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Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!

Erstellt von Günther Lietz am 28. August 2010

Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!

Deutschland 2009
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Studio: Universal/Music/DVD
Filmlänge: 50 Minuten
Erscheinungsdatum: 05/2010

www.willi-wills-wissen.de

Erneut ist Willi Weitzel (Jahrgang 1972) in München unterwegs, um sich ein Bild von bestimmten Dingen zu machen. Für die DVD „Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!“ wurden zwei thematisch passende Folgen zusammengefasst. Jede der Folgen ist fünfundzwanzig Minuten lang und über ein einfaches Menü zu erreichen. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor und das Bild hat TV-Format. Kein Wunder, immerhin handelt es sich bei der Reihe „Willi wills wissen“ um eine TV-Serie des Bayerischen Rundfunks.

In der ersten Episode spürt Helmar Rudolf Willi Weitzel – stets kameradschaftlich Willi genannt – den Geheimnissen der U-Bahn nach. Er sieht sich auf dem Bahnhof um, schaut wie eine U-Bahn gebaut wird und darf schlussendlich sogar selber fahren.

Danach geht es in der zweiten Episode wieder nach oben, zu einem oberirdischen Bahnhof. Auch hier geht Willi allen Sachen auf den Grund. Er sieht sich ein Stellwerk an, nimmt den Bahnhof unter die Lupe, bekommt heraus wo Fundstücke landen und viele Sachen mehr.

Die größte Stärke der Reihe ist dabei, dass Willi als Berufskind zählt. Er stellt die Fragen aus Sicht seines jungen Publikums, hakt nach und wickelt die Gesprächspartner mit seinem Grinsen und Lachen um den kleinen Finger. Die Leute mit denen Willi umgeht sind keine Schauspieler, sondern echte Menschen, die aus dem jeweiligen Umfeld stammen. Gekonnt nimmt ihnen der Reporter die Scheu vor der Kamera, so dass die Antworten auf die Fragen authentisch transportiert werden. Dabei wird sorgsam darauf geachtet, dass jeder versteht wovon gesprochen wird.

Neben den neugierigen Fragen von Willi Weitzel, setzt er auch seine andere Stärke ein: Willi packt immer selber mit an. Das ist spannend und lustig. So macht Willi im Zug eine humorvolle Durchsage oder bricht beim Bau der U-Bahn – am Steuer eines Bohrfahrzeugs – selbst durch die letzten Zentimeter Gestein.

Auch „Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!“ ist eine kurzweilige und erfrischende Unterhaltung. Obwohl für Kinder produziert, können auch Eltern noch einiges lernen. „Die Sendung mit der Maus“, „Löwenzahn“ und „Willi wills wissen“, das sind Sendungen die Kindern bilden und formen. Weiter so, Willi!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Prince of Persia – Der Sand der Zeit

Erstellt von Günther Lietz am 28. Mai 2010

Prince of Persia – Der Sand der Zeit


Prince of Persia: The Sands of Time (USA 2010)
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
116 Min.
Verleih: Walt Disney
Start: 20. 05. 2010

Regie: Mike Newell
Produktion: Jerry Bruckheimer, Chad Oman, Eric Mcleod, Mike Stenson
Drehbuch: Jordan Mechner, Boaz Yakin, Doug Miro, Carlo Bernard
Musik: Harry Gregson-Williams

Darsteller: Jake Gyllenhaal (Dastan), Gemma Arterton (Tamina), Sir Ben Kingsley (Nizam), Alfred Molina (Sheik Amar), Steve Toussaint (Seso), Toby Kebbell (Garsiv), Richard Coyle (Tus), Ronald Pickup (King Sharaman), Reece Ritchie (Bis), Gísli Örn Garðarsson (Hassansin Anführer)

http://www.disney.de/prince-of-persia/
http://kyzr.free.fr/davidbelle/

Der Prinz von Persien hat den gewaltigen Sprung vom Videospiel auf die Leinwand gewagt und ist auf den Füßen gelandet.

Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) ist der jüngste von drei Brüdern, obwohl von Geburt kein Königssohn, sondern adoptiert. Mit den Prinzen Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) macht er sich nun daran die heilige Stadt Alamut zu erobern, um die dortigen Waffenlager auszuheben. Doch der Triumph der Brüder weicht schon bald Trauer, Hass und Verrat.

Schlussendlich ist Dastan als Mörder gebrandmarkt und mit der schönen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) auf der Flucht. Im Besitz des Prinzen befindet sich ein verzauberter Dolch, der im Mittelpunkt des Verrats steht und die Zeit beeinflussen kann. Dastan versucht nun seine Unschuld zu beweisen und ringt schlussendlich gar um das Überleben des ganzen Welt …

Die Handlung ist schnell erzählt und weist keine besonderen Überraschungen oder Wendungen auf. Mike Newell legt Wert auf eine in sich schlüssige Erzählung und optimale Vermarktung, dementsprechend einfach ist die Geschichte gestrickt und an den richtigen Stellen mit den passenden dramatischen Elementen gespickt. Newell versteht sein Handwerk, ebenso wie Jerry Bruckheimer, der sich für die Produktion von „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auszeichnet. Bei einem solchen Blockbuster gibt es keine großen Experimente – und das macht den Film so gut.

Der Film basiert auf der beliebten Videospielreihe „Prince of Persia“, die aus dem Hause Ubisoft stammt und sich großer Beliebtheit erfreut. Newell meidet die üblichen Fallstricke, die Videospieladaptionen mit sich bringen. Er versucht den Nerv des Spiel zu treffen und bietet keine exakte Umsetzung. Trotzdem sind alle wichtigen Elemente enthalten, so das es einen hohen Wiedererkennungswert gibt, und dennoch punktet der Film durch ein großes Maß an Eigenständigkeit.

Regisseur Mike Newell vergeudet auch keine Zeit mit einer langwierigen Charaktervorstellung, sondern wirft seinen Helden sofort ins Geschehen. Innerhalb weniger Augenblicke steht fest: Das ist der Prinz, er kann turnen und er hat eine scharfe Zunge. Perfekt!

So rasant und auf diese Punkte konzentriert geht es auch weiter. Mit Tamina erscheint die weibliche Hauptrolle auf der Bühne und schon gibt es bissige Dialoge zwischen Dastan und der Prinzessin. Auch hier folgt der Film dem Gedanken des Videospiels, zudem vermittelt er noch brüderliche Stärke, Familien- und Gerechtigkeitssinn. Es ist ein Disney-Film und entsprechend familienfreundlich kommt „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auch daher. Die Kritik an Gemma Arterton als Tamina in diesem Zusammenhang – sie sei für die Rolle zu wenig sexy – ist unsinnig. Auch das die harten Ecken und Kanten abgeschliffen wurden ist einfach passend. Dabei zeigt Newells Arbeit eindrucksvoll, dass es keiner blutigen Gewaltorgien bedarf, um überzeugende und atemberaubende Action zu präsentieren.

Die Action steht in dem Film natürlich im Vordergrund, vor allem die akrobatische Fortbewegung des Prinzen Dastan. Für die Choreographie zeigt sich David Belle verantwortlich, der als Begründer des „Le Parkour“ gilt – der Kunst, durch Überwindung sämtlicher Hindernisse den schnellsten und effizientesten Weg vom Startpunkt zum Zielpunkt zu nehmen. Belle versteht sein Handwerk und seine Choreographie ist ausgezeichnet. Die akrobatischen Kunststücke sind gelungen umgesetzt, leichtfüßig und atemberaubend. Wer nun glaubt das sei alles von Stuntmen unterstützte Tricktechnik, der sollte sich das ein oder andere Video von David Belle und seinen Kollegen anschauen. Die bewegen sich oft atemberaubender als der Prinz durch die Großstädte.

Tricktechnik spielt zwar eine große Rolle in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“, trotzdem ist vieles noch hausgemacht und liebevoll umgesetzt. So hat Jake Gyllenhaal darauf bestanden möglichst jeden seiner Stunt selber durchzuführen, was zu mehreren leichten und schweren Blessuren führte. Gyllenhaal, der bisher nur in kleineren Produktionen auf sich aufmerksam machte, war nach Orlando Bloom and Zac Efron zwar nur dritte Wahl, ist aber um so perfekter. Er verkörpert Prinz Dastan atemberaubend und lässt keine Zweifel daran, dass er für die Rolle des Prinzen die erste Wahl ist. Körperbau, Mimik und das Augenspiel sprechen für sich. Jake Gyllenhaal hat auch hart an sich gearbeitet, um den Schritt in eine solch große Produktion zu schaffen. Hartes Training an sich selbst und die Umstellung auf einen generalstabsmäßigen Produktionsplan standen auf dem Programm. Gyllenhaal hat es geschafft und ist mit seiner Rolle als Prinz Dastan an der Spitze angekommen. Gut, dass der Prinz schwindelerregende Höhen liebt. Dastan ist übrigens ein waschechter Märchenprinz. Das persische Wort für Märchen und Geschichte lautet nämlich „dâstân“.

An Gyllenhaals Seite agiert Gemma Arterton in der Rolle von Tamina. Sie ist die widerspenstige Ungezähmte, die dem Prinzen richtig heftig zusetzt, stolz und mit einem reinen Herzen – das idealisierte Bild einer persischen Prinzessin eben. Das macht Arterton übrigens aktuell zur amtierenden Disney-Prinzessin. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig in Anbetracht ihrer bisherigen Rollen wie Strawberry Fields in „James Bond: Ein Quantum Trost“ (2008) auch Io in „Kampf der Titanen“ (2010). Gemma Arterton versprüht nun keinen Sex wie Megan Fox, sondern verbindet hervorragend Erotik und Familienunterhaltung. Zudem kann sie exzellent spielen und ist das passende Gegengewicht zu Gyllenhaal. Zugegeben, die beiden haben nur wenig Dialog miteinander, aber der ist witzig spritzig. Und ein guter Actionfilm kommt sowieso ohne großartig tiefsinnige Gespräche daher.

Neben Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton überzeugen auch die übrigen Darsteller mit ihrer Leistung. Allen voran natürlich Sir Ben Kingsley („Shutter Island“, „Schindlers Liste“), der Dastans Onkel Nizam zum Besten gibt und in dieser Rolle sogar einige Actionszenen spendiert bekommt. Auch Alfred Molina („Spider Man 2“) zeigt eine hervorragende Leistung. Beide stehen stellvertretend für die restliche Besetzung, die sehr hochwertig ist und auf einem ebensolchen Niveau agiert. Dadurch wirkt der Film lebendig und glaubhaft – ein persisches Hollywoodmärchen eben.

Die passende Musik zu diesem Märchen wird von Harry Gregson-Williams beigesteuert, der einen westlich modernen, aber dennoch orientalisch orientierten Score kreierte. Dabei kann Gregson-Williams auf seine jahrelange Berufserfahrung im Bereich Filmmusik und Videospielmusik bauen. Das ist in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ gut zu hören und macht stets Laune. Die Musik klingt exotisch, aber keinesfalls fremdartig oder störend. Und das macht den Score so schön. Den Soundtrack sollten sich Kinogänger jedenfalls vormerken.

Zugegeben, ein wenig Kritik gibt es natürlich auch an diesem Film, denn es schleicht sich schon die ein oder andere kleine Logiklücke ein und leider mangelt es an tödlichen Fallen, über die Prinz Dastan hüpfen könnte. In den Videospielen sind die Fallen halt stets präsent und ein Markenzeichen der Reihe. Aber das sind Punkte, die vollkommen vernachlässigt werden können.

Was bleibt ist ein grandioser Actionstreifen, der an Bruckheimers „Fluch der Karibik“ anknüpft und zu den besten Abenteuer-Actionfilmen gehört, die derzeit in den Kinos laufen. „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ dürfte auch zu den besten Videospieladaptionen gehören, die jemals gedreht wurden – vielleicht ist der Prinz sogar die beste Umsetzung überhaupt. Humorvoll, leichtfüßig und verspielt – einfach märchenhaft!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Fame

Erstellt von Günther Lietz am 11. Mai 2010

Fame

Produktion: USA 2009 (Englisch)
Länge: 107 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6

Regie: Kevin Tancharoen
Drehbuch: Allison Burnett
Produktion: Lakeshore Entertainment / MGM
Blu-ray-/DVD-Veröffentlichungstermin: 14. 05. 2010
Fame © Universum Film GmbH

Darsteller: Naturi Naughton (Denise), Asher Book (Marco), Kay Panabaker (Jenny), Paul Iacono (Neil), Paul McGill (Kevin), Kherington Payne (Alice), Collins Pennie (Malik), Walter Perez (Victor), Anna Maria Perez de Taglé (Joy), Kristy Flores (Rosie), Debbie Allen (Angela Simms), Charles S. Dutton (Mr. James Dowd), Kelsey Grammer (Mr. Martin Cranston), Bebe Neuwirth (Ms. Kraft)

http://www.fame-derfilm.de

Im Jahre 1980 erschien Alan Parkers Musikfilm „Fame – Der Weg zum Ruhm“ in den Kinos, fing ein Lebensgefühl ein, wurde für sechs Oskars nominiert und gewann sogar zwei der begehrten Preise (für die beste Musik und für den besten Song). Dreißig Jahre später macht sich Kevin Tancharoen daran Parker zu beerben und bringt seine Fassung des Films in die Kinos: „Fame“.

Im Film wird die Geschichte von Jugendlichen Talenten erzählt, die am Auswahlverfahren der New York School of Performing Arts teilnehmen und anschließend vier harte Jahre vor sich haben – Jahre, die ihr Leben prägen werden …

Das war nun die gesamte Hintergrundstory, der rote Faden, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Ebenso wie in „Fame – Der Weg zum Ruhm“ werden Ausschnitte und Momentaufnahmen aus dem Leben der Charaktere montiert und gezeigt. Dabei bleiben die Figuren jedoch blass und der Zuschauer kann keine Bindung zu ihnen aufbauen. Ihnen fehlt einfach das innere Feuer, dass die Figuren 1980 ausmachte. Aber woran liegt das?

Die Antwort findet sich offensichtlich in Kevin Tancharoens Biographie. Tancharoen führte die Regie in „Fame“ mit Anfang zwanzig, also recht jung. Somit sollte er genau die richtige Wahl für solch einen Film sein, vor allem da er sich bereits als Tänzer und Choreograph einen guten Ruf erwarb. So stand er früh auf der Bühne, machte bereits als Jugendlicher seine ersten Erfahrungen in der Musikbranche und arbeitete mit Stars wie Britney Spears, Christina Aguilera, Jessica Simpson, Madonna und den Pussycat Dolls zusammen. Außerdem wirkte der junge Mann auch bei anderen Musikproduktionen und -filmen mit. Eine beachtliche Leistung, in so einer so kurzen Zeit so viel zu leisten. Und dass genau ist scheinbar das Problem. Kevin Tancharoens hatte einfach keine echte Jugend, er war stets ein Arbeitstier. Und das ist dem Film anzumerken.

Die Geschichte von „Fame“ ist mehr als nur reine Arbeit, ein behütetes Leben als Ausnahmetalent, Musik und Tanz. „Fame“ ist eine Rebellion gegen die Gegenwart, ein Kampf ums Überleben, die Entscheidung auch mal ein Arsch zu sein – „Fame“ ist die Kunst zu Leben; in einem Becken voller Haie zu überleben. Und das ist Tancharoen fremd. Hier fehlt ihm einfach die Erfahrung.

Die Dinge die Kevin Tancharoen beherrscht, die sind im Film erstklassig umgesetzt. Und das sind Tanz und Gesang. Zwar handelt es sich bei den Liedern um eher seichtes Popmaterial, aber in Verbindung mit der erstklassigen Choreographie reißen sie einfach mit. Choreographie, dass ist Tancharoens Genre, da kennt er sich aus und weiß genau was er macht.

Zwei der alten Stücke aus „Fame – Der Weg zum Ruhm“ haben es auch in „Fame“ hineingeschafft: Die Ballade „Out here on my own“ und natürlich auch „Fame“, der wunderbare Titelsong des Films. Beide Stücke wurden neu abgemischt und aufgelegt. Diese Neuauflage ist einfach erstklassig gemacht.

Überhaupt hat sich Kevin Tancharoen stark an der Vorlage orientiert. Dazu zählt der Aufbau in mehreren Akten und wichtige Schlüsselszenen, wie das Vorsprechen, der Tanz in der Mensa, das abschließende Musical und vieles mehr. Es wurden auch die alten Rollenmuster weitgehend beibehalten, aber neu durchmischt, um den Figuren ein anderes Bild zu geben. Leider bleiben die Darsteller blass, misslingt es der Kamera emotional zu fokussieren und – wie ebenfalls bereits angesprochen – kann keine Bindung zu den Figuren aufgebaut werden. Es fehlt einfach die Seele des Films, die „Fame – Der Weg zum Ruhm“ ausmachte und in diesem Remake vollständig fehlt. Tanz und Gesang sind unmöglich alleine in der Lage, solch einen Streifen zu transportieren.

Den Schauspielern kann kein Vorwurf gemacht werden. „Fame“ kommt mit einem großen Ensemble daher und es ist einfach keine Zeit, die Einzelschicksale zu beleuchten. Dabei sind diese Schicksale nur oberflächlich, denn schlussendlich lösen sich alle Situationen irgendwie in Wohlgefallen auf. Es mangelt dem Streifen an Verlust, Trauer und Ungerechtigkeit, einfach an den Dingen, die das Leben ebenfalls ausmacht. Zwar lassen Darsteller wie Naturi Naughton (Denise) und Collins Pennie (Malik) ein wenig Glanz erkennen, aber das ist zu wenig.

Unter dem Strich ist „Fame“ weder Fisch noch Fleisch. Für ein ernsthaftes Drama ist zu wenig Charakterspiel und Selbstfindung vorhanden, für einen ausgereiften Tanzfilm zu wenig Musik und Tanz. Der Spagat zwischen beiden Genres misslingt gänzlich. Wenn, dann dominieren Gesang und Choreografie, wissen auch zu gefallen. Alles andere ist Mittelmaß.

Die Nachteile des Films werden schlussendlich durch die Blur-ray-Fassung von „Fame“ aufgewertet. Das Bild ist einfach erstklassig lässt die Tanzeinlagen wunderbar aussehen. Auch der Ton in DTS-HD 5.1 spielt mit hinein, eine geeignete Anlage vorausgesetzt. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor. Da die deutsche Synchronisation gelungen ist, sind beide Tonspuren empfehlenswert.

Das Bonusmaterial umfasst beinahe zwei Stunden und ist sehr umfangreich. Weitgehend handelt es sich um ein aufgeteiltes Making of. Sehr witzig ist vor allem das Interview mit Kevin Tancharoen, der von seinem Film und seiner Person sehr überzeugt ist. In Anbetracht des Films wirkt das schon etwas lächerlich. Vor allem der Hinweis darauf, es würde sich um gänzlich unerfahrene Schauspieler handeln. Wer sich die Arbeiten der jungen Schauspieler anschaut, wird schnell das Gegenteil entdecken. Die Leute haben nämlich weitgehend Bühnen- und Bildschirmerfahrung.

Was beim Bonusmaterial großen Spaß macht, ist erst einmal das Fame-MTV-Musikvideo. Hier kommt der Titelsong besonders gut zum Tragen. Außerdem kann die Musik des Film selektiert abgespielt werden. Also nur die Gesangsstücke, ohne die Handlung. Damit wird der Film auf das Wesentliche reduziert und zeigt genau das, was am besten ist. Das restliche Bonusmaterial ist eher zu vernachlässigen.

Eine gelungene Sache ist dagegen, dass der Film in zwei Fassungen vorliegt. Einmal in der Kinofassung (107 Minuten) und im Extended Cut (122 Minuten). Letztere Fassungen ist zu bevorzugen, da hier die Figuren mehr Raum geboten bekommen und etwas an Charakter gewinnen. Die Blu-ray bietet somit den besseren Film.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Blu-ray bei Libri.de
DVD bei Libri.de

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The Disappeared – Das Böse ist unter uns

Erstellt von Michael Drewniok am 7. Mai 2010

The Disappeared – Das Böse ist unter uns

Originaltitel: The Disappeared (GB 2008)
Regie: Johnny Kevorkian
Drehbuch: Johnny Kevorkian u. Neil Murphy
Kamera: Diego Rodriguez
Schnitt: Celia Haining
Musik: Ilan Eshkeri
Darsteller: Harry Treadaway (Matthew Ryan), Greg Wise (Jake Ryan), Ros Leeming (Amy Tyler), Alex Jennings (Adrian Ballan), Lewis Lemperuer Palmer (Tom Ryan), Tom Felton (Simon Pryor), Finlay Robertson (Jason Saks), Nikki Amuka-Bird (Melissa), Georgia Groome (Sophie Pryor), Jefferson Hall (Edward Bryant), Tyler Anthony (Rebecca Cartwright), James Cook (Anthony) uva.
Label: Savoy Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.12.2009
EAN: 4041658500692
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital Surround 2.0 (Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Mit seinem Vater Jake lebt Matthew Ryan in einer heruntergekommenen Mietskaserne in Südlondon. Sie haben einander nichts mehr zu sagen, seit Matthew vor zwei Jahren seinen kleinen Bruder Tommy allein auf den Spielplatz gehen ließ, um zu feiern statt auf ihn aufzupassen. Tommy verschwand spurlos, das schlechte Gewissen und die nie ausgesprochenen aber deutlichen Vorwürfe des Vaters haben Matthew krank werden lassen. Lange Zeit hat er in einer psychiatrischen Klinik verbracht.

Jetzt gilt er als geheilt und wird in die Obhut seines Vaters überlassen. Jake hält ihn nicht für gesund. In der Tat konnte Matthew den Verlust des Bruders keineswegs überwinden. Nur zu Pastor Ballan, der ihn schon in der Klinik betreute, hat er Vertrauen. Außerdem lernt Matthew die hübsche Amy kennen, die in der Nachbarwohnung dem Zorn ihres gewalttätigen Alkoholiker-Vaters ausgesetzt ist.

Die beiden Außenseiter freunden sich an. Amy und nicht Simon, sein ältester und bester Freund, ist wenig später die einzige Person, die Matthew Glauben schenkt, als dieser behauptet, die Stimme seines Bruders zu hören. Tommy fleht ihn um Hilfe an, beginnt Gestalt anzunehmen und Matthew zu attackieren. In seiner Not sucht dieser auf Amys Rat hin das Medium Melissa auf. Sie warnt ihn nicht nur vor dem Zorn der Geister, die im Tod jene Erlösung fordern, die ihnen im Leben versagt blieb, sondern auch vor einer dunklen Macht, die sich an Matthews Fersen geheftet habe.

Matthew erkennt nach und nach die Zeichen des Bösen, das sich perfekt getarnt in dem Viertel eingenistet hat und die hier lebenden Kinder dezimiert. Als auch Sophie, Simons jüngere Schwester, entführt wird, findet Matthew endlich die Spur des Täters. Er wagt sich in dessen Versteck, das sich buchstäblich als Hölle auf Erden erweist, dessen Bewohner schon auf ihn gewartet hat …

Geister und Seelen im Ausnahmezustand

Man assoziiert sie gern mit alten Burgruinen, Friedhöfen oder sonstigen nostalgisch verwunschenen Orten, doch warum sollten nicht auch Geister mit der Zeit gehen? Sie sind die Schatten verstorbener Menschen. Sterben sie im 21. Jahrhundert, werden sie sich kaum an einem der eingangs genannten Orte ansiedeln, sondern dort spuken, wo sie einst lebten und zu Tode kamen, ohne im Leben jene Angelegenheiten geregelt zu haben, die sie nun zurückkehren lassen.

Wie Regisseur und Drehbuch-Mitautor Johnny Kevorkian einprägsam demonstriert, gibt es moderne Stätten, die mindestens ebenso unheimlich sind wie die Burgen und Friedhöfe der Vergangenheit. In „The Disappeared“ wird ein Relikt der Thatcher-Ära zum perfekten Rahmen einer gruseligen Geschichte. In den 1980er Jahren sorgte die rigorose Wirtschafts- und Sozialpolitik der „Eisernen Lady“ zur Ausgrenzung unterer Bevölkerungsschichten und zur Entstehung moderner Gettos mit überproportionalen Arbeitslosen- und Kriminalitätsraten. Drei Jahrzehnte später ist die verwahrloste Mietskaserne, in der die Ryans weniger wohnen als hausen, erst recht ein Sammelbecken für Außenseiter und Verlierer.

In vielen Kritiken ist zu lesen, dass „The Disappeared“ als „Sozialdrama“ beginne. Kevorkian stellt diesen Aspekt jedoch in den Dienst einer Handlung, die eindeutig Geistergeschichte ist. Insofern soll die trostlose Kulisse primär für eine bestimmte Grundstimmung sorgen. Das spiegelt auch die Wohnung der Ryans wider. Selbst in einem Beton- und Plattenbau ließe sich hinter diesseits der Tür zum Hausflur eine heimelige Atmosphäre schaffen. Matthew und Jake vegetieren hingegen in der gewollten Unwirtlichkeit zerborstener Billigmöbel, staubig-zotteliger Teppichböden und abblätternder Uralt-Tapeten, die Kevorkian als materialisierten Ausdruck ihrer verwüsteten Seelen zeigt.

In einer freundlichen Wohngegend würde diese Geschichte nicht funktionieren. Sowohl die Geister als auch das Böse in „The Disappeared“ benötigen die trübe Umgebung mit ihren abgestumpften Bewohnern. Kevorkian dreht virtuos an der Schraube, um diese Trostlosigkeit zu unterstreichen. Dabei bedient er sich filmhandwerklicher Mittel, setzt Filter ein, die das Licht brechen, ihm seine Leuchtkraft und Farbe nehmen, es matt und kränklich wirken lassen. Dazu spielt Kevorkian auf dem Instrument der Übertreibung. Er zeigt das riesige Gebäude, in dem die Ryans wohnen, stets menschenleer. Auch sonst wirken die Orte des Geschehens – das Flußufer, der Hafen, die Kirche, die Klinik – aus der Realität gelöst, einsam, abweisend. Eine klassische Filmmusik unterstreicht diesen Eindruck. Sie wurde nicht als Soundtrack und Zusatzprodukt für das Filmmerchandising konzipiert, sondern ist melancholisch präsent, drängt sich nie in den Vordergrund, übt ihre Wirkung unterschwellig aus.

Ohne festen Boden unter den Füßen

Nachdem Kevorkian seiner Geschichte mit Sorgfalt und Geschick ein Fundament gegeben hat, baut er sie allmählich auf. An diesem Punkt setzt oft Negativkritik ein – dezent übrigens, denn fast alle Kritiker und Zuschauer sind sich einig, dass „The Disappeared“ ein guter Film ist. Die Story könne mit dem Plot nicht immer mithalten; die Geschichte starte stark, hänge aber im zweiten Drittel durch, um dann im Finale zwar mächtig anzuziehen, ohne jedoch bis zum Schlussbild sämtliche Fragen zu klären. Zumindest dieser Rezensent kann dem nicht zustimmen. Kevorkian behält die Fäden sehr wohl in der Hand, ohne sie locker zu lassen. Auch die vermissten Antworten lassen sich finden. Man muss der Handlung nur sehr aufmerksam folgen. „The Disappeared“ gehört zu den Filmen, die man nicht ‚nebenbei‘ anschauen kann. Die wahre Natur des Bösewichts deutet beispielsweise ein während eines Kameraschwenks nur kurz und wie zufällig sichtbares altes Foto in der dunklen Ecke eines Kellers an.

Unsicherheit ist eine ständige und wichtige Konstante. Matthew ist psychisch aus dem Lot. Als ihm Mysteriöses widerfährt, vermag er selbst nicht zu entscheiden, ob real ist, was er erlebt, oder ob er halluziniert. Kevorkian lässt sein Publikum diesbezüglich lange im Ungewissen. Als er sich dann entscheidet, wirkt die plötzliche Eindeutigkeit des Geschehens durchaus enttäuschend: Man vermisst das Schwanken des Handlungsrahmens, der nicht nur Matthew, sondern auch uns, die Zuschauer, fragen und fürchten ließ. Nun trennen sich unsere Wege. Wir werden zu Beobachtern und verfolgen Matthew in einem sehr spannenden aber konventionell gewordenen Finalkampf.

Du musst sie rufen, damit sie kommen

Ein junger Mann, der mit der eigenen Psyche sowie mit zwischenmenschlichen Konflikten zu kämpfen hat, wird von Geistern sowohl be- als auch heimgesucht und zu allem Überfluss mit dem Bösen konfrontiert: Es bedarf guter Schauspieler, um dieses Plot-Dreieck plausibel mit Leben zu füllen. Kevorkian verzichtete auf große Namen, die das knappe Budget ohnehin nicht hergab. Harry Treadaway (Matthew Ryan) gilt in England trotz seiner Jugend bereits als darstellerisches Schwergewicht. In dem proletarischen Tom Felton (Simon Pryor) wird man in „The Disappeared“ schwerlich Draco Malfoy aus den Harry-Potter-Blockbustern wiedererkennen. Ros Leeming fällt in ihrem Filmdebüt nie hinter ihren Darstellerkollegen zurück. Greg Wise ist als Jake Ryan keine Neben- oder gar Klischee-Figur, sondern für die Handlung von mitentscheidender Bedeutung.

Tricktechnisch hat „The Disappeared“ wenig zu bieten. Kevorkian setzt klassische, d. h. altmodische aber bewährte Techniken ein, arbeitet mit Licht und Schatten, realisiert viele Übernatürlichkeiten vor laufender Kamera, weshalb sie erst nachträglich als solche überhaupt erkannt werden. Die seltenen CGI-Effekte fallen dagegen durch ihre Künstlichkeit negativ auf.

Als moderne Geistergeschichte kann „The Disappeared“ über die Gesamtdistanz überzeugen. Dass Johnny Kevorkian nur drei Kurzfilme realisiert hatte, sieht man seinem ersten ‚richtigen‘ Spielfilm nie an. Stattdessen demonstriert er, dass und wie sich Anspruch und Unterhaltung harmonisch miteinander verbinden lassen.

DVD-Features

„The Disappeared“ gehört zu den Filmen, bei denen man es bedauert, dass die DVD ohne Hintergrund-Features auskommen muss. Zahlreiche Hinweise und Andeutungen lassen sich erst beim wiederholten Anschauen erkennen; es wäre interessant zu erfahren, ob die eigene Deutung mit der Kevorkians übereinstimmt. Kontext ist kompliziert und missverständlich, aber andererseits mag es im Sinn des Regisseurs und Drehbuchautoren sein, dass nicht jedes Detail aufgeklärt werden kann.

Im Internet gibt es eine Website zum Film.

[md]

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Percy Jackson – Diebe im Olymp

Erstellt von Günther Lietz am 26. Februar 2010

Percy JacksonPercy Jackson – Diebe im Olymp

Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief
Produktionsland: USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Craig Titley
Roman: Rick Riordan
Produktion: Chris Columbus, Michael Barnathan, Karen Rosenfelt
Musik: Christophe Beck

Darsteller: Logan Lerman (Percy Jackson), Brandon T. Jackson (Grover Underwood), Alexandra Daddario (Annabeth Chase),Jake Abel (Luke Castellan), Pierce Brosnan (Chiron), Kevin McKidd (Poseidon), Sean Bean (Zeus), Steve Coogan (Hades), Rosario Dawson (Persephone), Catherine Keener (Sally Jackson), Uma Thurman (Medusa)

Die Herrschaft von Harry Potter neigt sich langsam dem Ende zu und so wird es Zeit einen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Spätestens mit dem voraussichtlich 2011 erscheinenden letzten Film der Potter-Reihe sollte der Prinz etabliert sein, um das Zepter aus der Hand des Königs zu nehmen. Percy Jackson dürfte aber ein Dreizack reichen, denn immerhin ist er Poseidons Sohn.

Aus der Feder von Rick Riordan stammen die Bestsellergeschichten des jungen Percys, der eines Tages entdeckt, dass er ein ganz besonderer Junge ist. Auf Grund seiner Abstammung genießt er fortan eine besondere Ausbildung und erlebt mit seinen Freunden gefährliche Abenteuer – die mit seiner Abstammung in Verbindung stehen. In seinem ersten Abenteuer muss Harry, Verzeihung, Percy (Logan Lerman), den gestohlenen Herrscherblitz zurückbringen. Ansonsten hauen die Götter des Olymps – allen voran Zeus – die Welt in Stücke. Zu allem Übel hat Hades Percys Mutter Sally (Catherine Keener) entführt und die muss gerettet werden.

Zusammen mit der süßen Kämpferin Annabeth Chase (Alexandra Daddario) – Tochter der Athene und ebenfalls eine Halbgöttin – und dem schwarzen Satyr Grover Underwood (Brandon T. Jackson) muss Percy erst einmal Zauberperlen suchen, dann in die Unterwelt reisen, dort die Mutter retten und anschließen auf dem Olymp Zeus von seiner Unschuld überzeugen. Der Film geht beinahe zwei Stunden, also ist dafür doch eigentlich genug Zeit …

So wie die Romanreihe, so ist auch der Film von Mister Harry Potter inspiriert. Und zwar sehr stark. Um Nägel mit Köpfen zu machen haben sich die Studiobosse dann auch Chris Columbus ins Boot geholt. Der hat seinerzeit die ersten beiden „Harry Potter“-Filme gedreht und weiß also genau, um was es geht. Und Columbus liefert auch genau das, was bestellt wurde: Kindertaugliche Massenunterhaltung nach Schema Potter. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist unterhaltsam, leidlich spannend, aber irgendwie schon mal dagewesen und austauschbar. Allerdings werden nun Sagengestalten und griechische Mythen bemüht, anstatt altenglische Mauern und britisches Zauberwerk. Egal, Hauptsache der Film weiß zu unterhalten.

Und das gelingt ihm auch. Chris Columbus vertrödelt keine unnötige Zeit mit ausgefeilten Dialogen und langweiliger Charakterentwicklung. Er gibt sofort Gas. Die platten Dialoge erklären die wichtigsten Zusammenhänge, dann folgt eine Szene nach der anderen. Selbst der vermeintliche Tod von Percys Mutter ist nur eine Sekunde der Besinnung wert, dann geht es weiter: Ab durch die USA, im Stile eines Roadmovies und genau so aufgemacht wie ein modernes Videospiel.

Glücklicherweise rast Percy zusammen mit seinen Freunden durch die Gegend und es ergibt sich dann doch die ein oder andere Szene, in der Schauspieler miteinander agieren. So deutet sich zwischen Percy und Hermine – Verzeihung – Annabeth, eine kleine Liebschaft an, während der drollige Juniorbeschützer Ron – Verzeihung – Rover, für den ein oder anderen Gag gut ist. Rover wird übrigens vom Komiker Brandon T. Jackson gespielt. Die Rolle ist einfach angelegt: Plappernder Schwarzer mit blöden Sprüchen, der von einem Problem ins Andere trudelt. Da fühlt sich der Zuschauer an die guten alten achtziger Jahre erinnert. Wenigstens macht Alexandra Daddario als Annabeth eine gute Figur und den lieben Percy heiß. Aber keine Bange, Percy wurde zwar um fünf Jahre für den Streifen gealtert (im Buch beginnen die Abenteuer als der Junge elf ist), aber dennoch bleibt alles sehr züchtig und in geordneten Bahnen. Okay, typisch amerikanisch gibt es zwar keinen Kuss, aber heftige Actionszenen und Kampfsequenzen, in denen der ein oder andere Darsteller schon mal ein wenig blutig aufgeschlitzt wird. Ja, so sieht verfilmte Doppelmoral aus.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ hält für die jugendlichen Zuschauer aber auch wichtige Weisheiten bereit. So sind Drogen einfach Kacke und niemand sollte einfach etwas Essen, das einfach so angeboten wird. Genau das geschieht nämlich im verlotterten Las Vegas und der heiße Drogenrausch entpuppt sich schon bald als große Gefahr, während im bunten Hintergrund Lady Gagas „Pokerface“ aus den Boxen dringt. Wenigstens hat der Film stellenweise einen guten Score.

Etliche Abenteuer und abgeschlagene Köpfe später rettet das lustige Trio die liebe Mutter von Percy. Schon erwähnt? Die Alleinerziehende hat sich natürlich nur wegen Percy mit einem stinkenden Säufer eingelassen, der seine Frau und den Stiefsohn wie Dreck behandelt. Daran können sich alle jungen männlichen Legastheniker die unter ADS leiden klammern, vielleicht ist ihr Vater ja auch ein Gott. Mehr jugendlicher Außenseiter geht einfach nicht.

Jedenfalls weiß der Film die Hoffnung zu bedienen. Um nun aus der Unterwelt zu fliehen (die fleißig zur Hölle christianisiert wurde, aber mit dem Eingang in Hollywood Ironie zeigt) muss leider einer zurückbleiben. Und wen trifft es? Natürlich den Schwarzen! Und jahrelang haben die Zuschauer geglaubt diese dunklen Klischee-Zeiten seien vorbei – Chris Columbus belehrt seine Zuschauer mit einem Griff in die Mottenkiste aber eines Schlechteren.

Auch die Spezialeffekte haben bessere Zeiten gesehen. Sie bewegen sich zwar über TV-Niveau, aber Kino-Standard sieht heutzutage einfach anders aus. Vor allem Pierce Brosnan als Zentaure ist einfach nur grottig umgesetzt. Es bleibt sowieso ein Rätsel, warum er und Uma Thurman in diesem Streifen mitspielen. Schauspielerische Leistung zeigt jedenfalls keiner von beiden.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist leidlich unterhaltsame Massenware, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen dürfte, da es einfache Teenie-Action ohne Experimente ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Percy Jackson von Carlsen bei Buch24.de:
“Percy Jackson 01. Diebe im Olymp”
“Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen”
“Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen”

“Percy Jackson” bei Booklooker.de

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In meinem Himmel

Erstellt von Günther Lietz am 25. Februar 2010

In meinem HimmelIn meinem Himmel

Originaltitel: The Lovely Bones
Produktionsland: Vereinigte Staaten
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 135 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Peter Jackson
Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Roman: Alice Sebold

Produktion: Peter Jackson, Carolynne Cunningham, Fran Walsh
Musik: Brian Eno
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: Jabez Olssen

Darsteller: Saoirse Ronan (Susie Salmon), Mark Wahlberg (Jack Salmon), Rachel Weisz (Abigail Salmon), Stanley Tucci (George Harvey), Susan Sarandon (Grandma Lynn), Jake Abel (Brian Nelson), Rose McIver (Lindsey Salmon)

Mit „In meinem Himmel“ hat sich der bekannte Regisseur Peter Jackson (“The Frighteners”, “Der Herr der Ringe”, “Heavenly Creatures”) an die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von Alice Sebold gewagt. Der Name Jackson wiegt dabei schwer und seine letzten Projekte lassen ein weiteres filmisches Schwergewicht erwarten. Vor allem die Herausforderung so schwerer Themen wie Vergewaltigung, Kindesmord und Trauer zu bewältigen werfen die Frage auf, wie Peter Jackson das alles in einem Film unterbringen will.

Anfang der siebziger Jahre lebt Susie Salmon (Saoirse Ronan) in einer kleinen amerikanischen Gemeinde. Alles ist friedlich und die erste große Liebe hat die vierzehnjährige in ihren Bann geschlagen. Doch bevor Susie sich mit ihrem großen Schwarm trifft, stößt sie nach der Schule mit Nachbar George Harvey (Stanley Tucci) zusammen. Der hat schon länger ein Auge auf das Mädchen geworfen und eine Kinderfalle gebaut. Da lockt er Susie hinein und bringt sie bei ihrem Fluchtversuch um.

Susie ist nun in einer Zwischenwelt gefangen. Sie kann ihre Lieben daheim beobachten, aber keinen Einfluss nehmen. In ihrem Himmel lernt sie ein Mädchen namens Holly Golightly (Holly Golightly ist der Name einer Musikerin und auch der Name der Hauptfigur in Truman Capotes Roman “Frühstück bei Tiffany”) kennen, erfährt mehr über diese neue und farbige Welt, erfährt auch mehr über ihren Mörder.

Der kommt in der Realität nämlich ungeschoren davon, während Susies Familie an dem Drama zu zerbrechen droht. Vater Jack (Mark Wahlberg) verdächtigt alle Menschen in seinem Umfeld, Mutter Abigail (Rachel Weisz) nimmt Reißaus in die Weinberge und nur Oma Lynn (Susan Sarandon) hält die Stellung. Und Harvey späht schon sein nächstes Opfer aus: Susies Schwester Lindsey (Rose McIver) …

Peter Jacksons Verfilmung nur an der Romanvorlage zu messen, wäre sicherlich unfair. Immerhin konzentriert sich das Buch auf die Vergewaltigung und den Mord an Susie, beschäftigt sich mit der Trauerbewältigung und der Charakterentwicklung. Alice Sebold spricht die Emotionen ihrer Leser an, schildert eindringlich das Grauen und den Umgang damit. Aber Jackson hat sich selbst den Roman ausgesucht und so muss er sich wenigstens den Vergleich mit den Kernthemen gefallen lassen. Und hier scheitert der Regisseur kläglich.

Das sich ein Film zwangsweise wenig auf die Charakterentwicklung konzentrieren kann ist verständlich. Die Zeit ist sehr bemessen, doch Jacksons Figuren werden kaum behandelt. Einzig Susie erfährt eine Entwicklung, alle anderen Figuren werden einfach abgehandelt. Kommt es zu Szenen, in denen es in die Tiefe gehen könnte, bleiben diese gewollt kurz und Peter Jackson wechselt zu einem opulenten Bild. Mark Wahlberg und Rachel Weisz bekommen gar keine Möglichkeit sich zu profilieren. Einzig Susan Sarandon bekommt Zeit zum Spielen eingeräumt. Diese wird dann genutzt um ein paar Lacher zu ernten und dem Film weiter die Ernsthaftigkeit zu entziehen.

Die tiefgehenden Gefühle und das Drama des Romans einzufangen misslingt dem Film. Jackson blendet die Vergewaltigung Susies vollständig aus, reißt den Mord nur an, verlässt sich auf einige Symbole, um darauf hinzuweisen. Gut für all diejenigen, die diese Symbole erkennen und zu deuten wissen. Doch die Bildpracht von Susies Zwischenwelt gibt sich alle Mühe, sämtliche dezente Symbolik zu übertünchen, zu übermalen. Peter Jackson hat in den CGI-Farbeimer gegriffen und sich ordentlich bedient.

Anstatt eines erschütternden Dramas schreibt er nun parallel eine Kriminalgeschichte und eine Mysterystory. Bevor er sich in der einen Geschichte verfängt, wechselt er dann schnell mal hinüber und lässt auch gerne Parallelmontagen ablaufen. Die sind vor allem zu Schluss nervig und deplatziert, wenn Susies Mörder die zerstückelten Reste seines Opfer verschwinden lassen will und gleichzeitig eine unschuldige Kussszene abgehandelt wird. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt dramatisch oder traurig, sondern einfach nur aufgesetzt. Zudem entzieht die jeweils eine Einstellung der anderen Einstellung die Substanz.

Personen und Handlung sind bei Jackson also zu vernachlässigen. Selbst Bösewicht, Kinderschänder und Mörder George Harvey wirkt zwar schaurig, aber keineswegs böse. Das wird wohl an FSK 12 liegen. So kommen zwar viele Leute in den Genuss des Films, aber der Film ist einfach zu weichgezeichnet und am Romanthema vorbei. Jackson verlässt sich lieber auf das was er kann: CGI-Effekte.

So inszeniert er opulent Susies Himmel, erinnert damit beinahe an die Farbenpracht von „Hinter dem Horizont“ (1998), ohne dessen Originalität zu erreichen. Denn durch Thema, Farbenpracht und Effekte kommt schnell der Verdacht auf, Jackson hätte sich an dessen Bildgestaltung fleißig bedient. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls auffallend und beide Filme sind stellenweise kitschig zu nennen. Dabei ging Regisseur Vincent Ward in seinem Streifen wenigstens keine großen Kompromisse ein.

Einziger Lichtblick in Jacksons „In meinem Himmel“ ist Saoirse Ronan (“Abbitte”, “City of Ember”), die trotz ihrer jungen Jahre (Jahrgang 1994) eine schauspielerische Glanzleistung zeigt. Ihr wird natürlich auch der größte Raum geboten und den nutzt sie gut aus. Schade nur, dass sie hier regelrecht verheizt wird. Sie und Stanley Tucci („Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio“) wurden dann auch für Filmpreise nominiert, wobei diese Nominierungen bei Tucci ein Rätsel bleiben. Sein Harvey ist und bleibt ein farbloses Etwas, ohne Persönlichkeit, ohne Ausstrahlung.

„In meinem Himmel“ ist an sich unterhaltsam, hinterlässt aber keine Spuren und auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Einzig Saoirse Ronan bleibt haften und die abschließende Erkenntnis, dass auch ein großer Regisseur kleine Haufen macht.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Goldmann-Taschenbuch “In meinem Himmel” bei Buch24.de

“In meinem Himmel” bei Booklooker.de

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Das Haus der Dämonen (DVD)

Erstellt von Michael Drewniok am 19. Februar 2010

haus-der-daemonenDas Haus der Dämonen

Originaltitel: The Haunting in Connecticut (USA/Kanada 2008)
Regie: Peter Cornwell
Drehbuch: Adam Simon u. Tim Metcalfe
Kamera: Adam Swica
Schnitt: Tom Elkins
Musik: Robert J. Kral
Darsteller: Virginia Madsen (Sara Campbell), Kyle Gallner (Matthew Campbell), Martin Donovan (Peter Campbell), Ty Wood (Billy Campbell), Erik Berg (Jonah), Elias Koteas (Reverend Popescu), Amanda Crew (Wendy), Sophi Knight (Mary), John Bluethner (Ramsey Aickman), D. W. Brown (Dr. Brooks), John B. Lowe (Mr. Sinclair) u. a.
Label: Falcom Media
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 12.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 10.12.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4048317359004 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4048317459001 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Wir schreiben das Jahr 1987. Das Leben meint es nicht gut mit Sara Campbell: Geld ist knapp, Gatte Peter liebäugelt mit der Flasche, kürzlich sind die Nichten Wendy und Mary vor den Eltern zu ihnen geflohen, und jetzt leidet Matt, der älteste Sohn, unter einer Krebserkrankung, die ihn schnell und tückisch umbringt. Einzige Hoffnung ist eine kaum erprobte Therapie, die jedoch nur im weit entfernten Connecticut angeboten wird.

In ihrer Not beschließen die Campbells, unweit des Krankenhauses, in dem Matt behandelt wird, möglichst kostengünstig ein Haus zu mieten. Leider erweist sich das einzige Gebäude in ihrer Preisklasse als ehemaliges Bestattungsinstitut, dessen Balsamierungskeller nie richtig ausgeräumt wurde. Außerdem war Dr. Aickman, der frühere Hausherr, ein Satanist und Totenbeschwörer, der makabres Schindluder mit den ihm anvertrauten Leichen trieb.

Das muss zunächst vor allem Matt erkennen, dessen Krankheit ihn empfänglich für jene übersinnlichen Schwingungen macht, die das alte Haus erfüllen. Bald wird er aus dem Jenseits als Bezugsperson für widerlich anzusehende Geister angepeilt, unter denen sich einer sogar namentlich vorstellt: Jonah war einst Aickmans Star-Medium, doch als der Doktor es mit seinen nekromantischen Eskapaden übertrieb, wurde Jonah unfreiwillig derjenige, der die Geister, die sein Herr rief, über das Haus brachte.

Den Campbells wird bald Angst & Bange: Türen schlagen, Lampen knistern, Schatten huschen durch die Gänge, während “Buh!”-Musik ertönt und dem armen Matt der hässlich angekokelte Jonah im Nacken sitzt. Glücklicherweise hängt im Krankenhaus am Tropf neben ihm Reverend Popescu, ein Fachmann für das Übernatürliche. Im Bund mit Mutter Sara und Cousine Wendy nimmt Matt den Kampf gegen die Plagegeister auf, die daraufhin in Sachen Dämonenspuk tüchtig aufdrehen …

Spuk für Gläubige & unterhaltungswillige Skeptiker

“Nach einer wahren Begebenheit”: Die Verwendung dieses Prädikats kündet von der erstaunlichen Risikobereitschaft einer Produktionsfirma, die darauf hofft, durch die Nacherzählung einer echten Besessenheit noch einigen neugierigen Zuschauern mehr das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu locken. Oder glaubt man sich auf das Wissen stützen zu können, dass weit mehr Menschen an störende Besuche aus dem Jenseits glauben, als sie öffentlich zugeben möchten?

Die Faktendecke ist ebenso bekannt wie fadenscheinig: 1986 zog die recht dysfunktionale Familie Snedeker ins Städtchen Southington, US-Staat Connecticut, und dort in das alte Hallahan-Haus, das sich als ehemaliges Bestattungsinstitut entpuppte. Diese Tatsache drückte zwar den Mietpreis, hatte aber zuvor nie für Aufregung der nun bald laut werdenden und von den Medien begierig aufgegriffenen Art gesorgt: Nach Auskunft der Eltern Carmen und Allen Snedeker, deren Aussagen von ihren Kindern und den ebenfalls eingezogenen Nichten bekräftigt wurden, trieben Poltergeister und/oder Dämonen ihr Unwesen in dem alten Gemäuer. Sie machten nachts Lärm, stahlen Kruzifixe und gingen schließlich erst Carmen und dann sogar Al an die Unterwäsche.

Mit den Medien erschienen ‘Parapsychologen’. Unter ihnen: die selbst ernannten Top-Geisterjäger Ed und Lorraine Warren, die u. a. schon die Geheimnisse des Amityville-Spukhauses (nicht) gelüftet hatten, sowie der Buchautor Ray Garton, der ein zum Bestseller gewordenes ‘Sachbuch’ über die Heimsuchung der Snedekers schrieb, für das er sich heute so schämt, dass er nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden möchte.

Nach zweieinhalb angeblich turbulenten Jahren zogen die Snedekers um, und in Southington kehrte (angeblich nach einem Exorzismus) schlagartig Ruhe ein. (Sieht man von der Invasion zahlreicher Geister-Touristen ab, die einen Blick auf das berüchtigte Spukhaus werfen wollten – und wollen.) Carmen Snedeker – inzwischen geschieden – ist heute als “Geist(er)führerin” tätig.

Medienspuk hilft filmischem Durchschnitt

Diese Vorgeschichte macht aus dem Hallahan-Institut beim besten Willen kein zweites Amityville-Haus. Aber es bedarf nur einiger Dreistigkeit im Umgang mit der Wahrheit sowie der Arbeit zweiter routinierter Drehbuchautoren, um ein wenig Schwung in die Geschichte von der “Heimsuchung in Connecticut” zu bringen.

Macht man so etwas richtig, kann man sogar auf Ideen verzichten. Genau das zeichnet “Das Haus der Dämonen” denn auch aus: Adam Simon und Tim Metcalfe tun exakt das, was sie im Interview lächelnd leugnen, und klauben aus der Geschichte des Spukhaus-Films diejenigen Elemente hervor, die schon früher funktioniert haben. Der erfahrene Zuschauer mag sich den Spaß machen und die Titel der auf diese Weise ‘ausgeschlachteten” Filme auflisten. Zwar ist solches Ausborgen ein traditionsreiches Vorgehen in Hollywood, doch die Gleichgültigkeit, mit der selbst junge Regisseure und Drehbuchautoren den Zuschauer mit Mittelmaß abspeisen, wirkt trotzdem erschütternd. Es gibt nicht einmal (bis auf die für den Horrorfilm immer nützliche Abwesenheit von Handys) einen guten Grund dafür, die Geschichte 1987 spielen zu lassen.

Womit keineswegs gesagt ist, dass dieser Film nicht unterhalten kann oder handwerklich schlecht geraten ist. Hollywood stößt sauber aus dem Klischeeblech gestanzten Durchschnitt quasi fabrikmäßig aus. “Das Haus der Dämonen” ist zwar bar jedes originellen Einfalls, wurde aber flott und kundig inszeniert, routiniert gespielt und anständig getrickst.

Routinejob für echte Schauspieler

Manchmal ist das Glück auch mit dem nicht ganz so Tüchtigen. In unserem Fall beinhaltet das die Entscheidung, für die Hauptrolle der Sara Campbell eine echte und richtig gute Schauspielerin zu engagieren: Virginia Madsen ist eine Veteranin ihres Metiers und immer noch gut im Geschäft. In Hollywood, dem Mikrokosmos des Jugendwahns und der plastischen Chirurgie, wo ein Darsteller-Jahr etwa zehn Lebensjahren entspricht, ist das keine Selbstverständlichkeit, zumal Madsen zumindest im Hüftbereich keine Konzessionen an zwar ungeschriebene aber mehr oder weniger zementierte Regeln macht.

Die Sara Campbell spielt Madsen ohne Probleme und überzeugend, was besondere Anerkennung verdient, weil eine solche Rolle – in der Not religiös gewordenes Muttertier hält im Alleingang Problemfamilie auf Kurs und nimmt es auch noch mit Geistern auf – sehr schnell ins übertrieben Lächerliche abrutschen kann, wovor Madsen sie bewahrt.

Kyle Gallner profitiert von der Krankheit, die er mimen muss. Das mag zynisch klingen, doch da auch er trotz seiner Jugend ein erfahrener Schauspieler und seine Rolle sorgfältig ausgearbeitet ist, kann er recht gelassen den bleichen Todeskandidaten geben.

Weniger vom Glück & vom Drehbuch begünstigt sind die übrigen Darsteller. Martin Donovan fällt als hart geprüfter und für zu weich befundener Vater einmal in die Wodka-Flasche, aber nachdem Clan-Chefin Sara ihm dafür mächtig den Kopf gewaschen hat, findet er umgehend in die Nebenrolle des treusorgenden aber selten anwesenden Ernährers zurück.

Donovan kann sich noch glücklich schätzen, wie der arme Elias Koteas erfahren musste. Einmal abgesehen von der ziemlich geringen Chance, über einen Dämonen-Kundler und Exorzisten quasi zu stolpern, wirkt Koteas in der ausgelaugten Rolle des leicht überforderten aber in der Krise glaubensstarken Priesters (und unter seinem lächerlichen Pepita-Hütchen) eher von allen Geistern verlassen.

Überstunden für die Kulissenbauer

Obwohl “Das Haus der Dämonen” in Connecticut spielt, wich das Drehteam in das kostengünstigere Filmland Kanada aus. In der Provinz Manitoba ließ sich im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets das Hallahan-Haus weitgehend originalgetreu nachbauen. Das Innere entstand im Filmatelier; es entspricht allen Klischees eines verwunschenen Hauses, was dieses Mal durchaus anerkennend gemeint ist.

Auch die Filmtricks sind gut geraten. Altmodische aber eindringliche Prothesen- und Maskentricks werden durch dosierte CGI-Hexereien ergänzt aber nicht verdrängt. Da auch möglichst junge Zuschauer für das Werk bezahlen sollen, hielten sich die Tricktechniker etwas zurück. So wirken die seit immerhin sechzig Jahren in den Wänden des Hauses verwesenden Leichen erstaunlich frisch.

Traurig aber heute üblich ist jene Bearbeitung, der sich darauf richtet, die sorgfältig in Szene gesetzten Unheimlichkeiten nachträglich zu entschärfen. Damit die rächenden Geister nicht gar zu gruselig wirken, wurden sie für die Kinofassung künstlich ‘entfärbt’. Auf diese Weise verschwanden jugendgefährdende Blutflecken, die erst in der “Uncut”-Edition wieder rot zurückkehren. Solche Absurditäten sollte der Zuschauer mit Humor nehmen, da Ärger oder Grübeleien über die ‘Logik’, die hinter solchen Entscheidungen stecken mag, ohnehin zwecklos bleiben.

DVD-Features

An Extras wurde lobenswerterweise nicht gespart. Freilich sind die meisten Features recht obskur. Immerhin beginnt es konventionell: mit einem “Making-Of” zum Hauptfilm (“Zwei tote Jungen”), das man gesehen haben muss, weil es erstaunlich ist, wie viel Unfug sich in nur einer Viertelstunde verzapfen lässt! Jenseits der lästigen aber üblichen gegenseitigen Lobhudeleien – wie der Zufall so spielte, sind sich nur die Besten ihrer Branchen und gleichzeitig liebeswertesten Menschen dieses Planeten auf dem Set begegnet – entblöden sich die interviewten Darsteller, Drehbuchautoren und sonstige Mitarbeiter nicht, von ‘unheimlichen’ Vorfällen während der Filmarbeit zu munkeln: Mysteriöse Geräusche ertönten, der Fernseher sprang in der Nacht plötzlich an, es wurde schlagartig kalt in einer Ecke der Abstellkammer; die Peinlichkeiten wollen kein Ende nehmen.

Unter dem Titel “Bloße Einbildung? Was steckt hinter paranormalen Erscheinungen?” dürfen Para-Psychologen u. a. ‘Experten’ 13 (!) Minuten düster und unter sorgfältiger Umgehung nachprüfbarer Fakten über Geister und sonstige Repräsentanten jener Welt schwadronieren, die sich (nach Ansicht des Rezensenten) primär dort einstellen, wo die ärztlich verordnete Einnahme hilfreicher Psychopharmaka verweigert bzw. durch die Selbstkur mit Hilfe hochprozentiger Alkoholika ersetzt wird.

Dazu passt eine zweiteilige ‘Dokumentation’ (“Ein wahr gewordener Albtraum: Erneuerte Nachforschungen”), in der viele jener Zeitgenossen, die es 1986 ins wahre Haus der Dämonen verschlug, noch einmal ihre oft erprobten Geschichten erzählen dürfen. Eingeleitet wird dies durch eine Erklärung, aus der hervorgeht, dass sich die Firma Lionsgate, die “Das Haus der Dämonen” vertreibt, keineswegs mit den nun folgenden Aussagen identifiziert, was sehr bezeichnend und schnell auch verständlich ist: Diverse Mitglieder der Familie Snedeker sowie die ‘Geisterforscherin’ Lorraine Warren kochen den abgestandenen Brei vom Spuk im Hallahan-Haus auf, während die ehemaligen (und aktuellen) Nachbarn von keinerlei Auffälligkeiten, sondern höchstens von mentalen Dachschäden der Snedekers berichten.

Von allgemeinem Interesse ist endlich der Beitrag “‘Memento Mori’: Die Geschichte der postmortalen Photographie”, die wohl als wissenschaftliches Feigenblatt für die anderen Features dient. Stanley Burns, ein ausgewiesener Experte für das Thema, berichtet elf Minuten über die Tradition der US-amerikanischen Gedenk-Fotografie des 19. Jahrhunderts: Trauernde Eltern, Familienangehörige oder Freunde ließen sich mit ihren verstorbenen Kindern, Brüdern usw., die dafür möglichst ‘lebensecht’ hergerichtet wurden, fotografieren.

Die Features werden durch sechs “deleted scenes” abgerundet, deren Tilgung Regisseur Peter Cornwell per Audio-Kommentar erläutert.

Hier ist “Das Haus der Dämonen” im Internet präsent.

P. S.: “A Haunting in Connecticut” spielte weltweit 76,5 Mio. Dollar ein – eine stolze Summe, die eine gesunde Gewinnmarge garantierte. Die Folge ist typisch für Hollywood: Man sieht sich 2010 in “The Haunting in Georgia”!

[md]

Titel bei booklooker.de (DVD)
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Preisrätsel/Gewinnspiel 5 x 1 -DVD:
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
In welchem Jahr spielt die Geschichte des Films? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald dreissig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Gewonnen haben: Caroline Schleich, Mark Käumlin, René Rösner-Jansen, Werner Koblechner und Ulrich weber. Herzlichen Glückwunsch!

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Blob – Schrecken ohne Namen

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Januar 2010

blob-1958Blob – Schrecken ohne Namen

Originaltitel: The Blob (USA 1958)
Regie: Irvin S. Yeaworth Jr.
Drehbuch: Theodore Simonson u. Kay Linaker
Kamera: Thomas Spalding
Schnitt: Alfred Hillmann
Musik: Ralph Carmichael
Darsteller: Steve McQueen (Steve Andrews), Aneta Corsaut (Jane Martin), Earl Rowe (Lieutenant Dave), John Benson (Sergeant Jim Bert), George Karas (Officer Ritchie), Olin Howland (alter Mann), Stephen Chase (Dr. T. Hallen), Lee Payton (Schwester Kate), Elbert Smith (Henry Martin), Hugh Graham (Mr. Andrews), Audrey Metcalf (Elizabeth Martin), Elinor Hammer (Mrs. Porter) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s
Erscheinungsdatum: 27.10.2005 (Kauf-DVD)
EAN: 4020974158336 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 12

Das geschieht:

Irgendwo über dem US-Staat Pennsylvania geht im Sommer des Jahres 1957 ein Meteorit nieder. Ein alter Einsiedler findet an der Absturzstelle einen seltsamen Gallertklumpen, der sich plötzlich an seiner Hand festsaugt. Voller Panik sucht der Alte Hilfe und läuft auf der Landstraße beinahe dem jungen Steve Andrews vor den Wagen, der sich mit seiner Freundin Jane einen schönen Abend im Grünen machen wollte. Sie bringen ihn zu Dr. Hallen, der ratlos mit ansehen muss, wie sein Patient von dem Amöbenwesen absorbiert wird, bevor es ihn und eine Krankenschwester frisst.

Steve und Jane alarmieren die Polizei. Während die Kreatur heimlich durch den Ort schleicht, brave Bürger vertilgt und dadurch immer größer wird, stoßen sie nicht nur auf dem Revier, sondern auch bei den Eltern mit ihrem Bericht über ein “Monster aus dem Weltall” auf Skepsis. Als der gigantisch angeschwollene “Blob” ein Kino überfällt, ist es zu spät für Gegenmaßnahmen: Das Wesen ist schussfest, resistent gegen Säure und auch durch Starkstrom nicht umzubringen. Wieder ist es Steve, der seine Achillesferse entdeckt: Der Blob verträgt keine Kälte. Allerdings ist es schwierig, dies der Polizei mitzuteilen, weil Steve mit Jane und einigen weiteren Pechvögeln in einem kleinen Restaurant festsitzen, das der Blob buchstäblich in sich aufgenommen hat, um sich in Ruhe den leckeren Flüchtlingen im Keller widmen zu können …

“BEWARE OF THE BLOB, IT CREEPS …” : Der Blob und die Russen

Spätestens nachdem ab 1949 auch des Satans irdische Schergen – die Kommunisten aus der Sowjetunion – über die Atombombe verfügten, wuchs unter den Bravbürgern der USA die Angst, dass diese eines gar nicht fernen Tages über ihren Häuptern detonieren würde, bevor die eigenen Nuklearwaffen den dreisten Angreifer ausradieren könnten; nicht ganz so patriotisch veranlagte aber immerhin besorgte Zeitgenossen sahen sogar die gesamte Welt in einem III. Atom-Weltkrieg untergehen.

Die Furcht wurde nicht nur von der Politik oder den Medien, sondern auch von der (unterhaltenden) Kunst aufgegriffen. “Watch the Skies!”, lautete eine Parole der 1950er Jahre, denn von dort würden sie kommen, die “Roten” aus Russland. Im Kino taten sie das allerdings maskiert, denn damals wie heute hasst der Filmzuschauer es, am Feierabend mit Fakten belästigt zu werden. Also sahen die Sowjets wie Außerirdische aus, die sich durch die Hintertür in die USA einschlichen, um dort ihr böses Invasoren-Werk zu verrichten. Das war unheimlich und unterhaltsam zugleich und sorgte für jenes Geräusch, das Hollywood über alles liebt: das Klingeln der Kassen.

1958 konnte der Feind aus dem Osten deshalb problemlos wie der “Blob” sein: eine kollektiv gesteuerte Masse ohne individuelle Merkmale, die schleichend und mit dem Willen zur Zerstörung über ihre Opfer herfiel, sie nicht nur fraß, sondern absorbierte, d. h. sie sich einverleibte und für die eigene böse Sache versklavte. (Rot war sie übrigens auch noch.)

“… AND LEAPS AND GLIDES AND SLIDES …”: Kleine Stadt muss sich bewähren

Wie würden sich die Bewohner des kleinen, namenlosen Städtchens schlagen, das überall in den USA stehen konnte? Würden sie schlafen, die falschen Entscheidungen treffen, gar schreiend flüchten? Oder sich zusammentun, um dem Gegner entschlossen die Stirn zu bieten und ihn niederzukämpfen? Im kommerziell ausgerichteten B-Kino war dies eine rhetorische Frage: US-Bürger lassen sich vielleicht kurzfristig täuschen, weil sie nicht mit der Hinterlist eines hinterrücks angreifenden Feindes rechnen, aber dann besinnen sie ihrer gemeinschaftlichen Kraft und geben es dem Schurken doppelt heraus!

Dabei ist diese kleine Stadt kein friedlicher Ort. Bereits ohne den Blob geht es in ihren Straßen hoch her. Der Konflikt zwischen den Generationen entwickelte sich in den 1950er Jahren zu einem gravierenden Problem. Auf der einen Seite standen die “Eltern”, die in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und des II. Weltkriegs aufgewachsen waren und Gehorsam, Disziplin und Konformität forderten. Dem widersprachen die nach dem Krieg geborenen Teenager, die den Mangel nicht kannten, ihre in den Jahren des wirtschaftlichen Nachkriegsbooms entstandenen Freiräume testeten und sie für zu klein befanden.

“Rebels without a Cause” nannte man sie, “… denn sie wissen nicht, was sie tun”, unterstellte man ihnen. Mit James Dean in der Hauptrolle brachte es Regisseur Nicholas Ray 1955 allgemeinverständlich auf den Punkt. Eine Welle thematisch ähnlich gelagerter Filme folgte. Die meisten nutzten das Aufbegehren der “Halbstarken” nur als Vorwand für reißerische Action. Regisseur Yeaworth beschäftigt sich ernsthafter mit dem Konflikt. Steve und Jane scheinen an den Eltern, den Polizisten und anderen Respektspersonen vorbeizureden, sich gar in einer fremden Sprache zu artikulieren. Hinzu kommt das ständige Misstrauen der Älteren, die sich unsicher, herausgefordert und nicht respektiert fühlen. Ein Monster geht um, aber im Streit zwischen Alt und Jung geht diese Bedrohung lange unter.

“…ACROSS THE FLOOR / RIGHT THROUGH THE DOOR …”: Kinder – wild aber gut

Irvin S. Yeaworth (1926-2004), der Regisseur von “Blob”, war ein fundamentalchristlich geprägter Mann, der zahllose Kurzfilme und Features für kirchliche Radio- und TV-Sender realisierte. Ihm war es ernst mit seiner Darstellung des Generationskonfliktes. Die ernsthafte und gleichzeitig naive Herangehensweise an das Thema fordert den Spott des heutigen Publikums heraus, das mehr als fünf Jahrzehnte später freilich aus der Perspektive dessen urteilen kann, der mit der Gnade der späten Geburt gesegnet wurde.

Yeaworth überzeugt nicht, er manipuliert, denn er meint, die Lösung zu kennen. Er personifiziert sie in der Figur des Lieutenant Dave, der zwischen den Generationen vermittelt und verdeutlicht, dass Steve, Jane und ihre Altersgenossen vielleicht ein wenig ungestüm aber vertrauenswürdig sind. Diesem Integrationsprozess widmet sich Yeaworth, unterstützt vom Autorenteam Theodore Simonson u. Kay Linaker, so intensiv, dass der Blob aus dem Geschehen verschwindet. Dennoch wird noch heute deutlich, wie provokativ einige Szenen einst gewirkt haben müssen. Wenn zum Beispiel Mr. Andrews, ein Lehrer, seinen Schlüssel zur Schultür, hinter der dringend benötigte Feuerlöscher lagern, vergisst und sich einen Stein greift, inszeniert Yeaworth, wie Andrews, dem der Blob im Nacken sitzt, sichtlich zögert, den für ihn unerhörten Bruch mit den Regeln zu vollziehen und eine Glasscheibe einzuschlagen. Als er es endlich tut, bestaunen ihn seine Schüler ehrfürchtig: Der Kontakt zwischen den Generationen ist möglich, auch wenn es einer Notlage bedarf, um eine Brücke zu schlagen!

“… AND ALL AROUND THE WALL …”: Darf nichts kosten, soll viel einbringen

Kommen wir nach dem, was den “Blob” indirekt interessant macht, endlich zu dem, was dieser Film eigentlich ist und sein sollte: kostengünstig produzierte Unterhaltung mit einem möglichst hohen Einspielergebnis! Aus kommerzieller Sicht ging die Planung voll auf: Bei einem Budget von um die 150.000 Dollar spielte “Blob” an den Kinokassen 4 Mio. Dollar ein. Weil die Produzenten außerdem das Glück hatten, zufällig einen zukünftigen Filmstar (Steve McQueen) zu engagieren, blieb “Blob” der kollektiven Erinnerung erhalten und wurde allmählich mit dem Goldschmelz des Klassikers überzogen. Der hält einer kritischen Ritzprobe allerdings kaum stand: “Blob” bringt den Zuschauern von heute weder unter Berücksichtigung zeitgenössischer Beurteilungsfaktoren noch als kurioser Trash von Gestern allzu große Freude.

Wenig mehr als 80 Minuten beträgt die Laufzeit, die gefühlt wesentlich länger wirkt. Das liegt nicht nur an der Abwesenheit des Blobs, sondern auch an einem hastig aus Versatzstücken geschustertem Drehbuch und einer ungeschickten Regie, die ganz einfache Dinge unnötig verkompliziert, um Spannung dort zu schüren, wo sie sonst nicht entstehen würde. Immer wieder nimmt Yeaworth das Tempo aus der Handlung und lässt seine Darsteller reden, reden, reden, bis die Hand des Zuschauers die Vorspultaste sucht. “Blob” fehlt ein echter Spannungsbogen. Das Geschehen zerfasert in Episoden, und selbst in den gelungenen Sequenzen spotten logikfreie Wendungen jeglicher Beschreibung. (Was ist beispielsweise von der Intelligenz eines Doktors zu halten, der deutlich sieht, wie sich im Nebenzimmer die Decke über seinem von einem mysteriösen Gallertwesen befallenen Patienten hebt und senkt, aber nicht an den Behandlungstisch stürzt, sondern seelenruhig eine Krankenschwester anruft, die ihm bei einer Arm-Amputation helfen soll?)

Während der Zuschauer den Anblick des lausig animierten Blobs (dazu gleich mehr) in einem über fünfzig Jahre alten Film akzeptiert und verzeiht, tötet die Penetranz, mit der junge aber völlig ausgewachsene Männer und Frauen dem Publikum als “Kinder” verkauft werden, jegliche Glaubwürdigkeit. Wer ‘junge’ Hauptrollen besetzt, sollte dafür mindestens jugendlich wirkende Darsteller engagieren. Die “Blob”-Kinder sind sämtlich weit über 20, und das sieht man ihnen so deutlich an, dass ihr Verhalten durchweg lächerlich wirkt. (Steve McQueen war während der Dreharbeiten 27 und seit zwei Jahren verheiratet; das wird im Film übrigens dokumentiert, weil McQueen sich entweder weigerte, vor der Kamera seinen Ehering abzulegen, oder niemand hinter der Kamera bemerkte, dass er ihn trug – auch nicht Aneta Corsaut als ‘jungfräuliche’ Jane von 24 Jahren …)

“… A SPLOTCH, A BLOTCH …”: Das Monster aus der Tube

Der Blob erweist sich als Kind der modernen Industriechemie. Zwar soll er angeblich vom Himmel gefallen sein, aber seine tatsächliche Herkunft ist irdisch: Entweder wurde er (oder es) im Film von einem blobbig maskierten Plastikballon gedoubelt, der mehr schlecht als recht in ‘bedrohlich’ wirkende Bewegungen versetzt wurde und sich höchstens schleppend von der Stelle bewegen konnte, oder rot gefärbtes Silikon gab ihm seine gallertige Konsistenz. Diese haltbare Masse wabert wie Wackelpudding und lässt sich durch kleine Öffnungen wie Türritzen oder Belüftungsgitter pressen, was (1958 zuverlässig und heute mit etwas gutem Zuschauer-Willen) wirkt, als ob der Blob seinen Opfern entgegen quillt.

Wenn er im Finale erst durch ein Kino tobt und anschließend ein ganzes Restaurant unter sich begräbt, dann wurde das eine als Miniatur nachgebaut und das andere einfach als Foto eingeblendet, über das der Silikon-Blob geschüttet wurde. Nicht einmal betrunken lässt sich diese Offensichtlichkeit ignorieren. (Dass etwas nicht stimmt, merkt man auch daran, dass viele der ‘panisch’ vor dem Blob flüchtenden Statisten – sie wurden unter der Bevölkerung des Städtchens Phoenixville in Pennsylvania rekrutiert, in dem die Außenaufnahmen entstanden – von einem Ohr zum anderen grinsen und einen Heidenspaß haben; die Szenen wurden nicht neu gedreht, sondern einfach im Film belassen.)

Die Tricktechnik war halt noch nicht sehr weit, und “Blob” entstand nicht in einem der großen Hollywood-Studios, sondern als unabhängige Produktion. Immerhin reichte das Budget, um einen skurrilen Zeichentrick-Vorspann zu finanzieren, dem ein urkomischer aber sehr stilvoller Rocksong mit dem Titel “Beware of the Blob” (Co-Komponist: Burt Bacharach!) unterlegt wurde. (Was aus dem Silikon-Blob wurde, der den Drehschluss glänzend überstand, lässt sich unter dem Titel “The Man Who Owns the Blob” hier nachlesen.

“… BE CAREFUL OF THE BLOB!”: Der Schatten des Blobs

Nach dem erstaunlichen Einspielergebnis hätte ein Hollywood-Studio umgehend eine (noch billiger produzierte) Fortsetzung nachgeschoben. Das unterblieb jedoch. Bis 1972 ruhte der Weltraum-Pudding gut gekühlt in der Arktis, in die ihn die Army (die es zu ihrem Leidwesen nicht hatte zerstören können) 1957 verfrachtet hatte. Dann befreite ihn ausgerechnet Larry Hagman, der “J. R.” aus der TV-Seifenoper “Dallas”, in seiner einzigen Regiearbeit “Beware! The Blob” und ließ ihn komödienhaft und trashig durch Los Angeles toben.

1988 gelang Chuck Russell ein “The Blob” betiteltes Remake des Originals, das dieses inhaltlich wie formal weit übertraf. Ein blutjunger Kevin Dillon und eine noch jüngere Shawnee Smith (“Saw” I – ?) in den Hauptrollen gaben wesentlich überzeugendere Teenager ab als McQueen & Corsaut, und die soliden Tricks sowie ein ruppiger, oft schwarzer Humor haben diesen Film zu Recht zu einem Genre-Klassiker geadelt. (Wie sich die Zeitläufte geändert haben, belegt die Tatsache, dass der Blob 1988 einem außer Kontrolle geratenen Militär-Experiment der US-Regierung entsprang.)

“So lange die Arktis gefroren bleibt, sind wir außer Gefahr”, lautet der letzte Satz, den wir im “Blob” von 1958 hörten. Im Zeitalter der globalen Klimaerwärmung klingt diese Äußerung unheilvoll, und in der Tat rührt sich der Blob schon wieder, um 2011 und dieses Mal unter der Regie von Rob Zombie grimmiger denn je über diese Welt zu kommen …

DVD-Features

2005 erschien eine deutsche DVD-Ausgabe von “Der Blob”, der dieser alte, immerhin in Farbe und Breitwandformat entstandene Film adäquat aufgespielt wurde. Wie es einem Klassiker – auch einem fragwürdigen – gebührt, ergänzten ihn diverse interessante Features. So findet man auf dieser Scheibe (englischsprachige) Audiokommentare von Jack H. Harris (Produzent), Bruce Eder (Filmhistoriker), Irvin S. Yeaworth Jr. (Regie) und Robert Fields (Nebendarsteller des ‘Teenagers’ Tony Gressette).

Darüber hinaus kann man sich des originalen Kinotrailers erfreuen, der “Blob” als Quelle für durch Furcht bedingte Herz- und Hirnschläge hinstellte und dadurch erst recht lockte, die alte deutsche Titelsequenz sehen – auch Vorspänne wurden einst übersetzt – und sich über Steve McQueens Leben und Filmkarriere informieren. Ein hübsches Booklet mit Bildern, Zeichnungen und Plakatmotiven rundet die Extras ab.

(Die den Kapitelüberschriften vorangestellten Zitate stammen aus dem weiter oben erwähnten Titelsong “Beware of the Blob”; Text: Burt Bacharach & Hal David.)

P. S.: Wenn unser Ungeheuer “Blob” heißt, wie kann es dann ein “Schrecken ohne Namen” sein?

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The Abandoned – Die Verlassenen

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Dezember 2009

abandonedThe Abandoned – Die Verlassenen

Originaltitel: Los Abandonados (GB/Spanien/Bulgarien 2006)
Regie: Nacho Cerdà
Drehbuch: Karim Hussain, Nacho Cerdà, Richard Stanley
Kamera: Xavi Giménez
Schnitt: Jorge Macaya
Musik: Alfons Conde
Darsteller: Anastasia Hille (Marie Jones), Karel Roden (Nicolai), Valentin Ganev (Andrei Misharin/Kolya Kaidavosky), Paraskeva Djukelova (Olga Kaidavosky), Carlos Reig-Plaza (Anatoliy), Kalin Arsov (Bauer), Svetlana Smoleva (Bäurin) Anna Panayotova (Bauerntochter), Jordanka Angelova (Greisin), Valentin Goshev (alter Bauer), Jasmina Marinova (alte Bäuerin), Monica Baunova (Emily), Marta Yaneva (Natalya) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s
EAN: 4020974163354
Erscheinungsdatum: 16.12.2007 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch (für Hörgeschädigte)
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: ca. 95 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Irgendwo in der russischen Sowjetunion bleibt im Jahre 1966 vor einem einsamen Bauernhaus ein Lastwagen stecken. Im Führerhaus findet der erschrockene Bauer eine blutüberströmte, tote Frau und zwei schreiende Babys.

Vierzig Jahre später kehrt Marie Jones, geborene Kaidavosky, nach Russland zurück. Die einsame Frau sucht nach den Wurzeln ihrer Familie. Nachdem man sie an der Seite der toten Mutter gefunden hatte, wurde sie von einer englischen Familie adoptiert. Dass sie einen Bruder hat, weiß sie nicht. In Moskau hat Marie den Anwalt Andrei Misharin beauftragt, Nachforschungen über die Kaidavoskys anzustellen. Er muss ihr mitteilen, dass keine Aufzeichnungen existieren. Das Familiengut hat er immerhin als Maries Erbe gesichert. Sie beschließt vor Ort selbst zu ermitteln.

Das Gut liegt auf einer einsamen Insel inmitten eines reißenden Flusses. Seitdem Kolya Kaidavosky, der Hausherr und Vater Maries, 1966 seine Gattin Olga ermordet hat, ist das riesige Haus verlassen. Als Marie durch die verfallenden, modernden Räume streift, stößt sie auf Nikolai, ihren unbekannten Zwillingsbruder. Auch ihn hat eine seltsame Sehnsucht nach Wissen in das Elternhaus gelockt.

Hier geht es allerdings nicht mit rechten Dingen zu. Marie und Nicolai werden in der Nacht von leichenhaften Doppelgängern bedrängt. Sie lassen sich nicht bekämpfen, und trifft sie ein Schlag oder eine Kugel, werden auch die ‘Originale’ verletzt. Schlimmer noch: Die Geschwister müssen erkennen, dass sie nicht mehr von der Insel fliehen können. Jeder Versuch bringt sie nur zum Gut zurück. Dort mehren sich die Zeichen, dass die Phantome nicht die größte Bedrohung darstellen. Hinter ihnen steht eine noch unsichtbare Macht, deren Interesse offensichtlich darin besteht, die Geschwister für immer an das Gut zu binden …

Geisterfilm mit leichten Horror-Einschlägen

In der Historie des Horrorfilms nimmt die Geistergeschichte ein zwar nicht kleine aber relativ unauffällige Nische ein. Sie tritt gegenüber dem plakativen, geräuschvoll, hässlich und blutrünstig auftretenden Grusel zurück, der die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer leichter erregen kann. ‚Richtige‘ Geister haben es da schwerer, denn es liegt in ihrer Natur, das Reich der Toten quasi auf Katzenpfoten zu verlassen. „Spuk“ bedeutet nicht nur die Rückkehr von Seelen, die in der Welt noch etwas zu erledigen haben, sondern auch das Geistern im Augenwinkel ihres Betrachters: Sieht man genau hin, ist da scheinbar nichts. Es bleibt das unangenehme Wissen, dass dies keinesfalls zutrifft.

Das ist der Stoff, aus dem „The Abandoned“ gewoben wurde. Ein ungewöhnliches Projekt ist dieser Film: geschrieben und inszeniert von einem Spanier, in der Hauptrolle eine Engländerin, gedreht in Russland und Bulgarien. Letzteres ist nicht ungewöhnlich im 21. Jahrhundert, denn viele Produktionen lassen sich im ehemaligen Ostblock nieder, wo das filmische Knowhow hoch und der Lohn niedrig ist. Regisseur mit (Mit-) Drehbuchautor Nacho Cerdà erzählt freilich eine Geschichte, die explizit in Russland spielen soll und so, wie sie abläuft, wohl auch nur hier spielen kann. Er hat deshalb viel Recherche und Aufwand in die Rekonstruktion ‚typisch russischer‘ Schauplätze investiert, was sich definitiv auszahlt.

Die scheinbar unendliche Weite der Landschaft (dargeboten in echtem Breitwand-Format), ihre Einsamkeit und die archaische Lebensweise der nichtstädtischen Bevölkerung sind wichtige Elemente der Story. Das Kaidavosky-Gut ist buchstäblich eine Insel, von der es kein Entrinnen gibt. Diverse Fluchtversuche werden spannend in Szene gesetzt, um dies dem Zuschauer überzeugend zu vermitteln. Die Innenräume des Guts werden im „Making-of“ als Atelierbauten enthüllt. Dieser Eindruck entsteht im Film keine Sekunde. Selten hat man Sets erlebt, die Verfall und Verwesung so bildhaft machen können. Die bulgarischen Kulissenbauer haben hier eine Meisterleistung geliefert.

Der Aspekt des Ausgeliefertseins wird durch die Tatsache unterstützt, dass Marie Jones zwar in Russland geboren und trotzdem eine Fremde ist. Das Land und die Menschen sind ihr fremd und machen ihr Angst. Die daraus resultierende Unsicherheit ist ein wichtiges Element, das der unsichtbare Fallensteller geschickt ausnutzt.

Geister werden von durchaus menschlichen Gefühlen motiviert. Leider sind diese meist negativer Natur. Marie und Nicolai haben doppeltes Pech: Sie tappen einem Gespenst in die Falle, das sich sowohl für angeblich erlittenes Unrecht rächen als auch die Geschwister in seine kleine private Hölle sperren will, als die sich die Insel letztlich entpuppt.

Es dauert erfreulich lange, bis sich die Hintergründe klären. Bis es soweit ist, geraten unsere drangsalierten Hauptdarsteller in immer neue Rätsel und Schrecken, die sich nachträglich zu einer Geschichte des Schreckens zusammensetzen lassen. Die Konsequenz des Plots ist lobenswert; hier gibt es kaum Genre-Klischees und kein Ausbrechen in letzter Sekunde, wobei schwere Waffen und plötzlich an den Tag gelegte Nahkampf-Erfahrungen ins Spiel kommen. Cerdà findet einen klugen Ausweg: Der Kreis-Konstruktion des Films entsprechend schlägt Gewalt auf jene zurück, die sie anwenden. „The Abandoned“ läuft trotz des vertrackten Plots wie auf Schienen seiner logischen Auflösung entgegen.

Gewisse Zugeständnisse macht der Regisseur übrigens doch an die splatternde Konkurrenz. „The Abandoned“ läuft in Deutschland ohne Jugendfreigabe, obwohl 93 von 95 Minuten problemlos ab 12 Jahren freigegeben werden könnten. In den bewussten zwei Minuten geht es freilich beinhart zur Sache. Weil die Geschichte in der Regel gewaltarm abläuft, sorgen diese Brutalitäten für umso größeren Schrecken. Genau das ist der Effekt, den der Regisseur erzielen möchte, und das ist auch die Begründung dafür, dass diverse Szenen dem Zuschauer an die Substanz gehen: Hier wird kein Blut der Unterhaltung wegen vergossen, sondern im Rahmen einer teilweise grausamen Geschichte.*

Ein Film (auch) für erwachsene Zuschauer

Dass uns mit „The Abandoned“ ein Film für ‚erwachsene‘ Gruselfreunde präsentiert wird, macht die Besetzung von der ersten Minute an klar. Kein Teenie weit und breit (nur ein verhärmtes Bauernmädchen), stattdessen spielen zwei Hauptdarsteller, die ihren 40. Geburtstag beide hinter sich gelassen haben und denen man das auch ansieht.

Anastasia Hille tritt hauptsächlich in englischen TV-Filmen und -Serien auf. Das zunehmende Entsetzen einer an sich starken Frau, die ihrer Einsamkeit entrinnen wollte und dabei vom Regen in die Traufe gerät, weiß sie überzeugend zu vermitteln. Manchmal ist die Medizin tödlicher als die Krankheit. Das hat sie am Ende gelernt, aber dieses Wissen bereitet ihr keine Freude.

Karel Roden ist nicht nur ein viel beschäftigter und ebenfalls fabelhafter, sondern auch ein international bekannter Darsteller. Seit zehn Jahren tritt er verstärkt in nicht-russischen Produktionen auf, wo er Rollen in unterschiedlichen Filme wie „Hellboy“ (2002; hier mimt er hollywoodkonform den Klischee-Russki Grigori Rasputin) oder „Mr. Bean macht Ferien“ (2007) spielt. Als Nicolai ist er das perfekte Gegenstück seiner ‚Schwester‘ Marie: Während sie ins Ausland ging, blieb er in Russland und wurde Teil des Landes, das ihr verschlossen bleibt, obwohl er ihr Zwilling ist und sich mit ihr verbunden fühlen müsste.

In den Nebenrollen spielen Russen die Russen – auch in einer europäischen Produktion keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Diese Darsteller ließ Regisseur Cerdà fast ausschließlich in ihrer Muttersprache reden und verzichtete auf Untertitel. So teilt sich Maries Gefühl des Fremdseins abermals dem Zuschauer mit.

DVD-Features

Da „The Abandoned“ eine ‚kleine‘ Produktion ist, sind die Features mager ausgefallen:  ein englischer und ein deutscher Kinotrailer und eine Bildergalerie, die sich kaum jemand anschauen wird.

Sehenswert ist das Making-Of. Während dieses Mal vor allem der Regisseur viel Unfug über das psychologische Spektrum seines Werks verzapft, halten sich die Darsteller mit gegenseitigen Lobpreisungen zurück und sprechen tatsächlich über ihre Rollen, zu denen sie Interessantes zu sagen haben. Wenn sich Nacho Cerdà auf die technischen Aspekte des Films beschränkt, legt er großes Fachwissen an den Tag. Das Entstehen von „The Abandoned“ wird durch gut gewählte Ausschnitte, Aufnahmen von hinter den Kulissen oder Storyboard-Zeichnungen dokumentiert.

Weitere Extras bietet – so lange es sie denn gibt – die schön gestaltete und animierte Website.

Bild und Ton sind übrigens brillant. „The Abandoned“ gehört zu den Filmen, die auf der breiten Leinwand und durch eine möglichst exzellente Tonanlage eindeutig gewinnen.

*Anmerkung (ACHTUNG: Spoiler!)

Es soll und darf nicht verschwiegen werden, dass die Story im Finale ein gewaltiges Logikloch in die Handlung schlägt. Wie schafft es ein Einöd-Geisterbauer, gestorben 1966, sich im Moskau des Jahres 2006 eine überzeugende Zweitexistenz als Anwalt zu schaffen? Auf diese Weise kann Kaidavosky senior seine Kinder zurück nach Russland locken, doch dieser Kniff wirkt doch sehr, sehr weit hergeholt.

Ach ja: Wie kommt eigentlich Nicolais Ex Natalya ins Spiel? Um von ihrer Existenz zu erfahren und ihr Ebenbild zu schaffen, muss Kaidavosky erneut auswärts gespukt haben. Wenn er das kann, wieso schafft er es nicht, Maries Tochter Emily ebenfalls nach Russland zu locken?

Einen hab’ ich noch: Wenn Nicolais Leben sich ausschließlich in Russland abgespielt hat, wieso spricht er dann Englisch und kann sich mit Marie verständigen, die nur diese Sprache versteht?

Oder spielt sich das gesamte Geschehen doch nur in Maries wirrem Kopf ab …?

[md]

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GELD.MACHT.LIEBE – Volume 1 – Wie alles begann

Erstellt von Günther Lietz am 8. Dezember 2009

Bei Libri.deGELD.MACHT.LIEBE
Volume 1 – Wie alles begann
Pilotfolge & Folge 1-5

Autoren: Jörg Brückner, Heike Brückner von Grumbkow
Regisseure: Christine Kabisch, Helmut Metzger
Musik: Hans Günter Wagener
Produzenten: Thomas Hroch, Gerald Podgornig
Produktionsjahre: 2008/2009
Produktionsunternehmen: Tivoli Film Produktion GmbH, Lisa Film GmbH
Verlag: edel motion

Darsteller: Anna Bertheau, Jytte-Merle Böhrnsen, Michael Brandner, Gunther Gillian, Jana Klinge, Roland Koch, Peter Kremer, Nana Krüger, Kai Lentrodt, Gerlinde Locker, Angela Roy, Susanne Schäfer, Anke Sevenich, Johannes Zirner

Die Serie „GELD.MACHT.LIEBE“ lief mit niedrigen Einschaltquoten bis 2009 im öffentlich rechtlichen Fernsehen und wurde von der Filmfirma Tivoli Film/Lisa Film für ARD und ORF produziert. Bei edel motion wurde die zur Serie passende DVD-Box auf den Markt gebracht: „GELD.MACHT.LIEBE: Volume 1 – Wie alles begann“. Das die Serie im TV kein Erfolg war, wird sicherlich ein Rätsel bleiben. Vielleicht lag es an den falschen Erwartungen.

Bereits im Vorfeld stellten die Produzenten eine Verknüpfung zu „Dallas“ her und beschworen den Geist dieser us-amerikanischen Kultserie, die als Pate für „GELD.MACHT.LIEBE“ herhalten sollte. Beide Serien handeln von einer Familiendynastie und sicherlich ist die deutsche Serie mit Motiven aus „Dallas“ konzipiert worden, kommt aber viel ländlicher und familiärer daher, als das große Vorbild aus den USA.

In „GELD.MACHT.LIEBE“ dreht sich alles um das Finanzunternehmen Rheinberg und dessen Angehörige. Die von Rheinbergs leben  luxuriös, beherrschen mit ihrer Bank die Frankfurter Finanzwelt, fördern die Kunst und frönen dem Reitsport. Sämtliche Familienmitglieder sind erfolgreich und die gealterte Liselotte (Gerlinde Locker) von Rheinberg achtet penibel auf Sitte, Anstand und Stand. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Sohn Markus (Roland Koch) die Firma und führt mit seiner Frau Sophia (Susanne Schäfer) eine vorbildliche Ehe, die wohlerzogene Kinder hervorbrachte: Frank (Johannes Zirner), Elena (Jana Klinge) und Marietta (Jytte-Merle Böhrnsen). Frank wird eines Tages die Firma übernehmen, Elena und ihr Mann Martine La Rocca (Gunther Gillian) – ein erfolgreicher Polospieler – kümmern sich um das Gestüt und Marietta hat eine gute Partie in Aussicht.

In den ersten Minuten des Pilotfilms wird eine bezaubernde Familienidylle aufgebaut, die jeglicher kritischen Betrachtung standhält. Geschickt wird ein herrliches Bauwerk errichtet, dass es später gezielt zu demontieren gilt. Erst Stück für Stück, dann Wand für Wand – bis nur noch die Grundmauern übrig sind. Das geschieht aber schleichend.

Zuerst einmal entpuppt sich die junge und talentierte neue Mitarbeiterin Ariane Seiler (Anna Bertheau) als Nichte von Markus. Auf der Suche nach ihren Wurzeln hat sie die von Rheinbergs gefunden und sich erst einmal heimlich einen Blick auf ihre Familie verschafft. Zu spät erkennt Ariane, warum ihre sich Mutter – Mona (Angela Roy) – von der Familie abwandte. Die von Rheinbergs hegen noch immer Groll und wäre es einst nach ihnen gegangen, hätte Ariane nie das Licht der Welt erblickt. Zu allem Übel stirbt auch noch Friedrich Blessmann (Ernst Jacobi), ein enger Vertrauter der Familie. Sein Sohn Alexander (Peter Kremer) sieht in den von Rheinbergs die Schuldigen und nutzt seinen Posten als städtischer Beamter, um ihnen zukünftig übel zuzusetzen.

Diese zwei ersten Nadelstiche in das makellose Äußere lassen schnell die Luft aus dem künstlich aufgeblasenen Familienclan. Der schöne Schein bricht nun stellenweise zusammen, was spannend inszeniert wurde und sehr plastisch geschieht. Arianes Initiative ruft natürlich auch ihre Mutter Mona auf den Plan, was wiederum zu Verwicklungen führt. Alter Hass, Vorurteile und Ängste brechen hervor. Zudem beginnt sich das Liebeskarussell schnell zu drehen. Tote Huren, Bestechung, Affären und Unfälle sind weitere Elemente, die am schönen Schein kratzen und mit jeder weiteren Episode die von Rheinbergs deklassieren. Das ist Unterhaltung pur!

Dabei bleibt die Serie stets sehr ländlich und in einem familiären Rahmen. Die wirtschaftlichen Verwicklungen der Beteiligten werden zurückhaltend behandelt und nur punktiert eingesetzt. Dadurch mangelt es „GELD.MACHT.LIEBE“ leider ein wenig am Nervenkitzel der Hochfinanz, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig gewollt auf den Figuren und ihren Beziehungen untereinander. Durch ständig wechselnde Verhaltensweisen, aber stets den persönlichen Motiven treu, ergibt sich ein dynamisches Gesamtbild, das mit ständigen Überraschungen und Offenbarungen aufwartet.

Einige dieser Überraschungen wirken jedoch etwas aufgesetzt, gar deplatziert. Dazu zählt der Handlungsstrang von Grace Chang, Staatsanwältin und Freundin von Frank von Rheinberg. Scheinbar war die geheime Beziehung zwischen der Staatsanwältin und dem Finanzier ungenügend und mit dem mysteriösen Tod von Changs Vater sollte eine persönliche dramatische Komponente eingebracht werden. Doch genau diese Komponente wirkt künstlich, beinahe wie ein Fremdkörper. Hier zeigt das an sich hervorragende Drehbuch Schwäche.

Im Zentrum der Handlung stehen erst einmal drei Personen, die als Leitsterne der Geschichte fungieren:  Liselotte, Markus und Mona – eine Mutter und ihre beiden Kinder. Diese Konstellation sorgt natürlich für Reibung, vor allem da die alten Feindschaften unvergessen sind. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Gerlinde Locker, Roland Koch und  Angela Roy bieten hier Schauspielkunst in Reinform. Mit offensichtlicher Spielfreude hauchen sie ihren Figuren Leben ein und sorgen für greifbare Persönlichkeiten. Dadurch wirkt „GELD.MACHT.LIEBE“ authentisch und auch die anderen Rollen wirken dadurch passend, da sie schlussendlich auf dem Konflikt zwischen diesen drei Menschen aufbauen.

Doch die Riege der anderen Darsteller leistet ebenfalls hervorragende Arbeit. Das gilt insbesondere für Anna Bertheau, die eine kluge und gleichzeitig kindlich naive Ariane Seiler zum Besten gibt – und zwar sehr überzeugend. Ariane sehnt sich nach ihrer Familie. Obwohl sie moralisch erzogen wurde, ist der Wunsch nach Anerkennung, nach Geld, Macht und Liebe größer, als ihre Verbindung zur Mutter. Und schlussendlich ist es Mona selbst, die in der abschließenden Episode der DVD-Box das Verhältnis zu ihrer Tochter in den Grundfesten erschüttert. Sehr ergreifend und fesselnd.

Wie es sich für eine Serie gehört, sind plötzliche Wendungen an der Tagesordnung. Dabei behält die Geschichte stets die Balance zwischen rotem Faden und Überraschungen. Es ist genau die richtige Dosis, die hier dem Zuschauer verabreicht wird. Auch das trägt zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. Warum die Serie geringe Einschaltquoten hatte und die Produktion schlussendlich eingestellt wurde, bleibt ein kleines Rätsel. Eventuell ist es zu viel Landleben und zu viel Familie, um als Geschichte einer Familiendynastie der Frankfurter Hochfinanz akzeptiert zu werden.

Die DVD-Box aus dem Hause edel motion wird der gediegenen Serie jedenfalls vollends gerecht. Das Cover zeigt im Innenteil der durchsichtigen Plastikbox einen kleinen Stammbaum der Familie, darin sind auch die Namen der Schauspieler eingetragen. Insgesamt sind drei Silberscheiben enthalten, die das Wappen der von Rheinbergs zeigen. Als Bonusmaterial gibt es auf der letzten DVD drei Interviews, die mit Roland Koch, Gerlinde Locker und  Angela Roy geführt wurden. Die Interviews weisen eine unterschiedliche Länge auf und kommen insgesamt auf mehr als dreißig Minuten. Die Fragen drehen sich natürlich alle um die Serie und geben informative Einblicke hinter die Kulissen.

Das Bild ist 16:9 PAL und sehr sauber. Auch der Ton in Dolby Digital 2.0 kommt gut daher, allerdings werden selten sämtliche Tonausgänge bemüht. Die Tonspur liegt auch nur in Deutsch vor, ein Untertitel fehlt vollkommen. Schade, aber auch kein allzu großer Missstand.

„GELD.MACHT.LIEBE: Volume 1 – Wie alles begann“ ist ein gelungener Einstieg in diese Serie. Eine gute Geschichte, Intrigen, persönliche Dramen und eine hervorragende Besetzung sorgen für Kurzweil – mit Tendenz zum Serienkult.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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