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Archiv für die 'Abenteuer' Kategorie

Wir sind was wir sind

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. November 2011

WIR SIND WAS WIR SIND
ab 28. Oktober auf DVD und Blu-ray

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters müssen sich die Mutter und ihre drei Teenager-Kinder um den Familienunterhalt kümmern. Dass sie Kannibalen sind und ohne menschliches Fleisch nicht leben können, macht die Sache nicht gerade einfacher. Keiner fühlt sich bereit, den Platz des Vaters einzunehmen. Doch einer muss die Verantwortung tragen und das Los fällt auf den ältesten Bruder. Er muss sich um den Nahrungsnachschub kümmern. Bei den Außenseitern der Gesellschaft probiert er sein Glück: Straßenkinder, Prostituierte, Homosexuelle. Doch er hat keinen Erfolg und als die Lage immer prekärer wird, droht der Familie der sichere Hungertod.

WIR SIND WAS WIR SIND steht in der Tradition kompromissloser, junger mexikanischer Filme wie „Amores Perros“ und „Sin Nombre“, nutzt aber auch Elemente des Horror-Genres. In Stil und Inhalt erinnert WIR SIND WAS WIR SIND an „So finster die Nacht“: Am Beispiel einer Kannibalenfamilie zeigt der junge Regisseur den täglichen Kampf ums Überleben in einem Umfeld, dem jegliche soziale Empathie abhanden gekommen ist.

Technische Daten:
Originaltitel: Somos lo que hay
Produktionsland + -jahr: Mexiko 2010
Genre: Horror
Ton DVD: Deutsch (DD 5.1), Spanisch (DD 5.1)
Ton BD: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Spanisch (DTS-HD MA 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bild DVD: 2,35:1
Bild BD: 2,35:1 (1080p)
Laufzeit: ca. 90 Min. (DVD), 93 Min. (BD)
FSK: 18
DVD-/BD-Extras: Kurzfilm Mi Hermano, Making of, Behind the Scenes, Trailer

blu-ray  bei Amazon.de

DVD bei Amazon.de

Preisrätsel / Gewinnspiel 2 x 1 (KOSTENLOSE!) DVD: Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: WIR SIND WAS WIR SIND steht in der Tradition kompromissloser, junger mexikanischer Filme wie zum Beispiel welche oben genannte Titel? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  200 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

DIE GEWINNER LAUTEN: Anne Kühtreiber und Gabriele Lohrè. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND VOR ALLEM UNSEREM SPONSOREN! HERZLICHEN DANK!

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Treasure Guards

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. November 2011

Treasure Guards
FSK freigegeben ab 12 Jahren.

EAN: 0886979488298
FSK freigegeben ab 12 Jahren.
Sony Music Entertainment Germany GmbH / München

DVD-Video

In dem neuesten TV-Abenteuer der Macher von „Die Säulen der Erde“ gerät „Pushing Daisies“-Star Anna Friel in ein gewaltiges Abenteuer. Mit von der Partie: Die Deutschen Volker Bruch und Florentine Lahme … ProSieben zeigte „Treasure Guards“ am Freitag, 30. September 2011, um 20.15 Uhr als Deutschland-Premiere.

© TANDEM COMMUNICATION GMBH & FILM AFRIKA WORLDWIDE (PTY) LIMITED SOUTH AFRICA

Als die junge Archäologin Victoria Carter (Anna Friel) bei Ausgrabungen in der jordanischen Wüste auf eine unterirdische Grabkammer stößt, macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Sie findet eine antike Schriftrolle, die Hinweise auf den berühmten Ring des Salomo enthält. Das Relikt ist eines der meistgesuchten der Welt, denn der Legende nach soll es der biblische König von Gott höchstpersönlich erhalten haben. Neben Victorias Vater Teddy (Andre Jacobs), der selbst ein renommierter Archäologe ist, interessiert sich auch der Vatikan für den Ring und beauftragt einen ehemaligen Leibwächter des Papstes, Angelo (Raoul Bova), die Ausgrabungen im Auge zu behalten. Als Mitglied der Geheimorganisation „Treasure Guards“ ist es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das heilige Relikt nicht in die falschen Hände gelangt. Doch als er Victoria kontaktiert, ist es bereits zu spät: Nach Jahren der Entfremdung ist Teddy unter einem Vorwand bei ihr aufgetaucht und hat das Pergament gestohlen. Gemeinsam mit Angelo und dessen ebenso lebenslustigem wie unzuverlässigem Halbbruder Luca (Volker Bruch) reist die Archäologin nach Italien, Ägypten und Tunesien, um die Schriftrolle zu finden. Bei ihrer Suche wird schnell klar, dass sie niemandem trauen können, denn der Ring ist nicht nur ein religiöses Relikt, sondern auch der Schlüssel zu Salomos legendärer Diamantenmine …

Hintergrund: Nach dem Welterfolg „Die Säulen der Erde“ (2010) ist „Treasure Guards“ das neueste TV-Abenteuer der Münchner Produktions¬firma Tandem Communications. Die Dreharbeiten fanden unter der Beteilung von ProSieben Ende 2010 in Südafrika (u.a. Kapstadt) statt. Regisseur Iain MacDonald („Mansfield Park“) setzt neben einer abenteuerlichen Story auf einen interessanten internationalen Cast: Die englische „Pushing Daisies“-Beauty Anna Friel trifft unter anderem auf den Italiener Raoul Bova („The Tourist“) und die beiden Deutschen Volker Bruch („Goethe!“) und Florentine Lahme („Keinohrhasen“).

„Treasure Guards – Das Vermächtnis des Salomo“

(OT: „Treasure Guards”)
Am Freitag, 30. September 2011, um 20.15 Uhr
Eine Produktion von Tandem Communications und Film Afrika Worldwide in Zusammenarbeit mit ProSieben Television und RTI (Gruppo Mediaset)
Als Deutschland-Premiere, D 2011
Mit: Anna Friel, Raoul Bova, Volker Bruch, André Jacobs, Florentine Lahme u.a.
Regie: Iain B. MacDonald
Produzenten: Moritz Polter, Jonas Bauer, Rola Bauer, Tim Halkin
Genre: Abenteuer

Trackliste

1.01: Treasure Guards
1.02: Making Of ‘Treasure Guards’
1.03: Trailer ‘Treasure Guards’
1.04: Interviews

DVD bei Libri.de

Preisrätsel / Gewinnspiel 3 x 1 (KOSTENLOSE!) DVD: Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Als die junge Archäologin Victoria Carter (Anna Friel) bei Ausgrabungen in der jordanischen Wüste auf eine unterirdische Grabkammer stößt, macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Sie findet eine antike Schriftrolle, die Hinweise auf welchen berühmten Ring enthält? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald 300 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

DIE GEWINNER LAUTEN: Victor Arnowski, Alexander Derschner und Ebert Ralph. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND VOR ALLEM UNSEREM SPONSOREN! HERZLICHEN DANK!

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Elephant White

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. November 2011

Elephant White [Blu-ray]

Kevin Bacon (Darsteller), Djimon Hounsou (Darsteller), Prachya Pinkaew (Regisseur) | Alterseinstufung: Freigegeben ab 18 Jahren | Format: Blu-ray

Darsteller: Kevin Bacon, Djimon Hounsou, Jirantanin Pitakporntrakul
Regisseur(e): Prachya Pinkaew
Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 21. Oktober 2011
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 91 Minuten

Auftragskiller Church wird von einem Geschäftsmann angeheuert, den Mord an dessen Tochter zu rächen. Das Mädchen wurde Opfer einer thailändischen Bande, die Kinder entführt und zur Prostitution zwingt. Mit der Hilfe eines skrupellosen Waffenhändlers spürt Church die Männer auf, die die Tochter seines Auftraggebers auf dem Gewissen haben sollen. Der Job scheint eine leichte Sache zu werden – bis sich Church mitten in seinem erbarmungslosen Krieg zwischen zwei rivalisierenden Gangs wiederfindet. Hineingezogen in den brutalen Strudel aus Gewalt und Korruption erkennt Church bald die Wahrheit hinter dem Mann, der ihn angeheuert hat.

blu-ray  bei Amazon.de

DVD bei Amazon.de

Preisrätsel / Gewinnspiel 2 x 1 (KOSTENLOSE!) blu-ray: Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Ein Auftragskiller welchen namens wird von einem Geschäftsmann angeheuert, den Mord an dessen Tochter zu rächen? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  200 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

DIE GEWINNER LAUTEN: Annett Nullmeyer und Gabi Wölk. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND VOR ALLEM UNSEREM SPONSOREN! HERZLICHEN DANK!

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Your Highness

Erstellt von Günther Lietz am 30. August 2011

Von der Masse und den Kritikern verschmäht, ist der Film “Your Highness” – von David Gordon Green – überraschenderweise ziemlich witzig. Allerdings ist der vorgefundene Humor Geschmackssache …

König Tallious (Charles Dance) regiert weise über sein Reich. Ihm zur Seite stehen seine Söhne Fabious (James Franco) und Thadeous (Danny McBride). Fabious ist von ansehnlicher Gestalt, rettet regelmäßig das familieneigene Königreich und löst reihenweise Questen. Thadeous ist dagegen ein Taugenichts, der fremde Königreiche gegen sich aufbringt, die Frauen liebt und gerne mal Zauberkraut raucht, um einen ordentlichen Rausch zu bekommen. Als nun Fabious’ jungfräuliche Braut Belladonna (Zooey Deschanel) entführt wird, ziehen die beiden Brüder los, um sie zu retten.

Die liebliche Belladonna befindet sich leider in der Gefangenschaft des bösen Zauberers Leezar (Justin Theroux), der die Jungfrau zu schwängern droht. Die beiden Prinzen ziehend mit ihrer Gefolgschaft los. Es dauert nur kurz, und die ungleichen Brüder sind fast – denn Narr Courtney (Rasmus Hardiker) ist mit von der Partie – auf sich alleine gestellt. Glücklicherweise schließt sich ihnen die holde und knackige Amazone Isabel (Natalie Portman) an. Und nun geht das Abenteuer richtig los …

Um “Your Highness” zu mögen, sollte sich der Zuschauer eines im Vorfeld klarmachen: Der Film ist keine leichte Fantasykomödie, sondern derbe Fantasy-Comedy. Das Drehbuch von Danny McBride und Ben Best ist ziemlich dünn, hangelt sich an üblichen Geschichten entlang und dient nur als Vehikel für Blödsinn, Quatsch und Klamauk. Gespickt mit einer Portion Erotik, sexistischen Witzen und blutiger Action. Das Zielpublikum des Films fällt somit sehr klein aus, handelt es sich doch um erwachsene Fantasyliebhaber, die auch mal ihr Hirn abschalten können. Das der Film es in Deutschland somit nur ins Heimkino geschafft hat, ist deswegen nachvollziehbar.

Regisseur David Gordon Green (“Ananas Express”) geht “Your Highness” sehr frei an. Er inszeniert den Film mit einer großen Portion Ironie und spielt in mehreren Szenen auf bekannte Filme an. Dazu gehören Streifen wie “Kampf der Titanen”, “Der dunkle Kristall”, “Die Reise ins Labyrinth”, “Arielle, die Meerjungfrau”, “Die Mumie” und auch “Conan der Barbar”.

Besonders auffallend an Greens Film ist die Ausstattung. Zwar fällt “Your Highness” gegen Fantasyfilme wie die “Der Herr der Ringe”-Trilogie ab, dennoch sind CGI, Kulissen und Kostüme sehr hochwertig. Auch bei den Darstellern fährt David Gordon Green ordentliche Geschütze auf. Allen voran natürlich Oscargewinnerin Natalie Portman (“Black Swan”, “Star Wars Episode I-III”) und James Franco (“127 Hours”, “Planet der Affen: Prevolution”), dicht gefolgt von Zooey Deschanel (“Per Anhalter durch die Galaxis”, “(500) Days of Summer”) und mit Danny McBride (“Ananas Express”, “Stichtag – Schluss mit gemütlich”) als Schlusslicht. Leider fällt Deschanels Rolle ziemlich klein aus, aber um so mehr punktet sie mit Spielfreude und Begeisterung.

Überhaupt ist den Darstellern ihre Freude und der Spaß am Dreh anzusehen. Sie spielen einfach drauf los und wirken sehr locker. Niemand zeigt Höchstleistung, es scheint mehr wie ein gemeinsamer Urlaub mit Bühnenstück – voller Entspannung. Einzig die Portman dreht etwas auf, zeigt was sie kann und mimt ihre Rolle zeitweise sehr ernsthaft, was aber zum Charakter der Figur gehört. Und genau diese Darstellung passt hervorragend zum Film, der kein ernsthaftes Spiel zeigen, sondern Spaß haben und vermitteln will. Der Klamauk sitzt einfach. Das zeigen auch die anderen Darsteller: Justin Theroux als Bösewicht Leezar, Charles Dance als König Tallious oder auch Damian Lewis als Boremont. Sie sind in ihrem ernsten Spiel einfach lustig.

Mit “Your Highness” hat Regisseur David Gordon Green einen Streifen im Stile der “Scary Movie”-Filme abgedreht, der in die gleiche derbe Humorkerbe schlägt, sich allerdings der Fantasy annimmt. Es wird kaum ein Klischee ausgelassen und die ganze Truppe agiert munter vor sich hin. Dabei ist die Aufmachung des Streifens hochwertig und seriös, das Schauspiel der Darsteller angemessen ernsthaft. Die Figuren agieren glaubhaft in ihrer Welt und stellen selbst die merkwürdigsten Dinge nie in Frage.

Genau deswegen funktionieren auch die Anspielungen auf populäre MMORPGs (“World of Warcraft”, “Age of Conan”) so hervorragend. Für die Bewohner der Welt ist es vollkommen normal Questen und Mini-Questen zu lösen, Questen zu teilen oder sich in Tavernen zu treffen, um über Questen zu reden. Allerdings wird in der deutschen Synchronisation tatsächlich das alte deutsche Wort “Queste” benutzt, allerdings hat sich auch im hiesigen Sprachgebrauch das englische Wort “Quest” durchgesetzt und hat „Queste“ sogar aus dem Duden verdrängt. Trotzdem ist die Synchronisation gelungen und launig.

Wer derben Humor mag, blöde Gags und Klamauk vor ernsthaftem Hintergrund, der wird mit “Your Highness” ziemlich gut bedient und kann einfach mal abschalten. Alle anderen sollten einen großen Bogen um den Film machen – er ist wirklich eine reine Geschmackssache.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

DVD bei Amazon.de
BR bei Amazon.de

Your Highness

Originaltitel: Your Highness (USA 2011)
Länge: 100 Minuten

Regie: David Gordon Green
Drehbuch: Danny McBride, Ben Best
Produktion: Scott Stuber, Jon Mone, Danny McBride, Mark Huffam, Andrew Z. Davis
Musik: Steve Jablonsky

Besetzung: Danny McBride, James Franco, Natalie Portman, Zooey Deschanel

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Priest

Erstellt von Günther Lietz am 22. August 2011

Nach Scott Charles Stewarts Film “Legion” aus dem Jahre 2010, versucht sich der Regisseur 2011 mit seinem Actionstreifen “Priest“ erneut auf der Leinwand. Mit im Boot ist auch wieder Paul Bettany, der in “Legion” ebenfalls die Hauptrolle spielte. Beide Männer vereint, versuchen sich also nun an einem scheinbar anderen Thema.

Auf den ersten Blick wartet “Priest” mit einem spannenden Genremix und abwechslungsreichen Kulissen auf. In einer alternativen Welt haben die Menschen seit jeher gegen die Vampire gekämpft, blutdurstige und augenlose Kreaturen. Doch erst vor wenigen Jahren ist es mit Hilfe der Kirche gelungen, die Vampire in ihre Schranken zu weisen und in Reservate zurückdrängen.

Das geschah mit Hilfe der Priester, ausgebildeten Elitekämpfern, die über besondere Fähigkeiten verfügten und der Kirche treu ergeben waren. Nach dem Krieg waren die Priester jedoch plötzlich arbeitslos und die besiegten Vampire gerieten in Vergessenheit.

Und genau an diesem Punkt muss der Zuschauer das Hirn abschalten. “Priest” ist ein Actionstreifen, der keinesfalls hinterfragt werden darf. Denn schlussendlich ist es doch so, dass es ziemlich unlogisch ist, dass die Menschheit nach jahrhundertelangem Krieg die Vampire einfach mal so vergisst und ihre Lebensretter – die Priester – dann halt mal bei der Müllabfuhr arbeiten lässt. Vor allem der Kirchenobere Monsignor Orelas (Christopher Plummer) besteht darauf, dass es keine Vampire mehr gibt. Stellt sich die Frage, was dann die Reservate sollen.

Davon abgesehen, ist der Stil des Films schon ziemlich einzigartig. Es gibt gigantische, von der Kirche regierte Städte, kleine autarke Dörfer inmitten der trockenen Steppe, umauerte Reservate und monströse Bauten der Vampire. Optisch ähnelt alles dem Wilden Westen, doch gleichzeitig gibt es fortschrittliche Technologien. Diese sind offensichtlich der Kirche vorbehalten, was vor allem bei den Waffen erkennbar ist. Während der normale Farmer oder Städter ein einfaches Gewehr sein Eigen nennt oder Musik vom Grammophon abspielt, rasen die Priester auf hochmodernen Zweirädern durch die Wüste, setzen blankpolierte Klingenwaffen ein oder mechanisch aufgerüstete Wurfsterne in Form von Kruzifixen. Dieser Kontrast ist sehr stark und dennoch nachvollziehbar. Die Kirche und ihre Priester sind im Grunde eine militärische Organisation – und das Militär bekommt halt das meiste Geld und die beste Technik.

Die eigentliche Geschichte des Films dreht sich um einen dieser kirchlichen Elitekämpfer. Es wird kein Name genannt, was natürlich schlecht ist, um eine Bindung zu der Figur aufzubauen. Da die anderen männlichen Priester nur kurze Auftritte haben, kann der Held des Films schlicht Priester (Paul Bettany, bekannt aus “Tintenherz”, “Legion”, “Kiss Kiss (Bang Bang)”)) genannt werden.

Nun wird dessen Nichte Lucy (Lily Collins) entführt, der Bruder schwer verletzt und Schwägerin gemeuchelt. Die Täter waren Vampire. Darüber informiert Sheriff Hicks (Cam Gigandet) den Priester und bittet ihn um Hilfe. Der sagt natürlich zu und verstößt damit gegen die Gesetze der Kirche. Während der Priester und Hicks nun losfahren um Lucy zu retten, schickt die Kirche eine Gruppe Priester los, um den Abtrünnigen zur Strecke zu bringen. Bei den Verfolgern dabei: Die Priesterin (Maggie Q)!

Es ist eine wirklich bescheuerte Idee, seinen Protagonisten keine Namen zu geben oder nicht wenigstens einen prägnanten Spitznamen oder ähnliches anzubieten. Aber wie bereits oben geschrieben: Hirn abschalten!

Der Priester und Hicks sind nun auf der Spur von Lucy. Dabei erfährt der Zuschauer langsam, warum die Kleine entführt wurde, was für eine Beziehung Lucy zu dem Priester hat und was der Oberbösewicht Black Hat (Karl Urban) für ein schlimmer Finger ist. Obwohl die Wendungen im Film voraussehbar sind, wurden sie von Stewart gut umgesetzt. Dadurch bleibt die Handlung trotz allen bedienten Klischees und geklauten Ideen unterhaltsam. Und geklaut hat Stewart wie ein Rabe. Hier eine kleine Auswahl: “Der große Eisenbahnraub”, “Django”, “Spiel mir das Lied vom Tod”, “Metropolis”, “Mad Max”, “Blade Runner”, “Matrix”, “Blade“, „Alien”, “Underworld”, “Book of Eli” und “The Descent”.

Das ist einfach zu viel, um als Hommage gelten zu können. Selbst die Grundidee des Films stammt von jemand anderem, nämlich vom Koreaner Min-Woo Hyung und dessen Manhwa-Serie “Priest”. Allerdings fällt Stewarts Adaption ziemlich frei aus.

Wie in “Legion” muss sich Stewart auch in “Priest” Kritik gefallen lassen, die seine Weltanschauung und seinen Umgang mit der Kirche betrifft. Die Kirche ist in “Priest” ein herzloser und bürokratischer Moloch, der seinen Klerus als Werkzeug einsetzt und nach der Benutzung herzlos fallen lässt. Außerdem sind die Kirchenoberen dumm und riskieren fahrlässig das Leben der Gläubigen. Stewart arbeitet hier mit plakativen Bildern und Meinungen, meidet tatsächliche Argumente und installiert mit dem Priester einen Helden, der ebenfalls keine Reflexion seiner Person zulässt oder vornimmt. Der Priester bricht aus den alten Strukturen aus, um sie selbst für seinen eigenen Kampf einzusetzen. Stewart kritisiert ohne Lösungen anzubieten, er kritisiert auf einem polemischen Niveau.

Die Hauptdarsteller in “Priest” sind allesamt bekannte Gesichter. Leider bleiben sie recht blass. Paul Bettany und Maggie Q (“Deception”, “Mission: Impossible III”, “The King of Fighters”) sind wortkarge Gesellen. Kommt es einmal zu Dialogen mit den beiden, wirken diese aufgesetzt und störend. In den Actionszenen wissen beide zu überzeugen. Lily Collins (“Blind Side – Die große Chance”, “90210″) als Lucy und Cam Gigandet (“Burlesque”, “Pandorum”, “Twilight – Biss zum Morgengrauen”) als Hicks könnten also das Spiel problemlos übernehmen, werden aber an der kurzen Leine gehalten. Dabei haben gerade Lucy und Hicks das Potenzial, echte Gefühle zu vermitteln.

Lily Collins sieht ziemlich adrett aus, aber nach einem kurzen Blick auf ihren Busenansatz, knöpft sie sich auch schon züchtig zu. Überhaupt ist das jugendliche Eyecandy des Films ziemlich schnell verschwunden. Cam Gigandet spielt Lucys Freund Hicks. Schlussendlich reicht die emotionale Bindung der beiden nur aus, um zwei oder drei schwülstige Sätze zu präsentieren. Hicks bleibt ohne Ecken und Kanten, seine Liebe zu Lucy macht ihn keinesfalls blind. Ziemlich glattgebügelt und verschenktes Potenzial.

So züchtig die liebe Lucy, so blutarm auch die Action auf der Leinwand. Dabei bietet das Thema ziemlich viel Spielraum. Aber bevor es zu brutal wird, steigt Stewart stets auf die Bremse. Des Rätsels Lösung dürfte beim FSK liegen, denn der Film wurde ab zwölf Jahren freigegeben. Tja, das ist wohl die Erklärung für seichte Dialoge, züchtige Frauen, weitgehend blutarme Gewalteskapaden und einer Handlung, der auch Kinder folgen können. Die Kunst unterwarf sich ein weiteres Mal dem Diktat der Kinokasse. Dementsprechend sind die 3D-Effekte auch nur aufgesetzt und im Grunde unnötig.

Trotz allem ist der Film spannend und weiß kurzweilig zu unterhalten. Es ist schon bitter zu beobachten, wie viel Potenzial verschenkt wurde, was aus den hervorragenden Ansätzen und diesem tollen Stil schlussendlich Durchschnittliches entstand. Für einen einfachen Kinoabend mit Popcorn und ohne Anspruch reicht „Priest“ allemal aus.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

DVD bei Amazon.de
BR bei Amazon.de
3D-BR bei Amazon.de

Priest

Land: USA 2011
Laufzeit: 87 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: Scott Charles Stewart
Drehbuch: Cory Goodman (basierend auf der Graphic Novel von Min-Woo Hyung)
Produktion: Michael De Luca, Sam Raimi, Joshua Donen, Mitchell Peck

Bildgestaltung: Don Burgess
Montage: Lisa Zeno Churgin
Musik: Christopher Young

Darsteller: Paul Bettany, Cam Gigandet, Maggie Q, Karl Urban, Lily Collins, Stephen Moyer, Mädchen Amick, Christopher Plummer, Brad Dourif, Alan Dale, Cameron Cash, Jacob Hopkins, Julie Mond

http://www.priest-film.de

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Clash of Empires – Die Schlacht um Asien

Erstellt von Galaxykarl am 6. August 2011

Clash of Empires – Die Schlacht um Asien

Ascot Elite Home Entertainment, 2011
Malaysia 2011
Originaltitel: “The Malay Chronicles: Bloodlines” oder auch:
“Clash of Empires: The Battle for Asia”
DVD in Metallbox
ISBN 7-613059-902015
Action, History
Laufzeit 105 min. PAL Color
Regie: Yusry Kru
Darsteller: Stephen Rahman Hughes, Gavin Stenhouse, Jing Lusi, Craig Fong, Henrik Norman
Altersfreigabe: 16
Bildformat 1.78:1 / 16:9
Extras: Musikvideos, Making of, Behind the Scenes, Originaltrailer, Promo-Trailer, Trailershow
Deutsch, DTS 5.1, Dolby Digital 5.1; Englisch+Bahasa Melayu, Dolby Digital 5.1

DVD und Blu-ray Disc sind ab dem 8. August 2011 in den Videotheken und ab 27. September 2011 im Handel erhältlich.

Titel erhältlich bei Amazon.de

Werbetext:

Der römische Prinz Marcus Carpenius ist von Kaiser Hadrian dazu auserwählt, mit der chinesischen Prinzessin Meng Li Hua den Bund der Ehe zu schließen. Damit soll der Friedenspakt zwischen den beiden größten Mächten ihrer Zeit besiegelt werden.

Doch die Hochzeitsfeierlichkeiten, die an der Küste des heutigen Malaysia, genau zwischen den beiden Reichen stattfinden, werden durch einen blutigen Überfall beendet. Nur ein ganz besonderer Kämpfer kann jetzt noch verhindern, dass die beiden mächtigsten Imperien der Welt zu Feinden werden. Eine uralte Prophezeiung besagt, dass ein König die Stämme Malaysias vereinen wird, um in eine große Schlacht zu ziehen. Der Dorfälteste Kesum glaubt in dem vagabundierenden Krieger Merong diesen König zu erkennen …

Mein Eindruck:

Auf der Blechbox sind einige kleine Bilder – und ein etwas Größeres – zu sehen, die Hoffnung machten, auf einen Historienschinken á la „Troja“ oder „300“. Zumindest die Grafikabteilung der Filmgesellschaft hat hier ihr Ziel erreicht: Nämlich den interessierten Cineasten mit Vorliebe für Geschichte, Kampfgetümmel und fremden Kulturen zugreifen zu lassen. Ein wenig stutzig ist man schon, wenn man von einem römischen „Prinzen“ liest. Denn die Bezeichnung Prinz hatten die Römer für die Nachkommen der Cäsaren, meinetwegen auch Kaiser, nie verwendet. Und zur Zeit Kaiser Hadrians – in der eben die Handlung spielt – schon gar nicht.

Und warum sollten Römer und Chinesen einen Friedenspakt durch eine Hochzeit schließen? Sie hatten um das Jahr 200 n. Chr. nach allgemeinem Wissen keine Kenntnis voneinander.

Doch was soll´s: Was schert einen malaysischen Filmemacher schon geschichtliche Korrektheit, wenn er denn nur entsprechend spannende Handlung bietet. Doch auch auf das wartet man vergeblich. In den über 100 Minuten erlebt man ein schlechteres Piratenspektakel, dass selbst die alten „Sandokan-Filme“ aus den 60ern und 70ern an Handlungstiefe übertreffen, von dem Nachzügler aus dem Jahre 1996 mal ganz zu schweigen.

OK; dann eben fetzige Martial-Art? Nun, die bekommt man in einigen Szenen geboten. Wären da nur nicht die lächerlichen, auf Hochglanz polierten Rüstungen der wenigen Römer, die wie klappernde Plastikkostüme an den Männern hängen. Auch die hat es so blitzend und funkelnd nicht gegeben. Überhaupt stolpern die Römer durch den Sand, als hätten sie noch nie auf welchem gestanden. Die malaysischen Piraten und ihre „guten“ Landsleute machen da wenigstens eine bessere Figur.

Und die großen Schlachtengemälde voll Zig-Tausender Krieger und Legionäre? Auch Fehlanzeige. Am Strand tummeln sich vielleicht ein paar Hundert Darsteller und das auch nur in wenig sehenswerten Kampfszenen.

Eine Bemerkung über die Dialoge spare ich mir. Wer die geschrieben hat, hat vorher wohl ein Pfund Schmalz gegessen. Dass das Ganze auf einer alten malaysischen Legende beruht, geht leider völlig unter. Hier hätte man aus den Tiefen der Überlieferung mit entsprechendem Ernst und Glaubwürdigkeit schöpfen können.

Fazit:

Der Trailer und die Aufmachung sind äußerst geschickt gemacht. Aber sie versprechen, was weder die Darsteller, die Handlung, noch der Regisseur halten können. Da halte ich es mit diesem Originalzitat: “Ein amüsantes Erlebnis, definitiv!” Ja, an manchen Stellen hab ich gelacht, mit einem Tonfall, gemischt aus Galgenhumor und Verzweiflung. Wer das als Lob gedachte Zitat geäußert hat? Das „japancinema.net“. Und die Japaner verstanden vor Fukushima etwas von Humor. Schließlich hatten sie mit ihren grottenschlechten Godzilla- und King-Kong-Filmen selbst Anlass genug, über schlechte Filme zu lachen.

Copyright © 2011 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Amazon.de

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Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

Erstellt von Günther Lietz am 28. Juni 2011

Bereits zum vierten Mal sticht Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) in See, um fantastische Abenteuer zu erleben, mystische Schätze zu suchen und bösartige Schurken zu bekämpfen. Captain Sparrow ist kein Kind von Traurigkeit und die Liste seiner Feinde lang. Diesmal dreht sich das Piratenabenteuer um die Suche nach der Quelle der ewigen Jugend und so kann davon ausgegangen werden, dass die Liste der Feinde um einige Einträge erweitert wird.

Captain Sparrows erster Auftritt findet in England statt. Hier rettet er seinen teuren Freund Joshamee Gibbs (Kevin McNally) vor dem Strang, trifft auf König George II. (Richard Griffiths) und seinen alten Erzfeind Captain Hector Barbossa (Geoffrey Rush). Zudem mach das Gerücht die Runde, Captain Sparrow würde eine Mannschaft zusammenstellen. Doch der hat davon keine Ahnung.

Bis hierhin klingt die ganze Sache nach einem spannenden Spektakel und gute Hollywoodunterhaltung. Leider weist der Film bereits an dieser Stelle eklatante Schwächen in der Story und in der Produktion auf, die einfach nur ärgerlich sind.

Deutschen Kinobesuchern wird vielleicht auffallen, dass der Synchronsprecher von Johnny Depp im vierten Teil der Piratenreihe wechselte. Es ist nun David Nathan der Captain Sparrow seine Stimme leiht, eigentlich die Stimme, die mit Depp verknüpft wird. In den drei Teilen zuvor wurde die Rolle jedoch von Marcus Off gesprochen. Das bedeutet natürlich einen Bruch in der Kontinuität. Grund dafür dürfte übrigens sein, dass Herr Off wohl eine höhere Gage für die Arbeit an dem vierten Teil verlangte. David Nathan leistet zwar gute Arbeit, aber die Sache mit der Stimme fällt auf. Vor allem, wenn jemand die Filme zeitnah hintereinander schaut.

Schlimmer als der Stimmwechsel der Hauptfigur ist die deutsche Synchronisation von Penélope Cruz als Piratenbraut Angelica. Claudia Lössl besitzt zwar eine angenehme und passende Stimme, aber der mangelt es leider am spanischen Akzent, den Señora Cruz so wunderbar zur Geltung bringt. Hier fehlt einfach das Feuer. Doch im Grunde genommen ist das egal, denn der eigentliche Star des Films ist Johnny Depp – und darunter leidet der Film besonders.

Vom alten Cast haben es nur Kevin McNally und Geoffrey Rush in “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” geschafft. Kleine liebgewonnene (Lee Arenberg, Mackenzie Crook) und große bekannte (Orlando Bloom, Keira Knightley) Darsteller der alten Filme fehlen leider. So gibt es keine der üblichen Scherze auf Kosten des naiven Navy- oder dümmlichen Piraten-Duos. Diese sogenannten Running-Gags machten einen Teil der Seele der Reihe aus.

Nun präsentiert sich also Johnny Depp als omnipräsenter Captain Jack Sparrow und dominiert die Handlung. Wie üblich trunken von Rum wankt er durchs Bild, doch bereits seine Begegnung mit König George II. zeigt die Veränderung in der Charakterkonzeption. Wo Captain Sparrow zuvor durch Schneid, Glück, eine Krise Zufall und etwas Talent die Situation meistert, trumpft er nun mit einer Brillanz auf, die der Zuschauer derzeit aus “Sherlock Holmes” (2009 mit Robert Downey jr.) kennt. Captain Jack Sparrow erfasst problemlos die Gesamtsituation, arbeitet einen Plan aus und setzt diesen minutiös in die Tat um. Das wirkt einfach falsch und aufgesetzt.

Vorläufiger Höhepunkt der Eskapade findet dann im Londoner Hafen statt, in der die Queen Anne’s Revenge vor Anker liegt, das Schiff des berühmt berüchtigten Blackbeard (Ian McShane). Und auf der heuert Piratenbraut Angelica in der Sparrwo-Verkleidung eine Mannschaft an. Das ist absolut dümmlich. “Warum, wieso, weshalb?” drängen sich hier Fragen auf. Aber das wird ein Geheimnis bleiben, ebenso wie die Spanier. Die haben im Film zwar ihren Auftritt, aber weder kommt es zu einem spannenden Gefecht zur See, noch haben sie eine echte Bedeutung für die Handlung. Es scheint so, als wären die Spanier nur deswegen dabei, weil sie nun mal an der Reihe sind. Im Grund sind sie McGuffins (mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die in einem Film meist dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne selbst von besonderem Interesse zu sein(1)).

Zudem ist die Rolle des Blackbeard ziemlich blass und ideenlos. Auch er ist vollkommen austauschbar. Der Auftritt Ian McShanes ist im ersten Augenblick zwar imposant, aber schnell zeigt sich, dass er nur wenig zur Handlung beiträgt. Zudem ist es auch nicht Blackbeards Präsenz die ihm die Herrschaft über die Queen Anne’s Revenge verschafft, sondern sein Zaubersäbel. Mit dem kann – dem Controller einer Videospielkonsole gleich – das Schiff gesteuert werden. Langweilig. Absolut langweilig!

So geht die Johnny-Depp-Show dann auch langweilig weiter. Captain Jack Sparrow fährt also wieder zur See, tölpelt bei den Spaniern herum, es werden einer Träne wegen Meerjungfrauen gejagt und an der Quelle der ewigen Jugend kommt es zum Finale. Alleine die Szene mit Captain Hector Barbossa und Captain Jack Sparrow – gefesselt an Bäume – zeugt von Witz und dem Charme alter Piratenfilme. Die kurz darauf folgende Akrobatikeinlage ist dagegen aberwitzig überzogen und wirkt recht lustlos inszeniert. Ebenso lustlos wie ideenlos wirkt auch die Einbindung von Sam Claflin als  Kleriker Philip.

Im Grunde dient die Figur des Philips nur dazu, um die Szenen mit den Meerjungfrauen ein wenig auszubauen. Es misslingt Mister Sam Claflin allerdings seiner Rolle Leben einzuhauchen und sich authentisch in den Cast des Films einzubinden. Er wirkt mehr wie ein Fremdkörper, eine Kunstfigur, ein offensichtlicher Katalysator, um den Handlungsstrang mit den Meerjungfrauen schnell und dramatisch voranzutreiben. Am Ende bleibt eine Figur, die ohne weiteres in einer eventuellen Fortsetzung des Reihe wiederverwertet werden könnte.

Überhaupt; die Meerjungfrauen. Das ist ein weiterer McGuffin. Kaum nachvollziehbar inszeniert, ohne echte Spannung und ohne Möglichkeit Emotionen zu den Meerjungfrauen oder der Meerjungfrau Syrena (Àstrid Bergès-Frisbey) aufzubauen. Auch Bergès-Frisbey bleibt ziemlich farblos und überzeugt mehr durch ihr Aussehen als durch ihre Schauspielkunst. Dabei bleibt sie nämlich weit unter ihren Leistungen aus “Sea Wall” (2008).

Rob Marshalls Piratenfilm (eine Produktion von Jerry Bruckheimer) ist ziemlich lieblos gestaltet und kann keine echten Emotionen vermitteln, was dem Trio Depp, Bloom und Knightley, in den drei Vorgängern, mit ihrem Beziehungsgeflecht gelang. Die Filme hatten eine persönliche Note, die dem vierten Teil der Reihe fehlt.

“Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” wurde für 3D- und 2D-Kino produziert. Die spärliche Dreidimensionalität ist dem Szenenbild abzulesen, dominieren doch dem 3D-Kino zuträgliche dunkle Einstellungen das Bild: Nachtaufnahmen, Aufnahmen in Höhlen, Aufnahmen im Wasser bei Nacht, Aufnahmen des Nachts in Höhlen mit Wasser. Es ist eine Schande wenn Technik die Kreativität bestimmt, anstatt die Kreativität die Technik bestimmt. Aber derzeit ist ersteres im Kino sehr populär.

Unterm Strich bleibt ein mittelmäßiger Film, der einen schalen Nachgeschmack, aber keine bleibenden Eindrücke hinterlässt. Und das, obwohl sich die Handlung auf den Roman “In fremderen Gezeiten” (“On Stranger Tides”, 1988) von Tim Powers stützt, der ebenso für den World Fantasy Award und auch für den Locus Award nominiert wurde. Die Adaption dieser guten Vorlage ist ziemlich misslungen. “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” ist einfach unteres Mittelmaß.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

(1) Genaue Definition auf Wikipedia.de

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Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten


Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
Produktionsland: Vereinigte Staaten (2011)
Länge: 136 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio
Produktion: Jerry Bruckheimer
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: David Brenner, Michael Kahn, Wyatt Smith

Johnny Depp (Captain Jack Sparrow), Penélope Cruz (Angelica), Geoffrey Rush (Captain Hector Barbossa), Ian McShane (Blackbeard), Kevin McNally (Joshamee Gibbs), Richard Griffiths (König George II.), Stephen Graham (Scrum), Àstrid Bergès-Frisbey (Syrena), Sam Claflin (Philip)


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Das Phantom aus dem Eis – Antarctic Journey

Erstellt von Michael Drewniok am 18. Juni 2011

Das Phantom aus dem Eis – Antarctic Journey

Originaltitel: Namgeuk-ilgi (Südkorea 2005)
Regie: Yim Pil-Sung
Drehbuch: Bong Joon-ho u. Yim Pil-Sung
Kamera: Chung Chung-hoon
Schnitt: Kim Sun-min
Musik: Kenji Kawai
Darsteller: Song Kang-ho (Choe Do-hyung), Yu Ji-tae (Kim Min-jae), Park Hee-soon (Lee Young-min), Yun Je-moon (Kim Seong-hoon), Choe Deok-moon (Seo Jae-kyung), Kim Kyung-ik (Yang Geun-chan), Kang Hye-jeong Kang (Yoo-jin)
Label/Vertrieb: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 16.10.2008 (DVD)
EAN: 4020974164863 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Koreanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 115 min.
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)

Das geschieht:

Sechs Männer aus Südkorea auf dem Weg durch die südpolaren Eiswüste: Unter der Führung des charismatischen Expeditionsleiters Choe Do-hyung wollen sein Assistent Kim Min-jae, der Navigator Lee Young-min, der Kommunikationsspezialist Kim Seong-hoon, der Elektronikexperte Seo Jae-kyung und der Koch Yang Geung-chan den legendären „Pol der Unzulänglichkeit“ erreichen, jenen Punkt, der im Landesinneren am weitesten von allen Küsten entfernt ist. Nur einmal hat ihn 1958 ein sowjetisches Forscherteam erreicht, denn er trägt seinen Namen aus gutem Grund: 1.700 km müssen durch zum Teil schwieriges Gelände und natürlich bei eisigen Temperaturen zurückgelegt werden.

Nach gelungenem Auftakt steht die Expedition bald unter einem Unstern. Die Männer entdecken eine Markierung im Eis und darunter ein Buch. Es ist das Journal einer britischen Expedition, die sich bereits 1922 auf die Suche nach dem Pol der Unzulänglichkeit begeben hat. Die meisten Seiten lassen sich nicht mehr lesen, doch seltsame Zeichnungen deuten ein ungutes Schicksal an. Auch das koreanische Team wird vom Unglück verfolgt. Ein Mann wird krank und geht in der Eiswüste verloren. Die Kameraden stoßen bei der Suche nicht auf ihn, sondern auf eine Leiche der britischen Vorgänger.

Choe Do-hyung überredet seine Kameraden, die Expedition fortzusetzen. Er verhält sich zusehends irrationaler und sabotiert die Funkverbindung zum Basislager. Wenig später verschuldet Choe Do-hyung heimlich aber im vollen Wissen um sein Handeln den Tod eines weiteren Mannes. Erneut verweigert er die Rückkehr. In seinem Wahn glaubt er an, nur am Pol der Unzulänglichkeit Erlösung von persönlicher Seelennot zu finden. Seine Begleiter beginnen sich vor ihm zu fürchten. Zudem beginnen unheimliche Erscheinungen die Expedition heimzusuchen. Immer wieder stoßen die Koreaner auf die Spuren der britischen Forscher, die genau wie sie einem grausamen Verderben entgegen zogen, bis die eisige Falle endgültig zuschnappte …

Noch eine Reise ins Herz der Finsternis

Asiatisches Kopf-Kino erreicht den europäischen Filmfreund in der Regel im Rahmen mehr oder weniger elitärer Festivals oder in den Nachtvorstellungen öffentlich-rechtlicher Fernsehprogramme. Auf dem Videomarkt landen solche Filme höchstens unter ferner liefen. Offensichtlich war auch dieses Label ratlos, wie man „Das Phantom aus dem Eis“ bewerben sollte. Zwar gibt es Elemente der trivialen Unterhaltung, die durch ein beachtliches Budget, das nicht nur aufwendige Kulissen, sondern auch bemerkenswerte Spezialeffekte ermöglichte, betont werden, doch darüber hinaus bietet „Das Phantom …“ multipel deutbare Filmkunst, wie sie selbst der strengste Cineast nicht diffuser wünschen kann.

In seinem ersten Langfilm macht Regisseur und Drehbuch-Mitautor Yim Pil-Sung vieles richtig und das Wichtigste falsch. Wer „Das Phantom …“ zwei lange Stunden bis zum Ende angesehen hat, versteht diese Aussage sofort. Wer sich dieser Herausforderung lieber entziehen möchte, sei hier wie folgt aufgeklärt, was deprimierend simpel ist, was nicht einmal der erwähnte Cineast leugnen könnte: Yim Pil-Sung findet den sicheren Kurs zwischen den Welten nicht. „Das Phantom …“ ist weder Mystery- noch Psycho-Thriller, sondern eine unausgegorene und mit Mysterien überfrachtete Mischung, die – allerdings auch eine Leistung – niemanden zufriedenzustellen vermag.

Weites Land und enge Schädel

Grundsätzlich wird durchaus offenbar, was Yim Pil-Sung vorschwebt: Er möchte die schier unendliche Weite der Antarktis mit dem „inner space“ in den Hirnschädeln seiner Figuren kontrastieren. Sie bewegen sich nur scheinbar durch eine unberührte und grenzenlose Welt, denn sie schleppen außer ihrem Marschgepäck auch die unbewältigten Konflikte ihres Alltagslebens mit sich. Alle flüchten sie vor Problemen und Herausforderungen, die in Korea auf sie warten. Wirklich zurück will im Grunde niemand, denn eine Heimat haben diese Männer nicht. Stattdessen ziehen sie seit Jahren durch die Einöden dieser Welt.

Doch die antarktische Eiswüste ist der denkbar schlechteste Ort für damit verbundene Grübeleien. Yim Pil-Sung hat die ideale ohne Ablenkungen gefunden: Für Auge und Geist gibt es nur weißen Schnee und blauen Himmel. Die Sonne steht im polaren ‚Sommer‘ 24 Stunden am Himmel; es wird niemals hell, das Hirn kommt nicht wirklich zur Ruhe. Die Männer schuften und schwitzen, aber es gibt weder Tag und Nacht noch Wegmarken, die einen Fortschritt sichtbar machen. Sie schleppen, essen und schlafen, während sie auf der Stelle zu treten scheinen und viel Zeit bleibt, sich Gedanken zu machen.

Erste Risse zeigen sich in der Gemeinschaft, die auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen ist. Persönliche Eigenheiten werden zum Prüfstein, wie Yim Pil-Sung in einer gelungenen Szene verdeutlicht, als ein ein- oder ausgeschaltetes Radio beinahe zur Prügelei zwischen Kim Min-jae und Lee Young-min führt – eine absurde Konfrontation, die beide Männer mit voller Absicht eskalieren lassen.

Der Geist gibt nach

Als Anfang vom Ende erweist sich der anfangs unbemerkte psychische Zusammenbruch des Expeditionsleiters. Choe Do-hyung hat aus seiner Sicht gute Gründe, die Antarktis nicht mehr zu verlassen. Nach und nach enthüllt sich seine private Tragödie. Dennoch folgen ihm seine Gefährten, bis es zu spät ist: Die asiatische Mentalität zementiert einen Gehorsam, der wider besseres Wissen erhalten bleibt. Ein uralter Expeditions-Kodex unterstreicht diese Gefolgschaftstreue noch.

Mit dem geistigen Verfall und den daraus resultierenden Folgen könnte Yim Pil-Sung seine Geschichte spannend gestalten. Er zieht jedoch eine mystische Ebene ein: Im Eis spukt es offenbar. Dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, belegen Phänomene, die definitiv nicht nur den Wahnvorstellungen der gepeinigten Männer entspringen, sondern ‚real‘ sind.

Dazu zählt vor allem die koreanische Expedition als ‚Spiegelung‘ des britischen Unternehmens. Yim Pil-Sung investiert viel Mühe in die Betonung der Parallelen. Nicht grundlos spielt der blutige Höhepunkt in dem alten Lager der Briten, das wie ein polares Spukschloss gestaltet ist. Hier vollendet sich das Verhängnis der gegenwärtigen Expedition.

L’art pour l’art oder künstlerischer Amoklauf?

Womit das Geschehen keineswegs schließt. Es folgt ein Epilog, der sich gänzlich von Sinnfragen freimacht. Der polare Sommer schlägt plötzlich in tiefe Nacht um, in der die beiden Überlebenden – oder sind es schon Geister? – eine ebenso tief- wie unsinnige Diskussion führen. Als dann tatsächlich das Ende kommt, scheint es eine weitere Tragödien-Schleife anzudeuten: Das verhängnisvolle Tagebuch wartet im Eis auf die nächste Expedition.

Zurück bleiben zu viele Fragen. Den Zuschauer zu fordern, ihm sogar Antworten vorzuenthalten ist das Recht des Filmemachers. Er muss dabei freilich das rechte Maß finden: Bleibt er allzu rätselhaft, keimt im Publikum schnell der Verdacht auf, er habe selbst keine Ahnung gehabt, wie er das angerichtete Chaos auflösen könnte.

„Das Phantom …“ hinterlässt genau diesen Eindruck. Es können wie schon erwähnt nicht ausschließlich Halluzinationen sein, die den Männern zu schaffen machen. Wer oder was hinterlässt die kreisrunden, tief ins Eis hinunter führenden Löcher? Welche Kreatur liegt am Grund der Eisspalte begraben? Was ist das für eine weiße Gestalt, die manchmal am Bildrand auftaucht? Wie gelang es den Briten vor 80 Jahren, so tief im Landesinneren gleich mehrere Großgebäude aus Holz zu errichten? Warum werden diese ausgerechnet dann vom Sturm zerstört, als die Koreaner sich dort aufhalten?

Völlig überflüssig wirken zudem einige Blenden ins Basislager, wo die hübsche Yoo-jin das Funkgerät hütet. Yim Pil-Sung sprengt ohne Erfordernis die Isolation, die er zuvor sorgfältig um sein polares Sextett inszeniert hat. Die Außenwelt hat in dieser Geschichte nichts zu suchen.

Kammerspiel in unendlicher Weite

Obwohl dieser Film in der Grenzenlosigkeit der Antarktis spielt, ist „Das Phantom …“ ein Kammerspiel. Zwar zeigt die Kamera die Männer immer wieder aus der Ferne, um ihre Verlorenheit zu unterstreichen. Die Handlung konzentriert sich jedoch auf die sechs Figuren. Da Yim Pil-Sung auf Action weitgehend verzichtet, liegt es in der Verantwortung der Schauspieler, den Zerfall der Gruppe buchstäblich darzustellen.

Song Kang-ho, Yu Ji-tae und Park Hee-soon sind die drei Hauptfiguren. Sie sind aktiv, während die zuverlässig aufspielenden Yun Je-moon, Choe Deok-moon und Kim Kyung-ik primär die Opferrollen übernehmen. Vor allem Song Kang-ho, der auch einem westlichen Publikum durch Rollen in Filmen wie „Lady Vengeance“ (2005) oder „The Host“ (2006) bekannt sein könnte, vermag den Weg vom allseits geachteten Anführer zum kontrollierten, gemeingefährlichen Irren überzeugend zu mimen. Yu Ji-tae kämpft mit der Konvention, die ihn zur Gefolgschaft verpflichtet, während Park Hee-soon den Intellektuellen verkörpert, der in eine Situation gerät, die mit Fachwissen und Beherrschung nicht zu meistern ist.

Sehr angenehm empfindet der westliche Zuschauer die beinahe gänzliche Abwesenheit jenes exaltierten Stils, in dem im asiatischen Kino intensive Gefühle weniger ausgedrückt als theatralisch herausgeschrien werden. Hier bleiben Emotionen meist angedeutet und jederzeit glaubhaft.

Die Landschaft ist ein integraler Bestandteil dieser Geschichte. Der Purist mag bemängeln, dass die Schneehänge jener neuseeländischen Höhenzüge, die für „Das Phantom …“ die Antarktis doubeln, mit der originalen Topografie wenig zu tun haben. Doch um Originaltreue geht es in diesem Film nicht, sondern um den Eindruck absoluter Verlassenheit. Den weiß Kameramann Chung Chung-hoon mit eindringlichen Bildern heraufzubeschwören. Komponist Kenji Kawai unterstützt ihn mit einem sorgfältig auf das musikalische Minimum reduzierten Score.

Außer Spesen wenig gewesen

Trotz seiner Schauwerte, der interessanten Story und der engagierten Darsteller hinterlässt „Das Phantom“ einen zwiespältigen Eindruck. Der Film ist lang und wird mit zunehmender Dauer langweilig. Statt die Spannungsschraube anzuziehen, sorgt der Regisseur für Verwirrung. Falls er seinem Publikum damit die zunehmende Verwirrung seiner Figuren mitteilen möchte, übertreibt er es. Frustration ist kein Gefühl, das den Gemütszustand eines Zuschauers dominieren sollte!

Damit steht das europäische Publikum übrigens nicht allein. Weder in Korea noch anderswo in Asien wurde „Das Phantom …“ ein Erfolg an den Kinokassen. Angesichts der beachtlichen Kosten war dies eine herbe Enttäuschung. Yim Pil-Sung ließ sich dadurch nicht irre machen und drehte 2007 „Henjel gwa Geuretel“, seine sehr spezielle Version des Märchens „Hänsel & Gretel“. Damit endete seine Laufbahn als Regisseur vorläufig.

DVD-Features

Ausgerechnet dieser Film, der interpretatorischer Hinweise seines Regisseurs und Autors so dringend bedarf, bleibt (zumindest in der deutschen Fassung) ohne Zusatzmaterial. So bleibt abschließend nur, über die Bild- und Tonqualitäten dieser DVD zu schwärmen, die in voller (Breitwand-) Pracht auf einem diagonalstarken Fernsehgerät zur Geltung kommen.

[md]

Titel bei Libri.de (DVD)

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Thor

Erstellt von Günther Lietz am 12. Juni 2011

Glattgebügelt und politisch korrekt gestaltet sich Kenneth Branaghs “Thor”, der 2011 mit schwingendem Hammer die Kinoleinwand erobert – oder besser gesagt: zertrümmert. Was über den großen Teich herangeschwappt kommt ist, gelinde ausgedrückt, ein großer Haufen Mist!

Das sich Hollywood keinen Deut um die korrekte Darstellung einer Idee oder Geschichte kümmert, ist bekannt. Das gilt auch für Comics. Da wird eine Sage gerne mal frei interpretiert oder ganze Mythen locker adaptiert. An sich kein Problem, solange es gut gemacht ist und wenigstens einen Funken des Originals beinhaltet. Die nordischen Sagen – im speziellen die eddischen Schriften – derart zu vermurksen, dafür braucht es schon einiges an Schneid. Oder an Dummheit. Beides geht ja gerne Hand in Hand. Eventuell fällt auch nur einem Europäer auf, was für ein Schmarrn Regisseur Kenneth Branagh und die Autoren Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski und Mark Protosevich aus dem Hut gezaubert haben.

Die Unterschiede zu den mythologischen eddischen Schriften nun mal beiseite gestellt, verfehlt der Film sogar die Comicvorlage von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby. Was am Ende bleibt ist eigentlich nur ein Hüne mit Hammer im Kostüm, der sich Superheld nennt und den Marvel-Stempel trägt. Dabei wird hier im Film eigentlich die Geschichte über Thors Wandlung zum Superhelden erzählt. Und die ursprüngliche Story aus dem Jahre 1962 unterscheidet sich doch arg von dem, was der Film anbietet. Das mag auch noch geschenkt sein, aber der Streifen wartet ja auch mit inhaltlichen Fehlern auf.

Sehen wir uns mal die Hauptfigur und seine Heimat an. Asgard selbst liegt irgendwo im Universum. Es handelt sich um eine polierte Stadt, die klinisch tot wirkt. Ihre Bewohner tauchen nur auf, wenn sie beim Wacheschieben sterben oder dem lieben Odin zujubeln. Der wird von Anthony Hopkins gespielt. Der Film zeigt übrigens wie der liebe Odin sein Auge im Kampf verliert. Auch hier eine sehr freie Auslegung der Geschichte. Aber auch das sei geschenkt.

Thor (Chris Hemsworth) ist nun ein ziemlich arroganter Bursche und den Einflüsterungen seines Bruder Loki (Tom Hiddleston) hilflos ausgeliefert. Loki gibt natürlich den Bösewicht und hat seine ganz eigenen Pläne. Also stachelt er Thor zu Unsinn an. Der versammelt ein paar Kumpels, rast über die Regenbogenbrücke und lässt sich dann von Heimdall (Idris Elba) zu den Frostriesen beamen. Und das alles politisch korrekt, denn der blonde Thor hat in seiner illustren Runde eine Frau, einen Asiaten, Heimdall ist ein Schwarzer und es gibt auch noch den nordisch anmutenden Nordmann. Das hat mit der nordischen Mythologie um Thor so viel zu schaffen wie ein Haferkeks mit einem Stück Torf. Okay, der Haferkeks ist für sich alleine wenigstens zu genießen, “Thor” dagegen nicht. Zwar gehören Fandral, Hogun und und Volstagg innerhalb des Marvel-Universum an Thors Seite (sie sind ja die The Warriors Three), aber hier wird die Story erzählt wie Thor zum heldenhaften Gott wird und sich den Ruf als göttlicher Held erwirbt. Seine unterstützenden Kampfgefährten kommen eigentlich erst später hinzu.

Das Heimdall von einem Schwarzen gespielt wird wirkt auf Europäer sicherlich verstörend und ist im direkten Bezug zu den Originalcomics natürlich Murks, entspricht aber der Version des alternativen Marvel-Universums aus „Thor: The Mighty Avenger“. Dort ist Heimdall, als Bewahrer der Bifrost Bridge, ebenfalls ein Schwarzer. Das wirkt aber einfach befremdlich. Natürlich ist es normal, dass jeder Superheldenfilm Teil des Superheldenfilm-Universums wird und aus den Comics nur die besten Stücke nimmt. Aber hier wurden die, mit Verlaub, schlechtesten Stücke genommen und zu einem glattpolierten Stück Film zusammengeschaufelt. Aber weiter mit der Handlung, denn die Action ist vorhersehbar und langweilig. Die Möglichkeiten des göttlichen Hammers werden kaum ausgelotet.

Nachdem Thor wegen seinem Alleingang Ärger bekommt, wird er auf die Erde verbannt und trifft dort auf drei Wetterforscher, während sein Hammer irgendwo in der Wüste landet und zum Zentrum lustiger Hammerpartys wird. Also “Akte X” mag ja an den Haaren herbeigezogen sein, aber in der Realität würde so ein Hammerding sofort die “Men in Black” anlocken; oder halt Mulder und Scullys reale Kollegen. Aber egal, auch das sei geschenkt.

Thor ist halt ein arroganter Kerl, viele Dinge laufen schief und es gibt lustige Begegnungen zwischen dem Gott und den Sterblichen. Schlussendlich erfährt Thor eine Wandlung seiner Persönlichkeit und es kommt zu Endkampf. Ende! Puh, das ist schnell zusammengefasst und das ist auch gut so. Denn es gibt keinen Grund für Thors Wandlung, es gibt keine Charakterentwicklung. “Thor” ist einfach auf ein Zielpublikum zugeschnitten, dass sich leicht zufriedenstellen lässt. Und um sämtliche Schwächen zu kaschieren kommt der ganze Murks auch noch in 3D auf die Leinwand. Wer kann solch einen Film gut finden? Vor allem nach so vielen starken Superheldenfilmen, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen. “Spider Man”, “Superman”, “Iron Man” und der grandiose “The Dark Knight”. Die Messlatte hängt verdammt hoch, da ist nur schwer heranzukommen. “Thor” wagt noch nicht mal den Versuch.

“Thor” selbst ist Mist. Und es ist ein Rätsel, warum der Streifen trotzdem ein gutes Einspielergebnis abliefert. Liegt es daran, dass die Kinobesucher keinen Bezug zu den Sagen haben? Ist 3D-Kino Kopfwäschekino? Oder sind Bildungsniveau und Kunstverständnis in der Gegenwart einfach tot? Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Hollywood einfach ein entsprechendes Publikum erzogen hat, dass mit so wenig so zufrieden ist. „Thor“ hätte ein großartiger, erstklassiger Film werden können, mit einem Helden, der Tiefgang besitzt und echte Lebenserfahrungen macht. Stattdessen präsentiert sich Thor wie ein pubertierende Knabe, in dem allerdings ein Held steckt. Wobei, das dürfte das pubertierende Zielpublikum ja gerade ansprechen und wäre ein Grund, warum dieser Murks solch ein Murks ist. Murks eben. Und im Nachhinein lieber doch nicht geschenkt.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Thor

Originaltitel: Thor (USA 2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski
Produktion: Kevin Feige
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Haris Zambarloukos
Schnitt: Paul Rubell

Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Tom Hiddleston (Loki), Anthony Hopkins (Odin), Idris Elba (Heimdall), Samuel L. Jackson (Nick Fury)


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Piranha 3D

Erstellt von Michael Drewniok am 10. Juni 2011

Piranha 3D

Originaltitel: Piranha 3D (USA 2010)
Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Pete Goldfinger u. Josh Stolberg
Kamera: John R. Leonetti
Schnitt: Baxter
Musik: Michael Wandmacher
Darsteller: Elisabeth Shue (Sheriff Julie Forester), Steven R. McQueen (Jake Forester), Jessica Szohr (Kelly), Jerry O’Connell (Derrick Jones), Christopher Lloyd (Mr. Goodman), Ving Rhames (Deputy Fallon), Richard Dreyfuss (Matt Boyd), Kelly Brook (Danni), Riley Steele (Crystal), Adam Scott (Novak Radzinsky), Ricardo Chavira (Sam), Dina Meyer (Paula Montellano), Paul Scheer (Andrew Cunningham), Brooklynn Proulx (Laura Forester), Sage Ryan (Zane Forester) uva.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 17.03.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4006680051239 (DVD) bzw. 4006680051246 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Bevor das Sommersemester beginnt, fallen 20.000 Studenten über Lake Victoria im US-Staat Arizona her. Sie wollen feiern, Dünnbier direkt aus dem Fass saufen, wenn möglich diverse Körperflüssigkeiten austauschen und vor allem brüllen, als ob sie am Spieß stäken: „Spring Break“ ist angesagt!

Sheriff Julie Forester und ihre Deputys haben alle Hände voll zu tun, die wilde Meute wenigstens einigermaßen unter Kontrolle zu halten. Sheriff-Sohn Jake ist sauer, denn schon wieder soll er seine Schwester Laura und ihren Bruder Zane hüten, statt sich mit ins Getümmel zu stürzen. Als ihm Softporno-Produzent Derrick Jones gutes Geld bietet, um ihn und zwei silikonbusige Nymphen an eine einsame Stelle des Sees und dorthin zu bringen, wo diese sich nackt unter Wasser tummeln können, lässt Jake allen Gehorsam fahren und genannte Geschwister allein zu Haus. Auch die hübsche Kelly, Jakes Fast-Freundin, lässt sich ködern und kommt mit an Bord.

Ein kleines Erdbeben kann den Spring Break nicht stoppen. Unbemerkt hat sich im See eine Spalte geöffnet. Im Erdinneren öffnet sich eine Wassertasche, in der fleischgierige Urzeit-Piranhas überleben konnten. Sie strömen ins Freie und nach kurzer Orientierung dorthin, wo die studentischen Bacchanalien ihrem Höhepunkt entgegensteuern. Die hungrigen Fische finden reiche Beute, das Seewasser färbt sich blutrot.

Inzwischen hat Jones seine Jacht im Kokainrausch auf Grund gesetzt. Auch hier tauchen die Piranhas auf. Wie der Zufall spielt, musste Jake kurz zuvor seine daheim durchgebrannten und später gestrandeten Geschwister bergen, die nun ebenfalls in Lebensgefahr schweben. Als Jake seiner Mutter per Handy die Notlage gesteht, kennt diese kein Halten mehr. Mit einem kleinen Boot steuert sie die Unfallstelle an, wo nicht nur ihre Kinder, sondern auch die Piranhas sie ungeduldig erwarten …

Die traurige Mär vom getretenen Quark

Es waren einmal … die 1980er Jahre und ein Horrorfilm, der zumindest in den USA durch vergleichsweise wenige gesetzliche Vorschriften gegängelt wurde. Die dramaturgischen und stilistischen Folgen verteilten sich auf drei Kategorien: Blut & Gekröse, rüde Scherze und blanke Busen. Obwohl die Reihenfolge wechselte, blieben dies die Primärmerkmale später kultisch verehrter, noch auf echtem Zelluloid gedrehter (bzw. billig heruntergekurbelter) Splatter-Streifen: „Freitag der 13te“, „Muttertag“, „Hügel der blutigen Augen“ …

Diese Aufzählung ist keineswegs komplett, aber die genannten und viele (viele, zu viele) andere Grob-Grusler jener Ära wurden und werden derzeit neu verfilmt. Selbst obskure Schlitzer-Schätze wurden inzwischen gehoben, sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis es auch „Piranha“ erwischte. Dieses Verb wird hier mit Bedacht verwendet, denn es vermittelt die Zwiespältigkeit solcher Remakes: Sie wollen die Vergangenheit mit den Mitteln der Gegenwart wiederbeleben und ignorieren dabei das Phänomen des Zeitgeistes.

Der Original-„Piranha“ biss 1978 zu. Geplant war damals in keiner Weise ein Kultfilm, sondern ein hoffentlich lukratives Imitat des Mega-Blockbusters „Jaws“ (dt. „Der weiße Hai“), der drei Jahre zuvor gezeigt hatte, wie viel Geld aus salzigem Wasser destilliert werden konnte. Um die gewaltigen Klüfte zu vertuschen, die in Sachen Regie-Talent, Drehbuch-Geist und Budget zwischen den beiden Filmen klafften, wurde „Piranha“ zur „Jaws“-Parodie ernannt. Auf diese Weise konnten die Absurditäten und Dämlichkeiten des Ergebnisses verbrämt und einem vertrauensseligen Publikum verkauft werden.

Lasset die dümmlichen Spiele beginnen!

Im 21. Jahrhundert gehen flinke Produzenten ein wenig anders vor. Dilettantismus und Schmalspur-Budget werden jetzt als „Trash“ vermarktet und zum Kult erhoben. Bei nüchterner Betrachtung bleibt Mist indes Mist, selbst wenn suggeriert wird, er rieche nach Rosen. Ein Kult wird nicht erschaffen, sondern er entsteht – ein Phänomen, das Produzenten beschäftigt, seit es den Film gibt, weil es sich nicht künstlich generieren lässt. Das Publikum und der erwähnte Zeitgeist müssen eine seltsame und sehr flüchtige Verbindung eingehen, damit ein Kult ins Leben tritt.

„Piranha 3D“ sollte 2010 dennoch zum Event gehypt und wenn nicht Kult, dann wenigstens Trash-Blockbuster werden. Diese Mission wurde erfüllt; der Kassensturz in Hollywood ergab ein Einspielergebnis von 85 Mio. Dollar bei einem Budget von 25 Mio.; ein Fundament, auf dem man ein hoffentlich langlebiges „Piranha“-Franchise zu errichten plant, das schon 2011 mit „Piranha 3D – The Sequel“ fortgesetzt wird.

Was vielleicht der hoffnungslos optimistische Zuschauer begrüßen wird, der sich ratlos am Kopf kratzte, als „Piranha 3D“ mit einem Knalleffekt aber ohne Story-Finale endete. Dieser Rezensent mag zu alt für Filme dieser Art sein; vielleicht müssen Trash-Granaten zur Befriedigung ihres Publikums tatsächlich nur Därme & Titten verspritzen. Dann möge die Lektüre dieses Textes hier enden. Falls dem aber nicht so ist, bleibt ein Rätsel: Wie kommt der Erfolg eines Filmes zustande, der in erster Linie durch Versäumnisse und Fehler heraussticht?

Wo beißen sie denn?

Für manchen (Horror-) Film genügt eine Idee zur vergnüglichen Füllung von anderthalb Stunden. Dank „Piranha 3D“ wissen wir nun, dass die stetigen Attacken beißlustiger Fische in dieser Hinsicht ins Leere gehen können. Das kann auch das Schwenken freigelegter weiblicher Oberweiten – soweit dies aufgrund nachträglich überstraffer Aufpolsterung überhaupt möglich ist – nicht wirklich zum Positiven wenden.

Drehbuchautoren, Regisseur und Produzenten unterlagen zudem einem Irrtum, als sie glaubten, sich sklavisch auch an die definitiv spaßverderbenden Elemente des beschworenen Kult-Horrors halten zu müssen. Gemeint ist hier vor allem der ausgeleierte, unspannende und zu allem Überfluss lahm inszenierte Plot. Wer meint, „Piranha 3D“ biete Action pur, verwechselt Handlung mit Hysterie. Jede Story-Wendung kündigt sich viele Minuten an, ein Klischee reiht sich ungebrochen an das nächste. Kinder geraten in Not, gute Kids werden gerettet, böse Kids gefressen. Wer in welche Sparte fällt, folgt ebenfalls klassischen Vergaben: Nacktheit, Alkoholkonsum und laszives Benehmen werden zuverlässig und grausig bestraft. Die angepassten Langweiler überleben und können neue Generationen moralinsaurer Spaßbremsen in die Welt setzen. (Dass eine bisher stets präsente Figur so plötzlich wie unerklärt aus dem Geschehen verschwindet, erweist sich als Glücksfall – sie kann in der Fortsetzung wieder auftreten.)

Also schleppt sich „Piranha 3D“ dahin sowie von Attacke zu Attacke, als die Beißfische endlich auftauchen und das Geschehen nicht nur dominieren, sondern auch den Logikfaden fressen. Dass die Zerschnetzelung der Spring-Breaker den Höhepunkt des Films darstellt, muss man sich nachträglich zusammenreimen. Es folgt ihr nämlich die in Aufwand und Unterhaltungswert deutlich minderwertiger geratene Rettung der in Seenot geratenen Porno-Schiffer. Quasi nebenbei und an Lächerlichkeit schwer überbietbar erfolgt die (scheinbare) Vernichtung der meisten Piranhas.

Den Kopf über Wasser halten

Leid können einem die Schauspieler tun, die es in die wässrigen Kulissen verschlagen hat. Sie sind entweder Pappkameraden oder Fischfutter; nicht selten fallen sie erst ins Wasser und dann von der einen in die andere Kategorie. Besonderes Pech hat Elizabeth Shue. Anders als Christopher Lloyd oder Richard Dreyfuss kann sie sich nicht mit der Absolvierung einer Stargast-Rolle herausreden. Im „Making-of“ fällt ihr lobend nur die „sportliche Herausforderung“ ein, die sie – von Boot zu Boot springend oder an einem Seil hangelnd & dabei über Piranhas hängend – in der Tat zufriedenstellend meistert.

Falls Steven R. McQueen, der hier einmal mehr in die gewaltigen Fußstapfen seines Großvaters treten möchte, wirklich spielt, was ihm das Drehbuch vorschrieb, muss man ihn bewundern: So eine überzeugende Darstellung des verklemmten Langweilers hat man lange nicht gesehen (und keineswegs vermisst)! Ein Heuchler ist dieser Jake außerdem, der Danni und Crystal stieläugig beim Nackttauchen beobachtet, aber umgehend den Macho-Beschützer markiert, wenn Zeremonienmeister Derrick die ‚unschuldige‘ Kelly animiert, sich ihnen anzuschließen.

Jerry O’Connell weiß sich in seiner Rolle noch am besten zu behaupten. Er gibt gar nicht vor zu schauspielern, sondern chargiert schamlos nach Leibeskräften und parodiert glänzend den geilen Schmierfinken, der angetrunkene Mädchen sich für ein Butterbrot vor der Kamera blamieren lässt; kein Wunder, dass Joe Francis, der unter dem Label „Girls Gone Wild“ realiter solche Spanner-Filmchen dreht, sich als Vorbild für diese Figur erkannte sowie sauer und US-typisch reagierte und seine Piranhas (= Anwälte) ausschickte.

Weder Fisch noch Fleisch

25 Mio. Dollar hat „Piranha 3D“ verschlungen. Wo ist dieses Geld geblieben? Die Produktion war zugegeberweise schwierig. Massenszenen am und im Wasser sind kompliziert und kostspielig. Trotzdem wird echter Aufwand eigentlich nur deutlich, als die Piranhas den Spring Break sprengen. Im Wasser treiben spektakulär zerknabberte Leichen und Körperteile, fehlgesteuerte Boote oder Schiffsschrauben tragen ebenfalls zur Schlachtplatte bei.

Während die ‚mechanischen‘ Filmtricks handwerklich sauber umgesetzt wurden, sorgen die digitalen Effekte für Entsetzen. Man fühlt sich in einen „Mockbuster“ der Filmmüll-Fabrik „Asylum“ versetzt, wenn die vorgeblich brandgefährlichen Piranhas nicht schwimmen, sondern steif durch das Wasser wirbeln. Dabei bieten sie als prähistorische Fischmonster einen durchaus überzeugenden Anblick, wo sie ganz klassisch als Modell ‚belebt‘ werden.

Auch sonst leisten die Digital-Hexer sich ausschließlich Totalausfälle. Die Zweiteilung einer unglücklichen Bade-Nixe oder das erdbebenbedingte Erzittern des müllbedeckten Seebodens wirken in ihrer Ärmlichkeit kontraproduktiv. „Piranha 3D“ wimmelt nicht nur von bösen Fischen, sondern auch von ähnlichen digitalen Stimmungstötern.

Apropos 3D: Einmal mehr dient das dreidimensionale Bild ausschließlich als Jahrmarkts-Attraktion. Bootsruder u. a. lange, spitze Gegenstände werden in die Kamera gehalten, Flüssigkeiten in Richtung Publikum verspritzt, einmal sogar zwischen die Zuschauer gekotzt. Wichtig war Alexandre Aja nach eigener Auskunft außerdem die Pole-Position als erster Regisseur, der nackte Busen dreidimensional umsetzt.

Für den Unterhaltungswert ist das plastisch wirkende Bild offenbar unverzichtbar; die hier rezensierte Version ist jedenfalls nicht nur in Handlung und Bild, sondern generell flach, d. h. zweidimensional. So wurde „Piranha 3D“ übrigens auch gedreht, der Film nachträglich konvertiert. Dennoch wirkt auch die Flach-Fassung erschreckend künstlich. Viele Szenen wurden für die spätere Konvertierung eingerichtet. In 2D sind sie verschwommen – ein weiteres Glied in der langen, schweren Kette der Ärgerlichkeiten, die dem Zuschauer helfen, zum eigentlichen Bedeutungskern des Begriffes „Trash“ zurückzukehren: „Piranha 3D“ ist ein Film für die Mülltonne!

DVD-Features

Weil „Piranha 3D“ ein von der Werbung generierter ‚Kult‘ ist, wird sogar die DVD-Pressung mit reichem Beiwerk garniert. Zu einem Audiokommentar von Regisseur Alexandre Aja und den beiden Produzenten dieses Films kommen mehr als eine Stunde Hintergrund-Infos; jedenfalls wird so genannt, was sich tatsächlich aus gegenseitigem Eigenlob & verkappter Werbung zusammensetzt und zur dreisten Lügen-Show aufschaukelt. (Glücklicherweise wirft man sich dabei gegenseitig Knüppel zwischen die Beine: Während Aja sein Werk zum existenzialistischen „Coming-of-Age“-Epos aufwerten will, geben die Produzenten damit an, mit dem Kunstblut-Verbrauch einen neuen Film-Rekord aufgestellt zu haben.)

„Schrei nicht, schwimm einfach – Hinter den Kulissen von Piranha 3D“ ist der Obertitel dieser vier Features: „Aja, Besetzung und Story“, „Blut und Gore“, „Spezialeffekte und Stunts“, „Warum 3D?“. Die Interviews mit Regisseur Aja, den Produzenten und den meisten Darstellern können übersprungen werden; man kriecht sich gegenseitig in den Hintern, bis zumindest dem Zuschauer schlecht wird. Interessanter ist es, wenn die Handwerker hinter der Kamera zu Wort kommen. Vor allem der kernige Meister der handgemachten Spezialeffekte erklärt seinen Job, statt sich als verlängerter Arm der Werbeabteilung missbrauchen zu lassen. (Wer sich Zeit bzw. den Hauptfilm ersparen möchte, beschränke sich übrigens auf die Ansicht der Beiträge „Blut und Gore“ und „Spezialeffekte und Stunts“: Sie zeigen sämtliche lohnenswerten Szenen und dies oft sogar mehrfach; eine interessante Methode, den eigentlichen Film zu sabotieren.)

Hinzu kommen sieben Minuten geschnittener Szenen, von denen es mindestens eine (skelettierte Angler hängen unter ihrem Kanu) es in den Hauptfilm verdient hätte. Abgerundet werden die Features durch den Trailer und das Presseheft, das sich über die DVD online anwählen lässt.

[md]

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