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Archiv für die 'Abenteuer' Kategorie

Vinyan

Erstellt von Michael Drewniok am 26. August 2010

Vinyan

Originaltitel: Vinyan (Belgien/Frankreich/GB/Australien 2008)
Regie: Fabrice Du Welz
Drehbuch: Oliver Blackburn, Fabrice Du Welz, David Greig
Kamera: Benoît Debie
Schnitt: Colin Monie
Musik: François-Eudes Chanfrault
Darsteller: Emmanuelle Béart (Jeanne Bellmer), Rufus Sewell (Paul Bellmer), Petch Osathanugrah (Thaksin Gao), Julie Dreyfus (Kim), Amporn Pankratok (Sonchaï), Josse De Pauw (Matthias), Joey Boy (Boomsong), Teerawat Mulwilai (Khun), Saichia Wongwirote (Petch), Borhan du Welz (Joshua) uva.
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628971694 (Kauf-DVD) bzw. 4020628958015 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Die Gutmenschen Jeanne und Paul Bellmer engagieren sich in Thailand für die Errichtung von Waisenhäusern. Der große Tsunami von 2005 hat auch sie getroffen; die Flutwelle erfasste den kleinen Sohn Joshua, der seitdem verschollen ist. Während der trauernde Vater sich sechs Monate später allmählich mit der Tatsache abzufinden beginnt, dass Joshua tot ist, kann Jeanne nicht loslassen. In Träumen und Visionen erscheint ihr der Sohn, und Paul denkt laut über einen Besuch beim Psychiater nach, was der ohnehin bröckelnden Beziehung keineswegs guttut.

Als Jeanne eines Tages auf einem Video, das verlassene Kinder in einem Dorf tief im Dschungel von Burma zeigt, Joshua zu erkennen glaubt, bricht ihre mühsam gewahrte Fassade zusammen. Sie will in die Wildnis reisen, um ihren Sohn zu suchen. Doch Burma ist eine Militärdiktatur und eine offizielle Einreise unmöglich. Jeanne und der widerwillig seiner Gattin folgende Paul wenden sich an den berüchtigten Schmuggler und Sklavenhändler Gao, der regelmäßig die Küstendörfer Burmas aufsucht, um Mädchen und junge Frauen zu kaufen. Viel Geld wechselt den Besitzer, bevor sich die Bellmers in Gaos Begleitung auf den Weg machen.

Der misstrauische Paul hält Gao nicht grundlos für einen Betrüger, der seine Auftraggeber nur ausnehmen will. Als sich dies bestätigt, fordert er die Rückkehr, doch Jeanne übergibt Gao heimlich ihr gesamtes Geld: Er soll sie tiefer nach Burma führen. Heftiger Streit bricht aus, als Paul dies entdeckt. Die kleine Expedition steckt ohnehin in Schwierigkeiten: Gao setzt sich ab, und die Bellmers stoßen auf eine Gruppe verwilderter Kinder, die den Erwachsenen zunehmend feindselig begegnen. Ohne sich abschrecken zu lassen, dringt Jeanne mit Paul im Schlepptau immer tiefer in den Urwald vor. Realität mischt sich mit Rätselhaftem und Wahn, bis sich tief im Herzen der Finsternis Joshuas Schicksal und das seiner Eltern erfüllt …

Genre-Geschichte mit Anspruch

Es beginnt als Drama, entwickelt sich zum Abenteuer und mündet in blankem Horror: „Vinyan“ ist offensichtlich das Projekt eines sehr ehrgeizigen Filmemachers. Mehrere Jahre hat der belgische Regisseur Fabrice Du Welz an seiner Geschichte gearbeitet und gefeilt, sich um die komplizierte Finanzierung – Produzenten sind vorsichtig und ziehen es vor, ihr Geld in simple Geschichten zu investieren, die Profit versprechen – gekümmert sowie mit Emmanuelle Béart und Rufus Sewell zwei Schauspieler ins Boot gelockt, die normalerweise höhere Gagen verlangen können und sich dafür weniger anstrengen müssen.

Diesen Enthusiasmus bereuten sie in den langen Wochen der Dreharbeiten oft bitterlich, wie das ausgezeichnete Making-of (s. u.) belegt. Du Welz ist nicht nur Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch ein Abenteurer, der wie John Huston oder Werner Herzog zwischenmenschliche Konflikte gern in möglichst unwirtlichen Kulissen entfesselt: Die ungebändigte Natur soll nicht nur diese Auseinandersetzung widerspiegeln, sondern sie auch dort verstärken, wo das Regelwerk der Zivilisation keine Gültigkeit besitzt und die Protagonisten in einem Mikrokosmos gefangen sind, der durch ihren Status als Ausländer – sie beherrschen die thailändische Sprache nicht – komplettiert wird. Blicke und Gesten und selbst ein Lachen wirken bedrohlich, wenn man sie nicht entschlüsseln kann.

Für seine Version einer Reise durch seelische Abgründe wählte Du Welz Thailand. Auch dort gibt es längst moderne Großstädte, und selbst in der scheinbaren Wildnis steht der Handy-Empfang. Doch diese Seite Thailands interessierte Du Welz nicht. Selbst die Szenen, die in Bangkok spielen, stellen die Schattenseiten der Metropole in den Mittelpunkt: dreckige Hinterhöfe, schummerige Bordelle, triefende Gassen.

Die Macht der Natur

Hitze und Feuchtigkeit sorgen dafür, dass Thailand sich zu einer Brutstätte für das Seltsame und Gefährliche entwickelt. Den Dschungel, der im Making-of so grün und sonnig wirkt, wie er realiter meist ist, verwandelt Du Welz in eine graue, schlammige, modrige, monsunregengepeitschte und letztlich paradox lebensfeindliche Umgebung, die er faktisch nicht ist, weshalb das Filmteam kräftig mit Kamerafiltern und künstlichen Nebelschwaden nachhelfen musste.

Was Du Welz dabei im Hinterkopf wälzte, spricht er im Making-of aus: „Vinyan“ spielt in der Welt des Filmklassikers „Apokalypse Now“ (1979). Dieser entstand vor allem nach dem Literatur-Klassiker „Heart of Darkness“ (1899; dt. „Herz der Finsternis“), in dem Joseph Conrad (1857-1924) den ‚zivilisierten‘ Menschen in die Wildnis (ent-) führte und in der Begegnung mit dem nackten, ursprünglichen Grauen Stück für Stück seiner Menschlichkeit entkleidete. Du Welz kombinierte diese allegorische Geschichte mit einem weiteren, thematisch ähnlichen Klassiker: In „Lord of the Flies“, (1954, dt. „Herr der Fliegen“) schilderte William Golding (1911-1993) die Entwicklung – oder Degeneration – einer in der Wildnis isolierten Kindergruppe zu einer eigenen Gesellschaft mit barbarisch anmutendem Verhaltenskodex.

Da „Vinyan“ im südostasiatischen Raum spielt, fühlt sich Du Welz verpflichtet und berechtigt, die naturmythisch geprägten Religionsströmungen dieser Region in seine Geschichte einfließen zu lassen. Der „Vinyan“, der dem Film seinen Titel gibt, ist demnach der Geist eines Menschen, der gewaltsam ums Leben kam und daraufhin bösartig wurde. Wer diese Deutung kennt – und Du Welz lässt sie ausgerechnet den moralfreien Gao erzählen –, weiß im Grunde, wie die Geschichte ausgehen wird.

Im Rausch der Bilder

Eine stringente oder logische Handlung ist nicht Du Welzes Anliegen. Nur die Einleitung ist ‚realistisch‘, bevor das menschliche Unterbewusstsein die Herrschaft übernimmt. Nunmehr gilt es für den Zuschauer zu deuten, denn was er sieht, entspricht nicht unbedingt der Wirklichkeit. Andeutungen werden gemacht, Symbole ausgestreut. Die Handlung wird zusehends kontextreicher. Bilder und Töne fließen zu einem interpretationswüstem Gemenge zusammen.

Freilich bleibt diese Vielschichtigkeit vor allem Behauptung. Wieder einmal fordert der Künstler – Du Welz – vom Zuschauer, sich bedingungslos auf das Geschehen einzulassen und sich vom Bildersturm davontragen zu lassen. Das gelingt ihm mit den Apologeten des ‚guten‘ Films sowie denen, die „Vinyan“ im Halbschlaf (oder Vollsuff) über sich ergehen lassen. Tatsächlich ist der Plot sehr simpel, und wer ihn im Hinterkopf behält, während Du Welz mächtig an der Seelen-Schraube dreht, wird wie gesagt schwerlich von dem überrascht sein, was sich im Dschungel von Burma abspielt.

Der ketzerische Realist kann sogar geltend machen, dass „Vinyan“ ein reichlich verblasenes Garn spinnt. Muss der Zusammenbruch einer Beziehung unbedingt in archaischer Urwelt zelebriert werden? Sind die Bilder und psychedelischen Klänge, die Du Welz dafür findet, so irritierend und suggestiv, wie er sich dies vorstellt? Hat man nicht schon viel zu oft Großstadtmenschen im Bann des Irrationalen durch Schlamm und Dauerregen taumeln sehen? Gleichen eine schon in der DVD-Version erstaunliche Bildqualität sowie eine suggestive Ton- und Musikuntermalung dies aus?

Film als Herausforderung und Abenteuer

Diese und ähnliche Fragen lassen sich durchaus bejahen. Mit fortschreitender Handlung ertappt sich sogar der kunstbeflissene Zuschauer dabei, dass er eher die Leidensfähigkeit der Schauspieler bewundert als dem Geschehen folgt. Sie kämpfen sich durch dampfend heißen Dreck und schwitzen sich die Seelen aus den Leibern. Was sie dabei erleben, ist in der Regel wenig spektakulär. In der Tat sagt es viel aus, dass die wenigen Momente echter Spannung einschlägigen Genre-Effekten geschuldet sind, die Du Welz keineswegs verschmäht. Also wird hin und wieder knochenknackend geprügelt und gesteinigt, und im Finale fliegen Eingeweide durch die Luft. (Da „Vinyan“ ein „Arthouse“-Film ist, wurde er hierzulande dennoch ab 16 Jahren freigegeben.)

Für Emmanuelle Béart und Rufus Sewell wurde die Arbeit am Set zur persönlichen Reise in die Finsternis. Unter der enormen Belastung, die das für den Mitteleuropäer mörderisches Tropenklima, die Abgeschiedenheit der Drehorte, das knappe Budget und die daraus resultierende Zeitnot darstellten, leisteten die beiden Hauptdarsteller schier Übermenschliches: Sie sind jederzeit nicht nur körperlich präsent, rennen, klettern, schwimmen, sondern bieten gleichzeitig Schauspielkunst in hoher Vollendung. Das aufeinander eingespielte Ehepaar in der Krise stellen sie nicht dar, sie verkörpern es in jeder Filmsekunde. Béart überzeugt sogar in der sonst schnell lächerlich wirkenden Rolle des ungebremst rasenden Muttertiers.

Unterstützt werden sie von im europäischen Kulturraum unbekannten Künstlern wie Petch Osathanugrah oder Joey Boy. In Asien sind sie die Prominenten, und sie halten mit Béart und Sewell jederzeit mit. Vor allem Osathanugrah ist als Gao in der einen Sekunde nachdenklich und offenherzig, um in der nächsten als brutaler Krimineller und bedrohlicher Fremder für Schrecken zu sorgen.

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf zwei Trailer zum Hauptfilm und ein vorbildliches, mit 50 Minuten Dauer informationsreiches „Making of“. Statt die vor und hinter der Kamera Beteiligten in einen Stuhl zu setzen und sie im ‚Interview‘ plump verkappte Zusatzwerbung für den Film betreiben zu lassen, gibt es echte und aktuelle Blicke hinter die Kulissen. Fast 40 Tage dauerten die Dreharbeiten. Sie wurden mit eigener Kamera dokumentarisch verfolgt. Das „Making of“ markiert die Höhepunkte dieser Zeit, wobei damit keineswegs nur die angenehmen und positiven Seiten der Produktion vorgestellt werden. „Vinyan“ ist das Ergebnis höchsten physischen und psychischen Einsatzes. Crew und Schauspieler mussten eine Einheit bilden, um dem gewachsen zu sein. Als unbeteiligter Zuschauer kann man nur staunen, wie weit sie dabei zu gehen bereit waren. So sieht man eine zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 45-jährige Emmanuelle Béart, die in brütender Hitze mit beidseitiger Ohrenentzündung einen steilen, glitschigen Dschungelhang über Stock und Stein hinunter rennt – immer und immer wieder, solange es der Regisseur wünscht und bis sie nur noch taumeln kann.

Denn Fabrice Du Welz ist ebenso Visionär wie Filmbesessener. Er schont seine Crew und die Schauspieler ebenso wenig wie sich selbst. Vor seinem geistigen Auge läuft der Film, wie er ihn drehen will. In der Umsetzung macht er keine Kompromisse. Noch im ungezieferverseuchtesten Urwaldloch sucht er hellwach und ungeduldig nach den schönsten Motiven und besten Aufnahmewinkeln. Wolkenbrüche und apokalyptische Gewitter registriert er entweder als dramatische Bereicherung, in die er seine Mitstreiter hinausjagt – die dabei Risiken eingehen, die der Versicherung im fernen Europa nachträglich Entsetzensschreie entlocken dürften – oder als Hindernisse, die den Drehplan durcheinanderbringen. Dazu zählt er auch die müde Bockigkeit seines Sohnes Borhan, der aufzumucken wagt, als er schon spät in der Nacht in der Rolle des Joshua immer wieder durch eine Gasse von Bangkok gehen soll, weil er nach Ansicht des Regisseurs nicht wie ein Phantom, sondern „wie eine Ente“ laufe.

Deutlich wird aber auch Du Welzes Fähigkeit, sein Team mitzureißen. Sein unermüdliches Pochen auf Drehbuch und Storyboard halten sie bei der Stange, wenn sie eigentlich erschöpft nur irgendwie ihren Job hinter sich bringen wollen. Du Welz fordert trotz Minimal-Budget das Optimale – und er bekommt es. Dass das Ergebnis nicht zwangsläufig mitreißt und sich die „Vinyan“-Stimmung nicht auf jeden Zuschauer überträgt, liegt nicht am mangelhaften Einsatz, sondern daran, dass Du Welz einen Film-Weg einschlägt, der so selten doch nicht und manchmal eben origineller beschritten wurde.

[md]

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High Lane – Schau nicht nach unten!

Erstellt von Michael Drewniok am 24. Juni 2010

High Lane – Schau nicht nach unten!

Originaltitel: Vertige (Frankreich 2009)
Regie: Abel Ferry
Drehbuch: Johanne Bernard u. Louis-Paul Desanges
Kamera: Nicolas Massart
Schnitt: Soline Guyonneau
Musik: Jean-Pierre Taieb
Darsteller: Fanny Valette (Chloé), Johan Libéreau (Loïc), Raphaël Lenglet (Guillaume), Nicolas Giraud (Fred), Maud Wyler (Karine), Justin Blanckaert (Anton)
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 25.06.2010 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628956349 (Kauf-DVD) bzw. 4020628950965 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS-HD Master Audio 5.1 (Deutsch, Französisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
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Das geschieht:

Eigentlich sollte es eine abenteuerliche Gebirgswanderung für alte Schulfreunde werden, die drei junge Männer und zwei Frauen aus Frankreich ins sommerliche Kroatien führt. Doch der höhenängstliche Loïc ist nur wegen seiner neuen Freundin Chloé dabei, und Anführer Fred hat ‚vergessen‘, dass Chloé Guillaumes große Liebe war und ist, die er im Verlauf dieses Ausflugs für sich zurückgewinnen möchte.

Der anvisierte Bergpfad wurde geschlossen, was der leichtsinnige Fred wissentlich ignoriert. Die Strafe folgt rasch, als marode Fels-Sicherungen versagen und Karine nur um Haaresbreite den Einsturz einer Hängebrücke überlebt. Nun sind die fünf Wanderer im Gebirge gestrandet; den einzigen Rückweg ins sichere Tal bietet eine noch weit entfernte Seilrutsche.

Das Wetter verschlechtert sich, Nebel zieht auf, die Nacht bricht herein. Streit beginnt die Gruppe zu schwächen; vor allem dem ohnehin eifersüchtigen Loïc gehen die Nerven durch, nachdem er und Guillaume beinahe abgestürzt sind. Als Fred nach einem sicheren Pfad sucht, gerät er in eine Bärenfalle, deren Zähne sich tief in sein Bein graben. Die entsetzte Karine holt die Gefährten zur Hilfe, doch als sie die Unglücksstelle erreichen, ist Fred verschwunden.

Die Ausflügler sind in das Revier von Anton geraten. Als Kind von perversen Kroaten entführt, konnte er seine Peiniger später umbringen. Allerdings ist Anton verrückt geworden. Wer seinem Unterschlupf zu nahe kommt, sieht sich gemeinen Fallen und letztlich Anton persönlich ausgeliefert. Auch unsere Pechvögel enden in seiner mit Messern, Ketten und grausigen ‚Trophäen‘ gespickten Hütte. Nur wenn sie die Zivilisation abstreifen und sich auf Antons Niveau hinablassen, haben die Überlebenden eine – kleine – Überlebenschance. Als sie dies begreifen, beginnt ein erbarmungsloser Kampf unter modernen Höhlenmenschen …

„Wrong Turn“ à la française

Man lernt ja gern dazu: Hillbillys gibt es also nicht nur im Appalachen-Gebirge des US-Staates Alabama, sondern auch in Europa. Degenerierte, von der Jagd auf Waldtiere (und Menschen) lebende oder besser: vegetierende Hinterwäldler sind hier im ehemaligen Ostblock Südosteuropas zu orten. Schon 2006 sprach Regisseur Christopher Smith mit „Severance“ diese Barbarei an, die in einer von jahrzehntelanger kommunistischer Willkür und Bürgerkrieg geprägten und von der zivilisierten Welt abgeschnittenen Region blühen konnte aber totgeschwiegen wurde, sodass heute Touristen aus dem Westen ahnungslos in solche Pesthöllen der Inzucht, der Gewalt und des Kannibalismus‘ geraten können …

So jedenfalls lässt sich jenes Weltbild deuten, das nun auch Abel Ferry in seinem ersten Langfilm durch neue Details ergänzt. Der politisch korrekte Zeitgenosse wird den Missbrauch Kroatiens als Schauplatz eines europäischen „Backwood“-Horrorfilms verdammen, aber solches Engagement wäre zu viel des Guten: „High Lane“ wird der kroatischen Tourismus-Branche definitiv keine finanziellen Einbußen bescheren.

Dies verhindert schon der unfreiwillige Humor, der sich in einem bierernst gemeinten Drehbuch eingenistet hat. Ferry trägt selbst die Schuld daran, dass der Kritiker dessen ‚Sinn‘ hinterfragt; er weist immer wieder auf einen Kontext hin, der dem Geschehen Bedeutung verleihe. Den versucht man deshalb zu erkennen, was jedoch misslingt, denn „High Lane“ ist nichts als gut gefilmte Unterhaltung mit einem unterdurchschnittlichen Plot.

Von der großen Vision zur schnöden Realität

Dass „High Lane“ beim Zuschauer nicht sofort wieder in Vergessenheit gerät, verdankt dieser Film dem einzigen guten Einfall seines Regisseurs: Nicht nur Geldmangel, sondern auch der Wunsch nach authentischen Bildern veranlasste Ferry, seine Darsteller tatsächlich in lotrecht aufragende Felswände zu treiben. Die vor allem in der ersten Filmhälfte dominierenden Bilder winziger Menschen, die an fadendünnen Seilen über gähnenden Abgründen baumeln, sind nicht das Produkt perfekter Tricktechnik, sondern echt: Spezialeffekte kamen primär dort zum Einsatz, wo nachträglich lästige Häuser und andere Bauwerke zu tilgen waren, die den Eindruck öder Verlassenheit störten.

Als „Cliffhanger“-Remake kann „High Lane“ fesseln, denn die von einer Kamera, die den Schauspielern hautnah in die Felsen folgte, eingefangenen Bilder lassen sogar in der Sicherheit vor dem Bildschirm Höhenangst und Handschweiß ausbrechen. Da „High Lane“ mit dem Bildformat 2,35 : 1 prunkt, entfallen seitliche Grenzen, die eine sorgfältig vorbereitete Kulisse andeuten könnten: Die Kamera beweist stolz, dass vor Ort gedreht wurde.

Labile Gruppendynamik und gefährliche Umgebung: Mit diesen beiden Aspekten hätte sich Ferry begnügen sollen. Aber er wollte auf Nummer Sicher gehen. In der zweiten Filmhälfte nimmt „High Lane“ einen „Wrong Turn“ in Richtung Grob-Horror. Alte und ausgelaugte Klischees wie Dunkelheit mit Dunkelheit, Flucht im strömenden Regen, die vor Fäulnis und Verkommenheit starrende Mord-Hütte oder der grinsend das Messer wetzende Strolch kommen keinen Augenblick gegen den Schwindel an, den schroffe Berge und tiefe Schluchten erzeugen.

Alles in Hand- aber wenig Kopfarbeit

Wieder stellt sich Ferry selbst ein Bein. Er ist so betriebsblind geworden, dass er nicht den tumben Schlagetot Anton, sondern eine tragische Gestalt sieht, die aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse vertierte. Mit ein bisschen Verständnis oder Liebe, so deutet es der Regisseur zumindest im „Making Of“ an, bekäme Anton seine Probleme wieder in den Griff.

Nachdem er die Köpfe früherer Opfer in Antons Hüttenkeller baumeln sah, fällt es dem Zuschauer schwer, Ferry in diesem Punkt zu folgen. Dieser fabuliert weiter, ernennt Anton und die ihm im Finale entgegentretende Chloé zu „Spiegelbildern“, die sich im Kampf auf Leben & Tod in einem seelischen Niemandsland treffen, um anschließend wieder auseinanderzudriften.

Die erwähnte Gruppendynamik entspricht erneut sattsam bekannten Klischees und wird den Darstellern flüchtig aufgeprägt. Höhenangst ist das einzige Gefühl, das jederzeit glaubhaft vermittelt wird; wen wundert’s, wenn beispielsweise buchstäblich unter Maud Wylers Füßen eine ohnehin wenig vertrauenswürdige Brücke zum Einsturz gebracht wird, sodass die Schauspielerin nur noch an ihrer Sicherheitsleine über einer Schlucht baumelt?

Auch das Drehbuch fördert gerade in kritischen Momenten ein fragwürdiges Verhalten der Figuren. Wo steckt der Sinn in Freds Entscheidung, einen von der Bergwacht gesperrten Gebirgspfad zu durchsteigen? Warum wirft Loïc, der sich Anton unbemerkt nähern konnte, diesem nur einen Stein an den Kopf und läuft davon, statt ihm kräftig eines mit dem Knüppel überzuziehen? Wie blöd muss Chloé sein, den im Finalkampf verletzten aber definitiv nicht toten Anton einfach liegenzulassen? Glaubt sie wirklich, er werde sie nunmehr in Frieden lassen? Solche Unlogik zieht sich durch das gesamte Geschehen und sorgt für zusätzliches zuschauerliches Stirnrunzeln.

Nüchtern betrachtet endet „High Lane“ wie jeder Film-Horror dieser Qualitätsstufe: Die Überlebende rauft mit dem Monster, das ‚tot‘ liegenbleibt und in einer Finalcoda wieder hinter einem Busch hervorspringt. Wundern wir uns also nicht, wenn Anton irgendwann erneut sein Unwesen treibt – in den kroatischen Bergen und in der Videothek!

DVD-Features

Während „High Lane“ als Film nur durchschnittliche Unterhaltung bietet, verdienen die Features uneingeschränktes Lob. Sie sind nicht nur zahlreich, sondern auch informationsreich. So stellt das „Making Of“ keine plumpe Fortsetzung der Film-Werbung dar, sondern bietet tatsächlich echte Einblicke in den Alltag einer schwierigen Filmproduktion. Nur 35 Drehtage und wenig Geld standen dem ehrgeizigen Abel Ferry zur Verfügung, was angesichts des Konzeptes, das ausgedehnte Dreharbeiten in schwindelnden Höhen vorsah, mehr als gewagt war.

In der Tat entwickelte sich die Arbeit zu einem Abenteuer. Vor allem das Wetter wurde zum Problem: „High Lane“ spielt im Sommer, entstand aber im Oktober, was die dünn bekleideten Darsteller auf harte Proben stellte; die Kamera hält fest, als die zitternden, mit eiskaltem ‚Regenwasser‘ getränkten Schauspieler während eines schier unendlichen Nachtdrehs die Nerven verlieren und sich im Garderobenbus verbarrikadieren.

Durch Stress und Kälte ließ man sich vor und hinter der Kamera nicht dauerhaft aus der Ruhe bringen. Es entwickelte sich eine Mischung aus Teamgeist und Söldnermentalität. Die gesammelten Outtakes zeigen Darsteller, die auf tückischem Untergrund ins Stolpern geraten und in ernsten Szenen immer wieder von Lachanfällen geschüttelt werden. Dieses Dampfablassen kann man ihnen nachfühlen, wenn man sieht, wie der Regisseur seine Schauspieler im nächsten Moment über einen 200 Meter tiefen Abgrund hängt …

Abel Ferry macht nie einen Hehl aus den Sorgen eines mächtig unter Druck stehenden Jung-Regisseurs. Ob im „Making Of“ oder im Audiokommentar – er spricht über unerwartete Zwischenfälle, persönliche Krisen, meuternde Darsteller oder die Frustration, wenn Drehplan und Budget einen guten Einfall verhindern.

Zusätzliche Featurettes („Ein Killer werden“, „Die Wolfsfalle“, „Der Pfahl“) enthüllen diverse Spezialeffekte oder zeigen, wie privat eher friedfertige Darsteller so trainiert werden, dass sie vor der Kamera zu gnadenlosen Kampfmaschinen mutieren („Der Kampf ums Überleben“).

Titel bei Libri.de (DVD)
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The Fire Dragon Chronicles

Erstellt von Günther Lietz am 11. Mai 2010

The Fire Dragon Chronicles

Regisseur: Steve Shimek
Darsteller: Brad Johnson, Newell Alexander, Kelly Stables, Maclain Nelson, Erik Denton

Format: DTS, PAL, Widescreen, Surround Sound, Untertitelt
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: KSM GmbH
Produktion: USA 2008
Spieldauer: 94 Minuten

Bonusmaterial: Behind the Scenes (in engl. Sprache mit dt. UT), Interview mit dem Animationsdesigner (in engl. Sprache mit dt. UT), Interview mit den Schauspielern (in engl. Sprache mit dt. UT), Trailer, Biografien, Bildergalerie

http://www.dragonhunterthemovie.com

Die Brüder Darius (Erik Denton) und Kendrick (Maclain Nelson) schlagen sich seit dem Tod ihrer Eltern alleine durchs Leben. Darius ist ein starker und gewandter Krieger, der sich dem Kampf gegen Drachen verschworen hat. Das denkt jedenfalls Kendrick. Nach dem Angriff eines Drachen ändert Darius jedoch seine Pläne und zieht – allen Warnungen zum Trotz – nach Westen. Unterwegs treffen sie auf eine kleine Gruppe, die sich den beiden Brüdern anschließt. Am Ziel angelangt erfährt Kendrick von seiner Bestimmung …

Die Geschichte ist schnell erzählt und bietet keine großen Überraschungen. Der Film ist entsprechend vorhersehbar, wartet aber trotzdem mit einigen unerwarteten Wendungen auf. Die liegen vor allem in den motivationslosen Plotänderungen begründet. Die Handlung dreht sich halt wie ein Fähnchen im Wind. Glücklicherweise folgt Regisseur Steve Shimek trotzdem einem roten Faden. Der führt am Ende des Films zu einem waschechten Drachenjäger.

Vorhersehbarkeit muss nun kein echter Mangel sein, führt in „The Fire Dragon Chronicles“ allerdings zu einem großen Maß an Langeweile. Dieser kann durch eine stimmige Inszenierung entgegengewirkt werden, aber auch da patzt der Film – vor allem im Bereich der Spezialeffekte. Diese sind einfach billig und lassen keine echte Fantasystimmung aufkommen. Shimek hat offenbar keine Ahnung von seiner Arbeit und verheizt gnadenlos die wenigen guten Darsteller die ihm zur Verfügung stehen.

Neben den Spezialeffekten, die problemlos als Computeranimation zu erkennen sind – und heutzutage von manch Hobbyisten besser umgesetzt werden – wirken auch die Kampfszenen plump. Sie sind zudem äußerst langsam und haben keine Dynamik. Auch die Maske patzt streckenweise, vor allem im Bereich der Brandverletzungen. In einem Film, der als Thema den Kampf gegen feuerspeiende Drachen hat, sorgen diese Mängel für unfreiwillige Komik.

Im Grunde stapft eine Gruppe Schauspieler durch den Wald, führt hölzerne Dialoge und müht sich mit einer minderwertigen Tricktechnik ab. Glücklicherweise gibt es dennoch einige lichte Augenblicke in dem drögen Fantasystreifen. So verfügen einige Darsteller tatsächlich über Talent und wissen zu unterhalten. Weniger in den wackligen Kampfszenen, aber mehr im zwischenmenschlichen Bereich.

So gibt es einmal die Verbindung zwischen den Brüdern Darius und Kendrick. Darius spielt den Ersatzvater und fällt Entscheidungen, die Kendrick kaum nachvollziehen kann. Dieser wächst langsam zu einem echten Kämpfer heran und verdient sich den Respekt seines Bruders. Erik Dentons (Darius) und Maclain Nelsons (Kendrick) Spiel ist zeitweise sehr überzeugend und lässt die Möglichkeiten aufblitzen, die Shimek nur hätte wahrnehmen müssen.

Heimlicher Star des Films ist jedoch Kelly Stables, die als Elfe Raya mitspielt. Dabei tritt sie sehr überzeugend auf. Selbst ihre Kampfszenen wirken unterhaltsam, ebenso die wenigen Spezialeffekte, die mit der Rolle in Verbindung stehen. Im Zusammenspiel mit Erik Denton gelingt es Stables sogar Emotionen zu transportieren und verhindert, dass der Film gänzlich aus dem Ruder läuft. Trotzdem sollten nur die größten Fantasy-Fans die Scheibe einlegen.

Auch die Qualität der Blu-ray lässt zu wünschen übrig. Das Bild ist oft grobkörnig und die Tricks sind noch offensichtlicher. Die Klangeffekte hämmern zwar gut aus den Boxen, aber die Stimmen sind etwas zu leise und müssen manuell angepasst werden, ansonsten gehen sie im Sound unter. Die Synchronisation ist dagegen akzeptabel.

Besonders ärgerlich ist jedoch der Umstand, dass es während dem Film unmöglich ist bequem ins Menü zurückzukommen. Das Bonusmaterial ist eher dürftig zu nennen, hat nur die übliches Hintergrundberichte und Featurettes, die zusammengenommen ein kleines Making of ergeben würden. Witzig sind hier übrigens die Kommentare des Computerspezialisten, der sich für die Animation des Drachen verantwortlich zeigt. Der Mann ist tatsächlich von der angeblich hohen Qualität seiner Arbeit überzeugt und wird als Animationsdesigner bezeichnet. Wenigstens gibt es ein Wendecover.

„The Fire Dragon Chronicles“ ist ein billig zusammengekloppter Fantasyfilm, der leider nur die hartgesottenen Fans anspricht. Es gibt einige gute Augenblicke, aber die sind sehr selten.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Blu-ray bei Libri.de
DVD bei Libri.de

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Preisrätsel / Gewinnspiel 3 x 1 (KOSTENLOSES!) Poster: „Robin Hood“

Erstellt von Günther Lietz am 2. Mai 2010

ROBIN HOOD startet am 13. Mai in den deutschen Kinos – realistischer, leidenschaftlicher und actionreicher als je zuvor!

Wann genau der echte Robin Hood – so es ihn tatsächlich gegeben hat – lebte, ist historisch zwar nicht eindeutig geklärt. Relativ wahrscheinlich ist aber zumindest, dass der „Rächer der Enterbten“ im Mittelalter, also irgendwann zwischen den Jahren 500 und 1500 wirkte.

Regie: Ridley Scott
Darsteller: Russell Crowe, Cate Blanchett, William Hurt, Matthew Macfadyen, Mark Strong, Oscar Isaac, Léa Seydoux, Scott Grimes, Kevin Durand, Alan Doyle, Danny Huston, Max von Sydow
Produktion: Brian Grazer

“Es gibt einige Punkte die bereits im Vorfeld dafür sprechen, dass ROBIN HOOD ein Knaller wird – und diese Punkte haben Namen: Russell Crowe und Ridley Scott.”
Filmbesprechungen.de

Preisrätsel / Gewinnspiel 3 x 1 (KOSTENLOSES!) Poster: Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Wer spielt Robin Hood? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald dreißig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!
Gewonnen haben: Bärbel Trippler, Andreas Göddertz und Steven Thalau. Herzlichen Glückwunsch!

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Rogue – Im falschen Revier

Erstellt von Michael Drewniok am 14. April 2010

Rogue – Im falschen Revier

Originaltitel: Rogue (Australien 2007)
Regie u. Drehbuch: Greg McLean
Kamera: Will Gibson
Schnitt: Jason Ballantine
Musik: François Tétaz
Darsteller: Radha Mitchell (Kate Ryan), Michael Vartan (Pete McKell), Sam Worthington (Neil), Caroline Brazier (Mary Ellen), Stephen Curry (Simon), Celia Ireland (Gwen), John Jarratt (Russell), Heather Mitchell (Elizabeth), Geoff Morrell (Allen), Damien Richardson (Collin), Robert Taylor (Everett Kennedy), Mia Wasikowska (Sherry), Barry Otto (Merv)
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 10.10.2008
EAN: 4006680040837
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: DTS ES 6.1 (Englisch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min.
FSK: 16

Titel bei Booklooker.de
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Das geschieht:

Journalist Pete reist im Auftrag einer Reise-Zeitschrift ins nordaustralische Outback. Abenteuerlustige Touristen können dort Bootsausflüge in die urtümliche und traumhaft schöne Flusslandschaft unternehmen. Zum Höhepunkt dieser Fahrten gehört die Begegnung mit den hier heimischen Leisten- oder Salzwasserkrokodilen, dessen größte Vertreter acht Meter lang und zweieinhalb Tonnen schwer werden können.

Pete steigt ins Boot der jungen Kate, die ihr ganzes Leben im Outback verbracht hat. Die Tour wird unterbrochen, als ein Signal am Himmel gesichtet wird: Weiter flussaufwärts ist offenbar jemand in Not geraten. Tatsächlich findet man ein gekentertes Boot aber keine Insassen. Kurz darauf wird das eigene Boot von einem gewaltigen Krokodil attackiert und zum Sinken gebracht. Die Ausflügler retten sich auf eine kleine Insel.

Sie sind ausgerechnet dort gestrandet, wo dieses Krokodil sein Revier beansprucht. Es ist äußerst erbost über die Eindringlinge, die freilich gut schmecken. In den nächsten Stunden belauert das Untier die entsetzte Gruppe. Der Versuch, das hoffentlich rettende Ufer zu erreichen, fordert erste Opfer. Die Sonne geht unter, mit Rettung ist in den nächsten Stunden nicht zu rechnen. Außerdem steigt der Wasserpegel, was die Insel allmählich versinken lässt. Die Überlebenden müssen flüchten, sonst pflückt sie die Riesenechse nacheinander von ihrem Eiland …

Salzwasserkrokodile liegen in der Luft

Ideen scheinen sich in der Filmwelt durch Gedanken zu übertragen. Es ist schon vorgekommen, dass zwei Studios missmutig feststellten, je eigene Filme über die Abenteuer des Robin Hood oder das Leben Alexander des Großen in Arbeit zu haben. Manche Themen sind halt Dauerbrenner, die immer wieder gern aufgegriffen werden.

Doch wer hätte damit gerechnet, dass 2007 gleich zwei Filmboote im nordaustralischen Outback von übellaunigen „Salties“ (wie man die gewaltigen Salzwasserkrokodile liebevoll nennt) umgestülpt und leergefressen werden? Die Plots von „Black Water“ und „Rogue“ ähneln sich sehr. Dennoch liegt kein Plagiat vor. Beide Filme sind keine Schnellschüsse, sondern wurden sorgfältig geplant und umgesetzt. Ihre Vorgeschichten reichen Jahre zurück. Der Zufall ließ sie beide recht gleichzeitig das Licht der Projektionslampe erblicken. Dem Zuschauer ermöglicht diese Parallelität die Möglichkeit des Vergleichs. Anschauen sollte man sich sowohl „Black Water“ als auch „Rogue“. Sie gehen beide ihre Geschichte unterschiedlich an und sind jeweils auf ihre Art sehr gelungen.

Simpel ist klassisch ist gut

Die klassische Geschichte vom Monster, das eine isolierte und somit hilflose bzw. auf sich selbst gestellte Menschengruppe heimsucht, wird am besten simpel erzählt und nicht durch Nebenhandlungen – vor allem Lovestorys – oder ausführliche Biografien der Figuren unnötig kompliziert (oder in unserem Fall „verwässert“). Greg McLean, der sein Publikum vor „Rogue“ mit dem Serienkiller-Reißer „Wolf Creek“ (2005) wahrlich einen Höllentrip bescherte, schaltet dieses Mal einen Gang herunter, ohne dadurch sein neues Werk an Spannung einbüßen zu lassen.

Am Konzept des Kampfes Monster gegen Mensch hat McLean klug nichts geändert. Sein Kreativität fließt in die Variation eigentlich längst bekannter Situationen ein. „Rogue“ ist für einen Horrorfilm sehr sorgfältig produziert. Obwohl im Vergleich zu einem Hollywood-Blockbuster ein Schnäppchen, ist dieser Film kein billiger, für den Direct-to-DVD-Markt heruntergekurbelter Streifen. Für „Rogue“ reisten die Schauspieler und eine vielköpfige Crew in Gebiete des Outbacks, in denen bisher selten oder noch niemals gedreht worden war. In dieser abgelegenen Region arbeiteten sie bei Temperaturen von mehr als 50° C und einer Luftfeuchtigkeit von fast 100% unter Schlangen, Riesenspinnen, blutgierigen Fliegen – und echten Krokodilen.

McLean hat deshalb voll und ganz recht, wenn er die Landschaft als einen der Hauptdarsteller bezeichnet. Sie ist urwüchsig, faszinierend und flößt Respekt ein – und sie verdeutlicht, wieso sich Menschen hier wahrlich im falschen Revier befinden: Hier herrschen andere Regeln. Aufgestellt werden sie vom Krokodil.

Nach einer wahren Begebenheit

Dem informationsreichen „Making Of“ (s. auch unten) ist zu entnehmen, dass die Story von „Rogue“ durch ein reales Geschehen inspiriert wurde. Zwischen 1974 und 1979 siedelte sich ein Krokodil namens „Sweetheart“ in einem von Menschen zahlreich frequentierten Flusslauf an und ließ sich dort nicht mehr vertreiben. Außerordentlich revierzentriert attackierte Sweetheart Boote und Fischer. Nachdem er ein Fischerboot versenkt und seine Insassen in Todesangst versetzt hatte, wurde er gefangen und starb dabei. Sein präparierter Riesenkörper wird im Museum ausgestellt.

Diese Episode wurde für Greg McLean zum gedanklichen Auslöser. Er blies das Krokodil nicht zum Dinosaurier auf, sondern hielt sich erstaunlich eng an die Tatsachen. So ist ‚sein‘ Krokodil mit seinen sieben Metern Länge sehr realistisch geraten. Man fürchtet sich trotzdem auch als Zuschauer tüchtig vor ihm, denn wie die Landschaft gehört das Untier zu den Darstellern.

Ein „dummes Tier“ nennt es einer der Gestrandeten. Er liegt damit völlig richtig: Dieses Krokodil wird von keinem Horrorfilm-Dämonen besessen. Es ist, was es ist: ein Reptil. McLeans Verdienst ist die klare Darstellung des Krokodils als König eines Reiches, in das der Mensch nicht gehört und in dem er auf verlorenem Posten steht.

Ein Boot voller Narren?

Nicht einmal die Grenze zwischen Wasser und Land ist scharf definiert in dieser seltsamen Welt. Touristenboote durchkreuzen sie. Gesteuert werden sie von kernigen Naturburschen oder –maiden wie Kate, die ihre Heimat liebt, ohne sie freilich wirklich zu kennen. Diese bittere Lektion muss sie erst lernen.

McLean liebt es mit Klischees zu spielen und sie umzukehren. Die sorgfältig gecastete und vorzügliche Schauspielerschar unterstützt ihn dabei. Radha Mitchell überzeugt, wenn sie zunächst die überlegene Fremdenführerin gibt, deren Selbstsicherheit vom Krokodil Stück für Stück zerschlagen wird, bis sie ratlos und genauso verzweifelt wie die übrigen Ausflügler ist.

Michael Vartan ist glaubhaft als in die Wildnis verschlagener Städter Pete. Im Polyesteranzug gibt er eine lächerliche Figur ab. Ausgerechnet er erweist sich als ‚Macher‘ mit Mut und Anführer-Qualitäten. Sogar der raubeinige Neil – ebenfalls differenziert gespielt von Sam Worthington – kann ihm nicht das Wasser reichen.

In der ersten Hälfte des Films nimmt sich McLean die Zeit, uns die Passagiere von Kates Boot vorzustellen. „Rogue“ ist deshalb keineswegs langweilig, weil diese Einführung in eine über die gesamte Distanz funktionierende Geschichte eingebettet ist. Als Zuschauer benötigen und genießen wir einige Zeit, um Land und Leute besser kennenzulernen. Als das Krokodil auftaucht, haben sie alle für uns ein Gesicht bekommen. Ihr Schicksal ist uns nicht mehr gleichgültig.

Das eingangs erwähnte Talentniveau der Schauspieler ist durchweg hoch. Genreüblich bringt die Krise Züge zum Vorschein, die zuvor sorgfältig verborgen gehalten wurden. Diese Genese wird spannend dargestellt. Um diesen Text nicht gar zu sehr anschwellen zu lassen, sei exemplarisch auf einen Darsteller hingewiesen: Den scheuen, dickbäuchigen Busfahrer Russell mimt John Jarratt, der in „Wolf Creek“ den lauten, bösartigen Killer Mick Taylor gab! Man muss das „Making Of“ sehen, bevor man das glauben kann!

Kleine Schatten gibt es auch

Die hochprofessionelle Machart von „Rogue“ ergibt letztlich einen Film, der beste Genre-Unterhaltung bietet. Mehr ist da allerdings nicht; „Rogue“ ist kein Meilenstein der Filmgeschichte und soll es sicherlich nicht sein.

Aber auch zum Genre-Klassiker will es nicht ganz reichen. Nicht ganz unerwartet wird das Krokodil zum größten Schwachpunkt. Während es in „Black Water“ fast durchweg aus dem Hinterhalt operierte, tritt es in „Rogue“ von der Schnauze bis zur Schwanzspitze deutlich in Erscheinung. Es muss zudem Dinge tun, die ohne Filmtricks nicht zu realisieren wären. Das gelingt ihm nicht. Obwohl die Trickabteilung Bemerkenswertes leistete (s. u.), wirkt die Echse oft künstlich. CGI ist weiterhin kein Garant für Lebensechte.

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Wo diese Kritik andere (Horror-) Filme vernichten würde, kann sie diesen Film nur streifen. „Rogue“ spielt auf einem viel besseren Platz. Als Filmhorror kann ein Krokodil nie so erschrecken wie der Killer vom „Wolf Creek“. Es reicht trotzdem für anderthalb Stunden, die köstlichen Adrenalin-Stress bescheren.

DVD-Features

Zu einem ‚ehrlichen‘ Film wie „Rogue“ gehört ein „Making Of“, das nicht wirbt sondern informiert. So erwartet man es als Filmfreund, und diese Erwartung wird endlich einmal erfüllt. Greg McLean, seine Crew und die Schauspieler geizen nicht mit Hintergrundinformationen, die durch entsprechendes Bildmaterial illustriert werden. Der Dreh von „Rogue“ war harte Arbeit, obwohl nicht die ganze Zeit im Outback gefilmt wurde. Den Einfallsreichtum hinter der Kamera kann man nur bewundern. Der Faktor Improvisation war unverzichtbar. Geschont hat sich auch vor der Kamera niemand. Das „Making Of“ zeigt Darsteller, die zwischen den Szenen vor Hitze, Feuchtigkeit und Insektennot zusammensinken. Sobald die Klappe geschlagen wird, sind sie wieder ‚da‘.

Viele Monate hat Greg McLean an „Rogue“ gearbeitet. Trotz Improvisation wurde wenig dem Zufall überlassen. Per Storyboard und Computeranimation wurden die Szenen durchgeplant – kein Wunder, dass sich das Ergebnis sehen lassen kann! Die nachträgliche Bearbeitung des gedrehten Films war aufwendig. Licht und Farbgebung wurden manipuliert, um die Flusswelt des Krokodils noch fremdartiger wirken zu lassen.

Sogar die Filmmusik ist nie dem Zufall geschuldet. Mit François Tétaz heuerte McLean einen veritablen Musiker und Komponisten an, der sich viele Gedanken über die Unterstützung der Szenenstimmung durch Musik oder musikähnliche Geräusche machte. Selbst das Krokodil bekam sein eigenes Thema, in das viel Inspiration und Transpiration geflossen sind.

Sehr aufschlussreich ist die etwas kürzer geratene Spezialeffekte-Featurette. McLean wollte wie schon erwähnt ein authentisches Krokodil. Er wusste um die Schwierigkeiten, die der moderne digitale Filmtrick heraufbeschwört: Fremde Welten lassen sich auf diese Weise perfekt inszenieren. Doch was der Mensch kennt, wird von einem schier unbestechlichen Auge unbarmherzig als Fälschung entlarvt, wenn es nachgebildet wurde.

Zum Einsatz kam deshalb auch die Tricktechnik der Vergangenheit: Das Krokodil wurde – in Lebensgröße! – als animatronisches Modell konstruiert. Es sah nicht nur täuschend echt aus, sondern konnte Hals, Kopf und Schwanz bewegen und die Kiefer erschreckend drastisch zusammenkrachen lassen. Wenn Michael Vartan im großen Finale mit der Kreatur kämpft, ist seine Angst echt, weil das PS-starke Ungetüm ihm leicht wirklich einen Arm abbeißen konnte.

Das Krokodil selbst wurde seinem lebendigen Vorbild entsprechend geformt. Filmbilder lassen keinen Zweifel daran: Echte Salzwasserkrokodile sind massige, schwer gepanzerte, richtig fies aussehende Riesenechsen. Sie können nicht nur schneller schwimmen als ein Mensch rennt, sondern sind auch an Land erstaunlich flink. Zu allem Überfluss springen sie höher aus dem Wasser als ein Delfin. Kein Wunder, dass die Schauspieler sichtlich nervös waren, wenn sie zum Dreh in echte Krokodilgewässer fuhren!

Zu den Features kommen noch der Trailer (englisch und deutsch) sowie eine Fotogalerie. Sie komplettieren eine DVD, die an Wünschen nichts offen lässt.

[md]

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Percy Jackson – Diebe im Olymp

Erstellt von Günther Lietz am 26. Februar 2010

Percy JacksonPercy Jackson – Diebe im Olymp

Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief
Produktionsland: USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Craig Titley
Roman: Rick Riordan
Produktion: Chris Columbus, Michael Barnathan, Karen Rosenfelt
Musik: Christophe Beck

Darsteller: Logan Lerman (Percy Jackson), Brandon T. Jackson (Grover Underwood), Alexandra Daddario (Annabeth Chase),Jake Abel (Luke Castellan), Pierce Brosnan (Chiron), Kevin McKidd (Poseidon), Sean Bean (Zeus), Steve Coogan (Hades), Rosario Dawson (Persephone), Catherine Keener (Sally Jackson), Uma Thurman (Medusa)

Die Herrschaft von Harry Potter neigt sich langsam dem Ende zu und so wird es Zeit einen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Spätestens mit dem voraussichtlich 2011 erscheinenden letzten Film der Potter-Reihe sollte der Prinz etabliert sein, um das Zepter aus der Hand des Königs zu nehmen. Percy Jackson dürfte aber ein Dreizack reichen, denn immerhin ist er Poseidons Sohn.

Aus der Feder von Rick Riordan stammen die Bestsellergeschichten des jungen Percys, der eines Tages entdeckt, dass er ein ganz besonderer Junge ist. Auf Grund seiner Abstammung genießt er fortan eine besondere Ausbildung und erlebt mit seinen Freunden gefährliche Abenteuer – die mit seiner Abstammung in Verbindung stehen. In seinem ersten Abenteuer muss Harry, Verzeihung, Percy (Logan Lerman), den gestohlenen Herrscherblitz zurückbringen. Ansonsten hauen die Götter des Olymps – allen voran Zeus – die Welt in Stücke. Zu allem Übel hat Hades Percys Mutter Sally (Catherine Keener) entführt und die muss gerettet werden.

Zusammen mit der süßen Kämpferin Annabeth Chase (Alexandra Daddario) – Tochter der Athene und ebenfalls eine Halbgöttin – und dem schwarzen Satyr Grover Underwood (Brandon T. Jackson) muss Percy erst einmal Zauberperlen suchen, dann in die Unterwelt reisen, dort die Mutter retten und anschließen auf dem Olymp Zeus von seiner Unschuld überzeugen. Der Film geht beinahe zwei Stunden, also ist dafür doch eigentlich genug Zeit …

So wie die Romanreihe, so ist auch der Film von Mister Harry Potter inspiriert. Und zwar sehr stark. Um Nägel mit Köpfen zu machen haben sich die Studiobosse dann auch Chris Columbus ins Boot geholt. Der hat seinerzeit die ersten beiden „Harry Potter“-Filme gedreht und weiß also genau, um was es geht. Und Columbus liefert auch genau das, was bestellt wurde: Kindertaugliche Massenunterhaltung nach Schema Potter. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist unterhaltsam, leidlich spannend, aber irgendwie schon mal dagewesen und austauschbar. Allerdings werden nun Sagengestalten und griechische Mythen bemüht, anstatt altenglische Mauern und britisches Zauberwerk. Egal, Hauptsache der Film weiß zu unterhalten.

Und das gelingt ihm auch. Chris Columbus vertrödelt keine unnötige Zeit mit ausgefeilten Dialogen und langweiliger Charakterentwicklung. Er gibt sofort Gas. Die platten Dialoge erklären die wichtigsten Zusammenhänge, dann folgt eine Szene nach der anderen. Selbst der vermeintliche Tod von Percys Mutter ist nur eine Sekunde der Besinnung wert, dann geht es weiter: Ab durch die USA, im Stile eines Roadmovies und genau so aufgemacht wie ein modernes Videospiel.

Glücklicherweise rast Percy zusammen mit seinen Freunden durch die Gegend und es ergibt sich dann doch die ein oder andere Szene, in der Schauspieler miteinander agieren. So deutet sich zwischen Percy und Hermine – Verzeihung – Annabeth, eine kleine Liebschaft an, während der drollige Juniorbeschützer Ron – Verzeihung – Rover, für den ein oder anderen Gag gut ist. Rover wird übrigens vom Komiker Brandon T. Jackson gespielt. Die Rolle ist einfach angelegt: Plappernder Schwarzer mit blöden Sprüchen, der von einem Problem ins Andere trudelt. Da fühlt sich der Zuschauer an die guten alten achtziger Jahre erinnert. Wenigstens macht Alexandra Daddario als Annabeth eine gute Figur und den lieben Percy heiß. Aber keine Bange, Percy wurde zwar um fünf Jahre für den Streifen gealtert (im Buch beginnen die Abenteuer als der Junge elf ist), aber dennoch bleibt alles sehr züchtig und in geordneten Bahnen. Okay, typisch amerikanisch gibt es zwar keinen Kuss, aber heftige Actionszenen und Kampfsequenzen, in denen der ein oder andere Darsteller schon mal ein wenig blutig aufgeschlitzt wird. Ja, so sieht verfilmte Doppelmoral aus.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ hält für die jugendlichen Zuschauer aber auch wichtige Weisheiten bereit. So sind Drogen einfach Kacke und niemand sollte einfach etwas Essen, das einfach so angeboten wird. Genau das geschieht nämlich im verlotterten Las Vegas und der heiße Drogenrausch entpuppt sich schon bald als große Gefahr, während im bunten Hintergrund Lady Gagas „Pokerface“ aus den Boxen dringt. Wenigstens hat der Film stellenweise einen guten Score.

Etliche Abenteuer und abgeschlagene Köpfe später rettet das lustige Trio die liebe Mutter von Percy. Schon erwähnt? Die Alleinerziehende hat sich natürlich nur wegen Percy mit einem stinkenden Säufer eingelassen, der seine Frau und den Stiefsohn wie Dreck behandelt. Daran können sich alle jungen männlichen Legastheniker die unter ADS leiden klammern, vielleicht ist ihr Vater ja auch ein Gott. Mehr jugendlicher Außenseiter geht einfach nicht.

Jedenfalls weiß der Film die Hoffnung zu bedienen. Um nun aus der Unterwelt zu fliehen (die fleißig zur Hölle christianisiert wurde, aber mit dem Eingang in Hollywood Ironie zeigt) muss leider einer zurückbleiben. Und wen trifft es? Natürlich den Schwarzen! Und jahrelang haben die Zuschauer geglaubt diese dunklen Klischee-Zeiten seien vorbei – Chris Columbus belehrt seine Zuschauer mit einem Griff in die Mottenkiste aber eines Schlechteren.

Auch die Spezialeffekte haben bessere Zeiten gesehen. Sie bewegen sich zwar über TV-Niveau, aber Kino-Standard sieht heutzutage einfach anders aus. Vor allem Pierce Brosnan als Zentaure ist einfach nur grottig umgesetzt. Es bleibt sowieso ein Rätsel, warum er und Uma Thurman in diesem Streifen mitspielen. Schauspielerische Leistung zeigt jedenfalls keiner von beiden.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist leidlich unterhaltsame Massenware, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen dürfte, da es einfache Teenie-Action ohne Experimente ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Percy Jackson von Carlsen bei Buch24.de:
“Percy Jackson 01. Diebe im Olymp”
“Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen”
“Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen”

“Percy Jackson” bei Booklooker.de

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Sherlock Holmes

Erstellt von Günther Lietz am 24. Februar 2010

Sherlock HolmesSherlock Holmes
USA 2009, 128 Minuten

Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram, Michael Robert Johnson
Musik: Hans Zimmer
Produktionsdesign: Sarah Greenwood
Director of Photography: Philippe Rousselot
Montage: James Herbert

Darsteller: Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes), Jude Law (Dr. John Watson), Rachel McAdams (Irene Adler), Mark Strong (Lord Blackwood), Eddie Marsan (Inspektor Lestrade), Robert Maillet (Dredger), Geraldine James (Mrs. Hudson), Kelly Reilly (Mary Morstan), William Houston (Constable Clark), Hans Matheson (Lord Coward), James Fox (Sir Thomas), William Hope (Botschafter Standish), Clive Russell (Captain Tanner)

Es gibt etliche Sherlock-Holmes-Verfilmungen und das Bild des Pfeife rauchenden Detektivs mit kariertem Mantel und Mütze hat sich eingeprägt. Mit einer enormen Beobachtungsgabe und seinem Verstand legt er jedem Gauner das Handwerk. Guy Ritchie (“Bube, Dame, König, grAs”, “Snatch – Schweine und Diamanten”) hat sich nun an eine Neuauflage des Themas gemacht und präsentiert einen ganz anderen Holmes – ein Holmes, der mit bekannten Klischees bricht. Und das ist genau richtig.

Denn tatsächlich ist Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes stets nur frei interpretiert worden. Und dieses Recht nimmt sich auch Guy Ritchie heraus, um einen ganz anderen Film-Holmes zu präsentieren als bis dato bekannt. Und Ritchies Adaption ist viel näher an der Romanvorlage dran, als alle anderen Verfilmungen zuvor. Denn Holmes war ein Supermann seiner Zeit – geistig und körperlich. Selbst den Mordversuch durch seinen Erfinder überlebte Holmes einst, gestärkt durch seine ihn liebende Leserschaft. Richtig gelesen, Doyle hat seinen Helden schlussendlich gehasst und wollte ihn sterben lassen.

Guy Ritchie hat sich nun den Stoff geschnappt und in ein modernes Kinoformat gesteckt. Was nun auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, ist ein rasant inszenierter und unterhaltsamer Kinofilm, der gleichzeitig die Atmosphäre des viktorianischen Englands einfängt. Doch worum geht es überhaupt?

Nun, Mister Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und sein teurer Freund Doktor John Watson (Jude Law) stellen den Kultisten Lord Blackwood (Mark Strong) just in jenem Augenblick, in dem dieser einen Ritualmord begehen will. Blackwood wird zum Tode verurteilt, verlangt kurz zuvor nach einem Gespräch mit Holmes. Ihm verkündet der Lord, dass Holmes nur ein Mittel zum Zweck sei und noch weitere Morde geschehen werden. Blackwood wird gehängt und für Holmes ist die Sache erledigt. Der hat nämlich ganz andere Probleme.

Busenfreund Watson hat vor zu heiraten und die Wohngemeinschaft zu verlassen. Für Holmes eine Katastrophe, denn nur wenige Menschen kommen mit seiner exzentrischen Lebensweise zurecht. Glücklicherweise taucht Holmes alte Liebe Irene Adler (Rachel McAdams) auf – eine Meisterdiebin – und es gehen Gerüchte um, dass Blackwood wiederauferstanden sei. Nun wird Holmes Neugierde geweckt. Zugleich hofft er auch mit seinem neuen Fall Watson von der Heirat abzuhalten. Aber der hält an seinen Plänen fest, was zu Streit zwischen den beiden Männern führt.

Trotzdem ermitteln sie und plötzlich gibt es zwischen Irene und Blackwoods Auferstehung einen Zusammenhang.Es dreht sich nun alles um einen geheimnisvollen Orden, Rituale, das Schicksal des ganzen Empires und schlussendlich einen mysteriösen Mann, der sogar Irene Angst einjagt …

Diese ganze Geschichte steckt nun in einem Korsett aus Action, Humor und Spannung. Guy Ritchie brennt ein wahres Feuerwerk an originellen alten Ideen ab. Erneut ein Widerspruch, der auf der Leinwand einfach gelungen ist. Denn Ritchie bedient sich an bekannten Elementen des modernen Actionfilms, setzt diese aber leicht verändert in Szene und verpasst der Sache ihren ganz eigenen Stil – der vor allem durch den altertümlich schmutzig-punkigen Stil Londons und der wunderbaren klassisch modernen Musik von Hans Zimmer geprägt wird. Überhaupt ist der Score von Zimmer grandios passend, kommt oftmals mit einer instrumentalen Reduzierung daher, anstatt auf orchestrale Gigantomanie zu bauen.

Wie der gesamte Film, so sind auch die Hauptrollen detailliert ausgearbeitet und überzeugen durch liebevolle Kleinigkeiten die am Rande zu bemerken sind, ohne die Szenerie zu dominieren oder gar aufgesetzt zu wirken. Sei es nun die Drogensucht Holmes oder die Kriegsverletzung von Watson. Bemerkenswert auch die düstere Mystery-Anspielung auf den us-amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe (in Wort und Bild, denn es fällt der Name und fliegt der Rabe) und anderen Kleinigkeiten, die zwar Zufall, aber ebenso Absicht sein können (wie die Frage nachdem Doktor, die mit „Wer?“ beantwortet wird und auch als Anspielung auf die viktorianischen Abenteuer aus „Doctor Who“ gesehen werden kann). Guy Ritchie hat hier einen verspielten Actionfilm geschaffen, an dem er sich austoben konnte.

Bemerkenswert sind dabei vor allem Robert Downey Jr. (als Sherlock Holmes) und Jude Law (als Doktor John Watson). Beide spielen ihre Rollen perfekt, gehen darin regelrecht auf. Im körperlichen Spiel fließen Winzigkeiten der Persönlichkeit nebensächlich ein und lassen die Figuren somit authentisch wirken. Aber vor allem im witzig spritzigen Dialog brillieren beide Männer, fesseln mit Wortgefechten oder überraschenden Hieben auf die Nase – ohne es sich krumm zu nehmen. Eine wahre Männerfreundschaft eben. Diese wurde von allzu kritischen Beobachtern gerne mal als homoerotische Verbindung gewertet, wird aber von Ritchie gekontert, da er beiden Männern eine Beziehung gönnt. Holmes hat eine Liebschaft hinter sich, Watson wird bald heiraten. Das sollte alle Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Obwohl Law ausgezeichnet spielt, ist es vor allem Downey Jr. der den Film als Holmes überstrahlt. Seine Interpretation der Rolle ist außergewöhnlich, er kreiert sozusagen einen einmaligen Charakter. Das ist zuletzt Johnny Depp als Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ geglückt und war für das Genre ein Glücksgriff. Mit Sherlock Holmes wird erneut ein Ausnahmecharakter in die Kinowelt entlassen und es bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung – der Cliffhanger des Films deutet ja darauf hin – mit einem ebenso starken Robert Downey Jr. punkten wird.

Was Guy Ritchie sehr gut gelingt, ist es die analytischen Fähigkeiten und die Assoziationen des Detektivs für den Zuschauer sichtbar zu machen. Das geschieht mittels schnellen Zwischenschnitten, Rückblenden und Vorschauen. Diese Stilmittel werden genau im richtigen Umfang eingesetzt, beantworten zum Ende hin die offenen Fragen. So geht der körperlich fitte Holmes im voraus einen Boxkampf durch und weiß genau, wie er seinen Gegner ausschalten muss. Oder auch gut gefilmt: Die Verfolgungsszene Irene Adlers, die in der Rückblende explosionsartig an Umfang zunimmt. Einfach und gut gemacht, sehr eindrucksvoll.

Ein wahrer Held braucht natürlich auch einen Schurken. Der wird von Mark Strong als Lord Blackwood gegeben. Allerdings verpasst Strong seiner Rolle dermaßen viel unterkühlte düstere Boshaftigkeit, dass er beinahe schon zu verhalten bleibt und ein wenig farblos vor sich hindümpelt. Dadurch wirkt Blackwood eher harmlos und scheint für Holmes keine echte Herausforderung zu sein. Zwar muss der gute Sherlock das Empire retten, aber sich keineswegs mit einem Verbrechergenie messen. Auch die Einflechtung okkulter Riten durch den Lord machen aus der Rolle keine persönliche Herausforderung für Holmes. Absicht oder Zufall? Bedrohlicher wirkt da nämlich eher der Mann im Hintergrund, der einige Fäden zieht und ein ebenso brillantes Genie ist wie Sherlock Holmes. Er dürfte der nächste, wahre Oberschurke sein, dem sich Holmes stellen muss. Mag sein, dass Ritchie vorher keinen Widersacher installieren wollte, an dem sich die Fortsetzung dann messen lassen müsste.

Auch die weibliche Besetzung agiert ein wenig limitiert und kühl. Dem Film ist die niedrige FSK 12 anzumerken. So werden Actionsequenzen niemals vollends ausgelotet, der Tod zum Ende hin ausgeblendet und müssen auch die Damen mit ihren vorhandenen Reizen leider geizen. Und das, obwohl die fabelhafte Rachel McAdams eine sehr passable Irene Adler gibt. Ein wenig mehr Blut, ein wenig mehr Erotik und ein etwas persönlicher Gegner – der Film wäre perfekt.

So bleibt eine hervorragende Adaption des Stoffes, die näher an der Vorlage ist als die meisten anderen Umsetzungen zuvor. Sauber inszenierte Action, klasse Musik, zwei geniale Hauptdarsteller, augenzwinkernde Einlagen und eine wunderbare Atmosphäre überzeugen auf ganzer Linie. „Sherlock Holmes“ ist ein sehr unterhaltsamer Spielfilm und gehört mit zum Besten, was Guy Ritchie jemals auf die Leinwand gebracht hat.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Erstellt von Günther Lietz am 10. Februar 2010

Bei Libri.dePrimeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Produktionsjahr: seit 2007

Darsteller: Douglas Henshall, Lucy Brown, Andrew Lee Potts
Regisseure: Jamie Payne, Cilla Ware
Komponist: Dominik Scherrer

Format: PAL, Box-Set
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Episoden: 23 in 3 Staffeln
Spieldauer: 1045 Minuten
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 2009

Neben den us-amerikanischen Science-Fiction-Serien, behaupten sich zunehmend auch Serien aus Großbritannien auf dem internationalen Markt. Der britische Fernsehsender ITV1 schickt seit einigen Jahren „Primeval“ ins Rennen um die Einschaltquoten und liegt damit weit vorne. So erreichten die ersten beiden Staffeln bei ihrer Erstausstrahlung in Großbritannien im Schnitt mehr als sechs Millionen Zuschauer, in Deutschland waren es immerhin mehr als zwei Millionen Menschen, die einschalteten. Deutsche Premiere feierte „Primeval“ auf PRO7 und wurde dann ab Januar 2010 auf Kabel 1 wiederholt. Aus dem Hause Polyband & Toppic Video/WVG stammt nun eine Staffelbox, in der die ersten drei Staffeln enthalten sind. Das macht insgesamt dreiundzwanzig Episoden mit einer Gesamtspieldauer von 1045 Minuten. Stellt sich nur die Frage, wie unterhaltsam diese Minuten sind.

Die erste Staffel der Serie umfasst gerade mal sechs Episoden und ist damit die kürzeste Staffel. Im Zentrum der Handlung steht vor allem die Charaktervorstellung und das zentrale Handlungselement: Die Urzeitmonster, die durch eine Anomalie aus der Vergangenheit in unsere gegenwärtige Welt stolpern. Durch Absicht und Zufall formiert sich hier ein Team, dass im Auftrag der britischen Regierung diese Monster jagt, Schlimmes verhindert und die Anomalien erforscht.

Kopf des Teams ist der Wissenschaftler Nick Cutter (Douglas Henshall). Er ist Evolutionsbiologe und arbeitet zusammen mit seinem Assistenten Stephen Hart (James Murray) an den Vorfällen. Im Verlauf der sechs Episoden kommt heraus, dass die beiden Männer mehr als nur Freundschaft verbindet. Vor allem Cutter erfährt, dass es für ihn eine ganz persönliche Verbindung zu den Anomalien gibt, denn seine verschollene Frau Helen (Juliet Aubrey) scheint in einer dieser Anomalien verschwunden zu sein.

Mehr zufällig schließt sich der junge Student Connor Temple (Andrew-Lee Potts) dem Team an. Er ist etwas ungeschickt, intelligent und über beide Ohren in Abby Maitland (Hannah Spearritt) verliebt, die er in der ersten Episode kennenlernt. Abby ist Tierpflegerin und wird zufällig in die Ermittlungsarbeiten hineingezogen. Dank ihren Fähigkeiten gehört sie schnell zum harten Kern der Truppe. Das Team steht unter der Leitung von Claudia Brown (Lucy Brown), einer Mitarbeiterin des Innenministeriums, die wiederum Sir James Peregrine Lester (Ben Miller) untersteht, einem humorlosen Bürokraten.

Die Aufgabe des Teams ist es nun auffälligen Meldungen nachzugehen und festzustellen, ob es sich um eine Anomalie handelt. Stets entwischt auch ein Bewohner der Urzeit und stellt die Mannschaft vor Probleme. Meistens frisst das Urzeitmonster jemanden auf und muss mit einem Trick wieder in seine eigene Zeit gelockt werden. Im Grunde war es das auch schon.

Die erste Staffel zeichnet sich dadurch aus, dass sie vor allem auf ein junges Publikum zugeschnitten wurde. Die Handlung ist betont episodenhaft und gestückelt. Es gibt unzählige Logikfehler, die zugunsten einer betont lässigen Szenerie in Kauf genommen werden. Hauptsache es sieht gut aus. Dadurch ist die Geschichte flach und auch die Charaktere kommen ohne Tiefe daher. Sehr ärgerlich ist vor allem der monotone Aufbau des Dramas und die stets ähnliche Krisis. In fast jeder Episode fühlt sich der Zuschauer auch an das gute alte Kasperletheater erinnert: Das Krokodil taucht hinter dem Kasper auf, aber er sieht es einfach nicht. Dann dreht sich der Kasper um, aber einen Augenblick vorher ist das Krokodil abgetaucht und steckt woanders seinen Kopf hinaus. Der Kasper dreht sich zurück und wieder ist das Krokodil verschwunden, um plötzlich genau vor der Nase des Kaspers aufzutauchen. Wird der Kasper gegen Cutter oder ein anderes Teammitglied ausgetauscht und das Krokodil gegen ein beliebiges Tier aus der Urzeit, so beschreibt das die meisten der Drehbücher.

Um die jugendliche Lust nach nackter Haut und Teenagerliebe zu bedienen, kommen nun Abby und Connor ins Spiel. Die Rolle der punkigen Tierpflegerin wird dabei von Hannah Spearritt übernommen, die Dank ihres sportlichen Körperbaus jugendlich frisch wirkt. Vor einigen Jahren gehörte sie der Popgruppe „S Club 7“ an, nun versucht sie sich als Schauspielerin. Trotz – oder gerade wegen – der einfach gestrickten Geschichte gelingt ihr das recht gut. Passenderweise ist Abby eine Liebhaberin vom Amphibien. Deswegen schaltet sie ihre Heizung immer hoch, so dass sie in ihrer Wohnung stets knapp bekleidet herumlaufen muss. Bei der Gelegenheit präsentiert sie dann auch ihre knapp verhüllten kecken Brüste und den äußerst knackigen Po.

Connor steht nun stellvertretend für all die Jungs, die nun gerne Abbys Freund wären und die Glückliche mal beglücken würden, aber stets abblitzen. Doch Meter für Meter gräbt sich Connor an seine Auserwählte heran, zieht schlussendlich sogar bei ihr ein und darf – stellvertretend für alle anderen Außenseiter der jugendlichen Gesellschaft – die knackige Abby bewundern. Jetzt muss Connor nur noch ihr Herz erobern.

Es ist leicht zu erkennen, dass „Primeval“ in seichten Gewässern fischt. Es gibt keinen großen Anspruch. Das gilt auch für die von den Machern gelobten Tricks und Special Effects. Diese wurden am Computer generiert und ihre CGI-Herkunft ist offensichtlich. Auch die Action wirkt gekünstelt, ebenso die grundlegende Handlung selbst. Es wirkt stellenweise, als hätten die Produzenten versucht „Stargate SG1“ zu klonen und dabei ist ein Unfall passiert. Trotzdem ist die erste Staffel der Serie stellenweise recht unterhaltsam. Sie gewinnt zum Ende hin sogar an Spannung und Fahrt, denn es kristallisiert sich tatsächlich ein übergreifender Handlungsbogen heraus.

Und mit dem kracht der Zuschauer dann brachial in die zweite Staffel hinein, die nun aus ganzen sieben Episoden besteht. Der Zuschauer hat sich von Claudia Brown verabschieden müssen. Das ist vor allem für Cutter ein Problem, denn immerhin empfand er tiefe Zuneigung für sie. Statt sich nun der Liebe hinzugeben, muss er sich gegen seine Ehefrau durchsetzen. Denn Helen wird nun zum Dreh- und Angelpunkt der Serie.

Die Produzenten haben von der reinen Teenager-Serie Abschied genommen und die Möglichkeiten einer Zeitanomalie genutzt, um „Primeval“ ordentlich umzukrempeln. Cutter kehrt aus der Vergangenheit zurück und lässt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung hinter sich. Doch die Gegenwart hat sich verändert. Es gab nie eine Claudia Brown und das Team hat im sogenannten ARC einen festen Stützpunkt. Von hier aus erforscht die Mannschaft weiterhin die Anomalien, kann jedoch auf mehr Ressourcen zurückgreifen.

Noch immer ist Connor in Abby verknallt, doch es gibt nur einen freundlichen Händedruck oder mal einen Schmatzer auf die Wange. Wenigstens ist Abbys Schwärmerei für Stephen zu den Akten gelegt worden, hat dieser doch was mit Helen am Laufen. Sehr zum Ärger von Cutter. Und der steht vor dem Problem, dass die neue PR-Managerin des ARC Jennifer „Jenny“ Lewis ist und Claudia zum Verwechseln ähnlich sieht. Somit bleibt Lucy Brown der Serie vorerst als Schauspielerin erhalten.

Der durchgehende Handlungsbogen sorgt nun für einen besseren Ablauf der Serie. Einige Logiklücken wurden geschlossen und durch die plötzliche Wendung mittels der veränderten Realität, ist auch das leicht veränderte Verhalten der Charaktere zu erklären. Vor allem der Konflikt zwischen Cutter, Helen und Stephen trägt zu einem runderen und spannenderen Bild bei. Scheinbar wurde auch das Budget der Serie aufgestockt, denn die Kulissen sind größer, abwechslungsreicher und auch die CGI-Effekte haben zugelegt. Man sieht zwar noch immer, dass es Computerwesen sind, aber diesmal wirken sie einfach einen Tick echter. Und endlich wurden der Kasper und das Krokodil in die staubige Kiste gesteckt, in die sie auch hineingehören.

Eine besonders schöne Idee der Drehbuchautoren ist, dass nun auch Kreaturen aus der Zukunft die Gegenwart besuchen. Allerdings gibt es hier keine großen Änderungen, denn diese Kreaturen fressen auch gerne Menschen. Die Handlung wird nun durch Helen besonders vorangetrieben. Sie auch scheint Wissen und Technik aus der Zukunft zu besitzen, das macht neugierig. Doch die Enthüllungen, die lassen auf sich warten. So wie die Figur der Helen in der Serie gewinnt, so gewinnt auch  Juliet Aubrey hinzu. Ihre Darstellung der Helen ist sehr packend und stellenweise gar ergreifend. Auf der einen Seite menschliches Monster, auf der anderen Seite verletzlicher Mensch. Eine sehr glaubhafte Darstellung der Rolle.

Ebenso wie die zweite Staffel, so bringt auch die dritte Staffel einige Veränderungen mit sich. Die Serie wirkt nun noch erwachsener, spielt noch stärker mit den Möglichkeiten und Gefahren der Anomalie. Eine der DVDs kommt sogar mit einem FSK von 16 daher, was sich natürlich auch auf die ganze Box niederschlägt. Merkwürdigerweise sanken in Großbritannien die Einschaltquoten „Primevals“ bei der dritten Staffel auf knapp über vier Millionen ab. Dabei gewinnt die Serie gerade jetzt an Spannung.

Connor und Abby kommen sich endlich näher. Das bedeutet immer weniger Liebeleien unter Jugendlichen. Zwar muss  Hannah Spearritt noch immer ihren knackigen Körper präsentieren, aber endlich wirkt es natürlich. Auch Connors Schüchternheit wirkt passend und ist kein zentraler Bestandteil mehr.

Und erneut hat sich einiges im Team verändert. Durch Tod eines Mitglieds und dem Ausscheiden von Jenny aus dem Dienst, ist der Weg frei für neue Mitglieder. Da wäre erst einmal die Ägyptologin Sarah Page (Laila Rouass). Leider ist ihre Einstiegsfolge auch die dümmste der ganzen dritten Staffel. Es tauchen tatsächlich Urzeitkrokodile auf die das Fressen einstellen, sobald sich die Leute vor ihnen verbeugen. Logische Erklärung: Sie sind es halt alle aus Ägypten gewohnt angebetet zu werden. Was für ein Unsinn. Nun, die Neue im Team braucht halt auch ihr Scheinwerferlicht, um gut dazustehen. Glücklicherweise ist diese Folge nur ein Ausrutscher und Sarah wird tatsächlicher zu einer tragenden Figur mit plausibler Geschichte.

Eine tragende Figur ist auch Helen – immer noch. Sie enthüllt weitere Details aus der Zukunft und dem Zuschauer werden ihre Motive klar, sind sogar nachvollziehbar. Die Szene in der sie ihren eigenen, geliebten Mann erschießt, ist heftig. Doch Helen, gefangen in ihrem eigenen Wahn – ausgelöst durch das Wissen um die Zukunft der Menschheit – sieht einfach keinen anderen Ausweg. Starker Tobak!

Im ganzen positiven Chaos der dritten Staffel, mausert sich Danny Quinn (Jason Flemyng) zum neuen Teamleiter. Er ist risikofreudig und unbesonnen, in vielen Dingen also das Gegenteil von Cutter. Doch das Team kann sich jederzeit auf seine Hartnäckigkeit und seine Loyalität verlassen. Das gilt auch für Captain Becker (Ben Mansfield) der eine Spezialeinheit leitet und zum Schutz des Teams eingeteilt ist. Endlich haben die Drehbuchautoren was gelernt und präsentieren glaubhafte und nachvollziehbare Gründe, warum das Team ohne Waffen und nur mit einem Grinsen gegen menschenfressende Dinosaurier in den Kampf zieht. Wobei, diesmal kommen die Soldaten auch mal zum Zuge. Alles andere wäre nun auch endgültig unglaubwürdig.

Die Handlung ist nun eine wahre Achterbahnfahrt. Zwar sehen die Monster noch immer deutlich nach CGI aus, aber Action und Spannung nehmen dramatisch zu. Es gibt Verfolgungsjagden durch die Zeit, Verrat in den eigenen Reihen, Klonsoldaten, tödliche Liebschaften, knallharte Zweikämpfe, mutierte Menschen, Killer aus der Zukunft und den Plan die gesamte Menschheit auszurotten. Hier wurde das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt. Endlich wird Helens Motiv enthüllt und auch ihr Plan ans Licht gezehrt. Dabei kommen auch viele Spielereien aus der Zukunft vor, die den Anstrich der Science Fiction verstärken. Und schlussendlich präsentieren die Macher einen sehr spannenden Cliffhanger, der Lust auf mehr macht – Lust auf eine Fortsetzung, Lust auf einen Kinofilm.

„Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ ist keine Serie die mit einem ausgefeilten Plot überzeugt, erstklassige Tricktechnik bietet oder gar Charaktertiefe. Die Serie bietet einfache Durchschnittskost, gespickt mit peinlichen Ausrutschern und wunderbaren Glanzlichtern. Diese Glanzlichter nehmen zum Ende der Serie immer mehr zu. „Primeval“ ist eine Serie, die mit der Zeit wächst, blüht und gedeiht. Aus einem langweiligen Mauerblümchen entwickelt sich eine schöne Orchidee. Besonders spannend ist dabei, diese Entwicklung mitzuerleben. Das macht schlussendlich den wahren Reiz der Serie aus und erinnert irgendwie an ein Kind: Es wird geboren, wächst auf und steht schlussendlich auf eigenen Beinen. Bleibt zu hoffen, dass „Primeval“ zukünftig dieses erreichte Niveau beibehalten wird. Es wäre Schade, würde die Serie eingehen oder auf dem Altenteil landen.

Die Ausstattung der DVD-Box ist von guter Qualität. Jede Staffel befindet sich in einer eigenen Hülle und diese stecken wiederum in einem schön gestalteten Pappschuber. Leider gibt es keine Wendecover und keinen Überzieher. Dadurch bleibt der Blick auf das grüne FSK-Siegel frei. Schade.

Die Bildqualität ist weitgehend in Ordnung. Kommt es zu CGI-Effekten wirkt es manchmal schwammig. Oft ist das wohl Absicht, um die Computeranimation etwas zu verschleiern. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 auf Deutsch und Englisch vor. Er ist durchweg sauber und dringt gut aus den Boxen. Bei solch einer Serie wäre aber 5.1 sicherlich besser gewesen. Der Untertitel ist nur in Englisch vorhanden. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gelungen und weist keine Fehler auf. Die Stimmen sind weitgehend passend gewählt. Eine gute Arbeit.

Das Bonusmaterial besteht aus einem Making-of und einem Behind-the-Scenes. Beide Beiträge sind informativ und schön gestaltet, aber leider etwas wenig für eine Box mit diesem Umfang. Hier hätten sich Fans sicherlich mehr erhofft. Das Bonusmaterial ist jedenfalls unterer Standard.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich bei „Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ um eine ambitionierte  Serie mit vielen und großen Schwächen am Anfang handelt, die aber mit jeder weiteren Staffel einen Qualitätssprung vollführt. Vor allem Staffel Zwei und Staffel Drei trumpfen auf, wobei das vorläufige Serienfinale sehr spannend ist und nach mehr verlangen lässt. Trotz Mängel also eine Empfehlung für die heimischen Abspielgeräte!

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Masada

Erstellt von Günther Lietz am 11. Dezember 2009

masadaMasada

Originaltitel: Masada
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 1981
Länge: 360 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Boris Sagal
Drehbuch: Joel Oliansky
Produktion: George Eckstein
Musik: Jerry Goldsmith, Morton Stevens
Kamera: Paul Lohmann
Schnitt: Edwin F. England, Peter Kirby

Besetzung: Peter O’Toole, Peter Strauss, Barbara Carrera, Nigel Davenport, Alan Feinstein, Giulia Pagano, Anthony Quayle, Denis Quilley, Paul L. Smith, Anthony Valentine, Timothy West, David Warner, George Peter Innes, David Opatoshu, Richard Pierson, Jack Watson, Joseph Wiseman

Anfang der 80er Jahre machte sich Regisseur Boris Sagal daran, einen bekannten Mythos zu verfilmen. Ihm stand ein Budget von zwanzig Millionen Dollar und die Unterstützung der israelischen Armee zur Verfügung. Heute ist der Mythos um Masada entzaubert und Israel würde keine Soldaten mehr zur Unterstützung der Dreharbeiten entsenden. Dabei sind es gerade die Soldaten, die diese Mini-Serie eröffnen. Es sind junge Rekruten, die auf der Festung Masada ihren Eid ablegen und sich an die damaligen Ereignisse zurückerinnern. Die Nutzung Masadas – als patriotischer Schauplatz für den Fahneneid – ist aber seit Anfang der 90er Jahre ebenfalls nur noch Geschichte.

Die von ABC produzierte Serie wirkt im ersten Augenblick wie ein sorgfältig recherchierter Historienfilm. Doch tatsächlich ist vieleFiktion oder wurde im Nachhinein als falsche Überlieferung enttarnt. Ein historisch korrektes Epos ist „Masada“ auf keinen Fall.

Basierend auf dem Roman „The Antagonists“, von Ernest K. Gann, findet die Geschichte in acht Episoden statt. Sie beginnt damit, dass sich jüdische Rebellen auf dem Felsplateau Masada verschanzen, eine scheinbar uneinnehmbare Festung. Der Anführer der Rebellen, Eleasar ben Ja’ir (Peter Strauss), fühlt sich von Flavius Silva (Peter O’Toole) hintergangen. Dieser versprach dem Juden in Rom ein Wort beim Kaiser Vespasian (Timothy West) einzulegen. Doch Silva kehrt als Legat und Eroberer zurück. Die Politik zwingt Cäsar hart durchzugreifen.

Silvas Aufgabe ist es nun, die Festung Masada zu erobern und die Überlegenheit Roms zu demonstrieren. Da kommt der Römer Rubrius Gallus (Anthony Quayle) auf die Idee, eine Rampe zu errichten und auf ihr mit einem Belagerungsturm zur Festungsmauer hinaufzufahren. Der Plan wird in die Tat umgesetzt, doch Eleasar und seine Leute bekämpfen die Römer mit allen Mitteln. Also setzt Silva jüdische Sklaven ein. Wie erhofft haben die Juden Skrupel ihre Landsleute anzugreifen und sehen beinahe tatenlos dem Bau der Rampe zu. Als die Römer schließlich mit ihrem Turm die Mauer zum Einsturz bringen, entschließen sich die Rebellen zu einer schrecklichen Tat …

Obwohl die Verfilmung des Masada-Mythos voll historischer Fehler steckt, handelt es sich bei „Masada“ um eine sehr schön verfilmte Serie in historischem Gewand. Boris Sagal drehte an historischen Orten, setzte tausende von Statisten für die Dreharbeiten ein, trotzte Sandstürmen und extremer Hitze. Er ließ die Festung nahe des Originals nachbauen, ebenso Rampe und Turm. Auch die Lager der Römer wurden errichtet, um das Lagerleben und die Belagerung so getreu wie möglich zu inszenieren. Alleine diese Materialschlacht und Detailverliebtheit verdient Bewunderung. Material und Details spiegeln sich nun auch in vielen Einstellungen und Kamerafahrten wieder. Es ist imposant wie die Historie plötzlich zum Leben erwacht und sich derart lebendig präsentiert.

Ebenso überzeugend wie Land und Requisite, ist auch die Riege der Darsteller. Allen voran Peter O’Toole in der Rolle des Flavius Silva und Peter Strauss als Eleasar ben Ja’ir. Und hier zeigt sich ein kleines Übel der exzellenten Besetzung. O’Toole und Strauss dominieren die Serie, ziehen den Fokus stets auf sich. Sie sind sozusagen die leuchtende Sonne, um die alle anderen Planeten kreisen. Natürlich, denn im Grunde dreht sich auch alles um den Konflikt zwischen Judäa und Rom, zwischen Silva und Eleasar. Doch dabei nehmen diese beiden Männern allen anderen Darstellern beinahe den Raum zum Atmen. Ihr Spiel ist einfach brillant, ausgefeilt und authentisch. Sie spielen nicht, sie sind!

Diese erstklassige Leistung ist kaum zu übertreffen. Und so versinkt das ebenfalls sehr gute Spiel von Schauspielern wie Timothy West, Anthony Quayle und Barbara Carrera beinahe in Bedeutungslosigkeit. Doch gerade Barbara Carrera ist zu erwähnen, sind die weiblichen Rollen in der Serie doch streng limitiert. Um so wichtiger ihre Rolle als Sheva, die Geliebte von Silva. Ihr emotionales Spiel im Dialog mit Peter O’Toole gehört zu den Glanzlichtern der Serie, ebenso wie O’Tooles Dialoge mit Strauss. Hier werden schauspielerische Bestleistungen gezeigt. Kein Wunder, dass „Masada“ einst etliche Preise und Nominierungen erhielt.

Nach all den Jahren erscheint nun die TV-Fassung von „Masada“ auf DVD im Digi-Pack und beiliegendem Booklet. Das Booklet ist schön gestaltet und bebildert, der Text scheint aber einfach – ohne Quellenangabe – bei Wikipedia herauskopiert worden zu sein.

Die DVDs sehen schön aus. Auf beiden Datenträgern sind jeweils vier Episoden enthalten. Bonusmaterial ist leider keines vorhanden. Die TV-Fassung kommt übrigens in der Originalsynchronisation daher. 1981 gab es nämlich eine auf knapp über einhundertzwanzig Minuten zusammengeschnittene Kinofassung von „Masada“, mit anderen Synchronsprechern. In der Box findet sich aber die deutsche TV-Synchronisation.

Technisch ist „Masada“ leider unterdurchschnittlich zu nennen. Das Bild liegt im TV-Format 4:3 vor, weist Rauschen und manchmal auch schwammige Szenen auf. Der im Filmt enthaltene billige Trick mit der brennenden Festungsmauer kommt hier besonders schäbig zur Geltung, da moderne Geräte jedes Detail entlarven. Ein Remaster von „Masada“ hätte den DVDs gutgetan. Da hat die Produktion leider geschludert.

Das gilt auch für den Ton. Zugegeben, 1981 wurden TV-Serien üblicherweise in Mono abgedreht, doch gibt es heutzutage Möglichkeiten Dolby Digital 1.0 ein wenig zu verbessern. So bekommt der Zuschauer tatsächlich das Original zu Gesicht, mit all den sichtbaren und hörbaren Spuren vergangener Jahre. Das ist bedauerlich.

Der Ton liegt in zwei Spuren vor. Einmal die etwas bessere deutsche Tonspur und die geräuschintensivere englische Tonspur. Da die Synchronisation sehr gelungen ist, bleibt es schlussendlich Geschmackssache, was  zu bevorzugen ist. Leider gibt es keinen Untertitel.

„Masada“ ist eine spannende Serie, die eindrucksvoll das Leben der Legionäre und Juden der damaligen Zeit zeigt darstellt. Natürlich stellenweise mit Abstrichen, aber dennoch eindrucksvoll. Leider bietet die DVD nur wenig der Möglichkeiten, die dieses Medium eigentlich besitzt. So kommen Bild und Ton schlecht daher. Trotzdem ist die Box eine Empfehlung, vor allem durch das großartige Schauspiel von O’Toole und Strauss.

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Keiler – Der Menschenfresser

Erstellt von Michael Drewniok am 19. November 2009

keilerKeiler – Der Menschenfresser

Originaltitel: Chaw (Südkorea 2009)
Regie u. Drehbuch: Shin Jung-won
Kamera: Kim Yong-chul
Schnitt: Choi Jai-keun
Musik: Kim Jun-seong
Darsteller: Eom Tae-woong (Kim Kang-so), Jang Hang-seon (Cheon Il-man), Yoon Jae-moon (Baek Man-bae), Jeong Yu-mi (Byeon Soo-ryeon), Heo Yeon-hwa (Mi-yeong), Park Hyeok-kwon (Detektive Shin Hyeong-sa), Lee Sang-hee (Polizeichef), Jeong Yoon-min (Polizist Park), Kim Gi-cheong (Bürgermeister), Jo Moon-ee (Kwak), Park Hye-jin (Kims Mutter), Ko Seo-hee (Schamanin), Ha Yoo-i (Choon-hwa) uva.
Label/Vertrieb: Ascot-Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 05.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 10.12.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 7613059800984 (Leih- bzw. Kauf-DVD), 7613059400986 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby DTS 5.1 (Deutsch), Digital 5.1 (Deutsch, Koreanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 117 min. (Blu-ray: 122 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Sammae-ri ist ein Dorf im gebirgigen Hinterland Südkoreas. Die Bewohner leben von der Landwirtschaft. Im Laufe der Zeit haben sie ihre Felder ständig vergrößert. Die Wildnis wurde kultiviert, die Tiere flüchteten oder wurden von Wilderern ausgerottet. Geblieben sind nur die wilden Schweine, denen sich auch die Jäger nur vorsichtig nähern. Die zähen Borstenviecher leiden Hunger, weshalb sie sich angewöhnt haben, Gräber aufzubrechen und Leichen zu fressen. Ein besonders gewaltiger Keiler fällt neuerdings auch Menschen an; Choon, die Enkelin des ehemaligen Jägers Cheon, wird sein erstes Opfer

Für den geschäftstüchtigen Bürgermeister von Sammae-ri ist diese Schweinerei eine Katastrophe. Er hat mit dem Geschäftsmann Kwak einen Deal eingefädelt; sie wollen Großstädtern Grundbesitzanteile verkaufen. Eine große Gruppe anlagewilliger Kunden ist schon angereist. Auf gar keinen Fall sollen sie merken, was in den Bergen vorgeht. Heimlich heuert man deshalb den berühmten Jäger Baek Man-bae an, der bald ein totes Wildschwein aus dem Wald zieht.

Doch der erfahrene Cheon weiß, dass Baek das falsche Schwein erwischt hat. Als das wahre Untier wenig später das Dorf attackiert und ein Blutbad anrichtet, will Cheon ihm allein nachstellen. Baek leistet Abbitte und schließt sich dem alten Jäger ebenso an wie der gerade aus der Hauptstadt Seoul nach Sammae-ri versetzte Polizist Kim, sein Kollege Detective Shin sowie die Ökologie-Studentin Byeon. Sie wagen sich in das Bergreich des Keilers, der dort jeden Winkel kennt und abwartet, bevor er aus dem Hinterhalt zuschlägt und aus Jägern Gejagte werden, denn der Keiler ist nicht nur riesig und schier unverwundbar, sondern auch schlau und fest entschlossen, keinen Gegner entkommen zu lassen …

Ein Schwein: nicht weiß aber trotzdem eine Bestie

Diese Überschrift findet nur schleierhaft, der „Keiler“ noch nicht gesehen hat. Selbst der in der Filmhistorie wenig bewanderte Zuschauer merkt schnell, dass die Handlung in weiten Passagen quasi deckungsgleich mit dem Klassiker „Der weiße Hai“ abläuft. Da gibt es u. a. eine Szene, in der Jäger Cheon – der im „Keiler“ die Rolle des knurrigen Hai-Killers Quint übernimmt – in einem Lagerschuppen den Magen des angeblichen Kannibalen-Schweins aufschlitzt, um zwischen allerlei Abfall und Halbverdautem nach Überresten gefressener Menschen zu suchen. Der erfahrene Zuschauer wird viele andere Parallelen entdecken. Darüber hinaus hat sich Drehbuchautor und Regisseur Shin Jung-won tüchtig aus jenem Fach der Klischee-Kiste bedient, das für den Tier-Horrorfilm vorgesehen ist. Shin arbeitet – Achtung: Ironie! – mustergültig ab, was unzählige Vorgänger bereits durchexerziert haben.

Zwei Stunden Laufzeit sind ungewöhnlich lang für einen Horrorfilm. Zumindest der ‚westliche‘ Zuschauer denkt so, der schnellen Grusel mit flinken Schnitten gewöhnt ist. Shin Jung-won lässt sich Zeit. Abschweifungen und Ellipsen sind im asiatischen Kino nicht ungewöhnlich. Also wird die eigentliche Handlung von Ereignissträngen begleitet, die für das Geschehen kaum oder gar nicht erheblich sind und oft irgendwann im Nichts auslaufen. So beginnt die Geschichte mit einer Einleitung, die Kim als Verkehrspolizisten in Seoul zeigt. Das dient der Charakterisierung der Hauptfigur, die sich indes filmisch wesentlich kürzer fassen ließe. Auch das Dorf Sammae-ri und seine Bürger werden ausführlich vorgestellt. Der Keiler hat inzwischen frei. Sein Auftritt wird sorgfältig vorbereitet. Erst sehen wir nur seine Spuren, dann ahnen wir ihn in der Dunkelheit oder blicken durch seine Augen.

Das Schwein im Menschen

„Keiler“ will wie die meisten Tier-Horrorfilme auch Allegorie sein. Das mörderische Schwein ist deshalb das Produkt eines Menschen, der seine Umwelt ausbeutet, bis dies gegen ihn zurückschlägt. Das ökologische Sahnehäubchen ist auch im Horror- Genre nicht mehr ganz frisch, aber es lässt sich dem Filmprodukt schnell und kostengünstig aufsetzen.

Hätte der Keiler seinen ursprünglichen Lebensraum behalten können, wäre er nie kannibalisch auffällig geworden. Für seinen Riesenwuchs und seine Unerschrockenheit findet Shin eine bizarre aber genrekonforme ‚Begründung‘: Der Keiler gehört einer Schweinerasse an, die von den Japanern – die Korea während des II. Weltkriegs besetzt hielten und dort unzählige Verbrechen verübten – gezielt gezüchtet wurde. Dazu kommt eine alte Sage ins Spiel: Der Keiler treibt dort sein Unwesen, wo vor vielen Jahren ein mörderischer Sektenführer gewaltsam zu Tode kam, dessen Geist womöglich in das Untier fuhr.

Dass der Keiler ungestört töten kann, verdankt er auch der Profitgier seiner Gegner. Hier repräsentieren der Bürgermeister und Geschäftsmann Kwak aus der Stadt die unheilige Allianz von Politik und Wirtschaft. In Gestalt des unfähigen und rückgratlosen Polizeichefs ist die Exekutive Teil des Komplotts, das ein systematisches Vorgehen gegen die  Gefahr verhindert. Aber auch die Dorfbewohner selbst verweigern sich. Sie denken ausschließlich an sich und ihre Ernte. Die ungeliebte und gern kritisierte Polizei soll sie vor dem Keiler schützen.

Schwein de luxe

Taugt ein Schwein als Film-Ungeheuer? Eindeutig ja, denn diese Tiere sind auch ohne filmische Übertreibung kräftig, recht groß, dabei flink, ziemlich intelligent und im Notfall ausgesprochen angriffslustig. Unter dem Rüssel sitzen vor allem beim männlichen Schwein eindrucksvolle Zähne, die fürchterliche Wunden reißen können. Wo wilde oder verwilderte Schweine leben, halten kluge Menschen tunlichst Abstand. Zwei Jahre vor „Highlander“ drehte Regisseur Russell Mulcahy 1984 den Film „Razorback“, der ein bösartiges Schwein im australischen Outback wüten ließ. Schon dieses Ungetüm demonstrierte eindrucksvoll den Unterschied zwischen dem gemütlichen Schnitzel-Quieker und einem echten Wildschwein.

Seit 1984 hat die Tricktechnik erstaunliche Fortschritte gemacht. Längst ist es möglich, ein pferdegroßes Schwein digital ins ‚Leben‘ zu rufen. Ein Gesamtbudget von 5,4 Mio. Dollar reicht indes nicht für Spitzeneffekte aus. Folgerichtig wirkt der Keiler nicht besonders lebensecht, wenn er sich endlich in voller Hässlichkeit zeigt. Er bewegt sich wie eine mit Gelee gefüllte, sehr struppige Socke. Zudem wurde ihm ein Schweinskopf mit ‚teuflischen‘ Gesichtszügen aufgesetzt. Was die Fratze des Bösen widerspiegeln soll, wirkt wie eine Halloween-Maske.

Schweinerei statt Schauspielkunst

„Keiler“ ist kein ‚reiner‘ Horrorfilm, sondern eine schwarze Komödie. Schon der originale Filmtitel deutet es an: „Chaw“ bedeutet übersetzt „gut durchgekaut“. Dass beide Genres problemfrei miteinander funktionieren, belegen gelungene Produktionen wie „Shaun of the Dead“. Aber während die Attacke eines tobsüchtigen Schweins problemlos weltweit für Gänsehaut sorgen könnte, wird Humor in verschiedenen Kulturkreisen offensichtlich unterschiedlich definiert. Ohnehin ist das asiatische Schauspiel aus westlicher Sicht eine seltsam verdrehte Kunst. Im Vordergrund steht nicht das möglichst realitätsnahe Spiel, das in der Handlung aufgeht. Stattdessen werden Emotionen unerhört überzeichnet dargeboten. Den westlichen Zuschauer reißt solches Overacting immer wieder aus der Geschichte. Zu den besonders unrühmlichen Beispielen gehören in „Keiler“ die Auftritte des cholerischen Polizeichefs und seiner debilen Untergebenen, die wie seelengewanderte Keystone-Cops aus dem US-Stummfilm agieren: übertrieben, albern, peinlich. Schon der generell gelungene Horrorfilm „Gwoemul“ (2006, ‚dt.‘ „The Host“), der dem phantastischen Kino aus Südkorea im Westen viele Türen öffnete, litt unter diesem Manko.

Die Übertreibung macht sich in „Keiler“ besonders ärgerlich dort bemerkbar, wo die Handlung wirklich komisch ist: Shin weiß sehr wohl, was schwarzer Humor ist, weshalb doppelt schade wirkt, dass dies durch den Inszenierungsstil torpediert wird. Mancher Einfall ist für sich betrachtet genial, weil er unerwartet und lakonisch präsentiert wird. Kims senile Mutter ist stets für einen misslichen Auftritt gut; der strenge Detective Shin ist ein Kleptomane; wenn der alte Cheon die Konstruktion einer Bärenfalle schildert, begleitet eine animierte Konstruktionszeichnung seinen Vortrag; eine aufwendig unter Einbeziehung grandioser Landschaftsschaftsaufnahmen gestaltete Begräbnisszene entpuppt sich als Trauerfeier für einen Hund. Im Schlussbild verzieht ein winziges und putziges Wildschwein-Ferkel seine Miene mit minimaler, als solche kaum zu registrierender CGI-Unterstützung zu einer ‚dämonischen‘ Fratze – glänzender kann man die obligatorische Andeutung einer Fortsetzung nicht parodieren!

Den Spagat zwischen den beiden Kino-Kulturen weiß Shin Jung-won nicht zu meistern. „Keiler“ ist in Südkorea erfolgreich gelaufen. Hierzulande versucht die Werbung auf der schon abgeflachten Asia-Horror-Welle zu reiten. Ein moderner Klassiker ist „Keiler“ nicht; dazu sind die (längst nicht in ihrer Gesamtheit aufgelisteten) Eigenheiten und Fehler zu ausgeprägt. Man darf zwar vom asiatischen Kino nicht kategorisch originäre Geschichten verlangen. Shin treibt es jedoch ein ganzes Stück zu weit mit der Plünderung erfolgreicher Vorbilder. „Keiler“ ist Kino der B-Kategorie – mit diversen Schlenkern in den Trash-Bereich. Kann man das (sowie die lieblos-monotone Synchronisation) ertragen, hat die zweistündige Schweinehatz durchaus ihre unterhaltsamen Momente.

DVD-Features

Sparsam wurden dem Hauptfilm einige Extras beigefügt. Da gibt es wie üblich den Originaltrailer, hinzu kommen einige Interviews mit Darstellern und dem Regisseur. Diese bedienen sich ihrer koreanischen Muttersprache, aber erfreulicherweise wurden ihre Worte deutsch untertitelt. Anders als ihre westlichen Kollegen haben die asiatischen Filmschaffenden die Alibi-Funktion des „Making-of“ als verkappte Werbung noch nicht verinnerlicht – sie bemühen sich, auf Fragen nach der Intention ihrer Rollen ehrlich und informativ Antwort zu geben.

Ein drittes Feature zeigt interessante aber willkürlich und unkommentiert bleibende Impressionen von den Dreharbeiten. „Chaw“ entstand nicht ausschließlich in Südkorea. Für zwei Monate reisten Darsteller und Regisseur nach Kalifornien. Dort nutzte man nicht nur die US-amerikanische Tricktechnik, sondern drehte auch viele der Jagdszenen, in die später per Green-Screen das böse Schwein integriert wurde.

Im Internet gibt es eine Website zum Film, die sich indes nur denen erschließt, die der koreanischen Sprache in Wort und Ton mächtig sind.

[md]

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