Machen wir uns nichts vor, Filme aus Bollywood sind Geschmackssache und wer indischen Filmen nur wenig oder gar nichts abgewinnen kann, der wird auch an dem Superheldenstreifen „Krrish 3“ nur wenig Freude haben. Wer Bollywood dagegen mag, der sollte weiterlesen. Alle anderen: Einfach weiterklicken, hier gibt es nichts zu sehen!

Mit „Krrish 3“ hat Rakesh Roshan einen weiteren Blockbuster abgeliefert, der die indischen Kinos im Sturm eroberte und die Geschichte von Rohit („Sternenkind – Koi Mil Gaya“, 2003) und Krishna („Krrish, der Sternenheld“, 2006) fortsetzt. Wer sich Stab und Besetzung genau anschaut der wird erkennen, dass es sich bei „Krrish 3“ erneut um eine Familienproduktion handelt. Zwar ist Roshans Produktionsfirma Filmkraft sehr erfolgreich, aber der wahre Zuschauermagnet ist Sein Sohn Hrithik Roshan („In guten wie in schweren Tagen“, „Dhoom – Back in Action“), der im Film eine Doppelrolle hat und Rohit, sowie dessen Sohn Krishna spielt. Auch in „Krrish 3“ fällt übrigens nicht auf, dass der Schauspieler an der rechten Hand zwei Daumen hat. Dieser „Makel“ wird keinesfalls vollständig aus dem Film entfernt, aber die Aufmerksamkeit wird geschickt abgelenkt, ohne hier etwas zu verleugnen.

Besonders spannend ist nun, dass Rakesh Roshan mit „Krrish 3“ einen Handlungsbogen schließt, der von zehn Jahren mit „Sternenkind – Koi Mil Gaya“ seinen Anfang nahm. In diesem Auftakt adaptierte Rakesh Roshan kurzerhand den Steven-Spielberg-Klassiker „E.T. – Der Außerirdische“ (1982; von Spielberg eigentlich als Alien-Horror gedacht, dann aber kurzfristig umgeändert). Hauptfigur in dem Film war der geistig behinderte Rohit, der durch das außerirdische Wesen Jadoo übermenschliche Kräfte erhielt.

In der Fortsetzung „Krrish, der Sternenheld“ geht es darum, dass Rohits Sohn Krishna als Waise bei seiner Großmutter aufwächst. Er verfügt, wie sein Vater, über einen außergewöhnlich hohen Intelligenzquotienten und besitzt zusätzlich Superkräfte. Schnell wird ersichtlich, dass hier die Superman- und Spider-Man-Filme Pate standen. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass Indien selbst ebenfalls über eine Comic-Industrie verfügt und eigene Comic-Universen* zu bieten hat. Doch zurück zum Film.

Das Finale von „Krissh“ führt den Zuschauer nun zum dritten Teil, in dem eigentlich alles in ruhigen Bahnen verläuft. Krishna und Priya (erneut gespielt von der bezaubernden Priyanka Chopra) bilden zusammen mit Rohit eine kleine und glückliche Familie. Beruflich läuft alles bestens, wenn auch in Afrika derzeit ein gefährlicher Virus um sich greift. Doch glücklicherweise gibt es ein Heilmittel. Und falls es mal zu Problemen in der Heimat kommt, dann ist der indische Superheld Krrish zur Stelle. Das sorgt allerdings dafür, dass Krishna regelmäßig seine Jobs verliert, denn seine geheime Superhelden-Identität verträgt sich nur schlecht mit einem normalen Beruf. Doch Krishna sieht das locker, denn die Menschen lieben Krrish und verehren ihn als großes Vorbild. Das ist für den bescheidenen Krishna Lohn genug.

Allerdings kommt es schlagartig zu Problemen, denn der Virus war kein Zufallsprodukt, sondern wurde künstlich vom querschnittgelähmten Superschurken Kaal (Vivek Oberoi) hergestellt. Und der ist ziemlich wütend darüber, dass sein Supervirus in Indien keinen durchschlagenden Erfolg hat. Er setzt nun seine Truppe aus Manimals (halb Mensch, halb Tier) auf die Sache an, unter der Führung der wunderschönen Kaya, gespielt von Kangna Ranaut. Und plötzlich sieht sich Krrish seinen gefährlichsten, tödlichsten Feinden gegenüber. Der Kampf beginnt und es ist viel schlimmer und dramatischer, als es den Anschein hat …

Die Story klingt leicht banal und es ist offensichtlich, das sich Regisseur Rakesh Roshan bei den aktuellen Superheldenfilmen bedient hat, allen voran an der X-Men-Reihe. Aber es sind natürlich auch eigene Ideen in die Handlung eingearbeitet. Ganz zu schweigen von den kulturellen Einflüssen und dem indischen Einfallsreichtum, wenn es um unerwartete Wendungen geht und alles in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Und, wie bei Bollywood üblich, gibt es auch die dramatischen, familiären Verwicklungen. Das nimmt den Zuschauer schon mit und lässt einen schnell zum Taschentuch greifen. Verdammt, dieser Rakesh Roshan weiß einfach zu inszenieren.

Die Film-Trilogie selbst hat schon viele Wendungen erlebt, aber „Krrish 3“ überrascht in sich selbst nochmals um Einiges. Zugegeben, mit der Tricktechnik eines „Marvel’s The Avengers“ (2012) kann der indische Film nicht mithalten, dennoch sind die Spezialeffekte toll anzusehen und ziemlich beeindruckend. Vor allem der Kampf durch die Hochhäuserzeilen hindurch macht mehr Spaß und ist kurzweiliger, als die langwierige und langweilige Prügelei in „Man of Steel“ (2013).

Natürlich darf auch die übliche Gesangs- und Tanzeinlage nicht fehlen. Die kommt auch in „Krrish 3“ vor und ist mehr als passend, um die Charaktere binnen weniger Augenblicke zu skizzieren und ihre Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen. Das reißt unheimlich mit und um so tiefer auch der emotionale Absturz, wenn nach diesem Hoch der Freude plötzliche alles bedroht scheint und es auf ein bitteres Ende zugeht. Das greift wirklich tief und rührt das Herz, wenn auch für westliche Augen und Ohren doch gewöhnungsbedürftig.

Priyanka Chopra und Hrithik Roshan in Doppelrolle

Überhaupt, Ohren, der Soundtrack ist einfach wunderbar, erinnert aber stark an Hans Zimmer. Manchmal ist man gar versucht nach einem Piratenschiff Ausschau zu halten („Fluch der Karibik“, 2003), trotzdem bleibt die ganze Sache eigenständig genug und bietet auch viel Neues. Sound und Score machen jedenfalls einiges her, ebenso wie die starken Bilder – seien es nun in den schwachen oder starken Momenten.

Das alles funktioniert natürlich nur, weil die Leistung der Schauspieler stimmt. Hrithik Roshan weiß in seiner Doppelrolle zu überzeugen und nimmt den Zuschauer stets mit auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Im Zusammenspiel mit Priyanka Chopra (ehemalige Miss World, veröffentlichte 2012 in Zusammenarbeit mit will.i.am die Single „In My City“**) macht das großen Spaß und beschwört ein heimeliges Familiengefühl herauf. Schlussendlich ist die bezaubernde Chopra der ruhende, aber durchaus bedrohte Pol des Films. Actionlastiger geht es hier für Kangna Ranaut zu, die mit ihrer Figur Kaya einen Verschnitt der bekannten Marvel-Comicfigur Mystique zum Besten gibt. Und das sieht verdammt gut aus. Sehr spannend ist dabei, wie auch hier die Rollen miteinander verschmelzen. Toll gemacht und emotional aufrührend.

Der böse Gegenspieler ist mit Vivek Oberoi als Kaal überaus gut besetzt, der wiederum eine Mischung aus Professor Xavier und Magneto (beides Marvel-Comicfiguren) präsentiert. Allerdings in einer sehr gespenstischen Art und Weise, die einem einen Schauer über den Rücken jagt. Wer zum Ende des Films hin genau hinsieht bemerkt übrigens, dass sich Kaals Kostümdesign leicht verändert. Was man dagegen nicht sieht ist, dass rund sechshundert Krrish-Masken verwendet wurden. Kein Wunder, bestanden die doch nur aus Wachs und schmolzen regelmäßig einfach dahin.

Rakesh Roshan und Vivek Oberoi

Auch mit „Krrish 3“ hat Rakesh Roshan wieder einen sehr unterhaltsamen und erfolgreichen Film hingelegt. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass der abergläubische Regisseur im Original alle seine Filme mit einem „K“ am Anfang schreibt. Oder, wahrscheinlicher, dass der Streifen einfach gut ist.

Mit einem Kinodebüt darf hierzulande wohl kaum gerechnet werden. Auf Anfrage plant ALIVE aktuell zwar keine Veröffentlichung auf DVD oder Blu-Ray, aber der Film ist noch ganz frisch. Und vielleicht stehen die Chancen für eine DVD-Veröffentlichung doch ganz gut. Schließlich haben es die beiden Vorgänger auch geschafft.

Copyright © 2013 by Günther Lietz, all rights reserveds

* Hier ein Beispiel für indische Comics. Der Deeplink führt direkt zu den kostenlosen englischsprachigen Comics, die von dem Anbieter zur Verfügug gestellt werden.
http://www.rajcomics.com/index.php?option=com_g2bridge&view=gallery&Itemid=19&g2_itemId=101008

**’In My City‘ with Priyanka Chopra [2012] – Exclusive behind the scenes footage of the making of ‚In My City‘ by Priyanka Chopra ft. Will.i.am von Universal India auf Youtube.com.
http://www.youtube.com/watch?v=GnZ1yQO0NYs

Krrish 3

Produktionsland: Indien, 2013
Originalsprache: Hindi
Länge: 152 Minuten

Regie: Rakesh Roshan
Drehbuch: Rakesh Roshan
Produktion: Rakesh Roshan
Musik: Rajesh Roshan, Salim-Sulaiman

Darsteller: Rohit Mehra/Krishna „Krrish“ Mehra (Hrithik Roshan), Priya (Priyanka Chopra), Kaal (Vivek Oberoi), Kaya (Kangna Ranaut)

http://www.krrish-3.com/

Bildquelle: Filmkraft-Press-Kit