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Das A-Team – Der Film

Erstellt von Günther Lietz am 20. August 2010

Das A-Team – Der Film

The A-Team (USA 2010)
Länge: 117 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Joe Carnahan, Brian Bloom, Skip Woods
Produktion: Stephen J. Cannell, Jules Daly, Tony Scott, Spike Seldin, Iain Smith, Alex Young
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Roger Barton, Jim May

Besetzung: Liam Neeson (John „Hannibal“ Smith), Bradley Cooper (Templeton „Faceman“ Peck), Quinton Jackson (B. A. Baracus), Sharlto Copley (H. M. „Howling Mad“ Murdock), Jessica Biel (Charisa Sosa), Brian Bloom (Brock Pike), Gerald McRaney (General Morrison), Patrick Wilson (Lynch), Yul Vazquez (General Javier Tuco)

Fans haben viele Jahre warten müssen, bis dem A-Team endlich ein großer Kinofilm gegönnt wurde. Das A-Team ist endlich dort, wo es es hingehört – und es gibt keinen Plan B …

In der Wüste Mexikos geht es heiß her – wortwörtlich. So heiß, dass daraus eine Kameradschaft geformt wird, die auch noch acht Jahre später im Irak Bestand hat. John „Hannibal“ Smith und seine Leute bilden das A-Team, eine Spezialeinheit die nur Erfolge kennt. Zu Hannibals Team gehören Templeton „Faceman“ Peck, B. A. Baracus und H. M. „Howling Mad“ Murdock.

Hannibal plant eine neue Mission. Das Team soll gestohlene Dollar-Druckplatten und eine Milliarde Falschgeld zurückholen. Mit dem richtigen Plan kein Problem, doch trotzdem geht etwas schief und das A-Team steht vor dem Militärgericht. Niemand glaubt ihnen, dass sie hereingelegt wurden und Hannibal verspricht seinen Leuten, dass er ihren Ruf reinwaschen und den wahren Schuldigen zur Strecke bringen wird …

Das fasst die Handlung knapp zusammen und folgt somit der guten alten Serientradition: Die Handlung ist egal, Hauptsache es kracht! Und genau das bekommt der Zuschauer auch geboten.

„Das A-Team“ ist eine TV-Legende, die von 1983 bis 1987 produziert und vermarktet wurde. Es war eine der üblichen Actionserien der 80er Jahre, die im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. Für die ARD damals ein wenig zu brutal, sendete erst RTL in der 90er Jahren sämtliche Episoden. 2010 folgt nun endlich der Blockbuster aus Hollywood.

Regie führt dabei Joe Carnahan, der den Film verspielt und modern inszenierte, sich gar einen Cameoauftritt gönnte. Carnahan verzichtet auf den Versuch eine Fortsetzung zu stricken oder die Geschichte gar in die 80er Jahre zu verlegen. Nein! Joe Carnahan erzählt die Vorgeschichte und verlegt sie in die Gegenwart. Somit vermeidet er einen peinlichen Nostalgietrip und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Action, Spaß und Ehrerbietung mit einem dicken Augenzwinkern. Die Vorgeschichte selbst spielte in der Serie übrigens keine wichtige Rolle. Sie wurde schnell zusammengeschustert, um irgendwie eine Erklärung für die Zusammensetzung und die Motivation des Teams zu bieten. Dadurch, dass Carnahan genau hier seinen Film spielen lässt, vermeidet er einen allzu großen Handlungskonflikte mit der Serie. Und er vermeidet einen klaren Vergleich mit den alten und den neuen Darstellern.

Das ist sehr klug von ihm, denn sobald jemand versucht eine alte Serie nur zu kopieren und ein wenig modern anzustreichen, muss er unweigerlich scheitern. Carnahan folgt lieber J. J. Abrams Beispiel. Dieser schuf mit „Star Trek“ (2009) eine neue Zeitlinie und stellte damit sicher, dass seine Figuren zwar alte Wesenszüge zeigen, sich aber die neuen Darsteller trotzdem mit ihrer Persönlichkeit einbringen konnten. Eine Kopie (wie in „Mit Schirm, Charme und Melone“ 1998) wäre gescheitert.

Carnahan geht mit seiner Vorgeschichte ähnlich wie Abrams vor. Sein Helden-Quartett muss zu keinem Zeitpunkt den alten TV-Heroen entsprechen. Die Helden des neuen Films werden noch zu den Heroen geformt, die sie später sein werden. Für die Schauspieler ein fruchtbares Feld, denn so können sie bestimmte Eigenheiten der Vorlage ausspielen, aber dennoch ihren eigenen Charakter behalten. Mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Quinton Jackson und Sharlto Copley hat Carnahan auch dankbare Schauspieler, die diese Möglichkeit auch weidlich ausnutzen.

Keiner der vier Männer versucht eine billige Kopie des Originals zu sein. Aber jeder von ihnen hat die Vorlage gut studiert und sich grundlegende Eigenschaften angeeignet, die für einen entsprechenden Wiedererkennungswert sorgen. Erst einmal wäre natürlich das recht typische Grundverhalten des A-Teams. Der planende und stets lässige Hannibal, der grinsende Frauenschwarm Faceman, der aufrichtige Stadtkrieger B. A. und natürlich der verrückte Howling Mad. Als Verneigung vor dem Original und zur Vermeidung eines billigen Plagiats, sind sämtliche Figuren überzeichnet. Aber das ist in Ordnung, denn bevor sie später zu den altruistischen Rittern eines Testosteronmärchens werden und in bester Robin Hood Manier den kleinen Mann retten, wird noch einiges Geschehen und diese Männer formen. Einen Teil dieses Prozesses erlebt der Zuschauer im Film mit.

Sämtliche Hauptdarsteller sind hervorragend besetzt. Liam Neeson ist prädestiniert als Mentor seiner Jungs, Bradley Cooper spielte bereits in „Hangover“ den charmanten Schönling, Quinton Jackson ist so trocken und untalentiert wie Mr. T und „District 9“-Star Sharlto Copley ist herrlich erfrischend verrückt. Es macht einfach Spaß den Kerlen zuzusehen.

Bei solch starken Helden, braucht es natürlich auch einen fiesen Bösewicht. Und der kommt in Gestalt des CIA-Agenten Lynch daher, gespielt von Patrick Wilson. Die Rolle ist ebenfalls überzeichnet, aber in sich schlüssig. Und genau diese Überzeichnung ist es auch, die das A-Team später als Waffe gegen Lynch einzusetzen versucht. Das ist gut gemacht und gibt der Rolle den Anstrich der Nachvollziehbarkeit.

In einer Geschichte von Männern, über Männer und für Männer gibt es natürlich auch etwas fürs männliche Auge. Dafür ist Jessica Biel als Charissa Sosa zuständig. Sosa ist nett anzusehen, adrett und hatte mal eine Affäre mit Faceman. Biels Rolle ist stark reduziert, zu keinem Zeitpunkt dominiert sie die Handlung oder stört gar das Spiel der Kerle. Und das ist ihr wohl bewusst, denn ganz im Stil der Vorlage hat Frau keinen Stich zu machen. Sie sieht toll aus und sie braucht die Hilfe starker Männer. Das weiß Biel. Und so holt sie aus ihrer Rolle gekonnt heraus, was sie kann. Damit bildet sie eine nette Dreingabe zum A-Team.

„Das A-Team – der Film“ ist eine der letzten Männergeschichten, in denen Muskeln und Feuerkraft über Scharfsinn und soziale Netzwerke siegen. Klassisch, einfach und ohne Schnörkel. Das ist keinesfalls ganz zeitgemäß, aber im Sinne der alten Garde. Logik oder tiefsinnige Gedanken gehören an andere Stelle, das A-Team will nur Sachen zerlegen – und das gelingt großartig.

Die Actionszenen entbehren natürlich jeglicher Grundlage und sind weitgehend an den Haaren herbeigezogen. Geschenkt, denn die Action kommt stets betont lässig daher und funktioniert – wie der Film – nur für den gegenwärtigen Augenblick. Das bedeutet rasante Verfolgungsjagden, wildes Ballern, fliegende Panzer und zünftige Schlägereien. Das alles wird ordentlich mit der Spielfreude der Darsteller gemischt, die grinsend im Film agieren und ihren Spaß haben. „Das A-Team – der Film“ ist einer der letzten Abenteuerspielplätze für Männer!

Für deutsche Zuschauer ist natürlich sehr faszinierend, dass der Film einige Zeit in Deutschland spielt und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel mal auftaucht. Joe Carnahan und sein Stab beweisen gleichzeitig, dass sie keine Ahnung von Deutschland haben. So spielen Szenen in Frankfurt am Main, aber die Autos haben manchmal die Nummernschilder von Frankfurt an der Oder. Egal, denn auf den Autos prangt ja auch der Notruf 109 statt 110 – und der Kölner Dom wird plötzlich zum Frankfurter Hauptbahnhof. Wirklich Fehler und Schlampigkeit der Produktion oder vielleicht nur eine Hommage an die Fehlerquote der alten Serie? Denn dort war auch vieles an den Haaren herbeigezogen und wurde auch schon mal falsch wiedergegeben. Selbst wenn Carnahan schlampte, so gehört es trotzdem zum wunderbaren Charme des Films.

Ebenfalls verwunderlich ist die deutsche Synchronisation. An sich recht gut und mit deftigen Schimpfworten, lässt sie leider einen schönen Gag untergehen. Und zwar als Murdock nach dem Weg nach Berlin fragt. In der Synchronisation wird daraus leider die Frage nach dem Weg nach Frankfurt. Eventuell ist das falsche politische Korrektheit.

Eine der ganz großen Stärken des Films sind die liebevollen Verweise auf die Originalserie und deren Darsteller. So schauen sich die Patienten einer Anstalt einen „A-Team“-Film an, taucht öfter der Name Schultz auf (Dwight Schultz spielte den Murdock in der Serie), ist die Tätowierung auf den Fäusten des neuen B. A. ein Verweis auf einen Spruch des alten B. A. und vieles mehr. Einem Kenner der alten Serie geht da einfach das Herz auf.

„Das A-Team – der Film“ ist Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungsfaktor. Spielfreudige Darsteller, ein gelungener Soundtrack, pure Männeraction, durchgedrehte Szenen – einfach ein großer Spaß!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Abgelegt unter Action, Kino, Komödie, Serie | 1 Kommentar »

Wolfman – Extended Director‘s Cut

Erstellt von Michael Drewniok am 5. August 2010

Wolfman
Extended Director‘s Cut

Originaltitel: The Wolfman (USA 2010)
Regie: Joe Johnson
Drehbuch: Andrew Kevin Walker u. David Self
Kamera: Shelly Johnson
Schnitt: Walter Murch, Dennis Virkler u. Mark Goldblatt
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Benicio Del Toro (Lawrence Talbot), Anthony Hopkins (Sir John Talbot), Emily Blunt (Gwen Conliffe), Hugo Weaving (Inspector Abberline), Art Malik (Singh), Simon Merrells (Ben Talbot), Mario Marin-Borquez (Lawrence als Kind), Asa Butterfield (Ben als Kind), Cristina Contes (Solana Talbot), Geraldine Chaplin (Maleva), Nicholas Day (Colonel Montford), Michael Cronin (Dr. Lloyd), David Schofield (Constable Nye), Roger Frost (Reverend Fisk), Rob Dixon (Squire Strickland) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 05.08.2010 (DVD u. Blu-ray/Steelbook-Blu-ray)
EAN: 5050582771985 (DVD) bzw. 5050582771992 (Blu-ray) bzw. 5050582789393 (Steelbook-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Norwegisch, Isländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 114 min. (Blu-ray: 119 min.)
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray-Steelbook)

Das geschieht:

Schon vor Jahren ist Lawrence Talbot vor seinem despotischen Vater nach London geflüchtet, wo er sich Ruhm als Theater-Schauspieler erwerben konnte. Nach Blackmoor und Talbot Manor, das düstere Haus seiner Familie, ist er nie wieder zurückgekehrt, bis in diesem Jahr 1891 Gwen Conliffe, seine zukünftige Schwägerin, ihn um Hilfe bittet: Bräutigam Ben ist in den Wäldern um Blackmoor verschwunden. Lawrence macht sich auf den Weg, doch Sir John, sein Vater, empfängt ihn mit der Nachricht, dass Bens Leiche – in Stücke gerissen – inzwischen gefunden wurde. Die abergläubischen Dörfler beschuldigen einen Zigeunerstamm, der auf Sir Johns Ländereien sein Lager aufgeschlagen hat. Eine nächtliche Strafaktion endet als Fiasko: Eindringlinge wie Zigeuner werden von einer übermenschlich starken Bestie niedergemetzelt. Auch Lawrence, der just im Lager Nachforschungen über seinen Bruder anstellte, wird attackiert und schwer verletzt.

Aus London eilt Inspector Abberline nach Blackmoor. Er verdächtigt offen Lawrence, der als Jugendlicher nach dem Selbstmord der Mutter einige Zeit im Irrenhaus verbringen musste. Die Dorfbewohner glauben an das Wirken eines Werwolfs. Weil Laurence gebissen wurde, wollen sie ihn gefangen setzen oder töten, bevor er sich in der nächsten Vollmondnacht verwandelt. Sir John verteidigt seinen Sohn, und auch Gwen, die sich in Lawrence verliebt hat, glaubt an seine Unschuld.

Aber Lawrence trägt tatsächlich den Fluch in sich. Der Vollmond lässt den Wolf in ihm erwachen, der prompt ein Blutbad anrichtet. Sir John liefert Lawrence an Abberline aus. Lawrence landet erneut im Irrenhaus. Erst dort setzt ihn sein Vater vom Familienfluch in Kenntnis. Sir John hatte sich in Indien infiziert. Viele Jahre ließ er sich von seinem treuen Diener Singh bei Vollmond einsperren. Doch nun will er Bestie sein.

Lawrence schwört Rache. Als er erneut zum Werwolf mutiert, kann er ausbrechen. Nachdem er eine blutige Spur durch London gezogen hat, macht er sich auf den Weg nach Blackmoor. Dort warten sein Vater, der ihn töten, und Gwen, die ihn retten will, während Abberline seine Leute mit Silberkugeln munitioniert …

Kleine Geschichte wird viel zu breit getreten

1941 entstand in Hollywoods Universal-Studios unter der Regie des Routiniers George Waggner und nach einem Drehbuch des aus Deutschland vor den Nazis geflohenen Curt Siodmak „The Wolf Man“ (dt. „Der Wolfsmensch“), ein kaum 70 Minuten ‚langer‘, schwarzweißer Horror-Film der B-Kategorie, also einfallsreich aber in billigen Atelier-Kulissen und auch sonst möglichst kostengünstig heruntergekurbelt. Dennoch entstand durch das Zusammenwirken eines hochroutinierten Teams vor und hinter der Kamera ein Klassiker. Für Lon Chaney jr., der bisher als Darsteller im Schatten seines Vaters gestanden hatte, wurde Larry Talbot zur Rolle seines Lebens. In den nächsten Jahren trieb er noch mehrfach in der Werwolf-Maske sein filmisches Unwesen.

Fast sieben Jahrzehnte später investierten die immer noch aktiven Universal-Studios 150 Mio. Dollar in das Remake ihres einstigen Erfolgsstreifens – in Hollywood ist es wahrlich nicht üblich, die Wurst nach der Speckseite zu werfen! Filme mit einem hohen Anteil möglichst spektakulärer Spezialeffekte führen heute die Blockbuster-Listen an, wobei das Genre Nebensache ist: Längst kann auch ein Horrorfilm gewaltige Gewinne einfahren.

Universal sitzt zudem auf einem Archivschatz: Hier entstanden neben „Der Wolfsmensch“ die Kult-Horrorfilme der 1930er Jahre: „Dracula“, „Frankenstein“, „Frankensteins Braut“, „Die Mumie“ und andere. Diese Tradition wollte man im 21. Jahrhundert neu beleben und gleichzeitig demonstrieren, dass man auf der Höhe der Zeit zu wandeln in der Lage ist!

Es läuft aus dem Ruder

Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen in Hollywood oft weit auseinander. „Der Wolfsmensch“ von 1941 ist ein Kammerspiel. Es lässt sich keineswegs nur durch erhöhten Aufwand in ein Spektakel verwandeln. Unter der Regie von Joe Johnson – der erst drei Wochen vor Drehbeginn den eigentlich vorgesehenen Mark Romanek ersetzte – wurden die eigentlichen Qualitäten der Vorlage vernachlässigt. „Der Wolfsmensch“ mutierte zum Historien-Dreiecks-Duell zwischen Vater, Sohn und schöner Frau, in das sich vordergründige phantastische Züge mischen.

Testvorstellungen verliefen unerfreulich. Den schon 2008 abgedrehten Film brachte das Studios nicht in die Kinos, sondern setzte aufwändige Nachdrehs an. Hollywood-typisch blieb das in Panik geratene Studio auf denkbar dümmsten Kurs. Bevor „The Wolfman“ 2010 endlich freigegeben wurde, kürzte man den Film einerseits, während man ihn andererseits um die blutigsten Details erleichterte, um für den Film eine möglichst niedrige Altersfreigabe und damit ein größeres zahlendes Publikum zu erreichen. Doch der Verlust der turbulenten Jagd- und Metzel-Szenen vergrätzte ein Publikum, das ohnehin Wind von einem recht blutarmen, womöglich künstlerisch wertvollen Werwolf-Film bekommen und gar nicht positiv darauf reagiert hatte. Was ein bildgewaltiges, tragisches, morbides Epos werden sollte, schnurrte auf 100 Minuten zusammen – und wurde – trotzdem bzw. gerade deshalb – nicht der erhoffte Blockbuster.

Volle Kraft zurück!

16 Minuten Handlung durfte Regisseur Johnson für „Extended Director’s Cut“ nun wieder in diesen Filmtorso einflicken, um wenigstens auf dem Video-Markt Kasse zu machen. „The Wolfman“ wird dadurch kein guter aber wenigstens ein schlüssigerer Film. Das verdient er; nicht wegen des Drehbuchs, sondern aufgrund der oft berauschend schönen Bilder. Kulissenbauer, Ausstatter und Kostümbildner haben, ergänzt durch die digitalen Hexer der Neuzeit, Großartiges geleistet. Sie ließen nicht das historische England des ausgehenden 19. Jahrhunderts erstehen, sondern schufen filmgerecht eine künstliche Fantasiewelt für eine fantastische Geschichte.

Ohne Furcht vor Übertreibung und Bombast bahnt sich die Kamera ihren Weg durch diese Welt. „The Wolfman“ erinnert in diesem Punkt an Francis Ford Coppolas „Dracula“-Version von 1992 sowie an die pseudo-viktorianischen Horrorfilme der britischen Hammer-Studios. Die Farben bleiben gedeckt, immer wieder gelingen tolle Effekte mit Licht und vor allem Schatten. Zudem lässt Johnson dem Zuschauer die nötige Zeit, sich in der Geschichte einzuleben.

Auch geschlachtet wird nun wieder ohne Hemmungen. Obwohl „The Wolfman“ bereits ab 16 Jahren freigegeben ist, dürfen sich Darmschlingen aus aufgeschlitzten Unterleibern ergießen, Köpfe und Gliedmaßen fliegen oder ein (allerdings höchst unsympathischer) Irrenarzt aus hohem Fenster auf einen pfeilspitzigen Eisenzaun stürzen. Dass solche Gore- und Splatter-Effekte dem Stil der Filmerzählung widersprechen, steht auf einem anderen Blatt.

Viele Köche verderben den Brei

Womit wir zu einem Kardinalproblem dieses Films kommen. Die Story von „The Wolfman“ trägt weder über 100 noch über 115 Minuten. Sie musste künstlich gestreckt werden. Ein gutes Drehbuch hätte das Ergebnis harmonisch geglättet. Hier lässt sich viel zu deutlich erkennen, wo Nebenstränge angeflanscht wurden. Dabei verdeutlichen die aus dem Film gestrichenen oder verlängerten Szenen, die dem Hauptfilm als Features angehängt wurden, dass die drei (!) Cutter bereits kräftig gestrafft haben. So wurde Lawrence Talbots Flucht aus London ursprünglich vom Abstecher in eine Musikhalle unterbrochen, wo er auf eine blinde Sängerin trifft, die sich nicht vor ihm fürchtet – eine Reminiszenz an „Bride of Frankenstein“ (1935, dt. „Frankensteins Braut“), die mehrere Minuten ausgewalzt wird und außerdem zeigen soll, dass Lawrence auch als Werwolf menschlich ansprechbar bleibt.

Seines Sinns völlig beraubt ist der Auftritt der Zigeuner-Weisen Maleva. 1941 vertrat Maria Ouspenskaya in dieser Rolle einen griechischen Chor und kündigte eindringlich das kommende Unheil an. Nur wenige Minuten ist sie zu sehen, doch ihr Auftritt ist ebenso legendär wie Lon Chaney als Werwolf. Geraldine Chaplin geht in dem Gewimmel der vielen Figuren völlig unter. Als Lawrence sie aufsucht, gönnt ihr das Drehbuch keine Antwort auf seine Fragen. Stattdessen tobt der Werwolf durch das Zigeunerlager.

In „Der Wolfsmensch“ musste Larry Talbot mit sich bzw. dem Werwolf in sich ringen. 2010 wird daraus ein Vater-Sohn-Konflikt der plakativen Art. Dass „The Wolfman“ in seinem gleichzeitig pompösen wie vor Klischees knirschenden Finale nicht in Lächerlichkeit erstickt, verdankt Johnson einem wie so oft fabelhaft spielenden Anthony Hopkins, der keinen eindimensionalen Finsterling mimt, sondern deutlich zu machen versteht, dass der Ausbruch der Bestie auch eine Befreiung ist. (Doch als das Drehbuch den gut genährten Hopkins in einen grauen Werwolf-Pelz zwingt, ist es auch mit seiner Schauspielkunst vorbei …)

Was mache ich bloß hier?

Wer hätte damit rechnen können, dass ausgerechnet Benicio Del Toro zum schlimmsten Stolperstein dieser Geschichte würde? Sein Talent als Schauspieler belegt nicht nur sein „Oscar“ für „Traffic“ (2000). Doch als Lawrence Talbot ist Del Toro eine Zumutung. Dabei bleibt der deutsche Zuschauer vom Originalton verschont, der den unüberhörbaren hispanischen Akzent den urbritischen Adelssohnes Lawrence Talbot offenbart. Überdeutlich bleibt indes Del Toros offensichtliche Langeweile in einer Rolle, in der er sich nicht wohlfühlt. Der innere Konflikt zwischen Mensch und Wolf spiegelt sich in seinem Gesicht kaum wider. Stattdessen macht er Schafsaugen und stiert angestrengt irgendwo neben oder hinter die Kamera.

Emily Blunt bleibt wenigstens die meiste Zeit blass im Hintergrund. Als Objekt inniger Liebe will sie sich dem Zuschauer partout nicht einprägen. Als sie und Lawrence sich endlich küssen, fällt dieser aus allen Wolken, da von einer aufkeimenden Beziehung bisher wenig zu spüren war. Zu allem Überfluss weiß Gwen im Finale nie, ob sie ihren Lawrence nun retten oder erschießen will. Das kann von einem Moment zum nächsten wechseln, was immerhin den Werwolf so verwirrt, dass sie ihn schließlich überraschen kann.

Neben dem Routinier Anthony Hopkins hält sich wacker Hugo Weaving als Inspector Abberline. Dabei ist seine Rolle im Grunde überflüssig: Sir John verrät seinen Sohn, die Dorfbewohner jagen ihn, und Gwen wird ihn töten. Abberline kreuzt hin und wieder Lawrences Weg. Typisch ist sein finaler Auftritt; als er tüchtig zerkratzt und mit dem Silberdolch in der Hand auf der Szene erscheint, ist die Arbeit schon getan und der Werwolf zur Strecke gebracht.

Das Ding im Pelz

Der Mensch ist kein Wolf – und umgekehrt. Gestalt und Gang sind unterschiedlich und vor allem unvereinbar. Daraus resultiert ein Werwolf, dem kein Rick Baker und keine Digitalkunst eine glaubwürdige Erscheinung schaffen können. Immer wieder muss zumindest der filmhistorisch vorgebildete Zuschauer erkennen, dass Benicio Del Toro als Werwolf genauso plump und – ja – lächerlich aussieht wie Lon Chaney jr. oder Oliver Reed in „The Curse of the Werewolf“ (1961, dt. „Der Fluch von Siniestro“). Die Mutation kann heutzutage knochenbrechend authentisch dargestellt werden. Das Ergebnis ist damals wie heute ein Mann mit Haaren im Gesicht, der insgesamt eher an einen tapsigen Bären als an einen eleganten Wolf erinnert.

Es GIBT überzeugende Film-Werwölfe. Schon 1981 schuf Rick Baker (wer sonst?) sie für „The Howling“ (dt. „Das Tier“). Allerdings sind diese Kreaturen künstlich; kein Mensch kann sie verkörpern. Doch die Geschichte von Lawrence Talbot ist eine tragische. Er soll auch als Wolf erkennbar sein. Del Toro sollte spielen können (auch wenn er es dann nicht tat), ohne durch Spezialeffekte außer seiner Wolfsmaske eingegrenzt zu werden.

Manchmal gelingt die Illusion – weniger, wenn ein CGI-Werwolf über CGI-Dächer springt, mehr, wenn Stuntmänner den tierischen Bewegungsapparat imitieren und die Kamera sich etwas fernhält. Im großen Schlusskampf zwischen Vater und Sohn wirken die Kämpfer freilich wie US-Wrestler im Affenkostüm – ein perfektes Bild für einen Film, der viel will und verspricht, aber nur wenig umsetzen und halten kann. So schlimm wie „Van Helsing“ ist es glücklicherweise nicht geworden, da „The Wolfman“ nicht durch Komik (oder was man im Hollywood-Mainstream dafür hält) endgültig zur eierlegenden Wollmilch-Kassen-Sau getrimmt werden sollte. Angesichts des in Ansätzen spürbar werdenden Potenzials bleibt nach zwei Stunden Getümmel und Geschrei dennoch eine spürbare Enttäuschung zurück: „The Wolfman“ ist ein hohles Spektakel.

DVD-Features

Während das Publikum der Blu-ray-Fassung mit der üblichen Mischung aus „Making of“, Interviews und Dreh-Ausschnitten beglückt wird, muss sich der geizige, neutechnikfeindliche DVD-Zuschauer, der auf seinem Alt-Medium besteht und damit der Filmindustrie und dem Handel die höheren Einnahmen nicht gönnt, mit einigen verlängerten bzw. aus der endgültigen Fassung geschnittenen Szenen begnügen.

[md]

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Black Dynamite

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2010

Black Dynamite

USA 2009
Laufzeit: 90 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Regie: Scott Sanders
Drehbuch: Byron Minns, Scott Sanders, Michael Jai White
Produktion: James Berkeley, Deanna Berkeley, Jon Steingart, Jenny Wiener Steingart
Bildgestaltung: Shawn Maurer
Montage: Adrian Younge
Musik: Adrian Younge
Darsteller: Michael Jai White, Tommy Davidson, Salli Richardson, Arsenio Hall, Byron Minns, Kym Whitley, Kevin Chapman, Richard Edson, Jason Edwards, Jon Kent Ethridge, Darrel Heath, John Kerry, Lauren Kim, James McManus, Phil Morris

http://www.blackdynamitemovie.com/

Black Dynamite, ein Name wie Sprengstoff und sein Träger ist mindestens genauso explosiv …!

DYNAMITE! DYNAMITE!

Black Dynamites Bruder wird auf Befehl von The Man erschossen. Das ruft natürlich den Ex-CIA-Agenten, einstigen Vietnamveteranen und ehemaligen Waisenjungen Black Dynamite auf den Plan. Er will den Mord aufklären, Rache üben und die Straßen von Drogen säubern.

Schießend und prügelnd räumt Black Dynamite nun die Straße auf. Niemand ist ihm und seinem Prügel gewachsen. Er legt die Gangster genauso flach wie die Frauen – und deckt eine hinterhältige Verschwörung auf, die unbekannte Dimensionen annimmt. Doch diesem schwarzen Ritter von der Straße kann niemand widerstehen, niemand …!

DYNAMITE! DYNAMITE!

Mit „Black Dynamite“ schufen Byron Minns, Scott Sanders und Michael Jai White eine liebenswerte Hommage an die Filme des Blaxploitationkinos, die schwarze Variante der Exploitationfilme. Billig produziert, mit sehr spezifischen Darstellungen und auf das schwarze Publikum zugeschnitten, liefen diese Filme Ende der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre. Regisseur Scott Sanders parodiert nun genau diese Filme und packt dabei alles zusammen, was die alten Streifen ausmachte – vor allem die unzähligen kleinen Missgeschicke und Fehler.

Dabei geht Sanders keinesfalls platt und derbe an die Sache heran, sondern beweist Feingefühl und Liebe zum Detail. So hängen Mikrofone im Bild, gibt es Anschlussfehler, werden Darsteller innerhalb einer Szene ausgetauscht, sind zu viele Frames vorhanden oder schaut der Darsteller an der Kamera vorbei, als würde er den Text irgendwo ablesen oder die Anweisungen des Regisseurs verfolgen. Der Film strotzt vor solchen Nettigkeiten, die hervorragend umgesetzt wurden. Regisseur und Darsteller hatten sichtlich Freude am Spiel und kannten sich hervorragend im Genre aus.

Natürlich zieht auch die Story entsprechend mit, überzeugt mit sehr überraschenden Wendungen und fehlender Logik. Schlussendlich behauptet Black Dynamite zwar alles ergebe nun einen Sinn, doch der Zuschauer weiß um die offensichtliche Sinnlosigkeit und amüsiert sich köstlich über die nächste plötzliche und unvorhergesehen Wendung. Hier wurde eine geniale Story ohne Story geschrieben. Eine hohe Kunst, die nur wenige Menschen beherrschen. Und das macht einfach großen Spaß!

Ein Film ist aber nur so gut wie seine Darsteller, die in „Black Dynamite“ gekonnt mies schauspielern. Das ist ebenfalls eine große Kunst und kommt vor allem Hauptdarsteller Michael Jai White zugute, der auch am Drehbuch mitschrieb. White ist nun einmal dafür bekannt, dass sich seine schauspielerischen Leistungen in einem engen Rahmen bewegen. Für die Rolle des Black Dynamite absolut perfekt. Es passt auch wie die Faust aufs Auge, dass White als ehemaliger Kampfsportexperte vor allem Actionrollen bekam. Er war sogar der erste schwarze Darsteller, der eine wichtige Comicfigur spielte, und zwar Al Simmons in „Spawn“ (1997). Er war aber auch in „Universal Soldier“ (1992), „The Dark Knight“ (2008) und etlichen anderen Produktionen zu sehen.

White und seine Kollegen erwecken mit ihren überzogenen und skurrilen Rollen ein Stück Film zum Leben, das lange Jahre vergessen war. Vor allem das weiße Publikum bekam durch Filme von Quentin Tarantino einen nostalgischen Blick in die Vergangenheit spendiert – jedoch actionlastiger und ernster. Sanders und White gehen die Sache jedoch anders an, vermeiden einen zu ernsten Einstieg und verneigen sich lieber mit einem Lächeln vor dem schwarzen Trash.

Dazu gehört natürlich auch der überzogene Soundtrack, der Einsatz von extremer Gewalt, sinnlose Schnitte und offensichtlich kostengünstig gemachten Szenen. Da „Black Dynamite“ mit etwas weniger als drei Millionen Dollar produziert wurde, tritt der Film in die Fußstapfen seiner billigen Vorlagen. Dadurch das Sanders zum Sparen verdammt war, ist der Film auch weitgehend handgemacht und benutzt zwangsweise alte Techniken und Spezialeffekte.

Der Witz und Charme des Films kommt dabei keinesfalls nur aus den Einstellungen und Dialogen, sondern es werden auch Rassismus und ethnische Vorurteile parodiert. So gibt es hervorragende Bild- und Sprachspielereien zwischen Schwarzen und Weißen. Unter anderem haben schwarze Männer große Schwänze und sind ausdauernd im Bett. Dazu opulente Kostüme die mit Strass verziert sind, gewaltige Afros und blendend weiße Zähne. Der Film ist wie ein gewaltiger Staubsauger, der alle Klischees ohne Gnade aufsaugt und herumwirbelt. Das ist genial!

Doch auch die Weißen und die Gelben bekommen ihr Fett weg, die angeblich ungebildeten Amerikaner sowieso. Und um die Sache abzurunden, gibt es natürlich auch noch den typischen chinesischen Kick in die Weichteile. In „Black Dynamite“ ist einfach alles enthalten. Bei so viel geballtem Inhalt besteht natürlich die Gefahr zu stark zu überzeichnen, die Kontrolle zu verlieren und Schläge unter die Gürtellinie zu versetzen. Sanders umschifft gekonnt diese Klippen. Die Liebe die in diesem Film steckt ist über alle Zweifel erhaben. Hier erheben Sanders und White die Parodie zur Kunst. Sie vermeiden damit die Seichtigkeit moderner Komödien, die auf unterstem Niveau agieren.

Kleiner Wermutstropfen ist die hervorragende Synchronisation des Films. Diese ist durchaus gelungen. So sind die Stimmen gut gewählt und wurde sich sehr viel Mühe gegeben, um den Wortwitz zu erhalten. Doch es liegt in der Natur der Sache, das einige dieser Witze leider untergehen. So ist die Originalfassung natürlich um Klassen besser, doch Englischkenntnisse alleine sind trotzdem unzureichend. Um die Anspielungen und Wortspiele der Originals vollends zu erfassen, sollten sich die Zuschauer im englischen Sprachraum etwas auskennen. Alle anderen können ruhig zur deutschen Sprachfassung greifen, die hervorragend ist.

DYNAMITE! DYNAMITE!

„Black Dynamite“ ist ein exzellenter Film, eine erstklassige Parodie und ein genial überzogener Rückblick auf die Blaxploitationfilme. Dazu ein runder Soundtrack, neuentdeckte Stilmittel und erfrischende Ideen. Der Film ist einfach Kult!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD erhältlich bei Libri.de
BR erhältlich bei Libri.de

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Die Horde

Erstellt von Michael Drewniok am 29. Juli 2010

Die Horde

Originaltitel: La Horde (Frankreich 2009)
Regie: Yannick Dahan u. Benjamin Rocher
Drehbuch: Arnaud Bordas, Yannick Dahan, Stéphane Moïssakis u. Benjamin Rocher
Kamera: Julien Meurice
Schnitt: Dimitri Amar
Musik: Christopher Lennertz
Darsteller: Claude Perron (Aurore), Jean-Pierre Martins (Ouessem), Eriq Ebouaney (Adewale), Aurélien Recoing (Jimenez), Doudou Masta (Bola), Antoine Oppenheim (Tony), Jo Prestia (Greco), Yves Pignot (René), Adam Pengsawang (Tscheche), Sébastien Peres (Seb), Laurent Demianoff (Kim), Alain Figlarz (Hausmeister) uva.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 01.07.2010 (DVD, gekürzt u. uncut u. Blu-ray, gekürzt) bzw. 17.07.2010 (Blu-ray, uncut)
EAN: 4006680054339 (DVD, dt. Fassung) bzw. 4006680054346 (Blu-ray, dt. Fassung)/ 4006680055299 (DVD, uncut) bzw. 4006680055305 (Blu-ray, uncut)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Französisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (DVD) bzw. 95 min. (Blu-ray)/97 min. (DVD uncut) bzw. 102 min (Blu-ray uncut)
FSK: 18

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Das geschieht:

Aurore, Ouessem, Jiminez und Tony sind vier Polizisten, denen der Kamerad Rivoallan von der Markudis-Gang verschleppt und umgebracht wurde. Zornig schreiten sie zur Selbstjustiz. Sie haben die Bande im Obergeschoss eines Hochhauses im Norden von Paris geortet, wo sie unter ihrem Anführer Adewale ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat. Das Haus ist verfallen und steht beinahe leer, denn es soll bald abgerissen werden. Die abgelegene Lage wollen die Polizisten nutzen und ein Massaker anrichten, dem keiner der Gangster entkommen soll.

Tony baut Mist, sodass die Angreifer zu früh entdeckt und gefangen werden. Adewale hält die Polizisten für die Spitze eines Kommandounternehmens. Er foltert sie und erschießt Jiminez. Auch die anderen Beamten sehen bereits dem sicheren Tod ins Auge, als erst vor der Wohnungstür und dann in ganz Paris das Chaos ausbricht: Aus unbekannten Gründen erheben sich die Toten. Sie sind Kannibalen und fallen über die entsetzten Menschen her. Stoppen kann man sie nur, indem man ihr Gehirn zerstört.

Im Hochhaus wird die Bande von den Zombies überrannt. Nur die drei Polizisten, Adewale, sein Bruder Bola und der „Tscheche“, ein psychopathischer Killer, können sich zunächst retten. In der Not schließen die beiden Gruppen sich zusammen. Sie planen, sich durch das Hochhaus ins Freie durchzukämpfen und in ein Militärlager außerhalb der Stadt zu flüchten.

Der Weg nach unten wird zum mörderischen Spießrutenlauf. Weitere Opfer fordern die immer wieder aufflackernden internen Konflikte. Zu den Überlebenden stößt immerhin der ehemalige Indochina-Kämpfer René, der seit jeher keine Gefangenen macht. Seine Unterstützung ist bitter notwendig, denn die Zombies sind zwar dumm aber aufmerksam. Sie haben bemerkt, dass in dem Hochhaus frisches Menschenfleisch auf sie wartet, und das wollen sie sich holen – hordenweise …

Hirnloses Metzel-Epos

Film-Horror aus Frankreich: Er konnte in den letzten Jahren viele neue Fans gewinnen. Streifen wie „À l’intérieur“ (2007; dt. „Inside“), „Frontier(s)“ (2007) oder „Martyrs“ (2008) fanden den Beifall eines Publikums, das zu schätzen weiß, wie traditioneller Grusel anders als in Hollywood ohne Schere im Kopf zelebriert wird: Gewalt wird in diesen Filmen nicht nur brachial dargeboten, sondern bruchlos mit Sex vermischt – Sex, der mehr ist als jene keim- und busenfreie Nacktheit, die in den USA für ruchlos und aufregend gehalten wird.

„Die Horde“ ist über weite Strecken ein echtes Schlachtfest. Nicht nur Untote werden erschossen bzw. mit Kugeln gespickt. Zum Einsatz kommen weiterhin: MG, Pumpgun, Machete, Stilett und immer wieder bloße Fäuste und Kampfstiefel. Es ist gar nicht einfach, einen Zombie auszuschalten, wie Yannick Dahan u. Benjamin Rocher uns demonstrieren möchten. Folglich werden sie malträtiert, bis die Fetzen fliegen – und dies im wahrsten Sinn des Wortes!

Diese Szenen sorgen in ihrer konsequenten Umsetzung für Momente echter Unterhaltung. (Wenn man sie denn sehen kann, was in Deutschland nur auf Umwegen möglich ist; dazu weiter unten mehr.) Ansonsten ist „Die Horde“ ein denkbar simpel gestricktes B-Movie: Es gilt, sich aus dem 15. Stock eines baufälligen Hochhauses nach draußen zu kämpfen. Gestreckt wird diese Hetzjagd durch ‚besinnliche‘ Momente, in denen die Geschichte nicht nur an Fahrt verliert, sondern ihren Klischee-Reichtum unerfreulich deutlich offenbart. Vier Autoren hat sie verschlissen; ein fünfter Autor hat sich bemüht, das Flickwerk zu einem Drehbuch zu verschmelzen. Wirklich gelungen ist es nicht.

Von A nach B

Prinzipiell ist eine einfache Story kein Manko. In diesem Zusammenhang sei an John Carpenters Klassiker „Assault on Precinct 13“ (1976; dt. „Assault – Anschlag bei Nacht“) erinnert, der sich einer recht ähnlichen Plot-Konstruktion bediente und damit glänzend unterhielt. Allerdings gelang Carpenter eine durch Ideen beflügelte Einheit aus Story, Figurenzeichnung und filmischer Umsetzung, von deren Qualitäten Dahan & Rocher – obwohl zu zweit – deprimierend weit entfernt sind.

Dabei sollte „Die Horde“ durchaus nicht einfach Action sein; es existiert eine ausführliche Hintergrund-Story. Die Darsteller tragen nicht nur ihre Waffen, sondern auch Vorgeschichten (und Vorurteile) mit sich herum, die allerdings für ein Zombie-Spektakel kaum von Belang sind. Hin und wieder erinnern die Regisseure daran, aber dies wirkt niemals überzeugend, sondern aufgesetzt und theatralische.

Zombies wollen fressen, Menschen überleben: Wenn sich Dahan & Rocher auf diesen Aspekt beschränken, funktioniert ihr Film. Dunkle Treppenhäuser und Flure mit unübersichtlichen Winkeln, in denen die Untoten lauern, sind selbstverständlich Genre-Standards. Sie erzeugen jedoch Spannung, wenn Kamera, Licht und Darsteller gut geführt werden. Weil letztere dann keine Zeit haben, sich über Familienprobleme zu streiten, wird es interessant, zumal Dahan & Rocher wie schon gesagt kein Problem damit haben, die Brutalität der ausbrechenden Metzeleien – von Zweikämpfen mag man nicht sprechen – zu gestalten.

Zum Reden bleibt (leider) immer Zeit

Es ärgert zu sehen, dass Dahan & Rocher einerseits hervorragende Schauspieler angeheuert haben, die andererseits verheizt werden, weil man sie zu Handlungen und Äußerungen zwingt, die stärker schmerzen als der Biss eines Zombies. Noch am meisten Glück mit seiner Rolle hatte Veteran Yves Pignot. Sein alter Kämpe René ist schon im Drehbuch als unverblümter Haudrauf konzipiert, der außerdem für schwarzhumorige Momente sorgt. Pignot gibt seinem Affen denn auch Zucker. Ihm gelingt eine Leistung, die gleichzeitig amüsiert und schaudern lässt, denn René ist kein tumber Schläger, sondern ein schlauer Überlebenskünstler mit psychotischen Zügen, die sogar den emotionsarmen „Tschechen“ (Adam Pengsawang) erschrecken.

Dieser gibt ähnlich hingebungsvoll den geschmacklos gekleideten osteuropäischen Unhold, der voller Wonne meuchelt und keinen Funken Gaunerehre im Leib hat. Dies verzeiht man ihm problemlos, sobald unsere gramgebeugten Zentralhelden auf der Bildfläche erscheinen. Ouessem und Adewale müssen sich, Testosteron ausdunstend, ständig umkreisen. Beiden hängen schwächliche Begleiter am Rockzipfel: Adewale muss sich um seinen hohlköpfigen Bruder kümmern, während es im Team Polizei Tony ist, der schlappmacht.

In ihrer Rolle als Aurore wirkt Claude Perron erschreckender als die Zombies. Ausgemergelt, graugesichtig und hohlwangig mimt sie eine quasi geschlechtslose Frau, der man keinen Augenblick abnimmt, dass sie a) die Geliebte des verstorbenen Rivoallan und b) von ihm schwanger ist, deshalb um jeden Preis überleben will und deshalb zur Kampf-Amazone mutiert, die notfalls auch waffenlos die Zombies reihenweise umhaut.

Geld war ebenso knapp wie Hirnschmalz

Zwar stürmen die Untoten Paris, doch Dahan & Rocher zeigen höchstens einen Straßenzug, durch den Zombie-Horden torkeln. Ansonsten bleibt die Geschichte im erwähnten Hochhaus. Das Geld war auch sonst allzu offensichtlich knapp: Nicht einmal das Haus wirkt echt, wenn es in der Totalen gezeigt wird. Miserabel getrickst sind außerdem die Blicke auf die brennende Stadt oder die Blutfontänen, die in die Höhe steigen, wenn Kugeln fliegen und Klingen wirbeln.

Übrigens wirken auch die Zombies enttäuschend ‚frisch‘. Ihre Darsteller wurden großzügig mit Kunstblut bekleckert, aber das war’s dann schon. Dahan & Rocher setzen Untote der ‚zweiten Generation‘ ein: Sie taumeln zwar im Ruhezustand à la Romero umher, doch wittern sie Beute, sind sie sehr fix auf den Beinen. Gerade in dem engen, dunklen Hochhaus sorgt diese Fähigkeit für Handlungsdynamik: Flucht ist zwecklos, man muss sich den Menschenfressern stellen, die darüber hinaus die Stimmkraft einer wütenden Raubkatze entwickeln.

Zum Schutz des deutschen Zuschauers

„Die Horde“ ist ein Film, der von seinen Gore-Effekten lebt und auch auf sie angewiesen ist. Dem deutschen Publikum dürfte die Sichtung deshalb wenig Freude bereiten: Volle sechs Minuten wurden aus der hierzulande verliehenen und verkauften Fassung gekürzt. Die Zensur, die es nur nominell in Deutschland nicht mehr gibt, befand „Die Horde“ auch für ab 18-jährige, nur theoretisch mündige Bürger als allzu krass in der Darstellung rüde zerschmetterter Schädel oder in Stücke geschossener Körper. Den Comic-Charakter des Films geruhte sie dagegen nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Die daraus resultierende Rumpffassung ist eine weitgehend sinnlose Zumutung. Das Label reagierte mit einer ungekürzten Fassung, die im oder über das Ausland erworben werden kann. Der lange Arm der deutschen Zensur bleibt in Österreich kraftlos. Sollten dort durch den Konsum gottloser Gruselfilme enthemmte Zeitgenossen ihr Unwesen treiben, wissen dies unsere südlichen Nachbarn gut zu verbergen. Gern nehmen sie Geld von frustrierten deutschen Horror-Freunden, die ihrer Zensur ein Schnippchen schlagen wollen.

Fragt sich nur, ob sich der Mehraufwand lohnt. Diese Rezension basiert auf der „Uncut“-Fassung. Sie bietet die volle Dröhnung aus Blutmatsch und Zombiegebrüll. Dennoch ist sie nur leidlich unterhaltsam. Phasenweise macht „Die Horde“ Spaß. Mit einem entweder stärker durchstrukturierten oder mit einem gänzlich auf Action setzenden Drehbuch hätte dies ein besserer Film werden können. So reiht er sich nur in die endlose Kette jener Streifen ein, die man sieht und sofort wieder vergisst, weil es ihnen nicht einmal gelingt, Ärger über die vertane Zeit zu erzeugen.

DVD-Features

Die Extras zum Hauptfilm bieten nur Standard-Zugaben („Making Of“) und lieblos aufbereitete Nichtigkeiten (Trailer, Fotos vom Storyboard, vom Set und von den Zombies). Über den Tellerrand reichen nur die Featurettes „Rivoallan“ und „Special Effects“.

Gelungen ist dagegen die Website zum Film.

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[Rec] 2 – Die nächste Dimension des Grauens

Erstellt von Michael Drewniok am 22. Juli 2010

[Rec] 2 – Die nächste Dimension des Grauens

Originaltitel: [Rec] 2 (Spanien 2009)
Regie: Jaume Balagueró u. Paco Plaza
Drehbuch: Jaume Balagueró, Manu Diez u. Paco Plaza
Kamera: Pablo Rosso
Schnitt: David Gallart
Darsteller: Jonathan Mellor (Dr. Owen), Oscar Sánchez Zafra (Jefe), Alejandro Casaseca (Martos), Manuela Velasco (Ángela Vidal), Juli Fàbregas (Bombero), Ferran Terraza (Manu), Andrea Ros (Mire), Pau Poch (Tito), Àlex Batllori (Ori), Claudia Silva (Jennifer), Martha Carbonell (Senora Izquierdo), Ariel Casas (Larra), Pablo Rosso (Pablo), Pep Molina (Jennifers Vater) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 14.07.2010 (Leih-DVD u. Blu-ray) bzw. 20.08.2010 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4013575568895 (Leih-DVD) bzw. 0886976609993 (Kauf-DVD) bzw. 4013575568994 (Leih-Blu-Ray) bzw. 0886976610098 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min. (Blu-ray: 84 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Vorgeschichte (s. „[Rec]“): Ein unglücklicher Zufall verschlägt Moderatorin Ángela Vidal und Kameramann Pablo, die für einen kleinen TV-Sender arbeiten, in ein Mietshaus der spanischen Großstadt Barcelona. Auf ein telegenes heimisches Drama hoffend, geraten sie in eine von unbekannten Erregern verseuchte Todeszone, in der sich die Bewohner in tollwütige Zombies verwandeln und ihre entsetzten Mit-Mieter, die Polizei sowie das Fernsehteam attackieren. Flucht nach draußen ist unmöglich, denn Militär und Gesundheitsamt haben das gesamte Gebäude unter Quarantäne gestellt.

Fortsetzung: Ein vierköpfiges SWAT-Team wird in das Haus geschickt. Es schützt Dr. Owen, einen Seuchen-Spezialisten, der den Auslöser der Katastrophe in der Dachwohnung vermutet. In der Tat findet die Gruppe dort Beweise für geheime und krude medizinische Experimente. Die entsetzten SWAT-Männer zwingen Owen, die Hintergründe des Einsatzes zu enthüllen. Der ‚Arzt‘ entpuppt sich als Priester und Mitglied einer kirchlichen Spezial-Einheit. In der Dachwohnung wurde die von einem Dämon besessene Niña Medeiros festgehalten. Wissenschaftler des Vatikans suchten im Blut des grässlich entstellten Mädchens nach einem Gegenmittel. Niña konnte sich befreien, ihre Bewacher ausschalten und sich verstecken. Außerdem hat sie die Mieter infiziert, die ihr nun als ‚Leibwächter‘ dienen.

Das SWAT-Team wird von den Zombies dezimiert. Owen weigert sich, das Haus zu verlassen, bevor er eine irgendwo verborgene Blutprobe des Niña-Dämons geborgen oder den diesen persönlich zur Ader gelassen hat. Die Suche wird sich zum Desaster. Zur Verwirrung tragen drei neugierige Jugendliche bei, die sich Einlass ins Haus verschaffen konnten. Auch die völlig verstörte Ángela Vidal taucht wieder auf. Die Überlebenden fahnden im Wettlauf mit den Zombies nach Niña. Als diese endlich in ihrem Versteck aufgespürt wird, entwickelt sich ein bizarres Duell, das auf zwei Dimensionsebenen ausgetragen werden muss …

Irgendwie muss es ja weitergehen …

„[Rec]“ war 2007 ein in jeder Hinsicht ‚kleiner‘ Film. Mit geringem Budget gedreht und nur 75 Minuten laufend, erwies er sich dessen ungeachtet als beachtlicher Erfolg. Die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Jaume Balagueró und Paco Plaza hatten aus der Not eine Tugend gemacht und eine Story ersonnen, die in der überschaubaren Kulisse eines einzigen Mietshauses spielte. Mit großem Einfallsreichtum hatten sie das Drehbuch in eine straffe, spannende Handlung umgesetzt. Dabei waren sie von einer fabelhaft aufspielenden Darstellerschar unterstützt worden.

Der Erfolg war also verdient, doch er zeitigte die im Filmgeschäft üblichen Folge: Als Balagueró & Plaza ihre Prominenz für neue Projekte nutzen wollten, lenkten potenzielle Produzenten das Verhandlungsgespräch stets auf ein bestimmtes Thema: Sie wünschten keine Experimente, sondern Investitionssicherheit, und das bedeutete: Auf „[Rec]“ sollte „[Rec] 2“ folgen. Die Filmindustrie hasst das Unbekannte. In dieser Hinsicht ist sie international. Sie kann dabei auf die Zustimmung eines Publikums bauen, das in seiner Mehrheit an der Fortsetzung einer spannenden Geschichte interessiert ist.

Balagueró & Plaza bissen in den vielleicht gar nicht allzu sauren Apfel und schmiedeten ihr Eisen, solange es noch heiß war. Dummerweise ergab sich ein Problem: Die [Rec]-Geschichte war erzählt und hatte ihr offenes aber logisches Ende gefunden. Das von Zombies befallene Mietshaus war vom Keller bis zum Dach genutzt. Für neue Entwicklungen gab es buchstäblich keinen Raum mehr.

Vom Doku-Drama zum Genre-Spektakel

In Hollywood hätte die Konsequenz so ausgesehen: Machen wir es einfach noch einmal, aber dieses Mal größer! In gewisser Weise haben auch Balagueró & Plaza diesen Weg beschritten. „[Rec] 2“ bietet mehr Beißereien, mehr Blut, mehr Tricks, mehr Geschrei & rennendes Zombie-Futter.

Immerhin erfährt der Plot eine echte Erweiterung. Der Zuschauer muss entscheiden, ob ihm die neue Richtung gefällt. Balagueró & Plaza waren sich des Risikos bewusst, wie sie im „Making Of“ betonen. „[Rec]“ faszinierte als „Mockumentary“, d. h. als Mischung aus fiktiver, aber realistisch wirkender Dokumentation und Spielfilm. Die Handlung blieb Beobachtung; eine Begründung dafür, dass brave spanische Bürger sich in kannibalische Untote verwandelten, wurde nie gegeben. Das Rätsel unterstützte die Atmosphäre ständiger Unsicherheit. Die noch nicht infizierten Mieter schwebten nicht nur in Lebensgefahr, sondern in Ratlosigkeit. Dank der subjektiven Kamera gesellten wir, die Zuschauer, uns zu ihnen.

In „[Rec] 2“ geben Balagueró & Plaza die Illusion der Realität vollständig auf. Aus Zombies werden plötzlich Dämonen, das Haus wird zur geheimen Experimentierstätte einer obskuren Kirchentruppe, die – Dan Brown lässt grüßen – in einem seit Jahrzehnten oder Jahrhunderte währenden, der Öffentlichkeit sorgsam verschwiegenen Kampf mit dem Teufel verwickelt ist.

Dämonen sind schwatzhaft

Gänzlich abwegig ist die Kombination von Zombies und Dämonen nicht. Im „Making Of“ nennen die beiden Regisseure den Filmklassiker „Der Exorzist“ als Vorbild. Wenn dort die vom Heuschrecken-Unhold Pazuzu befallene Regan grässlich flucht, in Stimmen spricht und Erbsensuppe spuckt, wirkt sie tatsächlich wie eine Vorgängerin der unglücklichen Niña Medeiros.

Mit der höllischen Herkunft unserer Dämonen-Zombies erben wir freilich auch ein dickes Bündel einschlägiger Klischees. Während Zombies wohltuend stumm bleiben, reden Dämonen gern und viel. Auf diese Weise erfahren wir, dass die seltsamen Vorgänge in unserem Mietshaus nur einen weiteren von Beelzebubs ständigen Versuchen darstellt, sich die Erde untertan zu machen. Dies ist Kindergarten-Theologie auf Fundamentalisten-Niveau: einfach lächerlich.

Wo Film-Dämonen heulen, sind die Diener der Kirche nie weit. Dr. Owen erweist sich als typisches Exemplar seiner Gattung: Er ist fromm, verschlagen und liebt es, sich in kryptischen Andeutungen zu ergehen, statt klipp und klar zu erläutern, was vor sich geht. Stattdessen murmelt er beschwörende Gebete und schwenkt das Kruzifix, denn offenbar beschränkt sich der Krieg zwischen Himmel und Erde auf die christlich geprägen Regionen unseres Erdballs.

Roter Faden mit deutlichem Knick

Ein ökonomisches Erzählen wie in „[Rec]“ gelingt Balagueró & Plaza mit der Fortsetzung nicht mehr. Dies liegt nicht nur an der Entscheidung, die Ereignisse nicht konventionell zu filmen, sondern wie gehabt aus der Sicht einer vermeintlich ins Getümmel geworfenen Kamera zu zeigen; ein Effekt, der gut variiert wird aber nicht mehr überraschen kann. Auch die Story ist eine (in den Effekten aufgeladene) Kopie des Vorgängerfilms; nicht Reporter, sondern SWAT-Männer erfahren nun das Grauen im Mietshaus. Sie tragen Helmkameras, die über eine Bild-im-Bild-Funktion verfügen, sodass wir zeitweise in den Simultan-Genuss zweier schwankender, schaukelnder, absichtlich schlecht belichteter und ‚authentischer‘ Filme kommen. (Übrigens kann die Einnahme eines Mittels gegen Seekrankheit die daraus unter Umständen resultierende Übelkeit verhindern.)

Verhängnisvoll ist der Entschluss, in der zweiten Filmhälfte den chronologischen Fluss der Ereignisse zu stoppen, in der Zeit zurückzuspringen und das Haus zu verlassen, um ‚frisches Blut‘ in Gestalt eines Feuerwehrmannes und dreier Teenies zu rekrutieren. Die klaustrophobische Enge der Räume und die daraus resultierende Unmittelbarkeit der Handlung prägen die [Rec]-Atmosphäre entscheidend. Es ist schwer nachvollziehbar, wieso Balagueró & Plaza dies aufgeben, zumal sie dabei drei ausgesprochen unsympathische Charaktere einführen: Mire, Tito und Ori sind dämliche Schwachköpfe, die viel zu lange greinen und die Handlung aufhalten, bis sich die Zombies endlich ihrer bzw. unser erbarmen.

Wenn dies geschieht, laufen die beiden getrennten Handlungsstränge endlich wieder zusammen. Kurz zuvor ist Ángela Vidal ins Geschehen zurückgekehrt. Auf die Prominenz von Manuela Velasco wollten Balagueró & Plaza offensichtlich nicht verzichten, auch wenn ihre Figur eher schlecht als recht in die neue Story passt und Velasco lange tatenlos herumsteht.

Ein Meisterwerk des Kulissenbaus

Schaut man sich „[Rec]“ und „[Rec] 2“ direkt hintereinander an, beeindruckt die Leistung der Kulissenbauer und Ausstatter noch stärker. Obwohl zwei Jahre zwischen beiden Filmen liegen, konnte die Kontinuität bruchlos gewahrt werden. Dies betrifft nicht nur die ‚großen‘ Kulissen wie das Treppenhaus, die Dachwohnung oder die Weberei im Keller. Jedes Foto, jedes Reagenzglas, jedes Bild liegt, steht oder hängt dort, wo wir es im ersten Teil gesehen haben.

Vor allem die Dachwohnung ist ein (Alb-) Traum aus Schmutz, Gilb und Verkommenheit. Allerdings haben wir auch sie bereits kennengelernt. Folgerichtig öffnen Balagueró & Plaza in der Fortsetzung weitere Räume und Gänge. Überzeugend ist dies nicht bzw. wird es erst, als eine der wirklich neuen Film-Ideen zündet: Nur der Monitor der Nachtbildkamera enthüllt Türen und Winkel, die im normalen Licht unsichtbar bleiben, weil sie außerhalb des Raum-Zeit-Kontinuums existieren. Solcher Einfallsreichtum steht „[Rec] 2“ wesentlich besser zu Gesicht als ein exzessives Plus an digitalen Effekten, so gelungen sie auch sind!

Obwohl „[Rec] 2“ anders als der Vorgänger bereits ab 16 Jahren freigegeben wurde, spritzen Blut und Körperfetzen wesentlich großzügiger als 2007. Die Zensur reagiert anscheinend weniger empfindlich, wenn es ‚nur‘ Zombies sind, denen die Köpfe weggeschossen werden. Die meisten Metzeleien gehen ohnehin im Gewackel der Kamera unter.

Neue Gesichter und alte Bekannte

„[Rec]“ war ein Horror-Kammerspiel mit sorgfältig gezeichneten, gut differenzierten Figuren, die das Publikum kennenlernen und an deren Schicksalen es Anteil nehmen konnte. Auch dies ging in der Fortsetzung über Bord. Wohl unfreiwillig fanden Balagueró & Plaza die perfekte Illustration für diesen Verlust: Die meisten Zuschauer werden vermutlich gar nicht registrieren, dass sämtliche Darsteller aus Teil 1 wieder mit dabei sind. Sie sind nun Zombies und haben unter ihren Masken fast jede Individualität verloren. (Die arme Senora Izquierdo wird wieder in Stücke geschossen, kommt aber im Handlungs-Off unverdrossen wie immer auf die Füße – eine der vielen Parallelen zum Vorgängerfilm.)

Die neuen Hauptfiguren sind Klischees. Zum Priester in göttlicher Mission gesellen sich harte Kämpfer mit weichen Herzen oder die schon erwähnten Dumm-Teenies. Es bleibt meist nur wenig Zeit, sich wenigstens ihre Gesichter zu einzuprägen, bis sie buchstäblich der Teufel holt. WEN erwischt es? Gleichgültig; interessant ist höchstens, WIE der Tod kommt.

Den Darstellern kann man deshalb primär für die ausgezeichnete Bewältigung eines handwerklich komplizierten Jobs gratulieren. Sie agierten nicht klassisch vor der Kamera, die sich stattdessen mitten unter ihnen befand und sich mit ihnen bewegte. Ohne die gewohnte Distanz waren sie zu einem Spiel gezwungen, das nie Schau sein durfte, weil dies die gnadenlos direkt auf sie gerichtete Linse entlarvt hätte. Die Darsteller mussten die Kamera gleichzeitig vergessen und in ihr Spiel integrieren. Hinzu kamen technische Schwierigkeiten, die sich aus den Dreharbeiten in einem echten Haus mit beschränkten Raumverhältnissen ergaben.

Die Erfahrungen, die das Team mit „[Rec]“ machen konnte, ließen es vor und hinter der Kamera die Herausforderungen bestehen. Obwohl die Fortsetzung wie so oft dem Original deutlich unterlegen ist, ist „[Rec] 2“ manchmal enttäuschend aber niemals langweilig. Das Tempo ist und bleibt enorm, und zumindest im Haus bleibt die Handlung ohne Abschweifungen.

DVD-Features

Auch in Deutschland lief „[Rec]“ nicht im Kino, sondern vor allem auf DVD bzw. Blu-ray sehr erfolgreich. Damit „[Rec] 2“ daran anschließt, wurde recht großzügig Bonusmaterial aufgespielt. Anderthalb Stunden läuft dieses Hintergrundmaterial, das sich allerdings eher durch Masse als durch Klasse auszeichnet.

So finden wir die meisten Szenen des „Making Of“ im 50-minütigen Feature „Behind  the Scenes“ wieder. Letzteres stellt anhand dreier exemplarischer Szenen den Alltag vor und hinter der Filmkamera dar, der durch Proben, Aufbauen und Warten geprägt ist. Zwischendurch kommen Balagueró & Plaza zu Wort, die einerseits mit interessanten Infos aufwarten, während sie sich andererseits vergeblich bemühen, den Kommerz als Primärquelle für „[Rec] 2“ zu verschleiern.

Weiterhin gibt es Impressionen von den Filmfestspielen in Venedig und Sitges 2009 sowie von der Vorpremiere des Films in Paris („Rec 2 on Tour“) und von einer Pressekonferenz in Sitges; der Informationsgehalt hält sich in engen Grenzen, da die Fragen der Journalisten meist dumm und die Antworten der Filmleute unverbindlich sind.

Im Internet gibt es eine aufwendig gestaltete Website zum Film.

Nachtrag

Ob sie denn bereits über „[Rec] 3“ nachdächten, fragte ein Fan Balagueró & Plaza in Paris; man müsse erst einmal abwarten, wie sich der zweite Teil an den Kassen schlage, so die diplomatische Auskunft. Nachdem „[Rec] 2“ zwar nicht mehr das ungeteilte Wohlwollen der Kritik finden konnte, vom Publikum jedoch sehr gut angenommen wurde, ist diese Frage inzwischen geklärt. (Falls man einer Website Glauben schenkt, die den wenig Vertrauen erweckenden Titel „www.bloody-disgusting.com“ trägt.) „[Rec] Génesis“ wird 2011 die Vorgeschichte zum Dämonen-Sabbat erzählen, der mit „[Rec] Apocalipsis“ 2012 seinen Höhepunkt und sein Ende finden soll.

[md]

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High Lane – Schau nicht nach unten!

Erstellt von Michael Drewniok am 24. Juni 2010

High Lane – Schau nicht nach unten!

Originaltitel: Vertige (Frankreich 2009)
Regie: Abel Ferry
Drehbuch: Johanne Bernard u. Louis-Paul Desanges
Kamera: Nicolas Massart
Schnitt: Soline Guyonneau
Musik: Jean-Pierre Taieb
Darsteller: Fanny Valette (Chloé), Johan Libéreau (Loïc), Raphaël Lenglet (Guillaume), Nicolas Giraud (Fred), Maud Wyler (Karine), Justin Blanckaert (Anton)
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 25.06.2010 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628956349 (Kauf-DVD) bzw. 4020628950965 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS-HD Master Audio 5.1 (Deutsch, Französisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
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Das geschieht:

Eigentlich sollte es eine abenteuerliche Gebirgswanderung für alte Schulfreunde werden, die drei junge Männer und zwei Frauen aus Frankreich ins sommerliche Kroatien führt. Doch der höhenängstliche Loïc ist nur wegen seiner neuen Freundin Chloé dabei, und Anführer Fred hat ‚vergessen‘, dass Chloé Guillaumes große Liebe war und ist, die er im Verlauf dieses Ausflugs für sich zurückgewinnen möchte.

Der anvisierte Bergpfad wurde geschlossen, was der leichtsinnige Fred wissentlich ignoriert. Die Strafe folgt rasch, als marode Fels-Sicherungen versagen und Karine nur um Haaresbreite den Einsturz einer Hängebrücke überlebt. Nun sind die fünf Wanderer im Gebirge gestrandet; den einzigen Rückweg ins sichere Tal bietet eine noch weit entfernte Seilrutsche.

Das Wetter verschlechtert sich, Nebel zieht auf, die Nacht bricht herein. Streit beginnt die Gruppe zu schwächen; vor allem dem ohnehin eifersüchtigen Loïc gehen die Nerven durch, nachdem er und Guillaume beinahe abgestürzt sind. Als Fred nach einem sicheren Pfad sucht, gerät er in eine Bärenfalle, deren Zähne sich tief in sein Bein graben. Die entsetzte Karine holt die Gefährten zur Hilfe, doch als sie die Unglücksstelle erreichen, ist Fred verschwunden.

Die Ausflügler sind in das Revier von Anton geraten. Als Kind von perversen Kroaten entführt, konnte er seine Peiniger später umbringen. Allerdings ist Anton verrückt geworden. Wer seinem Unterschlupf zu nahe kommt, sieht sich gemeinen Fallen und letztlich Anton persönlich ausgeliefert. Auch unsere Pechvögel enden in seiner mit Messern, Ketten und grausigen ‚Trophäen‘ gespickten Hütte. Nur wenn sie die Zivilisation abstreifen und sich auf Antons Niveau hinablassen, haben die Überlebenden eine – kleine – Überlebenschance. Als sie dies begreifen, beginnt ein erbarmungsloser Kampf unter modernen Höhlenmenschen …

„Wrong Turn“ à la française

Man lernt ja gern dazu: Hillbillys gibt es also nicht nur im Appalachen-Gebirge des US-Staates Alabama, sondern auch in Europa. Degenerierte, von der Jagd auf Waldtiere (und Menschen) lebende oder besser: vegetierende Hinterwäldler sind hier im ehemaligen Ostblock Südosteuropas zu orten. Schon 2006 sprach Regisseur Christopher Smith mit „Severance“ diese Barbarei an, die in einer von jahrzehntelanger kommunistischer Willkür und Bürgerkrieg geprägten und von der zivilisierten Welt abgeschnittenen Region blühen konnte aber totgeschwiegen wurde, sodass heute Touristen aus dem Westen ahnungslos in solche Pesthöllen der Inzucht, der Gewalt und des Kannibalismus‘ geraten können …

So jedenfalls lässt sich jenes Weltbild deuten, das nun auch Abel Ferry in seinem ersten Langfilm durch neue Details ergänzt. Der politisch korrekte Zeitgenosse wird den Missbrauch Kroatiens als Schauplatz eines europäischen „Backwood“-Horrorfilms verdammen, aber solches Engagement wäre zu viel des Guten: „High Lane“ wird der kroatischen Tourismus-Branche definitiv keine finanziellen Einbußen bescheren.

Dies verhindert schon der unfreiwillige Humor, der sich in einem bierernst gemeinten Drehbuch eingenistet hat. Ferry trägt selbst die Schuld daran, dass der Kritiker dessen ‚Sinn‘ hinterfragt; er weist immer wieder auf einen Kontext hin, der dem Geschehen Bedeutung verleihe. Den versucht man deshalb zu erkennen, was jedoch misslingt, denn „High Lane“ ist nichts als gut gefilmte Unterhaltung mit einem unterdurchschnittlichen Plot.

Von der großen Vision zur schnöden Realität

Dass „High Lane“ beim Zuschauer nicht sofort wieder in Vergessenheit gerät, verdankt dieser Film dem einzigen guten Einfall seines Regisseurs: Nicht nur Geldmangel, sondern auch der Wunsch nach authentischen Bildern veranlasste Ferry, seine Darsteller tatsächlich in lotrecht aufragende Felswände zu treiben. Die vor allem in der ersten Filmhälfte dominierenden Bilder winziger Menschen, die an fadendünnen Seilen über gähnenden Abgründen baumeln, sind nicht das Produkt perfekter Tricktechnik, sondern echt: Spezialeffekte kamen primär dort zum Einsatz, wo nachträglich lästige Häuser und andere Bauwerke zu tilgen waren, die den Eindruck öder Verlassenheit störten.

Als „Cliffhanger“-Remake kann „High Lane“ fesseln, denn die von einer Kamera, die den Schauspielern hautnah in die Felsen folgte, eingefangenen Bilder lassen sogar in der Sicherheit vor dem Bildschirm Höhenangst und Handschweiß ausbrechen. Da „High Lane“ mit dem Bildformat 2,35 : 1 prunkt, entfallen seitliche Grenzen, die eine sorgfältig vorbereitete Kulisse andeuten könnten: Die Kamera beweist stolz, dass vor Ort gedreht wurde.

Labile Gruppendynamik und gefährliche Umgebung: Mit diesen beiden Aspekten hätte sich Ferry begnügen sollen. Aber er wollte auf Nummer Sicher gehen. In der zweiten Filmhälfte nimmt „High Lane“ einen „Wrong Turn“ in Richtung Grob-Horror. Alte und ausgelaugte Klischees wie Dunkelheit mit Dunkelheit, Flucht im strömenden Regen, die vor Fäulnis und Verkommenheit starrende Mord-Hütte oder der grinsend das Messer wetzende Strolch kommen keinen Augenblick gegen den Schwindel an, den schroffe Berge und tiefe Schluchten erzeugen.

Alles in Hand- aber wenig Kopfarbeit

Wieder stellt sich Ferry selbst ein Bein. Er ist so betriebsblind geworden, dass er nicht den tumben Schlagetot Anton, sondern eine tragische Gestalt sieht, die aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse vertierte. Mit ein bisschen Verständnis oder Liebe, so deutet es der Regisseur zumindest im „Making Of“ an, bekäme Anton seine Probleme wieder in den Griff.

Nachdem er die Köpfe früherer Opfer in Antons Hüttenkeller baumeln sah, fällt es dem Zuschauer schwer, Ferry in diesem Punkt zu folgen. Dieser fabuliert weiter, ernennt Anton und die ihm im Finale entgegentretende Chloé zu „Spiegelbildern“, die sich im Kampf auf Leben & Tod in einem seelischen Niemandsland treffen, um anschließend wieder auseinanderzudriften.

Die erwähnte Gruppendynamik entspricht erneut sattsam bekannten Klischees und wird den Darstellern flüchtig aufgeprägt. Höhenangst ist das einzige Gefühl, das jederzeit glaubhaft vermittelt wird; wen wundert’s, wenn beispielsweise buchstäblich unter Maud Wylers Füßen eine ohnehin wenig vertrauenswürdige Brücke zum Einsturz gebracht wird, sodass die Schauspielerin nur noch an ihrer Sicherheitsleine über einer Schlucht baumelt?

Auch das Drehbuch fördert gerade in kritischen Momenten ein fragwürdiges Verhalten der Figuren. Wo steckt der Sinn in Freds Entscheidung, einen von der Bergwacht gesperrten Gebirgspfad zu durchsteigen? Warum wirft Loïc, der sich Anton unbemerkt nähern konnte, diesem nur einen Stein an den Kopf und läuft davon, statt ihm kräftig eines mit dem Knüppel überzuziehen? Wie blöd muss Chloé sein, den im Finalkampf verletzten aber definitiv nicht toten Anton einfach liegenzulassen? Glaubt sie wirklich, er werde sie nunmehr in Frieden lassen? Solche Unlogik zieht sich durch das gesamte Geschehen und sorgt für zusätzliches zuschauerliches Stirnrunzeln.

Nüchtern betrachtet endet „High Lane“ wie jeder Film-Horror dieser Qualitätsstufe: Die Überlebende rauft mit dem Monster, das ‚tot‘ liegenbleibt und in einer Finalcoda wieder hinter einem Busch hervorspringt. Wundern wir uns also nicht, wenn Anton irgendwann erneut sein Unwesen treibt – in den kroatischen Bergen und in der Videothek!

DVD-Features

Während „High Lane“ als Film nur durchschnittliche Unterhaltung bietet, verdienen die Features uneingeschränktes Lob. Sie sind nicht nur zahlreich, sondern auch informationsreich. So stellt das „Making Of“ keine plumpe Fortsetzung der Film-Werbung dar, sondern bietet tatsächlich echte Einblicke in den Alltag einer schwierigen Filmproduktion. Nur 35 Drehtage und wenig Geld standen dem ehrgeizigen Abel Ferry zur Verfügung, was angesichts des Konzeptes, das ausgedehnte Dreharbeiten in schwindelnden Höhen vorsah, mehr als gewagt war.

In der Tat entwickelte sich die Arbeit zu einem Abenteuer. Vor allem das Wetter wurde zum Problem: „High Lane“ spielt im Sommer, entstand aber im Oktober, was die dünn bekleideten Darsteller auf harte Proben stellte; die Kamera hält fest, als die zitternden, mit eiskaltem ‚Regenwasser‘ getränkten Schauspieler während eines schier unendlichen Nachtdrehs die Nerven verlieren und sich im Garderobenbus verbarrikadieren.

Durch Stress und Kälte ließ man sich vor und hinter der Kamera nicht dauerhaft aus der Ruhe bringen. Es entwickelte sich eine Mischung aus Teamgeist und Söldnermentalität. Die gesammelten Outtakes zeigen Darsteller, die auf tückischem Untergrund ins Stolpern geraten und in ernsten Szenen immer wieder von Lachanfällen geschüttelt werden. Dieses Dampfablassen kann man ihnen nachfühlen, wenn man sieht, wie der Regisseur seine Schauspieler im nächsten Moment über einen 200 Meter tiefen Abgrund hängt …

Abel Ferry macht nie einen Hehl aus den Sorgen eines mächtig unter Druck stehenden Jung-Regisseurs. Ob im „Making Of“ oder im Audiokommentar – er spricht über unerwartete Zwischenfälle, persönliche Krisen, meuternde Darsteller oder die Frustration, wenn Drehplan und Budget einen guten Einfall verhindern.

Zusätzliche Featurettes („Ein Killer werden“, „Die Wolfsfalle“, „Der Pfahl“) enthüllen diverse Spezialeffekte oder zeigen, wie privat eher friedfertige Darsteller so trainiert werden, dass sie vor der Kamera zu gnadenlosen Kampfmaschinen mutieren („Der Kampf ums Überleben“).

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Stag Night

Erstellt von Michael Drewniok am 17. Juni 2010

Stag Night

Originaltitel: Stag Night (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: Peter A. Dowling
Kamera: Toby Moore
Schnitt: Vanick Moridian
Musik: Benedikt Brydern

Darsteller: Kip Pardue (Mike), Scott Adkins (Carl), Breckin Meyer (Tony), Vinessa Shaw (Brita), Karl Geary (Joe), Rachel Oliva (Claire), Sarah Barrand (Michelle), Luca Bercovici (Chef-Tunnelratte), Suzanna Urszuly (Frau), Nikolai Sotirov (alter Mann) Jo Marr (junger Mann) uva.
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 28.05.2010 (Leih-DVD u. Blu-ray) bzw. 02.07.2010 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628978587 (Leih-DVD) bzw. 4020628978594 (Kauf-DVD) bzw. 4020628958046
(Leih-Blu-ray bzw. 4020628958053 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2.35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Die Brüder Carl und Tony sowie ihr Kumpel Joe ziehen mit Mike durch die Kneipen von New York; es ist Mikes „Stag Night“, die letzte Nacht als ‚freier Mann‘, denn daheim wartet bereits Braut Michelle. Ein Ortswechsel steht an; er wird per U-Bahn vollzogen, die zu dieser frühen Morgenstunde beinahe menschenleer ist. Nur die Stripperinnen Brita und Claire sitzen mit dem Quartett im Abteil. Weil Tony frech wird, sprüht Brita Pfeffernebel. Als die Bahn an einer roten Ampel hält, die es auch unter Tage gibt, öffnen die hustenden Fahrgäste die Tür, stürzen an die relativ frische Unterweltluft – und müssen mit ansehen, wie die Bahn sich wieder in Bewegung setzt und sie auf offener Strecke zurücklässt.

Nur durch die U-Bahnröhre geht es zum nächsten Bahnhof und zurück an die Oberfläche. Den Weg dorthin blockieren allerdings kannibalische Tunnelbewohner. Diese völlig vertierten Zeitgenossen leben ausschließlich unter der Erde, wo sie auf nächtliche Fahrgäste warten, die sie überfallen, ermorden, ausrauben und fressen bzw. an ihre Hunde verfüttern können. Ihrem aktuellen Raubzug fällt ein Polizist zum Opfer. Dummerweise bemerken die Tunnelratten, dass sie dabei von unseren unterirdisch Gestrandeten beobachtet werden.

Zeugen lieben sie nicht, aber weiteres Frischfleisch ist ihnen willkommen. Die Jagd ist eröffnet. Im Labyrinth der Tunnel, Wartungsschächte und Abwasserleitungen kennen die Häscher jeden Winkel. Bald sind die ersten Opfer zu beklagen. Irgendwann begreifen die Überlebenden, dass Rettung von außen nicht kommen wird. Sie müssen sich ihren Gegnern stellen. Bald lassen sich Jäger und Gejagte unter einer dicken Dreck- und Blutschicht kaum noch unterscheiden. Auch im Verhalten gleichen sich die Parteien an, bis es zum großen Entscheidungskampf mit Fleischermessern, Stahlpickeln und rostigen Sägen kommt …

Back to the Roots?

Früher war alles besser. Dies schließt nach Ansicht vieler Gruselfreunde die Horrorfilme der Vergangenheit ein. Vor allem die Splatter der 1970er und frühen 1980er Jahre treiben ihnen in der Rückschau Tränen der Rührung in die Augen: Bevor in politisch korrekteren Zeiten die Zensur obsiegte, war es für wenige Jahre möglich, praktisch alles zu zeigen, was die damaligen Spezialeffekte möglich machten. Rohe, grimmige Streifen entstanden, die heute Kultstatus besitzen, was u. a. daran erkannt werden kann, dass sie im neuen Jahrtausend praktisch in toto neu verfilmt werden.

„Stag Night“ möchte alte Splatter-Traditionen neu beleben. Dagegen ist nichts einzuwenden, zumal die moderne Tricktechnik überzeugend auch explizite Gräuel viel überzeugender in glaubwürdige Bilder umsetzen kann als vor zwei oder drei Jahrzehnten. Doch die Uhr lässt sich offenbar nicht wirklich zurückdrehen: „Stag Night“ bedient sich der Möglichkeiten des aktuellen Films vor allem, um genau diese blutige Deutlichkeit zu vertuschen. Theoretisch geht es wohl brutal zu. Es wird nicht nur gestoßen und geschlitzt, sondern geschlachtet und gehackt. Zu sehen ist davon jedoch wenig. Sobald es heftig zur Sache geht, scheint der Kameramann von einem Anfall der Parkinsonschen Schüttellähmung erfasst zu werden. Die Linse rüttelt hin und her, bis sich die Szene in einem beim Zuschauer Seekrankheit erzeugenden Wirbel auflöst.

Wird dieser Kniff (den wohl Ridley Scott in „Gladiator“ 2000 erstmals einsetzte), der einer Zensur der Gewalteffekte zuvorkommen soll, nicht strapaziert, ist es garantiert genau dort stockdunkel, wo gerade Messer u. a. tödliche Waffen geschwungen werden: Regisseur Peter Dowling kann Gemetzel inszenieren, aber er traut sich nicht, es zu zeigen. Das Ergebnis wird dem Freund des subtilen Terrors schon zu viel sein, während der erwartungsfrohe „Gorehound“ verärgert abwinken wird. Selbst der vielgeschmähte, thematisch sehr ähnliche „Creep“ (2004) mit Franka Potente war in dieser Hinsicht der ‚ehrlichere‘ Film.

Nur einmal weigert sich Dowling, die Zensur-Schere im vorauseilenden Gehorsam selbst in die Hand zu nehmen: Eine Tunnelratte wird weichenbedingt von einer zuschnappenden Bahnschiene erledigt. Dieser eine Moment löst die Versprechen von „Stag Night“ ein, denn er erzeugt jenes ungläubige Schnappen nach Luft, welches ein überraschter und begeisterter Zuschauer zu erzeugen pflegt.

Go East, Poor Man

3 Mio. Dollar betrug das Budget für diesen Film angeblich. Das ist nach Hollywood-Maßstäben Kleingeld, wäre aber genug für einen kleinen, fiesen Horrorfilm. Allerdings sieht „Stag Night“ in keiner Sekunde so aus, als sei die genannte Summe in die Produktion geflossen. Offensichtlich sind die Kulissenbauten so gut geraten, dass sie nahtlos mit den Vor-Ort-Szenenbildern verschmelzen. Wieder einmal haben die osteuropäischen Handwerker perfekt gearbeitet.

Denn die Dreharbeiten fanden wie heutzutage beinahe üblich in Osteuropa statt. In den Ländern des ehemaligen Ostblocks müssten sich US-Filmteams inzwischen wie zu Hause fühlen; sie stolpern geradezu übereinander, so viele Streifen werden hier heruntergekurbelt, wo der Dollar hart und das filmhandwerkliche Niveau hoch ist, während die Löhne niedrig blieben. „Stag Night“ entstand in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens. Das wird in der Besetzung der sprachlosen Nebenrollen deutlich; die Mitglieder einer Kolonie vergleichsweise ‚normaler‘ Tunnelmenschen, denen unsere Flüchtlinge einmal begegnen, sehen ganz und gar nicht ‚amerikanisch‘ aus.

Überhaupt entstanden wohl nur einige Luftaufnahmen in New York. Da das Geschehen so rasch wie möglich unter die Erde verlegt wird, musste nur ein einziger Straßenzug durch entsprechende Autos, Verkehrsschilder und Werbeplakate ‚amerikanisiert‘ werden. Ansonsten profitierte die Produktion davon, dass sich die U-Bahn-Anlagen der westlichen Welt sehr stark ähneln.

Außerhalb der Bahnhöfe bedeutet dies vor allem Dreck und Verfall, denn unter der Erde wird Raumpflege verständlicherweise klein geschrieben. Hinzu kommt eine Dunkelheit, die recht notdürftig durch trübe Lichter aufgehellt wird. Anders ausgedrückt: Die U-Bahn ist das moderne Pendant zur Schlossruine – eine Örtlichkeit, die nicht nur für den Verkehr, sondern auch für das Unheimliche erbaut zu sein scheint. Hinzu kommt das Wissen um reale ‚Tunnelmenschen‘: Obdachlose, die in der Tiefe Schutz vor der Witterung und vor der Polizei suchen.

Schauspieler als Wanderarbeiter

Für Schauspieler der Promi-Kategorie B und vor allem C ist der Dreh einer Billig-Produktion heute meist mit einer weiten Reise verbunden. Dieses Mal ging es wie gesagt nach Sofia und dort in den Untergrund; die Arbeit dürfte kein Zuckerschlecken gewesen sein. Erfreulicherweise verzichtet Dowling, der auch das Drehbuch schrieb, darauf, uns die selbst im Halbdunkel sichtbar nicht mehr gar so jungen Darsteller als Teenies zu verkaufen. Mike und seine Freunde sind „Thirtysomethings“, und auch Brita, die Geschichte studierende Stripperin, hat die Pensionsgrenze beinahe erreicht.

Von einer ausgefeilten Charakterzeichnung kann natürlich in keinem Fall gesprochen werden. Aber auch für ein Auswalzen langbärtiger Klischees bleibt kaum Zeit. „Stag Night“ dauert nur 84 Minuten, die übrigens beinahe in Echtzeit ablaufen. Zwar gibt es keine neuen (oder gar guten) Ideen, aber dafür auch keinen Leerlauf. Sogar die obligatorische Nackt- und Fummel-Szene ist kurz und wird eher abgehakt.

Da die Tunnelratten nur heulen und nicht sprechen müssen, konnten für diese Rollen bulgarische Darsteller gecastet werden. Sie müssen primär dreckig und degeneriert sein. Unwichtig sind dagegen lästige, weil der Logik geschuldete Fragen: Wieso sind nur unsere Kannibalen stumm und geistig so heruntergekommen, während die übrigen Tunnelmenschen recht manierlich blieben? Immerhin sind sie so intelligent, dass sie Stromkabel anzapfen können.

„Logik“ ist andererseits ein Wort, das in diesem filmischen Umfeld keinerlei Existenzberechtigung besitzt. Deshalb ist der Zuschauer ganz und gar nicht erstaunt, als dem eigentlichen Ende, das erfreulich konsequent auf ein unlogisches Happy-End verzichtete, noch ein Last-Second-Schlussgag der besonders plumpen Art folgt, dem gleichzeitig die Drohung einer Fortsetzung innewohnt, aus der die spannende Frage resultiert, ob sogar ein Routine-Produkt wie „Stag Night“ ein Franchise gebären kann.

DVD-Features

Der Zuschauer darf dankbar sein: Weder die vor noch die hinter der Kamera für „Stag Night“ Verantwortlichen mussten im Rahmen eines „Making-of“ Begeisterung heucheln oder einander über den sprichwörtlich grünen, hier reichlich welken Klee loben. Nur der Hauptfilm stiehlt uns die Zeit.

[md]

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Deadwater

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Mai 2010

Deadwater

Originaltitel: Deadwater/Black Ops (USA 2008)
Regie: Rebel Wan (= Roel Reiné)
Drehbuch: Ethan Wiley u. Roel Reiné
Kamera: Roel Reiné
Schnitt: Radu Ion u. Bayard Stryker
Musik: Joseph Bauer
Darsteller: Lance Henriksen (John Willets), Gary Stretch (Colin Willets), Katherine Randolph (Traci Leonard), Robert Pike Daniel (Slab), D. C. Douglas (Grubman), Jim Hanks (Buford), Matthew Alan (McCloskey), Richard Jenik (Ricks), Lee Majodoub (Fahdawi/Khalil), Grant Mathis (Gunther Neumann), James Russo (Combs), Tom McCafferty (Jackson), Daniel Louis Rivas (Swanson), Jonathan Espolin (Alberts) uva.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 07.05.2010 (Leih-DVD) bzw. 04.06.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4041658223669
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Sechs Monate vor der Pensionierung wird Colonel John Willets auf einen brisanten Einsatz geschickt: Der militärische US-Geheimdienst hat den Kontakt zu einem Schiff im Persischen Golf verloren, auf dem “Black Ops”, also ’schwarze’, d. h. verdeckte und heimliche Operationen stattfinden. Aktuell wurden Informationen aus einem hochrangigen irakischen Terroristen gefoltert. Willets und seine Männer sollen feststellen, was an Bord geschehen ist. Als der alte Haudegen hört, dass Sohn Colin auf dem Schiff dient, macht er sich umgehend auf den Weg, obwohl er ahnt, dass man ihm etwas verschweigt: Was treiben die beiden Militär-Wissenschaftler Grubman und Leonard, die mit seltsamen Instrumenten nach elektromagnetischen Feldern suchen?

Als die Spezial-Einheit das Schiff erreicht, findet es die Besatzung mit bloßen Händen in Stücke gerissen und daher meist tot vor. Nur vier Überlebende gibt es, zu denen Colin Willets gehört. Gesehen hat niemand, wer so grässlich hauste oder die Leichen der ‘Verhörspezialisten’ zu einem dekorativen Hakenkreuz-Muster auslegte. Der Verursacher macht sich aber bald den Neuankömmlingen bemerkbar, indem er auch sie niederzumetzeln beginnt. An Bord gestrandet und somit der unbekannten Macht ausgeliefert, müssen Vater und Sohn Willets erst feststellen, was Grubman und Leonard schon wissen: An Bord gibt es keinen Terroristen. Stattdessen haust auf dem uralten Schiff der Geist eines einst von Nazi-Wissenschaftlern erschaffenen Super-Soldaten, dessen Geheimnisse der US-Geheimdienst gern in Erfahrung bringen würde, um selbst die Produktion von Killer-Marionetten aufnehmen zu können.

Doch der zum Gespenst gewordene Gunther Neumann hat längst seinen Abschied genommen. Er murkst nun ohne Rücksicht auf Rasse und Herkunft alle Pechvögel ab, die ihm in die Quere kommen. Für Colonel Willets und seine Truppe beginnt deshalb eine lange Geisternacht, deren Morgendämmerung möglicherweise niemand mehr erleben wird …

Filme für jene, die es gar nicht mehr graust

Manchmal sticht auch und gerade den erfahrenen und an Leid gewöhnten Kritiker der Hafer. Er greift dann nicht versehentlich, sondern gezielt zu einem bisher nicht gesehenen Film, obwohl er eher weiß als ahnt, dass ihn keine anderthalb Sternstunden der Unterhaltung erwarten. Was dann bleibt, ist die Hoffnung auf einen Film aus jener Nische, die dem unfreiwilligen Humor vorbehalten ist. Mit dem Label “Trash” wird gekennzeichnet, was so komplett missraten ist, dass es wieder lustig wirkt. Ganz wichtig – dies sei deshalb wiederholt – ist der Aspekt des ungewollten Scheiterns. Vor und hinter der Kamera haben stattdessen geistig zurechnungsfähige Männer und Frauen auch in unserem Fall geglaubt (oder wenigstens gehofft), sie könnten mit “Deadwater” ihrem Publikum spannend die Zeit vertreiben.

Stattdessen gelingt es ihnen nur, einen Schritt auszulassen und besagtes Publikum zu vertreiben. Man muss wahrlich hart im Nehmen sein, um dieses Fiasko bis zu den Erlösung markierenden Schlusstiteln durchzustehen. Auf dem langen, steinigen Weg gibt es hin und wieder kleine Belohnungen, wenn das Drehbuch mit Wendungen überrascht, die unter die Kategorie Abstrakte Kunst fallen könnten. Eine medizinische Diagnose für das, was Ethan Wiley und “total filmmaker” Roel Reiné (Drehbuch, Kamera, Produktion und – unter kryptischem Pseudonym – auch Regisseur) sich hier aus den Hirnen wrangen, könnte freilich auch “Delirierender Schwachsinn” lauten.

Geister gehen zur See

Zu diesem Film gibt es kein “Making of”. Wir erfahren deshalb nicht, welcher Teufel Reiné einst wohin ritt, um ihm die ‘Ideen’ für “Deadwater” einzugeben. Der Weg muss ihn aber in den Hafen von San Pedro, Kalifornien, geführt haben, wo an einem Pier die “SS Lane Victory” dümpelt. Das 1945 vom Stapel gelaufene, knapp 140 m lange Frachtschiff transportierte Nachschub für die im Pazifik-Krieg gegen die Japaner kämpfenden US-Truppen und kehrte sowohl im Korea- als auch im Vietnamkrieg in asiatische Gewässer zurück, bevor es 1970 außer Dienst gestellt und ab 1988 in ein schwimmendes Militär-Museum verwandelt wurde. Seitdem ist das alte, aber gut in seinem annähernd originalgetreuen Zustand erhaltene Gefährt bereits mehrfach für Hollywood in den Einsatz gegangen; so durfte die “Lane Victory” 1997 das Kielwasser von James Camerons digitaler “Titanic” doubeln.

Konsequent haben Reiné & Whiley ihr Drehbuch der Kulisse angepasst, denn “Deadwater” spielt bis auf wenige Minuten zu Beginn und am Ende ausschließlich an Bord des schwimmenden Schlachtrosses. Dies allein war kein Grund für das Scheitern des daraus resultierenden Machwerks; Schiffe eignen sich hervorragend als Schauplatz spukiger Ereignisse. Sie sind groß, voller düsterer Ecken und Winkel, und sie bilden einen Mikrokosmos mit fester Grenze: Auf hoher See führt die Flucht von einem verwunschenen Schiff mit ziemlicher Sicherheit in einen nassen Tod.

Patchwork des Blöden & Billigen

Wie man den Kampf gegen ozeanische Phantome effektvoll umsetzt, belegen u. a. Filme wie “Ghost Ship” (2002) oder “Triangle – Die Angst kommt in Wellen” (2009). Obwohl es mächtig umgeht, sind dies keine geistvollen Werke, sondern Produkte, die der geplanten Unterhaltung dienen. Diese stellt sich immerhin ein, was “Deadwater” nicht für sich beanspruchen kann. Hier gelang Reiné nur ein neuerliches “Death Ship” (1980; dt. “Das Todesschiff”), wobei diese peinliche Grusel-Klamotte hier noch aus einem zweiten Grund erwähnt wird: Auch Regisseur Alvin Rakoff setzte 1980 auf das Nazi-Blatt.

Gunther Neumann, der Geister-Spion aus Hitlers Labor-Retorten, ist unbestreitbar das schimmelige Sahnehäubchen auf dem Mistberg, den Wiley & Reiné auftürmen. Bis ihn ein Ghostbuster-Kommando des militärischen Geheimdienstes in seinem Schlupfwinkel aufstöbert – auch ein Gespenst braucht offenbar einen ruhigen Winkel, in dem es nach Feierabend Nazi-Musik und Hitler-Reden im Radio (!) lauscht -, ereignen sich auch im Diesseits mehr als genug Fragwürdigkeiten.

So schlecht geht es dem US-Militär beispielsweise sicherlich nicht, dass es ausgerechnet ein  vor sechs Jahrzehnten vom Stapel gelaufenes Museumsschiff ausmotten, in den Persischen Golf schicken und hoffen müsste, dass der uralte Kahn überhaupt dort ankommt – und falls doch, würde man wahrscheinlich die Ausstellungsräume mit ihren Vitrinen und Fotowänden räumen. (Was die “U.S. Merchant Marine Veterans of World War II”, denen heute die “Lane Victory” untersteht, dem Filmteam anscheinend nicht erlaubt hat, weshalb das Bordmuseum kurzerhand in die Handlung integriert wurde.) Oder wollen sich die Verhör-Spezialisten zwischen anstrengenden Folter-Sitzungen historisch bilden und intellektuell entspannen?

Wieso muss sich das Geschehen überhaupt in der Golfregion abspielen? Eine Spezialeinheit könnte auch in US-Gewässern ein Geisterschiff entern. Einmal mehr sucht Reiné sein Heil in Klischees: Die US-Präsenz im Nahen Osten liefert Reizthemen, auf die sich nicht nur kritische Journalisten, sondern auch fixe Film-Fabrikanten stützen können. Ob Reiné wohl so weit gehen würde, “Deadwater” als Kritik an den staatlich sanktionierten Menschenrechtsverletzungen der USA zu deklarieren? Ein “schwimmendes Abu-Ghuraib” wird das alte Schiff in Anspielung auf die sorgfältig im Ausland verborgenen gehaltenen Folter-Camps der US-Geheimdienste genannt – reine Augenwischerei, die immerhin den sandig-braunen Schleier begründet, der über sämtliche Szenen gelegt wird, die bei Tage spielen. (Tatsächlich sollen auf diese Weise Qualitätsunterschiede zwischen gedrehten und Archivaufnahmen übertüncht werden.)

Quo vadis, Lance Henriksen?

Über die Darsteller in “Deadwater” muss bis auf zwei Ausnahmen kein Wort verloren werden. Sie rekrutieren sich aus dem Heer der TV-No-Names, die in Hollywood mächtig um jede Rolle strampeln müssen und deshalb nicht wählerisch sein können. Anders als die Zuschauer kannten sie das Drehbuch, denn sie leisten Dienst nach Vorschrift hart an der Grenze zur Arbeitsverweigerung, was man ihnen nachsieht, da auch die besten Schauspieler der Welt “Deadwater” zu keinem besseren Film machen könnten.

In Ansätzen beweist dies Lance Henriksen, ein Veteran seiner Zunft, den man eine tragische Gestalt nennen könnte. In zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen hat er sein Talent unter Beweis gestellt. Gleichzeitig lässt er sich für Streifen anheuern, die den Tatbestand der Publikumsverdummung gleich mehrfach erfüllen. Mindestens fünf Filme pro Jahr dreht Henriksen. Anscheinend entscheidet er nicht zwischen Angeboten, sondern nimmt sie einfach an und bringt die Jobs hinter sich. Auf diese Weise hat Henriksen sich unfreiwillig zum Trash-Indikator entwickelt: Sein Name über einem Filmtitel stimmt misstrauisch. Solche ‘Prominenz’ ist selten; ähnlich verdächtig sind beispielsweise Filme, in denen Corbin Bernsen oder David Carradine selig mitspielen.

Dabei leistet Henrikson stets solide Arbeit. “Deadwater” ist da keine Ausnahme. An Henriksen scheinen die Zumutungen des Drehbuches, die lächerlichen ‘Dialoge’ und sogar die Tatsache, das er als knapp 70-jähriger mit pechschwarz gefärbtem Resthaar einen beinharten Elite-Soldaten mimen muss, einfach abzugleiten. Er ist präsent und macht deutlich, wieso man ihn gern anheuert: Er ist sein Geld wert.

Weniger Glück hat die arme Katherine Randolph, die es als einzige Darstellerin in die “Deadwater”-Crew verschlug. Als solche besteht ihre Front-Kampfmontur aus einem bauchfreien Tank-Top. Randolph übernimmt auch die heilige Pflicht einer echten B-Movie-Heroine, indem sie sich in einer für die Handlung nutzfreien Dusch-Szene oben ohne präsentiert; die Armut der Produktion wird auch darin deutlich, dass Reiné sich nur eine Darstellerin ohne Silikonverstärkungen leisten konnte.

Filmarbeit als Kriegseinsatz

“Deadwater” gehört zu den Filmen, deren Entstehung man mit dem Ausdruck “guerilla film making” beschreibt: Es gibt kein eigentliches Budget, das eine ‘normale’ Dreharbeit ermöglicht. Stattdessen teilt sich das Team hinter der Kamera möglichst viele Aufgaben. Hart am Rand der Selbstausbeutung und oft genug jenseits davon fabriziert man auf diese Weise Werke in der Tradition eines Ed Wood, jr.: Durch die rosarote Brille betrachtet sehen die Film-Guerillas einen tollen Film, während den nüchternen Zuschauern nur Flickwerk, Notlösungen und Pfusch in die Augen stechen.

Regisseur Roel Reiné benötigte nur 350.000 Dollar und 15 Drehtage, um seine Vision Gestalt annehmen zu lassen. Er trieb diese (nicht nur) in Hollywood lächerliche Summe auf, schrieb das Drehbuch und saß hinter der Kamera. Der in den Niederlanden geborene Reiné, der im Fernsehen seines Heimatlandes das Film-Handwerk erlernte, ist die Arbeit ohne Geld und Geist gewohnt. Er verdingt sich für Krawall-Filme wie “Adrenaline” oder “Pistol Whipped”, in denen einschlägig bekannten Haudrauf-Mimen wie Steven Seagal, Danny Trejo oder Ving Rhames ihr Unwesen treiben; für Lance Henrikson ist Reiné inzwischen so etwas wie ein Hausregisseur geworden.

“Deadwater” reiht sich damit nahtlos in Reinés Gesamtwerk ein. In den USA erlitt der Regisseur-Autor-Kameramann-Produzent mit seinem Streifen übrigens Schiffbruch. Aus “Deadwater” wurde nach zehnminütiger Kürzung “Black Ops”. Dieser Titel erscheint statt “Deadwater” auch im Vor- und Nachspann – eine Schlamperei, die nicht mehr erschüttern kann. Eines schlimmeren Vergehens machte sich das deutsche Label schuldig, als es Synchronsprecher engagierte, denen offenbar Seilschlingen um die Hälse gelegt und diese langsam zugezogen wurden, um den aus unbekanntem Grund gewünschten, d. h. nöligen, gepressten, ausdruckslosen Sprechton zu gewährleisten.

DVD-Features

Diejenigen, denen wir verdanken, dass “Deadwater” über uns kam, indem sie sie dieses Machwerk entweder produzierten oder später in DVD-Form auf den Weltmarkt warfen, wagten nicht, allzu fest auf die Langmut ihrer Kundschaft zu setzen. Deshalb sparten sie nicht nur beim Hauptfilm. “Deadwater” erscheint nur als DVD, nicht als Blu-ray, was heutzutage durchaus ungewöhnlich ist. Außerdem gibt es keine Extras, sondern nur den Hauptfilm. Hat man den gesehen, versteht man aber, wieso sämtliche Beteiligten lieber im Schutz ihrer Rollen verborgen bleiben, statt sich durch ein “Making of” zu outen.

[md]

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Prince of Persia – Der Sand der Zeit

Erstellt von Günther Lietz am 28. Mai 2010

Prince of Persia – Der Sand der Zeit


Prince of Persia: The Sands of Time (USA 2010)
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
116 Min.
Verleih: Walt Disney
Start: 20. 05. 2010

Regie: Mike Newell
Produktion: Jerry Bruckheimer, Chad Oman, Eric Mcleod, Mike Stenson
Drehbuch: Jordan Mechner, Boaz Yakin, Doug Miro, Carlo Bernard
Musik: Harry Gregson-Williams

Darsteller: Jake Gyllenhaal (Dastan), Gemma Arterton (Tamina), Sir Ben Kingsley (Nizam), Alfred Molina (Sheik Amar), Steve Toussaint (Seso), Toby Kebbell (Garsiv), Richard Coyle (Tus), Ronald Pickup (King Sharaman), Reece Ritchie (Bis), Gísli Örn Garðarsson (Hassansin Anführer)

http://www.disney.de/prince-of-persia/
http://kyzr.free.fr/davidbelle/

Der Prinz von Persien hat den gewaltigen Sprung vom Videospiel auf die Leinwand gewagt und ist auf den Füßen gelandet.

Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) ist der jüngste von drei Brüdern, obwohl von Geburt kein Königssohn, sondern adoptiert. Mit den Prinzen Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) macht er sich nun daran die heilige Stadt Alamut zu erobern, um die dortigen Waffenlager auszuheben. Doch der Triumph der Brüder weicht schon bald Trauer, Hass und Verrat.

Schlussendlich ist Dastan als Mörder gebrandmarkt und mit der schönen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) auf der Flucht. Im Besitz des Prinzen befindet sich ein verzauberter Dolch, der im Mittelpunkt des Verrats steht und die Zeit beeinflussen kann. Dastan versucht nun seine Unschuld zu beweisen und ringt schlussendlich gar um das Überleben des ganzen Welt …

Die Handlung ist schnell erzählt und weist keine besonderen Überraschungen oder Wendungen auf. Mike Newell legt Wert auf eine in sich schlüssige Erzählung und optimale Vermarktung, dementsprechend einfach ist die Geschichte gestrickt und an den richtigen Stellen mit den passenden dramatischen Elementen gespickt. Newell versteht sein Handwerk, ebenso wie Jerry Bruckheimer, der sich für die Produktion von „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auszeichnet. Bei einem solchen Blockbuster gibt es keine großen Experimente – und das macht den Film so gut.

Der Film basiert auf der beliebten Videospielreihe „Prince of Persia“, die aus dem Hause Ubisoft stammt und sich großer Beliebtheit erfreut. Newell meidet die üblichen Fallstricke, die Videospieladaptionen mit sich bringen. Er versucht den Nerv des Spiel zu treffen und bietet keine exakte Umsetzung. Trotzdem sind alle wichtigen Elemente enthalten, so das es einen hohen Wiedererkennungswert gibt, und dennoch punktet der Film durch ein großes Maß an Eigenständigkeit.

Regisseur Mike Newell vergeudet auch keine Zeit mit einer langwierigen Charaktervorstellung, sondern wirft seinen Helden sofort ins Geschehen. Innerhalb weniger Augenblicke steht fest: Das ist der Prinz, er kann turnen und er hat eine scharfe Zunge. Perfekt!

So rasant und auf diese Punkte konzentriert geht es auch weiter. Mit Tamina erscheint die weibliche Hauptrolle auf der Bühne und schon gibt es bissige Dialoge zwischen Dastan und der Prinzessin. Auch hier folgt der Film dem Gedanken des Videospiels, zudem vermittelt er noch brüderliche Stärke, Familien- und Gerechtigkeitssinn. Es ist ein Disney-Film und entsprechend familienfreundlich kommt „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auch daher. Die Kritik an Gemma Arterton als Tamina in diesem Zusammenhang – sie sei für die Rolle zu wenig sexy – ist unsinnig. Auch das die harten Ecken und Kanten abgeschliffen wurden ist einfach passend. Dabei zeigt Newells Arbeit eindrucksvoll, dass es keiner blutigen Gewaltorgien bedarf, um überzeugende und atemberaubende Action zu präsentieren.

Die Action steht in dem Film natürlich im Vordergrund, vor allem die akrobatische Fortbewegung des Prinzen Dastan. Für die Choreographie zeigt sich David Belle verantwortlich, der als Begründer des „Le Parkour“ gilt – der Kunst, durch Überwindung sämtlicher Hindernisse den schnellsten und effizientesten Weg vom Startpunkt zum Zielpunkt zu nehmen. Belle versteht sein Handwerk und seine Choreographie ist ausgezeichnet. Die akrobatischen Kunststücke sind gelungen umgesetzt, leichtfüßig und atemberaubend. Wer nun glaubt das sei alles von Stuntmen unterstützte Tricktechnik, der sollte sich das ein oder andere Video von David Belle und seinen Kollegen anschauen. Die bewegen sich oft atemberaubender als der Prinz durch die Großstädte.

Tricktechnik spielt zwar eine große Rolle in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“, trotzdem ist vieles noch hausgemacht und liebevoll umgesetzt. So hat Jake Gyllenhaal darauf bestanden möglichst jeden seiner Stunt selber durchzuführen, was zu mehreren leichten und schweren Blessuren führte. Gyllenhaal, der bisher nur in kleineren Produktionen auf sich aufmerksam machte, war nach Orlando Bloom and Zac Efron zwar nur dritte Wahl, ist aber um so perfekter. Er verkörpert Prinz Dastan atemberaubend und lässt keine Zweifel daran, dass er für die Rolle des Prinzen die erste Wahl ist. Körperbau, Mimik und das Augenspiel sprechen für sich. Jake Gyllenhaal hat auch hart an sich gearbeitet, um den Schritt in eine solch große Produktion zu schaffen. Hartes Training an sich selbst und die Umstellung auf einen generalstabsmäßigen Produktionsplan standen auf dem Programm. Gyllenhaal hat es geschafft und ist mit seiner Rolle als Prinz Dastan an der Spitze angekommen. Gut, dass der Prinz schwindelerregende Höhen liebt. Dastan ist übrigens ein waschechter Märchenprinz. Das persische Wort für Märchen und Geschichte lautet nämlich „dâstân“.

An Gyllenhaals Seite agiert Gemma Arterton in der Rolle von Tamina. Sie ist die widerspenstige Ungezähmte, die dem Prinzen richtig heftig zusetzt, stolz und mit einem reinen Herzen – das idealisierte Bild einer persischen Prinzessin eben. Das macht Arterton übrigens aktuell zur amtierenden Disney-Prinzessin. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig in Anbetracht ihrer bisherigen Rollen wie Strawberry Fields in „James Bond: Ein Quantum Trost“ (2008) auch Io in „Kampf der Titanen“ (2010). Gemma Arterton versprüht nun keinen Sex wie Megan Fox, sondern verbindet hervorragend Erotik und Familienunterhaltung. Zudem kann sie exzellent spielen und ist das passende Gegengewicht zu Gyllenhaal. Zugegeben, die beiden haben nur wenig Dialog miteinander, aber der ist witzig spritzig. Und ein guter Actionfilm kommt sowieso ohne großartig tiefsinnige Gespräche daher.

Neben Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton überzeugen auch die übrigen Darsteller mit ihrer Leistung. Allen voran natürlich Sir Ben Kingsley („Shutter Island“, „Schindlers Liste“), der Dastans Onkel Nizam zum Besten gibt und in dieser Rolle sogar einige Actionszenen spendiert bekommt. Auch Alfred Molina („Spider Man 2“) zeigt eine hervorragende Leistung. Beide stehen stellvertretend für die restliche Besetzung, die sehr hochwertig ist und auf einem ebensolchen Niveau agiert. Dadurch wirkt der Film lebendig und glaubhaft – ein persisches Hollywoodmärchen eben.

Die passende Musik zu diesem Märchen wird von Harry Gregson-Williams beigesteuert, der einen westlich modernen, aber dennoch orientalisch orientierten Score kreierte. Dabei kann Gregson-Williams auf seine jahrelange Berufserfahrung im Bereich Filmmusik und Videospielmusik bauen. Das ist in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ gut zu hören und macht stets Laune. Die Musik klingt exotisch, aber keinesfalls fremdartig oder störend. Und das macht den Score so schön. Den Soundtrack sollten sich Kinogänger jedenfalls vormerken.

Zugegeben, ein wenig Kritik gibt es natürlich auch an diesem Film, denn es schleicht sich schon die ein oder andere kleine Logiklücke ein und leider mangelt es an tödlichen Fallen, über die Prinz Dastan hüpfen könnte. In den Videospielen sind die Fallen halt stets präsent und ein Markenzeichen der Reihe. Aber das sind Punkte, die vollkommen vernachlässigt werden können.

Was bleibt ist ein grandioser Actionstreifen, der an Bruckheimers „Fluch der Karibik“ anknüpft und zu den besten Abenteuer-Actionfilmen gehört, die derzeit in den Kinos laufen. „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ dürfte auch zu den besten Videospieladaptionen gehören, die jemals gedreht wurden – vielleicht ist der Prinz sogar die beste Umsetzung überhaupt. Humorvoll, leichtfüßig und verspielt – einfach märchenhaft!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Surrogates – Mein zweites Ich

Erstellt von Galaxykarl am 18. Mai 2010

Surrogates – Mein zweites Ich

Touchstone Pictures
Walt Disney Studios Home Entertainment
Copyright © Buena Vista Home Entertainment, Inc.
Nach dem Kultcomic “The Surrogates”
ISBN 8717418252120 für die DVD
Veröffentlichungsdatum der DVD und Blu-ray: 20.05.2010
Genre: Science Fiction
Bildschirmformate 16:9 und 2,40:1
Länge: ca. 85 min.
Schauspieler: Bruce Willis, Radha Mitchell, Rosamund Pike, James Cromwell u.a.
Regie: Jonathan Mostow
Produzenten: David Hoberman, Todd Lieberman, Max Handelman
Kamera: Oliver Wood
Musik: Richard Marvin
FSK: ab 12 freigegeben

www.press.movie.de

Titel erhältlich bei Buch24.de

Vorwort

Ein Surrogat ist ein Ersatz und die Surrogates im Film sind genau das: Ersatzkörper für ihre menschlichen Originale. Die im Klappentext verwendete Bezeichnung ferngesteuerte Roboterklone ist so nicht richtig. Ein Roboter ist ein Maschinenwesen, z.B. die Terminatoren aus der „Terminator“-Filmreihe der ersten Generation. Ein Klon ist eine biologisch gezüchtete Kopie eines Menschen. Das, was man mit Roboterklon eigentlich meint, ist per Definition ein Android, ein – zumindest äußerlich – menschenähnlicher Körper, ähnlich der Figur Data aus der „Star-Trek“-Serie. Das ist ein Surrogate/Android! So weit zur Begriffsklärung.

Zum Film

Im Jahr 2054 hat sich durch die Einführung, Weiterentwicklung und Perfektionierung der Surrogate-Technik die Gesellschaft völlig gewandelt. Fast niemand aus der so genannten „normalen“ Bevölkerung geht noch selbst auf die Straße, arbeitet selbst, hat noch mit seinem eigenen Körper zwischenmenschliche Beziehungen oder sogar – schlimmer noch – echten Sex. Das Risiko ist einfach zu groß. Den vermeintlichen Gefahren des Alltags entgeht man, indem man seinen Surrogate – kurz Surry – agieren lässt. Krankheiten, Verbrechen sind auf ein minimales Level gesunken. Kriege werden ebenfalls mittels der Ersatzmenschen geführt. Unabhängig davon, dass ein Krieg ohnehin Blödsinn ist, fragt man sich hier am Rande, was denn ein Krieg zwischen Surrogates bewirken soll.

FBI-Agent Tom Greer (Bruce Willis) hat schon seit 8 Jahren seine Wohnung nicht mehr verlassen, seine Frau vegetiert im Nebenzimmer und steuert aus ihrem Interface-Sessel ihren Surrogate. Beide haben sich seit Jahren nicht mehr real gesehen oder berührt. Beide benutzen wie viele Milliarden Menschen idealisierte Versionen ihrer selbst, so mancher lebt dabei seine Perversionen mit einer falschen Identität aus. Doch Tom Greer bedauert diesen Zustand und sehnt sich sein früheres Leben zurück.

Da werden mehrere Surrys mittels einer geheimnisvollen Waffe vernichtet und mit ihnen ihre Originalmenschen, da sich die Waffenenergie über die Interface-Verbindung auf die Menschen genauso tödlich auswirkt. Ausgerechnet der Sohn des Erfinders der Surrogate-Technik kommt dabei ums Leben. Tom Greer und seine Kollegin Peters (Radha Mitchell) werden auf den Fall angesetzt und forschen nach der mysteriösen Waffe. Und vor allem nach dem Motiv. Und welche Rolle spielen die Menschen in den Surry-freien Zonen?

Im Laufe der ersten Ermittlungen wird Greers Surry bei einer Verfolgungsjagd zerstört und bis er ein neues Modell bekommt, muss der FBI-Agent persönlich auf die Straße. Und zu den ungewohnten „Gefahren“ des Alltags, gesellen sich überaus konkrete Gefahren dazu. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt…

Fazit

Filme mit Amok laufenden Robotern hat man ja schon zur Genüge gesehen und die meisten davon waren das Zelluloid nicht wert, auf das sie gebannt wurden. Doch bei Surrogates kommt echte Beklemmung dazu: Sich vorzustellen, das man permanent am Netz hängt, Freud und Leid – die das Leben ja erst lebenswert machen – einem Ersatzwesen zu überlassen, ist schon sehr befremdlich. Die desaströsen Auswirkungen auf die Gesellschaft und das ureigenste Leben sind schlichtweg unheimlich. Und dann stellt sich heraus, dass es nicht eine defekte Maschine oder ein technischer Fehler war, der zu der Mordserie geführt hat, sondern jemand ganz anderer. Jemand, an dem man als allerletztes gedacht hätte.

Jedes weitere Wort in diese Richtung würde die Spannung und den Filmspaß zerstören. Deswegen kann ich nur hier sagen: Anschauen! Nach meiner Meinung nach einer der besten Filme dieses Genres und jeden Euro wert. Action? Ja. Nur Geballer? Nein. Spannung? JA. Langeweile? Keine Sekunde!

Copyright © 2010 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de

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