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Archiv für die 'Buch zum Film' Kategorie

Die kulinarischen Abenteuer in Österreich von Sarah Wiener (Buch + DVD)

Erstellt von Detlef Hedderich am 30. Dezember 2011

Sarah Wiener – Die kulinarischen Abenteuer in Österreich
FSK ohne Altersbeschränkung.
2 DVD(s).

EAN: 4029759071402
Libri: 8589950
FSK ohne Altersbeschränkung.
Laufzeit ca. 466 Minuten.
2 DVD(s).
EDEL

November 2011 – DVD-Video

Sarah Wiener ist eine der bekanntesten Köchinnen Deutschlands. Als Gründerin und Frontfrau der Sarah Wiener GmbH in Berlin und Hamburg leitet sie mehrere Restaurants sowie einen internationalen Event-Cateringservice und ist Autorin zahlreicher Kochbücher. Als erste prominente Köchin setzte sie sich öffentlich für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und das Ernährungsbewusstsein in moralischer und ökologischer Hinsicht ein. So gründete sie unter anderem eine eigene Stiftung und ist Schirmherrin verschiedener Organisationen.

In der 10-teiligen Arte-Serie “Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich” kehrt sie nach vielen Jahren in Deutschland zurück nach Österreich, in ihre Heimat. Das Land ihrer Kindheit hat sich verändert. Aus stillen Bergtälern sind flotte Skiressorts geworden, vergessene Dörfer am Eisernen Vorhang sind zurückgekehrt in die Mitte Europas – und auch die Küche ist eine andere geworden.

Die TV-Serie gibt es jetzt auf 2 DVDs inkl. Kochbuch und exklusives Bonusmaterial zum Nachkochen.

INFORMATIONEN:
Längst gibt es in Österreich mehr zu entdecken als Wiener Schnitzel und Palatschinken. Zeit also, sich auf die Suche nach den Wurzeln der österreichischen Küche zu machen, nach Köchen und Landwirten, Winzern und Gärtnern, die sich nicht nur auf die Tradition besinnen, sondern sie auch
neu zu interpretieren wissen.

Wie gelingt die berühmte Sachertorte, was bedeutet eigentlich „blanchieren“ und wie bleibt das Fleisch beim Kochen schmackhaft und zart? In kurzen Bonusvideos verrät Sarah Wiener Tipps und Tricks bei der Zubereitung der Gerichte und wirft außerdem einen ganz persönlichen
Blick auf ihre Heimatstadt Wien.

TECHNISCHE DATEN:
Vertrieb: edel motion Germany
Inhalt: 2 DVDs  + Buch mit Rezepten und Tipps
Laufzeit: ca. 450 min.
FSK: Keine Altersangabe
Bildformat: PAL 16:9 Widescreen
Tonformat: Dolby Digital 2.0
Sprache: Deutsch
Format: 2 x  DVD9
Ländercode: 0
Bonusmaterial: 30 min. (Interviews, Hinter den Kulissen)

DIE STATIONEN DER REISE IM ÜBERBLICK:

Folge 1: Die Wiener Schwestern
Rezepte:     Pochiertes Ei auf lauwarmem Essiggemüse mit Estragon-Sabayon
Tafelspitz mit Semmelkrenkruste und Babygemüse

Folge 2: Das Gold der Steiermark
Rezepte:     Maibock im Kranewittenschmalz gegart mit zusammgelegten Knödel und karamellisierten Fischbacher Grubenkraut
Kernöl Kletzennudel mit Schafjoghurt

Folge 3: Federn lassen in Niederösterreich
Rezepte:     Lackierte Entenbrust mit heißen scharfen Marillen und Erdäpfel-Mohnnudeln
Marillenknödel

Folge 4: Borstenvieh und Burgenland
Rezepte:    Pannonischer Fischeintopf – Halászlé
Burgenländisches Bratfleisch

Folge 5: Die Kunst der Tiroler Brezen
Rezepte:    Tiroler Brezensuppe
Rüben-Schlutzer mit Speck und Mangold?

Folge 6: Hopfen und Wels in Oberösterreich
Rezepte:    Biersuppe mit gefüllten Erdäpfelknödeln, gerösteten Schwarzbrotcroutons und Bachkresse
Donauwaller auf Eferdinger Schmorgurken

Folge 7: Nachwuchs in Vorarlberg
Rezepte:     Bergkäse-Riebel Taler und Lamm in Latschenkiefer-Sauce
Halbgefrorenes vom Sig mit Röstzwetschkende

Folge 8: Salzburger Klassiker
Rezepte:     Gebratene Fasanenbrust und gefülltes Fasanenhaxerl mit Petersilienknöderl und Herbsttrompeten
Salzburger Nockerln

Folge 9: Wiener Früchte
Rezepte:    Biskuitroulade mit Altwiener Kaffeecreme und Hagebuttenmarmelade
Sachertorte
Traminerstrudel

Folge 10: Der Kärntner Kaviar
Rezepte:    Kärtner Kirchtagssuppe
Kärntner Kaasnudeln mit Saiblingskaviar und Gurkensalat

BIOGRAFIE:

DIE FRÜHEREN JAHRE
Sarah Wiener, 1962 in Halle (Westfalen) geboren, ist die Tochter des österreichischen Schriftstellers und Jazzmusikers Oswald Wiener und der bildenden Künstlerin Lore Heuermann. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte die österreichische Staatsbürgerin in Wien.

1986 zog sie nach Berlin, wo ihr Vater mit dem Exil und dem AxBax zwei bekannte Künstlerrestaurants führte. Ihre Passion für das Kochen entdeckte sie in der Küche des Exil, das zum Sprungbrett ihrer eigenen Karriere wurde. Hier fertigte sie unter anderem Backwerk und Kuchen, die dann die Grundlagen ihres ersten eigenen Unternehmens wurden. Bevor sie damit diverse Cafés belieferte, kochte sie  fast zwei Jahre lang jeden Tag für die Mitarbeiter einer renommierte Werbeagentur im Berliner Westend.

DIE UNTERNEHMERIN
1990 gründete die Jungunternehmerin “Sarah Wieners Tracking Catering”, einen europaweiten Catering-Service für Film- und Fernsehproduktionen. Was mit einem Gasherd in einem umgebauten NVA-Wagen und Edelgeschirr vom Flohmarkt begann, entpuppte sich bald als Erfolgskonzept, das auch die Großen der Branche begeisterte. Neun Jahre später eröffnete sie im
Zentrum Berlins ihr erstes Restaurant, Das Speisezimmer. Seit 2003 führt sie das Museums-Restaurant im Hamburger Bahnhof. Das Konzept – die Kombination von Kunst und gutem Essen – ging auf. Heute findet man Sarah Wiener und ihr Team auch mit dem KAFFEEHAUS im Museum für Kommunikation. 2004 wurde die Sarah Wiener GmbH in Hamburg und Berlin gegründet. Neben den drei Berliner Restaurants betreibt das Unternehmen ein internationales Event-Catering. Auch im Auftrag verschiedener Firmen ist Sarah Wiener für den guten Geschmack zuständig. Neben dem Restaurant ‚Gottlieb‘ des Kundencenters im Werk Bremen der Daimler AG, betreibt Sarah Wiener nun auch seit 2011 die Gastronomie des Mercedes Benz Museums in Stuttgart. Das ehemalige One-Woman-Unternehmen beschäftigt mittlerweile über 160 Mitarbeiter. Kochkunst mit Haltung, die Verbindung von kulinarischem Genuss mit Werten, wie Nachhaltigkeit, Transparenz und Achtsamk! eit gegenüber Natur und Kultur sind es, was Sarah Wiener und ihr Unternehmen
einzigartig machen.

IN ZAHLEN
2010 Umbau des Restaurants DAS SPEISEZIMMER; Erweiterung um DIE KÜCHE
2009 Eröffnung DAS KAFFEEHAUS im Museum für Kommunikation
2004 Gründung der Sarah Wiener GmbH
2003 Eröffnung Sarah Wiener im Hamburger Bahnhof
1999 Eröffnung des ersten Restaurants Das Speisezimmer
1990 Gründung des Sarah Wiener Tracking Catering
1986 Gründung Sarah Wieners Mehlspeisen
1962 in Halle / Westfalen geboren

IN DEN MEDIEN
2011 Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in England (arte)
2010 Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Österreich (arte)
2010 Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in den Alpen (arte)
2009 Sarah Wiener und die Küchenkinder (arte)
2007 Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener durch Italien (arte)
2007 Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener durch Frankreich (arte)
2006 Länder –Menschen –Abenteuer (SWR) seit 2004 Kochen bei Kerner / Lanz kocht (ZDF)
2004 Living-history-Reihe „Abenteuer 1900 –Leben im Gutshaus? (ARD)

AUSZEICHNUNGEN
2010 Bildungsbotschafterin Didacta
2008 Flair de Parfum (Preis der Wirtschaftskammer Wien)
2008 Les trophées de l’éspritalimentaire / French Food Spirit Award für die arte Serie Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener (Frankreich)
2008 Woman of Exception Award (Schweiz)
2008TrophéeGourmet –Ehrentrophée (Österreich)
2008 „Goldene Cloche? (österreichischer Gastronomiepreis)
2007 Orden ONE 100 -Beste Szeneköchin (Deutschland)
2006 Herforder Preis (Deutscher Gastronomiepreis)

KOCHBÜCHER
2011 Herdhelden, Mein ganz persönliches Österreich-Kochbuch
2009 La Dolce Wiener
2008 Frau am Herd –Natürlich, fantasievoll, köstlich
2008 Meine kulinarische Reise durch Frankreich –Eine Liebeserklärung mit Rezepten
2007 Das große Sarah Wiener Kochbuch
2006 Sarah Wieners Mediterrane Küche
2004 Kochen mit Sarah Wiener

KOCHBUCH-DVDs:
2009 Die Kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener Staffel 3
2008 Die Kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener Staffel 2
2007 Die Kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener Staffel 1

PRODUKTE
Die Sarah Wiener Messerserie der Manufaktur Pott
Gemeinsam mit der Firma Pott hat Sarah ihre eigene Messer Serie entwickelt. Handgemacht ist am besten. Das gilt für Krautstrudel wie für Kochmesser. Pott steht nicht nur für gutes Design, sondern auch für traditionelle Fertigung. Jedes Sarah Wiener Messer wird in 90 manuellen Arbeitsschritten gefertigt. Aus den besten Materialien.
Neben den handgefertigten Messern vertreibt Sarah Wiener in ihrem Online-Shop alles, was das Herz rund um die Köstlichkeiten dieser Welt begehrt. Profiköche oder welche, die es gerne werden möchten, Kochfeen und Kartoffelheldinnen, Küchenkümmerer, aber auch Männer, die gerne am
Herd stehen, finden dort alle Sarah Wiener Kochbücher, individuell gestaltete Schürzen, die Kitchenmanagement-Vorratsdosen aus Emaille von RIESS, unterschiedlichste Bio-Öle, aber auch CD´s und DVD´s.

SOZIALES ENGAGEMENT
Initiatorin, Gründerin und Frontfrau der Sarah Wiener Stiftung – Für gesunde Kinder und was Vernünftiges zu essen (seit 2007)
seit 2011 Botschafterin der BIO-Brotbox Hamburg
seit 2010 Bio-Botschafterin des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz (BMELV)
seit 2008 Schirmherrin der Berberfrauenkooperation zur Gewinnung von Arganölin Marokko
seit 2007 Schirmherrin des Fördervereins für den Bundesverband Frauenberatungsstellen
und Frauennotrufe
seit 2007 Schirmherrin der von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ins Leben
gerufenen Naturallianz
seit 2007 Schirmherrin „Haushalt ohne Genfood?
seit 2006 Schirmherrin des Tierzuchtfond für artgemäße Tierzucht

Titel bei Libri.de (DVD)

Preisrätsel / Gewinnspiel 1 x 1 (KOSTENLOSE!) DVD-BOX: Um den Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Wie viele Folgen beinhaltet die vorliegende BOX und wie heißen sie? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald 100 Mails eingegangen sind, wird unter diesen Einsendern der Gewinner mit der richtigen Antwort ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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DER MANN MIT DEM FAGOTT – Udo Jürgens Geschichte in DVD, Soundtrack und Buch zum Film. Auf sfbasar.de alle drei jeweils einmal im Gewinnspiel!

Erstellt von Detlef Hedderich am 11. Dezember 2011

DER MANN MIT DEM FAGOTT

„Dieser Mann mit dem Fagott. Er ist der Grund, weswegen mein Großvater ausgewandert ist.“ (Udo Jürgens)

Udo Jürgens zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Unterhaltungskünstlern und ist auch international ein gefeierter Star – am 30. September feiert er seinen 77. Geburtstag. Wie sehr das 20. Jahrhundert das Leben des Musikers und die Geschichte seiner Familie geprägt hat, erzählt DER MANN MIT DEM FAGOTT nach dem gleichnamigen Bestseller-Roman von Udo Jürgens und seiner Co-Autorin Michaela Moritz. Die Regie führte Miguel Alexandre („Die Frau vom Checkpoint Charlie“) und mit David Rott als junger Udo Jürgens, Christian Berkel, Ulrich Noethen, Valerie Niehaus und Herbert Knaup verfügt der Spielfilm über ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble, das die Zuschauer in seinen Bann ziehen wird.

Die Ausstrahlung des Zweiteilers erfolgte am 29. und 30. September bei ARD und ORF. Ariola veröffentlicht eine Doppel-CD mit dem von Udo Jürgens komponierten Filmsoundtrack und einer persönlichen Selektion seiner Songs. Der Limes Verlag veröffentlicht eine Filmsonderausgabe des Romans.

In DER MANN MIT DEM FAGOTT wird die bewegende Familiensaga von Udo Jürgens erzählt. Die Geschichte beginnt Ende des 19. Jahrhunderts in Bremen, wo der junge Heinrich Bockelmann, der Großvater von Udo Jürgens, einem Straßenmusiker begegnet. Die Musik des Unbekannten weist ihm den Weg nach Moskau. Hier steigt Heinrich zu einem der einflussreichsten Bankiers Russlands auf, doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges muss die Familie fliehen. 20 Jahre später, sein Sohn Rudi lebt mit seiner Familie in der Zwischenzeit in Österreich, bekommen die Bockelmanns den Terror der Nazis zu spüren. Insbesondere für Rudis Sohn Udo ist es eine schwere Zeit. Der sensible Junge spielt lieber Klavier, als sich bei der Hitlerjugend hervorzutun. In der Nachkriegszeit möchte Udo seinen Traum, Musiker zu werden, verwirklichen. Doch seine Karriere beginnt schleppend: Mitte der 50er Jahre verdient er in Salzburg sein Geld als Barpianist. 1966 gewinnt er mit dem Lied „Merci Chéri“ den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson in Luxemburg – der Beginn einer der eindrucksvollsten Karrieren der
deutschen Musikgeschichte.

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DVD
Die DVD-Facts auf einen Blick
Originaltitel Der Mann mit dem Fagott
Darsteller Christian Berkel, David Rott,
Ulrich Noethen, Valerie
Niehaus, Herbert Knaup und
Udo Jürgens
Regie Miguel Alexandre
Prod.-Land Deutschland/Österreich
Prod.-Jahr 2011
Prod.-Firma Ziegler Film
FSK ab 6 Jahren
Genre Drama / Biografie
Laufzeit ca. 212 Minuten
Verkaufsstart 30.09.2011
Bestellnummer 88697910759
UVP 19,99 €
Die DVD-Features auf einen Blick:
Bildformat 1,78:1 (16:9 anamorph)
Tonformat DD 5.1
Sprache Deutsch
Untertitel Deutsch für Hörgeschädigte
Anzahl 2 DVD
Verpackung 6-seitiges Digipack im Schuber
Bonusmaterial Making of (inklusive eines ausführlichen Udo Jürgens Interviews), umfangreiches 20-seitiges Booklet mit Hintergrundinfos, Autogrammkarte Udo Jürgens

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Doppel-CD
Der Soundtrack zum Film mit Bonus-CD „Reise durch das Leben“.
Ab 30.09.2011 überall im Handel
Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Voller Emotionen und Magie. Schöne oder schmerzhafte Erinnerungen, Träume,
Sehnsüchte oder auch Hoffnungen. Viel mehr als nur ein Soundtrack.
Die aktuelle Doppel-CD umfasst die komplett neu produzierte Filmmusik von „Der Mann mit dem Fagott“ sowie eine zur Thematik passende und von Udo zusammengestellte persönliche Selektion aus seinem bestehenden Backkatalog.
Katalognummer: 2 CD 0886979203426

Am 1. Februar 2012 startet Udo Jürgens mit dem Pepe Lienhard Orchester in Berlin unter dem Motto „Der ganz normale Wahnsinn“ zur 35-Stationen Konzerttournee. Karten sind ab sofort erhältlich unter www.udojuergens.de, www.eventim.de sowie bei den üblichen Vorverkaufsstellen.

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Buch
Sonderausgabe des Bestsellers mit Bonusmaterial
736 Seiten mit 20 Seiten Bildteil
à € 14,99 [D] / à € 15,50 [A] / CHF 24,50
ISBN 978-3-8090-2600-6
Erscheinungstermin: 22.08.2011
Udo Jürgens’ Familiengeschichte, eine unter die Haut gehende Saga von Glanz und Elend, Aufstieg und Fall, Angst und Triumph.

Die Filmsonderausgabe enthält ein Vorwort und ein Exklusiv-Interview von und mit Udo Jürgens, zahlreiche Fotos und ausführliche Informationen zu den Dreharbeiten.

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DER MANN MIT DEM FAGOTT – Udo Jürgens Geschichte in DVD, Soundtrack und Buch zum Film. Alle drei hier jeweils einmal im Gewinnspiel!

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BUCHREZENSION: Richard Matheson – Ich bin Legende. „I am Legend“ wurde bereits dreimal verfilmt. „The Last Man on Earth“ war 1964 ein eher trashiger Streifen, inszeniert vom nicht weiter bekannt gewordenen italienischen Regisseur Ubaldo Ragona.

Erstellt von Detlef Hedderich am 29. Oktober 2011

Richard Matheson
Ich bin Legende

(sfbentry)
Originaltitel: I Am Legend (New York : Fawcett 1954/London : Corgi 1956)
Deutsche Erstausgabe (gekürzt u. unter dem Titel „Ich, der letzte Mensch“): 1963 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 266)
Übersetzung: Werner Gronwald
152 S.
[keine ISBN]

(Ungekürzte) Neuausgabe: 1982 (Wilhelm Heyne Verlag/Bibliothek der SF Literatur 12)
Übersetzung: Lore Strassl
219 S.
ISBN-10: 3-453-30803-4
Originaltitel der erweiterten Fassung: I Am Legend (New York : Orb Books 1995)
Deutsche Erstausgabe: Januar 2008 (Wilhelm Heyne Verlag/Heyne TB Nr. 50155)
Übersetzung: Lore Strassl u. Ralf Schmitz
399 S.
ISBN-13: 978-3-453-50155-3

Titel bei Buch24.de
Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Die Zivilisation ist ausgelöscht, nachdem eine weltweit wütende Epidemie die Menschen in Vampire verwandelt hat, die im Schutz der Nacht durch die leeren Städte streifen. In New York scheint nur Robert Neville überlebt zu haben. Er hat sich in seinem Haus verbarrikadiert, denn die Vampire wissen von seiner Existenz. Allabendlich versammeln sie sich um Nevilles Festung und versuchen einzudringen, denn sie gieren nach seinem Blut. Außerdem wollen sie Rache, denn tagsüber, wenn sie hilflos in düsteren Verstecken liegen, sucht und pfählt Neville sie.

Obwohl er sich seiner Haut zu wehren weiß, beginnt Neville unter dem Stress und der Einsamkeit zusammenzubrechen. In seiner Verzweiflung beginnt er sich abzulenken, indem er die Seuche zu entschlüsseln versucht. Viele Rückschläge machen ihm zu schaffen, aber allmählich erkennt er die Natur seiner Gegner. Kann er womöglich ein Gegenmittel entwickeln und die Vampire in Menschen zurückverwandeln?

Als seine Forschungen das theoretische Stadium verlassen, muss Neville sich unter den Vampiren nach geeigneten Versuchskaninchen umschauen. Seine Aktivitäten bleiben keineswegs unbemerkt, denn nicht alle Untoten haben ihre Intelligenz verloren, und sie sind es leid, sich jagen und töten zu lassen …

Alter Mythos wird neu belebt

Gestalt und Wesen des Vampirs waren seit 1897 quasi in Stein gemeißelt. Bram Stoker hatte in „Dracula“ das ‚Wissen‘ um die blutrünstigen Wiedergänger zusammengetragen und scheinbar das letzte Wort gesprochen. An seiner Darstellung orientierten sich die meisten Autoren, die nach ihm Vampirgeschichten schrieben. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde der untote transsilvanische Edelmanns im Frack und samtrot gefütterten Umhang allerdings zunehmend anachronistisch. Zwei Weltkriege stellten nicht nur für Vampire eine Zäsur dar: Vor allem nach 1945 wurde auch das literarische Grauen ungeschminkt und schmutzig.

Richard Matheson versuchte Anfang der 1950er Jahre den Vampir-Mythos zu aktualisieren. Er war damit weder der erste noch der einzige Autor, aber er war so erfolgreich, dass „Ich bin Legende“ zu einem Klassiker wurde, dessen Rang mit „Dracula“ vergleichbar ist.

Es mag blasphemisch klingen, doch Matheson ist zudem der bessere Schriftsteller. Während Stokers Roman sich bei aller Unterhaltsamkeit als strukturschwach erweist, ist „Ich bin Legende“ ein ökonomisch durchkomponiertes Werk ohne Abschweifungen und Ballast. 200 Seiten genügen Matheson, das gesteckte Ziel zu erreichen. Sogar Stephen King, der dem Mythos 1978 mit „Salem’s Lot“ (dt. „Brennen muss Salem“) erneut aktualisierte, benötigte mehr als den doppelten Seitenumfang.

Die Handlung ist spannend, obwohl Matheson anders als in den Verfilmungen seines Buches (s. u.) kein besonderes Gewicht auf die Darstellung einer verödeten, menschenleeren Welt legt. Das Geschehen spielt sich vor allem in und um Nevilles zur Festung umgebauten Haus ab. Geschickt bringt Matheson den Untergang der Menschheit in eingeschobenen Rückblicken zur Sprache. Diese bleiben Fragmente, aus denen sich der Leser sein eigenes Bild von den Ereignissen schaffen muss.

Große Mühe gibt sich Matheson damit, den Vampir-Mythos ‚wissenschaftlich‘ zu begründen. Er verhehlt dabei nicht die Schwierigkeit, möglicherweise biologische Aspekte – Blutdurst, Sonnenlicht-Phobie, relative Unverwundbarkeit – mit eher psychologischen Elementen – Angst vor dem Kreuz und vor Spiegeln, Tod durch Pfählen, Schlaf in Graberde – in Einklang zu bringen. Mit einigen Tricks gelingt es, doch stellt sich heraus, dass Neville seine Kenntnisse rein gar nichts nützen.

Cover der dt. Erstausgabe (Sammlung md)

Die Prüfung der Einsamkeit

„Ich bin Legende“ bleibt vor allem auch deshalb im Gedächtnis, weil die Vampire die meiste Zeit nur eine Nebenrolle spielen. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des letzten Menschen auf Erden. Auch das ist kein Sujet, das Matheson erfunden hätte; schon Mary W. Shelley, die den „Frankenstein“ schuf, schrieb 1826 den Roman „The Last Man“ (dt. „Verney, der letzte Mensch“). Die Leiden und Erlebnisse des Robert Neville wurden durch die ernüchternden Erfahrungen des noch nahen II. Weltkriegs geprägt. Er droht nicht nur an der Einsamkeit zu zerbrechen: Ihn bedrückt auch die ‚Schuld‘ des Überlebenden, der sich fragt, wieso gerade er verschont blieb.

Deutlich angesprochen wird auch der sexuelle Notstand. Er bringt Neville mehrfach in Situationen, die ihn ganz und gar nicht wie einen klassischen Helden wirken lassen; nicht umsonst betont der Verfasser seine seltsame Vorliebe für das Pfählen. Auch fragt sich Neville selbst, wieso er für seine Untersuchungen und Versuche stets weibliche Vampire wählt.

Generell scheut Matheson nie davor zurück, Nevilles Schwäche deutlich werden zu lassen. Er ist ein Mensch, der sich einer Herausforderung stellt, wenn und weil ihm keine Alternative bleibt. Das gelingt nur allmählich. Zunächst benimmt sich Neville zunehmend irrationaler, verfällt zeitweise dem Alkohol, zeigt selbstmörderische Tendenzen. Eine anrührende Szene zeigt ihn im unermüdlichen Versuch, die Freundschaft eines streunenden Hundes zu gewinnen. Sein Überlebenswille ist letztlich siegreich, aber Neville zahlt einen hohen Preis.

Wer ist das Monster?

Mathesons Roman umfasst einen Zeitraum von drei Jahren. In dieser Spanne entwickelt sich Neville deutlich weiter. Er überwindet seine Trauer, seine Ängste und seine Einsamkeit, lernt sich mit seinen Seelennöten zu arrangieren. Scheinbar findet er seinen Frieden und seine Nische in der veränderten Welt. Tatsächlich ist dies seine größte Täuschung.

Die Natur heilt sich selbst, was den Menschen einschließt. Neville verfügt nicht über das intellektuelle Potenzial, um zu erkennen, dass die Vampire die Zukunft der Menschheit darstellen, weil sie sich verändern, anpassen und den Grundstein einer neuen Zivilisation legen. Plötzlich ist Neville der Anachronismus – der Mensch hat die Rolle des Vampirs eingenommen, der die Gemeinschaft heimsucht. Neville wird zur gefürchteten Legende, die dem Neubeginn im Weg steht: Dies ist das starke, weil konsequente, das übliche Happy-End aussparende Finale.

Cover der Neuausgabe von 1982

„Ich bin Legende“ im Film

Obwohl Richard Matheson zu den Großmeistern der Phantastik gehört, wird sein Werk in Deutschland schmählich vernachlässigt. Seine klassischen Titel werden manchmal aufgelegt, wenn eine Neuverfilmung ansteht. Glücklicherweise ist das oft der Fall, da zumindest in den USA Mathesons Qualitäten als Erzähler spannender Geschichten mit Niveau gewürdigt werden.

„I am Legend“ wurde bereits dreimal verfilmt. „The Last Man on Earth“ war 1964 ein eher trashiger Streifen, inszeniert vom nicht weiter bekannt gewordenen italienischen Regisseur Ubaldo Ragona. Dieser Film kann durch die Besetzung der Hauptrolle mit dem wie üblich hervorragend aufspielenden Vincent Price einen gewissen Unterhaltungswert beanspruchen.

Das Remake von 1971 gehört zu den Klassikern des phantastischen Films: Charlton Heston spielte unter der Regie des Routiniers Boris Sagal den „Omega Man“. Vor allem die Szenen in einem menschenleeren New York blieben im Gedächtnis. Sie inspirierten sichtlich die Neuverfilmung von 2007, die einen in seiner Rolle nicht unbedingt bemerkenswerten Will Smith präsentierte und Tragik mit Pathos gleichsetzte, was beides offenkundig den Geschmack des aktuellen Publikums traf; „I Am Legend“ gehörte zu den Blockbustern des Jahres und führte – hier schließt sich der Kreis auf erfreuliche Weise – zur Neuausgabe der gedruckten Vorlage.

Das Buch mit dem Bonus

Für die Leser gibt es einen unerwarteten Bonus. Erfreulicherweise griff man auch in Deutschland auf eine US-Fassung von 1995 zurück, die nicht nur den Roman, sondern zusätzlich zehn Kurzgeschichten enthält:

- Verborgene Talente (Buried Talents, 1987), S. 208-217: Sein Leben lang hat der alte Mann auf dem Rummelplatz seine Kunden betrogen – jetzt legt er sich mit dem Falschen an.

- Der unlängst Verschiedene (The Near Departed, 1987), S. 218-220: Ein umsichtiger Mörder regelt die Bestattung des Opfers, bevor er zur Tat schreitet.

- Beute (Prey, 1969), S. 221-239: Die dämonisch beseelte Puppe eines afrikanischen Jägers bringt erst Schrecken und dann Tod über eine amerikanische Durchschnittsfamilie.

- Hexenkrieg (Witch War, 1951/1979), S. 240-247: In einem zukünftigen Krieg werden die Schlachten unter Einsatz magischer Kräfte geschlagen.

- Totentanz (Dance of the Dead, 1954/1982), S. 248-269: Manche Zombies können tanzen, aber gewisse unschöne Angewohnheiten legen sie deshalb keineswegs ab.

- Ein weißes Seidenkleid (Dress of White Silk, 1951/1979), S. 270-276: Mama ist nicht ganz von dieser Welt, und ihre Tochter kommt sehr nach ihr.

- Irrenhaus (Mad House, 1952/1980), S. 277-323: Dieses Haus ist eine Batterie des Bösen, und sein Bewohner, ein Wüterich, lädt es auf – bis zum Bersten.

- Die Bestattungsfeier (The Funeral, 1955/1983), S. 324-336: Geschäft ist Geschäft, und so arbeitet Bestatter Silkline auch für Vampire und andere Kreaturen der Nacht.

- Aus dem Schatten (From Shadowed Places, 1960/1988), S. 337-368: Wer den Fluch eines bösartigen Zauberers zu brechen versucht, riskiert mehr als das eigene Leben.

- Von Mensch zu Mensch (Person to Person, 1989), S. 369-398: Ist es klug ein Gespräch entgegenzunehmen, wenn das Telefon nur in deinem Kopf existiert?

Witz mit Biss, Tragik ohne Sentimentalitäten

Diese Storys zeigen Matheson als professionellen Geschichtenerzähler, der sich wenig um Genregrenzen kümmert und dessen kurze Werke erstaunlich oft ein erstaunliches Niveau erreichen. „Der unlängst Verschiedene“ und „Die Bestattungsfeier“ sind strikt auf die Schlusspointe ausgerichtet: gelungene Späße, die auch heute noch ankommen. „Beute“ und „Aus dem Schatten“ bieten klassische Action voller Spannung und Tempo, auch wenn sich über Mathesons Interpretation der weiblichen Psyche inzwischen eine ordentliche Staubschicht gelegt hat …

Die verbleibenden sechs Geschichten sind kleine Meisterwerke des Mysteriösen. Sie lassen auch dem Laien deutlich werden, dass es ohne Richard Matheson womöglich keinen Stephen King geben würde. „Ein weißes Seidenkleid“ oder „Von Mensch zu Mensch“ klingen wie von King verfasst und sind doch schon vor vielen Jahrzehnten entstanden. Tatsächlich prägte Matheson ganze Generationen junger Schriftsteller, die genau erfassten, was sein Werk auszeichnet: Bemerkenswerte Ideen werden nicht von Figuren durchgespielt, sondern von Menschen aus Fleisch und Blut durchlebt und durchlitten.

Matheson beeindruckt durch seine Fähigkeit, Gefühle wie Angst, Zorn oder Verzweiflung förmlich greifbar werden zu lassen. „Irrenhaus“ ist ein einziger Parforceritt durch Seele und Hirn eines haltlosen Cholerikers, der den eigenen Launen ebenso hilflos ausgeliefert ist wie seine Mitmenschen. Ähnlich genial ist „Von Mensch zu Mensch“, weil Matheson uns über die gesamte Distanz in derselben Angst und Unsicherheit schweben lässt wie seinen unglücklichen Protagonisten. „Hexenkrieg“ llebt von dem Kontrast zwischen detailliert geschilderten Gräueln und den Mädchen, die diese mit der unbekümmerten Grausamkeit ihrer Jugend entfesseln.

„Verborgene Talente“ gehört zu den Geschichten, die ihre Leser ratlos zurücklassen und langes Nachdenken erfordern, um den Subtext zu entschlüsseln (1). Die endgültige Interpretation bleibt ihm überlassen. In „Totentanz“ setzt Matheson trügerisch vordergründige Gruseleffekte ein und lässt den eigentlichen Schrecken fast zwischen den Zeilen verschwinden.

Klappt man dieses Buch nach der Lektüre zu, weiß man genau, wieso Richard Matheson in der Phantastik einen Spitzen- und Ehrenplatz einnimmt: als Schriftsteller und als Quelle der Inspiration für viele andere Autoren, die sein Werk studiert und verinnerlicht haben, um es fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

Autor

Richard Burton Matheson wurde am 20. Februar 1926 in Allendale (US-Staat New Jersey). Er studierte Journalismus an der University of Missouri, arbeitete jedoch hauptberuflich als Schriftsteller. Die nach dem II. Weltkrieg erneut boomende Magazin-Szene bot einem schnellen und professionellen Autoren kein üppiges aber ein ausreichendes Auskommen. Matheson lernte rasch, sich diesem Markt anzupassen. Schon 1950 gelang ihm mit der Story „Born of Man and Woman“ (dt. „Menschenkind“), veröffentlicht im „Magazine of Fantasy & Science Fiction“, der Durchbruch. Matheson machte sich einen Namen durch das Geschick, mit dem er die Genres SF und Horror miteinander kombinierte. Sein Romanerstling wurde 1953 jedoch ein Krimi („Fury on Friday“). Auch diverse Western-Storys hat Matheson veröffentlicht.

1954 erschien „I Am Legend“ (dt. „Ich, der letzte Mensch“ bzw. „Ich bin Legende“), 1956 „The Shrinking Man“ (dt. „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.“), 1958 „A Stir of Echoes“ (dt. „Echos“). Mit diesen drei Romanen zementierte Matheson seinen Ruf. Sie wurden sämtlich verfilmt. Zu „The Shrinking Man“ schrieb er selbst das Drehbuch und fasste auf diese Weise auch in Hollywood Fuß. In den nächsten Jahrzehnten bereicherte er die Kino- und Fernsehwelt mit innovativen Drehbüchern, für die er zahlreiche Preise einheimsen konnte. In den 1990er Jahren konzentrierte sich Matheson wieder stärker auf seine schriftstellerische Arbeit und legt seither wieder regelmäßig neue Romane vor. Seit 1951 lebt er in Kalifornien.

(1) Spoilerartige Anmerkung; kann übersprungen werden

Da ich glaube, dass der Teufel Besseres zu tun hat, als höchstpersönlich einen kleinen Rummelplatz-Betrüger zu züchtigen, neige ich zur Deutung, ein mental maroder Mutant habe dem Pechvogel einige scharfe & spitze Messer in den Leib teleportiert.

[md]

Titel bei Buch24.de
Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

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BUCHREZENSION: Joyce Reardon (Hg.): Das Tagebuch der Ellen Rimbauer. Mein Leben auf Rose Red. „The Diary of Ellen Rimbauer“ entstand 2002 als Buch zum Film bzw. zur TV-Miniserie „Rose Red“.

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. Oktober 2011

Joyce Reardon (Hg.)
Das Tagebuch der Ellen Rimbauer
Mein Leben auf Rose Red

(sfbentry)
Originaltitel: The Diary of Ellen Rimbauer (New York : Hyperion 2002)
Übersetzung: Antje Görnig
Deutsche Erstausgabe (geb.): August 2002 (Vgs Verlagsgesellschaft)
345 S.
ISBN-10: 3-8025-2942-1
Als Taschenbuch: September 2004 (Piper Verlag Nr. 26561)
345 S.
ISBN-13: 978-3-492-26561-4

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Das geschieht:

Das 20. Jahrhundert ist noch jung, als John Rimbauer, sagenhaft reicher Industriemagnat und begehrtester Junggeselle der Stadt Seattle, die junge Ellen freit. Die naive Frau erkennt nicht, dass Rimbauer vor allem die Mutter eines männlichen Erben sucht und ansonsten sein Lotterleben voller Huren, Glücksspiel und Brachialkapitalismen fortzusetzen gedenkt. Schnell ist Ellen kreuzunglücklich.

Der Bruch erfolgt auf einer Weltreise im Jahre 1908. John steckt Ellen in Afrika mit der Syphilis an. Nur mühsam, unter Qualen und mit der Hilfe der heil- und zauberkundigen Sukeena überlebt Ellen das Leiden. Nun ist das Maß voll: Da eine Trennung in dieser Zeit nicht in Frage kommt, wird sie John auf andere Weise strafen. „Rose Red“, der feudale Wohnsitz der Rimbauers, soll nach ihrem Willen niemals fertig gestellt werden. Ewig wird Ellen die Bauarbeiten fortsetzen lassen und Johns Vermögen schmälern.

So geschieht es, aber Rose Red ist auch sonst ein verfluchter Ort. Erbaut über einem Indianerfriedhof, zieht das Böse in seine Mauern. Es findet seine Nahrung in dem stillen aber erbarmungslosen Ehekrieg der Rimbauers. Rose Red fordert mehr und mehr Opfer, die in seinen endlosen Hallen, Korridoren und Zimmerfluchten verschwinden. Ihre Geister verstärken den unguten Einfluss des stetig wachsenden, ständig gefährlicher werdenden Hauses, das schließlich auch nicht vor Ellen, seiner stillen Verbündeten, und ihrer Familie Halt macht.

Das herauszufinden ist freilich einer späteren Generation vorbehalten. Anfang des 21. Jahrhunderts stößt die Parapsychologin Dr. Joyce Reardon auf das Tagebuch der Ellen Rimbauer. Seine Lektüre wird zum Anlass einer Expedition in das schon lange verlassene Rose Red, um vor Ort die angeblich übernatürlichen Phänomene zu studieren. Freilich liest Dr. Reardon nicht gründlich genug, aber das ist eine andere Geschichte …

Ein Rosenkrieg der übernatürlichen Art

„Das Tagebuch der Ellen Rimbauer“ weist zwei zentrale Handlungsstränge auf. Da ist das Porträt einer Frau, die sich vom wohl behüteten Mädchen über die enttäuschte Ehefrau zur verbitterten, gefährlichen und wahnsinnigen Hüterin ihres verfluchten und verhassten Hauses entwickelt. Der Autor entwirft in der ersten Buchhälfte ein Bild, das der historischen Realität nahe kommt: Die Frau eines vermögenden und mächtigen Mannes ist dessen Eigentum. Eine Scheidung ist in den Gesellschaftskreisen, in denen die Rimbauers verkehren, unmöglich.

Repressionen betreffen selbstverständlich nur die Ehefrau. Diskretion ist die einzige Bedingung, die der Gatte zu erfüllen hat. Also kann sich John Rimbauer weiterhin seinen Ausschweifungen hingeben. Er muss keine Vorwürfe fürchten – höchstens seitens seiner Frau, die ihm jedoch ausgeliefert ist und indirekt erheblichen Schaden durch seine Eskapaden leidet: Rimbauer infiziert Ellen mit einer normalerweise tödlichen Krankheit.

Geisterjagd mit angezogener Bremse

Diesen Leidensweg breitet der Verfasser in Vertretung der angeblichen Autorin Ellen Rimbauer in Tagebuchform auf. Recht behäbig und allzu sehr den Duktus der Ära imitierend wird die Handlung in Gang gesetzt. Die heimische Tragödie der Ellen Rimbauer und das Grauen von Rose Red sollen nur allmählich zwischen den Zeilen aufscheinen, um später umso intensiver über die Leser hereinzubrechen. Dies ist löblich, scheitert aber in der Umsetzung. Das „Tagebuch“ irritiert in seiner Mischung aus historischem Gesellschafts- und Gruselroman. Zumal ist es gar nicht Ellen ist, deren Schmerz und Wut das Grauen weckt – das existiert offenbar aus sich heraus.

Aber auch der Horror von Rose Red – der zweite Handlungsstrang – kann nur bedingt überzeugen. Stattdessen beobachten wir die Fahrten einer Rummelplatz-Geisterbahn, die ihren Gästen mit uralten Buh!-Tricks einen Schrecken einjagen möchte. So vielversprechend die Idee geklungen haben mag, einen Zeitzeugen von den unerklärlichen Ereignissen, die beobachtet aber nicht verstanden werden, berichten zu lassen; die Umsetzung ist einfach zu altbacken. Nur in wenigen Szenen und besonders zum Finale hin geht die Rechnung auf, zumal endlich das Tempo anzieht und das Phantastische obsiegt.

Figuren eines Dramas

Im Vergleich zur TV-Serie weist das „Tagebuch“ die deutlich bessere Figurenzeichnung auf. Ellen Rimbauer als Opfer, das zur Täterin und wieder zum Opfer wird, tritt aus ihren Worten hervor. Wir lernen viel über das Dasein im Goldenen Käfig, in den Frauen wie sie vor gerade einem Jahrhundert gezwungen wurden. Erst langsam, dann immer schnell verfällt Ellen dem bösen Zauber des Hauses, lässt sich von ihm korrumpieren, nutzt seine Macht zur Rache am übermächtigen Ehemann – und bemerkt viel zu spät, dass für Rose Red nur die eigenen Bedürfnisse zählen. Letztlich vernichtet das Haus alle, die sich in seinen Bann ziehen lassen.

Sogar Ellens Seelengefährtin Sukeena, die aus ihrer afrikanischen Heimat einen reichen Schatz zauberischen Wissens mitgebracht hat, ist Rose Red nicht gewachsen. Sukeena ist Vertraute, Stütze und schließlich Geliebte von Ellen Rimbauer. Für sie gelten die unsichtbaren gesellschaftlichen Schranken nicht, die Ellen in ihrem Elend halten. So kann Sukeena Nachforschungen anstellen und kommt dem Geheimnis von Rose Red nahe genug, um sich sicher zu fühlen; eine fatale Fehleinschätzung, obwohl es zunächst das weltliche Gesetz in Gestalt der von John Rimbauer geschmierten Polizei von Seattle ist, die ihr härter zusetzt als das verfluchte Haus. John kann bezwungen werden, ihre Herrin mag Sukeena nicht verlassen. So muss auch sie eines Tages den Preis bezahlen, den Rose Red von seinen Bewohnern fordert.

Böser Mann & böses Haus

John Rimbauer bildet die dritte Seite des unheiligen Quadrats. Zunächst scheint er der eindimensionale Bösewicht in diesem Spiel zu sein: ein machtgieriger, rücksichtsloser Zeitgenosse, den Vermögen und sozialer Status quasi außerhalb jedes Gesetzes stellen. Doch der Autor schaut hinter diese Fassade. Zum Vorschein kommt ein durchaus gutherziger, aber charakterschwacher, gehemmter und gestörter Mensch, der eine jämmerliche Gestalt abgibt und dies auch weiß, was ihn wiederum noch unberechenbarer macht.

Rose Red schließlich vervollständigt besagtes Quadrat, denn dieses Haus verfügt in der Tat über eine Persönlichkeit. Ob diese sich selbst entwickelt oder die Summe der Geister aller Verschwundenen darstellt, bleibt offen. Rose Red verfügt jedenfalls über einen eigenen Willen und diabolische Intelligenz. Nur der eigene Nutzen zählt für dieses Haus, das locken, täuschen und morden kann, um seinen Willen durchzusetzen. Eine Erklärung zur Herkunft von Rose Red wird nicht gegeben: die richtige Entscheidung, da dieses Nichtwissen einen der nicht gerade zahlreichen gelungenen Aspekte der Geschichte darstellt.

Die Realität ist wesentlich interessanter

Inspiriert wurde die Story übrigens von einer durchaus wahren Geschichte. Rose Red ist die dramatisch überhöhte Kopie von Winchester Mansion in San José, Kalifornien. Sarah Winchester, die psychisch labile Erbin eines gewaltigen Vermögens, ließ es 1884 errichten. Weil die Erfindung ihres Vaters – das Winchester-Repetiergewehr – bekanntlich für Tod und Verderben steht, lebte sie in dem Wahn, sie werde von den Geistern der durch diese Waffe Gestorbenen verfolgt. Um sie zu verwirren, ließ sie ihr Haus permanent vergrößern und mit Blindgängen, im Nichts endenden Treppen und Fenstern im Inneren des Gebäudes einen wahren Irrgarten auf unzähligen Ebenen anlegen. 38 Jahre dauerten die Bauarbeiten; sie wurde erst nach Winchesters Tod eingestellt. Als „Winchester Mystery House“ ist ihre bizarre Schöpfung mit seinen (schätzungsweise) 160 Räumen heute eine beliebte Touristenattraktion (vgl. Website). Gespukt hat es hier allerdings nie.

„Rose Red“ im Film

„The Diary of Ellen Rimbauer“ entstand 2002 als Buch zum Film bzw. zur TV-Miniserie „Rose Red“. Stephen King, der Meister der phantastischen Literatur, verfasste ein Originaldrehbuch, welches er jedoch nicht zum Roman ausarbeitete. Stattdessen wurde der Auftrag das „Tagebuch“ zu schreiben an einen anderen Verfasser vergeben.

„Rose Red“, der Film, entpuppt sich als vierstündiger Langweiler der schlimmen Sorte. Wie fast alle Stephen-King-TV-Verfilmungen ist auch diese mit guten Schauspielern besetzt, prachtvoll ausgestattet und eindrucksvoll getrickst. Die dünne Story wird aber ausgewalzt bis zur Unerträglichkeit, allzu brav und bieder verfilmt, die Story lässt völlig kalt und langweilt bald schrecklich. Der Erfolg in Gestalt von guten Quoten stellte sich trotzdem ein, und das „Tagebuch“ wurde ein Bestseller. Das führte zu der Kuriosität, dass 2003 nunmehr das „Tagebuch“ selbst verfilmt wurde. „The Diary of Ellen Rimbauer“ dauert nur 120 Minuten, wurde aber, weil dynamischer und weniger weichgespült, von der Kritik etwas freundlicher aufgenommen als „Rose Red“.

Autor

Natürlich gibt es weder eine Ellen Rimbauer, die dieses Tagebuch schrieb, noch eine Dr. Joyce Reardon, die es auswertete und später veröffentlichte. Viel spekuliert wurde über die wahre Verfasserin oder den Verfasser. Gab die TV-Miniserie einen Hinweis? Stephen King hatte das Drehbuch geschrieben. Da lag es – den Wunsch zum Vater des Gedankens machend – nahe, den Gruselmeister auch für das Buch zur Serie namhaft zu machen. Schließlich schrieb er jahrelang als „Richard Bachman“.

Spekulationsförderlich halbherzig leugnete der Verlag diese den Verkauf ankurbelnde Fama. So ganz falsch lagen die King-Fans ja auch nicht: Der eigentliche Autor ist ein enger Freund des Bestseller-Fabrikanten aus Maine. Ridley Pearson macht auf seiner Website kein Geheimnis daraus, diese Auftragsarbeit übernommen zu haben.

Pearson, geboren 1953 und aufgewachsen in Riverside im US-Staat Connecticut, gehört zur nicht gerade kopfstarken Gruppe von Kriminal-Schriftstellern, die den Zuspruch des Publikums ebenso wie das Wohlwollen der Kritik für sich in Anspruch nehmen können. Gelobt wird vor allem die Krimiserie um das Polizistenduo Lou Boldt und Daphne Matthews, die seit vielen Jahren ihr hohes Niveau halten kann.

[md]

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BUCHREZENSION: Clive Barker – Hellraiser. 1987 inszenierte Barker nach eigenem Drehbuch „Hellraiser“ und schuf einen modernen Klassiker des Horrorfilms.

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Oktober 2011

Clive Barker
Hellraiser

(sfbentry)
Originaltitel: The Hellbound Heart (London : Century 1986)
Deutsche Erstausgabe: 1992 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 8362)
Übersetzung: Ute Thiemann
126 S.
ISBN 3-453-05291-9
Neuausgabe: 2006 (Edition Phantasia/Phantasia Horror 3007)
Übersetzung: Joachim Körber
128 S.
ISBN-13: 978-3-937897-17-2

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Das geschieht:

Die unscheinbare Kirsty liebt den gutmütigen Rory; doch der verehrt nur seine Gattin, die herzlose Julia; diese trauert ihrem Schwager hinterher, dem aufregend-bösem Frank, mit dem sie Rory noch vor der Hochzeit betrog. Wer weiß, was dann geschehen wäre, hätte sich der Schurke nicht aus dem Staub gemacht.

Frank ist freilich gar nicht so weit entfernt von seiner Familie. Seine in Fetzen gerissene Leiche liegt in einer Mauer des großmütterlichen Hauses in der Lodovico Street. Auf einer seiner weiten Reisen entdeckte Frank den Zauberwürfel des Lemarchand, welcher dem, der ihn zu bedienen vermag, den Zugang in eine Welt unbeschreiblicher Lüste öffnet. Dorthin zieht es den verderbten Frank selbstverständlich sehr, doch als er in einer stillen Kammer von Omas Haus besagten Würfel in Gang setzt, finden ihn keine geilen Geister, sondern die dämonischen Zenobiten vom Orden der Wunden, die ihn in ihre Welt ewiger Qualen entführen. Als blutiger Zombie schwebt Frank nun zwischen den Sphären, als ihm wieder einmal unverdient das Glück hold ist.

In das Haus an der Ludovico Street ziehen Rory und Julia Cotton ein. Während der Renovierungsarbeiten verletzt sich der neue Hausherr. Blut sickert durch Ritzen auf die Reste von Franks Leiche. Diese beginnt sich zu regenerieren. Noch ist Frank schwach und abgrundtief hässlich, aber er kann sich Julia erneut unterwerfen. Sie lockt ahnungslose Männer von der Straße in ihr Heim, wo der ghulische Hausgast schon hungrig auf sie wartet.

Allerdings stellten die Zenobiten inzwischen fest, dass Frank ihrer Folterhölle entkommen ist. Sie unterscheiden nicht zwischen Freund und Feind, was für alle Bewohner des Hauses gefährlich wird – den Toten wie die Lebenden …

Sadomaso-Dämonen mit Kultfaktor

In der realen Welt des 21. Jahrhunderts haben die Zenobiten längst ihre mythologische Nische gefunden. Sie wohnen in der Nachbarschaft von Freddy Krueger, Jason Vorhees oder Michael Myers, mit denen sie gewissenhaft zur Nachtschicht ins Filmstudio fahren: Pinhead & Co. gehören zu den viel beschäftigten Serienhelden des modernen Horrorfilms. Neun Teile umfasst der „Hellraiser”-Zyklus inzwischen, und es ist davon auszugehen, dass sich weitere anschließen werden.

Das Fundament dieser blutigen, von wahren Gorehounds heiß geliebten Schlacht- und Folterplatte bildet Clive Barkers schmale Novelle „The Hellbound Heart“, hierzulande erstmals erst fünf Jahre nach dem ersten Film und erst  2006 in ungekürzter Fassung erschienen, was schade ist, denn Barker fand seither selten zur hier bewiesenen Form zurück.

„The Hellbound Heart“ ist noch heute wahrlich alles andere als ein Durchschnitts-Grusler. Das bezieht sich nicht auf die Mord- und Folterszenen; da ist der hartgesottene Fan heute grob Gehacktes gewöhnt. Nein, es ist Barker gelungen, eine gute Idee originell in eine atmosphärisch außerordentlich stimmungsvolle Geschichte umzusetzen. Der vordergründige Horror wird dabei durch die eindringliche Schilderung verlorener, durch ihre unbewältigten Gefühle ins Unglück stürzender Durchschnittsmenschen ergänzt.

Cover der dt. Erstausgabe (Sammlung md)

Figuren jenseits von Gut- und Böse-Klischees

Frank Cotton –  Dreh- und Angelpunkt der Geschichte; einerseits ein Dieb, Lügner, Mörder, andererseits ein Mensch auf der konsequenten Suche nach dem, was er sich wirklich ersehnt: Erfahrungen weit jenseits derer, mit denen der ‚gewöhnliche‘ Zeitgenosse sich bescheidet. Frank ist durch und durch unkonventionell, ein Egoist, aber neugierig und ehrlich bemüht, alles über das Laster zu lernen. Außerdem ist er ein Überlebenskünstler. Selbst in der Vorhölle der Zenobiten gibt er nicht auf, sondern wartet auf seine Chance zu entkommen. Als sie sich ergibt, nutzt er sie konsequent. Wer sollte gegen einen solchen Mann ankommen, selbst wenn er nur aus einem blutigen Knochenhaufen besteht?

Bruder Rory ganz sicher nicht. Er ist einer dieser mit dem Leben zufriedenen Menschen, die Frank so verachtet. Seine geliebte Julia hat ihn geheiratet, im Job läuft es bestens, viele gute Freunde sind da, mit denen man gemütliche Abende verbringt. Der arme Rory hat keine Chance. Bis es zu spät ist, begreift er niemals, was unter seinem eigenen Dach vorgeht.

Kirsty ist sogar noch langweiliger. Sie führt ein graues Leben, leidet unter Minderwertigkeitskomplexen und wohl auch Depressionen. Ihre heimliche Liebe zielt nicht einmal auf den wirklichen Rory, sondern auf das Idealbild, das sie sich von ihm macht. Andererseits überrascht Kirsty als Kämpferin; als sie den Zenobiten in die Hände zu fallen droht, zögert sie keine Sekunde, ihnen stattdessen Frank vorzuwerfen. Sie wird als einzige das finale Massaker überleben und sogar zur Hüterin des Zauberwürfels aufsteigen.

Julia ist sicherlich die interessanteste Person unserer Geschichte. Sie ist weniger kalt als wie Frank unzufrieden: mit dem Leben, vor allem aber mit Rory. Julia hungert nach Aufmerksamkeit und möchte die Fesseln ihrer bürgerlichen Existenz abstreifen, koste es was es wolle, und das lässt sie für Frank zum idealen Opfer werden. Julia wird zur Mörderin, bis sie schließlich wiederum betrogen wird: eine fast tragische Gestalt, wie Frank Cotton eine Gefangene ihrer eigenen Leidenschaften, deren Untergang daher unabwendbar ist.

Noch durch Abwesenheit glänzt übrigens Ober-Zenobit „Pinhead“ alias Captain Elliot Spencer; Barker erwähnt ihn zwar kurz, aber zur Kultfigur machte er ihn erst im „Hellraiser“-Film von 1987.

„Hellraiser“ – die Filme

1987 inszenierte Barker nach eigenem Drehbuch „Hellraiser“ und schuf einen modernen Klassiker des Horrorfilms. Sein handwerkliches Geschick als Regisseur und die weitgehende Kontrolle, die er über sein eigenes Werk ausüben konnte, brachte ein auch heute noch eindrucksvolles Werk zu Stande. Die Story wird spannend erzählt, optisch lässt sich Barker keine Fesseln anlegen. (Achtung: Niemals „Hellraiser“ in der stümperhaft kastrierten Kindergarten-Version deutscher Fernsehsender anschauen!) Sogar die Musik ist keine akustisch-elektronische Belästigung, sondern melodisch und suggestiv. Für den Film verjüngte Barker Kirsty und verwandelte sie in Rorys leibliche Tochter, was wesentlich besser funktioniert.

Natürlich kehrte Frank zurück; „Hellbound: Hellraiser II“ (1988) zeigt seinen neuerlichen Versuch den Zenobiten zu entkommen. Julia schließt sich ihm dabei an. Das Ergebnis ist noch gewalttätiger, noch blutiger als Teil 1, aber – Clive Barker überließ dieses Mal den Regiestuhl Tony Randel und verfasste nicht einmal das Drehbuch – ein Horror-Sequel ohne die Faszination des Originals, wenn auch noch einmal sehr unterhaltsam, bevor mit Teil III der Niedergang der Serie eingeläutet wurde, die nur reine Franchise-Gier am (Schein-) Leben erhält.

Autor

Clive Barker wurde am 5. Oktober 1952 in der Beatles-Stadt Liverpool geboren – offenbar ein Wunderkind, das seinen bürgerlichen Eltern Rätsel aufgab ob seiner Vorliebe für das Theater und die eher Abgründe der menschlichen Existenz. Schon in jungen Jahren schrieb und inszenierte Barker düstere, surrealistische, überspitzt blutige Stücke im Stil des Grand Guignol – eine Arbeit, die er nach seinem Studium (Englische Literatur und Philosophie) professionell fortsetzte.

Noch vor der Literatur entdeckte Barker den Film. „The Hellbound Heart“ basiert auf dem schwarzweißen Kurzfilm „The Forbidden“, den er als Student zwischen 1975 und 1978 drehte. Dann verfasste Barker die 1984 veröffentlichten sechs „Books of Blood“, die ihm schlagartig den Durchbruch brachten. Klassische Themen (Geister, Vampire, Werwölfe, Spukhäuser etc.) wurden modern und höchst unkonventionell durchgespielt. An Drastik sparte der Verfasser nicht, wofür er als einer der Gründerväter des (kurzlebigen) Splatterpunks gefeiert wurde. Mit eindrucksvollen Romanen wie „The Damnation Game“ (1985, dt. „Spiel der Verdammnis“) oder „Cabal“ (1988, dt. „Cabal – Brut der Nacht“) festigte er seinen Ruf.

Aber Barker ließ sich nicht in eine Schublade zwingen. Geschichten wie „The Great and Secret Show“ (1989, dt. „Jenseits des Bösen“), „Weaveworld“ (1987, dt. „Gyre“ bzw. „Gewebte Welt“), „Imajica“ (1991, dt. „Imagica“) oder „Galilee – a Romance“ (1998, dt. „Galileo“) spielen auf einer parallelen Erde, die der unseren zwar sehr ähnelt, aber gleichzeitig über ‚Tore’ in eine magisch-mythologische Überwelt verfügt: moderne Fantasy, die überquillt vor faszinierenden Ideen, jedoch leider ein Grundübel des Genres, die auswalzende Geschwätzigkeit, übernimmt und in ganz neue Dimensionen trägt. Mit „The Thief of Always“ (1994, dt. „Das Haus der verschwundenen Jahre“) und der „Abarat“-Serie (ab 2002) schrieb der weiterhin erfreulich unberechenbare Barker freilich hervorragende Fantasy für Jugendliche (aber auch für neugierig gebliebene Erwachsene).

Clive Barkers Website

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BUCHREZENSION: Greg Cox: Blutfeind – Die offizielle Vorgeschichte zum Film. Underworld 3.

Erstellt von Detlef Hedderich am 22. Oktober 2011

Greg Cox
Blutfeind – Die offizielle Vorgeschichte zum Film
Underworld 3

Underworld Blood Enemy, USA, 2004
Basierend auf den Figuren von Kevin Grevioux, Len Wiseman & Danny McBride
Dino/Panini Books, Stuttgart, 03/2006
TB, Horror
ISBN 978-3-8332-1343-4
Aus dem Amerikanischen von Jan Dinter
Titelgestaltung von tab visuelle kommunikation, Stuttgart unter Verwendung
eines Motivs von Motion Picture Photography und Motion Picture Artwork

www.paninicomics.de/filmromane
www.entertheunderworld.com
www.gregcox-author.com/
www.darkstormstudios.com/

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Der als Dritter Band in der „Underworld“-Reihe publizierte Roman „Blutfeind“ müsste eigentlich die Nummer 1 oder 0 tragen, da es sich um die Vorgeschichte von „Underworld“, „Underworld: Evolution“ und „Underworld: Aufstand der Lycaner“ handelt. Viele wesentliche Hintergrund-Informationen – eine Tragödie, die im Jahr 1201 ihren Beginn nahm -, welche in den anderen Büchern bzw. Filmen nur angedeutet werden, sind hier ausführlich aufbereitet und erleichtern das Verständnis der Geschehnisse auf Gegenwartseben.

Einst war die Hierarchie von Vampiren und Lycanern streng geregelt: Die einen herrschten, die anderen dienten. Lykaner, die sich nicht den Vampiren unterwerfen und ihre animalischen Instinkte kontrollieren wollten, lebten als ‚wilde Bestien„ in den Wäldern und wurden erbarmungslos gejagt – aus gutem Grund: Die Übergriffe der freien Lycaner ängstigten die Bevölkerung, der wachsende Hass und der Wunsch, sich von allen nicht-menschlichen Kreaturen zu befreien, richtete sich schließlich auch gegen die Vampire. Bei einem Überfall auf die Burg Corvinius kommen Lady Ilona, viele Vampire und Lycaner ums Leben.

Allein Sonja, die Tochter von Lord Victor, einem Ältesten, und Lady Ilona, kann dank der Hilfe von Lucius, einem Lycaner, entkommen. Die beiden verlieben sich, aber ihre nicht standesgemäße Liaison hat keine Zukunft, da Victor die junge Frau bereits Nikolai, dem Sohn vom Marcus, einem anderen Ältesten, versprochen hat, obwohl der junge Mann grausam ist und Sonja ihn ablehnt. Notgedrungen planen Lucius und Sonja, die sein Kind erwartet, ihre Flucht, werden jedoch gefangen. Victor lässt seine Tochter auf die für einen Vampir schlimmste Art sterben und zwingt Lucius, dem qualvollen Tod seiner Frau zuzusehen …

Die daraus resultierende Feindschaft zwischen Vampiren und Lycanern, insbesondere die zwischen Lucius und Victor, pflanzt sich fort bis in die Gegenwart (2002). Längst sind die Vampire keine Herren und die Lycaner keine Sklaven mehr, und sie bekämpfen einander erbittert mit zeitgenössischen Waffen. Die Todeshändlerin Selene, deren Job es ist, Lycaner aufzuspüren und zu töten, wird Zeugin eines großangelegten Deals, bei dem den Feinden neue Waffen übergeben werden, welche für die Vampire eine große Bedrohung darstellen. Selene wird entdeckt und gerät in Lebensgefahr.

Damit wird die Brücke zwischen den Ursachen, die in der Vergangenheit den Krieg zwischen den beiden Spezies auslösten, und den Folgen in der Gegenwart und zu den nächsten Büchern bzw. Filmen geschlagen. Las oder sah man die anderen Teile mit Spannung, wird man auch an der Vorgeschichte nicht vorbei kommen, die, trotz vorhersehbarer Handlung, für ein ‚Buch zum Film„ sehr routiniert und spannend geschrieben ist. Auch das Charakter-Design überzeugt. Die „Underworld“-Reihe bei Panini zählt mit zu den besten Titeln in einem Verlagsprogramm, das von Büchern zu Games und Filmen dominiert wird, und bietet Genre-Fans leichte, aber unterhaltsame Kost.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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BUCHREZENSION: Peter Cheyney: Rote Lippen – blaue Bohnen. Verfilmung: „Rote Lippen – blaue Bohnen“ („Vous Pigez?“/„Il Maggioratio Fisico“), eine französisch-italienische Coproduktion, entstand 1955 unter der Regie von Pierre Chevalier.

Erstellt von Detlef Hedderich am 18. Oktober 2011

Peter Cheyney
Rote Lippen – blaue Bohnen

(sfbentry)
Originaltitel: Don’t Get Me Wrong (London : Collins 1939)
Übersetzung: Alfred Woldt
Deutsche Erstausgabe: 1954 (Pegasus-Verlag)
239 S.
[keine ISBN]
Diese Ausgabe: 1957 (Ullstein Verlag/Kriminalroman Nr. 133)
167 S.
[keine ISBN]
Z. Zt. letzte Ausgabe: 1980 (Wilhelm Heyne Verlag/Heyne Crime Classic Nr. 1887)
128 S.
ISBN-10: 978-3-453-10479-2

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Das geschieht:

Zwei hochrangige Physiker sind spurlos verschwunden. In der mexikanischen Sierra Leone sollten sie zum Nutzen des freien Westens atomare Überraschungen für die heimtückischen Sowjetroten testen. J. Edgar Hoover, Leiter des FBI, entsandte den Agenten Pepper über die Grenze. Er sollte sich dort unauffällig umhören – und ging ebenfalls verloren.

Auftritt Lemuel H. „Lemmy“ Caution, FBI-Mann der draufgängerischen Sorte, der selten im Büro sitzt, sondern lieber durch die Welt gaukelt und die Bösen das Fürchten lehrt, wobei manche Flasche Whiskey und noch mehr schöne Frauen seinen Weg säumen. Inkognito reist Caution Pepper hinterher, dessen Leiche er in einem einsamen Wüstengrab findet.

Auch Lemmy bekommt es sofort mit jenen dunklen Mächten zu tun, die weitere Nachforschungen und ihn im Keim ersticken wollen. Unter seinen Gegnern findet er erstaunt den Schläger Jack Hotshot, genannt „Spiegelei“, der für den Mafiaboss Mike Koltisow in Chicago die Drecksarbeit erledigt.

Aber auch dieser sitzt noch längst nicht am Ende der Fahnenstange: Dort lauern die finsteren Sowjets, die gern viel Geld für die brisanten Dokumente zahlen würden. Diese müssen ihnen – die verdrehte Dramaturgie dieser Räuberpistole will es so – in Frankreich übergeben werden. Also macht sich Lemmy auf den Weg ins alte Europa, zumal sich im Schlepptau der Gangster die schöne Georgette befindet, die es zu retten gilt. Bloß: Ist sie Opfer – oder steckt sie gar hinter den Ereignissen, die in Paris ins Rollen kommen, Lemmys Pläne gründlich durcheinander bringen und in einem furiosen Finale auf dem offenen Atlantik münden …?

Thriller-Märchen mit absurden Zügen

Nein, der Plot ist es wirklich nicht, der den Krimifreund hier fesseln könnte. Autor Cheyney macht freilich nie einen Hehl daraus, dass er die dünne Handlung nur als Vorwand für ein turbulentes Garn betrachtet, das primär durch Schlägereien und schwitzige Techtelmechtel mit willigem Weibsvolk geprägt wird, wobei die einen mit den anderen abwechseln.

Ernst zu nehmen ist hier nichts. Physiker wurden entführt? Es könnten auch Marsmenschen sein. Der Plot ist ein Hitchcockscher „MacGuffin“, d. h. eine von den Lesern verlangte Notwendigkeit, die der Handlung ein Fundament verschaffen soll. Peter Cheyney, der wie Edgar Wallace stets mit zahllosen Gläubigern auf den Fersen schrieb, kümmerte sich wenig um die Schlüssigkeit seiner Geschichten. Er erzählte sie schnell und ohne sich Gedanken über die Logik zu machen. Viel mechanisches Schreibhandwerk wird allzu offenbar, wenn sich Lemmy wieder und wieder auf offensichtlich kriminelle Frauen einlässt und Schurken vertrimmt.

Trotzdem geht die Rechnung auf: „Rote Lippen – blaue Bohnen“ unterhält. Cheyney macht Tempo, jagt Lemmy Caution kreuz & quer durch Mittel- und Nordamerika. Dass er von den realen Verhältnissen auf beiden Kontinenten nur rudimentäre Kenntnisse besitzt, ist eigentlich unwichtig. Heute gilt dies mehr denn je; Lemmy prügelt und liebt sich durch diverse Märchenländer, über die zu lesen nostalgisches Vergnügen (mit gewissen Einschränkungen  s. u.) bereitet.

Ein Held von Vorgestern

Wer heute an Lemmy Caution denkt, vor dessen geistigem Auge entsteht sofort die narbige, dauergrinsende Visage des Schauspielers Eddie Constantine, der mit dieser Figur nicht nur die Rolle seines Lebens fand, sondern ihr vor allem eine Gestalt verlieh, die sie angenehm vom literarischen Vorbild unterschied.

Lemmy Caution à la Peter Cheyney ist eine Figur, über welche die Zeit längst hinweg gegangen ist. Einst war er der Held für kleine und große Jungs – ein Kriminalist, der jeglicher bürokratischer Vorschriften und alltäglicher Langeweile enthoben war, und statt dessen durch die ganze Welt zog, um dort allerlei Gangsterpack zu jagen. Stets hat dieser Lemmy einen coolen Sprich auf und eine Flasche Whiskey an den Lippen. („Ich muss selbst auf mich aufpassen, denn mein FBI-Ausweis ist hier für mich genausoviel wert wie ein Erdbeereis für einen Eskimo mit doppelseitiger Lungenentzündung.“) Schöne Frauen ziehen ihn an wie das Licht die Motte; auf die weibliche Gegenseite wirkt die Anziehungskraft sogar noch stärker.

Diese Damen heißen hier Fernanda oder Zellara aber ihre Namen sind unwichtig: Cheyney-Frauen sind austauschbar schön aber heimtückisch. Sie schmelzen wie Butter in der Sonne, sobald Lemmy auf der Bildfläche erscheint, doch den freigiebig (wenn auch zeitgebunden züchtig) dargebotenen Reizen ist meist nicht zu trauen. Dame und Herr tauschen andeutungsreiche Anzüglichkeiten aus, denen aber niemals bettschwere Taten folgen.

Unbeschwerter Krimi-Spaß – Rassismus inklusive

Caution kämpft gegen Verbrecher, die mit der Realität rein gar nichts verbindet. Raue Kerls sind das, denen ihr Job ins hässliche Gesicht geprägt steht. Sie reden und handeln so, wie sich der fleißige Kinosesseldrücker sich das einst vorstellte. Bei aller Brutalität sind sie ziemlich dumm, so dass sich Caution mit flinken Fäusten & flotten Sprüchen aus allen Todesfallen winden kann.

Das geht in Ordnung so, denn Cheyney-Thriller sind unter kriminalliterarischen Gesichtspunkten fröhlicher Unsinn, der einfach nur unterhalten soll. Allerdings war Peter Cheyney, der sich gern als kosmopolitischer Lebemann gab, nach Aussagen seiner Zeitgenossen kein durchweg angenehmer Mensch. So soll er ausgesprochen rassistisch gewesen sein. Nach der Lektüre von “Rote Lippen – blaue Bohnen” will oder muss man das glauben. Die Geschichte spielt in Mexiko, dessen Bürger der Verfasser entweder herablassend – Lemmy duzt sie alle, während er selbstverständlich gesiezt wird – oder offen als Menschen minderer Klasse behandelt:

- „Sie setzen sich hin, greifen nach ihren Gitarren und gucken verdutzt aus der Wäsche, wie das die Mexikaner immer tun, wenn sie merken, dass sie arbeiten müssen.“ (S. 9)

- „Ich stelle fest, dass sie für eine Mexikanerin einen verteufelt hübschen Mund hat. Sie hat nicht solche dicke Lippen wie die meisten Frauen hier unten …“ (S. 11)

- „Er hat den Mund voll Gold wie jene naiv-protzigen Südamerikaner, die damit zeigen wollen, dass sie die Taschen voll Geld haben.“ (S. 109)

Dies sind willkürlich herausgegriffene Beispiele. Die traurige Liste lässt sich leicht verlängern. Für Caution = Cheyney sind alle (männlichen) Mexikaner faule, verlogene, geldgierige, korrupte Gockel, die man ordentlich züchtigen muss. Die Frauen sind hitzig und allzu freizügig, so dass ein (weißer) Mann, der auf sich hält, es tunlichst vermeidet sich in amouröse Niederungen zu begeben. Dass solche Niederträchtigkeiten quasi wie nebenbei und in Nebensätzen geäußert werden zeigt, dass sie vom Verfasser so beabsichtigt sind.

Deutsche Verschlimmbesserungen

Die deutsche Übersetzung versucht den Verfasser offenbar noch zu übertrumpfen. „Don’t Get Me Wrong“ wurde 1939 veröffentlicht, “Rote Lippen – blaue Bohnen” indes erst 1954, als die Lemmy-Caution-Filme auch die deutschen Zuschauer in die Kinos lockten. Die Handlung wurde ‚aktualisiert‘: Plötzlich lesen wir von Lemmys Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg, der zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung gerade erst begonnen hatte. Es fällt ohne Blick in den Originaltext schwer, ob sich der Plot auch ursprünglich um Atomspionage mit sowjetischen Drahtziehern drehte. Sowjets gab es auch 1939 schon, aber die gesamte Kalter-Krieg-Szenerie muss dem Roman nachträglich aufgepfropft worden sein – samt hysterischer Hasstiraden gegen die roten Teufel, die Lemmy am liebsten über den Haufen schießen will.

„Rote Lippen – blaue Bohnen“ als Film

Eddie Constantine spielte die Lemmy-Caution-Figur mit der nötigen Dosis Selbstironie, welche zum operettenhaften Geschehen passt, was ihr bei Cheyney völlig abgeht. Constantines Caution ist ein sympathischer, großer, nie erwachsen gewordener, kalauernder Junge, der weder sich noch die absurden Kriminalfälle ernst nimmt, in die er ständig verwickelt wird. Diese Unbekümmertheit floss in die rasant gemachten B-Movies der 1950er Jahre ein, die Constantine, ein US-Amerikaner in Frankreich, wie am Fließband drehte.

„Rote Lippen – blaue Bohnen“ („Vous Pigez?“/„Il Maggioratio Fisico“), eine französisch-italienische Coproduktion, entstand 1955 unter der Regie von Pierre Chevalier. Vor und hinter der Kamera tummelten sich filmerfahrene Leute, so dass dieses vierte Filmabenteuer von Lemmy Caution trotz der dicken Staubschicht, die sich auf diesen Streifen gelegt hat, auch heute noch anschaubar ist. (Hier dreht sich die Story übrigens nicht um geheime Sprengstoffe, sondern um die Herstellung künstlicher Diamanten – ein weiterer Hinweis auf die Nebensächlichkeit von Logik.)

Autor

Reginald Evelyn Peter Southouse Cheyney wurde am 22. Februar 1896 in London, Stadtteil Whitechapel, als jüngstes von fünf Kindern geboren. Rechtsanwalt sollte er werden, doch wie so viele seiner Altersgenossen musste er in den I. Weltkrieg einrücken, wo er es bis zum Lieutenant brachte. Der junge Mann versuchte nach seiner Entlassung im Showbusiness Fuß zu fassen. Jahre der Armut folgten, in denen Cheyney kleine Theaterrollen ergatterte, Sketche und Lieder schrieb. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre verzeichnete Cheyney endlich Erfolg als Ghostwriter, der unter dem Namen eines ehemaligen Polizisten „wahre Kriminalgeschichten“ verfasste. Er gründete eine Literaturagentur, die gleichzeitig Detektei war.

1936 versuchte sich Cheyney als Schriftsteller unter eigenem Namen. „This Man Is Dangerous”, der erste Roman einer Serie um den FBI-Agenten Lemmy Caution, wurde sogleich ein großer Erfolg. Auch mit Slim Callaghan, einem britischen Privatdetektiv, traf Cheyney ins Schwarze. In den nächsten 15 Jahren verfasste er mindestens zwei Romane pro Jahr. Hinzu kamen unzählige Kurzgeschichten, die sich derselben Mixtur aus Sex & Crime bedienten wie später u. a. Ian Fleming (James Bond) oder Mickey Spillane (Mike Hammer).

Peter Cheyney ließ die Kerze seines Lebens an beiden Enden kräftig brennen. Schon in den späten 1940er Jahren begann der Raubbau, den er mit seinen Kräften trieb, seine Folgen zu zeigen, ohne indes seine Produktivität zu beeinträchtigen. Am 26. Juni 1951 ist Cheyney im Alter von nur 55 Jahren gestorben.

Den eigentlichen Erfolg seiner Werke erlebte Cheyney nicht mehr. Besonders in Frankreich erfreuten sich seine unbekümmert harten, anspruchslosen Geschichten großer Wertschätzung. Zwei Jahre nach seinem Tod entstand mit „La mome vert-de-gris“ (dt. „Im Banne des blonden Satans“) der erster einer langen Reihe von  Lemmy-Caution-Streifen, die den aus Los Angeles stammenden, in den USA erfolglosen Schauspieler Eddie Constantine (1917-1993) zum europäischen Film- und Kultstar machten. Auch in Deutschland liefen diese rabaukig charmanten B-Movies viele Jahre erfolgreich in den Kinos und später im Fernsehen. Primär kamen die deutschen Leser in den Genuss der Cheyney-Romane um Caution und Callaghan, während das sonstige Werk nur sporadisch Aufmerksamkeit gewann. Seit den 1980er Jahren werden die lange nachgedruckten Romane nicht mehr aufgelegt.

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Die Lemmy Caution-Serie:

(1936) Eine Dame stiehlt man nicht/Dieser Mann ist gefährlich (This Man is Dangerous)
(1937) Hiebe auf den ersten Blick (Poison Ivy)
(1937) Schwierige Damen/Serenade für zwei Pistolen (Dames Don’t Care)
(1938) Frauen sind keine Engel/Lemmy schießt nicht auf Blondinen (Can Ladies Kill?)
(1939) Rote Lippen – blaue Bohnen (Don’t Get Me Wrong)
(1940) Auf Befehl der FBI (You’d Be Surprised)
(1941) 1 : 0 für Lemmy (Your Deal, My Lovely)
(1942) Im Bann der grünen Augen/Lemmy lässt die Puppen tanzen (Never a Dull Moment)
(1942) Gut versteckt ist halb gewonnen (You Can Always Duck)
(1945) Die Geheimakten/Wer Lemmy eine Grube gräbt (I’ll Say She Does)

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BUCHREZENSION: Kôji Suzuki – The Ring. Das Buch zum 1. Teil der Horrorfilmreihe!

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. September 2011

Kôji Suzuki
The Ring

(sfbentry)
Originaltitel: Ring (Tokio : Kadokawa Shoten Publishing Co., Ltd. 1991)
Übersetzung: N. N.
Deutsche Erstausgabe: 2002 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 01/13741)
301 S.
ISBN-13: 978-3-453-86679-9

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Das geschieht:

Tokio 1989: Journalist Asakawa Kazuyuki stolpert durch einen Zufall über die Story seines Lebens. Ein Taxifahrer erzählt ihm von einem jungen Mann, der vor seinen Augen wie vom Blitz getroffen starb. Das gleiche Schicksal hat jüngst eine Nichte Kazuyukis getroffen – sie fand ihr Ende sogar in genau dieser Nacht. Ebenso traf es zwei weitere Jugendliche. Sie alle fürchteten sich offenbar zu Tode, und sie alle kannten sich!

Der Journalist ermittelt, dass sich das Quartett in der Woche vor dem Ende in einer Ferienhauskolonie an der Küste eingemietet hatte. Kazuyuki schaut sich um in der kleinen Hütte, kann aber nur ein unscheinbares Videoband entdecken, das er sich selbstverständlich sogleich anschaut. Der Inhalt: eine Folge wirrer aber beängstigender Sequenzen, gefolgt von der Warnung, der Zuschauer sei binnen einer Woche tot, wenn er nicht … Genau an dieser entscheidenden Stelle bricht das Video ab.

Kazuyuki ist beeindruckt, zumal er spürt, dass die gerade vernommene Drohung keineswegs leer ist. In seiner Not sucht er die Hilfe seines alten Freundes Ryuji Takahama, der ein genialer Philosoph und Gelehrter ist, welcher in seiner Freizeit gern junge Frauen vergewaltigt. Auch dieser betrachtet das Video und sitzt nun mit im Boot. Eine Woche bleiben ihm und Kazuyuki sich zu retten. Letzterer gerät in Panik, als er entdecken muss, dass seine neugierige Gattin heimlich den Rekorder in Gang gesetzt hat und dabei die Baby-Tochter auf dem Schoß hielt … Der Fluch wird auch diese beiden treffen, wenn Kazuyuki nicht vor Ablauf der Frist des Rätsels Lösung findet.

Die unbarmherzig tickende Uhr im Nacken kommen Kazuyuki und Takahama der unglaublichen Geschichte der Sadako Yamamura auf die Spur. Das Drama um die hellseherisch begabte, aber vom Unglück verfolgte Frau liegt schon Jahrzehnte zurück, aber was ihr geschah, rechtfertigt durchaus einen Hass auf die Menschheit, den selbst der Tod nicht beenden kann …

Geist im Wettlauf mit der Werbung

Es war einmal … ein eigentlich gutes Mädchen, das die Schlechtigkeit der Welt in eine böse Hexe verwandelte, die einfach nicht endgültig unter die Erde zu bringen ist; weil sie sich in Japan nicht ausgelastet fühlt, wechselt sie manchmal in die USA, wo sie das alte Spiel mit neuen Pechvögeln treibt.

Der (inzwischen abgeklungene) Rummel um die „Ring“-Romane und vor allem Filme war und ist vor allem ein Produkt der Werbung und der Medien. Wie immer stürzen sich ihre Vertreter wie die Geier darauf, was leichte Beute zu sein scheint und viel, viel Geld einbringen könnte. In diesem Fall war es die in Japan zum Horror-Tipp heranwachsende Geschichte eines verwünschten Videobandes, das den Kern zum Untergang der Menschheit beinhalten könnte. Die „Ring“-Saga ist inzwischen (welches Unwort!) ‚Kult‘ geworden und bewegt sich weiter auf die Endstation „moderner Mythos“ zu. Ist er erreicht (womöglich ist dies längst geschehen), läuft die „Ring“-Welt (und das Franchise-Geschäft) à la „Star Trek“ erst einmal von allein.

Dabei fragt man sich, was den „Ring“ so besonders werden ließ. Objektiv betrachtet lesen wir ‚nur‘ einen gut geschriebenen Gruselroman. Der Schauplatz mag uns europäischen Lesern etwas fremd sein, aber die Geschichte ist es sicher nicht. Rächender Spuk, verwunschene Grabstätten, tödliche Flüche: Das ist wahrlich wenig originell.

Simpel aber konsequent

Aber es sind Elemente des Horrors, die immer funktionieren, wenn man sie nur zu mischen weiß. Das gelingt Verfasser Suzuki sicherlich. Er geht ganz einfach vor (was stets eine gute Idee ist) und legt „Ring“ über weite Strecken fast dokumentarisch an. Die Suche nach der Geschichte hinter dem Videoband füllt viele Seiten. Wir verfolgen eine simple Suche, die immer wieder in Sackgassen endet, hier und da ein Puzzlesteinchen zum anderen trägt, bis sich schließlich das Gesamtbild fügt. Solche Detektiv-Geschichten fesseln immer; sie sind sogar interessanter als das Ergebnis, das zwangsläufig enttäuschen muss: Noch ein böser Geist, der einen Dreh gefunden hat, es seinen Peinigern heimzuzahlen. Wäre da nicht Suzukis Gag, dem eigentlichen Spuk einen apokalyptischen Beifahrer aufzusatteln, hätte der „Ring“-Mythos wohl kaum eine Chance gehabt sich zu entwickeln.

Offen muss bleiben, was denn Suzuki zum „japanischen Stephen King“ machen soll. Anscheinend reicht es heute bereits, einen handwerklich sauber gedrechselten Horror-Roman vorzulegen, um mit diesem Ehrentitel versehen zu werden. Die ‚Qualität‘ der meisten Genre-Geschichten legt diesen Verdacht jedenfalls nahe.

Grusel mit realer Wurzel

In Japan gab es wie in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen regelrechten Siegeszug des Okkultismus. Suzuki hat sich für seinen „Ring“ reichlich aus dieser Geschichte bedient, was ihre Stimmigkeit sicherlich unterstützt. Sogar für Sadako Yamamura gibt es eine historische Vorlage. Und wer glaubt, dass es ungebräuchlich ist, sich in einen Vulkan zu stürzen, darf sich wundern: Mehr als 300 Personen haben sich im Laufe der Zeit in den Krater des Mihara geworfen.

Erstaunen erregt beim westlichen Leser die noch heute offensichtlich ausgeprägte japanische Affinität zur Welt der Geister. Der erwähnte Mr. King hätte viele hundert Seiten mit Text füllen müssen, bis seine aufgeklärten Landsleute begriffen und akzeptiert hätten, dass es irgendwo spukt. Kazuyuki und seine Gefährten, Kinder des aufgeklärten 20. Jahrhunderts, wissen sofort, dass es umgeht, und stellen sich darauf ein. Das irritiert bei der Lektüre, aber es beschleunigt natürlich aufs Tempo – „Ring“ ist ein Roman ohne Langatmigkeit.

Spuk in einer exotischen Kultur

Japaner sind anders … Diese drei Worte bilden eventuell den Schlüssel zu einer Kritik, die man im Zusammenhang mit dem „Ring“-Roman immer wieder finden kann: Alle Beteiligten des Spektakels seien im Grunde ziemlich unsympathisch. Das trifft nicht nur auf den Feierabend-Frauenschänder Takahama zu (Dieses Detail ließ Hollywood bei der US-„Ring“-Verfilmung von 2002 besonders schleunigst unter den Tisch fallen), sondern fast noch mehr auf Asakawa Kazuyuki. Er deckt nicht nur seinen kriminellen Freund, er ist auch sonst ein seltsamer Zeitgenosse. Seine Familie liebe er über alle Maßen, behauptet er mehr als einmal. Trotzdem ist er so gut wie niemals zu Hause bei Weib und Kind, selbst wenn er nicht von Dämonen gejagt wird. Niemand scheint dies für ungewöhnlich zu halten; besagtes Weib übrigens auch nicht. Die Arbeit geht halt vor im Land der aufgehenden Sonne!

Die liebe Gattin hinterlässt ohnehin – es sei an dieser Stelle politisch unkorrekt ausgesprochen – einen ziemlich trantütigen Eindruck. Dass Kazuyuki so um ihr Schicksal besorgt ist, kann man ihm kaum nachfühlen. Seinen Kumpel Takahama scheint er jedenfalls öfter (und lieber) zu sehen als die eigene Ehefrau.

Sehr gut hat Suzuki begriffen, dass er mit seinem Gespenst geizen muss. Sadako Yamamura greift niemals direkt in die Handlung ein. Wir erfahren nur Bruchstücke über ihr Leben, die uns aus den Mündern Dritter erreichen; ein kluger Kunstgriff, denn nichts ernüchtert in einer Horrorgeschichte normalerweise stärker als der Auftritt des Monsters, das unter Umständen auch noch langatmig seine Beweggründe erörtert. Sadako bleibt mysteriös, tragisch – und bösartig.

Autor

Kôji Suzuki, der „Stephen King aus Japan“ (ein Etikett der Werbestrategen) wurde 1957 in Hamamatsu (Präfektur Shizuoka) geboren. Bereits in jungen Jahren begann er zu schreiben und gewann 1990 als Absolvent der Keio University in Tokio einen (japanischen) „Fantasy Novel Award“ für seinen Roman „Rakuen“, was aber seiner dümpelnden Karriere kaum Auftrieb gab. Das änderte sich erst, als Suzuki 1991 die Welt der Phantastik um ein verfluchtes Videoband bereicherte: Die „Ring“-Saga war geboren. Aus einem Geheimtipp wurde Gruselvolkes Eigentum, als Regisseur Hideo Nakata 1998 den Roman verfilmte. Trotz vieler Veränderungen wurde „Ring“ zum Erfolg, der selbstverständlich mehrfach fortgesetzt wurde sowie die übliche verwässerte Hollywood-Interpretation erfuhr.

Suzuki selbst erweiterte den „Ring“-Erstling zur Romantrilogie, der er noch einen vierten Band mit Kurzgeschichten folgen ließ. Acht Millionen Exemplare soll er inzwischen verkauft haben, was zweifellos auch der geschickten Vermarktung zu verdanken ist: Suzukis Werke sind als Buch, Film und Manga quasi allgegenwärtig.

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Die „Ring“-Saga von Kôji Suzuki

(1991) The Ring (The Ring) – Heyne TB Nr. 01/13741
(1995) The Ring II – Spiral (The Ring II: Rasen) – Heyne TB Nr. 01/13918
(1998) The Ring III – Loop (The Ring III: Loop) – Heyne TB Nr. 01/14007
(1999) The Ring 0 – Birthday (The Ring 0: Birthday) – Heyne TB Nr. 01/14132

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BUCHREZENSION: John A. Keel – The Mothman Prophecies. Tödliche Visionen. (2001 von Mark Pellington mit Richard Gere in Szene gesetzt!)

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. September 2011

John A. Keel
The Mothman Prophecies – Tödliche Visionen

(sfbentry)
Originaltitel: The Mothman Prophecies (New York : Tor 1975/1991/2001)
Übersetzung: Kristiana Ruhl
Deutsche Erstausgabe: 2002 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 01/20103)
301 S.
ISBN-13: 978-3-453-21511-5

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Sie kommen! Sie kommen!

Gar grausig klabautert’s im winterlichen Westvirginia – der Mottenmann geht um! Wir schreiben das Jahr 1967, als brave US-Bürger schlichten Geistes (böse Zungen nennen sie „Hinterwäldler“) aus dem kleinen Städtchen Point Pleasant die Öffentlichkeit alarmieren: Gespenstisches Ungeziefer treibt sein Unwesen dort, wo die Täler tief sind und die durchschnittliche Hirnstromkurve flach verläuft. Über zwei Meter groß ist die Kreatur, die des Nachts und in der Dämmerung auf grauhäutigen Schwingen durch die Lüfte gaukelt, dabei „quiekt wie eine große Maus“ (Zeugin Mrs. Malette, S. 75) oder mit roten, grässlich leuchtenden Riesenaugen durch Speisekammerfenster späht.

Was sie damit bezweckt, bleibt unklar. Möglicherweise ist der Mottenmann die Vorhut einer Invasion aus dem All; es kämen aber auch eine andere Dimension oder die Hölle in Frage. Auf jeden Fall munkelt es auch außerhalb von Point Pleasant seltsam in Virginias Bergen, wie der eilends aus New York herbeigeeilte Journalist und UFO-Spezialist John A. Keel feststellt: Mysteriöses Ungetier bricht durch die Wälder, leutselige Raumschiffpiloten halten Schwätzchen mit perplexen Einheimischen, und dann sind da noch die roboterhaften „Männer in Schwarz“, die sich überall und nirgendwo ebenso unauffällig wie ungeschickt angeblich im Auftrag der Regierung danach erkundigen, ob denn das Erdenvolk schon reif sei für Besuch aus anderen Welten.

Obwohl Geister und Außerirdische in Legionsstärke Point Pleasant und Umgebung heimsuchen und gestandene Bürger, die ihn an die Brennpunkte des Spuks begleiten, schreiend die Flucht ergreifen, sobald es hinter einem Busch raschelt, will dem wackeren Forscher aus der großen Stadt keine eigene Sichtung gelingen. Keel muss sich immerhin mit unerklärlichen Kälte- und Angstgefühlen herumschlagen, für die er sachkundig x-dimensionale Kälte- und Angststrahler verantwortlich macht. Wieso diese in öder Landschaft zum Einsatz kommen, weiß er sich (und dem Leser) allerdings auch nicht recht zu erklären.

Wo ist nur der verflixte Mottenmann?

Währenddessen schlägt der Mottenmann an anderer Stelle wieder zu. Der einzige Faktor, der alle Manifestationen eint, ist das generelle Versagen oder die Abwesenheit von Fotoapparaten. So bleibt denen, die dem flatterhaften Geist in die glühenden Augen blicken, stets nur die rasende Flucht im voll ausgefahrenen Wagen, während der Mottenmann fliegend & spielend Schritt hält und boshaft erst kurz vor Erreichen der nächsten Polizeistation abdreht. Aber Keel lässt sich nicht entmutigen. Unverdrossen befragt er ‚Zeugen‘, deren Verhalten und Äußerungen zumindest im deutschen Leser die Frage aufkeimen lässt, wie lange die Geschwisterehe in Amerikas schönen Südstaaten 1967 bereits verboten war.

Auch Keel bleibt lange skeptisch aber wachsam, und das zahlt sich aus, als plötzlich des Mottenmannes wundersame Gespielen höchst gesprächig werden und mit düsteren Prognosen über die nahe Zukunft der irdischen Zivilisation aufwarten. Diese sind leider nicht nur vage, sondern werden nicht selten telepathisch durchgegeben, was die Umsetzung schwierig gestaltet, da allerlei dümmlich Menschenvolk sich nach Kräften bemüht, eigene Heilsbotschaften der herzlich naiven Art in die (seltsam nach Hollywood schmeckende) übernatürliche Suppe zu rühren.

Als dann eintrifft, was (irgendwie) prophezeit wurde, ist die eigentliche Warnung längst untergegangen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, denn in manchen Nächten, in denen die Sonnenflecken, die Anti-Alien-Strahlen des geheimen CIA-Kampfsatelliten „Debilia IV“ und der Alkoholpegel der Bevölkerung sich in einem fein austarierten Gleichgewicht befinden, fliegt über Point Pleasure noch heute der Mottenmann …

Gegen Dummheit kämpfen selbst Aliens vergeblich

Bereit, liebe Leser, für eine Reise ins Hirn der Finsternis, der Heimat jener Zeitgenossen, die der mit der Gabe (oder dem Fluch) der Vernunft geschlagene Realist gewöhnlich nicht ganz grundlos meidet? Dann sitzen Sie hier richtig neben John A. Keel, dem Mottenmann und Indrid Cold, dem Botschafter vom Nudisten-Planeten Lanulos, auf unserer Fahrt in die Twilight Zone. Ja, zwischen Himmel und Erde spielt sich wahrlich einiges ab, das sich mit normaler Schulweisheit nicht erklären lässt – und falls doch, dann wollen es die Männer und Frauen, die Keel uns hier vorstellt, ganz sicher zuletzt wissen.

Das ist der Schluss, der sich nach der Lektüre dieses Science-Fiction-Horror-Spektakels (das ein Sachbuch zu nennen Ihr Rezensent sich verbissen weigert) aufdrängt: Da draußen in dieser feindseligen Welt gibt es nicht nur die Selbsttäuschung, sondern auch eine große Zahl von Menschen, die ohne UFOs, Geister und Phantome ihr Dasein nicht bewältigen könnten. Sie sind psychisch aus dem Lot oder schlicht dämlich oder vegetieren im sozialen Abseits, bis der Mottenmann in einer seiner vielen Inkarnationen erscheint und ihnen endlich ein wenig Beachtung und Warhols sprichwörtliche fünf Minuten im Scheinwerferlicht beschert.

Wissenschaft, die Unwissen schafft

Der gesunde Menschenverstand richtet auf diesem glatten Parkett wenig aus. John Keel legt in „The Mothman Prophecies“ eine Vielzahl von ‚Beweisen‘ für übernatürliches Treiben auf dieser Welt vor, die den Skeptiker verzweifelt den Kopf schütteln lassen. Hörensagen, Wunschdenken, Irrtum, offener Betrug: Die Liste lässt sich problemlos fortsetzen; sie erfasst alle Schattierungen jenes Schattenreiches, das den Fragenden vom Gläubigen trennt.

Keels Erinnerungen an ein für ihn und die Seinen denkwürdiges Jahr 1967 stellt sich objektiv als wüstes Durcheinander schlecht oder gar nicht belegter Pseudo-Berichte, einseitiger Interpretationen, Schmähtiraden, wirrer Thesen und weitschweifiger Anekdoten dar, durch das nicht einmal der titelgebende Mottenmann trotz seiner Augenfarbe einen roten Faden zu legen vermag. Von Point Pleasant geht es munter quer durch die USA und dann weiter durch Raum und auch Zeit in eine mystische Vergangenheit, zu der Historikern, Archäologen und anderen Spielverderbern kein Zutritt gewährt wird. Selbstverständlich werfen wir einen Blick in die geheimen Archive und Versuchsstationen der notorisch gegen das ‚die Wahrheit‘ begehrende Volk verschworenen Regierung und steigen schließlich hinauf zur Wolke Sieben, wo die von Keel zusammengesponnene „kosmisch-extradimensionale Zentralintelligenz“ aus unerfindlichen Gründen rund um die Uhr damit beschäftigt ist, die Menschheit mit übersinnlichen Schattenspielen auf Kindergarten-Niveau zu piesacken.

Autor im Teufelskreis der Selbsttäuschung

Lange wird man nicht schlau, wie John Keel selbst zum Mottenmann und seinen nebulösen Kumpanen steht. Er hat sich der ‚wissenschaftlichen‘ Untersuchung unerklärlicher Phänomene verschrieben, und geht ihnen seit Jahrzehnten nach, was ihm große finanzielle und auch persönliche Opfer abverlangte. Keel ist ein weit gereister Mann, der Augen und Ohren stets offengehalten hat. Er kennt seine Pappenheimer und weiß durchaus, dass primär Humbug und Wirrnis das Schattenreich dominieren, das ihm zur zweiten Heimat geworden ist. Mit ironischem Witz legt er zunächst offen, wie sich die geistig Armen ihre Mottenmänner selbst erschaffen.

Aber dann wird deutlich, dass Keel selbst tief im Sumpf des Dubiosen steckt. Die UFO- und Spiritisten-Szene zerfällt in ein verworrenes Geflecht vieler Fraktionen, die sich jeweils im Besitz der absoluten Wahrheit wähnen und Gegner in den eigenen Reihen womöglich noch erbitterter bekämpfen als die üblichen Spötter und Zweifler von ‚draußen‘. Die Fronten liegen nicht fest, sondern verändern sich ständig, wenn neue Bündnisse geschlossen werden oder alte rettungslos zerfallen, während die Splittergruppen sich anderen Gruppen anschließen.

John Keel hat seine eigene Wahrheit gefunden und glaubt fest an überirdischen Besuch. Letztlich schießt er sich als potenzieller Sachbuch-Autor selbst ins Abseits, wenn er im Brustton der Überzeugung von Begegnungen der ganz besonderen Art berichtet: „Anfang Juni 1967 empfing Mary Hyre [aus Point Pleasant] den ersten von einer langen Reihe seltsamer Besucher … ‚Er kam immer näher‘, berichtete sie. ‚Seine komischen Augen starrten mich fast hypnotisch an.‘ … Einmal klingelte das Telefon, und während sie das Gespräch führte, nahm der kleine Mann einen Kugelschreiber von ihrem Schreibtisch und untersuchte ihn staunend, als ob er noch nie einen Kugelschreiber gesehen hätte. ‘Sie können ihn haben, wenn Sie wollen‘, bot sie an. Er reagierte mit einem lauten, auffälligen Lachen, das einem Gackern ähnelte. Dann rannte er in die Nacht hinaus und verschwand hinter einer Ecke. Am nächsten Tag fragte Mary Hyre bei der Polizei nach, ob irgendwelche Personen mit psychischen Schäden vermisst würden. Die Antwort war negativ.“ (S. 105/106)

Wie man Unfug durch Hörensagen ‚beweist‘

An eine Selbstanzeige hat die gute Frau offenbar nicht gedacht, aber unabhängig davon führt Keel aus dem Zusammenhang gerissene, bedeutungsfreie Schnurren wie diese laufend als ‚Beweise‘ dafür an, dass die Außerirdischen unter uns sind. Hand aufs Herz, liebe Leser: Würden Sie Mary Hyres angeblichen Besucher für den Repräsentanten einer extraterrestrischen Supermacht halten, dem es gelang, Lichtjahre durch den Kosmos zu reisen, nur um sich dann am Ziel der Reise wie ein Volltrottel aufzuführen? Aber für Keel und seine Jünger ist jede Abweichung von der menschlichen Verhaltensnorm mit dem Beweis für buchstäbliche Weltfremdheit identisch.

Gleichzeitig entwickelt er jedoch die einleuchtende These, nach der Phantome wie der Mottenmann und seine galaktischen Spießgesellen von den Menschen selbst als Projektionen des Geistes in die Welt geworfen werden. Wenn’s so funktioniert, so Keel weiter, lässt sich die Flut umher tölpelnder Außerirdischer und erbärmlich animierter Geistwesen sehr leicht dadurch erklären, dass es hauptsächlich Spinner und Schwachköpfe sind, die sie sich ausdenken. Damit hat er den gewiss klügsten Gedanken seiner gesamten Laufbahn in klare Worte gefasst. Schade, dass er ihn für sich selbst nie gelten lässt! Denn nur John Keels Studien des Mysteriösen sind stets über alle Zweifel erhaben. Dabei erkennt selbst der Amateur, dass Keel Ende der 1960er Jahre die Grenze zum Verfolgungswahn definitiv überschritten hatte. Es ist verrückt: In einem eigenen Kapitel skizziert er Keel die Mechanismen, die Paranoia entstehen lassen und sie nähren. Wiederum beschreibt er haargenau auch sich selbst – und erneut scheint er es nicht zu merken.

Variable Prophezeiungen verhindern Irrtümer

Natürlich lösen sich auch die „tödlichen Visionen“ des deutschen Untertitels bei näherer Betrachtung in Luft auf. Sie bilden ein völlig aus der Luft gegriffenes Bündel obskurer Unkereien, die alles und nichts ankündigen: Wirklich großen Visionen zeichnen sich seit jeher durch Verschwommenheit aus, sodass sich alle möglichen Ereignisse nachträglich auf sie beziehen lassen. So sitzt Keel im Dezember 1967 erwartungsvoll vor dem Fernseher, weil die Zeichen angeblich einen landesweiten Stromausfall prophezeien. Als stattdessen die Brücke von Point Pleasant einstürzt und viele Menschen in einen grausamen Tod reißt, disponiert er sogleich um: Plötzlich passen die von ihm ‚erkannten‘ Vorzeichen exakt zu dieser Katastrophe!

Aus dem Gesagten wird deutlich, dass „The Mothman Prophecies“, das Buch, wenig bis überhaupt nichts mit dem gleichnamigen Film zu tun hat, den Regisseur Mark Pellington 2001 mit Richard Gere als John Keel (hier John Klein geheißen) in Szene gesetzt hat. Hollywood zahlte allein für den Mottenmann-Plot, der sich zu einem modernen Us-Mythos entwickelt hat und somit für sich selbst im Kino Werbung fliegt. „The Mothman Prophecies“, der Film, ist freilich ein zäher Langweiler, der sich beim Versuch, Keels sinnfreie aber immerhin kunterbunte und unterhaltsame Vorlage in eine halbwegs logische Abfolge zu zwingen, selbst ein Bein stellt. Es bleibt einfach nichts übrig vom Mottenmann außer einer interessante aber bedrückenden Lektion in moderner Massenhysterie.

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BUCHREZENION: Philip MacDonald – Die Totenliste. (Verfilmt 1963 mit George C. Scott von Meisterregisseur John Huston!)

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. September 2011

Philip MacDonald
Die Totenliste

(sfbentry)
Originaltitel: The List of Adrian Messenger (New York : Doubleday 1959)
Übersetzung: Georg Kahn-Ackermann
Deutsche Erstausgabe: 1961 (Kurt Desch Verlag/Die Mitternachtsbücher Nr. 101)
172 S.
[keine ISBN]
Letzte Neuauflage: 1983 (Wilhelm Heyne Verlag/Heyne Crime Classic Nr. 2066)
186 S.
ISBN-13: 978-3-453-10669-7

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Das geschieht:

Eine Liste mit zehn Namen umfasst Engländer aus allen gesellschaftlichen Schichten vom Landarbeiter bis zum Adligen, Gemeinsamkeiten gibt es nicht. Warum übergibt Adrian Messenger, der viel gelesene Romane über große Verbrechen schreibt, diese Liste seinem Kriegskameraden und Freund George Firth, Leiter des „Criminal Investigation Department“ von Scotland Yard, und bittet ihn eindringlich Nachforschungen über den Verbleib der Männer anstellen zu lassen? Einer Gräueltat sei er auf der Spur, mehr lässt sich Messenger nicht entlocken. Nun wird er auf ewig schweigen: Den Absturz des Flugzeugs, das ihn zu weiteren Recherchen in die USA bringen soll, überlebt er nur kurze Zeit. Mit ihm im Wasser des Atlantik treibt der einzige Überlebende: Raoul St. Denis ist ein Journalist, der Messengers letzte, im Delirium gestammelten Worte überliefert.

Inzwischen hat Firth herausgefunden, dass acht der aufgelisteten Männer bei merkwürdigen ‚Unfällen‘ ums Leben gekommen sind. Ein weiterer ist spurlos verschwunden, nur der letzte scheint sich guter Gesundheit zu erfreuen. Ist Jonathan Slattery aus Twickenham ein Glückspilz oder der Mörder? Firth setzt Anthony Gethryn, seinen Spezialisten für delikate Ermittlungen, auf die Sache an. Dieser setzt mit der ihm eigenen Beharrlichkeit die winzigen Bruchstücke eines möglichen Falls zusammen. Was dabei Stück für Stück zu Tage tritt, ist eine lange Kette niederträchtigster Verbrechen. Verrat, Massen- und Serienmord bilden nur die schlimmsten Taten des kriminellen, aber genialen Psychopathen, der von seinen ratlosen Verfolgern „Mr. Smith-Brown-Jones“ genannt wird. Viel zu lange kann dieser unter Gethryns Augen sein teuflisches Spiel fortsetzen. Schlimmer noch: Die Liste des Adrian Messenger ist nicht vollständig; es fehlen die Namen einiger Zeitgenossen, die der Mörder unbeirrt auslöschen wird, wenn ihm Gethryn nicht endlich auf die Schliche kommt 

Kleine Ursache – serienmörderische Wirkung

Ein Stück Papier mit zehn Namen – mehr braucht ein fähiger Autor nicht, um einen spannenden Thriller zu schreiben. Die Neugier des Lesers ist sofort geweckt: Wieso sterben die Männer der Messenger-Liste wie die Fliegen? Welches Geheimnis teilen sie? Wird es gelingen, der Mordserie ein Ende zu machen?

„Die Totenliste“ empfiehlt sich als später Vertreter des „Rätselkrimis“, der das „Goldene Zeitalter“ des Kriminalromans zwischen dem I. und II. Weltkrieg prägte. Philip MacDonald gehört zu den bedeutenden Vertretern dieses Genres. Mit „Die Totenliste“ kehrt er noch einmal in diese Ära zurück, ohne freilich auszublenden, dass sich die Zeiten inzwischen geändert hatten. Unmögliche Morde an altersstarrsinnigen Erbonkeln in verschlossenen Räumen waren nicht mehr zeitgemäß. In den 1940er und 50er Jahren hatte man ganz andere Dimensionen der Bösartigkeit kennen gelernt. So ist „Mr. Smith-Brown-Jones“ kein Krimineller mit Sportsgeist mehr, sondern ein irrer aber eiskalter Psychopath, der zur Verwirklichung seines Plans Menschen in Serie mordet und nicht davor zurückschreckt, Züge entgleisen zu lassen und Flugzeuge zu sprengen.

Cover der dt. Erstausgabe (Sammlung md)

Rätsel mit Tempo

Smith-Brown-Jones Mordodyssee und die verzweifelten Ermittlungsbemühungen seines Gegners Gethryn schildert MacDonald in zwei parallelen Handlungssträngen, die mit enormem Tempo vorangetrieben werden. Es lässt sich verfolgen, wie sich Gejagter und Jäger immer näher kommen, bis sich die beiden Stränge im großen Finale treffen.

MacDonald ist ein glänzender Handwerker, was bei einem Mann, der mehr als 40 Drehbücher für Film und Fernsehen verfasste, nicht wundert. Er schafft es sogar, hinter der schwungvollen Geschichte einen hanebüchenen Plot zu verstecken. Hier ist „Die  Totenliste“ eindeutig das Spätprodukt einer versunkenen Epoche. Die Auflösung soll dieser Stelle nicht verraten werden, aber es ist kein langes Nachdenken nötig um zu erkennen, dass der Mörder einen irrwitzigen Aufwand für ein grundsätzlich sinnloses Verbrechen treibt. Andererseits ist dies womöglich nur ein weiterer Aspekt seines Wahns. Was freilich wichtiger ist: Die Story ist absolut unrealistisch, aber dem Verfasser gelingt es vorzüglich, sie uns zu verkaufen. Solange wir lesen, kümmern wir uns nicht um die Logik, sondern lassen uns unterhalten. Dem strengen Kritiker mag dies nicht genug sein, wir Leser sagen: Gute Arbeit, Mr. MacDonald!

Der Fall zählt – und nur der Fall

Die klassischen „Whodunit“-Krimis sind nicht für ausgefeilte Figurenzeichnungen bekannt. Im Vordergrund steht das kriminalistische Rätsel. Wie wurde die Untat begangen? Der Detektiv wirkt als „deus ex machina“ mit aufgesetzten Marotten, die seinen Unterhaltungswert steigern. Das hat er in der Regel auch bitter nötig, weil menschliche Züge ihm weitgehend fremd sind. Anthony Gethryn fällt eindeutig in diese Kategorie. Er ist ein Spürhund, ganz Job, nur ansatzweise Mensch – oder gar Mann.

Eine Liebesgeschichte gibt es zwar durchaus. MacDonald fügt sie seinem Garn allerdings eher pflichtschuldig hinzu. St. Denis soll als feuriger Franzose auftreten, der um die schöne, nur vorgeblich kühle Jocelyn Messenger buhlt. Da sprühen keine Funken, sondern dominieren stumpfe Klischees. Die Männer sind nur sie selbst, wenn sie unter sich bleiben. Über allem schwebt die typische „Old Boys“-Atmosphäre kameradschaftlicher Verbundenheit. Man hat denselben gesellschaftlichen Hintergrund, hat studiert, im Krieg wacker fürs Vaterland gekämpft. Das verbindet, nur das zählt wirklich.

Wer nicht dazu gehört, hat Pech gehabt. Unserem Bösewicht ist es so ergangen. Man hat ihm vorenthalten, was er ersehnt und meint als Geburtsrecht für sich beanspruchen zu können. Darüber ist er buchstäblich verrückt geworden. MacDonald hält sich klugerweise mit entsprechenden Szenen zurück. Smith-Brown-Jones kontrolliert sich streng und organisiert seine Mordattacken vorbildlich. Darunter lauert stets der Wahnsinn, kein kriminalistischer Sportsgeist mehr, wie ihn die Widersacher von Sherlock Holmes, Hercule Poirot oder Gideon Fell an der Tag legten.

Der Film zum Buch

Meisterregisseur John Huston (u. a. „Der Malteser Falke“, „Der Schatz der Sierra Madre“, „African Queen“) verfilmte „Die Totenliste“ 1963 mit George C. Scott in der Gethryn-Rolle. Es entstand ein etwas konfuses, aber flottes B-Movie von zeitlosem Unterhaltungswert. Von der zeitgenössischen Werbung sehr herausgestellt wurde ein kurioser, jedoch leicht verunglückter Gag: Große Stars (Robert Mitchum, Burt Lancaster, Tony Curtis, Frank Sinatra) absolvierten kurze Gastauftritte. Sie wurden im Gesicht ausgiebig mit Latex überzogen sowie verkleidet und durften sich in einer dem Film angehängten Sequenz demaskieren, damit man sie wenigstens nachträglich identifizieren konnte. Den Vogel schoss wie so oft Kirk Douglas ab, der als unheimlicher Mörder gleich in vier Rollen nicht zu erkennen war.

Autor

Philip MacDonald wurde 1899 in eine Familie berühmter Literaten geboren. Sein Vater Ronald war Schriftsteller und Theaterstückverfasser, sein Großvater der berühmte schottische Dichter und Autor George MacDonald (1824-1905). Bis er selbst zur Feder griff, folgte Philip treulich den Konventionen seiner Zeit. Nach seiner Schulzeit ging er zum Militär und wurde Kavallerist. Als solcher wurde er einberufen und erlebte den I. Weltkrieg auf den Schlachtfeldern des fernen Mesopotamien. Ins Zivilleben zurückgekehrt begann er zu schreiben. Die ersten beiden Bücher entstanden als Kooperation zwischen Sohn und Vater MacDonald, wobei ersterer das Pseudonym „Oliver Fleming“ wählte.

Schon diese ersten beiden Werke („Ambrotox and Limping Dick“ und „The Spandau Quit“) waren Thriller im Stile eines John Buchan. Dann entdeckte MacDonald den klassischen Puzzle-Krimi als Genre. 1924 debütierte er solo mit „The Rasp“. Hier erblickte bereits der ehemalige Geheimdienstmann und Gentleman-Ermittler Colonel Anthony Ruthven Gethryn, der noch in vielen weiteren Romanen die Hauptfigur wurde, das Licht der literarischen Welt. MacDonald war so erfolgreich, dass er 1931 als Drehbuchautor nach Hollywood gehen konnte. In den nächsten beiden Jahren entstand als Nebenprodukt seiner Filmarbeit der Hauptteil seiner Werke, die indes oft unter dem Schreibtempo ihres Verfassers litten.

Mit dem II. Weltkrieg endete MacDonalds schriftstellerische Karriere bzw. verlagerte sich gänzlich auf die Filmarbeit. Mehr als 40 Kino- und TV-Filme schrieb er, darunter viele Routinestreifen der „Mr. Moto“- und „Charlie Chan“-Serien. Er lieferte aber auch die Story zum John-Ford-Klassiker „The Lost Patrol“ (1934) und arbeitete am Drehbuch zu Alfred Hitchcocks Meisterwerk „Rebecca“ (1940) mit. Ende der 1950er Jahre gab MacDonald das Schreiben auf. Mit seinen Kurzgeschichten war er zuletzt sehr erfolgreich gewesen: 1953 und 1956 zeichneten ihn die „Mystery Writers of America“ mit einem „Edgar Allan Poe Award“ aus. Sein letztes Werk wurde 1959 „The List of Adrian Messenger“, gleichzeitig der Abschied für Major Gethryn. Philip MacDonald starb 1981.

[md]

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