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Archiv für die 'Familie' Kategorie

Percy Jackson – Diebe im Olymp

Erstellt von Redaktion am 26. Februar 2010

Percy JacksonPercy Jackson – Diebe im Olymp

Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief
Produktionsland: USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Craig Titley
Roman: Rick Riordan
Produktion: Chris Columbus, Michael Barnathan, Karen Rosenfelt
Musik: Christophe Beck

Darsteller: Logan Lerman (Percy Jackson), Brandon T. Jackson (Grover Underwood), Alexandra Daddario (Annabeth Chase),Jake Abel (Luke Castellan), Pierce Brosnan (Chiron), Kevin McKidd (Poseidon), Sean Bean (Zeus), Steve Coogan (Hades), Rosario Dawson (Persephone), Catherine Keener (Sally Jackson), Uma Thurman (Medusa)

Die Herrschaft von Harry Potter neigt sich langsam dem Ende zu und so wird es Zeit einen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Spätestens mit dem voraussichtlich 2011 erscheinenden letzten Film der Potter-Reihe sollte der Prinz etabliert sein, um das Zepter aus der Hand des Königs zu nehmen. Percy Jackson dürfte aber ein Dreizack reichen, denn immerhin ist er Poseidons Sohn.

Aus der Feder von Rick Riordan stammen die Bestsellergeschichten des jungen Percys, der eines Tages entdeckt, dass er ein ganz besonderer Junge ist. Auf Grund seiner Abstammung genießt er fortan eine besondere Ausbildung und erlebt mit seinen Freunden gefährliche Abenteuer – die mit seiner Abstammung in Verbindung stehen. In seinem ersten Abenteuer muss Harry, Verzeihung, Percy (Logan Lerman), den gestohlenen Herrscherblitz zurückbringen. Ansonsten hauen die Götter des Olymps – allen voran Zeus – die Welt in Stücke. Zu allem Übel hat Hades Percys Mutter Sally (Catherine Keener) entführt und die muss gerettet werden.

Zusammen mit der süßen Kämpferin Annabeth Chase (Alexandra Daddario) – Tochter der Athene und ebenfalls eine Halbgöttin – und dem schwarzen Satyr Grover Underwood (Brandon T. Jackson) muss Percy erst einmal Zauberperlen suchen, dann in die Unterwelt reisen, dort die Mutter retten und anschließen auf dem Olymp Zeus von seiner Unschuld überzeugen. Der Film geht beinahe zwei Stunden, also ist dafür doch eigentlich genug Zeit …

So wie die Romanreihe, so ist auch der Film von Mister Harry Potter inspiriert. Und zwar sehr stark. Um Nägel mit Köpfen zu machen haben sich die Studiobosse dann auch Chris Columbus ins Boot geholt. Der hat seinerzeit die ersten beiden „Harry Potter“-Filme gedreht und weiß also genau, um was es geht. Und Columbus liefert auch genau das, was bestellt wurde: Kindertaugliche Massenunterhaltung nach Schema Potter. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist unterhaltsam, leidlich spannend, aber irgendwie schon mal dagewesen und austauschbar. Allerdings werden nun Sagengestalten und griechische Mythen bemüht, anstatt altenglische Mauern und britisches Zauberwerk. Egal, Hauptsache der Film weiß zu unterhalten.

Und das gelingt ihm auch. Chris Columbus vertrödelt keine unnötige Zeit mit ausgefeilten Dialogen und langweiliger Charakterentwicklung. Er gibt sofort Gas. Die platten Dialoge erklären die wichtigsten Zusammenhänge, dann folgt eine Szene nach der anderen. Selbst der vermeintliche Tod von Percys Mutter ist nur eine Sekunde der Besinnung wert, dann geht es weiter: Ab durch die USA, im Stile eines Roadmovies und genau so aufgemacht wie ein modernes Videospiel.

Glücklicherweise rast Percy zusammen mit seinen Freunden durch die Gegend und es ergibt sich dann doch die ein oder andere Szene, in der Schauspieler miteinander agieren. So deutet sich zwischen Percy und Hermine – Verzeihung – Annabeth, eine kleine Liebschaft an, während der drollige Juniorbeschützer Ron – Verzeihung – Rover, für den ein oder anderen Gag gut ist. Rover wird übrigens vom Komiker Brandon T. Jackson gespielt. Die Rolle ist einfach angelegt: Plappernder Schwarzer mit blöden Sprüchen, der von einem Problem ins Andere trudelt. Da fühlt sich der Zuschauer an die guten alten achtziger Jahre erinnert. Wenigstens macht Alexandra Daddario als Annabeth eine gute Figur und den lieben Percy heiß. Aber keine Bange, Percy wurde zwar um fünf Jahre für den Streifen gealtert (im Buch beginnen die Abenteuer als der Junge elf ist), aber dennoch bleibt alles sehr züchtig und in geordneten Bahnen. Okay, typisch amerikanisch gibt es zwar keinen Kuss, aber heftige Actionszenen und Kampfsequenzen, in denen der ein oder andere Darsteller schon mal ein wenig blutig aufgeschlitzt wird. Ja, so sieht verfilmte Doppelmoral aus.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ hält für die jugendlichen Zuschauer aber auch wichtige Weisheiten bereit. So sind Drogen einfach Kacke und niemand sollte einfach etwas Essen, das einfach so angeboten wird. Genau das geschieht nämlich im verlotterten Las Vegas und der heiße Drogenrausch entpuppt sich schon bald als große Gefahr, während im bunten Hintergrund Lady Gagas „Pokerface“ aus den Boxen dringt. Wenigstens hat der Film stellenweise einen guten Score.

Etliche Abenteuer und abgeschlagene Köpfe später rettet das lustige Trio die liebe Mutter von Percy. Schon erwähnt? Die Alleinerziehende hat sich natürlich nur wegen Percy mit einem stinkenden Säufer eingelassen, der seine Frau und den Stiefsohn wie Dreck behandelt. Daran können sich alle jungen männlichen Legastheniker die unter ADS leiden klammern, vielleicht ist ihr Vater ja auch ein Gott. Mehr jugendlicher Außenseiter geht einfach nicht.

Jedenfalls weiß der Film die Hoffnung zu bedienen. Um nun aus der Unterwelt zu fliehen (die fleißig zur Hölle christianisiert wurde, aber mit dem Eingang in Hollywood Ironie zeigt) muss leider einer zurückbleiben. Und wen trifft es? Natürlich den Schwarzen! Und jahrelang haben die Zuschauer geglaubt diese dunklen Klischee-Zeiten seien vorbei – Chris Columbus belehrt seine Zuschauer mit einem Griff in die Mottenkiste aber eines Schlechteren.

Auch die Spezialeffekte haben bessere Zeiten gesehen. Sie bewegen sich zwar über TV-Niveau, aber Kino-Standard sieht heutzutage einfach anders aus. Vor allem Pierce Brosnan als Zentaure ist einfach nur grottig umgesetzt. Es bleibt sowieso ein Rätsel, warum er und Uma Thurman in diesem Streifen mitspielen. Schauspielerische Leistung zeigt jedenfalls keiner von beiden.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist leidlich unterhaltsame Massenware, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen dürfte, da es einfache Teenie-Action ohne Experimente ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Percy Jackson von Carlsen bei Buch24.de:
“Percy Jackson 01. Diebe im Olymp”
“Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen”
“Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen”

“Percy Jackson” bei Booklooker.de

Abgelegt unter Abenteuer, Action, Familie, Fantasy, Kinder, Kino, Komödie, Mystery | Keine Kommentare »

In meinem Himmel

Erstellt von Redaktion am 25. Februar 2010

In meinem HimmelIn meinem Himmel

Originaltitel: The Lovely Bones
Produktionsland: Vereinigte Staaten
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 135 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Peter Jackson
Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Roman: Alice Sebold

Produktion: Peter Jackson, Carolynne Cunningham, Fran Walsh
Musik: Brian Eno
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: Jabez Olssen

Darsteller: Saoirse Ronan (Susie Salmon), Mark Wahlberg (Jack Salmon), Rachel Weisz (Abigail Salmon), Stanley Tucci (George Harvey), Susan Sarandon (Grandma Lynn), Jake Abel (Brian Nelson), Rose McIver (Lindsey Salmon)

Mit „In meinem Himmel“ hat sich der bekannte Regisseur Peter Jackson (“The Frighteners”, “Der Herr der Ringe”, “Heavenly Creatures”) an die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von Alice Sebold gewagt. Der Name Jackson wiegt dabei schwer und seine letzten Projekte lassen ein weiteres filmisches Schwergewicht erwarten. Vor allem die Herausforderung so schwerer Themen wie Vergewaltigung, Kindesmord und Trauer zu bewältigen werfen die Frage auf, wie Peter Jackson das alles in einem Film unterbringen will.

Anfang der siebziger Jahre lebt Susie Salmon (Saoirse Ronan) in einer kleinen amerikanischen Gemeinde. Alles ist friedlich und die erste große Liebe hat die vierzehnjährige in ihren Bann geschlagen. Doch bevor Susie sich mit ihrem großen Schwarm trifft, stößt sie nach der Schule mit Nachbar George Harvey (Stanley Tucci) zusammen. Der hat schon länger ein Auge auf das Mädchen geworfen und eine Kinderfalle gebaut. Da lockt er Susie hinein und bringt sie bei ihrem Fluchtversuch um.

Susie ist nun in einer Zwischenwelt gefangen. Sie kann ihre Lieben daheim beobachten, aber keinen Einfluss nehmen. In ihrem Himmel lernt sie ein Mädchen namens Holly Golightly (Holly Golightly ist der Name einer Musikerin und auch der Name der Hauptfigur in Truman Capotes Roman “Frühstück bei Tiffany”) kennen, erfährt mehr über diese neue und farbige Welt, erfährt auch mehr über ihren Mörder.

Der kommt in der Realität nämlich ungeschoren davon, während Susies Familie an dem Drama zu zerbrechen droht. Vater Jack (Mark Wahlberg) verdächtigt alle Menschen in seinem Umfeld, Mutter Abigail (Rachel Weisz) nimmt Reißaus in die Weinberge und nur Oma Lynn (Susan Sarandon) hält die Stellung. Und Harvey späht schon sein nächstes Opfer aus: Susies Schwester Lindsey (Rose McIver) …

Peter Jacksons Verfilmung nur an der Romanvorlage zu messen, wäre sicherlich unfair. Immerhin konzentriert sich das Buch auf die Vergewaltigung und den Mord an Susie, beschäftigt sich mit der Trauerbewältigung und der Charakterentwicklung. Alice Sebold spricht die Emotionen ihrer Leser an, schildert eindringlich das Grauen und den Umgang damit. Aber Jackson hat sich selbst den Roman ausgesucht und so muss er sich wenigstens den Vergleich mit den Kernthemen gefallen lassen. Und hier scheitert der Regisseur kläglich.

Das sich ein Film zwangsweise wenig auf die Charakterentwicklung konzentrieren kann ist verständlich. Die Zeit ist sehr bemessen, doch Jacksons Figuren werden kaum behandelt. Einzig Susie erfährt eine Entwicklung, alle anderen Figuren werden einfach abgehandelt. Kommt es zu Szenen, in denen es in die Tiefe gehen könnte, bleiben diese gewollt kurz und Peter Jackson wechselt zu einem opulenten Bild. Mark Wahlberg und Rachel Weisz bekommen gar keine Möglichkeit sich zu profilieren. Einzig Susan Sarandon bekommt Zeit zum Spielen eingeräumt. Diese wird dann genutzt um ein paar Lacher zu ernten und dem Film weiter die Ernsthaftigkeit zu entziehen.

Die tiefgehenden Gefühle und das Drama des Romans einzufangen misslingt dem Film. Jackson blendet die Vergewaltigung Susies vollständig aus, reißt den Mord nur an, verlässt sich auf einige Symbole, um darauf hinzuweisen. Gut für all diejenigen, die diese Symbole erkennen und zu deuten wissen. Doch die Bildpracht von Susies Zwischenwelt gibt sich alle Mühe, sämtliche dezente Symbolik zu übertünchen, zu übermalen. Peter Jackson hat in den CGI-Farbeimer gegriffen und sich ordentlich bedient.

Anstatt eines erschütternden Dramas schreibt er nun parallel eine Kriminalgeschichte und eine Mysterystory. Bevor er sich in der einen Geschichte verfängt, wechselt er dann schnell mal hinüber und lässt auch gerne Parallelmontagen ablaufen. Die sind vor allem zu Schluss nervig und deplatziert, wenn Susies Mörder die zerstückelten Reste seines Opfer verschwinden lassen will und gleichzeitig eine unschuldige Kussszene abgehandelt wird. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt dramatisch oder traurig, sondern einfach nur aufgesetzt. Zudem entzieht die jeweils eine Einstellung der anderen Einstellung die Substanz.

Personen und Handlung sind bei Jackson also zu vernachlässigen. Selbst Bösewicht, Kinderschänder und Mörder George Harvey wirkt zwar schaurig, aber keineswegs böse. Das wird wohl an FSK 12 liegen. So kommen zwar viele Leute in den Genuss des Films, aber der Film ist einfach zu weichgezeichnet und am Romanthema vorbei. Jackson verlässt sich lieber auf das was er kann: CGI-Effekte.

So inszeniert er opulent Susies Himmel, erinnert damit beinahe an die Farbenpracht von „Hinter dem Horizont“ (1998), ohne dessen Originalität zu erreichen. Denn durch Thema, Farbenpracht und Effekte kommt schnell der Verdacht auf, Jackson hätte sich an dessen Bildgestaltung fleißig bedient. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls auffallend und beide Filme sind stellenweise kitschig zu nennen. Dabei ging Regisseur Vincent Ward in seinem Streifen wenigstens keine großen Kompromisse ein.

Einziger Lichtblick in Jacksons „In meinem Himmel“ ist Saoirse Ronan (“Abbitte”, “City of Ember”), die trotz ihrer jungen Jahre (Jahrgang 1994) eine schauspielerische Glanzleistung zeigt. Ihr wird natürlich auch der größte Raum geboten und den nutzt sie gut aus. Schade nur, dass sie hier regelrecht verheizt wird. Sie und Stanley Tucci („Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio“) wurden dann auch für Filmpreise nominiert, wobei diese Nominierungen bei Tucci ein Rätsel bleiben. Sein Harvey ist und bleibt ein farbloses Etwas, ohne Persönlichkeit, ohne Ausstrahlung.

„In meinem Himmel“ ist an sich unterhaltsam, hinterlässt aber keine Spuren und auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Einzig Saoirse Ronan bleibt haften und die abschließende Erkenntnis, dass auch ein großer Regisseur kleine Haufen macht.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Goldmann-Taschenbuch “In meinem Himmel” bei Buch24.de

“In meinem Himmel” bei Booklooker.de

Abgelegt unter Drama, Familie, Fantasy, Kino, Kriminalfilm | 1 Kommentar »

Das Haus der Dämonen (DVD)

Erstellt von Michael Drewniok am 19. Februar 2010

haus-der-daemonenDas Haus der Dämonen

Originaltitel: The Haunting in Connecticut (USA/Kanada 2008)
Regie: Peter Cornwell
Drehbuch: Adam Simon u. Tim Metcalfe
Kamera: Adam Swica
Schnitt: Tom Elkins
Musik: Robert J. Kral
Darsteller: Virginia Madsen (Sara Campbell), Kyle Gallner (Matthew Campbell), Martin Donovan (Peter Campbell), Ty Wood (Billy Campbell), Erik Berg (Jonah), Elias Koteas (Reverend Popescu), Amanda Crew (Wendy), Sophi Knight (Mary), John Bluethner (Ramsey Aickman), D. W. Brown (Dr. Brooks), John B. Lowe (Mr. Sinclair) u. a.
Label: Falcom Media
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 12.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 10.12.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4048317359004 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4048317459001 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Wir schreiben das Jahr 1987. Das Leben meint es nicht gut mit Sara Campbell: Geld ist knapp, Gatte Peter liebäugelt mit der Flasche, kürzlich sind die Nichten Wendy und Mary vor den Eltern zu ihnen geflohen, und jetzt leidet Matt, der älteste Sohn, unter einer Krebserkrankung, die ihn schnell und tückisch umbringt. Einzige Hoffnung ist eine kaum erprobte Therapie, die jedoch nur im weit entfernten Connecticut angeboten wird.

In ihrer Not beschließen die Campbells, unweit des Krankenhauses, in dem Matt behandelt wird, möglichst kostengünstig ein Haus zu mieten. Leider erweist sich das einzige Gebäude in ihrer Preisklasse als ehemaliges Bestattungsinstitut, dessen Balsamierungskeller nie richtig ausgeräumt wurde. Außerdem war Dr. Aickman, der frühere Hausherr, ein Satanist und Totenbeschwörer, der makabres Schindluder mit den ihm anvertrauten Leichen trieb.

Das muss zunächst vor allem Matt erkennen, dessen Krankheit ihn empfänglich für jene übersinnlichen Schwingungen macht, die das alte Haus erfüllen. Bald wird er aus dem Jenseits als Bezugsperson für widerlich anzusehende Geister angepeilt, unter denen sich einer sogar namentlich vorstellt: Jonah war einst Aickmans Star-Medium, doch als der Doktor es mit seinen nekromantischen Eskapaden übertrieb, wurde Jonah unfreiwillig derjenige, der die Geister, die sein Herr rief, über das Haus brachte.

Den Campbells wird bald Angst & Bange: Türen schlagen, Lampen knistern, Schatten huschen durch die Gänge, während “Buh!”-Musik ertönt und dem armen Matt der hässlich angekokelte Jonah im Nacken sitzt. Glücklicherweise hängt im Krankenhaus am Tropf neben ihm Reverend Popescu, ein Fachmann für das Übernatürliche. Im Bund mit Mutter Sara und Cousine Wendy nimmt Matt den Kampf gegen die Plagegeister auf, die daraufhin in Sachen Dämonenspuk tüchtig aufdrehen …

Spuk für Gläubige & unterhaltungswillige Skeptiker

“Nach einer wahren Begebenheit”: Die Verwendung dieses Prädikats kündet von der erstaunlichen Risikobereitschaft einer Produktionsfirma, die darauf hofft, durch die Nacherzählung einer echten Besessenheit noch einigen neugierigen Zuschauern mehr das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu locken. Oder glaubt man sich auf das Wissen stützen zu können, dass weit mehr Menschen an störende Besuche aus dem Jenseits glauben, als sie öffentlich zugeben möchten?

Die Faktendecke ist ebenso bekannt wie fadenscheinig: 1986 zog die recht dysfunktionale Familie Snedeker ins Städtchen Southington, US-Staat Connecticut, und dort in das alte Hallahan-Haus, das sich als ehemaliges Bestattungsinstitut entpuppte. Diese Tatsache drückte zwar den Mietpreis, hatte aber zuvor nie für Aufregung der nun bald laut werdenden und von den Medien begierig aufgegriffenen Art gesorgt: Nach Auskunft der Eltern Carmen und Allen Snedeker, deren Aussagen von ihren Kindern und den ebenfalls eingezogenen Nichten bekräftigt wurden, trieben Poltergeister und/oder Dämonen ihr Unwesen in dem alten Gemäuer. Sie machten nachts Lärm, stahlen Kruzifixe und gingen schließlich erst Carmen und dann sogar Al an die Unterwäsche.

Mit den Medien erschienen ‘Parapsychologen’. Unter ihnen: die selbst ernannten Top-Geisterjäger Ed und Lorraine Warren, die u. a. schon die Geheimnisse des Amityville-Spukhauses (nicht) gelüftet hatten, sowie der Buchautor Ray Garton, der ein zum Bestseller gewordenes ‘Sachbuch’ über die Heimsuchung der Snedekers schrieb, für das er sich heute so schämt, dass er nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden möchte.

Nach zweieinhalb angeblich turbulenten Jahren zogen die Snedekers um, und in Southington kehrte (angeblich nach einem Exorzismus) schlagartig Ruhe ein. (Sieht man von der Invasion zahlreicher Geister-Touristen ab, die einen Blick auf das berüchtigte Spukhaus werfen wollten – und wollen.) Carmen Snedeker – inzwischen geschieden – ist heute als “Geist(er)führerin” tätig.

Medienspuk hilft filmischem Durchschnitt

Diese Vorgeschichte macht aus dem Hallahan-Institut beim besten Willen kein zweites Amityville-Haus. Aber es bedarf nur einiger Dreistigkeit im Umgang mit der Wahrheit sowie der Arbeit zweiter routinierter Drehbuchautoren, um ein wenig Schwung in die Geschichte von der “Heimsuchung in Connecticut” zu bringen.

Macht man so etwas richtig, kann man sogar auf Ideen verzichten. Genau das zeichnet “Das Haus der Dämonen” denn auch aus: Adam Simon und Tim Metcalfe tun exakt das, was sie im Interview lächelnd leugnen, und klauben aus der Geschichte des Spukhaus-Films diejenigen Elemente hervor, die schon früher funktioniert haben. Der erfahrene Zuschauer mag sich den Spaß machen und die Titel der auf diese Weise ‘ausgeschlachteten” Filme auflisten. Zwar ist solches Ausborgen ein traditionsreiches Vorgehen in Hollywood, doch die Gleichgültigkeit, mit der selbst junge Regisseure und Drehbuchautoren den Zuschauer mit Mittelmaß abspeisen, wirkt trotzdem erschütternd. Es gibt nicht einmal (bis auf die für den Horrorfilm immer nützliche Abwesenheit von Handys) einen guten Grund dafür, die Geschichte 1987 spielen zu lassen.

Womit keineswegs gesagt ist, dass dieser Film nicht unterhalten kann oder handwerklich schlecht geraten ist. Hollywood stößt sauber aus dem Klischeeblech gestanzten Durchschnitt quasi fabrikmäßig aus. “Das Haus der Dämonen” ist zwar bar jedes originellen Einfalls, wurde aber flott und kundig inszeniert, routiniert gespielt und anständig getrickst.

Routinejob für echte Schauspieler

Manchmal ist das Glück auch mit dem nicht ganz so Tüchtigen. In unserem Fall beinhaltet das die Entscheidung, für die Hauptrolle der Sara Campbell eine echte und richtig gute Schauspielerin zu engagieren: Virginia Madsen ist eine Veteranin ihres Metiers und immer noch gut im Geschäft. In Hollywood, dem Mikrokosmos des Jugendwahns und der plastischen Chirurgie, wo ein Darsteller-Jahr etwa zehn Lebensjahren entspricht, ist das keine Selbstverständlichkeit, zumal Madsen zumindest im Hüftbereich keine Konzessionen an zwar ungeschriebene aber mehr oder weniger zementierte Regeln macht.

Die Sara Campbell spielt Madsen ohne Probleme und überzeugend, was besondere Anerkennung verdient, weil eine solche Rolle – in der Not religiös gewordenes Muttertier hält im Alleingang Problemfamilie auf Kurs und nimmt es auch noch mit Geistern auf – sehr schnell ins übertrieben Lächerliche abrutschen kann, wovor Madsen sie bewahrt.

Kyle Gallner profitiert von der Krankheit, die er mimen muss. Das mag zynisch klingen, doch da auch er trotz seiner Jugend ein erfahrener Schauspieler und seine Rolle sorgfältig ausgearbeitet ist, kann er recht gelassen den bleichen Todeskandidaten geben.

Weniger vom Glück & vom Drehbuch begünstigt sind die übrigen Darsteller. Martin Donovan fällt als hart geprüfter und für zu weich befundener Vater einmal in die Wodka-Flasche, aber nachdem Clan-Chefin Sara ihm dafür mächtig den Kopf gewaschen hat, findet er umgehend in die Nebenrolle des treusorgenden aber selten anwesenden Ernährers zurück.

Donovan kann sich noch glücklich schätzen, wie der arme Elias Koteas erfahren musste. Einmal abgesehen von der ziemlich geringen Chance, über einen Dämonen-Kundler und Exorzisten quasi zu stolpern, wirkt Koteas in der ausgelaugten Rolle des leicht überforderten aber in der Krise glaubensstarken Priesters (und unter seinem lächerlichen Pepita-Hütchen) eher von allen Geistern verlassen.

Überstunden für die Kulissenbauer

Obwohl “Das Haus der Dämonen” in Connecticut spielt, wich das Drehteam in das kostengünstigere Filmland Kanada aus. In der Provinz Manitoba ließ sich im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets das Hallahan-Haus weitgehend originalgetreu nachbauen. Das Innere entstand im Filmatelier; es entspricht allen Klischees eines verwunschenen Hauses, was dieses Mal durchaus anerkennend gemeint ist.

Auch die Filmtricks sind gut geraten. Altmodische aber eindringliche Prothesen- und Maskentricks werden durch dosierte CGI-Hexereien ergänzt aber nicht verdrängt. Da auch möglichst junge Zuschauer für das Werk bezahlen sollen, hielten sich die Tricktechniker etwas zurück. So wirken die seit immerhin sechzig Jahren in den Wänden des Hauses verwesenden Leichen erstaunlich frisch.

Traurig aber heute üblich ist jene Bearbeitung, der sich darauf richtet, die sorgfältig in Szene gesetzten Unheimlichkeiten nachträglich zu entschärfen. Damit die rächenden Geister nicht gar zu gruselig wirken, wurden sie für die Kinofassung künstlich ‘entfärbt’. Auf diese Weise verschwanden jugendgefährdende Blutflecken, die erst in der “Uncut”-Edition wieder rot zurückkehren. Solche Absurditäten sollte der Zuschauer mit Humor nehmen, da Ärger oder Grübeleien über die ‘Logik’, die hinter solchen Entscheidungen stecken mag, ohnehin zwecklos bleiben.

DVD-Features

An Extras wurde lobenswerterweise nicht gespart. Freilich sind die meisten Features recht obskur. Immerhin beginnt es konventionell: mit einem “Making-Of” zum Hauptfilm (“Zwei tote Jungen”), das man gesehen haben muss, weil es erstaunlich ist, wie viel Unfug sich in nur einer Viertelstunde verzapfen lässt! Jenseits der lästigen aber üblichen gegenseitigen Lobhudeleien – wie der Zufall so spielte, sind sich nur die Besten ihrer Branchen und gleichzeitig liebeswertesten Menschen dieses Planeten auf dem Set begegnet – entblöden sich die interviewten Darsteller, Drehbuchautoren und sonstige Mitarbeiter nicht, von ‘unheimlichen’ Vorfällen während der Filmarbeit zu munkeln: Mysteriöse Geräusche ertönten, der Fernseher sprang in der Nacht plötzlich an, es wurde schlagartig kalt in einer Ecke der Abstellkammer; die Peinlichkeiten wollen kein Ende nehmen.

Unter dem Titel “Bloße Einbildung? Was steckt hinter paranormalen Erscheinungen?” dürfen Para-Psychologen u. a. ‘Experten’ 13 (!) Minuten düster und unter sorgfältiger Umgehung nachprüfbarer Fakten über Geister und sonstige Repräsentanten jener Welt schwadronieren, die sich (nach Ansicht des Rezensenten) primär dort einstellen, wo die ärztlich verordnete Einnahme hilfreicher Psychopharmaka verweigert bzw. durch die Selbstkur mit Hilfe hochprozentiger Alkoholika ersetzt wird.

Dazu passt eine zweiteilige ‘Dokumentation’ (“Ein wahr gewordener Albtraum: Erneuerte Nachforschungen”), in der viele jener Zeitgenossen, die es 1986 ins wahre Haus der Dämonen verschlug, noch einmal ihre oft erprobten Geschichten erzählen dürfen. Eingeleitet wird dies durch eine Erklärung, aus der hervorgeht, dass sich die Firma Lionsgate, die “Das Haus der Dämonen” vertreibt, keineswegs mit den nun folgenden Aussagen identifiziert, was sehr bezeichnend und schnell auch verständlich ist: Diverse Mitglieder der Familie Snedeker sowie die ‘Geisterforscherin’ Lorraine Warren kochen den abgestandenen Brei vom Spuk im Hallahan-Haus auf, während die ehemaligen (und aktuellen) Nachbarn von keinerlei Auffälligkeiten, sondern höchstens von mentalen Dachschäden der Snedekers berichten.

Von allgemeinem Interesse ist endlich der Beitrag “‘Memento Mori’: Die Geschichte der postmortalen Photographie”, die wohl als wissenschaftliches Feigenblatt für die anderen Features dient. Stanley Burns, ein ausgewiesener Experte für das Thema, berichtet elf Minuten über die Tradition der US-amerikanischen Gedenk-Fotografie des 19. Jahrhunderts: Trauernde Eltern, Familienangehörige oder Freunde ließen sich mit ihren verstorbenen Kindern, Brüdern usw., die dafür möglichst ‘lebensecht’ hergerichtet wurden, fotografieren.

Die Features werden durch sechs “deleted scenes” abgerundet, deren Tilgung Regisseur Peter Cornwell per Audio-Kommentar erläutert.

Hier ist “Das Haus der Dämonen” im Internet präsent.

P. S.: “A Haunting in Connecticut” spielte weltweit 76,5 Mio. Dollar ein – eine stolze Summe, die eine gesunde Gewinnmarge garantierte. Die Folge ist typisch für Hollywood: Man sieht sich 2010 in “The Haunting in Georgia”!

[md]

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Preisrätsel/Gewinnspiel 5 x 1 -DVD:
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
In welchem Jahr spielt die Geschichte des Films? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald dreissig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Gewonnen haben: Caroline Schleich, Mark Käumlin, René Rösner-Jansen, Werner Koblechner und Ulrich weber. Herzlichen Glückwunsch!

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Blob – Schrecken ohne Namen

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Januar 2010

blob-1958Blob – Schrecken ohne Namen

Originaltitel: The Blob (USA 1958)
Regie: Irvin S. Yeaworth Jr.
Drehbuch: Theodore Simonson u. Kay Linaker
Kamera: Thomas Spalding
Schnitt: Alfred Hillmann
Musik: Ralph Carmichael
Darsteller: Steve McQueen (Steve Andrews), Aneta Corsaut (Jane Martin), Earl Rowe (Lieutenant Dave), John Benson (Sergeant Jim Bert), George Karas (Officer Ritchie), Olin Howland (alter Mann), Stephen Chase (Dr. T. Hallen), Lee Payton (Schwester Kate), Elbert Smith (Henry Martin), Hugh Graham (Mr. Andrews), Audrey Metcalf (Elizabeth Martin), Elinor Hammer (Mrs. Porter) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s
Erscheinungsdatum: 27.10.2005 (Kauf-DVD)
EAN: 4020974158336 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 12

Das geschieht:

Irgendwo über dem US-Staat Pennsylvania geht im Sommer des Jahres 1957 ein Meteorit nieder. Ein alter Einsiedler findet an der Absturzstelle einen seltsamen Gallertklumpen, der sich plötzlich an seiner Hand festsaugt. Voller Panik sucht der Alte Hilfe und läuft auf der Landstraße beinahe dem jungen Steve Andrews vor den Wagen, der sich mit seiner Freundin Jane einen schönen Abend im Grünen machen wollte. Sie bringen ihn zu Dr. Hallen, der ratlos mit ansehen muss, wie sein Patient von dem Amöbenwesen absorbiert wird, bevor es ihn und eine Krankenschwester frisst.

Steve und Jane alarmieren die Polizei. Während die Kreatur heimlich durch den Ort schleicht, brave Bürger vertilgt und dadurch immer größer wird, stoßen sie nicht nur auf dem Revier, sondern auch bei den Eltern mit ihrem Bericht über ein “Monster aus dem Weltall” auf Skepsis. Als der gigantisch angeschwollene “Blob” ein Kino überfällt, ist es zu spät für Gegenmaßnahmen: Das Wesen ist schussfest, resistent gegen Säure und auch durch Starkstrom nicht umzubringen. Wieder ist es Steve, der seine Achillesferse entdeckt: Der Blob verträgt keine Kälte. Allerdings ist es schwierig, dies der Polizei mitzuteilen, weil Steve mit Jane und einigen weiteren Pechvögeln in einem kleinen Restaurant festsitzen, das der Blob buchstäblich in sich aufgenommen hat, um sich in Ruhe den leckeren Flüchtlingen im Keller widmen zu können …

“BEWARE OF THE BLOB, IT CREEPS …” : Der Blob und die Russen

Spätestens nachdem ab 1949 auch des Satans irdische Schergen – die Kommunisten aus der Sowjetunion – über die Atombombe verfügten, wuchs unter den Bravbürgern der USA die Angst, dass diese eines gar nicht fernen Tages über ihren Häuptern detonieren würde, bevor die eigenen Nuklearwaffen den dreisten Angreifer ausradieren könnten; nicht ganz so patriotisch veranlagte aber immerhin besorgte Zeitgenossen sahen sogar die gesamte Welt in einem III. Atom-Weltkrieg untergehen.

Die Furcht wurde nicht nur von der Politik oder den Medien, sondern auch von der (unterhaltenden) Kunst aufgegriffen. “Watch the Skies!”, lautete eine Parole der 1950er Jahre, denn von dort würden sie kommen, die “Roten” aus Russland. Im Kino taten sie das allerdings maskiert, denn damals wie heute hasst der Filmzuschauer es, am Feierabend mit Fakten belästigt zu werden. Also sahen die Sowjets wie Außerirdische aus, die sich durch die Hintertür in die USA einschlichen, um dort ihr böses Invasoren-Werk zu verrichten. Das war unheimlich und unterhaltsam zugleich und sorgte für jenes Geräusch, das Hollywood über alles liebt: das Klingeln der Kassen.

1958 konnte der Feind aus dem Osten deshalb problemlos wie der “Blob” sein: eine kollektiv gesteuerte Masse ohne individuelle Merkmale, die schleichend und mit dem Willen zur Zerstörung über ihre Opfer herfiel, sie nicht nur fraß, sondern absorbierte, d. h. sie sich einverleibte und für die eigene böse Sache versklavte. (Rot war sie übrigens auch noch.)

“… AND LEAPS AND GLIDES AND SLIDES …”: Kleine Stadt muss sich bewähren

Wie würden sich die Bewohner des kleinen, namenlosen Städtchens schlagen, das überall in den USA stehen konnte? Würden sie schlafen, die falschen Entscheidungen treffen, gar schreiend flüchten? Oder sich zusammentun, um dem Gegner entschlossen die Stirn zu bieten und ihn niederzukämpfen? Im kommerziell ausgerichteten B-Kino war dies eine rhetorische Frage: US-Bürger lassen sich vielleicht kurzfristig täuschen, weil sie nicht mit der Hinterlist eines hinterrücks angreifenden Feindes rechnen, aber dann besinnen sie ihrer gemeinschaftlichen Kraft und geben es dem Schurken doppelt heraus!

Dabei ist diese kleine Stadt kein friedlicher Ort. Bereits ohne den Blob geht es in ihren Straßen hoch her. Der Konflikt zwischen den Generationen entwickelte sich in den 1950er Jahren zu einem gravierenden Problem. Auf der einen Seite standen die “Eltern”, die in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und des II. Weltkriegs aufgewachsen waren und Gehorsam, Disziplin und Konformität forderten. Dem widersprachen die nach dem Krieg geborenen Teenager, die den Mangel nicht kannten, ihre in den Jahren des wirtschaftlichen Nachkriegsbooms entstandenen Freiräume testeten und sie für zu klein befanden.

“Rebels without a Cause” nannte man sie, “… denn sie wissen nicht, was sie tun”, unterstellte man ihnen. Mit James Dean in der Hauptrolle brachte es Regisseur Nicholas Ray 1955 allgemeinverständlich auf den Punkt. Eine Welle thematisch ähnlich gelagerter Filme folgte. Die meisten nutzten das Aufbegehren der “Halbstarken” nur als Vorwand für reißerische Action. Regisseur Yeaworth beschäftigt sich ernsthafter mit dem Konflikt. Steve und Jane scheinen an den Eltern, den Polizisten und anderen Respektspersonen vorbeizureden, sich gar in einer fremden Sprache zu artikulieren. Hinzu kommt das ständige Misstrauen der Älteren, die sich unsicher, herausgefordert und nicht respektiert fühlen. Ein Monster geht um, aber im Streit zwischen Alt und Jung geht diese Bedrohung lange unter.

“…ACROSS THE FLOOR / RIGHT THROUGH THE DOOR …”: Kinder – wild aber gut

Irvin S. Yeaworth (1926-2004), der Regisseur von “Blob”, war ein fundamentalchristlich geprägter Mann, der zahllose Kurzfilme und Features für kirchliche Radio- und TV-Sender realisierte. Ihm war es ernst mit seiner Darstellung des Generationskonfliktes. Die ernsthafte und gleichzeitig naive Herangehensweise an das Thema fordert den Spott des heutigen Publikums heraus, das mehr als fünf Jahrzehnte später freilich aus der Perspektive dessen urteilen kann, der mit der Gnade der späten Geburt gesegnet wurde.

Yeaworth überzeugt nicht, er manipuliert, denn er meint, die Lösung zu kennen. Er personifiziert sie in der Figur des Lieutenant Dave, der zwischen den Generationen vermittelt und verdeutlicht, dass Steve, Jane und ihre Altersgenossen vielleicht ein wenig ungestüm aber vertrauenswürdig sind. Diesem Integrationsprozess widmet sich Yeaworth, unterstützt vom Autorenteam Theodore Simonson u. Kay Linaker, so intensiv, dass der Blob aus dem Geschehen verschwindet. Dennoch wird noch heute deutlich, wie provokativ einige Szenen einst gewirkt haben müssen. Wenn zum Beispiel Mr. Andrews, ein Lehrer, seinen Schlüssel zur Schultür, hinter der dringend benötigte Feuerlöscher lagern, vergisst und sich einen Stein greift, inszeniert Yeaworth, wie Andrews, dem der Blob im Nacken sitzt, sichtlich zögert, den für ihn unerhörten Bruch mit den Regeln zu vollziehen und eine Glasscheibe einzuschlagen. Als er es endlich tut, bestaunen ihn seine Schüler ehrfürchtig: Der Kontakt zwischen den Generationen ist möglich, auch wenn es einer Notlage bedarf, um eine Brücke zu schlagen!

“… AND ALL AROUND THE WALL …”: Darf nichts kosten, soll viel einbringen

Kommen wir nach dem, was den “Blob” indirekt interessant macht, endlich zu dem, was dieser Film eigentlich ist und sein sollte: kostengünstig produzierte Unterhaltung mit einem möglichst hohen Einspielergebnis! Aus kommerzieller Sicht ging die Planung voll auf: Bei einem Budget von um die 150.000 Dollar spielte “Blob” an den Kinokassen 4 Mio. Dollar ein. Weil die Produzenten außerdem das Glück hatten, zufällig einen zukünftigen Filmstar (Steve McQueen) zu engagieren, blieb “Blob” der kollektiven Erinnerung erhalten und wurde allmählich mit dem Goldschmelz des Klassikers überzogen. Der hält einer kritischen Ritzprobe allerdings kaum stand: “Blob” bringt den Zuschauern von heute weder unter Berücksichtigung zeitgenössischer Beurteilungsfaktoren noch als kurioser Trash von Gestern allzu große Freude.

Wenig mehr als 80 Minuten beträgt die Laufzeit, die gefühlt wesentlich länger wirkt. Das liegt nicht nur an der Abwesenheit des Blobs, sondern auch an einem hastig aus Versatzstücken geschustertem Drehbuch und einer ungeschickten Regie, die ganz einfache Dinge unnötig verkompliziert, um Spannung dort zu schüren, wo sie sonst nicht entstehen würde. Immer wieder nimmt Yeaworth das Tempo aus der Handlung und lässt seine Darsteller reden, reden, reden, bis die Hand des Zuschauers die Vorspultaste sucht. “Blob” fehlt ein echter Spannungsbogen. Das Geschehen zerfasert in Episoden, und selbst in den gelungenen Sequenzen spotten logikfreie Wendungen jeglicher Beschreibung. (Was ist beispielsweise von der Intelligenz eines Doktors zu halten, der deutlich sieht, wie sich im Nebenzimmer die Decke über seinem von einem mysteriösen Gallertwesen befallenen Patienten hebt und senkt, aber nicht an den Behandlungstisch stürzt, sondern seelenruhig eine Krankenschwester anruft, die ihm bei einer Arm-Amputation helfen soll?)

Während der Zuschauer den Anblick des lausig animierten Blobs (dazu gleich mehr) in einem über fünfzig Jahre alten Film akzeptiert und verzeiht, tötet die Penetranz, mit der junge aber völlig ausgewachsene Männer und Frauen dem Publikum als “Kinder” verkauft werden, jegliche Glaubwürdigkeit. Wer ‘junge’ Hauptrollen besetzt, sollte dafür mindestens jugendlich wirkende Darsteller engagieren. Die “Blob”-Kinder sind sämtlich weit über 20, und das sieht man ihnen so deutlich an, dass ihr Verhalten durchweg lächerlich wirkt. (Steve McQueen war während der Dreharbeiten 27 und seit zwei Jahren verheiratet; das wird im Film übrigens dokumentiert, weil McQueen sich entweder weigerte, vor der Kamera seinen Ehering abzulegen, oder niemand hinter der Kamera bemerkte, dass er ihn trug – auch nicht Aneta Corsaut als ‘jungfräuliche’ Jane von 24 Jahren …)

“… A SPLOTCH, A BLOTCH …”: Das Monster aus der Tube

Der Blob erweist sich als Kind der modernen Industriechemie. Zwar soll er angeblich vom Himmel gefallen sein, aber seine tatsächliche Herkunft ist irdisch: Entweder wurde er (oder es) im Film von einem blobbig maskierten Plastikballon gedoubelt, der mehr schlecht als recht in ‘bedrohlich’ wirkende Bewegungen versetzt wurde und sich höchstens schleppend von der Stelle bewegen konnte, oder rot gefärbtes Silikon gab ihm seine gallertige Konsistenz. Diese haltbare Masse wabert wie Wackelpudding und lässt sich durch kleine Öffnungen wie Türritzen oder Belüftungsgitter pressen, was (1958 zuverlässig und heute mit etwas gutem Zuschauer-Willen) wirkt, als ob der Blob seinen Opfern entgegen quillt.

Wenn er im Finale erst durch ein Kino tobt und anschließend ein ganzes Restaurant unter sich begräbt, dann wurde das eine als Miniatur nachgebaut und das andere einfach als Foto eingeblendet, über das der Silikon-Blob geschüttet wurde. Nicht einmal betrunken lässt sich diese Offensichtlichkeit ignorieren. (Dass etwas nicht stimmt, merkt man auch daran, dass viele der ‘panisch’ vor dem Blob flüchtenden Statisten – sie wurden unter der Bevölkerung des Städtchens Phoenixville in Pennsylvania rekrutiert, in dem die Außenaufnahmen entstanden – von einem Ohr zum anderen grinsen und einen Heidenspaß haben; die Szenen wurden nicht neu gedreht, sondern einfach im Film belassen.)

Die Tricktechnik war halt noch nicht sehr weit, und “Blob” entstand nicht in einem der großen Hollywood-Studios, sondern als unabhängige Produktion. Immerhin reichte das Budget, um einen skurrilen Zeichentrick-Vorspann zu finanzieren, dem ein urkomischer aber sehr stilvoller Rocksong mit dem Titel “Beware of the Blob” (Co-Komponist: Burt Bacharach!) unterlegt wurde. (Was aus dem Silikon-Blob wurde, der den Drehschluss glänzend überstand, lässt sich unter dem Titel “The Man Who Owns the Blob” hier nachlesen.

“… BE CAREFUL OF THE BLOB!”: Der Schatten des Blobs

Nach dem erstaunlichen Einspielergebnis hätte ein Hollywood-Studio umgehend eine (noch billiger produzierte) Fortsetzung nachgeschoben. Das unterblieb jedoch. Bis 1972 ruhte der Weltraum-Pudding gut gekühlt in der Arktis, in die ihn die Army (die es zu ihrem Leidwesen nicht hatte zerstören können) 1957 verfrachtet hatte. Dann befreite ihn ausgerechnet Larry Hagman, der “J. R.” aus der TV-Seifenoper “Dallas”, in seiner einzigen Regiearbeit “Beware! The Blob” und ließ ihn komödienhaft und trashig durch Los Angeles toben.

1988 gelang Chuck Russell ein “The Blob” betiteltes Remake des Originals, das dieses inhaltlich wie formal weit übertraf. Ein blutjunger Kevin Dillon und eine noch jüngere Shawnee Smith (“Saw” I – ?) in den Hauptrollen gaben wesentlich überzeugendere Teenager ab als McQueen & Corsaut, und die soliden Tricks sowie ein ruppiger, oft schwarzer Humor haben diesen Film zu Recht zu einem Genre-Klassiker geadelt. (Wie sich die Zeitläufte geändert haben, belegt die Tatsache, dass der Blob 1988 einem außer Kontrolle geratenen Militär-Experiment der US-Regierung entsprang.)

“So lange die Arktis gefroren bleibt, sind wir außer Gefahr”, lautet der letzte Satz, den wir im “Blob” von 1958 hörten. Im Zeitalter der globalen Klimaerwärmung klingt diese Äußerung unheilvoll, und in der Tat rührt sich der Blob schon wieder, um 2011 und dieses Mal unter der Regie von Rob Zombie grimmiger denn je über diese Welt zu kommen …

DVD-Features

2005 erschien eine deutsche DVD-Ausgabe von “Der Blob”, der dieser alte, immerhin in Farbe und Breitwandformat entstandene Film adäquat aufgespielt wurde. Wie es einem Klassiker – auch einem fragwürdigen – gebührt, ergänzten ihn diverse interessante Features. So findet man auf dieser Scheibe (englischsprachige) Audiokommentare von Jack H. Harris (Produzent), Bruce Eder (Filmhistoriker), Irvin S. Yeaworth Jr. (Regie) und Robert Fields (Nebendarsteller des ‘Teenagers’ Tony Gressette).

Darüber hinaus kann man sich des originalen Kinotrailers erfreuen, der “Blob” als Quelle für durch Furcht bedingte Herz- und Hirnschläge hinstellte und dadurch erst recht lockte, die alte deutsche Titelsequenz sehen – auch Vorspänne wurden einst übersetzt – und sich über Steve McQueens Leben und Filmkarriere informieren. Ein hübsches Booklet mit Bildern, Zeichnungen und Plakatmotiven rundet die Extras ab.

(Die den Kapitelüberschriften vorangestellten Zitate stammen aus dem weiter oben erwähnten Titelsong “Beware of the Blob”; Text: Burt Bacharach & Hal David.)

P. S.: Wenn unser Ungeheuer “Blob” heißt, wie kann es dann ein “Schrecken ohne Namen” sein?

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The Abandoned – Die Verlassenen

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Dezember 2009

abandonedThe Abandoned – Die Verlassenen

Originaltitel: Los Abandonados (GB/Spanien/Bulgarien 2006)
Regie: Nacho Cerdà
Drehbuch: Karim Hussain, Nacho Cerdà, Richard Stanley
Kamera: Xavi Giménez
Schnitt: Jorge Macaya
Musik: Alfons Conde
Darsteller: Anastasia Hille (Marie Jones), Karel Roden (Nicolai), Valentin Ganev (Andrei Misharin/Kolya Kaidavosky), Paraskeva Djukelova (Olga Kaidavosky), Carlos Reig-Plaza (Anatoliy), Kalin Arsov (Bauer), Svetlana Smoleva (Bäurin) Anna Panayotova (Bauerntochter), Jordanka Angelova (Greisin), Valentin Goshev (alter Bauer), Jasmina Marinova (alte Bäuerin), Monica Baunova (Emily), Marta Yaneva (Natalya) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s
EAN: 4020974163354
Erscheinungsdatum: 16.12.2007 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch (für Hörgeschädigte)
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: ca. 95 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Das geschieht:

Irgendwo in der russischen Sowjetunion bleibt im Jahre 1966 vor einem einsamen Bauernhaus ein Lastwagen stecken. Im Führerhaus findet der erschrockene Bauer eine blutüberströmte, tote Frau und zwei schreiende Babys.

Vierzig Jahre später kehrt Marie Jones, geborene Kaidavosky, nach Russland zurück. Die einsame Frau sucht nach den Wurzeln ihrer Familie. Nachdem man sie an der Seite der toten Mutter gefunden hatte, wurde sie von einer englischen Familie adoptiert. Dass sie einen Bruder hat, weiß sie nicht. In Moskau hat Marie den Anwalt Andrei Misharin beauftragt, Nachforschungen über die Kaidavoskys anzustellen. Er muss ihr mitteilen, dass keine Aufzeichnungen existieren. Das Familiengut hat er immerhin als Maries Erbe gesichert. Sie beschließt vor Ort selbst zu ermitteln.

Das Gut liegt auf einer einsamen Insel inmitten eines reißenden Flusses. Seitdem Kolya Kaidavosky, der Hausherr und Vater Maries, 1966 seine Gattin Olga ermordet hat, ist das riesige Haus verlassen. Als Marie durch die verfallenden, modernden Räume streift, stößt sie auf Nikolai, ihren unbekannten Zwillingsbruder. Auch ihn hat eine seltsame Sehnsucht nach Wissen in das Elternhaus gelockt.

Hier geht es allerdings nicht mit rechten Dingen zu. Marie und Nicolai werden in der Nacht von leichenhaften Doppelgängern bedrängt. Sie lassen sich nicht bekämpfen, und trifft sie ein Schlag oder eine Kugel, werden auch die ‘Originale’ verletzt. Schlimmer noch: Die Geschwister müssen erkennen, dass sie nicht mehr von der Insel fliehen können. Jeder Versuch bringt sie nur zum Gut zurück. Dort mehren sich die Zeichen, dass die Phantome nicht die größte Bedrohung darstellen. Hinter ihnen steht eine noch unsichtbare Macht, deren Interesse offensichtlich darin besteht, die Geschwister für immer an das Gut zu binden …

Geisterfilm mit leichten Horror-Einschlägen

In der Historie des Horrorfilms nimmt die Geistergeschichte ein zwar nicht kleine aber relativ unauffällige Nische ein. Sie tritt gegenüber dem plakativen, geräuschvoll, hässlich und blutrünstig auftretenden Grusel zurück, der die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer leichter erregen kann. ‚Richtige‘ Geister haben es da schwerer, denn es liegt in ihrer Natur, das Reich der Toten quasi auf Katzenpfoten zu verlassen. „Spuk“ bedeutet nicht nur die Rückkehr von Seelen, die in der Welt noch etwas zu erledigen haben, sondern auch das Geistern im Augenwinkel ihres Betrachters: Sieht man genau hin, ist da scheinbar nichts. Es bleibt das unangenehme Wissen, dass dies keinesfalls zutrifft.

Das ist der Stoff, aus dem „The Abandoned“ gewoben wurde. Ein ungewöhnliches Projekt ist dieser Film: geschrieben und inszeniert von einem Spanier, in der Hauptrolle eine Engländerin, gedreht in Russland und Bulgarien. Letzteres ist nicht ungewöhnlich im 21. Jahrhundert, denn viele Produktionen lassen sich im ehemaligen Ostblock nieder, wo das filmische Knowhow hoch und der Lohn niedrig ist. Regisseur mit (Mit-) Drehbuchautor Nacho Cerdà erzählt freilich eine Geschichte, die explizit in Russland spielen soll und so, wie sie abläuft, wohl auch nur hier spielen kann. Er hat deshalb viel Recherche und Aufwand in die Rekonstruktion ‚typisch russischer‘ Schauplätze investiert, was sich definitiv auszahlt.

Die scheinbar unendliche Weite der Landschaft (dargeboten in echtem Breitwand-Format), ihre Einsamkeit und die archaische Lebensweise der nichtstädtischen Bevölkerung sind wichtige Elemente der Story. Das Kaidavosky-Gut ist buchstäblich eine Insel, von der es kein Entrinnen gibt. Diverse Fluchtversuche werden spannend in Szene gesetzt, um dies dem Zuschauer überzeugend zu vermitteln. Die Innenräume des Guts werden im „Making-of“ als Atelierbauten enthüllt. Dieser Eindruck entsteht im Film keine Sekunde. Selten hat man Sets erlebt, die Verfall und Verwesung so bildhaft machen können. Die bulgarischen Kulissenbauer haben hier eine Meisterleistung geliefert.

Der Aspekt des Ausgeliefertseins wird durch die Tatsache unterstützt, dass Marie Jones zwar in Russland geboren und trotzdem eine Fremde ist. Das Land und die Menschen sind ihr fremd und machen ihr Angst. Die daraus resultierende Unsicherheit ist ein wichtiges Element, das der unsichtbare Fallensteller geschickt ausnutzt.

Geister werden von durchaus menschlichen Gefühlen motiviert. Leider sind diese meist negativer Natur. Marie und Nicolai haben doppeltes Pech: Sie tappen einem Gespenst in die Falle, das sich sowohl für angeblich erlittenes Unrecht rächen als auch die Geschwister in seine kleine private Hölle sperren will, als die sich die Insel letztlich entpuppt.

Es dauert erfreulich lange, bis sich die Hintergründe klären. Bis es soweit ist, geraten unsere drangsalierten Hauptdarsteller in immer neue Rätsel und Schrecken, die sich nachträglich zu einer Geschichte des Schreckens zusammensetzen lassen. Die Konsequenz des Plots ist lobenswert; hier gibt es kaum Genre-Klischees und kein Ausbrechen in letzter Sekunde, wobei schwere Waffen und plötzlich an den Tag gelegte Nahkampf-Erfahrungen ins Spiel kommen. Cerdà findet einen klugen Ausweg: Der Kreis-Konstruktion des Films entsprechend schlägt Gewalt auf jene zurück, die sie anwenden. „The Abandoned“ läuft trotz des vertrackten Plots wie auf Schienen seiner logischen Auflösung entgegen.

Gewisse Zugeständnisse macht der Regisseur übrigens doch an die splatternde Konkurrenz. „The Abandoned“ läuft in Deutschland ohne Jugendfreigabe, obwohl 93 von 95 Minuten problemlos ab 12 Jahren freigegeben werden könnten. In den bewussten zwei Minuten geht es freilich beinhart zur Sache. Weil die Geschichte in der Regel gewaltarm abläuft, sorgen diese Brutalitäten für umso größeren Schrecken. Genau das ist der Effekt, den der Regisseur erzielen möchte, und das ist auch die Begründung dafür, dass diverse Szenen dem Zuschauer an die Substanz gehen: Hier wird kein Blut der Unterhaltung wegen vergossen, sondern im Rahmen einer teilweise grausamen Geschichte.*

Ein Film (auch) für erwachsene Zuschauer

Dass uns mit „The Abandoned“ ein Film für ‚erwachsene‘ Gruselfreunde präsentiert wird, macht die Besetzung von der ersten Minute an klar. Kein Teenie weit und breit (nur ein verhärmtes Bauernmädchen), stattdessen spielen zwei Hauptdarsteller, die ihren 40. Geburtstag beide hinter sich gelassen haben und denen man das auch ansieht.

Anastasia Hille tritt hauptsächlich in englischen TV-Filmen und -Serien auf. Das zunehmende Entsetzen einer an sich starken Frau, die ihrer Einsamkeit entrinnen wollte und dabei vom Regen in die Traufe gerät, weiß sie überzeugend zu vermitteln. Manchmal ist die Medizin tödlicher als die Krankheit. Das hat sie am Ende gelernt, aber dieses Wissen bereitet ihr keine Freude.

Karel Roden ist nicht nur ein viel beschäftigter und ebenfalls fabelhafter, sondern auch ein international bekannter Darsteller. Seit zehn Jahren tritt er verstärkt in nicht-russischen Produktionen auf, wo er Rollen in unterschiedlichen Filme wie „Hellboy“ (2002; hier mimt er hollywoodkonform den Klischee-Russki Grigori Rasputin) oder „Mr. Bean macht Ferien“ (2007) spielt. Als Nicolai ist er das perfekte Gegenstück seiner ‚Schwester‘ Marie: Während sie ins Ausland ging, blieb er in Russland und wurde Teil des Landes, das ihr verschlossen bleibt, obwohl er ihr Zwilling ist und sich mit ihr verbunden fühlen müsste.

In den Nebenrollen spielen Russen die Russen – auch in einer europäischen Produktion keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Diese Darsteller ließ Regisseur Cerdà fast ausschließlich in ihrer Muttersprache reden und verzichtete auf Untertitel. So teilt sich Maries Gefühl des Fremdseins abermals dem Zuschauer mit.

DVD-Features

Da „The Abandoned“ eine ‚kleine‘ Produktion ist, sind die Features mager ausgefallen:  ein englischer und ein deutscher Kinotrailer und eine Bildergalerie, die sich kaum jemand anschauen wird.

Sehenswert ist das Making-Of. Während dieses Mal vor allem der Regisseur viel Unfug über das psychologische Spektrum seines Werks verzapft, halten sich die Darsteller mit gegenseitigen Lobpreisungen zurück und sprechen tatsächlich über ihre Rollen, zu denen sie Interessantes zu sagen haben. Wenn sich Nacho Cerdà auf die technischen Aspekte des Films beschränkt, legt er großes Fachwissen an den Tag. Das Entstehen von „The Abandoned“ wird durch gut gewählte Ausschnitte, Aufnahmen von hinter den Kulissen oder Storyboard-Zeichnungen dokumentiert.

Weitere Extras bietet – so lange es sie denn gibt – die schön gestaltete und animierte Website.

Bild und Ton sind übrigens brillant. „The Abandoned“ gehört zu den Filmen, die auf der breiten Leinwand und durch eine möglichst exzellente Tonanlage eindeutig gewinnen.

*Anmerkung (ACHTUNG: Spoiler!)

Es soll und darf nicht verschwiegen werden, dass die Story im Finale ein gewaltiges Logikloch in die Handlung schlägt. Wie schafft es ein Einöd-Geisterbauer, gestorben 1966, sich im Moskau des Jahres 2006 eine überzeugende Zweitexistenz als Anwalt zu schaffen? Auf diese Weise kann Kaidavosky senior seine Kinder zurück nach Russland locken, doch dieser Kniff wirkt doch sehr, sehr weit hergeholt.

Ach ja: Wie kommt eigentlich Nicolais Ex Natalya ins Spiel? Um von ihrer Existenz zu erfahren und ihr Ebenbild zu schaffen, muss Kaidavosky erneut auswärts gespukt haben. Wenn er das kann, wieso schafft er es nicht, Maries Tochter Emily ebenfalls nach Russland zu locken?

Einen hab’ ich noch: Wenn Nicolais Leben sich ausschließlich in Russland abgespielt hat, wieso spricht er dann Englisch und kann sich mit Marie verständigen, die nur diese Sprache versteht?

Oder spielt sich das gesamte Geschehen doch nur in Maries wirrem Kopf ab …?

[md]

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GELD.MACHT.LIEBE – Volume 1 – Wie alles begann

Erstellt von Redaktion am 8. Dezember 2009

Bei Libri.deGELD.MACHT.LIEBE
Volume 1 – Wie alles begann
Pilotfolge & Folge 1-5

Autoren: Jörg Brückner, Heike Brückner von Grumbkow
Regisseure: Christine Kabisch, Helmut Metzger
Musik: Hans Günter Wagener
Produzenten: Thomas Hroch, Gerald Podgornig
Produktionsjahre: 2008/2009
Produktionsunternehmen: Tivoli Film Produktion GmbH, Lisa Film GmbH
Verlag: edel motion

Darsteller: Anna Bertheau, Jytte-Merle Böhrnsen, Michael Brandner, Gunther Gillian, Jana Klinge, Roland Koch, Peter Kremer, Nana Krüger, Kai Lentrodt, Gerlinde Locker, Angela Roy, Susanne Schäfer, Anke Sevenich, Johannes Zirner

Die Serie „GELD.MACHT.LIEBE“ lief mit niedrigen Einschaltquoten bis 2009 im öffentlich rechtlichen Fernsehen und wurde von der Filmfirma Tivoli Film/Lisa Film für ARD und ORF produziert. Bei edel motion wurde die zur Serie passende DVD-Box auf den Markt gebracht: „GELD.MACHT.LIEBE: Volume 1 – Wie alles begann“. Das die Serie im TV kein Erfolg war, wird sicherlich ein Rätsel bleiben. Vielleicht lag es an den falschen Erwartungen.

Bereits im Vorfeld stellten die Produzenten eine Verknüpfung zu „Dallas“ her und beschworen den Geist dieser us-amerikanischen Kultserie, die als Pate für „GELD.MACHT.LIEBE“ herhalten sollte. Beide Serien handeln von einer Familiendynastie und sicherlich ist die deutsche Serie mit Motiven aus „Dallas“ konzipiert worden, kommt aber viel ländlicher und familiärer daher, als das große Vorbild aus den USA.

In „GELD.MACHT.LIEBE“ dreht sich alles um das Finanzunternehmen Rheinberg und dessen Angehörige. Die von Rheinbergs leben  luxuriös, beherrschen mit ihrer Bank die Frankfurter Finanzwelt, fördern die Kunst und frönen dem Reitsport. Sämtliche Familienmitglieder sind erfolgreich und die gealterte Liselotte (Gerlinde Locker) von Rheinberg achtet penibel auf Sitte, Anstand und Stand. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Sohn Markus (Roland Koch) die Firma und führt mit seiner Frau Sophia (Susanne Schäfer) eine vorbildliche Ehe, die wohlerzogene Kinder hervorbrachte: Frank (Johannes Zirner), Elena (Jana Klinge) und Marietta (Jytte-Merle Böhrnsen). Frank wird eines Tages die Firma übernehmen, Elena und ihr Mann Martine La Rocca (Gunther Gillian) – ein erfolgreicher Polospieler – kümmern sich um das Gestüt und Marietta hat eine gute Partie in Aussicht.

In den ersten Minuten des Pilotfilms wird eine bezaubernde Familienidylle aufgebaut, die jeglicher kritischen Betrachtung standhält. Geschickt wird ein herrliches Bauwerk errichtet, dass es später gezielt zu demontieren gilt. Erst Stück für Stück, dann Wand für Wand – bis nur noch die Grundmauern übrig sind. Das geschieht aber schleichend.

Zuerst einmal entpuppt sich die junge und talentierte neue Mitarbeiterin Ariane Seiler (Anna Bertheau) als Nichte von Markus. Auf der Suche nach ihren Wurzeln hat sie die von Rheinbergs gefunden und sich erst einmal heimlich einen Blick auf ihre Familie verschafft. Zu spät erkennt Ariane, warum ihre sich Mutter – Mona (Angela Roy) – von der Familie abwandte. Die von Rheinbergs hegen noch immer Groll und wäre es einst nach ihnen gegangen, hätte Ariane nie das Licht der Welt erblickt. Zu allem Übel stirbt auch noch Friedrich Blessmann (Ernst Jacobi), ein enger Vertrauter der Familie. Sein Sohn Alexander (Peter Kremer) sieht in den von Rheinbergs die Schuldigen und nutzt seinen Posten als städtischer Beamter, um ihnen zukünftig übel zuzusetzen.

Diese zwei ersten Nadelstiche in das makellose Äußere lassen schnell die Luft aus dem künstlich aufgeblasenen Familienclan. Der schöne Schein bricht nun stellenweise zusammen, was spannend inszeniert wurde und sehr plastisch geschieht. Arianes Initiative ruft natürlich auch ihre Mutter Mona auf den Plan, was wiederum zu Verwicklungen führt. Alter Hass, Vorurteile und Ängste brechen hervor. Zudem beginnt sich das Liebeskarussell schnell zu drehen. Tote Huren, Bestechung, Affären und Unfälle sind weitere Elemente, die am schönen Schein kratzen und mit jeder weiteren Episode die von Rheinbergs deklassieren. Das ist Unterhaltung pur!

Dabei bleibt die Serie stets sehr ländlich und in einem familiären Rahmen. Die wirtschaftlichen Verwicklungen der Beteiligten werden zurückhaltend behandelt und nur punktiert eingesetzt. Dadurch mangelt es „GELD.MACHT.LIEBE“ leider ein wenig am Nervenkitzel der Hochfinanz, doch der Schwerpunkt liegt eindeutig gewollt auf den Figuren und ihren Beziehungen untereinander. Durch ständig wechselnde Verhaltensweisen, aber stets den persönlichen Motiven treu, ergibt sich ein dynamisches Gesamtbild, das mit ständigen Überraschungen und Offenbarungen aufwartet.

Einige dieser Überraschungen wirken jedoch etwas aufgesetzt, gar deplatziert. Dazu zählt der Handlungsstrang von Grace Chang, Staatsanwältin und Freundin von Frank von Rheinberg. Scheinbar war die geheime Beziehung zwischen der Staatsanwältin und dem Finanzier ungenügend und mit dem mysteriösen Tod von Changs Vater sollte eine persönliche dramatische Komponente eingebracht werden. Doch genau diese Komponente wirkt künstlich, beinahe wie ein Fremdkörper. Hier zeigt das an sich hervorragende Drehbuch Schwäche.

Im Zentrum der Handlung stehen erst einmal drei Personen, die als Leitsterne der Geschichte fungieren:  Liselotte, Markus und Mona – eine Mutter und ihre beiden Kinder. Diese Konstellation sorgt natürlich für Reibung, vor allem da die alten Feindschaften unvergessen sind. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Gerlinde Locker, Roland Koch und  Angela Roy bieten hier Schauspielkunst in Reinform. Mit offensichtlicher Spielfreude hauchen sie ihren Figuren Leben ein und sorgen für greifbare Persönlichkeiten. Dadurch wirkt „GELD.MACHT.LIEBE“ authentisch und auch die anderen Rollen wirken dadurch passend, da sie schlussendlich auf dem Konflikt zwischen diesen drei Menschen aufbauen.

Doch die Riege der anderen Darsteller leistet ebenfalls hervorragende Arbeit. Das gilt insbesondere für Anna Bertheau, die eine kluge und gleichzeitig kindlich naive Ariane Seiler zum Besten gibt – und zwar sehr überzeugend. Ariane sehnt sich nach ihrer Familie. Obwohl sie moralisch erzogen wurde, ist der Wunsch nach Anerkennung, nach Geld, Macht und Liebe größer, als ihre Verbindung zur Mutter. Und schlussendlich ist es Mona selbst, die in der abschließenden Episode der DVD-Box das Verhältnis zu ihrer Tochter in den Grundfesten erschüttert. Sehr ergreifend und fesselnd.

Wie es sich für eine Serie gehört, sind plötzliche Wendungen an der Tagesordnung. Dabei behält die Geschichte stets die Balance zwischen rotem Faden und Überraschungen. Es ist genau die richtige Dosis, die hier dem Zuschauer verabreicht wird. Auch das trägt zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. Warum die Serie geringe Einschaltquoten hatte und die Produktion schlussendlich eingestellt wurde, bleibt ein kleines Rätsel. Eventuell ist es zu viel Landleben und zu viel Familie, um als Geschichte einer Familiendynastie der Frankfurter Hochfinanz akzeptiert zu werden.

Die DVD-Box aus dem Hause edel motion wird der gediegenen Serie jedenfalls vollends gerecht. Das Cover zeigt im Innenteil der durchsichtigen Plastikbox einen kleinen Stammbaum der Familie, darin sind auch die Namen der Schauspieler eingetragen. Insgesamt sind drei Silberscheiben enthalten, die das Wappen der von Rheinbergs zeigen. Als Bonusmaterial gibt es auf der letzten DVD drei Interviews, die mit Roland Koch, Gerlinde Locker und  Angela Roy geführt wurden. Die Interviews weisen eine unterschiedliche Länge auf und kommen insgesamt auf mehr als dreißig Minuten. Die Fragen drehen sich natürlich alle um die Serie und geben informative Einblicke hinter die Kulissen.

Das Bild ist 16:9 PAL und sehr sauber. Auch der Ton in Dolby Digital 2.0 kommt gut daher, allerdings werden selten sämtliche Tonausgänge bemüht. Die Tonspur liegt auch nur in Deutsch vor, ein Untertitel fehlt vollkommen. Schade, aber auch kein allzu großer Missstand.

„GELD.MACHT.LIEBE: Volume 1 – Wie alles begann“ ist ein gelungener Einstieg in diese Serie. Eine gute Geschichte, Intrigen, persönliche Dramen und eine hervorragende Besetzung sorgen für Kurzweil – mit Tendenz zum Serienkult.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

„GELD.MACHT.LIEBE: Volume 1 – Wie alles begann“ bei Libri.de

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H2O – Plötzlich Meerjungfrau

Erstellt von Redaktion am 18. November 2009

h2o-02H2O – Plötzlich Meerjungfrau
Staffel 2 – 4 DVDs in einer Box

Titellied: Kate Alexa
Regie: Colin Budds
Darsteller: Cariba Heine, Phoebe Tonkin, Claire Holt
Produktion: Jonathan M. Shiff Productions, ZDF Enterprises
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Studio: Walt Disney
Produktionsjahr: Australien 2006
Spieldauer: 624 Minuten

Auch in der zweiten Staffel der australischen Mädchenserie „H2O – Plötzlich Meerjungfrau„ erleben die Teenager Emma (Claire Holt), Rikki (Cariba Heine) und Cleo (Phoebe Tonkin) spannende Abenteuer. Treu an ihrer Seite Lewis (Angus McLaren), der stets darum bemüht ist, das Geheimnis der drei Mädchen zu bewahren. Immerhin setzt die Berührung mit Wasser die Verwandlung zur Meerjungfrau in Gang und in Vollmondlicht verlieren die Mädels die Kontrolle über sich. Und genau das passiert leider auch in der ersten Folge der Staffel, denn Lewis benutzt eine ausländische Software, um den Mondaufgang zu ermitteln. Und damit kann der junge Mann nicht umgehen.

Kaum dem Mondlicht ausgesetzt machen sich die drei Freundinnen auf den Weg nach Mako Island. Dort, in einer geheimen Grotte, haben sie ihre Mächt erhalten. Und auch diesmal treten neue Veränderungen ein, denn die Kräfte der Meerjungfrauen steigern sich erheblich. Leider können die Mädchen ihre neuen Superkräfte kaum kontrollieren, doch Lewis steht ihnen zur Seite. Aber seine guten Absichten sind für Cleo zu viel, die beschließt, sich von ihm zu trennen.

Auch Rikkis Gefühlswelt gerät ins Trudeln. Zane taucht auf und die alten Emotionen übermannen beide. Ihr Liebesglück scheint perfekt. Während sich der verlassene Lewis der an die Schule gekommenen Charlotte annähert, wandelt auch Cleos Vater auf Freierfüßen. Immerhin lebt er ebenfalls getrennt und hat auch eine neue Flamme ins Auge gefasst. Und deren Tochter ist ausgerechnet Charlotte.

Die drei Mädchen erleben viele neue Abenteuer und sind hierbei stets auf der Hut, um ihr Geheimnis zu wahren. Dabei haben sie große Probleme ihr Gefühlschaos zu ordnen und mit den Jungs klarzukommen, die ihnen nachstellen. Brisant wird es, als Charlotte den Meerjungfrauen auf die Spur kommt und herausfindet, dass es eine alte Verbindung zwischen ihr, dem Mythos und Mako Island gibt. Die Sache droht aufzufliegen und alle Beteiligten in immense Gefahr zu bringen. Und zu allem Übel gib es bald eine Planetenstellung, bei der die Kräfte des Mondsees auf Mako Island drastisch verändert werden – und Charlotte sinnt auf Rache …

In der ersten Staffel drehte sich das Liebeskarussel zwar auch schnell, aber zentrales Thema war mehr die Verwandlung der Mädchen in Meerjungfrauen und die Entdeckung ihrer Kräfte. Damit wurde spielerisch und spannend zugleich auf die Veränderungen junger Heranwachsender eingegangen: Der Körper verändert sich, viele Dinge sind plötzlich anders und manches gar peinlich. Freundinnen werden sehr wichtig und da ist auch noch diese Sache mit den Jungs, die sich total kindisch benehmen. Sozusagen Aufklärung subtil in Unterhaltung eingebettet und damit erzieherisch wertvoll.

Auch in der zweiten Staffel der Serie – die in Kooperation mit dem ZDF entstand – kommt die Handlung ohne Besserwisserei und mahnenden Zeigefinger aus. Das ist vor allem für das Zielpublikum wichtig, dass sich keinesfalls bevormundet fühlen möchte. „H2O – Plötzlich Meerjungfrau“ greift stattdessen reale Themen auf und behandelt diese in einem phantastisch mysteriösen Ambiente. Doch die körperlichen Veränderungen sind weitgehend abgeschlossen, die ersten Liebschaften in vollem Gange – nun rücken die Beziehungen stärker in den Mittelpunkt.

Cleo, Rikki und Emma lernen mit ihren Gefühlen umzugehen, erfahren unerwiderte Liebe, Eifersucht und Lebenschaos. Junge Mädchen – und somit heranwachsende Frauen – können sich problemlos mit den unterschiedlichen Charakteren identifizieren, ältere Semester erinnern sich schmunzelnd an ihre eigene Jugend zurück und Jungs finden eventuell heraus, warum die Mädels so sind, wie sie eben sind. Das alles verpackt in eine spannende und zeitgemäße Rahmenhandlung. Diese setzt sich zwar aus einzelnen, in sich abgeschlossenen Episoden zusammen, besitzt aber auch einen roten Faden, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Dazu eine große Portion Humor und ein wunderbares Ambiente.

Das wird mittels der herrlichen Fotografien und Kameraarbeiten erzielt. Die Dreharbeiten fanden in und um Gold Coast statt, der sechstgrößten Stadt Australiens und einem wahren Touristenmagneten. Vor allem die beinahe sechzig Kilometer Strand locken die Surfer an. Als weitere Kulisse dient – neben dem idyllischen Haiparadies Mako Island – Sea World. Der maritime Freizeitpark heißt in der Serie allerdings Marine World. Die traumhaften Bilder haben es in sich, dazu die ausgeglichene und unbeschwerte Erzählweise durch Regisseur Colin Budds. Die Geschichten sind dadurch wunderbar unterhaltsam.

Auch die Darsteller haben es in sich, allen voran das Meerjungrauentrio Emma (Claire Holt), Rikki (Cariba Heine) und Cleo (Phoebe Tonkin). Dabei handelt es sich um gutaussehende junge Schauspielerinnen, denen mit „H2O – Plötzlich Meerjungfrau“ der Durchbruch gelang. Sicherlich trägt ihr Aussehen ebenfalls zum Erfolg der Reihe bei, doch auch ihr darstellerisches Talent ist überzeugend. Frisch und unverbraucht füllen sie ihre Rollen mit Leben. Die Drei vermitteln die passenden Emotionen und verleihen ihren Figuren den richtigen Charakter. Vor allem Cariba Heine konnte sich auf dem Markt gut etablieren und wirkte in weiteren Serien mit.

Mit Angus McLaren haben die jungen Frauen den passenden Gegenpart. In der Rolle des bemühten und leicht ungeschickten Freundes sorgt er für etliche Verwicklungen, die man ihm aber gerne verzeiht. Immerhin ist er stets zur Stelle, sobald man ihn braucht und riskiert auch sein Leben, um das Geheimnis des Trios zu wahren. McLaren erfüllt die ihm gestellte Aufgabe mit Bravour und ist in seiner Darstellung überzeugend. Es macht Spaß ihn agieren zu sehen. „H2O – Plötzlich Meerjungfrau“ ist die Krönung seiner bisherigen Karriere und man kann nur hoffen, dass ihm der Sprung auf die große Leinwand gelingt. Allgemein hat man es hier mit einer ausgesuchten Riege junger Schauspieler zu schaffen, die man gerne im Kino erleben würde. Das Zeug dazu haben sie allemal.

„H2O – Plötzlich Meerjungfrau“ ist auch in der zweiten Staffel eine klasse und unterhaltsame Sache. Die Kernthemen haben sich leicht verändert, sind aber dennoch packend. Die Serie bietet zeitgemäße Unterhaltung auf hohem Niveau – in technischer und darstellerischer Hinsicht. Empfehlenswert!

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H2O – Plötzlich Meerjungfrau Staffel1
H2O – Plötzlich Meerjungfrau Staffel2

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Freche Mädchen

Erstellt von Redaktion am 21. August 2009

Bei Amazon.deFreche Mädchen

Deutschland, 2008
Constantin Film, München, 18.12.2008
1 DVD im Amaray-Case, Jugendfilm, Komödie, Romantik, Laufzeit: ca. 99 Min., gesehen 1/09 für EUR 16.00
Extras: Interviews, Making of, Bonusfilme, Visuelle Effekte Showreel, Abschluss-Song Selina, Musikvideo Selina, Karaoke-Version Selina, Audiokommentar mit Ulrich Limmer und Maggie Pere
Altersfreigabe/FSK: 6
Bildformat:16:9, PAL, RC=2
Sprachen/Tonformat: Deutsch (DD 2.0,DTS 5.1)
Drehbuch: Elena Wegner
Darsteller: Emilia Schüle, Henriette Nagel, Selina Shirin Müller, Anke Engelke, David Rott, Armin Rhode, Christian Tramitz, Wilson Gonzales Ochsenknecht und andere
Musik: Oliver Bieler
www.constantin-film.de
www.frechemaedchen.film.de/

Schon seit einigen Jahren erscheinen die Romane der „Freche Mädchen“-Reihe, die einen neuen Stil von Jugendliteratur geschaffen haben. Die Autoren und Autorinnen nehmen sich durchaus der Themen an, die Mädchen zwischen elf und achtzehn Jahren interessieren, versuchen aber auch gleichzeitig, die Lebenswirklichkeit der Teenager in der jetzigen Zeit einzufangen und den jungen Leserinnen dabei ein starkes Selbstwertgefühl zu vermitteln, anstatt mit erhobenem Zeigefinger auf klassische Werte zu verweisen oder alte Traditionen zu verteidigen.

Im Jahr 2008 entschied man sich dazu, einer der beliebtesten Geschichten mit frischen jungen Darstellerinnen und erfahrenen Schauspielern, die zum größten Teil in der Comedy-Szene zu Hause sind zu verfilmen. Nicht einmal ein halbes Jahr später liegt der Film auch auf DVD vor.

Mila, Hannah und Kathi sind schon seit Jahren ein Herz und eine Seele. Sie halten in Freizeit und Schule zusammen und versuchen, einander bei allen Problemen zu helfen, sei es nun gegenüber den stressigen Lehrern, die nur da zu sein scheinen, um sie mit komplizierten Diktaten und unlösbaren Matheaufgaben zu quälen. Hin und wieder braucht Kati, die sich sehr leicht verliebt, auch Trost, wenn der Kummer wieder einmal zu stark wird, weil sich der betreffende Junge als Niete erwiesen hat.

Mila ist ganz zufrieden mit dem, was sie hat, auch wenn sie den etwas schüchternen Markus süß findet. Aber ihr reichen schon die Eskapaden ihrer chaotischen Mutter, die selbst von Mann zu Mann pendelt und sich irgendwie für niemanden entscheiden kann.

Dann wird die Deutschlehrerin schwanger, und der junge Referendar Pit Winkler übernimmt den Unterricht in der Klasse. Mila verliebt sich auf den ersten Blick in ihn, fällt aber aus allen Wolken, als sich der junge Mann ein paar Wochen später als der neue Freund ihrer Mutter erweist.

Gerade in dieser schwierigen Zeit zeigen sich ihre Freundin als keine große Hilfe, denn Sportskanone Hanna verkracht sich wegen eines Castings mit ihrem Freund Branko und ist selbst untröstlich, Kati verliebt sich in den charmanten Brian, der aus einem Gedicht von Mila einen Song für seine Band gemacht hat und den Ursprung ganz verleugnet…

Und dann sind da noch die Emails des geheimnisvollen ‚Pegasus’, der ein besonderes Interesse an ihr zu haben scheint und sie mit vagen Andeutungen und romantischen Gedichten betört. Mila weiß bald gar nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.

„Freche Mädchen“ ist ein liebenswerter deutscher Jugendfilm, der den Stil und die Atmosphäre der Bücher gelungen einfängt. Im Mittelpunkt stehen die drei Freundinnen, die mit typischen Problemen zu kämpfen haben – den Eskapaden ihrer Eltern, den Wünschen und Anordnungen ihrer Lehrer, stressigem Stoff in der Schule und nicht zuletzt den verwirrenden neuen Gefühlen, die die erste Liebe so mit sich bringt. Ebenso kommen die Hoffnungen, Wünsche und Träume zum Vorschein, die verborgenen Ängste und Enttäuschungen, die jeder in dem Alter schon einmal gehabt haben dürfte. Dementsprechend treten auch die Erwachsenen in diesem Film auf. Sie benehmen sich genau so, wie die Schüler sie empfinden – als schrullige, alte Böcke, die den Teenagern die Schönheit der Mathematik in den Kopf prügeln wollen und nur Hohn und Spott für den übrig haben, der ihren Ausführungen nicht folgen kann. Milas Mutter ist ein gutes Beispiel für die Peinlichkeiten, die sich die eigenen Eltern manchmal erlauben. Auch die Jungen haben so ihre Eigenarten und Tücken, die man erst einmal begreifen und durchschauen muss, was auch nicht so einfach ist.

Heraus kommen 99 kurzweilige Minuten, die auch Erwachsene immer wieder schmunzeln und kichern lassen, kleine Einblicke in die Lebenswelt der Teenager geben und durch das typische Wahrzeichen – die Schwebebahn – klar in der Stadt Wuppertal angesiedelt sind, was zusätzliche Aha-Erlebnisse bietet, wenn man die gezeigten Ecken kennt.

Der Film besitzt sehr viel Humor, ohne dabei albern zu wirken, die Schauspieler sind bei der Sache und agieren glaubwürdig, so dass man niemals den Faden verliert oder sich zu langweilen beginnt.

Über die Ausstattung und Qualität der Kaufversion kann allerdings keine weitere Aussage gemacht werden, da hier nur ein Pressemuster vorlag.

Das macht „Freche Mädchen“ zu einem herausragenden Jugendfilm und einer herzerfrischenden Komödie aus deutscher Feder, den man sich ruhig gönnen sollte. (CS)

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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß

Erstellt von Redaktion am 14. August 2009

Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß

Darsteller: James Woods, Meryl Streep, Fritz Weaver
Regisseur: Marvin J. Chomsky
Komponist: Morton Gould
Drehbuch: Gerald Green
Produktion: Robert Berger, Herbert Brodkin
Kamera: Brian West
Schnitt: Alan Heim, Craig McKay, Robert M. Reitano, Stephen A. Rotter, Brian Smedley-Aston
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Bildseitenformat: 4:3
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Produktionsjahr: 1978
Spieldauer: 415 Minuten
www.polyband.de

1935 heiratet Doktor Josef Weiß’ (Fritz Weaver) ältester Sohn Karl (James Woods) die Arierin Inga Helms (Meryl Streep). Die Familie Weiß ist jüdisch und diese „Mischehe“ den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Das Glück der Brautleute wird schon heftig erschüttert, denn Nazideutschland beginnt verstärkt gegen die jüdische Bevölkerung vorzugehen. Josefs Frau Berta (Rosemary Harris) beruhigt die Familie, glaubt an baldige Besserung der Zustände – doch sie irrt.

Die Repressalien gegen die Juden werden täglich schlimmer, Gewalt und Ausschreitungen sind an der Tagesordnung. Karl wird verhaftet und sein Bruder Rudi (Joseph Bottoms) flieht. Josef Weiß verliert seine Praxis und wird nach Warschau deportiert, seine Frau Berta und Tochter Anna (Blanche Baker) ziehen zu den Helms. Dort sind nur geduldet, keinesfalls erwünscht.

Während sich Rudi auf der Flucht in die Jüdin Helena (Tovah Feldshuh) verliebt und sich mit ihr den Partisanen anschließt, wird Anna ein Opfer deutscher Gewalt – einer Gewalt, die sich fortan tödlich durch das Leben der Familie Weiß arbeitet – bis hin zur sogenannten Endlösung im Jahre 1945.

Gleichzeitig wird auch die Geschichte von Erik Dorf (Michael Moriarty) und seiner Familie erzählt. Der arbeitslose Jurist geht zur SS und wird bald zur rechten Hand von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich (David Warner). Gemeinsam arbeiten sie an dem „Judenproblem“ und dessen rationaler und kostengünstiger Lösung. Dorf – ehemaliger Patient von Weiß – entwickelt dabei stets neue Methoden und Ideen. Dabei trifft er immer wieder auf Angehörige der Familie Weiß – bis zum bitteren Ende …

1978 produzierten Robert Berger und Herbert Brodkin die TV-Mini-Serie „Holocaust“,  unter der Regie von Marvin J. Chomsky. Somit wurde ein Stück grausiger Weltgeschichte zur Fernsehunterhaltung, die vor allem bei ihrer deutschen Erstausstrahlung für Kontroversen in der Bundesrepublik Deutschland sorgte. Schlussendlich erreichte „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß“ mehr Zuschauer, als alle bis dahin gesendeten Dokumentationen – und rüttelte Deutschland regelrecht auf, um sich endlich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Auch der Begriff „Holocaust“ wurde erst durch diese TV-Serie als Begriff für das Schicksal der Juden etabliert.

Dreißig Jahre danach ist die Serie nun bei Polyband & Toppic Video/WVG erschienen. In der Zwischenzeit hat sich viel in der Welt getan, auch den Holocaust betreffend. Somit besitzt die Mini-Serie keinesfalls mehr die Brisanz wie zur Erstausstrahlung, muss sich dementsprechend auch etwas anderen Gesichtspunkten stellen.

Bei der Familie Weiß handelt es sich natürlich um fiktive Personen, die drei Generationen abdecken und im Laufe der Nazi-Zeit an jedem wichtigen Punkt der Geschichte auftauchen. Das ist zwar konstruiert, wirkt dennoch logisch. Dieses Konstrukt wird immer erst dann besonders offensichtlich, sobald Erik Dorf mit einem Mitglied der Familie Weiß zusammentrifft. Das ist dann doch zu viel des Zufalls und wirkt leicht aufgesetzt. Darüber kann man aber hinwegsehen.

Im Mittelpunkt stehen nun die Schicksale zweier Familien, die gleichzeitig auch zwei Seiten versinnbildlichen. Josef Weiß und Familie steht für die Juden, Erik Dorf verkörpert die Deutschen. Dadurch entsteht eine sehr enge Bindung an die Geschichte, sorgt aber auch für einen – gewollten – Tunnelblick. So sind die Deutschen allgemein der Feind und tragen die Verantwortung an allem. Es findet keine Differenzierung statt, kein Hinterfragen der damaligen Zustände. Aber vielleicht ist es genau dieser starke Kontrast, der den Schrecken des Holocaust so deutlich macht. Außerdem zielte die Serie mehr auf den amerikanischen Markt ab und war dort auch für fünfzehn Emmies nominiert, acht Auszeichnungen wurden es dann schlussendlich.

Besonders eindringlich wird die Geschichte durch die Verknüpfung fiktiver Personen mit realen Ereignissen und authentischen Drehorten. Zwar werden einige Abstriche gemacht und Ereignisse zusammengerafft, doch sämtliche Kernelemente sind vorhanden. Durch die Einbindung realer Fotoaufnahmen vertieft Marvin J. Chomsky das Thema und zeigt den tatsächlichen Schrecken, der durch keinen Film in seinem ganze Ausmaß tatsächlich nachempfunden werden kann. Diese Zeitzeugnisse lassen den Zuschauer einfach schaudern.

Die Darsteller tragen ihr übriges dazu bei. Es gibt viele bekannte Gesichter (Rosemary Harris aus „Spider-Man“) und für James Woods und Meryl Streep war es gar das Sprungbrett zur großen Karriere. Aber auch die Nebendarsteller verkörpern perfekt ihre Rollen, sorgen für Anteilnahme und emotionale Betroffenheit. Obwohl „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß“ auch unterhalten soll, wird ernsthaft mit dem Thema umgegangen. Die Unterhaltung ist dabei nur ein Werkzeug, um den Zuschauer förmlich in Geschichte einzusaugen.

Geschichte und Thema sind nun über jeden Zweifel erhaben, doch wie sieht es mit der technischen Seite aus? Immerhin ist das Medium DVD in der Lage einiges zu bieten. Hier offenbaren sich leider die Schwachpunkte der Box, auf der groß die FSK-Kennung „FSK 12“ prangt und das Motiv verschandelt. Das ist vom Gesetzgeber so gewollt, aber leider gibt es keine nachträgliche Möglichkeit das Motiv wieder aufzuhübschen.

Die DVDs selbst sehen wieder schick aus, aber ihre Ausstattung lässt zu wünschen übrig. Es gibt keinerlei Bonusmaterial und der Ton liegt nur in Dolby Digital Mono 2.0 vor – auf Deutsch und auf Englisch. Die Synchronisation hört sich nach klinischer Studioatmosphäre an (sauber und kaum Hintergrundgeräusche), während die englische Tonspur dagegen rauscht und gelegentlich auch zischt. Da hört man sich lieber die Synchronisation an.

Das Bild ist TV-Standardformat. Leider ist die Zeit weniger gut mit dem Material umgegangen und es wirkt, als hätte jemand seine alten Videokassetten einfach überspielt. Das Bild ist verschmutzt und besitzt ein feines Rauschen. Oft tritt das Rot zu stark nach vorne, hat der Kontrast gelitten und mangelt es dem Bild an Schärfe. Zu allem Übel ist übrigens nur die deutsche Fassung enthalten, die am Ende um mehr als sieben Minuten gekürzt ist. In der vollständigen Fassung wird der Zuschauer nämlich Zeuge der Gründung Israels.

„Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß“ ist spannende Zeitgeschichte, die zwar ein zeitloses Thema behandelt, aber den technischen Sprung in die Moderne verschlafen hat. Zwar ist die Box noch immer eine Empfehlung wert, doch das liegt einzig an dem darin enthaltenen Vierteiler.

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Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss (4 DVDs)

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Walled In – Mauern der Angst

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Mai 2009

Walled In – Mauern der Angst

Originaltitel: Walled In (USA 2009)
Regie: Gilles Paquet-Brenner
Drehbuch: Rodolphe Tissot, Olivier Volpi, Sylvain White u. Gilles Paquet-Brenner
Kamera: Karim Hussain
Musik: David Kristian
Darsteller: Mischa Barton (Sam Walczak), Cameron Bright (Jimmy), Deborah Kara Unger    (Mary), Noam Jenkins (Peter), Eugene Clark (Burnett), Jane Redlyon (Denise), Pascal Greggory (Malestrazza) Mark Claxton (Richard), Shannon Jardine (Maureen), Sophi Knight (Julie), Taylor Leslie (Lucy Walczak), Rob Roy (Charles Walczak), Darla Biccum (Liz Walczak) u. a.
Label u. Vertrieb: Sunfilm Entertainment (www.sunfilm.de)
Erscheinungsdatum: 03.04.2009 (Leih-DVD) bzw. 08.05.2008 (Kauf-DVD u. Blu-Ray)
EAN: 4041658222730 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4041658292733 (Blu-Ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-Ray: 92 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Samantha Walczak ist Spross einer Familie, die mit der Sprengung maroder Bauwerke den Lebensunterhalt verdient. An ihrem 25. Geburtstag überrascht sie der Vater – und Chef – mit dem ersten eigenen Auftrag: Sam soll den Abriss des Malestrazza-Hauses vorbereiten. Der berühmte aber exzentrische Architekt hatte es 1990 achtstöckig mit Wohnungen für 120 Mieter in einer ländlichen Einöde errichtet und war selbst dort eingezogen. Drei Jahre später wurde das Haus als Schauplatz grausamer Verbrechen berühmt und berüchtigt: Ein Serienkiller entführte mindestens 16 Mieter und begrub sie lebendig unter flüssigem Beton. Auch Malestrazza fiel ihm zum Opfer.

Fünfzehn Jahre später leben nur noch vier Mieter in dem Haus. Mary, deren Ehemann ebenfalls hier starb, ist mit ihrem Sohn Jimmy geblieben und hält das Gebäude als Hausmeisterin in Schuss. Sam zieht für die Dauer ihrer Arbeit in eines der leerstehenden Appartements ein. Die junge und psychisch instabile Frau fühlt sich bald beobachtet und belauert. Burnett  und Denise, die beiden anderen Mieter, begegnen ihr feindlich. Jimmy, der sowohl einsam ist als auch schwer pubertiert, schenkt Sam mehr Aufmerksamkeit, als ihr lieb ist.

Während sie die Bausubstanz untersucht, um neuralgische Punkte für die spätere Legung der Sprengladungen zu finden, entdeckt Sam, dass die Baupläne falsch sind. Offensichtlich hat Malestrazza eigenmächtig Veränderungen vorgenommen. Sam findet geheime Gänge und Hinweise auf eine seltsame Pyramidenkonstruktion, die das Zentrum des Gebäudes bildet.

Freilich bleibt ihr das wahre Geheimnis dieser Mauern verborgen. Das Malestrazza-Haus ist Schauplatz einer ausgeklügelten Rache, die schon 15 Jahre währt. Als Sam endlich klar sieht, steckt sie längst in einer tödlichen Falle – und dort ist sie keineswegs allein …

Haus mit Seele – Haus besessen

Das Geisterhaus als ‘Batterie’, die durch die Emotionen seiner Bewohner aufgeladen wird, ist keineswegs eine Idee der Neuzeit. Jahrtausende vor der Entdeckung der Elektrizität war sie bereits bekannt und verbreitet; damals sorgte die unsterbliche Seele für die notwendige Energie. So ist es kein Wunder, dass man in weniger freundlichen Zeiten die Fundamente von Gebäuden mit wichtigen Funktionen durch Bauopfer ergänzte: Menschen wurden – immerhin meist schon tot aber speziell für diesen Zweck getötet – quasi unter der Türschwelle begraben. Dies sollte den Bestand des Bauwerk sicherstellen und wurde archäologisch für viele vergangene Kulturen nachgewiesen.

Joseph Malestrazza orientiert sich an entsprechenden altägyptischen Praktiken. Er ist wie alle größenwahnsinnigen Psychopathen der Filmgeschichte ein wenig konsequenter und handelt nach dem Motto “Je mehr, desto besser”. Außerdem zieht er es vor, seine Opfer lebendig einzubetonieren; das Leid des Sterbens vergrößert nach seiner Auffassung die Kraft des Opfers.

Auf der Basis seiner wahnsinnigen Theorien entstand der Hauptdarsteller dieses Films: das Malestrazza-Haus, in der Tat eine bemerkenswerte Kulisse. Obwohl es nur ein Trickgebilde ist und aus Kostengründen sogar die Innenaufnahmen in Appartements entstanden, die nur zum Teil real aufgebaut waren, wirkt es gleichermaßen irreal wie bedrohlich – eine eigentlich düstere unwirtliche, menschenfeindliche Beton-Festung, die außen wie innen auf das architektonisch Grundsätzliche reduziert wurde.

Zudem steht das Haus in einer flachen, öden Landschaft an einem kalten, unfreundlichen See – ein absurdes Projekt, das bereits optisch vom Irrsinn seines Schöpfers kündet. Diese Stimmung hat sich längst auf die verbliebenen Bewohner übertragen, die sich in dem auch ohne seine mörderische Geschichte unheimlichen Bau selbst gefangen gesetzt halten.

Brutstätte für unterdrückte Emotionen

“Walled In” ist einer dieser Filme, an denen sich die Geister – dieses Mal die der Zuschauer – schieden. Die Mehrheit anerkannte eher widerwillig die visuell gelungene Umsetzung einer in Angst und Lüge förmlich getränkten Atmosphäre, kritisierte aber heftig die inkohärente Story sowie die Schauspielerleistungen; vor allem Mischa Barton (“überfordert”) und Noam Jenkins (“hölzern”) bekamen ihr Fett weg.

Die harsche Ablehnung verwundert, denn bei unvoreingenommener Betrachtung funktioniert “Walled In” trotz verschiedener Mängel ausgezeichnet. Dies gilt vor allem, wenn man diesen Film mit den meisten anderen Streifen vergleicht, die zeitgleich in die Videotheken kommen und dort in die Regal-Abteilung “Horror & Mystery” einsortiert werden. Auf die Kinoleinwand hat es “Walled In” nicht geschafft; der Film ist eine “direct-to-dvd-” bzw. “-blu-ray”-Produktion; schade, denn dies ist erkennbar ein durchaus ambitioniertes Projekt, in das nur 8 Mio. Dollar aber umso mehr Einfälle investiert wurden.

Gilles Paquet-Brenner, dessen erste US-Produktion “Walled In” ist, brachte die Story aus seiner europäischen Heimat mit. Der Unterhaltungs-Schriftsteller Serge Brussolo, den der Buchmarkt gern den “französischen Stephen King” nennt, hatte den Roman “Les Emmurés” bereits 1990 veröffentlicht. Mit drei weiteren Autoren verfasste Paquet-Brenner das Drehbuch. Was meist nach dem alten Sprichwort “Viele Köche verderben den Brei” chaotisch endet, führte hier zu einem erfreulichen Ergebnis: “Walled In” vereint die Elemente von Horror, Krimi und Drama zu einem harmonischen Ganzen, ein Genre-Mix, der als solcher von den Kritikern (und – s. o. – zahlreichen Zuschauern) abgelehnt wurde.

Der Mensch benötigt keine Gespenster

Aber “Walled In” ist kein Hochgeschwindigkeits-Splatter-Horror und will es niemals sein. Der Schrecken ist menschengemacht. Was in den Mauern des Malestrazzo-Hauses umgeht, ist furchterregend real. Wahnsinn, Trauer, Rache, Resignation, Einsamkeit und pubertäre Verwirrung ergeben ein wahrhaft höllisches Gebräu, das auch ohne übernatürliches Wirken giftig genug ist.

Was das im Detail bedeutet, soll hier natürlich nicht verraten werden. Dies wäre nicht nur gemein, sondern auch schade, denn es ist ungemein spannend zu verfolgen, wie Paquet-Brenner die genannten Elemente in einer grimmigen Geschichte verzahnt, mit deren Verlauf so nicht zu rechnen war. ‘Gut’ und ‘Böse’ wechseln ständig die Rollen, die einzige Konstante ist die arme Sam, die allerdings den Einflüsterungen des Hauses ein wenig zu offene Ohren schenkt.

Was zur hauptsächlichen Kritik an diesem Film überleitet: Sams latente psychische Schwäche ist sowohl überflüssig für die Handlung als auch ein billiger Trick, der zur Inszenierung einiger konventioneller und hier kontraproduktiver Horror-Szenen führt. Aus der Wand greifende Geisterarme können nie mit dem Grauen mithalten, das ein Mensch verspürt, der in einer winzigen Kammer gefangen ist, die sich langsam mit flüssigem Beton füllt.

Gesichter für den Schrecken

Wie schon erwähnt entstand “Walled In” als Low-Budget-Produktion. Gedreht wurde nicht in Hollywood, sondern kostengünstig nahe Regina, Hauptstadt der kanadischen Provinz Saskatchewan. (Genrestimmig bricht hier immerhin der “Sasquatch” – in den USA “Bigfoot” genannt – durch die Wälder.) Nicht Stars, sondern Nachwuchs-Prominenz und echte Schauspieler versammelte Paquet-Brenner vor der Kamera. Mischa Barton ist spätestens als Hauptdarstellerin der TV-Serie “O. C., California” (2003-2007) lange Drehtage und schnelles Arbeiten gewöhnt. Sie setzt keine Glanzlichter, leistet aber solide Arbeit in ihrer etwas unglücklich gezeichneten Rolle.

Im Film ist es ungewöhnlich, dass Teenager von noch minderjährigen Darsteller gespielt werden. Meist sind es angewelkte Mittzwanziger, die uns wenig erfolgreich Jugendlichkeit vorgaukeln wollen. Cameron Bright, Jahrgang 1993, zeigt, wieso dies vergebliche Liebesmüh ist: Er ist nicht nur ein guter Schauspieler, sondern tatsächlich ein Teenager, und diese Mischung ist schlicht überzeugend.

Wieder einmal unterfordert aber wie üblich großartig ist Deborah Kara Unger, der nie der Durchbruch zu dem Starruhm gelang, den sie verdient hätte. Als emotional verkümmerte Mary erregt sie Mitleid, Misstrauen und Furcht – eine Mutter, die nicht nur ein wenig zu besorgt um ihren geliebten Sohn ist, sondern auch ungeahnte seelische Abgründe offenbart.

Nicht nur Regisseur Paquet-Brenner findet im Interview lobende Worte für Kameramann Karim Hussain. Dieser holt alles aus den manchmal nur angedeuteten Kulissen heraus. Mit Licht und vor allem Schatten gelingen ihm erstaunliche Effekte. In einem scheinbar völlig dunklen Raum vermag er Bewegungen zu vermitteln. Leider ermöglicht das verquaste Making-of (s. u.) nur rudimentäre Einblicke in seine ideenreiche Arbeit.

Zumindest dieser Rezensent kommt zu einem positiven Fazit. Selbstverständlich weist die Geschichte von “Walled In” die üblichen Logiklöcher auf. Sie fallen dem Zuschauer allerdings in der Regel nicht auf, während der Film noch läuft, was keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist … Dank “Walled In” kann festgestellt werden, dass Action und Ekel nicht die (alleinigen) Triebfedern des modernen Horrorfilms sind – glücklicherweise!

DVD-Features

Kärglich in Zahl und Qualität sind die ‘Extras’, die den Hauptfilm ergänzen. Es gibt einen deutschen und einen US-amerikanischen Trailer sowie ein Making-of, das leider nur plumpe Film-Promotion bietet und die interviewten Darsteller und Crewmitglieder zu gegenseitigen Lobeshymnen zwingt. Informationen sind in diesem Gemisch aus Geschwätz und aus dem Zusammenhang gerissenen Filmbildern kaum enthalten: Zeitvergeudung!

Ehrlicher ist da die Website zum Film, die aus ihrer Funktion als Werbeinstrument keinen Hehl macht:
http://walledinthemovie.com

[md]

Titel bei Amazon.de:
Walled In
Walled In [Blu-ray]

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