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BUCHREZENSION: Richard Matheson – Ich bin Legende. „I am Legend“ wurde bereits dreimal verfilmt. „The Last Man on Earth“ war 1964 ein eher trashiger Streifen, inszeniert vom nicht weiter bekannt gewordenen italienischen Regisseur Ubaldo Ragona.

Erstellt von Detlef Hedderich am 29. Oktober 2011

Richard Matheson
Ich bin Legende

(sfbentry)
Originaltitel: I Am Legend (New York : Fawcett 1954/London : Corgi 1956)
Deutsche Erstausgabe (gekürzt u. unter dem Titel „Ich, der letzte Mensch“): 1963 (Wilhelm Heyne Verlag/TB Nr. 266)
Übersetzung: Werner Gronwald
152 S.
[keine ISBN]

(Ungekürzte) Neuausgabe: 1982 (Wilhelm Heyne Verlag/Bibliothek der SF Literatur 12)
Übersetzung: Lore Strassl
219 S.
ISBN-10: 3-453-30803-4
Originaltitel der erweiterten Fassung: I Am Legend (New York : Orb Books 1995)
Deutsche Erstausgabe: Januar 2008 (Wilhelm Heyne Verlag/Heyne TB Nr. 50155)
Übersetzung: Lore Strassl u. Ralf Schmitz
399 S.
ISBN-13: 978-3-453-50155-3

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Das geschieht:

Die Zivilisation ist ausgelöscht, nachdem eine weltweit wütende Epidemie die Menschen in Vampire verwandelt hat, die im Schutz der Nacht durch die leeren Städte streifen. In New York scheint nur Robert Neville überlebt zu haben. Er hat sich in seinem Haus verbarrikadiert, denn die Vampire wissen von seiner Existenz. Allabendlich versammeln sie sich um Nevilles Festung und versuchen einzudringen, denn sie gieren nach seinem Blut. Außerdem wollen sie Rache, denn tagsüber, wenn sie hilflos in düsteren Verstecken liegen, sucht und pfählt Neville sie.

Obwohl er sich seiner Haut zu wehren weiß, beginnt Neville unter dem Stress und der Einsamkeit zusammenzubrechen. In seiner Verzweiflung beginnt er sich abzulenken, indem er die Seuche zu entschlüsseln versucht. Viele Rückschläge machen ihm zu schaffen, aber allmählich erkennt er die Natur seiner Gegner. Kann er womöglich ein Gegenmittel entwickeln und die Vampire in Menschen zurückverwandeln?

Als seine Forschungen das theoretische Stadium verlassen, muss Neville sich unter den Vampiren nach geeigneten Versuchskaninchen umschauen. Seine Aktivitäten bleiben keineswegs unbemerkt, denn nicht alle Untoten haben ihre Intelligenz verloren, und sie sind es leid, sich jagen und töten zu lassen …

Alter Mythos wird neu belebt

Gestalt und Wesen des Vampirs waren seit 1897 quasi in Stein gemeißelt. Bram Stoker hatte in „Dracula“ das ‚Wissen‘ um die blutrünstigen Wiedergänger zusammengetragen und scheinbar das letzte Wort gesprochen. An seiner Darstellung orientierten sich die meisten Autoren, die nach ihm Vampirgeschichten schrieben. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde der untote transsilvanische Edelmanns im Frack und samtrot gefütterten Umhang allerdings zunehmend anachronistisch. Zwei Weltkriege stellten nicht nur für Vampire eine Zäsur dar: Vor allem nach 1945 wurde auch das literarische Grauen ungeschminkt und schmutzig.

Richard Matheson versuchte Anfang der 1950er Jahre den Vampir-Mythos zu aktualisieren. Er war damit weder der erste noch der einzige Autor, aber er war so erfolgreich, dass „Ich bin Legende“ zu einem Klassiker wurde, dessen Rang mit „Dracula“ vergleichbar ist.

Es mag blasphemisch klingen, doch Matheson ist zudem der bessere Schriftsteller. Während Stokers Roman sich bei aller Unterhaltsamkeit als strukturschwach erweist, ist „Ich bin Legende“ ein ökonomisch durchkomponiertes Werk ohne Abschweifungen und Ballast. 200 Seiten genügen Matheson, das gesteckte Ziel zu erreichen. Sogar Stephen King, der dem Mythos 1978 mit „Salem’s Lot“ (dt. „Brennen muss Salem“) erneut aktualisierte, benötigte mehr als den doppelten Seitenumfang.

Die Handlung ist spannend, obwohl Matheson anders als in den Verfilmungen seines Buches (s. u.) kein besonderes Gewicht auf die Darstellung einer verödeten, menschenleeren Welt legt. Das Geschehen spielt sich vor allem in und um Nevilles zur Festung umgebauten Haus ab. Geschickt bringt Matheson den Untergang der Menschheit in eingeschobenen Rückblicken zur Sprache. Diese bleiben Fragmente, aus denen sich der Leser sein eigenes Bild von den Ereignissen schaffen muss.

Große Mühe gibt sich Matheson damit, den Vampir-Mythos ‚wissenschaftlich‘ zu begründen. Er verhehlt dabei nicht die Schwierigkeit, möglicherweise biologische Aspekte – Blutdurst, Sonnenlicht-Phobie, relative Unverwundbarkeit – mit eher psychologischen Elementen – Angst vor dem Kreuz und vor Spiegeln, Tod durch Pfählen, Schlaf in Graberde – in Einklang zu bringen. Mit einigen Tricks gelingt es, doch stellt sich heraus, dass Neville seine Kenntnisse rein gar nichts nützen.

Cover der dt. Erstausgabe (Sammlung md)

Die Prüfung der Einsamkeit

„Ich bin Legende“ bleibt vor allem auch deshalb im Gedächtnis, weil die Vampire die meiste Zeit nur eine Nebenrolle spielen. Im Mittelpunkt steht die Geschichte des letzten Menschen auf Erden. Auch das ist kein Sujet, das Matheson erfunden hätte; schon Mary W. Shelley, die den „Frankenstein“ schuf, schrieb 1826 den Roman „The Last Man“ (dt. „Verney, der letzte Mensch“). Die Leiden und Erlebnisse des Robert Neville wurden durch die ernüchternden Erfahrungen des noch nahen II. Weltkriegs geprägt. Er droht nicht nur an der Einsamkeit zu zerbrechen: Ihn bedrückt auch die ‚Schuld‘ des Überlebenden, der sich fragt, wieso gerade er verschont blieb.

Deutlich angesprochen wird auch der sexuelle Notstand. Er bringt Neville mehrfach in Situationen, die ihn ganz und gar nicht wie einen klassischen Helden wirken lassen; nicht umsonst betont der Verfasser seine seltsame Vorliebe für das Pfählen. Auch fragt sich Neville selbst, wieso er für seine Untersuchungen und Versuche stets weibliche Vampire wählt.

Generell scheut Matheson nie davor zurück, Nevilles Schwäche deutlich werden zu lassen. Er ist ein Mensch, der sich einer Herausforderung stellt, wenn und weil ihm keine Alternative bleibt. Das gelingt nur allmählich. Zunächst benimmt sich Neville zunehmend irrationaler, verfällt zeitweise dem Alkohol, zeigt selbstmörderische Tendenzen. Eine anrührende Szene zeigt ihn im unermüdlichen Versuch, die Freundschaft eines streunenden Hundes zu gewinnen. Sein Überlebenswille ist letztlich siegreich, aber Neville zahlt einen hohen Preis.

Wer ist das Monster?

Mathesons Roman umfasst einen Zeitraum von drei Jahren. In dieser Spanne entwickelt sich Neville deutlich weiter. Er überwindet seine Trauer, seine Ängste und seine Einsamkeit, lernt sich mit seinen Seelennöten zu arrangieren. Scheinbar findet er seinen Frieden und seine Nische in der veränderten Welt. Tatsächlich ist dies seine größte Täuschung.

Die Natur heilt sich selbst, was den Menschen einschließt. Neville verfügt nicht über das intellektuelle Potenzial, um zu erkennen, dass die Vampire die Zukunft der Menschheit darstellen, weil sie sich verändern, anpassen und den Grundstein einer neuen Zivilisation legen. Plötzlich ist Neville der Anachronismus – der Mensch hat die Rolle des Vampirs eingenommen, der die Gemeinschaft heimsucht. Neville wird zur gefürchteten Legende, die dem Neubeginn im Weg steht: Dies ist das starke, weil konsequente, das übliche Happy-End aussparende Finale.

Cover der Neuausgabe von 1982

„Ich bin Legende“ im Film

Obwohl Richard Matheson zu den Großmeistern der Phantastik gehört, wird sein Werk in Deutschland schmählich vernachlässigt. Seine klassischen Titel werden manchmal aufgelegt, wenn eine Neuverfilmung ansteht. Glücklicherweise ist das oft der Fall, da zumindest in den USA Mathesons Qualitäten als Erzähler spannender Geschichten mit Niveau gewürdigt werden.

„I am Legend“ wurde bereits dreimal verfilmt. „The Last Man on Earth“ war 1964 ein eher trashiger Streifen, inszeniert vom nicht weiter bekannt gewordenen italienischen Regisseur Ubaldo Ragona. Dieser Film kann durch die Besetzung der Hauptrolle mit dem wie üblich hervorragend aufspielenden Vincent Price einen gewissen Unterhaltungswert beanspruchen.

Das Remake von 1971 gehört zu den Klassikern des phantastischen Films: Charlton Heston spielte unter der Regie des Routiniers Boris Sagal den „Omega Man“. Vor allem die Szenen in einem menschenleeren New York blieben im Gedächtnis. Sie inspirierten sichtlich die Neuverfilmung von 2007, die einen in seiner Rolle nicht unbedingt bemerkenswerten Will Smith präsentierte und Tragik mit Pathos gleichsetzte, was beides offenkundig den Geschmack des aktuellen Publikums traf; „I Am Legend“ gehörte zu den Blockbustern des Jahres und führte – hier schließt sich der Kreis auf erfreuliche Weise – zur Neuausgabe der gedruckten Vorlage.

Das Buch mit dem Bonus

Für die Leser gibt es einen unerwarteten Bonus. Erfreulicherweise griff man auch in Deutschland auf eine US-Fassung von 1995 zurück, die nicht nur den Roman, sondern zusätzlich zehn Kurzgeschichten enthält:

- Verborgene Talente (Buried Talents, 1987), S. 208-217: Sein Leben lang hat der alte Mann auf dem Rummelplatz seine Kunden betrogen – jetzt legt er sich mit dem Falschen an.

- Der unlängst Verschiedene (The Near Departed, 1987), S. 218-220: Ein umsichtiger Mörder regelt die Bestattung des Opfers, bevor er zur Tat schreitet.

- Beute (Prey, 1969), S. 221-239: Die dämonisch beseelte Puppe eines afrikanischen Jägers bringt erst Schrecken und dann Tod über eine amerikanische Durchschnittsfamilie.

- Hexenkrieg (Witch War, 1951/1979), S. 240-247: In einem zukünftigen Krieg werden die Schlachten unter Einsatz magischer Kräfte geschlagen.

- Totentanz (Dance of the Dead, 1954/1982), S. 248-269: Manche Zombies können tanzen, aber gewisse unschöne Angewohnheiten legen sie deshalb keineswegs ab.

- Ein weißes Seidenkleid (Dress of White Silk, 1951/1979), S. 270-276: Mama ist nicht ganz von dieser Welt, und ihre Tochter kommt sehr nach ihr.

- Irrenhaus (Mad House, 1952/1980), S. 277-323: Dieses Haus ist eine Batterie des Bösen, und sein Bewohner, ein Wüterich, lädt es auf – bis zum Bersten.

- Die Bestattungsfeier (The Funeral, 1955/1983), S. 324-336: Geschäft ist Geschäft, und so arbeitet Bestatter Silkline auch für Vampire und andere Kreaturen der Nacht.

- Aus dem Schatten (From Shadowed Places, 1960/1988), S. 337-368: Wer den Fluch eines bösartigen Zauberers zu brechen versucht, riskiert mehr als das eigene Leben.

- Von Mensch zu Mensch (Person to Person, 1989), S. 369-398: Ist es klug ein Gespräch entgegenzunehmen, wenn das Telefon nur in deinem Kopf existiert?

Witz mit Biss, Tragik ohne Sentimentalitäten

Diese Storys zeigen Matheson als professionellen Geschichtenerzähler, der sich wenig um Genregrenzen kümmert und dessen kurze Werke erstaunlich oft ein erstaunliches Niveau erreichen. „Der unlängst Verschiedene“ und „Die Bestattungsfeier“ sind strikt auf die Schlusspointe ausgerichtet: gelungene Späße, die auch heute noch ankommen. „Beute“ und „Aus dem Schatten“ bieten klassische Action voller Spannung und Tempo, auch wenn sich über Mathesons Interpretation der weiblichen Psyche inzwischen eine ordentliche Staubschicht gelegt hat …

Die verbleibenden sechs Geschichten sind kleine Meisterwerke des Mysteriösen. Sie lassen auch dem Laien deutlich werden, dass es ohne Richard Matheson womöglich keinen Stephen King geben würde. „Ein weißes Seidenkleid“ oder „Von Mensch zu Mensch“ klingen wie von King verfasst und sind doch schon vor vielen Jahrzehnten entstanden. Tatsächlich prägte Matheson ganze Generationen junger Schriftsteller, die genau erfassten, was sein Werk auszeichnet: Bemerkenswerte Ideen werden nicht von Figuren durchgespielt, sondern von Menschen aus Fleisch und Blut durchlebt und durchlitten.

Matheson beeindruckt durch seine Fähigkeit, Gefühle wie Angst, Zorn oder Verzweiflung förmlich greifbar werden zu lassen. „Irrenhaus“ ist ein einziger Parforceritt durch Seele und Hirn eines haltlosen Cholerikers, der den eigenen Launen ebenso hilflos ausgeliefert ist wie seine Mitmenschen. Ähnlich genial ist „Von Mensch zu Mensch“, weil Matheson uns über die gesamte Distanz in derselben Angst und Unsicherheit schweben lässt wie seinen unglücklichen Protagonisten. „Hexenkrieg“ llebt von dem Kontrast zwischen detailliert geschilderten Gräueln und den Mädchen, die diese mit der unbekümmerten Grausamkeit ihrer Jugend entfesseln.

„Verborgene Talente“ gehört zu den Geschichten, die ihre Leser ratlos zurücklassen und langes Nachdenken erfordern, um den Subtext zu entschlüsseln (1). Die endgültige Interpretation bleibt ihm überlassen. In „Totentanz“ setzt Matheson trügerisch vordergründige Gruseleffekte ein und lässt den eigentlichen Schrecken fast zwischen den Zeilen verschwinden.

Klappt man dieses Buch nach der Lektüre zu, weiß man genau, wieso Richard Matheson in der Phantastik einen Spitzen- und Ehrenplatz einnimmt: als Schriftsteller und als Quelle der Inspiration für viele andere Autoren, die sein Werk studiert und verinnerlicht haben, um es fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

Autor

Richard Burton Matheson wurde am 20. Februar 1926 in Allendale (US-Staat New Jersey). Er studierte Journalismus an der University of Missouri, arbeitete jedoch hauptberuflich als Schriftsteller. Die nach dem II. Weltkrieg erneut boomende Magazin-Szene bot einem schnellen und professionellen Autoren kein üppiges aber ein ausreichendes Auskommen. Matheson lernte rasch, sich diesem Markt anzupassen. Schon 1950 gelang ihm mit der Story „Born of Man and Woman“ (dt. „Menschenkind“), veröffentlicht im „Magazine of Fantasy & Science Fiction“, der Durchbruch. Matheson machte sich einen Namen durch das Geschick, mit dem er die Genres SF und Horror miteinander kombinierte. Sein Romanerstling wurde 1953 jedoch ein Krimi („Fury on Friday“). Auch diverse Western-Storys hat Matheson veröffentlicht.

1954 erschien „I Am Legend“ (dt. „Ich, der letzte Mensch“ bzw. „Ich bin Legende“), 1956 „The Shrinking Man“ (dt. „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C.“), 1958 „A Stir of Echoes“ (dt. „Echos“). Mit diesen drei Romanen zementierte Matheson seinen Ruf. Sie wurden sämtlich verfilmt. Zu „The Shrinking Man“ schrieb er selbst das Drehbuch und fasste auf diese Weise auch in Hollywood Fuß. In den nächsten Jahrzehnten bereicherte er die Kino- und Fernsehwelt mit innovativen Drehbüchern, für die er zahlreiche Preise einheimsen konnte. In den 1990er Jahren konzentrierte sich Matheson wieder stärker auf seine schriftstellerische Arbeit und legt seither wieder regelmäßig neue Romane vor. Seit 1951 lebt er in Kalifornien.

(1) Spoilerartige Anmerkung; kann übersprungen werden

Da ich glaube, dass der Teufel Besseres zu tun hat, als höchstpersönlich einen kleinen Rummelplatz-Betrüger zu züchtigen, neige ich zur Deutung, ein mental maroder Mutant habe dem Pechvogel einige scharfe & spitze Messer in den Leib teleportiert.

[md]

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Ellery Queen – Sherlock Holmes und Jack the Ripper. Eine Studie des Schreckens. Roman mit den beiden bekannten Filmfiguren!

Erstellt von Detlef Hedderich am 27. Oktober 2011

Ellery Queen
Sherlock Holmes und Jack the Ripper
Eine Studie des Schreckens

(sfbentry)
Originaltitel: A Study in Terror (New York : Lancer Books, Inc. 1967)
Deutsche Erstausgabe (als „Sherlock Holmes gegen Jack the Ripper“): 1967 (Ullstein Verlag/Ullstein Krimi 1114)
Übersetzung: N. N.
155 S.
[keine ISBN]
Neuausgabe: 1989 (DuMont Verlag/DuMont’s Kriminal-Bibliothek Nr. 1017)
Übersetzung: Manfred Allié
203 Seiten
ISBN-13: 978-3-7701-2188-5

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Titel bei Amazon.de (DuMont-Ausgabe)
Titel bei Amazon.de (Ullstein-Ausgabe)

Das geschieht:

London im Spätherbst des Jahres 1888 zittert vor Jack the Ripper, dem unheimlichen Serienmörder, der seine weiblichen Opfer in infernalischer Rage in Stücke schneidet. Seltsamerweise kümmert sich ausgerechnet ein Mann, der dem Psychopathen die Stirn bieten könnte, nicht um dessen Untaten. Meisterdetektiv Sherlock Holmes steht auf dem Standpunkt, dass der geistesgestörte Schlächter eher früher als später der Polizei in die Arme laufen wird.

Aber Holmes wird herausgefordert. Anonym schickt man ihm ein kostbares Operationsbesteck ins Haus – das Skalpell fehlt. Die Ermittlungen führen Holmes und den getreuen Dr. Watson in das vornehme Haus des Herzogs von Shires. Dieser erkennt die Instrumente als Besitz seines missratenen Sohnes. Nachdem Michael in Paris, wo er angeblich Medizin studierte, eine Dame von üblem Ruf geehelicht hatte, wurde er vom Vater verstoßen. Kurz darauf verschwand Michael spurlos.

Holmes entdeckt ihn wenig später in einem Armenhaus mitten in London. Der Verschollene hat den Verstand verloren. Ist er der wahnsinnige Ripper? Es gibt andere Verdächtige. Holmes und Watson dringen tief in die verrufenen Slums des Stadtteils Whitechapel vor. Der Ripper mordet quasi vor seinen Augen und genießt das blutige Spiel – bis er sich ein Stück zu weit aus der Deckung wagt …

78 Jahre später wird in New York dem bekannten Schriftsteller und Amateur-Kriminologen Ellery Queen ein Manuskript zugespielt, in dem Dr. Watson die Ripper-Story erzählt. Holmes hatte ihm die Veröffentlichung untersagt. Dazu hatte er wohl gute Gründe, findet Queen heraus: Der angebliche Mörder kann die Verbrechen, derer er beschuldigt wurde, gar nicht begangen haben. Fasziniert rollt Queen den Fall noch einmal auf – mit überraschendem Ergebnis …

Ein Gentleman redet nicht darüber

Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich der berühmteste Detektiv der Literaturgeschichte und der prominenteste Serienmörder der Kriminalhistorie begegneten. Sherlock Holmes und Jack the Ripper waren im Jahre 1888 beide in London ansässig und aktiv, wenn man so sagen darf. Ersterer wird den grässlichen Untaten des Letzteren wohl kaum tatenlos zugesehen haben; schließlich hat Holmes den finsteren, aber nicht annähernd so üblen Professor Moriarty viele Monate erbittert verfolgt, bis er ihn endlich stellen konnte.

Doch die Geschichte von Holmes’ Jagd auf Jack the Ripper blieb den treuen Lesern von Dr. Watson lange unbekannt. Sie wird uns hier auch nicht wie üblich von Arthur Conan Doyle (1859-1930), Watsons literarischen Agenten, erzählt. Stattdessen deckt Holmes‘ Enkel im Geiste Ellery Queen viel später die schmutzige Wahrheit auf. Ein viktorianischer Gentleman wie Doyle hätte dies niemals getan. Sein Sherlock Holmes schwelgte in mysteriösen und höchst komplizierten, aber hochmoralischen, nie anstößigen Übeltaten, deren Urheber sich in der Regel ehrenvoll selbst entleibten, wenn sie erwischt wurden, um der Nachwelt Kummer und Peinlichkeiten zu ersparen.

Holmes & Watson in Jacks Schlachthaus

Tatsächlich sorgt es für nicht geringe Irritation zu lesen, wie Holmes über der zerfleischten Leiche eines Ripper-Opfers steht und Dr. Watson darauf hinweist, dass eine der Brüste entfernt und mitgenommen wurde. (Sie taucht später in der Höhle des Rippers wieder auf.) Derartiger Realismus bekommt dem Holmes-Mythos nicht wirklich. Doyle hat dies gewusst und die Rippermorde deshalb niemals für seine Kriminalgeschichten adaptiert (oder ausgeschlachtet, wenn man so will …). Auch Holmes‘ bemerkenswerte Ortskenntnis in Opiumhöhlen, Spelunken, Bordellen und ähnlichen Lasterhöhlen wurde von Doyle nur stillschweigend vorausgesetzt.

Queen redet dagegen Klartext, denn 1967 war solche Zurückhaltung bereits von der Zeit überholt. Das Spiel mit alten, scheinbar sakrosankten Regeln kann durchaus reizvoll sein. Also blies Queen frischen Wind ins nebelverhangene viktorianische London. Aber er klebt dann doch zu sehr an der geheiligten Vorlage. Zudem finden wir Kinder des ach so fortschrittlichen 21. Jahrhunderts Queens Schilderungen der Ripper-Schlachtfeste recht zahm und zurückhaltend, was den Lesespaß einschränkt, hebt es doch hervor, wie angestaubt die vorliegende Story inzwischen ist. Die Auflösung funktioniert, aber zufrieden stellt sie nicht. Der Weg dorthin ist mit vielen überflüssigen Ratespielchen – Holmes enträtselt allerlei Passanten, Watson staunt und lässt sich ausgiebig erklären –, aber leider mit wenig Dramatik gepflastert. Da hat sich Doyle mehr Mühe gegeben und sich nicht gar zu sehr auf den Ruhm seiner Helden verlassen!

Eine Geschichte aus zwei Welten

Die eigentliche Crux ist freilich der Autoren Entschluss, der Holmes & Watson-Story eine Rahmenhandlung überzustülpen, die uns in die ‚Gegenwart‘ des Jahres 1966, in das moderne New York und in die Luxusbehausung des Ellery Queen entführt. Den beobachten wir nun dabei, wie er das Watson-Manuskript liest, sich mit einem widerspenstigen neuen Roman und seinem penetranten Vater herumschlägt, von einem nichtsnutzigen Freund belästigt wird, dem endlich die Frau seines Lebens begegnet, und schließlich das Geheimnis des wahren Rippers lüftet. Das ist weder unterhaltsam noch überzeugend, aber es schlägt den Bogen von Sherlock Holmes zu seinem Nachfahren Ellery Queen – und garantiert den Bestseller-Erfolg, da die nicht gerade zahlenschwache Anhängerschar beider Detektive zu diesem Buch greifen wird. Diese Rechnung ging denn auch auf.

Detektive stehen neben sich

Holmes ist Holmes, und Watson bleibt Watson. Das ist zunächst eine gute Nachricht, die sich bei näherer Betrachtung allerdings relativiert. Schon der zeitgenössischen Kritik sind diverse Brüche aufgefallen. So heißt Holmes seinen nun einmal geistig nicht so regen Watson böse einen Deppen, als dieser einen verständlichen Fehler begeht. Später stellt er Watson in einer dunklen Gasse und verprügelt ihn, weil er ihn mit dem Ripper verwechselt. Überhaupt ist der Detektiv dieses Mal recht jähzornig. Gleichzeitig zeigt er sich ungewöhnlich fortschrittlich, als er allen Ernstes erwägt, der Ripper könne auch eine Frau sein. Bei aller geistigen Freiheit der späteren Holmes-Imitatoren: Das hätte ein Gentleman des späten 19. Jahrhunderts nicht einmal im Traum gedacht!

Der arme Watson muss dieses Mal die undankbare Rolle des tumben Fackelträgers übernehmen, der dem Genie den Weg ausleuchtet. Das hat ihm Arthur Conan Doyle niemals zugemutet, sondern immer deutlich gemacht, dass Watson Holmes ergänzt und dieser mit dem Gefährten nicht doppelte, sondern vierfache Leistung erbringt.

Noch schlimmer ergeht es Ellery Queen, der dieses Mal völlig blass bleibt. Kein Wunder, hat er doch in dieser Geschichte eigentlich nichts verloren. Begibt er sich nicht selbst auf Gaunerjagd, bleibt er ein eindimensionaler Charakter. Und weil er nun einmal dazugehört, quetscht Queen (der Autor) mehr schlecht als recht auch noch den alten Inspektor Richard Queen in die Handlung. Über den Laffen Grant Ames III. und seine lahme Odyssee auf der Suche nach dem Absender des Watson-Manuskriptes sei hier in Anerkennung früherer Queen-Verdienste der Mantel des Schweigens gedeckt.

Autoren

Mehr als vier Jahrzehnte umspannt die Karriere der Vettern Frederic Dannay (alias Daniel Nathan, 1905-1982) und Manfred Bennington Lee (alias Manford Lepofsky, 1905-1971), die 1928 im Rahmen eines Wettbewerbs mit „The Roman Hat Mystery“ als Kriminalroman-Autoren debütierten. Dieses war auch das erste Abenteuer des Gentleman-Ermittlers Ellery Queen, dem noch 25 weitere folgen sollten.

Dabei half die Fähigkeit, die Leserschaft mit den damals beliebten, möglichst vertrackten Kriminalplots angenehm zu verwirren. Ein Schlüssel zum Erfolg war aber auch das Pseudonym. Ursprünglich hatten es Dannay und Lee erfunden, weil dies eine Bedingung des besagten Wettbewerbs war. Ohne Absicht hatten sie damit den Stein der Weisen gefunden: Das Publikum verinnerlichte sogleich die scheinbare Identität des ‚realen‘ Schriftstellers Ellery Queen mit dem Amateur-Detektiv Ellery Queen, der sich wiederum seinen Lebensunterhalt als Autor von Kriminalromanen verdient!

In den späteren Jahren verbarg das Markenzeichen Queen zudem, dass hinter den Kulissen zunehmend andere Verfasser tätig wurden. Lee wurde Anfang der 1960er Jahre schwer krank und litt an einer Schreibblockade, Dannay gingen allmählich die Ideen aus, während die Leser nach neuen Abenteuern verlangten. Daher wurden viele der neuen Romane unter der mehr oder weniger straffen Aufsicht der Cousins von Ghostwritern geschrieben.

Auch „Sherlock Holmes & Jack the Ripper“ ist eigentlich kein ‚echter‘ Ellery-Queen-Thriller mehr, sondern eher ein Roman zum Film. „A Study in Terror“ (dt. 2Sherlock Holmes‘ größter Fall“) entstand mit John Neville und Donald Houston als Sherlock Holmes und Dr. Watson unter der Regie von James Hill bereits 1965 in Großbritannien. Das Drehbuch verfassten Donald und Derek Ford. Es ist etwa identisch mit dem 1888 in London spielenden Handlungsstrang. Ellery Queen kommt in diesem Streifen nicht vor.

Wer sich über Ellery Queen – den (fiktiven) Detektiv wie das (reale) Autoren-Duo – informieren möchte, stößt im Internet auf eine wahre Flut einschlägiger Websites, die ihrerseits eindrucksvoll vom Status dieses Krimihelden künden. Vielleicht die schönste findet sich hier: eine Fundgrube für alle möglichen und unmöglichen Queenarien.

Anmerkungen

Es gibt noch einen zweiten, ungleich gelungeneren Film, der Holmes mit dem Ripper konfrontiert: „Murder by Decree“ (GB 1968, dt. „Mord an der Themse“), mit Christopher Plummer und James Mason als Sherlock Holmes und Dr. Watson; Regie: Bob Clark.

Erwähnt werden sollte schließlich „The Last Sherlock Holmes Story“ (1978, dt. „Der letzte Sherlock-Holmes-Roman“), in dem Autor Michael Dibdin den Beweis führt, dass Sherlock Holmes höchstpersönlich der Ripper war …

Ein Meer von Websites widmet sich Arthur Conan Doyles Meisterdetektiv in allen seinen Facetten. Da wundert es nicht, dass es darunter (mindestens) eine Website gibt, die sich speziell mit Holmes und dem Ripper beschäftigt .

[md]

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BUCHREZENSION: Joyce Reardon (Hg.): Das Tagebuch der Ellen Rimbauer. Mein Leben auf Rose Red. „The Diary of Ellen Rimbauer“ entstand 2002 als Buch zum Film bzw. zur TV-Miniserie „Rose Red“.

Erstellt von Detlef Hedderich am 26. Oktober 2011

Joyce Reardon (Hg.)
Das Tagebuch der Ellen Rimbauer
Mein Leben auf Rose Red

(sfbentry)
Originaltitel: The Diary of Ellen Rimbauer (New York : Hyperion 2002)
Übersetzung: Antje Görnig
Deutsche Erstausgabe (geb.): August 2002 (Vgs Verlagsgesellschaft)
345 S.
ISBN-10: 3-8025-2942-1
Als Taschenbuch: September 2004 (Piper Verlag Nr. 26561)
345 S.
ISBN-13: 978-3-492-26561-4

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Das geschieht:

Das 20. Jahrhundert ist noch jung, als John Rimbauer, sagenhaft reicher Industriemagnat und begehrtester Junggeselle der Stadt Seattle, die junge Ellen freit. Die naive Frau erkennt nicht, dass Rimbauer vor allem die Mutter eines männlichen Erben sucht und ansonsten sein Lotterleben voller Huren, Glücksspiel und Brachialkapitalismen fortzusetzen gedenkt. Schnell ist Ellen kreuzunglücklich.

Der Bruch erfolgt auf einer Weltreise im Jahre 1908. John steckt Ellen in Afrika mit der Syphilis an. Nur mühsam, unter Qualen und mit der Hilfe der heil- und zauberkundigen Sukeena überlebt Ellen das Leiden. Nun ist das Maß voll: Da eine Trennung in dieser Zeit nicht in Frage kommt, wird sie John auf andere Weise strafen. „Rose Red“, der feudale Wohnsitz der Rimbauers, soll nach ihrem Willen niemals fertig gestellt werden. Ewig wird Ellen die Bauarbeiten fortsetzen lassen und Johns Vermögen schmälern.

So geschieht es, aber Rose Red ist auch sonst ein verfluchter Ort. Erbaut über einem Indianerfriedhof, zieht das Böse in seine Mauern. Es findet seine Nahrung in dem stillen aber erbarmungslosen Ehekrieg der Rimbauers. Rose Red fordert mehr und mehr Opfer, die in seinen endlosen Hallen, Korridoren und Zimmerfluchten verschwinden. Ihre Geister verstärken den unguten Einfluss des stetig wachsenden, ständig gefährlicher werdenden Hauses, das schließlich auch nicht vor Ellen, seiner stillen Verbündeten, und ihrer Familie Halt macht.

Das herauszufinden ist freilich einer späteren Generation vorbehalten. Anfang des 21. Jahrhunderts stößt die Parapsychologin Dr. Joyce Reardon auf das Tagebuch der Ellen Rimbauer. Seine Lektüre wird zum Anlass einer Expedition in das schon lange verlassene Rose Red, um vor Ort die angeblich übernatürlichen Phänomene zu studieren. Freilich liest Dr. Reardon nicht gründlich genug, aber das ist eine andere Geschichte …

Ein Rosenkrieg der übernatürlichen Art

„Das Tagebuch der Ellen Rimbauer“ weist zwei zentrale Handlungsstränge auf. Da ist das Porträt einer Frau, die sich vom wohl behüteten Mädchen über die enttäuschte Ehefrau zur verbitterten, gefährlichen und wahnsinnigen Hüterin ihres verfluchten und verhassten Hauses entwickelt. Der Autor entwirft in der ersten Buchhälfte ein Bild, das der historischen Realität nahe kommt: Die Frau eines vermögenden und mächtigen Mannes ist dessen Eigentum. Eine Scheidung ist in den Gesellschaftskreisen, in denen die Rimbauers verkehren, unmöglich.

Repressionen betreffen selbstverständlich nur die Ehefrau. Diskretion ist die einzige Bedingung, die der Gatte zu erfüllen hat. Also kann sich John Rimbauer weiterhin seinen Ausschweifungen hingeben. Er muss keine Vorwürfe fürchten – höchstens seitens seiner Frau, die ihm jedoch ausgeliefert ist und indirekt erheblichen Schaden durch seine Eskapaden leidet: Rimbauer infiziert Ellen mit einer normalerweise tödlichen Krankheit.

Geisterjagd mit angezogener Bremse

Diesen Leidensweg breitet der Verfasser in Vertretung der angeblichen Autorin Ellen Rimbauer in Tagebuchform auf. Recht behäbig und allzu sehr den Duktus der Ära imitierend wird die Handlung in Gang gesetzt. Die heimische Tragödie der Ellen Rimbauer und das Grauen von Rose Red sollen nur allmählich zwischen den Zeilen aufscheinen, um später umso intensiver über die Leser hereinzubrechen. Dies ist löblich, scheitert aber in der Umsetzung. Das „Tagebuch“ irritiert in seiner Mischung aus historischem Gesellschafts- und Gruselroman. Zumal ist es gar nicht Ellen ist, deren Schmerz und Wut das Grauen weckt – das existiert offenbar aus sich heraus.

Aber auch der Horror von Rose Red – der zweite Handlungsstrang – kann nur bedingt überzeugen. Stattdessen beobachten wir die Fahrten einer Rummelplatz-Geisterbahn, die ihren Gästen mit uralten Buh!-Tricks einen Schrecken einjagen möchte. So vielversprechend die Idee geklungen haben mag, einen Zeitzeugen von den unerklärlichen Ereignissen, die beobachtet aber nicht verstanden werden, berichten zu lassen; die Umsetzung ist einfach zu altbacken. Nur in wenigen Szenen und besonders zum Finale hin geht die Rechnung auf, zumal endlich das Tempo anzieht und das Phantastische obsiegt.

Figuren eines Dramas

Im Vergleich zur TV-Serie weist das „Tagebuch“ die deutlich bessere Figurenzeichnung auf. Ellen Rimbauer als Opfer, das zur Täterin und wieder zum Opfer wird, tritt aus ihren Worten hervor. Wir lernen viel über das Dasein im Goldenen Käfig, in den Frauen wie sie vor gerade einem Jahrhundert gezwungen wurden. Erst langsam, dann immer schnell verfällt Ellen dem bösen Zauber des Hauses, lässt sich von ihm korrumpieren, nutzt seine Macht zur Rache am übermächtigen Ehemann – und bemerkt viel zu spät, dass für Rose Red nur die eigenen Bedürfnisse zählen. Letztlich vernichtet das Haus alle, die sich in seinen Bann ziehen lassen.

Sogar Ellens Seelengefährtin Sukeena, die aus ihrer afrikanischen Heimat einen reichen Schatz zauberischen Wissens mitgebracht hat, ist Rose Red nicht gewachsen. Sukeena ist Vertraute, Stütze und schließlich Geliebte von Ellen Rimbauer. Für sie gelten die unsichtbaren gesellschaftlichen Schranken nicht, die Ellen in ihrem Elend halten. So kann Sukeena Nachforschungen anstellen und kommt dem Geheimnis von Rose Red nahe genug, um sich sicher zu fühlen; eine fatale Fehleinschätzung, obwohl es zunächst das weltliche Gesetz in Gestalt der von John Rimbauer geschmierten Polizei von Seattle ist, die ihr härter zusetzt als das verfluchte Haus. John kann bezwungen werden, ihre Herrin mag Sukeena nicht verlassen. So muss auch sie eines Tages den Preis bezahlen, den Rose Red von seinen Bewohnern fordert.

Böser Mann & böses Haus

John Rimbauer bildet die dritte Seite des unheiligen Quadrats. Zunächst scheint er der eindimensionale Bösewicht in diesem Spiel zu sein: ein machtgieriger, rücksichtsloser Zeitgenosse, den Vermögen und sozialer Status quasi außerhalb jedes Gesetzes stellen. Doch der Autor schaut hinter diese Fassade. Zum Vorschein kommt ein durchaus gutherziger, aber charakterschwacher, gehemmter und gestörter Mensch, der eine jämmerliche Gestalt abgibt und dies auch weiß, was ihn wiederum noch unberechenbarer macht.

Rose Red schließlich vervollständigt besagtes Quadrat, denn dieses Haus verfügt in der Tat über eine Persönlichkeit. Ob diese sich selbst entwickelt oder die Summe der Geister aller Verschwundenen darstellt, bleibt offen. Rose Red verfügt jedenfalls über einen eigenen Willen und diabolische Intelligenz. Nur der eigene Nutzen zählt für dieses Haus, das locken, täuschen und morden kann, um seinen Willen durchzusetzen. Eine Erklärung zur Herkunft von Rose Red wird nicht gegeben: die richtige Entscheidung, da dieses Nichtwissen einen der nicht gerade zahlreichen gelungenen Aspekte der Geschichte darstellt.

Die Realität ist wesentlich interessanter

Inspiriert wurde die Story übrigens von einer durchaus wahren Geschichte. Rose Red ist die dramatisch überhöhte Kopie von Winchester Mansion in San José, Kalifornien. Sarah Winchester, die psychisch labile Erbin eines gewaltigen Vermögens, ließ es 1884 errichten. Weil die Erfindung ihres Vaters – das Winchester-Repetiergewehr – bekanntlich für Tod und Verderben steht, lebte sie in dem Wahn, sie werde von den Geistern der durch diese Waffe Gestorbenen verfolgt. Um sie zu verwirren, ließ sie ihr Haus permanent vergrößern und mit Blindgängen, im Nichts endenden Treppen und Fenstern im Inneren des Gebäudes einen wahren Irrgarten auf unzähligen Ebenen anlegen. 38 Jahre dauerten die Bauarbeiten; sie wurde erst nach Winchesters Tod eingestellt. Als „Winchester Mystery House“ ist ihre bizarre Schöpfung mit seinen (schätzungsweise) 160 Räumen heute eine beliebte Touristenattraktion (vgl. Website). Gespukt hat es hier allerdings nie.

„Rose Red“ im Film

„The Diary of Ellen Rimbauer“ entstand 2002 als Buch zum Film bzw. zur TV-Miniserie „Rose Red“. Stephen King, der Meister der phantastischen Literatur, verfasste ein Originaldrehbuch, welches er jedoch nicht zum Roman ausarbeitete. Stattdessen wurde der Auftrag das „Tagebuch“ zu schreiben an einen anderen Verfasser vergeben.

„Rose Red“, der Film, entpuppt sich als vierstündiger Langweiler der schlimmen Sorte. Wie fast alle Stephen-King-TV-Verfilmungen ist auch diese mit guten Schauspielern besetzt, prachtvoll ausgestattet und eindrucksvoll getrickst. Die dünne Story wird aber ausgewalzt bis zur Unerträglichkeit, allzu brav und bieder verfilmt, die Story lässt völlig kalt und langweilt bald schrecklich. Der Erfolg in Gestalt von guten Quoten stellte sich trotzdem ein, und das „Tagebuch“ wurde ein Bestseller. Das führte zu der Kuriosität, dass 2003 nunmehr das „Tagebuch“ selbst verfilmt wurde. „The Diary of Ellen Rimbauer“ dauert nur 120 Minuten, wurde aber, weil dynamischer und weniger weichgespült, von der Kritik etwas freundlicher aufgenommen als „Rose Red“.

Autor

Natürlich gibt es weder eine Ellen Rimbauer, die dieses Tagebuch schrieb, noch eine Dr. Joyce Reardon, die es auswertete und später veröffentlichte. Viel spekuliert wurde über die wahre Verfasserin oder den Verfasser. Gab die TV-Miniserie einen Hinweis? Stephen King hatte das Drehbuch geschrieben. Da lag es – den Wunsch zum Vater des Gedankens machend – nahe, den Gruselmeister auch für das Buch zur Serie namhaft zu machen. Schließlich schrieb er jahrelang als „Richard Bachman“.

Spekulationsförderlich halbherzig leugnete der Verlag diese den Verkauf ankurbelnde Fama. So ganz falsch lagen die King-Fans ja auch nicht: Der eigentliche Autor ist ein enger Freund des Bestseller-Fabrikanten aus Maine. Ridley Pearson macht auf seiner Website kein Geheimnis daraus, diese Auftragsarbeit übernommen zu haben.

Pearson, geboren 1953 und aufgewachsen in Riverside im US-Staat Connecticut, gehört zur nicht gerade kopfstarken Gruppe von Kriminal-Schriftstellern, die den Zuspruch des Publikums ebenso wie das Wohlwollen der Kritik für sich in Anspruch nehmen können. Gelobt wird vor allem die Krimiserie um das Polizistenduo Lou Boldt und Daphne Matthews, die seit vielen Jahren ihr hohes Niveau halten kann.

[md]

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BUCHREZENSION: Clive Barker – Hellraiser. 1987 inszenierte Barker nach eigenem Drehbuch „Hellraiser“ und schuf einen modernen Klassiker des Horrorfilms.

Erstellt von Detlef Hedderich am 24. Oktober 2011

Clive Barker
Hellraiser

(sfbentry)
Originaltitel: The Hellbound Heart (London : Century 1986)
Deutsche Erstausgabe: 1992 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 8362)
Übersetzung: Ute Thiemann
126 S.
ISBN 3-453-05291-9
Neuausgabe: 2006 (Edition Phantasia/Phantasia Horror 3007)
Übersetzung: Joachim Körber
128 S.
ISBN-13: 978-3-937897-17-2

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Das geschieht:

Die unscheinbare Kirsty liebt den gutmütigen Rory; doch der verehrt nur seine Gattin, die herzlose Julia; diese trauert ihrem Schwager hinterher, dem aufregend-bösem Frank, mit dem sie Rory noch vor der Hochzeit betrog. Wer weiß, was dann geschehen wäre, hätte sich der Schurke nicht aus dem Staub gemacht.

Frank ist freilich gar nicht so weit entfernt von seiner Familie. Seine in Fetzen gerissene Leiche liegt in einer Mauer des großmütterlichen Hauses in der Lodovico Street. Auf einer seiner weiten Reisen entdeckte Frank den Zauberwürfel des Lemarchand, welcher dem, der ihn zu bedienen vermag, den Zugang in eine Welt unbeschreiblicher Lüste öffnet. Dorthin zieht es den verderbten Frank selbstverständlich sehr, doch als er in einer stillen Kammer von Omas Haus besagten Würfel in Gang setzt, finden ihn keine geilen Geister, sondern die dämonischen Zenobiten vom Orden der Wunden, die ihn in ihre Welt ewiger Qualen entführen. Als blutiger Zombie schwebt Frank nun zwischen den Sphären, als ihm wieder einmal unverdient das Glück hold ist.

In das Haus an der Ludovico Street ziehen Rory und Julia Cotton ein. Während der Renovierungsarbeiten verletzt sich der neue Hausherr. Blut sickert durch Ritzen auf die Reste von Franks Leiche. Diese beginnt sich zu regenerieren. Noch ist Frank schwach und abgrundtief hässlich, aber er kann sich Julia erneut unterwerfen. Sie lockt ahnungslose Männer von der Straße in ihr Heim, wo der ghulische Hausgast schon hungrig auf sie wartet.

Allerdings stellten die Zenobiten inzwischen fest, dass Frank ihrer Folterhölle entkommen ist. Sie unterscheiden nicht zwischen Freund und Feind, was für alle Bewohner des Hauses gefährlich wird – den Toten wie die Lebenden …

Sadomaso-Dämonen mit Kultfaktor

In der realen Welt des 21. Jahrhunderts haben die Zenobiten längst ihre mythologische Nische gefunden. Sie wohnen in der Nachbarschaft von Freddy Krueger, Jason Vorhees oder Michael Myers, mit denen sie gewissenhaft zur Nachtschicht ins Filmstudio fahren: Pinhead & Co. gehören zu den viel beschäftigten Serienhelden des modernen Horrorfilms. Neun Teile umfasst der „Hellraiser”-Zyklus inzwischen, und es ist davon auszugehen, dass sich weitere anschließen werden.

Das Fundament dieser blutigen, von wahren Gorehounds heiß geliebten Schlacht- und Folterplatte bildet Clive Barkers schmale Novelle „The Hellbound Heart“, hierzulande erstmals erst fünf Jahre nach dem ersten Film und erst  2006 in ungekürzter Fassung erschienen, was schade ist, denn Barker fand seither selten zur hier bewiesenen Form zurück.

„The Hellbound Heart“ ist noch heute wahrlich alles andere als ein Durchschnitts-Grusler. Das bezieht sich nicht auf die Mord- und Folterszenen; da ist der hartgesottene Fan heute grob Gehacktes gewöhnt. Nein, es ist Barker gelungen, eine gute Idee originell in eine atmosphärisch außerordentlich stimmungsvolle Geschichte umzusetzen. Der vordergründige Horror wird dabei durch die eindringliche Schilderung verlorener, durch ihre unbewältigten Gefühle ins Unglück stürzender Durchschnittsmenschen ergänzt.

Cover der dt. Erstausgabe (Sammlung md)

Figuren jenseits von Gut- und Böse-Klischees

Frank Cotton –  Dreh- und Angelpunkt der Geschichte; einerseits ein Dieb, Lügner, Mörder, andererseits ein Mensch auf der konsequenten Suche nach dem, was er sich wirklich ersehnt: Erfahrungen weit jenseits derer, mit denen der ‚gewöhnliche‘ Zeitgenosse sich bescheidet. Frank ist durch und durch unkonventionell, ein Egoist, aber neugierig und ehrlich bemüht, alles über das Laster zu lernen. Außerdem ist er ein Überlebenskünstler. Selbst in der Vorhölle der Zenobiten gibt er nicht auf, sondern wartet auf seine Chance zu entkommen. Als sie sich ergibt, nutzt er sie konsequent. Wer sollte gegen einen solchen Mann ankommen, selbst wenn er nur aus einem blutigen Knochenhaufen besteht?

Bruder Rory ganz sicher nicht. Er ist einer dieser mit dem Leben zufriedenen Menschen, die Frank so verachtet. Seine geliebte Julia hat ihn geheiratet, im Job läuft es bestens, viele gute Freunde sind da, mit denen man gemütliche Abende verbringt. Der arme Rory hat keine Chance. Bis es zu spät ist, begreift er niemals, was unter seinem eigenen Dach vorgeht.

Kirsty ist sogar noch langweiliger. Sie führt ein graues Leben, leidet unter Minderwertigkeitskomplexen und wohl auch Depressionen. Ihre heimliche Liebe zielt nicht einmal auf den wirklichen Rory, sondern auf das Idealbild, das sie sich von ihm macht. Andererseits überrascht Kirsty als Kämpferin; als sie den Zenobiten in die Hände zu fallen droht, zögert sie keine Sekunde, ihnen stattdessen Frank vorzuwerfen. Sie wird als einzige das finale Massaker überleben und sogar zur Hüterin des Zauberwürfels aufsteigen.

Julia ist sicherlich die interessanteste Person unserer Geschichte. Sie ist weniger kalt als wie Frank unzufrieden: mit dem Leben, vor allem aber mit Rory. Julia hungert nach Aufmerksamkeit und möchte die Fesseln ihrer bürgerlichen Existenz abstreifen, koste es was es wolle, und das lässt sie für Frank zum idealen Opfer werden. Julia wird zur Mörderin, bis sie schließlich wiederum betrogen wird: eine fast tragische Gestalt, wie Frank Cotton eine Gefangene ihrer eigenen Leidenschaften, deren Untergang daher unabwendbar ist.

Noch durch Abwesenheit glänzt übrigens Ober-Zenobit „Pinhead“ alias Captain Elliot Spencer; Barker erwähnt ihn zwar kurz, aber zur Kultfigur machte er ihn erst im „Hellraiser“-Film von 1987.

„Hellraiser“ – die Filme

1987 inszenierte Barker nach eigenem Drehbuch „Hellraiser“ und schuf einen modernen Klassiker des Horrorfilms. Sein handwerkliches Geschick als Regisseur und die weitgehende Kontrolle, die er über sein eigenes Werk ausüben konnte, brachte ein auch heute noch eindrucksvolles Werk zu Stande. Die Story wird spannend erzählt, optisch lässt sich Barker keine Fesseln anlegen. (Achtung: Niemals „Hellraiser“ in der stümperhaft kastrierten Kindergarten-Version deutscher Fernsehsender anschauen!) Sogar die Musik ist keine akustisch-elektronische Belästigung, sondern melodisch und suggestiv. Für den Film verjüngte Barker Kirsty und verwandelte sie in Rorys leibliche Tochter, was wesentlich besser funktioniert.

Natürlich kehrte Frank zurück; „Hellbound: Hellraiser II“ (1988) zeigt seinen neuerlichen Versuch den Zenobiten zu entkommen. Julia schließt sich ihm dabei an. Das Ergebnis ist noch gewalttätiger, noch blutiger als Teil 1, aber – Clive Barker überließ dieses Mal den Regiestuhl Tony Randel und verfasste nicht einmal das Drehbuch – ein Horror-Sequel ohne die Faszination des Originals, wenn auch noch einmal sehr unterhaltsam, bevor mit Teil III der Niedergang der Serie eingeläutet wurde, die nur reine Franchise-Gier am (Schein-) Leben erhält.

Autor

Clive Barker wurde am 5. Oktober 1952 in der Beatles-Stadt Liverpool geboren – offenbar ein Wunderkind, das seinen bürgerlichen Eltern Rätsel aufgab ob seiner Vorliebe für das Theater und die eher Abgründe der menschlichen Existenz. Schon in jungen Jahren schrieb und inszenierte Barker düstere, surrealistische, überspitzt blutige Stücke im Stil des Grand Guignol – eine Arbeit, die er nach seinem Studium (Englische Literatur und Philosophie) professionell fortsetzte.

Noch vor der Literatur entdeckte Barker den Film. „The Hellbound Heart“ basiert auf dem schwarzweißen Kurzfilm „The Forbidden“, den er als Student zwischen 1975 und 1978 drehte. Dann verfasste Barker die 1984 veröffentlichten sechs „Books of Blood“, die ihm schlagartig den Durchbruch brachten. Klassische Themen (Geister, Vampire, Werwölfe, Spukhäuser etc.) wurden modern und höchst unkonventionell durchgespielt. An Drastik sparte der Verfasser nicht, wofür er als einer der Gründerväter des (kurzlebigen) Splatterpunks gefeiert wurde. Mit eindrucksvollen Romanen wie „The Damnation Game“ (1985, dt. „Spiel der Verdammnis“) oder „Cabal“ (1988, dt. „Cabal – Brut der Nacht“) festigte er seinen Ruf.

Aber Barker ließ sich nicht in eine Schublade zwingen. Geschichten wie „The Great and Secret Show“ (1989, dt. „Jenseits des Bösen“), „Weaveworld“ (1987, dt. „Gyre“ bzw. „Gewebte Welt“), „Imajica“ (1991, dt. „Imagica“) oder „Galilee – a Romance“ (1998, dt. „Galileo“) spielen auf einer parallelen Erde, die der unseren zwar sehr ähnelt, aber gleichzeitig über ‚Tore’ in eine magisch-mythologische Überwelt verfügt: moderne Fantasy, die überquillt vor faszinierenden Ideen, jedoch leider ein Grundübel des Genres, die auswalzende Geschwätzigkeit, übernimmt und in ganz neue Dimensionen trägt. Mit „The Thief of Always“ (1994, dt. „Das Haus der verschwundenen Jahre“) und der „Abarat“-Serie (ab 2002) schrieb der weiterhin erfreulich unberechenbare Barker freilich hervorragende Fantasy für Jugendliche (aber auch für neugierig gebliebene Erwachsene).

Clive Barkers Website

[md]

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BUCHREZENSION: Greg Cox: Blutfeind – Die offizielle Vorgeschichte zum Film. Underworld 3.

Erstellt von Detlef Hedderich am 22. Oktober 2011

Greg Cox
Blutfeind – Die offizielle Vorgeschichte zum Film
Underworld 3

Underworld Blood Enemy, USA, 2004
Basierend auf den Figuren von Kevin Grevioux, Len Wiseman & Danny McBride
Dino/Panini Books, Stuttgart, 03/2006
TB, Horror
ISBN 978-3-8332-1343-4
Aus dem Amerikanischen von Jan Dinter
Titelgestaltung von tab visuelle kommunikation, Stuttgart unter Verwendung
eines Motivs von Motion Picture Photography und Motion Picture Artwork

www.paninicomics.de/filmromane
www.entertheunderworld.com
www.gregcox-author.com/
www.darkstormstudios.com/

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Der als Dritter Band in der „Underworld“-Reihe publizierte Roman „Blutfeind“ müsste eigentlich die Nummer 1 oder 0 tragen, da es sich um die Vorgeschichte von „Underworld“, „Underworld: Evolution“ und „Underworld: Aufstand der Lycaner“ handelt. Viele wesentliche Hintergrund-Informationen – eine Tragödie, die im Jahr 1201 ihren Beginn nahm -, welche in den anderen Büchern bzw. Filmen nur angedeutet werden, sind hier ausführlich aufbereitet und erleichtern das Verständnis der Geschehnisse auf Gegenwartseben.

Einst war die Hierarchie von Vampiren und Lycanern streng geregelt: Die einen herrschten, die anderen dienten. Lykaner, die sich nicht den Vampiren unterwerfen und ihre animalischen Instinkte kontrollieren wollten, lebten als ‚wilde Bestien„ in den Wäldern und wurden erbarmungslos gejagt – aus gutem Grund: Die Übergriffe der freien Lycaner ängstigten die Bevölkerung, der wachsende Hass und der Wunsch, sich von allen nicht-menschlichen Kreaturen zu befreien, richtete sich schließlich auch gegen die Vampire. Bei einem Überfall auf die Burg Corvinius kommen Lady Ilona, viele Vampire und Lycaner ums Leben.

Allein Sonja, die Tochter von Lord Victor, einem Ältesten, und Lady Ilona, kann dank der Hilfe von Lucius, einem Lycaner, entkommen. Die beiden verlieben sich, aber ihre nicht standesgemäße Liaison hat keine Zukunft, da Victor die junge Frau bereits Nikolai, dem Sohn vom Marcus, einem anderen Ältesten, versprochen hat, obwohl der junge Mann grausam ist und Sonja ihn ablehnt. Notgedrungen planen Lucius und Sonja, die sein Kind erwartet, ihre Flucht, werden jedoch gefangen. Victor lässt seine Tochter auf die für einen Vampir schlimmste Art sterben und zwingt Lucius, dem qualvollen Tod seiner Frau zuzusehen …

Die daraus resultierende Feindschaft zwischen Vampiren und Lycanern, insbesondere die zwischen Lucius und Victor, pflanzt sich fort bis in die Gegenwart (2002). Längst sind die Vampire keine Herren und die Lycaner keine Sklaven mehr, und sie bekämpfen einander erbittert mit zeitgenössischen Waffen. Die Todeshändlerin Selene, deren Job es ist, Lycaner aufzuspüren und zu töten, wird Zeugin eines großangelegten Deals, bei dem den Feinden neue Waffen übergeben werden, welche für die Vampire eine große Bedrohung darstellen. Selene wird entdeckt und gerät in Lebensgefahr.

Damit wird die Brücke zwischen den Ursachen, die in der Vergangenheit den Krieg zwischen den beiden Spezies auslösten, und den Folgen in der Gegenwart und zu den nächsten Büchern bzw. Filmen geschlagen. Las oder sah man die anderen Teile mit Spannung, wird man auch an der Vorgeschichte nicht vorbei kommen, die, trotz vorhersehbarer Handlung, für ein ‚Buch zum Film„ sehr routiniert und spannend geschrieben ist. Auch das Charakter-Design überzeugt. Die „Underworld“-Reihe bei Panini zählt mit zu den besten Titeln in einem Verlagsprogramm, das von Büchern zu Games und Filmen dominiert wird, und bietet Genre-Fans leichte, aber unterhaltsame Kost.

Copyright © 2011 by Irene Salzmann (IS)

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BUCHREZENSION: Thomas Fröhlich & Peter Hiess (Hrsg.): Das Buch der lebenden Toten. Mit „Die Nacht der lebenden Toten“ trat Romero eine Lawine los, die erst in den Achtzigern verebbte – um ab 1996 mit dem Spiel „Resident Evil“ erneut ins Rollen zu kommen!

Erstellt von Detlef Hedderich am 21. Oktober 2011

Thomas Fröhlich & Peter Hiess (Hrsg.)
Das Buch der lebenden Toten

Evolver Books, Wien (A), 11/2010
TB, Horror-Anthologie (21 Kurzgeschichten)
ISBN 978-3-950-25581-2
Titelillustration von Jörg Vogeltanz
Innenillustrationen von Timo Grubing
Download-Content: PDF-Version einer nicht im Buch abgedruckten Story

www.evolver-books.at/
www.vogeltanz.at/
http://timogrubing.de/

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Der Zombie ist die älteste Schauergestalt der Menschheitsdichtung. Dies ist ein Fakt, denn schon im „Gilgamesch“-Epos ist von Toten die Rede, die auf die Erde zurückkehren und die Lebenden fressen, auch wenn es sich dabei nur um eine Drohung der Göttin Ischtar handelt, um ihren Vater zu erpressen, damit er ihr den Himmelsstier gibt. Seit jenen Tagen haben die Menschen mehr oder weniger klare Vorstellungen von Toten, die zu den Lebenden zurückkehren und ihnen mehr oder weniger schreckliches Leid zufügen.

Eine Renaissance erlebten die Zombies ab Ende der Sechziger, als entsprechende Filme wie Pilze aus dem Boden schossen. Mit „Die Nacht der lebenden Toten“ trat Romero eine Lawine los, die erst in den Achtzigern verebbte – um ab 1996 mit dem Spiel „Resident Evil“ erneut ins Rollen zu kommen; nun mit einer moderneren Form des Zombies.

Auch im Buchbereich hat sich viel getan. Nicht nur Brian Keene nahm sich des Themas mehrfach an; andere Autoren griffen den Stoff ebenfalls auf; manche klassisch, andere hingegen versuchten, dem Thema etwas Neues abzugewinnen. Mit „Das Buch der lebenden Toten“ bemüht sich auch Evolver Books, das Thema aus verschiedenen Perspektiven anzugehen. 21 Autoren und deren Geschichten wurden für das Buch ausgewählt, um das Thema ‚Zombie„ durchaus vielschichtig zu behandeln. Und tatsächlich kam eine gesunde Mischung höchst unterschiedlicher, aber niemals langweiliger Erzählungen dabei heraus, die den Leser an die Seiten zu fesseln wissen.

Es macht Spaß, sich immer wieder auf neue Konstruktionen, neue Wesen, neue Hintergründe einzulassen. Neben den Autoren gebührt hier den Herausgebern ein Lob, denn sie hatten bei der Auswahl der Texte eine glückliche Hand. Aufgelockert durch stimmige Illustrationen entpuppt sich das Buch als wertige Anthologie, die man gerne von Anfang bis Ende liest. Eine weitere, 22. Geschichte kann sich der Leser zudem kostenfrei auf der Seite des Verlags herunterladen; ein entsprechender Hinweis findet sich am Ende des Bandes. Diese ist inzwischen auch in dem bereits erschienen Pulp-Heft „Super-Pulp 1“ veröffentlicht worden, so dass man sie für wenig Geld hinzukaufen kann, möchte man sie lieber in gedruckter Form. Ein Vorwort und die Biographie der vertretenen Autoren runden die Anthologie ab. Zombies sind untot, aber nicht tot. Das beweist Evolver Books mit dieser Anthologie anschaulich. Jeder Fan der nach Hirrrrrn gierenden Wesen sollte also zugreifen!

Copyright © 2011 by Gunter Arentzen (GA)

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BUCHREZENSION: Jude Watson – Die Kraft der Verbundenheit Star Wars: Jedi-Padawan 14.

Erstellt von Detlef Hedderich am 20. Oktober 2011

Jude Watson
Die Kraft der Verbundenheit
Star Wars: Jedi-Padawan 14

Star Wars Jedi Apprentice – The Ties That Bind, USA, 2001
(c) Lucasfilm Ltd., USA, 2001
Dino/Paninibooks, Stuttgart, 04/2001
TB, SF
ISBN 978-3-89748-426-9
Aus dem Amerikanischen von Dominik Kuhn
Titelgestaltung von tab Werbung GmbH, Stuttgart unter Verwendung des US-Cover von Cliff Nielsen

www.paninicomics.de
www.lucasarts.com
www.starwars.com
www.fantasticfiction.co.uk/w/jude-watson/

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Der Padawan Obi-Wan Kenobi und sein Meister Qui-Gon Jinn, sind mittlerweile ein eingespieltes Team, wenn es darum geht, Aufgaben für den Jedi-Orden zu lösen. Mit ihrem detektivischen Spürsinn, der Eigeninitiative von Obi-Wan Kenobi, die nicht immer erwünscht ist, und der Hilfe der Macht gelingt es ihnen, auch die verzwicktesten Aufgaben zu lösen. Qui-Gon Jinn streitet sich mal wieder mit Tahl, die seiner Meinung nach viel zu leichtsinnig Missionen übernimmt und dabei jegliche Unterstützung verweigert. Als die Bewohner des Planeten Apsolon die Jedi um Hilfe bitten, sagt Tahl sofort zu. Damals hatten sie und Qui-Gon Jinn den Bewohnern geholfen, ihren ersten freien Anführer zu wählen. Das Hilfegesuch stammt von seinen Töchtern. Er selbst wurde ermordet. Tahl hegt mütterliche Gefühle für die Mädchen.

Qui-Gon Jinn, der eine schreckliche Vision hat, bei der Tahl eine maßgebliche Rolle spielt, versucht, vom Jedi-Rat die Zustimmung, der Jedi-Ritterin folgen zu dürfen, zu ertrotzen. Als dies von Mace Windu abgelehnt wird, folgt Qui-Gon Jinn Tahl heimlich nach New Apsolon. Wie immer steht Obi-Wan Kenobi ihm treu zur Seite. Als die beiden auf Apsolon eintreffen, stolpern sie ungewollt in ein Wespennest aus Korruption und Verrat. Das Cover zeigt Obi-Wan Kenobi und Qui-Gon Jinn vor dem Jedi-Rat. Die warmen Farben vermitteln einen Eindruck von Geborgenheit. Nur durch die verschränkten Arme der beiden Hauptpersonen wird deutlich, dass hier nicht alles Frieden, Freude, Eierkuchen ist.

Obi-Wan Kenobi staunt nicht schlecht, als der sonst so beherrschte Qui-Gon Jinn wegen Tahl sogar einen Streit mit dem Jedi-Rat vom Zaun bricht. Wer die letzten Bände allerdings verfolgt hat, kann sich durchaus zusammenreimen, welche Gefühle in Qui-Gon Jinn brodeln. Diesmal geht es um mehr als die Aufklärung eines Verbrechens. Freude, Hoffnung, Trauer, Verzweiflung, Verrat und nicht zuletzt die Liebe spielen eine sehr große Rolle. Dieser Band ist der Beginn einer Trilogie. Wer das Buch liest, wird sich auf jeden Fall die beiden nächsten Bände besorgen müssen. Mittlerweile erscheinen die „Jedi-Padawan“-Bände auch schon als Sammelband mit jeweils drei Teilen. Mehr erfährt man unter www.paninicomics.de.

Jude Watson beweist wieder einmal, wie eindrucksvoll und vielfältig sie ist. Immer wieder gelingt es ihr mit Brillanz, das Seelenleben der einzelnen Protagonisten zu entblößen und die wahren Beweggründe zu enthüllen. Da bleibt dem eingefleischten Fan gar nichts anderes übrig, als hungrig auf die nächste Ausgabe zu warten. Achtung, hier herrscht Suchtgefahr!

Wer die „Star Wars“-Filme kennt und Serien wie „Star Trek“, „Rettungskreuzer Ikarus“ oder „Perry Rhodan“ mag, wird auch an den Abenteuern des erst dreizehnjährigen Obi-Wan Kenobi Gefallen finden. Quereinsteiger werden die Serie meistens verstehen, da es sich, bis auf wenige Ausnahmen, um abgeschlossene Abenteuer handelt. Alle SF- und Fantasy-Fans ab 12 Jahren, vor allem die des „Star Wars“-Universums, werden von dieser Serie nicht enttäuscht.

Copyright © 2011 by Petra Weddehage (PW)

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BUCHREZENSION: Kôji Suzuki Ring 0 – Birthday. Buch zur bekannten Horrorfilmreihe!

Erstellt von Detlef Hedderich am 19. Oktober 2011

Kôji Suzuki
Ring 0 – Birthday

(sfbentry)
Originaltitel: Ringu 0: Bâsudei/The Ring 0: Birthday (Tokio : Kadokawa Shoten Publishing Co., Ltd. 1999)
Übersetzung: Alexandra Klepper
Deutsche Erstausgabe: April 2006 (Wilhelm Heyne Verlag/Allgemeine Reihe Nr. 43132)
206 S.
ISBN-13: 978-3-453-43132-4

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Das geschieht:

Drei Kurzgeschichten aus dem „Ring“-Universum werfen Schlaglichter auf Randepisoden des mysteriösen Geschehens, das hier zur Erinnerung noch einmal kurz skizziert wird: Die übersinnlich begabte Sadako Yamamura hat vor ihrer grausamen Ermordung ein Videoband ‚bespielt‘, das diejenigen, die es sich anschauen, binnen einer Woche in den Tod treibt. Ebenso verzweifelt wie vergeblich versuchen die Opfer sich von diesem Fluch zu lösen. Doch sie sind wie Sadako künstliche Wesen, die im „Loop“ leben, einer künstlichen Welt, die durch die Zusammenschaltung einer Million Supercomputer geschaffen wurde, ohne dass ihre ‚Bewohner‘ davon wissen. Die digitale Sadako hat dem Sprung in die reale Welt geschafft und die Menschheit mit einem tödlichen Virus infiziert. Ein junger Mediziner wird auf eine Reise ohne Wiederkehr in den „Loop“ geschickt, wo er dem Treiben Sadakos ein Ende setzen soll.

- Der im Himmel treibende Sarg (S. 7-44): Auf dem Dach eines Hochhauses muss Mai Takano hilflos miterleben, wie sie von Sadako Yamamura, die ihren gewaltsamen Tod nicht hinnehmen will und keinen Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen gelten lässt, als Instrument zur Wiedergeburt missbraucht wird …

- Lemonheart (S. 45-133): Es war ein grausamer Scherz, der die junge Schauspielerin zum Gespött ihrer Kollegen werden ließ, doch da diese Sadako Yamamura heißt, ist Verzeihen ein Fremdwort und Rache eine Pflicht, woran weder die Zeit noch der Tod etwas ändern können 

- Happy Birthday (S. 135-194): Die Menschheit steht vor dem Aussterben, nachdem Sadako Yamamura das ringförmige MHCV-Virus aus dem digitalen Parallel-Universum „Loop“ über die Welt gebracht hat. Der Medizinstudent Kaoru Futami trägt als einziger Mensch das Gegenmittel in sich und geht hinüber in den „Loop“, wo er gegen die Seuche ankämpft. Zurück lässt er seine schwangere Geliebte, die alles daran setzt noch einmal mit ihm in Kontakt zu treten …

Ein Nachwort von Akira Mitsuhashi führt auf den Seiten 195-201 knapp aber informativ in Suzukis „Ring“-Universum ein, erläutert das Konzept, das ihm zugrundeliegt, und zeichnet seine Entwicklung nach.

Hilfreich-spannende Hintergrundinformationen

Sequels und Prequels: Sie kennt man als unentbehrliche Folgeerscheinungen eines erfolgreichen Romans oder Films. Dem japanischen Schriftsteller Suzuki Kôji ist eine interessante Variante eingefallen: Er fügt seiner „Ring“-Saga einige neue Kapitel hinzu. Im Rahmen des bereits bestehenden oder sogar bereits abgeschlossenen Werkes führt er perspektivisch verschoben aus, was zuvor nur in wenigen Sätzen angedeutet wurde. „Der im Himmel treibende Sarg“ baut eine Episode aus „Spiral – The Ring II“ aus, „Lemonheart“ basiert auf einem Flashback, der in „The Ring“ nur wenige Zeilen umfasst. „Happy Birthday“ schließt an das Finale von „Loop – The Ring III“ an und bildet eine kurze Fortsetzung der dort geschilderten Ereignisse.

Die „Ring“-Trilogie kann ohne „Birthday – Ring 0“ problemlos existieren. Trotzdem ist Suzuki ein durchaus reizvolles Werk gelungen. Die Beliebigkeit der ausgewählten Episoden entpuppt sich zu Beginn der dritten Story als Trick: „Der im Himmel treibende Sarg“ und „Lemonheart“ erweisen sich plötzlich als notwendige Voraussetzungen für das Geschehen in „Happy Birthday“. Wie Suzuki dies gelingt, sei hier als Spoiler verschwiegen. Er erfindet das Rad ganz gewiss nicht neu aber seine Idee funktioniert: Aus „Ring 0“ wird nun doch „Ring IV“, ein Roman neben dem Hauptwerk – übrigens keineswegs das einzige: Auf den Seiten 203-206 gibt ein Anhang den komplexen „Ring-Baum“ wieder, ein Beziehungsgeflecht der „Ring“-Welten, die sich nicht nur auf die drei Romane oder die Literatur beschränken. Inzwischen gibt es „Ring“-Kino- und TV-Filme und Comics, die Eigenes zum „Ring“-Universum beitragen. Auch zu „Ring 0“ existiert bereits eine Quasi-Fortsetzung, der Episoden-Roman „Promenade der Götter“, welcher einen weiteren losen Faden aufgreift und zu einer neuen Story verzwirnt.

Erzählerisch wandelt Suzuki einmal mehr auf scheinbar übersichtlichen Pfaden. Seine Prosa ist weniger anspruchslos als einfach und klar, die Sätze bleiben kurz. (Dieses Urteil ist unter Vorbehalt zu bewerten – wer ist hierzulande schon in der Lage die Übersetzung mit dem japanischen Originaltext zu vergleichen?) Um auch den in Sachen „Ring“ weniger Kundigen die Lektüre von „Ring 0“ zu ermöglichen, baut der Verfasser geschickt immer wieder „Seitenblicke“ auf die Haupthandlung ein.

„Lemonhead“, die älteste der hier gesammelten Erzählungen, diente 2000 als Vorlage für den Film „Ringu 0: Bâsudei“, in dem Regisseur Norio Tsusata ein Schlüsselerlebnis der noch lebendigen Sadako Yamamura in Szene und dabei eher auf psychologische als auf Horroreffekte setzte.

Spuk ohne Ansehen der Person

Wie wird man damit fertig von einem wütenden Gespenst heimgesucht zu werden? Den entscheidenden Unterschied beim Versuch diese Frage zu beantworten, macht eventuell die Tatsache, dass sämtliche Figuren, die in „Ring 0“ von Sadako Yamamura geplagt und umgebracht werden, an deren Ende völlig unschuldig waren. Üblicherweise taucht ein Geist dort auf, wo ein Mensch gewaltsam zu Tode kam und sein Opfer aus dem Jenseits Gerechtigkeit oder Rache fordert: Es gibt folglich zwischen Spuker und Bespuktem eine Verbindung.

Auch Sadako Yamamura hat es auf diejenigen abgesehen, die ihr echtes oder vermeintliches Unrecht zugefügt haben. In ihrem Rachefeldzug ist sie freilich bemerkenswert inkonsequent oder gleichgültig: Sie straft die Schuldigen genauso grausam wie die allzu Neugierigen oder gar nicht Beteiligten, welche sie völlig ungerührt als Werkzeuge für ihre obskuren Pläne missbraucht. Am schlimmsten trifft es dieses Mal Mai Takano, deren Schicksal vor allem auf die Gänsehaut der weiblichen Leserschaft zielt.

Ein Virus-Gespenst läuft Amok

Letztlich geht es Sadako um die Vernichtung der ganzen Welt – oder besser: beider Welten, denn wie wir seit „Loop – Ring III“ wissen, ist sie im Grunde kein Gespenst, sondern eine künstliche Intelligenz, die in einer Computerwelt lebt. Deren Grenzen vermag sie zu erkennen und zu sprengen, während ihr Verhalten selbst wenig intelligent anmutet: Indem Sadako den „Loop“ und die reale Welt zerstört, nimmt sie sich die eigene Existenzgrundlage. Sie wirkt wie die Verkörperung des MHCV-Virus’, dessen Lebenszweck ausschließlich die eigene Reproduktion ist.

Damit wird klar, wieso Sadakos Verhalten nicht einzuschätzen ist. Viele kluge Männer und Frauen hat Verfasser Suzuki in „Ring I – III“ auf ihre Spur gesetzt. Immer wenn es so aussah, als sei die Erklärung gefunden, ergab sich nur ein neues Rätsel. Der Preis für dieses Versagen war ausnahmslos der Tod. Der Leser nahm’s recht ungerührt zur Kenntnis, denn Suzuki verweigert sich dem (typisch westlichen) Bestreben, Sadakos Opfer in tragische Gestalten zu verwandeln. Es sind beruflich und vor allem privat gescheiterte oder sogar ausgesprochen unsympathische Existenzen, die Suzuki Sadakos Bahn kreuzen lässt. Ob sie ihren Tod ‚verdient‘ haben, lässt der Autor unbeantwortet; es ist ihm zudem absolut gleichgültig, denn wer oder was diese Menschen auch waren, das wird gleichgültig, sobald sie Sadako Yamamuras Aufmerksamkeit erregt haben …

Nachtrag: Pump up the volume …

Drei Kurzgeschichten ergeben im Verbund zwar theoretisch ein Buch aber praktisch anscheinend keines, das ein deutscher Verlag ohne gewisse Nachbearbeitungen der Käuferschaft präsentieren möchte. „Buch“ bedeutet in der Definition von Heyne offenbar ein gebundenes Papierprodukt, das mindestens 200 Seiten umfassen muss. In dieser Beziehung stellte „Ring 0“ sicherlich eine Herausforderung dar. Positiv betrachtet fällt dieses Taschenbuch durch seine augenfreundliche Großschrift, den weißraumreichen Satzspiegel und diverse Leerseiten auf, die dem Referenten genug Raum für Anmerkungen lassen – vielen Dank dafür, doch könnte ich noch besser mit einem Bändchen leben, das nur 160 bedruckte Seiten aufweist und dafür einen oder gar zwei Euro kostengünstiger ausfällt …

Autor

Kôji Suzuki, der „Stephen King aus Japan“ (ein Etikett der Werbestrategen) wurde 1957 in Hamamatsu (Präfektur Shizuoka) geboren. Bereits in jungen Jahren begann er zu schreiben und gewann 1990 als Absolvent der Keio University in Tokio einen (japanischen) „Fantasy Novel Award“ für seinen Roman „Rakuen“, was aber seiner dümpelnden Karriere kaum Auftrieb gab. Das änderte sich erst, als Suzuki 1991 die Welt der Phantastik um ein verfluchtes Videoband bereicherte: Die „Ring“-Saga war geboren. Aus einem Geheimtipp wurde Gruselvolkes Eigentum, als Regisseur Hideo Nakata 1998 den Roman verfilmte. Trotz vieler Veränderungen wurde „Ring“ zum Erfolg, der selbstverständlich mehrfach fortgesetzt wurde sowie die übliche verwässerte Hollywood-Interpretation erfuhr.

Suzuki selbst erweiterte den „Ring“-Erstling zur Romantrilogie, der er noch einen vierten Band mit Kurzgeschichten folgen ließ. Acht Millionen Exemplare soll er inzwischen verkauft haben, was zweifellos auch der geschickten Vermarktung zu verdanken ist: Suzukis Werke sind als Buch, Film und Manga quasi allgegenwärtig.

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Die „Ring“-Saga von Kôji Suzuki

(1991) The Ring (The Ring) – Heyne TB Nr. 01/13741
(1995) The Ring II – Spiral (The Ring II: Rasen) – Heyne TB Nr. 01/13918
(1998) The Ring III – Loop (The Ring III: Loop) – Heyne TB Nr. 01/14007
(1999) The Ring 0 – Birthday (The Ring 0: Birthday) – Heyne TB Nr. 01/14132

[md]

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BUCHREZENSION: Peter Cheyney: Rote Lippen – blaue Bohnen. Verfilmung: „Rote Lippen – blaue Bohnen“ („Vous Pigez?“/„Il Maggioratio Fisico“), eine französisch-italienische Coproduktion, entstand 1955 unter der Regie von Pierre Chevalier.

Erstellt von Detlef Hedderich am 18. Oktober 2011

Peter Cheyney
Rote Lippen – blaue Bohnen

(sfbentry)
Originaltitel: Don’t Get Me Wrong (London : Collins 1939)
Übersetzung: Alfred Woldt
Deutsche Erstausgabe: 1954 (Pegasus-Verlag)
239 S.
[keine ISBN]
Diese Ausgabe: 1957 (Ullstein Verlag/Kriminalroman Nr. 133)
167 S.
[keine ISBN]
Z. Zt. letzte Ausgabe: 1980 (Wilhelm Heyne Verlag/Heyne Crime Classic Nr. 1887)
128 S.
ISBN-10: 978-3-453-10479-2

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Das geschieht:

Zwei hochrangige Physiker sind spurlos verschwunden. In der mexikanischen Sierra Leone sollten sie zum Nutzen des freien Westens atomare Überraschungen für die heimtückischen Sowjetroten testen. J. Edgar Hoover, Leiter des FBI, entsandte den Agenten Pepper über die Grenze. Er sollte sich dort unauffällig umhören – und ging ebenfalls verloren.

Auftritt Lemuel H. „Lemmy“ Caution, FBI-Mann der draufgängerischen Sorte, der selten im Büro sitzt, sondern lieber durch die Welt gaukelt und die Bösen das Fürchten lehrt, wobei manche Flasche Whiskey und noch mehr schöne Frauen seinen Weg säumen. Inkognito reist Caution Pepper hinterher, dessen Leiche er in einem einsamen Wüstengrab findet.

Auch Lemmy bekommt es sofort mit jenen dunklen Mächten zu tun, die weitere Nachforschungen und ihn im Keim ersticken wollen. Unter seinen Gegnern findet er erstaunt den Schläger Jack Hotshot, genannt „Spiegelei“, der für den Mafiaboss Mike Koltisow in Chicago die Drecksarbeit erledigt.

Aber auch dieser sitzt noch längst nicht am Ende der Fahnenstange: Dort lauern die finsteren Sowjets, die gern viel Geld für die brisanten Dokumente zahlen würden. Diese müssen ihnen – die verdrehte Dramaturgie dieser Räuberpistole will es so – in Frankreich übergeben werden. Also macht sich Lemmy auf den Weg ins alte Europa, zumal sich im Schlepptau der Gangster die schöne Georgette befindet, die es zu retten gilt. Bloß: Ist sie Opfer – oder steckt sie gar hinter den Ereignissen, die in Paris ins Rollen kommen, Lemmys Pläne gründlich durcheinander bringen und in einem furiosen Finale auf dem offenen Atlantik münden …?

Thriller-Märchen mit absurden Zügen

Nein, der Plot ist es wirklich nicht, der den Krimifreund hier fesseln könnte. Autor Cheyney macht freilich nie einen Hehl daraus, dass er die dünne Handlung nur als Vorwand für ein turbulentes Garn betrachtet, das primär durch Schlägereien und schwitzige Techtelmechtel mit willigem Weibsvolk geprägt wird, wobei die einen mit den anderen abwechseln.

Ernst zu nehmen ist hier nichts. Physiker wurden entführt? Es könnten auch Marsmenschen sein. Der Plot ist ein Hitchcockscher „MacGuffin“, d. h. eine von den Lesern verlangte Notwendigkeit, die der Handlung ein Fundament verschaffen soll. Peter Cheyney, der wie Edgar Wallace stets mit zahllosen Gläubigern auf den Fersen schrieb, kümmerte sich wenig um die Schlüssigkeit seiner Geschichten. Er erzählte sie schnell und ohne sich Gedanken über die Logik zu machen. Viel mechanisches Schreibhandwerk wird allzu offenbar, wenn sich Lemmy wieder und wieder auf offensichtlich kriminelle Frauen einlässt und Schurken vertrimmt.

Trotzdem geht die Rechnung auf: „Rote Lippen – blaue Bohnen“ unterhält. Cheyney macht Tempo, jagt Lemmy Caution kreuz & quer durch Mittel- und Nordamerika. Dass er von den realen Verhältnissen auf beiden Kontinenten nur rudimentäre Kenntnisse besitzt, ist eigentlich unwichtig. Heute gilt dies mehr denn je; Lemmy prügelt und liebt sich durch diverse Märchenländer, über die zu lesen nostalgisches Vergnügen (mit gewissen Einschränkungen  s. u.) bereitet.

Ein Held von Vorgestern

Wer heute an Lemmy Caution denkt, vor dessen geistigem Auge entsteht sofort die narbige, dauergrinsende Visage des Schauspielers Eddie Constantine, der mit dieser Figur nicht nur die Rolle seines Lebens fand, sondern ihr vor allem eine Gestalt verlieh, die sie angenehm vom literarischen Vorbild unterschied.

Lemmy Caution à la Peter Cheyney ist eine Figur, über welche die Zeit längst hinweg gegangen ist. Einst war er der Held für kleine und große Jungs – ein Kriminalist, der jeglicher bürokratischer Vorschriften und alltäglicher Langeweile enthoben war, und statt dessen durch die ganze Welt zog, um dort allerlei Gangsterpack zu jagen. Stets hat dieser Lemmy einen coolen Sprich auf und eine Flasche Whiskey an den Lippen. („Ich muss selbst auf mich aufpassen, denn mein FBI-Ausweis ist hier für mich genausoviel wert wie ein Erdbeereis für einen Eskimo mit doppelseitiger Lungenentzündung.“) Schöne Frauen ziehen ihn an wie das Licht die Motte; auf die weibliche Gegenseite wirkt die Anziehungskraft sogar noch stärker.

Diese Damen heißen hier Fernanda oder Zellara aber ihre Namen sind unwichtig: Cheyney-Frauen sind austauschbar schön aber heimtückisch. Sie schmelzen wie Butter in der Sonne, sobald Lemmy auf der Bildfläche erscheint, doch den freigiebig (wenn auch zeitgebunden züchtig) dargebotenen Reizen ist meist nicht zu trauen. Dame und Herr tauschen andeutungsreiche Anzüglichkeiten aus, denen aber niemals bettschwere Taten folgen.

Unbeschwerter Krimi-Spaß – Rassismus inklusive

Caution kämpft gegen Verbrecher, die mit der Realität rein gar nichts verbindet. Raue Kerls sind das, denen ihr Job ins hässliche Gesicht geprägt steht. Sie reden und handeln so, wie sich der fleißige Kinosesseldrücker sich das einst vorstellte. Bei aller Brutalität sind sie ziemlich dumm, so dass sich Caution mit flinken Fäusten & flotten Sprüchen aus allen Todesfallen winden kann.

Das geht in Ordnung so, denn Cheyney-Thriller sind unter kriminalliterarischen Gesichtspunkten fröhlicher Unsinn, der einfach nur unterhalten soll. Allerdings war Peter Cheyney, der sich gern als kosmopolitischer Lebemann gab, nach Aussagen seiner Zeitgenossen kein durchweg angenehmer Mensch. So soll er ausgesprochen rassistisch gewesen sein. Nach der Lektüre von “Rote Lippen – blaue Bohnen” will oder muss man das glauben. Die Geschichte spielt in Mexiko, dessen Bürger der Verfasser entweder herablassend – Lemmy duzt sie alle, während er selbstverständlich gesiezt wird – oder offen als Menschen minderer Klasse behandelt:

- „Sie setzen sich hin, greifen nach ihren Gitarren und gucken verdutzt aus der Wäsche, wie das die Mexikaner immer tun, wenn sie merken, dass sie arbeiten müssen.“ (S. 9)

- „Ich stelle fest, dass sie für eine Mexikanerin einen verteufelt hübschen Mund hat. Sie hat nicht solche dicke Lippen wie die meisten Frauen hier unten …“ (S. 11)

- „Er hat den Mund voll Gold wie jene naiv-protzigen Südamerikaner, die damit zeigen wollen, dass sie die Taschen voll Geld haben.“ (S. 109)

Dies sind willkürlich herausgegriffene Beispiele. Die traurige Liste lässt sich leicht verlängern. Für Caution = Cheyney sind alle (männlichen) Mexikaner faule, verlogene, geldgierige, korrupte Gockel, die man ordentlich züchtigen muss. Die Frauen sind hitzig und allzu freizügig, so dass ein (weißer) Mann, der auf sich hält, es tunlichst vermeidet sich in amouröse Niederungen zu begeben. Dass solche Niederträchtigkeiten quasi wie nebenbei und in Nebensätzen geäußert werden zeigt, dass sie vom Verfasser so beabsichtigt sind.

Deutsche Verschlimmbesserungen

Die deutsche Übersetzung versucht den Verfasser offenbar noch zu übertrumpfen. „Don’t Get Me Wrong“ wurde 1939 veröffentlicht, “Rote Lippen – blaue Bohnen” indes erst 1954, als die Lemmy-Caution-Filme auch die deutschen Zuschauer in die Kinos lockten. Die Handlung wurde ‚aktualisiert‘: Plötzlich lesen wir von Lemmys Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg, der zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung gerade erst begonnen hatte. Es fällt ohne Blick in den Originaltext schwer, ob sich der Plot auch ursprünglich um Atomspionage mit sowjetischen Drahtziehern drehte. Sowjets gab es auch 1939 schon, aber die gesamte Kalter-Krieg-Szenerie muss dem Roman nachträglich aufgepfropft worden sein – samt hysterischer Hasstiraden gegen die roten Teufel, die Lemmy am liebsten über den Haufen schießen will.

„Rote Lippen – blaue Bohnen“ als Film

Eddie Constantine spielte die Lemmy-Caution-Figur mit der nötigen Dosis Selbstironie, welche zum operettenhaften Geschehen passt, was ihr bei Cheyney völlig abgeht. Constantines Caution ist ein sympathischer, großer, nie erwachsen gewordener, kalauernder Junge, der weder sich noch die absurden Kriminalfälle ernst nimmt, in die er ständig verwickelt wird. Diese Unbekümmertheit floss in die rasant gemachten B-Movies der 1950er Jahre ein, die Constantine, ein US-Amerikaner in Frankreich, wie am Fließband drehte.

„Rote Lippen – blaue Bohnen“ („Vous Pigez?“/„Il Maggioratio Fisico“), eine französisch-italienische Coproduktion, entstand 1955 unter der Regie von Pierre Chevalier. Vor und hinter der Kamera tummelten sich filmerfahrene Leute, so dass dieses vierte Filmabenteuer von Lemmy Caution trotz der dicken Staubschicht, die sich auf diesen Streifen gelegt hat, auch heute noch anschaubar ist. (Hier dreht sich die Story übrigens nicht um geheime Sprengstoffe, sondern um die Herstellung künstlicher Diamanten – ein weiterer Hinweis auf die Nebensächlichkeit von Logik.)

Autor

Reginald Evelyn Peter Southouse Cheyney wurde am 22. Februar 1896 in London, Stadtteil Whitechapel, als jüngstes von fünf Kindern geboren. Rechtsanwalt sollte er werden, doch wie so viele seiner Altersgenossen musste er in den I. Weltkrieg einrücken, wo er es bis zum Lieutenant brachte. Der junge Mann versuchte nach seiner Entlassung im Showbusiness Fuß zu fassen. Jahre der Armut folgten, in denen Cheyney kleine Theaterrollen ergatterte, Sketche und Lieder schrieb. In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre verzeichnete Cheyney endlich Erfolg als Ghostwriter, der unter dem Namen eines ehemaligen Polizisten „wahre Kriminalgeschichten“ verfasste. Er gründete eine Literaturagentur, die gleichzeitig Detektei war.

1936 versuchte sich Cheyney als Schriftsteller unter eigenem Namen. „This Man Is Dangerous”, der erste Roman einer Serie um den FBI-Agenten Lemmy Caution, wurde sogleich ein großer Erfolg. Auch mit Slim Callaghan, einem britischen Privatdetektiv, traf Cheyney ins Schwarze. In den nächsten 15 Jahren verfasste er mindestens zwei Romane pro Jahr. Hinzu kamen unzählige Kurzgeschichten, die sich derselben Mixtur aus Sex & Crime bedienten wie später u. a. Ian Fleming (James Bond) oder Mickey Spillane (Mike Hammer).

Peter Cheyney ließ die Kerze seines Lebens an beiden Enden kräftig brennen. Schon in den späten 1940er Jahren begann der Raubbau, den er mit seinen Kräften trieb, seine Folgen zu zeigen, ohne indes seine Produktivität zu beeinträchtigen. Am 26. Juni 1951 ist Cheyney im Alter von nur 55 Jahren gestorben.

Den eigentlichen Erfolg seiner Werke erlebte Cheyney nicht mehr. Besonders in Frankreich erfreuten sich seine unbekümmert harten, anspruchslosen Geschichten großer Wertschätzung. Zwei Jahre nach seinem Tod entstand mit „La mome vert-de-gris“ (dt. „Im Banne des blonden Satans“) der erster einer langen Reihe von  Lemmy-Caution-Streifen, die den aus Los Angeles stammenden, in den USA erfolglosen Schauspieler Eddie Constantine (1917-1993) zum europäischen Film- und Kultstar machten. Auch in Deutschland liefen diese rabaukig charmanten B-Movies viele Jahre erfolgreich in den Kinos und später im Fernsehen. Primär kamen die deutschen Leser in den Genuss der Cheyney-Romane um Caution und Callaghan, während das sonstige Werk nur sporadisch Aufmerksamkeit gewann. Seit den 1980er Jahren werden die lange nachgedruckten Romane nicht mehr aufgelegt.

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Die Lemmy Caution-Serie:

(1936) Eine Dame stiehlt man nicht/Dieser Mann ist gefährlich (This Man is Dangerous)
(1937) Hiebe auf den ersten Blick (Poison Ivy)
(1937) Schwierige Damen/Serenade für zwei Pistolen (Dames Don’t Care)
(1938) Frauen sind keine Engel/Lemmy schießt nicht auf Blondinen (Can Ladies Kill?)
(1939) Rote Lippen – blaue Bohnen (Don’t Get Me Wrong)
(1940) Auf Befehl der FBI (You’d Be Surprised)
(1941) 1 : 0 für Lemmy (Your Deal, My Lovely)
(1942) Im Bann der grünen Augen/Lemmy lässt die Puppen tanzen (Never a Dull Moment)
(1942) Gut versteckt ist halb gewonnen (You Can Always Duck)
(1945) Die Geheimakten/Wer Lemmy eine Grube gräbt (I’ll Say She Does)

[md]

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BUCHREZENSION: Michael A. Martin/Andy Mangels: Eine neue Ära Star Trek – TITAN 1.

Erstellt von Detlef Hedderich am 16. Oktober 2011

Michael A. Martin/Andy Mangels
Eine neue Ära
Star Trek – TITAN 1

Star Trek – TITAN: Taking Wing, USA, 2008
Cross Cult, Asperg, 11/2008
TB, SF
ISBN 978-3-941248-01-4
Aus dem Amerikanischen von Stephanie Pannen
Titelillustration von Cliff Nielsen
4 aufklappbare Farbillustrationen im Innenteil: Übersicht U.S.S. TITAN, entworfen von Sean Tourangeau

www.cross-cult.de
www.startrekromane.de
www.andymangels.com/
http://stourangeau.deviantart.com/

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

Will Riker und Diana Troi sind nach den Ereignissen um den Prätor Shinzon im Romulanischen Imperium endlich auf dem Raumschiff ‚Titan„ angekommen. Will ist stolzer Kapitän dieses Schiffes, und mit Ehrgeizig macht er sich an sein Projekt, so viele unterschiedliche Völker der Föderation an Bord aufzunehmen, wie es nur geht. Dabei gibt es so exotische Wesen wie den Chefarzt Dr. Ree, der stark an einen T-Rex erinnert. Gleichzeitig ist Will immer noch davon überzeugt, dass er es schaffen kann, Christine Vale zu überzeugen, als sein Erster Offizier an Bord zu kommen. Schließlich kann er sie umstimmen, und nun könnte es eigentlich losgehen in Regionen des Weltalls, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Leider machen ihm die Ereignisse im Romulanischen Imperium einen Strich durch die Rechnung. Durch den Tod Shinzons und der von ihm zuvor eingeleiteten Vernichtung des gesamten romulanischen Senats blieb ein gewaltiges Macht-Vakuum zurück. Seither gibt es verschiedene Gruppen auf Romulus, die dies auszunutzen gedenken. Durch die Uneinigkeit scheint ein Bürgerkrieg vorprogrammiert, der jene Welt in ein Chaos zu stürzen droht. Die Remaner melden sich ebenfalls und verlangen nach der Anerkennung und Hilfe, die ihnen ihrer Meinung nach zusteht. Immerhin wurden sie über Generationen von den Rhiannsu versklavt.

Captain Picard wäre für die diplomatischen Verhandlungen hervorragen geeignet. Da aber Shinzon der Klon des Captains war, lehnen die Romulaner Verhandlungen mit dem Oberhaupt der Besatzung des Raumschiffs ‚Enterprise„ kategorisch ab. Admiral Akaar informiert Riker darüber, dass er ausgewählt wurde, die Besprechungen zu führen. Donatra, die romulanische Kapitänin der ‚Valdore„, ist damit mehr als einverstanden. Sie war dabei, als die ‚Enterprise„ Shinzon aufgehalten hat und der Androide Data sein Leben ließ, um Rhiannsu als Föderationsmitglieder und vor allem die Erde zu retten.

Als ob diese Situation für Will nicht schon verzwickt genug wäre, erfährt er, dass zwei Vulkanier auf Romulus verschwunden sind. Dabei handelt es sich um Botschafter Spock und Tuvok, dem ehemaligen Besatzungsmitglied der ‚Voyager„. Ein Glück, dass Riker ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Schiffsbesatzung hatte. So wagt er es, die ‚Titan„ mitten in ein Abenteuer zu stürzen, dessen Ausgang sehr ungewiss ist. Captain William Thomas Riker hat sich endlich für ein eigenes Kommando endschieden. Viele Jahre schien es so, als ob der mit allen Wassern gewaschene, smarte Mann die Seite als Erster Offizier von Picard und die ‚Enterprise„ mit all seinen Freunden nicht verlassen wolle. Vor allem seine Heirat mit Diana Troi, seiner großen Liebe, scheint bewirkt zu haben, dass er reifer und gesetzter wurde. Als Captain muss er meistens an Bord des Schiffes bleiben und kann sich nicht mehr einfach so in ein Abenteuer stürzen. Das Leiten der Außeneinsätze muss er nun seinem Ersten Offizier Christine Vale überlassen.

Seine Mannschaft besteht aus den vielfältigsten Bewohnern der zur Starfleet gehörenden Planeten. In einigen Fällen handelt es sich um Wesen, deren Sternensysteme der Starfleet noch skeptisch gegenüberstehen. Diese so unterschiedlichen Kreaturen müssen sich nun zusammenraufen und lernen, einander zu vertrauen. Nach den Ereignissen im Kinofilm „Nemesis“ ist es nur logisch, das romulanische Imperium endlich näher in Augenschein zu nehmen. Dabei wenden sich die Autoren nicht nur losen Fäden des „Star Trek“-Universums zu und weben sie in ihre Story ein. Populäre Protagonisten wie Botschafter Spock oder Tuvok sind das Salz in der Suppe.

Mit einem überraschenden Cliffhanger am Ende des Bandes gelingt den Autoren ein großartiger Schachzug. Damit wird gewährleistet, dass die ‚Titan„ endlich ihre Forschungsarbeit aufnehmen kann und dies in Welten, die wirklich nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Ein nettes Extra bekommen die Fans auch zu sehen: die Ausklappseiten, auf denen die ‚Titan„ in mehreren Ansichten zu sehen ist. Dieses neue Raumschiff wurde von Sean Tourangeau entworfen. Poket Book rief einen Wettbewerb aus, bei dem die Fans aufgefordert wurden, die neue ‚Titan„ zu entwerfen. Die Entwürfe mussten dann bis zum 15.08.2005 an den Verlag Simon & Schuster geschickt werden. Leider durften nur US-Amerikaner und Kanadier teilnehmen.

Alt-Fans und Neugierige können sich beruhigt auf diesen Band einlassen, fährt er doch dank der guten Recherchearbeit der Autoren wunderbar im Fahrwasser des „Star Trek“-Styles. Action ist reichlich vorhanden, und auch das Miteinander der Besatzungsmitglieder und ihrer Familien an Bord der ‚Titan„ wird nicht außer Acht gelassen worden. Ein rundum gelungener Spaß für alle, die es lieben, die Weiten des Alls zu erforschen – und das ist ja bekanntlich endlos.

Copyright © 2011 by Petra Weddehage (PW)

Titel erhältlich bei Buch24.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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