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Archiv für Januar, 2012

C2 – Killerinsect

Erstellt von Michael Drewniok am 26. Januar 2012

C2 – Killerinsect

Originaltitel: Infested/Ticks (USA 1993)
Regie: Tony Randel
Drehbuch: Brent V. Friedman
Kamera: Steve Grass
Schnitt: Leslie Rosenthal
Musik: Daniel Licht u. Christopher L. Stone
Darsteller: Rosalind Allen (Holly Lambert), Peter Scolari (Charles Danson), Seth Green (Tyler Burns), Virginya Keehne (Melissa Danson), Alfonso Ribeiro (Darrel Lumley), Ray Oriel (Rome Hernandez), Ami Dolenz (Dee Dee Davenport), Dina Dayrit (Kelly Mishimoto), Michael Medeiros (Jerry), Barry Lynch (Sir), Clint Howard (Jarvis Tanner), Rance Howard (Sheriff Parker), Judy Jean Berns (Dr. Kates), J. D. Stone (Tyler als Kind) u .a.
Label/Vertrieb: Screen Power/United Video
Erscheinungsdatum: 07.04.2002 (DVD) bzw. 01.11.2007 (Neuauflage DVD)
EAN: 4012909819191 (DVD) bzw. 4012020063183 (Neuauflage DVD)
Bildformat: 4 : 3 (1,33 : 1, Vollbild)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min.
FSK: 16
Neuausgabe (DVD)
Label/Vertrieb: HDMV (Gold Collection)
EAN: 9037695079326
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, Vollbild)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Mit einer Kleinbusladung verhaltensgestörter Teenager aus der Großstadt Los Angeles unternehmen die Sozialarbeiter und Gutmenschen Charles Danson und Rosalind Allen einen Selbstfindungstrip, der in die Bergwälder des US-Staates Kalifornien führt. Dort sollen gemeinsame Picknicks, Sonnenbäder u. a. Freizeitbeschäftigungen an der frischen Luft den guten Kern im inneren der eigentlich nur vorlauten Jugendlichen zum Vorschein bringen.

Die Begeisterung der Betroffenen hält sich verständlicherweise in Grenzen. Auch Dansons Töchterlein Melissa hält wenig von den philanthropischen Projekten ihres Vaters. Folgerichtig vertreibt sich die wenig besserungswillige Schar bald die Zeit wie üblich mit dem Konsum eingeschmuggelter Drogen, Sex und Vandalismus.

Doch im Wald geht Böses vor. Der schleimige ‚Geschäftsmann‘ „Sir“ unterhält im Schutz der Bäume eine florierende Marihuana-Plantage. Um die Erträge zu steigern, lässt er seinen Schergen Jarvis die Hanfpflanzen mit chemischen Lösungen dopen, die eine gefährliche Nebenwirkung haben: Die Nährbrühe tropft auf ein Nest von Zecken, die daraufhin ins Riesenhafte wachsen. Mit Mäusen geben sich die Blutsauger nicht mehr zufrieden, wie der unglückliche Jarvis bald erfährt: Die fiesen Parasiten bohren sich in seinen Körper, wo sie unter der Haut Grässliches anstellen.

Im Camp liegt inzwischen Meuterei in der Luft. So bleiben die mutierten Zecken lange unbemerkt und können sich ausbreiten, bis sie zum Angriff übergehen. Da Teenie Darrel beim Versuch, in die Zivilisation zurückzuwandern, über die Hanf-Plantage gestolpert ist und dabei erwischt wurde, schließen sich „Sir“ und sein degenerierter Schläger Jerry den Zecken an. Sie wollen feststellen, ob Darrel seine Gefährten informieren konnte, und eventuelle Zeugen ausschalten. Stattdessen sitzen die Gauner bald mit den Jugendlichen im Lager gefangen. Die Zecken dringen ins Haus ein, wo der schwer bewaffnete „Sir“ durchzudrehen beginnt …

Kleine Ekelbiester ganz groß

Es ist eigentlich erstaunlich, dass es so lange dauerte, bis die Zecke als Schreckensgestalt entdeckt wurde. Dabei eignet sie sich schon in ihrem winzigen Realkörper perfekt dafür: ein zur Familie der Spinnen gehörendes Tier – kein Insekt, wie der deutsche Filmtitel angibt –, das im hohen Gras oder Unterholz auf seine Opfer lauert, sich mit dem Kopf in dessen Haut bohrt, tückisch eine betäubende Flüssigkeit injiziert und sich anschließend mit Blut vollsaugt, bis der Körper auf ein Vielfaches der Ursprungsgröße angeschwollen ist. Als ‚Dank‘ überträgt das kleine Ungeheuer seinem Opfer womöglich die Erreger gefährlicher Krankheiten wie Borreliose oder Hirnhautentzündung.

Glücklicherweise sind Zecken in der Realität nur Millimeter klein. Was wäre, wenn sie deutlich größer würden? Lassen wir naturwissenschaftliche Fakten – Riesenzecken müssten ersticken, weil ihre Tracheen-Röhren, die sie statt Lungen besitzen, den Sauerstoff, den auch sie atmen, nicht in ausreichendem Maße transportieren könnten – beiseite, entwickeln sie sich auf diese Weise quasi automatisch zu Horror-Kreaturen. Im Film dichtet man ihnen noch einen auf Menschenfleisch geeichten Spürsinn sowie (je nach Wuchsgröße) bedrohliche Fauch- und Brülltöne an, Schreck & Ekel sind garantiert!

Werden sie mit einer ordentlichen Portion Blut und Schleim serviert, gleichen sie sogar ein schwaches Drehbuch aus. Zusätzlich profitiert der Zuschauer vom Alter des Films: 1993 steckte die Digital-Technik noch in den Kinderschuhen. Die Zecken sind deshalb ‚handgemacht‘ und gleichzeitig mit den unmittelbar auf ihr Erscheinen reagierenden Darstellern in jeder Szene. Da sie von versierten Spezialeffektlern kreiert wurden, sind sie bemerkenswert flink und wirken außerordentlich überzeugend – und widerlich!

Kein Klassiker – aber auf dem Weg dorthin?

9 von 10 Horrorfilmen, die unter ausdrücklichem Ausschluss filmkünstlerischer Ambitionen zum Zweck höchstmöglicher Profitmaximierung entstehen, versinken zu Recht in jenem Nirwana, der solcher Verbrauchsware vorbehalten ist. Nur der Trashfilm-Nerd und die Privatfernsehsender dieser Welt stöbern sie dort wieder auf. Im Nachtprogramm, in mieser Kopie-Qualität und in der Regel zensiert füllen sie Programmzeit und langweilen schlaflose Zuschauer.

„C2 – Killerinsect“ scheint auf den ersten Blick in diese Kategorie zu fallen. Die Präsenz dieses Films sogar auf dem deutschen DVD-Markt spricht dagegen: Immer wieder tauchen unsere Riesenzecken neu aufgelegt auf. In der Tat kombiniert „C2“ Trash, Klischees, Spannung und Splatter auf eine unterhaltsame und zeitlose Weise, die den Zuschauer das matte Drehbuch verzeihen bzw. als reines Transportmittel für möglichst viele Zeckereien begreifen lässt.

Im milden Licht einer solchen Wertung regt man sich auch nicht über die endlosen Ungereimtheiten und Handlungsschwächen auf: So repräsentieren unsere gestörten Jugendlichen allzu aufdringlich sämtliche kalifornischen Bevölkerungsschichten. Und welcher im Vollbesitz seiner Fachkenntnisse befindliche Sozialarbeiter würde eine hübsche Tochter, deren einziger Dachschaden offenbar ihre Zickigkeit ist, einen Agoraphobiker, einen aggressiven Gangster und eine durch Vergewaltigung verstummte junge Frau in einen rostigen Bus packen und ein verlottertes Wald-Camp ansteuern, wo sich die ‚Therapie‘ in diversen Leibesübungen im Wald erschöpft?

Schräg und schrill statt logisch und nachvollziehbar

„C2“ spielt in einer nur unter filmischen Aspekten funktionstüchtigen Welt. Deshalb ist es kein unwahrscheinlicher Zufall, sondern nur eine Frage der Zeit, bis unsere Teenies den Drogenköchen in die Quere kommen. Man rauft sich zusammen und kämpft sogleich wieder gegeneinander und mit den Zecken, während der umgebende Wald inzwischen lichterloh brennt. Auftritt der Feuerwehr? Fehlanzeige, aber schließlich hat Tierärztin Dr. Kates, die zuvor eine der Riesenzecken untersucht und ihre Gefährlichkeit betont hatte, anscheinend Feierabend gemacht und niemanden über die Bedrohung informiert. Im Wald sehen wir nur unsere Teenies, die Gangster und die Zecken toben.

Grundsätzlich hätte Regisseur Tony Randal auf die Vorgeschichte in Los Angeles gänzlich verzichten können. Sie wird als Abfolge jener sattsam bekannten Verhaltungsrituale inszeniert, die Hollywood den jugendlichen US-Bürgern unterstellt. Die Klischees der Rollen werden viele Jahre nach den Dreharbeiten durch Kleidung, Figuren und Frisuren verstärkt, die es in Sachen Scheußlichkeit jederzeit mit den Zecken aufnehmen können.

Hinzu kommt eine bekannte Zimperlichkeit: Selbstverständlich sind die ‚Kids‘ gar nicht ‚böse‘, sondern unglücklich, missverstanden und höchstens ein wenig verzogen. Eventuelle Streitigkeiten erweisen sich als Strohfeuer. Man verträgt sich schnell oder verliebt sich. Spätestens als die Zecken nach vorn drängen, werden sozial angeblich unverträgliche Zeitgenossen blitzartig zu Kampf-Kameraden.

Der Tod ist einfallsreich

Tony Randal hat sein Handwerk nicht nur von der Pike auf, sondern auch beim König des Schlock-&-Trash-Films Roger Corman gelernt, der die Zuschauer seit mehr als einem halben Jahrhundert mit  denkwürdigen Machwerken wie „The Beast with a Million Eyes“ (1955; dt. „Ausgeburt der Hölle“), „Women in Cages“ (1971), „Sorority House Massacre II“ (1990) oder „Piranhaconda“ (2011) malträtiert. Im Billig-Horror der Corman-Schule steht der Effekt im Vordergrund. Er setzt sich aus blutigem Mord und blanken Titten zusammen. Diese Teilaspekte werden höchstens variiert (oder kombiniert), niemals jedoch durch filmkünstlerisch wertvolle Einschübe entwertet.

Auf nackte Tatsachen verzichtet Randel seltsamerweise, doch gesplattert wird kräftig. Die Formbar- und Haltbarkeit des menschlichen Körpers wird detailreich auf die Probe gestellt; die Überschreitung jeglicher Grenzen ist dabei Ehrensache. Auch in diesem Punkt bleiben CGI-Effekte außen vor. Make-up und Modelle kommen zum Einsatz und belegen, dass die Spezialeffekte um 1990 ein hohes Niveau besaßen. Beim Anblick des krabbelnden Wimmelns hungriger Zecken unter menschlicher Haut ist zuschauerliches Mitgefühl jedenfalls garantiert!

Zur Hochform laufen die Effekthexer auf, wenn der Zeckenkönig aus seiner menschlichen Hülle platzt, in der er sich bisher verbarg. Dies versöhnt mit der Erkenntnis, dass dieses Biest in seiner Größe zwar bärenstark aber fußlahm ist und seine Opfer sich in einer Zimmerecke verlaufen und warten müssen, bis sie endlich erwischt werden – ein horrorfilmtypisches Problem.

Darsteller als Zeckenfutter

Wie man sich denken kann, wurde „C2“ keinem der Darsteller ein Vehikel zu Starruhm. Die üblichen Mimen der zweiten und dritten Garnitur schlugen zwischen den Zecken-Attacken Filmzeit tot. Alfonso Ribeiro nutzte eine Drehpause zwischen zwei Staffeln des TV-Klamauks „Der Prinz von Bel-Air“ – dort gab er den trotteligen Sidekick für Hauptdarsteller Will Smith – und ließ sich dadurch als Gast-‚Star‘ vermarkten.

Barry Lynch sieht man in seiner Paraderolle als nur vorgeblich ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft. Mimik und irres Dauergrinsen signalisieren den verkommenen Schurken; in „C2“ unterstützt ein exzessiv zur Haarbändigung gebrachter Kamm diesen Eindruck. Für die geistig schlichter gestrickte Fraktion des Publikums gibt es einen eindeutigen Bösewicht: Michael Medeiros zieht als Hinterwäldler Jerry geil & dreckig alle Register der „Backwood“-Klischee-Orgel.

Die übrigen Schauspieler kennt man aus vielen TV-Episoden. Manchmal sieht man sie auch als Nebenrollen in einem Kinofilm. Dabei haben sie in besseren Filmen als „C2“ mitgespielt, aber sie mussten auch viel Staub fressen. (Hat jemand Barry Lynch in & und „Total Force“ von 1997 gesehen? Hoffentlich nicht!) Sie machen ihren Job, den Rest erledigen die Zecken. Auf dieser Unterhaltungsebene wird „C2“ noch viele Jahre Grusel-Vergnügen verbreiten!

DVD-Features

Eine angejahrte Routine-Produktion wie „C2 – Killerinsect“ wird selten mit Extras ausgestattet. Auf den DVDs – eine Blu-Ray-Fassung gibt es nicht – finden sich nur (inzwischen hoffnungslos veraltete und auch sonst wenig informative) Texttafel-Filmografien von Seth Green und Rosalind Allen sowie eine anderthalbminütige Slideshow mit Bildern aus dem Film.

Ausgerechnet die für den Ramschverkauf in Supermärkten vorgesehene „Gold Collection“-Neuauflage von „C2“ bietet den Film nicht nur in (geringfügig) besserer Bildqualität, sondern auch im Breitbildformat. Hier lohnt es, die Augen offenzuhalten.

[md]

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XX … Unbekannt

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Januar 2012

XX … Unbekannt

Originaltitel: X: The Unknown (GB 1956)
Regie: Leslie Norman
Drehbuch: Jimmy Sangster
Kamera: Gerald Gibbs
Schnitt: James Needs
Musik: James Bernard
Darsteller: Dean Jagger (Dr. Adam Royston), Leo McKern (Inspektor McGill), Jameson Clark (Jack Harding), William Lucas (Peter Elliott), Edward Chapman (John Elliott), Peter Hammond (Lieutenant Bannerman), John Harvey (Major Cartwright), Anthony Newley (Lance Corporal „Spider“ Webb), Michael Ripper (Sergeant Harry Grimsdyke), Ian McNaughton (Haggis), Marianne Brauns (Zena), Norman Macowan (Old Tom) uva.
Label: Anolis Entertainment
Vertrieb: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 12.05.2005 (DVD)
EAN: 4020974156608 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 Mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min.
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)

Das geschieht:

Nahe Glasgow bricht auf einem Übungsplatz der Armee eine tiefe Erdspalte auf. Radioaktiver Dampf steigt auf und verbrennt zwei Soldaten. Das Oberkommando steht vor einem Rätsel und wendet sich hilfesuchend an John Elliott, der ein nahes Atomkraftwerk leitet. Elliott schickt Dr. Adam Royston, einen fähigen aber exzentrischen Wissenschaftler, an die Unglücksstelle.

Während Roystons Untersuchungen erfolglos bleiben, beginnt in der Umgebung das Grauen umzugehen. Ein Kind stirbt an radioaktiven Verbrennungen, ein Krankenhaus wird seiner Radium-Vorräte beraubt. Royston entwickelt eine bizarre Theorie: Bewohner aus dem Inneren der Erde sind auf der Suche nach Energie, die für sie Nahrung bedeutet, an die Oberfläche vorgedrungen. Radioaktive Stoffe besitzen den größten ‚Nährwert‘, weshalb die Kreaturen sie auch in der Außenwelt zu finden wissen.

Nur Inspektor McGill, der im Auftrag der Regierung in dem Fall ermittelt, schlägt sich auf Roystons Seite. Die Armee wirft Bomben in den Spalt und füllt ihn mit Beton auf, womit die Angelegenheit für das Militär erledigt ist. Aber die Kreatur – es ist nur eine – existiert. Sie brennt sich buchstäblich durch die Betondecke und begibt sich auf einen neuen Raubzug. Ihr Ziel ist dieses Mal das Elliottsche Atomkraftwerk. Kann es sich an dem dort getesteten Radium laben, muss mit einem enormen Wachstumsschub gerechnet werden. Um das Werk zu erreichen, muss sich das Wesen seinen Weg durch die Stadt Inverness bahnen. Die ahnungslosen Bürger ergreifen die Flucht, das Militär ist machtlos: Mit Feuer oder Schusswaffen kann man einer durch Atomkraft belebten Kreatur nichts anhaben.

Royston plagt sich in seinem privaten Labor mit einem Verfahren, das radioaktiven Stoffen explosionsfrei ihre Energie entziehen soll. Zwar hat es noch nie funktioniert, doch es bleibt keine Wahl: Die Apparaturen müssen dort aufgebaut werden, wo die Kreatur unaufhaltsam ihrem Ziel entgegen wabert …

Unterhaltung benötigt manchmal Nostalgie

„XX … Unbekannt“ ist einer jener Filme, deren Inhaltsangabe die Kinowerbung eher vage hält. Dies leuchtet viele Jahrzehnte nach der Erstaufführung sogar noch stärker ein, obwohl auch der zeitgenössische Zuschauer sich (hoffentlich) seine Gedanken über die in jeder Hinsicht hanebüchene Handlung gemacht hat.

Ein Drehbuch, das den Tatbestand des Schwachsinns erfüllt, ist freilich kein Grund für das Scheitern eines Filmprojektes, das einfach nur unterhalten soll. „XX … Unbekannt“ ist kein Trash: Regisseur und Autor machen sich nicht über die eigene Geschichte lustig, sondern erzählen sie völlig ernst. Die Schauspieler halten sich an dieses Konzept. Ein wenig Humor lockert durchaus die Handlung auf, aber diese Szenen sind tatsächlich humorvoll gemeint und angelegt.

Der Trash-Faktor schimmert unabsichtlich dort durch, wo das knappe Budget und die im Vergleich mit den filmischen Wunderwerken der Gegenwart rudimentäre Tricktechnik der Illusion Grenzen setzt. Gelingt es dem Zuschauer, seinen Spott zu verdrängen und sich diese Sequenzen mit den Augen des zeitgenössischen Publikums anzuschauen, gewinnen sie ihre Bedeutung für das Geschehen, wo sie die Spannung auf altmodische aber gelungene Weise steigern.

Für eine gute Tasse Tee ist immer Zeit!

Eine gewisse Zeitlosigkeit erfährt „XX … Unbekannt“ durch die quasi dokumentarische Inszenierung. Die Handlung wird sorgfältig, aus heutiger Sicht sogar schleppend entwickelt. Trotzdem ist dies kein ‚langsamer‘ Film; so setzt das Geschehen sehr abrupt und mit einem frühen Höhepunkt auf einem Truppenübungsplatz ein. Geändert haben sich seit 1956 Stil und Rezeption: Filme werden heute deutlich schneller geschnitten. Das Publikum hat sich daran gewöhnt und erwartet dieses Tempo. Seine Getragenheit darf man „XX … Unbekannt“ deshalb nicht zum Vorwurf machen.

Bei kaum mehr als 75-minütiger Laufzeit kann sich die Handlung ohnehin keine Pausen gestatten. Sie führt zügig auf ihren Höhepunkt hin. Der Weg fordert erneut die Rücksicht des heutigen Zuschauers. Spannung wurde einst anders gesteigert als heute. Die Kamera schlüpft in die Rolle des Atom-Ungeheuers. So erleben wir die ersten Auftritte des Monsters nur als Reaktion, die sich in entsetzten Gesichtern spiegelt. Es folgt ein entsetzlicher Schrei, der plötzlich abbricht: Diese Pechvögel müssen etwas Grauenvolles gesehen haben – eine Vermutung, die in einer bestimmten Erwartungshaltung gipfelt: Wir freuen uns auf den Moment, wenn auch uns das Ungetüm endlich enthüllt wird!

Als dies geschieht, können wir Zuschauer des 21. Jahrhunderts nur irritiert, enttäuscht, amüsiert oder wütend sein: Die Kreatur entpuppt sich als rhythmisch leuchtender Wackelpudding, der sehr offensichtlich über schräggelegte Miniaturkulissen gleitet. Für das Publikum des Jahres 1956 fehlte die Erfahrung digitaler Wunderwelten.

Science Fiction plus Horror plus Thriller

Mit „The Curse of Frankenstein“ (dt. „Frankensteins Fluch“) begann die britische Produktionsfirma „Hammer“ 1957 den schier endlosen Reigen jener harten, in Farbe gedrehten Horrorfilme, für die sie bekannt und berüchtigt wurde. Doch „Hammer“ existierte schon vor dem II. Weltkrieg. Nach 1945 begann man zunächst mit dem Genre Science Fiction zu experimentieren. 1955 gelang Hammer mit „The Quatermass Xperiment“ (dt. „Schock“) ein schwarzweißer Blockbuster, der zudem in die Geschichte des SF-Films einging.

„XX … Unbekannt“ sollte eigentlich die Fortsetzung werden. Nigel Kneale, der die Figur des Bernard Quatermass erschaffen hatte, wollte sie jedoch für diesen Film nicht freigeben. So wurde aus Quatermass Dr. Adam Royston. Stil und Stimmung blieben indes erhalten. (1957 entstand unter Beteiligung von Kneale „Quatermass 2“/„Feinde aus dem Nichts“.)

Eigentlich sollte Joseph Losey „XX … Unbekannt“ inszenieren. Ein auch filmtechnisch interessanter Film hätte entstehen können, denn Losey zählt zu den Großmeistern der Regie. Während der McCarthy-Ära war er als „Kommunist“ denunziert worden. Losey hatte die USA verlassen und versuchte sich in Europa zu etablieren. Dort setzte er seine Karriere mit vielen bemerkenswerten Regiearbeiten fort. 1956 stand er noch am Anfang. Da „XX … Unbekannt“ nicht nur auf dem britischen Filmmarkt, sondern auch in den US-Kinos Geld einspielen wollte, hätte „Hammer“ gern einen auch jenseits des Atlantiks bekannten Namen engagiert. Der patriotische Dean Jagger wollte allerdings nicht mit dem „Roten“ Losey zusammenarbeiten. Dieser musste Leslie Norman weichen.

Das Grauen kann heimelig sein

Die „gemütliche Apokalypse“ ist eine sehr britische Literaturform. Schon H. G. Wells‘ Klassiker „Krieg der Welten“ (1898) ließ die Invasion vom Mars über eine Inselwelt hereinbrechen, die dem Untergang mit der berühmten „steifen Oberlippe“ und unter Wahrung von Form und Anstand begegnete. Später setzten Autoren wie Robert C. Sherriff, John Wyndham oder John Christopher diese Tradition fort.

„XX … Unbekannt“ ist im ländlichen Schottland angesiedelt. Zwar spielt die Atomkraft eine große Rolle, doch dort, wo sie erforscht wird, scheint die Zeit schon lange stehengeblieben zu sein. Auch die ‚Hightech-Forschung‘ des Dr. Royston spielt sich in einem selbstgebauten Schuppen ab; seine Versuchsapparaturen hat er zum großen Teil offensichtlich aus den Bestandteilen eines Baukastens für Kinder gebastelt.

Der Umgang mit dem Thema Atomkraft und Radioaktivität ist ohnehin einem politischen Zeitgeist geschuldet, der heute das wahre Horror-Element dieses Filmes darstellt. Drehbuchautor Jimmy Sangster und Leslie Norman verschweigen nicht die Gefahren, die mit ihrer Nutzung als Energieträger und vor allem als Waffe verbunden sind. Eine aus dem Kontext fallende Szene zeigt den verzweifelten Vater eines gerade an radioaktiver Vergiftung gestorbenen Kindes, der Royston schwere Vorwürfe macht und ihn als Handlanger einer Forschung anprangert, die sich primär für das Zerstörungspotenzial der Atomkraft interessiert. Royston reagiert betroffen, überwindet dies aber schnell mit dem Hinweis, dass der Vater irre: Nicht Zerstörung, sondern Energiegewinnung sei sein Motiv – ein Argument, dass nach Harrisburg, Tschernobyl oder Fukushima auch nicht mehr stechen kann.

Es kam aus dem Inneren der Erde

Obwohl die Spezialeffekte wie erwähnt der Herausforderung einer überzeugenden Darstellung der umgehenden Kreatur nicht gewachsen sind, holt Kameramann Gerald Gibbs das Beste aus den kümmerlichen Kulissen heraus. Schon als die Erdspalte aufbricht, muss die Fantasie des Zuschauers ihm zu Hilfe kommen. Wenn nichts brennen, explodieren oder durch das Unterholz geistern soll, können die Kulissenbilder überzeugen. Dass in Schwarzweiß gedreht wurde, unterstützt die Glaubwürdigkeit durch den geschickten Einsatz von Licht und Schatten.

In einigen Szenen wird es sogar rabiat, was „XX … Unbekannt“ in Deutschland die an sich lächerliche Freigabe ab erst 16 Jahren beschert. Vor allem den unglücklichen Arzt im Krankenhaus erwischt es hart: Sein Körper bläht sich auf, aus den geschwollenen Fingern spritzt Blut, und schließlich fließt ihm das geschmolzene Fleisch vom Schädel. Generell wird jedoch sehr moderat gesplattert.

Das Atom-Monster wurde schon erwähnt. Es wirkt in der Tat wie ein britischer Bruder des „Blob“, der allerdings erst 1958 in den USA (sowie hierzulande als „Blob – Schrecken ohne Namen“) sein Unwesen trieb. Da unsere radioaktiv im Geigerzähler lustig knatternde Kreatur nur durch die Schwerkraft (bzw. durch Besenstiel-Schubser von unten) ‚bewegt‘ wird, sehen wir sie niemals aktiv nach einem Unglücksraben greifen. Besonders schnell ist sie auch nicht, was ihre Bedrohlichkeit weiter schmälert.

Mutige Männer tun ihren Job

„XX … Unbekannt“ ist ein Film ohne Stars. Sie hätten den Finanzrahmen gesprengt. Man griff auf oft und gern beschäftigte britische Darsteller zurück, die wie üblich einen guten Job leisteten.

Den nun schon mehrfach zur Sprache gebrachten dokumentarischen Aspekt unterstreicht ein Drehbuch, das jegliche Liebesgeschichte ausklammert. Frauen treten nur als Krankenschwestern oder Mütter und am Rande auf. Das weibliche Publikum möge die folgende Zeile überspringen, aber faktisch bekommt der Story der Verzicht auf die übliche Romanze gut. Sie gehört nicht in die Handlung, und sie wird ihr nicht aufgezwungen – eine Konsequenz, die man gern öfter sähe.

Für eine letzte Irritation sorgt das Finale: Natürlich gelingt das riskante Experiment von Dr. Royston. Das Monster verwandelt sich in feuchten Lehm. Plötzlich explodieren seine Reste – eine Reaktion, die den Forscher erschreckt. Leider war wohl das Budget genau jetzt ausgeschöpft. Während der Zuschauer auf den finalen Twist wartet, der gerade angekündigt wurde, bricht der Film einfach ab, und die Schlusstitel beginnen zu laufen – kein glücklicher Ausklang für einen Film, der ansonsten für ein altmodisches aber trotz des Alters bildscharfes Vergnügen sorgt.

DVD-Features

„XX … Unbekannt“ wurde von Anolis Entertainment als 4. Teil der Reihe „British Horror Classics“ veröffentlicht. Da dieser Film 1956 als reines Unterhaltungsprodukt entstand, hielt sich die Zahl der noch aufzufindenden Extras in engen Grenzen. Aufgespielt werden konnten deshalb nur ein Trailer, eine selbstablaufende Galerie mit 14 Szenenfotos sowie ein achtseitiges Filmprogramm aus Dänemark. Hinzu kommt ein vierseitiges Booklet mit Hintergrundinformationen des Filmexperten Uwe Huber.

[md]

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Würfel, Waffen, Weisheitswurf

Erstellt von Günther Lietz am 20. Januar 2012

Kleinkunst im Internet, Kleinkunst online – Würfel, Waffen, Weisheitswurf ist eine satirische “Dokumentation” über das Thema Rollenspiel und Rollenspieler; also einfach nur nerdiger Quatsch mit so vielen Insidergags, dass die kaum noch einer versteht. Höchstens Elite-Nerds …

Viel Spaß damit!

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Psychosis

Erstellt von Michael Drewniok am 19. Januar 2012

Psychosis

Originaltitel: Psychosis (GB 2009)
Regie u. Drehbuch: Reg Traviss
Kamera: Bryan Loftus
Schnitt: John Palmer
Musik: Scott Shields
Darsteller: Charisma Carpenter (Susan Golden), Paul Sculfor (David), Ricci Harnett (Peck), Justin Hawkins (Josh), Ty Glaser (Emily), Bernard Kay (Pastor Swan), Richard Raynesford (Charles), Sean Chapman (Detective Sergeant), Katrena Rochell (Helena), Tom Gaughan (irrer Killer), Darren Bransford (Giro), Slaine Kelly (Kirsty), Josh Myers (Snake), Sarah Briggs (Jade), Alexander Ellis (Roger) uva.
Label: Great Movies
Vertrieb: dtp entertainment
Erscheinungsdatum: 17.11.2011
EAN: 4051238004571 (DVD) bzw. 4051238004588 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (gekürzte Fassung)/89 min. (ungekürzte Fassung)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Als erfolgreiche Autorin viel gelesener Thriller bringt Susan Golden das Geld nach Haus, während Gatte David sich in London als Veranstalter von Firmenpartys abstrampeln muss. Ohnehin hätte ihn Susan gern bei sich daheim, da sie, nach einem Nervenzusammenbruch halbwegs genesen, immer noch labil ist.

Dies macht sich bemerkbar, als das Paar in sein neues Heim eingezogen ist. Es ist groß, stand lange leer und liegt sehr abgelegen auf dem Land. Susan ist es hier nicht geheuer. Ausgerechnet jetzt muss David viel unterwegs sein. Susan hilft es wenig, dass David ausgerechnet den Ex-Soldaten Peck als Wildhüter und Aufpasser engagiert hat, der die schöne Hausherrin nicht so sehr ver- als begehrt.

Überdies wird es vor allem nachts lebendig in dem alten Haus. Susan meint einen unfreundlichen Mann im Feinripp-Unterhemd durch die Flure geistern zu sehen, doch weder David noch die benachrichtigten Polizisten können Spuren eines Einbruchs finden; vor allem letztere tippen sich vielsagend an die Köpfe.

Susan überredet den skeptischen Priester Swan, einen Exorzismus zu organisieren. Die Zahl der Phantome nimmt trotzdem stetig zu. Selbst tagsüber treiben sie nun ihr Unwesen. Langsam gleitet Susan in den Wahnsinn ab – ein Vorgang, den David mit Wohlgefallen registriert. Er ist ein Strolch und Ehebrecher, der seine Gattin ins Irrenhaus treiben und über ihr Vermögen verfügen will. Viel von dem ‚Spuk‘ geht auf ihn zurück, aber Susann verfügt außerdem über das Zweite Gesicht und wird dadurch unfreiwillig Zeugin von Vorgängen, die auf das Jahr 1992 zurückgehen, als ein wahnsinniger Massenmörder seiner Arbeit nachging.

Je tiefer Susan dem Wahn verfällt, desto stärker wird ihre Sehergabe. Bald spuken auch die Geister der Zukunft in ihrem Hirn, was dafür sorgt, dass Davids böser Plan nur mit unerwarteten Nebenwirkungen aufgeht …

Spuk mit Hirn ist besser als Grusel ohne Geist

Die Liebhaber des eher handfesten Horrors werden vermutlich widersprechen, was an der Sache trotzdem nichts ändert: Eine Geistergeschichte funktioniert im Film und überhaupt am besten, wenn sich das Gespenst so selten wie möglich zeigt und sich dabei im Schatten hält. Dies gilt auch (oder gerade) im Zeitalter einer Tricktechnik, die auch das Unmögliche glaubhaft darzustellen vermag. Die Andeutung setzt zuverlässig das Hirnkino im Kopf des Betrachters in Gang, das wesentlich nachdrücklicher als Bits & Bytes für Gruselstimmung zu sorgen vermag.

Diese Tatsache erfreut jene Filmproduzenten, in deren Kriegskassen der Boden allzu deutlich durchschimmert: Man kann das Publikum auch in den Bann & ihm das Eintrittsgeld aus der Tasche ziehen, ohne teuer in ‚glaubwürdige‘ Spukgestalten investieren zu müssen! Die erwähnte Atmosphäre kann ein vollwertiger Ersatz sein. Allerdings entsteht sie nicht von allein. Sie muss ideenreich erzeugt und angefacht werden. Wehe den Unglücklichen, die auch in diesem Punkt versagen!

Reg Traviss dürfte ein Liedchen davon singen können. Er hatte wenig mehr als 1 Mio. Dollar zur Verfügung, um „Psychosis“ zu drehen. Seine Verwicklung in dieses Projekt vertieft sich, weil er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor verantwortlich zeichnet. Während ersterer sich halbwegs ordentlich aus der Affäre zog, hat sich letzterer am winterlichen Drehort nicht nur mit Schlamm, sondern auch mit Schande bedeckt.

Krimi mit Spuk-Einlagen oder Grusel-Krimi?

„Psychosis“ basiert auf einer Story des Filmhorror-Veteranen Michael Armstrong. Kenner des Genres werden ihn als Schöpfer von Grusel- und Trash-Filmen wie „Hexen geschändet und zu Tode gequält“ (1973) oder „The Sex Thief“ (1974) schätzen (oder verabscheuen), deren Drehbücher Armstrong wohlweislich unter Pseudonym verbrach. Unter dem Titel „Dreamhouse“ verfilmte Armstrong selbst für den 1986 aus drei Kurzfilmen zusammengesetzten Kompilationsfilm „Screamtime“ eine erste Fassung der „Psychosis“-Story. Angesichts dieser belastenden Vorgeschichte ist „Psychosis“ geradezu ein Meisterwerk geworden, was damit wohl Traviss zu verdanken ist, der Schlimmeres verhindern konnte.

Was nicht verhindert, dass die Geschichte an ihrer Überraschungsarmut krankt. Schon die Vermischung von Krimi – Lumpen-Gatte David treibt ein böses aber sehr reales Doppelspiel – und Phantastik – die von Susan erspähten Geister sind ‚echt‘ – ist keinesfalls originell. Die Verschränkung beider Welten funktioniert leidlich, bis Traviss die bisher geübte Zurückhaltung aufgibt und der längst erzählten Geschichte eine Coda meint ankleben zu müssen, die ihr nachträglich die mühsam aufgebaute Glaubwürdigkeit so gründlich wie ein Tritt zwischen männliche Beine austreibt.

Dieser nicht nur lächerliche, sondern auch unnötige Knalleffekt lässt den ohnehin schon lange köchelnden Zuschauerärger schlagartig auflodern. Soll dies etwa Ausgleich für eine Handlung sein, die als Höhepunkt in Unlogik förmlich ertränkt wurde? Vor den sie drangsalierenden Geistern flüchtet Susan in einen – Kühlschrank! Dessen Inhalt hat sie davor auf den Küchenboden geschüttet, damit auch das dümmste Gespenst merkt, wohin sie verschwunden ist. Generell nur mit Gewalt gelingt es Traviss, die reichlich eingestreuten Andeutungen so zurechtzubiegen, dass sie zu guter Letzt in die Handlungsrealität einmünden.

Zu viele Balla-Bälle in der Luft

Vielleicht hätte sich Traviss besser auf den Titel seines Films konzentriert. „Psychosis“ – in seiner griechischen Urform klingt dieser Begriff eindrucksvoller als das heutzutage nichtssagend abgeschliffene „Psychose“ – beschreibt durchaus korrekt den Gesundheitszustand von Susan Golden. Sie ist an einer geistigen Störung erkrankt, die mit dem Verlust des Realitätsbezuges einhergeht. Diese Diagnose öffnet viele Türen. Gerade der Film eignet sich hervorragend, Schein und Wirklichkeit so miteinander zu mischen, dass es dem Zuschauer ähnlich ergeht wie der armen Susan. Im Gegensatz zu ihr ziehen wir Vergnügen aus der Tatsache, kräftig an der Nase herumgeführt zu werden.

Die Geister, die Susans Hirn selbst rief, schienen Reg Traviss indes nicht unheimlich genug. Er holte deshalb Verstärkung aus ‚echten‘ übersinnlichen Gefilden. Dies könnte bei geschickter Verschränkung von Psychose und Spuk die Spannung in der Tat steigern. Leider patzt Traviss in dieser Hinsicht öfter als sein Ziel zu treffen. Schon der Rückblick ins Jahr 1992, mit dem der Film beginnt, ist viel zu lang und aufwändig. Später wartet man auf jene Wendung, mit der Traviss seine Relevanz für den gegenwärtigen Handlungsstrang beweist. Tatsächlich tauchen die Geister der rüde gekillten Öko-Aktivisten nur sporadisch auf und bleiben unwichtige Nebenrollen.

Englischer Winter in unfreundlicher Idylle

Der Gegensatz zwischen „Stadtmenschen“ und „Landvolk“ ist ein zementiertes Klischee nicht nur des Horrorfilms. Ungeschriebene Regeln vor allem moralischer Natur werden verletzt und heizen die Stimmung wesentlich heftiger an als Geistertreiben. Auch Susan und David sind nur oberflächlich willkommen.

Diesen Konflikt als Hintergrund für Susans zunehmende Isolierung lässt Traviss weitgehend ungenutzt. Er stellt lieber David als Bösewicht in den Mittelpunkt. Freilich kann der in Sachen Raffinesse oder Bedrohlichkeit nicht punkten. Bei näherer Betrachtung erntet er die Früchte seiner Intrigen nicht wegen, sondern trotz seiner Umtriebe. Schon die von ihm unendlich kompliziert eingefädelte Intrige unter Beteiligung des geilen Wildhüters Peck ist ein Witz: Susan ahnt höchstens, dass Peck ihr Rausch-Pilze ins Essen gemischt und sie anschließend beschlafen hat. Für die Handlung ist diese Wendung ohne Belang. (In Deutschland hat Traviss Glück: Die Zensur hat die ins Leere laufende Szene vollständig getilgt.)

An anderer Stelle lässt Traviss die Haupthandlung sträflich im Stich, um David auf eine seiner Eskapaden zu folgen. Wir sehen ihn in einem Bordell, wo er mit neureichen Swingern – die (glücklicherweise) selbst beim gemeinschaftlichen Whirlpool-Bad die Unterhosen anbehalten – und silikonbusigen Berufs-Beischläferinnen ‚perverse‘ Unzucht treibt, bis sich das Publikum vor Lachen auf dem Boden kugelt; offensichtlich hat Traviss hier angestaubte Orgien-Fantasien der Armstrongschen Drehbuchvorlage umgesetzt. Als kriminelles Mastermind hat David anschließend jedenfalls ausgedient.

An American Woman in Old England

Nur zwei Strohhalme gibt es, an denen sich der Zuschauer 90 Minuten festklammern kann. Aber Achtung: Es sind und bleiben Strohhalme, die Tragkraft nur in diesem Film und im Vergleich mit den trostlosen Leistungen der meisten Mitverantwortlichen besitzen!

Zu loben ist Kameramann Bryan Loftus, der vor nicht nur winterlich bedingt tristen Kulissen Bilder gelingen, die angesichts des Budgets erstaunen. Das alte Haus und die kalte, nasse Umgebung werden in ihrer abweisenden Wirkung durch behutsame ‚Entfärbung‘ geschickt verstärkt. Braun und grau, abgestorbenes Blattwerk und Schlamm dominieren; der wenige Schnee wirkt schmutzig, das Grün ausgewaschen und kränklich. Innerhalb des Hauses ist es selbst bei Tageslicht düster. Hier verzichtet Traviss auf ausgelaugte Horror-Klischees; nicht einmal der Keller wirkt unheimlich. Das Grauen, so wird deutlich, kommt erst durch Susan ins Haus. Dort beschränkt es sich auf Momentaufnahmen meist zukünftiger Ereignisse.

Zur zweiten Stütze von „Psychosis“ wird Hauptdarstellerin Charisma Carpenter. Als Charakterschauspielerin ist sie bisher kaum aufgefallen, ihr Erfolg beruht vor allem auf einem hübschen Gesicht, das Carpenter u. a. in TV-Serien wie „Buffy“, „Angel“ oder „Charmed“ zu Markte getragen hat. (Dank eines gut ausgeformten Oberkörpers wurde sie auch vom „Playboy“ Willkommen geheißen.) Als Susan Golden gelingt ihr die Darstellung einer Frau, die nach und nach den Verstand verliert. Carpenter ist kein unsicheres Mädchen, sondern eine erwachsene Frau, die nicht ohne Gegenwehr zerbricht, bis Drehbuchautor Traviss zu schlechter Letzt doch die Klischeekiste aufklappt und sie die Hände ringen, ein Krankenhaus-Hemdchen tragen und irre ins Leere starren lässt. Ihr Schicksal ist konsequent aber nutzlos, da es durch Traviss‘ Drang zur ausgleichenden Gerechtigkeit und den daraus resultierenden Finaltwist (s. o.) noch in letzter Filmminute in Vergessenheit gerät – ein Tropfen, der das Fass nicht nur zum Überlaufen bringt, sondern aus Benzin besteht, der den schwelenden Zorn des Zuschauers hoch auflodern lässt: Reg Traviss. Diesen Namen wird er sich merken! (Bei der Lektüre dieses Satzes bitte bedrohliche Musik einspielen.)

DVD-Features

Ausgerechnet ein (hoffentlich) rasch vergessener Film wie dieser wurde mit soliden Extras versehen. Ein halbstündiges „Making-of“ enthüllt keinerlei verborgenen Hintersinn. Menschen von vor und hinter der Kamera erzählen uns, was wir im Film (angeblich) gesehen haben. Ein gewisser Unterhaltungseffekt ergibt sich, wenn man die eigene Meinung mit jenen Lobeshymnen in Einklang zu bringen versucht, die im „Making-of“ dreist gesungen werden.

Eine Viertelstunde zwar gedrehter aber im Film nicht verwendeter Szenen belegt immerhin, dass es durchaus hätte schlimmer kommen können – an dieser Stelle ein dankbarer Gruß an Cutter John Palmer!

Offensichtlich in vorauseilendem Gehorsam wurde „Psychosis“ in Deutschland in fünf Szenen um insgesamt 2,5 min geschnitten. Wie so oft scheint Auswürfeln bestimmt zu haben, was entfiel. Diese Szenen sind in keiner Weise ‚härter‘ als das, was andere Horrorstreifen derzeit zeigen. Eine gekürzte sowie eine gänzlich entfernte Sex-Szene dürften in jedem „Tatort“-Krimi zur besten Sendezeit laufen, und die Gewalt beschränkt sich auf Sekundenbruchteile im Halbdunkel. Da „Psychosis“ kein Splatter-Film ist, leidet nicht die Story, sondern nur der freie Wille des angeblich volljährigen Zuschauers, dem wieder einmal vorgeschrieben wird, was er (nicht) sehen darf.

[md]

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Solomon Kane

Erstellt von Michael Drewniok am 12. Januar 2012

Solomon Kane

Originaltitel: Solomon Kane (Frankreich/GB/Tschechische Republik 2009)
Regie u. Drehbuch: Michael J. Bassett
Kamera: Dan Laustsen
Schnitt: Andrew MacRitchie
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: James Purefoy (Solomon Kane), Rachel Hurd-Wood (Meredith Crowthorn), Pete Postlethwaite (William Crowthorn), Patrick Hurd-Wood (Samuel Crowthorn), Alice Krige (Katherine Crowthorn), Anthony Wilks (Edward Crowthorn), Max von Sydow (Josiah Kane), Lucas Stone (Kane als Kind), Samuel Roukin (Marcus Kane), Isabel Bassett (Hexe), Jason Flemyng (Malachi), Christian Dunckley Clark (Malthus), James Babson, Marek Vasut, Geoff Bell (dumme Räuber) uva.
Label/Vertrieb: Constantin Film
Erscheinungsdatum: 07.10.2010
EAN: 4011976877585 (DVD) bzw. 4011976319887 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1(Deutsch, Englisch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 100 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Anfang des 16. Jahrhunderts hat sich der enterbte englische Adelssohn Solomon Kane im Ausland einen Namen als Glücksritter und Pirat gemacht. Als er eines Tages nur knapp dem Engel des Todes entkommt, der ihn holen wollte, weil er seine Seele angeblich dem Teufel verschrieben habe, wird Kane nachdenklich. Er schwört der Gewalt ab und zieht sich in ein Kloster zurück, wo er allmählich zur Ruhe kommt.

Zeitgleich hat der Zaubermeister Malachi mit der Eroberung Englands begonnen. Unter der Führung seines stummen, niemals unmaskiert auftretenden Heerführers fallen durch Hexerei gestärkte Truppen über die Landbevölkerung her, versklaven die Schwachen und zwingen die Starken unter Malachis geistiges Joch.

Kane verlässt das Kloster und begibt sich auf die Wanderschaft. Er will nach Nordamerika auswandern und dort ein neues Leben anfangen. Unterwegs fällt er unter Räuber. Gerettet wird er vom Puritaner William Crowthorn, den es mit seiner Familie ebenfalls in die Neue Welt zieht. Als Malachis Schergen seine neuen Freunde überfallen und töten, besinnt Kane sich alter, mörderischer Stärken. Er will die junge, schöne Meredith Crowthorn retten, die Malachi auf sein Schloss verschleppen ließ.

Der Weg dorthin ist lang und gefährlich. Hexen, Zombies und Verräter muss Kane überwinden, und irgendwann bekommt auch der Heerführer Wind von dem hartnäckigen Verfolger. Zu allem Überfluss entpuppt sich Malachis Hauptquartier als Stammburg der Kanes, nachdem dessen stolzer Herr, Kanes Vater, von dem Zauberer umgarnt und betrogen wurde.

Im großen Saal der Burg treffen die wenigen Schurken, die Kanes Rachezug überlebt haben, Kane selbst, Meredith und Malachi zusammen. Leider hat der Hexenmeister mindestens ein teuflisches As im Ärmel, das sich turmhoch über Kane aufbaut und ihm nach Leben und Seele trachtet …

Das Leben als Jammertal

1928 schuf der Unterhaltungsschriftsteller Robert E. Howard (1906-1936), dem wir auch ewige Fantasy-Helden wie Conan und die Rote Sonja verdanken, den Puritaner und Hexenjäger Solomon Kane. In einer Reihe von Storys führte ihn sein geistiger Vater an immer neue, meist exotische und stets unheimliche Orte, an denen ein Grauen lauerte, das vom schrecklich frommen Kane als heidnische Teufelei identifiziert und mit Feuer & Schwert ausgetilgt wurde.

Dieser Solomon Kane, ein düsterer, humorloser, fanatischer Geselle, blieb sich dank Howard stets treu. Er war nie sympathisch und ganz sicher keine Identifikationsfigur, aber in seiner Unerbittlichkeit und Kampfstärke der Richtige, um spannend den ausgetüftelten Todesfallen zu entkommen, die Howard sich für ihn ausdachte. War ihm dies gelungen, wandte er sich umgehend dem nächsten Teufelswerk zu. Dessen Ausrottung war seine Mission, eine Arbeit, die für Kane, das schaurige Ideal des kompromisslosen Puritaners, nie getan war.

Mit seiner schwarzweißen Weltsicht eignete sich Howards Kane nicht als Filmheld. Als solcher benötigte er Schwächen, eine entsprechende Vorgeschichte sowie die Reifung durch eine persönliche Queste, die ihn einerseits läuterte und andererseits menschlicher wirken ließ. Ähnlich war es bereits Conan, dem Barbaren, ergangen, der als erster Howard-Recke 1982 auf die Leinwand gestürmt war. Allerdings hatte Regisseur und Drehbuchautor John Milius darauf geachtet, die Figur nicht gar zu konturenglatt zu schleifen – ein Beispiel, dem Michael J. Bassett, ebenfalls Regisseur und Autor, 2009 nur bedingt folgte.

Ein langer Weg in die Vergangenheit

Dabei hätte es wesentlich schlimmer kommen können. 2001 stand „Solomon Kane“ schon einmal vor einem Drehbeginn. Die Titelrolle sollte an Christopher Lambert gehen, der sich gerade zum vierten (und hoffentlich letzten) Mal durch eine schaurig schlechte „Highlander“-Fortsetzung geprügelt hatte. Glücklicherweise zerschlug sich dieses „Kane“-Projekt; es kam erst 2006 erneut in Gang, als Bassett das Heft in die Hand nahm. Gecastet wurde nun James Purefoy, der nicht nur optisch einen glaubhaften Kane darstellt, sondern sogar über schauspielerisches Talent verfügt, das er in die Rolle einbringen konnte (und wollte).

Etwa 45 Mio. Dollar betrug das Budget. Angesichts der Wahnsinnssummen, die in Hollywoods Blockbuster fließen, ist dies moderat. Im Umfeld jener Streifen, die vor allem über ihre Spezialeffekte funktionieren, steht „Solomon Kane“ freilich gut dar. Das zur Verfügung stehende Geld konnte zudem gestreckt werden, indem man in der Tschechischen Republik drehte, wo auch heute Statisten noch so kostengünstig sind, dass man sie nicht digital ersetzen muss.

Deshalb fällt „Solomon Kane“ u. a. durch diverse Massenszenen auf, die gleichzeitig demonstrieren, dass die Kulissen nicht an den Bildrändern endeten. Detailliert ausgeführte Dorfflecken, Kirchen, Burgsäle u. a. Örtlichkeiten wurden in erstaunlichen Größen real gebaut. Die Kamera greift den zur Verfügung stehenden Raum mit Vergnügen auf und fliegt immer wieder über diese Kulissen, in denen es vor Leben und Schlachtgetümmel wimmelt. Das Wetter ist winterlich – es schneit und regnet, die Welt ist ein einziger Pfuhl, und nur ganz selten wird offenbar, dass diese Szenen meist am Tage und bei Sonnenschein entstanden. (Anzumerken ist eine auch in den Masken allzu ausgeprägte Affinität zur Gestaltung der „Herr-der-Ringe“-Filme.)

Der schwarze Mann mit dem großen Hut

„Solomon Kane“ lebt durch seine Bildopulenz sowie durch die Darstellungskunst seiner Hauptfigur. Zwar kann auch Purefoy die Schwächen des Drehbuches – dazu weiter unten mehr – nicht im Alleingang ausgleichen. Trotzdem gelingt es ihm, die holzschnittartige ‚Entwicklung‘, die sein Charakter erfährt, wenigstens ansatzweise nachvollziehbar zu gestalten. Der frühe Kane ist ein Räuber, Dieb und Mörder. Später entscheidet er sich für ein mönchisches Leben. Dann kommt hollywoodtypisch die große Krise. Sie geht mit dem vom Schicksal erzwungenen Rückfall in die Gewalttätigkeit einher, die auf diese Weise legitimiert wird: Kane hat es ja versucht, aber die Bösen ließen ihn seinen Frieden nicht …

Der eigentliche Solomon Kane manifestiert sich erst im Finale. Er ist jetzt weder Mörder noch Mönch, sondern ein Krieger des Herrn und bereit, sich für das Gute in die nächste Schlacht zu stürzen. Diese Wendung wird verständlicher, wenn man weiß, dass „Solomon Kane“ von Bassett als Trilogie geplant ist. (Ob sie jemals zustande kommen wird, steht aktuell in sehr weit entfernten Sternen.)

Im Vergleich zu Purefoy bleiben die übrigen Darsteller blass. Vor allem die arme Rachel Hurd-Wood steht auf verlorenem Posten: Ein Solomon Kane darf kein „love interest“ besitzen. Die schöne Meredith rettet er nur, weil er es ihrem sterbenden Vater versprochen hat. Ein Schwur zählt für Kane allemal mehr als Liebe. Beiläufig erwähnt er kurz vor dem Abspann, dass er Meredith bei ihrer Mutter abgegeben hat …

Unter dem allgegenwärtigen Schlamm und Dreck, den Bassett über seine Version des 16. Jahrhunderts spritzt, bleiben die Darsteller Archetypen. Was die Guten wie die Bösen umtreibt, ist oft unklar oder interessiert den Zuschauer nicht. Manchmal entscheidet Bassett schlicht falsch: Der böse Heerführer ist wesentlich interessanter und präsenter als der angeblich so mächtige Malachi, der erst im Finale auftritt und nicht wirklich erschrecken kann. Ratlos macht auch der Aufwand, den Malachi treibt, um Meredith suchen und in sein Schloss schaffen zu lassen. Dort weiß er nichts Besseres mit ihr anzufangen, als ihr ein wenig Jungfrauenblut abzuzapfen, mit dem er einen Dämon aus der Hölle heraufbeschwört.

Einige Akzente weiß höchstens der großartige Pete Postlethwaite in einer seiner letzten Rollen zu setzen. Sein unglaubliches Gesicht passt perfekt in diese archaisch überzeichnete Vergangenheit, während die Mehrheit der Darsteller allzu geschminkt und verkleidet wirkt. Was Postlethwaite in einen Film wie diesen brachte, der in der Rolle des William Crowthorn ein schauspielerisches Schwergewicht wie ihn nicht wirklich benötigt, bleibt dennoch unklar. Immerhin hat Postlethwaite Glück: Man erkennt ihn immerhin, während der Zuschauer eher fassungslos erst den Schlusstiteln entnimmt, dass er irgendwo auch der wunderbaren Alice Krige und dem großen Max von Sydow bei der Arbeit zugesehen bzw. beobachtet hat, wie sie verheizt wurden.

Erzählen ist schwieriger als gedacht

Nicht nur angedeutet wurde bereits, dass Aufwand und Story in keinem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Bassett erzählt eine Geschichte, die wir in jeder Filmsekunde kennen. Überraschungen gibt es nicht, Ungereimtheiten stattdessen mehr als genug. So lernen wir einen Todesengel kennen, dem Kane, ein einfacher Mensch, problemlos durch die Lappen geht; wie ein Trottel steht dieser ‚Engel‘ hinter dem Fenster, durch das Kane gesprungen ist, und brüllt ihm fruchtlose Drohungen hinterher. Wir sehen ihn nicht wieder; womöglich hat er seinen Job an Malachi abgetreten.

„Solomon Kane“ gehört zu jenen Filmen, die in interessante Episoden zerfallen, die sich zu keiner harmonischen Gesamtgeschichte fügen. Die Szenen in der von Zombie-Vampiren belauerten Kirche, die wilde Jagd durch die von Särgen und Knochen markierten Tunnel unterhalb eines alten Friedhofs, der finale Kampf mit einem ausgezeichneten konzipierten und realisierten Dämon bieten Entertainment auf hohem Niveau.

Hier gelingt Bassett, was ihm vorschwebte; er mindert es höchstens durch sein beschränktes Regietalent. Das liebste Stilmittel ist ihm die Zeitlupe: Zum Anschwellen eines, inspirationslosen, pseudo-pompösen, dröhnenden Scores stapfen Gut und Böse künstlich bedeutsam oder bedrohlich durch das Bild – wieder und wieder, bis es nicht einmal ärgert, sondern nur noch ein müdes Grinsen provoziert.

Mehr Engagement hätte Bassett in die Kampfszenen investieren sollen. Zwar lässt vor allem Kane Köpfe und Gliedmaßen fliegen, doch wird nie deutlich, wie ihm dies gelingt. Die meisten Gegner rennen ihm brüllend ins offene Schwert, das er wie einen Prügel schwingt. Damit will Bassett vermutlich deutlich machen, dass dies kein Jahrhundert hoher Kampfkunst ist. Wenn Kane im Alleingang Malachis Schergen dutzendweise abschlachtet, will diese Begründung aber nicht greifen.

Man kann sich schlechter unterhalten lassen

So ging „Solomon Kane“ dem „Conan“-Reboot von 2011 in gewisser Weise voraus: Viel Aufwand wurde getrieben, noch mehr Werbe-Wind darum gemacht. In beiden Fällen blieb der Erfolg hinter den Erwartungen zurück. Dafür sind allzu simpel gestrickte Storys hauptverantwortlich, denen formale Schwächen gegenüberstehen.

Die Enttäuschung resultiert freilich zu einem guten Teil aus enttäuschter Vorfreude. Macht man sich davon frei, bietet „Solomon Kane“ B-Movie-Entertainment der altmodisch robusten bzw. zeitlosen Art. Gerade Im Dschungel der DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen, in dem der Zuschauer immer wieder in geistestödliche Fallen zu stolpern droht, sorgt Kane für einen anspruchsfreien aber unterhaltsamen Filmabend.

DVD-Features

Da „Solomon Kane“ eine vergleichsweise stattliche Produktion darstellt, wäre ein ausgiebiger Blick hinter die Kulissen durchaus interessant. Die zum Hauptfilm aufgespielten Extras sind jedoch dürftig (Originaltrailer, MTV-Featurette), kaum verkappte Werbung (Interviews) oder eine Frechheit (‚Making of‘: 4 Min.!). Lohnenswert ist höchstens eine viertelstündige Mini-Dokumentation der Dreharbeiten.

[md]

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Collapse of the Living Dead

Erstellt von Michael Drewniok am 5. Januar 2012

Collapse of the Living Dead

Originaltitel: Collapse (USA 2010)
Regie: Jason Bolinger u. Mike Saunders
Drehbuch: Mike Saunders
Kamera: Jenny Stolte
Schnitt: Jason Bolinger u. Mike Saunders
Musik: Jason Bolinger u. Vincent Gillioz
Darsteller: Chris Mulkey (Robert Morgan), Karen Landry (Molly Morgan), Travis Slade Reinders (Will Morgan), Linnea Quigley (Mrs. Bell), Angela Dezen (Dana), Michael Cornelison (Dr. McFarland), Clint Curtis (Sheriff Rhodes), Mike Tweeton (Hank), Ray H. Thompson (Mr. Linn), Justin Marxen (Edgar Hennenlotter), Ethan Henry (Deputy Cooper), Troy Hollatz (Bob) uva.
Label: Savoy-Film
Vertrieb: Intergroove Media GmbH
Erscheinungsdatum: 15.12.2011 (Verleih-DVD) bzw. 27.01.2012 (Kauf-DVD/Blu-ray)
EAN: 807297083897 (DVD) bzw. 807297083996 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 18


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Das geschieht:

Um die Morgans steht es schlecht. Vater Chris, Mutter Molly und Sohn Travis bewohnen und bewirtschaften eine kleine Farm im US-Mittelwesten. Vor einem halben Jahr starb die Tochter, was Molly an den Rand des Wahnsinns trieb, der seither mit schweren Medikamenten nur mühsam in Schach gehalten wird. Travis hasst die niedergedrückte Stimmung auf der Farm und meidet die Schule. Verzweifelt versucht Robert die Familie zusammenzuhalten.

Schon damit überfordert, sitzt ihm auch die Bank im Nacken. Die Wirtschaftskrise hat längst die Provinz erreicht. Die Morgans stehen so tief in der Kreide, dass eine Zwangsräumung droht – eine Ankündigung, die Robert vor Molly und Travis geheim gehalten hat. Nun kündigt noch Knecht Hank, der schon lange keinen Lohn mehr bekam. Das Kartenhaus steht vor dem Einsturz.

Doch als ein Scherge der Bank auf der Morgan-Farm erscheint, will er kein Geld, sondern Menschenfleisch: In der 15 Meilen entfernten Stadt – und offenbar nicht nur dort – ist eine Zombie-Seuche ausgebrochen. Travis wird gebissen und von Robert vorsichtshalber isoliert, während er sich mit Karen im Haupthaus der Farm verbarrikadiert.

Die Stromversorgung fällt aus, die Vorräte gehen zur Neige. Da Hilfe von außen nicht kommt, will Robert in die zombieverseuchte Stadt fahren, um Nachschub zu organisieren. Er plündert den wohlgefüllten Waffenschrank, was sich auszahlt, denn in der Tat lauern die Untoten überall. Robert schießt um sich und kann trotzdem nur knapp entkommen. Hastig tritt er den Rückzug auf die Farm an, während ein breiter Strom von Zombies ihm folgt – oder ist alles ganz anders? Hat es einen Grund, dass die wenigen Überlebenden, auf die Robert stößt, so seltsam reagieren und mehr Angst vor ihm als vor den Untoten zu haben scheinen …?

Ein Pfund Fleisch aus des Farmers Körper

Wie bespricht man einen Film, den eine einzige aber zugegeben originelle Idee vor dem verdienten Absinken in die Tiefen des Trash-Tümpels bewahrt, ohne genau diese Idee unerwähnt zu lassen? Faktisch ist es zumindest diesem Rezensenten unmöglich, womit er freilich nicht allein steht: In jeder längeren Besprechung von „Collapse“ wird die Spoiler-Katze aus dem Sack gelassen.

Wenigstens kann man sich dabei auf den Regisseur und Drehbuchautor berufen, der die Handlung bereits in der zweiten Filmhälfte ‚kippen‘ lässt und damit nicht erst bis zum Finale wartet. Zudem leidet „Collapse“ nicht unter der Enthüllung, was einerseits für besagte Idee spricht, andererseits jedoch damit zu begründen ist, dass dieser Film trotz seines besonderen Ansatzes kümmerlich geraten ist. Der Einfall ist gut, die Umsetzung ist es nicht.

Bleiben wir noch bei der Idee: Die Feindschaft zwischen Bank und Farmer ist in den USA nicht nur historisch, sondern geradezu klassisch. Sie geht primär auf die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre zurück, als finanziell ruinierte Farmer ihre Heime und Äcker verloren, weil sie den Banken vorgeschossene Kredite nicht zurückzahlen konnten. Erst das daraus resultierende Elend und drohende Unruhen führten dazu, dass in den USA wenigstens ansatzweise ein Sozialstaat eingerichtet wurde. Die Erinnerung an den arbeitsfaulen, herzlosen Banker im weißen Hemd und Anzug, der mit dem Sheriff kommt, um den Farmer und seine Familie zu vertreiben, blieb jedoch präsent.

Der Schock geht tief, denn auch für Robert Morgan ist seine Farm nicht nur Arbeitsplatz, sondern die eigene, von den Vorfahren seit gefühlten Urzeiten bearbeitete Scholle. Deshalb fühlt er sich wie Shakespeares Antonio, dem im „Kaufmann von Venedig“ der Geldverleiher Shylock ein Pfund Fleisch aus dem Körper schneiden will, als er in Zahlungsverzug gerät.

Die Farm: Heimat, Festung – Gefängnis

Zur empfundenen Gnadenlosigkeit der Bank, die um der Bilanz willen Existenzen vernichtet, kommt die Bedrohung der Familie. „Vom gefällten Baum machen alle Kleinholz“, lautet ein amerikanisches Sprichwort. Genauso sieht es Robert: Er hat beinahe alles verloren, sogar eine Tochter ist ihm gestorben. Verliert er die Farm, hat er als auch Ehemann und Vater endgültig versagt. Diese Haltung ist ihm unerträglich und erzeugt jenen Stress, der ihn schon längst hat in den Wahnsinn abgleiten lassen, als die Filmhandlung einsetzt.

Saunders ist zuzugestehen, dass er die diesbezügliche Fährte zwar legt, gleichzeitig aber geschickt verwischt. Mollys Labilität hat einen unvermuteten Grund, und Roberts Beharren gegenüber dem Arzt, dem Sheriff oder dem Banker, dass daheim „alles in Ordnung“ sei, bekommt erst schleichend und dann immer schneller einen unguten Unterton: Da liegt mehr im Argen als Trauer, allgemeine Sprachlosigkeit oder Geldnot.

Doch die Morgan-Farm gleicht einem Schiff, und Robert ist der Kapitän. Sein Wort ist Gesetz. Schwierigkeiten werden innerhalb der Familie geklärt, nach außen wird geschwiegen. Die räumliche Entfernung zur Stadt steigert die Isolation, die seit jeher zur idealen Brutstätte für Irrsinn werden kann

Die Welt wird im Wahnsinn verständlich

Irgendwann muss die überstrapazierte Psyche zerbrechen. Robert interpretiert die Welt, die sich gegen ihn verschworen hat, auf eine bizarre aber ihm leichter begreifbare Weise um: Seine Feinde verwandeln sich von Blutsaugern in Menschenfresser. Gegen sie kann er wehren, denn wie es sich für den Nachfahren von Pionieren gehört, rosten zwar Traktor und Familienlimousine, nicht aber die in eindrucksvoller Zahl gesammelten und gut gepflegten Handfeuerwaffen und Schrotflinten. Im 21. Jahrhundert ist ein Indianerüberfall zwar unwahrscheinlich, doch Robert ist bereit!

Dass man ihm den Zerfall seines Geistes abnimmt, liegt vor allem am Darsteller Chris Mulkey. Er gehört zu jenen viel beschäftigten Mimen, die jährlich bis zu sechs Rollen annehmen, dabei weder TV-Routine noch B- und C-Movies scheuen und in der Regel trotzdem grundsolide Arbeit abliefern. Mit seinem von Pockennarben gezeichneten Gesicht eignet sich Mulkey gut als Parade-Bösewicht, den er deshalb oft gibt. Dieser Schublade entschlüpft er offensichtlich gern.

Das Regie-Duo Bolinger & Saunders konnte nicht nur Mulkey, sondern auch seine tatsächliche Ehefrau Karen Landry anheuern. Sie tragen das Drama darstellerisch, wobei es ihnen gelingt, die ‚Drehung‘ zu vermitteln, die erforderlich ist, um das Geschehen, das wir zunächst nur aus Roberts Sicht verfolgen, in die Realität zu überführen, in der Molly sich als womöglich stärkerer Teil des Paares erweist.

Nicht nur die Psyche wird fadenscheinig

Damit endet leider die kurze Liste der Pluspunkte. Saunders, der auch als Regisseur und Autor stolz seinen in Kindertagen erhaltenen Spitznamen „Insane Mike“ konserviert, mag wohl ein Querdenker sein. Ein Unterhaltungstalent ist er dagegen nicht. Nur Robert und Molly Morgan schrieb er profilstarke Rollen auf die Leiber, auch dabei geizte er nicht mit Klischees, die Mulkey und Landry ausbügeln müssen.

Für routinierte Schauspieler war ansonsten kein Geld mehr da. Ausgerechnet zwei verdiente Veteranen des billigen Gruselfilms (Linnea Quigley,  Michael Cornelison) versteckte Saunders in überflüssigen Nebenrollen. Stattdessen stellte er Anfänger und Laiendarsteller en masse ein. „Collapse“ entstand u. a. in der Kleinstadt West Branch, US-Staat Iowa, deren filmbegeisterte Bürger sich gleich im Familienbund als Zombies verpflichten ließen. Sie schlurfen durch das Bild, wie sie es im Kino gesehen haben, und unter der dünnen Schminke wird deutlich, dass sie sich das Grinsen kaum verbeißen können.

Grundsätzlich bringt Saunders die beiden Handlungsstränge nicht zusammen. Vor allem im Zombie-Teil gehen nur  dreibeinige Pferde mit ihm durch. Er vernachlässigt den Zwischenton, sondern wähnt sich in einem ‚richtigen‘ Horrorfilm. Dies führt zu den üblichen Mustern und sorgt für mindestens tausendfach (und oft besser) gesehene Halsbisse und Kopfschüsse. Wo dem Effektzauberer mehr als die tagesüblichen zwei Budget-Dollar in die Hände gerieten, ließ er seinem Ehrgeiz freien Lauf und kreierte echte Splatter-Szenen, die in dem ansonsten amateurhaften Streifen unvorteilhaft auffallen.

Farmer-Grusel als Bauern-Theater

Denn Anfänger wähnt man jederzeit am Werk. Begeisterung ist kein Ersatz für Talent oder handwerkliches Geschick. Die Dialoge sind dürftig oder dumm. Der Kameramann scheint mit dem Boden verwachsen zu sein, der Cutter nur einen Arm zu haben. Mit-Regisseur Bolinger versucht sich auch am Soundtrack; einen Job, den er erst recht nicht meistert. Das Drehbuch schlägt der Logik seltsame Schnippchen: Wieso ist die Stadt zunächst zombieleer, als Robert dort erscheint? Halten die Untoten ein kollektives Nickerchen, während sie auf Besucher = Frischfleisch warten? Ohnehin scheinen sie bei Bedarf aus dem Boden zu wachsen.

Zombietum macht sich bei Saunders in erster Linie durch zerfetzte Kleider bemerkbar. Alle Zombies sind sorgfältig und auf eine Weise zerlumpt, die absolut ratlos in der Frage lässt, wie sie schon nach wenigen untoten Stunden in diesen Zustand geraten konnten. Sie jagen ohnehin kaum Angst ein; aufgrund des sorgfältig beachteten Schlurfgangs sind diese Kreaturen so langsam, dass ihre Opfer ihnen ostentativ und ewig den Rücken zudrehen müssen, damit sie erwischt werden können. Des Zuschauers Blutdruck steigt dabei nur, weil er den betreffenden Darsteller – meist den armen Chris Mulkey – gehetzt nach links und rechts aber demonstrativ nie nach hinten blicken sieht: Spannungsaufbau unterscheidet sich offensichtlich vom Versuch, sein Publikum für dumm zu verkaufen.

Auf dilettantische Weise schleppt sich die Handlung voran. Die finale Auflösung ist zumindest konsequent und recht grimmig, kann aber für die anderthalb Stunden Lebenszeit nicht ersetzen, deren Verlust den Zuschauer weitaus stärker schmerzt als jeder Zombiebiss.

DVD-Features

Die ‚Ausstattung‘ von DVD (und Blu-ray) unterstreicht, dass „Collapse“ zum Auswurf der Filmgeschichte gehört: Mit Trailer und Bildergalerie wird man abgespeist.

Unschuldig sind „Insane Mike“ & Co. übrigens am selten dämlichen deutschen Titel des Films: Was soll denn ein „Collapse of the Living Dead“ sein? „Collapse“ gibt im Original knapp, präzise und unheilverkündend die Richtung der Geschichte vor. Das „… of the Living Dead“ belegt den dreisten Versuch, hierzulande zwar für debil gehaltene aber solvente Zuschauer/Käufer an die Zombie-Angel zu nehmen. Wer sich auf typischen Därme-raus-Horror gefreut hat, dürfte solche Manipulation anschließend mit einer Ächtung des verantwortlichen Labels und seiner Filme ahnden.

[md]

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