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Archiv für die 'Buch zur Filmreihe' Kategorie

BUCHREZENSION: Clive Barker – Hellraiser. 1987 inszenierte Barker nach eigenem Drehbuch „Hellraiser“ und schuf einen modernen Klassiker des Horrorfilms.

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Oktober 2011

Clive Barker
Hellraiser

(sfbentry)
Originaltitel: The Hellbound Heart (London : Century 1986)
Deutsche Erstausgabe: 1992 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 8362)
Übersetzung: Ute Thiemann
126 S.
ISBN 3-453-05291-9
Neuausgabe: 2006 (Edition Phantasia/Phantasia Horror 3007)
Übersetzung: Joachim Körber
128 S.
ISBN-13: 978-3-937897-17-2

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Das geschieht:

Die unscheinbare Kirsty liebt den gutmütigen Rory; doch der verehrt nur seine Gattin, die herzlose Julia; diese trauert ihrem Schwager hinterher, dem aufregend-bösem Frank, mit dem sie Rory noch vor der Hochzeit betrog. Wer weiß, was dann geschehen wäre, hätte sich der Schurke nicht aus dem Staub gemacht.

Frank ist freilich gar nicht so weit entfernt von seiner Familie. Seine in Fetzen gerissene Leiche liegt in einer Mauer des großmütterlichen Hauses in der Lodovico Street. Auf einer seiner weiten Reisen entdeckte Frank den Zauberwürfel des Lemarchand, welcher dem, der ihn zu bedienen vermag, den Zugang in eine Welt unbeschreiblicher Lüste öffnet. Dorthin zieht es den verderbten Frank selbstverständlich sehr, doch als er in einer stillen Kammer von Omas Haus besagten Würfel in Gang setzt, finden ihn keine geilen Geister, sondern die dämonischen Zenobiten vom Orden der Wunden, die ihn in ihre Welt ewiger Qualen entführen. Als blutiger Zombie schwebt Frank nun zwischen den Sphären, als ihm wieder einmal unverdient das Glück hold ist.

In das Haus an der Ludovico Street ziehen Rory und Julia Cotton ein. Während der Renovierungsarbeiten verletzt sich der neue Hausherr. Blut sickert durch Ritzen auf die Reste von Franks Leiche. Diese beginnt sich zu regenerieren. Noch ist Frank schwach und abgrundtief hässlich, aber er kann sich Julia erneut unterwerfen. Sie lockt ahnungslose Männer von der Straße in ihr Heim, wo der ghulische Hausgast schon hungrig auf sie wartet.

Allerdings stellten die Zenobiten inzwischen fest, dass Frank ihrer Folterhölle entkommen ist. Sie unterscheiden nicht zwischen Freund und Feind, was für alle Bewohner des Hauses gefährlich wird – den Toten wie die Lebenden …

Sadomaso-Dämonen mit Kultfaktor

In der realen Welt des 21. Jahrhunderts haben die Zenobiten längst ihre mythologische Nische gefunden. Sie wohnen in der Nachbarschaft von Freddy Krueger, Jason Vorhees oder Michael Myers, mit denen sie gewissenhaft zur Nachtschicht ins Filmstudio fahren: Pinhead & Co. gehören zu den viel beschäftigten Serienhelden des modernen Horrorfilms. Neun Teile umfasst der „Hellraiser”-Zyklus inzwischen, und es ist davon auszugehen, dass sich weitere anschließen werden.

Das Fundament dieser blutigen, von wahren Gorehounds heiß geliebten Schlacht- und Folterplatte bildet Clive Barkers schmale Novelle „The Hellbound Heart“, hierzulande erstmals erst fünf Jahre nach dem ersten Film und erst  2006 in ungekürzter Fassung erschienen, was schade ist, denn Barker fand seither selten zur hier bewiesenen Form zurück.

„The Hellbound Heart“ ist noch heute wahrlich alles andere als ein Durchschnitts-Grusler. Das bezieht sich nicht auf die Mord- und Folterszenen; da ist der hartgesottene Fan heute grob Gehacktes gewöhnt. Nein, es ist Barker gelungen, eine gute Idee originell in eine atmosphärisch außerordentlich stimmungsvolle Geschichte umzusetzen. Der vordergründige Horror wird dabei durch die eindringliche Schilderung verlorener, durch ihre unbewältigten Gefühle ins Unglück stürzender Durchschnittsmenschen ergänzt.

Cover der dt. Erstausgabe (Sammlung md)

Figuren jenseits von Gut- und Böse-Klischees

Frank Cotton –  Dreh- und Angelpunkt der Geschichte; einerseits ein Dieb, Lügner, Mörder, andererseits ein Mensch auf der konsequenten Suche nach dem, was er sich wirklich ersehnt: Erfahrungen weit jenseits derer, mit denen der ‚gewöhnliche‘ Zeitgenosse sich bescheidet. Frank ist durch und durch unkonventionell, ein Egoist, aber neugierig und ehrlich bemüht, alles über das Laster zu lernen. Außerdem ist er ein Überlebenskünstler. Selbst in der Vorhölle der Zenobiten gibt er nicht auf, sondern wartet auf seine Chance zu entkommen. Als sie sich ergibt, nutzt er sie konsequent. Wer sollte gegen einen solchen Mann ankommen, selbst wenn er nur aus einem blutigen Knochenhaufen besteht?

Bruder Rory ganz sicher nicht. Er ist einer dieser mit dem Leben zufriedenen Menschen, die Frank so verachtet. Seine geliebte Julia hat ihn geheiratet, im Job läuft es bestens, viele gute Freunde sind da, mit denen man gemütliche Abende verbringt. Der arme Rory hat keine Chance. Bis es zu spät ist, begreift er niemals, was unter seinem eigenen Dach vorgeht.

Kirsty ist sogar noch langweiliger. Sie führt ein graues Leben, leidet unter Minderwertigkeitskomplexen und wohl auch Depressionen. Ihre heimliche Liebe zielt nicht einmal auf den wirklichen Rory, sondern auf das Idealbild, das sie sich von ihm macht. Andererseits überrascht Kirsty als Kämpferin; als sie den Zenobiten in die Hände zu fallen droht, zögert sie keine Sekunde, ihnen stattdessen Frank vorzuwerfen. Sie wird als einzige das finale Massaker überleben und sogar zur Hüterin des Zauberwürfels aufsteigen.

Julia ist sicherlich die interessanteste Person unserer Geschichte. Sie ist weniger kalt als wie Frank unzufrieden: mit dem Leben, vor allem aber mit Rory. Julia hungert nach Aufmerksamkeit und möchte die Fesseln ihrer bürgerlichen Existenz abstreifen, koste es was es wolle, und das lässt sie für Frank zum idealen Opfer werden. Julia wird zur Mörderin, bis sie schließlich wiederum betrogen wird: eine fast tragische Gestalt, wie Frank Cotton eine Gefangene ihrer eigenen Leidenschaften, deren Untergang daher unabwendbar ist.

Noch durch Abwesenheit glänzt übrigens Ober-Zenobit „Pinhead“ alias Captain Elliot Spencer; Barker erwähnt ihn zwar kurz, aber zur Kultfigur machte er ihn erst im „Hellraiser“-Film von 1987.

„Hellraiser“ – die Filme

1987 inszenierte Barker nach eigenem Drehbuch „Hellraiser“ und schuf einen modernen Klassiker des Horrorfilms. Sein handwerkliches Geschick als Regisseur und die weitgehende Kontrolle, die er über sein eigenes Werk ausüben konnte, brachte ein auch heute noch eindrucksvolles Werk zu Stande. Die Story wird spannend erzählt, optisch lässt sich Barker keine Fesseln anlegen. (Achtung: Niemals „Hellraiser“ in der stümperhaft kastrierten Kindergarten-Version deutscher Fernsehsender anschauen!) Sogar die Musik ist keine akustisch-elektronische Belästigung, sondern melodisch und suggestiv. Für den Film verjüngte Barker Kirsty und verwandelte sie in Rorys leibliche Tochter, was wesentlich besser funktioniert.

Natürlich kehrte Frank zurück; „Hellbound: Hellraiser II“ (1988) zeigt seinen neuerlichen Versuch den Zenobiten zu entkommen. Julia schließt sich ihm dabei an. Das Ergebnis ist noch gewalttätiger, noch blutiger als Teil 1, aber – Clive Barker überließ dieses Mal den Regiestuhl Tony Randel und verfasste nicht einmal das Drehbuch – ein Horror-Sequel ohne die Faszination des Originals, wenn auch noch einmal sehr unterhaltsam, bevor mit Teil III der Niedergang der Serie eingeläutet wurde, die nur reine Franchise-Gier am (Schein-) Leben erhält.

Autor

Clive Barker wurde am 5. Oktober 1952 in der Beatles-Stadt Liverpool geboren – offenbar ein Wunderkind, das seinen bürgerlichen Eltern Rätsel aufgab ob seiner Vorliebe für das Theater und die eher Abgründe der menschlichen Existenz. Schon in jungen Jahren schrieb und inszenierte Barker düstere, surrealistische, überspitzt blutige Stücke im Stil des Grand Guignol – eine Arbeit, die er nach seinem Studium (Englische Literatur und Philosophie) professionell fortsetzte.

Noch vor der Literatur entdeckte Barker den Film. „The Hellbound Heart“ basiert auf dem schwarzweißen Kurzfilm „The Forbidden“, den er als Student zwischen 1975 und 1978 drehte. Dann verfasste Barker die 1984 veröffentlichten sechs „Books of Blood“, die ihm schlagartig den Durchbruch brachten. Klassische Themen (Geister, Vampire, Werwölfe, Spukhäuser etc.) wurden modern und höchst unkonventionell durchgespielt. An Drastik sparte der Verfasser nicht, wofür er als einer der Gründerväter des (kurzlebigen) Splatterpunks gefeiert wurde. Mit eindrucksvollen Romanen wie „The Damnation Game“ (1985, dt. „Spiel der Verdammnis“) oder „Cabal“ (1988, dt. „Cabal – Brut der Nacht“) festigte er seinen Ruf.

Aber Barker ließ sich nicht in eine Schublade zwingen. Geschichten wie „The Great and Secret Show“ (1989, dt. „Jenseits des Bösen“), „Weaveworld“ (1987, dt. „Gyre“ bzw. „Gewebte Welt“), „Imajica“ (1991, dt. „Imagica“) oder „Galilee – a Romance“ (1998, dt. „Galileo“) spielen auf einer parallelen Erde, die der unseren zwar sehr ähnelt, aber gleichzeitig über ‚Tore’ in eine magisch-mythologische Überwelt verfügt: moderne Fantasy, die überquillt vor faszinierenden Ideen, jedoch leider ein Grundübel des Genres, die auswalzende Geschwätzigkeit, übernimmt und in ganz neue Dimensionen trägt. Mit „The Thief of Always“ (1994, dt. „Das Haus der verschwundenen Jahre“) und der „Abarat“-Serie (ab 2002) schrieb der weiterhin erfreulich unberechenbare Barker freilich hervorragende Fantasy für Jugendliche (aber auch für neugierig gebliebene Erwachsene).

Clive Barkers Website

[md]

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BUCHREZENSION: Greg Cox: Blutfeind – Die offizielle Vorgeschichte zum Film. Underworld 3.

Erstellt von Detlef Hedderich am 22. Oktober 2011

Greg Cox
Blutfeind – Die offizielle Vorgeschichte zum Film
Underworld 3

Underworld Blood Enemy, USA, 2004
Basierend auf den Figuren von Kevin Grevioux, Len Wiseman & Danny McBride
Dino/Panini Books, Stuttgart, 03/2006
TB, Horror
ISBN 978-3-8332-1343-4
Aus dem Amerikanischen von Jan Dinter
Titelgestaltung von tab visuelle kommunikation, Stuttgart unter Verwendung
eines Motivs von Motion Picture Photography und Motion Picture Artwork

www.paninicomics.de/filmromane
www.entertheunderworld.com
www.gregcox-author.com/
www.darkstormstudios.com/

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Der als Dritter Band in der „Underworld“-Reihe publizierte Roman „Blutfeind“ müsste eigentlich die Nummer 1 oder 0 tragen, da es sich um die Vorgeschichte von „Underworld“, „Underworld: Evolution“ und „Underworld: Aufstand der Lycaner“ handelt. Viele wesentliche Hintergrund-Informationen – eine Tragödie, die im Jahr 1201 ihren Beginn nahm -, welche in den anderen Büchern bzw. Filmen nur angedeutet werden, sind hier ausführlich aufbereitet und erleichtern das Verständnis der Geschehnisse auf Gegenwartseben.

Einst war die Hierarchie von Vampiren und Lycanern streng geregelt: Die einen herrschten, die anderen dienten. Lykaner, die sich nicht den Vampiren unterwerfen und ihre animalischen Instinkte kontrollieren wollten, lebten als ‚wilde Bestien„ in den Wäldern und wurden erbarmungslos gejagt – aus gutem Grund: Die Übergriffe der freien Lycaner ängstigten die Bevölkerung, der wachsende Hass und der Wunsch, sich von allen nicht-menschlichen Kreaturen zu befreien, richtete sich schließlich auch gegen die Vampire. Bei einem Überfall auf die Burg Corvinius kommen Lady Ilona, viele Vampire und Lycaner ums Leben.

Allein Sonja, die Tochter von Lord Victor, einem Ältesten, und Lady Ilona, kann dank der Hilfe von Lucius, einem Lycaner, entkommen. Die beiden verlieben sich, aber ihre nicht standesgemäße Liaison hat keine Zukunft, da Victor die junge Frau bereits Nikolai, dem Sohn vom Marcus, einem anderen Ältesten, versprochen hat, obwohl der junge Mann grausam ist und Sonja ihn ablehnt. Notgedrungen planen Lucius und Sonja, die sein Kind erwartet, ihre Flucht, werden jedoch gefangen. Victor lässt seine Tochter auf die für einen Vampir schlimmste Art sterben und zwingt Lucius, dem qualvollen Tod seiner Frau zuzusehen …

Die daraus resultierende Feindschaft zwischen Vampiren und Lycanern, insbesondere die zwischen Lucius und Victor, pflanzt sich fort bis in die Gegenwart (2002). Längst sind die Vampire keine Herren und die Lycaner keine Sklaven mehr, und sie bekämpfen einander erbittert mit zeitgenössischen Waffen. Die Todeshändlerin Selene, deren Job es ist, Lycaner aufzuspüren und zu töten, wird Zeugin eines großangelegten Deals, bei dem den Feinden neue Waffen übergeben werden, welche für die Vampire eine große Bedrohung darstellen. Selene wird entdeckt und gerät in Lebensgefahr.

Damit wird die Brücke zwischen den Ursachen, die in der Vergangenheit den Krieg zwischen den beiden Spezies auslösten, und den Folgen in der Gegenwart und zu den nächsten Büchern bzw. Filmen geschlagen. Las oder sah man die anderen Teile mit Spannung, wird man auch an der Vorgeschichte nicht vorbei kommen, die, trotz vorhersehbarer Handlung, für ein ‚Buch zum Film„ sehr routiniert und spannend geschrieben ist. Auch das Charakter-Design überzeugt. Die „Underworld“-Reihe bei Panini zählt mit zu den besten Titeln in einem Verlagsprogramm, das von Büchern zu Games und Filmen dominiert wird, und bietet Genre-Fans leichte, aber unterhaltsame Kost.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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BUCHREZENSION: Thomas Fröhlich & Peter Hiess (Hrsg.): Das Buch der lebenden Toten. Mit „Die Nacht der lebenden Toten“ trat Romero eine Lawine los, die erst in den Achtzigern verebbte – um ab 1996 mit dem Spiel „Resident Evil“ erneut ins Rollen zu kommen!

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. Oktober 2011

Thomas Fröhlich & Peter Hiess (Hrsg.)
Das Buch der lebenden Toten

Evolver Books, Wien (A), 11/2010
TB, Horror-Anthologie (21 Kurzgeschichten)
ISBN 978-3-950-25581-2
Titelillustration von Jörg Vogeltanz
Innenillustrationen von Timo Grubing
Download-Content: PDF-Version einer nicht im Buch abgedruckten Story

www.evolver-books.at/
www.vogeltanz.at/
http://timogrubing.de/

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Der Zombie ist die älteste Schauergestalt der Menschheitsdichtung. Dies ist ein Fakt, denn schon im „Gilgamesch“-Epos ist von Toten die Rede, die auf die Erde zurückkehren und die Lebenden fressen, auch wenn es sich dabei nur um eine Drohung der Göttin Ischtar handelt, um ihren Vater zu erpressen, damit er ihr den Himmelsstier gibt. Seit jenen Tagen haben die Menschen mehr oder weniger klare Vorstellungen von Toten, die zu den Lebenden zurückkehren und ihnen mehr oder weniger schreckliches Leid zufügen.

Eine Renaissance erlebten die Zombies ab Ende der Sechziger, als entsprechende Filme wie Pilze aus dem Boden schossen. Mit „Die Nacht der lebenden Toten“ trat Romero eine Lawine los, die erst in den Achtzigern verebbte – um ab 1996 mit dem Spiel „Resident Evil“ erneut ins Rollen zu kommen; nun mit einer moderneren Form des Zombies.

Auch im Buchbereich hat sich viel getan. Nicht nur Brian Keene nahm sich des Themas mehrfach an; andere Autoren griffen den Stoff ebenfalls auf; manche klassisch, andere hingegen versuchten, dem Thema etwas Neues abzugewinnen. Mit „Das Buch der lebenden Toten“ bemüht sich auch Evolver Books, das Thema aus verschiedenen Perspektiven anzugehen. 21 Autoren und deren Geschichten wurden für das Buch ausgewählt, um das Thema ‚Zombie„ durchaus vielschichtig zu behandeln. Und tatsächlich kam eine gesunde Mischung höchst unterschiedlicher, aber niemals langweiliger Erzählungen dabei heraus, die den Leser an die Seiten zu fesseln wissen.

Es macht Spaß, sich immer wieder auf neue Konstruktionen, neue Wesen, neue Hintergründe einzulassen. Neben den Autoren gebührt hier den Herausgebern ein Lob, denn sie hatten bei der Auswahl der Texte eine glückliche Hand. Aufgelockert durch stimmige Illustrationen entpuppt sich das Buch als wertige Anthologie, die man gerne von Anfang bis Ende liest. Eine weitere, 22. Geschichte kann sich der Leser zudem kostenfrei auf der Seite des Verlags herunterladen; ein entsprechender Hinweis findet sich am Ende des Bandes. Diese ist inzwischen auch in dem bereits erschienen Pulp-Heft „Super-Pulp 1“ veröffentlicht worden, so dass man sie für wenig Geld hinzukaufen kann, möchte man sie lieber in gedruckter Form. Ein Vorwort und die Biographie der vertretenen Autoren runden die Anthologie ab. Zombies sind untot, aber nicht tot. Das beweist Evolver Books mit dieser Anthologie anschaulich. Jeder Fan der nach Hirrrrrn gierenden Wesen sollte also zugreifen!

Copyright © 2011 by Gunter Arentzen (GA)

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BUCHREZENSION: Jude Watson – Die Kraft der Verbundenheit Star Wars: Jedi-Padawan 14.

Erstellt von Detlef Hedderich am 20. Oktober 2011

Jude Watson
Die Kraft der Verbundenheit
Star Wars: Jedi-Padawan 14

Star Wars Jedi Apprentice – The Ties That Bind, USA, 2001
(c) Lucasfilm Ltd., USA, 2001
Dino/Paninibooks, Stuttgart, 04/2001
TB, SF
ISBN 978-3-89748-426-9
Aus dem Amerikanischen von Dominik Kuhn
Titelgestaltung von tab Werbung GmbH, Stuttgart unter Verwendung des US-Cover von Cliff Nielsen

www.paninicomics.de
www.lucasarts.com
www.starwars.com
www.fantasticfiction.co.uk/w/jude-watson/

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Der Padawan Obi-Wan Kenobi und sein Meister Qui-Gon Jinn, sind mittlerweile ein eingespieltes Team, wenn es darum geht, Aufgaben für den Jedi-Orden zu lösen. Mit ihrem detektivischen Spürsinn, der Eigeninitiative von Obi-Wan Kenobi, die nicht immer erwünscht ist, und der Hilfe der Macht gelingt es ihnen, auch die verzwicktesten Aufgaben zu lösen. Qui-Gon Jinn streitet sich mal wieder mit Tahl, die seiner Meinung nach viel zu leichtsinnig Missionen übernimmt und dabei jegliche Unterstützung verweigert. Als die Bewohner des Planeten Apsolon die Jedi um Hilfe bitten, sagt Tahl sofort zu. Damals hatten sie und Qui-Gon Jinn den Bewohnern geholfen, ihren ersten freien Anführer zu wählen. Das Hilfegesuch stammt von seinen Töchtern. Er selbst wurde ermordet. Tahl hegt mütterliche Gefühle für die Mädchen.

Qui-Gon Jinn, der eine schreckliche Vision hat, bei der Tahl eine maßgebliche Rolle spielt, versucht, vom Jedi-Rat die Zustimmung, der Jedi-Ritterin folgen zu dürfen, zu ertrotzen. Als dies von Mace Windu abgelehnt wird, folgt Qui-Gon Jinn Tahl heimlich nach New Apsolon. Wie immer steht Obi-Wan Kenobi ihm treu zur Seite. Als die beiden auf Apsolon eintreffen, stolpern sie ungewollt in ein Wespennest aus Korruption und Verrat. Das Cover zeigt Obi-Wan Kenobi und Qui-Gon Jinn vor dem Jedi-Rat. Die warmen Farben vermitteln einen Eindruck von Geborgenheit. Nur durch die verschränkten Arme der beiden Hauptpersonen wird deutlich, dass hier nicht alles Frieden, Freude, Eierkuchen ist.

Obi-Wan Kenobi staunt nicht schlecht, als der sonst so beherrschte Qui-Gon Jinn wegen Tahl sogar einen Streit mit dem Jedi-Rat vom Zaun bricht. Wer die letzten Bände allerdings verfolgt hat, kann sich durchaus zusammenreimen, welche Gefühle in Qui-Gon Jinn brodeln. Diesmal geht es um mehr als die Aufklärung eines Verbrechens. Freude, Hoffnung, Trauer, Verzweiflung, Verrat und nicht zuletzt die Liebe spielen eine sehr große Rolle. Dieser Band ist der Beginn einer Trilogie. Wer das Buch liest, wird sich auf jeden Fall die beiden nächsten Bände besorgen müssen. Mittlerweile erscheinen die „Jedi-Padawan“-Bände auch schon als Sammelband mit jeweils drei Teilen. Mehr erfährt man unter www.paninicomics.de.

Jude Watson beweist wieder einmal, wie eindrucksvoll und vielfältig sie ist. Immer wieder gelingt es ihr mit Brillanz, das Seelenleben der einzelnen Protagonisten zu entblößen und die wahren Beweggründe zu enthüllen. Da bleibt dem eingefleischten Fan gar nichts anderes übrig, als hungrig auf die nächste Ausgabe zu warten. Achtung, hier herrscht Suchtgefahr!

Wer die „Star Wars“-Filme kennt und Serien wie „Star Trek“, „Rettungskreuzer Ikarus“ oder „Perry Rhodan“ mag, wird auch an den Abenteuern des erst dreizehnjährigen Obi-Wan Kenobi Gefallen finden. Quereinsteiger werden die Serie meistens verstehen, da es sich, bis auf wenige Ausnahmen, um abgeschlossene Abenteuer handelt. Alle SF- und Fantasy-Fans ab 12 Jahren, vor allem die des „Star Wars“-Universums, werden von dieser Serie nicht enttäuscht.

Copyright © 2011 by Petra Weddehage (PW)

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BUCHREZENSION: Kôji Suzuki Ring 0 – Birthday. Buch zur bekannten Horrorfilmreihe!

Erstellt von Detlef Hedderich am 19. Oktober 2011

Kôji Suzuki
Ring 0 – Birthday

(sfbentry)
Originaltitel: Ringu 0: Bâsudei/The Ring 0: Birthday (Tokio : Kadokawa Shoten Publishing Co., Ltd. 1999)
Übersetzung: Alexandra Klepper
Deutsche Erstausgabe: April 2006 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 43132)
206 S.
ISBN-13: 978-3-453-43132-4

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Das geschieht:

Drei Kurzgeschichten aus dem „Ring“-Universum werfen Schlaglichter auf Randepisoden des mysteriösen Geschehens, das hier zur Erinnerung noch einmal kurz skizziert wird: Die übersinnlich begabte Sadako Yamamura hat vor ihrer grausamen Ermordung ein Videoband ‚bespielt‘, das diejenigen, die es sich anschauen, binnen einer Woche in den Tod treibt. Ebenso verzweifelt wie vergeblich versuchen die Opfer sich von diesem Fluch zu lösen. Doch sie sind wie Sadako künstliche Wesen, die im „Loop“ leben, einer künstlichen Welt, die durch die Zusammenschaltung einer Million Supercomputer geschaffen wurde, ohne dass ihre ‚Bewohner‘ davon wissen. Die digitale Sadako hat dem Sprung in die reale Welt geschafft und die Menschheit mit einem tödlichen Virus infiziert. Ein junger Mediziner wird auf eine Reise ohne Wiederkehr in den „Loop“ geschickt, wo er dem Treiben Sadakos ein Ende setzen soll.

- Der im Himmel treibende Sarg (S. 7-44): Auf dem Dach eines Hochhauses muss Mai Takano hilflos miterleben, wie sie von Sadako Yamamura, die ihren gewaltsamen Tod nicht hinnehmen will und keinen Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen gelten lässt, als Instrument zur Wiedergeburt missbraucht wird …

- Lemonheart (S. 45-133): Es war ein grausamer Scherz, der die junge Schauspielerin zum Gespött ihrer Kollegen werden ließ, doch da diese Sadako Yamamura heißt, ist Verzeihen ein Fremdwort und Rache eine Pflicht, woran weder die Zeit noch der Tod etwas ändern können 

- Happy Birthday (S. 135-194): Die Menschheit steht vor dem Aussterben, nachdem Sadako Yamamura das ringförmige MHCV-Virus aus dem digitalen Parallel-Universum „Loop“ über die Welt gebracht hat. Der Medizinstudent Kaoru Futami trägt als einziger Mensch das Gegenmittel in sich und geht hinüber in den „Loop“, wo er gegen die Seuche ankämpft. Zurück lässt er seine schwangere Geliebte, die alles daran setzt noch einmal mit ihm in Kontakt zu treten …

Ein Nachwort von Akira Mitsuhashi führt auf den Seiten 195-201 knapp aber informativ in Suzukis „Ring“-Universum ein, erläutert das Konzept, das ihm zugrundeliegt, und zeichnet seine Entwicklung nach.

Hilfreich-spannende Hintergrundinformationen

Sequels und Prequels: Sie kennt man als unentbehrliche Folgeerscheinungen eines erfolgreichen Romans oder Films. Dem japanischen Schriftsteller Suzuki Kôji ist eine interessante Variante eingefallen: Er fügt seiner „Ring“-Saga einige neue Kapitel hinzu. Im Rahmen des bereits bestehenden oder sogar bereits abgeschlossenen Werkes führt er perspektivisch verschoben aus, was zuvor nur in wenigen Sätzen angedeutet wurde. „Der im Himmel treibende Sarg“ baut eine Episode aus „Spiral – The Ring II“ aus, „Lemonheart“ basiert auf einem Flashback, der in „The Ring“ nur wenige Zeilen umfasst. „Happy Birthday“ schließt an das Finale von „Loop – The Ring III“ an und bildet eine kurze Fortsetzung der dort geschilderten Ereignisse.

Die „Ring“-Trilogie kann ohne „Birthday – Ring 0“ problemlos existieren. Trotzdem ist Suzuki ein durchaus reizvolles Werk gelungen. Die Beliebigkeit der ausgewählten Episoden entpuppt sich zu Beginn der dritten Story als Trick: „Der im Himmel treibende Sarg“ und „Lemonheart“ erweisen sich plötzlich als notwendige Voraussetzungen für das Geschehen in „Happy Birthday“. Wie Suzuki dies gelingt, sei hier als Spoiler verschwiegen. Er erfindet das Rad ganz gewiss nicht neu aber seine Idee funktioniert: Aus „Ring 0“ wird nun doch „Ring IV“, ein Roman neben dem Hauptwerk – übrigens keineswegs das einzige: Auf den Seiten 203-206 gibt ein Anhang den komplexen „Ring-Baum“ wieder, ein Beziehungsgeflecht der „Ring“-Welten, die sich nicht nur auf die drei Romane oder die Literatur beschränken. Inzwischen gibt es „Ring“-Kino- und TV-Filme und Comics, die Eigenes zum „Ring“-Universum beitragen. Auch zu „Ring 0“ existiert bereits eine Quasi-Fortsetzung, der Episoden-Roman „Promenade der Götter“, welcher einen weiteren losen Faden aufgreift und zu einer neuen Story verzwirnt.

Erzählerisch wandelt Suzuki einmal mehr auf scheinbar übersichtlichen Pfaden. Seine Prosa ist weniger anspruchslos als einfach und klar, die Sätze bleiben kurz. (Dieses Urteil ist unter Vorbehalt zu bewerten – wer ist hierzulande schon in der Lage die Übersetzung mit dem japanischen Originaltext zu vergleichen?) Um auch den in Sachen „Ring“ weniger Kundigen die Lektüre von „Ring 0“ zu ermöglichen, baut der Verfasser geschickt immer wieder „Seitenblicke“ auf die Haupthandlung ein.

„Lemonhead“, die älteste der hier gesammelten Erzählungen, diente 2000 als Vorlage für den Film „Ringu 0: Bâsudei“, in dem Regisseur Norio Tsusata ein Schlüsselerlebnis der noch lebendigen Sadako Yamamura in Szene und dabei eher auf psychologische als auf Horroreffekte setzte.

Spuk ohne Ansehen der Person

Wie wird man damit fertig von einem wütenden Gespenst heimgesucht zu werden? Den entscheidenden Unterschied beim Versuch diese Frage zu beantworten, macht eventuell die Tatsache, dass sämtliche Figuren, die in „Ring 0“ von Sadako Yamamura geplagt und umgebracht werden, an deren Ende völlig unschuldig waren. Üblicherweise taucht ein Geist dort auf, wo ein Mensch gewaltsam zu Tode kam und sein Opfer aus dem Jenseits Gerechtigkeit oder Rache fordert: Es gibt folglich zwischen Spuker und Bespuktem eine Verbindung.

Auch Sadako Yamamura hat es auf diejenigen abgesehen, die ihr echtes oder vermeintliches Unrecht zugefügt haben. In ihrem Rachefeldzug ist sie freilich bemerkenswert inkonsequent oder gleichgültig: Sie straft die Schuldigen genauso grausam wie die allzu Neugierigen oder gar nicht Beteiligten, welche sie völlig ungerührt als Werkzeuge für ihre obskuren Pläne missbraucht. Am schlimmsten trifft es dieses Mal Mai Takano, deren Schicksal vor allem auf die Gänsehaut der weiblichen Leserschaft zielt.

Ein Virus-Gespenst läuft Amok

Letztlich geht es Sadako um die Vernichtung der ganzen Welt – oder besser: beider Welten, denn wie wir seit „Loop – Ring III“ wissen, ist sie im Grunde kein Gespenst, sondern eine künstliche Intelligenz, die in einer Computerwelt lebt. Deren Grenzen vermag sie zu erkennen und zu sprengen, während ihr Verhalten selbst wenig intelligent anmutet: Indem Sadako den „Loop“ und die reale Welt zerstört, nimmt sie sich die eigene Existenzgrundlage. Sie wirkt wie die Verkörperung des MHCV-Virus’, dessen Lebenszweck ausschließlich die eigene Reproduktion ist.

Damit wird klar, wieso Sadakos Verhalten nicht einzuschätzen ist. Viele kluge Männer und Frauen hat Verfasser Suzuki in „Ring I – III“ auf ihre Spur gesetzt. Immer wenn es so aussah, als sei die Erklärung gefunden, ergab sich nur ein neues Rätsel. Der Preis für dieses Versagen war ausnahmslos der Tod. Der Leser nahm’s recht ungerührt zur Kenntnis, denn Suzuki verweigert sich dem (typisch westlichen) Bestreben, Sadakos Opfer in tragische Gestalten zu verwandeln. Es sind beruflich und vor allem privat gescheiterte oder sogar ausgesprochen unsympathische Existenzen, die Suzuki Sadakos Bahn kreuzen lässt. Ob sie ihren Tod ‚verdient‘ haben, lässt der Autor unbeantwortet; es ist ihm zudem absolut gleichgültig, denn wer oder was diese Menschen auch waren, das wird gleichgültig, sobald sie Sadako Yamamuras Aufmerksamkeit erregt haben …

Nachtrag: Pump up the volume …

Drei Kurzgeschichten ergeben im Verbund zwar theoretisch ein Buch aber praktisch anscheinend keines, das ein deutscher Verlag ohne gewisse Nachbearbeitungen der Käuferschaft präsentieren möchte. „Buch“ bedeutet in der Definition von Heyne offenbar ein gebundenes Papierprodukt, das mindestens 200 Seiten umfassen muss. In dieser Beziehung stellte „Ring 0“ sicherlich eine Herausforderung dar. Positiv betrachtet fällt dieses Taschenbuch durch seine augenfreundliche Großschrift, den weißraumreichen Satzspiegel und diverse Leerseiten auf, die dem Referenten genug Raum für Anmerkungen lassen – vielen Dank dafür, doch könnte ich noch besser mit einem Bändchen leben, das nur 160 bedruckte Seiten aufweist und dafür einen oder gar zwei Euro kostengünstiger ausfällt …

Autor

Kôji Suzuki, der „Stephen King aus Japan“ (ein Etikett der Werbestrategen) wurde 1957 in Hamamatsu (Präfektur Shizuoka) geboren. Bereits in jungen Jahren begann er zu schreiben und gewann 1990 als Absolvent der Keio University in Tokio einen (japanischen) „Fantasy Novel Award“ für seinen Roman „Rakuen“, was aber seiner dümpelnden Karriere kaum Auftrieb gab. Das änderte sich erst, als Suzuki 1991 die Welt der Phantastik um ein verfluchtes Videoband bereicherte: Die „Ring“-Saga war geboren. Aus einem Geheimtipp wurde Gruselvolkes Eigentum, als Regisseur Hideo Nakata 1998 den Roman verfilmte. Trotz vieler Veränderungen wurde „Ring“ zum Erfolg, der selbstverständlich mehrfach fortgesetzt wurde sowie die übliche verwässerte Hollywood-Interpretation erfuhr.

Suzuki selbst erweiterte den „Ring“-Erstling zur Romantrilogie, der er noch einen vierten Band mit Kurzgeschichten folgen ließ. Acht Millionen Exemplare soll er inzwischen verkauft haben, was zweifellos auch der geschickten Vermarktung zu verdanken ist: Suzukis Werke sind als Buch, Film und Manga quasi allgegenwärtig.

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Die „Ring“-Saga von Kôji Suzuki

(1991) The Ring (The Ring) – Heyne TB Nr. 01/13741
(1995) The Ring II – Spiral (The Ring II: Rasen) – Heyne TB Nr. 01/13918
(1998) The Ring III – Loop (The Ring III: Loop) – Heyne TB Nr. 01/14007
(1999) The Ring 0 – Birthday (The Ring 0: Birthday) – Heyne TB Nr. 01/14132

[md]

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BUCHREZENSION: Michael A. Martin/Andy Mangels: Eine neue Ära Star Trek – TITAN 1.

Erstellt von Detlef Hedderich am 16. Oktober 2011

Michael A. Martin/Andy Mangels
Eine neue Ära
Star Trek – TITAN 1

Star Trek – TITAN: Taking Wing, USA, 2008
Cross Cult, Asperg, 11/2008
TB, SF
ISBN 978-3-941248-01-4
Aus dem Amerikanischen von Stephanie Pannen
Titelillustration von Cliff Nielsen
4 aufklappbare Farbillustrationen im Innenteil: Übersicht U.S.S. TITAN, entworfen von Sean Tourangeau

www.cross-cult.de
www.startrekromane.de
www.andymangels.com/
http://stourangeau.deviantart.com/

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Will Riker und Diana Troi sind nach den Ereignissen um den Prätor Shinzon im Romulanischen Imperium endlich auf dem Raumschiff ‚Titan„ angekommen. Will ist stolzer Kapitän dieses Schiffes, und mit Ehrgeizig macht er sich an sein Projekt, so viele unterschiedliche Völker der Föderation an Bord aufzunehmen, wie es nur geht. Dabei gibt es so exotische Wesen wie den Chefarzt Dr. Ree, der stark an einen T-Rex erinnert. Gleichzeitig ist Will immer noch davon überzeugt, dass er es schaffen kann, Christine Vale zu überzeugen, als sein Erster Offizier an Bord zu kommen. Schließlich kann er sie umstimmen, und nun könnte es eigentlich losgehen in Regionen des Weltalls, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Leider machen ihm die Ereignisse im Romulanischen Imperium einen Strich durch die Rechnung. Durch den Tod Shinzons und der von ihm zuvor eingeleiteten Vernichtung des gesamten romulanischen Senats blieb ein gewaltiges Macht-Vakuum zurück. Seither gibt es verschiedene Gruppen auf Romulus, die dies auszunutzen gedenken. Durch die Uneinigkeit scheint ein Bürgerkrieg vorprogrammiert, der jene Welt in ein Chaos zu stürzen droht. Die Remaner melden sich ebenfalls und verlangen nach der Anerkennung und Hilfe, die ihnen ihrer Meinung nach zusteht. Immerhin wurden sie über Generationen von den Rhiannsu versklavt.

Captain Picard wäre für die diplomatischen Verhandlungen hervorragen geeignet. Da aber Shinzon der Klon des Captains war, lehnen die Romulaner Verhandlungen mit dem Oberhaupt der Besatzung des Raumschiffs ‚Enterprise„ kategorisch ab. Admiral Akaar informiert Riker darüber, dass er ausgewählt wurde, die Besprechungen zu führen. Donatra, die romulanische Kapitänin der ‚Valdore„, ist damit mehr als einverstanden. Sie war dabei, als die ‚Enterprise„ Shinzon aufgehalten hat und der Androide Data sein Leben ließ, um Rhiannsu als Föderationsmitglieder und vor allem die Erde zu retten.

Als ob diese Situation für Will nicht schon verzwickt genug wäre, erfährt er, dass zwei Vulkanier auf Romulus verschwunden sind. Dabei handelt es sich um Botschafter Spock und Tuvok, dem ehemaligen Besatzungsmitglied der ‚Voyager„. Ein Glück, dass Riker ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Schiffsbesatzung hatte. So wagt er es, die ‚Titan„ mitten in ein Abenteuer zu stürzen, dessen Ausgang sehr ungewiss ist. Captain William Thomas Riker hat sich endlich für ein eigenes Kommando endschieden. Viele Jahre schien es so, als ob der mit allen Wassern gewaschene, smarte Mann die Seite als Erster Offizier von Picard und die ‚Enterprise„ mit all seinen Freunden nicht verlassen wolle. Vor allem seine Heirat mit Diana Troi, seiner großen Liebe, scheint bewirkt zu haben, dass er reifer und gesetzter wurde. Als Captain muss er meistens an Bord des Schiffes bleiben und kann sich nicht mehr einfach so in ein Abenteuer stürzen. Das Leiten der Außeneinsätze muss er nun seinem Ersten Offizier Christine Vale überlassen.

Seine Mannschaft besteht aus den vielfältigsten Bewohnern der zur Starfleet gehörenden Planeten. In einigen Fällen handelt es sich um Wesen, deren Sternensysteme der Starfleet noch skeptisch gegenüberstehen. Diese so unterschiedlichen Kreaturen müssen sich nun zusammenraufen und lernen, einander zu vertrauen. Nach den Ereignissen im Kinofilm „Nemesis“ ist es nur logisch, das romulanische Imperium endlich näher in Augenschein zu nehmen. Dabei wenden sich die Autoren nicht nur losen Fäden des „Star Trek“-Universums zu und weben sie in ihre Story ein. Populäre Protagonisten wie Botschafter Spock oder Tuvok sind das Salz in der Suppe.

Mit einem überraschenden Cliffhanger am Ende des Bandes gelingt den Autoren ein großartiger Schachzug. Damit wird gewährleistet, dass die ‚Titan„ endlich ihre Forschungsarbeit aufnehmen kann und dies in Welten, die wirklich nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Ein nettes Extra bekommen die Fans auch zu sehen: die Ausklappseiten, auf denen die ‚Titan„ in mehreren Ansichten zu sehen ist. Dieses neue Raumschiff wurde von Sean Tourangeau entworfen. Poket Book rief einen Wettbewerb aus, bei dem die Fans aufgefordert wurden, die neue ‚Titan„ zu entwerfen. Die Entwürfe mussten dann bis zum 15.08.2005 an den Verlag Simon & Schuster geschickt werden. Leider durften nur US-Amerikaner und Kanadier teilnehmen.

Alt-Fans und Neugierige können sich beruhigt auf diesen Band einlassen, fährt er doch dank der guten Recherchearbeit der Autoren wunderbar im Fahrwasser des „Star Trek“-Styles. Action ist reichlich vorhanden, und auch das Miteinander der Besatzungsmitglieder und ihrer Familien an Bord der ‚Titan„ wird nicht außer Acht gelassen worden. Ein rundum gelungener Spaß für alle, die es lieben, die Weiten des Alls zu erforschen – und das ist ja bekanntlich endlos.

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BUCHREZENSION: Kôji Suzuki The Ring III – Loop. Das Buch zum 3. Teil der Horrorfilmreihe!

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. Oktober 2011

Kôji Suzuki
The Ring III – Loop

(sfbentry)
Originaltitel: Loop (Tokio : Kadokawa Shoten Publishing Co., Ltd. 1998)
Übersetzung: Kristiana Ruhl
Deutsche Erstausgabe: Juli 2004 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 01/14007)
315 S.
ISBN-13: 978-3-453-87805-1

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Das geschieht:

Die Welt irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft: Das ringförmige MHCV-Virus löst den Erreger der Aids-Pest als unheilbaren Massenkiller Nr. 1 ab. Vor allem in Nordamerika und Japan erkranken die Menschen an einer neuen Sorte Krebs, der sich trotz fortgeschrittener Heilungsmethoden nicht stoppen lässt.

Auch die Eltern des Medizinstudenten Kaoru Futami aus Tokio sind betroffen. Der erst 20-Jährige sucht verzweifelt nach Rettung. Eine Reihe mysteriöser Zufälle führt ihn auf die Spur des bizarren „Loop“-Projekts. Vier Jahrzehnte zuvor hatten Forscher in den Vereinigten Staaten und Japan mehr als 1,2 Millionen Computer zusammengeschaltet, um eine Simulation künstlichen Lebens zu erschaffen. Das Experiment glückte zunächst und schuf eine Welt, die zum Spiegelbild der Realität wurde. Bevölkert wurde der „Loop“ von ‚Menschen‘, die nie ahnten, dass sie nur im Inneren einer digitalen Matrix existierten.

Das „Loop“-Projekt scheiterte, als eine virtuelle Epidemie ihre Bewohner befiel und aussterben ließ. Das Grauen trug die Gestalt einer jungen Frau namens Sadako Yamamura, die es mit Hilfe eines trickreich verseuchten Videobandes in die künstliche Welt brachte. Schließlich bestand der „Loop“ nur noch aus Yamamura-Kopien und starb schließlich aus. Das Projekt wurde abgebrochen, sein Schöpfer, der Amerikaner Christopher Eliott, zog sich in die wissenschaftliche Emigration zurück.

Doch ist der „Loop“ wirklich ‚tot‘? Kaoru kommt der Verdacht, dass der „Ring“-Virus gar nicht Ergebnis einer natürlichen Mutation ist, sondern ursprünglich aus dem „Loop“ kam. Wenn dem so ist, müssten sich in den Unterlagen des Projekts Hinweise auf seine Bekämpfung finden lassen. Kaoru macht sich deshalb auf in die USA. In der Wüste New Mexicos muss er feststellen, dass die Hoffnung für die Menschheit in einer bizarren Verschmelzung von Realität und Simulation liegt …

Eine ganz neue Geschichte

Erfolge in Serie unterliegen wie die Protagonisten unserer Geschichte einem Fluch: Sie verlieren an Wirkung und schwächen sich zur Routine ab. „Ring II – Spiral“ bestätigte diese alte Binsenweisheit aufs Bedauerlichste. Das drosselt die Erwartungen, die sich an eine weitere Fortsetzung knüpfen. Überraschung: „Ring III – Loop“ ist ein sauber geplotteter und flott geschriebener Lesespaß, der den allzu routinierten Vorgänger glatt vergessen lässt. Tatsächlich ist der dritte Roman der „Ring“-Reihe womöglich der beste. Dafür gibt es mehrere Gründe.

So gefällt vor allem Suzukis Bereitschaft, sich von den Wurzeln seiner Saga zu lösen. „Ring“ begann als Gruselgeschichte um eine ermordete, von den Toten rächend auferstehende Geisterfrau, die sich der (zum Zeitpunkt ihres Erscheinens) modernen Technik bediente, um Schrecken und Tod über ihre Opfer zu bringen. Später löste Science Fiction den Horror ab: Sadako Yamamura outete sich als personifizierte Inkarnation eines intelligent gewordenen Virus‘, der sich die Menschenwelt untertan machen wollte.

Dies lesen und sich fragen, wie es noch weitergehen könnte, lag nahe. Verfasser Suzuki ließ sich vier Jahre Zeit. Ihm gelang es in der Tat, eine logische Fortsetzung für seine Geschichte zu finden. Das muss an dieser Stelle betont werden, denn Suzuki ist ein Opfer der Zeit geworden: „Loop“ scheint aufgrund zahlreicher inhaltlicher Parallelen eine Imitation der Hollywood-Blockbuster-Trilogie “Matrix” zu sein. Tatsächlich ist es höchstens umgekehrt, denn „Ring III“ war früher da. Haben sich eher die Wachowski-Brüder ‚inspirieren‘ lassen …?

Der „Ring“ bleibt unberechenbar

Wobei die Idee der simulierten zweiten Realität ohnehin ein alter Hut der Science Fiction ist. Daniel F. Galouye hat mit „Simulacron-3“ (dt. „Welt am Draht“/„Simulacron-Drei“) 1964 sicherlich DEN (verfilmten) Klassiker geschaffen. Der von der Kritik verehrte Philip K. Dick hat die Idee gleich mehrfach kongenial durchgespielt, vielleicht am effektvollsten 1969 in „Ubik“ (dt. „Ubik“).

Suzuki hat also das Rad nicht erfunden, aber er weiß es im Rahmen seiner Möglichkeiten geschickt rollen zu lassen. Selbstverständlich könnte man mäkeln – über den allzu kunstlosen Erzählstil, die nur scheinbar dreidimensionalen Figuren, über die unnötige Reise in die USA, die vollständige Entzauberung des Yamamura-Mythos’ … Doch was ist die „Ring“-Saga eigentlich? Doch ‚nur‘ Unterhaltungs-Handwerk, eine spannende Geschichte, die hier mutig eine neue Wendung nimmt und nicht nur ihre gelungene Fortsetzung, sondern auch eine zufriedenstellende Auflösung erfährt.

Dass „Ring III“ in der Zukunft spielt, wird übrigens nur am Rande deutlich. Science Fiction kommt höchstens ins Spiel, wenn Suzuki (halbwegs) glaubhaft Technobabbel kreiert, wo virtuelle Welten oder Klone geschaffen werden. Politisch und gesellschaftlich hat sich sonst offenbar auf der Erde nichts Gravierendes getan.

Drama mit neuen Figuren

Es klang bereits an: Von liebgewonnenen Figuren der „Ring“-Folgen 1 und 2 müssen wir uns verabschieden. Ein Trostpflaster schenkt uns der Verfasser jedoch: Der allzu neugierige Journalist Asakawa, die böse Sadako Yamamura sowie der zynische Ryuji Takayami tauchen in einer ausführlichen Rückblende auf, die (da war Suzuki im zweiten Teil wesentlich ungeschickter) nicht einfach eine Nacherzählung der Vorgeschichte ist, sondern diese gleichzeitig des besseren Verständnisses wegen und zur Erinnerung erzählt und gleichzeitig in ihren neuen, veränderten Handlungsrahmen stellt.

Ansonsten treffen wir – nicht ohne Grund, wie wir schließlich erfahren – in der Person des Kaoru Futami die typische „Ring“-Hauptfigur wieder: Der junge Mann ist eigentlich nur neugierig (bzw. in diesem Fall wissbegierig), ein Jedermann, der eher zufällig in das bedrohliche Geschehen verwickelt wird und dabei mächtig einstecken muss. Eine unglückliche Liebesgeschichte gehört ebenfalls zum Plot, während es dieses Mal keinen guten Freund an der Seite des Helden gibt.

Die japanische Welt ist dem westlichen Leser in „Ring III“ nur mehr bedingt fremd. Suzuki hat seine Geschichte ‚globalisiert‘, lässt sie auf vielen Seiten sogar in den USA spielen. Nur noch selten finden sich die interessanten Eigenheiten der japanischen Gesellschaft. Weiterhin Unzufriedenheit dürfte bei den weiblichen Lesern die traditionelle asiatische Unterwürfigkeit der auftretenden Frauen hervorrufen.

Christopher Eliott zieht als ebenso weiser wie undurchsichtiger Gottvater aus dem Hintergrund die Fäden. Wie er seinen ‚Sohn‘ zur Rettung der Welt schickt, weist durchaus Parallelen zur biblischen Geschichte auf, was zweifellos beabsichtigt ist und immer noch dazu taugt, die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen und der Kritik Vielschichtigkeit vorzugaukeln.

Autor

Kôji Suzuki, der „Stephen King aus Japan“ (ein Etikett der Werbestrategen) wurde 1957 in Hamamatsu (Präfektur Shizuoka) geboren. Bereits in jungen Jahren begann er zu schreiben und gewann 1990 als Absolvent der Keio University in Tokio einen (japanischen) „Fantasy Novel Award“ für seinen Roman „Rakuen“, was aber seiner dümpelnden Karriere kaum Auftrieb gab. Das änderte sich erst, als Suzuki 1991 die Welt der Phantastik um ein verfluchtes Videoband bereicherte: Die „Ring“-Saga war geboren. Aus einem Geheimtipp wurde Gruselvolkes Eigentum, als Regisseur Hideo Nakata 1998 den Roman verfilmte. Trotz vieler Veränderungen wurde „Ring“ zum Erfolg, der selbstverständlich mehrfach fortgesetzt wurde sowie die übliche verwässerte Hollywood-Interpretation erfuhr.

Suzuki selbst erweiterte den „Ring“-Erstling zur Romantrilogie, der er noch einen vierten Band mit Kurzgeschichten folgen ließ. Acht Millionen Exemplare soll er inzwischen verkauft haben, was zweifellos auch der geschickten Vermarktung zu verdanken ist: Suzukis Werke sind als Buch, Film und Manga quasi allgegenwärtig.

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Die „Ring“-Saga von Kôji Suzuki

(1991) The Ring (The Ring) – Heyne TB Nr. 01/13741
(1995) The Ring II – Spiral (The Ring II: Rasen) – Heyne TB Nr. 01/13918
(1998) The Ring III – Loop (The Ring III: Loop) – Heyne TB Nr. 01/14007
(1999) The Ring 0 – Birthday (The Ring 0: Birthday) – Heyne TB Nr. 01/14132

[md]

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BUCHREZENSION: Tom Veitch/Cam Kennedy/Jim Baikie – Star Wars Essentials 2: Das Dunkle Imperium II.

Erstellt von Detlef Hedderich am 2. Oktober 2011

Tom Veitch/Cam Kennedy/Jim Baikie
Star Wars Essentials 2: Das Dunkle Imperium II

Star Wars Dark Empire 2
(c) Lucasfilm Ltd., USA, 2007
Panini Comics, Stuttgart, 2007
PB, Comic, SF
ISBN 978-3-86607-345-6
Aus dem Amerikanischen von Uwe Anton
Titelillustration und Zeichnungen von Cam Kennedy, Jim Baikie, Tsuneo Sander

www.paninicomics.de
www.lucasart.com
www.starwars.com
www.hollywoodcomics.com/veitch.html
http://lambiek.net/artists/b/baikie_jim.htm
http://sandaworld.com/

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Nachdem Luke dem Klon von Imperator Palpatine entkommen konnte, ist ihm klar, dass er seine Suche nach neuen Jedi beginnen muss. Darum strengt er eine Widerbelebung des Jedi-Ordens an.

Da es Palpatine nicht gelungen ist, sich Luke Skywalkers zu bemächtigen, gerät ein neues Opfer in sein Visier: der ungeborenen Sohn Anakin von Han Solo und Leia Organa Solo. Die Freunde versuchen nun alles, um Leia vor dem Zugriff des Imperators zu schützen. Diese ist aber keine zarte Pflanze, die bei einer leichten Berührung eingeht, und setzt sich selber tatkräftig zur Wehr. Palpatine, der dachte, ein leichtes Spiel mit ihr zu haben, wird bald eines Besseren belehrt. Ein alter Bekannter des Ehepaars Solo taucht ebenfalls auf. Boba Fett will endlich das Kopfgeld für Han Solo einstreichen. Wie schön, dass sich Leia in der Nähe ihres Mannes aufhält! Ihr Kopfgeld ist ebenfalls beträchtlich hoch, tötete sie doch einst Jabba the Hutt.

Die Ereignisse in diesem Comic spielen wenige Jahre nach „Episode VI“. Der Kinofilm lief auch unter dem Titel „Die Rückkehr der Jedi Ritter“. Er erzählt die Geschichte von Luke, Leia, Han Solo, Chewbacca und den beliebten Droiden C3PO und R2D2, die nun ihre Fortsetzung findet. Die Hauptfiguren sind während der vergangenen Jahre zu einer Familie zusammengewachsen. Han Solo und Leia haben geheiratet und sind mittlerweile Eltern dreier Kinder. Luke beginnt mit der Suche nach Wesen, die die Kräfte der Jedi in sich tragen. Er weiß, will er der Galaxis Frieden bringen und sie auch verteidigen können, muss er andere finden, die die Macht in sich tragen.

Die Zeichnungen werden ebenso wie im ersten Band konsequent umgesetzt und unterstützen die Geschichte gelungen. Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Die Ähnlichkeit der Protagonisten zu ihren Vorbildern ist beträchtlich. Man meint, Carry Fischer und Harrison Ford sowie Mark Hamil immer wieder zu bewundern, wie sie neue Abenteuer bestehen. Möge die Macht mit ihnen sein! Fans des „Star Wars“-Universums dürfen sich freuen, dass Panini in Form der „Essentials“-Reihe lang vergriffene Comic-Hefte erneut veröffentlicht. Auch Neueinsteiger werden der Magie dieser Storys erliegen. SF gepaart mit einer Macht, die praktisch mit Zauberei gleichzusetzten ist, ist immer wieder reizvoll und wird jeden Phantastik-Freund begeistern.

Copyright © 2011 Petra Weddehage (PW)

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ZUM SFBASAR.DE-PREISRÄTSEL/GEWINNSPIEL: 3 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Tom Veitch/Cam Kennedy/Jim Baikie – Star Wars Essentials 2: Das Dunkle Imperium II.

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BUCHREZENSION: Kôji Suzuki – The Ring. Das Buch zum 1. Teil der Horrorfilmreihe!

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. September 2011

Kôji Suzuki
The Ring

(sfbentry)
Originaltitel: Ring (Tokio : Kadokawa Shoten Publishing Co., Ltd. 1991)
Übersetzung: N. N.
Deutsche Erstausgabe: 2002 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 01/13741)
301 S.
ISBN-13: 978-3-453-86679-9

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Das geschieht:

Tokio 1989: Journalist Asakawa Kazuyuki stolpert durch einen Zufall über die Story seines Lebens. Ein Taxifahrer erzählt ihm von einem jungen Mann, der vor seinen Augen wie vom Blitz getroffen starb. Das gleiche Schicksal hat jüngst eine Nichte Kazuyukis getroffen – sie fand ihr Ende sogar in genau dieser Nacht. Ebenso traf es zwei weitere Jugendliche. Sie alle fürchteten sich offenbar zu Tode, und sie alle kannten sich!

Der Journalist ermittelt, dass sich das Quartett in der Woche vor dem Ende in einer Ferienhauskolonie an der Küste eingemietet hatte. Kazuyuki schaut sich um in der kleinen Hütte, kann aber nur ein unscheinbares Videoband entdecken, das er sich selbstverständlich sogleich anschaut. Der Inhalt: eine Folge wirrer aber beängstigender Sequenzen, gefolgt von der Warnung, der Zuschauer sei binnen einer Woche tot, wenn er nicht … Genau an dieser entscheidenden Stelle bricht das Video ab.

Kazuyuki ist beeindruckt, zumal er spürt, dass die gerade vernommene Drohung keineswegs leer ist. In seiner Not sucht er die Hilfe seines alten Freundes Ryuji Takahama, der ein genialer Philosoph und Gelehrter ist, welcher in seiner Freizeit gern junge Frauen vergewaltigt. Auch dieser betrachtet das Video und sitzt nun mit im Boot. Eine Woche bleiben ihm und Kazuyuki sich zu retten. Letzterer gerät in Panik, als er entdecken muss, dass seine neugierige Gattin heimlich den Rekorder in Gang gesetzt hat und dabei die Baby-Tochter auf dem Schoß hielt … Der Fluch wird auch diese beiden treffen, wenn Kazuyuki nicht vor Ablauf der Frist des Rätsels Lösung findet.

Die unbarmherzig tickende Uhr im Nacken kommen Kazuyuki und Takahama der unglaublichen Geschichte der Sadako Yamamura auf die Spur. Das Drama um die hellseherisch begabte, aber vom Unglück verfolgte Frau liegt schon Jahrzehnte zurück, aber was ihr geschah, rechtfertigt durchaus einen Hass auf die Menschheit, den selbst der Tod nicht beenden kann …

Geist im Wettlauf mit der Werbung

Es war einmal … ein eigentlich gutes Mädchen, das die Schlechtigkeit der Welt in eine böse Hexe verwandelte, die einfach nicht endgültig unter die Erde zu bringen ist; weil sie sich in Japan nicht ausgelastet fühlt, wechselt sie manchmal in die USA, wo sie das alte Spiel mit neuen Pechvögeln treibt.

Der (inzwischen abgeklungene) Rummel um die „Ring“-Romane und vor allem Filme war und ist vor allem ein Produkt der Werbung und der Medien. Wie immer stürzen sich ihre Vertreter wie die Geier darauf, was leichte Beute zu sein scheint und viel, viel Geld einbringen könnte. In diesem Fall war es die in Japan zum Horror-Tipp heranwachsende Geschichte eines verwünschten Videobandes, das den Kern zum Untergang der Menschheit beinhalten könnte. Die „Ring“-Saga ist inzwischen (welches Unwort!) ‚Kult‘ geworden und bewegt sich weiter auf die Endstation „moderner Mythos“ zu. Ist er erreicht (womöglich ist dies längst geschehen), läuft die „Ring“-Welt (und das Franchise-Geschäft) à la „Star Trek“ erst einmal von allein.

Dabei fragt man sich, was den „Ring“ so besonders werden ließ. Objektiv betrachtet lesen wir ‚nur‘ einen gut geschriebenen Gruselroman. Der Schauplatz mag uns europäischen Lesern etwas fremd sein, aber die Geschichte ist es sicher nicht. Rächender Spuk, verwunschene Grabstätten, tödliche Flüche: Das ist wahrlich wenig originell.

Simpel aber konsequent

Aber es sind Elemente des Horrors, die immer funktionieren, wenn man sie nur zu mischen weiß. Das gelingt Verfasser Suzuki sicherlich. Er geht ganz einfach vor (was stets eine gute Idee ist) und legt „Ring“ über weite Strecken fast dokumentarisch an. Die Suche nach der Geschichte hinter dem Videoband füllt viele Seiten. Wir verfolgen eine simple Suche, die immer wieder in Sackgassen endet, hier und da ein Puzzlesteinchen zum anderen trägt, bis sich schließlich das Gesamtbild fügt. Solche Detektiv-Geschichten fesseln immer; sie sind sogar interessanter als das Ergebnis, das zwangsläufig enttäuschen muss: Noch ein böser Geist, der einen Dreh gefunden hat, es seinen Peinigern heimzuzahlen. Wäre da nicht Suzukis Gag, dem eigentlichen Spuk einen apokalyptischen Beifahrer aufzusatteln, hätte der „Ring“-Mythos wohl kaum eine Chance gehabt sich zu entwickeln.

Offen muss bleiben, was denn Suzuki zum „japanischen Stephen King“ machen soll. Anscheinend reicht es heute bereits, einen handwerklich sauber gedrechselten Horror-Roman vorzulegen, um mit diesem Ehrentitel versehen zu werden. Die ‚Qualität‘ der meisten Genre-Geschichten legt diesen Verdacht jedenfalls nahe.

Grusel mit realer Wurzel

In Japan gab es wie in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen regelrechten Siegeszug des Okkultismus. Suzuki hat sich für seinen „Ring“ reichlich aus dieser Geschichte bedient, was ihre Stimmigkeit sicherlich unterstützt. Sogar für Sadako Yamamura gibt es eine historische Vorlage. Und wer glaubt, dass es ungebräuchlich ist, sich in einen Vulkan zu stürzen, darf sich wundern: Mehr als 300 Personen haben sich im Laufe der Zeit in den Krater des Mihara geworfen.

Erstaunen erregt beim westlichen Leser die noch heute offensichtlich ausgeprägte japanische Affinität zur Welt der Geister. Der erwähnte Mr. King hätte viele hundert Seiten mit Text füllen müssen, bis seine aufgeklärten Landsleute begriffen und akzeptiert hätten, dass es irgendwo spukt. Kazuyuki und seine Gefährten, Kinder des aufgeklärten 20. Jahrhunderts, wissen sofort, dass es umgeht, und stellen sich darauf ein. Das irritiert bei der Lektüre, aber es beschleunigt natürlich aufs Tempo – „Ring“ ist ein Roman ohne Langatmigkeit.

Spuk in einer exotischen Kultur

Japaner sind anders … Diese drei Worte bilden eventuell den Schlüssel zu einer Kritik, die man im Zusammenhang mit dem „Ring“-Roman immer wieder finden kann: Alle Beteiligten des Spektakels seien im Grunde ziemlich unsympathisch. Das trifft nicht nur auf den Feierabend-Frauenschänder Takahama zu (Dieses Detail ließ Hollywood bei der US-„Ring“-Verfilmung von 2002 besonders schleunigst unter den Tisch fallen), sondern fast noch mehr auf Asakawa Kazuyuki. Er deckt nicht nur seinen kriminellen Freund, er ist auch sonst ein seltsamer Zeitgenosse. Seine Familie liebe er über alle Maßen, behauptet er mehr als einmal. Trotzdem ist er so gut wie niemals zu Hause bei Weib und Kind, selbst wenn er nicht von Dämonen gejagt wird. Niemand scheint dies für ungewöhnlich zu halten; besagtes Weib übrigens auch nicht. Die Arbeit geht halt vor im Land der aufgehenden Sonne!

Die liebe Gattin hinterlässt ohnehin – es sei an dieser Stelle politisch unkorrekt ausgesprochen – einen ziemlich trantütigen Eindruck. Dass Kazuyuki so um ihr Schicksal besorgt ist, kann man ihm kaum nachfühlen. Seinen Kumpel Takahama scheint er jedenfalls öfter (und lieber) zu sehen als die eigene Ehefrau.

Sehr gut hat Suzuki begriffen, dass er mit seinem Gespenst geizen muss. Sadako Yamamura greift niemals direkt in die Handlung ein. Wir erfahren nur Bruchstücke über ihr Leben, die uns aus den Mündern Dritter erreichen; ein kluger Kunstgriff, denn nichts ernüchtert in einer Horrorgeschichte normalerweise stärker als der Auftritt des Monsters, das unter Umständen auch noch langatmig seine Beweggründe erörtert. Sadako bleibt mysteriös, tragisch – und bösartig.

Autor

Kôji Suzuki, der „Stephen King aus Japan“ (ein Etikett der Werbestrategen) wurde 1957 in Hamamatsu (Präfektur Shizuoka) geboren. Bereits in jungen Jahren begann er zu schreiben und gewann 1990 als Absolvent der Keio University in Tokio einen (japanischen) „Fantasy Novel Award“ für seinen Roman „Rakuen“, was aber seiner dümpelnden Karriere kaum Auftrieb gab. Das änderte sich erst, als Suzuki 1991 die Welt der Phantastik um ein verfluchtes Videoband bereicherte: Die „Ring“-Saga war geboren. Aus einem Geheimtipp wurde Gruselvolkes Eigentum, als Regisseur Hideo Nakata 1998 den Roman verfilmte. Trotz vieler Veränderungen wurde „Ring“ zum Erfolg, der selbstverständlich mehrfach fortgesetzt wurde sowie die übliche verwässerte Hollywood-Interpretation erfuhr.

Suzuki selbst erweiterte den „Ring“-Erstling zur Romantrilogie, der er noch einen vierten Band mit Kurzgeschichten folgen ließ. Acht Millionen Exemplare soll er inzwischen verkauft haben, was zweifellos auch der geschickten Vermarktung zu verdanken ist: Suzukis Werke sind als Buch, Film und Manga quasi allgegenwärtig.

Titel bei Booklooker.de
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Die „Ring“-Saga von Kôji Suzuki

(1991) The Ring (The Ring) – Heyne TB Nr. 01/13741
(1995) The Ring II – Spiral (The Ring II: Rasen) – Heyne TB Nr. 01/13918
(1998) The Ring III – Loop (The Ring III: Loop) – Heyne TB Nr. 01/14007
(1999) The Ring 0 – Birthday (The Ring 0: Birthday) – Heyne TB Nr. 01/14132

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BUCHREZENSION: Roman Sander (Hg.) – Holmes und der Kannibale. Buchanthologie mit Abenteuern der bekannten Filmfigur!

Erstellt von Detlef Hedderich am 15. September 2011

Roman Sander (Hg.)
Holmes und der Kannibale

(sfbentry)
Originalausgabe = dt. Erstausgabe (Paperback): Juni 2005 (Blitz Verlag/Sherlock Holmes Criminal Bibliothek 2)
189 S.
Übersetzer: Martin Baresch, J. Eden
ISBN-13: 978-3-89840-212-5

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Inhalt

Fünf moderne Erzählungen um das klassische Gespann Sherlock Holmes und Dr. Watson:

- Gary Lovisi: Holmes und der Kannibale (The Loss of the British Bark Sophy Anderson, 1992), S. 7-57: Im winterlichen London des Jahres 1887 verfolgen Holmes & Watson einen Menschen fressenden Serienmörder, der als Schiffbrüchiger auf den Geschmack gekommen ist.

- Gary Lovisi: Mycrofts großes Spiel (Mycroft’s Great Game, 2003), S. 59-95: Im Frühjahr des Jahres 1891 sieht sich Mycroft Holmes zum Wohle des britischen Empire gezwungen, seinen Bruder Sherlock auf eine falsche Fährte zu locken, die diesen ausgerechnet in die Arme seiner Erzfeinde laufen lässt.

- Barrie Roberts: Das Rätsel des Addleton-Fluches (The Mystery of the Addleton Curse, 1997), S. 97-129: Ein altes Grab birgt ein wahrlich strahlendes Geheimnis, das Unglück und Tod über den bringt, der es aufzudecken wagt; erst Sherlock Holmes, der nicht an das Übernatürliche glaubt, kommt dem Rätsel auf die Spur.

- Martin Baresch: Das späte Geständnis im Mordfall Mary Watson (2003), S. 131-157: Im Frühsommer des Jahres 1912 wird Sherlock Holmes in seinem Altersruhesitz in Sussex von der lange verdrängten Wahrheit überfallen, dass die Mary, die geliebte Gattin seines Gefährten Dr. Watson von zwanzig Jahren einem Mord zum Opfer fiel, in den beide Freunde verwickelt sein könnten.

- Geoffrey Landis: Die einzigartigen Verhaltensmuster der Wespen (The Singular Habits of Wasps, 1994), S. 159-186: Im Frühjahr 1888 treibt in den Gassen von Whitechapel Jack the Ripper sein Unwesen, den Sherlock Holmes als wahrlich unmenschliche Geißel der Menschheit entlarvt.

(Storynachweis: S. 187; Die Autoren: S. 188/89)

Sherlock Holmes reloaded

Arthur Conan Doyle hätte sich gewundert – und geärgert. In einer der hier versammelten ‚neuen‘ Geschichten lässt ihn der Verfasser persönlich auftreten und erklären, ihm seien seine historischen Werke stets wichtiger gewesen als die Holmes-Storys, die er eher als (einträgliche) Gedankenspielereien betrachte. Dies entspricht der Wirklichkeit, doch leider (oder glücklicherweise) war und ist das Publikum störrisch und urteilt nach eigenem Ermessen. So liest heute kaum mehr jemand Doyles Lieblingsbücher, während Sherlock Holmes triumphiert.

Er ist ohnehin auf seinen geistigen Vater schon lange nicht mehr angewiesen. Noch zu Doyles Lebzeiten entstanden die ersten Holmes-Pastichés im Stil des Meisters. Nach 1930 nahm deren Zahl beständig zu. Doyles Geschichten vom Meisterdetektiv sind formal wie inhaltlich recht einfach strukturiert und leicht nachzuahmen (oder zu parodieren). Ehrfürchtig oder spottlustig versuchten sich auf der ganzen Welt Autoren an Sherlock Holmes. Bemerkenswertes und Eigenartiges entstand dabei – Holmes-Geschichten, die das Original übertrafen, es geschickt oder plump imitierten, mit ihm spielten und den starren Formeln neues Leben einhauchten.

Nur keine falsche Ehrfurcht vor dem Original!

In „Holmes und der Kannibale“ finden wir sämtliche Varianten. Gary Lovisi belegt mit den beiden ersten Storys das Wider und Für einer Holmes-Nachschöpfung. Die Titelgeschichte ist Doyle pur: die fast ängstliche Rekonstruktion einer Erzählung à la „Der Vampir von Sussex“, die Holmes auf das (vermeintlich) Übernatürliche, auf jeden Fall aber viktorianisch Erschröckliche treffen lassen. „Holmes und der Kannibale“ soll wirken wie Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Ob dies Lovisi, dem Verfasser, gelungen ist, muss offen bleiben. Der Übersetzer war seiner Aufgabe jedenfalls nur zum Teil gewachsen – das Bemühen ums nostalgisch Altmodische bleibt allzu spürbar in der steifen Mischung aus Altem und Neuem.

Lovisi selbst belegt, wie man es besser macht: „Mycrofts großes Spiel“, einerseits die flotte und gelungene Neuinterpretation einiger zentraler Holmes-Klassiker, ist andererseits keine Geschichte, die Doyle selbst hätte schreiben können und wollen. Sie entstand in wissender Rückschau auf die historischen Verhältnisse um 1890. Doyle hätte Mycroft niemals als skrupellosen Zweckpolitiker dargestellt, der planmäßig illegale und unehrenhafte Methoden zur Sicherung des Empires einsetzt und sogar seinen Bruder betrügt. Doyle glaubte fest an die Rechtmäßigkeit des Systems (dessen Schattenseiten ihm freilich nicht fremd waren).

Ungewohnte Töne im Holmes-Kanon

Außerdem hielt sich Doyle an einen strengen moralischen Kodex. Nicht von ungefähr ließ er Holmes nie gegen Jack the Ripper antreten, obwohl die beiden schließlich Zeitgenossen waren. Dies blieb Doyles Nachfolgern überlassen. In diesem Band ist es Geoffrey Landis, der sich des Ripper-Motivs bedient – freilich auf recht unerwartete Weise. (Michael Dibdin zeigte da 1978 weniger Zurückhaltung und identifizierte in „The Last Sherlock Holmes Story“ – dt. „Der letzte Sherlock-Holmes-Roman“ – den völlig wahnsinnig gewordenen Meisterdetektiv selbst als Ripper …)

Auch „Das Rätsel des Addleton-Fluches“ würde ohne die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaft als Story nicht funktionieren. Der Leser der Jetztzeit kennt schon nach wenigen Seiten die Lösung des Rätsels. Nun liegt der eigentliche Reiz darin zu beobachten, wie Sherlock Holmes in Unkenntnis der Fakten die Indizien zu einem Bild zusammensetzt, das ihn nachvollziehbar logisch darauf schließen lässt, was sich in dem alten Grab verbirgt. Darüber hinaus wartet „Das Rätsel des Addleton-Fluches“ mit einer hübschen Schaueratmosphäre in winterlicher Mooreinöde auf, die schon den „Hund der Baskervilles“ eindrucksvoll zur Geltung brachte.

Meisterdetektiv in erstaunlichen Begegnungen

Mit Martin Baresch (der auch zwei der hier besprochenen Geschichten übersetzte) versuchte sich ein deutscher Autor an Sherlock Holmes. „Das späte Geständnis im Mordfall Mary Watson“ kann sich sehen bzw. lesen lassen, auch wenn die Auflösung der (unnötig) kompliziert verschachtelten Handlung nur bedingt gerecht wird. Schon die Prämisse stimmt nachdenklich: Ausgerechnet Sherlock Holmes soll einen Nervenschock erlitten haben, der sich erst nach zwei Jahrzehnten zu lösen beginnt? Zwar geht es um den Mord an Watsons Ehefrau, den unter anderen Verdächtigen auch Holmes selbst begangen haben könnte. Dennoch ist ihm in seiner wechselvollen Karriere wesentlich Schlimmeres ohne gravierende Folgen zugestoßen. Mycroft Holmes und Arthur Conan Doyle werden eher schlecht als recht in den Plot gezwungen. Und schließlich: Ist Watson wirklich so tumb, dass er sich beim Anblick seiner von Bienen zerstochenen Gattin mit der Diagnose „Lungenkollaps“ zufrieden gegeben hätte?

Geoffrey Landis lässt jede Ehrfurcht vor den alten Formen fahren. „Die einzigartigen Verhaltensmuster der Wespen“ ist pure Spielerei, welche die Regeln der kriminalistischen Deduktion außen vor lässt und Holmes & Watson in eine Science-Fiction-Invasion außerirdischer „Schlupfwespen“ geraten lässt. Bei der wilden, blutigen Jagd, in der Holmes unfreiwillig die Rolle von Jack the Ripper übernehmen muss, werden unsere Helden von einem angehenden jungen Schriftsteller namens H. G. Wells unterstützt, der seine Erfahrungen 1897 in einen Romanbestseller namens „Krieg der Welten“ einfließen lassen wird – ein hübscher Gag am Rande, der die pseudohistorische Relevanz, die vielen Neo-Doyles sehr wichtig ist, zusätzlich ad absurdum führt.

Anmerkung

Normalerweise versorgt der Blitz Verlag ein einschlägiges Publikum mit SF- und Horrortrash, Zwischen diesem liebenswerten Unfug verstecken sich einige Reihen, die nicht nur anspruchsvoller wirken, sondern es sogar sind. Die „Sherlock Holmes Criminal Bibliothek“ bzw. „Sherlock Holmes Hardcover“ präsentieren ausschließlich neue Holmes-Romane und Story-Sammlungen. Das Layout ist hübsch nostalgisch, der Kaufpreis beläuft günstig. Unter diesen Umständen kann der Sherlock-Holmes-Fan praktisch nichts falsch machen, wenn er hier zugreift.

[md]

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