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X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Erstellt von Günther Lietz am 17. Juni 2014

Seit einigen Jahren regnet es regelrecht Superheldenfilme vom Kinohimmel. “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit”, von Regisseur und Produzent Bryan Singer, gehört zu diesem warmen Schauer. Obwohl die X-Men zwar zum bunten Marvel-Universum zählen, sind sie übrigens kein Bestandteil des MCU (Marvel Cinematic Universe), wie zum Beispiel “Iron Man”, “Captain America” oder auch “Marvel’s The Avengers”. Das MCU wird von den Marvel Studios produziert, die X-Men-Filme von 20th Century Fox. Und die Filme bedienen sich zwar bei den Comics, bilden aber stets ein ganz eigene Universum. So wie die unterschiedlichen Comicreihen ebenfalls immer wieder neue Universen bilden, die nicht immer unbedingt aufeinander Rücksicht nehmen. Amerikanische Superheldencomis waren schon immer eine Collage und die dazugehörigen Filme bilden keine Ausnahme. Obwohl Marvel, wird es also keine Figuren der Marvel Studios geben und die X-Men-Filme nehmen keine Rücksicht auf Ereignisse, die in “Thor – The Dark Kingdom” oder “The Return of the First Avenger” stattgefunden haben. Das vorne weg zum Verständnis.

Mit “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” liefert Singer seinen nun dritten X-Men-Film als Regisseur ab. Bereits mit “X-Men” und “X-Men 2” stellte er die Hollywoodstudios zufrieden und konnte Erfahrungen im Bereich der Superheldenfilme sammeln. Bei “X-Men: Erste Entscheidung” war er dagegen nur als Produzent zugange. Letzterer Film ist sozusagen auch das Vorspiel zu “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” – und eindeutig der bessere Film.

Geschichtlich gesehen spielt der neuste X-Men-Streifen im Jahre 2023, also in der nahen Zukunft. Diese sieht allerdings ziemlich düster aus, denn zwischen Mensch und Mutant kam es zu einem Krieg, die Welt ist ein einziges Schlachtfeld. Gigantische Roboter, sogenannte Sentinels, machen erfolgreich Jagd auf die Mutanten und löschen diese langsam aber sicher aus. Eine kleine Truppe von Widerständlern wehrt sich verbissen gegen die Sentinels. Dabei machen sie sich Shadowcats Fähigkeit zur eigen, den Geist einer Person in die Vergangenheit schicken zu können. Professor X (gespielt von Patrick Stewart) und Magneto (gespielt von Ian McKellen) entwickeln darauf basierend einen Plan, der den Verlauf der Geschichte ändern soll: Shadowcat (gespielt von Ellen Page) soll den Geist eines der Mutanten ins Jahr 1973 zurückschicken, damit dieser das initiale Ereignis verhindern kann, dass zum Bau der Sentinels und der Jagd auf die Mutanten führte.

Der Einstieg klingt erst einmal ganz gut. Die düstere und dunkel inszenierte Dystopie des Jahres 2023 kommt schön bildgewaltig daher und kann einem richtig Angst machen. Die sofort am Anfang einsetzenden Actionszenen sind zwar keine Überraschung, aber solides Handwerk. Das kann Bryan Singer gut und lässt erahnen, dass hier kein Actionfeuerwerk abgebrannt wird. Trotz allem ist der Anfang ziemlich stark inszeniert und es klingt vernünftig, das ausgerechnet Wolverine (gespielt von Hugh Jackman) in die Vergangenheit soll. Immerhin ist er der Einzige, der solch eine Gedankenreise überstehen würde.

Aber beschäftigen wir uns kurz noch etwas mehr mit dem Einstieg. Die Handlung basiert weitgehend auf den Comics “Days of Future Past” (so auch der Originalfilmtitel) aus dem Jahr 1981 (“Uncanny X-Men”, Ausgaben #141–142). Dort ist es Kitty Pride die in die Vergangenheit geschickt wird – und zwar zurück in die 1980er. Die Comics liefern also nur den Überbau, an den sich grob gehalten wird. Auch andere Comics dienen als Inspiration für “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” und erklären somit Bolivar Trask, das Design der Sentinels und auch Professor X’ Selbstzweifel und Verhältnis zu Magneto. Rückblickend ist die Geschichte aus den Comics (“Days of Future Past”) jedoch die bessere.

Der Anfang des Films ist auch dahingehend spannend, weil der gute Professor im Rollstuhl sitzt. Für Zuschauer die “X-Men 3: Der letzte Widerstand” gesehen haben, sicherlich ein zweifaches Rätsel. Eilige Kinobesucher werden noch in Erinnerung haben, dass Xavier im Verlauf des Films getötet wird. Warum lebt er also wieder? Geduldige Zuschauer kennen dagegen den Epilog, der dem Abspann folgte. Dort wird kurz angerissen, das der Professor seinen Verstand in den Körper eines Komapatienten transferiert (der wohl sein Zwillingsbruder ist, beziehungsweise war). Warum also sitzt der “neue” Körper ebenfalls im Rollstuhl? Diese beiden Dinge hätte netterweise doch erklärt werden können.

Davon ab, haben wir gleichzeitig auch ein beliebtes Element in der fantastischen Zeitreiseerzählung: Ein singuläres Ereignis ist Schuld an schlimmen Dingen: “Korrigiere nur diese eine Sache und die ganze Welt wird sich verändern”. Das vereinfacht natürlich die Handlung eines Films immens. Aber mal ernsthaft, das ist kaum plausibel und fällt deswegen stark auf, weil “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” weitere Schwächen hat. Und irgendwann summiert sich halt alles auf. Doch weiter.

Wolverine gelangt in das Jahr 1973. Hier soll er Professor X (jetzt gespielt von James McAvoy) und Magneto (nun Michael Fassbender gespielt) finden, um Mystique (gespielt von Jennifer Lawrence) aufzuhalten. Diese plant nämlich Bolivar Trask (gespielt von Peter Dinklage) zu töten, den Erfinder der Sentinels – was schlussendlich überhaupt deren Bau und Einsatz möglich machte. Es ist für Wolverine zwar kein Problem sämtliche Beteiligten zu finden, aber der Umgang mit Professor X und Magneto erweist sich als problematisch, trotz der Hilfe von Beast (dargestellt von Nicholas Hoult). Kein Wunder, dass in der Vergangenheit fast alles schief geht. Währenddessen spitzt sich auch in der Zukunft die Situation dramatisch zu. Sollte Wolverine scheitern, sind die X-Men Geschichte. Das fasst so grob die restliche Handlung des Films zusammen.

Was beim Übergang zwischen Zukunft und Vergangenheit auffällt, sind die grandiosen Kontraste in der Farbe. Während die Zukunft dunkel und düster gestaltet wurde, sind die 1970er hell und lebensfroh. Kulisse und Kostüme sind weitgehend grandios umgesetzt. Und der liebe Wolverine muss sich hier erst einmal kurz neu orientieren. Schlussendlich steckt sein zukünftiger Geist in seinem “alten” Körper. Und zu diesem Zeitpunkt besaß Wolverine noch kein mit Adamantium umhülltes Skelett. Das ergibt natürlich ziemlich viele Möglichkeiten, diesen Umstand dramatisch in die Geschichte einzubauen. Das passiert leider kaum, nur manchmal in Bezug auf seine Klingen. Auch die Möglichkeiten der Zeitreise bleiben weit hinter sämtlichen Erwartungen zurück. Die 1970er finden eher im Hintergrund statt, wenn es auch eine nette Idee ist, einige Sequenzen in Super-8-Film darzustellen, so als würden Touristen und Medien die Mutanten in Aktion filmen. Aber eigentlich hätten es auch die 1980er oder sogar -90er sein können. So wirklich wichtig ist das eigentlich nicht.

In Anbetracht der Personalie Bolivar Trask ist das eigentlich sogar störend. Zwar handelt es sich bei den Sentinels um futuristische Kampfroboter, aber vom Design und der Technik her, wirken sie einfach zu futuristisch. Dreißig, vierzig Jahre später, dürfte die Welt mit dieser wissenschaftlichen Basis anders aussehen, als in den X-Men-Filmen bisher dargestellt. Besonders Trasks kleiner Mutantendetektor wirkt zu futuristisch und könnte in dieser Form ein Ausrüstungsgegenstand sein, wie er an Bord der Enterprise zu finden ist (“Star Trek” (2009)). Allgemein gibt es auch außerhalb der Filmwelt einige zeitliche Probleme (zu moderne Flugzeuge, Helme oder auch ein Stadion mit falschem Spielfeld), die sich aber verschmerzen lassen. Bei so vielen Details kann schnell einmal etwas durchrutschen oder ist gar nicht erst anders zu gestalten. Bei der Musik sieht die Sache anders aus, denn da hätte ein Mitarbeiter einfach nur die Charts kontrollieren müssen. Der Film spielt weitgehend im Januar des Jahres 1973. “Hello Hooray” von Alice Cooper (eingespielter Sound) und “The Dark Side Of The Moon” von Pink Floyd (Fan-T-Shirt in der Küchenszene) erschienen nämlich später im Jahr. Der tragbare Kassettenspieler von Quicksilver dagegen erst 1979. Diese Kleinigkeiten sind für sich genommen trivial, zeigen aber ebenfalls, wie einfallslos Bryan Singer mit den Möglichkeiten einer Zeitreise umgeht.

Weitaus störender ist diese Einfallslosigkeit in der Geschichte und beim Aufbau der Figuren. Die sind im Grunde genommen alle ziemlich dämlich. Das trifft vor allem auf Magneto und Mystique zu, die gerade ihrer Klugheit wegen doch eine Gefahr darstellen sollten. Eigentlich ist es ihr erklärtes Ziel, die Mutanten vor den Menschen und deren aus Angst geborenen Hass zu bekämpfen. Und was machen Magneto und Mystique die ganze Zeit über? Genau! Sie spielen ihren politischen Widersachern am laufenden Band in die Hände. Das ist einfach nur dumm. Denn das passiert nur, um künstlich Spannung zu erzeugen, anstatt einen klugen und glaubhaften Plot aufzuziehen. Gleichzeitig ist es für Kenner der X-Men-Filme nervig, dass Magneto immer wieder versucht Mystique abzuservieren und diese nichts daraus lernt. Manche Stilelemente sind irgendwann einfach überstrapaziert.

Ebenso ärgerlich wie die löchrige Charakterzeichnung und Handlung, ist die wenige Zeit die den Darstellern eingeräumt wird. Das gilt für die Hauptdarsteller ebenso, wie für die Nebendarsteller. Letztere werden oftmals motivationsarm eingebaut, einige bleiben gar namenlos. Gut für den, der die Mutanten anhand der Comics halbwegs zuordnen kann. Schlussendlich nehmen die Nebenfiguren den Hauptdarstellern die Zeit weg.

Und diese könnten etwas mehr Zeit gut gebrauchen, um mehr an Profil zu bekommen. Daran mangelt es etwas. Doch Dank starker Schauspieler bleibt trotzdem eine eindrucksvolle Leistung. Einzig Jennifer Lawrence fällt hier ab und hinterlässt einen gelangweilten Eindruck. Abseits der Actionszenen hat Mystique somit kaum etwas zu bieten. Vor allem keine klugen Dialoge und Handlungen. Das ist besonders in normalerweise sehr emotionalen Augenblicken hart.

Etwas mehr Zeit hätte man sicherlich auch Peter Dinklage einräumen kommen. Seine Rolle des Bolivar Trask kommt einfach zu kurz. Dabei ist Dinklage aktuell durch die HBO-TV-Serie “Game of Thrones” groß im Geschäft, kommt in “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” aber viel zu kurz. Er hat gar keine Zeit sich zu profilieren. Es kommt der Verdacht auf, dass Regisseur Bryan Singer auf die Popularität seines Darstellers setzt. Das ist ziemlich Schade. Für Comicleser ist es vielleicht noch spannend zu wissen, das Bolivar Trask im Vergleich zu anderen Figuren visuell zwischen 180 bis 190 Zentimeter groß scheint, Marvel ihn in seinem Wiki mit knapp 178 Zentimetern angibt und Peter Hayden Dinklage “nur” geballte 135 Zentimeter erreicht. Das ist eine ziemlich tolle Personalentscheidung und es bleibt abzuwarten, ob Marvelzeichner entsprechend reagieren und Bolivar Trask an Dinklage ausrichten – falls die Figur denn nochmals in einem Comic erscheint. Jedenfalls geschah das derart schon bei Hugh Jackman (Wolverine).

Allgemein ist es aber schwer, über die Figuren im Film großartige Worte zu verlieren. Sie bleiben weitgehend blass und eindimensional, was weniger an den großartigen Darstellern, sondern an der fehlenden Zeit liegt. Einzig Hugh Jackman als Wolverine ist ziemlich präsent und darf tatsächlich schauspielern. Was er im Rahmen seiner Möglichkeiten auch ausnutzt. Wohltuend ist dabei, das er viel lockerer ist, als in den beiden unsäglichen Solo-Wolverine-Streifen. Dort war man offensichtlich bemüht die Figur des Logan (also Wolverine) düster zu gestalten, um sich an den dunklen und ernsthafteren DC-Comic-Verfilmungen zu orientieren. Bryan Singer gibt Wolverine allerdings wieder etwas Humor zurück, was die Figur sympathischer und den Film ansehnlicher macht.

Und letzteres ist der Film auf jeden Fall. Trotz harscher Kritik und etlichen Mängeln, weiß “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” zu unterhalten. Dafür Sorgen immer wieder mal richtig gute Augenblicke. Vor allem die Sequenzen mit Quicksilver (gespielt von Evan Peters) und die Anspielung auf dessen Vater, sind grandios. Peters bekommt zudem auch die beste Actionszene spendiert. Diese Szene alleine zieht den Film aus der Mittelmäßigkeit heraus. Es hätte mehr solcher Knaller gebraucht. Aber schlussendlich stellt sich dadurch die Frage, warum Wolverine diesen coolen Charakter mit dieser unglaublichen Fähigkeit nicht einfach mitnimmt? Quicksilver ist eindeutig schneller als jede Kugel und wahrscheinlich auch schneller, als Professor X oder Magneto denken können. Das ist eine weitere Schwachstelle im Film, dass dieser Charakter den Platz einer Nebenfigur einnimmt. Aber das ist leider so, dass es zu viele Figuren und Mutanten mit zu wenig Spielzeit gibt. Zudem ist das Ende des Films einfach schlecht und richtet sich oberflächlich an die typisch amerikanische Familienunterhaltung. Etwas tiefer gesehen entwertet das Ende sogar einige der Figuren und lässt ein paar spannende Fragen unbeantwortet. Wer den Abspann aussitzt, bekommt übrigens einen weiteren Epilog zu sehen, der auf einen der nächsten Filme neugierig macht.

Die Vernetzung von “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” zu anderen Filmen der Reihe, ist übrigens sehr gut. Es gibt mehrere Referenzen auf die vorangegangenen X-Men-Filme, ohne das der Zuschauer diese aber wirklich kennen müsste. Sie bereichern das Schauen aber ungemein. Das ist vor allem bei der Figur des Major Bill Stryker (Josh Helman) der Fall, der in früheren Filmen als General Stryker unterwegs war. Im aktuellen Film ist Stryker nämlich – mal wieder – an prominenter Stelle zu finden.

Optisch gehört “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” zu den Schwergewichten Hollywoods. Hier wird einiges aufgefahren, wenn auch Singer nicht zu sehr abhebt und actionmäßig eher dem Bodenpersonal zuzuordnen ist, im Gegensatz zu Leuten wie Michael Bay. Aber dafür ist alles sehr solide und wirkt, innerhalb des Filmuniversums, nicht zu unglaubwürdig. Dazu gehören auch die 3D-Sequenzen. Diese sind sehr unaufdringlich und stimmig in den Film eingepflegt. Das macht richtig Laune. Zudem ist der Film auch zweidimensional toll anzuschauen. Sound und Soundtrack tragen ihr übriges dazu bei, dass “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” eine spaßige Angelegenheit ist. Auch an der deutschen Synchronisation ist wenig auszusetzen.

Ein wenig mehr Screentime für die Hauptdarsteller, ein paar Sätze als Erklärung für Professor X und die scheinbar zu moderne Technik in den 1970ern, ein wenig klügere Antagonisten und etwas weniger Symbolismus im Finale – “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” wäre ein Topfilm geworden. So gibt es für den Zuschauer aber dennoch solide Unterhaltung. Ein Bryan-Singer-Film eben.

Für Fans sei noch darauf hingewiesen, dass der Film um zirka zehn Minuten gekürzt wurde. Normalerweise gab es eine kleine Story um die Mutantin Rogue (gespielt von Anna Paquin), die in anderen X-Men-Filmen ziemlich präsent war. Diesmal fiel ihre Rolle (bis auf wenige Sekunden) der Schere zum Opfer. Als Begründung wird von Drehbuchautor Simon Kinberg angeführt, dieser Storyabschnitt sei dem Film im Ganzen nicht dienlich gewesen. Wie eigentlich zu erwarten, soll die Rogue-Nebenhandlung aber auf die Blur-ray-Versionen von “X-Men: Zukunft ist Vergangenheit” kommen. Ob nur als Bonusmaterial oder alternative Fassung des Films, das bleibt abzuwarten.

Copyright © 2014 by Günther Lietz, all rights reserved

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Originaltitel: X-Men: Days of Future Past (USA 2014)
Originalsprache: Englisch
Länge: 131 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg (Drehbuch und Story), Matthew Vaughn (Story), Jane Goldman (Story)
Produktion: Simon Kinberg, Hutch Parker, Lauren Shuler Donner, Bryan Singer
Musik: John Ottman
Kamera: Newton Thomas Sigel
Schnitt: John Ottman

Besetzung: James McAvoy (Professor Charles Xavier), Michael Fassbender (Erik Lehnsherr/Magneto), Hugh Jackman (Logan/Wolverine), Jennifer Lawrence (Raven Darkholme/Mystique), Nicholas Hoult (Dr. Hank McCoy/Beast), Patrick Stewart (älterer Professor Charles Xavier), Ian McKellen (älterer Erik Lehnsherr), Evan Peters (Pietro Maximoff/Quicksilver), Ellen Page (Kitty Pryde/Shadowcat), Peter Dinklage (Bolivar Trask)

http://www.xmen-zukunftistvergangenheit.de/

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Snowpiercer

Erstellt von Günther Lietz am 16. April 2014

Bereits 2013 erschien der Science-Fiction-Film “Snowpiercer” im asiatischen Raum und auch die Franzosen konnten sich bereits an diesem wahnwitzigen Streifen erfreuen. Endlich hat der Film den Sprung auch nach Deutschland geschafft und läuft nicht in Gefahr, auf Filmfestivals als Genretip zu verkümmern. Und sogar in den USA ist tatsächlich auch ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen, trotz gewisser Unwägbarkeiten. Das braucht die heimischen Kinogänger glücklicherweise nicht zu kümmern. Wir sind verschont geblieben von einem Besserwisser-Produzenten wie Harvey Weinstein, der die Rechte für den angloamerikanischen Raum erwarb und die US-Amerikaner wohl für zu dumm hielt, den Film zu begreifen. Jedenfalls plante Weinstein den Film auf Hollywoodschnitt zu trimmen (und ganze zwanzig Minuten zu kürzen) und die Geschichte aus dem Off erklären zu lassen. Allerdings setzte sich Regisseur Bong (“The Host”, ”Mother”) durch, was Weinstein (man nennt ihn wohl auch “Harvey mit den Scherenhänden”) wiederum mit einer kümmerlichen US-Marketingkampagne abstrafte. Allerdings sieht es so aus (Achtung: Spekulation!), als müsste er auch hier zurückrudern. Der Film läuft im Sommer 2014 wohl doch in mehr amerikanischen Kinos, als gedacht.

So viel also zu den Hintergründen, nun zum Film selbst. Der basiert auf dem französischen Comic “Schneekreuzer” (“Le Transperceneige”) von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette. Die Geschehnisse spielen im Jahre 2031, beinahe zwanzig Jahre nach einer großen Katastrophe. Es ist eine verschneite, eisige Postapokalypse und die Überlebenden der Menschheit jagen an Bord eines gewaltigen Zugs über die Erde. Wer den Zug verlässt, der erfriert unweigerlich. Zugleich ist dieser Mikrokosmos ein wahres Klassensystem, denn die Passagiere sind eingeteilt in sogenannte “Schmarotzer”, die elendig hinten im Wagen leben, und einer Elite, die es sich vorne im Zug gemütlich macht. Das sorgt natürlich für Unzufriedenheit und es bildet sich Widerstand. Die Menschen vom Ende des Zugs haben die Nase voll davon, dass sie von den Menschen da Vorne beherrscht werden.

Der Widerstand formiert sich um Gilliam (John Hurt), Curtis (Chris Evans) und Edgar (Jamie Bell). Die drei führen ihre Leute nach vorne. Doch zuvor befreien sie den Junkie Namgoong (Song Kang-ho), der sich bestens mit den Türen und deren Sicherungsmechanismen auskennt. Mit seiner Hilfe erhoffen sich die Revoluzzer, bis ganz nach vorne zu kommen und dort Wilford zu stellen – den Konstrukteur des Zugs und Retter der Menschheit. Allerdings sind die vorderen Passagiere Wilford treu ergeben und stellen sich den Aufrührern entgegen …

“Snowpiercer” ist ein Film, der es einfach in sich hat. Der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho (“Snowpiercer” ist übrigens sein erster englischer Film) zaubert hier einiges aus dem Hut und verbindet Kino und Erzählung unterschiedlicher Kulturen miteinander. Hollywoods Blockbuster ist ebenso in die Geschichte eingeflochten, wie der europäische Autorenfilm und die asiatische Liebe zur blutigen arrangierten Action. Hier präsentiert sich tatsächlich ganz großes, stilübergreifendes Kino. “Snowpiercer” lässt die Science-Fiction-Filme der letzten Zeit (“Prometheus”, “After Earth”, “Oblivion”, “Elysium”) weit hinter sich und zeigt, wie gutes Genrekino auszusehen hat. Bong ist ein wahrer Meister und so ist es auch kein Wunder, dass sein Name über Korea hinaus bekannt wurde.

Natürlich, zugegeben, Bong baut mit seinem Film auf einer exzellenten Vorlage auf. Bereits “Schneekreuzer” besitzt eine hohe Qualität und die Story ist gut durchdacht. “Snowpiercer” ist aber mehr, als eine adäquate Umsetzung des Stoffs. Denn “Snowpiercer” vermag es, auch für sich alleine zu stehen.

Dabei greift Bong tief in die dramaturgische Trickkiste und zieht alle Register. Die Figuren sind überaus menschlich dargestellt – und zwar in allen Bereichen. Sie haben Ecken, Kanten und Fehler. Sie sind nicht immer nett, haben ihre Schrullen und Geheimnisse. Das macht die Figuren zu authentischen Persönlichkeiten, zu denen schnell eine Bindung aufgebaut wird. Auch wenn einige der Nebenrollen etwas einfach besetzt wirken, so ist die Hauptbesetzung einfach grandios und vermag es Bongs Vision umzusetzen.

Allen voran natürlich das Trio Hurt (ein Oscarpreisträger, der jeden Film aufwertet), Evans (derzeit als Superheld in “Captain America: The Winter Soldier” unterwegs) und Bell (bekannt aus “Billy Elliot – I Will Dance”, “King Kong”, “Jumper”). Vor allem Chris Evans erreicht hier eine Charaktertiefe, die einen mit sich zieht und beinahe darin ertrinken lässt. Als Captain America macht Evans bereits eine gute Figur, aber als Curtis ist er atemberaubend.

Auch auf der Seite der Antagonisten fährt Bong ordentlich auf. Tilda Swinton (ebenfalls hochdekoriert) in der Rolle der Mason ist einfach der Hammer. Optisch ähnelt sie manchmal einer gealterten Prinzessin Leia aus “Krieg der Sterne”, was aber schnell in Vergessenheit gerät. Als Mason ist sie die skrupellose Vertreterin von Wilford, die sich gerne in Szene setzt und ihren Status sichtlich genießt. Was für eine Schlampe, diese Mason! Aber auch Ed Harris (meistens herausragend in Nebenrollen zu sehen) als Wilford weiß zu polarisieren. Und, was in anderen Filmen vom Erzschurken gerne nur behauptet wird, hier aber tatsächlich zutrifft: Er weiß tatsächlich einen charismatischen Bösewicht umzusetzen, so dass es einen schaudert.

Die größte Stärke des Films ist die Abwechslung, die er bietet. Und zwar in allen Bereichen. Vom Tempo her nimmt sich Bong die Freiheit mal schnell, und dann wieder langsam zu filmen. Die Handlung nimmt immer wieder einen anderen Verlauf. Selbst die Kulissen und das Ambiente sind einem steten Wandel unterworfen, gleiches gilt für die Farben und die Kameraeinstellungen. Wobei sich hier, da die Geschichte in einem Zug spielt, lange, weite Aufnahmen in den Raum hinein anbieten. Selbst Licht und Schatten sind einem steten Wechsel unterworfen, ebenso die Figuren, die innerhalb des Films schonungslos an der Handlung und an sich selbst wachsen. Gleichzeitig verpackt Bong noch eine ordentliche Portion Sozialkritik in seinem Film, ohne dabei oberlehrerhaft zu wirken. Und dann diese schockierenden Augenblicke, die immer wieder vorkommen, die nicht rein an die Actionmomente oder an blutige Szenen gekoppelt sind, sondern urplötzlich in einem ruhigen Augenblick daherkommen, aus einem Dialog heraus schockieren. Grandios!

Mehr als einmal erscheint der Film surreal, als ob man von einem Schlachtfeld in einen Kaufhausaufzug steigt, um dann, nach einigen Minuten zuckersüßer Musikberieselung, auf einem Stockwerk voller Normalität auszusteigen. Und das dürfte auch die einzige Kritik sein, die der Film einfährt: Der Film kann für Mainstreamgemüter tatsächlich zu komplex sein. Vielleicht hat Harvey Weinstein mit seiner Meinung recht? Nein, wohl eher nicht! Der Zuschauer wächst mit dem Film, kann sich hier endlich einmal von den simplen Blockbustern abwenden und intelligentes, forderndes Kino genießen.

Der Film ist aber nicht nur intelligent, sondern kommt auch mit brutalen, blutigen Einstellungen daher. Diese warten ebenfalls mit Schock- und Überraschungsmomenten auf. So manches Mal blickt man auf die Leinwand und kann kaum glauben, was es gerade zu sehen gab. Bong beweist großen Mut und fordert sein Publikum stellenweise regelrecht heraus. Die Actionszenen haben es einfach in sich und sind hervorragend inszeniert. Es ist nicht das immer wieder gleiche Draufschlagen, bei gleicher Kameraeinstellung und ähnlichen Lichtverhältnissen. Nein, “Snowpiercer” hat da einiges mehr zu bieten. Zudem besitzt Bong einen feinen Sinn für schwarzen Humor, so dass es manchmal sogar für einen Schmunzler reicht. Natürlich ein Stilmittel, um die Gewalt zuvor oder danach in einen stärkeren Kontrast zu setzen.

Technisch gesehen ist der Film sehr gut umgesetzt. Der alles bestimmende Zug wird glaubhaft dargestellt. Dank der unterschiedlichen Waggons sind auch immer wieder neue Sets zu bewundern, die unterschiedliche Stilrichtungen zeigen und was fürs Auge bieten. Hier konnte sich Bong ordentlich austoben, um seine Darsteller passend in Szene zu setzen. Selbst Waggons die nur kurz zu sehen sind, strotzen vor liebevollen Details. Das ist ziemlich beeindruckend.

Gleiches gilt für den Score, der von Marco Beltrami ebenso wunderbar abwechslungsreich inszeniert wurde. Er unterstützt den Film hervorragend, denn immer wieder wird das Stampfen des Zugs in die Musik eingebaut und gibt das Tempo vor. Beltrami ist aber auch ein erfahrener Musikkomponist und wurde bereits zweimal für einen Oscar nominiert (“Todeszug nach Yuma”, “The Hurt Locker”).

In Bezug auf die Synchronisation, ist diese, bis auf einige kleine Ausreißer, gelungen. Zudem ist es sprachlich auch so, dass immer wieder Koreanisch einfließt, was natürlich nicht synchronisiert wurde und ebenfalls zur Atmosphäre beiträgt.

“Snowpiercer” ist ein hervorragender Genrefilm, der gut unterhält, zum Nachdenken anregt und klug gemachtes Kino zeigt, das den Mut zum Wandel hat. Absolut empfehlenswert!

Copyright © 2014 by Günther Lietz, all rights reserved

Snowpiercer

Originaltitel: Snowpiercer, 설국열차, Seolgugyeolcha

Produktionsländer: Südkorea, USA
Originalsprachen: Englisch, Koreanisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 126 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Bong Joon-ho
Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson
Produktion: Park Chan-wook, Lee Tae-hun, Park Tae-jun, Dooho Choi, Robert Bernacchi, David Minkowski, Matthew Stillman
Musik: Marco Beltrami
Kamera: Hong Kyung-pyo
Schnitt: Steve M. Choe

Besetzung: Chris Evans (Curtis), Song Kang-ho (Namgoong), Ko Ah-seong (Yona), Jamie Bell (Edgar), Ewen Bremner (Andrew), Tilda Swinton (Mason), John Hurt (Gilliam), Octavia Spencer (Tanya), Ed Harris (Wilford)

Homepage: http://www.snowpiercer.de/

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Krrish 3

Erstellt von Günther Lietz am 12. November 2013

Machen wir uns nichts vor, Filme aus Bollywood sind Geschmackssache und wer indischen Filmen nur wenig oder gar nichts abgewinnen kann, der wird auch an dem Superheldenstreifen “Krrish 3″ nur wenig Freude haben. Wer Bollywood dagegen mag, der sollte weiterlesen. Alle anderen: Einfach weiterklicken, hier gibt es nichts zu sehen!

Mit “Krrish 3″ hat Rakesh Roshan einen weiteren Blockbuster abgeliefert, der die indischen Kinos im Sturm eroberte und die Geschichte von Rohit (“Sternenkind – Koi Mil Gaya”, 2003) und Krishna (“Krrish, der Sternenheld”, 2006) fortsetzt. Wer sich Stab und Besetzung genau anschaut der wird erkennen, dass es sich bei “Krrish 3″ erneut um eine Familienproduktion handelt. Zwar ist Roshans Produktionsfirma Filmkraft sehr erfolgreich, aber der wahre Zuschauermagnet ist Sein Sohn Hrithik Roshan (“In guten wie in schweren Tagen”, “Dhoom – Back in Action”), der im Film eine Doppelrolle hat und Rohit, sowie dessen Sohn Krishna spielt. Auch in “Krrish 3″ fällt übrigens nicht auf, dass der Schauspieler an der rechten Hand zwei Daumen hat. Dieser “Makel” wird keinesfalls vollständig aus dem Film entfernt, aber die Aufmerksamkeit wird geschickt abgelenkt, ohne hier etwas zu verleugnen.

Besonders spannend ist nun, dass Rakesh Roshan mit “Krrish 3″ einen Handlungsbogen schließt, der von zehn Jahren mit “Sternenkind – Koi Mil Gaya” seinen Anfang nahm. In diesem Auftakt adaptierte Rakesh Roshan kurzerhand den Steven-Spielberg-Klassiker “E.T. – Der Außerirdische” (1982; von Spielberg eigentlich als Alien-Horror gedacht, dann aber kurzfristig umgeändert). Hauptfigur in dem Film war der geistig behinderte Rohit, der durch das außerirdische Wesen Jadoo übermenschliche Kräfte erhielt.

In der Fortsetzung “Krrish, der Sternenheld” geht es darum, dass Rohits Sohn Krishna als Waise bei seiner Großmutter aufwächst. Er verfügt, wie sein Vater, über einen außergewöhnlich hohen Intelligenzquotienten und besitzt zusätzlich Superkräfte. Schnell wird ersichtlich, dass hier die Superman- und Spider-Man-Filme Pate standen. Allerdings darf dabei nicht vergessen werden, dass Indien selbst ebenfalls über eine Comic-Industrie verfügt und eigene Comic-Universen* zu bieten hat. Doch zurück zum Film.

Das Finale von “Krissh” führt den Zuschauer nun zum dritten Teil, in dem eigentlich alles in ruhigen Bahnen verläuft. Krishna und Priya (erneut gespielt von der bezaubernden Priyanka Chopra) bilden zusammen mit Rohit eine kleine und glückliche Familie. Beruflich läuft alles bestens, wenn auch in Afrika derzeit ein gefährlicher Virus um sich greift. Doch glücklicherweise gibt es ein Heilmittel. Und falls es mal zu Problemen in der Heimat kommt, dann ist der indische Superheld Krrish zur Stelle. Das sorgt allerdings dafür, dass Krishna regelmäßig seine Jobs verliert, denn seine geheime Superhelden-Identität verträgt sich nur schlecht mit einem normalen Beruf. Doch Krishna sieht das locker, denn die Menschen lieben Krrish und verehren ihn als großes Vorbild. Das ist für den bescheidenen Krishna Lohn genug.

Allerdings kommt es schlagartig zu Problemen, denn der Virus war kein Zufallsprodukt, sondern wurde künstlich vom querschnittgelähmten Superschurken Kaal (Vivek Oberoi) hergestellt. Und der ist ziemlich wütend darüber, dass sein Supervirus in Indien keinen durchschlagenden Erfolg hat. Er setzt nun seine Truppe aus Manimals (halb Mensch, halb Tier) auf die Sache an, unter der Führung der wunderschönen Kaya, gespielt von Kangna Ranaut. Und plötzlich sieht sich Krrish seinen gefährlichsten, tödlichsten Feinden gegenüber. Der Kampf beginnt und es ist viel schlimmer und dramatischer, als es den Anschein hat …

Die Story klingt leicht banal und es ist offensichtlich, das sich Regisseur Rakesh Roshan bei den aktuellen Superheldenfilmen bedient hat, allen voran an der X-Men-Reihe. Aber es sind natürlich auch eigene Ideen in die Handlung eingearbeitet. Ganz zu schweigen von den kulturellen Einflüssen und dem indischen Einfallsreichtum, wenn es um unerwartete Wendungen geht und alles in einem neuen Licht erscheinen zu lassen. Und, wie bei Bollywood üblich, gibt es auch die dramatischen, familiären Verwicklungen. Das nimmt den Zuschauer schon mit und lässt einen schnell zum Taschentuch greifen. Verdammt, dieser Rakesh Roshan weiß einfach zu inszenieren.

Die Film-Trilogie selbst hat schon viele Wendungen erlebt, aber “Krrish 3″ überrascht in sich selbst nochmals um Einiges. Zugegeben, mit der Tricktechnik eines “Marvel’s The Avengers” (2012) kann der indische Film nicht mithalten, dennoch sind die Spezialeffekte toll anzusehen und ziemlich beeindruckend. Vor allem der Kampf durch die Hochhäuserzeilen hindurch macht mehr Spaß und ist kurzweiliger, als die langwierige und langweilige Prügelei in “Man of Steel” (2013).

Natürlich darf auch die übliche Gesangs- und Tanzeinlage nicht fehlen. Die kommt auch in “Krrish 3″ vor und ist mehr als passend, um die Charaktere binnen weniger Augenblicke zu skizzieren und ihre Lebensfreude zum Ausdruck zu bringen. Das reißt unheimlich mit und um so tiefer auch der emotionale Absturz, wenn nach diesem Hoch der Freude plötzliche alles bedroht scheint und es auf ein bitteres Ende zugeht. Das greift wirklich tief und rührt das Herz, wenn auch für westliche Augen und Ohren doch gewöhnungsbedürftig.

Priyanka Chopra und Hrithik Roshan in Doppelrolle

Überhaupt, Ohren, der Soundtrack ist einfach wunderbar, erinnert aber stark an Hans Zimmer. Manchmal ist man gar versucht nach einem Piratenschiff Ausschau zu halten (“Fluch der Karibik”, 2003), trotzdem bleibt die ganze Sache eigenständig genug und bietet auch viel Neues. Sound und Score machen jedenfalls einiges her, ebenso wie die starken Bilder – seien es nun in den schwachen oder starken Momenten.

Das alles funktioniert natürlich nur, weil die Leistung der Schauspieler stimmt. Hrithik Roshan weiß in seiner Doppelrolle zu überzeugen und nimmt den Zuschauer stets mit auf eine Achterbahnfahrt der Emotionen. Im Zusammenspiel mit Priyanka Chopra (ehemalige Miss World, veröffentlichte 2012 in Zusammenarbeit mit will.i.am die Single “In My City”**) macht das großen Spaß und beschwört ein heimeliges Familiengefühl herauf. Schlussendlich ist die bezaubernde Chopra der ruhende, aber durchaus bedrohte Pol des Films. Actionlastiger geht es hier für Kangna Ranaut zu, die mit ihrer Figur Kaya einen Verschnitt der bekannten Marvel-Comicfigur Mystique zum Besten gibt. Und das sieht verdammt gut aus. Sehr spannend ist dabei, wie auch hier die Rollen miteinander verschmelzen. Toll gemacht und emotional aufrührend.

Der böse Gegenspieler ist mit Vivek Oberoi als Kaal überaus gut besetzt, der wiederum eine Mischung aus Professor Xavier und Magneto (beides Marvel-Comicfiguren) präsentiert. Allerdings in einer sehr gespenstischen Art und Weise, die einem einen Schauer über den Rücken jagt. Wer zum Ende des Films hin genau hinsieht bemerkt übrigens, dass sich Kaals Kostümdesign leicht verändert. Was man dagegen nicht sieht ist, dass rund sechshundert Krrish-Masken verwendet wurden. Kein Wunder, bestanden die doch nur aus Wachs und schmolzen regelmäßig einfach dahin.

Rakesh Roshan und Vivek Oberoi

Auch mit “Krrish 3″ hat Rakesh Roshan wieder einen sehr unterhaltsamen und erfolgreichen Film hingelegt. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass der abergläubische Regisseur im Original alle seine Filme mit einem “K” am Anfang schreibt. Oder, wahrscheinlicher, dass der Streifen einfach gut ist.

Mit einem Kinodebüt darf hierzulande wohl kaum gerechnet werden. Auf Anfrage plant ALIVE aktuell zwar keine Veröffentlichung auf DVD oder Blu-Ray, aber der Film ist noch ganz frisch. Und vielleicht stehen die Chancen für eine DVD-Veröffentlichung doch ganz gut. Schließlich haben es die beiden Vorgänger auch geschafft.

Copyright © 2013 by Günther Lietz, all rights reserveds

* Hier ein Beispiel für indische Comics. Der Deeplink führt direkt zu den kostenlosen englischsprachigen Comics, die von dem Anbieter zur Verfügug gestellt werden.
http://www.rajcomics.com/index.php?option=com_g2bridge&view=gallery&Itemid=19&g2_itemId=101008

**’In My City’ with Priyanka Chopra [2012] – Exclusive behind the scenes footage of the making of ‘In My City’ by Priyanka Chopra ft. Will.i.am von Universal India auf Youtube.com.
http://www.youtube.com/watch?v=GnZ1yQO0NYs

Krrish 3

Produktionsland: Indien, 2013
Originalsprache: Hindi
Länge: 152 Minuten

Regie: Rakesh Roshan
Drehbuch: Rakesh Roshan
Produktion: Rakesh Roshan
Musik: Rajesh Roshan, Salim-Sulaiman

Darsteller: Rohit Mehra/Krishna “Krrish” Mehra (Hrithik Roshan), Priya (Priyanka Chopra), Kaal (Vivek Oberoi), Kaya (Kangna Ranaut)

http://www.krrish-3.com/

Bildquelle: Filmkraft-Press-Kit

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Man of Steel

Erstellt von Günther Lietz am 17. Juli 2013

Das Cape übergeworfen, Popcorn in die Tüte und ‘ne eiskalte Cola in die Hand genommen, denn: Superman ist zurück in den Kinos und schickt sich an, die Welt erneut zu retten. Mit sich selbst als Superlative, kracht der Mann aus Stahl (“Man of Steel”) in die deutschen Kinosäle. Doch es ist keine Fortsetzung, die Zack Snyder und Christopher Nolan hier erzählen, sondern der Anfang. Es ist ein Reboot, ein Zurück-auf-Anfang. Der Man of Steel wird neugeboren, um die Welt, das Universum und gar sich selbst zu retten.

Die Idee zu “Man of Steel entstand” während der Arbeit an “The Dark Knight Rises”. David S. Goyer und Christopher Nolan litten unter einer Schreibblockade. Um diese zu lösen, fabulierten die beiden über einen Superman-Film, tauschten lustig Ideen aus und schlussendlich entstand daraus tatsächlich ein Film. Im Grunde genommen macht das Batman wohl zum Vater von Superman – jedenfalls im übertragenen Sinne.

Vater und Sohn, darum dreht sich “Man of Steel” schlussendlich auch. Die Beziehung zwischen Clark und seinem Vater Jonathan Kent (Kevin Costner) und die Beziehung zwischen Kal-El und seinem Vater Jor-El (Russell Crowe). Beide Männer sind starke Persönlichkeiten mit Visionen, beide sind bereit für ihre Ideale zu sterben. Hier sind starke Gefühle im Spiel, starke Vorbilder, die mit entsprechend starken Darstellern besetzt wurden. Costner und Crowe bringen ihre ganze Männlichkeit ein, zeigen im richtigen Augenblick die harte Schale, um rechtzeitig den weichen Kern zu offenbaren. Genau die passende Mischung, um ein gewaltiges Drama zu inszenieren. Aber leider mangelt es an Zeit, um eine tiefgründige Geschichte zu erzählen. Regisseur Zack Snyder und Produzent Christopher Nolan haben sich nämlich in imposanten Bildern, einer allzu ernsten Charakterdarstellung und einem Actionspektakel in Dauerschleife verloren.

Das zeigt bereits der Anfang des Films ganz deutlich. Die Heldengeschichte beginnt mit der Geburt von Kal-El, dem Nachkommen von Jor-El. Eingebettet in ein gewaltiges Spektakel, einem Feuerwerk an Spezialeffekten und einer Galerie an bunter Science Fiction. Kal-El ist der Heilsbringer, der Messias einer sterbenden und einer fremden Welt. So will es jedenfalls sein Vater und schießt den Sohnemann in den Weltraum. Wie Kal-El nun das explodierende Krypton ohne passende Kryptonierin retten soll, bleibt unbeantwortet. Wie das bei Actionfilmen nun einmal üblich ist, kommt es auch bei “Man of Steel” zu etlichen Logiklöchern.

Jedenfalls wird noch auf Krypton der Bösewicht des Films in Szene gesetzt und in die Verbannung geschickt, dann fliegt der Planet in die Luft und es geht auf der Erde weiter. Anstatt chronologisch fortzufahren wie angefangen, erzählen Nolan und Snyder die Geschichte von Clark Kent in Rückblenden. Einige wichtige Punkte werden dabei ausgeklammert und höchstens im Rahmen eines kurzen Dialogs angesprochen. Bereits im Vorfeld etwas über die Figur des Supermans zu wissen, ist von Vorteil. Vor allem da öfter mit der allgemein bekannten Geschichte gebrochen wird. Kal-El (dargestellt von Henry Cavill), auf der Erde als Clark Kent bekannt, offenbart schon mal seine sich langsam entwickelnden Superkräfte und schlussendlich weiß auch Lois Lane (gespielt von Amy Adams) sehr schnell, wer der Mann aus Stahl ist – der erst spät im Film seinen Spitznamen “Superman” bekommt. Beinahe kommt das Gefühl auf, der Film würde sich für den Spitznamen schämen und auch das Kostüm sei zu kindisch, lässt die Ernsthaftigkeit vermissen, die der schwarze Anzug Batmans ausmacht.

Immerhin hat Christopher Nolan mit seiner Batman-Trilogie die Superhelden des DC-Comic-Universums ein gutes Stück in Richtung Ernsthaftigkeit getrieben, sie bodenständiger gemacht und mehr an unsere Welt angeglichen: Ob Gotham City oder Metropolis, bei Nolan sieht alles nach New York aus. Und dem folgt auch Snyder. Der ist zwar dafür bekannt imposante Bilder zu zeigen, oft aber die eigentliche Geschichte hinter seinen Visionen zu verbergen. Als Beispiel dient vor allem “Sucker Punch”, ein Film, der erst durch den Extended Cut gut wurde – aber nicht gut genug.

Und so ist es auch die Humorlosigkeit, die das Kryptonit von “Man of Steel” bildet. Der Humor, die laxe Art mit dem Thema “Mann in bunter Strumpfhose” umzugehen, die macht einen Teil der Menschlichkeit von Superman aus. Hier fehlt der Humor und dadurch wirkt Superman unmenschlich, was auch durch seine Herkunft stets betont wird. Superman ist ein Alien und dieser Abstammung verpflichtet. Er ist das Überwesen, der Messias, der Heilsretter der Welt, der schwermütig und allmächtig zwischen Leben und Tod, Sterblichkeit und Göttlichkeit abwägt. Erkundete Superman bisher stets seine außerirdischen Wurzeln als Mensch durch Erziehung, erkundet er nun das Menschsein als Außerirdischer durch Abstammung.

Und weil solch eine außerirdische, unbesiegbare Wesenheit keinen Feind auf Erden hat, schmeißen Snyder und Nolan dem Mann aus Stahl seine Artgenossen entgegen, hier in Form von General Zod. Er wird von Michael Shannon gespielt, der Zod als stets grimmigen Krieger darstellt – ohne schauspielerisch in die Trickkiste greifen zu müssen. Ein langweiliges Spiel.

Supermans wahre Schwäche ist eigentlich seine Menschlichkeit – doch die fehlt im Film vollständig. Prägung und Erziehung, Liebe und Freundschaft sind nur aufgesetzte Klischees, über die ein Kal-El einfach hinwegspringt, sich regelrecht hinwegsetzt. In die Tiefe zu gehen, das menschliche Sein auszuloten und auszunutzen, das fehlt dem Film vollkommen. Stattdessen gestaltet sich das Finale als lieblose Prügelorgie. Superman wird durchs Haus geprügelt, Zod wird durchs Haus geprügelt, Superman wird durchs Haus geprügelt, Zod wird durch Haus geprügelt. Eine unoriginelle, langweilige, ermüdende Sache. Imposant in Szene gesetzt, zugegeben, aber es sind halt nur schöne Bilde und satte Sounds, die der Zuschauer bald über hat. Und was sonst noch an Action inszeniert wird, ist bereits aus anderen Actionkrachern der letzten fünf Jahre bekannt.

Auch sehr übel und ermüdend, sind die steten Rückblenden. Kaum baut sich etwas Spannung auf – ZACK! – Rückblende. Der Zuschauer muss sich augenblicklich auf eine andere Szene einlassen, die eigentlich zu kurz dafür ist und schon geht es wieder in die Gegenwart. Aber zu einem anderen Punkt. Es scheint manchmal, als hätte Superman sein Leben in ein Fotoalbum geklebt und zeigt es, nach einem harten Superhelden-Alltag, seinem Kumpel Batman.

Der Film ist einfach nur auf den ersten Blick super, entpuppt sich aber schnell als Actionhühlse ohne echte Substanz. Das schmälert vor allem die Leistung mancher Darsteller. Henry Cavill ist schon ein knackiger und kantiger Kal-El, leider ohne Raum um Menschlichkeit zu zeigen. Er wird an der kurzen Leine gehalten. Das gilt auch für Amy Adams, die als Lois Lane eine knallharte Reporterin mimt. Um sich von der Original-Story und den anderen Superman-Verfilmungen abzuheben, weiß sie sofort wer Superman ist. Dem Zuschauer wird also noch nicht einmal das liebgewonnene Scharadespiel gegönnt.

Durchweg hervorragend sind Russell Crowe und Kevin Coster. Sie sind verdammt gut und überzeugen trotz der wenigen Zeit, die ihnen auf dem Bildschirm vergönnt wird. Und beide Male wird das Ende ihrer Figuren als unnötiges und dummdreistes Opferstück inszeniert. Goyer und Nolan mangelte es offensichtlich nicht nur an Ideen für Batman, sondern auch an Ideen für Superman.

Ein langer Text, der zu einem kurzen Fazit führt: Die bunte Action kaschiert einen blassen Superman-Film.

Copyright © 2013 by Günther Lietz, all rights reserveds

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Man of Steel

Produktionsland: USA (2013)

Originalsprache: Englisch
Länge: 143 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: David S. Goyer, Christopher Nolan (Story)
Produktion: Christopher Nolan, Lloyd Phillips, Charles Roven, Deborah Snyder
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Amir M. Mokri
Schnitt: David Brenner

Besetzung: Henry Cavill (Clark Kent/Superman), Amy Adams (Lois Lane), Russell Crowe (Jor-El), Kevin Costner (Jonathan Kent), Diane Lane (Martha Kent), Michael Shannon (General Zod), Laurence Fishburne (Perry White), Christopher Meloni (Colonel Hardy), Jadin Gould (Lana Lang), Antje Traue (Faora), Tahmoh Penikett (Emerson), Ayelet Zurer (Lara Lor-Van)

http://manofsteel.warnerbros.com/index.html

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Oblivion

Erstellt von Günther Lietz am 3. Juli 2013

Filme mit Tom Cruise kommen bereits im Vorfeld mit Kritik daher. Sie sind, durch das recht eintönige Schauspiel des Mimen und seiner Verbindung zu Scientology, vorbelastet. Trotz allem hat Cruise in der Vergangenheit den ein oder anderen Streifen abgeliefert, der zum Kult wurde oder zumindest – actionseitig – gut zu unterhalten wusste. Bei “Oblivion” arbeitet Tom Cruise nun mit Regisseur Joseph Kosinski zusammen, der bekannt ist für seine tollen Bilder, aber auch für seine nichtssagende Erzählung von “Tron: Legacy” (2010). Mit solch einer Vorbelastung kann doch eigentlich nur ein Überraschungshit entstehen, oder?

“Oblivion” basiert auf einer Grafic Novel (man kann auch Comicroman sagen) von Joseph Kosinski und Arvid Nelson. Sie entstand während des Autorenstreiks 2007/2008 und wurde nie zu einem Ende gebracht. Im Film gibt es allerdings ein Ende.

Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt: Tom Cruise spielt den Flugdrohnenmonteur Jack Harper, der im Jahr 2077 mit seiner Partnerin Victoria (gespielt von Andrea Riseborough) gewaltige Maschinen bewacht und wartet, mit denen die Menschheit lebenswichtige Ressourcen gewinnt. Das ist auch bitter nötig, denn eine außerirdische Rasse (Plünderer genannt), zerstörte den Mond und löste damit Naturkatastrophen aus. Die Menschen besiegten die Invasoren zwar mittels Nuklearwaffen, aber sie mussten daraufhin zum Titan auswandern. Die Erde ist seit dem nämlich unbewohnbar.

Von der Raumstation Tet aus werden nun Jack und Victoria angeleitet, um die wichtigen Wartungsarbeiten durchzuführen. Immerhin sind die beiden ein gutes Team. Darauf wird im Film immer wieder herumgeritten, bis das auch der letzte Zuschauer wirklich verstanden hat. Also, subtil geht anders.

Jack düst jedenfalls über den Planeten, repariert Drohnen, sammelt heimlich Bücher, ballert Plünderer über den Haufen und realisiert langsam, dass etwas nicht stimmt. Der Zuschauer realisiert das allerdings viel schneller, denn schlussendlich ist der Film ziemlich vorhersehbar. Großartige Überraschungen gibt es keine. Wenigstens wird alles aufgeklärt und niemand bleibt ratlos vor der Leinwand sitzen. Die üblichen Logiklöcher bleiben dennoch und auch das Unverständnis des menschlichen Geistes gegenüber. Kosinski bringt da einiges durcheinander und missachtet, dass verlorene Erinnerungen nicht gleichbedeutend mit einer Programmierung sind und sich das Wesen eines Menschen auch durch seine Erfahrungen entwickelt und definiert. Wobei, hier driften wir eindeutig in den Bereich Scientology ab. Das liegt wohl auch an Tom Cruise’ Einfluss. Scientology hat es einfach nicht so gut mit Menschlichkeit und Realität. Aber das ist eine Diskussion, die nur am Rande von Bedeutung ist. Denn der Film hat noch einige Schlaglöcher mehr zu bieten, um für eine richtig holprige Fahrt zu Sorgen.

Wenn Joseph Kosinski etwas kann, dann sind das Inszenierungen von Bildern und Kamerafahrten. Und darin ist “Oblivion” einfach grandios. Unplausibel, aber grandios. Alleine das kleine Glashäuschen auf dem Berggipfel mit dem Außenpool – das ist malerisch, das wirkt, das zieht den Zuschauer einfach in seinen Bann. Okay, wäre so etwas möglich ohne vom Wind verweht, der Kälte wegen erfroren oder des Wetters wegen zerblitzt zu sein, dann gäbe es mehr idyllische Glashäuschen auf Berggipfeln. Die Idee ist zwar bescheuert, aber es sieht grandios aus.

Und das zieht sich schlussendlich durch den ganzen Filmen, der sich langsam durch eine kaputte Welt wälzt und nebenbei mit Actionsequenzen garniert wurde. Sehr unterhaltsam ist das eigentlich nicht, aber nett anzusehen. Vor allem das Design der Technik ist top. Alles Moderne erinnert irgendwie an Apple, wirkt wie Transformer-MacBooks, die sich jeder Herausforderung stellen. Dazu bilden die Überreste der Erde einen starken Kontrast. Wieder einmal hervorragende Bilder.

Die Geschichte ist, wie bereits angedeutet, kaum vorhanden und eher Nebensache. Das gilt auch für die Schauspieler, mit einer Ausnahme: Cruise wird im Film mehrfach als Mittelpunkt inszeniert, um den sich alles dreht. Damit niemand sieht wie klein Cruise eigentlich ist, bekommt er die passenden Partner zur Seite gestellt oder wird so abgefilmt, dass der Größenunterschied kaum zu bemerken ist. Respekt an Kameramann Claudio Miranda dafür, dass er Cruise zu Größe verhilft.

Olga Kurylenko spielt übrigens auch noch mit. Eigentlich hat sie als Julia eine wichtige Rolle inne, aber ihr Part ist so blass, dass sie eigentlich verblasst. Daran kann das offensichtliche (dummdreistkitschige) Ende auch nichts ändern. Morgan Freeman ist ebenfalls mit von der Partie und kommt im Grunde mit den üblichen philosophisch nachdenklichen Sprüchen daher, die man grinsend abnickt. Morgan Freeman halt, der ist immer cool. In “Oblivion” kommt er aber leider zu kurz. Mehr Aufmerksamkeit hätte auch Nikolaj Coster-Waldau gebraucht, der Sykes spielt und derzeit vor allem in der Rolle des Jaime Lannister in der HBO-Fantasyserie “Game of Thrones” bekannt ist. Seine Rolle weckt tatsächliches Interesse, muss sich aber schnell hinter Cruise’ Jack verstecken.

“Oblivion” ist ein offensichtlicher, recht langweiliger, aber visuell sehr ansehnlicher Film. Auch die Musik macht Laune und der Ton im neuen Format Dolby Atmos ist sehr schön anzuhören. Aber trotzdem reiht sich “Oblivion” nur im unteren Mittelmaß ein – und zwar in Richtung Abstiegsplätze. Schade.

Copyright © 2013 by Günther Lietz, all rights reserved

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Oblivion

Produktionsland: Vereinigte Staaten (2013)
Länge: 125 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joseph Kosinski
Drehbuch: Joseph Kosinski, Karl Gajdusek, Michael Arndt
Produktion: Joseph Kosinski, Peter Chernin, Dylan Clark, Duncan Henderson, Barry Levine
Musik: Anthony Gonzalez, M83
Kamera: Claudio Miranda
Schnitt: Richard Francis-Bruce

Darsteller: Tom Cruise (Jack Harper), Morgan Freeman (Malcolm Beech), Olga Kurylenko (Julia), Andrea Riseborough (Victoria), Nikolaj Coster-Waldau (Sykes), Melissa Leo (Sally), Zoe Bell (Kara)

http://movies.universal-pictures-international-germany.de/oblivion/

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Iron Man 3

Erstellt von Günther Lietz am 25. Juni 2013

Endlich ist sie da, die lang ersehnte Fortsetzung zu “Iron Man”: “Iron Man 3″! Klingt merkwürdig, ist aber so. “Iron Man 2″ war ein guter Actionfilm, schönes Popcornkino, aber trotzdem ein schwacher Iron-Man-Film. Der dritte Teil ist es, der die Sense of Wonder, den Charme des ersten Teils, die freche Frische wieder aufnimmt und zu einem runden Ende bringt. Keine Ende der Reihe, sondern das Ende einer persönlichen Geschichte.

Bei der Inszenierung konnte sich Hauptdarsteller Robert Downey Jr. auf seinen alten Kumpel Shane Black verlassen, der bereits im gemeinsamen Film “Kiss Kiss, Bang Bang” (2005, absolute Empfehlung) exzellent Regie führte und somit Downey Jr. wieder ins Universum der Hollywood-Stars katapultierte. In “Iron Man 3″ ist die stimmige Chemie der beiden verspielten Jungs deutlich spürbar.

“Iron Man 3″ setzt zeitlich genau nach “Marvel’s The Avengers” an und zeigt einen sehr verletzlichen Tony Stark, dessen Exzentrik und Arroganz noch aufgesetzter ist als je zuvor. Stark leidet unter den Nachwirkungen der Ereignisse in New York. Er ist verletzlich und sein Ausweg aus dem Dilemma besteht darin, andere zu verletzten. Das trifft natürlich die Falschen und so muss seine geliebte Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) darunter leiden. Und just als die aus der gemeinsamen Küstenvilla ausziehen will, bekommt Stark für seine Arroganz die Rechnung präsentiert. Er hat ausgerechnet den Mandarin persönlich herausgefordert und baut darauf, dass er und seine Rüstung die Sache schon richten werden. Und das rächt sich.

Dabei spielt die Handlung auf mehreren Ebenen, beginnt der Film mit einer großen Rückblende und holt sich selbst auf der Zielgeraden ein, um ein spannendes Duell mit sich selbst zu liefern. Die Trailer zum Streifen boten bereits einiges an Action, Humor und Inhalt. Gewöhnlich wäre damit alles gesagt gewesen, aber Iron-Man-3-Trailer sind wirklich nur Appetitanreger und der Film bietet mehr. Viel mehr.

Aber schließlich läutet “Iron Man 3″ auch die zweite Phase des Marcel Cinematic Universe ein, in der sämtliche Marvelfilme einzuordnen sind. Und Robert Downey Jr. kokettiert damit, dies sei sein letzter eigenständiger Iron-Man-Film. Allerdings ist vieles in Hollywood eine Frage des Geldes und der Verhandlungen. Und genau damit kokettiert auch Black, was die vereinzelten im Film platzierten Anspielungen zeigen. Schlussendlich: Sollte hier tatsächlich die Ära der Tony-Stark-Filme enden, es wäre ein rundes Ende. Dafür Dank und Respekt an Black und die Produktion.

Aber zurück zum Film, der neben einem alles dominierenden Downey Jr. in fliegender Ritterrüstung, auch viele geniale Nebendarsteller zu bieten hat. Und natürlich massig Anspielungen auf die Marvelcomis, die üblichen Cameos und ungeheuer viel Spaß. So wird hier A.I.M. ins Spiel gebracht, ein Konzern, den Kenner der Comics sofort zuordnen können. Und natürlich der Bösewicht schlechthin, der gefährliche Mandarin. Genial gespielt von Ben Kingsley, der seine Rolle perfekt an die Figur anlehnt und damit sogar Robert Downey Jr. verblüffen dürfte. Hier sind einfach Hochkaräter am Werke, die sich schon gegenseitig an die Wand spielen könnten. Aber das hier ist Downey Jr.s Solonummer. Er lässt die Kollegen herankommen, aber zuschnappen darf nur er selbst. Und genau das macht die Figur “Tony Stark” so wunderbar.

“Iron Man 3″ hat natürlich auch seine Schwächen. Vor allem wenn es darum geht, vor der Aufdeckung eines genial bösen Twists Scharade zu spielen und den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Dabei kommt Guy Pearce als Aldrich Killian etwas kurz, ist dafür aber um so feuriger bei der Sache. Überhaupt ist allen Akteuren die große Spielfreude anzumerken, mit der sie das Publikum zu überzeugen wissen. Vom tollen Soundtrack und der imposanten Action einmal abgesehen. Hier gibt es was für die Ohren, die Augen und den Verstand. Denn bei allem Getöse und allen Explosionen, schlussendlich wird uns eine tiefgreifende Charaktergeschichte präsentiert.

Denn die Story dreht sich eigentlich nicht um Iron Man, sondern um Tony Stark, der regelrecht aus seiner Rüstung gepuhlt wird und ohne sie absolut verletzlich ist, ebenso wie mit Rüstung. Das muss Stark erkennen und das zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Stark ist nur ein Mann, ein einziger, verdammter Mann. Sein Geld, sein Verstand und seine Rüstung sind nichts – oder alles. Der Film stellt die Frage ob Iron Man Tony Stark ist oder ob Tony Stark Iron Man ist. Ganz schön knifflig, aber wunderbar inszeniert. Im Grunde ein Film, der alleine deswegen mindestens zweimal geguckt werden sollte.

Überhaupt geben sich Black und Downey Jr. Mühe den Menschen in der Rüstung zu zeigen und eine menschliche Geschichte zu erzählen. Das gelingt überzeugend und regt zum Nachdenken an. Genial die Idee Stark einen kleinen Jungen an die Hand zu geben und zu zeigen, ihm klarzumachen, wie es sich anfühlt Vater zu sein, wie es sich anfühlt das ewige Kind zu sein. Ein sehr starkes, im Actionfilm gut verstecktes Charakterstück. Puh, “Iron Man 3″ ist wirklich große Kinokunst und präsentiert in wenigen Minuten, wozu andere ganze Staffeln brauchen.

Dabei führt der Film auch das westliche Denken und die Politmaschine USA an der Nase herum. “Iron Man 3″ nutzt die Strömungen und Kräfte des aktuellen Kinos, nimmt sie an, spielt mit ihnen und gibt sie dann verändert zurück, zeigt den Blick in den Spiegel, was die Angstmaschinerie “Terrorismus” mit uns anstellt und wie lächerlich das Ganze im Grunde einfach ist. Warum die Ängste in der Ferne suchen, wenn sie doch in uns stecken und dort den größten Schaden anrichten. “Iron Man 3″ ist verdammt philosophisch, man mag es kaum glauben.

Wie bereits angedeutet ist der Film handwerklich einfach Top. Langsame und schnelle Kamerafahrten wechseln sich ab, Licht und Schatten bilden ein perfektes Spiel, die Farben sind genial, Pyrotechnik und CGI bilden eine Einheit. Hier wird einfach etwas geboten, ist stets Abwechslung vorhanden. Black nimmt das Medium Film im klassischen Sinne ernst und betont die Stärken, um so wiederum auch die Stärken der Handlung und der Figuren zu betonen. Sozusagen eine Win-Win-Situation.

Freunde des einfachen Actionkinos könnten allerdings leicht überfordert sein, falls sie plötzlich verstehen, dass man nachdenken muss. Black gibt sich Mühe darauf Rücksicht zu nehmen und schweift nur selten ins Intellektuelle ab. Wer es versteht, wird aber seine Freude haben. Für den Genuss des Films ist übrigens die Kenntnis von “Marvel’s The Avengers” (2012, Regie Joss Whedon) nicht unbedingt nötig, hilft an einigen Stellen aber deutlich, um Starks Aussetzer besser nachzuvollziehen. Im Film versuchen Black und sein Co-Autor Drew Pearce die Sache zu lösen, indem Stark einfach nicht darüber sprechen will, die Sache verdrängt. Aber schlussendlich muss er sich ihr stellen. Ganz großes Kino. Selbst Hollywood-Blockbuster sind noch für Überraschungen gut, allerdings braucht es dazu einen Joss Whedon oder – wie hier – Shane Black.

Wer Superheldenfilme mag, wer vor allem kluge Superheldenfilme mag und wer Iron Man mag, der sollte sich den Film anschauen und genießen. Mit viel Popcorn, kalter Limo und guten Freunden. 3D ist übrigens vernachlässigbar, da kaum auffällig. Auffälliger ist dagegen – wie immer – die bezaubernde Gwyneth Paltrow, die in diesem Film stark daherkommt.

“Iron Man 3″ – einfach Stark!

Copyright © 2013 by Günther Lietz, all rights reserved

Iron Man 3

Originaltitel: Iron Man 3
Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch
Erscheinungsjahr: 2013
Länge: 131 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Shane Black
Drehbuch: Drew Pearce, Shane Black
Produktion: Kevin Feige
Musik: Brian Tyler
Kamera: John Toll
Schnitt: Jeffrey Ford, Peter S. Elliot

Robert Downey Jr. (Tony Stark/Iron Man), Guy Pearce (Aldrich Killian), Rebecca Hall (Maya Hansen), Gwyneth Paltrow (Pepper Potts), Jon Favreau (Happy Hogan), Paul Bettany (Jarvis (Sprechrolle)), Ben Kingsley (Mandarin), Don Cheadle (James Rhodes), William Sadler (US-Präsident Ellis), James Badge Dale (Eric Savin), Mark Ruffalo (Dr. Bruce Banner)

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The Dark Knight Rises

Erstellt von Günther Lietz am 16. August 2012

Das ist er also, der Abschluss einer Trilogie. Regisseur Christopher Nolan zierte sich zwar nach Heath Ledgers Tod einen weiteren Teil zu drehen, schlussendlich sagte er doch zu und machte sich an die Arbeit. Die bekannten Darsteller der beiden vorangegangenen Teile waren ebenfalls mit im Boot und so konnte ein runder Abschluss in Angriff genommen werden. Und wie das bei Hollywood-Filmen so ist, irgendwann ist einmal zu viel.

2005 startete Nolan mit “Batman Begins” neu durch und servierte dem Zuschauer und Fan einen neuen, düsteren und weltlicheren Batman. Dann kam 2008 “The Dark Knight” mit einem grandios spielenden Heath Ledger, der dem Joker neues Leben einhauchte. Während Regisseur Tim Burton 1989 seinen “Batman” noch comichaft inszenierte, war Nolan um Pseudo-Realität bemüht. Während die Marvel-Helden in bunten Kostümen gegen Götter antreten (“Marvel’s The Avengers”, “Spider-Man”) schickt Nolan seinen DC-Heroen gefestigter in den Ring. So auch in “The Dark Knight Rises”.

Trotz einem futuristischen Ambiente bleibt Nolans Batman auf dem Teppich. Christian Bale verkörpert einen Helden, der alleine durch hartes Training, mentale Stärke und ein paar Milliarden auf dem Konto, zum Superhelden avanciert. Die Ereignisse der letzten beiden Filme haben Bruce Wayne jedoch ziemlich mitgenommen, was Bale sehr gut darstellt und beinahe den ganzen Film über hervorragend umsetzt. Vor allem im grandiosen Zwischenspiel mit Michael Caine (als Alfred Pennyworth), der ebenfalls überzeugend schauspielert.

Die Story selbst ist ziemlich banal und kommt ohne große Höhepunkte aus: Batman hat sich zurückgezogen, um die zurückliegenden Ereignisse zu verarbeiten. Bruce Wayne ist emotional und mental am Ende. Da schickt sich Bösewicht Bane (Tom Hardy) an, in Gotham City Unruhe zu stiften und ruft somit Batman auf den Plan, der sich dem Widersacher in den Weg stellt. Nebenbei lernt Wayne die schöne Catwoman Selina Kyle kennen (gespielt von Anne Hathaway) und wird von ihr ausgetrickst.

Es kommt zum Konflikt mit Bane und Batman wird regelrecht auseinandergenommen. Die ganze Sache ist eine private Abrechnung, die ihre Kreise zieht und Opfer fordert. Während Bruce Wayne körperlich am Ende ist, nimmt Bane ganz Gotham City als Geisel und droht alle in die Luft zu sprengen. Wird es Batman gelingen, seine Stadt zu retten …?

Machen wir uns nichts vor, die Antwort liegt auf der Hand: Natürlich wird Batman die Stadt retten. Die Frage ist keinesfalls ob, sondern wie. Das Ziel ist vorgegeben und der Zuschauer darf gespannt sein, den Weg zu verfolgen. Der düstere Ritter, ein cleverer Bösewicht, da werden die Erwartungen gepuscht. Aber weitgehend enttäuscht. “The Dark Knight Rises” ist zwar ein guter Film, aber der schlechteste Film innerhalb Nolans Batman-Trilogie. Und nahe am Rande auch eine schlechte Batman-Verfilmung zu sein.

Das hat mehrere Ursachen, die nur schlecht kaschiert werden. Wer sich einen Eimer Popcorn kauft und abschaltet, wird über die meisten Kritikpunkte hinwegsehen können. Eine etwas genauere Betrachtung des Films offenbart allerdings die Schwächen. Und da gibt es – leider – einige. Das diese so stark ins Gewicht fallen, mag auch an den starken Vorgängern liegen, die Nolan ablieferte. Und ja, Nolan trifft die Alleinschuld, denn seine Darsteller und sein Stab leisten hervorragende Arbeit. Da passt alles. Alleine Drehbuch und Regie sind eines Batmans etwas unwürdig.

Sehr auffällig ist primär der Aufbau von Gotham City. Zwar gibt es genug dunkle Szenen und aktionsgeladene Einsätze bei Nacht, aber schlussendlich entpuppt sich Gotham City als aufgeräumte und lichte Weltmetropole. Die Stadt erinnert mehr an New York, als an einen düsteren Moloch. Der Eindruck wird durch die Kamera verstärkt, die in manchen Bildern an die Occupay-Bewegung erinnert. Das scheint von Nolan auch so gewollt zu sein, denn schlussendlich übt er auch Kritik am Finanzmarkt und ist das Aufbegehren gegen die Oberen ein Thema. Jedenfalls ist Gotham City zu freundlich gestaltet.

Auch der Aufbau von Batmans Gegenspieler Bane weist so seine Macken auf. Tom Hardy gab sich zwar alle Mühe an diese Figur heranzureichen, aber er bekommt weder die Größe, noch das Gewicht hin, dass Bane ausmacht. Trotzdem wirkt er bedrohlich, wird aber zum zahnlosen Tiger in dem Augenblick, in dem er zum ersten Mal gegen Batman antritt. Der Zuschauer kann schon einiges erwarten, immerhin steht sich plötzlich die Elite der Gesellschaft der Schatten gegenüber und schließt Nolan somit den Kreis, in dem er in “The Dark Knight Rises” Bezug auf “Batman Begins” nimmt. Hier stehen sich die besten Ninjas der Welt gegenüber, vollgepumpt mit Testosteron. Und dann liefern diese Super-Ninjas einen langweiligen und drögen Kampf ab, der ans alte Hollywood-Kino erinnert. Langsame Kämpfe, ein bloßer Schlagabtausch. Mehr Boxen und Wrestling, als Martial-Arts auf hohem Niveau. Und das geht im ganzen Film so weiter. Um ehrlich zu sein, Box- und Wrestlingkämpfe sind stellenweise um einiges spannender. Zumal Bane eine so offensichtliche Schwachstelle besitzt, das es beinahe schon lächerlich ist.

Eventuell liegt das Problem darin, dass Nolan Batman menschlicher gestalten möchte und auch den normalen us-amerikanischen Helden Platz einräumt. Das würde den Pathos erklären, der in “The Dark Knight Rises” ständig mitschwingt und am Ende einen lächerlichen Höhepunkt feiert, wenn Polizei und Banes Revoluzzer aufeinandertreffen. Ja, New Yorker Cops sind die Helden des einfachen Mannes. Upps, es muss natürlich heißen: Gotham City Cops sind die Helden des einfachen Mannes. Sie folgen jeder Anweisung, harren aus bis sie gebraucht werden und erledigen dann problemlos eine Armee aus gut bewaffneten Schwerstkriminellen. Natürlich in Uniform und möglichst auch auch noch in Paradeuniform mit Auszeichnung, in schönen Bildern schön zu sehen. Grausam!

Es gibt etliche dieser Szenen, in denen der Held von der Straße schlussendlich Batman den Rang abläuft. Nolans Botschaft ist hier eindeutig. Immerhin bemüht er symbolträchtige Bilder (ein Footballstadion, Brücken, Schulbusse) und setzt bei Cameoauftritten auf Helden des Alltags (etliche Spieler der Pittsburgh Steelers, deren ehemaligen Cheftrainer). Jeder kann ein Held sein, jetzt wissen wir es. Und das Gute siegt immer, auch wenn es nur Hose und Hemd trägt und vor ihm ein Irrer mit einem Sturmgewehr steht. Nolan nimmt Batman im Grunde aus der Gleichung heraus. Aber warum?

Wahrscheinlich, weil er seinem Helden ein Happy End gönnen möchte. Und das macht Christopher Nolan auch. Anstatt wenigstens für ein offenes Ende zu Sorgen (wie in seinem Streifen “Inception”), konstruiert er ein süßes, familientaugliches Happy End. Damit stutzt er dem Film gänzlich die Fledermausflügel, ganz entgegen dem Filmtitel. Wie viele andere Kritikpunkte auch, kann das nur als Anbiederung an den Markt verstanden werden.

Dieser Absturz der Fledermaus ist Schade, denn der Film hat großes Potenzial. Da wären erst einmal die hervorragenden Darsteller, bei denen das Zuschauen einfach Spaß macht. Allen voran die alten Herren Gary Oldman, Morgan Freeman und Michael Caine. Sie sind einfach grandios. Auch Hauptdarsteller Christian Bale überzeugt und verleiht seiner Rolle eine angemessene Tiefe. Jedenfalls soweit ihn Nolan lässt. Bei den männlichen Darstellern gibt es also wenig zu mäkeln. Bei den Frauen sieht die Sache anders aus.

Sicherlich, sie könnten zeigen was in ihnen steckt, würde Nolan ihnen Freiraum und eine angemessene Rolle geben. Stattdessen sind sie nur hübsche Stichwortgeberinnen. Wie erbärmlich. Anne Hathaway versucht zwar einiges in ihrer Rolle als Catwoman zu geben, aber tatsächlich ist die Rolle ziemlich überflüssig und mehr den Erwartungen den Fans geschuldet, als dem Bezug zur Story. An Catwomans Stelle könnte auch jede andere Frau stehen, die einen Zündschlüssel bedienen kann. Die Rolle der Catwoman wirkt einfach aufgesetzt. Schade für Hathaway.

Handwerklich ist jedenfalls alles in Ordnung. Wohltuend ist vor allem, dass Nolan “The Dark Knight Rises” klassisch in 2D drehte und sich dem 3D-Hype verweigerte. Damit liegt der Film auf einer Linie mit seinen beiden Vorgängern. Gleichzeitig wird dadurch das Erzähltempo und der Schnitt gefördert, was dieser Batman dringend brauchen kann, denn er ist sehr dialoglastig (zeitweise beinahe an der Grenze zur Langeweile) und kommt mit weniger Action als gedacht aus.

Richtig Laune machen mal wieder die ganzen Spielereien, die Lucius Fox (gespielt von Freeman) auf Lager hat. Das erinnert schon ein wenig an James Bonds Q. Herrlich die Anspielung auf “Batman Beginns” und Waynes Test des Tumblers. Wunderbar. Leider gibt es zu wenige dieser Augenblicke.

Glücklicherweise weiß Christopher Nolan Filme zu inszenieren und bietet dem Zuschauer wenigstens normale Popcorn-Unterhaltung. Sein Versuch einen endgültigen und runden Abschluss zu finden ist leider gescheitert. Was bleibt ist ein manchmal langgezogenes Spektakel und ein Batman, der besser hätte sein können. Aber Nolan hatte ja im Vorfeld selbst die Frage aufgeworfen, wie viele gute dritte Filme eines Franchises die Leute überhaupt nennen können (“That’s the overriding question. On a more superficial level, I have to ask the question: How many good third movies in a franchise can people name?” – Quelle: http://herocomplex.latimes.com/2008/10/27/christopher-nol/). “The Dark Knight Rises” gehört leider nicht dazu.

Wer sich für eine weitaus detailliertere Kritik und Analyse interessiert, dem sei Olivia Collettes Artikel auf Chicago Sun-Times empfohlen (Spoilerwarnung, Englisch): http://blogs.suntimes.com/foreignc/2012/08/what-makes-a-really-good-bad-guy.html.

Copyright © 2012 by Günther Lietz, all rights reserved

The Dark Knight Rises

Originaltitel: The Dark Knight Rises

Produktionsland: USA, Vereinigtes Königreich (2012)
Originalsprache: Englisch
Länge: 164 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan, Jonathan Nolan, David S. Goyer
Produktion: Emma Thomas, Charles Roven
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Wally Pfister
Schnitt: Lee Smith

Christian Bale (Bruce Wayne/Batman), Gary Oldman (James „Jim“ Gordon), Tom Hardy (Bane), Anne Hathaway (Selina Kyle/Catwoman), Joseph Gordon-Levitt (John Blake / Robin), Marion Cotillard (Miranda Tate), Morgan Freeman (Lucius Fox), Michael Caine (Alfred Pennyworth), Matthew Modine (Lt. Foley), Cillian Murphy (Jonathan Crane/Scarecrow), Nestor Carbonell (Bürgermeister Garcia), Aidan Gillen (CIA Agent), Juno Temple (Holly Robinson), Ben Mendelsohn (John Daggett), Joey King (junge Talia al Ghul)

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Marvel’s The Avengers

Erstellt von Günther Lietz am 17. Mai 2012

Da ist er nun, nach all den Jahren. Der eine Film, auf den alle anderen Streifen nur vorbereitet haben: „Marvel’s The Avengers“! Hat sich das Warten überhaupt gelohnt? Kann der Film den Erwartungen entsprechen? Gibt es überhaupt etwas neues an der Superheldenfilmfront? Ja! Ja! JA!

“Marvel’s The Avengers” ist Teil des Marvel Cinematic Universe, das sich um die Produktion der hauseigenen Superheldenfilme kümmert. Angefangen mit “Iron Man“ (2008), über “Iron Man 2″ (2010), “Der unglaubliche Hulk“ (zwar 2008, aber innerhalb des Marvel Cinematic Universe ist dessen Ende nach “Iron Man 2″ anzusiedeln), “Thor” (2011), bis hin zu “Captain America – The First Avenger” (2011) war es ein langer Weg. Jeder der vorangegangenen Filme war eine Etappe, in dem es gemeinsame Komponenten gab. Allen voran die Figur des Nick Fury, gespielt vom wunderbaren Samuel L. Jackson.

Kultregisseur Joseph Hill „Joss“ Whedon (“Buffy”, “Firefly”) übernahm die Regie und schrieb auch das Drehbuch, um die Marvel-Filme der letzten Jahre zusammenzuschweißen und endlich die Avengers (Die Rächer) auf der Kinoleinwand zu entfesseln.

In der Geschichte – und ja, es gibt tatsächlich eine Story – dreht sich alles um den Tesserakt, der bereits in “Captain America – The First Avenger” von Bedeutung war. Auf den hat es nämlich der Asgardi Loki abgesehen, der Stiefbruder des mächtigen Thor. Ziel der Sache ist es, mit dem Artefakt ein Tor zu öffnen und fiese Außerirdische auf die Menschheit loszulassen. Die Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. – unter der Führung von Nick Fury – hat etwas dagegen und so ruft der gewiefte Geheimagent die Avengers Initiative ins Leben. Nun, zuerst einmal holt er einige Superhelden ins Boot und versucht aus ihnen ein Team zu bilden. Und da fangen die Probleme an.

Iron Man, Captain America, den Hulk und Thor in einen Raum zu sperren, ist eine Herausforderung. Aus diesen Superhelden ein Team zu machen, ist eigentlich eine Unmöglichkeit. Fury kann zum Glück auf die Hilfe von Black Widow setzen. Trotzdem kommen sich die Egos der Helden ständig in die Quere. Dazu kann der Hulk kaum kontrolliert werden und folgt Cap einem eigenen Ehrenkodex. Dummerweise hat auch noch Hawkeye die Seiten gewechselt. Witzigerweise wird dieser Held im Film “Falke” genannt, alle anderen bleiben beim Originalnamen.

Es ist kein großes Geheimnis, dass es Fury gelingt mit einigen Tricks und Opfern ein Bündnis zu schmieden und die Avengers zu gründen. Comicfans erkennen natürlich sofort, dass sich das Marvel Cinematic Universe weidlich aus der Marvel-Kiste bedient, aber schlussendlich einen eigenen Kosmos erschafft. Somit sind es die üblichen Helden, aber mit einem neuen Twist. Das sorgt für Vertrautheit und gleichzeitig auch eine Portion Überraschung. Das ist bereits eine nette Mischung. Und darauf kommt noch eine große Packung Joss Whedon!

Joss Whedon hat sich mit den TV-Serien “Buffy” und “Firefly” bereits seine Sporen verdient. Seine Helden sind keine bloßen Abziehbilder, sondern bieten auch den nötigen Tiefgang, um eine Story zu erzählen. Whedon gelingt dabei allerdings das Kunststück, stets das richtige Tempo und die richtige Balance zu erwischen. Mit seinem Streifen “Serenity” hat er auch Erfahrungen im Kinobereich gesammelt und er gehört zu den Regisseuren, die gerne mal etwas Neues ausprobieren. Und seine größte Stärke: Der Mann hat echten Humor! Das ist eine hervorragende Mischung, um einen hervorragenden Film zu machen.

Obwohl “Marvel’s The Avengers” etwas holprig anfährt, nimmt der Film schnell Fahrt auf. Joss Whedon muss halt erst einmal alle Superhelden zusammenbringen und den Einstieg in die Story präsentieren. Anstatt herumzuplänkeln und wertvolle Zeit zu vergeuden, gibt er lieber Gas und donnert mit dem Kopf durch die Wand. Er macht sozusagen den Hulk. Das ist kurz irritierend, aber dann ist Joss Whedon auch schon im Fahrwasser und gibt ordentlich Schub.

“Marvel’s The Avengers” ist trotz dem hohen Tempo und den bunten Kostümen keiner der üblichen Action-Superheldenfilme. Glücklicherweise. Whedon findet das richtige Gleichgewicht zwischen Story und Action, strikt einen spannenden und aktionsgeladenen Plot. Hier ist die Geschichte tatsächlich von Bedeutung und der Motor, um den Film anzutreiben. Dazu kommen die wunderbaren Dialoge, die witzig und zugleich stark sind. Es wird keine Zeit mit dummem Gesäusel vertrödelt. Selbst der lapidarste Spruch skizziert im Kern eine der Figuren. Hier sind die Sprüche nicht nur cool, sondern haben Inhalt und zeigen, wer hinter der Maske steckt.

Joss Whedon kann sich dabei auch auf eine Riege an Darsteller verlassen, die ihresgleichen sucht. Allen voran Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Mark Ruffalo, Tom Hiddleston und Samuel L. Jackson. In Nebenrollen treten Schauspieler wie Cobie Smulders (bekannt aus “How I met Your Mother”), Stellan Skarsgård und die wunderbare Gwyneth Paltrow (als Virginia „Pepper“ Potts) auf.

Die Spielfreude ist allen beteiligten jederzeit anzusehen und Whedon weiß seine Pappenheimer auch in Szene zu setzen. Mit Scarlett Johanssons – als Natasha Romanoff (Black Widow) – hat er zwar nur eine echte weibliche Hauptrolle, aber die Figur wird umso stärker in den Film eingebunden und kann locker mit den anderen Superhelden mithalten. Gleiches gilt auch für den Hulk, einer der Superhelden, der sich eigentlich nur schwer als Charmebolzen umsetzen lässt.

In “Marvel’s The Avengers” wurde Bruce Banner mit Mark Ruffalo besetzt, also erneut ein neuer Schauspieler (Mark Ruffalo ersetzt somit Edward Norton aus “Der unglaubliche Hulk“). Ruffalo gelingt es tatsächlich dem unkontrollierbaren Titanen die nötige Tiefe und Dramatik zu verleihen, die der Hulk so dringend braucht. Selbst als grüner Hüne scheint noch immer genug von Ruffalos Persona durch. Liebevolles Detail am Rande: Hulk wird im Original mal wieder von Lou Ferrigno gesprochen, dem Hulk-Darsteller der 70er- und 80er-Jaher des letzten Jahrtausends. Gegenwärtig dürfte Ferrigno allerdings noch durch seine Rolle in der TV-Serie “King of Queens” bekannt sein. Zuschauer der Originalfassung kommen auch in den Genuss von Paul Bettany, der Starks Jarvis seine Stimme leiht. In der deutschen Synchronisation muss natürlich auf diese beiden Stimmen verzichtet werden.

Allgemein ist der Streifen liebevoll gestaltet. Neben dem üblichen Cameoauftritt von Marvel-Alt-Star Stan Lee, gibt es auch weitere verborgene und offene Details (zum Beispiel Tony Starks Black-Sabbath-T-Shirt, Hulks Seitenhieb auf Thor). Vieles wird sich nur dem Comicfan offenbaren, stellt aber auch nur eine Option dar. Dem normalen Zuschauer entgeht nichts, er kann ohne Vorwissen in das Actionspektakel einsteigen. “Marvel’s The Avengers” bietet also Unterhaltung für ein breites Publikum. Der Film geht in die Tiefe und ist trotzdem leicht zugänglich.

Sich über “Marvel’s The Avengers” auszulassen würde ganze Bücher füllen. Joss Whedon hat mir Bravour ein Mammutprojekt vollendet, dass über Jahre lief. Hut ab vor den Verantwortlichen bei Marvel, dieses Durchhaltevermögen an den Tag zu legen. Zumal einige der vorangegangenen Filme ihre Schwächen hatten oder auch wichtige Lizenzen bei anderen Filmstudios gebunden sind (“Spider Man”, “X-Men”, “Wolverine”) und die Konkurrenz mit den Batman-Filmen Christopher Nolans die Messlatte verdammt hoch ansetzte. Nolan und Whedon sind derzeit mit ihren Verfilmungen aber gleich stark anzusetzen. Wer auf hervorragende Actionfilme und coole Comicverfilmungen steht, der kommt an “The Dark Knight” (2008) und “Marvel’s The Avengers” nicht vorbei. Das ist einfach ein Fakt, das sind Fixsterne im Filmuniversum.

Auch Soundeffekte und Musik (Alan Silvestri) sind vom Feinsten und die Kamerafahrten (Seamus McGarvey) bieten Spannung, Abwechslung und Überraschungen ohne Ende. Dazu ein genialer Schnitt (Jeffrey Ford, Paul Rubell) und das Beste, was Animations- und Tricktechnik derzeit zu bieten hat. Joss Whedon at the best!

Was bleibt noch zu sagen, außer, dass “Marvel’s The Avengers” eine absolute Empfehlung darstellt – in jeder Dimension!

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Marvel’s The Avengers

Originaltitel: The Avengers

Produktionsland: USA 2012
Länge: 142 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joss Whedon
Drehbuch: Joss Whedon
Produktion: Kevin Feige
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Jeffrey Ford, Paul Rubell

Besetzung: Chris Evans (Steve Rogers/Captain America), Robert Downey Jr. (Tony Stark/Iron Man), Scarlett Johansson (Natasha Romanoff/Black Widow), Mark Ruffalo (Bruce Banner/Hulk), Chris Hemsworth (Thor), Tom Hiddleston (Loki), Jeremy Renner (Clint Barton/Hawkeye), Samuel L. Jackson (Nick Fury), Clark Gregg (Agent Phil Coulson), Lou Ferrigno (Hulk (Sprechrolle)), Cobie Smulders (Maria Hill), Stellan Skarsgård (Professor Erik Selvig), Gwyneth Paltrow (Virginia „Pepper“ Potts), Paul Bettany (Jarvis (Sprechrolle))

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Thor

Erstellt von Günther Lietz am 12. Juni 2011

Glattgebügelt und politisch korrekt gestaltet sich Kenneth Branaghs “Thor”, der 2011 mit schwingendem Hammer die Kinoleinwand erobert – oder besser gesagt: zertrümmert. Was über den großen Teich herangeschwappt kommt ist, gelinde ausgedrückt, ein großer Haufen Mist!

Das sich Hollywood keinen Deut um die korrekte Darstellung einer Idee oder Geschichte kümmert, ist bekannt. Das gilt auch für Comics. Da wird eine Sage gerne mal frei interpretiert oder ganze Mythen locker adaptiert. An sich kein Problem, solange es gut gemacht ist und wenigstens einen Funken des Originals beinhaltet. Die nordischen Sagen – im speziellen die eddischen Schriften – derart zu vermurksen, dafür braucht es schon einiges an Schneid. Oder an Dummheit. Beides geht ja gerne Hand in Hand. Eventuell fällt auch nur einem Europäer auf, was für ein Schmarrn Regisseur Kenneth Branagh und die Autoren Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski und Mark Protosevich aus dem Hut gezaubert haben.

Die Unterschiede zu den mythologischen eddischen Schriften nun mal beiseite gestellt, verfehlt der Film sogar die Comicvorlage von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby. Was am Ende bleibt ist eigentlich nur ein Hüne mit Hammer im Kostüm, der sich Superheld nennt und den Marvel-Stempel trägt. Dabei wird hier im Film eigentlich die Geschichte über Thors Wandlung zum Superhelden erzählt. Und die ursprüngliche Story aus dem Jahre 1962 unterscheidet sich doch arg von dem, was der Film anbietet. Das mag auch noch geschenkt sein, aber der Streifen wartet ja auch mit inhaltlichen Fehlern auf.

Sehen wir uns mal die Hauptfigur und seine Heimat an. Asgard selbst liegt irgendwo im Universum. Es handelt sich um eine polierte Stadt, die klinisch tot wirkt. Ihre Bewohner tauchen nur auf, wenn sie beim Wacheschieben sterben oder dem lieben Odin zujubeln. Der wird von Anthony Hopkins gespielt. Der Film zeigt übrigens wie der liebe Odin sein Auge im Kampf verliert. Auch hier eine sehr freie Auslegung der Geschichte. Aber auch das sei geschenkt.

Thor (Chris Hemsworth) ist nun ein ziemlich arroganter Bursche und den Einflüsterungen seines Bruder Loki (Tom Hiddleston) hilflos ausgeliefert. Loki gibt natürlich den Bösewicht und hat seine ganz eigenen Pläne. Also stachelt er Thor zu Unsinn an. Der versammelt ein paar Kumpels, rast über die Regenbogenbrücke und lässt sich dann von Heimdall (Idris Elba) zu den Frostriesen beamen. Und das alles politisch korrekt, denn der blonde Thor hat in seiner illustren Runde eine Frau, einen Asiaten, Heimdall ist ein Schwarzer und es gibt auch noch den nordisch anmutenden Nordmann. Das hat mit der nordischen Mythologie um Thor so viel zu schaffen wie ein Haferkeks mit einem Stück Torf. Okay, der Haferkeks ist für sich alleine wenigstens zu genießen, “Thor” dagegen nicht. Zwar gehören Fandral, Hogun und und Volstagg innerhalb des Marvel-Universum an Thors Seite (sie sind ja die The Warriors Three), aber hier wird die Story erzählt wie Thor zum heldenhaften Gott wird und sich den Ruf als göttlicher Held erwirbt. Seine unterstützenden Kampfgefährten kommen eigentlich erst später hinzu.

Das Heimdall von einem Schwarzen gespielt wird wirkt auf Europäer sicherlich verstörend und ist im direkten Bezug zu den Originalcomics natürlich Murks, entspricht aber der Version des alternativen Marvel-Universums aus „Thor: The Mighty Avenger“. Dort ist Heimdall, als Bewahrer der Bifrost Bridge, ebenfalls ein Schwarzer. Das wirkt aber einfach befremdlich. Natürlich ist es normal, dass jeder Superheldenfilm Teil des Superheldenfilm-Universums wird und aus den Comics nur die besten Stücke nimmt. Aber hier wurden die, mit Verlaub, schlechtesten Stücke genommen und zu einem glattpolierten Stück Film zusammengeschaufelt. Aber weiter mit der Handlung, denn die Action ist vorhersehbar und langweilig. Die Möglichkeiten des göttlichen Hammers werden kaum ausgelotet.

Nachdem Thor wegen seinem Alleingang Ärger bekommt, wird er auf die Erde verbannt und trifft dort auf drei Wetterforscher, während sein Hammer irgendwo in der Wüste landet und zum Zentrum lustiger Hammerpartys wird. Also “Akte X” mag ja an den Haaren herbeigezogen sein, aber in der Realität würde so ein Hammerding sofort die “Men in Black” anlocken; oder halt Mulder und Scullys reale Kollegen. Aber egal, auch das sei geschenkt.

Thor ist halt ein arroganter Kerl, viele Dinge laufen schief und es gibt lustige Begegnungen zwischen dem Gott und den Sterblichen. Schlussendlich erfährt Thor eine Wandlung seiner Persönlichkeit und es kommt zu Endkampf. Ende! Puh, das ist schnell zusammengefasst und das ist auch gut so. Denn es gibt keinen Grund für Thors Wandlung, es gibt keine Charakterentwicklung. “Thor” ist einfach auf ein Zielpublikum zugeschnitten, dass sich leicht zufriedenstellen lässt. Und um sämtliche Schwächen zu kaschieren kommt der ganze Murks auch noch in 3D auf die Leinwand. Wer kann solch einen Film gut finden? Vor allem nach so vielen starken Superheldenfilmen, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen. “Spider Man”, “Superman”, “Iron Man” und der grandiose “The Dark Knight”. Die Messlatte hängt verdammt hoch, da ist nur schwer heranzukommen. “Thor” wagt noch nicht mal den Versuch.

“Thor” selbst ist Mist. Und es ist ein Rätsel, warum der Streifen trotzdem ein gutes Einspielergebnis abliefert. Liegt es daran, dass die Kinobesucher keinen Bezug zu den Sagen haben? Ist 3D-Kino Kopfwäschekino? Oder sind Bildungsniveau und Kunstverständnis in der Gegenwart einfach tot? Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Hollywood einfach ein entsprechendes Publikum erzogen hat, dass mit so wenig so zufrieden ist. „Thor“ hätte ein großartiger, erstklassiger Film werden können, mit einem Helden, der Tiefgang besitzt und echte Lebenserfahrungen macht. Stattdessen präsentiert sich Thor wie ein pubertierende Knabe, in dem allerdings ein Held steckt. Wobei, das dürfte das pubertierende Zielpublikum ja gerade ansprechen und wäre ein Grund, warum dieser Murks solch ein Murks ist. Murks eben. Und im Nachhinein lieber doch nicht geschenkt.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Thor

Originaltitel: Thor (USA 2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski
Produktion: Kevin Feige
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Haris Zambarloukos
Schnitt: Paul Rubell

Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Tom Hiddleston (Loki), Anthony Hopkins (Odin), Idris Elba (Heimdall), Samuel L. Jackson (Nick Fury)


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Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther

Erstellt von Günther Lietz am 10. August 2010

Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther

Regisseur: Will Meugniot, Richard Sebast
Format: Dolby, PAL, Surround Sound, Widescreen
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: KSM GmbH
Produktionsjahr: 2006
Spieldauer: 70 Minuten

Der Kampf gegen die Chitauri geht in die Fortsetzung und diesmal sind die Avengers schwächer als je zuvor …

Zwar bilden die Avengers unter der Führung von Nick Fury noch immer eine Einheit, aber innere Streitigkeiten erschüttern den Zusammenhalt. Da es den Superhelden nun an diesem mangelt, ist die richtige Gelegenheit für die Chitauri, um die Erde anzugreifen. Das geschieht unter der Führung des ehemaligen SS-Offiziers Kleiser, einem alten Feind von Captain America. Die Sache wird also sehr persönlich.

Merkwürdigerweise scheinen es die Chitauri auf ein kleines afrikanisches Land abgesehen zu haben. Sie töten den lokalen Superhelden, der gleichzeitig auch der König ist. Sein Sohn muss nun in das Kostüm des schwarzen Panthers schlüpfen und die Eindringlinge zurückschlagen. Alleine kein leichtes Unterfangen. So sucht er den Kontakt zu den Avengers – gegen den Willen seines Volkes – und die Chitauri sind scheinbar unaufhaltsam …

Es hat etwas gedauert, aber endlich ist die Fortsetzung auf DVD erschienen. Diesmal ist die Geschichte um einiges kompakter und auch spannender. Immerhin sind die Superhelden zerstritten und jeder scheint sein eigenes Süppchen zu kochen. Das sorgt für emotionale und somit entsprechend anspruchsvolle Augenblicke. Das Ganze wird in einer guten Zeichenqualität präsentiert, die gefällt. Vor allem die Dynamik ist gelungen.

Aber mit Kleiser haben die Ultimate Avengers auch einen entsprechenden Gegner, der ihnen Paroli bieten kann. Ohne Rücksicht auf Verluste geht er gegen seine Feinde vor und es bleiben dabei einige Leute auf der Strecke. Unter anderem ein Mitglied des Teams. Das steigert enorm die Dramatik, denn im Hinterkopf setzt sich fest, dass jeder der Helden sein Leben verlieren könnte.

Natürlich ist und bleibt es eine Superheldengeschichte und am Ende werden die Ultimate Avengers triumphieren. Aber um was für einen Preis? Am Ende steht der Sieg, aber am Ende wird nicht alles gut …

Die Synchronisation des Films ist sehr gelungen. Die deutschen Stimmen sind einen Tick angenehmer, als die englischen Sprecher. Hier waren eindeutig Profis am Werk. Der Ton in Dolby Digital 5.1 unterstützt das natürlich noch und somit ist „Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther“ auch für die Ohren gute Unterhaltung.

Mit einer Länge von knapp siebzig Minuten bietet der Film kurzweilige Zeichentrickspannung aus dem Marvel-Universum. Während der Hulk eine eher sitzende Rolle innehat, stehen Captain America und Black Panther im Mittelpunkt der Ereignisse. Beide eint ein gemeinsamer Feind, aber gleichzeitig werden sie durch ihre kulturellen Hintergründe auch getrennt. Das ist gelungen umgesetzt.

Unter dem Strich ist „Ultimate Avengers 2 – Rise of the Panther“ ein feiner Film des Genres. Kein großer Schlag, aber solide Unterhaltung.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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