlussendlich sogar bei ihr ein und darf – stellvertretend für alle anderen Außenseiter der jugendlichen Gesellschaft – die knackige Abby bewundern. Jetzt muss Connor nur noch ihr Herz erobern.

Es ist leicht zu erkennen, dass „Primeval“ in seichten Gewässern fischt. Es gibt keinen großen Anspruch. Das gilt auch für die von den Machern gelobten Tricks und Special Effects. Diese wurden am Computer generiert und ihre CGI-Herkunft ist offensichtlich. Auch die Action wirkt gekünstelt, ebenso die grundlegende Handlung selbst. Es wirkt stellenweise, als hätten die Produzenten versucht „Stargate SG1“ zu klonen und dabei ist ein Unfall passiert. Trotzdem ist die erste Staffel der Serie stellenweise recht unterhaltsam. Sie gewinnt zum Ende hin sogar an Spannung und Fahrt, denn es kristallisiert sich tatsächlich ein übergreifender Handlungsbogen heraus.

Und mit dem kracht der Zuschauer dann brachial in die zweite Staffel hinein, die nun aus ganzen sieben Episoden besteht. Der Zuschauer hat sich von Claudia Brown verabschieden müssen. Das ist vor allem für Cutter ein Problem, denn immerhin empfand er tiefe Zuneigung für sie. Statt sich nun der Liebe hinzugeben, muss er sich gegen seine Ehefrau durchsetzen. Denn Helen wird nun zum Dreh- und Angelpunkt der Serie.

Die Produzenten haben von der reinen Teenager-Serie Abschied genommen und die Möglichkeiten einer Zeitanomalie genutzt, um „Primeval“ ordentlich umzukrempeln. Cutter kehrt aus der Vergangenheit zurück und lässt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung hinter sich. Doch die Gegenwart hat sich verändert. Es gab nie eine Claudia Brown und das Team hat im sogenannten ARC einen festen Stützpunkt. Von hier aus erforscht die Mannschaft weiterhin die Anomalien, kann jedoch auf mehr Ressourcen zurückgreifen.

Noch immer ist Connor in Abby verknallt, doch es gibt nur einen freundlichen Händedruck oder mal einen Schmatzer auf die Wange. Wenigstens ist Abbys Schwärmerei für Stephen zu den Akten gelegt worden, hat dieser doch was mit Helen am Laufen. Sehr zum Ärger von Cutter. Und der steht vor dem Problem, dass die neue PR-Managerin des ARC Jennifer „Jenny“ Lewis ist und Claudia zum Verwechseln ähnlich sieht. Somit bleibt Lucy Brown der Serie vorerst als Schauspielerin erhalten.

Der durchgehende Handlungsbogen sorgt nun für einen besseren Ablauf der Serie. Einige Logiklücken wurden geschlossen und durch die plötzliche Wendung mittels der veränderten Realität, ist auch das leicht veränderte Verhalten der Charaktere zu erklären. Vor allem der Konflikt zwischen Cutter, Helen und Stephen trägt zu einem runderen und spannenderen Bild bei. Scheinbar wurde auch das Budget der Serie aufgestockt, denn die Kulissen sind größer, abwechslungsreicher und auch die CGI-Effekte haben zugelegt. Man sieht zwar noch immer, dass es Computerwesen sind, aber diesmal wirken sie einfach einen Tick echter. Und endlich wurden der Kasper und das Krokodil in die staubige Kiste gesteckt, in die sie auch hineingehören.

Eine besonders schöne Idee der Drehbuchautoren ist, dass nun auch Kreaturen aus der Zukunft die Gegenwart besuchen. Allerdings gibt es hier keine großen Änderungen, denn diese Kreaturen fressen auch gerne Menschen. Die Handlung wird nun durch Helen besonders vorangetrieben. Sie auch scheint Wissen und Technik aus der Zukunft zu besitzen, das macht neugierig. Doch die Enthüllungen, die lassen auf sich warten. So wie die Figur der Helen in der Serie gewinnt, so gewinnt auch  Juliet Aubrey hinzu. Ihre Darstellung der Helen ist sehr packend und stellenweise gar ergreifend. Auf der einen Seite menschliches Monster, auf der anderen Seite verletzlicher Mensch. Eine sehr glaubhafte Darstellung der Rolle.

Ebenso wie die zweite Staffel, so bringt auch die dritte Staffel einige Veränderungen mit sich. Die Serie wirkt nun noch erwachsener, spielt noch stärker mit den Möglichkeiten und Gefahren der Anomalie. Eine der DVDs kommt sogar mit einem FSK von 16 daher, was sich natürlich auch auf die ganze Box niederschlägt. Merkwürdigerweise sanken in Großbritannien die Einschaltquoten „Primevals“ bei der dritten Staffel auf knapp über vier Millionen ab. Dabei gewinnt die Serie gerade jetzt an Spannung.

Connor und Abby kommen sich endlich näher. Das bedeutet immer weniger Liebeleien unter Jugendlichen. Zwar muss  Hannah Spearritt noch immer ihren knackigen Körper präsentieren, aber endlich wirkt es natürlich. Auch Connors Schüchternheit wirkt passend und ist kein zentraler Bestandteil mehr.

Und erneut hat sich einiges im Team verändert. Durch Tod eines Mitglieds und dem Ausscheiden von Jenny aus dem Dienst, ist der Weg frei für neue Mitglieder. Da wäre erst einmal die Ägyptologin Sarah Page (Laila Rouass). Leider ist ihre Einstiegsfolge auch die dümmste der ganzen dritten Staffel. Es tauchen tatsächlich Urzeitkrokodile auf die das Fressen einstellen, sobald sich die Leute vor ihnen verbeugen. Logische Erklärung: Sie sind es halt alle aus Ägypten gewohnt angebetet zu werden. Was für ein Unsinn. Nun, die Neue im Team braucht halt auch ihr Scheinwerferlicht, um gut dazustehen. Glücklicherweise ist diese Folge nur ein Ausrutscher und Sarah wird tatsächlicher zu einer tragenden Figur mit plausibler Geschichte.

Eine tragende Figur ist auch Helen – immer noch. Sie enthüllt weitere Details aus der Zukunft und dem Zuschauer werden ihre Motive klar, sind sogar nachvollziehbar. Die Szene in der sie ihren eigenen, geliebten Mann erschießt, ist heftig. Doch Helen, gefangen in ihrem eigenen Wahn – ausgelöst durch das Wissen um die Zukunft der Menschheit – sieht einfach keinen anderen Ausweg. Starker Tobak!

Im ganzen positiven Chaos der dritten Staffel, mausert sich Danny Quinn (Jason Flemyng) zum neuen Teamleiter. Er ist risikofreudig und unbesonnen, in vielen Dingen also das Gegenteil von Cutter. Doch das Team kann sich jederzeit auf seine Hartnäckigkeit und seine Loyalität verlassen. Das gilt auch für Captain Becker (Ben Mansfield) der eine Spezialeinheit leitet und zum Schutz des Teams eingeteilt ist. Endlich haben die Drehbuchautoren was gelernt und präsentieren glaubhafte und nachvollziehbare Gründe, warum das Team ohne Waffen und nur mit einem Grinsen gegen menschenfressende Dinosaurier in den Kampf zieht. Wobei, diesmal kommen die Soldaten auch mal zum Zuge. Alles andere wäre nun auch endgültig unglaubwürdig.

Die Handlung ist nun eine wahre Achterbahnfahrt. Zwar sehen die Monster noch immer deutlich nach CGI aus, aber Action und Spannung nehmen dramatisch zu. Es gibt Verfolgungsjagden durch die Zeit, Verrat in den eigenen Reihen, Klonsoldaten, tödliche Liebschaften, knallharte Zweikämpfe, mutierte Menschen, Killer aus der Zukunft und den Plan die gesamte Menschheit auszurotten. Hier wurde das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt. Endlich wird Helens Motiv enthüllt und auch ihr Plan ans Licht gezehrt. Dabei kommen auch viele Spielereien aus der Zukunft vor, die den Anstrich der Science Fiction verstärken. Und schlussendlich präsentieren die Macher einen sehr spannenden Cliffhanger, der Lust auf mehr macht – Lust auf eine Fortsetzung, Lust auf einen Kinofilm.

„Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ ist keine Serie die mit einem ausgefeilten Plot überzeugt, erstklassige Tricktechnik bietet oder gar Charaktertiefe. Die Serie bietet einfache Durchschnittskost, gespickt mit peinlichen Ausrutschern und wunderbaren Glanzlichtern. Diese Glanzlichter nehmen zum Ende der Serie immer mehr zu. „Primeval“ ist eine Serie, die mit der Zeit wächst, blüht und gedeiht. Aus einem langweiligen Mauerblümchen entwickelt sich eine schöne Orchidee. Besonders spannend ist dabei, diese Entwicklung mitzuerleben. Das macht schlussendlich den wahren Reiz der Serie aus und erinnert irgendwie an ein Kind: Es wird geboren, wächst auf und steht schlussendlich auf eigenen Beinen. Bleibt zu hoffen, dass „Primeval“ zukünftig dieses erreichte Niveau beibehalten wird. Es wäre Schade, würde die Serie eingehen oder auf dem Altenteil landen.

Die Ausstattung der DVD-Box ist von guter Qualität. Jede Staffel befindet sich in einer eigenen Hülle und diese stecken wiederum in einem schön gestalteten Pappschuber. Leider gibt es keine Wendecover und keinen Überzieher. Dadurch bleibt der Blick auf das grüne FSK-Siegel frei. Schade.

Die Bildqualität ist weitgehend in Ordnung. Kommt es zu CGI-Effekten wirkt es manchmal schwammig. Oft ist das wohl Absicht, um die Computeranimation etwas zu verschleiern. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 auf Deutsch und Englisch vor. Er ist durchweg sauber und dringt gut aus den Boxen. Bei solch einer Serie wäre aber 5.1 sicherlich besser gewesen. Der Untertitel ist nur in Englisch vorhanden. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gelungen und weist keine Fehler auf. Die Stimmen sind weitgehend passend gewählt. Eine gute Arbeit.

Das Bonusmaterial besteht aus einem Making-of und einem Behind-the-Scenes. Beide Beiträge sind informativ und schön gestaltet, aber leider etwas wenig für eine Box mit diesem Umfang. Hier hätten sich Fans sicherlich mehr erhofft. Das Bonusmaterial ist jedenfalls unterer Standard.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich bei „Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ um eine ambitionierte  Serie mit vielen und großen Schwächen am Anfang handelt, die aber mit jeder weiteren Staffel einen Qualitätssprung vollführt. Vor allem Staffel Zwei und Staffel Drei trumpfen auf, wobei das vorläufige Serienfinale sehr spannend ist und nach mehr verlangen lässt. Trotz Mängel also eine Empfehlung für die heimischen Abspielgeräte!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Bei Libri.de

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Denis Lehane: “Shutter Island” – Sonderausgabe zum Film – Verfilmt von Martin Scorsese – mit Leonardo DiCaprio und Ben Kingsley – Filmstart 25. Februar 2010

Erstellt von Detlef Hedderich am 6. Februar 2010

Denis Lehane – Shutter Island
Verfilmt von Martin Scorsese –
mit Leonardo DiCaprio und Ben Kingsley
Filmstart 25. Februar 2010

RZ_28124_Lehane.inddSonderausgabe zum Film
Dennis Lehane
Shutter Island
Thriller
368 Seiten
mit vierfarbigem Bildteil
€ [D] 7,95 / € [A] 8,20 / sFr 14,90
ISBN 978-3-548-28124-7
Erscheint im März 2010
www.ullstein-taschenbuch.de

US-Marshal Teddy Daniels setzt von Boston über nach Shutter Island. Aus dem dortigen Ashecliffe Hospital für psychisch kranke Straftäter ist eine Patientin verschwunden. Gerade als Daniels und sein Partner mit den Ermittlungen beginnen, bricht ein verheerender Hurrikan los. Die Verbindung zum Festland reißt ab, die Insel versinkt im Chaos.

»Für jeden anspruchsvollen Thriller-Fan ist dieses Buch ein Muss. Genial!« Stern

»Eines von diesen wahnsinnig spannenden Büchern, die man unmöglich aus der Hand legen kann.« Die Zeit

Dennis Lehanes Thriller stehen regelmäßig auf der Krimi-Bestsellerliste und wurden bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und verfilmt. Clint Eastwoods Verfilmung von Mystic River erhielt mehrere Oscars.

ZUR BUCHREZENSION BEI BUCHREZICENTER.DE

Titel bei buch24.de

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The Devil’s Tomb – Welcome to Hell!

Erstellt von Michael Drewniok am 4. Februar 2010

devils-tombThe Devil’s Tomb – Welcome to Hell!

Originaltitel: The Devil’s Tomb (USA 2009)
Regie: Jason Connery
Drehbuch: Keith Kjornes
Kamera: Thomas L. Callaway
Schnitt: Chris Conlee
Musik: Bill Brown
Darsteller: Cuba Gooding Jr. (Mack), Taryn Manning (Doc), Valerie Cruz (Dr. Elissa Cardell), Franky G (Hammer), Zack Ward (Nickels), Henry Rollins (Fulton), Jason London (Hicks), Stephanie Jacobsen (Yoshi), Brandon Fobbs (Click), Weston Blakesley (Vater Jacoby), Bill Moseley (Prof. Duncan), Ray Winstone (Blakeley), Ron Perlman (Wesley), Sarah Ann Morris (Sharon) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 25.09.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray) bzw. 30.04.2010 (Steelbook)
EAN: 4013549873932 (Kauf-DVD) bzw. 4013549273930 (Kauf-Blu-ray) bzw. 4013549973939 (Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo in der Wüste des Nahen Ostens haben US-amerikanische Inspektionsteams immer noch keine Massenvernichtungswaffen, sondern stattdessen noch Schlimmeres gefunden: einen Nephilim, Nachkomme einer Menschenfrau und eines Engels aus dem Kreis um Luzifer – ein Mischwesen von großer Macht und Bosheit, das Gott vorsichtshalber in einem unterirdischen Grab gefangen setzte. Das will der Nephilim, nach Jahrtausenden quicklebendig, verständlicherweise verlassen, um endlich wieder Böses über die Welt zu bringen.

Professor Wesley und einige vom Vatikan geschickte Wissenschaftler sollten dies verhindern. Dass bei dieser selbstverständlich streng geheimen Mission etwas schiefgelaufen ist, weiß der Geheimdienst CIA, als der Kontakt zur unterirdischen Bunkeranlage, die um das Grab herum errichtet wurde, plötzlich abreißt. Agentin Elissa Cardell soll nach dem Rechten sehen. Weil dabei mit unschönen Zwischenfällen zu rechnen ist, werden ihr einige Söldner zur Seite gestellt.

Zusammen mit Anführer Mack und seiner gemischtgeschlechtlichen Truppe große Worte & Feuer spuckender Troubleshooter geht es per Helikopter zum Einsatzort, wo man die nächsten sechs Stunden auf sich gestellt sein wird. Im Bunkerinneren finden die Besucher überall Spuren heftiger Kämpfe, dann die ersten blutigen Leichen und schließlich einen von Eiterblasen übersäten Priester, der Unverständliches brabbelt und die Neuankömmlinge unauffällig mit grünem Schleim zu bespucken versucht.

Während die Truppe sich zur Bunkersohle durchkämpft, wird sie von Visionen vergangener Fehlentscheidungen sowie zombiehaft entstellten Geistlichen und Wissenschaftlern heimgesucht, die auch heftigem Beschuss standhalten. Am Ziel angekommen, rückt Agentin Cardell endlich mit der ganzen Wahrheit heraus über  den Einsatz. Ein Überleben des Teams ist nicht vorgesehen, doch sowohl Mack und seine Leute als auch der Nephilim haben andere Pläne …

Der Teufel holt wieder den Zuschauer

Keine Idee und kaum Geld zu haben ist für entschlossene Filmemacher noch nie ein Hindernis gewesen. Diejenigen unter ihnen, die ihrer Liebe zum Medium trotz aller damit einhergehenden Einschränkungen und Schwierigkeiten zumindest Ausdruck verleihen können, dürfen unserer Vergebung gewiss sein: Dies ist der „Ed-Wood-Effekt“.

Alle anderen, deren Blick eher auf das Einspielergebnis gerichtet ist, müssen wir ertragen. Manchmal riskieren wir einen Blick und werden verdienterweise mit dem Verlust von anderthalb Stunden kostbarer Lebenszeit bestraft. Selten haben wir halbwegs Glück; dann geraten wir an ein zwar verkorkstes aber immerhin mit dem ehrlichen (und einzigen) Willen zur Unterhaltung entstandenes Werk wie „The Devil’s Tomb“.

Aufgepasst: Dies ist die wohlwollende Beurteilung eines Films, der in jeder Sekunde zeigt, was er ist – ein nicht für die große Leinwand, sondern für den Bildschirm produziertes Produkt, das mit möglichst wenig Aufwand möglichst hohen Gewinn einspielen soll. Dass dabei ein gewisser Unterhaltungsfaktor gewahrt bleibt, verdankt das Publikum einer zwar unterforderten aber mit ihrem Job vertrauten Darstellerschar sowie einem Regisseur, der geschickt jede der wenigen ihm zur Verfügung stellenden Dollarmünzen dort einsetzte, wo er am besten zur Geltung kam, wobei das Drehbuch freilich ausdrücklich ausgespart blieb.

Mit ernster Miene den Blödsinn blühen lassen

Der B-Film ist die Brutstätte handfesten Schwachsinns. Zeit und Geld sind knapp, und das lässt – manchmal durchaus vorteilhaft – die Skrupel schwinden. Eine Geschichte wird auf ihre blanken Knochen reduziert, dem eine bunte Flickendecke in Gestalt bewährter Handlungselemente und gerade aktueller Reizthemen übergeworfen wird. In unserem Fall haben wir einerseits die uralte Story vom zufällig geweckten Wüstenteufel (siehe „Der Exorzist“), die andererseits mit den Verschwörungstheorien eines Dan Brown gekreuzt wurde. Ohne Hemmungen wird die ‚Anwesenheit‘ der USA im Nahen Osten genutzt. Im 21. Jahrhundert wirkt die versprengte und von jeder Hilfe isolierte Gruppe – unverzichtbares Element in jedem zweiten Drehbuch der Filmgeschichte – zeitlos. Dass sich dahinter ausschließlich klassische (oder verbrauchte) Strukturen erkennen lassen, stört zunächst nur den älteren bzw. damit vertrauten Zuschauer.

Nachdem unsere Geschichte auf kargem Wüstenboden ihren Anfang nahm, geht sie unter die Erde bzw. in einen Bunker, der höchstens als digitaler 3-D-Plan eindrucksvoll wirkt. Tatsächlich sehen wir nur düstere Kammern oder enge, mit Kisten, Fässern und anderem Gerümpel vollgestellte Gänge, die sich unvermittelt zu mehrstöckigen Hallen voller Maschinen weiten, mit denen sich eine Kleinstadt versorgen ließe. Solche seltsamen Anlagen wird man in der Realität mit gutem Grund nicht finden; sie sind nur sinnvoll, wenn es darum geht, eine Darstellergruppe in hinterlistige Fallen zu locken und auf diese Weise auszudünnen.

Blut ist gut, Action noch besser

Da sich die Story vom geheimen Menschenkrieg gegen Gottes gefallene Engel nicht einmal logisch trinken lässt und die dramaturgisch eingeschnittenen Sündenqualen diverser Figuren höchstens den Tatbestand der Publikumsverdummung erfüllen, vergisst man beides besser und konzentriert sich auf den mit viel Geschrei und noch mehr Ballereien begleiteten Vorstoß von Mack & Co. in die Eingeweide des teuflischen Bunkers.

„Alien“ und Agatha Christie („Zehn kleine Negerlein“) lassen grüßen, wenn sich die Schergen des Nephilims nach und nach unsere Helden greifen. Jeder stirbt anders; der gemeinsame Faktor ist die Scheußlichkeit des Endes. Blut und Eingeweide werden verspritzt, und es ist schön, dass Regisseur Connery – ja, es ist Seans Sohn, der sich hinter der Kamera ein zweites Standbein in der Filmindustrie schaffen möchte – begriffen hat, dass er seine Zuschauer wenigstens in dieser Hinsicht nicht enttäuschen darf. Zum Blut kommen Schleim, Eiter und Speichel, und auch hieran wird keineswegs gespart. (Was auf die CGI-Effekte leider nicht zutrifft.)

Da verzeiht man dem Drehbuchautor Keith Kjornes beinahe die Penetranz, mit der er darauf besteht, dass tausendfach bewährte Söldnerprofis sich plötzlich wie Idioten benehmen und ständig ihre Posten verlassen, um mysteriösen Geräuschen hinterherzulaufen. In unguter Erinnerung bleiben jedoch das schwächliche Finale, die lieblose Auflösung der Story sowie eine letzte Szene, die „The Devil’s Tomb“ wie den Pilotfilm zu einer geplanten TV-Serie wirken lassen, deren Zustandekommen in der Tat den Beweis für teuflische Präsenz böte!

Der Pakt mit dem (launischen) Teufel

Schauspieler für einen Film wie diesem anzuheuern, um sie in Söldner-Rollen zu pressen, könnte man als kritischen Kommentar betrachten. Bloß: Wer könnte im Zusammenhang mit „The Devil’s Tomb“ in den Verdacht solcher Feinsinnigkeit geraten? Der Zusammenhang ist also keine Absicht und wird höchstens von diesem gar schlauen Rezensenten bemerkt (oder konstruiert.)

Dem zynischen Betrachter bleibt das Vergnügen, die Darstellerriegen von B-Movies auf bekannte Namen zu sichten. Dass Cuba Gooding Jr., in dessen Arbeitsliste sich Filme wie “Jerry Maguire – Spiel des Lebens” (1996), „Instinkt“ (1999) oder „Sie nennen ihn Radio“ (2003) finden und der einen „Oscar“ gewann (für „Jerry Maguire“), 2009 als Hollywood-Action-Söldner Mack in „The Devil’s Tomb“ auftritt, sagt durchaus etwas über den aktuellen Status seiner Karriere aus. Dem Zuschauer, der Wert darauf legen sollte, erwartet ein Rollenspiel, das zwar reine, in einschlägigen Klischees erstickte Routine, aber nicht das erwartete Knattermimen ist, mit dem B-Movie-Helden ansonsten gern aufwarten.

Das holen Goodings Kollegen nach. Auch sie haben in ihrer Mehrheit in respektablen Kino- und TV-Produktionen gearbeitet, finden aber hier keinen Ausweg aus dem Prokrustes-Bett, in das sie Kjornes und Connery zwingen. Also ergeben sie sich in ihre Schicksale und geben den buchstäblich hammerharten Quoten-Hispano (nur echt mit Kopftuch!), den dummen aber fröhlichen Kumpel oder den (zudem schwarzen) Computer-Nerd.

Für die zunächst im Kampfanzug steckenden Darstellerinnen findet sich zuverlässig ein Bunker-Plätzchen, um diesen abzulegen und ein wenig Haut zu zeigen. Den obligatorischen B-Movie-Busen serviert dieses Mal Ex-Model Holly Weber, die auf diese Weise schon zahlreichen Filmdurchschnitt veredelte; sie hat sich an den strategischen Stellen so ausgiebig mit Silikon stopfen lassen, dass sie in einem Horrorfilm wie „The Devil’s Tomb“ perfekt besetzt wirkt.

Auch Ron Perlman, der ‚Gaststar‘, verdient sich seine Gage – viel kann es nicht gewesen sein – im Halbschlaf. Wir sehen ihn anfangs in einer Videoaufzeichnung wirres Zeug reden und im Finale – ebenfalls Unfug verbreitend – vom Teufel besessen. Ausgerechnet ihn, der durch seine einprägsame Physiognomie bekannt ist, für die Winz-Rolle des Dr. Wesley zu engagieren, ergibt keinen Sinn und ist als reines Namedropping zu werten. Auf dem Cover wird Perlmans Teilnahme denn auch prominent herausgestellt.

Blieb noch ein Aspekt ohne Berücksichtigung? Ach ja: Über die Musik von Bill Brown lässt sich lobend erwähnen, dass sich der Zuschauer schon während des Films an keine einzige Note erinnern kann. So etwas wünscht man sich öfter!

DVD-Features

In ihrem Audiokommentar tauschen Regisseur Connery und Hauptdarsteller Gooding Anekdoten von den Dreharbeiten aus. Dies lässt sich den Kommentaren derer entnehmen, die hineingehört haben, wozu dieser Rezensent, der schon den Hauptfilm bis zum Ende durchgehalten hatte, ehrlich gesagt keine Lust mehr verspürte.

Das Anschauen sind diverse Outtakes und alternativen Szene bis auf eine Ausnahme definitiv nicht wert: Stellte man sich bisher die Frage, wieso Mack während eines früheren Einsatzes seinen Vorgesetzten erschoss, wird durch die erweiterte Szene deutlich, dass Mack so handelte, um einen mörderischen Fehler zu vertuschen. Diese schmutzige Falte im Charakter der Hauptfigur macht ihn interessant aber nicht heldenhaft, weshalb sie geändert und verharmlost wurde.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)

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Hustle – Unehrlich währt am längsten, Staffel 1

Erstellt von Günther Lietz am 4. Februar 2010

hustleHustle – Unehrlich währt am längsten, Staffel 1

Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2004
Produktionsunternehmen: Kudos Film & Television
Länge: 6 Episoden von jeweils 52 Minuten
Produktion: Tony Jordan
Musik: Simon Rogers
Vertrieb: Polyband
Darsteller: Mickey Bricks (Adrian Lester), Ashley Morgan (Robert Glenister), Danny Blue (Marc Warren), Stacie Monroe (Jaime Murray), Albert Stroller (Robert Vaughn)

„You can’t cheat an honest man!“ („Du kannst keinen ehrlichen Mann betrügen!“) lautet die erste Regel der Trickbetrüger und Abzocker, die in „Hustle“ die Helden der Geschichte sind und dem erstaunten Zuschauer zeigen, wie schnell die Gier der Menschen ausgenutzt werden kann, um das schnelle Geld zu machen. Die Opfer sind keineswegs normale Leute von der Straße, sondern reiche und durchtriebene Gauner und Betrüger. Genau diese Menschen werden zur Beute von Mickey Bricks (Adrian Lester) und seiner Bande. Doch diese Bande muss erst zusammengestellt werden. Und selbst da setzt der charismatische Schwarze zu einem Trick an, um wiederum selbst ausgetrickst zu werden.

Die BBC-Serie wurde von Kudos Film produziert, die sich bereits mit „Im Visier des MI5“ (Originaltitel „Spooks“) einen guten Namen machte. „Hustle“ geht in die gleiche Richtung, orientiert sich aber mehr an Filmen wie „Der Clou“ oder „Ocean’s Eleven“. Trotz dieser großen Vorbilder bleibt die Serie eigenständig und auch bodenständig. Sie spielt vorwiegend in London, wartet mit einem europäischen Flair und modernen Kulissen auf. London verbindet Altertum und Neuzeit, Land und Großstadt, ist eine Stadt der Kontraste, eine Weltmetropole und wie geschaffen für diese Serie. Das gilt auch für die Figuren, die bereits in der ersten Folge zu einer verschworenen Familie heranwachsen.

Im Mittelpunkt steht Mickey Bricks, der charismatische Gauner und Leiter der Truppe. Er wurde von Albert Stroller (Robert Vaughn) ausgebildet, der ebenfalls mit von der Partie ist und dafür sorgt, dass Mickey seinerseits die Ausbildung des Jungspunds Danny Blue (Marc Warren) übernimmt. Somit sind drei Generationen Abzocker unter einem Dach vereint, die zwar an einem Strang ziehen und dennoch sehr unterschiedlich sind. Das sorgt für Reibereien und Spannungen, die zur Dramatik der Serie beisteuern.

Um das Ganze etwas auszugleichen, runden zwei weitere Charaktere die Sache ab. Da wäre Ashley Morgan (Robert Glenister), ein wahres Multitalent. Er schlägt sich mit kleinen Betrügereien durchs Leben und greift gerne zu, als ihm Mickey die Möglichkeit zum ganz großen Coup verspricht. Auch Stacie Monroe (Jaime Murray) schließt sich Mickey an. Sie hegt Gefühle für ihn, doch er denkt nur über seine bevorstehende Scheidung nach. Danny hat übrigens ein Auge auf Stacie geworfen – und erneut zeichnen sich hier Verwicklungen ab. „Hustle“ ist eine Serie mit Persönlichkeiten und Persönlichkeit. Das wird ziemlich früh deutlich.

Dabei wartet „Hustle“ mit einigen Markenzeichen auf. Dadurch wird die Serie unverwechselbar. So bekommen die Zuschauer erklärt wie der Betrug ablaufen soll, was die Feinheiten sind und wo die Probleme lauern. Das wäre nun äußerst langweilig, doch stets gibt es ein oder zwei überraschende Wendungen, um das seichte Fahrwasser sicher zu umschiffen. Dem Gesetz der Serie nach werden die Abzocker natürlich auch mit den neuen Problemen fertig. Trotzdem sind diese Wendungen das Salz in der Suppe. Vollends abgeschmeckt wird „Hustle“ aber durch die Kameraeinstellungen und Standbilder.

So gefriert in entscheidenden Szenen plötzlich das Bild. Nur die Abzocker können sich noch bewegen und besprechen ausführlich ihren Plan, erklären die Raffinessen und wenden sich dabei auch an den Zuschauer, der daheim vor dem Bildschirm sitzt. Nach diesen Sequenzen geht es dann wie gewohnt weiter. Das ist ein erstklassiges Stilmittel, das im ersten Augenblick ziemlich überrascht und dann gekonnt zum Charme von „Hustle“ beiträgt. Eine wunderbare Idee des Autoren und hervorragend umgesetzt. Das gilt auch für einige Szenarien in der Serie, die abstrakt aufgelöst werden. So beginnen Danny und Mickey plötzlich zu tanzen, um ihr Opfer darauf hinzuweisen, was für eine scharfe und begehrenswerte Braut Stacie ist. Diese Szene ist natürlich eine surreale Sequenz, an deren Ende aber die Realität mit veränderten Tatsachen weiterläuft. Ebenfalls eine schicke Idee, die Laune macht.

Es wird deutlich, dass „Hustle“ keine vollkommen ernste Serie ist. Die Show spielt mit dem britischen trockenen Humor, bemüht die angebliche Gaunerehre und den damit verbundenen Ehrenkodex, wechselt zwischen Drama und Comedy. Dabei ist die Comedy oft subtil und wird nur punktuell eingesetzt. Sie läuft dem ernsten Tenor keinesfalls den Rang ab und somit bleibt „Hustle“ auch eine Serie für seriöse Zuschauer, die sich an eleganten Gaunereien erfreuen möchten.

Insgesamt umfasst die erste Staffel sechs Episoden und naturgemäß werden die Anfänge einer Serie dazu genutzt, um die Figuren vor- und eine Bindung herzustellen. Hier bildet „Hustle“ keine Ausnahme. Die einzelnen Episoden konzentrieren sich auf die Hauptcharaktere und skizzieren deren Hintergründe, Motivationen und Verhaltensweisen. Zum Ende der Staffel hat der Zuschauer die Figuren dann in sein Herz geschlossen, trotz deren kriminellen Energien. Aber immerhin besitzt die Bande einen Ehrenkodex – allerdings einen fragwürdigen Ehrenkodex. Vor diesem Hintergrund sind die abschließenden Worte der Serie natürlich mit Vorsicht zu genießen und werden – hoffentlich – keinesfalls als Aufruf zum Tricksen und Abzocken verstanden.

Bei den Schauspielern hat Kudos Film ganze Arbeit geleistet und die unterschiedlichen Rollen erstklassig besetzt. Die Darsteller leben ihre Figuren förmlich und das ist der Serie anzusehen. Es macht einfach Spaß „Hustle“ anzuschauen und Leute wie Adrian Lester, Robert Glenister, Marc Warren, Jaime Murray und Robert Vaughn zu erleben. Vor allem der US-Amerikaner Vaughn ist dem Fernsehpublikum ein fester Begriff, wurde er doch mit Produktionen wie „Solo für O.N.C.E.L.“ oder „Thunderball“ berühmt. Unvergesslich auch seine Darstellung in „Die glorreichen Sieben“. Mit solch einem Hochkaräter in „Hustle“, scheint der Erfolg bereits vorprogrammiert. Doch das würde der Rolle Albert Stroller widersprechen, der von Robert Vaughn sehr gut gespielt wird.

So wie Stroller seinen Schützling Mickey ausbildet und sich langsam zurückzieht, um der nächsten Generation Platz zu machen, so überlässt auch Vaughn seinen Kollegen weitgehend das Feld. Dadurch wirkt „Hustle“ authentisch und können die anderen Hauptdarsteller ebenfalls zeigen, was in ihnen steckt. Das gilt vor allem für Adrian Lester, dem die Rolle des Mickey Bricks wie auf den Leib geschneidert scheint. Aber genau das ist ein Irrtum, denn Drehbuchautor Tony Jordan hatte beim verfassen des Skripts stets George Clooney vor Augen. Immerhin ist „Ocean’s Eleven“ das große Vorbild von „Hustle“ – daraus wird auch kein Hehl gemacht. Äußerlich ist Lester dabei das Gegenteil von Clooney: Jung, schwarz und mit einer unterschwellig düsteren Ausstrahlung. Die kann jedoch von einem zum nächsten Augenblick umschlagen und Lester wirkt wie ein harmloser und verspielter Junge, dem jedermann gerne sein Geld anvertraut. Für eine Serie wie „Hustle“ also genau das Richtige.

Die Staffelbox beinhaltet zwei DVDs, kommt mit einem Wendecover daher und auch die Silberscheiben selbst sind schick gestaltet. Neben der sechs Episoden gibt es noch ein kleines Making-of, in dem über die Idee zur Serie und das Casting der Schauspieler gesprochen wird. Ganz nett. Technisch ist alles in Ordnung. Das Bild (16:9) ist hervorragend und der Ton sauber. Es gibt zwei Tonspuren (Deutsch und Englisch), die leider nur in Dolby Digital 2.0 daherkommen. Das Making-of ist in englischem Original mit deutschem Untertitel. Dieser wurde gut geschrieben und ist fast fehlerfrei.

„Hustle – Unehrlich währt am längsten, Staffel 1“ ist genau passend für Menschen die Gaunereien, Eleganz. Humor und kreative Kameraarbeit mögen. Dazu die hervorragenden Darsteller und gute Geschichten, die stets mit einer Überraschung aufwarten. Klasse!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Verbieten verboten!

Erstellt von Günther Lietz am 1. Februar 2010

Verbieten verboten!

Originaltitel: Proibido proibir! (Brasilien 2007)
Länge: ca. 101 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Studio: El Desierto Filmes

Regie: Jorge Durán
Produzenten: Suzana Amado, Jorge Durán, Adrián Solar
Schauspieler: Alexandre Rodrigues, Caio Blat, Maria Flor, Edyr Duqui, Raquel Pedras

Vertrieb: Icestorm Revolution
Release-Datum: 20. 03. 2009
Tonformate: Brasilianisches Portugiesisch Dolby Digital 2.0
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 16:9
Bonusmaterial: Making Of (ca. 17 min.), Biografie/Filmografie Jorge Durán (Texttafeln), Trailer

Aus Brasilien kommt mit „Verbieten verboten!“ ein eindrucksvolles Sozialdrama aus Brasilien daher, dass sich der typischen Brennpunkte dieses lateinamerikanischen Landes annimmt. Regisseur Jorge Durán scheut keine Mühe, detailliert ans Eingemachte zu gehen.

Im Mittelpunkt seiner Geschichte stehen drei junge Studenten, die sich am Anfang ihres Lebens befinden. Da wäre erst einmal Paulo (Caio Blat), der einen Hang zu Drogen hat und nur eine einzige Regel kennt: „Verbieten verboten!“. Er studiert Medizin und ist in einem städtischen Krankenhaus tätig. Einfühlsam und aufrichtig geht er mit den Patienten um, zeigt oftmals seine sensible Seite.

Paulos bester Freund und Mitbewohner einer kleinen Wohnung ist Leon (Alexandre Rodrigues). Leon stammt aus einer wohlhabenderen Familie, geht ernsthaft seinem Studium nach, engagiert sich sozial und glaubt an das Gute im Menschen. Mit seinem Verantwortungsbewusstsein bildet er einen starken Kontrast zu Paulo.

Während Paulo ständig neue Liebschaften hat, geht Leon eine feste Beziehung mit Léticia (Maria Flor) ein. Und die zieht auch prompt Paulos Blicke auf sich, der schon bald heillos in Léticia verliebt ist. Zuerst wehrt sich Paulo gegen diese Gefühle, doch als er einer todkranken Patientin einen letzten Wunsch erfüllen will, ist er auf Léticias Hilfe angewiesen und beide kommen sich näher …

Mit „Verbieten verboten!“ präsentiert Jorge Durán einen sehr sensiblen Film und strickt eine packende Dreiecksgeschichte. Die tiefen Gefühle der Figuren sind spürbar und ziehen den Zuschauer tief in ihren Bann. Das alleine würde schon reichen, um einen ganzen Film zu machen. Doch Durán legt noch eine Schippe drauf. Er zeigt die soziale Kluft zwischen Arm und Reich, zeigt die Schönheit und Architektur Rio de Janeiros und nimmt den Filmfreund mit in seine Welt. Hehre Absichten, die der Regisseur da hegt. Doch er baut zuviel in seine Geschichte ein, will zuviel zeigen und – schlussendlich – wirkt der Film viel zu konstruiert. Anstatt harmonisch zu fließen gerät die Geschichte ins Stocken, gleicht der Film stellenweise einem Bilderabend mit angekündigten Höhepunkten. Jorge Durán hat kunstvolle, packende Einzelstücke geschaffen, aber es misslingt ihm sie alle miteinander zu verbinden.

In Deutschland erschien der Film im Vertrieb bei Icestorm Revolution, mit Originaltonspur und deutschem Untertitel. Da es doch einige kluge und durchdachte Dialoge gibt, ist eine fehlende Synchronisation bedauerlich und es ist ratsam, den Film zweimal zu schauen. Einmal, um sich auf den Untertitel zu konzentrieren und nochmals, um die Bilder sacken zu lassen. Nur dann ist eine Reflektion der vielen Themen überhaupt möglich.

Neben dem Film gibt es auf der DVD auch ein wenig Bonusmaterial. Einzig das Making of ist von leidlichem Interesse, alles andere mau und unterdurchschnittlich. Trailer und Texttafeln locken heutzutage niemandem mehr hinter dem Sofa hervor.

Dennoch ist Duráns Arbeit eindrucksvoll, denn fernab dieser offensichtlichen und überladenen Erzählkonstruktion, sind es eindrucksvolle Bilder, starke Darsteller und emotional packende Themen, die geboten werden. „Verbieten verboten!“ ist trotz seiner Schwächen einen Blick wert.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Bei Libri.de

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