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Archiv für die 'FSK18 & k.J.' Kategorie

The Child’s Eye

Erstellt von Michael Drewniok am 29. Dezember 2011

The Child’s Eye

Originaltitel: Tong Yan (Hong Kong 2010)
Regie: Oxide Pang Chun u. Danny Pang
Drehbuch: Oxide Pang Chun, Danny Pang u. Thomas Pang
Kamera: Decha Srimantra
Schnitt: Curran Pang
Musik: Origin Kampanee
Darsteller: Rainie Yang (Rainie), Elanne Kwong (Ling), Ciwi Lam (Ciwi), Izz Xu (Hei), Rex Ho (Rex) Shawn Yue (Lok), Lam Ka-tung (Chuen), Jo Koo (Chuens Ehefrau)  u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.12.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4048317344048 (DVD) bzw. 4048317444045 (Blu-ray) bzw. 4048317544042 (Blu-ray 3D-Version)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Mandarin-Chinesisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray, 2-D-Fassung)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray, 3-D-Fassung)

Das geschieht:

Zwei junge Paare sowie die Geschwister Ling und Rex sind aus Hong Kong ins thailändische Bangkok gereist. Die Stimmung ist gereizt, Rainie und ihre Partner Lok stehen kurz vor der Trennung. So wird die Gruppe überrascht, als ein Aufstand ausbricht, der Flughafen geschlossen wird und eine Abreise unmöglich ist.

Auch das Nobelhotel, in dem das Sextett bisher residierte, schließt seine Pforten. Die Urlauber können froh sein, Zimmer im heruntergekommenen Chung Tai Hotel zu bekommen. In dem riesigen, uralten Gebäude stehen ganze Stockwerke leer, durch die Chuen, der verbitterte Eigentümer, den man hinter nur notdürftig vorgehaltener Hand des Mordes an seiner vor einem Jahr plötzlich verschwundenen Gattin verdächtigt, des Nachts heimlich schleicht.

Rainie und ihre Gefährten fühlen sich denkbar unwohl in dem Haus, da es zu allem Überfluss zu spuken scheint. Immer wieder zeigt sich die Gestalt einer entstellten Frau, und durch die Gänge geistert eine seltsame Kreatur, halb Mensch, halb Hund. Lok, Rex und Hei benehmen sich erst sonderbar, dann verschwinden sie spurlos. Niemand will sie gesehen haben, das Hotel haben sie offenbar nicht verlassen.

Verzweifelt machen sich Rainie, Ling und Ciwi auf die Suche. Sie treffen ein Waisenmädchen, das sie über die Geschichte des Hotels in Kenntnis setzt. Außerdem besitzt es einen Hund, der unsichtbaren Spuk wittern und vor ihm warnen kann. Es beginnt eine gefährliche Expedition durch das Chung Tai Hotel, in dem nicht nur Geister und Monster umgehen, sondern das auch Portale existieren, durch welche die drei Freundinnen immer wieder in bizarre jenseitige Welten stolpern, wo sie das Grauen direkt attackiert. Sie müssen herausfinden, was hinter dem Höllenspuk steckt, denn nur so können sie ihm entfliehen sowie die verschwundenen Männer retten, die ein schreckliches Schicksal erwartet …

Das Grauen kommt gar nicht mehr zu sich

„The Eye“ (2002. „Ging kwai“), „Ab-Normal Beauty“ (2004, „Sei mong se jun“) und „Bangkok Dangerous“ (1999 und 2008): Dies sind drei der Filme, mit denen die Brüder Oxide Pang Chun u. Danny Pang nicht nur ihr Publikum überraschten, sondern auch die Kritiker erfreuten. Die Erwartungen an ein Werk der „Pang-Brothers“ sind also hoch. Dabei verdrängt das so gestimmte Publikum offensichtlich die Erinnerungen an weniger gelungene Streiche, die naturgemäß nicht ausbleiben können, weil die fleißigen Brüder durchschnittlich zwei Filme pro Jahr schreiben und drehen.

2007 sorgten sie beispielsweise mit „The Messengers“ für eine Enttäuschung, die freilich keinen Vergleich mit jener Verwirrung und jenem Zorn aushält, den die Pangs mit „The Child’s Eye“ auslösen. Seit jeher war ihr Talent für die bildmächtige Umsetzung von Gefühlen und Gefahren ausgeprägter als ihr erzählerisches Geschick. Das Drehbuch von „The Child’s Eye“ ist nunmehr so wirr missraten, dass auch manches überraschende und gelungene optische Intermezzo das Fiasko keineswegs ausgleichen kann.

Bereits die Exposition wirft Fragen auf. Wieso müssen unsere Helden in einen Aufstand geraten? Er hat für das Geschehen keinerlei Bedeutung, sondern bringt die sechs jungen Leute nur in das Chung Tai Hotel, was sich auch weniger umständlich hätte realisieren lassen. Doch da die Pang Brothers den Aufruhr auf den Straßen mit großem Aufwand inszenieren, wartet man natürlich auf eine entsprechende Integration dieser Ereignisse in die Spukgeschichte.

Hinter dem Auge kommt noch das Hirn

Da wartet man allerdings vergeblich. Um eine Antwort auf die Frage zu bekommen, wieso trotzdem viel Geld für diese Szenen ausgegeben wurde, muss man ein wenig ausholen. „The Child’s Eye“ ist der erste in Hong Kong entstandene Film, der mit der gerade aktuellen 3-D-Technik realisiert wurde. Auf sie bzw. die damit möglichen Effekte und die daraus resultierenden Schwierigkeiten konzentrierten sich die Brüder wesentlich intensiver als auf das Drehbuch; ein Manko, das den dreidimensionalen Film schon in den 1950er und 1980er Jahren prägte, als er in Mode kam – und schnell wieder vergessen wurde, weil dem Zuschauer stumpf vors Gesicht gehaltene Messer, Fäuste oder Klauen doch nicht so unterhaltsam sind, wie schmalhirnige Produzenten dachten.

Dazugelernt hat die Branche definitiv nicht. „The Child’s Eye“ ist ein Kompendium sattsam bekannter ‚Überraschungen‘. Chuen droht mit seinem Schlachtbeil, eine abgetrennte Hand springt aus der Leinwand, das hundeköpfige Mini-Monster von der Decke. Auch der Aufstand ergibt plötzlich ‚Sinn‘: Es sorgt für 3-D-mächtige Bilder, wenn Fäuste gereckt, Steine geworfen und Tränengas-Granaten abgefeuert werden.

Zumindest die 2-D-Version von „The Child’s Eye“ verrät, dass plastische Bilder keinen Ersatz für eine schlüssige und konzentriert erzählte Geschichte liefern. Die Pang-Brüder, die sie – verstärkt durch ein weiteres Familienmitglied (ein vierter Pang leistete den Schnitt) – ersannen, verwirbeln eine schmerzlich simple Story zu einem Durcheinander vermeintlich bedeutungsvoller Sub-Plots, die sich als Sackgassen und Effekthaschereien entpuppen.

Unterhaltung sollte kein Kopfweh erzeugen

Die wenigen gelungenen Szenen lassen die Misslichkeiten umso schmerzlicher hervortreten. Wenn es um Bilder geht, verstehen die Pangs ihr Handwerk. Die düstere Enge des alten Hotels verwandelt sich an einer Stelle in die groteske Weite einer die Realität genial verzerrenden Geisterwelt. Freilich hat auch diese Pracht erneut allzu erkennbar die Absicht, den 3-D-Effekt zu tragen. Für die Handlung ist sie unerheblich sowie kontraproduktiv.

Vor allem westliche Kritiker schelten die angeblich „unbegabten“ Darsteller. Ich denke, hier muss man relativieren. „The Child’s Eye“ ist ein asiatischer Film, der folglich die Kinokultur einer aus westlicher Sicht fremd strukturierten Region widerspiegelt. Die Kritik richtet sich deshalb eher gegen die übertrieben wirkende Darstellung von Gefühlen. Sie zeichnen sich nicht in den Gesichtern der Schauspieler ab, sondern werden zusätzlich in einer Weise ausgedrückt, die im West-Kino seit der Stummfilmzeit ausgestorben ist.

Wenn sich also jemand erschreckt, dann wird das durch eine Art „Slowburn“-Effekt unterstrichen: Der Darsteller zuckt zusammen, verzieht das Gesicht, reißt die Augen auf. Große Furcht wird zusätzlich durch Greinen, Weinen, Zittern und Flehen betont. Ähnlich aufdringlich wird Trauer dargeboten, die dadurch zur Sentimentalität gerinnt. Für westliche Zuschauer ist dies peinliches Chargieren, das zudem die eigentlich erwünschten Reaktionen konterkariert: Man kann nicht mit Figuren bangen, die Teilnehmer eines Kasperletheaters zu sein scheinen.

Mit der Nase drauf- und hineingestoßen

Diese künstlich-theatralische Übertriebenheit ruiniert auch das Finale. Dabei bietet die Auflösung durchaus eine interessante Variation der üblichen Schlacht gegen das Böse, das hier ausschließlich von Menschen aber nicht in böser Absicht in die Welt gebracht wurde. Doch die Pangs setzen schaurige und spannende Szenen wie einen Bohrer ein, der wieder und wieder in einen kranken Zahn gedrückt wird: Wiederum wünscht sich der westlichen Betrachter Andeutungen, während die Pangs den erwünschten Effekt zu Tode reiten. Dabei hilft eine Musik, wie man sie u. a. in den Horrorfilmen der englischen „Hammer“-Studios in den 1960er Jahren gehört hat: Angst soll geschürt werden, aber im Geiste sieht der Zuschauer = Hörer nur die Studiomusiker, die ihre Instrumente aus Leibeskräften bearbeiten.

Der schon erwähnte Simpel-Faktor des Plots erschwert die Annahme einer Auflösung, die keine echten Geheimnisse aufzudecken vermag. Eine einzige Rückblende sorgt endlich für Aufklärung – und Enttäuschung, weil diese so banal ausfällt. Wenn der Zuschauer das Trauerspiel endlich überstanden zu haben glaubt, versetzen ihm die Pang-Brüder in letzter Sekunde noch einen Nackenschlag: Selbstverständlich ist der Spuk nicht tot, sondern rührt sich urplötzlich erneut und deutet eine Fortsetzung an, die glücklicherweise unwahrscheinlich ist, da „The Child’s Eye“ nicht einmal das asiatische Publikum in Begeisterung versetzen konnte.

DVD-Features

Außer einem Trailer gibt es keine Features, was angesichts der ‚Qualitäten‘ des Hauptfilms als unerwartete Gunst zu werten ist. Eine gewisse Ausnahme stellt die Blu-ray-Fassung dar, die über Cast und Crew informiert und mit einer Bildershow aufwartet; was soll solcher Unfug aus der Feature-Steinzeit im 21. Jahrhundert?

„The Child’s Eye“ erscheint als 2-D- und 3-D-Fassung, wobei letztere den Blu-ray-Käufern vorbehalten bleibt. Wie die dreidimensionalen Effekte dem Film bekommen, kann dieser Rezensent nicht beschreiben. Sie müssten angesichts des nicht gerade konturstarken oder klaren Bildes sowie der allgegenwärtigen Düsternis allerdings großartig sein, um den unerfreulichen Gesamteindruck zu mildern, den eine die Übertriebenheit der Darstellung ungut aufgreifende Synchronisierung komplettiert.

[md]

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The UH-OH Show

Erstellt von Michael Drewniok am 8. Dezember 2011

The UH-OH Show

Originaltitel: The Uh! Oh! Show (USA 2009)
Regie u. Drehbuch: Herschell Gordon Lewis
Kamera: Wes Pratt, Jill Sager
Schnitt: Chris Woods
Musik: Patrick Ford
Darsteller: Brooke McCarter (Jackie), Nevada Caldwell (Jill Burton), Joel D. Wynkoop (Fred Finagler), Krista Grotte (Champagne), Lauren Schmier (Coco), Jack Amos (Dean), Kenny Rogers (Oscar), Bruce Blauer (Ray Hemming), Jarrett Ricker (Richard), Trish Dempsey (Old Lady Blume), Kreissägen-Rex (Broward „Eclipse“ Holsey) uva.
Label: 8-Films
Vertrieb: WGV Medien
Erscheinungsdatum: 25.11.2011 (DVD)
EAN: 4033056901492
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)

Das geschieht:

Weil ihm sein Onkel Hershell als Kind zu viele perverse Gruselgeschichten erzählt hat, ist Fred Finagler erst verrückt geworden und dann zum Fernsehen gegangen, wo er die „Uh-Oh-Show“ erfand: Moderator Jackie stellt seinen Kandidaten dümmliche Fragen; ist ihre Antwort korrekt, gewinnen sie absurd wertvolle Preise. Die Zuschauer im Saal und vor den Bildschirmen hoffen jedoch auf Fehler: Dann wird das „Rad des Unheils“ auf die Bühne geschoben. Kommt es nach energischem Drehen zum Stillstand, steht sein Zeiger auf dem Namen eines Körperteils. Es erscheint der irre Rex, der dem Pechvogel mit einer Kreissäge abschneidet, was angezeigt wurde.

Die „Uh-Oh-Show“ ist ein Bombenerfolg und soll sogar in die TV-Primetime verlegt werden. Finagler denkt sich eine noch blutigere Version aus, die auf den Märchen der Gebrüder Grimm basiert. Doch Jackie entwickelt plötzlich Skrupel, und die neugierige Reporterin Jill Burton schnüffelt hinter den Kulissen der Show herum, nachdem ihr Freund als Kandidat ein übles Ende nahm. Dabei entdeckt sie, dass die ausgelobten Preise gar nicht verteilt werden: Auch die Gewinner der „Uh-Oh-Show“ verlieren ihr Leben, die Produzenten sparen so viel Geld.

Damit hat Jill ihr eigenes Todesurteil gesprochen, denn ihr Chef ist Teil dieses Komplotts. Finagler schickt ihr seine Schergen hinterher. Nur Jills Ex-Kameramann und Freund Oscar, ein schmieriger Enthüllungs-Journalist, der inzwischen gefeuerte Jackie sowie die geschasste „Uh-Oh“-Busen-Fee Champagne stehen ihr zur Seite. Gemeinsam schleicht sich das Quintett in die neue Show ein, um Finagler, der persönlich die Moderatoren-Rolle übernommen hat, vor laufender Kamera bloßzustellen – eine lebensgefährliche Mission, denn nicht nur Finagler, sondern auch Rex und ein ganzes Rudel geistesgestörter Irrer, die in der Show ihre Mordtriebe ausleben dürfen, gedenken nicht, sich ihr Geschäft oder ihren Spielplatz wegnehmen zu lassen. Auch hinter den Kulissen wird nun zerstückelt und gemordet, was die dafür geeigneten Instrumente hergeben …

Im Bilgenwasser der Filmgeschichte

Wenn du lang genug lebst, sinken um dich herum deine Feinde (und Kritiker) ins Grab. Was sie dir einst vorwarfen, ist irgendwann vergessen, zumal du allein nunmehr deine Sicht der Vergangenheit verbreiten kannst, und was dich einst berüchtigt machte, sorgt nun höchstens für neue Berühmtheit. Ob besagte Feinde (und Kritiker) mit ihrem Urteil einst richtig lagen, ist völlig unerheblich, denn der Skandal von gestern wird zur Unterhaltung von heute.

Wie Posträuber Ronald Biggs, US-Gaunerpräsident Richard Nixon oder Johannes Heesters profitiert auch Herschell Gordon Lewis, Jahrgang 1928, von diesem Phänomen. Zwischen 1959 und 1972 sprach man deutlich unfreundlicher über den Regisseur, Autor und Produzenten von Filmen, deren Titel zwar Programm sein sollten, die aber in Sachen Verworfenheit selten hielten, was sie dem erwartungsvollen Publikum versprachen: „Goldilocks and the Three Bares“ (1963), „Scum of the Earth“ (1963), „She-Devils on Wheels“ (1968), „Miss Nymphet’s Zap-in“ (1970).

Lewis drehte „Nudies“ und Billig-Horror, wobei ihm schnell der naheliegende Gedanke kam, nackte Mädchen und Gewalt miteinander zu kombinieren. Während sein Zeitgenosse Russ Meyer („Faster, Pussycat! Kill! Kill“, 1965) als drittes Element einen rauen aber herzlichen Humor in seine Filme einbrachte und damit die Herzen auch ‚ernsthafter‘ Kritiker gewann, drehte Lewis mutwillig aber konsequent an der „Gore“-Schraube und schuf Schmuddel-Horror-Klassiker wie „Blood Feast“ (1963), „Two Thousand Maniacs!“ (1964) oder „The Wizard of Gore“ (1970).

Was zunächst durch ein nie gekanntes Übermaß an Folter & rüder Zerstückelung faszinierte, wurde Ende der 1960er Jahre zum „Camp“ geadelt: Die intellektuelle Jugend hatte buchstäblich Blut geleckt und amüsierte sich über geschmacklose, billig hergestellte, unfreiwillig schräge Filme. Rasch entwickelte sich ein eigenes Genre, und  die entsprechenden Filme wurden absichtlich immer abgedrehter. Lewis sprang auf diesen Zug auf; Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre verloren seine Werke auch den Rest ihres ohnehin nie sehr ausgeprägten Handlungsernstes.

Ein langes Leben kann auch Fluch sein

1972 war nach „The Gore Gore Girls“ Schluss; der harte Horror erreichte das Mainstream-Kino, der Porno erledigte die ‚softe‘ Erotik, blanke Brüste füllten sich mit Silikon. Lewis verschwand von der Bildfläche. Fast vier Jahrzehnte verstrichen, in denen sich die Sünden der Vergangenheit auf die weiter oben beschriebene Weise verklärten. Lewis wurde zum Mythos. Die Filmkritik entdeckte seine Werke wieder und erklärte sie zu frühen Meisterwerken eines Mannes, der gegen das zeitgenössische Establishment aufgestanden war und spielerisch die hässlichen Wahrheiten einer grundsätzlich schlechten Welt offenbart hatte. Weniger anspruchsvolle Zeitgenossen hatten einfach ihren Spaß an den alten, ungelenk inszenierten und mit Anti-Schauspielern besetzten Machwerken.

Lewis-Horror wurde neu veröffentlicht und schön aufgemacht unter Käufer gebracht, die zum großen Teil noch gar nicht geboren waren, als die „Gore Gore Girls“ ihr Unwesen trieben. In einem nächsten Schritt wurde der Trash-Altmeister selbst reaktiviert. Es genügte, dass er noch lebte. 2002 saß Lewis nominell im Regiestuhl von „Blood Feast 2: All U Can Eat“. Mit dieser ‚Fortsetzung‘ seines Films von 1963 hatte Lewis nichts zu tun; er gab seinen profitablen Namen her. Allerdings rief ihn diese Erfahrung zurück ins Film-Leben: Lewis wollte wieder einen ‚echten‘ Herschell-Gordon-Lewis-Schocker drehen.

2009 war es soweit. „The UH-OH Show“ fällt in die vollständige Verantwortung des alten Kämpen. Mit diesem Comeback hat er weder sich noch seinem Publikum einen Gefallen getan, obwohl die Werbung sowie jene Fans, die neuen Lewis-„Gore“ einfach großartig finden WOLLEN, das Gegenteil behaupten.

Was soll so etwas heute?

Tatsächlich hat sich Lewis überhaupt nicht weiterentwickelt. Weiterhin verknüpft eine simple bis fadenscheinige Story diverse Schnetzel- und Titten-Szenen. Das traurige Ergebnis wird uns als ironische Verbeugung vor dem klassischen Trash-Horrorkino verkauft. Wer sich diesen Sand nicht in die Augen streuen lässt, findet sich erschüttert mit antiquiertem, absolut witzfreiem Müll konfrontiert – und Müll ist nicht Trash, dem bekanntlich ein erheblicher Unterhaltungswert innewohnen kann.

Die alten Lewis-Streifen SIND Trash, weil sie ihrer Entstehungszeit verhaftet sind. „The UH-OH Show“ mag irgendwann ebenfalls Trash werden. Aktuell ist dieser Film nur die endlose Verkettung mühsam oder gar nicht miteinander verbundener Episoden sowie Gags, die nicht zünden wollen oder können, da sie miserabel sind. Dies passt zum Irrwitz des ganzen Projektes, denn welcher Sinn könnte dahinter stecken, einen Film-Stil zu kopieren, dessen Haltbarkeitsdatum vor Jahrzehnten abgelaufen ist? Es muss schon ein Quentin Tarantino kommen, der das Trash-Kino in seine Elemente zerlegt, sie neu zusammensetzt und mit den Mitteln der Gegenwart überhöht.

Lewis zeigt in dieser Hinsicht nur marginale Bemühungen. „The UH-OH Show“ soll ein Fernsehen ironisieren, das seine Zuschauer mit immer neuem Schwachsinn und gesteigerten Brutalitäten verdummt und abstumpft. Dies ist ein Vorwand, Lewis soll liefern, wofür er in der Vulgär-Version seiner Filmgeschichte berühmt ist. Also lässt er diverse Sägen kreisen, während die Kamera unbarmherzig die dilettantische Machart nicht nur der Spezialeffekte enthüllt.

Das Grauen einer unkomischen Horror-Komödie

Diese Splatter-Szenen sind das reinste Kasperle-Theater, die Tricks auf dem Niveau von 1972; sie sollen es wohl auch sein, denn „The UH-OH Show“ ist ja eine komische Hommage an den ohnedies comichaft überzogenen Herschell-Horror. Vier Jahrzehnte später ist so etwas langweilig, weil es zu allem Überfluss öde in Szene gesetzt wird. Lewis war niemals ein guter Erzähler. Blut und Titten waren in ständig wechselnder Reihenfolge die Schauwerte seiner Filme, die er möglichst billig herunterkurbelte. Traditionell wurden für diese Verbrauchsware keine Schauspieler engagiert, sondern Darsteller angeheuert, die zu Recht ohne Job (männlich) sowie bereit waren, ihre sekundären Geschlechtsorgane in die Kamera zu halten (weiblich). Folgerichtig erweist sich auch „The UH-OH Show“ als Panoptikum schamfreien Non-Talentes.

Die Darsteller machen daraus keinen Hehl. Den vielleicht größten Lacherfolg erzielt Lewis (wiederum unfreiwillig) durch die Beschäftigung von Mimen, die Real-Namen wie „Krista Grotte“, „Lauren Schmier“ oder „Joel D. Wynkoop“ tragen. Woher kommen diese Leute? Meist sind sie in Film oder Fernsehen bisher (aus gutem Grund) kaum oder gar nicht präsent gewesen. Sie chargieren aus Leibeskräften und wollen uns Zuschauern deutlich bzw. weismachen, welchen Spaß es ihnen bereitet, in einem Herschell-Gordon-Lewis-Film aufzutreten – ein Vergnügen, das wir gefälligst zu teilen haben.

„They never come back“ – hoffentlich …

Schließlich gibt Meister Lewis sich persönlich die Ehre als klappriger Grusel-Greis, der in Crypt-Keeper-Manier mehrfach in das Geschehen eingreift. (In einer für das Geschehen absolut irrelevanten Szene gibt sich auch Gaststar Lloyd Kaufman, der ungekrönte König des „Troma“-Trash-Kinos, als Zuhälter die Ehre und rundet das Spektrum der Peinlichkeiten mit einer wahren Flut infantiler Fäkal- und Klemmsex-Witzchen ab.) Sie alle eint die Schrecklichkeit ihrer auf Film gebannten Blamage, für die sie ein fahriges Drehbuch mitverantwortlich machen können, das Old Herschell möglicherweise seit 1972 in einer Schreibtischschublade hortete.

Lewis drehte in Saint Petersburg in Florida, was wenig überrascht, da dies der Staat ist, in die es die meisten US-Rentner zieht. Anscheinend richtete er die Handlung nach vorhandenen Kulissen ein; ansonsten kamen viel Sperrholz und Silikon (s. Champagne und Coco) zur Verwendung. Abgeschlossen wird das Trauerspiel durch einen Abspann, der anscheinend „Bloopers“, also beim Dreh fehlgeschlagene Szenen, enthält; dies zu entscheiden fällt schwer, da sie sich in ihrer ‚Qualität‘ kaum von dem im Hauptfilm Gezeigten unterscheiden. Bleibt nur zu hoffen, dass Herschell Gordon Lewis sich jetzt endgültig zurückzieht.

DVD-Features

Für ein angebliches Trash-Fest fallen die Extras zum Hauptfilm – der übrigens nur auf DVD erscheint – kärglich aus. Ein Trailer zum Film und ein siebenminütiger Blick hinter die Kulissen verraten wenig über die schwierige Entstehungsgeschichte. „The UH-OH Show“ wurde bereits 2009 abgedreht, doch der Regisseur benötigte weitere zwei Jahre für die Nachbearbeitung. Wesentlich aufschlussreicher und interessanter ist deshalb Lewis‘ Audiokommentar. Der alte Mann hat Humor und definitiv viel zu erzählen, auch wenn er nicht ganz einfach zu verstehen ist; eine deutsche Untertitelung wäre hier hilfreich.

„Humor“ ist ein Phänomen, das der (deutschen) Zensur bekanntlich fremd ist. „The UH-OH Show“ erst ab 18 Jahren freizugeben, könnte freilich auch als Marketing-Trick des Labels begriffen werden, das damit ein Gore-Fest suggerieren möchte; der pompös-aussagelose Untertitel „Ultimate Uncut Version“ will das bekräftigen – ein Schuss, der böse nach hinten losgehen könnte bzw. sollte!

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)

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Zombie Night – Keiner wird entkommen

Erstellt von Michael Drewniok am 19. November 2011

Zombie Night – Keiner wird entkommen

Originaltitel: Zombie Night (Kanada 2003/2005)
Regie: David J. Francis
Drehbuch: David J. Francis, Amber Lynn Francis
Kamera: N. N. (= klug genug, seinen Namen zu verheimlichen)
Schnitt: Chris Bellio
Musik: Danny Ticknovich (Dave), Sandra Segovic (Shelley), Dwayne Moniz (Derek), Steve Curtis (Keith), Andrea Ramolo (Amber), Deanna Wales (Emily), John Carson (Mark), David Franklyn-Ratchford (Warren), Amber Lynn Francis (Lesley), Lisa Franks (Abby) Jackie Brady (Agnes) uva. Knattermimen
Label/Vertrieb: M. I. B. (Medienvertrieb in Buchholz)
Erscheinungsdatum: 26.09.2007 (DVD)
EAN: 404404151780
Bildformat: Widescreen 4 : 3 (1.33 : 1) anamorph
Audio: Dolby Digital 5.1 (deutsch u. englisch)
Untertitel:  Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

Titel bei Amazon.de

Das geschieht:

In einem Krieg zwischen Indien und Pakistan werden biologische Waffen eingesetzt, die eine unerwartete Nebenwirkung zeigen: Weltweit steigen die Toten aus ihren Gräbern. Als Zombies wanken sie den Lebenden hinterher, um sie anzufressen und in Ihresgleichen zu verwandeln. Der Globus verwandelt sich in ein Schlachthaus.

Ahnungslos haben Mark und seine neue Lebensgefährtin Shelley mit Töchterlein Emily irgendwo in den USA einige Wochen in einer abgelegenen Waldhütte verbracht. Bei ihrer Rückkehr geraten sie in das Inferno, dem sie gerade noch entfliehen können. Das Trio verbarrikadiert sich in einem Keller, wo es von Zombies belagert wird.

Als Wasser und Lebensmittel ausgehen, wagt sich Mark an die Oberfläche. Er wird von den Untoten attackiert, findet aber auch andere Überlebende. Man beschließt sich zusammenzutun. Der Handwerker Dave zeigt willkommene Führungsqualitäten. Als Gruppe kann man sich besser verteidigen und sich zu einem der Sammelpunkte durchschlagen, die von der provisorischen Regierung eingerichtet wurden.

Die Nerven (und diverse Innereien) liegen blank, denn immer wieder fallen die hungrigen Zombies über die Flüchtenden her. Auch der Zusammenhalt lässt zu wünschen übrig. Vor allem Derek bringt die Gruppe durch seine Feigheit und seinen Egoismus immer wieder in Lebensgefahr. Seine Schuld ist es auch, dass die Zombies einen Unterschlupf stürmen können, in dem sich seine erschöpften Gefährten allzu sicher fühlten. Das anschließende Gemetzel überleben nur wenige.

Die Flucht geht unter Daves Führung weiter, doch der endgültig übergeschnappte Derek hat einige Spießgesellen um sich versammelt; er will (nicht unbedingt in dieser Reihenfolge) die Gruppe überfallen, ihnen Lebensmittel und Waffen rauben, sich an Dave rächen und über die Frauen herfallen. Erneut hebt ein wildes Getümmel an, anschließend geht es wieder gegen die Zombies, die überall aus dem Boden zu wachsen scheinen. Entschlossen stürmen Dave und die Seinen vor, als plötzlich … der Film unvermittelt abbricht.

Das Grauen absoluter Unfähigkeit

Schwer zu sagen, ob der Zuschauer dies noch registriert. Er könnte abgeschaltet und seine Zeit sinnvoller genutzt haben oder eingeschlafen sein. Vielleicht blieb er aber auch vor dem Bildschirm sitzen, gebannt durch ein Grauen, das kein Zombie in dieser Intensität vermitteln könnte: „Zombie Night“ ist ein Machwerk, das sich nur fliehen oder bis zum Ende durchhalten, aber sicherlich nicht genießen lässt. Als „Film“ – man sträubt sich, dieses Wort für solchen Bockmist zu verwenden – ist „Zombie Night“ ein grandioses Beispiel für sämtliche Argumente gegen den modernen Amateurfilm.

Der technische Fortschritt ermöglicht im Verbund mit erschwinglicher Software auch dem Privatmann die Erzeugung von Effekten, von denen noch vor wenigen Jahren nicht einmal die Fachleute in Hollywood zu träumen gewagt hätten. Leider sind Talent und Erfahrung nach wie vor nicht käuflich zu erwerben. David J. Francis, Regisseur und Drehbuchautor von „Zombie Night“, hätte sich beides ohnehin nicht leisten können. In einem Making-of, das den Hauptfilm an Unterhaltsamkeit weit übertrifft, klärt er über die abenteuerliche Entstehungsgeschichte seines Films auf.

„Zombie Night“ ist kein „low budget“, sondern ein „guerilla budget“ finanziertes Produkt: Dieses Filmemachen ist ein Kampf ohne Geld & Regeln. Also griff sich Francis eine Kamera (sowie viele Kisten Freibier) und lockte mit der Hoffnung auf Party und Filmruhm Freunde und Bekannte vor die Linse. In dem Nest, das er als Drehort wählte, scheint wenig los zu sein, so dass die Resonanz beachtlich war; allein die Liste der im Abspann namentlich genannten Zombie-Darsteller umfasst 60 Namen! Das Making-of spiegelt die lockere Stimmung am Set wider; schön für die Teilnehmer, doch die Zeche zahlt das Publikum, denn Francis investierte sein gesamtes Restbudget – es dürfte etwa dem Gegenwert eines Sacks Zwiebeln entsprechen – in die kunstblutreichen „Spezialeffekte“, die denn auch mit sichtlichem Stolz vorgeführt werden, ohne eine Story oder Schauspieler ersetzen zu können, wie sich Francis das offenkundig gedacht hat.

Tohuwabohu als Leitmotiv

Kein Geld gab’s dagegen für eine geregelte Continuity: Nicht grundlos achtet auf dem Filmset normalerweise jemand darauf ob a) alle Szenen gefilmt werden, die das Drehbuch vorsieht, und b) die Einheit von Kulisse und Requisiten sowie die Kontinuität von Handlung und Dialog gewahrt bleiben, da im Film in der Regel Szenen nicht in chronologischer Reihenfolge entstehen.

Während der Dreharbeiten von „Zombie Night“ übernahmen diesen Job sporadisch diejenigen, die nicht gerade als Untote ihre Faxen trieben und halbwegs nüchtern waren. So wirkt der Film denn auch wie mit einer Heckenschere geschnitten. Ganze Szenenfolgen fehlen; man muss sich ihren Inhalt zusammenreimen. Manchmal erzählen einem die Darsteller wenigstens, was man eigentlich hätte sehen sollen. Glücklicherweise muss man nicht wirklich auf die Handlung achten; sie kopiert jedes Element aus tausend besseren Zombie-Streifen. Neu und in gewisser Weise originell ist höchstens die Zuverlässigkeit, mit der Francis und seine Crew selbst das, was anderswo funktionierte, in den Sand setzen.

Ungünstig wirkt sich natürlich aus, dass sich die Arbeiten an „Zombie Night“ über zwei Jahre hinzogen. Immer wieder ging das Geld aus, wurde nachgebessert (bzw. nachgepfuscht). Gedreht wurde in der kanadischen Provinz (die provinzieller ist als man sich hätte albträumen lassen) und dort in abrissreifen Bruchbuden, siffigen Kellern und kränklich wirkenden Wäldern, d. h. dort, wo kein Cent in den Kulissenbau gesteckt werden musste. Gefilmt wurde anscheinend mit einer defekten Videokamera des Baujahrs 1985; jedenfalls sind die Filmbilder durchweg grau, verwaschen und unscharf.

Laien-Darsteller im Cäsaren-Wahn

Auf diese Weise werden immerhin jene Gesichtsverrenkungen gemildert, die von Francis‘ Laiendarstellern als „Schauspielerei“ interpretiert werden. Am überzeugendsten wirken sie noch, wenn eine dicke Schminkschicht sie als Zombies tarnt, was ihr von Gott (eben nicht) gegebenes Talent in die korrekten Bahnen lenkt: Schlurfen, grunzen & den Kopf zur Seite pendeln lassen können sie ganz gut. (Bemerkenswert ist jene Szene, in der ein älterer Automechaniker in seiner Werkstatt von den Toten aufersteht – eine für das Geschehen völlige sinnfreie Hommage an einen Darsteller, der für seine anderthalb Minuten Filmruhm vermutlich ein paar Dollar springen ließ.)

Unglücklicherweise gibt es daneben auch Darsteller, die auf diesen Schutz verzichten, da sie lebendige Menschen mimen sollen. Ihr Untalent ist in den Massenszenen gerade noch tolerabel, wenn Regisseur Francis keinen Freiwilligen vergrätzen wollte und so viele Leute vor die Kamera holte, dass sie sich gegenseitig aus dem Aufnahmebereich schubsen. Doch daneben gibt es auch Hauptdarsteller, die entweder unter akutem Cäsarenwahn leiden oder es anderweitig schafften, sich diesem Job gewachsen zu fühlen.

Danny Ticknovich sieht zwar aus wie Tom Cruises jüngerer Bruder, doch damit erschöpfen sich die Ähnlichkeiten bereits. (Direkt in die höllischen Annalen des Trash-Films müsste Ticknoviches Ansprache an seine Gruppe eingehen, mit der er einiger gefallener Gefährten gedenkt und mit Gott hadert; man sieht & hört und kann es doch nicht fassen.) Dwayne Moniz wirkt großartig als hasenfüßiger Loser, wäre da nicht der Verdacht, dass er in dieser Rolle gar nicht schauspielert. Steve Curtis gibt den Quotenschwarzen und zieht sich würdig aus der Affäre, indem er den schweigend zuverlässigen Kumpel mimt und sich im Hintergrund hält. Andrea Ramolo muss sich dramaturgisch absolut unmotiviert das Shirt vom wohlgestalten Busen reißen lassen, bei Sandra Segovic begnügt sich der Regisseur damit, sie in Kunstblut und Glibber zu tränken. (Wie einst Alfred Hitchcock gönnt sich übrigens auch Regisseur Francis einen Gastauftritt: als Mann, der gegen eine Betonmauer pinkelt; sicherlich nur ein unbeabsichtigter Kommentar zur Qualität der geleisteten Arbeit.)

Wie bereits angedeutet bricht die „Zombie Night“ irgendwann einfach ab. „Das schreit nach einer Fortsetzung“, habe ich in einer Fankritik gelesen; der gute Mann hat wohl nicht verstanden, dass Frances & Co. einfach ratlos waren, welche Auflösung sie ihrem Opus spendieren sollten. Inzwischen ist klar: Francis hat den Schrei gehört. „Zombie Night 2“ entstand 2006 und konnte das Niveau des Vorgängers mühelos halten …

DVD-Features

Der Ärmlichkeit des Films entspricht die Ausstattung der DVD. Es gibt ein „Making of“, das an Bildqualität den Hauptfilm weit übertrifft und etwa wie eine „Jackass“-Sonderausgabe aus der Filmwelt weitaus besser unterhält. (Nicht verschwiegen werden soll an dieser Stelle, dass Francis und seine Crew sich als sympathische und wortgewandte Menschen entpuppen, sobald sie sich einer Filmkamera fernhalten. Francis selbst verbindet schmerzliche persönliche Erinnerungen an seinen Film: Seine Ehefrau, Darstellerin und Mit-Autorin Amber starb noch vor Abschluss der Dreharbeiten und unmittelbar nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes.)

Dann folgt eine Reihe von Outtakes, was paradox ist, da man an dieser Stelle gut den Hauptfilm noch einmal zeigen könnte; es ist schier unmöglich die Outtakes von jenen Szenen zu unterscheiden, die zum Endprodukt zusammengeklebt wurden.

Dankbar darf man dieses Mal der deutschen Zensur – unter welchem Namen sie sich halt gerade tarnt – sein, die das Machwerk um mehr als drei Minuten angeblicher ‚Gewaltszenen‘ kappte: Zeit, die der Zuschauer in einen Toilettengang o. ä. deutlich lohnendere Aktivitäten investieren sollte.

Über die technischen Leistungen von „Zombie Night“ ist weiter oben das Entscheidende bereits gesagt worden: Das Bild ist eine Zumutung, der Ton lässt sich verstehen (oder verschmerzen). Die deutschen Texte sprachen Kandidaten, die zuvor möglicherweise als Synchronsprecher für einen Pornofilm durchgefallen waren. Und damit geben wir grämlich zurück ins Funkhaus …

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Director’s Cut

Erstellt von Michael Drewniok am 17. November 2011

Director’s Cut

Originaltitel: Director’s Cut (Argentinien 2006)
Regie: Hernán Findling
Drehbuch: Hernán Findling u. Pablo Monlezún
Kamera: Alejandro Millán
Schnitt: Hernán Findling u. Lurdes Prado Mendez
Musik: Pablo Isola
Darsteller: Andres Bagg (Matt Lando), Daniel Young (John), Ezequiel Campa (Zack), Maxime Seugé (Billy), Pablo Saavedro (Julien), Paula Marcenado (Kate), Veronica Mari (Jen), Mariana Levy (Laura), Federico Ali (Diego) u. a.
Label: New Age 21
Vertrieb: M.I.B. – Medienvertrieb in Buchholz
Erscheinungsdatum: 06.11.2008 (DVD)
EAN: 4044404153210
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: Keine Jugendfreigabe

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Das geschieht:

Noch jung an Jahren und von Ehrgeiz zerfressen arbeitet Matt Lando an seiner Karriere als Horrorfilm-Regisseur. Er ist kein angenehmer Zeitgenosse aber sehr fähig hinter der Kamera, weshalb ihm sein kleines Team und einige hoffnungsvolle Noch-nicht-Schauspieler kostenlos ihre Zeit und ihre Talente zur Verfügung stellen.

Aktuell arbeitet man an einem klassischen Splatter: In einer verlassenen Schule geht ein vermummter Killer um und jagt diverse Schülerinnen. Darsteller Julien geht so in seiner Rolle auf, dass er bei seinen Mitspielerinnen gleichermaßen gefürchtet wie verhasst ist. Doch der Dreh ist jetzt zu Ende, und Matt lädt die Crew zur Ansicht des Rohschnitts ein, den er persönlich in der Abgeschiedenheit seines außerhalb der Stadt gelegenen Hauses erledigte.

Die erwartungsfrohen Gäste erblicken dabei überrascht Szenen, die sie nie gedreht haben. Auf dem Bildschirm werden plötzlich nicht nur die Schauspielerinnen Kate und Jen, sondern auch die Crewmitglieder vom Killer gejagt. Schlimmer noch: Jede Wunde, die dieser seinen Opfern im Film zufügt, zeigt sich auch beim ‚realen‘ Spiegelbild!

Bis sich diese Erkenntnis durchgesetzt hat, sind bereits einige Anwesende in riesigen Blutlachen verröchelt. Der Verdacht der Überlebenden richtet sich erwartungsgemäß auf Julien, der freilich seine Unschuld beteuert. Tatsächlich ist es Matt, der mehr weiß, als er zugeben möchte. Mit Hilfe des dämonischen „Black Magic Cut”-Filmschnitt-Programms will er sein Werk zum Blockbuster aufwerten. Da er den Preis –  Menschenseelen – nicht selbst zahlen muss, ließ er sich gern auf den Handel ein. Der Film wird nun bis zum bitteren Ende laufen, abschalten lässt er sich nicht. Verzweifelt sucht die dahin schmelzende Schar der Crew nach einem Ausweg, um zu überleben und den Teufel um seine Beute zu betrügen …

Digitaler Abfall für ahnungslose Opfer

Seit es ihn gibt, stellt sich der Mensch – manchmal offen, meist nicht – die Frage, ob er (oder sie) womöglich ‚besser‘, d. h. klüger, moralischer, fähiger als seine Zeitgenossen ist. Das hat bekanntlich zu schauerlichen Gräueln geführt, obwohl die Antwort recht einfach ist: Nein, im Durchschnitt sind alle Menschen Brüder & Schwestern im Denken und Handeln. Das ist eine pompöse Einleitung zu einem Film, der im Grunde sprachlos macht. Doch irgendeinen Sinn muss „Director’s Cut“ erfüllen. Da es Unterhaltung nicht sein kann, könnte es eben diese Bestätigung sein, dass alle Menschen gleich sind – in diesem Fall dämlich.

Zumindest der Zyniker benötigt diese Bestätigung nicht; der Rest des Publikums hätte gern auf sie verzichtet. In Buenos Aires haust der Mann, der für „Director’s Cut“ verantwortlich zeichnet. Hernán Findling heißt er, obwohl er, dies sei vorab erwähnt, nur in einem Punkt so etwas wie Einfallsreichtum zeigt: „Director’s Cut“ ist ein Begriff aus dem Filmhandwerk. Er bezeichnet die eigentliche Schnittfassung eines Films, der zuvor z. B. aus kommerziellen Gründen in anderer Version veröffentlicht wurde und erst jetzt diejenige Form erhält, die der Regisseur („director“) als ursprünglich Verantwortlicher ihm geben wolle.

„Director’s Cut“, der Film im Film, ist das Werk seines Regisseurs Matt Lando. Der hat seine Seele dem Teufel verkauft, um den Durchbruch zu schaffen. Man wünscht sich fast, Findling wäre seinem Beispiel gefolgt um sein krauses Blödwerk in einen Film zu verwandeln, der seinem Publikum nicht nur anderthalb Stunden ihres Lebens raubt, sondern zusätzlich ungesund für Zuschauer mit hohem Blutdruck ist. (Gilt die Erwähnung des Teufels als Spoiler? Werden mögliche Zuschauer deshalb enttäuscht auf ein Anschauen verzichten? Gern geschehen!)

Endlose Liste des Versagens

Wo soll man nur mit der Kritik beginnen? Mit der Story? Die ist nicht unbedingt schwachsinniger als die Plots von Horrorfilmen, die heute als Klassiker gelten. Der Teufel hat sich schon krudere Methoden des Seelenfangs ausgedacht, und der „Film im Film“ oder verschiedene und doch miteinander verbundene Existenzebenen sind bewährte Elemente des Genres. Es kommt darauf an, wie Schwachsinn umgesetzt wird. Findling hat davon in doppelter Hinsicht keine Ahnung. Als Drehbuchautor versagt er darin, seiner Geschichte Struktur und Schwung zu verleihen, als Regisseur ist er außerstande, sie in packende oder wenigstens spannend anzuschauende Szenen zu verwandeln.

Geldmangel mag eine Ursache sein. „Director’s Cut“ kennt nur zwei Drehorte: Matt Landos Haus und eine heruntergekommene Schule. Auch daraus könnte ein talentierter Regisseur-Schrägstrich-Drehbuchautor etwas machen. In unserem Fall regiert ausschließlich Ratlosigkeit, und die gebiert Langeweile. Die Kulissen wurden offensichtlich so eingesetzt, wie sie vorgefunden wurden. Einige wahllos auf dem Mobiliar verteilte Film-Props sollen das Heim eines Regisseurs markieren. Damit der Zuschauer dies auch bemerkt, werden sie ihm buchstäblich unter die Nase gehalten.

Bild- und Tonqualität zeigen ein Niveau, das sich etwa mit einer Digitalkamera aus dem Supermarkt erreichen lässt. Dabei wurde „Director’s Cut“ augenscheinlich eigens für den Weltmarkt konzipiert (wie auch immer der in diesem Fall aussehen mag); auf der hierzulande vertriebenen DVD findet man nicht einmal eine spanische, sondern nur eine deutsche und eine englische Tonspur. (Leider nicht mit getilgt wurde die Filmmusik, die den Tatbestand der akustischen Umweltverschmutzung erfüllt.)

Letzteres wirkt logisch, da „Director’s Cut“ nach dem Willen seines Schöpfers in den USA spielen soll. Namen wie „Matt“, „Zack“ oder „Kate“ sollen dies suggerieren, auch wenn die Gesichtszüge der Darsteller dies beim besten Willen nicht bestätigen wollen; ‚spanischer‘ als Paula Marcenado kann beispielsweise kaum ein Mensch aussehen.

‚Ausgewaschene‘ Farben sind im Film oft ein gewolltes Gestaltungsmerkmal. Hier entlarven sie zusammen mit Unschärfen oder ständig wechselnden Ausleuchtungen ein Filmteam, das ebenso zusammengewürfelt und unfähig ist wie Matt Landos Truppe.

In der deutschen Synchron-Fassung wird der unerfreuliche Gesamteindruck kongenial abgerundet: Angeheuert wurden möglicherweise ausschließlich Sprecher, die Stimmfestigkeit zuvor in einem Call-Center unter Beweis gestellt hatten. Sollte sich in irgendeiner Szene wider Erwarten doch einmal Spannung und Gruselatmosphäre einschleichen, machen ihr diese Folterknechte der deutschen Sprache ebenso systematisch wie monoton den Garaus.

Darsteller aus der Zwischenwelt

Wie der Herr, so’s Gescherr, lautet ein altes Sprichwort. Findling versammelt vor der Kamera eine Riege junger Männer und Frauen, die man nur als ‚Schauspieler‘ bezeichnen möchte, wenn man dieses Wort in Anführungsstriche setzt. ‚Spiel‘ beschränkt sich entweder auf mimische Leere oder übertriebene, Haare raufende Hysterie (was übrigens wörtlich gemeint ist: zeitweise schubst ein auf diese Weise Panik vorgebender Hausgast einen anderen aus der Szene, der bisher in besagtem Haupthaar wühlte).

Oder belegt dieses Chargieren die Ratlosigkeit von Darstellern, die ihre Dialoge womöglich improvisieren mussten, weil das Drehbuch an diesen Stellen nur weiße Stellen aufwies? Falls Findling damit unmittelbar spürbare Authentizität erreichen wollte, hat er sich abermals mächtig geirrt. Die fehlende Interaktion zwischen den Schauspielern trägt zusätzlichen ihren Teil dazu bei, dass neunzig Minuten Filmzeit wie ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit wirken.

Wahrscheinlich sind die Darsteller schlicht schlecht. Es sind Neulinge, oft haben sie vor „Director’s Cut“ noch nie in einem Film gespielt. Sie schenken alle einander nichts. Sollte man jemanden herauspicken, so fiele die Wahl sicherlich in 99 von 100 Fällen auf Maxime Seugé als „Billy“. Mit seiner Krauskopf-Frisur, die an ein geplatztes Sofakissen erinnert, sieht er per se bescheuert aus, aber er muss auch noch die Rolle übernehmen, die Hollywood dem Alibi-Schwarzen der Gruppe übertragen hätte, und durch ostentativ zur Schau gestelltes Ungeschick und noch einmal gesteigertes Grimassieren für Heiterkeit sorgen – muss angemerkt werden, wie kontraproduktiv das Ergebnis ausfällt?

In gewisser Weise zeichnet „Director’s Cut“, der Film, den wir aushalten müssen, sicherlich die realen Dreharbeiten nach. „Guerilla-Filmemachen“ nennt sich dieses Verfahren, bei dem alle Mittel recht sind, solange sie nur billig bleiben. Amateure versuchen sich als Profis, und manchmal lernen sie’s ja auch. Nur: Warum muss der Zuschauer mit diesem Prozess gequält werden?

Vom (unfreiwilligen) Segen der Zensur

„Director’s Cut“ erhielt in seiner deutschen Inkarnation keine Jugendfreigabe. An den Spezialeffekten kann es eigentlich nicht liegen, denn die zuständigen Splatter-Hexer haben ihr Handwerk höchstens in einem Kasperle-Theater erlernt. Die auf Film gebannten Bluttaten wirken nur deshalb schrecklich, weil sie so stümperhaft geraten sind. Keine Sekunde können sie überzeugen. Das merkt der Zuschauer auch deshalb so genau, weil in der zweiten Filmhälfte alle bisher erfolgten Morde einerseits Bild für Bild wiederholt und andererseits mit weiteren Stichen und Schreien erweitert werden – als Director’s Cut im „Director’s Cut“ quasi.

Das tarnt Findling als ‚Erinnerung‘ und spart dabei viele Filmminuten, die er ansonsten mit Handlung hätte füllen müssen; es fällt schwer zu entscheiden, welche Alternative schrecklicher ist. Die in der Wiederholung blutiger geratenden Metzeleien lassen übrigens die Frage aufkommen, ob der deutsche Zensor – in der zweiten Filmhälfte vom Notfallsektor seines Hirns in rettenden Schlummer versetzt – diese überhaupt registriert hat. Daher bleibt nur die Annahme, dass hier nicht wie üblich Zensur zum Zwecke des Spielverderbens betrieben wird, sondern zumindest der noch jugendliche Teil des potenziellen Publikums vor einem wirklich schäd- und schändlichen Machwerk bewahrt werden soll.

DVD-Features

Klug hüllen sich diejenigen, die das Fiasko namens „Director’s Cut” verschuldeten, in Schweigen. Es gibt weder einen Audiokommentar noch ein „Making of“. Nicht einmal eine Website lässt sich finden. Stattdessen wurde eine Bildergalerie auf die DVD gebrannt, die den Geist des Hauptfilms kongenial aufnimmt: Sie ist absolut sinnlos und scheint nur beliebige Einzelbilder desselben wiederzugeben. Einziger Unterschied: Die Bildqualität ist noch miserabler als die des Hauptfilms.

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Demon Days – Im Bann der Dämonen

Erstellt von Michael Drewniok am 17. November 2011

Demon Days – Im Bann der Dämonen

Originaltitel: They Wait (Kanada 2007)
Regie: Ernie Barbarash
Drehbuch: Trevor Markwart, Carl Bessai u. Doug Taylor
Kamera: Gregory Middleton
Schnitt: Lisa Jane Robison
Musik: Hal Foxton Beckett
Darsteller: Jaime King (Sarah), Terry Chen (Jason), Regan Oey (Sammy), Cheng Pei Pei (Tante Mei), Henry O (Apotheker), Colin Foo (Raymond), Donald Fong (Ben), Chang Tseng (Xiang), Michael Biehn (Blake O’Connell), Vicky Huang (Shen), Paul Wu (junger Raymond), Maggie Ma (junge Mei), Nelson Wong (junger Ben), Vincent Tong (junger Xiang) u. a.
Label/Vertrieb: Splendid Film
Erscheinungsdatum: 19.03.2008 (DVD)
EAN: 4013549572828
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Nachdem Jason, Gattin Sarah und Söhnchen Sammy die letzten Jahre im chinesischen Shanghai lebten, ruft sie ein Anruf zurück in die heimatlichen USA. Jasons Onkel Raymond, der ihn an Vaters statt großzog, ist bei einem Jagdausflug ums Leben gekommen. Zur Beerdigung und um seiner Tante Mei beizustehen, fliegt Jason mit der Familie nach Nordamerika.

Dort beginnt Sammy buchstäblich Gespenster zu sehen; er besitzt das „zweite Gesicht“. Da nach chinesischem Glauben just der „Monat der hungrigen Geister“ begonnen hat, ist die Grenze zum Jenseits derzeit mürbe. Zornige Spukgestalten, die offenbar mit Onkel Raymond, dessen Bruder Ben, Tante Mei und dem gemeinsamen Geschäftspartner Xiang eine Rechnung offen haben, nutzen dies, um über Sammy ins Diesseits vorzudringen.

Ein alter chinesischer Apotheker, der sich mit Geistern auskennt, bietet Sarah, die selbst latent seherisch begabt ist, seine Hilfe an. Sarah soll nachforschen, was die Geister auf den Plan rief. Ben, Mei, Raymond und Xiang haben einst die Gebeine chinesischer Einwanderer exhumieren und nach China transportieren lassen, wo sie in Heimaterde ruhen konnten – ein Privileg, das sich die betroffenen Familie viel Geld kosten ließen. Doch dieses Geschäft betreibt man schon seit vierzig Jahren nicht mehr.

Was kann es also sein, das die Geister so erbost? Jetzt fahren sie in den kleinen Sam und lassen ihn ins Koma fallen; mit seinem Ableben ist stündlich zu rechnen. Verzweifelt stimmt Sarah einem gefährliches Plan zu: Mit der Unterstützung des Apothekers verschafft sie sich Einlass ins Jenseits, um dort für ihren Sohn zu kämpfen. Dort warten allerdings nicht nur Geister, sondern auch Dämonen auf sie. Auch in der realen Welt geraten Sarah und Sammy in Bedrängnis, denn Jasons Familie hegt einige Geheimnisse, die sie um keinen Preis aufgedeckt wissen will …

Einfacher Spuk im exotischen Ambiente

Seit vielen Jahrzehnten funktioniert die nordamerikanische Filmindustrie auch deshalb so prächtig, weil sie unerschrocken (und dreist) ausländisches Ideengut, das auf dem heimischen Markt funktionieren könnte, ‚adaptiert‘ und dabei Filmgeschichten, die auf fremden Kontinenten entstanden, nachdrehen und dabei auf den US-amerikanischen Geschmack herunter brechen lässt.

Der Horrorfilm bezieht seit den späten 1990er Jahren eine Art Bluttransfusion aus Asien, wo es diverse Ringe, Flüche u. a. Spukerscheinungen zu weltweiten Erfolgen gebracht haben. Mit „Demon Days“ gehen Regisseur Ernie Barbarash und seine drei Drehbuchautoren einen Schritt weiter: „Asia Horror“ ist längst ein Qualitätsmerkmal geworden, das sich verselbstständigt hat. Warum also nicht Formeln und Formen übernehmen, um ansonsten ein gänzlich heimisches Produkt darum zu stricken? Also ist „Demon Days“ ein Film, der im chinesischen Migranten-Milieu spielt und nur in der weiblichen Hauptrolle einen nordamerikanischen Darsteller ausweist, obwohl es keine asiatische Vorlage gibt, die Geschichte in den USA ausgebrütet und in Kanada gedreht wurde.

Siehe da, es funktioniert – wieso auch nicht, da es auf die Authentizität der präsentierten Riten und Glaubensvorstellungen letztlich nicht ankommt. „Demon Days“ erzählt eine Gruselgeschichte. Sie soll ausschließlich unterhalten. Ein wenig zusätzliche Exotik kann nicht schaden. Dabei ist der asiatische Background unnötig; über das, was hier an Unrecht geschah, wären US-Geister ebenso sauer.

Altes Unrecht will nicht begraben bleiben

Trotz der Bemühungen gleich dreier Drehbuchautoren bietet „Demon Days“ wahrlich keine komplexe Story. Jede Handlungswendung ahnt selbst der nur leidlich genrefeste Zuschauer sicher voraus. Nüchtern beurteilt bietet „Demon Days“ ein „Best of“ des „Asia Horrors“ der letzten Jahre. Da die dabei gewählten Elemente funktionieren und die Mischung gelingt, kann sich das Ergebnis sehen lassen.

Da die Geschichte trägt, kann sich Barbarash darauf konzentrieren, sie möglichst publikumswirksam umzusetzen. Diese Chance nimmt er erfreulich intensiv wahr: Obwohl „Demon Days“ eine Produktion mit schmalem Budget ist, wird dies nur in den (glücklicherweise seltenen) Momenten offenbar, wenn erbärmliche CGI-‚Effekte‘ den Betrachter zum Fremdschämen reizen.

Vortrefflich unterstützt von seinem Kameramann Gregory Middleton, ringt Barbarash den eher kargen Kulissen beachtliche Schauwerte ab. Vor allem die aufgelassene Textilfabrik hinterlässt (abzüglich der üblichen Übertreibungen durch Spinnweben-Schwaden, die sich nur Hollywood-Spinnen aus den Hinterteilen wringen können) echten Grusel, der durch eigentlich schlichte aber geschickt gesetzte Lichteffekte sowie einen ‚richtigen‘, sogar orchestralen Gruselfilm-Score unterstrichen wird.

Schauspieler statt Fratzenschneider

Mit sicherer Hand wählte Barbarash Darsteller, die glaubhaft in ihren Rollen aufgehen, obwohl diese nur Klischeebündel darstellen. Wieder einmal sind es keine teuren Star-Schauspieler, die vor die Kamera treten, sondern routinierte Darsteller, die meist im Fernsehen und dort in Nebenrollen auftreten. Sie verstehen ihren Job – denn mehr ist der Auftritt in einem Film wie diesem nicht – und sind außerdem so unbekannt, dass sie als Figuren überzeugen. (Eine Ausnahme irritiert: Was hat Michael Biehn in einer völlig überflüssigen Mini-Nebenrolle verloren? Steht es inzwischen so schlecht um seine Karriere? Immerhin hat er einst den ersten „Terminator“ bekämpft!)

Im Zentrum steht Jaime King, die als rasendes Muttertier Tod & Teufel trotzt und dennoch nicht komisch wirkt. Stets asiatisch lächelnd und gerade dadurch demonstrierend, dass sie etwas zu verbergen haben, sorgen Cheng Pei Pei und Donald Fong für das Element menschlicher Verdorbenheit, das wie üblich die Bosheit der Geister weit in den Schatten stellt. Eine echte und sehr angenehme Überraschung ist Regan Oey: Gerade in Horrorfilmen können Kinder eine echte Zuschauerplage sein. Faule Autoren beschränken sich gern darauf, sie in Lebensgefahr zu bringen, weil sie glauben, damit die Spannung zu steigern. Außerdem sind die jungen Darsteller ihren Rollenanforderungen oft nicht gewachsen; vor allem in Hollywood sehen sie vor allem niedlich aus.

Regan Oey ist entweder schon Schauspieler oder ein Naturtalent: Er verzieht kaum eine Miene, doch sein Gesicht spiegelt Emotionen und Gedankengänge wider. In seiner Figur wird das größte Plus des US-gefilterten „Asia Horrors“ deutlich: Vollständig entfällt das im asiatischen Film typische Overacting. ‚Große Gefühle‘ werden dort durch entsprechende Gesten sowie drastisch in die Länge gezogene emotionale Ausbrüche dargestellt oder besser: zelebriert, was dem westlichen Zuschauer nicht nur fremd, sondern auch lächerlich vorkommt und Gruselstimmung nachhaltig zerstören kann.

Einen Fluch auf diese Tricktechniker!

Apropos Zerstörung: Wo grub man im Produktionsjahr 2007 bloß Spezialeffekt-Spezialisten auf, die anscheinend zuletzt im Stummfilm gearbeitet hatten? Zum Glück ist „Demon Days“ kein Film, der auf solche Elemente setzt. In der Regel kommen gute, alte und bei korrektem Einsatz immer noch sehr überzeugende handgemachte Tricks zum Einsatz. Auch Licht & Schatten sorgen im Bund mit der geschickt stimulierten Einbildungskraft des Zuschauers für die notwendige Geisterstimmung.

Zwar wird anfänglich dem armen Onkel Raymond das Bein in einer Bärenfalle zerschmettert, und später spaltet ein Fleischerbeil einen Frauenschädel. Dennoch ist „Demon Days“ in Sachen Blut & Gewölle vergleichsweise zurückhaltend. Tatsächlich wurde der Film in Deutschland ab 16 Jahren freigegeben. Erst aufgespielte Trailer machten das in Horror-Kreises als Qualitätsmerkmal betrachtete „Ab-18“-Prädikat erforderlich; ein (wie auch der dämliche, irreführend Gewalt-Action suggerierende deutsche Titel) gern eingesetzter und kostenloser aber nichtsdestotrotz schäbiger Verkaufstrick. „Demon Days“ ist ein Film, der nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt, aber anderthalb Stunden unterhalten kann. Gilt das heutzutage als Risikofaktor, der durch faule Vermarktungstricks abgemildert werden muss?

DVD-Features

„Demons Days“ erschien ‚nur‘ auf DVD. Der nach dem Hauptfilm verbleibende Speicherplatz wurde mit Trailern gefüllt. Hintergrundinfos gibt es nicht; ein Film wie dieser braucht sie freilich auch nicht unbedingt.

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The Graveyard

Erstellt von Michael Drewniok am 15. November 2011

The Graveyard
Renn um dein Leben

Originaltitel: The Graveyard – Fear Is Buried Here (USA 2006)
Regie: Michael Feifer
Drehbuch: Michael Hurst
Kamera: Hank Baumert Jr.
Schnitt: Christopher Roth
Darsteller: Christopher Stewart (Charlie), Lindsay Ballew (Michelle), Trish Coren (Allie), Patrick Scott Lewis (Bobby), Leif Lillehaugen (Jack), Erin Lokitz (Sarah), Eva Derrek (Veronica), Markus Potter (Peter Bishop), Natalie Denise Sperl (Zoe), Mark Salling (Eric), Sam Bologna (Sheriff), Brett Donowho (Camper) James Gallinger (Bailiff)
Anbieter: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 24.04.2008 (DVD)
EAN: 4020974164696
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

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Das geschieht:

Sieben geistig beklagenswert unterentwickelte US-Highschool-Teenies nisten sich in einem Waldcamp ein. Charlie, der Anführer, inszeniert auf dem nahe gelegenen Placid- Pines-Friedhof eine witzfreie Charade, als deren Höhepunkt der tumbe Eric aufgespießt an einem Zaunpfahl endet. Für diesen Unfall fährt Charlie fünf Jahre wegen Totschlags ein. Seine Freunde bleiben frei. Ihr schlechtes Gewissen führt sie jedoch wieder zusammen, als Charlie aus der Haft entlassen wird. Kompaniemutter Michelle organisiert ein Treffen in genau dem Camp, in dem damals das Verhängnis seinen Lauf nahm – nur so könne man sich gruppentherapeutisch von dem Grauen ‚befreien‘.

Charlie hat seinen Freunden keineswegs vergeben, dass sie ihn die Suppe allein auslöffeln ließen. Deshalb wird er zum Hauptverdächtigen, als in der Nacht ein maskierter Munkelmann im Kapuzenmantel durch das Camp geistert und ein großes Messer schwingt. Es dauert einige Morde, bis unsere Freunde merken, dass sie einem metzelwütigen Irren ausgeliefert sind. Ihre Autos sind lahmgelegt, die Handys ohne Empfang. Campverwalter Peter Bishop rät zur Besonnenheit, doch voller Panik stolpern die Überlebenden durch den dunklen Wald, auf dass sie der Killer gut in die Enge treiben kann, wo er sich ihnen mit besagtem Messer oder – variatio delectat – anderen Mordwerkzeugen widmet.

Michelle und Sarah verirren sich auf den Friedhof und bemerken entsetzt, dass Erics Grab nur noch eine leere Grube ist. Treibt etwa ein Rache-Spuk sein Unwesen? Charlie bricht aus dem Camp aus und macht sich Hilfe suchend zu Fuß auf in die 10 Meilen entfernte Stadt. Wird er sie erreichen? Seine Freunde verbarrikadieren sich in den wackligen Hütten des Camps. Wird das den Mörder abhalten? Diese und andere Fragen werden im Finale viel zu erschöpfend geklärt …

Horror-Mumpitz aus der Mottenkiste

„Hier gibt es keinen Jason“: Die einzige Bemerkung, die zumindest ansatzweise Selbstironie andeutet, wird ausgerechnet vom waffelhirnigen Jack geäußert. Bis dieser Satz fällt, wird freilich der letzte Zuschauer begriffen haben, was er sich da gerade ansieht (oder ansehen muss). „Freitag, der 13te“ wurde zur Vorlage einer ganzen Metzelfilm-Industrie. Selten fallen die Abzüge jedoch so blass aus wie in diesem Fall.

Ob es daran liegt, dass „The Graveyard“ gar kein ‚richtiger‘ Film ist, sondern eine „Direct-to-DVD“-Produktion, die von der Weltfirma „Schnell, Billig & Jämmerlich“ realisiert wurde? Auch solche Streifen müssen nicht zwangsläufig schlecht sein, wenn hinter der Kamera Leute stehen, die mit Talent oder wenigstens handwerklichem Ethos gesegnet sind. Doch „The Graveyard“ macht weder dem Drehbuchautor noch dem Regisseur Ehre. Ersterer klaubte wahllos tausend zu Tode gerittene Horror-Klischees aus der Filmgeschichte zusammen und klitterte daraus eine Abfolge von Szenen, die wir nicht nur schon viel zu oft, sondern vor allem viel besser gesehen haben. Letzterer trug – weidlich unterstützt durch Kameramann und Cutter – durch völligen Verzicht auf inszenatorische Raffinesse, Atmosphäre und Schauspielerführung mehr als seinen Teil dazu bei, aus „The Graveyard“ eine runde, elende Sache zu machen.

Da war wohl auch im Schnittraum nichts mehr zu retten. Oder hat man irgendwann das Handtuch geworfen? In seiner planvoll wirkenden Ignoranz sämtlicher filmischer Mittel ist „The Graveyard“ deshalb ein sicherer Anwärter für einen „Golden Turkey Award“, mit dem im ewigen Gedanken an Edward D. Woods „Plan 9 from Outer Space“ (1958) nur wirklich unverbesserliche Filmwerke ‚ausgezeichnet‘ werden.

Es folgen einige typische Highlights:

- Aufgehoben sind die Gesetze von Zeit & Raum, Tag und Nacht wechseln völlig unabhängig vom aktuellen Geschehen. Da kann es vorkommen, dass Charlie im hellen Tageslicht mit dem Motorrad gen Waldcamp startet, das nur zehn Meilen von der nächsten Stadt entfernt ist, und trotzdem erst in tiefer Nacht sein Ziel erreicht.

- Das Erstaunen steigt, weil er auf dieser Fahrt vom Sheriff verfolgt wird, was eigentlich für Beschleunigung sorgen sollte. Ist ohnehin gleichgültig, denn irgendwo auf diesen zehn Meilen geht der Sheriff verloren und erreicht erst viel, viel später das Camp, von dem er weiß, dass es Charlies Ziel ist.

- Das Loch im Friedhofszaun: Dort fand Eric sein blutiges Ende. Fünf Jahre später blicken wir auf genau dieses Loch, in das weiterhin die abgebrochenen, scharfen Gitterstäbe ragen, die zu entfernen die Friedhofsverwaltung offenbar keinen Anlass sah.

- Aber wieso sollte sie sich um solche Kleinigkeiten kümmern, wenn sie das Grab des exhumierten Eric einfach offen klaffen lässt? (Immerhin haben die Grabräuber sehr sauber gearbeitet und ein präzise rechteckiges Loch im Boden hinterlassen.)

- Ohnehin geht die Obrigkeit in dieser Gegend die Dinge eher lax an; als Charlie den Sheriff ins Camp ruft, weil dort ein Massenmörder sein Unwesen treibe, wird er von diesem vertröstet, der erst einmal an anderer Stelle einen Einbruch aufnehmen müsse.

- Dem Zufall eine Chance: Seit Stunden rennt Charlie durch den dichten Wald; als ihm die Puste ausgeht, geschieht dies exakt unter jenem Baum, in dessen Geäst der Killer eines seiner Opfer festgebunden hat, damit sein Blut dem entsetzten Charlie ins Antlitz tropfen kann.

- Ach ja: Findet dieses Trauerspiel im Umfeld von „Placid Pines“ statt, wie die Aufschrift des Friedhofsportals andeutet, oder heißt die Stadt „Pleasant Pines“, wie Charlie sie nennt?

Diese Liste könnte ich mit Besorgnis erregender Leichtigkeit verlängern, möchte aber die Lebenszeit meiner Leser (sowie meiner Wenigkeit) nicht unnötig verkürzen. Es bleibt abschließend die Frage, ob wenigstens die Mordszenen für Unterhaltung (bzw. das zuschauerliche Erwachen aus dem Koma) sorgen können. Muss das beantwortet werden?

„The Graveyard“ ist trotzdem ein Film ohne Jugendfreigabe. Das können wir in diesem Fall nicht auf die Brutal-Szenen zurückführen, die sich in ihrer amateurhaften Darbietung kongenial in den Reigen akuter Unfähigkeit einfügen. Dem zollt auch die Synchronisation Tribut, die ebenso leblos wie der Film ausfällt. Die Zensur – von welcher Institution sie hier auch ausgeübt wurde – wird sich eher um die geistige Gesundheit der Zuschauer sorgen, die tatsächlich dankbar sein sollten, dass sie wenigstens unter 18 Jahren von solchem Bockmist bewahrt bleiben!

Dilettieren im Filetieren

Hart ist für junge Schauspiel-Eleven der Weg zum Ruhm. Bis es (hoffentlich) soweit ist, müssen sie die Engagements nehmen, wie sie kommen. Sie können nur froh sein, wenn nicht gar zu viele Rohrkrepierer darunter sind. Die meisten dieser Darsteller sind in der Tat neu im Geschäft; ihre FIlmografien sind ebenso kurz wie reich an kruden Titeln. Was sie zu leisten vermögen, müssen sie noch zeigen, denn „The Graveyard“ ist kein Maßstab, an dem man ihre Arbeit messen darf. Das Drehbuch zwingt sie zum Dilettieren und Chargieren; ohnehin plump gestreute Verdachtsmomente – ist der Täter einer aus der Gruppe? – verpuffen, weil Charakterzeichnungen von einem Moment zum nächsten verworfen und ins Gegenteil verkehrt werden. Kein Schauspieler meistert ‚Herausforderungen‘ wie diese:

- Veronica ist zwar eine Schlampe, aber eine saubere, sodass sie nach dem Sex mit Jack die Campdusche aufsucht. Bei der Aufnahme dieser Szenen war offenbar der Kameraständer defekt, der sich einfach nicht über den Bereich zwischen Oberschenkel und Hals hinaus schwenken ließ. Eva Derrek ist solche Aufmerksamkeit gewöhnt; in „The Slaugher“ (2006), einem Film, der – kaum vorstellbar – noch schlechter als „The Graveyard“ ist, agierte sie als Hexe sogar ausschließlich busenfrei; eine Erfahrung, die sie darstellerisch in ein weiteres Meisterwerk des Horrorfilms einbringen durfte: „Werewolf in a Women’s Prison“ (2006).

- Sie befindet sich damit in guter Gesellschaft mit Natalie Denise Sperl, die hier urplötzlich und unmotiviert als Zoe, lesbische Geliebte Sarahs, aus dem Gebüsch springt, diverse antörnende Schweinereien in die Runde wirft und wieder verschwindet, um umgehend vom Camp-Killer abgemurkst zu werden: Ihre ‚Karriere‘ begann 1995 mit „Cellblock Sisters: Banished Behind Bars“.

- Sexprotz Jack wird als Idiot sogar von seinen Freunden geächtet. Seine rechtschaffene Ex-Freundin Allie ist besonders angeekelt. Sobald Jacks Gespielin Veronica im Wald verschollen ist, springt sie allerdings umgehend zurück in Jacks Kiste.

- Als die meisten ihrer Freunde bereits in Stücke gesäbelt wurden, entdeckt Michelle die Liebe zu Waldmeister Peter und vergisst ihr Entsetzen bei einer Kussorgie, die bis zum Einbruch der Nacht (zu den klimatischen Besonderheiten von „The Graveyard“ s. weiter oben) dauert.

Lassen wir es damit genug sein. So unterhaltsam ist permanente Unfähigkeit auch nicht. Knapp 90 Minuten können sehr lang sein, wie „The Graveyard“ eindrucksvoll belegt. Wünschen wir an dieser Stelle den Darstellern mehr Glück für ihre berufliche Zukunft. (Obwohl die aktuellen Projekte von Trish Coren – „Headless Horseman“, 2007 –, Erin Lokitz – „Buried Alive“, 2007 – oder Natalie Denise Sperl – „Succubus: Hell Bent“ – von keinem Fortschritt künden.) Wir Zuschauer sollten uns die Namen Feifer und Hurst merken und ihre zukünftigen ‚Werke‘ meiden.

DVD-Features

Die Ärmlichkeit des Films spiegelt sich in den Features wider, die der DVD aufgespielt wurden: Sie beschränken sich auf den originalen US- und den deutschen Trailer. Mehr will man garantiert nicht sehen.

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Abgelegt unter FSK18 & k.J., Filmbericht, Horror | Keine Kommentare »

The Slaughter – Die Teufel bitten zum Tanz

Erstellt von Michael Drewniok am 13. November 2011

The Slaughter – Die Teufel bitten zum Tanz

Originaltitel: The Slaughter
USA 2006
Regie. Drehbuch, Kamera, Schnitt: Jay Lee
Musik: Chauncey Mahan
Darsteller: Jessica Ellis (Dana), Zak Kilberg (Iggy), Terry Erioski (Tyler), Laura Stein (Heather), Travis Wood (Brandon), Jen Alex Gonzalez (Alexandra), Brad Milne (Carl Stevens), Billy Beck (Razz), Adriana Esquivel (Dämonenweib), Carmit Levité (Julia Carter), Cheyenne Ault (Denise Carter), Eva Derrek (Madame Izriah), Penny Drake (Madame Eliza), Elana Blank, Jessica Elder, Elizabeth Goddard, Jessica Harbeck, Kristen Karvouni, Jennifer Salvucci, Tiffany Tejeda, Sasha Yates, Tiffany Hayden (Hexen)
Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment
EAN: 4048317351329
Erscheinungsdatum: 24.01.2008 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: ca. 90 min.
FSK: keine Jugendfreigabe

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Das geschieht:

Dana und Tyler haben vom fiesen Mr. Stevens den Auftrag übernommen, ein altes, recht einsam gelegenes und seit Jahrzehnten leer stehendes Haus zu entrümpeln und zu reinigen. Damit die Arbeit geschafft werden kann, haben sie drei Freunde sowie Tylers neurotischen Adoptivbruder Iggy mitgebracht. Auch Stevens und seine ‚Assistentin‘ Alexandra tauchen auf; sie wollen die Gruppe antreiben und schurigeln.

Ein Buchfund im Keller deutet auf magische Riten hin, die in diesem Haus praktiziert wurden. Iggy befragt das Internet und recherchiert die Geschichte der Madame Izriah, die vor 100 Jahren mit ihrem Hexenkreis eine uralte und bitterböse Dämonin aus der Hölle rief. Leider entzog sich diese der Kontrolle ihrer Meisterin. Durch die Ermordung von Izriah blieb der Ritus allerdings unvollendet. Seither lauert die Dämonin in dem Haus auf ‘Gäste’, durch deren Tod sie sich endgültig materialisieren kann. Gelingt ihr das, wird sie das Ende der Welt einläuten.

Unser Putztrupp kommt ihr gerade recht. In ihrer Mehrzahl dumm, geil oder moralisch verdorben, lassen sie sich leicht manipulieren. Die Dämonin folgt ihrem Plan, der die möglichst grausame Ermordung ihrer Opfer vorsieht. Iggy durchschaut das böse Spiel, doch trotz diverser Fluchtversuche schrumpft die Zahl der von Raum zu Raum gejagten Freunde mit beängstigender Geschwindigkeit. Bald leben nur noch Dana und Iggy, aber zur Trauer bleibt keine Zeit, denn plötzlich sitzt ihnen nicht nur die Dämonin im Nacken: Die verunstalteten Leichen der Freunde wanken als Zombies hinter ihnen her, und sie sind sehr hungrig …

Eine Rose ist eine Rose, Trash manchmal nur Abfall

Der Großvater hat Jay Lee seine Kamera geschenkt. Sie ist zwar schon fünfzehn Jahre alt, funktioniert aber noch ganz gut. Jay ist aufgeregt: Jetzt kann er endlich den tollen Gruselfilm drehen, dessen Handlung ihm kürzlich auf dem Klo eingefallen ist! Er gibt ein Inserat auf, mit dem er gezielt talentfreie Darsteller anspricht, die sich unentgeltlich seiner Regie unterwerfen. Weil er weiß, dass Sex sells, überredet er die Damen des örtlichen Lapdance-Clubs, ihren Jahresausflug als nackten Nachmittag im Wald zu gestalten, was er ausgiebig filmt. Dann geht’s für ein Wochenende in ein altes Haus am Stadtrand, bevor es am Montag abgerissen wird. Die Zeit reicht locker für die Dreharbeiten, ein Buch dafür existiert ohnehin nicht: Jay lässt sein Genie spielen,  inszeniert, was ihm gerade durch den Kopf geht, und hofft auf jenes Glück, das schon Paris Hilton oder Kim Kardashian ganz nach oben gebracht hat.

Ja, so könnte es gewesen sein. Jedenfalls fördert das hier auf DVD gepresste Werk solche Spekulation. Möchte man – aus welchem Grund auch immer – in seinem Leben nur einen richtig schlechten Horrorfilm sehen, greife man zu diesem Streifen. Er belegt deutlicher als tausend Seminare, wie man das Filmhandwerk auf gar keinen Fall betreiben darf.

Hier stimmt gar nichts. Der Plot ist vor allem umständlich und stützt sich später schwer auf das Gruselspektakel „The Evil Dead“ (1981, dt. „Tanz der Teufel“). An diese Tatsache soll der Untertitel die deutschen Horrorfreunde erinnern – reiner Dummenfang bzw. ein Akt der Verzweiflung seitens des Anbieters, der zu spät erkannte, was er da eingekauft hatte. Die einzige echte Parallele besteht in der dilettantischen Machart beider Filme, wobei Jay Lee freilich abermals den Kürzeren zieht, ist „The Slaughter“ doch ein Werk des 21. Jahrhunderts. Das sollte sich eigentlich bemerkbar machen.

Technische Reduktion auf den „On/Off“-Schalter

Lassen wir die Story (und ihre holprig-stolprige, von keinerlei Sinn für Stimmung oder Timing getrübte ‚Entwicklung‘) beiseite und stellen die Frage nach der technischen Umsetzung. Oh weh, das Elend vervierfacht sich, was angemessen ist, weil sich Jay Lee in seiner Rolle als Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Cutter gewaltig verhoben hat. Ein Budget gab es für „The Slaughter“ augenscheinlich auch nicht. Das Equipment produziert ausschließlich flache, flaue Bilder ohne Kontraste und Farben. Die Vertonung scheint in einer Garage stattgefunden zu haben. Für die Filmmusik floss billiges Bier durch die Gurgeln ebensolcher Heavy-Metal-‚Musiker‘, die sich die Kehlen aus verätzten Hälsen brüllen. Im letzten Drittel wird aus ernsthaft gemeintem Horror plötzlich eine Komödie, doch völlige Witzlosigkeit lässt auch sie kläglich ersticken.

Wenn irgendwo zumindest unfreiwillige Komik den Zuschauer vor dem Schlaf bewahrt, so manifestiert sie sich in den ‚Spezialeffekten‘, die in ihrer Qualität einerseits an Georges Méliès (1861-1938), den Pionier der Filmtechnik, erinnern, während sie andererseits den Irrglauben widerlegen, dass im digitalen Zeitalter alles für gar kein Geld möglich geworden ist. Primitive und als solche jederzeit erkennbare Doppelbelichtungen, CGI-Stümpereien per Gratis-Software und haarsträubend schlechte Masken aus dem Versandhandel zeugen von einem Enthusiasmus, der an Edward D. Wood, Jr., erinnert: Er gilt als miserabelster Filmemacher aller Zeiten und erkannte nie, welchen Mist er drehte, sondern sah, was er sehen wollte: ein filmisches Meisterwerk, das nur in seiner Fantasie existierte.

Hinter dem flauen Grauen steckt eine Filmgesellschaft namens „Scream HQ“, deren Eigeninfo man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: „Scream HQ … entstand mit dem Ziel, qualitätvolle und unterhaltsame Horrorfilme zu produzieren. Scream HQ wurde 2005 von den talentierten Geschwistern Angela und Jay Lee gegründet. Mit 30 Jahren kombinierter Filmerfahrung bilden sie ein Team gleichermaßen begabter wie enthusiastischer Künstler. Mit ihrem ersten Spielfilm ‚The Slaughter‘ machten sie sich umgehend erfolgreich einen Namen in der Filmindustrie. Nach der Premiere auf dem exklusiven ‚Hole in the Head‘-Festivals in San Francisco wurde ‚The Slaughter‘ von der Kritik gerühmt und erfreute sich großer Zustimmung der Horrorfans.“

Wobei wohl nur Publikum der geistig nachweislich schlichten (oder stockbetrunkenen) Art geladen war …

Film von wirklich ganz unten

Der Vergleich mit Ed Wood, Jr., erfolgt hier nicht nur wegen der laienhaften Selbstüberschätzung hinter der Kamera. Wie Wood schart auch Lee eine Gruppe entweder hoffnungsvoller oder hoffnungsloser Nachwuchs-Darsteller um sich, die sich immer wieder vor seine Kamera locken lassen. Sie scheinen sich aus dem Heer hübscher aber gesichtsloser Hollywood-Schauspieler zu rekrutieren, deren Soldaten sich zwischen spärlichen Engagements als Kellner, Einparker oder Nachtclub-Tänzerinnen verdingen. Um dem zu entkommen, vergisst man schon mal seine Ansprüche und ignoriert die ‚Qualität‘ eines Drehbuchs, dessen Autor sich erfolgreich jeder Pisa-Studie fernhalten konnte.

Was Jessica Ellis und ihre unglücklichen Kolleginnen und Kollegen wirklich vor einer Kamera zu leisten vermögen, kann und darf nicht aufgrund „The Slaughter“ bewertet werden; es wäre ein Todesurteil, das womöglich unverdient ist. Normalerweise gehört es zu den Aufgaben eines Regisseurs, chargierende Darsteller zu kontrollieren und zur Ordnung zu rufen. Aufgrund seiner Tätigkeit als „total film maker“ mag Lee mit dieser Aufgabe nun wirklich überfordert gewesen sein. Möglicherweise war „The Slaughter“ ursprünglich als Stummfilm angelegt. In diesem Fall ergäben kollektives Gestikulieren und wilde Gesichtsverrenkungen einen gewissen Sinn.

Eine grundlegende Regel für einen Horrorfilm, der in den USA funktionieren soll, kennt Lee übrigens genau: Nackte Frauen möglichst jugendlichen Alters müssen sich vor der Kamera tummeln! (Wobei ‚nackt’‘in den prüden USA so definiert wird, dass z. B. das hüllenlose Dämonenweib einen Slip tragen muss, denn wo der Exorzist versagt, bleibt der Zensor garantiert siegreich!) Genau 13 (!) nackte und meist silikonfreie Busenpaare wippen, wenn der Rezensent richtig gezählt hat (wozu der Job als Kritiker verpflichtet) – der reinste erotische Overkill, über den man zumindest in Europa nur müde schmunzeln mag.

DVD-Features

Eine DVD ohne Extras ist selten bzw. stellt eine Warnung dar: Hier fehlt dem Anbieter jegliches Vertrauen in sein Produkt, das er deshalb möglichst nebenkostenfrei an seine Kunden bringen möchte. Nicht einmal Trailer für andere Filme gibt es, was schlau ist, könnte der erboste Zuschauer nach dem ‚Genuss‘ von „The Slaughter“ doch einen Boykott der übrigen DVDs des Labels beschließen.

Schade, dass ein „Making-of“ fehlt; es wäre sicherlich viel unterhaltsamer als der Film. Die Enthüllung der wahren Umstände, unter denen „The Slaughter“ entstand, fällt aber wahrscheinlich ebenfalls in die Kategorie der abschreckenden Faktoren. Verzichten muss der Masochist aber trotzdem nicht auf Hintergrundinformationen. Er findet sie unter hier im Internet (mit dem hübschen Untertitel: „Der Film, der Zuschauer auf ihre Kinositze kotzen ließ“). Wundert es übrigens, dass die Hälfte der im Menü ausgewiesenen Punkte weiterhin „under construction“ sind …?

Hervorzuheben bleibt abschließend das Geschick des deutschen Anbieters, dem es gelang, Synchronsprecher/innen aufzuspüren, die über ein feines Ohr für die miserablen Dialoge des Originals verfügten und diese kongenial in ihre Muttersprache übertrugen.

[md]

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Wir sind was wir sind

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. November 2011

WIR SIND WAS WIR SIND
ab 28. Oktober auf DVD und Blu-ray

Nach dem plötzlichen Tod des Vaters müssen sich die Mutter und ihre drei Teenager-Kinder um den Familienunterhalt kümmern. Dass sie Kannibalen sind und ohne menschliches Fleisch nicht leben können, macht die Sache nicht gerade einfacher. Keiner fühlt sich bereit, den Platz des Vaters einzunehmen. Doch einer muss die Verantwortung tragen und das Los fällt auf den ältesten Bruder. Er muss sich um den Nahrungsnachschub kümmern. Bei den Außenseitern der Gesellschaft probiert er sein Glück: Straßenkinder, Prostituierte, Homosexuelle. Doch er hat keinen Erfolg und als die Lage immer prekärer wird, droht der Familie der sichere Hungertod.

WIR SIND WAS WIR SIND steht in der Tradition kompromissloser, junger mexikanischer Filme wie „Amores Perros“ und „Sin Nombre“, nutzt aber auch Elemente des Horror-Genres. In Stil und Inhalt erinnert WIR SIND WAS WIR SIND an „So finster die Nacht“: Am Beispiel einer Kannibalenfamilie zeigt der junge Regisseur den täglichen Kampf ums Überleben in einem Umfeld, dem jegliche soziale Empathie abhanden gekommen ist.

Technische Daten:
Originaltitel: Somos lo que hay
Produktionsland + -jahr: Mexiko 2010
Genre: Horror
Ton DVD: Deutsch (DD 5.1), Spanisch (DD 5.1)
Ton BD: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Spanisch (DTS-HD MA 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bild DVD: 2,35:1
Bild BD: 2,35:1 (1080p)
Laufzeit: ca. 90 Min. (DVD), 93 Min. (BD)
FSK: 18
DVD-/BD-Extras: Kurzfilm Mi Hermano, Making of, Behind the Scenes, Trailer

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DVD bei Amazon.de

Preisrätsel / Gewinnspiel 2 x 1 (KOSTENLOSE!) DVD: Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: WIR SIND WAS WIR SIND steht in der Tradition kompromissloser, junger mexikanischer Filme wie zum Beispiel welche oben genannte Titel? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  200 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

DIE GEWINNER LAUTEN: Anne Kühtreiber und Gabriele Lohrè. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND VOR ALLEM UNSEREM SPONSOREN! HERZLICHEN DANK!

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Elephant White

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. November 2011

Elephant White [Blu-ray]

Kevin Bacon (Darsteller), Djimon Hounsou (Darsteller), Prachya Pinkaew (Regisseur) | Alterseinstufung: Freigegeben ab 18 Jahren | Format: Blu-ray

Darsteller: Kevin Bacon, Djimon Hounsou, Jirantanin Pitakporntrakul
Regisseur(e): Prachya Pinkaew
Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 21. Oktober 2011
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 91 Minuten

Auftragskiller Church wird von einem Geschäftsmann angeheuert, den Mord an dessen Tochter zu rächen. Das Mädchen wurde Opfer einer thailändischen Bande, die Kinder entführt und zur Prostitution zwingt. Mit der Hilfe eines skrupellosen Waffenhändlers spürt Church die Männer auf, die die Tochter seines Auftraggebers auf dem Gewissen haben sollen. Der Job scheint eine leichte Sache zu werden – bis sich Church mitten in seinem erbarmungslosen Krieg zwischen zwei rivalisierenden Gangs wiederfindet. Hineingezogen in den brutalen Strudel aus Gewalt und Korruption erkennt Church bald die Wahrheit hinter dem Mann, der ihn angeheuert hat.

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DVD bei Amazon.de

Preisrätsel / Gewinnspiel 2 x 1 (KOSTENLOSE!) blu-ray: Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Ein Auftragskiller welchen namens wird von einem Geschäftsmann angeheuert, den Mord an dessen Tochter zu rächen? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  200 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

DIE GEWINNER LAUTEN: Annett Nullmeyer und Gabi Wölk. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND VOR ALLEM UNSEREM SPONSOREN! HERZLICHEN DANK!

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Catacombs

Erstellt von Michael Drewniok am 9. November 2011

Catacombs
Unter der Erde lauert der Tod

Originaltitel: Catacombs (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: Tomm Coker, David Elliot
Kamera: Maxime Alexandre
Schnitt: Josh Rifkin
Darsteller: Shannyn Sossamon (Victoria), Alecia “Pink” Moore (Carolyn), Emil Hostina (Henri), Sandi Dragoi (Liaves), Mihai Stanescu (Jean Michele), Cabral Ibacka (Hugo), Radu Andrei Micu (Nico), Cain Manoli (Leon), DJ Kosta (DJ), Marcello Cobzarju, Marinela Chelaru, Catalin Rotaru (Zollbeamte), Tomm Coker (Dr. Giggles), Ashleigh Rains (Sofi), John Gloria (Bocksmann) uva.
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 05.05.2008 (DVD)
EAN: 0886970399890
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1   anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 88 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Es ist verboten, politisch unkorrekt und ein bisschen gefährlich: Mehr braucht es nicht, um die Pariser Jugend in Scharen zu jenen Rave-Partys zu locken, die in den düsteren Katakomben der Stadt organisiert werden. Dort ruhen tief unter der Erde die Gebeine von sechs Millionen Menschen und geben die morbide Kulisse für ausschweifende Festlichkeiten.

Mitten drin: Carolyn, eine US-amerikanische Studentin, die angeblich an der Sorbonne ihre Vorlesungen hört, sich aber vor allem als exzessive Partymaus einen Namen gemacht hat. Gerade hat sie Besuch von ihrer jüngeren, psychisch labilen Schwester Victoria, die in Paris ein wenig ‚lockerer‘ werden soll. Als Einstieg in ihr neues Leben dient ausgerechnet der Abstieg in die Katakomben, denn ein neuer Rave steht an.

Ungern schließt Victoria sich ihrer dominanten Schwester an, zumal die degenerierten Europäer es gar zu wüst treiben (u. a. Nacktbaden in einer Katakomben-Grotte!). Deshalb will sie heim, doch sie hat nicht gut zugehört, als Carolyn sie über die Ausdehnung der Grabkavernen aufklärte: Viele hundert Kilometer und auf mehreren Ebenen ziehen sich Gänge, Stollen und Hallen unter der Erde hin. Folgerichtig verläuft Victoria sich.

Woran sie sich bald erinnert, ist die gruselige Geschichte, die ihr Carolyns französische Freunde erzählten: Eine Sekte von Teufelsanbetern habe sich in den Katakomben mit der Zucht eines völlig verderbten Anti-Christen versucht und sei erfolgreich gewesen; das mit einem Ziegenschädel maskierte Wesen schleiche mordlüstern durch die Dunkelheit, wo es denen auflauere, die vom Wege abkommen. Zu diesen Pechvögeln gehört nun auch Victoria, und siehe da: Sie vernimmt heftiges Schnaufen, und im Licht der spuckenden Fackel zeichnet sich an der Wand der Schatten von Bockshörnern ab …

Was halt Gruseliges in Höhlen geschehen kann

Gilt es als Spoiler, wenn ich nunmehr ‚verrate‘, dass sich eine turbulente Jagd durch Knochenhöhlen, verlassene Kellergewölbe, Bunkerschächte sowie ein Abstecher in die Kloaken anschließen? Anderseits: Was sollte denn sonst geschehen? Falls etwa wirklich jemand Originalität und Überraschungen von diesem Film erwartet, genügt die Sichtung des Trailers, der dieser DVD dankenswerterweise zweisprachig aufgebrannt wurde.

Wenn das Monster nicht gerade im Bild ist, verlässt sich das Drehbuch auf die üblichen Labyrinth-Klischees: Dauernd läuft unsere Heldin im Kreis, verheddert sich in spitzen Gegenständen, stürzt in Ekliges, verliert ihre Lampe (mehrfach!), wird von Ratten und Fledermäusen erschreckt, schreit wie am Spieß und bemüht sich – von handgeführter Wackel-Kamera und trügerischen Schattenspielen weidlich unterstützt – die absolute Dämlichkeit der Story vergessen zu lassen.

Shannyn Sossamon sei Dank, dass dies hin und wieder geschieht (s. u.), doch dem ob seiner Unglaubwürdigkeit zu hellen Wutausbrüchen reizenden und auch noch miserabel in Szene gesetzten Finaltwist bleibt auch sie ausgeliefert. (Immerhin gibt es einen ‚Schluss nach dem Schluss‘, und der besänftigt, weil jeder Hohlkopf bekommt, was er verdient.)

Eine Kulisse zum Niederknien

Die Katakomben von Paris: das größte Beinhaus der Menschheitsgeschichte. Paris ist eine uralte und seit jeher große Stadt. Über Jahrhunderte begruben die Bürger ihre Toten auf den innerstädtisch gelegenen Friedhöfen ihrer Pfarrkirchen. Ende des 18. Jahrhunderts quollen diese buchstäblich über: Die Erde war „verwesungsmüde“ (ein tolles Wort, das ich während meiner Recherchen aufgespürt habe) und nahm keine neuen Leichen mehr auf, die deshalb auf den Straßen ‚gelagert‘ wurden, wo sie erwartungsgemäß keinen erfreulichen Anblick boten.

In ihrer Not beschlossen die Behörden, die Stadtfriedhöfe aufzulassen und die Leichen vollständig zu exhumieren – sechs Millionen Leichen! Glücklicherweise besteht der Untergrund von Paris aus einem Gewirr teilweise riesiger Stollen: Viele hundert Jahre brach man den Stein, aus dem die Kirchen, Häuser und Mauern der Stadt errichtet wurden, einfach an Ort und Stelle aus dem Boden, den man dabei über 300 km unterhöhlte. Diese unterirdischen Kavernen waren ideal als Beinhaus geeignet.

Über mehrere Jahrzehnte zog sich das gruselige Projekt hin. Die Totengräber wurden von künstlerischem Ehrgeiz gepackt und stapelten die Knochen zu dekorativen Skulpturen riesigen Ausmaßes. Tafeln mit frommen Sinnsprüchen wurden angebracht, kurz: Eine eigene Totenstadt entstand, die an eine vorgeschichtliche Kultstätte erinnert.

Ein Totenhaus als Magnet für die Lebenden

Bis auf den heutigen Tag ist das Labyrinth der Katakomben nicht vollständig erforscht. Viele Gänge sind eingestürzt oder einsturzgefährdet. Teile der Anlage sind erschlossen und können besichtigt werden. Die meisten Bereiche bleiben jedoch abgesperrt; ein Betreten ist nicht nur wegen der damit verbundenen Gefahren, sondern auch aufgrund der gebotenen Friedhofsruhe streng verboten.

Gerade deshalb ziehen die Katakomben ungebetene Gäste magisch an. Die heimlichen Partys sind keine Erfindung der Drehbuchautoren, sondern finden tatsächlich statt – dies ist die Rechtfertigung für den berühmten Satz „Nach einer wahren Begebenheit“, der auch den Vorspann von „Catacombs“ ziert.

Die Realität der Katakomben schlägt jede erdachte Kulisse. Als Besucher ist man sprachlos, wenn man durch diese irrwitzige Totenwelt wandert. Einen Film hier spielen zu lassen, war eigentlich überfällig. Das Problem ist freilich, dass die Behörden es auch heute gar nicht gern sehen, wenn zwischen echten Gebeinen ein Horrorfilm gedreht werden soll. Nur die ‚oberirdisch‘ gedrehten Filmsequenzen spielen deshalb im echten Paris. Die Katakomben wurden im rumänischen Bukarest nachgebaut. In den ehemaligen „Ostblock“ weichen Filmproduktionen, die mit dem Geld knausern müssen, heute gern aus, weil in den dortigen Studios Profis arbeiten, die kostengünstig Unglaubliches leisten. Die Bauten für „Catacombs“ sind bemerkenswert und als solche nur zu identifizieren, wenn – wie in der „B-Roll“ sichtbar – grelles Scheinwerferlicht auf sie fällt. Ansonsten überzeugen sie in jeder Sekunde und stellen (neben Shannyn Sossamon; s. u.) die eigentliche Attraktion dieses Films dar.

Darstellerleistungen und -routinen

Ihr Name fand bereits zweimal lobende Erwähnung: Shannyn Sossamon ist eines der Pfunde, mit denen die Regisseure Coker & Elliot wuchern können, was ziemlich paradox ist, weil Sossamon zu den Frauen gehört, bei denen man jeden Knochen zählen kann. In dem zierlichen Persönchen steckt indes eine gute Schauspielerin. Wenn man sie im Interview sieht, glaubt man kaum, dass Sossamon identisch mit der überzeugend zerbrechlichen, psychisch derangierten, von Hysterie und Panik regierten Victoria ist. Sossamon ist eine ruhige, sehr bestimmt über ihre Rolle sprechende Frau, in der deutlich der Profi erkennbar wird. Darüber hinaus ist sie eine aparte Erscheinung: eine leicht herbe Schönheit mit ‚Gesicht‘, d. h. kein silikonverstärktes Retorten-Girlie.

Dass Alecia Moore eher als Popstar „Pink“ bekannt ist, wird von ihr selbst mit keiner Silbe erwähnt; sie weiß gut um ihre schauspielerische Unerfahrenheit. Moore wurde nach Auskunft des Regisseurs engagiert, weil sie so ‚authentisch‘ sei. Die Rolle der taffen großen Schwester (Moore ist fast ein Jahr jünger als Shannyn Sossamon alias Victoria …) füllt sie deshalb aus, indem sie ist, wie sie angeblich ist.

Viel Schaden kann Moore nicht anrichten, weil sie im Vor- und im Nachspann zwar an zweiter Stelle genannt wird, doch auf der Leinwand vergleichsweise kurz und meist in Partylaune zu sehen ist. Im „Making of“ sorgt sie für Erheiterung, wenn man sie in offenbar verworfenen Szenen sieht, wie sie mit stummfilmhaft verzerrter Miene z. B. Erstaunen zu mimen versucht. Aber sie macht ihre Sache gut, wenn man ihr nichts abfordert, das sie überfordert. Nicht grundlos geben Sänger/innen ihr Schauspieldebüt gern in Horrorfilmen.

Vorurteile und Lächerliches

Was sind diese Europäer – halt, nicht nur Europäer, sondern auch noch Franzosen! – doch für dekadente Ferkel! Sie hausen in zigeunerhaft dekorierten Bruchbuden, feiern Orgien (s. o.: Nacktbaden!) zwischen Totenschädeln, trinken verbotenen Absinth, ziehen gierig und ohne sich dabei zu verstecken an Zigaretten, tanzen topless (auch die Mädchen!) und richten zu allem Überfluss auch noch zwei amerikanische Maiden zu Grunde! Die Erwachsenen sind nicht besser; schon am Flughafen wird die arme Victoria von den Zollbeamten gedemütigt und verspottet, weil sie die Heidensprache ihres Gastlandes nicht versteht.

Dabei spielen in diesem Film kaum Franzosen mit. Gedreht wurde in englischer bzw. amerikanischer Sprache. Da in US-amerikanischen Ohren alle Ausländer gleich klingen – nämlich unverständlich –, ist in diesem Punkt Authentizität überflüssig und kann durch Ökonomie ersetzt werden: „Catacombs“ wurde nicht nur in Bukarest gedreht, sondern auch mit rumänischen Darstellern besetzt, die ein Französisch sprechen, das die gallischen Gebeine in den Katakomben eigentlich zornentbrannt aufspringen lassen müsste. Meist werden sie indes gezwungen, ‚englisch‘ radebrechen, damit Victoria (in Vertretung des Zielpublikums) sie verstehen kann. Die deutsche Synchronisation ist in diesem Punkt … nennen wir es erheiternd, da dies die gesündere Reaktion ist.

DVD-Features

Eher lieblos als zahlreich wurden der „Catacombs“-DVD einige Features aufgespielt. Da haben wir zunächst den Trailer in US-amerikanischer und deutscher Sprache, der wieder einmal einen spannenden Film suggeriert, den wir leider nicht sehen werden.

Das „Making of“ nennt sich hier „B-Roll“, weil einfach diverse Szenen von den Dreharbeiten kommentarlos hintereinander gezeigt werden. Von Hintergrundinformation kann keine Rede sein, aber immerhin ist es interessant zu beobachten, wie trist die Katakomben-Kulisse wirkt, wenn sie nicht durch Licht & Schatten konturiert wird.

Stolze neun Interviews darf sich der Zuschauer anhören, doch manches lässt dem Sprechenden gerade mal die Zeit für einen einzigen Satz. Wirklich Wissenswertes weiß ohnehin kaum jemand zu sagen. Die am Film Beteiligten schleimen sich gegenseitig mächtig ein und bemühen sich überzeugend zu wirken, wenn sie „Catacombs“ als „ganz anderen“ Horrorfilm bezeichnen.

[md]

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