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Archiv für die 'Comic' Kategorie

The Dark Knight Rises

Erstellt von Günther Lietz am 16. August 2012

Das ist er also, der Abschluss einer Trilogie. Regisseur Christopher Nolan zierte sich zwar nach Heath Ledgers Tod einen weiteren Teil zu drehen, schlussendlich sagte er doch zu und machte sich an die Arbeit. Die bekannten Darsteller der beiden vorangegangenen Teile waren ebenfalls mit im Boot und so konnte ein runder Abschluss in Angriff genommen werden. Und wie das bei Hollywood-Filmen so ist, irgendwann ist einmal zu viel.

2005 startete Nolan mit “Batman Begins” neu durch und servierte dem Zuschauer und Fan einen neuen, düsteren und weltlicheren Batman. Dann kam 2008 “The Dark Knight” mit einem grandios spielenden Heath Ledger, der dem Joker neues Leben einhauchte. Während Regisseur Tim Burton 1989 seinen “Batman” noch comichaft inszenierte, war Nolan um Pseudo-Realität bemüht. Während die Marvel-Helden in bunten Kostümen gegen Götter antreten (“Marvel’s The Avengers”, “Spider-Man”) schickt Nolan seinen DC-Heroen gefestigter in den Ring. So auch in “The Dark Knight Rises”.

Trotz einem futuristischen Ambiente bleibt Nolans Batman auf dem Teppich. Christian Bale verkörpert einen Helden, der alleine durch hartes Training, mentale Stärke und ein paar Milliarden auf dem Konto, zum Superhelden avanciert. Die Ereignisse der letzten beiden Filme haben Bruce Wayne jedoch ziemlich mitgenommen, was Bale sehr gut darstellt und beinahe den ganzen Film über hervorragend umsetzt. Vor allem im grandiosen Zwischenspiel mit Michael Caine (als Alfred Pennyworth), der ebenfalls überzeugend schauspielert.

Die Story selbst ist ziemlich banal und kommt ohne große Höhepunkte aus: Batman hat sich zurückgezogen, um die zurückliegenden Ereignisse zu verarbeiten. Bruce Wayne ist emotional und mental am Ende. Da schickt sich Bösewicht Bane (Tom Hardy) an, in Gotham City Unruhe zu stiften und ruft somit Batman auf den Plan, der sich dem Widersacher in den Weg stellt. Nebenbei lernt Wayne die schöne Catwoman Selina Kyle kennen (gespielt von Anne Hathaway) und wird von ihr ausgetrickst.

Es kommt zum Konflikt mit Bane und Batman wird regelrecht auseinandergenommen. Die ganze Sache ist eine private Abrechnung, die ihre Kreise zieht und Opfer fordert. Während Bruce Wayne körperlich am Ende ist, nimmt Bane ganz Gotham City als Geisel und droht alle in die Luft zu sprengen. Wird es Batman gelingen, seine Stadt zu retten …?

Machen wir uns nichts vor, die Antwort liegt auf der Hand: Natürlich wird Batman die Stadt retten. Die Frage ist keinesfalls ob, sondern wie. Das Ziel ist vorgegeben und der Zuschauer darf gespannt sein, den Weg zu verfolgen. Der düstere Ritter, ein cleverer Bösewicht, da werden die Erwartungen gepuscht. Aber weitgehend enttäuscht. “The Dark Knight Rises” ist zwar ein guter Film, aber der schlechteste Film innerhalb Nolans Batman-Trilogie. Und nahe am Rande auch eine schlechte Batman-Verfilmung zu sein.

Das hat mehrere Ursachen, die nur schlecht kaschiert werden. Wer sich einen Eimer Popcorn kauft und abschaltet, wird über die meisten Kritikpunkte hinwegsehen können. Eine etwas genauere Betrachtung des Films offenbart allerdings die Schwächen. Und da gibt es – leider – einige. Das diese so stark ins Gewicht fallen, mag auch an den starken Vorgängern liegen, die Nolan ablieferte. Und ja, Nolan trifft die Alleinschuld, denn seine Darsteller und sein Stab leisten hervorragende Arbeit. Da passt alles. Alleine Drehbuch und Regie sind eines Batmans etwas unwürdig.

Sehr auffällig ist primär der Aufbau von Gotham City. Zwar gibt es genug dunkle Szenen und aktionsgeladene Einsätze bei Nacht, aber schlussendlich entpuppt sich Gotham City als aufgeräumte und lichte Weltmetropole. Die Stadt erinnert mehr an New York, als an einen düsteren Moloch. Der Eindruck wird durch die Kamera verstärkt, die in manchen Bildern an die Occupay-Bewegung erinnert. Das scheint von Nolan auch so gewollt zu sein, denn schlussendlich übt er auch Kritik am Finanzmarkt und ist das Aufbegehren gegen die Oberen ein Thema. Jedenfalls ist Gotham City zu freundlich gestaltet.

Auch der Aufbau von Batmans Gegenspieler Bane weist so seine Macken auf. Tom Hardy gab sich zwar alle Mühe an diese Figur heranzureichen, aber er bekommt weder die Größe, noch das Gewicht hin, dass Bane ausmacht. Trotzdem wirkt er bedrohlich, wird aber zum zahnlosen Tiger in dem Augenblick, in dem er zum ersten Mal gegen Batman antritt. Der Zuschauer kann schon einiges erwarten, immerhin steht sich plötzlich die Elite der Gesellschaft der Schatten gegenüber und schließt Nolan somit den Kreis, in dem er in “The Dark Knight Rises” Bezug auf “Batman Begins” nimmt. Hier stehen sich die besten Ninjas der Welt gegenüber, vollgepumpt mit Testosteron. Und dann liefern diese Super-Ninjas einen langweiligen und drögen Kampf ab, der ans alte Hollywood-Kino erinnert. Langsame Kämpfe, ein bloßer Schlagabtausch. Mehr Boxen und Wrestling, als Martial-Arts auf hohem Niveau. Und das geht im ganzen Film so weiter. Um ehrlich zu sein, Box- und Wrestlingkämpfe sind stellenweise um einiges spannender. Zumal Bane eine so offensichtliche Schwachstelle besitzt, das es beinahe schon lächerlich ist.

Eventuell liegt das Problem darin, dass Nolan Batman menschlicher gestalten möchte und auch den normalen us-amerikanischen Helden Platz einräumt. Das würde den Pathos erklären, der in “The Dark Knight Rises” ständig mitschwingt und am Ende einen lächerlichen Höhepunkt feiert, wenn Polizei und Banes Revoluzzer aufeinandertreffen. Ja, New Yorker Cops sind die Helden des einfachen Mannes. Upps, es muss natürlich heißen: Gotham City Cops sind die Helden des einfachen Mannes. Sie folgen jeder Anweisung, harren aus bis sie gebraucht werden und erledigen dann problemlos eine Armee aus gut bewaffneten Schwerstkriminellen. Natürlich in Uniform und möglichst auch auch noch in Paradeuniform mit Auszeichnung, in schönen Bildern schön zu sehen. Grausam!

Es gibt etliche dieser Szenen, in denen der Held von der Straße schlussendlich Batman den Rang abläuft. Nolans Botschaft ist hier eindeutig. Immerhin bemüht er symbolträchtige Bilder (ein Footballstadion, Brücken, Schulbusse) und setzt bei Cameoauftritten auf Helden des Alltags (etliche Spieler der Pittsburgh Steelers, deren ehemaligen Cheftrainer). Jeder kann ein Held sein, jetzt wissen wir es. Und das Gute siegt immer, auch wenn es nur Hose und Hemd trägt und vor ihm ein Irrer mit einem Sturmgewehr steht. Nolan nimmt Batman im Grunde aus der Gleichung heraus. Aber warum?

Wahrscheinlich, weil er seinem Helden ein Happy End gönnen möchte. Und das macht Christopher Nolan auch. Anstatt wenigstens für ein offenes Ende zu Sorgen (wie in seinem Streifen “Inception”), konstruiert er ein süßes, familientaugliches Happy End. Damit stutzt er dem Film gänzlich die Fledermausflügel, ganz entgegen dem Filmtitel. Wie viele andere Kritikpunkte auch, kann das nur als Anbiederung an den Markt verstanden werden.

Dieser Absturz der Fledermaus ist Schade, denn der Film hat großes Potenzial. Da wären erst einmal die hervorragenden Darsteller, bei denen das Zuschauen einfach Spaß macht. Allen voran die alten Herren Gary Oldman, Morgan Freeman und Michael Caine. Sie sind einfach grandios. Auch Hauptdarsteller Christian Bale überzeugt und verleiht seiner Rolle eine angemessene Tiefe. Jedenfalls soweit ihn Nolan lässt. Bei den männlichen Darstellern gibt es also wenig zu mäkeln. Bei den Frauen sieht die Sache anders aus.

Sicherlich, sie könnten zeigen was in ihnen steckt, würde Nolan ihnen Freiraum und eine angemessene Rolle geben. Stattdessen sind sie nur hübsche Stichwortgeberinnen. Wie erbärmlich. Anne Hathaway versucht zwar einiges in ihrer Rolle als Catwoman zu geben, aber tatsächlich ist die Rolle ziemlich überflüssig und mehr den Erwartungen den Fans geschuldet, als dem Bezug zur Story. An Catwomans Stelle könnte auch jede andere Frau stehen, die einen Zündschlüssel bedienen kann. Die Rolle der Catwoman wirkt einfach aufgesetzt. Schade für Hathaway.

Handwerklich ist jedenfalls alles in Ordnung. Wohltuend ist vor allem, dass Nolan “The Dark Knight Rises” klassisch in 2D drehte und sich dem 3D-Hype verweigerte. Damit liegt der Film auf einer Linie mit seinen beiden Vorgängern. Gleichzeitig wird dadurch das Erzähltempo und der Schnitt gefördert, was dieser Batman dringend brauchen kann, denn er ist sehr dialoglastig (zeitweise beinahe an der Grenze zur Langeweile) und kommt mit weniger Action als gedacht aus.

Richtig Laune machen mal wieder die ganzen Spielereien, die Lucius Fox (gespielt von Freeman) auf Lager hat. Das erinnert schon ein wenig an James Bonds Q. Herrlich die Anspielung auf “Batman Beginns” und Waynes Test des Tumblers. Wunderbar. Leider gibt es zu wenige dieser Augenblicke.

Glücklicherweise weiß Christopher Nolan Filme zu inszenieren und bietet dem Zuschauer wenigstens normale Popcorn-Unterhaltung. Sein Versuch einen endgültigen und runden Abschluss zu finden ist leider gescheitert. Was bleibt ist ein manchmal langgezogenes Spektakel und ein Batman, der besser hätte sein können. Aber Nolan hatte ja im Vorfeld selbst die Frage aufgeworfen, wie viele gute dritte Filme eines Franchises die Leute überhaupt nennen können (“That’s the overriding question. On a more superficial level, I have to ask the question: How many good third movies in a franchise can people name?” – Quelle: http://herocomplex.latimes.com/2008/10/27/christopher-nol/). “The Dark Knight Rises” gehört leider nicht dazu.

Wer sich für eine weitaus detailliertere Kritik und Analyse interessiert, dem sei Olivia Collettes Artikel auf Chicago Sun-Times empfohlen (Spoilerwarnung, Englisch): http://blogs.suntimes.com/foreignc/2012/08/what-makes-a-really-good-bad-guy.html.

Copyright © 2012 by Günther Lietz, all rights reserved

The Dark Knight Rises

Originaltitel: The Dark Knight Rises

Produktionsland: USA, Vereinigtes Königreich (2012)
Originalsprache: Englisch
Länge: 164 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan, David S. Goyer
Produktion: Emma Thomas, Charles Roven
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Wally Pfister
Schnitt: Lee Smith

Christian Bale (Bruce Wayne/Batman), Gary Oldman (James „Jim“ Gordon), Tom Hardy (Bane), Anne Hathaway (Selina Kyle/Catwoman), Joseph Gordon-Levitt (John Blake / Robin), Marion Cotillard (Miranda Tate), Morgan Freeman (Lucius Fox), Michael Caine (Alfred Pennyworth), Matthew Modine (Lt. Foley), Cillian Murphy (Jonathan Crane/Scarecrow), Nestor Carbonell (Bürgermeister Garcia), Aidan Gillen (CIA Agent), Juno Temple (Holly Robinson), Ben Mendelsohn (John Daggett), Joey King (junge Talia al Ghul)

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Marvel’s The Avengers

Erstellt von Günther Lietz am 17. Mai 2012

Da ist er nun, nach all den Jahren. Der eine Film, auf den alle anderen Streifen nur vorbereitet haben: „Marvel’s The Avengers“! Hat sich das Warten überhaupt gelohnt? Kann der Film den Erwartungen entsprechen? Gibt es überhaupt etwas neues an der Superheldenfilmfront? Ja! Ja! JA!

“Marvel’s The Avengers” ist Teil des Marvel Cinematic Universe, das sich um die Produktion der hauseigenen Superheldenfilme kümmert. Angefangen mit “Iron Man“ (2008), über “Iron Man 2″ (2010), “Der unglaubliche Hulk“ (zwar 2008, aber innerhalb des Marvel Cinematic Universe ist dessen Ende nach “Iron Man 2″ anzusiedeln), “Thor” (2011), bis hin zu “Captain America – The First Avenger” (2011) war es ein langer Weg. Jeder der vorangegangenen Filme war eine Etappe, in dem es gemeinsame Komponenten gab. Allen voran die Figur des Nick Fury, gespielt vom wunderbaren Samuel L. Jackson.

Kultregisseur Joseph Hill „Joss“ Whedon (“Buffy”, “Firefly”) übernahm die Regie und schrieb auch das Drehbuch, um die Marvel-Filme der letzten Jahre zusammenzuschweißen und endlich die Avengers (Die Rächer) auf der Kinoleinwand zu entfesseln.

In der Geschichte – und ja, es gibt tatsächlich eine Story – dreht sich alles um den Tesserakt, der bereits in “Captain America – The First Avenger” von Bedeutung war. Auf den hat es nämlich der Asgardi Loki abgesehen, der Stiefbruder des mächtigen Thor. Ziel der Sache ist es, mit dem Artefakt ein Tor zu öffnen und fiese Außerirdische auf die Menschheit loszulassen. Die Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. – unter der Führung von Nick Fury – hat etwas dagegen und so ruft der gewiefte Geheimagent die Avengers Initiative ins Leben. Nun, zuerst einmal holt er einige Superhelden ins Boot und versucht aus ihnen ein Team zu bilden. Und da fangen die Probleme an.

Iron Man, Captain America, den Hulk und Thor in einen Raum zu sperren, ist eine Herausforderung. Aus diesen Superhelden ein Team zu machen, ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Fury kann zum Glück auf die Hilfe von Black Widow setzen. Trotzdem kommen sich die Egos der Helden ständig in die Quere. Dazu kann der Hulk kaum kontrolliert werden und folgt Cap einem eigenen Ehrenkodex. Dummerweise hat auch noch Hawkeye die Seiten gewechselt. Witzigerweise wird dieser Held im Film “Falke” genannt, alle anderen bleiben beim Originalnamen.

Es ist kein großes Geheimnis, dass es Fury gelingt mit einigen Tricks und Opfern ein Bündnis zu schmieden und die Avengers zu gründen. Comicfans erkennen natürlich sofort, dass sich das Marvel Cinematic Universe weidlich aus der Marvel-Kiste bedient, aber schlussendlich einen eigenen Kosmos erschafft. Somit sind es die üblichen Helden, aber mit einem neuen Twist. Das sorgt für Vertrautheit und gleichzeitig auch eine Portion Überraschung. Das ist bereits eine nette Mischung. Und darauf kommt noch eine große Packung Joss Whedon!

Joss Whedon hat sich mit den TV-Serien “Buffy” und “Firefly” bereits seine Sporen verdient. Seine Helden sind keine bloßen Abziehbilder, sondern bieten auch den nötigen Tiefgang, um eine Story zu erzählen. Whedon gelingt dabei allerdings das Kunststück, stets das richtige Tempo und die richtige Balance zu erwischen. Mit seinem Streifen “Serenity” hat er auch Erfahrungen im Kinobereich gesammelt und er gehört zu den Regisseuren, die gerne mal etwas Neues ausprobieren. Und seine größte Stärke: Der Mann hat echten Humor! Das ist eine hervorragende Mischung, um einen hervorragenden Film zu machen.

Obwohl “Marvel’s The Avengers” etwas holprig anfährt, nimmt der Film schnell Fahrt auf. Joss Whedon muss halt erst einmal alle Superhelden zusammenbringen und den Einstieg in die Story präsentieren. Anstatt herumzuplänkeln und wertvolle Zeit zu vergeuden, gibt er lieber Gas und donnert mit dem Kopf durch die Wand. Er macht sozusagen den Hulk. Das ist kurz irritierend, aber dann ist Joss Whedon auch schon im Fahrwasser und gibt ordentlich Schub.

“Marvel’s The Avengers” ist trotz dem hohen Tempo und den bunten Kostümen keiner der üblichen Action-Superheldenfilme. Glücklicherweise. Whedon findet das richtige Gleichgewicht zwischen Story und Action, strikt einen spannenden und aktionsgeladenen Plot. Hier ist die Geschichte tatsächlich von Bedeutung und der Motor, um den Film anzutreiben. Dazu kommen die wunderbaren Dialoge, die witzig und zugleich stark sind. Es wird keine Zeit mit dummem Gesäusel vertrödelt. Selbst der lapidarste Spruch skizziert im Kern eine der Figuren. Hier sind die Sprüche nicht nur cool, sondern haben Inhalt und zeigen, wer hinter der Maske steckt.

Joss Whedon kann sich dabei auch auf eine Riege an Darsteller verlassen, die ihresgleichen sucht. Allen voran Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Mark Ruffalo, Tom Hiddleston und Samuel L. Jackson. In Nebenrollen treten Schauspieler wie Cobie Smulders (bekannt aus “How I met Your Mother”), Stellan Skarsgård und die wunderbare Gwyneth Paltrow (als Virginia „Pepper“ Potts) auf.

Die Spielfreude ist allen beteiligten jederzeit anzusehen und Whedon weiß seine Pappenheimer auch in Szene zu setzen. Mit Scarlett Johanssons – als Natasha Romanoff (Black Widow) – hat er zwar nur eine echte weibliche Hauptrolle, aber die Figur wird umso stärker in den Film eingebunden und kann locker mit den anderen Superhelden mithalten. Gleiches gilt auch für den Hulk, einer der Superhelden, der sich eigentlich nur schwer als Charmebolzen umsetzen lässt.

In “Marvel’s The Avengers” wurde Bruce Banner mit Mark Ruffalo besetzt, also erneut ein neuer Schauspieler (Mark Ruffalo ersetzt somit Edward Norton aus “Der unglaubliche Hulk“). Ruffalo gelingt es tatsächlich dem unkontrollierbaren Titanen die nötige Tiefe und Dramatik zu verleihen, die der Hulk so dringend braucht. Selbst als grüner Hüne scheint noch immer genug von Ruffalos Persona durch. Liebevolles Detail am Rande: Hulk wird im Original mal wieder von Lou Ferrigno gesprochen, dem Hulk-Darsteller der 70er- und 80er-Jaher des letzten Jahrtausends. Gegenwärtig dürfte Ferrigno allerdings noch durch seine Rolle in der TV-Serie “King of Queens” bekannt sein. Zuschauer der Originalfassung kommen auch in den Genuss von Paul Bettany, der Starks Jarvis seine Stimme leiht. In der deutschen Synchronisation muss natürlich auf diese beiden Stimmen verzichtet werden.

Allgemein ist der Streifen liebevoll gestaltet. Neben dem üblichen Cameoauftritt von Marvel-Alt-Star Stan Lee, gibt es auch weitere verborgene und offene Details (zum Beispiel Tony Starks Black-Sabbath-T-Shirt, Hulks Seitenhieb auf Thor). Vieles wird sich nur dem Comicfan offenbaren, stellt aber auch nur eine Option dar. Dem normalen Zuschauer entgeht nichts, er kann ohne Vorwissen in das Actionspektakel einsteigen. “Marvel’s The Avengers” bietet also Unterhaltung für ein breites Publikum. Der Film geht in die Tiefe und ist trotzdem leicht zugänglich.

Sich über “Marvel’s The Avengers” auszulassen würde ganze Bücher füllen. Joss Whedon hat mir Bravour ein Mammutprojekt vollendet, dass über Jahre lief. Hut ab vor den Verantwortlichen bei Marvel, dieses Durchhaltevermögen an den Tag zu legen. Zumal einige der vorangegangenen Filme ihre Schwächen hatten oder auch wichtige Lizenzen bei anderen Filmstudios gebunden sind (“Spider Man”, “X-Men”, “Wolverine”) und die Konkurrenz mit den Batman-Filmen Christopher Nolans die Messlatte verdammt hoch ansetzte. Nolan und Whedon sind derzeit mit ihren Verfilmungen aber gleich stark anzusetzen. Wer auf hervorragende Actionfilme und coole Comicverfilmungen steht, der kommt an “The Dark Knight” (2008) und “Marvel’s The Avengers” nicht vorbei. Das ist einfach ein Fakt, das sind Fixsterne im Filmuniversum.

Auch Soundeffekte und Musik (Alan Silvestri) sind vom Feinsten und die Kamerafahrten (Seamus McGarvey) bieten Spannung, Abwechslung und Überraschungen ohne Ende. Dazu ein genialer Schnitt (Jeffrey Ford, Paul Rubell) und das Beste, was Animations- und Tricktechnik derzeit zu bieten hat. Joss Whedon at the best!

Was bleibt noch zu sagen, außer, dass “Marvel’s The Avengers” eine absolute Empfehlung darstellt – in jeder Dimension!

Copyright © 2012 by Günther Lietz, all rights reserved

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Marvel’s The Avengers

Originaltitel: The Avengers

Produktionsland: USA 2012
Länge: 142 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joss Whedon
Drehbuch: Joss Whedon
Produktion: Kevin Feige
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Jeffrey Ford, Paul Rubell

Besetzung: Chris Evans (Steve Rogers/Captain America), Robert Downey Jr. (Tony Stark/Iron Man), Scarlett Johansson (Natasha Romanoff/Black Widow), Mark Ruffalo (Bruce Banner/Hulk), Chris Hemsworth (Thor), Tom Hiddleston (Loki), Jeremy Renner (Clint Barton/Hawkeye), Samuel L. Jackson (Nick Fury), Clark Gregg (Agent Phil Coulson), Lou Ferrigno (Hulk (Sprechrolle)), Cobie Smulders (Maria Hill), Stellan Skarsgård (Professor Erik Selvig), Gwyneth Paltrow (Virginia „Pepper“ Potts), Paul Bettany (Jarvis (Sprechrolle))

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Thor

Erstellt von Günther Lietz am 12. Juni 2011

Glattgebügelt und politisch korrekt gestaltet sich Kenneth Branaghs “Thor”, der 2011 mit schwingendem Hammer die Kinoleinwand erobert – oder besser gesagt: zertrümmert. Was über den großen Teich herangeschwappt kommt ist, gelinde ausgedrückt, ein großer Haufen Mist!

Das sich Hollywood keinen Deut um die korrekte Darstellung einer Idee oder Geschichte kümmert, ist bekannt. Das gilt auch für Comics. Da wird eine Sage gerne mal frei interpretiert oder ganze Mythen locker adaptiert. An sich kein Problem, solange es gut gemacht ist und wenigstens einen Funken des Originals beinhaltet. Die nordischen Sagen – im speziellen die eddischen Schriften – derart zu vermurksen, dafür braucht es schon einiges an Schneid. Oder an Dummheit. Beides geht ja gerne Hand in Hand. Eventuell fällt auch nur einem Europäer auf, was für ein Schmarrn Regisseur Kenneth Branagh und die Autoren Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski und Mark Protosevich aus dem Hut gezaubert haben.

Die Unterschiede zu den mythologischen eddischen Schriften nun mal beiseite gestellt, verfehlt der Film sogar die Comicvorlage von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby. Was am Ende bleibt ist eigentlich nur ein Hüne mit Hammer im Kostüm, der sich Superheld nennt und den Marvel-Stempel trägt. Dabei wird hier im Film eigentlich die Geschichte über Thors Wandlung zum Superhelden erzählt. Und die ursprüngliche Story aus dem Jahre 1962 unterscheidet sich doch arg von dem, was der Film anbietet. Das mag auch noch geschenkt sein, aber der Streifen wartet ja auch mit inhaltlichen Fehlern auf.

Sehen wir uns mal die Hauptfigur und seine Heimat an. Asgard selbst liegt irgendwo im Universum. Es handelt sich um eine polierte Stadt, die klinisch tot wirkt. Ihre Bewohner tauchen nur auf, wenn sie beim Wacheschieben sterben oder dem lieben Odin zujubeln. Der wird von Anthony Hopkins gespielt. Der Film zeigt übrigens wie der liebe Odin sein Auge im Kampf verliert. Auch hier eine sehr freie Auslegung der Geschichte. Aber auch das sei geschenkt.

Thor (Chris Hemsworth) ist nun ein ziemlich arroganter Bursche und den Einflüsterungen seines Bruder Loki (Tom Hiddleston) hilflos ausgeliefert. Loki gibt natürlich den Bösewicht und hat seine ganz eigenen Pläne. Also stachelt er Thor zu Unsinn an. Der versammelt ein paar Kumpels, rast über die Regenbogenbrücke und lässt sich dann von Heimdall (Idris Elba) zu den Frostriesen beamen. Und das alles politisch korrekt, denn der blonde Thor hat in seiner illustren Runde eine Frau, einen Asiaten, Heimdall ist ein Schwarzer und es gibt auch noch den nordisch anmutenden Nordmann. Das hat mit der nordischen Mythologie um Thor so viel zu schaffen wie ein Haferkeks mit einem Stück Torf. Okay, der Haferkeks ist für sich alleine wenigstens zu genießen, “Thor” dagegen nicht. Zwar gehören Fandral, Hogun und und Volstagg innerhalb des Marvel-Universum an Thors Seite (sie sind ja die The Warriors Three), aber hier wird die Story erzählt wie Thor zum heldenhaften Gott wird und sich den Ruf als göttlicher Held erwirbt. Seine unterstützenden Kampfgefährten kommen eigentlich erst später hinzu.

Das Heimdall von einem Schwarzen gespielt wird wirkt auf Europäer sicherlich verstörend und ist im direkten Bezug zu den Originalcomics natürlich Murks, entspricht aber der Version des alternativen Marvel-Universums aus „Thor: The Mighty Avenger“. Dort ist Heimdall, als Bewahrer der Bifrost Bridge, ebenfalls ein Schwarzer. Das wirkt aber einfach befremdlich. Natürlich ist es normal, dass jeder Superheldenfilm Teil des Superheldenfilm-Universums wird und aus den Comics nur die besten Stücke nimmt. Aber hier wurden die, mit Verlaub, schlechtesten Stücke genommen und zu einem glattpolierten Stück Film zusammengeschaufelt. Aber weiter mit der Handlung, denn die Action ist vorhersehbar und langweilig. Die Möglichkeiten des göttlichen Hammers werden kaum ausgelotet.

Nachdem Thor wegen seinem Alleingang Ärger bekommt, wird er auf die Erde verbannt und trifft dort auf drei Wetterforscher, während sein Hammer irgendwo in der Wüste landet und zum Zentrum lustiger Hammerpartys wird. Also “Akte X” mag ja an den Haaren herbeigezogen sein, aber in der Realität würde so ein Hammerding sofort die “Men in Black” anlocken; oder halt Mulder und Scullys reale Kollegen. Aber egal, auch das sei geschenkt.

Thor ist halt ein arroganter Kerl, viele Dinge laufen schief und es gibt lustige Begegnungen zwischen dem Gott und den Sterblichen. Schlussendlich erfährt Thor eine Wandlung seiner Persönlichkeit und es kommt zu Endkampf. Ende! Puh, das ist schnell zusammengefasst und das ist auch gut so. Denn es gibt keinen Grund für Thors Wandlung, es gibt keine Charakterentwicklung. “Thor” ist einfach auf ein Zielpublikum zugeschnitten, dass sich leicht zufriedenstellen lässt. Und um sämtliche Schwächen zu kaschieren kommt der ganze Murks auch noch in 3D auf die Leinwand. Wer kann solch einen Film gut finden? Vor allem nach so vielen starken Superheldenfilmen, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen. “Spider Man”, “Superman”, “Iron Man” und der grandiose “The Dark Knight”. Die Messlatte hängt verdammt hoch, da ist nur schwer heranzukommen. “Thor” wagt noch nicht mal den Versuch.

“Thor” selbst ist Mist. Und es ist ein Rätsel, warum der Streifen trotzdem ein gutes Einspielergebnis abliefert. Liegt es daran, dass die Kinobesucher keinen Bezug zu den Sagen haben? Ist 3D-Kino Kopfwäschekino? Oder sind Bildungsniveau und Kunstverständnis in der Gegenwart einfach tot? Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Hollywood einfach ein entsprechendes Publikum erzogen hat, dass mit so wenig so zufrieden ist. „Thor“ hätte ein großartiger, erstklassiger Film werden können, mit einem Helden, der Tiefgang besitzt und echte Lebenserfahrungen macht. Stattdessen präsentiert sich Thor wie ein pubertierende Knabe, in dem allerdings ein Held steckt. Wobei, das dürfte das pubertierende Zielpublikum ja gerade ansprechen und wäre ein Grund, warum dieser Murks solch ein Murks ist. Murks eben. Und im Nachhinein lieber doch nicht geschenkt.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Thor

Originaltitel: Thor (USA 2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski
Produktion: Kevin Feige
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Haris Zambarloukos
Schnitt: Paul Rubell

Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Tom Hiddleston (Loki), Anthony Hopkins (Odin), Idris Elba (Heimdall), Samuel L. Jackson (Nick Fury)


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Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther

Erstellt von Günther Lietz am 10. August 2010

Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther

Regisseur: Will Meugniot, Richard Sebast
Format: Dolby, PAL, Surround Sound, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: KSM GmbH
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 70 Minuten

Der Kampf gegen die Chitauri geht in die Fortsetzung und diesmal sind die Avengers schwächer als je zuvor …

Zwar bilden die Avengers unter der Führung von Nick Fury noch immer eine Einheit, aber innere Streitigkeiten erschüttern den Zusammenhalt. Da es den Superhelden nun an diesem mangelt, ist die richtige Gelegenheit für die Chitauri, um die Erde anzugreifen. Das geschieht unter der Führung des ehemaligen SS-Offiziers Kleiser, einem alten Feind von Captain America. Die Sache wird also sehr persönlich.

Merkwürdigerweise scheinen es die Chitauri auf ein kleines afrikanisches Land abgesehen zu haben. Sie töten den lokalen Superhelden, der gleichzeitig auch der König ist. Sein Sohn muss nun in das Kostüm des schwarzen Panthers schlüpfen und die Eindringlinge zurückschlagen. Alleine kein leichtes Unterfangen. So sucht er den Kontakt zu den Avengers – gegen den Willen seines Volkes – und die Chitauri sind scheinbar unaufhaltsam …

Es hat etwas gedauert, aber endlich ist die Fortsetzung auf DVD erschienen. Diesmal ist die Geschichte um einiges kompakter und auch spannender. Immerhin sind die Superhelden zerstritten und jeder scheint sein eigenes Süppchen zu kochen. Das sorgt für emotionale und somit entsprechend anspruchsvolle Augenblicke. Das Ganze wird in einer guten Zeichenqualität präsentiert, die gefällt. Vor allem die Dynamik ist gelungen.

Aber mit Kleiser haben die Ultimate Avengers auch einen entsprechenden Gegner, der ihnen Paroli bieten kann. Ohne Rücksicht auf Verluste geht er gegen seine Feinde vor und es bleiben dabei einige Leute auf der Strecke. Unter anderem ein Mitglied des Teams. Das steigert enorm die Dramatik, denn im Hinterkopf setzt sich fest, dass jeder der Helden sein Leben verlieren könnte.

Natürlich ist und bleibt es eine Superheldengeschichte und am Ende werden die Ultimate Avengers triumphieren. Aber um was für einen Preis? Am Ende steht der Sieg, aber am Ende wird nicht alles gut …

Die Synchronisation des Films ist sehr gelungen. Die deutschen Stimmen sind einen Tick angenehmer, als die englischen Sprecher. Hier waren eindeutig Profis am Werk. Der Ton in Dolby Digital 5.1 unterstützt das natürlich noch und somit ist „Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther“ auch für die Ohren gute Unterhaltung.

Mit einer Länge von knapp siebzig Minuten bietet der Film kurzweilige Zeichentrickspannung aus dem Marvel-Universum. Während der Hulk eine eher sitzende Rolle innehat, stehen Captain America und Black Panther im Mittelpunkt der Ereignisse. Beide eint ein gemeinsamer Feind, aber gleichzeitig werden sie durch ihre kulturellen Hintergründe auch getrennt. Das ist gelungen umgesetzt.

Unter dem Strich ist „Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther“ ein feiner Film des Genres. Kein großer Schlag, aber solide Unterhaltung.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Doctor Strange

Erstellt von Günther Lietz am 5. Juli 2010

Doctor Strange

Regisseur: Frank Paur, Jay Oliva
Produktion: USA (2007)
Dolby, PAL, Surround Sound, Widescreen
Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
16:9 – 1.77:1
Freigegeben ab 12 Jahren
73 Minuten
KSM GmbH (Juni 2010)

Hochintelligent, arrogant und von Schuldgefühlen zerfressen, das ist Doktor Stephen Strange. Der Neurochirurg beschäftigt sich nur noch mit außergewöhnlichen Fällen und ist für die Bitten normaler Patienten taub. Das ändert sich jedoch eines Tages, als eine dämonische Kreatur die Stadt angreift und Strange Zeuge davon wird – obwohl die Kreatur und die sie jagenden Magier unsichtbar sind.

Kurz darauf hat Strange eine Vision und einen Unfall, bei dem seine Hände schwer verletzt werden. Strange muss seinen Beruf an den Nagel hängen. Die Suche nach einer Heilung kostet ihn sein Vermögen. Er ist am Ende. Doch einer der monsterjagenden Magier erscheint Strange und erklärt ihm, die Heilung wäre in Tibet möglich. Strange macht sich auf den Weg und erkennt, dass die erhoffte Heilung ihn auf einen neuen Weg führt, auf den Weg der Marvel-Superhelden …!

Stephen Strange ist ein äußerst spannender Charakter aus dem Universum der Marvel-Comics und wurde 1963 von Stan Lee und Steve Ditko erschaffen. Seine Beliebtheit schlug sich in TV-Serien, Videospielen, Trading Card Games und vielen anderen Dingen nieder. Unter anderem auch im vorliegenden Zeichentrickfilm „Doctor Strange“, der 2007 produziert und nun (2010) bei KSM für den deutschen Markt erschien.

Wie bei den meisten Comicverfilmungen üblich, wird der Werdegang des Helden aufgezeigt. Dabei befindet sich Strange – ähnlich wie Bruce Wayne (Batman) – auf einem Selbstfindungstrip nach Tibet und wird dort in den Kampfkünsten ausgebildet, die ihn nachhaltig prägen. Doctor Strange erfährt zudem mystische Geheimnisse und erlernt die Kunst der Magie. Das ist zwar gut inszeniert und lässt keine Wissenslücken offen, wirkt aber ziemlich langatmig. Erst zum Ende des Films zieht die Handlung an und legt eine ordentliche Geschwindigkeit vor. Und dann wird es richtig spannend, denn immerhin tobt die Action. Als Schmankerl für Fans kommt sogar der Name Dr. Donald Blake vor – und somit der mächtige Thor. Leider hat dieser Superheld keinen Auftritt in dem Film.

Die Action ist an sich ebenfalls gelungen, aber erneut gibt es einige Punkte zu bemängeln. So werden Computeranimationen mit dem normalen Trickfilm kombiniert und sind leicht zu erkennen. Das stört die Einheitlichkeit im Stil. Dieser offensichtliche Stilmix wirkt leicht irritierend. Zudem sind die Kampfszenen sehr langsam im Ablauf. Bei den Schlägen und Schwerthieben kommt Langweile auf, denn es fehlt jegliches Tempo. Dadurch werden die Szenen beinahe statisch. Hier wäre mehr Dynamik schöner gewesen.

Die Zeichnungen selbst sind sehr gelungen und machen Laune. Sie wirken flüssig und die Charaktere besitzen einen hohen Wiedererkennungswert. Auch die gezeichneten Kulissen sind gut gemacht. Bis auf die offensichtlichen Computeranimationen wirkt alles wie aus einem Guss.

Die Sprecher leisten eine gute Arbeit. Die Stimmen sind passend gewählt und sorgen für Spannung. Auch Musik und Klang sind in Ordnung. Dolby Digital 5.1 ist zwar vorhanden, wird aber keinesfalls ausgereizt. Für einen Zeichentrickfilm ist das jedoch nachvollziehbar. Das Bild der vorliegenden DVD ist stellenweise leider etwas pixelig und schwammig.

Schlussendlich ist „Doctor Strange“ ein ansehnlicher Film mit einigen Stärken und Schwächen. Besonders gelungen ist der Abspann, in dem Bilder aus den Comics eingepflegt wurden. Eine schicke Sache.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Iron Man 2

Erstellt von Günther Lietz am 6. Mai 2010

Iron Man 2

Kinostart: 6. Mai 2010

Produktion: USA 2010
Laufzeit: zirka 123 Minuten

Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Justin Theroux
Kamera: Matthew J. Libatique
Schnitt: Dan Lebental, Richard Pearson
Musik: John Debney
Produktionsdesign: J. Michael Riva
Kostüme: Mary Zophres
Produzenten: Kevin Feige
Koproduzenten: Jeremy Latcham, Victoria Alonso
Ausführende Produzenten: Jon Favreau, Alan Fine, Stan Lee, David Maisel, Louis d’Esposito, Susan Downey

Darsteller: Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.), Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), Col. James ‘Rhodey’ Rhodes (Don Cheadle), Natasha Romanoff/Black Widow (Scarlett Johansson), Justin Hammer (Sam Rockwell), Ivan Vanko/Whiplash (Mickey Rourke), Nick Fury (Samuel L. Jackson), Howard Stark (John Slattery)

Die Fortsetzung zum humorvollen Actionknaller „Iron Man“ knüpft beinahe nahtlos an seinen Vorgänger an. Tony Stark (Robert Downey Jr.) outet sich als Superheld und nach einem Umschnitt sind sechs Monate vergangen, in denen Iron Man der Welt zum Frieden verholfen hat. Natürlich gibt es Neider die an Starks Erfindungen, Geld und Leben wollen.

So muss sich Tony Stark gegen die Politik, das Militär und einen skrupellosen Konkurrenten durchsetzen, während gleichzeitig der Russe Ivan Vanko (Mickey Rourke) an einem eigenen Waffensystem bastelt, um dem Iron Man zu Schaden. Glücklicherweise kann dieser aber auf die Hilfe von gute Freunden bauen. An erster Stelle Kumpel Rhodey (Don Cheadle) und die bezaubernde Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), die gar die Führung von Stark Industries übernehmen muss. Aber auch Nick Fury (Samuel L. Jackson) und Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) sind mit von der Partie, um Tony Stark und die Interessen der Welt zu schützen. Das ist auch dringend angeraten, denn die Gegenseite vereint ihr Kräfte, um zum finalen Schlag auszuholen …

Die gute Nachricht ist sicherlich, dass „Iron Man 2“ ein gelungener Actionfilm ist. Die schlechte Nachricht ist dagegen, dass der Film eine schlechte Fortsetzung ist. Im Grunde haben wir hier einen Actionfilm aus dem Lehrbuch, optimiert für ein Publikum ab zwölf Jahren und mit sehr vielen Möglichkeiten, die passenden Actionfiguren und Videogames auf den Markt zu bringen. „Iron Man 2“ wird sicherlich ein Erfolg an der Kino- und Ladenkasse, denn er ist vollkommener Mainstream – leicht, locker und mit bewährten Mitteln umgesetzt. Aanders als der erste Teil, in dem Robert Downey Jr. 2008 den Superhelden neu erfand und dem Dark Knight zeigte, wo dieser langflattern muss. So wie „Der Fluch der Karibik“ das Piratengenre neu erfand, so erfand „Iron Man“ das Superheldengenre neu – Helden hatten plötzlich wieder Tiefgang, waren menschlich, verletzbar, zeigten neben ihren Stärken auch schonungslos ihre Schwächen.

Das galt vor allem für die Figur Tony Stark, einen selbstverliebten und eingebildeten Kerl, der erst mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden musste, um die Schädlichkeit seines Lebenswerks zu erkennen. Im Herzen geläutert, mit narzisstischem Charme und arrogantem Witz, legte er die Waffen nieder und schwor der Welt den Frieden zu bringen; mit allen Konsequenzen. Als Kulisse diente der Nahe Osten, mit seinen terroristischen Widerstandskämpfern und den ihnen zuliefernden Waffenkonzernen. Das war Kritik am System, das war eine Stellungnahme für den Frieden.

In „Iron Man 2“ kein Wort mehr über den Ausstieg aus dem Rüstungswettkampf, keine Kritik mehr an Waffenlieferungen und kein Kratzer am Image des Militärs. Im Gegenteil. Durch den militanten Einsatz seiner Rüstung schaft Iron Man ein Klima der Angst und Abschreckung, so dass die Welt sich friedlich gibt. Das Iron Man für Frieden sorgte wird übrigens nur verbal zum Fakt erklärt, keinesfalls visuell verständlich dem Zuschauer vorgeführt. Aus Stark wurde auch wieder der arrogante Narzisst und widerspricht somit dem Bild, dass er zum Ende des zweiten Teils wiedergab: Zwar noch immer selbstverliebt, aber mit beiden Beinen auf dem Boden. Auch Starks Abkehr vom Waffenmarkt – im ersten Teil zentrales Element der Handlung – ist kein Thema mehr. Stattdessen gibt es auf Starks Expo sogar eine offizielle Waffenschau seines Konkurrenten Justin Hammer (Sam Rockwell), dessen Name für einen selten dämlichen Schulhofkalauer herhalten muss. Robert Downey Jr. gibt sich zwar alle Mühe an dem einst erarbeiteten Konzept festzuhalten, muss sich aber schlussendlich der Produzentenriege ergeben. „Iron Man 2“ ist politisch korrekt und Aushängeschild für die US Army und die Homeland Security. Keine Kritik mehr am Vaterland – und sei sie noch so leise.

Die Figur des Tony Starks hat sich also – leider – erneut gewandelt und ist stellvertretend für den ganzen Film, dem nun der charmante Biss des ersten Teils weitgehend fehlt. Die Figuren agieren dem Genre üblich und scheinen aus der Schablonensammlung der Hollywoodautoren zu stammen. Zudem mangelt es dem Film auch an oberflächlicher Glaubwürdigkeit, lässt „Iron Man 2“ die Nachvollziehbarkeit der Figuren vermissen. Die Frage nach dem „Warum“ einer Handlung kann selten gegeben werden – im Gegensatz zu „Iron Man“. Im zweiten Teil werden Handlungen und Effekte nur um ihrer Selbstwillen eingebracht, haben weder Start noch Ziel, sind kein tragendes Element der Handlung sondern nur schmückendes Beiwerk. Für den einfachen Kinobesucher oder Liebhaber von Popcornaction sicherlich ausreichend. Dieses Publikum wird gut bedient, bekommt klinisch saubere Actionszenen geboten und darf lauschen, wie Tony Stark von seiner schweren Kindheit erzählt, was wohl Dramatik und Charaktertiefe erzeugen soll. Auch hier legt der Primus „Iron Man“ vor – denn dort wurde das Drama durch Starks Gefangenschaft deutlich gezeigt; und war mehr als nur ein paar Worte über die übliche traurige Kindheit Und um den einfältigen Kinobesucher gänzlich glücklich zu machen, wird übrigens mehrmals deutlich darauf hingewiesen, dass sich im Diorama des Vaters der Schlüssel befindet. Kinobesucher mit ein wenig Grips fühlen sich da schnell wie im Kasperletheater.

Überhaupt ist dem Film anzumerken, dass er auch das jüngere Publikum bedienen soll. Der Streifen ist sehr seicht angelegt, die Figuren gewollt cool, aber ohne ältere Semester richtig zu befriedigen. So sind die Gegner Roboter, die ohne Blutvergießen in die Luft gesprengt werden können. Das macht mächtig Rumms und trotzdem gibt es eine niedrige FSK-Einordnung – ab zwölf Jahren halt. Das gilt auch für die beiden weibliche Hauptrollen: Pepper Potts und Natasha Romanoff, also Gwyneth Paltrow und Scarlett Johansson.

Beide Frauen sind hübsch anzusehen und verdrehen jedem Mann problemlos den Kopf. Netterweise dürfen sie in „Iron Man 2“ ihr schauspielerisches Können auspacken, müssen mit den weiblichen Reizen leider sehr sparsam umgehen. In Bezug auf Frau Johansson sehr bedauerlich, tritt sie doch im hautengen Anzug auf, ist in der Lage im Spagat die Kerle flachzulegen und verfügt, neben einem großen Aufgebot an Talent, über wunderbar weibliche Attribute. Die bleiben jedoch gut verhüllt. Auch die liebe Pepper Potts ist diesmal zugeknöpfter, was ebenfalls für den Dialog mit Stark gilt. Sprühten bei den Wortgefechten von Downey Jr. und Paltrow im ersten Teil noch Witz, Frechheit und Charme, so gestalten sich diesmal die Szenen langatmig und romantisch aufgesetzt – genau das Richtige für kleine Girlies, die vom pubertierenden Freund ins Kino geschleppt werden. So etwas muss der Zuschauer halt mögen.

Überhaupt hat der Humor in „Iron Man 2“ stark gelitten. Witzige und originelle Wortgefechte sind Mangelware, lustige Einlagen und Scherze wirken aufgesetzt und sind meist vorhersehbar. Auch die gelungene Interaktion mit den Robotern in Starks Anwesen verkommt zum Kinderprogramm, wird der aus dem ersten Teil bekannte Roboterarm noch mehr vermenschlicht. Nun, das Ding war im ersten Teil witzig, also muss es wohl in der Fortsetzung unbedingt ebenfalls einen Auftritt haben, der zu Herzen geht. Dabei wirkt der Roboterarm in einigen Einstellungen wie Wall-E aus „Wall-E: Der Letzte räumt die Erde auf“. Grausam!

Kümmern wir uns nun um die Bösewichter. Ein Gegner alleine wäre für Iron Man wohl zu wenig. Also stellen sich Justin Hammer und Ivan Vanko gemeinsam gegen den Superhelden. Vanko mutiert dabei zu Wiplash, der erst in Monaco und dann später in den USA mit seinen Superpeitschen Iron Man zusetzt.

Hammer wird von Sam Rockwell gespielt, dessen Figur einen Tony Stark für Arme abgeben soll. Er versucht an den genialen Erfinder heranzukommen, scheitert aber kläglich. Er wird sogar von Stark vorgeführt, was Hammer tief verletzt. Für sich alleine genommen und weniger überzeichnet, wäre Hammer sicherlich ein passender Gegner für Stark, so gibt Sam Rockwell einen erbärmlichen, untalentierten Waffenproduzenten ab, der zur Lachnummer verkommt. Warum ausgerechnet eine Figur wie Justin Hammer vom Militär als Berater oder zum modifizieren eines Kampfanzugs herangezogen wird, ist schleierhaft. Die Rolle Hammer wird vom Drehbuch dermaßen demontiert, dass es ihr einfach an Subtanz fehlt.

Um diese Substanz zu bieten und die Bösewichte wieder ins Gleichgewicht zu bringen, muss Mickey Rourke herhalten. In „The Wrestler“ hatte er sein Comeback, in „Iron Man 2“ wird er angezählt. Die Rolle des Ivan Vanko ist einfach zu flach und entbehrt jeglicher scheinbaren Glaubwürdigkeit. Äußerlich ist der Russe durchgestylt – bis zur letzten Haarspitze. Und genau das lässt die Figur eher lächerlich, als gefährlich wirken. Zu viel Strähnchen, zu viel cooles knabbern am Zahnstocher, zu viele Tätowierungen – einfach zu viel Style. Es ist zwar eine Comicverfilmung, aber der Style muss eine im Film nachvollziehbare Glaubwürdigkeit besitzen. Die fehlt hier einfach, ebenso die Nachvollziehbarkeit der Handlung. Es wird zwar erklärt warum Vanko Stark erledigen will, aber es ist unbeantwortet, warum er genau so agiert, wie er agiert – seine Vorgehensweise ist nie nachvollziehbar. So lauert Vanko Stark in Monaco an der Rennstrecke auf. Doch Stark selbst entscheidet sich im Film erst kurz vorher, am Rennen teilzunehmen. Und bei einem Tony Stark ist es auch fraglich, ober er überhaupt in Monaco auftaucht. Es gibt mehrere solcher Logikbrüche.

Es ist auch überraschend, dass Ivan Vanko ein verdammt kluger Bursche ist. Überhaupt scheint es im Iron-Man-Universum so zu sein, dass geniale Wissenschaftler nie gefördert werden und in Kellern, Hinterzimmern und Garagen genau die Technik entwickeln, die in Laboren unschaffbar scheint. Einem Tony Stark mit seinen Möglichkeiten und seinem Verstand nimmt der Zuschauer das gerne ab. In einer Comicverfilmung ist das auch noch halbwegs glaubhaft. Doch Ivan Vanko wirkt wie ein dümmlicher Schläger, vor allem im Spiel von Mickey Rourke. Scheinbar kann dieser nur noch den Muskelmann spielen und mit wenig Mimik aufwarten. Vanko als kluger Physiker? Niemals! Die Rolle ist einfach unglaubwürdig. Hier hätte Hammer tatsächlich der Verstand und Wiplash nur die Muskeln sein dürfen, so verschenkt der Film sein Potenzial.

Glücklicherweise besitzt der Film davon genug, um trotz all seinen Schwächen einen Kinobesuch lohnen zu lassen. Immerhin zählt Robert Downey Jr. derzeit zu den besten Schauspielern Hollywoods und kann sich auch in „Iron Man 2“ halbwegs durchsetzen. Obwohl seine Rolle an Tiefe verlor, spielt er Tony Stark sehr überzeugend und mit einer gesunden Prise Humor. Es sind zwar weniger Gags – und die Gags sind manchmal einfach nur schlecht – aber oft genug blitzt der alte Charme auf und kitzelt das Zwerchfell. Besonders genial ist dabei Starks Geburtstagsparty, die leider unschön endet. Vor allem der Schlagabtausch zwischen Stark und Rhodey wirkt aufgesetzt, aber schlussendlich muss das Militär ja irgendwie an eine Rüstung kommen und War Machine auftauchen.

Die Figur Col. James ‘Rhodey’ Rhodes wird diesmal übrigens von Don Cheadle gespielt, der somit Terrence Howard ersetzt. Das ist aber der einzige Rollenwechsel, da nur wenige Figuren aus „Iron Man“ übernommen wurden. Leider bleibt Cheadle in seiner Rolle etwas blass, hat aber auch nur wenig Gelegenheit zu schauspielern.

Gut gelungen ist die Verknüpfung von „Iron Man 2“ zum dazugehörigen Superheldenuniversum. Im ersten Teil gab es nach dem Abspann bereits eine kleine Vorschau auf Samuel L. Jackson als Nick Fury von S.H.I.E.L.D.. In „Iron Man 2“ taucht Nick Fury dann tatsächlich auf. Die Rolle Jacksons ist zwar klein, gehört aber zum Besten, was der Film zu bieten hat. Überhaupt passt die Rolle des Nick Fury für Mister Jackson wie die Faust aufs Auge. Das dürfte aber daran liegen, dass Nick Fury für die Comic-Reihe „Die Ultimativen“ Samuel L. Jackson nachempfunden wurde. Wobei Jackson einen besseren Nick Fury abgibt als 1998 David Hasselhoff in „Nick Fury: Agent of S.H.I.E.L.D.“.

Natürlich muss stets im Auge behalten werden, dass Comicverfilmungen ein ganz eigenes Comicuniversum stricken und Fans einfach nur hoffen können, dass der Film etliche Eckpunkte der geliebten Serien aufgreift. Wobei Comicserien selbst gerne mal eigene Universen bedienen und parallel funktionieren. „Iron Man“ bildet da keine Ausnahme. In „Iron Man 2“ werden die Verknüpfungen zum Comic und zukünftigen Projekten sogar verschärft. So erfährt Tony Stark von den Rächern („The Avengers“), zu denen ja mehrere Superhelden gehören und die 2012 mit einem Blockbuster die Kinos stürmen sollen – falls Hollywood an seinem Plan festhält. Auch wird die Erkrankung Tony Starks thematisiert und stellenweise scheint Regisseur Jon Favreau zusätzlich auf den Alkoholismus anzuspielen, der Stark im Comic arg zusetzt und der eigentliche der Grund ist, warum War Machine auf der Bildfläche erscheint. Auch nett ist das zerbrochene Schild von Captain America, das Tony Stark bei einem seiner Experimente einsetzt. Und dann erscheint nach dem Abspann eine weitere Szene, in der offensichtlich Mjolnir zu sehen ist, der Hammer des Thor. Da „Iron Man“ als Trilogie angelegt wurde, kann „Iron Man 3“ wohl 2011 erwartet werden, um 2012 in „The Avengers“ überzugehen. Doch das ist derzeit Spekulation.

Für Comicfans des ein oder anderen Marveluniversums hat die Sache einen besonderen Kick. Immerhin wurde Captain America 2008 erschossen. Tony Stark erfüllte Steve Rogers letzten Wunsch und machte James Buchanan “Bucky” Barnes zum neuen Captain America. Thor selbst sorgt in allem amerikanischen Medien für eine Schweigeminute. Und zudem ist es eigentlich Tony Stark der die Rächer mitbegründete. Die Verknüpfung von Film und Comic hat also ihren ganz eigenen Reiz und es ist schön, dass Favreau nun verstärkt darauf eingeht. Wie groß der Einfluss der Comics auf die Filme tatsächlich ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Jon Favreau liefert mit „Iron Man 2“ jedenfalls ein lautes Spektakel ab. Der Film ist ein Kracher und liefert ordentliche Action, die von erstklassiger Musik begleitet wird. Der Regisseur hat sich auf altbewährtes verlassen und keine großen Experimente gewagt. Somit bewegt sich der erfahrene Kinogänger auf bekannten Straßen. Trotz allem macht die Fahrt Laune, denn schlussendlich misst sich „Iron Man 2“ mit seiner eigenen Vorlage. Im Vergleich mit anderen genreüblichen Filmen schneidet der Streifen sehr gut ab. Nur wer „Iron Man“ bereits kennt, der weiß was Geschichte und Darsteller eigentlich zu bieten haben – der Eiserne hat sich leider selbst besiegt.

Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen: Ein lohnender Film, der trotzdem hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

BR – Iron Man (Ungeschnittene US-Kino-Version) bei Libri.de
DVD – Iron Man (Original deutsche Kino-Version) bei Libri.de
CD – AC/DC, Iron Man 2 bei Libri.de

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El Superbeasto

Erstellt von Günther Lietz am 27. März 2010

El Superbeasto

Regisseur: Rob Zombie
Stimmen: Tom Papa (Oliver Kalkofe), Paul Giamatti, Sheri Moon Zombie (Martina Hill), Danny Trejo

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Spieldauer: 75 Minuten
Studio: SUNFILM Entertainment

Bild: 16:9 (1:1,85)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras:
- Trailer
- Geschnittene Szenen und alternative Szenen
- Work-in-Progress-Fassung

Metal-Ikone, Kult-Regisseur, Comiczeichner – Rob Zombie ist das Alles und noch viel mehr. Zusammengefasst: Er ist eine geile Sau – davon zeugt auch sein abgedrehter Zeichentrickfilm „El Superbeasto“, der die Matratzen so richtig krachen lässt.

Wrestler, Held und Volkes Liebling El Superbeasto hat ein großes Problem. Nach dem Dreh seines letzten Pornos versucht er in einem Striplokal auszuspannen und verknallt sich in die schöne Velvet von Black. Na ja, eigentlich will er sie nur flachlegen. Immerhin hat sie Titten, eine Pussy und das reicht diesem Machon schon, um auf eine Frau abzufahren. Tot, untot oder lebendig, das ist ihm egal. Doch leider ist Velvet die angehende Braut des Dr. Satans, der mit ihr Hochzeit feiern will und seinen klugen Gorilla losschickt, um Velvet zu entführen. Das ruft El Superbeasto natürlich auf den Plan und er verfolgt die Spur.

Hilfe bekommt er dabei von seiner rattenscharfen Schwester Suzie X, ein geiles Stück, die gerade einige Zombie-Nazi-Biker abfrühstückte, um Hitlers Kopf zu zerstören. Da hat sie auch Zeit, um ihrem Bruder zu helfen ‘ne neue Tussi klarzumachen. Doch schnell entpuppt sich die einfache Rettungsmission als besondere Rettungsmission, denn Velvet ist von Dr. Satan ganz angetan und eine Hochzeit der beiden würde zum Untergang der Welt führen. Zu allem Übel verbirgt sich hinter Dr. Satan ein ehemaliger Mitschüler von Suzie, der schon auf der Highschool hinter ihren Hupen her war …

Mit „El Superbeasto“ geht Rob Zombie an die Grenze des guten Geschmacks und weit darüber hinaus. Der Film polarisiert – eindeutig. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Es gibt kein Zwischending bei dieser abgefahrenen Splatter-Trash-Orgie. Zombie bricht ein Tabu nach dem anderen, zieht das Zeichentrickgenre und deren Helden der 60er und 70er Jahre durch den Kakao, lässt die Titten tanzen und Ärsche wackeln. Nazis steigen aus ihren Gräbern, Mösen stinken bis zum Himmel und kleine Kätzchen werden zu blutigem Brei zermatscht. Doch all diese Elemente sind keineswegs reiner Selbstzweck, sondern erfüllen tatsächlich einen künstlerischen Anspruch – vom Unterhaltungswert dieser klischeebeladenen kranken Scheiße mal ganz abgesehen.

Es gibt massenweise Sidekicks auf bekannte und unbekannte Filme, versteckte und offene soziale Kritik, genial abgemischte Musik und vieles mehr. Rob Zombie liefert hier einen unterhaltsamen und sehr humorvollen Film ab, der einem die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. „Würde“ deswegen, weil jemand der gefallen an dem Thema und dem Film hat, der kennt eh keine Scham. Davon mal abgesehen eignet sich „El Superbeasto“ auch gut als Geschenk für die biedere Verwandtschaft, um garantiert enterbt zu werden.

Mit „El Superbeasto“ liefert Rob Zombie einen erstklassigen Zeichentrickfilm ab, in dem er sich so richtig austobt. Das zeigt sein Held Supoerbeasto ganz deutlich, denn er stellt all die dunklen und geilen Dinge an, von denen sich Andere nur abwenden. In seiner heißen Karre düst er durch die City, die Frauen sind billig und willig, alle lieben ihn und in seinem Schritt steckt eine Katze. Genial sein Kampfstil – sei es nun der einfach Faustkampf oder wenn er die dicken Hoden eines Diabetikers als Nunchaku einsetzt, um einem Monsterwurm die Reißzähne auszuschlagen. Gewalt ist ein starkes Thema im Film, das sollte vielleicht erwähnt werden. Immerhin fließen ganze Ozeane an Trickfilmblut über die Mattscheibe, fliegen Gedärme durch die Gegend und splittern Knochen wie Balsaholz.

Ist der Film sexistisch? Auf jeden Fall! Ist er frauenfeindlich? Vielleicht. Immerhin kommt mit Suzie X ein starkes Weib daher, das Macho Superbeasto Paroli bieten kann und ebenfalls eine starke Persönlichkeit ist, die sich nimmt was sie braucht und es auch bekommt. Überhaupt sind die Frauen im Film mehr als nur reine, willenlose Lustobjekte. Sie geben sich der Lust aus freien Stücken hin und sind emanzipierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Im Gegenteil, die triebgesteuerten Männer verkommen schnell zu willenlosen Sklaven der Liebe und verlieren angesichts dieser weichen Seite schon mal die Kontrolle über die Situation.

Der Zeichentrickstil ist an den guten alten Trickfilm angelehnt, wie er Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre gängig war. Bildrauschen, Kratzer, Schwarzweißsequenzen und andere Spielereien sind deswegen kein Produktionsmangel, sondern gewolltes Stilmittel.

Die Sprechrollen kommen hervorragend rüber. Das gilt für den englischen Originalton,wie auch für die deutsche Tonspur, die auf Sprecher wie Oliver Kalkofe und Martina Hill setzt. Einfach geil!

Das Bild kommt in 16:9 daher und ist erstklassig. Einzig das Menü der DVD weist Unschärfen und Flackereien auf. Der Ton ist erstklassig, was natürlich an den Soundeffekten und dem Soundtrack liegt. Dolby Digital 5.1 gilt für beide Tonspuren, im Deutschen wird sogar DTS geboten. Erstklassig!

Auch beim Bonusmaterial spielt die DVD ihre Stärke aus. Neben den obligatorischen Trailern, gibt es erst einmal ordentlich alternative und geschnittene Szenen. Mehr als dreißig Minuten. Wirklich geniales Extra ist jedoch, dass der ganze Film nochmals als Work-in-Progress-Fassung vorliegt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine trockene Ansammlung von Bildern aus dem Storyboard oder ähnliches, sondern um eine Montage aus allen möglichen Quellen und Stadien des Films. Seien es nun Konzeptzeichnungen, erste Animationen, fertige Szenen aus dem Film und vieles mehr. Oftmals werden unterschiedliche Fassungen zu einer Sequenz zusammengeschnitten. Das ist fast so rattenscharf wie Suzies nackter Arsch!

„El Superbeasto“ ist für Zombie-Fans, Liebhaber von Trash, Kenner des Splatters und alle verrückte Typen genau das richtige Futter für den Player. Für alle anderen Leute ist der Streifen dagegen ein zu heißes Eisen, das zu recht ein dickes „FSK 16“ auf dem Cover hat. Sunfilm liefert die DVD allerdings mit einem Wendecover aus, so dass der hässliche Fleck auf der Front schnell verschwindet. Fettes Dankeschön dafür!

Schlussendlich bleibt nur eine knallharte Empfehlung auszusprechen und auch eine kleine Warnung an alle echten Machos, denn der Streifen offenbart eine unliebsame Wahrheit: Auch schöne Frauen furzen!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Als DVD bei Libri.de
Als Speacial-DVD bei Libri.de
Als Blu-ray bei Libri.de

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The Spirit

Erstellt von Michael Drewniok am 20. August 2009

spiritThe Spirit

Originaltitel: The Spirit (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: Frank Miller
Kamera: Bill Pope
Schnitt: Gregory Nussbaum
Musik: David Newman
Darsteller: Gabriel Macht (The Spirit/Denny Colt), Samuel L. Jackson (Octopus), Eva Mendes (Sand Saref), Eric Balfour (Mahmoud), Louis Lombardi (Pathos/Ethos/Logos usw.), Scarlett Johansson (Silken Floss), Sarah Paulson (Ellen Dolan), Dan Lauria (Polizeichef Dolan), Jaime King (Lorelei Rox), Paz Vega (Plaster of Paris), Stana Katic (Morgenstern), Johnny Simmons (junger Denny Colt), Seychelle Gabriel (junge Sand Saref), Frank Miller (Liebowitz) uva.
Label/Vertrieb: SONY Pictures Home Entertainment (www.sphe.de)
Erscheinungsdatum: 18.06.2009 (Leih-DVD) bzw. 16.07.2009 Kauf-DVD)
EAN: 4030521716193 (Leih-DVD) bzw. 4030521518186 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nachdem er scheinbar bei einem Einsatz sein Leben ließ, begraben wurde und wiederauferstand, agiert Ex-Cop Denny Colt als leibhaftiger Schutzpatron ’seiner’ Stadt Central City, deren Straßen er des Nachts als maskierter “Spirit” durchstreift und von Strolchen reinigt. Nur Polizeichef Dolan weiß von seiner Doppelexistenz und profitiert davon, da der Spirit auch dort ermitteln und handeln kann, wo der Polizei die Hände gebunden sind.

Aktuell geht der Spirit gegen seine alte Nemesis vor. Der Octopus, ein genialer aber größenwahnsinniger Wissenschaftler und Gangsterkönig, plant den Coup seines Lebens. Er will die Vase mit dem Blut des Herakles stehlen und den Inhalt trinken, der ihm die Kraft und Unsterblichkeit eines Halbgottes verleihen soll. Die berüchtigte Diebin Sand Saref kommt ihm zuvor, aber auch ihr Streich misslingt: Dem Octopus fällt in die Hände, was sie mit Leib und Seele begehrt – das Goldene Vlies der Argonauten.

Octopus und Sand vereinbaren einen Tausch, doch sie misstrauen einander heftig. Außerdem mischt sich der Spirit ein. In Sand Saref erkennt er eine alte Jugendliebe, und der Octopus weiß etwas über die übernatürlichen Kräfte, über die der Spirit seit seinem Wiedererwachen verfügt. Im Hauptquartier des verrückten Octopus’ wird er schon erwartet – vom Hausherrn persönlich, von seiner skrupellosen Assistentin Silken Floss, von vielen schlagkräftigen Klonen und von Plaster of Paris, die grausige Wundertaten mit ihrem Schwert vollbringt …

Eigentlich hätte es gutgehen müssen …

Grundsätzlich standen die Sterne günstig: Mit “The Spirit” gelang Will Eisner (1918-2005) eine der ganz großen Schöpfungen der Comic-Geschichte. Die Geschichten vom ‘untoten’ Verbrecher-Jäger Denny Colt beeindruckten nicht nur durch ihre grandiose Grafik, die zum ersten Mal Stilmittel des Kinos einbezog, sondern fesselten auch durch inhaltliche Qualitäten. Der Spirit war kein Superheld und erst recht nicht unfehlbar. Oft obsiegte er nur mit der Hilfe seiner Freunde oder des Zufalls. Manchmal verschwand er aus seinen eigenen Geschichten, die auch ohne ihn funktionierten. Mehr und mehr wurde der Spirit zum Beobachter (und Eisner zum Chronisten) einer Alltagswelt, deren Menschenschicksale er nur selten positiv beeinflussen konnte. Die Schwarzweiß-Sicht der frühen “Spirit”-Comics wurde schnell durch unzählige Schattierungen von Grau ersetzt. Eisner spielte gekonnt auf einer emotionalen Klaviatur, deren Spektrum simple Spannung ebenso beinhaltete wie Pathos, Melancholie, Humor und Slapstick. In ihrer Gesamtheit addierten sich diese Elemente zur einmaligen Saga des “Spirit”, der über die Jahre nicht alterte, sondern reifte.

Diesem Klassiker widmet sich nunmehr ein Mann, der selbst zu den ganz Großen des Comics gehört. Frank Miller (*1957) ist der Schöpfer moderner Genre-Erfolge wie “Sin City” und “300″. In der Neuinterpretation ‘alter’ Comic-Figuren hat er ebenfalls Maßstäbe gesetzt; mit “The Dark Knight Returns” (1986, dt. “Die Rückkehr des dunklen Ritters”) gelang Miller die Wiedergeburt Batmans, und Ähnliches verdankt ihm der bis dato längst abgehalfterte Superheld Daredevil. Auch im Kino ist Miller kein Neuling; so schrieb er u. a. Drehbücher zu Filmen wie “Robocop 2″ und “Robocop 3″. Auf Einladung von Robert Rodriguez führte er 2005 mit Regie in “Sin City”, einem Thriller, der durch seine innovativen Bilder ebenso gefiel wie durch die starke Story.

Ein Meisterwerk degeneriert zum faden Witz

Also: Ein künstlerisch kreativer, kompromissloser und im Filmgeschäft erfahrener Mann greift ein echtes Meisterwerk auf. Unterstützt wird er auf seinem Regiestuhl von einem Team begeisterter und ungemein fähiger Männer und Frauen, die dank digitaler Technik jede unglaubliche Kulisse realisieren können, sowie von einer Riege enthusiastischer Darsteller, die nicht davor zurückschrecken, fast ausschließlich vor grünen Wänden (“greenscreen”) schauspielern zu müssen, welche die Basis für erst später eingearbeitete Hintergrundbilder bilden.

Aber alle vielversprechenden Ansätze gerinnen binnen 100 Minuten zu einem Fiasko, das der Zuschauer ungläubig und mit zunehmendem Ärger registriert. Wer vom “Spirit” nie zuvor hörte, muss anschließend der Überzeugung sein, einen tumben, prügelfesten Frauenhelden und Slum-Fetischisten kennengelernt zu haben. Will Eisners Spirit ist alles andere als das (s. o.), aber er ist jetzt Frank Millers Spirit geworden.

Was hatte sich der Meister Gedanken gemacht! In seinem Audio-Kommentar und in einem eigenen Feature (“Miller über Miller”) sprudelt er förmlich über, wenn er seine Untaten begründet. Der Spirit war unter Eisner ein Geschöpf seiner Zeit. Jetzt ist er ein Gefangener jenes schicken, stylishen “contemporary noir”, das Miller so liebt. Central City wird zur Stadt zwischen den Zeiten. Die Polizei verwendet Handys und Laptops, aber in ihre Einsätze steuert sie Autos, die in den 1950er Jahren gebaut wurden. Atmosphäre ist alles, was bei Miller stets Dunkelheit und schlechtes Wetter bedeutet.

Ein Superheld namens “Spirit”

Die größte Sünde stellt Millers Versuch dar, den Spirit zu ‘erklären’. Eisner begnügte sich mit Andeutungen und tat gut damit. Miller macht aus dem Spirit, dem niemals übernatürliche Kräfte zugesprochen wurden, einen Superhelden. Wie Batman stürzt er sich unerschrocken von hohen Häusern in tiefe Straßenschluchten und zerplatzt doch nicht auf hartem Pflaster. Man sieht ihn sogar im Laufschritt über Telegrafendrähte hopsen. Dazu trägt er – Millers Zugeständnis an das 21. Jahrhundert – helle Turnschuhe zu dunklem Anzug und Hut, was einfach lächerlich aussieht.

Apropos Batman … Unter Millers Drehbuch-Herrschaft wird der Spirit zum Abziehbild des “Dunklen Ritters”. Schauerlich unvergesslich bleibt des Spirits pompöse Liebeserklärung an Central City, die einmal mehr belegt, dass solche platten Worte im Comic besser aufgehoben sind als im Film.

Aus der Tatsache, dass die Frauen den Spirit lieben, wusste Will Eisner amüsant Funken zu schlagen. Auch der ‘neue’ Denny Colt hat durchaus ein Auge für das schöne Geschlecht, aber er ist vor allem der typische Ritter, der Frauen in Not beisteht und nur schwach zu werden droht, während er im letzten Moment seiner wahren Liebe Ellen Dolan treu bleibt. Die daraus resultierenden Komplikationen bilden ein wichtiges Unterhaltungspotenzial der “Spirit”-Comics.

Miller macht aus dem Spirit auch als “womanizer” einen Superhelden, dem keine Frau widerstehen kann. Jede Glaubwürdigkeit bleibt dabei auf der Strecke. Gabriel Macht bleibt als Held und als Liebhaber anonym und blass unter seiner Maske. “Der Spirit” wird ihm nicht den Durchbruch zum Starruhm bringen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Will Eisner hatte keine Angst davor, seinen ‘Helden’ der Lächerlichkeit preiszugeben. Der Spirit überstand das prächtig, denn er war als Mensch gezeichnet. (Reine Ironie war bereits die ‘Maske’ des Spirits, hinter der jedes Kleinkind Denny Colt erkennen müsste.) So hielt es Eisner auch mit den Frauen und den Gegnern des Spirits, die trotz aller psychischen und physischen Übertreibungen über echte Persönlichkeit verfügten.

Miller versteht offensichtlich Eisners feinen Sinn für einprägsame Schöne & Schurken nicht, denn ihm gerinnen sie zu Witzfiguren. Der Octopus wird zur peinlichen Nervensäge. In den originalen Comics unterstützte Eisner die Wirkung dieser Gestalt, indem er nie ihr wahres Gesicht zeigte, sondern sich darauf beschränkte, die Handschuhe des Bösewichts mit ihrem charakteristischen Dreistrich-Muster ins Bild zu bringen. Samuel L. Jackson, realiter ein guter Schauspieler ist, der sich regelmäßig für Blockbuster anheuern lässt, um seinen A-Star-Status zu wahren, mimt hier einen grinsenden Entertainer, der den Erz-Gauner nur mimt. Der ‘echte’ Octopus ist ganz und gar kein überlebensgroßer Superschurke, der mit lachhaft aufgeblasenen Science-Fiction-Knarren ganze Helikopter-Staffeln unter Feuer nimmt oder Füße mit Menschenköpfen züchtet (sic!). Solche und viele, viele andere Kalauer zerren plump an der Stimmung, die Miller doch so wichtig ist.

Invasion der tollen Frauen

Eisners Galerie der braven und bösen aber immer schönen Frauen ist legendär. Auch ihnen vermochte er per Zeichenstift in ein Leben zu rufen, das sich offenbar nicht auf die Leinwand übertragen lässt. Eva Mendes und Scarlett Johansson kommen leidlich glimpflich als Sand Saref und Silken Floss davon, während um einige Schraubendrehungen bizarrere Figuren wie Lorelei Rox und Plaster of Paris jeden exotischen Zauber vermissen lassen und Jung-Polizistin Morgenstern zu einer weiteren überflüssigen Witzfigur zerfließt.

Überhaupt: Wer die “Spirit”-Comics nicht kennt, wird vergeblich auf eine Auflösung der merkwürdigen ‘Beziehung’ zwischen dem Spirit und der geisterhaften Lorelei warten. Viel wird geredet und erklärt in diesem Film, der außerdem an Rückblenden nicht spart, aber dieser nicht unwichtige Aspekt bleibt außen vor.

Ellen Dolans quasi einzige Funktion bestand ursprünglich darin, den attraktiven Spirit zu erden, der in den prüden 1940er und 50er Jahren seinen potenziellen Erfolg bei den Damen nicht praktisch nutzen durfte. In dieser Funktion ist Ellen im 21. Jahrhundert überflüssig, weshalb sie nach Millers Ansicht einer Neuinterpretation bedarf. Sie wird zur leidvoll Duldenden, die ihren Liebsten als Ärztin zusammenflickt und darauf hofft, dass er eines Tages nur ihr gehören wird. Glücklicherweise bleiben Sarah Paulsons Auftritte überschaubar, und überhaupt hat es Miller so eilig, dass der Zuschauer durch neue Schauwerte & Schlägereien vor dem endgültigen Einschlafen bewahrt bleibt.

Die Frank-Miller-Filmschule

Optisch bietet “The Spirit” seinem Publikum diverse Genüsse, die zeitweilig sogar mit der trübsinnig abgespulten Story versöhnen können. “The Spirit” ist hier die vollendete Synthese zwischen Comic und Film. Die digitale Technik gestattet heute die Erzeugung überzeugender Spezialeffekte, die man bewundern muss. Miller zeichnet auch als Regisseur mit Licht und Schatten und versteht sich auf die Kunst der Andeutung. Scheinbar schwarze Bildflächen zeigen bei näherem Hinschauen verblüffend detaillierte Strukturen. Verfremdungen unterstützen paradoxerweise die Eindeutigkeit des Gezeigten.

Miller selbst hat diese Form der Filmkunst in “Sin City” nicht nur mit entwickelt, sondern bereits zur Vollendung gebracht. “The Spirit” kann dem nur technisch Neues hinzufügen. Die Bilder sind in ihrer Künstlichkeit noch prächtiger geworden. Das kann freilich nicht dauerhaft davon ablenken, dass sie nicht durch eine entsprechende Handlung getragen werden. Andererseits ist dies irgendwie tröstlich – das Sein besitzt noch immer Präferenz vor dem Schein, so hübsch dieser auch glänzen mag.

In unserem Fall kommt die Gewissheit dazu, mit diesem Urteil nicht allein zu stehen. Das vom produzierenden Studio erhoffte “Spirit”-Franchise wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zustande kommen. Schade nur, dass ausgerechnet der Spirit, eine Comic-Figur, die einen Film ‘verdient’, dort scheitern musste, wo Lachgestalten wie der Hulk, Iron Man oder die Transformers sich durchsetzten. Der Dumme ist in wie meist der Zuschauer.

DVD-Features

Frank Miller ist ein Mann, der gern redet sowie seiner Meinung nach viel zu sagen hat. Dem darf er im Bonus-Bereich dieser DVD ausgiebig frönen. Wer “The Spirit” allerdings gesehen hat, dürfte vermutlich schon nach “Miller über Miller” aufstecken und sich den Audiokommentar des Regisseurs (und der ihm nach dem Mund redenden Produzentin Deborah Del Prete) verkneifen: Miller spricht von seinem “Spirit”-Konzept und seiner Verehrung des (ihm persönlich bekannten) Will Eisner und schwadroniert über die Verpflichtung, die ihm dessen Werk auferlegt … kurz, er listet im Grunde Grundpfeiler einer gelungenen Verfilmung auf, die er sämtlich ignoriert hat.

“Grüne Welt” bietet manchmal tatsächlich einen Blick hinter die (grün eingefärbten) Kulissen und in den Arbeitsalltag eines praktisch erst im Computer entstandenen Films. Eingerahmt werden diese Informationen jedoch durch hektisch montierte ‘Interview’-Fetzen, die nichts als massive Filmwerbung darstellen. Diese fällt so plump aus, dass der Griff zur Vorspultaste automatisch erfolgt.

Ein alternatives Ende wird mit Millerschen Storyboard-Zeichnungen vorgestellt: Der Spirit kann den Octopus nur außer Gefecht setzen, indem er ihn mit bloßen Händen buchstäblich in Stücke reißt. Dies macht deutlich, dass für “The Spirit” ursprünglich eine härtere Gangart vorgesehen war. Aber wäre dieser Film als Splatter unterhaltsamer geraten …?

[md]

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Tsubasa Reservoir Chronicle, Box 2 (von 3)

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. Mai 2009

Kôichi Mashimo
Tsubasa Reservoir Chronicle, Box 2 (von 3)

Tsubasa Kuronikuro, Episoden 9 – 18, Japan, 2005
Vorlage: gleichnamige Manga-Serie „Tsubasa Reservoir Chronicle“ von Clamp, erscheint bei EMA, Köln
Anime Virtual/AV Visionen, Berlin, 29.10.2007
2 DVDs im Disc-Set auf Displays in aufklappbarer Pappbox im offenen Schuber, Anime, Fantasy, Laufzeit: ca. 225 Min. (9 Episoden à 25 Min.), gesehen 2/09 für ca. EUR 50.-
Extras: 36-seitiges vollfarbiges Hardcover-Booklet
Altersfreigabe/FSK: 12
Bildformat: 4:3, PAL; Regionalcode RC 2
Sprachen/Tonformat: Japanisch, Deutsch, Französisch (DD 2.0)
Untertitel: Deutsch, Französisch, Polnisch
Dialogbuch: Hiroyuki Kawasaki, Künstlerische Leitung: Shin Watanabe
Musik: Yuki Kajiura

www.anime-virtual.de
www.clamp-net.com/
http://www3.nhk.or.jp/anime/tsubasa/
www.shonenmagazine.com/works/tsubasa/
www.shonenmagazine.com/tsubasa_tokyo/
http://kc.kodansha.co.jp/tsubaholi/
http://funimation.com/yuko/

Zum fünfzehnten Jahrestag ihres Bestehens beschloss die Künstlergruppe Clamp eine Serie zu gestalten, in der sie möglichst viele ihrer bisherigen Welten und Figuren auftauchen lassen wollten. So entstand die Idee zu der Manga-Serie „Tsubasa Reservoir Chronicle“. Bereits die ersten Teile der Geschichte wurden im Jahr 2005 zur Grundlage einer erfolgreichen 26-teiligen Fernsehserie, die im Jahr 2007 mit einer zweiten Staffel fortgesetzt wurde.

Anime Virtual gibt die erste Staffel der Serie nun in drei edel gestalteten Boxen heraus. Jeweils zwei DVDs mit 8 – 9 Folgen stecken auf einem aufklappbaren Display. Dazu kommt ein vollfarbiges Hardcover-Booklet, in dem man Informationen zu den Ländern und Figuren erhält, die in den entsprechenden Folgen auftreten. Das zweite Set umfasst nun die Folgen 10 – 18.

Im Land Clow entwickelt sich eine verbotene Liebe zwischen der jungen Prinzessin Sakura und Shaolan, dem Adoptiv-Sohn eines Archäologen. Doch dann verändert ein schreckliches Unglück alles. Gerade als das junge Mädchen ihrem Geliebten klar machen will, wie sehr sie für ihn fühlt, beginnt sie, sich zu verwandeln. Die Federn ihrer Flügel zerstieben in alle Himmelsrichtungen und verschwinden. Zurück bleibt nur die in Ohnmacht gefallene Prinzessin. Um ihr zu helfen, lässt sich Shaolan auf einen Handel mit der Hexe Yuki ein. Er opfert das, was ihm am meisten bedeutet, damit Sakura wieder gesund wird – seine Liebe.

Da die verschwundenen Federn einen Teil der Erinnerungen der Prinzessin und damit auch ihre Persönlichkeit bargen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als diese nach und nach wieder zu finden. Doch dazu muss er sich auf eine gefährliche Reise durch die Dimensionen begeben.

Begleitet von dem Magier Fye und dem Krieger Kurogane beginnt Shaolan seine lange Odyssee. Kaum ist das erste Abenteuer überstanden, erweist sich das zweite beinahe als Todesfalle. Denn der Feudalherr, der Sakuras Feder in dieser Welt an sich gebracht hat, kann mit der ihr innewohnenden Magie einen ganzen Landstrich so unter seine Kontrolle bringen und abschirmen, dass niemand von außen zu helfen vermag.

Doch die Helden erklären sich dazu bereit, den schweren Aufstieg zur Festung auf sich zu nehmen und in die mit magischen Fallen ausgestattete Burg einzudringen. Dort lauert ein Gegner, mit dem sie nicht gerechnet haben.

Nach einer kurzen Ruhepause in einer ebenso friedlichen wie geheimnisvollen Dimension, die kleine Wunder für die, die sie sehen wollen, bereit hält, gelangen Sakura, Shaolan, Fye und Kurogane in eine Welt, die an die Erde des 18. Jahrhunderts erinnert.

Dort erzählt man sich die Legende von einer Prinzessin, die eines Tages eine magische Feder fand und damit nur Gutes tun wollte. Allerdings schien genau das Gegenteil einzutreten, denn nicht nur ihre Eltern starben, sondern alle Kinder des nahe gelegenen Dorfes verschwanden. Das ist auch jetzt wieder der Fall, und so stehen die vier Helden vor verschlossenen Türen, als sie die kleine Siedlung erreichen. Da sie Fremde sind, traut man ihnen alles zu.

Nur der Arzt des Dorfes ist offen und freundlich genug, um ihnen beizustehen. Doch kann er ihnen auch helfen, das Rätsel zu lösen?

Sakura und Shaolan sind Figuren, die bereits in „Card Captor Sakura“ die Hauptrollen innehatten. Damals wie heute müssen sie Verlorenes wieder finden, auch wenn es diesmal keine Tarot-Karten sondern Federn sind. Interessanterweise tauchen diesmal auch eigens für den Anime geschaffene Figuren auf, die so noch nicht in Mangas von Clamp erschienen sind. Vermutlich hat man nichts Passendes gefunden, was in die Handlung hätte integriert werden können, oder aber man hat gemerkt, dass es den Zuschauern weniger wichtig ist, alte Figuren wieder zu sehen, als eine gute und spannende Geschichte genießen zu dürfen.

Wenngleich sich der Zeichenstil von Clamp verändert hat, so hat man bei der Fernsehserie doch dafür gesorgt, stilistisch einen Mittelweg zu gehen und eine Brücke von den alten zu den neuen Figuren zu schlagen. Auch haben die heutigen Helden und Schurken nur noch Grundzüge mit den Originalfiguren gemein.

Es kommt den Folgen zu Gute, dass man darauf verzichtet hat, all zu viele Anspielungen und Hinweise einzuarbeiten, so können selbst diejenigen, die kaum etwas von Clamp kennen, der Serie problemlos folgen und werden so vielleicht auch neugierig auf die Geschichten.

Alles ordnet sich der eigentlichen Geschichte unter, die in dieser Box sehr abwechslungsreiche Haken schlägt. Von handfesten Samurai-Ninja-Abentgeuern wechselt man nun zu einer düsteren Schauergeschichte, die manche Überraschungen bietet, die man so nicht erwartet hat. Nicht immer ist das Offensichtliche auch die richtige Antwort.

Mehr als früher schält sich auch heraus, dass die Quest noch einen anderen Zweck verfolgt. Ganz offensichtlich beobachtet jemand außerhalb der Dimensionen die Suche. Auch wenn die Helden davon erfahren, so ist ihnen klar, dass sie keine andere Wahl haben, als ihre Quest fortzusetzen – allein um Sakuras Seelenheil willen.

So entsteht eine angenehmbunte Mischung aus Abenteuer, Romantik, Fantasy und Action, die auch ältere Zuschauer in ihren Bann schlagen kann, da sich im Hintergrund eine komplexere Geschichte entwickelt, als man denkt.

Ebenso wissen die Animation, der Detailreichtum der Bilder und die schön gestalteten Figuren zu gefallen. Die Farben sind harmonisch, das Bild ist klar und der Ton gut verständlich. Die Extras sind durch das liebevoll gestaltete Booklet zufrieden stellend.

Die zweite Box von „Tsubasa Reservoir Chronicle“ bietet die ebenso spannende wie komplexe Fortführung einer gelungenen Fantasy-Serie, die durch ihre ausgewogene Mischung aus Action, Humor und Romantik zu gefallen weiß. (CS)

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Tsubasa Chronicle, Vol. 02 (2 DVDs)

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X-Men Origins: Wolverine

Erstellt von Günther Lietz am 6. Mai 2009

Bei Amazon.deX-Men Origins: Wolverine

Verleih: Fox
O-Titel: X-Men Origins: Wolverine
Land/Jahr: USA 2009
Produktionsfirmen: Donners’ Company, Marvel Enterprises, Seed Productions, Twentieth Century-Fox Film
Produzenten: Hugh Jackman, John Palermo, Lauren Shuler-Donner
Koproduzenten: Louis G. Friedman
Ausf. Prod.: Avi Arad, Stan Lee
Regie: Gavin Hood
Drehbuch: David Benioff, Stan Lee
Darsteller: Hugh Jackman (Logan/Wolverine), Danny Huston (William Stryker), Ryan Reynolds (Wade Wilson/Deadpool), Liev Schreiber (Victor Creed/Sabretooth), Dominic Monaghan (Barnell Bohusk/Beak), Lynn Collins (Silver Fox), Will.I.Am (Wraith), Daniel Henney (David North/Agent Zero), Kevin Durand (Frederick J. Dukes/The Blob)
Kamera: Donald M. McAlpine
Schnitt: Nicolas de Toth, Megan Gill
Musik: Harry Gregson-Williams
Produktionsdesign: Barry Robison
Kostüme: Kym Barrett
Casting: Christine King, Debra Zane
Kinostart Deutschland: 29. April 2009
Laufzeit: 106 Min.
FSK: ab 16 Jahre

Im Kanada des 19. Jahrhunderts erlebt der kleine James fürchterliche Dinge in seinem Elternhaus und muss erkennen, dass er ein Mutant ist. Gemeinsam mit seinem Halbbruder Victor flieht er. Aus den beiden Kindern werden Männer, die auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen der nächsten Jahrzehnte kräftig mitmischen und die Interessen der USA kampfstark vertreten. Doch James (Hugh Jackman) und Victor (Liev Schreiber) entfernen sich immer mehr voneinander. Während des Einsatzes bei einer Spezialeinheit, kommt es zum endgültigen Bruch zwischen den beiden. James, der sich nun Logan nennt, geht zurück nach Kanada, um dort Holzfäller zu werden.

Logan führt nun ein neues Leben, geplagt von Albträumen, geliebt von einer verständnisvollen Frau. Doch die Vergangenheit holt ihn ein – in Form von Victor, auch bekannt als Sabertooth. Er tötet Logans Freundin (Lynn Collins) und führt seinen Bruder vor. Logan ist alleine zu schwach, um Victor zu besiegen und lässt sich auf den Vorschlag seines alten Kommandanten Stryker (Danny Huston) ein. Von Rache getrieben wird aus Logan Wolverine, werden seine übernatürlichen Fähigkeiten durch das Sternenmetall Adamantium verstärkt. Doch kaum dem tödlichen Experiment entronnen erfährt Wolverine, dass er verraten und hintergangen wurde. Er ist nur Waffe X, ein Prototyp, ein Werkzeug. Erneut ist es Rache, die Wolverine in den Kampf treibt …

Comicverfilmungen sind ein Garant für spannende Kinoaction ohne großen Anspruch und mit inhaltlichen Fehlern. Der Zuschauer drückt gerne mal ein Auge zu und der Fan freut sich, seinen Helden auf großer Leinwand zu sehen. In den letzten Jahren haben sich die Ausnahmen gemehrt, doch „X-Men Origins: Wolverine“ ist ein klassischer Vertreter der großzügigen Adaption.

So ragt Hauptdarsteller Hugh Jackman mehr als 190 charismatische und muskelbepackte Zentimeter in die Höhe, Comicheld Wolverine bleibt aber eigentlich unter 170 Zentimetern stecken. Auch das animalische Biest wurde für den Film gezähmt. Zwar noch immer ein harter Brocken und ohne Gnade für den Feind, wirkt Gavin Hoods Heldenfassung eher zahm und moralisch integer. Auch der Werdegang des Ausnahmesuperhelden wurde verändert. So präsentiert sich dem Kinogänger schon eine andere Kindheit und Familienzusammenstellung. Wenigstens wurde für den Film beibehalten, dass Wolverine durchs Militär Adamantium auf die Knochen bekommt. Das ist doch auch schon etwas.

Somit ist deutlich genug, dass „X-Men Origins: Wolverine“ eine andere Geschichte erzählt, als es die unzähligen Comics machen. Wobei, Marvel selbst hat verschiedene Universen und Zeitleisten ins Leben gerufen, man ist als Fan also einiges gewohnt und sollte den Kinofilm einfach als ein weiteres Paralleluniversum begreifen. Weg mit den genialen Comics, her mit dem genialen Film. Und der Streifen kann sich einfach sehen lassen.

Die stärksten Szenen des Films präsentieren sich bereits zu Beginn. Logan als Kind, der mit Bruder Victor flieht und dann unternehmen beide in kurzen Momentaufnahme einen Streifzug durch die Weltgeschichte – stets in Kriegen, stets mit Stopbildern gewürzt. Der Vorspann ist einfach Weltklasse, der Score von Harry Gregson-Williams geht sofort ins Ohr. Man sollte sich den Erwerb des Soundtracks also schon mal vormerken.

Auch der Bruch zwischen den beiden Brüdern ist stark fotografiert und wird glaubhaft in Szene gesetzt. Einzig fraglich ist nur, warum die Spezialeinheit überhaupt aus mehreren Mutanten besteht, wo doch Zero alleine schon den Job erledigen könnte. Doch hier wird dem Kino Tribut gezollt, denn starke Helden brauchen starke Gegner. Und die sollen zeigen was sie alles können, damit es am Ende spannend ist.

Logan zieht sich also in die kanadischen Wälder zurück, lernt eine Frau lieben und kratzen, um dann durch ihren Tod angespornt Rache zu üben und in eine jahrelang geplante Verschwörungsfalle zu tappen. In Ordnung, das ist zwar Müll, aber man schluckt es gerne, denn jetzt geht die Action richtig los. Man sollte halt bedenken, dass Logan übernatürliche Sinne besitzt. Wer auf etliche Kilometer seinen Bruder wittert, der sollte auch eine Nase für tote Menschen und ein Auge für Verletzungen haben. Außerdem dürfte jeder Liebende seine tote Freundin irgendwo unterbringen, anstatt sie im Wald liegen zu lassen. Spätestens dann sollte es aber … egal, wie gesagt, jetzt kommt die Action. Und die ist einfach klasse.

Wolverine lässt sich verbessern, bekommt die Intrige spitz und flieht. Es folgt eine gnadenlose Verfolgungsjagd und unser Held beweist seine Lufthoheit. Das ist zwar alles Quark, aber es ist richtig guter Quark, der den Zuschauer in den Sessel presst. Verdammt, so muss Action aussehen. Leider wurde in der deutschen Fassung geschnitten, was der gute Logan mit Zero anstellt. Warum ist fraglich, die Szene ist im Grunde harmlos.

Nach der Verfolgungsjagd geht es actiongeladen weiter und der Zuschauer darf Logan begleiten. Der sucht sich erst einmal ein paar Informanten und präsentiert einen sehr lustigen Boxkampf. Als Zuckerl kommt auch der junge Cyclops vor und freundet sich Wolverine mit Gambit an. Noch mehr Helden für die Merkliste. Glücklicherweise kann man einige bald wieder streichen und „X-Men Origins: Wolverine“ setzt zum Finale an – und da fliegen wörtlich die Fetzen. Eine bombastische Kulisse und ein Supergegner, der alle paar Sekunden eine neue Fähigkeit aus dem Hut zaubert, um den Zuschauer mit neuen Stunts und CGI-Effekten zu verzaubern. Am Ende liegt alles in Schutt und Asche, hat der Held gesiegt und kippt tot um. Na ja, das hätte der Oberbösewicht doch auch vorher anstellen können. Aber so kommt man nach dem Abspann in den Genuss einer verdammt coolen Szene. Also immer schön sitzen bleiben und abwarten.

Zum Ende hin zeigen sich auch die Schwächen der Synchronisation. Die ist zwar durchweg gelungen und macht Laune, doch nur im Original kommen die Sprüche wirklich markig rüber. Hier hätten die Sprecher ruhig etwas vom Leder ziehen können. Bei Superhelden passt das schon, aber wahrscheinlich wurde die Synchro mit der heißen Nadel gestrickt. Nur so dürfte der Riesenfehler zu erklären sein, der nach dem Endkampf geschieht. So wird hypnotisch „Lauf“ befohlen, doch das Opfer geht nur. Nun, dadurch wird der Film unfreiwillig etwas komisch. Alles andere sei verziehen, aber das wirkt wirklich störend.

Die Leistungen der Darsteller sind richtig ordentlich, vor allem Stryker wirkt fies und gemein. Danny Huston gibt einen exzellenter Bösewicht zum Besten, doch der Film dreht sich vor allem um Logan – und das ist nun einmal Hugh Jackman. So kommen alle anderen Rollen im Grunde zu kurz, können nur wenig Profil zeigen und müssen dem Platzhirsch weichen. Und Jackman röhrt verdammt gut, verteidigt sein Revier mir Bravour. Muskelbepackt, auch mal nackt von hinten, einen coolen Spruch auf den Lippen und Augen, die jeder Situation die richtige Würze geben. Frauen schmelzen dahin und Männer wünschen sich ebenfalls diesen Blick – um die Frauen auch dahinschmelzen zu lassen. Dabei sollte man keinesfalls vergessen, dass Jackman für seinen Prachtkörper hart trainierte und außerordentliche Selbstdisziplin zeigte.

Wie es sich für einen modernen Actionfilm in dieser Preisklasse gehört, sind Stunts und Trickeffekte vom Feinsten. Da wird gesprungen, gepurzelt, geknallt, gebumst, geschlagen und getreten, da explodiert es hier und knallt es da. Augen und Ohren bekommen ein wunderbares Spektakel geliefert, in dem man förmlich versinkt. Actionkino vom Feinsten! Einzig Sabertooth’ Sprunganimation könnte etwas besser sein. Sie wirkt recht grob und künstlich.

„X-Men Origins: Wolverine“ ist jedenfalls ein schicker Film, mit viel Action, einem sympathischen Superhelden und großem Unterhaltunsgwert. Der Streifen ist auf jeden Fall einen Blick wert!
(Günther Lietz)

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