Mit der Serie “Samurai 7” wiederveröffentlicht Nipponart 2017 ein etwas in die Jahre gekommenes Anime, das den berühmten Film “Die sieben Samurai” des 1998 verstorbenen Akira Kurosawa adaptiert. Dabei versucht die Serie mehr als nur ein Abziehbild zu sein.

Wie in der Vorlage geht es darum, dass Banditen wiederholt ein kleines Bauerndorf überfallen und plündern. Die Bauern wollen sich das nicht weiter gefallen lassen. Deswegen heuern sie sieben Samurai an, um die Banditen zu vertreiben.

Bereits die ersten Szenen deuten darauf hin, dass “Samurai 7” in einer spannenden Kulisse spielt. So fliegen die Banditen in gewaltigen Mechas heran, ist vor allem das städtische Leben von futuristischer Technik geprägt, die einerseits den Hauch von Steampunk mit sich trägt, andererseits auch mit hochmoderner Technologie aufwartet. Dazu eine Prise Mystizismus und sehr viel Anlehnung an das klassische, von seinen Traditionen geprägte Japan, das unter seinem Klassensystem ächzt. Eine spannende Mischung aus Historie und Moderne, die das Studio Gonzo hier ins Leben erweckt. Eine Mischung, die bereits alleine schon die Lust steigert, sich die Serie anzuschauen.

Von der Geschichte her wagen die japanischen Animekünstler erst einmal keine großen Experimente. Gonzo setzt weitgehend auf die filmische Vorlage Kurosawas. So tragen die Helden die Namen ihrer Filmvetreter und erfüllen im Kern deren klassische Rollen, folgt die Geschichte der Filmhandlung, mutet beinahe wie eine Nacherzählung des bekannten Stoffes an. Aber nur beinahe. Auch hier übt der Remix aus Klassik und Moderne einen besonderen Reiz aus, selbst bei den bekannten Schlüsselszenen des Films. Als Beispiel mag hier die dramatische Rede Kikuchiyos gelten, der im Anime als Robotersamurai dargestellt wird. Sie folgt vor allem der Argumentationskette Kurosawas und prangert ebenso das Klassensystem an, wie es im Film geschieht.

“Samurai 7” ist dabei aber kein reines Abziehbild – oder will es zumindest nicht sein. Das Ende des Films findet in der Serie bereits nach ungefähr zwei Dritteln der Folgen statt, dann erschafft “Samurai 7” seine eigene Geschichte. Und diese fällt bei so einer starken Vorlage natürlich ab. Die Handlung ist noch immer sehenswert, kann es aber natürlich nicht mit einem Meister wie Akira Kurosawa aufnehmen. Allerdings, die neuen Handlungselemente sind weitgehend passend und bereichern die allgemeine Gesellschaftskritik sogar. In den allgemeinen Stil der Serie passen sie sich meist harmonisch ein. Vor allem der wehmütige Abschluss der Serie vereint “Samurai 7” gekonnt mit “Die sieben Samurai”.

Neben der reinen Handlung, gibt es weitere künstlerische Aspekte zu betrachten. So leisten musikalisch Eitetsu Hayashi und Kaoru Wada großartiges. Die Stücke sind stets passend und der Klang liegt gut in den Ohren. Bereits das Intro macht großen Spaß und stimmt auf die Serie ein. Akustisch muss natürlich auch die deutsche Synchronisation erwähnt werden, die hervorragend ist. Die Stimmen passen zu den Figuren. Vor allem Detlef Bierstedt als Kambei jagt einem des öfteren einen angenehmen Schauer über den Rücken. Erstklassig!

Im Bereich der Zeichnungen müssen einige Abstriche gemacht werden. “”Samurai 7” erschien im Jahre 2004 und dorthin passen auch die im Anime eingesetzten Computeranimationen, die bei den “Superrobotern” genannten Mechas zum Einsatz kommen und gelegentlich auch bei anderen Details. Im Kern hatte diese Kombination seine Zeit, heutzutage sind die Computeranimationen aber ziemlich altbacken und wirken in der Gesamtkomposition etwas störend. Zum Glück hält sich dieser Effekt in Grenzen. Ansonsten ist der Zeichenstil eher spartanisch zu nennen, was vor allem in der Dynamik der Figuren und Kämpfe zu erkennen ist. Allerdings passt das wiederum gut zum recht fantastischen und doch geerdeten Stil von “Samurai 7”. Der wird manchmal durch humorvolle Einlagen leicht gebeugt, was aber einen guten Kontrapunkt zum Drama der Geschichte setzt.

Der Publisher Nipponart hat “Samurai 7” als exklusive Gesamtausgabe im Slipcase veröffentlicht, in der sich die DVD- und die Blur-ray-Fassung befinden – einmal 5 und einmal 3 Discs. Als Bonus gibt es einen Sticker und ein kleines Poster. Die Beilagen sind tatsächlich nur als winziger Bonus zu betrachten und kaum der Rede wert, überzeugt doch vor allem die stilsichere Gestaltung des Schubers und des Digipack. Während sich von Außen die Schatten der Samurai edel und episch gegen die Sonne abzeichnen, finden sich im Inneren und auf den Discs wunderschöne Illustrationen der in der Serie vorkommenden Figuren. Einfach wunderbar. Und einmal ausgepackt, ist auch der FSK-Hinweis keine Blicksperre mehr. Einfach nur den Rücken des Schubers aus dem Regal blicken zu lassen, wirkt beinahe profan. Die Frontansicht zaubert einen viel besseren Eindruck hervor.

Abschließend bleibt zu sagen, dass Gonzo eine gute Arbeit geleistet hat und der Vorlage durchaus gerecht wird. Trotz kleiner Fehler und gelegentlich etwas Ziellosigkeit, macht die Serie einfach Spaß und weiß zu unterhalten. Dank Nipponart ist auch die Präsentation gelungen. Zusammengenommen also eine klare Empfehlung.

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Bildmaterial SAMURAI 7 ©2004 AKIRA KUROSAWA/SHINOBU HASHIMOTO/HIDEO OGUNI/NEP·GONZO 

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Samurai 7

Produktionsland: Japan (2004)
Episoden: 26
Länge: 25 Minuten je Episode
FSK: ab 16 Jahren

Produktion: Daisuke Ito, Kazuhiko Inomata, Shōji Murahama, Takao Kobayashi
Idee: Akira Kurosawa
Musik: Eitetsu Hayashi, Kaoru Wada
Studio: Gonzo
Publisher: Nipponart
Vertrieb: AV Visionen

Deutsche Sprecher: Kambei Shimada (Detlef Bierstedt), Kikuchiyo (Hans Bayer), Heihachi Hayashida (Heiko Obermöller), Katsushiro Okamoto (Julien Haggége), Kyuzo (Markus Pfeiffer), Shichiroji (Simon Roden), Gorobei Katayama (Volker Wolf), Komachi Mikumari (Katja Liebing), Kirara Mikumari (Marie Bierstedt), Masamune (Matthias Haase), Ukyo (Norman Matt), Rikichi (Stephan Schleberger)