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A Lonely Place to Die

Erstellt von Michael Drewniok am 2. Februar 2012

A Lonely Place to Die
Todesfalle Highlands

Originaltitel: A Lonely Place to Die (GB 2010)
Regie: Julian Gilbey
Drehbuch u. Schnitt: Julian Gilbey u. Will Gilbey
Kamera: Ali Asad
Musik: Michael Richard Plowman
Darsteller: Melissa George (Alison) Alec Newman (Rob), Ed Speleers (Ed), Kate Magowan (Jenny), Garry Sweeney (Alex), Holly Boyd (Anna), Sean Harris (Mr. Kidd), Stephen McCole (Mr. Mcrae), Karel Roden (Darko), Eamonn Walker (Andy), Paul Anderson (Chris), Eric Barlow (Sergeant Gray), Douglas Russell, Alan Steele (Jäger), Mathew Zajac (Rakovic) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 17.01.2012
EAN: 7613059801622 (DVD) bzw. 7613059401624 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 18

Amazon.de (DVD)
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Das geschieht:

Wieder einmal begeben sich Rob und Alison auf eine Bergwanderung. Sie werden begleitet vom deutlich jüngeren und unerfahrenen Ed sowie vom Ehepaar Alex und Jenny, als es dort in die schottischen Highlands geht, wohin sich selbst Schafe nicht mehr trauen.

Auf halber Strecke zum Gipfelziel macht die Gruppe eine schockierende Entdeckung: Aus dem Waldboden ragt ein Belüftungsrohr. Darunter versteckt ist ein Erdgrab, in dem die junge Anna gefangen gehalten wird. Die professionellen Kidnapper Mr. Kidd und Mr. Mcrae haben das aus Kroatien stammende Mädchen entführt. Für ihre Freilassung fordern sie 6 Mio. Dollar Lösegeld.

Als sie nun merken, dass ihr Opfer befreit wurde, setzen sich die Gangster auf die Spur der Bergwanderer. Sie wollen Anna zurückholen, um ihr ‚Geschäft‘ fortzusetzen, und sie wollen ihre Befreier als unliebsame Zeugen umbringen. Schnell gibt es die ersten Toten, zumal die Flucht über steile Hänge und durch reißende Gebirgsbäche führt.

Zum Ärger der Kidnapper halten Alison und Anna durch. Sie müssen Darko, den Verbindungsmann zum Vater des Mädchens, deshalb hinhalten, denn dieser besteht darauf, das Mädchen zu sehen, bevor er das Lösegeld übergibt. Doch auch Darko spielt falsch. Mr. Rakovic, Annas Vater, ist ein kroatischer Mafiaboss und Kriegsverbrecher. Er hat zwei Spezialisten angeheuert, die aus der Ferne die Geldübergabe beobachten, die Entführer anschließend ergreifen und dem zornigen Vater ausliefern sollen.

So hat jede der drei Parteien etwas zu verbergen. In einem kleinen Dorf, in dem gerade ein keltisches Mythenspiel stattfindet, auf dessen Straßen es von maskierten Darstellern und Zuschauern wimmelt und niemand begreift, welches reale Drama sich abspielt, brechen gleich an mehreren Stellen mörderische Zweikämpfe aus …

Die übliche Flucht als spannendes Spektakel

Der (nicht nur) in der jüngsten Vergangenheit oft & hart geprüfte Zuschauer ist zunächst misstrauisch: Fünf Bergsteiger geraten in einsamer Wildnis unter Finsterlinge, die ihnen unbedingt an die Kragen wollen. Hatten wir das nicht erst unlängst in „Vertige“ (2009, dt. „High Lane – Schau nicht nach unten!“)? Treffen unsere wackeren Wanderer also dieses Mal in den schottischen Highlands auf degenerierte Menschenfresser, die das Andenken Sawney Beans hoch- und das Wasser in ihren Kochtöpfen am Kochen halten?

Aber es kommt anders und vor allem besser. Von Euro-Backwood-Horror bleiben wir dieses Mal verschont. „A Lonely Place to Die“ ist ein lupenreiner Thriller. Übernatürliches bleibt außen vor, und gefressen wird auch niemand. Die dennoch oft greifbar wirkende Bosheit ist ausschließlich menschlicher Herkunft.

Konzipiert ist dieser Film als einzige Verfolgungsjagd. Das ist wahrlich keine originelle Idee. Sehr richtig gehen die Brüder Julian und Will Gilbey jedoch davon aus, dass eine gut, d. h. einfallsreich erzählte Jagdgeschichte stets ihr Publikum findet. Da sie es als Drehbuchautoren meist und als Regisseur (nur Julian) sogar fast immer richtig machen, gelingt ihnen ein kleiner, feiner, fieser Thriller.

Neutrale Wildnis & gnadenlose Zivilisation

Wenn die Titel laufen, gleitet eine schier schwerelose Kamera über das grandiose Panorama der schottischen Highlands. Noch mehrfach setzt Kameramann Ali Asad sein Arbeitsgerät auf ähnlich staunenswerte Weise ein. Die Linse scheint die Augen des in einigen Szenen gezeigten Adlers zu ersetzen, was die bemerkenswerte Klarheit der gezeigten Bilder widerspiegelt. Grün- und Blautöne wurden auch in Wald-Szenen herausgefiltert, der Kontrast wurde insgesamt verstärkt: Die Highlands sind nicht nur großartig, sie wirken gleichzeitig einsam und lebensfeindlich.

Doch es ist der Mensch, der den Frieden stört. Wilderer ‚jagen‘ Hirsche mit großkalibrigen Präzisionswaffen, und inmitten der bewunderten Wildnis stört der Anblick eines Lüftungsrohres, das aus dem Waldboden ragt: Die unschöne Realität hat unsere Zivilisationsflüchtlinge rasch wieder.

Es folgt eine Verfolgungsjagd, die ihre Dynamik aus dem Ungleichgewicht der beteiligten Parteien gewinnt. Die Gilbeys setzen auf eine Schwarz-Weiß-Zeichnung, die selten so gut funktioniert wie hier, weil sie vom Drehbuch sowie von ausgezeichneten Darstellern getragen wird. Auf der einen Seite haben wir die verzweifelten, ratlosen Flüchtlinge, die fest entschlossen sind, das befreite Mädchen zu beschützen, auf der anderen Seite die Kidnapper; kriminelle Profis, für die brutaler Mord zum Alltagsgeschäft gehört. Hinzu kommt eine Natur, die für eine schnelle Flucht denkbar ungeeignet ist. Schroffe und steile Felswände, tiefe Einschnitte, durch die eisige Flüsse brausen: Selbst die Schwerkraft wird zum Feind, wo ein falscher Schritt ohnehin die Aufmerksamkeit der offenbar allgegenwärtigen Killer wecken kann.

Eine unerwartete Wendung

Die zweite Hälfte überrascht zunächst mit einem Bruch. Jäger und Gejagte verlassen die Wildnis und kehren in die Zivilisation zurück. Die Ereignisse verlagern sich in ein gar nicht so kleines Dorf. Den Verfolgten gelingt es sogar, in eine Polizeiwache zu flüchten.

Mit diesem Ortswechsel ändert sich der Blickwinkel. Wir haben den einsamen Ort des Titels, an dem der Tod wartet, verlassen. Gleichzeitig verliert die Handlung, die sich bisher auf höchstens acht Personen konzentrierte, an Dynamik. Wohl ist die Idee schlüssig, dass eine Verfolgungsjagd sehr wohl auf von abgelenkten Menschen bevölkerten Straßen fortgesetzt werden kann und dadurch besonders erschreckt: Menschliche Nähe allein bietet keinen Schutz vor Barbaren. Allerdings muss dafür der Zufall in einer Weise bemüht werden, die ihn sichtbar werden lässt.

Zudem verliert Alison, bisher eindeutig die Hauptfigur, ihre Initiative. Eine dritte Partei mischt sich plötzlich ins Geschehen ein. Wir haben sie nicht vermisst, und obwohl sie ein Plus an Action generiert, verwässert sie das klare Grundkonzept. Alison muss noch manches Gefecht überleben, doch sie gewinnt ihre ursprüngliche Position in diesem Film nicht mehr zurück. „A Lonely Place to Die“ bleibt spannend, aber der bisher zuverlässige Überraschungseffekt bleibt aus. Jede Wendung wirkt bekannt, und aus Alison, der Survival-Spezialistin, wird Alison, die rasende und zur Kampfmaschine mutierende Ersatzmutter.

Nichts geht über gutes Handwerk

Dass „A Lonely Place to Die“ weiterhin nicht langweilt, verdanken die Gilbey-Brüder weiterhin ihrem vorzüglichen Kameramann und einer ausgezeichneten Darstellerschar. Charaktere werden angedeutet bzw. nur dort vertieft, wo es der Handlung dienlich ist. Vor allem Melissa Gilbert wächst als Alison in der ersten Filmhälfte buchstäblich über sich selbst hinaus, da sie nicht nur schauspielern, sondern auch bergsteigen muss. Man sieht eindeutig Gilbert mehrfach über eindrucksvollen Abgründen baumeln, in ihrer Rolle als erfahrene Bergsteigerin ist sie ungemein fit und wirkt im Hantieren mit Seil und Kletterhaken zumindest sehr überzeugend.

Vor allem Sean Harris kann ihr als „Mr. Kidd“ Paroli bieten. Schon das ‚Pseudonym‘ ist reiner Zynismus angesichts eines professionellen Kidnappers, der den Tod der ‚Ware‘ Kind eiskalt einkalkuliert. Trotz seiner Brutalität ist Kidd dank Harris ein mehrschichtiger und damit interessanter Charakter, während Stephen McCole als Mr. Mcrae einen flachen Schlagetot mimt.

Als sich der Figurenstamm vermehrt und sowohl Alison als auch Kidd aus dem zentralen Fokus gedrängt werden, ist es nicht Eamonn Walker als Söldner Andy, der die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich zieht. Dies gelingt einmal mehr Karel Roden als Handlanger des Massenmörders Rakovic. Darko ist definitiv nicht der vertierte, ungerührte Ostblock-Strolch, der zu sein er vorgibt. Plötzlich wirkt diese Figur wesentlich interessanter als Alison, die dem bärenstarken Mcrae immer neue Lampen auf dem Schädel zerschlägt.

Schottland als exotische Fremde

Endlose, durchaus eindrucksvolle Berge, darunter grasig-moosige Abhänge, in geschützten Lagen hin und wieder Nadelwälder: Die schottischen Highlands konnten sich im 21. Jahrhundert eine natürliche Ursprünglichkeit bewahren, die im seit Jahrtausenden besiedelten und bewirtschafteten Europa selten geworden ist. Die Brüder Gilbey, die selbst Berge besteigen, daher die für solche Sportler reizvollen Highlands kennen und mögliche Außendrehorte persönlich durchkletterten, wählten Dingwall, eine Kleinstadt im Nordosten Schottlands, als Zentrum für Dreharbeiten, die die erste Filmhälfte immer wieder in ebenso freier wie naher Natur stattfanden.

Für die Massenszenen, die Helden und Bösewichte inmitten feiernder Menschen zeigen, griffen die Gilbeys auf einen alten Trick zurück: Sie drehten am Rand eines tatsächlich stattfindenden Umzugs. Das „Beltane Fire Festival“ ist eine Veranstaltung, die Darstellungskunst mit alten keltischen Mythen mischt, wobei die teilnehmenden Damen zur Barbusigkeit neigen. Es findet jährlich im April in Edinburgh statt, wo die erwähnten Szenen entstanden.

Kulisse, Drehbuch, Kamera und Darsteller finden harmonisch in einem B-Movie zusammen, das keineswegs grundlos überwiegend positive Kritik ernten konnte. Auch an den Kinokassen schlug sich die Qualität nieder: Bei einem Budget von 4 Mio. Dollar konnte „A Lonely Place to Die“ immerhin 25 Mio. einspielen. Noch erfreulicher: Die Story lässt eine Fortsetzung nicht zu!

DVD-Features

Ausgerechnet ein Film wie dieser, der so gut geraten ist, dass man sich über die sicherlich schwierigen Dreharbeiten gern informiert hätte, bleibt bis auf diverse Trailer ohne Extras! Mr. Rakovic sollte den dafür Verantwortlichen seine Schergen schicken!

[md]

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Abgelegt unter Abenteuer, Action, FSK18 & k.J., Filmbericht, Thriller | Keine Kommentare »

C2 – Killerinsect

Erstellt von Michael Drewniok am 26. Januar 2012

C2 – Killerinsect

Originaltitel: Infested/Ticks (USA 1993)
Regie: Tony Randel
Drehbuch: Brent V. Friedman
Kamera: Steve Grass
Schnitt: Leslie Rosenthal
Musik: Daniel Licht u. Christopher L. Stone
Darsteller: Rosalind Allen (Holly Lambert), Peter Scolari (Charles Danson), Seth Green (Tyler Burns), Virginya Keehne (Melissa Danson), Alfonso Ribeiro (Darrel Lumley), Ray Oriel (Rome Hernandez), Ami Dolenz (Dee Dee Davenport), Dina Dayrit (Kelly Mishimoto), Michael Medeiros (Jerry), Barry Lynch (Sir), Clint Howard (Jarvis Tanner), Rance Howard (Sheriff Parker), Judy Jean Berns (Dr. Kates), J. D. Stone (Tyler als Kind) u .a.
Label/Vertrieb: Screen Power/United Video
Erscheinungsdatum: 07.04.2002 (DVD) bzw. 01.11.2007 (Neuauflage DVD)
EAN: 4012909819191 (DVD) bzw. 4012020063183 (Neuauflage DVD)
Bildformat: 4 : 3 (1,33 : 1, Vollbild)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min.
FSK: 16
Neuausgabe (DVD)
Label/Vertrieb: HDMV (Gold Collection)
EAN: 9037695079326
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, Vollbild)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Mit einer Kleinbusladung verhaltensgestörter Teenager aus der Großstadt Los Angeles unternehmen die Sozialarbeiter und Gutmenschen Charles Danson und Rosalind Allen einen Selbstfindungstrip, der in die Bergwälder des US-Staates Kalifornien führt. Dort sollen gemeinsame Picknicks, Sonnenbäder u. a. Freizeitbeschäftigungen an der frischen Luft den guten Kern im inneren der eigentlich nur vorlauten Jugendlichen zum Vorschein bringen.

Die Begeisterung der Betroffenen hält sich verständlicherweise in Grenzen. Auch Dansons Töchterlein Melissa hält wenig von den philanthropischen Projekten ihres Vaters. Folgerichtig vertreibt sich die wenig besserungswillige Schar bald die Zeit wie üblich mit dem Konsum eingeschmuggelter Drogen, Sex und Vandalismus.

Doch im Wald geht Böses vor. Der schleimige ‚Geschäftsmann‘ „Sir“ unterhält im Schutz der Bäume eine florierende Marihuana-Plantage. Um die Erträge zu steigern, lässt er seinen Schergen Jarvis die Hanfpflanzen mit chemischen Lösungen dopen, die eine gefährliche Nebenwirkung haben: Die Nährbrühe tropft auf ein Nest von Zecken, die daraufhin ins Riesenhafte wachsen. Mit Mäusen geben sich die Blutsauger nicht mehr zufrieden, wie der unglückliche Jarvis bald erfährt: Die fiesen Parasiten bohren sich in seinen Körper, wo sie unter der Haut Grässliches anstellen.

Im Camp liegt inzwischen Meuterei in der Luft. So bleiben die mutierten Zecken lange unbemerkt und können sich ausbreiten, bis sie zum Angriff übergehen. Da Teenie Darrel beim Versuch, in die Zivilisation zurückzuwandern, über die Hanf-Plantage gestolpert ist und dabei erwischt wurde, schließen sich „Sir“ und sein degenerierter Schläger Jerry den Zecken an. Sie wollen feststellen, ob Darrel seine Gefährten informieren konnte, und eventuelle Zeugen ausschalten. Stattdessen sitzen die Gauner bald mit den Jugendlichen im Lager gefangen. Die Zecken dringen ins Haus ein, wo der schwer bewaffnete „Sir“ durchzudrehen beginnt …

Kleine Ekelbiester ganz groß

Es ist eigentlich erstaunlich, dass es so lange dauerte, bis die Zecke als Schreckensgestalt entdeckt wurde. Dabei eignet sie sich schon in ihrem winzigen Realkörper perfekt dafür: ein zur Familie der Spinnen gehörendes Tier – kein Insekt, wie der deutsche Filmtitel angibt –, das im hohen Gras oder Unterholz auf seine Opfer lauert, sich mit dem Kopf in dessen Haut bohrt, tückisch eine betäubende Flüssigkeit injiziert und sich anschließend mit Blut vollsaugt, bis der Körper auf ein Vielfaches der Ursprungsgröße angeschwollen ist. Als ‚Dank‘ überträgt das kleine Ungeheuer seinem Opfer womöglich die Erreger gefährlicher Krankheiten wie Borreliose oder Hirnhautentzündung.

Glücklicherweise sind Zecken in der Realität nur Millimeter klein. Was wäre, wenn sie deutlich größer würden? Lassen wir naturwissenschaftliche Fakten – Riesenzecken müssten ersticken, weil ihre Tracheen-Röhren, die sie statt Lungen besitzen, den Sauerstoff, den auch sie atmen, nicht in ausreichendem Maße transportieren könnten – beiseite, entwickeln sie sich auf diese Weise quasi automatisch zu Horror-Kreaturen. Im Film dichtet man ihnen noch einen auf Menschenfleisch geeichten Spürsinn sowie (je nach Wuchsgröße) bedrohliche Fauch- und Brülltöne an, Schreck & Ekel sind garantiert!

Werden sie mit einer ordentlichen Portion Blut und Schleim serviert, gleichen sie sogar ein schwaches Drehbuch aus. Zusätzlich profitiert der Zuschauer vom Alter des Films: 1993 steckte die Digital-Technik noch in den Kinderschuhen. Die Zecken sind deshalb ‚handgemacht‘ und gleichzeitig mit den unmittelbar auf ihr Erscheinen reagierenden Darstellern in jeder Szene. Da sie von versierten Spezialeffektlern kreiert wurden, sind sie bemerkenswert flink und wirken außerordentlich überzeugend – und widerlich!

Kein Klassiker – aber auf dem Weg dorthin?

9 von 10 Horrorfilmen, die unter ausdrücklichem Ausschluss filmkünstlerischer Ambitionen zum Zweck höchstmöglicher Profitmaximierung entstehen, versinken zu Recht in jenem Nirwana, der solcher Verbrauchsware vorbehalten ist. Nur der Trashfilm-Nerd und die Privatfernsehsender dieser Welt stöbern sie dort wieder auf. Im Nachtprogramm, in mieser Kopie-Qualität und in der Regel zensiert füllen sie Programmzeit und langweilen schlaflose Zuschauer.

„C2 – Killerinsect“ scheint auf den ersten Blick in diese Kategorie zu fallen. Die Präsenz dieses Films sogar auf dem deutschen DVD-Markt spricht dagegen: Immer wieder tauchen unsere Riesenzecken neu aufgelegt auf. In der Tat kombiniert „C2“ Trash, Klischees, Spannung und Splatter auf eine unterhaltsame und zeitlose Weise, die den Zuschauer das matte Drehbuch verzeihen bzw. als reines Transportmittel für möglichst viele Zeckereien begreifen lässt.

Im milden Licht einer solchen Wertung regt man sich auch nicht über die endlosen Ungereimtheiten und Handlungsschwächen auf: So repräsentieren unsere gestörten Jugendlichen allzu aufdringlich sämtliche kalifornischen Bevölkerungsschichten. Und welcher im Vollbesitz seiner Fachkenntnisse befindliche Sozialarbeiter würde eine hübsche Tochter, deren einziger Dachschaden offenbar ihre Zickigkeit ist, einen Agoraphobiker, einen aggressiven Gangster und eine durch Vergewaltigung verstummte junge Frau in einen rostigen Bus packen und ein verlottertes Wald-Camp ansteuern, wo sich die ‚Therapie‘ in diversen Leibesübungen im Wald erschöpft?

Schräg und schrill statt logisch und nachvollziehbar

„C2“ spielt in einer nur unter filmischen Aspekten funktionstüchtigen Welt. Deshalb ist es kein unwahrscheinlicher Zufall, sondern nur eine Frage der Zeit, bis unsere Teenies den Drogenköchen in die Quere kommen. Man rauft sich zusammen und kämpft sogleich wieder gegeneinander und mit den Zecken, während der umgebende Wald inzwischen lichterloh brennt. Auftritt der Feuerwehr? Fehlanzeige, aber schließlich hat Tierärztin Dr. Kates, die zuvor eine der Riesenzecken untersucht und ihre Gefährlichkeit betont hatte, anscheinend Feierabend gemacht und niemanden über die Bedrohung informiert. Im Wald sehen wir nur unsere Teenies, die Gangster und die Zecken toben.

Grundsätzlich hätte Regisseur Tony Randal auf die Vorgeschichte in Los Angeles gänzlich verzichten können. Sie wird als Abfolge jener sattsam bekannten Verhaltungsrituale inszeniert, die Hollywood den jugendlichen US-Bürgern unterstellt. Die Klischees der Rollen werden viele Jahre nach den Dreharbeiten durch Kleidung, Figuren und Frisuren verstärkt, die es in Sachen Scheußlichkeit jederzeit mit den Zecken aufnehmen können.

Hinzu kommt eine bekannte Zimperlichkeit: Selbstverständlich sind die ‚Kids‘ gar nicht ‚böse‘, sondern unglücklich, missverstanden und höchstens ein wenig verzogen. Eventuelle Streitigkeiten erweisen sich als Strohfeuer. Man verträgt sich schnell oder verliebt sich. Spätestens als die Zecken nach vorn drängen, werden sozial angeblich unverträgliche Zeitgenossen blitzartig zu Kampf-Kameraden.

Der Tod ist einfallsreich

Tony Randal hat sein Handwerk nicht nur von der Pike auf, sondern auch beim König des Schlock-&-Trash-Films Roger Corman gelernt, der die Zuschauer seit mehr als einem halben Jahrhundert mit  denkwürdigen Machwerken wie „The Beast with a Million Eyes“ (1955; dt. „Ausgeburt der Hölle“), „Women in Cages“ (1971), „Sorority House Massacre II“ (1990) oder „Piranhaconda“ (2011) malträtiert. Im Billig-Horror der Corman-Schule steht der Effekt im Vordergrund. Er setzt sich aus blutigem Mord und blanken Titten zusammen. Diese Teilaspekte werden höchstens variiert (oder kombiniert), niemals jedoch durch filmkünstlerisch wertvolle Einschübe entwertet.

Auf nackte Tatsachen verzichtet Randel seltsamerweise, doch gesplattert wird kräftig. Die Formbar- und Haltbarkeit des menschlichen Körpers wird detailreich auf die Probe gestellt; die Überschreitung jeglicher Grenzen ist dabei Ehrensache. Auch in diesem Punkt bleiben CGI-Effekte außen vor. Make-up und Modelle kommen zum Einsatz und belegen, dass die Spezialeffekte um 1990 ein hohes Niveau besaßen. Beim Anblick des krabbelnden Wimmelns hungriger Zecken unter menschlicher Haut ist zuschauerliches Mitgefühl jedenfalls garantiert!

Zur Hochform laufen die Effekthexer auf, wenn der Zeckenkönig aus seiner menschlichen Hülle platzt, in der er sich bisher verbarg. Dies versöhnt mit der Erkenntnis, dass dieses Biest in seiner Größe zwar bärenstark aber fußlahm ist und seine Opfer sich in einer Zimmerecke verlaufen und warten müssen, bis sie endlich erwischt werden – ein horrorfilmtypisches Problem.

Darsteller als Zeckenfutter

Wie man sich denken kann, wurde „C2“ keinem der Darsteller ein Vehikel zu Starruhm. Die üblichen Mimen der zweiten und dritten Garnitur schlugen zwischen den Zecken-Attacken Filmzeit tot. Alfonso Ribeiro nutzte eine Drehpause zwischen zwei Staffeln des TV-Klamauks „Der Prinz von Bel-Air“ – dort gab er den trotteligen Sidekick für Hauptdarsteller Will Smith – und ließ sich dadurch als Gast-‚Star‘ vermarkten.

Barry Lynch sieht man in seiner Paraderolle als nur vorgeblich ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft. Mimik und irres Dauergrinsen signalisieren den verkommenen Schurken; in „C2“ unterstützt ein exzessiv zur Haarbändigung gebrachter Kamm diesen Eindruck. Für die geistig schlichter gestrickte Fraktion des Publikums gibt es einen eindeutigen Bösewicht: Michael Medeiros zieht als Hinterwäldler Jerry geil & dreckig alle Register der „Backwood“-Klischee-Orgel.

Die übrigen Schauspieler kennt man aus vielen TV-Episoden. Manchmal sieht man sie auch als Nebenrollen in einem Kinofilm. Dabei haben sie in besseren Filmen als „C2“ mitgespielt, aber sie mussten auch viel Staub fressen. (Hat jemand Barry Lynch in & und „Total Force“ von 1997 gesehen? Hoffentlich nicht!) Sie machen ihren Job, den Rest erledigen die Zecken. Auf dieser Unterhaltungsebene wird „C2“ noch viele Jahre Grusel-Vergnügen verbreiten!

DVD-Features

Eine angejahrte Routine-Produktion wie „C2 – Killerinsect“ wird selten mit Extras ausgestattet. Auf den DVDs – eine Blu-Ray-Fassung gibt es nicht – finden sich nur (inzwischen hoffnungslos veraltete und auch sonst wenig informative) Texttafel-Filmografien von Seth Green und Rosalind Allen sowie eine anderthalbminütige Slideshow mit Bildern aus dem Film.

Ausgerechnet die für den Ramschverkauf in Supermärkten vorgesehene „Gold Collection“-Neuauflage von „C2“ bietet den Film nicht nur in (geringfügig) besserer Bildqualität, sondern auch im Breitbildformat. Hier lohnt es, die Augen offenzuhalten.

[md]

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XX … Unbekannt

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Januar 2012

XX … Unbekannt

Originaltitel: X: The Unknown (GB 1956)
Regie: Leslie Norman
Drehbuch: Jimmy Sangster
Kamera: Gerald Gibbs
Schnitt: James Needs
Musik: James Bernard
Darsteller: Dean Jagger (Dr. Adam Royston), Leo McKern (Inspektor McGill), Jameson Clark (Jack Harding), William Lucas (Peter Elliott), Edward Chapman (John Elliott), Peter Hammond (Lieutenant Bannerman), John Harvey (Major Cartwright), Anthony Newley (Lance Corporal „Spider“ Webb), Michael Ripper (Sergeant Harry Grimsdyke), Ian McNaughton (Haggis), Marianne Brauns (Zena), Norman Macowan (Old Tom) uva.
Label: Anolis Entertainment
Vertrieb: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 12.05.2005 (DVD)
EAN: 4020974156608 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 Mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min.
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)

Das geschieht:

Nahe Glasgow bricht auf einem Übungsplatz der Armee eine tiefe Erdspalte auf. Radioaktiver Dampf steigt auf und verbrennt zwei Soldaten. Das Oberkommando steht vor einem Rätsel und wendet sich hilfesuchend an John Elliott, der ein nahes Atomkraftwerk leitet. Elliott schickt Dr. Adam Royston, einen fähigen aber exzentrischen Wissenschaftler, an die Unglücksstelle.

Während Roystons Untersuchungen erfolglos bleiben, beginnt in der Umgebung das Grauen umzugehen. Ein Kind stirbt an radioaktiven Verbrennungen, ein Krankenhaus wird seiner Radium-Vorräte beraubt. Royston entwickelt eine bizarre Theorie: Bewohner aus dem Inneren der Erde sind auf der Suche nach Energie, die für sie Nahrung bedeutet, an die Oberfläche vorgedrungen. Radioaktive Stoffe besitzen den größten ‚Nährwert‘, weshalb die Kreaturen sie auch in der Außenwelt zu finden wissen.

Nur Inspektor McGill, der im Auftrag der Regierung in dem Fall ermittelt, schlägt sich auf Roystons Seite. Die Armee wirft Bomben in den Spalt und füllt ihn mit Beton auf, womit die Angelegenheit für das Militär erledigt ist. Aber die Kreatur – es ist nur eine – existiert. Sie brennt sich buchstäblich durch die Betondecke und begibt sich auf einen neuen Raubzug. Ihr Ziel ist dieses Mal das Elliottsche Atomkraftwerk. Kann es sich an dem dort getesteten Radium laben, muss mit einem enormen Wachstumsschub gerechnet werden. Um das Werk zu erreichen, muss sich das Wesen seinen Weg durch die Stadt Inverness bahnen. Die ahnungslosen Bürger ergreifen die Flucht, das Militär ist machtlos: Mit Feuer oder Schusswaffen kann man einer durch Atomkraft belebten Kreatur nichts anhaben.

Royston plagt sich in seinem privaten Labor mit einem Verfahren, das radioaktiven Stoffen explosionsfrei ihre Energie entziehen soll. Zwar hat es noch nie funktioniert, doch es bleibt keine Wahl: Die Apparaturen müssen dort aufgebaut werden, wo die Kreatur unaufhaltsam ihrem Ziel entgegen wabert …

Unterhaltung benötigt manchmal Nostalgie

„XX … Unbekannt“ ist einer jener Filme, deren Inhaltsangabe die Kinowerbung eher vage hält. Dies leuchtet viele Jahrzehnte nach der Erstaufführung sogar noch stärker ein, obwohl auch der zeitgenössische Zuschauer sich (hoffentlich) seine Gedanken über die in jeder Hinsicht hanebüchene Handlung gemacht hat.

Ein Drehbuch, das den Tatbestand des Schwachsinns erfüllt, ist freilich kein Grund für das Scheitern eines Filmprojektes, das einfach nur unterhalten soll. „XX … Unbekannt“ ist kein Trash: Regisseur und Autor machen sich nicht über die eigene Geschichte lustig, sondern erzählen sie völlig ernst. Die Schauspieler halten sich an dieses Konzept. Ein wenig Humor lockert durchaus die Handlung auf, aber diese Szenen sind tatsächlich humorvoll gemeint und angelegt.

Der Trash-Faktor schimmert unabsichtlich dort durch, wo das knappe Budget und die im Vergleich mit den filmischen Wunderwerken der Gegenwart rudimentäre Tricktechnik der Illusion Grenzen setzt. Gelingt es dem Zuschauer, seinen Spott zu verdrängen und sich diese Sequenzen mit den Augen des zeitgenössischen Publikums anzuschauen, gewinnen sie ihre Bedeutung für das Geschehen, wo sie die Spannung auf altmodische aber gelungene Weise steigern.

Für eine gute Tasse Tee ist immer Zeit!

Eine gewisse Zeitlosigkeit erfährt „XX … Unbekannt“ durch die quasi dokumentarische Inszenierung. Die Handlung wird sorgfältig, aus heutiger Sicht sogar schleppend entwickelt. Trotzdem ist dies kein ‚langsamer‘ Film; so setzt das Geschehen sehr abrupt und mit einem frühen Höhepunkt auf einem Truppenübungsplatz ein. Geändert haben sich seit 1956 Stil und Rezeption: Filme werden heute deutlich schneller geschnitten. Das Publikum hat sich daran gewöhnt und erwartet dieses Tempo. Seine Getragenheit darf man „XX … Unbekannt“ deshalb nicht zum Vorwurf machen.

Bei kaum mehr als 75-minütiger Laufzeit kann sich die Handlung ohnehin keine Pausen gestatten. Sie führt zügig auf ihren Höhepunkt hin. Der Weg fordert erneut die Rücksicht des heutigen Zuschauers. Spannung wurde einst anders gesteigert als heute. Die Kamera schlüpft in die Rolle des Atom-Ungeheuers. So erleben wir die ersten Auftritte des Monsters nur als Reaktion, die sich in entsetzten Gesichtern spiegelt. Es folgt ein entsetzlicher Schrei, der plötzlich abbricht: Diese Pechvögel müssen etwas Grauenvolles gesehen haben – eine Vermutung, die in einer bestimmten Erwartungshaltung gipfelt: Wir freuen uns auf den Moment, wenn auch uns das Ungetüm endlich enthüllt wird!

Als dies geschieht, können wir Zuschauer des 21. Jahrhunderts nur irritiert, enttäuscht, amüsiert oder wütend sein: Die Kreatur entpuppt sich als rhythmisch leuchtender Wackelpudding, der sehr offensichtlich über schräggelegte Miniaturkulissen gleitet. Für das Publikum des Jahres 1956 fehlte die Erfahrung digitaler Wunderwelten.

Science Fiction plus Horror plus Thriller

Mit „The Curse of Frankenstein“ (dt. „Frankensteins Fluch“) begann die britische Produktionsfirma „Hammer“ 1957 den schier endlosen Reigen jener harten, in Farbe gedrehten Horrorfilme, für die sie bekannt und berüchtigt wurde. Doch „Hammer“ existierte schon vor dem II. Weltkrieg. Nach 1945 begann man zunächst mit dem Genre Science Fiction zu experimentieren. 1955 gelang Hammer mit „The Quatermass Xperiment“ (dt. „Schock“) ein schwarzweißer Blockbuster, der zudem in die Geschichte des SF-Films einging.

„XX … Unbekannt“ sollte eigentlich die Fortsetzung werden. Nigel Kneale, der die Figur des Bernard Quatermass erschaffen hatte, wollte sie jedoch für diesen Film nicht freigeben. So wurde aus Quatermass Dr. Adam Royston. Stil und Stimmung blieben indes erhalten. (1957 entstand unter Beteiligung von Kneale „Quatermass 2“/„Feinde aus dem Nichts“.)

Eigentlich sollte Joseph Losey „XX … Unbekannt“ inszenieren. Ein auch filmtechnisch interessanter Film hätte entstehen können, denn Losey zählt zu den Großmeistern der Regie. Während der McCarthy-Ära war er als „Kommunist“ denunziert worden. Losey hatte die USA verlassen und versuchte sich in Europa zu etablieren. Dort setzte er seine Karriere mit vielen bemerkenswerten Regiearbeiten fort. 1956 stand er noch am Anfang. Da „XX … Unbekannt“ nicht nur auf dem britischen Filmmarkt, sondern auch in den US-Kinos Geld einspielen wollte, hätte „Hammer“ gern einen auch jenseits des Atlantiks bekannten Namen engagiert. Der patriotische Dean Jagger wollte allerdings nicht mit dem „Roten“ Losey zusammenarbeiten. Dieser musste Leslie Norman weichen.

Das Grauen kann heimelig sein

Die „gemütliche Apokalypse“ ist eine sehr britische Literaturform. Schon H. G. Wells‘ Klassiker „Krieg der Welten“ (1898) ließ die Invasion vom Mars über eine Inselwelt hereinbrechen, die dem Untergang mit der berühmten „steifen Oberlippe“ und unter Wahrung von Form und Anstand begegnete. Später setzten Autoren wie Robert C. Sherriff, John Wyndham oder John Christopher diese Tradition fort.

„XX … Unbekannt“ ist im ländlichen Schottland angesiedelt. Zwar spielt die Atomkraft eine große Rolle, doch dort, wo sie erforscht wird, scheint die Zeit schon lange stehengeblieben zu sein. Auch die ‚Hightech-Forschung‘ des Dr. Royston spielt sich in einem selbstgebauten Schuppen ab; seine Versuchsapparaturen hat er zum großen Teil offensichtlich aus den Bestandteilen eines Baukastens für Kinder gebastelt.

Der Umgang mit dem Thema Atomkraft und Radioaktivität ist ohnehin einem politischen Zeitgeist geschuldet, der heute das wahre Horror-Element dieses Filmes darstellt. Drehbuchautor Jimmy Sangster und Leslie Norman verschweigen nicht die Gefahren, die mit ihrer Nutzung als Energieträger und vor allem als Waffe verbunden sind. Eine aus dem Kontext fallende Szene zeigt den verzweifelten Vater eines gerade an radioaktiver Vergiftung gestorbenen Kindes, der Royston schwere Vorwürfe macht und ihn als Handlanger einer Forschung anprangert, die sich primär für das Zerstörungspotenzial der Atomkraft interessiert. Royston reagiert betroffen, überwindet dies aber schnell mit dem Hinweis, dass der Vater irre: Nicht Zerstörung, sondern Energiegewinnung sei sein Motiv – ein Argument, dass nach Harrisburg, Tschernobyl oder Fukushima auch nicht mehr stechen kann.

Es kam aus dem Inneren der Erde

Obwohl die Spezialeffekte wie erwähnt der Herausforderung einer überzeugenden Darstellung der umgehenden Kreatur nicht gewachsen sind, holt Kameramann Gerald Gibbs das Beste aus den kümmerlichen Kulissen heraus. Schon als die Erdspalte aufbricht, muss die Fantasie des Zuschauers ihm zu Hilfe kommen. Wenn nichts brennen, explodieren oder durch das Unterholz geistern soll, können die Kulissenbilder überzeugen. Dass in Schwarzweiß gedreht wurde, unterstützt die Glaubwürdigkeit durch den geschickten Einsatz von Licht und Schatten.

In einigen Szenen wird es sogar rabiat, was „XX … Unbekannt“ in Deutschland die an sich lächerliche Freigabe ab erst 16 Jahren beschert. Vor allem den unglücklichen Arzt im Krankenhaus erwischt es hart: Sein Körper bläht sich auf, aus den geschwollenen Fingern spritzt Blut, und schließlich fließt ihm das geschmolzene Fleisch vom Schädel. Generell wird jedoch sehr moderat gesplattert.

Das Atom-Monster wurde schon erwähnt. Es wirkt in der Tat wie ein britischer Bruder des „Blob“, der allerdings erst 1958 in den USA (sowie hierzulande als „Blob – Schrecken ohne Namen“) sein Unwesen trieb. Da unsere radioaktiv im Geigerzähler lustig knatternde Kreatur nur durch die Schwerkraft (bzw. durch Besenstiel-Schubser von unten) ‚bewegt‘ wird, sehen wir sie niemals aktiv nach einem Unglücksraben greifen. Besonders schnell ist sie auch nicht, was ihre Bedrohlichkeit weiter schmälert.

Mutige Männer tun ihren Job

„XX … Unbekannt“ ist ein Film ohne Stars. Sie hätten den Finanzrahmen gesprengt. Man griff auf oft und gern beschäftigte britische Darsteller zurück, die wie üblich einen guten Job leisteten.

Den nun schon mehrfach zur Sprache gebrachten dokumentarischen Aspekt unterstreicht ein Drehbuch, das jegliche Liebesgeschichte ausklammert. Frauen treten nur als Krankenschwestern oder Mütter und am Rande auf. Das weibliche Publikum möge die folgende Zeile überspringen, aber faktisch bekommt der Story der Verzicht auf die übliche Romanze gut. Sie gehört nicht in die Handlung, und sie wird ihr nicht aufgezwungen – eine Konsequenz, die man gern öfter sähe.

Für eine letzte Irritation sorgt das Finale: Natürlich gelingt das riskante Experiment von Dr. Royston. Das Monster verwandelt sich in feuchten Lehm. Plötzlich explodieren seine Reste – eine Reaktion, die den Forscher erschreckt. Leider war wohl das Budget genau jetzt ausgeschöpft. Während der Zuschauer auf den finalen Twist wartet, der gerade angekündigt wurde, bricht der Film einfach ab, und die Schlusstitel beginnen zu laufen – kein glücklicher Ausklang für einen Film, der ansonsten für ein altmodisches aber trotz des Alters bildscharfes Vergnügen sorgt.

DVD-Features

„XX … Unbekannt“ wurde von Anolis Entertainment als 4. Teil der Reihe „British Horror Classics“ veröffentlicht. Da dieser Film 1956 als reines Unterhaltungsprodukt entstand, hielt sich die Zahl der noch aufzufindenden Extras in engen Grenzen. Aufgespielt werden konnten deshalb nur ein Trailer, eine selbstablaufende Galerie mit 14 Szenenfotos sowie ein achtseitiges Filmprogramm aus Dänemark. Hinzu kommt ein vierseitiges Booklet mit Hintergrundinformationen des Filmexperten Uwe Huber.

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Psychosis

Erstellt von Michael Drewniok am 19. Januar 2012

Psychosis

Originaltitel: Psychosis (GB 2009)
Regie u. Drehbuch: Reg Traviss
Kamera: Bryan Loftus
Schnitt: John Palmer
Musik: Scott Shields
Darsteller: Charisma Carpenter (Susan Golden), Paul Sculfor (David), Ricci Harnett (Peck), Justin Hawkins (Josh), Ty Glaser (Emily), Bernard Kay (Pastor Swan), Richard Raynesford (Charles), Sean Chapman (Detective Sergeant), Katrena Rochell (Helena), Tom Gaughan (irrer Killer), Darren Bransford (Giro), Slaine Kelly (Kirsty), Josh Myers (Snake), Sarah Briggs (Jade), Alexander Ellis (Roger) uva.
Label: Great Movies
Vertrieb: dtp entertainment
Erscheinungsdatum: 17.11.2011
EAN: 4051238004571 (DVD) bzw. 4051238004588 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (gekürzte Fassung)/89 min. (ungekürzte Fassung)
FSK: 18

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Das geschieht:

Als erfolgreiche Autorin viel gelesener Thriller bringt Susan Golden das Geld nach Haus, während Gatte David sich in London als Veranstalter von Firmenpartys abstrampeln muss. Ohnehin hätte ihn Susan gern bei sich daheim, da sie, nach einem Nervenzusammenbruch halbwegs genesen, immer noch labil ist.

Dies macht sich bemerkbar, als das Paar in sein neues Heim eingezogen ist. Es ist groß, stand lange leer und liegt sehr abgelegen auf dem Land. Susan ist es hier nicht geheuer. Ausgerechnet jetzt muss David viel unterwegs sein. Susan hilft es wenig, dass David ausgerechnet den Ex-Soldaten Peck als Wildhüter und Aufpasser engagiert hat, der die schöne Hausherrin nicht so sehr ver- als begehrt.

Überdies wird es vor allem nachts lebendig in dem alten Haus. Susan meint einen unfreundlichen Mann im Feinripp-Unterhemd durch die Flure geistern zu sehen, doch weder David noch die benachrichtigten Polizisten können Spuren eines Einbruchs finden; vor allem letztere tippen sich vielsagend an die Köpfe.

Susan überredet den skeptischen Priester Swan, einen Exorzismus zu organisieren. Die Zahl der Phantome nimmt trotzdem stetig zu. Selbst tagsüber treiben sie nun ihr Unwesen. Langsam gleitet Susan in den Wahnsinn ab – ein Vorgang, den David mit Wohlgefallen registriert. Er ist ein Strolch und Ehebrecher, der seine Gattin ins Irrenhaus treiben und über ihr Vermögen verfügen will. Viel von dem ‚Spuk‘ geht auf ihn zurück, aber Susann verfügt außerdem über das Zweite Gesicht und wird dadurch unfreiwillig Zeugin von Vorgängen, die auf das Jahr 1992 zurückgehen, als ein wahnsinniger Massenmörder seiner Arbeit nachging.

Je tiefer Susan dem Wahn verfällt, desto stärker wird ihre Sehergabe. Bald spuken auch die Geister der Zukunft in ihrem Hirn, was dafür sorgt, dass Davids böser Plan nur mit unerwarteten Nebenwirkungen aufgeht …

Spuk mit Hirn ist besser als Grusel ohne Geist

Die Liebhaber des eher handfesten Horrors werden vermutlich widersprechen, was an der Sache trotzdem nichts ändert: Eine Geistergeschichte funktioniert im Film und überhaupt am besten, wenn sich das Gespenst so selten wie möglich zeigt und sich dabei im Schatten hält. Dies gilt auch (oder gerade) im Zeitalter einer Tricktechnik, die auch das Unmögliche glaubhaft darzustellen vermag. Die Andeutung setzt zuverlässig das Hirnkino im Kopf des Betrachters in Gang, das wesentlich nachdrücklicher als Bits & Bytes für Gruselstimmung zu sorgen vermag.

Diese Tatsache erfreut jene Filmproduzenten, in deren Kriegskassen der Boden allzu deutlich durchschimmert: Man kann das Publikum auch in den Bann & ihm das Eintrittsgeld aus der Tasche ziehen, ohne teuer in ‚glaubwürdige‘ Spukgestalten investieren zu müssen! Die erwähnte Atmosphäre kann ein vollwertiger Ersatz sein. Allerdings entsteht sie nicht von allein. Sie muss ideenreich erzeugt und angefacht werden. Wehe den Unglücklichen, die auch in diesem Punkt versagen!

Reg Traviss dürfte ein Liedchen davon singen können. Er hatte wenig mehr als 1 Mio. Dollar zur Verfügung, um „Psychosis“ zu drehen. Seine Verwicklung in dieses Projekt vertieft sich, weil er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor verantwortlich zeichnet. Während ersterer sich halbwegs ordentlich aus der Affäre zog, hat sich letzterer am winterlichen Drehort nicht nur mit Schlamm, sondern auch mit Schande bedeckt.

Krimi mit Spuk-Einlagen oder Grusel-Krimi?

„Psychosis“ basiert auf einer Story des Filmhorror-Veteranen Michael Armstrong. Kenner des Genres werden ihn als Schöpfer von Grusel- und Trash-Filmen wie „Hexen geschändet und zu Tode gequält“ (1973) oder „The Sex Thief“ (1974) schätzen (oder verabscheuen), deren Drehbücher Armstrong wohlweislich unter Pseudonym verbrach. Unter dem Titel „Dreamhouse“ verfilmte Armstrong selbst für den 1986 aus drei Kurzfilmen zusammengesetzten Kompilationsfilm „Screamtime“ eine erste Fassung der „Psychosis“-Story. Angesichts dieser belastenden Vorgeschichte ist „Psychosis“ geradezu ein Meisterwerk geworden, was damit wohl Traviss zu verdanken ist, der Schlimmeres verhindern konnte.

Was nicht verhindert, dass die Geschichte an ihrer Überraschungsarmut krankt. Schon die Vermischung von Krimi – Lumpen-Gatte David treibt ein böses aber sehr reales Doppelspiel – und Phantastik – die von Susan erspähten Geister sind ‚echt‘ – ist keinesfalls originell. Die Verschränkung beider Welten funktioniert leidlich, bis Traviss die bisher geübte Zurückhaltung aufgibt und der längst erzählten Geschichte eine Coda meint ankleben zu müssen, die ihr nachträglich die mühsam aufgebaute Glaubwürdigkeit so gründlich wie ein Tritt zwischen männliche Beine austreibt.

Dieser nicht nur lächerliche, sondern auch unnötige Knalleffekt lässt den ohnehin schon lange köchelnden Zuschauerärger schlagartig auflodern. Soll dies etwa Ausgleich für eine Handlung sein, die als Höhepunkt in Unlogik förmlich ertränkt wurde? Vor den sie drangsalierenden Geistern flüchtet Susan in einen – Kühlschrank! Dessen Inhalt hat sie davor auf den Küchenboden geschüttet, damit auch das dümmste Gespenst merkt, wohin sie verschwunden ist. Generell nur mit Gewalt gelingt es Traviss, die reichlich eingestreuten Andeutungen so zurechtzubiegen, dass sie zu guter Letzt in die Handlungsrealität einmünden.

Zu viele Balla-Bälle in der Luft

Vielleicht hätte sich Traviss besser auf den Titel seines Films konzentriert. „Psychosis“ – in seiner griechischen Urform klingt dieser Begriff eindrucksvoller als das heutzutage nichtssagend abgeschliffene „Psychose“ – beschreibt durchaus korrekt den Gesundheitszustand von Susan Golden. Sie ist an einer geistigen Störung erkrankt, die mit dem Verlust des Realitätsbezuges einhergeht. Diese Diagnose öffnet viele Türen. Gerade der Film eignet sich hervorragend, Schein und Wirklichkeit so miteinander zu mischen, dass es dem Zuschauer ähnlich ergeht wie der armen Susan. Im Gegensatz zu ihr ziehen wir Vergnügen aus der Tatsache, kräftig an der Nase herumgeführt zu werden.

Die Geister, die Susans Hirn selbst rief, schienen Reg Traviss indes nicht unheimlich genug. Er holte deshalb Verstärkung aus ‚echten‘ übersinnlichen Gefilden. Dies könnte bei geschickter Verschränkung von Psychose und Spuk die Spannung in der Tat steigern. Leider patzt Traviss in dieser Hinsicht öfter als sein Ziel zu treffen. Schon der Rückblick ins Jahr 1992, mit dem der Film beginnt, ist viel zu lang und aufwändig. Später wartet man auf jene Wendung, mit der Traviss seine Relevanz für den gegenwärtigen Handlungsstrang beweist. Tatsächlich tauchen die Geister der rüde gekillten Öko-Aktivisten nur sporadisch auf und bleiben unwichtige Nebenrollen.

Englischer Winter in unfreundlicher Idylle

Der Gegensatz zwischen „Stadtmenschen“ und „Landvolk“ ist ein zementiertes Klischee nicht nur des Horrorfilms. Ungeschriebene Regeln vor allem moralischer Natur werden verletzt und heizen die Stimmung wesentlich heftiger an als Geistertreiben. Auch Susan und David sind nur oberflächlich willkommen.

Diesen Konflikt als Hintergrund für Susans zunehmende Isolierung lässt Traviss weitgehend ungenutzt. Er stellt lieber David als Bösewicht in den Mittelpunkt. Freilich kann der in Sachen Raffinesse oder Bedrohlichkeit nicht punkten. Bei näherer Betrachtung erntet er die Früchte seiner Intrigen nicht wegen, sondern trotz seiner Umtriebe. Schon die von ihm unendlich kompliziert eingefädelte Intrige unter Beteiligung des geilen Wildhüters Peck ist ein Witz: Susan ahnt höchstens, dass Peck ihr Rausch-Pilze ins Essen gemischt und sie anschließend beschlafen hat. Für die Handlung ist diese Wendung ohne Belang. (In Deutschland hat Traviss Glück: Die Zensur hat die ins Leere laufende Szene vollständig getilgt.)

An anderer Stelle lässt Traviss die Haupthandlung sträflich im Stich, um David auf eine seiner Eskapaden zu folgen. Wir sehen ihn in einem Bordell, wo er mit neureichen Swingern – die (glücklicherweise) selbst beim gemeinschaftlichen Whirlpool-Bad die Unterhosen anbehalten – und silikonbusigen Berufs-Beischläferinnen ‚perverse‘ Unzucht treibt, bis sich das Publikum vor Lachen auf dem Boden kugelt; offensichtlich hat Traviss hier angestaubte Orgien-Fantasien der Armstrongschen Drehbuchvorlage umgesetzt. Als kriminelles Mastermind hat David anschließend jedenfalls ausgedient.

An American Woman in Old England

Nur zwei Strohhalme gibt es, an denen sich der Zuschauer 90 Minuten festklammern kann. Aber Achtung: Es sind und bleiben Strohhalme, die Tragkraft nur in diesem Film und im Vergleich mit den trostlosen Leistungen der meisten Mitverantwortlichen besitzen!

Zu loben ist Kameramann Bryan Loftus, der vor nicht nur winterlich bedingt tristen Kulissen Bilder gelingen, die angesichts des Budgets erstaunen. Das alte Haus und die kalte, nasse Umgebung werden in ihrer abweisenden Wirkung durch behutsame ‚Entfärbung‘ geschickt verstärkt. Braun und grau, abgestorbenes Blattwerk und Schlamm dominieren; der wenige Schnee wirkt schmutzig, das Grün ausgewaschen und kränklich. Innerhalb des Hauses ist es selbst bei Tageslicht düster. Hier verzichtet Traviss auf ausgelaugte Horror-Klischees; nicht einmal der Keller wirkt unheimlich. Das Grauen, so wird deutlich, kommt erst durch Susan ins Haus. Dort beschränkt es sich auf Momentaufnahmen meist zukünftiger Ereignisse.

Zur zweiten Stütze von „Psychosis“ wird Hauptdarstellerin Charisma Carpenter. Als Charakterschauspielerin ist sie bisher kaum aufgefallen, ihr Erfolg beruht vor allem auf einem hübschen Gesicht, das Carpenter u. a. in TV-Serien wie „Buffy“, „Angel“ oder „Charmed“ zu Markte getragen hat. (Dank eines gut ausgeformten Oberkörpers wurde sie auch vom „Playboy“ Willkommen geheißen.) Als Susan Golden gelingt ihr die Darstellung einer Frau, die nach und nach den Verstand verliert. Carpenter ist kein unsicheres Mädchen, sondern eine erwachsene Frau, die nicht ohne Gegenwehr zerbricht, bis Drehbuchautor Traviss zu schlechter Letzt doch die Klischeekiste aufklappt und sie die Hände ringen, ein Krankenhaus-Hemdchen tragen und irre ins Leere starren lässt. Ihr Schicksal ist konsequent aber nutzlos, da es durch Traviss‘ Drang zur ausgleichenden Gerechtigkeit und den daraus resultierenden Finaltwist (s. o.) noch in letzter Filmminute in Vergessenheit gerät – ein Tropfen, der das Fass nicht nur zum Überlaufen bringt, sondern aus Benzin besteht, der den schwelenden Zorn des Zuschauers hoch auflodern lässt: Reg Traviss. Diesen Namen wird er sich merken! (Bei der Lektüre dieses Satzes bitte bedrohliche Musik einspielen.)

DVD-Features

Ausgerechnet ein (hoffentlich) rasch vergessener Film wie dieser wurde mit soliden Extras versehen. Ein halbstündiges „Making-of“ enthüllt keinerlei verborgenen Hintersinn. Menschen von vor und hinter der Kamera erzählen uns, was wir im Film (angeblich) gesehen haben. Ein gewisser Unterhaltungseffekt ergibt sich, wenn man die eigene Meinung mit jenen Lobeshymnen in Einklang zu bringen versucht, die im „Making-of“ dreist gesungen werden.

Eine Viertelstunde zwar gedrehter aber im Film nicht verwendeter Szenen belegt immerhin, dass es durchaus hätte schlimmer kommen können – an dieser Stelle ein dankbarer Gruß an Cutter John Palmer!

Offensichtlich in vorauseilendem Gehorsam wurde „Psychosis“ in Deutschland in fünf Szenen um insgesamt 2,5 min geschnitten. Wie so oft scheint Auswürfeln bestimmt zu haben, was entfiel. Diese Szenen sind in keiner Weise ‚härter‘ als das, was andere Horrorstreifen derzeit zeigen. Eine gekürzte sowie eine gänzlich entfernte Sex-Szene dürften in jedem „Tatort“-Krimi zur besten Sendezeit laufen, und die Gewalt beschränkt sich auf Sekundenbruchteile im Halbdunkel. Da „Psychosis“ kein Splatter-Film ist, leidet nicht die Story, sondern nur der freie Wille des angeblich volljährigen Zuschauers, dem wieder einmal vorgeschrieben wird, was er (nicht) sehen darf.

[md]

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Solomon Kane

Erstellt von Michael Drewniok am 12. Januar 2012

Solomon Kane

Originaltitel: Solomon Kane (Frankreich/GB/Tschechische Republik 2009)
Regie u. Drehbuch: Michael J. Bassett
Kamera: Dan Laustsen
Schnitt: Andrew MacRitchie
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: James Purefoy (Solomon Kane), Rachel Hurd-Wood (Meredith Crowthorn), Pete Postlethwaite (William Crowthorn), Patrick Hurd-Wood (Samuel Crowthorn), Alice Krige (Katherine Crowthorn), Anthony Wilks (Edward Crowthorn), Max von Sydow (Josiah Kane), Lucas Stone (Kane als Kind), Samuel Roukin (Marcus Kane), Isabel Bassett (Hexe), Jason Flemyng (Malachi), Christian Dunckley Clark (Malthus), James Babson, Marek Vasut, Geoff Bell (dumme Räuber) uva.
Label/Vertrieb: Constantin Film
Erscheinungsdatum: 07.10.2010
EAN: 4011976877585 (DVD) bzw. 4011976319887 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1(Deutsch, Englisch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 100 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Anfang des 16. Jahrhunderts hat sich der enterbte englische Adelssohn Solomon Kane im Ausland einen Namen als Glücksritter und Pirat gemacht. Als er eines Tages nur knapp dem Engel des Todes entkommt, der ihn holen wollte, weil er seine Seele angeblich dem Teufel verschrieben habe, wird Kane nachdenklich. Er schwört der Gewalt ab und zieht sich in ein Kloster zurück, wo er allmählich zur Ruhe kommt.

Zeitgleich hat der Zaubermeister Malachi mit der Eroberung Englands begonnen. Unter der Führung seines stummen, niemals unmaskiert auftretenden Heerführers fallen durch Hexerei gestärkte Truppen über die Landbevölkerung her, versklaven die Schwachen und zwingen die Starken unter Malachis geistiges Joch.

Kane verlässt das Kloster und begibt sich auf die Wanderschaft. Er will nach Nordamerika auswandern und dort ein neues Leben anfangen. Unterwegs fällt er unter Räuber. Gerettet wird er vom Puritaner William Crowthorn, den es mit seiner Familie ebenfalls in die Neue Welt zieht. Als Malachis Schergen seine neuen Freunde überfallen und töten, besinnt Kane sich alter, mörderischer Stärken. Er will die junge, schöne Meredith Crowthorn retten, die Malachi auf sein Schloss verschleppen ließ.

Der Weg dorthin ist lang und gefährlich. Hexen, Zombies und Verräter muss Kane überwinden, und irgendwann bekommt auch der Heerführer Wind von dem hartnäckigen Verfolger. Zu allem Überfluss entpuppt sich Malachis Hauptquartier als Stammburg der Kanes, nachdem dessen stolzer Herr, Kanes Vater, von dem Zauberer umgarnt und betrogen wurde.

Im großen Saal der Burg treffen die wenigen Schurken, die Kanes Rachezug überlebt haben, Kane selbst, Meredith und Malachi zusammen. Leider hat der Hexenmeister mindestens ein teuflisches As im Ärmel, das sich turmhoch über Kane aufbaut und ihm nach Leben und Seele trachtet …

Das Leben als Jammertal

1928 schuf der Unterhaltungsschriftsteller Robert E. Howard (1906-1936), dem wir auch ewige Fantasy-Helden wie Conan und die Rote Sonja verdanken, den Puritaner und Hexenjäger Solomon Kane. In einer Reihe von Storys führte ihn sein geistiger Vater an immer neue, meist exotische und stets unheimliche Orte, an denen ein Grauen lauerte, das vom schrecklich frommen Kane als heidnische Teufelei identifiziert und mit Feuer & Schwert ausgetilgt wurde.

Dieser Solomon Kane, ein düsterer, humorloser, fanatischer Geselle, blieb sich dank Howard stets treu. Er war nie sympathisch und ganz sicher keine Identifikationsfigur, aber in seiner Unerbittlichkeit und Kampfstärke der Richtige, um spannend den ausgetüftelten Todesfallen zu entkommen, die Howard sich für ihn ausdachte. War ihm dies gelungen, wandte er sich umgehend dem nächsten Teufelswerk zu. Dessen Ausrottung war seine Mission, eine Arbeit, die für Kane, das schaurige Ideal des kompromisslosen Puritaners, nie getan war.

Mit seiner schwarzweißen Weltsicht eignete sich Howards Kane nicht als Filmheld. Als solcher benötigte er Schwächen, eine entsprechende Vorgeschichte sowie die Reifung durch eine persönliche Queste, die ihn einerseits läuterte und andererseits menschlicher wirken ließ. Ähnlich war es bereits Conan, dem Barbaren, ergangen, der als erster Howard-Recke 1982 auf die Leinwand gestürmt war. Allerdings hatte Regisseur und Drehbuchautor John Milius darauf geachtet, die Figur nicht gar zu konturenglatt zu schleifen – ein Beispiel, dem Michael J. Bassett, ebenfalls Regisseur und Autor, 2009 nur bedingt folgte.

Ein langer Weg in die Vergangenheit

Dabei hätte es wesentlich schlimmer kommen können. 2001 stand „Solomon Kane“ schon einmal vor einem Drehbeginn. Die Titelrolle sollte an Christopher Lambert gehen, der sich gerade zum vierten (und hoffentlich letzten) Mal durch eine schaurig schlechte „Highlander“-Fortsetzung geprügelt hatte. Glücklicherweise zerschlug sich dieses „Kane“-Projekt; es kam erst 2006 erneut in Gang, als Bassett das Heft in die Hand nahm. Gecastet wurde nun James Purefoy, der nicht nur optisch einen glaubhaften Kane darstellt, sondern sogar über schauspielerisches Talent verfügt, das er in die Rolle einbringen konnte (und wollte).

Etwa 45 Mio. Dollar betrug das Budget. Angesichts der Wahnsinnssummen, die in Hollywoods Blockbuster fließen, ist dies moderat. Im Umfeld jener Streifen, die vor allem über ihre Spezialeffekte funktionieren, steht „Solomon Kane“ freilich gut dar. Das zur Verfügung stehende Geld konnte zudem gestreckt werden, indem man in der Tschechischen Republik drehte, wo auch heute Statisten noch so kostengünstig sind, dass man sie nicht digital ersetzen muss.

Deshalb fällt „Solomon Kane“ u. a. durch diverse Massenszenen auf, die gleichzeitig demonstrieren, dass die Kulissen nicht an den Bildrändern endeten. Detailliert ausgeführte Dorfflecken, Kirchen, Burgsäle u. a. Örtlichkeiten wurden in erstaunlichen Größen real gebaut. Die Kamera greift den zur Verfügung stehenden Raum mit Vergnügen auf und fliegt immer wieder über diese Kulissen, in denen es vor Leben und Schlachtgetümmel wimmelt. Das Wetter ist winterlich – es schneit und regnet, die Welt ist ein einziger Pfuhl, und nur ganz selten wird offenbar, dass diese Szenen meist am Tage und bei Sonnenschein entstanden. (Anzumerken ist eine auch in den Masken allzu ausgeprägte Affinität zur Gestaltung der „Herr-der-Ringe“-Filme.)

Der schwarze Mann mit dem großen Hut

„Solomon Kane“ lebt durch seine Bildopulenz sowie durch die Darstellungskunst seiner Hauptfigur. Zwar kann auch Purefoy die Schwächen des Drehbuches – dazu weiter unten mehr – nicht im Alleingang ausgleichen. Trotzdem gelingt es ihm, die holzschnittartige ‚Entwicklung‘, die sein Charakter erfährt, wenigstens ansatzweise nachvollziehbar zu gestalten. Der frühe Kane ist ein Räuber, Dieb und Mörder. Später entscheidet er sich für ein mönchisches Leben. Dann kommt hollywoodtypisch die große Krise. Sie geht mit dem vom Schicksal erzwungenen Rückfall in die Gewalttätigkeit einher, die auf diese Weise legitimiert wird: Kane hat es ja versucht, aber die Bösen ließen ihn seinen Frieden nicht …

Der eigentliche Solomon Kane manifestiert sich erst im Finale. Er ist jetzt weder Mörder noch Mönch, sondern ein Krieger des Herrn und bereit, sich für das Gute in die nächste Schlacht zu stürzen. Diese Wendung wird verständlicher, wenn man weiß, dass „Solomon Kane“ von Bassett als Trilogie geplant ist. (Ob sie jemals zustande kommen wird, steht aktuell in sehr weit entfernten Sternen.)

Im Vergleich zu Purefoy bleiben die übrigen Darsteller blass. Vor allem die arme Rachel Hurd-Wood steht auf verlorenem Posten: Ein Solomon Kane darf kein „love interest“ besitzen. Die schöne Meredith rettet er nur, weil er es ihrem sterbenden Vater versprochen hat. Ein Schwur zählt für Kane allemal mehr als Liebe. Beiläufig erwähnt er kurz vor dem Abspann, dass er Meredith bei ihrer Mutter abgegeben hat …

Unter dem allgegenwärtigen Schlamm und Dreck, den Bassett über seine Version des 16. Jahrhunderts spritzt, bleiben die Darsteller Archetypen. Was die Guten wie die Bösen umtreibt, ist oft unklar oder interessiert den Zuschauer nicht. Manchmal entscheidet Bassett schlicht falsch: Der böse Heerführer ist wesentlich interessanter und präsenter als der angeblich so mächtige Malachi, der erst im Finale auftritt und nicht wirklich erschrecken kann. Ratlos macht auch der Aufwand, den Malachi treibt, um Meredith suchen und in sein Schloss schaffen zu lassen. Dort weiß er nichts Besseres mit ihr anzufangen, als ihr ein wenig Jungfrauenblut abzuzapfen, mit dem er einen Dämon aus der Hölle heraufbeschwört.

Einige Akzente weiß höchstens der großartige Pete Postlethwaite in einer seiner letzten Rollen zu setzen. Sein unglaubliches Gesicht passt perfekt in diese archaisch überzeichnete Vergangenheit, während die Mehrheit der Darsteller allzu geschminkt und verkleidet wirkt. Was Postlethwaite in einen Film wie diesen brachte, der in der Rolle des William Crowthorn ein schauspielerisches Schwergewicht wie ihn nicht wirklich benötigt, bleibt dennoch unklar. Immerhin hat Postlethwaite Glück: Man erkennt ihn immerhin, während der Zuschauer eher fassungslos erst den Schlusstiteln entnimmt, dass er irgendwo auch der wunderbaren Alice Krige und dem großen Max von Sydow bei der Arbeit zugesehen bzw. beobachtet hat, wie sie verheizt wurden.

Erzählen ist schwieriger als gedacht

Nicht nur angedeutet wurde bereits, dass Aufwand und Story in keinem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Bassett erzählt eine Geschichte, die wir in jeder Filmsekunde kennen. Überraschungen gibt es nicht, Ungereimtheiten stattdessen mehr als genug. So lernen wir einen Todesengel kennen, dem Kane, ein einfacher Mensch, problemlos durch die Lappen geht; wie ein Trottel steht dieser ‚Engel‘ hinter dem Fenster, durch das Kane gesprungen ist, und brüllt ihm fruchtlose Drohungen hinterher. Wir sehen ihn nicht wieder; womöglich hat er seinen Job an Malachi abgetreten.

„Solomon Kane“ gehört zu jenen Filmen, die in interessante Episoden zerfallen, die sich zu keiner harmonischen Gesamtgeschichte fügen. Die Szenen in der von Zombie-Vampiren belauerten Kirche, die wilde Jagd durch die von Särgen und Knochen markierten Tunnel unterhalb eines alten Friedhofs, der finale Kampf mit einem ausgezeichneten konzipierten und realisierten Dämon bieten Entertainment auf hohem Niveau.

Hier gelingt Bassett, was ihm vorschwebte; er mindert es höchstens durch sein beschränktes Regietalent. Das liebste Stilmittel ist ihm die Zeitlupe: Zum Anschwellen eines, inspirationslosen, pseudo-pompösen, dröhnenden Scores stapfen Gut und Böse künstlich bedeutsam oder bedrohlich durch das Bild – wieder und wieder, bis es nicht einmal ärgert, sondern nur noch ein müdes Grinsen provoziert.

Mehr Engagement hätte Bassett in die Kampfszenen investieren sollen. Zwar lässt vor allem Kane Köpfe und Gliedmaßen fliegen, doch wird nie deutlich, wie ihm dies gelingt. Die meisten Gegner rennen ihm brüllend ins offene Schwert, das er wie einen Prügel schwingt. Damit will Bassett vermutlich deutlich machen, dass dies kein Jahrhundert hoher Kampfkunst ist. Wenn Kane im Alleingang Malachis Schergen dutzendweise abschlachtet, will diese Begründung aber nicht greifen.

Man kann sich schlechter unterhalten lassen

So ging „Solomon Kane“ dem „Conan“-Reboot von 2011 in gewisser Weise voraus: Viel Aufwand wurde getrieben, noch mehr Werbe-Wind darum gemacht. In beiden Fällen blieb der Erfolg hinter den Erwartungen zurück. Dafür sind allzu simpel gestrickte Storys hauptverantwortlich, denen formale Schwächen gegenüberstehen.

Die Enttäuschung resultiert freilich zu einem guten Teil aus enttäuschter Vorfreude. Macht man sich davon frei, bietet „Solomon Kane“ B-Movie-Entertainment der altmodisch robusten bzw. zeitlosen Art. Gerade Im Dschungel der DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen, in dem der Zuschauer immer wieder in geistestödliche Fallen zu stolpern droht, sorgt Kane für einen anspruchsfreien aber unterhaltsamen Filmabend.

DVD-Features

Da „Solomon Kane“ eine vergleichsweise stattliche Produktion darstellt, wäre ein ausgiebiger Blick hinter die Kulissen durchaus interessant. Die zum Hauptfilm aufgespielten Extras sind jedoch dürftig (Originaltrailer, MTV-Featurette), kaum verkappte Werbung (Interviews) oder eine Frechheit (‚Making of‘: 4 Min.!). Lohnenswert ist höchstens eine viertelstündige Mini-Dokumentation der Dreharbeiten.

[md]

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Collapse of the Living Dead

Erstellt von Michael Drewniok am 5. Januar 2012

Collapse of the Living Dead

Originaltitel: Collapse (USA 2010)
Regie: Jason Bolinger u. Mike Saunders
Drehbuch: Mike Saunders
Kamera: Jenny Stolte
Schnitt: Jason Bolinger u. Mike Saunders
Musik: Jason Bolinger u. Vincent Gillioz
Darsteller: Chris Mulkey (Robert Morgan), Karen Landry (Molly Morgan), Travis Slade Reinders (Will Morgan), Linnea Quigley (Mrs. Bell), Angela Dezen (Dana), Michael Cornelison (Dr. McFarland), Clint Curtis (Sheriff Rhodes), Mike Tweeton (Hank), Ray H. Thompson (Mr. Linn), Justin Marxen (Edgar Hennenlotter), Ethan Henry (Deputy Cooper), Troy Hollatz (Bob) uva.
Label: Savoy-Film
Vertrieb: Intergroove Media GmbH
Erscheinungsdatum: 15.12.2011 (Verleih-DVD) bzw. 27.01.2012 (Kauf-DVD/Blu-ray)
EAN: 807297083897 (DVD) bzw. 807297083996 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 18


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Das geschieht:

Um die Morgans steht es schlecht. Vater Chris, Mutter Molly und Sohn Travis bewohnen und bewirtschaften eine kleine Farm im US-Mittelwesten. Vor einem halben Jahr starb die Tochter, was Molly an den Rand des Wahnsinns trieb, der seither mit schweren Medikamenten nur mühsam in Schach gehalten wird. Travis hasst die niedergedrückte Stimmung auf der Farm und meidet die Schule. Verzweifelt versucht Robert die Familie zusammenzuhalten.

Schon damit überfordert, sitzt ihm auch die Bank im Nacken. Die Wirtschaftskrise hat längst die Provinz erreicht. Die Morgans stehen so tief in der Kreide, dass eine Zwangsräumung droht – eine Ankündigung, die Robert vor Molly und Travis geheim gehalten hat. Nun kündigt noch Knecht Hank, der schon lange keinen Lohn mehr bekam. Das Kartenhaus steht vor dem Einsturz.

Doch als ein Scherge der Bank auf der Morgan-Farm erscheint, will er kein Geld, sondern Menschenfleisch: In der 15 Meilen entfernten Stadt – und offenbar nicht nur dort – ist eine Zombie-Seuche ausgebrochen. Travis wird gebissen und von Robert vorsichtshalber isoliert, während er sich mit Karen im Haupthaus der Farm verbarrikadiert.

Die Stromversorgung fällt aus, die Vorräte gehen zur Neige. Da Hilfe von außen nicht kommt, will Robert in die zombieverseuchte Stadt fahren, um Nachschub zu organisieren. Er plündert den wohlgefüllten Waffenschrank, was sich auszahlt, denn in der Tat lauern die Untoten überall. Robert schießt um sich und kann trotzdem nur knapp entkommen. Hastig tritt er den Rückzug auf die Farm an, während ein breiter Strom von Zombies ihm folgt – oder ist alles ganz anders? Hat es einen Grund, dass die wenigen Überlebenden, auf die Robert stößt, so seltsam reagieren und mehr Angst vor ihm als vor den Untoten zu haben scheinen …?

Ein Pfund Fleisch aus des Farmers Körper

Wie bespricht man einen Film, den eine einzige aber zugegeben originelle Idee vor dem verdienten Absinken in die Tiefen des Trash-Tümpels bewahrt, ohne genau diese Idee unerwähnt zu lassen? Faktisch ist es zumindest diesem Rezensenten unmöglich, womit er freilich nicht allein steht: In jeder längeren Besprechung von „Collapse“ wird die Spoiler-Katze aus dem Sack gelassen.

Wenigstens kann man sich dabei auf den Regisseur und Drehbuchautor berufen, der die Handlung bereits in der zweiten Filmhälfte ‚kippen‘ lässt und damit nicht erst bis zum Finale wartet. Zudem leidet „Collapse“ nicht unter der Enthüllung, was einerseits für besagte Idee spricht, andererseits jedoch damit zu begründen ist, dass dieser Film trotz seines besonderen Ansatzes kümmerlich geraten ist. Der Einfall ist gut, die Umsetzung ist es nicht.

Bleiben wir noch bei der Idee: Die Feindschaft zwischen Bank und Farmer ist in den USA nicht nur historisch, sondern geradezu klassisch. Sie geht primär auf die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre zurück, als finanziell ruinierte Farmer ihre Heime und Äcker verloren, weil sie den Banken vorgeschossene Kredite nicht zurückzahlen konnten. Erst das daraus resultierende Elend und drohende Unruhen führten dazu, dass in den USA wenigstens ansatzweise ein Sozialstaat eingerichtet wurde. Die Erinnerung an den arbeitsfaulen, herzlosen Banker im weißen Hemd und Anzug, der mit dem Sheriff kommt, um den Farmer und seine Familie zu vertreiben, blieb jedoch präsent.

Der Schock geht tief, denn auch für Robert Morgan ist seine Farm nicht nur Arbeitsplatz, sondern die eigene, von den Vorfahren seit gefühlten Urzeiten bearbeitete Scholle. Deshalb fühlt er sich wie Shakespeares Antonio, dem im „Kaufmann von Venedig“ der Geldverleiher Shylock ein Pfund Fleisch aus dem Körper schneiden will, als er in Zahlungsverzug gerät.

Die Farm: Heimat, Festung – Gefängnis

Zur empfundenen Gnadenlosigkeit der Bank, die um der Bilanz willen Existenzen vernichtet, kommt die Bedrohung der Familie. „Vom gefällten Baum machen alle Kleinholz“, lautet ein amerikanisches Sprichwort. Genauso sieht es Robert: Er hat beinahe alles verloren, sogar eine Tochter ist ihm gestorben. Verliert er die Farm, hat er als auch Ehemann und Vater endgültig versagt. Diese Haltung ist ihm unerträglich und erzeugt jenen Stress, der ihn schon längst hat in den Wahnsinn abgleiten lassen, als die Filmhandlung einsetzt.

Saunders ist zuzugestehen, dass er die diesbezügliche Fährte zwar legt, gleichzeitig aber geschickt verwischt. Mollys Labilität hat einen unvermuteten Grund, und Roberts Beharren gegenüber dem Arzt, dem Sheriff oder dem Banker, dass daheim „alles in Ordnung“ sei, bekommt erst schleichend und dann immer schneller einen unguten Unterton: Da liegt mehr im Argen als Trauer, allgemeine Sprachlosigkeit oder Geldnot.

Doch die Morgan-Farm gleicht einem Schiff, und Robert ist der Kapitän. Sein Wort ist Gesetz. Schwierigkeiten werden innerhalb der Familie geklärt, nach außen wird geschwiegen. Die räumliche Entfernung zur Stadt steigert die Isolation, die seit jeher zur idealen Brutstätte für Irrsinn werden kann

Die Welt wird im Wahnsinn verständlich

Irgendwann muss die überstrapazierte Psyche zerbrechen. Robert interpretiert die Welt, die sich gegen ihn verschworen hat, auf eine bizarre aber ihm leichter begreifbare Weise um: Seine Feinde verwandeln sich von Blutsaugern in Menschenfresser. Gegen sie kann er wehren, denn wie es sich für den Nachfahren von Pionieren gehört, rosten zwar Traktor und Familienlimousine, nicht aber die in eindrucksvoller Zahl gesammelten und gut gepflegten Handfeuerwaffen und Schrotflinten. Im 21. Jahrhundert ist ein Indianerüberfall zwar unwahrscheinlich, doch Robert ist bereit!

Dass man ihm den Zerfall seines Geistes abnimmt, liegt vor allem am Darsteller Chris Mulkey. Er gehört zu jenen viel beschäftigten Mimen, die jährlich bis zu sechs Rollen annehmen, dabei weder TV-Routine noch B- und C-Movies scheuen und in der Regel trotzdem grundsolide Arbeit abliefern. Mit seinem von Pockennarben gezeichneten Gesicht eignet sich Mulkey gut als Parade-Bösewicht, den er deshalb oft gibt. Dieser Schublade entschlüpft er offensichtlich gern.

Das Regie-Duo Bolinger & Saunders konnte nicht nur Mulkey, sondern auch seine tatsächliche Ehefrau Karen Landry anheuern. Sie tragen das Drama darstellerisch, wobei es ihnen gelingt, die ‚Drehung‘ zu vermitteln, die erforderlich ist, um das Geschehen, das wir zunächst nur aus Roberts Sicht verfolgen, in die Realität zu überführen, in der Molly sich als womöglich stärkerer Teil des Paares erweist.

Nicht nur die Psyche wird fadenscheinig

Damit endet leider die kurze Liste der Pluspunkte. Saunders, der auch als Regisseur und Autor stolz seinen in Kindertagen erhaltenen Spitznamen „Insane Mike“ konserviert, mag wohl ein Querdenker sein. Ein Unterhaltungstalent ist er dagegen nicht. Nur Robert und Molly Morgan schrieb er profilstarke Rollen auf die Leiber, auch dabei geizte er nicht mit Klischees, die Mulkey und Landry ausbügeln müssen.

Für routinierte Schauspieler war ansonsten kein Geld mehr da. Ausgerechnet zwei verdiente Veteranen des billigen Gruselfilms (Linnea Quigley,  Michael Cornelison) versteckte Saunders in überflüssigen Nebenrollen. Stattdessen stellte er Anfänger und Laiendarsteller en masse ein. „Collapse“ entstand u. a. in der Kleinstadt West Branch, US-Staat Iowa, deren filmbegeisterte Bürger sich gleich im Familienbund als Zombies verpflichten ließen. Sie schlurfen durch das Bild, wie sie es im Kino gesehen haben, und unter der dünnen Schminke wird deutlich, dass sie sich das Grinsen kaum verbeißen können.

Grundsätzlich bringt Saunders die beiden Handlungsstränge nicht zusammen. Vor allem im Zombie-Teil gehen nur  dreibeinige Pferde mit ihm durch. Er vernachlässigt den Zwischenton, sondern wähnt sich in einem ‚richtigen‘ Horrorfilm. Dies führt zu den üblichen Mustern und sorgt für mindestens tausendfach (und oft besser) gesehene Halsbisse und Kopfschüsse. Wo dem Effektzauberer mehr als die tagesüblichen zwei Budget-Dollar in die Hände gerieten, ließ er seinem Ehrgeiz freien Lauf und kreierte echte Splatter-Szenen, die in dem ansonsten amateurhaften Streifen unvorteilhaft auffallen.

Farmer-Grusel als Bauern-Theater

Denn Anfänger wähnt man jederzeit am Werk. Begeisterung ist kein Ersatz für Talent oder handwerkliches Geschick. Die Dialoge sind dürftig oder dumm. Der Kameramann scheint mit dem Boden verwachsen zu sein, der Cutter nur einen Arm zu haben. Mit-Regisseur Bolinger versucht sich auch am Soundtrack; einen Job, den er erst recht nicht meistert. Das Drehbuch schlägt der Logik seltsame Schnippchen: Wieso ist die Stadt zunächst zombieleer, als Robert dort erscheint? Halten die Untoten ein kollektives Nickerchen, während sie auf Besucher = Frischfleisch warten? Ohnehin scheinen sie bei Bedarf aus dem Boden zu wachsen.

Zombietum macht sich bei Saunders in erster Linie durch zerfetzte Kleider bemerkbar. Alle Zombies sind sorgfältig und auf eine Weise zerlumpt, die absolut ratlos in der Frage lässt, wie sie schon nach wenigen untoten Stunden in diesen Zustand geraten konnten. Sie jagen ohnehin kaum Angst ein; aufgrund des sorgfältig beachteten Schlurfgangs sind diese Kreaturen so langsam, dass ihre Opfer ihnen ostentativ und ewig den Rücken zudrehen müssen, damit sie erwischt werden können. Des Zuschauers Blutdruck steigt dabei nur, weil er den betreffenden Darsteller – meist den armen Chris Mulkey – gehetzt nach links und rechts aber demonstrativ nie nach hinten blicken sieht: Spannungsaufbau unterscheidet sich offensichtlich vom Versuch, sein Publikum für dumm zu verkaufen.

Auf dilettantische Weise schleppt sich die Handlung voran. Die finale Auflösung ist zumindest konsequent und recht grimmig, kann aber für die anderthalb Stunden Lebenszeit nicht ersetzen, deren Verlust den Zuschauer weitaus stärker schmerzt als jeder Zombiebiss.

DVD-Features

Die ‚Ausstattung‘ von DVD (und Blu-ray) unterstreicht, dass „Collapse“ zum Auswurf der Filmgeschichte gehört: Mit Trailer und Bildergalerie wird man abgespeist.

Unschuldig sind „Insane Mike“ & Co. übrigens am selten dämlichen deutschen Titel des Films: Was soll denn ein „Collapse of the Living Dead“ sein? „Collapse“ gibt im Original knapp, präzise und unheilverkündend die Richtung der Geschichte vor. Das „… of the Living Dead“ belegt den dreisten Versuch, hierzulande zwar für debil gehaltene aber solvente Zuschauer/Käufer an die Zombie-Angel zu nehmen. Wer sich auf typischen Därme-raus-Horror gefreut hat, dürfte solche Manipulation anschließend mit einer Ächtung des verantwortlichen Labels und seiner Filme ahnden.

[md]

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The Child’s Eye

Erstellt von Michael Drewniok am 29. Dezember 2011

The Child’s Eye

Originaltitel: Tong Yan (Hong Kong 2010)
Regie: Oxide Pang Chun u. Danny Pang
Drehbuch: Oxide Pang Chun, Danny Pang u. Thomas Pang
Kamera: Decha Srimantra
Schnitt: Curran Pang
Musik: Origin Kampanee
Darsteller: Rainie Yang (Rainie), Elanne Kwong (Ling), Ciwi Lam (Ciwi), Izz Xu (Hei), Rex Ho (Rex) Shawn Yue (Lok), Lam Ka-tung (Chuen), Jo Koo (Chuens Ehefrau)  u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.12.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4048317344048 (DVD) bzw. 4048317444045 (Blu-ray) bzw. 4048317544042 (Blu-ray 3D-Version)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Mandarin-Chinesisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

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Titel bei Amazon.de (Blu-ray, 2-D-Fassung)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray, 3-D-Fassung)

Das geschieht:

Zwei junge Paare sowie die Geschwister Ling und Rex sind aus Hong Kong ins thailändische Bangkok gereist. Die Stimmung ist gereizt, Rainie und ihre Partner Lok stehen kurz vor der Trennung. So wird die Gruppe überrascht, als ein Aufstand ausbricht, der Flughafen geschlossen wird und eine Abreise unmöglich ist.

Auch das Nobelhotel, in dem das Sextett bisher residierte, schließt seine Pforten. Die Urlauber können froh sein, Zimmer im heruntergekommenen Chung Tai Hotel zu bekommen. In dem riesigen, uralten Gebäude stehen ganze Stockwerke leer, durch die Chuen, der verbitterte Eigentümer, den man hinter nur notdürftig vorgehaltener Hand des Mordes an seiner vor einem Jahr plötzlich verschwundenen Gattin verdächtigt, des Nachts heimlich schleicht.

Rainie und ihre Gefährten fühlen sich denkbar unwohl in dem Haus, da es zu allem Überfluss zu spuken scheint. Immer wieder zeigt sich die Gestalt einer entstellten Frau, und durch die Gänge geistert eine seltsame Kreatur, halb Mensch, halb Hund. Lok, Rex und Hei benehmen sich erst sonderbar, dann verschwinden sie spurlos. Niemand will sie gesehen haben, das Hotel haben sie offenbar nicht verlassen.

Verzweifelt machen sich Rainie, Ling und Ciwi auf die Suche. Sie treffen ein Waisenmädchen, das sie über die Geschichte des Hotels in Kenntnis setzt. Außerdem besitzt es einen Hund, der unsichtbaren Spuk wittern und vor ihm warnen kann. Es beginnt eine gefährliche Expedition durch das Chung Tai Hotel, in dem nicht nur Geister und Monster umgehen, sondern das auch Portale existieren, durch welche die drei Freundinnen immer wieder in bizarre jenseitige Welten stolpern, wo sie das Grauen direkt attackiert. Sie müssen herausfinden, was hinter dem Höllenspuk steckt, denn nur so können sie ihm entfliehen sowie die verschwundenen Männer retten, die ein schreckliches Schicksal erwartet …

Das Grauen kommt gar nicht mehr zu sich

„The Eye“ (2002. „Ging kwai“), „Ab-Normal Beauty“ (2004, „Sei mong se jun“) und „Bangkok Dangerous“ (1999 und 2008): Dies sind drei der Filme, mit denen die Brüder Oxide Pang Chun u. Danny Pang nicht nur ihr Publikum überraschten, sondern auch die Kritiker erfreuten. Die Erwartungen an ein Werk der „Pang-Brothers“ sind also hoch. Dabei verdrängt das so gestimmte Publikum offensichtlich die Erinnerungen an weniger gelungene Streiche, die naturgemäß nicht ausbleiben können, weil die fleißigen Brüder durchschnittlich zwei Filme pro Jahr schreiben und drehen.

2007 sorgten sie beispielsweise mit „The Messengers“ für eine Enttäuschung, die freilich keinen Vergleich mit jener Verwirrung und jenem Zorn aushält, den die Pangs mit „The Child’s Eye“ auslösen. Seit jeher war ihr Talent für die bildmächtige Umsetzung von Gefühlen und Gefahren ausgeprägter als ihr erzählerisches Geschick. Das Drehbuch von „The Child’s Eye“ ist nunmehr so wirr missraten, dass auch manches überraschende und gelungene optische Intermezzo das Fiasko keineswegs ausgleichen kann.

Bereits die Exposition wirft Fragen auf. Wieso müssen unsere Helden in einen Aufstand geraten? Er hat für das Geschehen keinerlei Bedeutung, sondern bringt die sechs jungen Leute nur in das Chung Tai Hotel, was sich auch weniger umständlich hätte realisieren lassen. Doch da die Pang Brothers den Aufruhr auf den Straßen mit großem Aufwand inszenieren, wartet man natürlich auf eine entsprechende Integration dieser Ereignisse in die Spukgeschichte.

Hinter dem Auge kommt noch das Hirn

Da wartet man allerdings vergeblich. Um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wieso trotzdem viel Geld für diese Szenen ausgegeben wurde, muss man ein wenig ausholen. „The Child’s Eye“ ist der erste in Hong Kong entstandene Film, der mit der gerade aktuellen 3-D-Technik realisiert wurde. Auf sie bzw. die damit möglichen Effekte und die daraus resultierenden Schwierigkeiten konzentrierten sich die Brüder wesentlich intensiver als auf das Drehbuch; ein Manko, das den dreidimensionalen Film schon in den 1950er und 1980er Jahren prägte, als er in Mode kam – und schnell wieder vergessen wurde, weil dem Zuschauer stumpf vors Gesicht gehaltene Messer, Fäuste oder Klauen doch nicht so unterhaltsam sind, wie schmalhirnige Produzenten dachten.

Dazugelernt hat die Branche definitiv nicht. „The Child’s Eye“ ist ein Kompendium sattsam bekannter ‚Überraschungen‘. Chuen droht mit seinem Schlachtbeil, eine abgetrennte Hand springt aus der Leinwand, das hundeköpfige Mini-Monster von der Decke. Auch der Aufstand ergibt plötzlich ‚Sinn‘: Es sorgt für 3-D-mächtige Bilder, wenn Fäuste gereckt, Steine geworfen und Tränengas-Granaten abgefeuert werden.

Zumindest die 2-D-Version von „The Child’s Eye“ verrät, dass plastische Bilder keinen Ersatz für eine schlüssige und konzentriert erzählte Geschichte liefern. Die Pang-Brüder, die sie – verstärkt durch ein weiteres Familienmitglied (ein vierter Pang leistete den Schnitt) – ersannen, verwirbeln eine schmerzlich simple Story zu einem Durcheinander vermeintlich bedeutungsvoller Sub-Plots, die sich als Sackgassen und Effekthaschereien entpuppen.

Unterhaltung sollte kein Kopfweh erzeugen

Die wenigen gelungenen Szenen lassen die Misslichkeiten umso schmerzlicher hervortreten. Wenn es um Bilder geht, verstehen die Pangs ihr Handwerk. Die düstere Enge des alten Hotels verwandelt sich an einer Stelle in die groteske Weite einer die Realität genial verzerrenden Geisterwelt. Freilich hat auch diese Pracht erneut allzu erkennbar die Absicht, den 3-D-Effekt zu tragen. Für die Handlung ist sie unerheblich sowie kontraproduktiv.

Vor allem westliche Kritiker schelten die angeblich „unbegabten“ Darsteller. Ich denke, hier muss man relativieren. „The Child’s Eye“ ist ein asiatischer Film, der folglich die Kinokultur einer aus westlicher Sicht fremd strukturierten Region widerspiegelt. Die Kritik richtet sich deshalb eher gegen die übertrieben wirkende Darstellung von Gefühlen. Sie zeichnen sich nicht in den Gesichtern der Schauspieler ab, sondern werden zusätzlich in einer Weise ausgedrückt, die im West-Kino seit der Stummfilmzeit ausgestorben ist.

Wenn sich also jemand erschreckt, dann wird das durch eine Art „Slowburn“-Effekt unterstrichen: Der Darsteller zuckt zusammen, verzieht das Gesicht, reißt die Augen auf. Große Furcht wird zusätzlich durch Greinen, Weinen, Zittern und Flehen betont. Ähnlich aufdringlich wird Trauer dargeboten, die dadurch zur Sentimentalität gerinnt. Für westliche Zuschauer ist dies peinliches Chargieren, das zudem die eigentlich erwünschten Reaktionen konterkariert: Man kann nicht mit Figuren bangen, die Teilnehmer eines Kasperletheaters zu sein scheinen.

Mit der Nase drauf- und hineingestoßen

Diese künstlich-theatralische Übertriebenheit ruiniert auch das Finale. Dabei bietet die Auflösung durchaus eine interessante Variation der üblichen Schlacht gegen das Böse, das hier ausschließlich von Menschen aber nicht in böser Absicht in die Welt gebracht wurde. Doch die Pangs setzen schaurige und spannende Szenen wie einen Bohrer ein, der wieder und wieder in einen kranken Zahn gedrückt wird: Wiederum wünscht sich der westlichen Betrachter Andeutungen, während die Pangs den erwünschten Effekt zu Tode reiten. Dabei hilft eine Musik, wie man sie u. a. in den Horrorfilmen der englischen „Hammer“-Studios in den 1960er Jahren gehört hat: Angst soll geschürt werden, aber im Geiste sieht der Zuschauer = Hörer nur die Studiomusiker, die ihre Instrumente aus Leibeskräften bearbeiten.

Der schon erwähnte Simpel-Faktor des Plots erschwert die Annahme einer Auflösung, die keine echten Geheimnisse aufzudecken vermag. Eine einzige Rückblende sorgt endlich für Aufklärung – und Enttäuschung, weil diese so banal ausfällt. Wenn der Zuschauer das Trauerspiel endlich überstanden zu haben glaubt, versetzen ihm die Pang-Brüder in letzter Sekunde noch einen Nackenschlag: Selbstverständlich ist der Spuk nicht tot, sondern rührt sich urplötzlich erneut und deutet eine Fortsetzung an, die glücklicherweise unwahrscheinlich ist, da „The Child’s Eye“ nicht einmal das asiatische Publikum in Begeisterung versetzen konnte.

DVD-Features

Außer einem Trailer gibt es keine Features, was angesichts der ‚Qualitäten‘ des Hauptfilms als unerwartete Gunst zu werten ist. Eine gewisse Ausnahme stellt die Blu-ray-Fassung dar, die über Cast und Crew informiert und mit einer Bildershow aufwartet; was soll solcher Unfug aus der Feature-Steinzeit im 21. Jahrhundert?

„The Child’s Eye“ erscheint als 2-D- und 3-D-Fassung, wobei letztere den Blu-ray-Käufern vorbehalten bleibt. Wie die dreidimensionalen Effekte dem Film bekommen, kann dieser Rezensent nicht beschreiben. Sie müssten angesichts des nicht gerade konturstarken oder klaren Bildes sowie der allgegenwärtigen Düsternis allerdings großartig sein, um den unerfreulichen Gesamteindruck zu mildern, den eine die Übertriebenheit der Darstellung ungut aufgreifende Synchronisierung komplettiert.

[md]

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Skyline

Erstellt von Michael Drewniok am 22. Dezember 2011

Skyline

Originaltitel: Skyline (USA 2010)
Regie: Colin Strause/Greg Strause (The Brothers Strause)
Drehbuch: Joshua Cordes/Liam O’Donnell
Kamera: Michael Watson
Schnitt: Nicholas Wayman-Harris
Musik: Matthew Margeson
Darsteller: Eric Balfour (Jarrod), Scottie Thompson (Elaine), Brittany Daniel (Candice), Crystal Reed (Denise), Neil Hopkins (Ray), David Zayas (Oliver), Donald Faison (Terry), Robin Gammell (Walt), Tanya Newbould (Jen), J. Paul Boehmer (Colin) u. a.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 12.05.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 5050582828672 (DVD) bzw. 5050582828696 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (Blu-ray: 93 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Der brotlose Künstler Jarrod wird von seinem Jugendfreund Terry, der es in der Filmstadt Los Angeles zu Ruhm und Reichtum gebracht hat, zu dessen Geburtstagsparty eingeladen. Begleitet wird er von Freundin Elaine, die auf den rechten Moment lauert, Jarrod über seine Vaterschaft zu informieren, bevor sie sich in ihrem Profil abzuzeichnen beginnt.

Die frohe Kunde wird nur mit gemischten Gefühlen aufgenommen, und Terry betrügt seine Lebensgefährtin Candice mit Assistentin Denise, was für zusätzliche Spannungen sorgt. Die entsprechenden Diskussionen werden jedoch vertagt, weil in der Nacht nach der Party gigantische Raumschiffe über der Stadt erscheinen, die monsterhafte Mischwesen aus Maschinen und Aliens sowie ein intensives blaues Licht ausschicken: Wer dort hineinblickt, wird erst magisch angezogen, um dann spurlos zu verschwinden.

So ergeht es den meisten Bürgern von Los Angeles, während sich Jarrod, Elaine, Terry, Candice und Denise erschrocken in Terrys Penthouse verbarrikadieren. Krakenähnliche ‚Sammler‘ suchen nach Menschen, die nicht ins Licht gingen, um sie individuell einzufangen. Durch die Straßen streifen noch gruseligere Kreaturen, wie die Freunde bei einem Ausbruchsversuch feststellen müssen, der diverse Menschenleben kostet.

Erste Gegenattacken des US-Militärs verpuffen, denn die Fremden sind nicht nur in der Überzahl, sondern verfügen über eine überlegende Technik; werden sie beispielsweise in Stücke geschossen, setzen sich diese wieder zusammen. Selbst eine Atombombe kann den Wesen nichts anhaben. Über die Frage, was nun zu tun ist, bricht in der Gruppe, zu der inzwischen Hausverwalter Oliver gestoßen ist, heftiger Streit aus, der noch durch die Entdeckung geschürt wird, dass Jarrod von einer Art Alien-Virus befallen ist und sich in eine der Kreaturen und damit zum Gegner in den eigenen Reihen zu verwandeln droht …

Die Wut der Aliens …

… ist verständlich, nachdem sie, die unsere Erde zwecks Aberntung menschlicher Gehirne überfallen haben, zumindest in Los Angeles feststellen müssen, dass ihre Beute von fragwürdiger Qualität ist; dies ist jedenfalls ein Schluss, den die Zuschauer ziehen, nachdem sie anderthalb Stunden unfassbar blöde Jungmänner und –frauen dabei beobachten mussten, die plan- und sinnlos zwischen dem Keller und dem Dach eines 15-stöckigen Hochhauses hin und her hasten.

Natürlich ist damit zu rechnen, dass eine Attacke der beschriebenen Art kopflose Panik begünstigt. Um dies glaubhaft zu vermitteln, müsste man allerdings Schauspieler engagieren und keine 3D-Platzhalter, deren Hampeleien bestenfalls zu ertragen sind, wenn sie in eine der (glücklicherweise zahlreichen) Action-Szenen verwickelt werden.

Der erfahrene (und damit leidgeprüfte) Zuschauer von Science-Fiction-Filmen der Güteklasse B abwärts weiß, was die Totenglocke geschlagen hat, wenn sich trotz offensiver Ausblendung solcher Mängel, der bedingungslosen Akzeptanz des modernen Kinos als reines Unterhaltungsvehikel sowie – der letzte Ausweg – sichtbegleitenden Alkoholgenusses Frustration und Ärger nicht mehr eindämmen lassen.

Doppelt verbockt hält besser

Dabei sollte man meinen, dass hinter der Kamera genug Talent und handwerkliches Geschick versammelt waren, treten Regisseur und Drehbuchautor doch jeweils im Doppelpack auf. Freilich erregen die drei Worte „The Brothers Strause“ Misstrauen und ungute Erinnerungen, haben uns diese beiden eher begeisterten als begabten Bilderstürmer doch 2007 mit ihrer ganz speziellen Fortsetzung des „Alien“/„Predator“-Doppel-Franchises beglückt (und diesem damit offenbar ein Ende bereitet).

Liam O’Donnell und vor allem Joshua Cordes kommen wie die Strause-Brüder aus dem Filmtrick-Geschäft. Für „Skyline“ lieferten sie ihr Debüt-Drehbuch; eine Tat, die viele Jahre später hoffentlich in ihrem Lebenslauf untergehen wird. Vermutlich hätten richtige Autoren aufgrund der eigentümlichen Entstehungsgeschichte dieses Films von vornherein die Waffen gestreckt. Nach eigener Auskunft haben die Strauses die Szenen mit ihren Darstellern für 500.000 Dollar abgedreht. (Dieser Teil der Geschichte klingt unmittelbar glaubhaft.) Anschließend sind sie mit diesem Torso in ihre digitale Hexenküche umgezogen und haben ihm Trick-Sequenzen im Wert von 10 Mio. Dollar aufgepfropft.

Schon eine leichte Verschiebung der genannten Summen hätte der Geschichte womöglich ein wenig mehr Drive gegeben und unsere Versprengten beispielsweise aus der Wohnung gebracht, in der sie mit angstvollen Mienen aus den Fenstern starren und beobachten, was in der Stadt geschieht. Dann wäre im Publikum wenigstens die Ahnung einer weltweiten Invasion aufgestiegen, deren Realität erst zum Finale durch Bilder angedeutet wird, die unsere Strauses vor allem aus Blockbuster-Vorlagen wie „Independence Day“ (1996) oder „Cloverfield“ (2008) abgekupfert haben.

Ein Königreich für eine Idee!

Ohnehin bekamen die Brüder mächtigen Ärger, weil sie quasi parallel zur Produktion ‚ihres‘ Filmes die Spezialeffekte für das SF-Invasions-Spektakel „Battle Los Angeles“ (2011) übernommen hatten und Auftraggeber Columbia Pictures argwöhnte, die Strauses würden mit ihrem Geld die Tricks für das eigene, inhaltlich ohnehin unerfreulich ähnliche Werk finanzieren. Der Gerichtsstreit wurde beigelegt, weil dies offensichtlich nicht geschehen war und ein möglicher Verdienstausfall an der Kinokasse selbst vor einem US-Gericht nicht geltend gemacht werden konnte.

Faktisch haben wir zwei inhaltshohle Filme, die einander unfreiwillig ergänzen: Während „Battle Los Angeles“ eisenharte Marines im Kampf gegen die Aliens beobachtet, zeigt „Skyline“ die Reaktionen der Zivilisten. Deren hilflose Verwirrung wird durch ein Drehbuch voller Logikbrüche enorm gesteigert. Obwohl es regelmäßig kracht und blitzt, kommt auch der Zuschauer rasch ins Straucheln. Was sind das für ‚Aliens‘, in deren Schädel sich irdische Menschenhirne einpassen lassen? Kommen sie, um Nachschub zu besorgen? Waren sie früher schon einmal da? Wieso geht die Blaulicht-Hypnose ausgerechnet bzw. nur bei Jarrod schief? Liegt es daran, dass er anders als seine halbgaren Freunde ein echter Vollidiot ist? Färben sich erst seine Augen und später sein Gehirn (bzw. das ersatzweise in seinem Hohlkopf stets am Rande seines begrenzten Limits arbeitende Organ) deshalb rot statt blau?

Die Aliens leuchten zwar blendend blau, sind ungeachtet dessen allerdings auch nicht viel heller in ihren Knollenschädeln. Mit ihrem Locklicht haben sie Los Angeles so gut wie leergefischt. Warum also der Aufwand, den die Einzel-Jagd nach den wenigen Flüchtlingen darstellt? Warum fliegen die Außerirdischen nicht einige Kilometer weiter, um z. B. die attackierenden Soldaten in ihren Basen zu enthirnen? (Auch hier mag der IQ-Gehalt der Ernte den Ausschlag geben: Welcher geniale Militärstratege hat beispielsweise den Befehl gegeben, das Alien-Mutterschiff mit einer ‚Atombombe‘ zu beschießen, die außer einem Blitz und ein bisschen Rauch nur ein Druckwellchen sowie keinerlei Todesstrahlung freisetzt?)

Sie wissen (hoffentlich) nicht, was sie tun

Der kluge Filmproduzent spart Geld mit Szenen, die sich darauf beschränken, die Darsteller im Gespräch zu zeigen. Das funktioniert gut, wenn das Publikum Gefühle für diese Figuren empfindet, die Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler zuvor gemeinsam entstehen ließen. Geschieht dies nicht oder misslingt es, haben wir geschmacksleer durchgekauten TV-Mainstream wie „Falling Skies“ oder eben einen Film wie „Skyline“: Die Schicksale der Figuren sind uns völlig schnuppe, und bald betrachten wir ihre Faxen als unwillkommene Intermezzos zwischen knalligen Action-Szenen.

Es ist den Strauses und ihren Autoren gelungen, ausschließlich unsympathische Figuren zu ungutem Leben zu erwecken. Während Donald Faison feixt & zahnig grinst, wie er es in „Clueless“ gelernt und in „Scrubs“ perfektioniert hat, entwickelt sich Eric Balfour zum echten Ärgernis. Mit seinem Schafsgesicht wurde er geboren; das kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Leider passt es furchtbar gut zu seiner lahmarschigen Rolle. Jarrod ist eine leere Hülle (mit modischen Tattoos). Dies trifft auf die anderen Figuren ebenfalls zu, doch er spielt die Hauptrolle. Ob er über die Nachricht seiner Vaterschaft erschrickt oder wie besessen mit einem Schlackenstein Alien-Schädel einschlägt: Sein Gesichtsausdruck ändert sich kaum; er erinnert stets an einen magenkranken Marabu.

Die weiblichen Rollen sind austauschbar. Scottie Thompson mutiert dank Baby im Bauch zur kampflustigen Heroine, weshalb sie nicht wie Candice oder Denise irgendwann (und zur Freude des Zuschauers) aus der Handlung genommen wird – schade, sie bleibt uns auch in der bereits angekündigten Fortsetzung erhalten. (Dass es die Strauses auf einen zweiten Teil angelegt haben, ist eindeutig, denn „Skyline“ bricht dreist mitten in der Handlung mit einem Cliffhanger ab.)

Das Hirn endet hinter den Augen

Zumindest in einem Punkt können die Strauses mit sich zufrieden sein: „Skyline“ wirkt deutlich ‚teurer‘ als die 10 oder 11 Mio. Dollar, die in diesen Film investiert wurden. Am Himmel über Los Angeles ist mehrfach buchstäblich die Hölle los. Die volle Breite des Bildes wird mit detailscharfen Motiven gefüllt. Da lässt sich verschmerzen, dass die Aliens ein Konglomerat aus anderen Filmen oder Games bekannter Formen und Fähigkeiten sind; sie langen tüchtig hin und lassen dabei ihre digitale Herkunft meist vergessen.

Wer sich mit Effekten zufriedengibt, dazu über die Langmut verfügt, die Klischees und schauspielerähnlichen Bemühungen der Darsteller auszublenden, sowie die durch Trailer und Werbegetöse geschürten Erwartungen verdrängt, fährt sicherlich am besten. „Skyline“ will mehr als trashige Unterhaltung bieten, doch trotz oder gerade wegen der manchmal erstaunlichen Bilder (und eines pseudo-bombastischen Scores, dessen kümmerlich kurzes Leitmotiv sich bis zum Erbrechen des Publikums wiederholt) wird erst recht deutlich, dass es zu mehr nicht gereicht hat.

DVD-Features

Die Strauses sind Film-Enthusiasten, die sich gern mitteilen. Zu der im Umfang zufriedenstellenden Sonderausstattung – sie wird dem DVD- wie dem Blu-ray-Kunden geboten, was heutzutage keineswegs selbstverständlich ist – gehört deshalb ein Audiokommentar der Brüder. Zu Wort melden sich außerdem die Autoren Liam O’Donnell & Joshua Cordes. (Die trauen sich was!)

Interessant ist natürlich, was im Hauptfilm nicht gezeigt wird. Dies schließt die immer gern gesehenen entfallenen sowie einige alternative Szenen ein. Unter dem Menüpunkt „Pre-Visualisierung“ wird deutlich gemacht, wie die Realszenen schon mit dem Blick auf die erst später integrierten Effekte gedreht wurden.

[md]

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Altitude – Tödliche Höhe

Erstellt von Michael Drewniok am 15. Dezember 2011

Altitude – Tödliche Höhe

Originaltitel: Altitude – Fear Is in the Air (Kanada 2010)
Regie: Kaare Andrews
Drehbuch: Paul A. Birkitt
Kamera: Norm Li
Schnitt: Chris Bizzocchi
Musik: Jeff Tymoschuk
Darsteller: Jessica Lowndes (Sara), Julianna Guill (Mel), Ryan Donowho (Cory), Landon Liboiron (Bruce), Jake Weary (Sal), Mike Dopud (Colonel), Ryan Grantham (Bruce als Kind), Teghan Gentles (Sara als Kind), Chelah Horsdal (Mrs. Taylor), Ian Robison (Mr. Taylor), Michelle Harrison (Saras Mutter) u. a.
Label/Vertrieb: EuroVideo
Erscheinungsdatum: 12.01.2012 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4009750211397 (DVD) bzw. 4009750393406 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Jung-Pilotin Sara plant einen Luft-Trip zum Konzert einer angesagten Band. Die flatterhafte Freundin Mel ist sofort dabei; sie wird begleitet von ihrem Freund, dem reizbaren, IQ-freien und notorisch eifersüchtigen Highschool-Ringer Sal. Mit an Bord der zweimotorigen Maschine sind außerdem Saras Cousin Cory sowie ihr Freund Bruce.

Der Ausflug steht unter keinem guten Stern. Die Beziehung zwischen Sara und Bruce wackelt, während Cory heimlich in Mel verliebt ist und dies ausgerechnet jetzt offenbart, was Sal erwartungsgemäß unfreundlich quittiert. Außerdem ist das Flugwetter schlecht und die Maschine ebenso gewartet. Turbulenzen lassen im Heck einen Bolzen aus seiner Halterung rutschen, der plötzlich das Höhenruder blockiert: Das Flugzeug kann nicht mehr gelandet werden, sondern muss langsam immer höher steigen, bis ihm der Sprit ausgeht, was binnen einer Stunde geschehen wird.

Die überforderte Sara verliert die Kontrolle, als auch das Funkgerät versagt. Der luftkranke Bruce dreht durch und muss gefesselt werden. Einziger Ausweg bleibt der Ausstieg eines Passagiers, der von außen das blockierte Ruder löst. Cory, ein versierter Bergsteiger, der zufällig sein Kletterzeug dabei hat, übernimmt den Job. Sal sichert ihn, der Coup gelingt, aber dann greift aus einer Wolke plötzlich ein Tentakel nach dem Flugzeug und bringt es ins Schlingern. Cory verliert den Halt, und in Panik kappt Sal das Seil, woraufhin der Rivale in den Tod stürzt.

Die übrigen Freunde wollen Sals Geschichte vom Monster im Himmel nicht recht glauben. Stattdessen werfen sie ihm Feigheit und Mord vor. Aufruhr bricht in der Maschine aus, die in nackte Panik umschlägt, als sich der Wahrheitsgehalt von Sals Schauermär enthüllt und eine gigantische, krakenähnliche Kreatur die Jagd auf das Flugzeug und dessen schmackhaften Inhalt eröffnet …

Fremdschämen leicht gemacht – dank Kaare Andrews

Die weltweit aktive Firma Flop Film Productions präsentiert in Kooperation mit dem sattsam bekannten Duo Wirr (Regie) & Warr (Drehbuch) stolz ihr aktuelles Meister-Machwerk: „Altitude“, ein Horror-Psycho-SF-Thriller der Minderklasse, der in allen diesen Genres neue Maßstäbe zu setzen vermag.

Man kann in der Tat kaum fassen, mit welcher Intensität Unlogik und Unvermögen auf den Zuschauer niederprasseln. Zwar spielt sich das Geschehen in enormer Höhe ab. Dort ist die Luft dünn, was eine Erklärung (oder Entschuldigung) für dieses filmische Grauen sein könnte. Dabei ist dem Regie-Debütanten Kaare Andrews, der bisher vor allem als Comic-Autor bekannt wurde, Ehrgeiz keineswegs abzusprechen. Hat man sich nach Sichtung dieses Films ein wenig beruhigt, erkennt man durchaus, was ihm ursprünglich vorgeschwebt haben mag.

Freilich wird dabei ebenfalls deutlich, dass es nicht funktionieren konnte, drei völlig unterschiedliche Geschichten zu einer harmonischen Handlung zusammenzufügen. „Altitude“ will ein Katastrophenfilm (Flugzeug droht abzustürzen), Horror (Luft-Krake angelt nach unvorsichtigen Fliegern) und Science Fiction (Flugzeug steckt in einer Zeitschleife) sein. Andrews hätte sich auf eines dieser Elemente konzentrieren sollen. Stattdessen hat er sie sämtlich in den Sand gesetzt, denn um diese Eisen glühen zu lassen, brennt er ein viel zu mickriges Feuerchen ab.

Das Grauen im Detail

Das Drehbuch ist nicht nur unausgegoren, sondern wird auch (unfreiwillig) schauerlich umgesetzt. Ungeachtet der Tatsache, dass der Zuschauer von gewissen Einfällen zunächst überrascht wird – der Krake wirkt vielversprechend –, folgt stets der Absturz in die Untiefen des Klischees. Jede Wendung ist bekannt und keineswegs beliebt, was Drehbuchautor Birkitt aber viel Arbeit sparte, da er das Geschehen wie auf Schienen voran trödeln lassen konnte.

Die Gesamtgeschichte beginnt rosstäuschend mit einem Knalleffekt, der – man glaubt es kaum – nicht Selbstzweck, sondern Teil der Story ist. (Erst im Finale wird wieder relevant, was man nach anderthalb Stunden qualvoller Stümperei hoffentlich niemand vergessen hat.) Anschließend schalten Andrews & Birkitt zurück auf Null zurück und bleiben dort lange, langweilige Minuten, in denen sie uns fünf denkbar unsympathische Jungmenschen und ihre öden zwischenkreatürlichen – von „zwischenmenschlich“ möchte man nicht sprechen – Konflikte vorstellen.

Figurenzeichnung sieht bei Birkitt u. a. so aus, dass er den schweineborstenhaarigen Sal in eine College-Jacke steckt und seine Freundin Mel dauerbefummeln lässt, um ihn als Sportler-Rüpel & Dummkopf einzuführen; ein Eindruck, der sich im Laufe dieses Films vollauf bestätigen wird, obwohl Sal zum Prügeln & Würgen nur eine Hand frei hat – mit der anderen lässt ihn Regisseur Andrews unentwegt Büchsen mit Dünnbier knacken und aussaufen.

Hohlköpfe in dünner Luft

Leider muss man feststellen, dass Cory jeden Hieb verdient, den Sal ihm verpasst. Schon für die Liebe zur mückenhirnigen Mel gehört er aus dem Flugzeug geworfen. Ähnlichen Zuschauerärger erregt der weichbirnige Bruce, für den Drehbuchautor Birkitt zwischenzeitlich gar keine Verwendung hat, weshalb er ihn in ein panikerzeugtes Koma versetzt. Erst wenn sich die Zeitschleife schürzt, hat Bruce seinen Auftritt – schade, dass ihn das Wolkenmonster zuvor nicht besser zu fassen bekam. Dies hätte uns auch einen Großteil jenes zwischen hysterische Schreianfälle geschnittenen Gestammels erspart, das Birkitt uns als „Dialoge“ verkaufen möchte.

Dem tumben Getümmel die Krone setzt die ausschließlich hübsche Sara auf. Wie sie an ihren Pilotenschein kam, ist ein Mysterium, das viel interessanter zu klären wäre als die Jagd nach dem Ding in den Wolken. Allein die Liebschaft mit dem weinerlichen Bruce würde sie bereits für die Bedienung einer Waschmaschine disqualifizieren. Daher wundert es nicht, dass Sara in der Not noch kopfloser agiert als ihre hirnlosen ‚Freunde‘. Insgesamt ist dieses Quintett so überzeugend dämlich, dass man sich die Namen der Darsteller sorgfältig zwecks Meidung anderer Filme merkt, in denen sie ihr Unwesen treiben könnten.

Tentakel-Monster ohne Grip

Ende der 1920er Jahre schuf der Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) den „Cthulhu“-Mythos. Er entwarf ein Universum, das von bösen ‚Göttern‘ – eigentlich fremdartigen, dem Menschen unverständlichen Entitäten – bevölkert ist, die in einem ewigen Krieg verstrickt sind und von denen es einige auf die Erde verschlagen hat.

Zu ihnen gehört Cthulhu, ein vielarmiges Protoplasma-Wesen, das an einen gigantischen Tintenfisch erinnert und besonders hinterlistig ist. Lovecraft gelang eine Kreatur, deren Schrecken durch kluge Zurückhaltung geschürt wurde: Cthulhu zeigt sich selten persönlich, sondern wird meist mittelbar durch die Beschreibung seiner Übeltaten offenbar. Auf diese Weise kann der Leser sich sein eigenes Gedankenbild dieses Ungetüms machen.

In einem Film ist dies nicht ratsam. Wie man es dann (halbwegs) richtig macht, zeigte Guillermo del Toro 2004 in „Hellboy“. Hier absolvierte Cthulhu einen Gastauftritt und wurde gebührend eindrucksvoll in Szene gesetzt. Das Wolkenbiest in „Altitude“ ist im Vergleich dazu ein krudes Gebilde aus Lumpen und Billig-CGI, das nicht wie ein böser Geist, sondern wie eine mutierte Distel aussieht. Auf der anderen Seite ist dies wohl so korrekt, da es schließlich Bruces Hüttenkäsehirn entspringt.

Darüber hinaus muss man den Köpf über den Übermut eines Regisseurs schütteln, der nur über ein Mini-Budget gebot, sich aber in den Kopf setzte, ein spezialeffektlastiges Spektakel über den Wolken spielen zu lassen. Zwar greift Andrews oft genug auf den Alt-Trick zurück, das Geschehen als Kammerspiel auf das Innere der Flugzeugkabine zu beschränken. Dort sind wir zwar dem Terror unserer fünf Knattermimen ausgesetzt, müssen uns aber wenigstens nicht über jeglicher Physik spottende Außenreparaturen per Wäscheleine oder ein Monster ärgern, das so überzeugend wirkt wie das Urmel selig aus der Augsburger Puppenkiste.

„Don’t Look Down“, lautet der originale Untertitel dieses wolkigen Trauerspiels. Viel gefährlicher ist jedoch der Blick auf Leinwand oder Bildschirm, denn Frustration und Ärger sind keine Gefühle, die der Zuschauer durch sein Feierabendvergnügen aufgewirbelt wissen möchte. „Altitude“ ist ein Tiefflieger der schlimmsten Sorte; möge er bald an den Klippen der Filmgeschichte zerschellen!

DVD-Features

In dem Bestreben, die teurer verkaufbare und somit einträglichere Blu-ray zu pushen, spielt auch dieses Label diverse Extras – „Behind the Scenes”, Interviews mit am Film Beteiligten (= Verantwortliche & Täter) sowie den Trailer – nur der blauen Scheibe auf; die DVD-Kundschaft blickt ins Leere. Nachdem dies zuvor bereits anderthalb Stunden geschah – ein Zustand, der dreist als „Hauptfilm“ bezeichnet wird –, dürfte sich die Trauer derselben in Grenzen halten.

[md]

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The UH-OH Show

Erstellt von Michael Drewniok am 8. Dezember 2011

The UH-OH Show

Originaltitel: The Uh! Oh! Show (USA 2009)
Regie u. Drehbuch: Herschell Gordon Lewis
Kamera: Wes Pratt, Jill Sager
Schnitt: Chris Woods
Musik: Patrick Ford
Darsteller: Brooke McCarter (Jackie), Nevada Caldwell (Jill Burton), Joel D. Wynkoop (Fred Finagler), Krista Grotte (Champagne), Lauren Schmier (Coco), Jack Amos (Dean), Kenny Rogers (Oscar), Bruce Blauer (Ray Hemming), Jarrett Ricker (Richard), Trish Dempsey (Old Lady Blume), Kreissägen-Rex (Broward „Eclipse“ Holsey) uva.
Label: 8-Films
Vertrieb: WGV Medien
Erscheinungsdatum: 25.11.2011 (DVD)
EAN: 4033056901492
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Weil ihm sein Onkel Hershell als Kind zu viele perverse Gruselgeschichten erzählt hat, ist Fred Finagler erst verrückt geworden und dann zum Fernsehen gegangen, wo er die „Uh-Oh-Show“ erfand: Moderator Jackie stellt seinen Kandidaten dümmliche Fragen; ist ihre Antwort korrekt, gewinnen sie absurd wertvolle Preise. Die Zuschauer im Saal und vor den Bildschirmen hoffen jedoch auf Fehler: Dann wird das „Rad des Unheils“ auf die Bühne geschoben. Kommt es nach energischem Drehen zum Stillstand, steht sein Zeiger auf dem Namen eines Körperteils. Es erscheint der irre Rex, der dem Pechvogel mit einer Kreissäge abschneidet, was angezeigt wurde.

Die „Uh-Oh-Show“ ist ein Bombenerfolg und soll sogar in die TV-Primetime verlegt werden. Finagler denkt sich eine noch blutigere Version aus, die auf den Märchen der Gebrüder Grimm basiert. Doch Jackie entwickelt plötzlich Skrupel, und die neugierige Reporterin Jill Burton schnüffelt hinter den Kulissen der Show herum, nachdem ihr Freund als Kandidat ein übles Ende nahm. Dabei entdeckt sie, dass die ausgelobten Preise gar nicht verteilt werden: Auch die Gewinner der „Uh-Oh-Show“ verlieren ihr Leben, die Produzenten sparen so viel Geld.

Damit hat Jill ihr eigenes Todesurteil gesprochen, denn ihr Chef ist Teil dieses Komplotts. Finagler schickt ihr seine Schergen hinterher. Nur Jills Ex-Kameramann und Freund Oscar, ein schmieriger Enthüllungs-Journalist, der inzwischen gefeuerte Jackie sowie die geschasste „Uh-Oh“-Busen-Fee Champagne stehen ihr zur Seite. Gemeinsam schleicht sich das Quintett in die neue Show ein, um Finagler, der persönlich die Moderatoren-Rolle übernommen hat, vor laufender Kamera bloßzustellen – eine lebensgefährliche Mission, denn nicht nur Finagler, sondern auch Rex und ein ganzes Rudel geistesgestörter Irrer, die in der Show ihre Mordtriebe ausleben dürfen, gedenken nicht, sich ihr Geschäft oder ihren Spielplatz wegnehmen zu lassen. Auch hinter den Kulissen wird nun zerstückelt und gemordet, was die dafür geeigneten Instrumente hergeben …

Im Bilgenwasser der Filmgeschichte

Wenn du lang genug lebst, sinken um dich herum deine Feinde (und Kritiker) ins Grab. Was sie dir einst vorwarfen, ist irgendwann vergessen, zumal du allein nunmehr deine Sicht der Vergangenheit verbreiten kannst, und was dich einst berüchtigt machte, sorgt nun höchstens für neue Berühmtheit. Ob besagte Feinde (und Kritiker) mit ihrem Urteil einst richtig lagen, ist völlig unerheblich, denn der Skandal von gestern wird zur Unterhaltung von heute.

Wie Posträuber Ronald Biggs, US-Gaunerpräsident Richard Nixon oder Johannes Heesters profitiert auch Herschell Gordon Lewis, Jahrgang 1928, von diesem Phänomen. Zwischen 1959 und 1972 sprach man deutlich unfreundlicher über den Regisseur, Autor und Produzenten von Filmen, deren Titel zwar Programm sein sollten, die aber in Sachen Verworfenheit selten hielten, was sie dem erwartungsvollen Publikum versprachen: „Goldilocks and the Three Bares“ (1963), „Scum of the Earth“ (1963), „She-Devils on Wheels“ (1968), „Miss Nymphet’s Zap-in“ (1970).

Lewis drehte „Nudies“ und Billig-Horror, wobei ihm schnell der naheliegende Gedanke kam, nackte Mädchen und Gewalt miteinander zu kombinieren. Während sein Zeitgenosse Russ Meyer („Faster, Pussycat! Kill! Kill“, 1965) als drittes Element einen rauen aber herzlichen Humor in seine Filme einbrachte und damit die Herzen auch ‚ernsthafter‘ Kritiker gewann, drehte Lewis mutwillig aber konsequent an der „Gore“-Schraube und schuf Schmuddel-Horror-Klassiker wie „Blood Feast“ (1963), „Two Thousand Maniacs!“ (1964) oder „The Wizard of Gore“ (1970).

Was zunächst durch ein nie gekanntes Übermaß an Folter & rüder Zerstückelung faszinierte, wurde Ende der 1960er Jahre zum „Camp“ geadelt: Die intellektuelle Jugend hatte buchstäblich Blut geleckt und amüsierte sich über geschmacklose, billig hergestellte, unfreiwillig schräge Filme. Rasch entwickelte sich ein eigenes Genre, und  die entsprechenden Filme wurden absichtlich immer abgedrehter. Lewis sprang auf diesen Zug auf; Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre verloren seine Werke auch den Rest ihres ohnehin nie sehr ausgeprägten Handlungsernstes.

Ein langes Leben kann auch Fluch sein

1972 war nach „The Gore Gore Girls“ Schluss; der harte Horror erreichte das Mainstream-Kino, der Porno erledigte die ‚softe‘ Erotik, blanke Brüste füllten sich mit Silikon. Lewis verschwand von der Bildfläche. Fast vier Jahrzehnte verstrichen, in denen sich die Sünden der Vergangenheit auf die weiter oben beschriebene Weise verklärten. Lewis wurde zum Mythos. Die Filmkritik entdeckte seine Werke wieder und erklärte sie zu frühen Meisterwerken eines Mannes, der gegen das zeitgenössische Establishment aufgestanden war und spielerisch die hässlichen Wahrheiten einer grundsätzlich schlechten Welt offenbart hatte. Weniger anspruchsvolle Zeitgenossen hatten einfach ihren Spaß an den alten, ungelenk inszenierten und mit Anti-Schauspielern besetzten Machwerken.

Lewis-Horror wurde neu veröffentlicht und schön aufgemacht unter Käufer gebracht, die zum großen Teil noch gar nicht geboren waren, als die „Gore Gore Girls“ ihr Unwesen trieben. In einem nächsten Schritt wurde der Trash-Altmeister selbst reaktiviert. Es genügte, dass er noch lebte. 2002 saß Lewis nominell im Regiestuhl von „Blood Feast 2: All U Can Eat“. Mit dieser ‚Fortsetzung‘ seines Films von 1963 hatte Lewis nichts zu tun; er gab seinen profitablen Namen her. Allerdings rief ihn diese Erfahrung zurück ins Film-Leben: Lewis wollte wieder einen ‚echten‘ Herschell-Gordon-Lewis-Schocker drehen.

2009 war es soweit. „The UH-OH Show“ fällt in die vollständige Verantwortung des alten Kämpen. Mit diesem Comeback hat er weder sich noch seinem Publikum einen Gefallen getan, obwohl die Werbung sowie jene Fans, die neuen Lewis-„Gore“ einfach großartig finden WOLLEN, das Gegenteil behaupten.

Was soll so etwas heute?

Tatsächlich hat sich Lewis überhaupt nicht weiterentwickelt. Weiterhin verknüpft eine simple bis fadenscheinige Story diverse Schnetzel- und Titten-Szenen. Das traurige Ergebnis wird uns als ironische Verbeugung vor dem klassischen Trash-Horrorkino verkauft. Wer sich diesen Sand nicht in die Augen streuen lässt, findet sich erschüttert mit antiquiertem, absolut witzfreiem Müll konfrontiert – und Müll ist nicht Trash, dem bekanntlich ein erheblicher Unterhaltungswert innewohnen kann.

Die alten Lewis-Streifen SIND Trash, weil sie ihrer Entstehungszeit verhaftet sind. „The UH-OH Show“ mag irgendwann ebenfalls Trash werden. Aktuell ist dieser Film nur die endlose Verkettung mühsam oder gar nicht miteinander verbundener Episoden sowie Gags, die nicht zünden wollen oder können, da sie miserabel sind. Dies passt zum Irrwitz des ganzen Projektes, denn welcher Sinn könnte dahinter stecken, einen Film-Stil zu kopieren, dessen Haltbarkeitsdatum vor Jahrzehnten abgelaufen ist? Es muss schon ein Quentin Tarantino kommen, der das Trash-Kino in seine Elemente zerlegt, sie neu zusammensetzt und mit den Mitteln der Gegenwart überhöht.

Lewis zeigt in dieser Hinsicht nur marginale Bemühungen. „The UH-OH Show“ soll ein Fernsehen ironisieren, das seine Zuschauer mit immer neuem Schwachsinn und gesteigerten Brutalitäten verdummt und abstumpft. Dies ist ein Vorwand, Lewis soll liefern, wofür er in der Vulgär-Version seiner Filmgeschichte berühmt ist. Also lässt er diverse Sägen kreisen, während die Kamera unbarmherzig die dilettantische Machart nicht nur der Spezialeffekte enthüllt.

Das Grauen einer unkomischen Horror-Komödie

Diese Splatter-Szenen sind das reinste Kasperle-Theater, die Tricks auf dem Niveau von 1972; sie sollen es wohl auch sein, denn „The UH-OH Show“ ist ja eine komische Hommage an den ohnedies comichaft überzogenen Herschell-Horror. Vier Jahrzehnte später ist so etwas langweilig, weil es zu allem Überfluss öde in Szene gesetzt wird. Lewis war niemals ein guter Erzähler. Blut und Titten waren in ständig wechselnder Reihenfolge die Schauwerte seiner Filme, die er möglichst billig herunterkurbelte. Traditionell wurden für diese Verbrauchsware keine Schauspieler engagiert, sondern Darsteller angeheuert, die zu Recht ohne Job (männlich) sowie bereit waren, ihre sekundären Geschlechtsorgane in die Kamera zu halten (weiblich). Folgerichtig erweist sich auch „The UH-OH Show“ als Panoptikum schamfreien Non-Talentes.

Die Darsteller machen daraus keinen Hehl. Den vielleicht größten Lacherfolg erzielt Lewis (wiederum unfreiwillig) durch die Beschäftigung von Mimen, die Real-Namen wie „Krista Grotte“, „Lauren Schmier“ oder „Joel D. Wynkoop“ tragen. Woher kommen diese Leute? Meist sind sie in Film oder Fernsehen bisher (aus gutem Grund) kaum oder gar nicht präsent gewesen. Sie chargieren aus Leibeskräften und wollen uns Zuschauern deutlich bzw. weismachen, welchen Spaß es ihnen bereitet, in einem Herschell-Gordon-Lewis-Film aufzutreten – ein Vergnügen, das wir gefälligst zu teilen haben.

„They never come back“ – hoffentlich …

Schließlich gibt Meister Lewis sich persönlich die Ehre als klappriger Grusel-Greis, der in Crypt-Keeper-Manier mehrfach in das Geschehen eingreift. (In einer für das Geschehen absolut irrelevanten Szene gibt sich auch Gaststar Lloyd Kaufman, der ungekrönte König des „Troma“-Trash-Kinos, als Zuhälter die Ehre und rundet das Spektrum der Peinlichkeiten mit einer wahren Flut infantiler Fäkal- und Klemmsex-Witzchen ab.) Sie alle eint die Schrecklichkeit ihrer auf Film gebannten Blamage, für die sie ein fahriges Drehbuch mitverantwortlich machen können, das Old Herschell möglicherweise seit 1972 in einer Schreibtischschublade hortete.

Lewis drehte in Saint Petersburg in Florida, was wenig überrascht, da dies der Staat ist, in die es die meisten US-Rentner zieht. Anscheinend richtete er die Handlung nach vorhandenen Kulissen ein; ansonsten kamen viel Sperrholz und Silikon (s. Champagne und Coco) zur Verwendung. Abgeschlossen wird das Trauerspiel durch einen Abspann, der anscheinend „Bloopers“, also beim Dreh fehlgeschlagene Szenen, enthält; dies zu entscheiden fällt schwer, da sie sich in ihrer ‚Qualität‘ kaum von dem im Hauptfilm Gezeigten unterscheiden. Bleibt nur zu hoffen, dass Herschell Gordon Lewis sich jetzt endgültig zurückzieht.

DVD-Features

Für ein angebliches Trash-Fest fallen die Extras zum Hauptfilm – der übrigens nur auf DVD erscheint – kärglich aus. Ein Trailer zum Film und ein siebenminütiger Blick hinter die Kulissen verraten wenig über die schwierige Entstehungsgeschichte. „The UH-OH Show“ wurde bereits 2009 abgedreht, doch der Regisseur benötigte weitere zwei Jahre für die Nachbearbeitung. Wesentlich aufschlussreicher und interessanter ist deshalb Lewis‘ Audiokommentar. Der alte Mann hat Humor und definitiv viel zu erzählen, auch wenn er nicht ganz einfach zu verstehen ist; eine deutsche Untertitelung wäre hier hilfreich.

„Humor“ ist ein Phänomen, das der (deutschen) Zensur bekanntlich fremd ist. „The UH-OH Show“ erst ab 18 Jahren freizugeben, könnte freilich auch als Marketing-Trick des Labels begriffen werden, das damit ein Gore-Fest suggerieren möchte; der pompös-aussagelose Untertitel „Ultimate Uncut Version“ will das bekräftigen – ein Schuss, der böse nach hinten losgehen könnte bzw. sollte!

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)

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