Die Leiche eines in Rumänien verstorbenen Star-Clowns wird in die USA überführt und landet versehentlich in einem Bürogebäude, wo sich dem als Vampir auferstehenden Possenreißer vier dämliche Nachtwächter und eine hartgesottene Journalistin in den Weg stellen … – Gründlich misslungene Mischung aus Splatter-Horror und Komödie. Die Witze zünden nicht, die Darsteller scheinen jederzeit zu improvisieren, die Effekte sind billig, nur der Soundtrack ist – allerdings unfreiwillig – grausig: absolute Zeitverschwendung!

Das geschieht:

Auf einer Zirkus-Tournee durch Rumänien wurden Clown Blimpo und seine rotnasigen Kollegen von einer mysteriösen Seuche dahingerafft. Als Leichen kehren sie in die USA und hier in die Stadt Baltimore zurück. Aufgrund der Leseschwäche zweier debiler Lohnspediteure wird Blimpos Sarg einer Zeitungsredaktion zugestellt, wo man ihn bis zum Weitertransport in eine Kellerecke schiebt.

Dort erregt der Sarg die Aufmerksamkeit des abgewrackten Reporters Randall, der im Inneren Juwelen oder andere Beigaben vermutet, die ihm aus seiner momentanen Finanznot helfen könnten. Stattdessen erwacht Blimpo nach dem Abheben des Sargdeckels zu unheimlichem ‚Leben‘: In Rumänien ist er zum Vampir geworden!

An anderer Stelle des Hauses machen sich die drei Mindestlohn-Nachtwächter Ken, Jiggetts und Luca einen Spaß daraus, Rajeeve, den Neuen im Team, gründlich zu verarschen. Darüber bemerken sie zu spät, dass Blimpo bereits eine Leichenspur durch das Gebäude gezogen hat, wobei seine Opfer ebenfalls als Vampire auferstehen und sich ihm anschließen.

Da auf den Straßen Blimpos ebenfalls untoten Co-Clowns ihr Unwesen treiben, ist Flucht unmöglich. Eigentlich wollen die vier Nachtwächter sich in ihrer Wachstube verbarrikadieren und auf Rettung warten. Doch die Überwachungskameras zeigen eine Maid in Not: Die schöne Karen ist schon lange der heimliche Schwarm der Truppe, weshalb man die kollektive Angst überwindet und die akute Untauglichkeit als Vampirkiller ignoriert – ein fataler Fehler, denn überall lauern die Untoten. Zu allem Überfluss stellt sich heraus, dass Ober-Vampir Blimpo die Blutsauger der ganzen Stadt ins Zeitungsgebäude gerufen hat, wo sie sich der wilden Hatz voller Freude und Durst anschließen …

Spaß, der sich nicht mitteilen will

Grundsätzlich hat man sich durchaus die richtigen Gedanken gemacht sowie vor und hinter der Kamera Mühe gegeben. Außerdem gab es eine Idee, die darauf abzielte, eine pubertäre Gröl-Komödie mit groben Grusel-Einlagen und entsprechenden Effekten im Stil der 1980er Jahre zu kreieren. Solche Retro-Filme vereinen im besten Fall gealterte Original-Zuschauer, die sich in ihre lockeren Jugendjahre zurücksehnen, und das zynische Jungvolk, das sich über die Peinlichkeiten einer darüber hinaus analogen Vergangenheit amüsiert.

Was einst eher zufällig zu jenem Kult-Trash gerann, der nachträglich gefeiert wird, muss heute aus Einzelteilen zusammengeschraubt werden, die irgendwie nicht mehr zueinanderpassen. Kein Wunder, da es solchen Retro-Späßen ebenso ergeht wie Blimpo, dem Clown: Sind sie wiederauferstanden, sehen sie gar nicht mehr so gut wie in der Erinnerung oder wenigstens lustig aus.

Dies gilt erst recht, wenn die Totengräber der Filmhistorie auf das postmoderne Element der selbstreferenziellen Heiterkeit verzichten, d. h. sich nicht dem Publikum quasi-intellektuell anbiedern, indem sie wissentlich veraltete Humor-Klischees aufgreifen, um sie als solche zu entlarven. Stattdessen gehen Regisseur Mitchell Altieri und seine Drehbuchautoren Dan DeLuca (auch Hauptdarsteller) und Jamie Nash ihr Garn entschlossen eindimensional an: Die Gags sprechen für sich und besitzen keinerlei doppelten Sinn-Boden.

Nur vage gewusst wie

Das kann funktionieren, wenn Gags erstens komisch sind und zweitens gut getimt präsentiert werden. In beiden Punkten ist „The Night Watchmen“ ein Totalversager. Während ersteres womöglich Ansichtssache ist – offenbar gibt es ein Zielpublikum, das Dumpf-Klamauk per se ulkig findet oder ihn sich buchstäblich schönsaufen kann -, ist letzteres objektiv völlig zutreffend. Schon nach kurzer Zeit windet sich der Zuschauer wissend, wenn sich die Story wieder einem Gag nähert, der aufwändig vorbereitet wird, um zuverlässig in den Sand gesetzt zu werden.

Aber Humor ist eine ernste Sache, wenn er sich einem Publikum mitteilen soll, das eben nicht unter Hirnschwund leidet oder in seiner Mehrzahl unter Alkoholeinfluss steht. Oft kommt es auf Sekundenbruchteile an, die über Wohl und Wehe eines Witzes entscheiden. Mit Spielfreude ist es möglich, diesbezügliche Mängel wenigstens zu mildern. Auch dafür muss es jedoch eine Grundlage = ein Drehbuch geben.

DeLuca & Nash lassen ihre Kollegen und die Zuschauer im Regen stehen. Die Darsteller legen sich nachdrücklich ins Zeug. Es handelt sich hier keineswegs um Laien, mit deren Feierabend-Unterstützung sich ein filmbegeisterter Kumpel verschwommene Regie-Träume erfüllen wollte, sondern um Profis. Auch wenn sie in ihrer Mehrzahl auf TV-Nebenrollen beschränkt bleiben, wissen sie theoretisch, wie es geht, weshalb es erst recht schmerzt, sie dabei beobachten zu müssen, wie sie ratlos bemüht sind, uns schauspielerisch über eine Flut von Non-Gags hinwegzuhelfen, zwischen die sich rührselige, lähmend langweilige und für das Geschehen unwichtige Lebensbeichten, Mut-Krisen oder Liebeserklärungen schieben.

Chaos allein funktioniert nicht

Mancher Kritiker feiert bereits die Tatsache, dass sich Blimpo & Co. nicht in Zombies, sondern in Vampire verwandeln, als originellen Einfall. Es ist bezeichnend (und traurig), wenn unterhaltsamer Wert auf solch unbeholfene Weise behauptet wird. Clowns haben im Horrorfilm eine lange Tradition; der Kontrast zwischen (aufgeschminkter) Heiterkeit und dem potenziellen Wahnsinn hinter der Maske ist eine Steilvorlage. Wiederum verpufft der Effekt, denn aus der Tatsache, dass diese Vampire Clowns (oder diese Clowns Vampire) sind, wissen weder DeLuca & Nash (inhaltlich) noch Altieri (formal) echtes Kapital zu schlagen – es könnten auch untote Feuerwehrleute ihr Unwesen treiben.

Selbstverständlich schränkt das offenkundige Fehlen eines nennenswerten Budgets ein Filmprojekt ein. Wiederum gilt freilich: Ideen toppen Aufwand! Aufgrund des nun bereits umfangreich begründeten Vakuums sticht die Ärmlichkeit der Großraumbüro- und Kellerkulissen erst recht ins Auge. Zwar richtet sich die Kamera hin und wieder auf eine Außenwelt, in der die Vampire angeblich bereits die Herrschaft übernommen haben. Weil es den finanziellen Rahmen sprengen würde, untot überrannte Straßen zu zeigen, werden stattdessen Hochhäuser in der Ferne gezeigt, aus denen digitale Rauchwolken aufsteigen. Hubschrauber in der Luft? Polizei und Nationalgarde im Einsatz? In Massenpanik flüchtende Überlebende? Fehlanzeige!

Splatter-Drastik soll es richten. Hierzulande lässt sich die Freiwillige Selbstkontrolle leicht instrumentalisieren, wenn es gilt, schwachstromintellektuelle Filmkundschaft zu manipulieren. Man spielt einem lauen Gruselfilm einfach ein, zwei Trailer auf, die erst ab 18 Jahren zur Sichtung freigegeben werden, und kann dem Gesamtwerk jenen feuerroten Sticker aufprägen, der unserer Zielgemeinde hammerharten Blutspritz-Horror suggeriert. Flüssigkeiten (und faulige Fürze) werden in „The Night Watchmen“ wahrhaftig überreichlich abgesondert. Früher galt es als komisch, wenn jemand bekleidet in eine Pfütze stürzte. Dies hat sich geändert, doch auch Blut und Eingeweide verlieren ihren Spaß-Wert, wenn sie für sich allein stehen müssen und in keinen witzigen Kontext eingebettet sind.

Blimpos Rückkehr als schreckliche Drohung

Es ist gleichermaßen erstaunlich wie deprimierend (aber angesichts der Tatsache, dass man das Filmende erreicht hat, gleichzeitig eine Erleichterung), die Schlusstitel ablaufen zu sehen: An diesem Film, der so miserabel geraten ist, haben Menschen in dreistelliger Zahl gearbeitet! Hat denn niemand gemerkt, welcher Murks da verbrochen wurde? Das ist eine rhetorische Frage, denn ganz gewiss war es bekannt. Irgendwie musste aus dem „Night-Watchmen“-Desaster trotzdem ein Gewinn gepresst werden – und diese Zeche soll wie immer der Zuschauer zahlen, der deshalb vom Marketing g mit Lobhudeleien malträtiert wird, die eine Fantasie widerspiegeln, die dem beworbenen Film leider abgeht.

Kaum 80 Minuten läuft „The Night Watchmen“. Wieder staunt der Zuschauer und lernt: Einstein hatte recht – Zeit ist relativ! Hier zieht sie sich endlos, obwohl so viel geschieht. Lektion 2: Auch Action kann langweilen, wenn sie mit ziellosen Tohuwabohu gleichgesetzt wird. Gänzlich unberücksichtigt lässt dieser Kritiker die klafterbreiten Bruchlinien, die auch die Figurenzeichnung auszeichnet: So mutiert Weichei Rajeeve begründungsfrei zum Vampir-Killer, um dann zurück in die Idiotenrolle zu fallen. Logik ist ein Wert, der für Altieri – übrigens zusammen mit Phil Flores früher einer der „Butcher Brothers“, die u. a. für Häcksel-Horror wie „The Hamiltons“ (2006) und die Fortsetzung „The Thompsons“ (2012) verantwortlich sind – sicher nicht im Vordergrund stand und in dieser Film-Nische tatsächlich nebensächlich ist. Nichtsdestotrotz sollten Story und Darstellercharaktere eine grundsätzliche Konsistenz aufweisen: Selbst das Chaos will gelenkt sein, wenn es Unterhaltung bieten soll!

Am Ende eines turbulenten bzw. turbulent vergurkten Finals steht eine Drohung: Blimpo ist – wie könnte es anders sein! – entkommen, und auf Baltimores Straßen treiben sich immer noch Untote herum: Unsere ‚Helden‘ beschließen, mit der „Rettung der Welt“ zu beginnen. Uns Zuschauern bleibt nur die Hoffnung, dass Erfolglosigkeit an den Kassen dieser Fortsetzung einen Riegel vorschiebt.

DVD-Features

Anscheinend haben die für diesen Film Verantwortlichen ihre Spuren sorgfältig verwischt; hintergründige Extras scheinen nicht zu existieren, oder anders ausgedrückt: Glück gehabt! Angemerkt seien abschließend diese erstaunlichen Tatsachen: Kamerafrau Amanda Treyz hat für eine beachtliche Bildqualität gesorgt, und für die deutsche Sprachfassung wurden nicht Blimpos Grunz-Clowns, sondern echte Sprecher angeheuert.

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The Night Watchmen – Let’s Go Kill Some Dead People!
Originaltitel: The Night Watchmen (USA 2016)
Regie: Mitchell Altieri
Drehbuch: Dan DeLuca u. Jamie Nash (nach einer ‚Story‘ von Ken Arnold u. Dan DeLuca)
Kamera: Amanda Treyz
Schnitt: Brett Solem
Musik: Kevin Kerrigan
Darsteller: Ken Arnold (Ken), Dan DeLuca (Luca), Kevin Jiggetts (Jiggetts), Kara Luiz (Karen), Max Gray Wilbur („Rajeeve“), James Remar (Randall), Matt Servitto (Willy), Tiffany Shepis (Stacy), Diona Reasonover (Penny), Rain Pryor (Margaret), Dan Franko (Barney), Gary Peebles (Blimpo) u. a.
Label/Vertrieb: Splendid Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.02.2017
EAN: 4013549085632 (DVD)/4013549082563 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min. (Blu-ray: 80 min.)
FSK: 18

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