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Archiv für die 'Fantasy' Kategorie

Vinyan

Erstellt von Michael Drewniok am 26. August 2010

Vinyan

Originaltitel: Vinyan (Belgien/Frankreich/GB/Australien 2008)
Regie: Fabrice Du Welz
Drehbuch: Oliver Blackburn, Fabrice Du Welz, David Greig
Kamera: Benoît Debie
Schnitt: Colin Monie
Musik: François-Eudes Chanfrault
Darsteller: Emmanuelle Béart (Jeanne Bellmer), Rufus Sewell (Paul Bellmer), Petch Osathanugrah (Thaksin Gao), Julie Dreyfus (Kim), Amporn Pankratok (Sonchaï), Josse De Pauw (Matthias), Joey Boy (Boomsong), Teerawat Mulwilai (Khun), Saichia Wongwirote (Petch), Borhan du Welz (Joshua) uva.
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628971694 (Kauf-DVD) bzw. 4020628958015 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Die Gutmenschen Jeanne und Paul Bellmer engagieren sich in Thailand für die Errichtung von Waisenhäusern. Der große Tsunami von 2005 hat auch sie getroffen; die Flutwelle erfasste den kleinen Sohn Joshua, der seitdem verschollen ist. Während der trauernde Vater sich sechs Monate später allmählich mit der Tatsache abzufinden beginnt, dass Joshua tot ist, kann Jeanne nicht loslassen. In Träumen und Visionen erscheint ihr der Sohn, und Paul denkt laut über einen Besuch beim Psychiater nach, was der ohnehin bröckelnden Beziehung keineswegs guttut.

Als Jeanne eines Tages auf einem Video, das verlassene Kinder in einem Dorf tief im Dschungel von Burma zeigt, Joshua zu erkennen glaubt, bricht ihre mühsam gewahrte Fassade zusammen. Sie will in die Wildnis reisen, um ihren Sohn zu suchen. Doch Burma ist eine Militärdiktatur und eine offizielle Einreise unmöglich. Jeanne und der widerwillig seiner Gattin folgende Paul wenden sich an den berüchtigten Schmuggler und Sklavenhändler Gao, der regelmäßig die Küstendörfer Burmas aufsucht, um Mädchen und junge Frauen zu kaufen. Viel Geld wechselt den Besitzer, bevor sich die Bellmers in Gaos Begleitung auf den Weg machen.

Der misstrauische Paul hält Gao nicht grundlos für einen Betrüger, der seine Auftraggeber nur ausnehmen will. Als sich dies bestätigt, fordert er die Rückkehr, doch Jeanne übergibt Gao heimlich ihr gesamtes Geld: Er soll sie tiefer nach Burma führen. Heftiger Streit bricht aus, als Paul dies entdeckt. Die kleine Expedition steckt ohnehin in Schwierigkeiten: Gao setzt sich ab, und die Bellmers stoßen auf eine Gruppe verwilderter Kinder, die den Erwachsenen zunehmend feindselig begegnen. Ohne sich abschrecken zu lassen, dringt Jeanne mit Paul im Schlepptau immer tiefer in den Urwald vor. Realität mischt sich mit Rätselhaftem und Wahn, bis sich tief im Herzen der Finsternis Joshuas Schicksal und das seiner Eltern erfüllt …

Genre-Geschichte mit Anspruch

Es beginnt als Drama, entwickelt sich zum Abenteuer und mündet in blankem Horror: „Vinyan“ ist offensichtlich das Projekt eines sehr ehrgeizigen Filmemachers. Mehrere Jahre hat der belgische Regisseur Fabrice Du Welz an seiner Geschichte gearbeitet und gefeilt, sich um die komplizierte Finanzierung – Produzenten sind vorsichtig und ziehen es vor, ihr Geld in simple Geschichten zu investieren, die Profit versprechen – gekümmert sowie mit Emmanuelle Béart und Rufus Sewell zwei Schauspieler ins Boot gelockt, die normalerweise höhere Gagen verlangen können und sich dafür weniger anstrengen müssen.

Diesen Enthusiasmus bereuten sie in den langen Wochen der Dreharbeiten oft bitterlich, wie das ausgezeichnete Making-of (s. u.) belegt. Du Welz ist nicht nur Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch ein Abenteurer, der wie John Huston oder Werner Herzog zwischenmenschliche Konflikte gern in möglichst unwirtlichen Kulissen entfesselt: Die ungebändigte Natur soll nicht nur diese Auseinandersetzung widerspiegeln, sondern sie auch dort verstärken, wo das Regelwerk der Zivilisation keine Gültigkeit besitzt und die Protagonisten in einem Mikrokosmos gefangen sind, der durch ihren Status als Ausländer – sie beherrschen die thailändische Sprache nicht – komplettiert wird. Blicke und Gesten und selbst ein Lachen wirken bedrohlich, wenn man sie nicht entschlüsseln kann.

Für seine Version einer Reise durch seelische Abgründe wählte Du Welz Thailand. Auch dort gibt es längst moderne Großstädte, und selbst in der scheinbaren Wildnis steht der Handy-Empfang. Doch diese Seite Thailands interessierte Du Welz nicht. Selbst die Szenen, die in Bangkok spielen, stellen die Schattenseiten der Metropole in den Mittelpunkt: dreckige Hinterhöfe, schummerige Bordelle, triefende Gassen.

Die Macht der Natur

Hitze und Feuchtigkeit sorgen dafür, dass Thailand sich zu einer Brutstätte für das Seltsame und Gefährliche entwickelt. Den Dschungel, der im Making-of so grün und sonnig wirkt, wie er realiter meist ist, verwandelt Du Welz in eine graue, schlammige, modrige, monsunregengepeitschte und letztlich paradox lebensfeindliche Umgebung, die er faktisch nicht ist, weshalb das Filmteam kräftig mit Kamerafiltern und künstlichen Nebelschwaden nachhelfen musste.

Was Du Welz dabei im Hinterkopf wälzte, spricht er im Making-of aus: „Vinyan“ spielt in der Welt des Filmklassikers „Apokalypse Now“ (1979). Dieser entstand vor allem nach dem Literatur-Klassiker „Heart of Darkness“ (1899; dt. „Herz der Finsternis“), in dem Joseph Conrad (1857-1924) den ‚zivilisierten‘ Menschen in die Wildnis (ent-) führte und in der Begegnung mit dem nackten, ursprünglichen Grauen Stück für Stück seiner Menschlichkeit entkleidete. Du Welz kombinierte diese allegorische Geschichte mit einem weiteren, thematisch ähnlichen Klassiker: In „Lord of the Flies“, (1954, dt. „Herr der Fliegen“) schilderte William Golding (1911-1993) die Entwicklung – oder Degeneration – einer in der Wildnis isolierten Kindergruppe zu einer eigenen Gesellschaft mit barbarisch anmutendem Verhaltenskodex.

Da „Vinyan“ im südostasiatischen Raum spielt, fühlt sich Du Welz verpflichtet und berechtigt, die naturmythisch geprägten Religionsströmungen dieser Region in seine Geschichte einfließen zu lassen. Der „Vinyan“, der dem Film seinen Titel gibt, ist demnach der Geist eines Menschen, der gewaltsam ums Leben kam und daraufhin bösartig wurde. Wer diese Deutung kennt – und Du Welz lässt sie ausgerechnet den moralfreien Gao erzählen –, weiß im Grunde, wie die Geschichte ausgehen wird.

Im Rausch der Bilder

Eine stringente oder logische Handlung ist nicht Du Welzes Anliegen. Nur die Einleitung ist ‚realistisch‘, bevor das menschliche Unterbewusstsein die Herrschaft übernimmt. Nunmehr gilt es für den Zuschauer zu deuten, denn was er sieht, entspricht nicht unbedingt der Wirklichkeit. Andeutungen werden gemacht, Symbole ausgestreut. Die Handlung wird zusehends kontextreicher. Bilder und Töne fließen zu einem interpretationswüstem Gemenge zusammen.

Freilich bleibt diese Vielschichtigkeit vor allem Behauptung. Wieder einmal fordert der Künstler – Du Welz – vom Zuschauer, sich bedingungslos auf das Geschehen einzulassen und sich vom Bildersturm davontragen zu lassen. Das gelingt ihm mit den Apologeten des ‚guten‘ Films sowie denen, die „Vinyan“ im Halbschlaf (oder Vollsuff) über sich ergehen lassen. Tatsächlich ist der Plot sehr simpel, und wer ihn im Hinterkopf behält, während Du Welz mächtig an der Seelen-Schraube dreht, wird wie gesagt schwerlich von dem überrascht sein, was sich im Dschungel von Burma abspielt.

Der ketzerische Realist kann sogar geltend machen, dass „Vinyan“ ein reichlich verblasenes Garn spinnt. Muss der Zusammenbruch einer Beziehung unbedingt in archaischer Urwelt zelebriert werden? Sind die Bilder und psychedelischen Klänge, die Du Welz dafür findet, so irritierend und suggestiv, wie er sich dies vorstellt? Hat man nicht schon viel zu oft Großstadtmenschen im Bann des Irrationalen durch Schlamm und Dauerregen taumeln sehen? Gleichen eine schon in der DVD-Version erstaunliche Bildqualität sowie eine suggestive Ton- und Musikuntermalung dies aus?

Film als Herausforderung und Abenteuer

Diese und ähnliche Fragen lassen sich durchaus bejahen. Mit fortschreitender Handlung ertappt sich sogar der kunstbeflissene Zuschauer dabei, dass er eher die Leidensfähigkeit der Schauspieler bewundert als dem Geschehen folgt. Sie kämpfen sich durch dampfend heißen Dreck und schwitzen sich die Seelen aus den Leibern. Was sie dabei erleben, ist in der Regel wenig spektakulär. In der Tat sagt es viel aus, dass die wenigen Momente echter Spannung einschlägigen Genre-Effekten geschuldet sind, die Du Welz keineswegs verschmäht. Also wird hin und wieder knochenknackend geprügelt und gesteinigt, und im Finale fliegen Eingeweide durch die Luft. (Da „Vinyan“ ein „Arthouse“-Film ist, wurde er hierzulande dennoch ab 16 Jahren freigegeben.)

Für Emmanuelle Béart und Rufus Sewell wurde die Arbeit am Set zur persönlichen Reise in die Finsternis. Unter der enormen Belastung, die das für den Mitteleuropäer mörderisches Tropenklima, die Abgeschiedenheit der Drehorte, das knappe Budget und die daraus resultierende Zeitnot darstellten, leisteten die beiden Hauptdarsteller schier Übermenschliches: Sie sind jederzeit nicht nur körperlich präsent, rennen, klettern, schwimmen, sondern bieten gleichzeitig Schauspielkunst in hoher Vollendung. Das aufeinander eingespielte Ehepaar in der Krise stellen sie nicht dar, sie verkörpern es in jeder Filmsekunde. Béart überzeugt sogar in der sonst schnell lächerlich wirkenden Rolle des ungebremst rasenden Muttertiers.

Unterstützt werden sie von im europäischen Kulturraum unbekannten Künstlern wie Petch Osathanugrah oder Joey Boy. In Asien sind sie die Prominenten, und sie halten mit Béart und Sewell jederzeit mit. Vor allem Osathanugrah ist als Gao in der einen Sekunde nachdenklich und offenherzig, um in der nächsten als brutaler Krimineller und bedrohlicher Fremder für Schrecken zu sorgen.

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf zwei Trailer zum Hauptfilm und ein vorbildliches, mit 50 Minuten Dauer informationsreiches „Making of“. Statt die vor und hinter der Kamera Beteiligten in einen Stuhl zu setzen und sie im ‚Interview‘ plump verkappte Zusatzwerbung für den Film betreiben zu lassen, gibt es echte und aktuelle Blicke hinter die Kulissen. Fast 40 Tage dauerten die Dreharbeiten. Sie wurden mit eigener Kamera dokumentarisch verfolgt. Das „Making of“ markiert die Höhepunkte dieser Zeit, wobei damit keineswegs nur die angenehmen und positiven Seiten der Produktion vorgestellt werden. „Vinyan“ ist das Ergebnis höchsten physischen und psychischen Einsatzes. Crew und Schauspieler mussten eine Einheit bilden, um dem gewachsen zu sein. Als unbeteiligter Zuschauer kann man nur staunen, wie weit sie dabei zu gehen bereit waren. So sieht man eine zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 45-jährige Emmanuelle Béart, die in brütender Hitze mit beidseitiger Ohrenentzündung einen steilen, glitschigen Dschungelhang über Stock und Stein hinunter rennt – immer und immer wieder, solange es der Regisseur wünscht und bis sie nur noch taumeln kann.

Denn Fabrice Du Welz ist ebenso Visionär wie Filmbesessener. Er schont seine Crew und die Schauspieler ebenso wenig wie sich selbst. Vor seinem geistigen Auge läuft der Film, wie er ihn drehen will. In der Umsetzung macht er keine Kompromisse. Noch im ungezieferverseuchtesten Urwaldloch sucht er hellwach und ungeduldig nach den schönsten Motiven und besten Aufnahmewinkeln. Wolkenbrüche und apokalyptische Gewitter registriert er entweder als dramatische Bereicherung, in die er seine Mitstreiter hinausjagt – die dabei Risiken eingehen, die der Versicherung im fernen Europa nachträglich Entsetzensschreie entlocken dürften – oder als Hindernisse, die den Drehplan durcheinanderbringen. Dazu zählt er auch die müde Bockigkeit seines Sohnes Borhan, der aufzumucken wagt, als er schon spät in der Nacht in der Rolle des Joshua immer wieder durch eine Gasse von Bangkok gehen soll, weil er nach Ansicht des Regisseurs nicht wie ein Phantom, sondern „wie eine Ente“ laufe.

Deutlich wird aber auch Du Welzes Fähigkeit, sein Team mitzureißen. Sein unermüdliches Pochen auf Drehbuch und Storyboard halten sie bei der Stange, wenn sie eigentlich erschöpft nur irgendwie ihren Job hinter sich bringen wollen. Du Welz fordert trotz Minimal-Budget das Optimale – und er bekommt es. Dass das Ergebnis nicht zwangsläufig mitreißt und sich die „Vinyan“-Stimmung nicht auf jeden Zuschauer überträgt, liegt nicht am mangelhaften Einsatz, sondern daran, dass Du Welz einen Film-Weg einschlägt, der so selten doch nicht und manchmal eben origineller beschritten wurde.

[md]

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)
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Prince of Persia – Der Sand der Zeit

Erstellt von Günther Lietz am 28. Mai 2010

Prince of Persia – Der Sand der Zeit


Prince of Persia: The Sands of Time (USA 2010)
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
116 Min.
Verleih: Walt Disney
Start: 20. 05. 2010

Regie: Mike Newell
Produktion: Jerry Bruckheimer, Chad Oman, Eric Mcleod, Mike Stenson
Drehbuch: Jordan Mechner, Boaz Yakin, Doug Miro, Carlo Bernard
Musik: Harry Gregson-Williams

Darsteller: Jake Gyllenhaal (Dastan), Gemma Arterton (Tamina), Sir Ben Kingsley (Nizam), Alfred Molina (Sheik Amar), Steve Toussaint (Seso), Toby Kebbell (Garsiv), Richard Coyle (Tus), Ronald Pickup (King Sharaman), Reece Ritchie (Bis), Gísli Örn Garðarsson (Hassansin Anführer)

http://www.disney.de/prince-of-persia/
http://kyzr.free.fr/davidbelle/

Der Prinz von Persien hat den gewaltigen Sprung vom Videospiel auf die Leinwand gewagt und ist auf den Füßen gelandet.

Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) ist der jüngste von drei Brüdern, obwohl von Geburt kein Königssohn, sondern adoptiert. Mit den Prinzen Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) macht er sich nun daran die heilige Stadt Alamut zu erobern, um die dortigen Waffenlager auszuheben. Doch der Triumph der Brüder weicht schon bald Trauer, Hass und Verrat.

Schlussendlich ist Dastan als Mörder gebrandmarkt und mit der schönen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) auf der Flucht. Im Besitz des Prinzen befindet sich ein verzauberter Dolch, der im Mittelpunkt des Verrats steht und die Zeit beeinflussen kann. Dastan versucht nun seine Unschuld zu beweisen und ringt schlussendlich gar um das Überleben des ganzen Welt …

Die Handlung ist schnell erzählt und weist keine besonderen Überraschungen oder Wendungen auf. Mike Newell legt Wert auf eine in sich schlüssige Erzählung und optimale Vermarktung, dementsprechend einfach ist die Geschichte gestrickt und an den richtigen Stellen mit den passenden dramatischen Elementen gespickt. Newell versteht sein Handwerk, ebenso wie Jerry Bruckheimer, der sich für die Produktion von „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auszeichnet. Bei einem solchen Blockbuster gibt es keine großen Experimente – und das macht den Film so gut.

Der Film basiert auf der beliebten Videospielreihe „Prince of Persia“, die aus dem Hause Ubisoft stammt und sich großer Beliebtheit erfreut. Newell meidet die üblichen Fallstricke, die Videospieladaptionen mit sich bringen. Er versucht den Nerv des Spiel zu treffen und bietet keine exakte Umsetzung. Trotzdem sind alle wichtigen Elemente enthalten, so das es einen hohen Wiedererkennungswert gibt, und dennoch punktet der Film durch ein großes Maß an Eigenständigkeit.

Regisseur Mike Newell vergeudet auch keine Zeit mit einer langwierigen Charaktervorstellung, sondern wirft seinen Helden sofort ins Geschehen. Innerhalb weniger Augenblicke steht fest: Das ist der Prinz, er kann turnen und er hat eine scharfe Zunge. Perfekt!

So rasant und auf diese Punkte konzentriert geht es auch weiter. Mit Tamina erscheint die weibliche Hauptrolle auf der Bühne und schon gibt es bissige Dialoge zwischen Dastan und der Prinzessin. Auch hier folgt der Film dem Gedanken des Videospiels, zudem vermittelt er noch brüderliche Stärke, Familien- und Gerechtigkeitssinn. Es ist ein Disney-Film und entsprechend familienfreundlich kommt „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auch daher. Die Kritik an Gemma Arterton als Tamina in diesem Zusammenhang – sie sei für die Rolle zu wenig sexy – ist unsinnig. Auch das die harten Ecken und Kanten abgeschliffen wurden ist einfach passend. Dabei zeigt Newells Arbeit eindrucksvoll, dass es keiner blutigen Gewaltorgien bedarf, um überzeugende und atemberaubende Action zu präsentieren.

Die Action steht in dem Film natürlich im Vordergrund, vor allem die akrobatische Fortbewegung des Prinzen Dastan. Für die Choreographie zeigt sich David Belle verantwortlich, der als Begründer des „Le Parkour“ gilt – der Kunst, durch Überwindung sämtlicher Hindernisse den schnellsten und effizientesten Weg vom Startpunkt zum Zielpunkt zu nehmen. Belle versteht sein Handwerk und seine Choreographie ist ausgezeichnet. Die akrobatischen Kunststücke sind gelungen umgesetzt, leichtfüßig und atemberaubend. Wer nun glaubt das sei alles von Stuntmen unterstützte Tricktechnik, der sollte sich das ein oder andere Video von David Belle und seinen Kollegen anschauen. Die bewegen sich oft atemberaubender als der Prinz durch die Großstädte.

Tricktechnik spielt zwar eine große Rolle in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“, trotzdem ist vieles noch hausgemacht und liebevoll umgesetzt. So hat Jake Gyllenhaal darauf bestanden möglichst jeden seiner Stunt selber durchzuführen, was zu mehreren leichten und schweren Blessuren führte. Gyllenhaal, der bisher nur in kleineren Produktionen auf sich aufmerksam machte, war nach Orlando Bloom and Zac Efron zwar nur dritte Wahl, ist aber um so perfekter. Er verkörpert Prinz Dastan atemberaubend und lässt keine Zweifel daran, dass er für die Rolle des Prinzen die erste Wahl ist. Körperbau, Mimik und das Augenspiel sprechen für sich. Jake Gyllenhaal hat auch hart an sich gearbeitet, um den Schritt in eine solch große Produktion zu schaffen. Hartes Training an sich selbst und die Umstellung auf einen generalstabsmäßigen Produktionsplan standen auf dem Programm. Gyllenhaal hat es geschafft und ist mit seiner Rolle als Prinz Dastan an der Spitze angekommen. Gut, dass der Prinz schwindelerregende Höhen liebt. Dastan ist übrigens ein waschechter Märchenprinz. Das persische Wort für Märchen und Geschichte lautet nämlich „dâstân“.

An Gyllenhaals Seite agiert Gemma Arterton in der Rolle von Tamina. Sie ist die widerspenstige Ungezähmte, die dem Prinzen richtig heftig zusetzt, stolz und mit einem reinen Herzen – das idealisierte Bild einer persischen Prinzessin eben. Das macht Arterton übrigens aktuell zur amtierenden Disney-Prinzessin. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig in Anbetracht ihrer bisherigen Rollen wie Strawberry Fields in „James Bond: Ein Quantum Trost“ (2008) auch Io in „Kampf der Titanen“ (2010). Gemma Arterton versprüht nun keinen Sex wie Megan Fox, sondern verbindet hervorragend Erotik und Familienunterhaltung. Zudem kann sie exzellent spielen und ist das passende Gegengewicht zu Gyllenhaal. Zugegeben, die beiden haben nur wenig Dialog miteinander, aber der ist witzig spritzig. Und ein guter Actionfilm kommt sowieso ohne großartig tiefsinnige Gespräche daher.

Neben Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton überzeugen auch die übrigen Darsteller mit ihrer Leistung. Allen voran natürlich Sir Ben Kingsley („Shutter Island“, „Schindlers Liste“), der Dastans Onkel Nizam zum Besten gibt und in dieser Rolle sogar einige Actionszenen spendiert bekommt. Auch Alfred Molina („Spider Man 2“) zeigt eine hervorragende Leistung. Beide stehen stellvertretend für die restliche Besetzung, die sehr hochwertig ist und auf einem ebensolchen Niveau agiert. Dadurch wirkt der Film lebendig und glaubhaft – ein persisches Hollywoodmärchen eben.

Die passende Musik zu diesem Märchen wird von Harry Gregson-Williams beigesteuert, der einen westlich modernen, aber dennoch orientalisch orientierten Score kreierte. Dabei kann Gregson-Williams auf seine jahrelange Berufserfahrung im Bereich Filmmusik und Videospielmusik bauen. Das ist in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ gut zu hören und macht stets Laune. Die Musik klingt exotisch, aber keinesfalls fremdartig oder störend. Und das macht den Score so schön. Den Soundtrack sollten sich Kinogänger jedenfalls vormerken.

Zugegeben, ein wenig Kritik gibt es natürlich auch an diesem Film, denn es schleicht sich schon die ein oder andere kleine Logiklücke ein und leider mangelt es an tödlichen Fallen, über die Prinz Dastan hüpfen könnte. In den Videospielen sind die Fallen halt stets präsent und ein Markenzeichen der Reihe. Aber das sind Punkte, die vollkommen vernachlässigt werden können.

Was bleibt ist ein grandioser Actionstreifen, der an Bruckheimers „Fluch der Karibik“ anknüpft und zu den besten Abenteuer-Actionfilmen gehört, die derzeit in den Kinos laufen. „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ dürfte auch zu den besten Videospieladaptionen gehören, die jemals gedreht wurden – vielleicht ist der Prinz sogar die beste Umsetzung überhaupt. Humorvoll, leichtfüßig und verspielt – einfach märchenhaft!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Southland Tales

Erstellt von Michael Drewniok am 14. Mai 2010

Southland Tales

Originaltitel: Southland Tales (USA 2006)
Regie u. Drehbuch: Richard Kelly
Kamera: Stephen Poster
Schnitt: Sam Bauer
Musik: Moby
Darsteller: Dwayne Johnson (Boxer Santaros), Seann William Scott (Roland Taverner/Ronald Taverner), Sarah Michelle Gellar (Krysta Now), Nora Dunn (Cyndi Pinziki), Holmes Osborne (Senator Bobby Frost), Miranda Richardson (Nana Mae Frost), John Larroquette (Vaughn Smallhouse), Mandy Moore (Madeline Frost Santaros), Wallace Shawn (Baron von Westphalen), Bai Ling (Serpentine), Zelda Rubinstein (Dr. Katarina Kuntzler), Christopher Lambert (Walter Mung), Jon Lovitz (Bart Bookman), Justin Timberlake (Private Pilot Abilene), Lou Taylor Pucci (Martin Kefauver) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 02.10.2008 (DVD)
EAN: 5050582506426 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 139 min.
FSK: 16

Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Nach einem Atombomben-Anschlag nahöstlicher Terroristen auf Texas ist der Dritte Weltkrieg ausgebrochen. In den USA konnte eine reaktionäre Regierung mit dem Versprechen gnadenloser Vergeltung das Heft fest in die Hand nehmen. Die meisten Bürgerrechte sind aufgehoben; sogar zwischen den US-Bundesstaaten ist kein freier Reiseverkehr mehr möglich. Eine fast lückenlose Überwachungsmaschinerie namens US-IDent sichert der Regierung die Kontrolle, die ihr dennoch von regimekritischen Gruppen streitig gemacht wird. In den Southlands – dem südlichen Kalifornien – sind dies in erster Linie die Neo-Marxisten. Erbittert gejagt von der örtlichen US-IDent-Herrscherin Nana Mae Frost, Gattin des erzkonservativen Senators Bobby Frost, versuchen sie den Restriktionen Einhalt zu gebieten.

Unterdessen greift Baron von Westphalen nach der Weltmacht. Nur der geniale aber verrückte (und deutsche!) Wissenschaftler vermag „Fluid Karma“ zu produzieren, jenen Stoff, der weltweit die fossilen Brennstoffe ersetzen kann. Allerdings gibt es bei der Herstellung eine unerfreuliche Nebenwirkung: Die Rotation der Erde verlangsamt sich, und Risse im Raum-Zeit-Kontinuum tun sich auf, die den Weltuntergang ankündigen.

Der Filmstar Boxer Santaros hat das Gedächtnis verloren und lebt mit dem Porno-Starlett Krysta Now zusammen. Gemeinsam haben sie ein Drehbuch geschrieben, das akkurat die nahe Apokalypse beschreibt. Während Boxer sich zu erinnern versucht, kommen sich die ‚Brüder‘ Roland und Ronald Taverner, die nur gemeinsam das Weltende auslösen werden, stetig näher. Während des feierlichen Stapellaufs des gewaltigen Von-Westphalen-Zeppelins greifen die Einzelteile der Untergangs-Maschine ineinander, aber die Menschen sind viel zu sehr mit eigenen Auseinandersetzung beschäftigt, um dies zu bemerken …

Was werden sollte … und was wurde

Erfolg kann durchaus ein Fluch sein, denn er geht nicht selten einher mit der Entwicklung eines gewissen Größenwahns. Dies ist durchaus menschlich, denn wer einmal ins Schwarze traf, ist gern davon überzeugt, endlich jenen Tiger, der nicht im Tank steckt, sondern die Mysterien des Lebens symbolisiert, am Schwanz gepackt und somit den Durchblick erreicht zu haben. Für Richard Kelly war dieser Moment 2001 gekommen. In diesem Jahr brachte er seinen dritten Film ins Kino. „Donnie Darko“ war kein Blockbuster, fand aber ein begeistertes und interpretationsfreudiges Publikum, das dem Film schließlich jenen Kultstatus verschaffte, der sich zum Leidwesen aller Marketing-Strategen nicht planen lässt.

Auf dem DVD-Markt wurde „Donnie Darko“ zum Renner und Richard Kelly plötzlich zu einem Namen, der nicht nur einen guten Klang in Kritikerkreisen hatte, sondern auch die etablierten Hollywood-Studios aufhorchen ließ. Sie witterten Profit, winkten mit Geld und waren bereit, den exzentrischen Kelly schalten und walten zu lassen, obwohl sie keine Ahnung hatten, womit er die Filmwelt nunmehr zu beglücken gedachte.

Das Erwachen war böse, denn Kelly ist ein Mann, der sich schwere Gedanken über die politische, soziale und ökologische Gegenwarts-Welt macht. Dies sind drei Stoffe, aus denen nicht unbedingt Erfolgsfilme gewoben werden, zumal Kelly es ernst meinte mit seiner Kritik an einer haltlos zum diktatorischen Überwachungsstaat mutierenden US-Regierung sowie einer um sich selbst und ihre Belanglosigkeiten kreisenden, gleichgültig auf dem Vulkan tanzenden Gesellschaft, die einerseits ihre Energiereserven verschleudert, während sie andererseits ihren planetaren Wohnort verwüstet.

Rätselhaft oder einfach nur durcheinander?

Weil Kelly anders als Ex-Vizepräsident Al Gore keine Dokumentation à la „An Inconvenient Truth” (dt. „Eine unbequeme Wahrheit“), sondern einen Spielfilm drehte, musste er darüber nachdenken, welches Grundgerüst er seiner Geschichte geben sollte. Er entschied sich für ein Konzept, das sämtliche Genres einerseits bedient und andererseits ignoriert. „Southland Tales“ ist daher eine Polit-Thriller-Komödie mit Science-Fiction- und Mystery-Elementen, die durch eine Musical-Einlage unterbrochen wird.

Das Ergebnis ist exakt so seltsam, dass es sich ebenso begründbar als Geniestreich wie als Murks einschätzen lässt. Zumindest für den Rezensenten neigt sich die Waage gefährlich dem zweiten Urteil zu. Einfach fällt die Entscheidung aber nicht, weil sich Kelly alle Mühe gibt, seiner Parallelwelt-Mär Bedeutungsschwere förmlich einzuprügeln. Die Bilder sind nicht nur erlesen, sondern bersten vor Anspielungen und Kontext, die der vorsichtige Kritiker nicht als prätentiösen Humbug bezeichnet, weil er sich dadurch womöglich als Kunstbanause und Ignorant bloßstellt. Zudem mögen dem US-Zuschauer die Parallelen zur Regierung Bush oder zum „Krieg gegen den Terror“ schärfer gewürzt wirken als dem dekadenten und notorisch unpatriotischen Europäer.

Allerdings macht sich Kelly mehrfach angreifbar, indem er beispielsweise seine Satire mit SF-Elementen verschneidet, die „Southland Tales“ in eine inoffizielle Fortsetzung von „Donnie Darko“ verwandeln. Schon wieder öffnen sich Portale in Zeit und Raum, die sich auf diese Weise verwirren und gegenseitig zu zerstören drohen. Donnie Darko tritt dieses Mal doppelt als Roland und Ronald Taverner auf, behält aber seinen kruden Messias-Status.

Zu viel gewollt, zu wenig sortiert

Vier Jahre hat Richard Kelly nach eigener Aussage in das Projekt „Southland Tales“ gesteckt. In dieser Zeit hat er sich offensichtlich allzu tief darin vergraben. Sein Drehbuch ist überfrachtet mit Anliegen, die sich selbst aushebeln. Kelly überschätzt sein Publikum. Während sich ihm als Urheber die Chiffren erschließen, ist er betriebsblind geworden. „Southland Tales“ erhebt einen Anspruch, den der Film nicht verdient. Wirklich geniale und nicht nur genialische Autoren und Regisseure bürsten Inhalt und Form eines Films so gegen den Strich, dass er sich seinen Zuschauern weiterhin erschließt. Kelly knüpft Rätsel an Rätsel und erwartet entweder ehrfürchtiges, kritikloses Schweigen oder ein Aha!-Erlebnis, das in etwa erfasst, was er sich angeblich dachte.

Das „Making-of“ dokumentiert, dass schon während der Dreharbeiten die Ratlosigkeit vor und hinter der Kamera grassierte. Die Schauspieler bemühen sich deutlich verwirrt um Interpretationen (Dwayne Johnson, Sarah Michelle Gellar), driften in wilde  Deutungs-Delirien ab (Christopher Lambert) oder offenbaren, keine Ahnung zu haben, was sie da mimen. Vor allem Jon Lovitz gibt zu, sich in Schauspielerroutinen geflüchtet zu haben: Kelly sagte ihm, was er in seiner Szene tun und sagen sollte, und Lovitz hielt sich daran. Als wahrer Profi liefert er trotzdem eine der besseren Szenen ab.

„Southland Tales“ ist ein episodischer Film. Schon der Titel macht deutlich, dass die Handlung in diverse, oft nur lose verbundene Sequenzen zerfällt. Der (deutsche) Zuschauer leidet zusätzlich unter einem Mangel an Vorwissen. Ehrgeizig plante Kelly „Southland Tales“ als multimediales Spektakel. Es gab nicht nur eine entsprechend mit Informationen gespickte Website, sondern auch eine dreiteilige Comic-Serie, die eine Vorgeschichte erzählte. (Dies löst auch das Rätsel, wieso der ebenfalls dreifach gegliederte Film mit dem Kapitel 4 beginnt.)

Sie wollten dabei sein!

Regisseure wie Robert Altman oder Woody Allen drehen keine Blockbuster, sondern Filmkunst. Gern spielen Schauspieler für wenig Geld für sie, denn vor der Kamera dominieren nicht der Produzent und die Techniker für die Spezialeffekte, sondern der Regisseur und seine Darsteller. Außerdem macht sich ein Arthouse-Film gut in der Vita, was den Lohnausfall verschmerzbar macht.

Zwar ist Richard Kelly weder Altman noch Allen, aber nach „Donnie Darko“ sah es so aus, als könne er es werden. Daraus resultiert ein Schauspieler-Ensemble, das im Rahmen eines 15-Mio.-Dollar-Films bemerkenswert ist. 2006 war Dwayne Johnson immer noch „The Rock“, ein ehemaliger Wrestling-Star, der sich seine allmählich vermorschenden Knochen nicht länger im Ring brechen lassen wollte, sondern eine Filmkarriere anstrebte. Weil ihm verständlicherweise vor allem Prügel-Rollen à la „Doom“ oder „Walking Tall“ angeboten wurden, nutzte er die Chance, einen Charakter wie Boxer Santaros darzustellen. Freilich übersteigt dieser seine schauspielerischen Fähigkeiten doch, wenn Johnson wenig glaubwürdig Gefühlsregungen in kritischen Situationen wiederzugeben versucht.

Der verheißungsvolle Name Kelly hat wohl auch die in den letzten Jahren in ihrer Rollenwahl etwas glücklose Sarah Michelle Gellar in eine Rolle gelockt, die jede Darstellerin im Lycra-Fummel und unter einer hässlichen Perücke geben könnte. Ähnlich ratlos registriert der Zuschauer Christopher Lambert in einer winzigen Nebenrolle. Besser trafen es Wallace Shawn, John Larroquette oder Bai Ling, die nach Herzenslust chargieren dürfen. Justin Timberlake fällt lange nicht negativ auf, bis er in schauderhafter Choreografie zur Musik ein Lied vorträgt, das immerhin von den „Killers“ stammt.

„Southland Tales“ als Steinbruch

Letztlich fährt wohl der als Zuschauer am besten, der „Southland Tales“ szenenweise goutiert. Kelly ist ein Mann mit obskuren und oft guten Ideen, und er hat ein Gefühl für stimmungsvolle Bilder. Immer wieder überrascht man sich dabei, gut unterhalten zu werden. Der futuristische Zeppelin über der nächtlichen Skyline von Los Angeles, die von Feuerwerk und brennenden Straßenzügen erleuchtet wird, bietet einen bemerkenswerten Anblick. Das gilt auch für den Atompilz, der sich unweit einer fassungslosen Geburtstagsgesellschaft erhebt, oder für den überdrehten, delirierend bunten Mikrokosmos der „Neo-Marxisten“.

Für Richard Kelly nahmen die „Southland Tales“ übrigens ein böses Ende. Eine frühe Fassung wurde auf dem Filmfestival in Cannes verrissen, eine neu geschnittene und geraffte Version kam nur in wenige Kinos, in denen sie nur einen Bruchteil der Kosten wieder einspielte. Wie für „Donnie Darko“ möchte Kelly irgendwann einmal einen „Director’s Cut“ von „Southland Tales“ herstellen, der den Kritikern beweisen soll, wie sie sich in ihm und seinem Film getäuscht haben.

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf ein „Making-of“, das recht aufwändig als durch die Mühlen der (fiktiven) US-IDent gedrehten und über deren Website abrufbare Dokumentation gestaltet wurde. Ohne diesen Schnickschnack reduziert sich der Beitrag auf Bilder vom Dreh, Erläuterungen zu einigen Drehorten und Spezialeffekten, den üblichen Nullsprech-Interviews sowie vergebliche Erklärungsbemühungen des Regisseurs.

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The Fire Dragon Chronicles

Erstellt von Günther Lietz am 11. Mai 2010

The Fire Dragon Chronicles

Regisseur: Steve Shimek
Darsteller: Brad Johnson, Newell Alexander, Kelly Stables, Maclain Nelson, Erik Denton

Format: DTS, PAL, Widescreen, Surround Sound, Untertitelt
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: KSM GmbH
Produktion: USA 2008
Spieldauer: 94 Minuten

Bonusmaterial: Behind the Scenes (in engl. Sprache mit dt. UT), Interview mit dem Animationsdesigner (in engl. Sprache mit dt. UT), Interview mit den Schauspielern (in engl. Sprache mit dt. UT), Trailer, Biografien, Bildergalerie

http://www.dragonhunterthemovie.com

Die Brüder Darius (Erik Denton) und Kendrick (Maclain Nelson) schlagen sich seit dem Tod ihrer Eltern alleine durchs Leben. Darius ist ein starker und gewandter Krieger, der sich dem Kampf gegen Drachen verschworen hat. Das denkt jedenfalls Kendrick. Nach dem Angriff eines Drachen ändert Darius jedoch seine Pläne und zieht – allen Warnungen zum Trotz – nach Westen. Unterwegs treffen sie auf eine kleine Gruppe, die sich den beiden Brüdern anschließt. Am Ziel angelangt erfährt Kendrick von seiner Bestimmung …

Die Geschichte ist schnell erzählt und bietet keine großen Überraschungen. Der Film ist entsprechend vorhersehbar, wartet aber trotzdem mit einigen unerwarteten Wendungen auf. Die liegen vor allem in den motivationslosen Plotänderungen begründet. Die Handlung dreht sich halt wie ein Fähnchen im Wind. Glücklicherweise folgt Regisseur Steve Shimek trotzdem einem roten Faden. Der führt am Ende des Films zu einem waschechten Drachenjäger.

Vorhersehbarkeit muss nun kein echter Mangel sein, führt in „The Fire Dragon Chronicles“ allerdings zu einem großen Maß an Langeweile. Dieser kann durch eine stimmige Inszenierung entgegengewirkt werden, aber auch da patzt der Film – vor allem im Bereich der Spezialeffekte. Diese sind einfach billig und lassen keine echte Fantasystimmung aufkommen. Shimek hat offenbar keine Ahnung von seiner Arbeit und verheizt gnadenlos die wenigen guten Darsteller die ihm zur Verfügung stehen.

Neben den Spezialeffekten, die problemlos als Computeranimation zu erkennen sind – und heutzutage von manch Hobbyisten besser umgesetzt werden – wirken auch die Kampfszenen plump. Sie sind zudem äußerst langsam und haben keine Dynamik. Auch die Maske patzt streckenweise, vor allem im Bereich der Brandverletzungen. In einem Film, der als Thema den Kampf gegen feuerspeiende Drachen hat, sorgen diese Mängel für unfreiwillige Komik.

Im Grunde stapft eine Gruppe Schauspieler durch den Wald, führt hölzerne Dialoge und müht sich mit einer minderwertigen Tricktechnik ab. Glücklicherweise gibt es dennoch einige lichte Augenblicke in dem drögen Fantasystreifen. So verfügen einige Darsteller tatsächlich über Talent und wissen zu unterhalten. Weniger in den wackligen Kampfszenen, aber mehr im zwischenmenschlichen Bereich.

So gibt es einmal die Verbindung zwischen den Brüdern Darius und Kendrick. Darius spielt den Ersatzvater und fällt Entscheidungen, die Kendrick kaum nachvollziehen kann. Dieser wächst langsam zu einem echten Kämpfer heran und verdient sich den Respekt seines Bruders. Erik Dentons (Darius) und Maclain Nelsons (Kendrick) Spiel ist zeitweise sehr überzeugend und lässt die Möglichkeiten aufblitzen, die Shimek nur hätte wahrnehmen müssen.

Heimlicher Star des Films ist jedoch Kelly Stables, die als Elfe Raya mitspielt. Dabei tritt sie sehr überzeugend auf. Selbst ihre Kampfszenen wirken unterhaltsam, ebenso die wenigen Spezialeffekte, die mit der Rolle in Verbindung stehen. Im Zusammenspiel mit Erik Denton gelingt es Stables sogar Emotionen zu transportieren und verhindert, dass der Film gänzlich aus dem Ruder läuft. Trotzdem sollten nur die größten Fantasy-Fans die Scheibe einlegen.

Auch die Qualität der Blu-ray lässt zu wünschen übrig. Das Bild ist oft grobkörnig und die Tricks sind noch offensichtlicher. Die Klangeffekte hämmern zwar gut aus den Boxen, aber die Stimmen sind etwas zu leise und müssen manuell angepasst werden, ansonsten gehen sie im Sound unter. Die Synchronisation ist dagegen akzeptabel.

Besonders ärgerlich ist jedoch der Umstand, dass es während dem Film unmöglich ist bequem ins Menü zurückzukommen. Das Bonusmaterial ist eher dürftig zu nennen, hat nur die übliches Hintergrundberichte und Featurettes, die zusammengenommen ein kleines Making of ergeben würden. Witzig sind hier übrigens die Kommentare des Computerspezialisten, der sich für die Animation des Drachen verantwortlich zeigt. Der Mann ist tatsächlich von der angeblich hohen Qualität seiner Arbeit überzeugt und wird als Animationsdesigner bezeichnet. Wenigstens gibt es ein Wendecover.

„The Fire Dragon Chronicles“ ist ein billig zusammengekloppter Fantasyfilm, der leider nur die hartgesottenen Fans anspricht. Es gibt einige gute Augenblicke, aber die sind sehr selten.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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S. Darko – Eine Donnie-Darko-Saga

Erstellt von Michael Drewniok am 15. April 2010

S. Darko
Eine Donnie-Darko-Saga

Originaltitel: S. Darko – A Donnie Darko Tale (USA 2009)
Regie: Chris Fisher
Drehbuch: Nathan Atkins
Kamera: Marvin V. Rush
Schnitt: Kent Beyda
Musik: Ed Harcourt
Darsteller: Daveigh Chase (Samantha), Briana Evigan (Corey), James Lafferty (Iraq Jack), Ed Westwick (Randy), Walter Platz (Frank), John Hawkes (Phil), Bret Roberts (Officer O’Dell), Jackson Rathbone (Jeremy), Elizabeth Berkley (Trudy), Barbara Tarbuck (Agatha), Matthew Davis (Pastor John Wayne), Nathan Stevens (Jeff), Ryan Templeman (Mike), Zulay Henao (Baelyn) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.12.2009
EAN: 4041658223010 (DVD) bzw. 4041658293013 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 99 min. (Blu-ray: 102 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Sieben Jahre nach dem bizarren Tod ihres Bruders Donnie, der in seinem Schlafzimmer von einer Flugzeugturbine erschlagen wurde, verlässt Samantha Darko das heimatliche Virginia. Sie leidet unter Visionen und schlafwandelt, fühlt sich von den Eltern vernachlässigt und will neu anfangen. Mit ihrer besten Freundin Corey fährt Sam nach Kalifornien, wo sich die beiden jungen Frauen als Tänzerinnen versuchen wollen.

Die Reise ist lang, das Auto alt, und irgendwo in der Wüste des US-Staates Utah gibt es seinen Geist auf. Dorfrebell Randy nimmt Sam und Corey mit in die Kleinstadt Conejo Springs. Die Reparatur des Wagens wird dauern, sodass die Frauen sich ein Motelzimmer nehmen. In den nächsten heißen Juli-Tagen lernen sie die kleine Stadt und ihre Einwohner kennen, zu denen der nur angeblich fromm gewordene Pastor Wayne, die fanatisch bigotte Trudy und der überforderte Officer O’Dell gehören. Der Polizist jagt einen Kidnapper, der zwei Kinder aus Conejo Springs entführt hat; O‘Dell hält den im Irak geisteskrank gewordenen Ex-Soldaten „Iraq Jack“ für den Täter.

In den Nächten wird Sam erneut von Albträumen geplagt. Ein spukhaftes Alter Ego fordert sie auf, das in vier Tagen zu erwartende Ende der Welt zu verhindern. Ihm schließt sich der Geist eines der verschwundenen Kinder an. Am Ortsrand schlägt ein seltsamer Meteorit auf. Die Kirche wird niedergebrannt. Iraq Jack empfängt Signale aus einer anderen Welt und schweißt eine stählerne Hasenmaske zusammen. Sam wird von Corey im Stich gelassen und stirbt bei einem grotesken Unfall. Corey will sühnen und findet einen Weg, die tote Freundin auferstehen zu lassen. Die ‚neue‘ Sam entdeckt, dass die angekündigte Apokalypse durch den allzu engen Kontakt mit einem parallelen Universum verursacht wird. Auf der Suche nach Rettung stirbt sie erneut, und das Schicksal dieser Welt liegt nun in den Händen von Iraq Jack, der keine Ahnung hat, was von ihm erwartet wird …

Am Anfang war …

… „Donnie Darko“, originäres Meisterwerk des Regisseurs und Drehbuchautors Richard Kelly; ein ebenso vielschichtiger wie faszinierend rätselhafter Film, der wie alle ‚echten‘ Kultstreifen seinen Klassikerstatus nicht der Werbung, sondern der tiefen Zuneigung eines in den Bann geschlagenen und interpretationswütiges Publikums verdankt. Solche Erfolge sind selten und meist singulär, was u. a. dadurch belegt wird, dass Richard Kelly als Filmemacher seit 2001 nichts auch nur annähernd Vergleichbares mehr gelang.

So verzweifelt (oder dumm) war er jedoch nicht, dass er den Sirenengesängen Hollywoods erlegen wäre. „Donnie Darko“ war zwar anfänglich kein großer finanzieller Erfolg beschieden. Gutes Geld brachten die erst DVD- und Blu-ray-Verkäufe, zumal Kelly 2005 einen um 20 rätselreiche Minuten verlängerten „Director’s Cut“ realisieren konnte. Gold wert war vor allem der Donnie-Darko-Mythos, den Hollywood auf Dauer nicht brach liegen lassen KONNTE, obwohl die Frage nach dem Inhalt (nicht dem Sinn) einer Fortsetzung sogar hartgesottene Filmprofis ins Schwitzen brachte, wie wir im „Making of“ zu „S. Darko“ erfahren.

Aber Hollywood – hier repräsentiert durch die kleine Firma Silver Nitrate Productions – kennt keine Scham und findet stets eine Lösung. „S. Darko“ ist keine ‚richtige‘ Fortsetzung, sondern eine „Donnie Darko Saga“. Was zunächst merkwürdig klingt, da Donnie definitiv mausetot ist und auch nicht aus der x-ten Dimension zurückkehrt, wird verständlicher, sobald der neue Film angelaufen ist: „S. Darko“ erzählt einfach noch einmal dieselbe Geschichte mit anderen Figuren und an einem anderen Ort. Als verbindendes Element dient Donnies jüngere Schwester Samantha, die im Originalfilm überhaupt nicht in die Zeit- und Dimensionsreisen ihres Bruders involviert war; die Affinität zum Mythischen ist bei den Darkos offenbar genetisch bedingt.

Alles anders und doch wie bisher

4 Mio. Dollar betrug das Budget für „S. Darko“ – ein Taschengeld im Vergleich zu den Summen, für die im 21. Jahrhundert Kinofilme gedreht werden. Allerdings hatte „Donnie Darko“ 2001 nur eine halbe Million mehr gekostet. Zudem war „S. Darko“ von Anfang an als „Direct-to-DVD“-Produktion geplant. So konnte an teuren Stars gespart werden, und auch Kulissen und Spezialeffekte mussten nicht auf der großen Leinwand, sondern nur auf dem ungleich kleineren Bildschirm überzeugen.

Zumindest in diesem Punkt müssen sich die Männer und Frauen von Silver Nitrate Productions keine Vorwürfe machen lassen: „S. Darko“ ist ein Film auf handwerklich hohem Niveau. Chris Fisher und seine Crew holen heraus, was finanziell und technisch möglich war. Da „S. Darko“ für DVD und Blu-ray konzipiert wurde, spiegelt sich diese Qualität auf beiden Medien wider. Die Bilder sind scharf, die Farben satt, die Spezialeffekte sind durchweg überzeugend geraten, der Ton kann Schauer über den Rücken jagen.

Was für die Story leider nur im negativen Sinn zutrifft. Atkins und Fisher haben sich an Richard Kellys generelle Deutung. Der Donnie-Darko-Kosmos lässt sich durchaus erklären; wir erleben einerseits, wie die irdische Realität durch spontan auftretende und kurzlebige „Tangenten-Universen“ bedroht wird, während andererseits Teenager mit dem Alltagsleben und dem Erwachsenwerden ringen. Einst war es Donnie, nun ist es Samantha, die Probleme damit hat. Ihr Schlafwandeln und ihre Visionen können auch als Reaktionen eines überforderten Geistes interpretiert werden. Sam lebt, macht Fehler und muss die Folgen tragen. Das Science-Fiction-Element der Geschichte ermöglicht ihr Neustarts, die wiederum andere Entscheidungen und entsprechende Auswirkungen zeitigen.

Wer zuerst kommt …

Nüchtern betrachtet war schon „Donnie Darko“ kein Geniestreich. Doch Richard Kelly war zuerst da mit seiner Story, die er nach Kräften verrätselte sowie mit Andeutungen und Zitaten auflud, die das Publikum zum Nachdenken anregten. Jeder Zuschauer konnte „Donnie Darko“ in seinem Sinn deuten und Recht dabei behalten, denn Kelly hielt das Geschehen absichtlich vage.

Chris Fisher entwickelt das Konzept nicht weiter, sondern kopiert es – ansehnlich zwar, aber nicht so clever, wie er dachte. Vorgeblicher Tiefsinn, vom Himmel regnende Tesserakte und der Verzicht auf ein vollständiges Happy-End ändern daran nichts. Von der Kritik und empörten Gralshütern des Originals wurde „S. Darko“ ohnehin zerrissen. Falls der Film ein neues Franchise einleiten sollte, ist dieser Plan inzwischen wahrscheinlich abgehakt, denn das Publikum schluckte den Köder nicht. Geht man indes ohne jede (übersteigerte) Erwartung an diesen Film, kann er trotz der elegant aber offensichtlich vom Original übernommenen Struktur unterhalten.

Profis im Ratespiel

Eine routinierte aber vor allem eindringlich aufspielende Darstellerriege trägt ihren großen Teil dazu bei. „S. Darko“ wurde mit TV-Veteranen besetzt, denen es gelang, die auf ihre Art durchaus komplexe Handlung im Rahmen eines Drehplans, der nur 25 Tage umfasste, in den Griff zu bekommen. Ein Großteil der schauspielerischen Verantwortung lastete auf den schmalen Schultern von Daveigh Chase, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst 18 Jahre alt aber bereits in 40 Filmen und Fernseh-Folgen aufgetreten war. Schon 2001 hatte sie, noch ein Kind, die Samantha Darko in „Donnie Darko“ gespielt, was für eine gewisse Kontinuität zwischen den Filmen sorgt. In „S. Darko“ steht Chase zwischen noch unsicherem Mädchen und schon erfahrener Frau und wirkt jederzeit glaubhaft in dieser Hauptrolle, was gerade im US-Kino nicht selbstverständlich ist, werden hier doch seit jeher ‚Jugendliche‘ gern mit Mitt- und Endzwanzigern besetzt. (Vorsichtshalber lässt Regisseur Fisher die nymphenhafte Chase möglichst oft in knappen Shorts und im Tank Top schlafwandeln, und auch die hübsche Briana Evigan scheint Textilien zu hassen.)

Unter den Darstellern erkennt der fleißige Film- und Fernseh-Zuschauer manches bekannte Gesicht. Kabinettstückchen liefern Elizabeth Berkeley (deren Karriere sich nach dem Kino-Desaster „Showgirls“ von 1995 nie wirklich erholt hat) als nicht nur scheinheilige, sondern gefährliche Trudy, Matthew Davis als pädophiler Priester und Ed Westwick als aus der Bahn geworfener Kleinstadt-Rebell. James Lafferty soll als “Iraq Jack” tragisch wirken, ist aber nur verrückt, weshalb seine Aktionen und Äußerungen zur Rettung der Welt von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Nicht nur das Schicksal, sondern auch der Drehbuchautor muss manche Delle in Einsteins relatives Universum schlagen, damit Jack seine Funktion erfüllen kann. Der beste Rat an den Zuschauer ist abschließend wahrscheinlich, „Donnie Darko“ zu ignorieren und sich der schönen Bilder der ansonsten mit Knallgas gefüllten Seifenblase „S. Darko“ zu erfreuen.

DVD-Features

15 Minuten lang ist das „Making of“ zum Hauptfilm. Mehr muss auch nicht sein, da hier wieder einmal alle Befragten Phrasen dreschen, sich gegenseitig hochleben lassen und viel dummes Zeug über den angeblichen Kontext dieses Filmes faseln.

Obskur aber unterhaltsam ist die siebenminütige Featurette „Utah too Much“. John Hawkes, der den Motelier Phil mimt, ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger. Anscheinend litt er während der Dreharbeiten an einem Lagerkoller, den er mit einem selbst komponierten, geschriebenen und gesungenen Song zu verarbeiten suchte. Dieser erklingt nicht nur in voller Länge, sondern wird von Bildern vom Drehort und von diversen Drehpausen begleitet, die als zustimmender Kommentar zu diesem Klagesang verstanden werden können.

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El Superbeasto

Erstellt von Günther Lietz am 27. März 2010

El Superbeasto

Regisseur: Rob Zombie
Stimmen: Tom Papa (Oliver Kalkofe), Paul Giamatti, Sheri Moon Zombie (Martina Hill), Danny Trejo

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Spieldauer: 75 Minuten
Studio: SUNFILM Entertainment

Bild: 16:9 (1:1,85)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras:
- Trailer
- Geschnittene Szenen und alternative Szenen
- Work-in-Progress-Fassung

Metal-Ikone, Kult-Regisseur, Comiczeichner – Rob Zombie ist das Alles und noch viel mehr. Zusammengefasst: Er ist eine geile Sau – davon zeugt auch sein abgedrehter Zeichentrickfilm „El Superbeasto“, der die Matratzen so richtig krachen lässt.

Wrestler, Held und Volkes Liebling El Superbeasto hat ein großes Problem. Nach dem Dreh seines letzten Pornos versucht er in einem Striplokal auszuspannen und verknallt sich in die schöne Velvet von Black. Na ja, eigentlich will er sie nur flachlegen. Immerhin hat sie Titten, eine Pussy und das reicht diesem Machon schon, um auf eine Frau abzufahren. Tot, untot oder lebendig, das ist ihm egal. Doch leider ist Velvet die angehende Braut des Dr. Satans, der mit ihr Hochzeit feiern will und seinen klugen Gorilla losschickt, um Velvet zu entführen. Das ruft El Superbeasto natürlich auf den Plan und er verfolgt die Spur.

Hilfe bekommt er dabei von seiner rattenscharfen Schwester Suzie X, ein geiles Stück, die gerade einige Zombie-Nazi-Biker abfrühstückte, um Hitlers Kopf zu zerstören. Da hat sie auch Zeit, um ihrem Bruder zu helfen ‘ne neue Tussi klarzumachen. Doch schnell entpuppt sich die einfache Rettungsmission als besondere Rettungsmission, denn Velvet ist von Dr. Satan ganz angetan und eine Hochzeit der beiden würde zum Untergang der Welt führen. Zu allem Übel verbirgt sich hinter Dr. Satan ein ehemaliger Mitschüler von Suzie, der schon auf der Highschool hinter ihren Hupen her war …

Mit „El Superbeasto“ geht Rob Zombie an die Grenze des guten Geschmacks und weit darüber hinaus. Der Film polarisiert – eindeutig. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Es gibt kein Zwischending bei dieser abgefahrenen Splatter-Trash-Orgie. Zombie bricht ein Tabu nach dem anderen, zieht das Zeichentrickgenre und deren Helden der 60er und 70er Jahre durch den Kakao, lässt die Titten tanzen und Ärsche wackeln. Nazis steigen aus ihren Gräbern, Mösen stinken bis zum Himmel und kleine Kätzchen werden zu blutigem Brei zermatscht. Doch all diese Elemente sind keineswegs reiner Selbstzweck, sondern erfüllen tatsächlich einen künstlerischen Anspruch – vom Unterhaltungswert dieser klischeebeladenen kranken Scheiße mal ganz abgesehen.

Es gibt massenweise Sidekicks auf bekannte und unbekannte Filme, versteckte und offene soziale Kritik, genial abgemischte Musik und vieles mehr. Rob Zombie liefert hier einen unterhaltsamen und sehr humorvollen Film ab, der einem die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. „Würde“ deswegen, weil jemand der gefallen an dem Thema und dem Film hat, der kennt eh keine Scham. Davon mal abgesehen eignet sich „El Superbeasto“ auch gut als Geschenk für die biedere Verwandtschaft, um garantiert enterbt zu werden.

Mit „El Superbeasto“ liefert Rob Zombie einen erstklassigen Zeichentrickfilm ab, in dem er sich so richtig austobt. Das zeigt sein Held Supoerbeasto ganz deutlich, denn er stellt all die dunklen und geilen Dinge an, von denen sich Andere nur abwenden. In seiner heißen Karre düst er durch die City, die Frauen sind billig und willig, alle lieben ihn und in seinem Schritt steckt eine Katze. Genial sein Kampfstil – sei es nun der einfach Faustkampf oder wenn er die dicken Hoden eines Diabetikers als Nunchaku einsetzt, um einem Monsterwurm die Reißzähne auszuschlagen. Gewalt ist ein starkes Thema im Film, das sollte vielleicht erwähnt werden. Immerhin fließen ganze Ozeane an Trickfilmblut über die Mattscheibe, fliegen Gedärme durch die Gegend und splittern Knochen wie Balsaholz.

Ist der Film sexistisch? Auf jeden Fall! Ist er frauenfeindlich? Vielleicht. Immerhin kommt mit Suzie X ein starkes Weib daher, das Macho Superbeasto Paroli bieten kann und ebenfalls eine starke Persönlichkeit ist, die sich nimmt was sie braucht und es auch bekommt. Überhaupt sind die Frauen im Film mehr als nur reine, willenlose Lustobjekte. Sie geben sich der Lust aus freien Stücken hin und sind emanzipierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Im Gegenteil, die triebgesteuerten Männer verkommen schnell zu willenlosen Sklaven der Liebe und verlieren angesichts dieser weichen Seite schon mal die Kontrolle über die Situation.

Der Zeichentrickstil ist an den guten alten Trickfilm angelehnt, wie er Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre gängig war. Bildrauschen, Kratzer, Schwarzweißsequenzen und andere Spielereien sind deswegen kein Produktionsmangel, sondern gewolltes Stilmittel.

Die Sprechrollen kommen hervorragend rüber. Das gilt für den englischen Originalton,wie auch für die deutsche Tonspur, die auf Sprecher wie Oliver Kalkofe und Martina Hill setzt. Einfach geil!

Das Bild kommt in 16:9 daher und ist erstklassig. Einzig das Menü der DVD weist Unschärfen und Flackereien auf. Der Ton ist erstklassig, was natürlich an den Soundeffekten und dem Soundtrack liegt. Dolby Digital 5.1 gilt für beide Tonspuren, im Deutschen wird sogar DTS geboten. Erstklassig!

Auch beim Bonusmaterial spielt die DVD ihre Stärke aus. Neben den obligatorischen Trailern, gibt es erst einmal ordentlich alternative und geschnittene Szenen. Mehr als dreißig Minuten. Wirklich geniales Extra ist jedoch, dass der ganze Film nochmals als Work-in-Progress-Fassung vorliegt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine trockene Ansammlung von Bildern aus dem Storyboard oder ähnliches, sondern um eine Montage aus allen möglichen Quellen und Stadien des Films. Seien es nun Konzeptzeichnungen, erste Animationen, fertige Szenen aus dem Film und vieles mehr. Oftmals werden unterschiedliche Fassungen zu einer Sequenz zusammengeschnitten. Das ist fast so rattenscharf wie Suzies nackter Arsch!

„El Superbeasto“ ist für Zombie-Fans, Liebhaber von Trash, Kenner des Splatters und alle verrückte Typen genau das richtige Futter für den Player. Für alle anderen Leute ist der Streifen dagegen ein zu heißes Eisen, das zu recht ein dickes „FSK 16“ auf dem Cover hat. Sunfilm liefert die DVD allerdings mit einem Wendecover aus, so dass der hässliche Fleck auf der Front schnell verschwindet. Fettes Dankeschön dafür!

Schlussendlich bleibt nur eine knallharte Empfehlung auszusprechen und auch eine kleine Warnung an alle echten Machos, denn der Streifen offenbart eine unliebsame Wahrheit: Auch schöne Frauen furzen!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Percy Jackson – Diebe im Olymp

Erstellt von Günther Lietz am 26. Februar 2010

Percy JacksonPercy Jackson – Diebe im Olymp

Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief
Produktionsland: USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Craig Titley
Roman: Rick Riordan
Produktion: Chris Columbus, Michael Barnathan, Karen Rosenfelt
Musik: Christophe Beck

Darsteller: Logan Lerman (Percy Jackson), Brandon T. Jackson (Grover Underwood), Alexandra Daddario (Annabeth Chase),Jake Abel (Luke Castellan), Pierce Brosnan (Chiron), Kevin McKidd (Poseidon), Sean Bean (Zeus), Steve Coogan (Hades), Rosario Dawson (Persephone), Catherine Keener (Sally Jackson), Uma Thurman (Medusa)

Die Herrschaft von Harry Potter neigt sich langsam dem Ende zu und so wird es Zeit einen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Spätestens mit dem voraussichtlich 2011 erscheinenden letzten Film der Potter-Reihe sollte der Prinz etabliert sein, um das Zepter aus der Hand des Königs zu nehmen. Percy Jackson dürfte aber ein Dreizack reichen, denn immerhin ist er Poseidons Sohn.

Aus der Feder von Rick Riordan stammen die Bestsellergeschichten des jungen Percys, der eines Tages entdeckt, dass er ein ganz besonderer Junge ist. Auf Grund seiner Abstammung genießt er fortan eine besondere Ausbildung und erlebt mit seinen Freunden gefährliche Abenteuer – die mit seiner Abstammung in Verbindung stehen. In seinem ersten Abenteuer muss Harry, Verzeihung, Percy (Logan Lerman), den gestohlenen Herrscherblitz zurückbringen. Ansonsten hauen die Götter des Olymps – allen voran Zeus – die Welt in Stücke. Zu allem Übel hat Hades Percys Mutter Sally (Catherine Keener) entführt und die muss gerettet werden.

Zusammen mit der süßen Kämpferin Annabeth Chase (Alexandra Daddario) – Tochter der Athene und ebenfalls eine Halbgöttin – und dem schwarzen Satyr Grover Underwood (Brandon T. Jackson) muss Percy erst einmal Zauberperlen suchen, dann in die Unterwelt reisen, dort die Mutter retten und anschließen auf dem Olymp Zeus von seiner Unschuld überzeugen. Der Film geht beinahe zwei Stunden, also ist dafür doch eigentlich genug Zeit …

So wie die Romanreihe, so ist auch der Film von Mister Harry Potter inspiriert. Und zwar sehr stark. Um Nägel mit Köpfen zu machen haben sich die Studiobosse dann auch Chris Columbus ins Boot geholt. Der hat seinerzeit die ersten beiden „Harry Potter“-Filme gedreht und weiß also genau, um was es geht. Und Columbus liefert auch genau das, was bestellt wurde: Kindertaugliche Massenunterhaltung nach Schema Potter. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist unterhaltsam, leidlich spannend, aber irgendwie schon mal dagewesen und austauschbar. Allerdings werden nun Sagengestalten und griechische Mythen bemüht, anstatt altenglische Mauern und britisches Zauberwerk. Egal, Hauptsache der Film weiß zu unterhalten.

Und das gelingt ihm auch. Chris Columbus vertrödelt keine unnötige Zeit mit ausgefeilten Dialogen und langweiliger Charakterentwicklung. Er gibt sofort Gas. Die platten Dialoge erklären die wichtigsten Zusammenhänge, dann folgt eine Szene nach der anderen. Selbst der vermeintliche Tod von Percys Mutter ist nur eine Sekunde der Besinnung wert, dann geht es weiter: Ab durch die USA, im Stile eines Roadmovies und genau so aufgemacht wie ein modernes Videospiel.

Glücklicherweise rast Percy zusammen mit seinen Freunden durch die Gegend und es ergibt sich dann doch die ein oder andere Szene, in der Schauspieler miteinander agieren. So deutet sich zwischen Percy und Hermine – Verzeihung – Annabeth, eine kleine Liebschaft an, während der drollige Juniorbeschützer Ron – Verzeihung – Rover, für den ein oder anderen Gag gut ist. Rover wird übrigens vom Komiker Brandon T. Jackson gespielt. Die Rolle ist einfach angelegt: Plappernder Schwarzer mit blöden Sprüchen, der von einem Problem ins Andere trudelt. Da fühlt sich der Zuschauer an die guten alten achtziger Jahre erinnert. Wenigstens macht Alexandra Daddario als Annabeth eine gute Figur und den lieben Percy heiß. Aber keine Bange, Percy wurde zwar um fünf Jahre für den Streifen gealtert (im Buch beginnen die Abenteuer als der Junge elf ist), aber dennoch bleibt alles sehr züchtig und in geordneten Bahnen. Okay, typisch amerikanisch gibt es zwar keinen Kuss, aber heftige Actionszenen und Kampfsequenzen, in denen der ein oder andere Darsteller schon mal ein wenig blutig aufgeschlitzt wird. Ja, so sieht verfilmte Doppelmoral aus.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ hält für die jugendlichen Zuschauer aber auch wichtige Weisheiten bereit. So sind Drogen einfach Kacke und niemand sollte einfach etwas Essen, das einfach so angeboten wird. Genau das geschieht nämlich im verlotterten Las Vegas und der heiße Drogenrausch entpuppt sich schon bald als große Gefahr, während im bunten Hintergrund Lady Gagas „Pokerface“ aus den Boxen dringt. Wenigstens hat der Film stellenweise einen guten Score.

Etliche Abenteuer und abgeschlagene Köpfe später rettet das lustige Trio die liebe Mutter von Percy. Schon erwähnt? Die Alleinerziehende hat sich natürlich nur wegen Percy mit einem stinkenden Säufer eingelassen, der seine Frau und den Stiefsohn wie Dreck behandelt. Daran können sich alle jungen männlichen Legastheniker die unter ADS leiden klammern, vielleicht ist ihr Vater ja auch ein Gott. Mehr jugendlicher Außenseiter geht einfach nicht.

Jedenfalls weiß der Film die Hoffnung zu bedienen. Um nun aus der Unterwelt zu fliehen (die fleißig zur Hölle christianisiert wurde, aber mit dem Eingang in Hollywood Ironie zeigt) muss leider einer zurückbleiben. Und wen trifft es? Natürlich den Schwarzen! Und jahrelang haben die Zuschauer geglaubt diese dunklen Klischee-Zeiten seien vorbei – Chris Columbus belehrt seine Zuschauer mit einem Griff in die Mottenkiste aber eines Schlechteren.

Auch die Spezialeffekte haben bessere Zeiten gesehen. Sie bewegen sich zwar über TV-Niveau, aber Kino-Standard sieht heutzutage einfach anders aus. Vor allem Pierce Brosnan als Zentaure ist einfach nur grottig umgesetzt. Es bleibt sowieso ein Rätsel, warum er und Uma Thurman in diesem Streifen mitspielen. Schauspielerische Leistung zeigt jedenfalls keiner von beiden.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist leidlich unterhaltsame Massenware, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen dürfte, da es einfache Teenie-Action ohne Experimente ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Percy Jackson von Carlsen bei Buch24.de:
“Percy Jackson 01. Diebe im Olymp”
“Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen”
“Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen”

“Percy Jackson” bei Booklooker.de

[youtube gZeexVv87Co]

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In meinem Himmel

Erstellt von Günther Lietz am 25. Februar 2010

In meinem HimmelIn meinem Himmel

Originaltitel: The Lovely Bones
Produktionsland: Vereinigte Staaten
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 135 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Peter Jackson
Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Roman: Alice Sebold

Produktion: Peter Jackson, Carolynne Cunningham, Fran Walsh
Musik: Brian Eno
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: Jabez Olssen

Darsteller: Saoirse Ronan (Susie Salmon), Mark Wahlberg (Jack Salmon), Rachel Weisz (Abigail Salmon), Stanley Tucci (George Harvey), Susan Sarandon (Grandma Lynn), Jake Abel (Brian Nelson), Rose McIver (Lindsey Salmon)

Mit „In meinem Himmel“ hat sich der bekannte Regisseur Peter Jackson (“The Frighteners”, “Der Herr der Ringe”, “Heavenly Creatures”) an die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von Alice Sebold gewagt. Der Name Jackson wiegt dabei schwer und seine letzten Projekte lassen ein weiteres filmisches Schwergewicht erwarten. Vor allem die Herausforderung so schwerer Themen wie Vergewaltigung, Kindesmord und Trauer zu bewältigen werfen die Frage auf, wie Peter Jackson das alles in einem Film unterbringen will.

Anfang der siebziger Jahre lebt Susie Salmon (Saoirse Ronan) in einer kleinen amerikanischen Gemeinde. Alles ist friedlich und die erste große Liebe hat die vierzehnjährige in ihren Bann geschlagen. Doch bevor Susie sich mit ihrem großen Schwarm trifft, stößt sie nach der Schule mit Nachbar George Harvey (Stanley Tucci) zusammen. Der hat schon länger ein Auge auf das Mädchen geworfen und eine Kinderfalle gebaut. Da lockt er Susie hinein und bringt sie bei ihrem Fluchtversuch um.

Susie ist nun in einer Zwischenwelt gefangen. Sie kann ihre Lieben daheim beobachten, aber keinen Einfluss nehmen. In ihrem Himmel lernt sie ein Mädchen namens Holly Golightly (Holly Golightly ist der Name einer Musikerin und auch der Name der Hauptfigur in Truman Capotes Roman “Frühstück bei Tiffany”) kennen, erfährt mehr über diese neue und farbige Welt, erfährt auch mehr über ihren Mörder.

Der kommt in der Realität nämlich ungeschoren davon, während Susies Familie an dem Drama zu zerbrechen droht. Vater Jack (Mark Wahlberg) verdächtigt alle Menschen in seinem Umfeld, Mutter Abigail (Rachel Weisz) nimmt Reißaus in die Weinberge und nur Oma Lynn (Susan Sarandon) hält die Stellung. Und Harvey späht schon sein nächstes Opfer aus: Susies Schwester Lindsey (Rose McIver) …

Peter Jacksons Verfilmung nur an der Romanvorlage zu messen, wäre sicherlich unfair. Immerhin konzentriert sich das Buch auf die Vergewaltigung und den Mord an Susie, beschäftigt sich mit der Trauerbewältigung und der Charakterentwicklung. Alice Sebold spricht die Emotionen ihrer Leser an, schildert eindringlich das Grauen und den Umgang damit. Aber Jackson hat sich selbst den Roman ausgesucht und so muss er sich wenigstens den Vergleich mit den Kernthemen gefallen lassen. Und hier scheitert der Regisseur kläglich.

Das sich ein Film zwangsweise wenig auf die Charakterentwicklung konzentrieren kann ist verständlich. Die Zeit ist sehr bemessen, doch Jacksons Figuren werden kaum behandelt. Einzig Susie erfährt eine Entwicklung, alle anderen Figuren werden einfach abgehandelt. Kommt es zu Szenen, in denen es in die Tiefe gehen könnte, bleiben diese gewollt kurz und Peter Jackson wechselt zu einem opulenten Bild. Mark Wahlberg und Rachel Weisz bekommen gar keine Möglichkeit sich zu profilieren. Einzig Susan Sarandon bekommt Zeit zum Spielen eingeräumt. Diese wird dann genutzt um ein paar Lacher zu ernten und dem Film weiter die Ernsthaftigkeit zu entziehen.

Die tiefgehenden Gefühle und das Drama des Romans einzufangen misslingt dem Film. Jackson blendet die Vergewaltigung Susies vollständig aus, reißt den Mord nur an, verlässt sich auf einige Symbole, um darauf hinzuweisen. Gut für all diejenigen, die diese Symbole erkennen und zu deuten wissen. Doch die Bildpracht von Susies Zwischenwelt gibt sich alle Mühe, sämtliche dezente Symbolik zu übertünchen, zu übermalen. Peter Jackson hat in den CGI-Farbeimer gegriffen und sich ordentlich bedient.

Anstatt eines erschütternden Dramas schreibt er nun parallel eine Kriminalgeschichte und eine Mysterystory. Bevor er sich in der einen Geschichte verfängt, wechselt er dann schnell mal hinüber und lässt auch gerne Parallelmontagen ablaufen. Die sind vor allem zu Schluss nervig und deplatziert, wenn Susies Mörder die zerstückelten Reste seines Opfer verschwinden lassen will und gleichzeitig eine unschuldige Kussszene abgehandelt wird. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt dramatisch oder traurig, sondern einfach nur aufgesetzt. Zudem entzieht die jeweils eine Einstellung der anderen Einstellung die Substanz.

Personen und Handlung sind bei Jackson also zu vernachlässigen. Selbst Bösewicht, Kinderschänder und Mörder George Harvey wirkt zwar schaurig, aber keineswegs böse. Das wird wohl an FSK 12 liegen. So kommen zwar viele Leute in den Genuss des Films, aber der Film ist einfach zu weichgezeichnet und am Romanthema vorbei. Jackson verlässt sich lieber auf das was er kann: CGI-Effekte.

So inszeniert er opulent Susies Himmel, erinnert damit beinahe an die Farbenpracht von „Hinter dem Horizont“ (1998), ohne dessen Originalität zu erreichen. Denn durch Thema, Farbenpracht und Effekte kommt schnell der Verdacht auf, Jackson hätte sich an dessen Bildgestaltung fleißig bedient. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls auffallend und beide Filme sind stellenweise kitschig zu nennen. Dabei ging Regisseur Vincent Ward in seinem Streifen wenigstens keine großen Kompromisse ein.

Einziger Lichtblick in Jacksons „In meinem Himmel“ ist Saoirse Ronan (“Abbitte”, “City of Ember”), die trotz ihrer jungen Jahre (Jahrgang 1994) eine schauspielerische Glanzleistung zeigt. Ihr wird natürlich auch der größte Raum geboten und den nutzt sie gut aus. Schade nur, dass sie hier regelrecht verheizt wird. Sie und Stanley Tucci („Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio“) wurden dann auch für Filmpreise nominiert, wobei diese Nominierungen bei Tucci ein Rätsel bleiben. Sein Harvey ist und bleibt ein farbloses Etwas, ohne Persönlichkeit, ohne Ausstrahlung.

„In meinem Himmel“ ist an sich unterhaltsam, hinterlässt aber keine Spuren und auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Einzig Saoirse Ronan bleibt haften und die abschließende Erkenntnis, dass auch ein großer Regisseur kleine Haufen macht.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Long Weekend

Erstellt von Michael Drewniok am 6. August 2009

Long Weekend

Originaltitel: Long Weekend (Australien 2008)
Regie, Schnitt u. Musik: Jamie Blanks
Drehbuch: Everett de Roche
Kamera: Karl von Möller
Darsteller: James Caviezel (Peter), Claudia Carvan (Carla), Robert Taylor (Barmann), Everett de Roche (Säufer), Gordon Waddell (Mann im VW-Bus), Jude Beaumont (Frau im VW-Bus), Lara Robinson (Mädchen), Roger Ward (Truckfahrer) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment (sunfilm.de)
Erscheinungsdatum: 24.07.2009 (Leih-DVD/Blu-Ray) bzw. 14.08.2009 (Kauf-DVD/Blu-Ray)
EAN: 4041658222518 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4041658292511 (Blu-Ray)
Bildformat: 4 : 3 (2,35 : 1 – 16 : 9)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-Ray: 91 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Mit einem verlängerten Wochenende versucht Yuppie Peter, seine bröckelnde Ehe mit Carla zu retten. Er hat mit Freunden einen Surf- und Camping-Ausflug organisiert, der an einen See führen soll, der nur wenigen Eingeweihten bekannt ist. Die Fahrt steht von Anfang an unter einem Unstern. Carla hasst Camping, und Peter ist als Outdoor-Urlauber eher unerfahren. Schon die Fahrt zum See wird zum Abenteuer. Die Freunde lassen sich nicht blicken. Peter überfährt ein Känguru. Der Navigations-Computer lässt ihn ebenso wie das Handy im Stich. In der abgeschiedenen Zielgegend verfährt er sich. Die Nacht bricht herein, und die Spannungen zwischen den Eheleuten nehmen zu.

Der nächste Morgen scheint Erlösung zu bringen. Nur wenige Minuten jenseits des improvisierten Lagerplatzes lockt der gesuchte See. Die Landschaft ist traumhaft schön, und dank regelmäßiger Alkoholzufuhr beginnt Peter sich heimisch zu fühlen, während Carlas Unbehagen steigt. Zunächst nimmt nur sie seltsame Geräusche wahr, fühlt sich beobachtet und verfolgt. Für Peter wird dies zum Anlass, erst recht an dem Lager festzuhalten, obwohl sich die Freunde nicht blicken lassen. Erst als eine leichtfertig erschossene Seekuh ein unheimliches Eigenleben zu führen beginnt, wird auch Peter unruhig, zumal er auf einem Lagerplatz in der Nähe eine Tragödie entdeckt.

Weil Peter seinen im Busch verschwundenen Hund nicht zurücklassen will, flammt der Streit mit Carla wieder auf. Sie nimmt den Wagen und lässt ihn zurück, aber die Flucht aus der gespenstisch lebendig werdenden Wildnis will auch ihr nicht mehr gelingen …

Die Natur schlägt zurück … irgendwie

Der Mensch ist ein seltsam schizophrenes Wesen: Einerseits benutzt er diese Erde wie ein Papiertaschentuch, während er andererseits genau diesen Missbrauch bitter beklagt. Das kann wissenschaftlich begründet in klaren Worten geschehen, aber auch (film-) künstlerisch verbrämt werden. „Long Weekend“ geht von der Prämisse aus, dass besagte Erde nicht nur eine Art bewohntes Raumschiff, sondern auch ihr eigener Kapitän ist. Soll heißen: Die Natur präsentiert sich nicht als ökologisch verzahntes Funktionsgefüge, sondern bildet ein intelligentes Kollektivbewusstsein, dem Tiere und Pflanzen die Arme und Beine ersetzen.

Lassen wir die Frage, wieso sich diese ‚aktive‘ Natur ausgerechnet dort (und nur dort) manifestiert, wo Peter und Carla ihr Zelt aufschlagen, erst einmal außen vor. Verständlich ist jedenfalls, dass sie sauer ist: Zwar streiten unsere beiden Reisenden fast unentwegt, aber es bleibt ihnen genug Zeit für allerlei Umweltsünden. Mit einer achtlos aus dem Wagenfenster geworfenen Zigarettenkippe startet Peter einen verheerenden Waldbrand. Er und Carla verstreuen Abfälle; ihr Lager gleicht rasch einer Müllkippe. Carla liebt ihre Spraydose mit dem Insektengift. Peter ballert mit seinem Gewehr auf alles, was sich bewegt.

Die Gegenmaßnahmen kommen nur allmählich in Gang, was Peter und Carla (im Gegensatz zum Zuschauer) lange verborgen bleibt. Sie haben nicht nur ihren Müll, sondern auch ihren Streit mitgebracht und im Grunde keinen Blick für die traumhafte Umgebung. Ungeachtet dessen stellt sich die Natur reichlich dämlich an. Statt deutlich ihren Unwillen zu artikulieren, beschränkt sie sich auf kryptische Aktivitäten: Vorräte verrotten in Windeseile, Äste fallen von den Bäumen, nachts erklingen unheimliche Töne. Und jetzt muss die Frage doch gestellt werden: Wieso ist ausgerechnet dieser See eine Todesfalle? Probt die Natur hier erst einmal den Aufstand? Der Rest der Welt müllt jedenfalls fröhlich und unbestraft weiter.

Unheimlich unter die Nase gerieben

Vor Ort wird Mutter Natur allmählich deutlicher: Ein Adler attackiert Peter mit scharfen Krallen. Das bringt ihn ebenso wenig ins Grübeln wie sein Stolpern auf den Zeltplatz weiterer Unglücksraben, die ebenfalls dem fatalen Zauber des Sees erlegen sind. Sie haben ein schauerliches Ende gefunden, das Peter indes als menschliche Tragödie deutet. Was tatsächlich vorgeht, dämmert ihm erst, als ihm die Natur die schon erwähnte (und wie gesagt mausetote) Seekuh ins Lager robben lässt.

Da hat sich im Zuschauer bereits eine Menge Frustration angestaut. Was soll diese Geschichte eigentlich? Wir haben im Gegensatz zu Peter und Carla schnell bemerkt, was vorgeht. Wirklich rätselhaft ist ohnehin nicht, was sich Drehbuchautor Everett de Roche im Bund mit Regisseur Jamie Blanks hat einfallen lassen. Dem Duo schwebte offensichtlich ein Mystery-Thriller vor, wie er ihrem Landsmann Peter Weir gleich zweimal glückte – 1975 mit „Picnic at Hanging Rock“ (dt. „Picknick am Valentinstag“) und 1977 mit „The Last Wave“ (dt. „Die letzte Flut“). Genial hatte Weir Geschichten erzählt, die nicht seltsam zu sein behaupteten, sondern es tatsächlich waren. Die Unterwanderung der Realität und das Fremde blieben glaubhaft. Vor allem gelang Weir, was Blanks nur in Ansätzen umzusetzen vermag: Die australische Landschaft wird auf schwer zu bestimmende Weise lebendig, das Wunderschöne wirkt plötzlich fern und sogar bedrohlich. Dies funktionierte nur deshalb so perfekt, weil Weir sich auf die Kunst verstand, mit Andeutungen zu arbeiten, die der Zuschauer in seinem Kopf selbst deuten musste und mochte.

Diese Ambivalenz geht „Long Weekend“ ab. Blanks gelingen keine Rätsel, er reiht nur seltsame Ereignisse aneinander. Eine entsprechende, d. h. den phantastischen Aspekt widerspiegelnde Atmosphäre als verbindendes Element fehlt. Die nunmehr schon mehrfach zitierte (Zombie-) Seekuh ist da besonders kontraproduktiv.

Das Ende verrät Ratlosigkeit. Es soll einen ironischen Höhepunkt markieren und überraschen, ist jedoch so sehr Klischee, dass es höchstens aufgrund seiner Drastik verblüfft, nachdem Blanks bisher vergleichsweise subtil zu Werke ging.

Sachter Grusel in traumhafter Idylle

Obwohl er ihn wie gesagt nicht wirklich nutzt, vermag Blanks mit der Wahl des Drehortes zu punkten. „Long Weekend“ ist keine Studio-Produktion, sondern entstand unter freiem Himmel und in einem wirklich grandiosen Globus-Winkel: „Wilsons Promontory National Park“ liegt auf einer Halbinsel an der Südspitze des australischen Bundesstaates Victoria (www.parkweb.vic.gov.au). Den Kontrast zwischen unberührter Landschaftsschönheit und dem gleichgültigen Missbrauch durch den Menschen – hier symbolisiert durch Peter und Carla – vermag Blanks immerhin gut herauszuarbeiten.

Das war Colin Eggleston im ersten „Long-Weekend“-Film 1978 ebenfalls gelungen. Überhaupt hat Blanks dem Plot wenig Neues beizufügen. Bis ins Detail übernimmt er manche Szenen. Wieso dann überhaupt ein Remake? Die vor drei Jahrzehnten noch frische Mahn-Botschaft wirkt heute ohnehin etwas abgestanden.

Kammerspiel vor Landschafts-Kulisse

„Long Weekend“ ist ein Zwei-Personen-Stück. Die Wahl der ‚richtigen‘, d. h. in ihren Rollen überzeugenden Schauspielern war deshalb besonders wichtig. Mit James Caviezel und Claudia Carvan verpflichtete Regisseur Blanks keine Stars, sondern Schauspieler, die in zahlreichen Rollen ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt haben.

Die Rechnung ging auf, denn Caviezel und Carvan verschmelzen glaubwürdig mit ihren Rollen. Das ist wichtig, denn es lenkt von der Frage ab, inwieweit oder ob überhaupt der Streit der Eheleute relevant für das eigentliche Geschehen ist. Der Ablenkungs-Faktor wurde schon angesprochen, aber ansonsten ist es prinzipiell gleichgültig, ob Peter und Carla sich hassen oder lieben – der Zorn der Natur erwartet sie ebenso voreingenommen wie die Insassen des VW-Busses, die ebenfalls das Pech hatten, den ‚geheimen‘ See zu finden.

Die eindrucksvollen Schauwerte dieses Films, seine handwerkliche Brillanz – er ist eindeutig für die große Leinwand gedreht – und die gute Besetzung fallen unterm Strich positiv auf. Das reicht aber nicht für ein denkwürdiges Filmereignis. „Long Weekend“ ist gut gemacht und gut gemeint. Die ökologische Botschaft wird nicht nach Gutmenschen-Art aufdringlich, jedoch trotzdem mit Pauken- und Trompetenschall verkündet. Nur Peter und Carla sind dem taub gegenüber. Das Publikum begreift und beginnt sich sacht zu langweilen, als es begreift, dass Mutter Natur & Jamie Blanks uns mehr nicht zu sagen haben.

DVD-Features

Karg sind die Extras zum Hauptfilm ausgefallen, doch erfreulicherweise stellen Audiokommentar und vor allem die „Produktionsnotizen“ keine verlängerten Krakenarme der Werbung dar. Vor allem Regisseur Blanks hat viel zu seinem Werk zu sagen. Was genau, ist freilich schwer nachzuvollziehen: Aufgrund des unerhört ausgeprägten Akzentes könnten Blanks und seine australischen Mitarbeiter auch Mandarin oder Marsianisch sprechen. Englischkenntnisse sind hier nur bedingt hilfreich, und untertitelt wurden die Features leider nicht.

Deshalb muss man sich oft zusammenreimen, was in den „Produktionsnotizen“ gezeigt wird. Schade, denn dieser vierzigminütige Beitrag wurde ungewöhnlich sorgfältig als echter Informationsträger erstellt. Es gibt keine Interviews, in denen die Beteiligten einander über den grünen Klee loben (und lügen). Stattdessen werden in chronologischer Reihenfolge wichtige Sequenzen der Dreharbeiten vorgestellt und vom Regisseur kommentiert. (Ein Kapitel widmet sich speziell der unsäglichen Seekuh.)

[md]

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Long Weekend
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xxxHolic und Tsubasa Reservoir Chronicle (Fanbuch-Edition)

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2009

Tsutomu Mizushima, Hiroshi Morioka, Koichi Mashimo
Chronicle (Fanbuch-Edition)

xxxHolic und Tsubasa Kuronikuru, Kinofilm-Double Feature, Japan, 2006
Nach den gleichnamigen Mangaserien von Clamp, EMA, Köln
Anime Virtual/AV Visionen, Berlin, 23.4.2007
2 DVDs, Disc-Set in Amaray-Case mit xxxholic Fanbook in Box, Anime, Fantasy, Mystery, Action, Lauflänge: ca. 60 + 35 Min., gesehen 11/2008 für ca. EUR 40.00
Altersfreigabe/FSK: 12
Bildformat: 16:9, PAL; Regionalcode RC 2
Tonformat: Jap. DD 2.0, Dt. DD 2.0, Fr. DD 2.0
Untertitel: Deutsch, Französisch, Polnisch, Holländisch, Schwedisch
Extras:116-seitiges, vollfarbiges Fanbook (Softcover)
www.anime-virtual.de
www.clamp-net.com/

Zu den im Ausland bekannten und beliebten Mangaka gehören die Zeichnerinnen der Gruppe Clamp. Inzwischen sind auch in Deutschland sehr viele ihrer Serien erschienen, auch die gerade aktuell in Japan laufenden Reihen „Tsubasa Reservoir Chronicle“ und „xxxholic“. Die Mangas erscheinen hier bei Egmont Manga & Anime.

Obwohl beide noch nicht abgeschlossen sind, wurden sie bereits in Anime-Serien für das japanische Fernsehen umgesetzt, ja, es gelangte sogar ein Double Feature mit zwei aufwendig produzierten Episoden ins Kino. Diese liegen nun auch in Deutschland auf DVD vor. Nach der „Limited Edition“ mit einer Bonus-DVD ist nun die „Fanbuch“-Edition erschienen, die neben den beiden Film-DVDs ein sehr dickes und vollfarbiges Booklet enthält.

„xxxholic“ erzählt den Auftakt der Geschichte um Kimihiro Watanuki und die Hexe der Zeit. Der Oberstufenschüler sucht die Hilfe der geheimnisvollen Wahrsagerin und Esoterikerin Yuuki, weil er nicht mehr ein noch aus weiß. Er kann die Geister um sich herum nicht nur sehen, sie reagieren leider auch auf ihn, und das ist sehr oft ungenehm. Und in der letzten Zeit hat sich dieser Zustand noch verschlimmert.

Die geheimnisvolle Frau erfüllt ihm den Wunsch, sie nicht mehr sehen und ertragen zu müssen, fordert aber auch eine Gegenleistung. Von nun an muss Watanuki den Haushalt für sie führen, kochen, putzen, waschen und bedienen, bis seine Schuld bei ihr abgearbeitet ist. Hin und wieder ist er auch ihr Botenjunge oder muss sie begleiten, so wie bei einer Auktion in einer geheimnisvollen alten Villa. Der junge Mann spürt sehr schnell, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zugeht und sie alle in große Gefahr geraten.

Um seine Geliebte Sakura zu retten, die ohne ihre Erinnerungen über kurz oder lang sterben wird, lässt sich der junge Shaolan auf einen Handel mit Yuuki ein. Sie gibt ihm die Möglichkeit, durch die Welten zu reisen und die Federn wieder zu finden, in die sich die Erinnerungen der Prinzessin verwandelt haben. Auch Gefährten, die ihn unterstützen, gesellen sich an seine Seite. Aber der Preis, den er dafür zahlen muss, wird sehr hoch sein – Sakura wird alles, was ihn betrifft, vergessen. Und auch die Jagd nach den Federn gestaltet sich nicht immer einfach, denn diejenigen, die sie gefunden haben, wissen um ihre Macht und geben sie nicht einfach her…

Während der „Tsubasa Chronicle“-Film quasi nur eine Einführung ist, was bei einer Lauflänge von ca. 35 Min. nicht sehr wundert, bekommt man bei dem doppelt so langen zu „xxxholic“ doch einiges mehr geboten. Man erfährt nicht nur, wie Watanuki zu Yuuki kam und welche Bedeutung sein Schulkamerad Domeki für ihn hat, sondern bekommt auch ein grusliges Abenteuer in der alten Villa geliefert.

Das mag daran liegen, dass zu diesem Zeitpunkt bereits die erste Staffel der „Tsubasa Reservoir Chronicle“-Fernsehserie gelaufen war, die von „xxxholic“ aber gerade erst in den Startlöchern stand. Die enge Verbindung zwischen den Serien wird durch kleine Cameo-Auftritte der jeweils anderen Figuren deutlich, und wenn man sich bisher noch nicht dazu überwinden konnte, sich die Boxen der Fernsehserien zuzulegen, kann man durch die Filme einen ersten Eindruck gewinnen und heraus finden, ob Thema und Stil der Serie etwas für einen sind. Denn während „Tsubasa Reservoir Chronicle“ sich eher dem actionreichen Abenteuer mit einer guten Mischung aus Drama und Humor zuwendet, ist „xxxholic“ düstere Dark Fantasy voller böser Anspielungen und mit vielen Geheimnissen, aber wenigen Kämpfen.

Auf jeden Fall bleiben beide Filme dem Motto der Gruppe Clamp treu: Nichts ist so, wie es scheint, es ist weder einfach noch durchschaubar. Oft helfen den Protagonisten nur der gesunde Menschenverstand und ein gerütteltes Maß an Misstrauen, um zu überleben.

Die Qualität der Filme ist naturgemäß höher, da sie für die Leinwand und nicht nur den kleinen Fernsehbildschirm gefertigt wurden – aber man hat den Stil der Serien bewahrt. Während die Figuren von „Tsubasa Chronicle“ rund, weich und ein wenig niedlich sind, dominieren in „xxxholic“ kantige und sehr lang gestreckte Körper, aber auch detailreich, verschnörkelte Details im Hintergrund.

Ein besonderes Schmankerl ist natürlich das Fanbook, das all die Informationen enthält, die man in den Boxen von „xxxholic“ so schmerzlich vermisst. Die Hauptpersonen werden ausführlich vorgestellt, ebenso wie die wichtigsten Handlungsorte. Man erfährt etwas mehr über die Bedeutung, die Marotten und die Macht von Yuuki in beiden Serien, denn die Hexe der Zeit ist eine nicht unbedingt sehr einfache Persönlichkeit.

Das macht die „xxxHolic und Tsubasa Reservoir Chronicle (Fanbuch-Edition)“ durchaus zu einer überlegenswerten Erwerbung, sowohl für die Fans, die sich bereits die Fernsehserien zugelegt haben, als auch diejenigen, die sich erst einmal einen Überblick verschaffen wollen. Beide werden mit spannenden Filmen, interessanten Informationen und einer liebevoll aufgemachten Box belohnt (CS)

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XXXHolic / Tsubasa Chronicle (Fanbuch Edition)

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