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Archiv für die 'Horror' Kategorie

Delictum – Im Namen des Herrn

Erstellt von Michael Drewniok am 2. September 2010

Delictum – Im Namen des Herrn

Originaltitel: No-Do (Spanien 2009)
Regie u. Drehbuch: Elio Quiroga
Kamera: Juan Carlos Gómez
Schnitt: Luis Sánchez-Gijón
Musik: Alfons Conde
Darsteller: Ana Torrent (Francesca), Francisco Boira (Pedro), Héctor Colomé (Pater Miguel), María Alfonsa Rosso (Blanca), Miriam Cepa (Rosa), Rocío Muñoz (Jean), Francisco Casares (Gabriel) uva.
Label/Vertrieb: Eurovideo Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 03.12.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4009750243732 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Spanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min.
FSK: 16

Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Obwohl zehn Jahre seit dem Unfalltod der Tochter Rosa vergangen sind, ist Ärztin Francesca psychisch weiterhin labil. Gatte Pedro schlägt vier Monate nach der Geburt eines gesunden Sohnes einen Neuanfang vor. Weitab der Stadt und deshalb fern aller Hektik mietet die Familie ein ehemaliges Schulhaus.

Zunächst lebt sich Francesca ein, obwohl sie Pedro weiterhin verschweigt, dass sie mit ihrer toten Tochter spricht, die der Mutter in Gestalt eines inzwischen zehnjährigen Mädchens erscheint. In der Nacht beginnt es im Haus umzugehen. Fußtrappeln, Gelächter und die Schatten dreier Kinder jagen Francesca Angst ein, während der wie ein Bär schlafende Pedro genretypisch das Getöse überhört und seine Frau in den Wahn zurücksinken sieht.

Ohne von diesen Ereignissen zu wissen, gerät an anderer Stätte der Jesuit Pater Miguel an Foto- und Filmdokumente, die auf das Wirken einer bösen Macht in dem alten Schulhaus hinweisen. Vor sechs Jahrzehnten hat sich hier eine von den kirchlichen Betreibern sorgfältig vertuschte Tragödie ereignet. Drei Schülerinnen, denen angeblich die Muttergottes erschien, und ein Kameramann, der dies für den staatlichen Filmdienst „No-Do“ dokumentieren sollte, verschwanden spurlos. Blanca, die Ehefrau des Kameramanns, fiel in ein Koma, aus dem sie erst jetzt erwacht. Sie wird von Erinnerungen und Visionen an die Ereignisse von 1947 gepeinigt.

Miguel, der im Auftrag des Vatikans angebliche Wundererscheinungen überprüft, erkennt die Gefahr, in der Pedro und seine Familie schweben. Die Kirche will sie ihrem Schicksal überlassen, denn sie hat sich damals die Hände nicht nur schmutzig, sondern auch blutig gemacht. Miguel stellt sich Pedro und Francesca zur Seite. Unterstützt von der verwirrten Blanca, beginnen sie das Geheimnis des Hauses zu lüften – und wecken damit dessen unheimlichen Bewohner …

Die Macht der Manipulation

Der dem nicht-spanischen Zuschauer rätselhafte Originaltitel „No-Do“ erinnert an ein ebenso ehrgeiziges wie düsteres Kapitel der iberischen Filmgeschichte. „No-Do“ ist die Abkürzung für „Noticiarios y Documentales“ und bezeichnet eine staatliche Einrichtung, die sich vorgeblich der Aufgabe widmete, historische aber auch alltägliche Ereignisse filmisch zu dokumentieren, aufzubereiten und wochenschauähnlich in die Kinos zu bringen. Sie wurde 1942 gegründet und bestand bis 1981, womit ihre Existenz zeitlich mit dem faschistischen Regime des „Caudillo“ („Führers“) Franco (1892-1975) korrespondierte. In der Tat war die „No-Do“ auch ein Instrument der staatlichen Propaganda. Das aufgezeichnete Material wurde systemkonform geschnitten und kommentiert, also im Dienst des Regimes verfälscht. (Wie dies perfektioniert wurde, zeigt uns Quiroga eindrucksvoll in einer dem Hauptfilm angehängten Coda; er präsentiert uns, die wir die dafür verwendeten Szenen aus ganz anderen Zusammenhängen kennen, einen entsprechend präparierten Film im „No-Do“-Stil.)

Elio Quiroga geht nur einen Schritt weiter, wenn er die „No-Do“ mit der katholischen Kirche Spaniens zusammenarbeiten lässt. Diese hatte bereits in der Vergangenheit im Namen der „Heiligen Inquisition“ schrecklich in Spanien gewütet und später keine Probleme damit, eng mit der Franco-Diktatur, die sie dafür mit Privilegien und Geld belohnte, zusammenzuarbeiten bzw. ihr zu Diensten zu sein.

Zumindest dieser Aspekt dürfte dem deutschen Zuschauer keine Verständnisprobleme bereiten. Dank Dan Brown & Co. ‚weiß‘ er, dass der Vatikan eine unheilige Brutstätte uralter Verschwörungen und Geheimbünde darstellt, mit deren Hilfe die katholische Kirche seit 2000 Jahren die ihr hörige Gläubigerschaft lenkt oder besser manipuliert, wobei sie vor keiner Untat zurückschreckt.

Mit lauwarmem Wasser zubereitet

Diese ‚Erkenntnis‘ kombiniert auch Elio Quiroga mit den meisten zum modernen Kirchen-Thriller gehörenden Klischees – eine erste Enttäuschung, der bald weitere folgen, beginnt „Delictum“ doch sehr vielversprechend, d. h. zurückhaltend und stimmungsvoll als mysteriöse Geistergeschichte im Stil von „El Espinazo del Diablo“ (2001, ‚dt.‘ „The Devil’s Backbone“) oder „El Orfanato“ (2007, dt. „Das Waisenhaus“). Leider gibt Quiroga diesen Weg erst nach und nach und dann vollständig auf. Statt eines modernen Phantastik-Klassikers des spanischen Kinos gelingt ihm ‚nur‘ ein spannender und handwerklich sauber inszenierter Gruselfilm.

Hat man sich damit abgefunden, fühlt man sich durchaus unterhalten. Obwohl die genannten Klischees existieren, drängen sie sich nicht so aufdringlich in den Vordergrund des Geschehens, wie dies in Hollywood geschehen wäre. Die durchweg guten Schauspieler geben ihrem Regisseur und Drehbuchautor stets Rückendeckung dort, wo es gilt, logische Löcher im Handlungsgewebe zu verdecken – und diese sind bei nüchterner Betrachtung nicht gerade zahlenarm! Eine kleine Auswahl gefällig?

- Ein fanatischer Bischof kehrt sechs Jahrzehnte lang wieder und wieder in das Geisterhaus zurück, wo er hartnäckig versucht, den Elementargeist zu bannen. Nie wurde ihm dabei dort ein Haar gekrümmt, wo Francesca und Pedro und schließlich Pater Miguel umgehend mit handfestem Gewaltspuk konfrontiert werden.

- Ist Rosas Geist ‚echt‘? Falls ja: Was geschieht mit ihr, als der Elementargeist sie übernimmt? Wieso gibt Francesca, die ihrer Tochter bisher noch jeden verwunschenen Winkel des Hauses folgte, um sie zu beschützen, Rosa im Finale abrupt und emotionslos auf?

- Was ist von der Effizienz einer kirchlichen Geheimorganisation zu halten, die ihre hochbrisanten Schätze in einem Archivraum lagert, dessen ‚Sicherheitsmaßnahmen‘ sich auf eine kümmerliche Tresortür beschränken? Die 1947 ihre Opfer nicht endgültig verschwinden lässt, sondern die Leichen ausgerechnet im Keller am Tatort ‚versteckt‘? Die ebenfalls 1947 die einzige Zeugin ihres unheiligen Tuns nicht durch Mord zum Schweigen bringt, sondern sie – im Koma liegend – 60 Jahre in einem Sanatorium pflegen = beaufsichtigen lässt, um sie 2007 und inzwischen aufgewacht einfach auf die Straße zu setzen, wo sie – welche Überraschung! – umgehend damit beschäftigt ist, das große Geheimnis aufzudecken?

Das unbarmherzig scharfe Auge

„Delictum“ versucht, ein großer Film trotz kleinen Budgets zu sein. Dieser Zwiespalt kann auch durch Ideenreichtum nicht vollständig geschlossen werden, weil Quiroga darauf besteht, seine Geister sehr deutlich spuken zu lassen. Trotz ihrer offensichtlichen, weil mehrfach drastisch unter Beweis gestellten Schlagkraft sollen sie zudem geisterhaft ätherisch wirken, was nur unter Einsatz von CGI-Technik zu bewerkstelligen ist.

Die galt einmal als Wunderinstrument, mit dessen Hilfe sich die tollsten Tricks quasi ohne Geld realisieren lassen sollten. Doch das uralte Auge ließ sich von der modernen Hightech buchstäblich nicht blenden; es vermag erstaunlich und für Effekttechniker frustrierend präzise zwischen Schein und Wirklichkeit zu differenzieren. Weiterhin muss viel Geld investiert werden, um beispielsweise ein Gespenst ‚real‘ wirken zu lassen.

Dies bestätigt sich stets dann, wenn genau dies nicht geschieht. Wenn es in der alten Schule spukt, dann sehen wir allzu eindeutig CGI-Schemen gaukeln. Sie zerstören in ihrer billigtechnisch bedingten Ungelenkheit die sorgfältig aufgebaute Stimmung. Im Überschwang der beschränkten Möglichkeiten lässt Quiroga Francesca sogar von einem aus Hand-, Bein- und Fußprothesen zusammengeklumpten Ungetüm knurrend über den Dachboden jagen – eine Szene, mit der er die Grenze zur Lächerlichkeit überschreitet; erfreulicherweise geht er nur einmal so und zu weit und überlässt Kameramann Juan Carlos Gómez das Feld, der mit Licht, Schatten und Farben Erstaunliches leistet. Schon in der DVD-Fassung ist „Delictum“ ein Fest für das Auge. Wie mag dieser Film erst auf der großen Leinwand wirken?

Schauspieler stellen Geschichten dar

Die Leistungen der Darsteller wurden bereits erwähnt, nun sollen sie spezifiziert werden. Zu loben ist vor allem Ana Torrent, die eben nicht das genreübliche wilde Muttertier mimt, sondern durch den Verlust ihres ersten Kindes so geprägt ist, dass sie es einerseits nicht aufgeben kann, während sie den neugeborenen Sohn in tausend Todesgefahren schweben sieht. Beides ist Einbildung, wird jedoch vom Zuschauer sofort verstanden und akzeptiert.

Francesca kann auch deshalb beim Zuschauer punkten, weil Ana Torrent, ihre Darstellerin, Angst und geistige Überforderung nie in Hysterie ausarten lässt. Quiroga treibt sie außerdem nicht in jene Sackgasse, in die der Horrorfilm oder der Psycho-Thriller Frauen in ihrer Situation gern geraten lässt: Nur sie nehmen die Manifestationen des Übernatürlichen wahr, während die Menschen um sie herum blind und taub bleiben, ob sich dies nun logisch aus dem Geschehen ergibt oder nicht; meist ist es nicht so.

Einmal gerät auch Quiroga in diese Falle, als er Pedro allzu offensichtlich in einen Tiefschlaf versetzt, der ihn dem Geisterspuk enthebt, der darüber hinaus exakt abbricht, als Francesco den schnarchenden Gatten endlich wachgerüttelt hat. Aber Pedro macht Boden wett, als er sich – etwa zur Filmmitte – davon überzeugen lässt, dass es in seinem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht.

Freilich bleibt ihm dennoch nur die dritte Hauptrolle. An Francescas Seite tritt stattdessen Pater Miguel. Er hat eine handlungskompatible Vorgeschichte, die aus dem stramm vatikankonformen Jesuiten bereits einen heimlichen Zweifler werden ließ, bevor er beschließt, Francesca und Pedro nicht nur zu helfen, weil es seine christliche Pflicht ist, sondern auch, um ein früheres Einknicken im Interesse einer obskuren Kirchenpolitik zu sühnen. Diese nicht gerade innovativen Motive bilden das Fundament eines Finales, das wiederum klischeereich den üblichen Kampf mit dem endlich unverhüllt erscheinenden Monster zelebriert. Danach ist alles gut – für Quiroga, während der Zuschauer leise grollend zurückbleibt.

DVD-Features

Zum Hauptfilm gibt es keine Extras. Dabei wäre es hilfreich oder sogar erforderlich, auf jeden Fall aber interessant, über die (realen) „Noticiarios y Documentales“ in ihrem historischen Kontext zwischen Politik und Kirche informiert zu werden.

[md]

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Vinyan

Erstellt von Michael Drewniok am 26. August 2010

Vinyan

Originaltitel: Vinyan (Belgien/Frankreich/GB/Australien 2008)
Regie: Fabrice Du Welz
Drehbuch: Oliver Blackburn, Fabrice Du Welz, David Greig
Kamera: Benoît Debie
Schnitt: Colin Monie
Musik: François-Eudes Chanfrault
Darsteller: Emmanuelle Béart (Jeanne Bellmer), Rufus Sewell (Paul Bellmer), Petch Osathanugrah (Thaksin Gao), Julie Dreyfus (Kim), Amporn Pankratok (Sonchaï), Josse De Pauw (Matthias), Joey Boy (Boomsong), Teerawat Mulwilai (Khun), Saichia Wongwirote (Petch), Borhan du Welz (Joshua) uva.
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628971694 (Kauf-DVD) bzw. 4020628958015 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)
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Das geschieht:

Die Gutmenschen Jeanne und Paul Bellmer engagieren sich in Thailand für die Errichtung von Waisenhäusern. Der große Tsunami von 2005 hat auch sie getroffen; die Flutwelle erfasste den kleinen Sohn Joshua, der seitdem verschollen ist. Während der trauernde Vater sich sechs Monate später allmählich mit der Tatsache abzufinden beginnt, dass Joshua tot ist, kann Jeanne nicht loslassen. In Träumen und Visionen erscheint ihr der Sohn, und Paul denkt laut über einen Besuch beim Psychiater nach, was der ohnehin bröckelnden Beziehung keineswegs guttut.

Als Jeanne eines Tages auf einem Video, das verlassene Kinder in einem Dorf tief im Dschungel von Burma zeigt, Joshua zu erkennen glaubt, bricht ihre mühsam gewahrte Fassade zusammen. Sie will in die Wildnis reisen, um ihren Sohn zu suchen. Doch Burma ist eine Militärdiktatur und eine offizielle Einreise unmöglich. Jeanne und der widerwillig seiner Gattin folgende Paul wenden sich an den berüchtigten Schmuggler und Sklavenhändler Gao, der regelmäßig die Küstendörfer Burmas aufsucht, um Mädchen und junge Frauen zu kaufen. Viel Geld wechselt den Besitzer, bevor sich die Bellmers in Gaos Begleitung auf den Weg machen.

Der misstrauische Paul hält Gao nicht grundlos für einen Betrüger, der seine Auftraggeber nur ausnehmen will. Als sich dies bestätigt, fordert er die Rückkehr, doch Jeanne übergibt Gao heimlich ihr gesamtes Geld: Er soll sie tiefer nach Burma führen. Heftiger Streit bricht aus, als Paul dies entdeckt. Die kleine Expedition steckt ohnehin in Schwierigkeiten: Gao setzt sich ab, und die Bellmers stoßen auf eine Gruppe verwilderter Kinder, die den Erwachsenen zunehmend feindselig begegnen. Ohne sich abschrecken zu lassen, dringt Jeanne mit Paul im Schlepptau immer tiefer in den Urwald vor. Realität mischt sich mit Rätselhaftem und Wahn, bis sich tief im Herzen der Finsternis Joshuas Schicksal und das seiner Eltern erfüllt …

Genre-Geschichte mit Anspruch

Es beginnt als Drama, entwickelt sich zum Abenteuer und mündet in blankem Horror: „Vinyan“ ist offensichtlich das Projekt eines sehr ehrgeizigen Filmemachers. Mehrere Jahre hat der belgische Regisseur Fabrice Du Welz an seiner Geschichte gearbeitet und gefeilt, sich um die komplizierte Finanzierung – Produzenten sind vorsichtig und ziehen es vor, ihr Geld in simple Geschichten zu investieren, die Profit versprechen – gekümmert sowie mit Emmanuelle Béart und Rufus Sewell zwei Schauspieler ins Boot gelockt, die normalerweise höhere Gagen verlangen können und sich dafür weniger anstrengen müssen.

Diesen Enthusiasmus bereuten sie in den langen Wochen der Dreharbeiten oft bitterlich, wie das ausgezeichnete Making-of (s. u.) belegt. Du Welz ist nicht nur Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch ein Abenteurer, der wie John Huston oder Werner Herzog zwischenmenschliche Konflikte gern in möglichst unwirtlichen Kulissen entfesselt: Die ungebändigte Natur soll nicht nur diese Auseinandersetzung widerspiegeln, sondern sie auch dort verstärken, wo das Regelwerk der Zivilisation keine Gültigkeit besitzt und die Protagonisten in einem Mikrokosmos gefangen sind, der durch ihren Status als Ausländer – sie beherrschen die thailändische Sprache nicht – komplettiert wird. Blicke und Gesten und selbst ein Lachen wirken bedrohlich, wenn man sie nicht entschlüsseln kann.

Für seine Version einer Reise durch seelische Abgründe wählte Du Welz Thailand. Auch dort gibt es längst moderne Großstädte, und selbst in der scheinbaren Wildnis steht der Handy-Empfang. Doch diese Seite Thailands interessierte Du Welz nicht. Selbst die Szenen, die in Bangkok spielen, stellen die Schattenseiten der Metropole in den Mittelpunkt: dreckige Hinterhöfe, schummerige Bordelle, triefende Gassen.

Die Macht der Natur

Hitze und Feuchtigkeit sorgen dafür, dass Thailand sich zu einer Brutstätte für das Seltsame und Gefährliche entwickelt. Den Dschungel, der im Making-of so grün und sonnig wirkt, wie er realiter meist ist, verwandelt Du Welz in eine graue, schlammige, modrige, monsunregengepeitschte und letztlich paradox lebensfeindliche Umgebung, die er faktisch nicht ist, weshalb das Filmteam kräftig mit Kamerafiltern und künstlichen Nebelschwaden nachhelfen musste.

Was Du Welz dabei im Hinterkopf wälzte, spricht er im Making-of aus: „Vinyan“ spielt in der Welt des Filmklassikers „Apokalypse Now“ (1979). Dieser entstand vor allem nach dem Literatur-Klassiker „Heart of Darkness“ (1899; dt. „Herz der Finsternis“), in dem Joseph Conrad (1857-1924) den ‚zivilisierten‘ Menschen in die Wildnis (ent-) führte und in der Begegnung mit dem nackten, ursprünglichen Grauen Stück für Stück seiner Menschlichkeit entkleidete. Du Welz kombinierte diese allegorische Geschichte mit einem weiteren, thematisch ähnlichen Klassiker: In „Lord of the Flies“, (1954, dt. „Herr der Fliegen“) schilderte William Golding (1911-1993) die Entwicklung – oder Degeneration – einer in der Wildnis isolierten Kindergruppe zu einer eigenen Gesellschaft mit barbarisch anmutendem Verhaltenskodex.

Da „Vinyan“ im südostasiatischen Raum spielt, fühlt sich Du Welz verpflichtet und berechtigt, die naturmythisch geprägten Religionsströmungen dieser Region in seine Geschichte einfließen zu lassen. Der „Vinyan“, der dem Film seinen Titel gibt, ist demnach der Geist eines Menschen, der gewaltsam ums Leben kam und daraufhin bösartig wurde. Wer diese Deutung kennt – und Du Welz lässt sie ausgerechnet den moralfreien Gao erzählen –, weiß im Grunde, wie die Geschichte ausgehen wird.

Im Rausch der Bilder

Eine stringente oder logische Handlung ist nicht Du Welzes Anliegen. Nur die Einleitung ist ‚realistisch‘, bevor das menschliche Unterbewusstsein die Herrschaft übernimmt. Nunmehr gilt es für den Zuschauer zu deuten, denn was er sieht, entspricht nicht unbedingt der Wirklichkeit. Andeutungen werden gemacht, Symbole ausgestreut. Die Handlung wird zusehends kontextreicher. Bilder und Töne fließen zu einem interpretationswüstem Gemenge zusammen.

Freilich bleibt diese Vielschichtigkeit vor allem Behauptung. Wieder einmal fordert der Künstler – Du Welz – vom Zuschauer, sich bedingungslos auf das Geschehen einzulassen und sich vom Bildersturm davontragen zu lassen. Das gelingt ihm mit den Apologeten des ‚guten‘ Films sowie denen, die „Vinyan“ im Halbschlaf (oder Vollsuff) über sich ergehen lassen. Tatsächlich ist der Plot sehr simpel, und wer ihn im Hinterkopf behält, während Du Welz mächtig an der Seelen-Schraube dreht, wird wie gesagt schwerlich von dem überrascht sein, was sich im Dschungel von Burma abspielt.

Der ketzerische Realist kann sogar geltend machen, dass „Vinyan“ ein reichlich verblasenes Garn spinnt. Muss der Zusammenbruch einer Beziehung unbedingt in archaischer Urwelt zelebriert werden? Sind die Bilder und psychedelischen Klänge, die Du Welz dafür findet, so irritierend und suggestiv, wie er sich dies vorstellt? Hat man nicht schon viel zu oft Großstadtmenschen im Bann des Irrationalen durch Schlamm und Dauerregen taumeln sehen? Gleichen eine schon in der DVD-Version erstaunliche Bildqualität sowie eine suggestive Ton- und Musikuntermalung dies aus?

Film als Herausforderung und Abenteuer

Diese und ähnliche Fragen lassen sich durchaus bejahen. Mit fortschreitender Handlung ertappt sich sogar der kunstbeflissene Zuschauer dabei, dass er eher die Leidensfähigkeit der Schauspieler bewundert als dem Geschehen folgt. Sie kämpfen sich durch dampfend heißen Dreck und schwitzen sich die Seelen aus den Leibern. Was sie dabei erleben, ist in der Regel wenig spektakulär. In der Tat sagt es viel aus, dass die wenigen Momente echter Spannung einschlägigen Genre-Effekten geschuldet sind, die Du Welz keineswegs verschmäht. Also wird hin und wieder knochenknackend geprügelt und gesteinigt, und im Finale fliegen Eingeweide durch die Luft. (Da „Vinyan“ ein „Arthouse“-Film ist, wurde er hierzulande dennoch ab 16 Jahren freigegeben.)

Für Emmanuelle Béart und Rufus Sewell wurde die Arbeit am Set zur persönlichen Reise in die Finsternis. Unter der enormen Belastung, die das für den Mitteleuropäer mörderisches Tropenklima, die Abgeschiedenheit der Drehorte, das knappe Budget und die daraus resultierende Zeitnot darstellten, leisteten die beiden Hauptdarsteller schier Übermenschliches: Sie sind jederzeit nicht nur körperlich präsent, rennen, klettern, schwimmen, sondern bieten gleichzeitig Schauspielkunst in hoher Vollendung. Das aufeinander eingespielte Ehepaar in der Krise stellen sie nicht dar, sie verkörpern es in jeder Filmsekunde. Béart überzeugt sogar in der sonst schnell lächerlich wirkenden Rolle des ungebremst rasenden Muttertiers.

Unterstützt werden sie von im europäischen Kulturraum unbekannten Künstlern wie Petch Osathanugrah oder Joey Boy. In Asien sind sie die Prominenten, und sie halten mit Béart und Sewell jederzeit mit. Vor allem Osathanugrah ist als Gao in der einen Sekunde nachdenklich und offenherzig, um in der nächsten als brutaler Krimineller und bedrohlicher Fremder für Schrecken zu sorgen.

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf zwei Trailer zum Hauptfilm und ein vorbildliches, mit 50 Minuten Dauer informationsreiches „Making of“. Statt die vor und hinter der Kamera Beteiligten in einen Stuhl zu setzen und sie im ‚Interview‘ plump verkappte Zusatzwerbung für den Film betreiben zu lassen, gibt es echte und aktuelle Blicke hinter die Kulissen. Fast 40 Tage dauerten die Dreharbeiten. Sie wurden mit eigener Kamera dokumentarisch verfolgt. Das „Making of“ markiert die Höhepunkte dieser Zeit, wobei damit keineswegs nur die angenehmen und positiven Seiten der Produktion vorgestellt werden. „Vinyan“ ist das Ergebnis höchsten physischen und psychischen Einsatzes. Crew und Schauspieler mussten eine Einheit bilden, um dem gewachsen zu sein. Als unbeteiligter Zuschauer kann man nur staunen, wie weit sie dabei zu gehen bereit waren. So sieht man eine zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 45-jährige Emmanuelle Béart, die in brütender Hitze mit beidseitiger Ohrenentzündung einen steilen, glitschigen Dschungelhang über Stock und Stein hinunter rennt – immer und immer wieder, solange es der Regisseur wünscht und bis sie nur noch taumeln kann.

Denn Fabrice Du Welz ist ebenso Visionär wie Filmbesessener. Er schont seine Crew und die Schauspieler ebenso wenig wie sich selbst. Vor seinem geistigen Auge läuft der Film, wie er ihn drehen will. In der Umsetzung macht er keine Kompromisse. Noch im ungezieferverseuchtesten Urwaldloch sucht er hellwach und ungeduldig nach den schönsten Motiven und besten Aufnahmewinkeln. Wolkenbrüche und apokalyptische Gewitter registriert er entweder als dramatische Bereicherung, in die er seine Mitstreiter hinausjagt – die dabei Risiken eingehen, die der Versicherung im fernen Europa nachträglich Entsetzensschreie entlocken dürften – oder als Hindernisse, die den Drehplan durcheinanderbringen. Dazu zählt er auch die müde Bockigkeit seines Sohnes Borhan, der aufzumucken wagt, als er schon spät in der Nacht in der Rolle des Joshua immer wieder durch eine Gasse von Bangkok gehen soll, weil er nach Ansicht des Regisseurs nicht wie ein Phantom, sondern „wie eine Ente“ laufe.

Deutlich wird aber auch Du Welzes Fähigkeit, sein Team mitzureißen. Sein unermüdliches Pochen auf Drehbuch und Storyboard halten sie bei der Stange, wenn sie eigentlich erschöpft nur irgendwie ihren Job hinter sich bringen wollen. Du Welz fordert trotz Minimal-Budget das Optimale – und er bekommt es. Dass das Ergebnis nicht zwangsläufig mitreißt und sich die „Vinyan“-Stimmung nicht auf jeden Zuschauer überträgt, liegt nicht am mangelhaften Einsatz, sondern daran, dass Du Welz einen Film-Weg einschlägt, der so selten doch nicht und manchmal eben origineller beschritten wurde.

[md]

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Days of Darkness

Erstellt von Michael Drewniok am 19. August 2010

Days of Darkness

Originaltitel: Days of Darkness: Rise of the Flesheaters (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: Jake Kennedy
Kamera: Brandon Trost
Schnitt: William Daniels
Musik: Jamey Scott
Darsteller: Travis Brorsen (Steve), Sabrina Gennarino (Lin), Tom Eplin (Chad), Roshelle Pattison (Mimi), Eric Stuart (DJ), John Lee Ames (Trent), Bryan Rasmussen (Slasher), Chris Ivan Cevic (Simon), Marian Tomas Griffin (Kylie), Ashley Elizabeth Pierce (Jane), William Cannon (Herbert) u. viele fröhliche Zombie-Statisten
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 09.07.2010 (DVD)
EAN: 4260191250103
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 85 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Nach einem ausgedehnten Campingausflug in die Santa Monica Mountains des südlichen Kaliforniens wollen Steve und Lin gerade in die Zivilisation zurückkehren, als ihnen ein Zombie vor die Kühlerhaube des Wagens torkelt. Weitere Untote folgen und drohen das Paar hungrig in Stücke zu reißen, als Chad auftaucht, die Zombies energisch zersäbelt und unsere ahnungslosen Ausflügler in eine verlassene Funkstation des US-Militärs eskortiert, die von einem hohen und nun sehr nützlichen Zaun umgeben ist.

Sieben weitere Flüchtlinge haben sich hier verbarrikadiert, nachdem ein Komet in der Erdatmosphäre zerplatzte, seine im Eis konservierte Fracht freigab und über alle Kontinente verstreute: außerirdische Parasiten. Sie nisten sich in den Hirnen und Unterleibern ihrer Opfer ein, die sich dabei nicht nur in angriffslustige Menschenfresser verwandeln, sondern auch Alien-Bastarde ausbrüten, die sich auf der Erde pudelwohl genug fühlen, um die Herrschaft zu übernehmen!

Diese Vermehrung funktioniert in den Körpern und Frauen und Männern gleichermaßen gut, was für entsprechendes Entsetzen sorgt. Der Stresspegel steigt, zumal die Gestrandeten dumm und streitlustig veranlagt sind und ihnen Lebensmittel und Wasser ausgehen. Dass Prediger Trent ein fundamentalistischer Wirrkopf ist, der nachts heimlich die Zombies einlässt, um die biblische Apokalypse zu beschleunigen, ist ebenso beunruhigend wie die Anwesenheit seines infizierten Bruders Herbert, der im Keller der Anlage nach Menschenfleisch giert.

Weil den Belagerten Wasser und Proviant ausgehen, muss ein Ausbruch geplant werden. Außerdem melden sich die noch ungeborenen Aliens gewalttätig zu Wort, indem sie ihre Wirte gegen die allzu unternehmungslustigen Mitglieder der Gruppe zu Felde ziehen lassen …

Frechheit kennt keine Grenzen

Der Regisseur und Drehbuchautor hatte keine eigenen Ideen, kein Geld und keinerlei Talent, sondern nur den verzweifelten (oder dreisten) Wunsch, einen Film zu drehen. Hinzu kam das Talent, einer Schar tief in der beruflichen Sackgasse steckenden Darsteller vorzugaukeln, sie würden in einem ‚richtigen‘ Spielfilm mimen dürfen: So können Kultfilme entstehen, aber in der Regel entsteht nur Bockmist. So auch in diesem traurigen Fall, der höchstens aufgrund der besonderen Frechheit der Beteiligten eines näheren Blickes würdig ist.

„Days of Darkness“ kann stellvertretend für die schon alte aber nie ehrwürdige Tradition des Trash-Kinos stehen; so wie sich der Straßenkot an das Rad und der Neid an die Größe heftet, wie bereits 1523 Martin Luther klagte, hängt sich der skrupelfreie Filmemacher an kassenerprobte Blockbuster, die er auf jene Elemente ausschlachtet, die das Publikum in besondere Begeisterung versetzt haben. Dies geschieht in der Hoffnung, den im Trash-Kino üblichen Geld- und Zeitmangel übertünchen zu können.

In unserem Fall wurden „Night of the Living Dead“ (1968), „Dawn of the Dead“ (1978) sowie „Alien“ – das Original von 1979 – gefleddert. Diese drei Filme werden nicht zum ersten und nicht zum letzten Mal auf diese Weise recycelt, doch versuchen die meisten Filmemacher wenigstens, das Plagiat zur Hommage aufzuwerten.

Doch wie kann man Qualität von einem Film verlangen, dessen Budgetarmut sich u. a. darin zeigt, dass die ohnehin schäbigen Alien-Puppen sich nur ‚bewegen‘, wenn sie den Darstellern ins Gesicht geworfen werden? Wird gekämpft, müssen sich die jeweils Attackierten diverse Tentakel um Kopf und Leib schlingen, gut festhalten und dann so über den Boden rollen, dass es nach wüstem Getümmel auf Leben & Tod aussieht. Auf diese Weise wurde bereits 1955 das ‚spektakuläre‘ Finale von „Bride of the Monster“ (dt. „Die Rache des Würgers“) gestaltet, den Ed Wood jr. (1924-1978) inszenierte, der als „talentlosester Regisseur der Filmgeschichte“ in eben dieselbe eingegangen ist.

Apokalypse unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Damit schließt sich der Kreis perfekt, denn „Days of Darkness“ erinnert auch sonst stark an Woods Werke, die den Willen zum großen Kino durch einen monumentalen Dilettantismus in sämtlichen Produktionsdetails konterkarierten. Es beginnt mit der Kulisse: Sie beschränkt sich auf eine faktisch tatsächlich verlassene Sendestation in den südkalifornischen Topanga-Hügeln, die Regisseur und Drehbuchautor Jake Kennedy dankbar okkupierte. Offenbar wurde nicht nur auf dem öden Außengelände, sondern auch im engen und schmutzigen Inneren gedreht. Was vielleicht authentisch wirken könnte, verdeutlicht nur die Ärmlichkeit der Produktion. Anscheinend schrieb Kennedy sein Drehbuch, nachdem er die genannte Station aufgetan hatte, indem er sich vorstellte, was sich in ihren Räumen ereignen könnte: Die Story folgte damit der Form, was die krude Handlung mitbegründen könnte.

Wie es sich für ein Machwerk aus der unteren Schublade der Filmindustrie gehört, bleibt der Weltuntergang reine Behauptung. Kennedy verfügt nicht einmal über die Mittel, den Zombie-Sturm auf die Bergstation glaubhaft zu inszenieren. Noch weniger vermag er diese Ereignisse mit der angeblich globalen Katastrophe zu verknüpfen. Er vermeidet es deshalb tunlichst, seine Protagonisten aus den Hügeln in eine Stadt entkommen zu lassen, da dies mit seinem Budget nicht darzustellen ist.

Folgerichtig fällt es dem Zuschauer schwer, an eine epochale, niederschmetternde Bedrohung zu glauben. Dazu tragen sehr die ‚Zombies‘ bei, die Kennedy vermutlich gegen Freibier und mit dem Versprechen eines Kino-Auftritts in die kalifornische Wildnis gelockt hat. Schminken mussten sie sich vermutlich selbst, denn so sehen sie aus – niemals leichenhaft zerfallen, sondern nur mit feuerrotem Kunstblut getränkt. Auch wenn sie aus Leibeskräften heulen, grunzen und steifbeinig umher taumeln, sind sie eher komisch als bedrohlich, zumal ihre Zahl gar zu offensichtlich so gering ist, dass sie sich auf dem Stationsgelände verlieren.

Die Story dehnen – bis sie reißt

Der erfahrene (= leidgeprüfte) Horrorfilm-Freund weiß, wie sich Kennedy aus der Affäre zu ziehen versucht: Er widmet die Handlung großflächig in einen Krisen-Thriller um. Die Zombies bleiben draußen, während sich drinnen die Darsteller zanken. Ganz zufällig finden in von Zombies, Außerirdischen oder Indianern belagerten Schlupfwinkeln stets Vertreter möglichst unterschiedlicher Herkünfte und Gesellschaftsschichten zusammen. Kennedy trägt besonders dick auf: In seiner Festung hocken u. a. ein übergeschnappter und bigotter Prediger, ein Redneck mit Knarre, ein Schwuler, eine bärbeißige Porno-Actrice, ihre unglaubhaft jungfräuliche Tochter, der hünenhafte Alibi-Schwarze sowie die übliche Soldatenbraut im knappen Tank-Top. Pakte werden geschlossen und gebrochen, neue Koalitionen geschmiedet. Klischee fügt sich zu Klischee, bis sich „Days of Darkness“ im Bewusstsein des schläfrigen Zuschauers beinahe zur Illusion eines echten Spielfilms mausert.

Genau jetzt setzt die eigentliche Handlung wieder ein: Die Zombies entpuppen sich als Wirte parasitischer Aliens! Wenigstens weiß man nun, wieso der gebissene Steve nicht zum Untoten mutiert oder die Zombies tot in den Staub purzeln, auch wenn sie ein Flintenschuss nicht in den Schädel trifft. Kennedy investiert weitere zwei Dollar in Spezialeffekte und inszeniert eine Zombie-Alien-Autopsie, die einerseits lächerlich und andererseits unappetitlich ist.

Effekte aus dem Hobbykeller

„Unappetitlich“ ist das Stichwort für die sich nun anschließenden Splattereien. Kennedy lässt das Kunstblut fontänengleich hochschießen und schwelgt ausgiebig in der Darstellung dessen, was die Aliens in den Unterleibern ihrer weiblichen Opfer anstellen. Aber Feministinnen mögen sich beruhigen: Die Männer trifft es ebenso! Ihnen fallen zusätzlich die Genitalien ab, und aus dem entstehenden Loch wächst ein kleiner, mit Kleister gefüllter Beutel, in dem ein außerirdischer Embryo döst. (Dies beschert uns übrigens folgende Szene, die typisch für die ‚Qualität‘ dieses Films ist: Steve beobachtet, wie dem im Keller gefangenen Herbert das untote Gemächt durch sein Hosenbein rutscht. Wie jeder normale Mensch es sicher tun würde, klaubt er es vom Boden auf, wickelt es in sein Taschentuch und stopft es in eine Tasche seiner Jeans. Die Handlung schreitet voran, bis Steve viel später seinen Leidensgenossen eröffnet, er müsse ihnen „etwas zeigen“. Er bringt sein inzwischen blutrot verfärbtes Taschenbuch zum Vorschein und wirft den schleimig-schlaffen Inhalt triumphierend auf einen gut beleuchteten Tisch, womit er – ja, was bezweckt er damit eigentlich, außer dem Filmpublikum einen Ekel-Schock zu versetzen?)

Auch sonst soll Gore richten, was Kennedy nicht stimmungsvoll zu inszenieren weiß. Leider sind die einschlägigen Effekte jederzeit so stümperhaft geraten, dass sich der diesbezüglich erpichte Zuschauer auch schwer betrunken keineswegs unterhalten fühlen wird.

„Betrunken“ ist ein gutes weiteres Stichwort, birgt es doch den Schlüssel zur Vernichtung der Aliens. Mit einem guten Schluck Selbstgebranntem im Leib wird der Mensch immun, und der Zombie-Alien zerspringt in Stücke. Man kann den Darstellern nur wünschen, dass ihnen der Alkohol ebenfalls half, die Dreharbeiten zu diesem Machwerk zu überstehen. Mehr als ein Wochenende dürfte die Qual nicht gedauert haben, aber was die Männer und Frauen, die sich nicht als Zombies maskieren durften, in dieser Zeit tun mussten und welche Worte ihnen per Drehbuch dabei in die Münder gelegt wurden, wird ihnen sicherlich schamvoll im Gedächtnis brennen, solange sie karg entlohnt ihren Jobs als Aushilfsmimen und besseren Statisten nachgehen werden!

DVD-Features

Um ihr Elend nicht weiter publik werden lassen, konnte das Team von „Days of Darkness“ verhindern, dass ihr Gestümper durch ein „Making of“ für die Nachwelt dokumentiert wurde. Auch Interviews oder Features über die ‚Spezialeffekte‘ verkniff man sich tunlichst. Der Moment dieser Erkenntnis ist der einzige, der im Zuschauer einen Anflug von Dankbarkeit aufkeimen lässt.

Abschließend zwei Ratschläge: Sollten Sie mit ihrem Auto im Schritttempo eine Horde bissiger Zombies passieren wollen, handeln sie schlauer als unsere Darsteller – kurbeln sie vorher die Scheiben hoch! Handeln sie ebenso, wenn die Zombies Sie nicht fressen, sondern Ihnen DVDs des gerade vorgestellten Films verkaufen möchten!

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Haunting of Winchester House

Erstellt von Michael Drewniok am 12. August 2010

Haunting of Winchester House

Originaltitel: Haunting of Winchester House (USA 2009)
Regie, Drehbuch, Kamera: Mark Atkins
Schnitt: Marg Morrison
Musik: Chris Ridenhour
Darsteller: Lira Kellerman (Susan Grenier), Michael Holmes (Drake Grenier), Barry Womack [d. i. Patty Roberts] (Haley Grenier), Tomas Boykin (Harrison Dent), Kimberly Ables Jindra (Sarah Winchester), Jennifer Smart (Annie Winchester), Rob Ullett (James Clayhill), David McIntyre (Officer Cooper), Savannah Schoenecker (Margo Hunter) u. a.
Label: Great Movies
Vertrieb: Hamburger Medien Haus HMH
Erscheinungsdatum: 05.08.2010 (DVD u. Blu-ray)
EAN: 4260157715745 (DVD) bzw. 4260157715752 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 Surround (Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 82 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 18

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Das geschieht:

Nach dem tragischen Tod ihres Babys versuchen die Greniers – Vater Drake, Mutter Susan und Teenie-Tochter Haley – einen Neuanfang im sonnigen Kalifornien. Sie haben sich als Hüter des alten, abgelegenen Winchester-Anwesens verdingt, das Sarah Winchester, Tochter des bekannten Waffenfabrikanten, vor über einem Jahrhundert erbauen ließ.

Verschwiegen hat man den Greniers, dass dieses riesige Haus mit seinen zahllosen verwinkelten Räumen von Geistern heimgesucht wird. Es handelt sich bei ihnen um Pechvögel, die durch Schüsse aus der berühmten Winchester-Büchse zu Tode kamen, worüber sie sich nun durch Spuken in Sarahs Haus beschweren. Inzwischen geht Sarah selbst um. Der frühe, nie geklärte Tod ihrer einzigen Tochter Annie hat sie erst in den Wahnsinn und dann ins Geisterdasein getrieben. Nun wirft sie ein begehrliches Auge auf Haley, die Annie sehr ähnlich sieht. Eines Nachts springt Sarah aus dem Wandschrank und greift sich Haley als Ersatztochter.

Die verzweifelten Eltern stellen das Haus auf den Kopf, stoßen dabei aber nur auf immer neue, grässlich anzusehende und mächtig schnaufende Geister. Glücklicherweise (?) wohnt in der Nachbarschaft Parapsychologe Harrison Dent, der sogleich erfasst, was im Winchester House vor sich geht: Geister erster und zweiter Klasse treten sich hier auf die Laken. Sarah gehört zur Kategorie 2 und kann deshalb nicht per Exorzismus ausgetrieben werden. Sie will etwas von den Susan und Drake, was diese a) herausfinden und b) tun müssen, damit c) Haley wieder freigegeben wird. Leider sind Susan und Drake notorisch begriffsstutzig. Ohne Kollateralschäden geht die Suche deshalb nicht vonstatten, und als das Rätsel von Winchester House dennoch endlich gelöst ist, steht den Greniers die größte Überraschung noch bevor …

Wollen ist nicht können: das Ed-Wood-Prinzip

„Gebt mir einen festen Punkt im All, und ich werde die Welt aus den Angeln heben“, sprach der weise Grieche Archimedes vor mehr als 2000 Jahren. Was für die Physik gilt, dürfte auch im Filmgeschäft Gültigkeit haben, dachte sich „total film maker“ Mark Atkins, der – auf Nummer Sicher gehend – sogar zwei Ansätze für einen todsicheren Blockbuster in petto hatte: Er grub eine spannende historische Grusel-Anekdote aus als Aufhänger für sein Drehbuch aus, und er drehte „Haunting of Winchester House“ in der aktuell brandheißen 3D-Technik.

Beides versaute er gleichermaßen, was keine besondere Überraschung darstellt, wirft man einen Blick auf Atkins Arbeitsliste. Als Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Cutter hat er bisher ausschließlich Machwerke realisiert, die selbst die selten verwöhnten Fans des B- und C-Movies die Zornesröte in die Gesichter treibt. Atkins kurbelt billigste Genre-Verbrauchsware mit denkbar geringem Haltbarkeitsdatum herunter; nicht selten ist das fertige Produkt schon ungenießbar, bevor es in den Handel gekommen ist.

„Handel“ – nicht „Kino“, denn Atkins-Filme sind „Direct-to-DVD“-Ware. „Haunting …“ entstand für „The Global Asylum“, eine Firma, die auf den Vertrieb filmischer Dumm-Dumm-Geschosse spezialisiert ist. (Kronjuwel des Produktionsjahres 2010: „Titanic II“! Auch das Jules-Verne-Massaker „30.000 Meilen unter dem Meer“ von 2007 ist eine warnende Erwähnung wert …)

Wer jagt hier wen – und wieso?

In verwunschenen Häusern geht es spuktechnisch vergleichsweise ähnlich zu. Dass „Haunting …“ keine Ausnahme darstellt, ist Atkins zunächst nicht vorzuwerfen. Die Umsetzung kann für das Salz in der Suppe sorgen. Geister wirken auch deshalb so furchterregend, weil sie sich zunächst subtil bemerkbar machen. Was der Mensch nur aus dem Augenwinkel erkennt oder zu erkennen glaubt, verunsichert ihn stärker als das Monster, das ihn frontal anspringt.

„Subtil“ ist freilich ein Wort, das Atkins unbekannt zu sein scheint. Schon wenn die Greniers die Tür zum Winchester-Haus aufstoßen, geht drinnen ein Stöhnen und Grollen los, das jeden normaldenkenden Mieter umgehend in die Flucht geschlagen hätte. Die Greniers sind offenbar taub und auch blind, denn wie sonst könnte ihnen entgehen, dass sogar am hellen Tag ständig Phantome hinter und neben ihnen durch die Flure huschen?

Nachts geht’s dann ohne Rücksicht auf die Geisterstunde mit Volldampf rund. Die verrückte Sarah sickert durch die Mauern, und in Haus und Garten tummeln sich grabgraue Gestalten mit bröckeligen Gesichtszügen. Tochter Haley wurde inzwischen geisterhaft gekidnappt, und ihre Eltern können sich nicht entscheiden, ob sie nach ihr suchen oder flüchten sollen. Im wilden Wechsel probieren sie beides, und um noch mehr Dramatik ins Geschehen zu bringen, trennen sie sie immer wieder, damit sie nach wilder Flucht vor fiesen Geistern mit großem Getöse ineinander laufen können.

Der Fachmann erklärt …

Irgendwann möchte Atkins dem wüsten Gestolper einen Sinn geben. Da sich das Ehepaar Grenier nachdrücklich lernresistent zeigt, erfordert dies den Auftritt eines Spezialisten. Der trägt grobgestrickte Sakkos und Schnurbart und wohnt zufällig um die Ecke. Harrison Dent stellt Fragen, auf deren Antwort er nie wartet, wirft abenteuerliche Thesen in den Raum und trägt mit sicherer Stimme schwachsinnige ‚Fakten‘ vor. Als er endlich den Mund hält bzw. zur Tat schreitet, wirft ihn ein geisterhafter aber kraftvoller Arschtritt gegen eine Ziegelwand und mausetot aus dem Geschehen. Die Greniers stümpern daraufhin weiter wie gehabt.

Zu ihrem Glück sind die Geister mindestens ebenso dämlich wie sie. Während eine Legion durch die Gänge torkelnder Phantome außerstande sind, Susan oder Drake zu packen, erwischen sie trotzdem nicht nur Dent, sondern auch zwei Polizisten ohne Schwierigkeiten. Allerdings profitieren die Greniers von der Tatsache, dass im Winchester-Haus zwei Geistergeschichten parallel ablaufen. Die böse Sarah und die Schnauf-Geister spuken quasi unabhängig voneinander.

Den Mund macht prinzipiell niemand auf. Dabei beschäftigt sich Sarah in ihren Spuk-Pausen damit, der gefangenen Haley Geschichten vorzulesen. Wieso erklärt sie den Eltern also nicht einfach, was sie tun sollen? Weil sonst der Film vorbei wäre? Unwahrscheinlich, da die Greniers sich selbst in einer Papiertüte verlaufen würden. Deshalb muss ein zweiter Geist die Sache in die Hand nehmen und die beiden Tröpfe auf den Dachboden dorthin führen, wo sie des Rätsels Lösung beim besten Willen nicht mehr übersehen können.

Hollywoods Laien-Darsteller treten auf

Die ‚Schauspieler‘ – man muss dieses Wort hier in Anführungsstriche setzen – sind eine gesonderte Erwähnung wert, obwohl ihr Wirken dem Zuschauer eigentlich die Sprache raubt. Hier mimen sich parallel zum miserablen Drehbuch absolute Dilettanten die Seelen aus den Leibern. Sie haben es in ihrer Mehrheit nicht einmal als ‚Gaststars‘ ins US-Fernsehen geschafft, sondern werden generell für Trash wie „Chase the Slut“ oder „A Girl, a Guy, a Space Helmet“ beschäftigt; dies sind keine erfundenen Titel, sondern Filme, in denen Michael Holmes nach „Hauting …“ aufgetreten ist. (Tomas Boykin alias Harrison Dent toppt dies allerdings mühelos mit „Nude Nuns with Big Guns“.)

Es muss aufwendig gewesen sein, die richtigen Synchronsprecher für diese Nullen zu finden. Das Ergebnis überzeugt aber auf der ganzen Linie: Ausdruckslos leiern die Sprecher herunter, was ein gelangweilter ‚Übersetzer‘ ihnen vorsetzte.

Glücklich dürfen sich die Darsteller der zahllosen Geister schätzen. Ihre Gesichter bleiben unter entsprechenden Verkleidungen unkenntlich. Bedauerlicherweise zog Regisseur Atkins auch beim Anheuern der Maskenbildner nur Nieten aus der Trommel. Selbst die permanent unterbelichteten Filmbilder können nicht verbergen, dass die Mehrzahl der Geisterfratzen wie notdürftig aus nasser Pappe geformt wirken. Selbst im Fachhandel für Faschingsbedarf fallen die Kostümierungen überzeugender aus!

Dreidimensionale Dummheiten

Nur eine ungefähre Ahnung von der Arbeit eines Drehbuchautors und Regisseur besitzend, umringt von ähnlich unbegabten Als-ob-Filmern, ohne Budget und in völliger Abwesenheit von Schauspielern, die sich diese Berufsbezeichnung nicht nur anmaßen, verfiel Atkins zu allem Überfluss darauf, „Haunting …“ in dreidimensionale Bilder zu kleiden. Schrecken, so dachte er sich wohl, kommt eher auf, wenn Geister nicht nur „Buh!“ rufen, sondern dabei ihre kalten Klauen direkt in den Zuschauerraum recken.

Theoretisch mag dies funktionieren. Praktisch hat James Cameron es in „Avatar“ eindrucksvoll bewiesen. Nur: Wird eine Geschichte so ideenlos wie „Haunting …“ erzählt, wird sie auch dreidimensional nicht besser, sondern noch ärmlicher. Außerdem bedient sich Atkins einer Uralt-3D-Technik, die außer unscharfen Bildern nur eines bewirkt: bohrenden Kopfschmerz. Die verhindern andererseits eine allzu deutliche Sicht auf die wenigen Spezialeffekte, unter denen das schlampig in die Landschaft getrickste Winchester-Haus auch deshalb besonders unrühmlich herausragt, weil immer und immer dieselbe missglückte Ansicht gezeigt wird.

Das einzige Mysterium, das „Haunting …“ erfolgreich kreiert, rankt sich um die Altersfreigabe der deutschen Fassung. Nicht einmal der verbohrteste FSK-Fundamentalist würde dieses matte Filmchen, dessen Verursacher für Gore &  Splatter schlicht kein Geld hatten, erst ab 18 Jahren freigeben. Schon Zwölfjährige werden spöttisch und zu Recht gelangweilt abschalten. So bleibt nur die Vermutung, dass der Vertrieb die hohe Einstufung wollte, um harten Horror vorzutäuschen. Hart ist „Haunting …“ in der Tat, aber auch hilfreich: Dem Gedächtnis prägen sich die Namen derer ein, die sich erdreisten, solchen Bockmist über wütende Zuschauer zu verstreuen!

Historische Anmerkung

Ach ja, weiter oben war von einer „historische Grusel-Anekdote“ die Rede: Es gibt ein echtes Winchester House. Es steht im Städtchen San José in Kalifornien. Berühmt wurde es als fixe Idee der realen Sarah Winchester (1839-1922), die nach den kurz aufeinander folgenden Toden ihrer einzigen Tochter, ihres Ehemannes und ihres Vaters davon überzeugt war, von den Geistern derer verfolgt zu werden, die mit den Winchester-Waffen erschossen wurden, welcher der Familie ihren immensen Reichtum verdankte. Angeblich riet ein Medium Sarah, ihr neues Haus niemals fertigzustellen, sodass die Geister sie in den ständig an Zahl zunehmenden Räumen nicht finden könnten. Sarah hielt sich daran und ließ Winchester House bis zu ihrem Tod vergrößern. In 38 Jahren (!) entstand ein wirrer, nie durchgeplanter Komplex mit 150 Zimmern, Sälen, Gängen und Kammern, der mit diversen Nebengebäuden und Gärten fast 24.000 Quadratmeter bedeckt. (Die auch sonst interessanten Hintergründe lassen sich hier in Erfahrung bringen.)

DVD-Features

Wesentlich interessanter als der Hauptfilm ist das markerschütternd stümperhafte aber unfreiwillig ehrlich und aufschlussreich geratene „Making of“ geraten. Hinter der Kamera sieht man unglaublich viele Leute unglaublich wenig tun. Der Chef-Tricktechniker präsentiert voll unbegründeten Stolzes seine im Hobbykeller gebastelten Filmprops, Regisseur Atkins lässt sich ausführlich über sein Stilmittel aus, die Ankunft von Geistern jeweils durch Windstöße aus dem Off anzukündigen. (Dass die ohnehin aufdringliche, in solchen Momenten überdramatisch anschwellende Musik dies völlig überflüssig macht, hat er verdrängt oder vergessen.) Für einen ‚spektakulären‘ und mehrfach tödlichen Autounfall wird ein schrottreifer Volvo-Kombi eine kaum fünf Meter tiefe Böschung hinab gerollt. Selten entlarven sich Dilettanten so erbarmungslos selbst!

[md]

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Wolfman – Extended Director‘s Cut

Erstellt von Michael Drewniok am 5. August 2010

Wolfman
Extended Director‘s Cut

Originaltitel: The Wolfman (USA 2010)
Regie: Joe Johnson
Drehbuch: Andrew Kevin Walker u. David Self
Kamera: Shelly Johnson
Schnitt: Walter Murch, Dennis Virkler u. Mark Goldblatt
Musik: Danny Elfman
Darsteller: Benicio Del Toro (Lawrence Talbot), Anthony Hopkins (Sir John Talbot), Emily Blunt (Gwen Conliffe), Hugo Weaving (Inspector Abberline), Art Malik (Singh), Simon Merrells (Ben Talbot), Mario Marin-Borquez (Lawrence als Kind), Asa Butterfield (Ben als Kind), Cristina Contes (Solana Talbot), Geraldine Chaplin (Maleva), Nicholas Day (Colonel Montford), Michael Cronin (Dr. Lloyd), David Schofield (Constable Nye), Roger Frost (Reverend Fisk), Rob Dixon (Squire Strickland) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 05.08.2010 (DVD u. Blu-ray/Steelbook-Blu-ray)
EAN: 5050582771985 (DVD) bzw. 5050582771992 (Blu-ray) bzw. 5050582789393 (Steelbook-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Norwegisch, Isländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 114 min. (Blu-ray: 119 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Schon vor Jahren ist Lawrence Talbot vor seinem despotischen Vater nach London geflüchtet, wo er sich Ruhm als Theater-Schauspieler erwerben konnte. Nach Blackmoor und Talbot Manor, das düstere Haus seiner Familie, ist er nie wieder zurückgekehrt, bis in diesem Jahr 1891 Gwen Conliffe, seine zukünftige Schwägerin, ihn um Hilfe bittet: Bräutigam Ben ist in den Wäldern um Blackmoor verschwunden. Lawrence macht sich auf den Weg, doch Sir John, sein Vater, empfängt ihn mit der Nachricht, dass Bens Leiche – in Stücke gerissen – inzwischen gefunden wurde. Die abergläubischen Dörfler beschuldigen einen Zigeunerstamm, der auf Sir Johns Ländereien sein Lager aufgeschlagen hat. Eine nächtliche Strafaktion endet als Fiasko: Eindringlinge wie Zigeuner werden von einer übermenschlich starken Bestie niedergemetzelt. Auch Lawrence, der just im Lager Nachforschungen über seinen Bruder anstellte, wird attackiert und schwer verletzt.

Aus London eilt Inspector Abberline nach Blackmoor. Er verdächtigt offen Lawrence, der als Jugendlicher nach dem Selbstmord der Mutter einige Zeit im Irrenhaus verbringen musste. Die Dorfbewohner glauben an das Wirken eines Werwolfs. Weil Laurence gebissen wurde, wollen sie ihn gefangen setzen oder töten, bevor er sich in der nächsten Vollmondnacht verwandelt. Sir John verteidigt seinen Sohn, und auch Gwen, die sich in Lawrence verliebt hat, glaubt an seine Unschuld.

Aber Lawrence trägt tatsächlich den Fluch in sich. Der Vollmond lässt den Wolf in ihm erwachen, der prompt ein Blutbad anrichtet. Sir John liefert Lawrence an Abberline aus. Lawrence landet erneut im Irrenhaus. Erst dort setzt ihn sein Vater vom Familienfluch in Kenntnis. Sir John hatte sich in Indien infiziert. Viele Jahre ließ er sich von seinem treuen Diener Singh bei Vollmond einsperren. Doch nun will er Bestie sein.

Lawrence schwört Rache. Als er erneut zum Werwolf mutiert, kann er ausbrechen. Nachdem er eine blutige Spur durch London gezogen hat, macht er sich auf den Weg nach Blackmoor. Dort warten sein Vater, der ihn töten, und Gwen, die ihn retten will, während Abberline seine Leute mit Silberkugeln munitioniert …

Kleine Geschichte wird viel zu breit getreten

1941 entstand in Hollywoods Universal-Studios unter der Regie des Routiniers George Waggner und nach einem Drehbuch des aus Deutschland vor den Nazis geflohenen Curt Siodmak „The Wolf Man“ (dt. „Der Wolfsmensch“), ein kaum 70 Minuten ‚langer‘, schwarzweißer Horror-Film der B-Kategorie, also einfallsreich aber in billigen Atelier-Kulissen und auch sonst möglichst kostengünstig heruntergekurbelt. Dennoch entstand durch das Zusammenwirken eines hochroutinierten Teams vor und hinter der Kamera ein Klassiker. Für Lon Chaney jr., der bisher als Darsteller im Schatten seines Vaters gestanden hatte, wurde Larry Talbot zur Rolle seines Lebens. In den nächsten Jahren trieb er noch mehrfach in der Werwolf-Maske sein filmisches Unwesen.

Fast sieben Jahrzehnte später investierten die immer noch aktiven Universal-Studios 150 Mio. Dollar in das Remake ihres einstigen Erfolgsstreifens – in Hollywood ist es wahrlich nicht üblich, die Wurst nach der Speckseite zu werfen! Filme mit einem hohen Anteil möglichst spektakulärer Spezialeffekte führen heute die Blockbuster-Listen an, wobei das Genre Nebensache ist: Längst kann auch ein Horrorfilm gewaltige Gewinne einfahren.

Universal sitzt zudem auf einem Archivschatz: Hier entstanden neben „Der Wolfsmensch“ die Kult-Horrorfilme der 1930er Jahre: „Dracula“, „Frankenstein“, „Frankensteins Braut“, „Die Mumie“ und andere. Diese Tradition wollte man im 21. Jahrhundert neu beleben und gleichzeitig demonstrieren, dass man auf der Höhe der Zeit zu wandeln in der Lage ist!

Es läuft aus dem Ruder

Doch Wunsch und Wirklichkeit klaffen in Hollywood oft weit auseinander. „Der Wolfsmensch“ von 1941 ist ein Kammerspiel. Es lässt sich keineswegs nur durch erhöhten Aufwand in ein Spektakel verwandeln. Unter der Regie von Joe Johnson – der erst drei Wochen vor Drehbeginn den eigentlich vorgesehenen Mark Romanek ersetzte – wurden die eigentlichen Qualitäten der Vorlage vernachlässigt. „Der Wolfsmensch“ mutierte zum Historien-Dreiecks-Duell zwischen Vater, Sohn und schöner Frau, in das sich vordergründige phantastische Züge mischen.

Testvorstellungen verliefen unerfreulich. Den schon 2008 abgedrehten Film brachte das Studios nicht in die Kinos, sondern setzte aufwändige Nachdrehs an. Hollywood-typisch blieb das in Panik geratene Studio auf denkbar dümmsten Kurs. Bevor „The Wolfman“ 2010 endlich freigegeben wurde, kürzte man den Film einerseits, während man ihn andererseits um die blutigsten Details erleichterte, um für den Film eine möglichst niedrige Altersfreigabe und damit ein größeres zahlendes Publikum zu erreichen. Doch der Verlust der turbulenten Jagd- und Metzel-Szenen vergrätzte ein Publikum, das ohnehin Wind von einem recht blutarmen, womöglich künstlerisch wertvollen Werwolf-Film bekommen und gar nicht positiv darauf reagiert hatte. Was ein bildgewaltiges, tragisches, morbides Epos werden sollte, schnurrte auf 100 Minuten zusammen – und wurde – trotzdem bzw. gerade deshalb – nicht der erhoffte Blockbuster.

Volle Kraft zurück!

16 Minuten Handlung durfte Regisseur Johnson für „Extended Director’s Cut“ nun wieder in diesen Filmtorso einflicken, um wenigstens auf dem Video-Markt Kasse zu machen. „The Wolfman“ wird dadurch kein guter aber wenigstens ein schlüssigerer Film. Das verdient er; nicht wegen des Drehbuchs, sondern aufgrund der oft berauschend schönen Bilder. Kulissenbauer, Ausstatter und Kostümbildner haben, ergänzt durch die digitalen Hexer der Neuzeit, Großartiges geleistet. Sie ließen nicht das historische England des ausgehenden 19. Jahrhunderts erstehen, sondern schufen filmgerecht eine künstliche Fantasiewelt für eine fantastische Geschichte.

Ohne Furcht vor Übertreibung und Bombast bahnt sich die Kamera ihren Weg durch diese Welt. „The Wolfman“ erinnert in diesem Punkt an Francis Ford Coppolas „Dracula“-Version von 1992 sowie an die pseudo-viktorianischen Horrorfilme der britischen Hammer-Studios. Die Farben bleiben gedeckt, immer wieder gelingen tolle Effekte mit Licht und vor allem Schatten. Zudem lässt Johnson dem Zuschauer die nötige Zeit, sich in der Geschichte einzuleben.

Auch geschlachtet wird nun wieder ohne Hemmungen. Obwohl „The Wolfman“ bereits ab 16 Jahren freigegeben ist, dürfen sich Darmschlingen aus aufgeschlitzten Unterleibern ergießen, Köpfe und Gliedmaßen fliegen oder ein (allerdings höchst unsympathischer) Irrenarzt aus hohem Fenster auf einen pfeilspitzigen Eisenzaun stürzen. Dass solche Gore- und Splatter-Effekte dem Stil der Filmerzählung widersprechen, steht auf einem anderen Blatt.

Viele Köche verderben den Brei

Womit wir zu einem Kardinalproblem dieses Films kommen. Die Story von „The Wolfman“ trägt weder über 100 noch über 115 Minuten. Sie musste künstlich gestreckt werden. Ein gutes Drehbuch hätte das Ergebnis harmonisch geglättet. Hier lässt sich viel zu deutlich erkennen, wo Nebenstränge angeflanscht wurden. Dabei verdeutlichen die aus dem Film gestrichenen oder verlängerten Szenen, die dem Hauptfilm als Features angehängt wurden, dass die drei (!) Cutter bereits kräftig gestrafft haben. So wurde Lawrence Talbots Flucht aus London ursprünglich vom Abstecher in eine Musikhalle unterbrochen, wo er auf eine blinde Sängerin trifft, die sich nicht vor ihm fürchtet – eine Reminiszenz an „Bride of Frankenstein“ (1935, dt. „Frankensteins Braut“), die mehrere Minuten ausgewalzt wird und außerdem zeigen soll, dass Lawrence auch als Werwolf menschlich ansprechbar bleibt.

Seines Sinns völlig beraubt ist der Auftritt der Zigeuner-Weisen Maleva. 1941 vertrat Maria Ouspenskaya in dieser Rolle einen griechischen Chor und kündigte eindringlich das kommende Unheil an. Nur wenige Minuten ist sie zu sehen, doch ihr Auftritt ist ebenso legendär wie Lon Chaney als Werwolf. Geraldine Chaplin geht in dem Gewimmel der vielen Figuren völlig unter. Als Lawrence sie aufsucht, gönnt ihr das Drehbuch keine Antwort auf seine Fragen. Stattdessen tobt der Werwolf durch das Zigeunerlager.

In „Der Wolfsmensch“ musste Larry Talbot mit sich bzw. dem Werwolf in sich ringen. 2010 wird daraus ein Vater-Sohn-Konflikt der plakativen Art. Dass „The Wolfman“ in seinem gleichzeitig pompösen wie vor Klischees knirschenden Finale nicht in Lächerlichkeit erstickt, verdankt Johnson einem wie so oft fabelhaft spielenden Anthony Hopkins, der keinen eindimensionalen Finsterling mimt, sondern deutlich zu machen versteht, dass der Ausbruch der Bestie auch eine Befreiung ist. (Doch als das Drehbuch den gut genährten Hopkins in einen grauen Werwolf-Pelz zwingt, ist es auch mit seiner Schauspielkunst vorbei …)

Was mache ich bloß hier?

Wer hätte damit rechnen können, dass ausgerechnet Benicio Del Toro zum schlimmsten Stolperstein dieser Geschichte würde? Sein Talent als Schauspieler belegt nicht nur sein „Oscar“ für „Traffic“ (2000). Doch als Lawrence Talbot ist Del Toro eine Zumutung. Dabei bleibt der deutsche Zuschauer vom Originalton verschont, der den unüberhörbaren hispanischen Akzent den urbritischen Adelssohnes Lawrence Talbot offenbart. Überdeutlich bleibt indes Del Toros offensichtliche Langeweile in einer Rolle, in der er sich nicht wohlfühlt. Der innere Konflikt zwischen Mensch und Wolf spiegelt sich in seinem Gesicht kaum wider. Stattdessen macht er Schafsaugen und stiert angestrengt irgendwo neben oder hinter die Kamera.

Emily Blunt bleibt wenigstens die meiste Zeit blass im Hintergrund. Als Objekt inniger Liebe will sie sich dem Zuschauer partout nicht einprägen. Als sie und Lawrence sich endlich küssen, fällt dieser aus allen Wolken, da von einer aufkeimenden Beziehung bisher wenig zu spüren war. Zu allem Überfluss weiß Gwen im Finale nie, ob sie ihren Lawrence nun retten oder erschießen will. Das kann von einem Moment zum nächsten wechseln, was immerhin den Werwolf so verwirrt, dass sie ihn schließlich überraschen kann.

Neben dem Routinier Anthony Hopkins hält sich wacker Hugo Weaving als Inspector Abberline. Dabei ist seine Rolle im Grunde überflüssig: Sir John verrät seinen Sohn, die Dorfbewohner jagen ihn, und Gwen wird ihn töten. Abberline kreuzt hin und wieder Lawrences Weg. Typisch ist sein finaler Auftritt; als er tüchtig zerkratzt und mit dem Silberdolch in der Hand auf der Szene erscheint, ist die Arbeit schon getan und der Werwolf zur Strecke gebracht.

Das Ding im Pelz

Der Mensch ist kein Wolf – und umgekehrt. Gestalt und Gang sind unterschiedlich und vor allem unvereinbar. Daraus resultiert ein Werwolf, dem kein Rick Baker und keine Digitalkunst eine glaubwürdige Erscheinung schaffen können. Immer wieder muss zumindest der filmhistorisch vorgebildete Zuschauer erkennen, dass Benicio Del Toro als Werwolf genauso plump und – ja – lächerlich aussieht wie Lon Chaney jr. oder Oliver Reed in „The Curse of the Werewolf“ (1961, dt. „Der Fluch von Siniestro“). Die Mutation kann heutzutage knochenbrechend authentisch dargestellt werden. Das Ergebnis ist damals wie heute ein Mann mit Haaren im Gesicht, der insgesamt eher an einen tapsigen Bären als an einen eleganten Wolf erinnert.

Es GIBT überzeugende Film-Werwölfe. Schon 1981 schuf Rick Baker (wer sonst?) sie für „The Howling“ (dt. „Das Tier“). Allerdings sind diese Kreaturen künstlich; kein Mensch kann sie verkörpern. Doch die Geschichte von Lawrence Talbot ist eine tragische. Er soll auch als Wolf erkennbar sein. Del Toro sollte spielen können (auch wenn er es dann nicht tat), ohne durch Spezialeffekte außer seiner Wolfsmaske eingegrenzt zu werden.

Manchmal gelingt die Illusion – weniger, wenn ein CGI-Werwolf über CGI-Dächer springt, mehr, wenn Stuntmänner den tierischen Bewegungsapparat imitieren und die Kamera sich etwas fernhält. Im großen Schlusskampf zwischen Vater und Sohn wirken die Kämpfer freilich wie US-Wrestler im Affenkostüm – ein perfektes Bild für einen Film, der viel will und verspricht, aber nur wenig umsetzen und halten kann. So schlimm wie „Van Helsing“ ist es glücklicherweise nicht geworden, da „The Wolfman“ nicht durch Komik (oder was man im Hollywood-Mainstream dafür hält) endgültig zur eierlegenden Wollmilch-Kassen-Sau getrimmt werden sollte. Angesichts des in Ansätzen spürbar werdenden Potenzials bleibt nach zwei Stunden Getümmel und Geschrei dennoch eine spürbare Enttäuschung zurück: „The Wolfman“ ist ein hohles Spektakel.

DVD-Features

Während das Publikum der Blu-ray-Fassung mit der üblichen Mischung aus „Making of“, Interviews und Dreh-Ausschnitten beglückt wird, muss sich der geizige, neutechnikfeindliche DVD-Zuschauer, der auf seinem Alt-Medium besteht und damit der Filmindustrie und dem Handel die höheren Einnahmen nicht gönnt, mit einigen verlängerten bzw. aus der endgültigen Fassung geschnittenen Szenen begnügen.

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Sanctuary – Wächter der Kreaturen – Staffel 1

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2010

Sanctuary – Wächter der Kreaturen

Staffel 1

Originaltitel: Sanctuary
Kanada (2007/2008)
Originalsprache: Englisch

Episodenlänge: jeweils ca. 42 Minuten
Gesamtspieldauer: 562 Minuten
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 5
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Erscheinungstermin: 4. August 2010
Produktionsjahr: 2009

Erstausstrahlung: 3. Oktober 2008 auf Syfy
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 2. Januar 2010 auf ATV

Regisseur: Martin Wood
Darsteller: Amanda Tapping, Robin Dunne, Emilie Ullerup, Christopher Heyerdahl, Ryan Robbins, Agam Darshi

http://www.sanctuaryforall.com/

Anfangs als Webisodes für das Internet produziert, zog der dortige Erfolg die Serie „Sanctuary“ auf den TV-Bildschirm, um den Erfolg dort zu wiederholen. 2008 mit größerem Budget gedreht, erscheint die erste Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ August 2010 endlich auch auf DVD. Dabei basieren der Pilotfilm und die erste Episode der Serie auf einen Zusammenschnitt der kurzen Webisodes, die als Bonusmaterial der Staffel beigefügt wurden.

Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ dreht sich alles um das sogenannte Sanctuary, einer weltweiten Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Welt vor Abnormen zu beschützen und die Abnormen vor der Welt. Abnorme, das sind Kreaturen, die von normalen Menschen als Monster bezeichnet würden.

Gründerin des Sanctuary ist Doktor Helen Magnus (Amanda Tapping), die ihrer eigenen Vorgeschichte wegen eine starke Verbindung zu den Abnormen hat. Sie, ihre Tochter Ashley (Emilie Ullerup), Protegé Will Zimmerman (Robin Dunne), Techniker Henry Foss (Ryan Robbins) und der hauseigene Bigfoot-Butler (Christopher Heyerdahl) bilden dabei ein unschlagbares Team im Sanctuary-Stammhaus.

Amanda Tapping ist in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ vor und hinter der Kamera Dreh- und Angelpunkt der Serie. Sie gehört mit zum Produktionsstab, ist die bekannteste Darstellerin und ihre Figur bildet gleichzeitig auch den Mittelpunkt der Hintergrundgeschichte.

Tapping, vor allen bekannt aus und durch „Stargate SG1“ und sämtlichen bisherigen Ablegern dieser Serie, kommt langsam in die Jahre (geboren 1965). Noch immer attraktiv und nun mit brünetten Haaren, überlässt sie das Feld der jugendlichen Heldin jedoch Emilie Ullerup und widmet sich einer gestandenen Charakterauslegung. Die ernsten Gespräche, philosophische Betrachtungen und alten Freunde fallen nun ihr zu. Sie führt jetzt die Herde der jungen Wilden an. Dank guter Maske, blonder Frisur und jugendlichem Aussehen, kann Tapping innerhalb der Serie sogar Ausflüge in Jugendjahre unternehmen, ohne dabei deplatziert und künstlich verjüngt zu wirken. Dabei ist die Figur der Helen Magnus so angelegt, dass auch Kampfsequenzen und historische Einblendungen nachvollziehbar sind.

Überhaupt spielt die Historie eine Schlüsselrolle in der Serie. In der Vergangenheit liegt die Antwort auf viele der Fragen, die aufgeworfen werden. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass alle Bewohner des Sanctuary ihre kleinen Geheimnisse haben. So ist es nur wenig verwunderlich, dass Jack the Ripper und Doctor Watson auftauchen und Helen Magnus (die in der Serie weitgehend nur mit ihrem Nachnamen angesprochen wird) mit einem Vampir gut befreundet ist. Die Handlung bietet einige Überraschungen, hat aber trotz aller Möglichkeiten ihre Längen.

Als Webisodes konnte „Sanctuary“ auf ganzer Linie überzeugen. Auf den Internetbenutzer abgestimmt und zu einem kleinen Preis, war die Qualität der Geschichte hervorragend. Der Sprung zur echten TV-Serie ist leider etwas zu kurz geraten. Die Handlung muss immerhin gestreckt, unterfüttert und angepasst werden. Eine Staffel „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ umfasst ganze dreizehn Episoden – die Webisodes reichten nur für drei Vollepisoden aus.

Somit wurde Helen Magnus’ Liebhaber John Druitt (Christopher Heyerdahl) viel Platz eingeräumt, eine mysteriöse Organisation namens „Die Verbindung“ eingebaut und gab es einige Änderungen in der übergreifenden Geschichte. Und das ist stellenweise deutlich zu spüren, da Wendungen und Handlungsverläufe manchmal an Schlüssigkeit vermissen lassen. Zum Ende hin (vor allem im Finale) gelingt es Regisseur Martin Wood zwar die Fäden ordentlich zusammenzuführen und die Geschichte in geordnete Bahnen zu bringen, doch bis dahin ist es manchmal nur ein steter Mischmasch aus Charakteranalyse und handlungsgetriebener Story. Während die Webisodes im Gleichgewicht waren, sucht die TV-Serie episodenweise noch ihre Balance.

Das mag unter anderem auch daran liegen, dass sich „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ an bekannten und erfolgreichen Formaten orientiert. Pate standen hier eindeutig das britische „Torchwood“ und das amerikanische „Supernatural“. Leider mangelt es „Sanctuary“ am Charme der Briten und der Härte der Amerikaner. Um bei bekannten Serien zu bleiben, so sei noch gesagt, das einige der Gastauftritte ebenfalls bekannt sein dürften. Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ handelt es sich um eine kanadische Produktion und – für TV-Mystery-Serien-Fans sicherlich eine gelungene Sache – somit haben einige Darsteller der Serie „Highlander“ ihren Weg in die Sanctuary-Produktion gefunden. Die Serie „Highlander“ war mit mehr als einhundert Episoden in den Neunzigerjahren ziemlich erfolgreich und eine franko-kanadische Produktion.

Allgemein sind sämtliche Darsteller bekannte Gesichter, meist jedoch aus der Serienlandschaft. Nur wenige haben den Sprung auf die große Leinwand geschafft und meistens nur in billigen Produktionen oder in einer Nebenrolle. Aktuell dürfte vor allem Christopher Heyerdahl bekannt sein, der in der „Twilight Saga“ Marcus Volturi gibt. Er bildet neben Amanda Tapping das zweite Schwergewicht in der Serie und – aufmerksame Leser werden es schon bemerkt haben – spielt in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ zwei Rollen. Zum Einen ist er der bösartige John, zum Anderen auch der Bigfoot-Butler des Anwesens. Beides sind anspruchsvolle Rollen, sehr unterschiedlich angelegt und jedes Mal bravourös gespielt. Einzig störend ist die plötzliche Wendung im Charakter des John, was aber schlussendlich durch die Umwandlung als TV-Serie bedingt ist.

Zusammengenommen bilden Handlung und Rollen ein rundes Gesamtpaket, in dem auch Darsteller wie Robin Dunne, Emilie Ullerup und Ryan Robbins halbwegs überzeugen. Zwar bekommen die drei des öfteren Zeit zugewiesen um ihre Charaktere auszubauen, aber noch misslingt es ihnen sich gegen die stark agierenden und sehr dominanten Tapping und Heyerdahl durchzusetzen. Ullerup wirkt mit ihren speckigen Hüften, den Pausbäckchen und der langen, dicken Knarre unfreiwillig komisch statt erotisch (wobei die jugendliche Zielgruppe sicherlich gefallen am Teenagerstyle Ashleys findet). Dunnes Zimmerman bekommt erst ab der zweiten Hälfte mehr Kraft und Robbins Waffen- und IT-Experte Henry bleibt – trotz aller offensichtlichen Bemühungen der Macher – blass.

Was bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ besonders auffällt, ist der starke Einsatz von CGI-Effekten. Es gibt kaum eine Szene in der darauf verzichtet wurde. Leider wurde auch auf das nötige Kleingeld verzichtet, um die Effekte glaubhaft darzustellen. Da die ganze Serie mit der neuen RED-Kameratechnik gedreht wurde (ein hervorragendes Verfahren zum digitalen Aufzeichnen), wird das auch sehr deutlich und in brillanter Schärfe gezeigt. So wirken etliche Einstellungen (wie die Außenansicht des Sanctuary) steril und künstlich, viele Animationen billig. Andererseits gibt es auch sehr viele gelungene Animationen, tolle und organisch wirkende Hintergründe und Einstellungen, in denen die CGI-Effekte verborgen bleiben. Dadurch entsteht eine sehr eigenwillige Mischung, die im Endeffekt für eine durchschnittliche Tricktechnik sorgt.

Die Musik ist dagegen sehr gut und stets passend ausgewählt. Sie transportiert schön die düstere und geheimnisvolle Stimmung, zieht bei der Action an und hat auch ihre ruhigen Augenblicke. Das gefällt sehr gut. Gleiches gilt für die Synchronisation der Serie. Auch hier wurde sich viel Mühe gegeben und kommt Amanda Tapping mit ihrer gewohnten deutschen Stimme daher. Großes Lob geht an den Sprecher von Christopher Heyerdahl, der seine Arbeit sehr gut und mit hörbarer Spielfreude macht.

Zusammengenommen handelt es sich bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ um eine Serie mit viel Potenzial nach oben. Die Ursprünge als Webisodes sind offensichtlich und so wirkt die erste Staffel der Serie recht durchwachsen. Das gelungene Finale macht jedoch Lust auf mehr und lässt erahnen, dass die Produktion und Regie die Serie auf eine gute TV-Linie bringen wollen. „Sanctuary – Wächter der Kreaturen – Staffel 1“ gewinnt in den letzten Folgen an Tempo weiß sehr gut zu unterhalten.

Die Präsentation der Box ist gelungen. Düster und mit allen wichtigen Darstellern versehen. Leider wird die schicke Box von einem unschönen FSK-Aufdruck verunstaltet. Bild und Ton sind hervorragend, als Sprachen liegen die deutsche und englische Tonspur vor.

Das Bonusmaterial ist eher dürftig und besteht weitgehend aus kurzen Featurettes, die einfach nur billige Promotion sind und keinen echten Mehrwert besitzen. Einzig die Webisodes wissen zu überzeugen. Alle acht Folgen sind vorhanden, leider nur auf Englisch. Aber das macht der Sache keinen großen Abbruch und vermittelt ein Bild davon, wie die Serie eigentlich aussah und aufgebaut war. Das ist ein spannender Blick hinter die Kulissen

Die Serie hat leider ihre Schwächen, aber auch Stärken. Somit ist die Box zur ersten Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ durchaus als gutes Mittelmaß zu bezeichnen.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD erhältlich bei Libri.de

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Die Horde

Erstellt von Michael Drewniok am 29. Juli 2010

Die Horde

Originaltitel: La Horde (Frankreich 2009)
Regie: Yannick Dahan u. Benjamin Rocher
Drehbuch: Arnaud Bordas, Yannick Dahan, Stéphane Moïssakis u. Benjamin Rocher
Kamera: Julien Meurice
Schnitt: Dimitri Amar
Musik: Christopher Lennertz
Darsteller: Claude Perron (Aurore), Jean-Pierre Martins (Ouessem), Eriq Ebouaney (Adewale), Aurélien Recoing (Jimenez), Doudou Masta (Bola), Antoine Oppenheim (Tony), Jo Prestia (Greco), Yves Pignot (René), Adam Pengsawang (Tscheche), Sébastien Peres (Seb), Laurent Demianoff (Kim), Alain Figlarz (Hausmeister) uva.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 01.07.2010 (DVD, gekürzt u. uncut u. Blu-ray, gekürzt) bzw. 17.07.2010 (Blu-ray, uncut)
EAN: 4006680054339 (DVD, dt. Fassung) bzw. 4006680054346 (Blu-ray, dt. Fassung)/ 4006680055299 (DVD, uncut) bzw. 4006680055305 (Blu-ray, uncut)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Französisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (DVD) bzw. 95 min. (Blu-ray)/97 min. (DVD uncut) bzw. 102 min (Blu-ray uncut)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Aurore, Ouessem, Jiminez und Tony sind vier Polizisten, denen der Kamerad Rivoallan von der Markudis-Gang verschleppt und umgebracht wurde. Zornig schreiten sie zur Selbstjustiz. Sie haben die Bande im Obergeschoss eines Hochhauses im Norden von Paris geortet, wo sie unter ihrem Anführer Adewale ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat. Das Haus ist verfallen und steht beinahe leer, denn es soll bald abgerissen werden. Die abgelegene Lage wollen die Polizisten nutzen und ein Massaker anrichten, dem keiner der Gangster entkommen soll.

Tony baut Mist, sodass die Angreifer zu früh entdeckt und gefangen werden. Adewale hält die Polizisten für die Spitze eines Kommandounternehmens. Er foltert sie und erschießt Jiminez. Auch die anderen Beamten sehen bereits dem sicheren Tod ins Auge, als erst vor der Wohnungstür und dann in ganz Paris das Chaos ausbricht: Aus unbekannten Gründen erheben sich die Toten. Sie sind Kannibalen und fallen über die entsetzten Menschen her. Stoppen kann man sie nur, indem man ihr Gehirn zerstört.

Im Hochhaus wird die Bande von den Zombies überrannt. Nur die drei Polizisten, Adewale, sein Bruder Bola und der „Tscheche“, ein psychopathischer Killer, können sich zunächst retten. In der Not schließen die beiden Gruppen sich zusammen. Sie planen, sich durch das Hochhaus ins Freie durchzukämpfen und in ein Militärlager außerhalb der Stadt zu flüchten.

Der Weg nach unten wird zum mörderischen Spießrutenlauf. Weitere Opfer fordern die immer wieder aufflackernden internen Konflikte. Zu den Überlebenden stößt immerhin der ehemalige Indochina-Kämpfer René, der seit jeher keine Gefangenen macht. Seine Unterstützung ist bitter notwendig, denn die Zombies sind zwar dumm aber aufmerksam. Sie haben bemerkt, dass in dem Hochhaus frisches Menschenfleisch auf sie wartet, und das wollen sie sich holen – hordenweise …

Hirnloses Metzel-Epos

Film-Horror aus Frankreich: Er konnte in den letzten Jahren viele neue Fans gewinnen. Streifen wie „À l’intérieur“ (2007; dt. „Inside“), „Frontier(s)“ (2007) oder „Martyrs“ (2008) fanden den Beifall eines Publikums, das zu schätzen weiß, wie traditioneller Grusel anders als in Hollywood ohne Schere im Kopf zelebriert wird: Gewalt wird in diesen Filmen nicht nur brachial dargeboten, sondern bruchlos mit Sex vermischt – Sex, der mehr ist als jene keim- und busenfreie Nacktheit, die in den USA für ruchlos und aufregend gehalten wird.

„Die Horde“ ist über weite Strecken ein echtes Schlachtfest. Nicht nur Untote werden erschossen bzw. mit Kugeln gespickt. Zum Einsatz kommen weiterhin: MG, Pumpgun, Machete, Stilett und immer wieder bloße Fäuste und Kampfstiefel. Es ist gar nicht einfach, einen Zombie auszuschalten, wie Yannick Dahan u. Benjamin Rocher uns demonstrieren möchten. Folglich werden sie malträtiert, bis die Fetzen fliegen – und dies im wahrsten Sinn des Wortes!

Diese Szenen sorgen in ihrer konsequenten Umsetzung für Momente echter Unterhaltung. (Wenn man sie denn sehen kann, was in Deutschland nur auf Umwegen möglich ist; dazu weiter unten mehr.) Ansonsten ist „Die Horde“ ein denkbar simpel gestricktes B-Movie: Es gilt, sich aus dem 15. Stock eines baufälligen Hochhauses nach draußen zu kämpfen. Gestreckt wird diese Hetzjagd durch ‚besinnliche‘ Momente, in denen die Geschichte nicht nur an Fahrt verliert, sondern ihren Klischee-Reichtum unerfreulich deutlich offenbart. Vier Autoren hat sie verschlissen; ein fünfter Autor hat sich bemüht, das Flickwerk zu einem Drehbuch zu verschmelzen. Wirklich gelungen ist es nicht.

Von A nach B

Prinzipiell ist eine einfache Story kein Manko. In diesem Zusammenhang sei an John Carpenters Klassiker „Assault on Precinct 13“ (1976; dt. „Assault – Anschlag bei Nacht“) erinnert, der sich einer recht ähnlichen Plot-Konstruktion bediente und damit glänzend unterhielt. Allerdings gelang Carpenter eine durch Ideen beflügelte Einheit aus Story, Figurenzeichnung und filmischer Umsetzung, von deren Qualitäten Dahan & Rocher – obwohl zu zweit – deprimierend weit entfernt sind.

Dabei sollte „Die Horde“ durchaus nicht einfach Action sein; es existiert eine ausführliche Hintergrund-Story. Die Darsteller tragen nicht nur ihre Waffen, sondern auch Vorgeschichten (und Vorurteile) mit sich herum, die allerdings für ein Zombie-Spektakel kaum von Belang sind. Hin und wieder erinnern die Regisseure daran, aber dies wirkt niemals überzeugend, sondern aufgesetzt und theatralische.

Zombies wollen fressen, Menschen überleben: Wenn sich Dahan & Rocher auf diesen Aspekt beschränken, funktioniert ihr Film. Dunkle Treppenhäuser und Flure mit unübersichtlichen Winkeln, in denen die Untoten lauern, sind selbstverständlich Genre-Standards. Sie erzeugen jedoch Spannung, wenn Kamera, Licht und Darsteller gut geführt werden. Weil letztere dann keine Zeit haben, sich über Familienprobleme zu streiten, wird es interessant, zumal Dahan & Rocher wie schon gesagt kein Problem damit haben, die Brutalität der ausbrechenden Metzeleien – von Zweikämpfen mag man nicht sprechen – zu gestalten.

Zum Reden bleibt (leider) immer Zeit

Es ärgert zu sehen, dass Dahan & Rocher einerseits hervorragende Schauspieler angeheuert haben, die andererseits verheizt werden, weil man sie zu Handlungen und Äußerungen zwingt, die stärker schmerzen als der Biss eines Zombies. Noch am meisten Glück mit seiner Rolle hatte Veteran Yves Pignot. Sein alter Kämpe René ist schon im Drehbuch als unverblümter Haudrauf konzipiert, der außerdem für schwarzhumorige Momente sorgt. Pignot gibt seinem Affen denn auch Zucker. Ihm gelingt eine Leistung, die gleichzeitig amüsiert und schaudern lässt, denn René ist kein tumber Schläger, sondern ein schlauer Überlebenskünstler mit psychotischen Zügen, die sogar den emotionsarmen „Tschechen“ (Adam Pengsawang) erschrecken.

Dieser gibt ähnlich hingebungsvoll den geschmacklos gekleideten osteuropäischen Unhold, der voller Wonne meuchelt und keinen Funken Gaunerehre im Leib hat. Dies verzeiht man ihm problemlos, sobald unsere gramgebeugten Zentralhelden auf der Bildfläche erscheinen. Ouessem und Adewale müssen sich, Testosteron ausdunstend, ständig umkreisen. Beiden hängen schwächliche Begleiter am Rockzipfel: Adewale muss sich um seinen hohlköpfigen Bruder kümmern, während es im Team Polizei Tony ist, der schlappmacht.

In ihrer Rolle als Aurore wirkt Claude Perron erschreckender als die Zombies. Ausgemergelt, graugesichtig und hohlwangig mimt sie eine quasi geschlechtslose Frau, der man keinen Augenblick abnimmt, dass sie a) die Geliebte des verstorbenen Rivoallan und b) von ihm schwanger ist, deshalb um jeden Preis überleben will und deshalb zur Kampf-Amazone mutiert, die notfalls auch waffenlos die Zombies reihenweise umhaut.

Geld war ebenso knapp wie Hirnschmalz

Zwar stürmen die Untoten Paris, doch Dahan & Rocher zeigen höchstens einen Straßenzug, durch den Zombie-Horden torkeln. Ansonsten bleibt die Geschichte im erwähnten Hochhaus. Das Geld war auch sonst allzu offensichtlich knapp: Nicht einmal das Haus wirkt echt, wenn es in der Totalen gezeigt wird. Miserabel getrickst sind außerdem die Blicke auf die brennende Stadt oder die Blutfontänen, die in die Höhe steigen, wenn Kugeln fliegen und Klingen wirbeln.

Übrigens wirken auch die Zombies enttäuschend ‚frisch‘. Ihre Darsteller wurden großzügig mit Kunstblut bekleckert, aber das war’s dann schon. Dahan & Rocher setzen Untote der ‚zweiten Generation‘ ein: Sie taumeln zwar im Ruhezustand à la Romero umher, doch wittern sie Beute, sind sie sehr fix auf den Beinen. Gerade in dem engen, dunklen Hochhaus sorgt diese Fähigkeit für Handlungsdynamik: Flucht ist zwecklos, man muss sich den Menschenfressern stellen, die darüber hinaus die Stimmkraft einer wütenden Raubkatze entwickeln.

Zum Schutz des deutschen Zuschauers

„Die Horde“ ist ein Film, der von seinen Gore-Effekten lebt und auch auf sie angewiesen ist. Dem deutschen Publikum dürfte die Sichtung deshalb wenig Freude bereiten: Volle sechs Minuten wurden aus der hierzulande verliehenen und verkauften Fassung gekürzt. Die Zensur, die es nur nominell in Deutschland nicht mehr gibt, befand „Die Horde“ auch für ab 18-jährige, nur theoretisch mündige Bürger als allzu krass in der Darstellung rüde zerschmetterter Schädel oder in Stücke geschossener Körper. Den Comic-Charakter des Films geruhte sie dagegen nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Die daraus resultierende Rumpffassung ist eine weitgehend sinnlose Zumutung. Das Label reagierte mit einer ungekürzten Fassung, die im oder über das Ausland erworben werden kann. Der lange Arm der deutschen Zensur bleibt in Österreich kraftlos. Sollten dort durch den Konsum gottloser Gruselfilme enthemmte Zeitgenossen ihr Unwesen treiben, wissen dies unsere südlichen Nachbarn gut zu verbergen. Gern nehmen sie Geld von frustrierten deutschen Horror-Freunden, die ihrer Zensur ein Schnippchen schlagen wollen.

Fragt sich nur, ob sich der Mehraufwand lohnt. Diese Rezension basiert auf der „Uncut“-Fassung. Sie bietet die volle Dröhnung aus Blutmatsch und Zombiegebrüll. Dennoch ist sie nur leidlich unterhaltsam. Phasenweise macht „Die Horde“ Spaß. Mit einem entweder stärker durchstrukturierten oder mit einem gänzlich auf Action setzenden Drehbuch hätte dies ein besserer Film werden können. So reiht er sich nur in die endlose Kette jener Streifen ein, die man sieht und sofort wieder vergisst, weil es ihnen nicht einmal gelingt, Ärger über die vertane Zeit zu erzeugen.

DVD-Features

Die Extras zum Hauptfilm bieten nur Standard-Zugaben („Making Of“) und lieblos aufbereitete Nichtigkeiten (Trailer, Fotos vom Storyboard, vom Set und von den Zombies). Über den Tellerrand reichen nur die Featurettes „Rivoallan“ und „Special Effects“.

Gelungen ist dagegen die Website zum Film.

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Abgelegt unter Action, FSK18 & k.J., Horror | Keine Kommentare »

[Rec] 2 – Die nächste Dimension des Grauens

Erstellt von Michael Drewniok am 22. Juli 2010

[Rec] 2 – Die nächste Dimension des Grauens

Originaltitel: [Rec] 2 (Spanien 2009)
Regie: Jaume Balagueró u. Paco Plaza
Drehbuch: Jaume Balagueró, Manu Diez u. Paco Plaza
Kamera: Pablo Rosso
Schnitt: David Gallart
Darsteller: Jonathan Mellor (Dr. Owen), Oscar Sánchez Zafra (Jefe), Alejandro Casaseca (Martos), Manuela Velasco (Ángela Vidal), Juli Fàbregas (Bombero), Ferran Terraza (Manu), Andrea Ros (Mire), Pau Poch (Tito), Àlex Batllori (Ori), Claudia Silva (Jennifer), Martha Carbonell (Senora Izquierdo), Ariel Casas (Larra), Pablo Rosso (Pablo), Pep Molina (Jennifers Vater) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 14.07.2010 (Leih-DVD u. Blu-ray) bzw. 20.08.2010 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4013575568895 (Leih-DVD) bzw. 0886976609993 (Kauf-DVD) bzw. 4013575568994 (Leih-Blu-Ray) bzw. 0886976610098 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Spanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min. (Blu-ray: 84 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Vorgeschichte (s. „[Rec]“): Ein unglücklicher Zufall verschlägt Moderatorin Ángela Vidal und Kameramann Pablo, die für einen kleinen TV-Sender arbeiten, in ein Mietshaus der spanischen Großstadt Barcelona. Auf ein telegenes heimisches Drama hoffend, geraten sie in eine von unbekannten Erregern verseuchte Todeszone, in der sich die Bewohner in tollwütige Zombies verwandeln und ihre entsetzten Mit-Mieter, die Polizei sowie das Fernsehteam attackieren. Flucht nach draußen ist unmöglich, denn Militär und Gesundheitsamt haben das gesamte Gebäude unter Quarantäne gestellt.

Fortsetzung: Ein vierköpfiges SWAT-Team wird in das Haus geschickt. Es schützt Dr. Owen, einen Seuchen-Spezialisten, der den Auslöser der Katastrophe in der Dachwohnung vermutet. In der Tat findet die Gruppe dort Beweise für geheime und krude medizinische Experimente. Die entsetzten SWAT-Männer zwingen Owen, die Hintergründe des Einsatzes zu enthüllen. Der ‚Arzt‘ entpuppt sich als Priester und Mitglied einer kirchlichen Spezial-Einheit. In der Dachwohnung wurde die von einem Dämon besessene Niña Medeiros festgehalten. Wissenschaftler des Vatikans suchten im Blut des grässlich entstellten Mädchens nach einem Gegenmittel. Niña konnte sich befreien, ihre Bewacher ausschalten und sich verstecken. Außerdem hat sie die Mieter infiziert, die ihr nun als ‚Leibwächter‘ dienen.

Das SWAT-Team wird von den Zombies dezimiert. Owen weigert sich, das Haus zu verlassen, bevor er eine irgendwo verborgene Blutprobe des Niña-Dämons geborgen oder den diesen persönlich zur Ader gelassen hat. Die Suche wird sich zum Desaster. Zur Verwirrung tragen drei neugierige Jugendliche bei, die sich Einlass ins Haus verschaffen konnten. Auch die völlig verstörte Ángela Vidal taucht wieder auf. Die Überlebenden fahnden im Wettlauf mit den Zombies nach Niña. Als diese endlich in ihrem Versteck aufgespürt wird, entwickelt sich ein bizarres Duell, das auf zwei Dimensionsebenen ausgetragen werden muss …

Irgendwie muss es ja weitergehen …

„[Rec]“ war 2007 ein in jeder Hinsicht ‚kleiner‘ Film. Mit geringem Budget gedreht und nur 75 Minuten laufend, erwies er sich dessen ungeachtet als beachtlicher Erfolg. Die beiden Regisseure und Drehbuchautoren Jaume Balagueró und Paco Plaza hatten aus der Not eine Tugend gemacht und eine Story ersonnen, die in der überschaubaren Kulisse eines einzigen Mietshauses spielte. Mit großem Einfallsreichtum hatten sie das Drehbuch in eine straffe, spannende Handlung umgesetzt. Dabei waren sie von einer fabelhaft aufspielenden Darstellerschar unterstützt worden.

Der Erfolg war also verdient, doch er zeitigte die im Filmgeschäft üblichen Folge: Als Balagueró & Plaza ihre Prominenz für neue Projekte nutzen wollten, lenkten potenzielle Produzenten das Verhandlungsgespräch stets auf ein bestimmtes Thema: Sie wünschten keine Experimente, sondern Investitionssicherheit, und das bedeutete: Auf „[Rec]“ sollte „[Rec] 2“ folgen. Die Filmindustrie hasst das Unbekannte. In dieser Hinsicht ist sie international. Sie kann dabei auf die Zustimmung eines Publikums bauen, das in seiner Mehrheit an der Fortsetzung einer spannenden Geschichte interessiert ist.

Balagueró & Plaza bissen in den vielleicht gar nicht allzu sauren Apfel und schmiedeten ihr Eisen, solange es noch heiß war. Dummerweise ergab sich ein Problem: Die [Rec]-Geschichte war erzählt und hatte ihr offenes aber logisches Ende gefunden. Das von Zombies befallene Mietshaus war vom Keller bis zum Dach genutzt. Für neue Entwicklungen gab es buchstäblich keinen Raum mehr.

Vom Doku-Drama zum Genre-Spektakel

In Hollywood hätte die Konsequenz so ausgesehen: Machen wir es einfach noch einmal, aber dieses Mal größer! In gewisser Weise haben auch Balagueró & Plaza diesen Weg beschritten. „[Rec] 2“ bietet mehr Beißereien, mehr Blut, mehr Tricks, mehr Geschrei & rennendes Zombie-Futter.

Immerhin erfährt der Plot eine echte Erweiterung. Der Zuschauer muss entscheiden, ob ihm die neue Richtung gefällt. Balagueró & Plaza waren sich des Risikos bewusst, wie sie im „Making Of“ betonen. „[Rec]“ faszinierte als „Mockumentary“, d. h. als Mischung aus fiktiver, aber realistisch wirkender Dokumentation und Spielfilm. Die Handlung blieb Beobachtung; eine Begründung dafür, dass brave spanische Bürger sich in kannibalische Untote verwandelten, wurde nie gegeben. Das Rätsel unterstützte die Atmosphäre ständiger Unsicherheit. Die noch nicht infizierten Mieter schwebten nicht nur in Lebensgefahr, sondern in Ratlosigkeit. Dank der subjektiven Kamera gesellten wir, die Zuschauer, uns zu ihnen.

In „[Rec] 2“ geben Balagueró & Plaza die Illusion der Realität vollständig auf. Aus Zombies werden plötzlich Dämonen, das Haus wird zur geheimen Experimentierstätte einer obskuren Kirchentruppe, die – Dan Brown lässt grüßen – in einem seit Jahrzehnten oder Jahrhunderte währenden, der Öffentlichkeit sorgsam verschwiegenen Kampf mit dem Teufel verwickelt ist.

Dämonen sind schwatzhaft

Gänzlich abwegig ist die Kombination von Zombies und Dämonen nicht. Im „Making Of“ nennen die beiden Regisseure den Filmklassiker „Der Exorzist“ als Vorbild. Wenn dort die vom Heuschrecken-Unhold Pazuzu befallene Regan grässlich flucht, in Stimmen spricht und Erbsensuppe spuckt, wirkt sie tatsächlich wie eine Vorgängerin der unglücklichen Niña Medeiros.

Mit der höllischen Herkunft unserer Dämonen-Zombies erben wir freilich auch ein dickes Bündel einschlägiger Klischees. Während Zombies wohltuend stumm bleiben, reden Dämonen gern und viel. Auf diese Weise erfahren wir, dass die seltsamen Vorgänge in unserem Mietshaus nur einen weiteren von Beelzebubs ständigen Versuchen darstellt, sich die Erde untertan zu machen. Dies ist Kindergarten-Theologie auf Fundamentalisten-Niveau: einfach lächerlich.

Wo Film-Dämonen heulen, sind die Diener der Kirche nie weit. Dr. Owen erweist sich als typisches Exemplar seiner Gattung: Er ist fromm, verschlagen und liebt es, sich in kryptischen Andeutungen zu ergehen, statt klipp und klar zu erläutern, was vor sich geht. Stattdessen murmelt er beschwörende Gebete und schwenkt das Kruzifix, denn offenbar beschränkt sich der Krieg zwischen Himmel und Erde auf die christlich geprägen Regionen unseres Erdballs.

Roter Faden mit deutlichem Knick

Ein ökonomisches Erzählen wie in „[Rec]“ gelingt Balagueró & Plaza mit der Fortsetzung nicht mehr. Dies liegt nicht nur an der Entscheidung, die Ereignisse nicht konventionell zu filmen, sondern wie gehabt aus der Sicht einer vermeintlich ins Getümmel geworfenen Kamera zu zeigen; ein Effekt, der gut variiert wird aber nicht mehr überraschen kann. Auch die Story ist eine (in den Effekten aufgeladene) Kopie des Vorgängerfilms; nicht Reporter, sondern SWAT-Männer erfahren nun das Grauen im Mietshaus. Sie tragen Helmkameras, die über eine Bild-im-Bild-Funktion verfügen, sodass wir zeitweise in den Simultan-Genuss zweier schwankender, schaukelnder, absichtlich schlecht belichteter und ‚authentischer‘ Filme kommen. (Übrigens kann die Einnahme eines Mittels gegen Seekrankheit die daraus unter Umständen resultierende Übelkeit verhindern.)

Verhängnisvoll ist der Entschluss, in der zweiten Filmhälfte den chronologischen Fluss der Ereignisse zu stoppen, in der Zeit zurückzuspringen und das Haus zu verlassen, um ‚frisches Blut‘ in Gestalt eines Feuerwehrmannes und dreier Teenies zu rekrutieren. Die klaustrophobische Enge der Räume und die daraus resultierende Unmittelbarkeit der Handlung prägen die [Rec]-Atmosphäre entscheidend. Es ist schwer nachvollziehbar, wieso Balagueró & Plaza dies aufgeben, zumal sie dabei drei ausgesprochen unsympathische Charaktere einführen: Mire, Tito und Ori sind dämliche Schwachköpfe, die viel zu lange greinen und die Handlung aufhalten, bis sich die Zombies endlich ihrer bzw. unser erbarmen.

Wenn dies geschieht, laufen die beiden getrennten Handlungsstränge endlich wieder zusammen. Kurz zuvor ist Ángela Vidal ins Geschehen zurückgekehrt. Auf die Prominenz von Manuela Velasco wollten Balagueró & Plaza offensichtlich nicht verzichten, auch wenn ihre Figur eher schlecht als recht in die neue Story passt und Velasco lange tatenlos herumsteht.

Ein Meisterwerk des Kulissenbaus

Schaut man sich „[Rec]“ und „[Rec] 2“ direkt hintereinander an, beeindruckt die Leistung der Kulissenbauer und Ausstatter noch stärker. Obwohl zwei Jahre zwischen beiden Filmen liegen, konnte die Kontinuität bruchlos gewahrt werden. Dies betrifft nicht nur die ‚großen‘ Kulissen wie das Treppenhaus, die Dachwohnung oder die Weberei im Keller. Jedes Foto, jedes Reagenzglas, jedes Bild liegt, steht oder hängt dort, wo wir es im ersten Teil gesehen haben.

Vor allem die Dachwohnung ist ein (Alb-) Traum aus Schmutz, Gilb und Verkommenheit. Allerdings haben wir auch sie bereits kennengelernt. Folgerichtig öffnen Balagueró & Plaza in der Fortsetzung weitere Räume und Gänge. Überzeugend ist dies nicht bzw. wird es erst, als eine der wirklich neuen Film-Ideen zündet: Nur der Monitor der Nachtbildkamera enthüllt Türen und Winkel, die im normalen Licht unsichtbar bleiben, weil sie außerhalb des Raum-Zeit-Kontinuums existieren. Solcher Einfallsreichtum steht „[Rec] 2“ wesentlich besser zu Gesicht als ein exzessives Plus an digitalen Effekten, so gelungen sie auch sind!

Obwohl „[Rec] 2“ anders als der Vorgänger bereits ab 16 Jahren freigegeben wurde, spritzen Blut und Körperfetzen wesentlich großzügiger als 2007. Die Zensur reagiert anscheinend weniger empfindlich, wenn es ‚nur‘ Zombies sind, denen die Köpfe weggeschossen werden. Die meisten Metzeleien gehen ohnehin im Gewackel der Kamera unter.

Neue Gesichter und alte Bekannte

„[Rec]“ war ein Horror-Kammerspiel mit sorgfältig gezeichneten, gut differenzierten Figuren, die das Publikum kennenlernen und an deren Schicksalen es Anteil nehmen konnte. Auch dies ging in der Fortsetzung über Bord. Wohl unfreiwillig fanden Balagueró & Plaza die perfekte Illustration für diesen Verlust: Die meisten Zuschauer werden vermutlich gar nicht registrieren, dass sämtliche Darsteller aus Teil 1 wieder mit dabei sind. Sie sind nun Zombies und haben unter ihren Masken fast jede Individualität verloren. (Die arme Senora Izquierdo wird wieder in Stücke geschossen, kommt aber im Handlungs-Off unverdrossen wie immer auf die Füße – eine der vielen Parallelen zum Vorgängerfilm.)

Die neuen Hauptfiguren sind Klischees. Zum Priester in göttlicher Mission gesellen sich harte Kämpfer mit weichen Herzen oder die schon erwähnten Dumm-Teenies. Es bleibt meist nur wenig Zeit, sich wenigstens ihre Gesichter zu einzuprägen, bis sie buchstäblich der Teufel holt. WEN erwischt es? Gleichgültig; interessant ist höchstens, WIE der Tod kommt.

Den Darstellern kann man deshalb primär für die ausgezeichnete Bewältigung eines handwerklich komplizierten Jobs gratulieren. Sie agierten nicht klassisch vor der Kamera, die sich stattdessen mitten unter ihnen befand und sich mit ihnen bewegte. Ohne die gewohnte Distanz waren sie zu einem Spiel gezwungen, das nie Schau sein durfte, weil dies die gnadenlos direkt auf sie gerichtete Linse entlarvt hätte. Die Darsteller mussten die Kamera gleichzeitig vergessen und in ihr Spiel integrieren. Hinzu kamen technische Schwierigkeiten, die sich aus den Dreharbeiten in einem echten Haus mit beschränkten Raumverhältnissen ergaben.

Die Erfahrungen, die das Team mit „[Rec]“ machen konnte, ließen es vor und hinter der Kamera die Herausforderungen bestehen. Obwohl die Fortsetzung wie so oft dem Original deutlich unterlegen ist, ist „[Rec] 2“ manchmal enttäuschend aber niemals langweilig. Das Tempo ist und bleibt enorm, und zumindest im Haus bleibt die Handlung ohne Abschweifungen.

DVD-Features

Auch in Deutschland lief „[Rec]“ nicht im Kino, sondern vor allem auf DVD bzw. Blu-ray sehr erfolgreich. Damit „[Rec] 2“ daran anschließt, wurde recht großzügig Bonusmaterial aufgespielt. Anderthalb Stunden läuft dieses Hintergrundmaterial, das sich allerdings eher durch Masse als durch Klasse auszeichnet.

So finden wir die meisten Szenen des „Making Of“ im 50-minütigen Feature „Behind  the Scenes“ wieder. Letzteres stellt anhand dreier exemplarischer Szenen den Alltag vor und hinter der Filmkamera dar, der durch Proben, Aufbauen und Warten geprägt ist. Zwischendurch kommen Balagueró & Plaza zu Wort, die einerseits mit interessanten Infos aufwarten, während sie sich andererseits vergeblich bemühen, den Kommerz als Primärquelle für „[Rec] 2“ zu verschleiern.

Weiterhin gibt es Impressionen von den Filmfestspielen in Venedig und Sitges 2009 sowie von der Vorpremiere des Films in Paris („Rec 2 on Tour“) und von einer Pressekonferenz in Sitges; der Informationsgehalt hält sich in engen Grenzen, da die Fragen der Journalisten meist dumm und die Antworten der Filmleute unverbindlich sind.

Im Internet gibt es eine aufwendig gestaltete Website zum Film.

Nachtrag

Ob sie denn bereits über „[Rec] 3“ nachdächten, fragte ein Fan Balagueró & Plaza in Paris; man müsse erst einmal abwarten, wie sich der zweite Teil an den Kassen schlage, so die diplomatische Auskunft. Nachdem „[Rec] 2“ zwar nicht mehr das ungeteilte Wohlwollen der Kritik finden konnte, vom Publikum jedoch sehr gut angenommen wurde, ist diese Frage inzwischen geklärt. (Falls man einer Website Glauben schenkt, die den wenig Vertrauen erweckenden Titel „www.bloody-disgusting.com“ trägt.) „[Rec] Génesis“ wird 2011 die Vorgeschichte zum Dämonen-Sabbat erzählen, der mit „[Rec] Apocalipsis“ 2012 seinen Höhepunkt und sein Ende finden soll.

[md]

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Splintered – Glaubst du an Monster?

Erstellt von Michael Drewniok am 15. Juli 2010

Splintered – Glaubst du an Monster?

Originaltitel: Splintered (GB 2008)
Regie: Simeon Halligan
Drehbuch: Mat Archer, Simeon Halligan u. Stephen Trimingham
Kamera: Michael Costelloe
Schnitt: Tom Grimshaw u. Celia Haining
Musik: Richard Bodgers
Darsteller: Holly Weston (Sophie), Sacha Dhawan (Sam), Sadie Pickering (Jane), Jonathan Readwin (Dean), Sol Heras (John), Colin Tierney (Vater Thomas), Stephen Walters (Gavin/Vincent), Holly Messenger (Sophie als Kind), David Bowen (Vater Jacobs), James Roach (Kreatur) u. a.
Label/Vertrieb: KSM – Krause & Schneider Multimedia (www.ksmfilm.de)
Erscheinungsdatum: 02.07.2010 (Leih-DVD) bzw. 16.08.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4260181985510 (Leih-DVD) bzw. 4260181981130 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Die durch schlimme Kindheitserlebnisse traumatisierte Sophie flüchtet sich in ihr Interesse an übernatürlichen Phänomenen. Als sie in den Nachrichten von einer seltsamen Kreatur erfährt, die angeblich im nördlichen Wales Schafe und Bauern attackiert, beschließt Sophie, eine private Such-Expedition zu starten. Begleitet wird sie von ihrer besten Freundin Jane, deren Freund John, dem phlegmatischen Sam sowie Janes Nerd-Bruder Dean, weil dieser eine Kamera besitzt.

Beim nächtlichen Campen zettelt der eingebildete John einen Streit an. Zornig stürmt Sophie in den Wald. Der fürsorgliche (und geile) Sam folgt ihr. Als Sophie eine verdächtige Gestalt in der Dunkelheit entdeckt, nimmt sie mit Sam die Verfolgung auf. Sie endet in den Ruinen von St. Joseph’s, einem nach für die katholische Kirche unerfreulichen Skandalen aufgegebenen Waisenhaus. Dort verschwindet John spurlos, während Sophie vom verrückten Gavin gefangengenommen und in eine alte Zelle gesperrt wird: Nach eigener Auskunft will Gavin sie „beschützen“, denn in dem alten Gemäuer gehe ein gefährliches Ungeheuer um.

Besorgt haben sich Jane, Sam und Dean inzwischen auf die Suche nach den Freunden begeben. An anderer Stelle macht sich Vater Thomas auf den Weg nach St. Joseph’s. Dort hat er einst gearbeitet – und Gavin über die Leiche von Vater Jacobs gebeugt gefunden. Zwar beteuerte Gavin seine Unschuld und nannte seinen Bruder Vincent als Täter, der jedoch schon Monate zuvor gestorben war. Gavin flüchtete, aber Thomas hat erfahren, dass er zurückgekehrt ist. Er will ihn stellen und seinen Mentor Jacobs rächen. In den endlosen Gängen des Waisenhauses müssen Sophie, ihre Freunde und Vater Thomas lernen, dass Gavin zwar irre ist aber sehr wohl die Wahrheit sagt. Auch Vincent ist heimgekehrt – und er hasst Besucher …

Psychologischer Horror und schnöde Realität

Zwar ist „Splintered“ sein erster ‚richtiger‘ Spielfilm, doch Simeon Halligan ist kein Neuling im Filmgeschäft. Er hat sein Handwerk sogar studiert; das „Royal College of Art” verließ er 1995 mit einem Abschluss, für seine Kurzfilme „Sleep My Love“ und „Triple Exposure“ wurde er mit Preisen ausgezeichnet. „Not a Number Productions“ gründete Halligan bereits 1998 als Plattform für künftige Langfilm-Projekte. Dennoch dauerte es ein Jahrzehnt, bis sein Debütwerk entstand. Bis es soweit war, drehte Halligan für Fernsehen und Werbung.

Die Voraussetzungen waren also vielversprechend. Das niedrige Budget bildete kein gravierendes Hindernis. Ein Regisseur, der weiß, was er will, kommt mit finanziellen Einschränkungen zurecht. Außerdem ging Halligan auf Nummer Sicher: Er wählte sich für sein Debüt ein Genre, das als überaus anfängertauglich gilt: Auch ‚billige‘ Horrorfilme können gelingen, und das Publikum ist – je nachdem – freundlich oder anspruchsarm.

Außerdem segelt Halligan unter falscher Flagge. „Splintered“ ist nach seiner Aussage ein „psychologischer Horrorfilm“. So werden in der Werbung gern Filme bezeichnet, die pure Unterhaltung mit einem gewissen Anspruch mischen, was einerseits ein Risiko bedeutet, bei gutem Gelingen jedoch andererseits eine simple Gruselgeschichte durch einen tiefsinnigen Kontext bereichern kann.

Halligan hat sich den Spagat nicht leicht gemacht. Etwa 30 Drehbuchentwürfe haben er und seine beiden Mitautoren verfasst, wie wir dem „Making Of“ entnehmen können. Womöglich erging es ihnen wie dem entnervten Sam, der während der verhängnisvollen Expedition in die Wildnis von Wales schimpft, er könne den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen: „Splintered“ zerfällt als Geschichte in Einzelteile, die nie zu einer stimmigen Gesamtheit finden.

Geschichte? Welche Geschichte?

Der kluge Schuster bleibt als Anfänger beim bewährten Leisten und setzt nur punktuell eigene Akzente: So kann solide Unterhaltung entstehen. Leider stützt sich Halligan auf eine allzu ausgelaugte Grundstory. Mit einer recht fadenscheinigen Erklärung schafft er sein zentrales Quintett in den Wald und zum „St. Joseph’s“. Dort verliebt er sich in das pittoreske Bauwerk und hetzt seine Darsteller durch möglichst viele Räume, Säle und Gewölbe, die er, der auch als Filmausstatter gearbeitet hat, liebevoll und detailreich mit staubigem Gerümpel ausgestattet hat. Ein unsichtbarer oder sorgfältig im Filmschatten gehaltener Bösewicht metzelt unsere neugierigen Geisterjäger nieder. Als alles verloren scheint, mischt sich ein zerquälter Priester ein, der sich selbst eine Mission verordnet hat. Daran schließt sich viel Gerede an, um ein Rätsel zu lüften, das selbstständig zu lösen der Zuschauer nie eine Chance hatte (und trotzdem nicht überrascht). Es folgt ein blutreiches Finale mit dem wie üblich unkaputtbaren, d. h. tausend Tode sterbenden und immer wieder auferstehenden Unhold.

Halligan weiß durchaus um die Klischees und versucht sie entweder sinnvoll zu nutzen oder abwechslungsreich abzuwandeln. „Splintered“ unterscheidet sich vom üblichen Routine-Horror aus Hollywood durch ein deutlich ‚raueres‘ Ambiente. Licht und Dunkelheit werden absichtlich nicht sorgfältig ‚gesetzt‘, um an sich düstere Winkel ‚zufällig‘ auszuleuchten. Stattdessen kommt empfindliches Filmmaterial zum Einsatz, das auch bei geringer Lichtstärke die Darsteller und ihr Spiel sichtbar werden lässt.

In Bocksprüngen zum Finale

Damit kann Halligan freilich das zentrale Manko seines Films nicht tilgen: Die Story entwickelt sich nur holprig und in Sprüngen. Das Timing stimmt nicht. Dem überlangen Auftakt im Teenie-Movie-Stil folgt ein solider Mittelteil, den ein völlig aus dem Lot geratendes Finale mehr schlecht als recht abschließt. Nicht einmal das forcierte Tempo hilft über die gewaltigen logischen Lücken hinweg. (Besonders hübsch und beispielhaft ist dieses Schlussdetail: Sophie taumelt blutüberströmt eine Straße entlang. Ein Krankenwagen nähert sich – und bleibt mindestens zweihundert Meter vor ihr am Straßenrand stehen. Zwei Pfleger springen heraus, stürmen mit einer Decke auf sie zu und schleppen sie zur Ambulanz zurück …)

Die von Halligan, den Drehbuch-Kollegen und den Schauspielern gelobte Sub-Story, der „Splintered“ (= „Zertrümmert“) letztlich seinen seltsamen Titel verdankt, ist zum einen für diese Geschichte überflüssig, weil sie ihr zum anderen nur aufgepfropft wird, statt integriert zu werden. Sophie assoziiert den aktuellen Schrecken mit dem Missbrauch, den sie als Kind durch ihren Vater erfuhr. Dies schwächt sie zunächst, wird aber letztlich zur Quelle ungeahnter Widerstandskraft. Halligan scheint nicht zu begreifen, dass Sophies Erfahrung nur ein Detail ist und bleibt. Die triviale Story, in die es eingebettet ist, kann es niemals aufwerten oder auch nur spannender machen.

Ein Regisseur kann zu freundlich sein

Immer wieder rühmen die Darsteller im „Making Of“ die Bereitwilligkeit, mit der sich ihr Regisseur in Diskussionen über das Drehbuch einließ. Offensichtlich wurde dabei jede ursprünglich vielleicht vorhandene Stringenz zerredet. Die meisten Darsteller chargieren jedenfalls wie endlich von der Leine gelassene junge Hunde. Vor allem Sacha Dhawan, Jonathan Readwin und Sadie Pickering mimen das selbstgefällige Arschloch, den schüchternen Tropf und die freundliche aber hohlköpfige Blondine allzu überzeugend – man kann es als Zuschauer gar nicht erwarten, dass die Bestie vom St. Joseph’s ihnen endlich die Lebenslichter ausbläst.

Sol Heras bleibt gänzlich profillos, während Colin Tierney seinen Vater Thomas als Imitation (oder Karikatur?) von Vater Merrin aus den beiden ersten „Exorzist“-Filmen anzulegen scheint. Stephen Walters gibt in seiner Doppelrolle gut geschminkt dem darstellerischen Affen tüchtig Zucker. Er kann als ‚guter‘ und ‚böser‘ Irrer gar nicht genug Gas geben. Zuckend, stammelnd und speichelnd lässt er jegliche Zurückhaltung hinter sich und tut gut damit.

Glück hatte Halligan mit der Wahl von Holly Weston als Sophie. Das ehemalige Model ist nicht nur außerordentlich hübsch, sondern auch schauspielerisch begabt. Wenn Regisseur und Drehbuchautor Halligan es ihr gestattet und Weston nicht durch Müll robben und steile Dachabhänge hinab rutschen muss, vermittelt sie glaubhaft weil eher andeutungsweise einen fragilen, beschädigten Charakter.

Blut und Spiele

War es Ratlosigkeit oder die Suche nach dem größten gemeinsamen Zuschauer-Nenner, der Halligan dazu veranlasste, seinen „psychologischen Horrorfilm“ mit lupenreinen Splatter-Effekten aufzupeppen? Eigentlich vermisst man sie nicht. Wenigstens sind sie professionell umgesetzt, wenn auch variationsarm: Ständig werden einem Pechvogel Fleischfetzen aus dem Hals gerissen. Da sorgt ein durch den Magen gerammtes Brecheisen für willkommene Abwechslung …

Das eindrucksvolle, weil verlassene und verfallende Waisenhaus St. Joseph‘s ist übrigens weder Kulisse noch – in seinen Außenansichten – ein Produkt von Filmtricks, sondern eine echte Ruine: St. Joseph’s College wurde 1880 als Seminar für den römisch-katholischen Priesternachwuchs im nordwestlichen England gegründet. Es steht im Walthew Park nahe der Kleinstadt Upholland in der Grafschaft Lancashire. 1991 wurde es geschlossen, weil nicht mehr genug Studenten den Weg in die riesige Einrichtung fanden. Seitdem steht St. Joseph’s leer. Örtliche Künstler nutzen die gewaltigen Zimmerfluchten und Säle für Installationen und Ausstellungen. Auch Film und Fernsehen nutzen St. Joseph’s gern. Außer „Splintered“ entstanden hier u. a. die hochkarätige BBC-Mini-Serie „Apparations“ (2008) sowie einige Episoden der Soap-Opera „Hollyoakes“.

DVD-Features

Die Extras zum Hauptfilm beschränken sich auf die üblichen Nichtigkeiten wie den Trailer und eine Bildergalerie. Hinzu kommt die zwar gedrehte aber nachträglich gestrichene Schlussszene: Es gibt gar keinen Vincent; die verrückte Sophie hat sich durch St. Joseph’s gemetzelt. Wenigstens einmal hat Regisseur Halligan begriffen, dass man es mit den Klischees übertreiben kann.

Eine Orgie der gegenseitigen Beweihräucherung ist das Feature “Behind the Scenes“. Zu allem Überfluss wurde es in vier Mini-Filmchen zergliedert. Immerhin für unfreiwilligen Humor sorgt der Tricktechniker, als er „noch nie gesehene Spezialeffekte“ ankündigt und dabei mit einem Plastik-Fleischerbeil wedelt.

Es gibt eine Website zum Film.

[md]

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Das Haus der Verfluchten

Erstellt von Michael Drewniok am 9. Juli 2010

Das Haus der Verfluchten

Originaltitel: The Haunting at the Beacon/The Beacon (USA 2009)
Regie u. Drehbuch: Michael Stokes
Kamera: Don Reddy
Schnitt: Stephen Lovejoy
Musik: John Majkut
Darsteller: Teri Polo (Bryn Shaw), David Rees Snell (Paul Shaw), Elaine Hendrix (Vanessa Carver), Jonny Cruz (Simon Valencia), Kelli Dawn Hancock (Officer Kit Karasic), Ken Howard (Officer Ford), Michael Ironside (Officer Ned Hutton), Kevin Scott Keating (James Nash), Austin Lux (Ronnie Nash), Ben Lux (Danny Shaw), Marnette Patterson (Christina Wade), Everett Sifuentes (Mr. Butters), Nick Sowell (Will Tyler) uva.
Label/Vertrieb: Savoy Film/Schröder Media (www.savoy-film.de)
Erscheinungsdatum: 20.05.2010 (DVD u.  Blu-ray)
EAN: 9120027344831 (DVD) bzw. 9120027345227 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,77 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch

DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min.
FSK: 16

Titel bei Amazon.de  (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Vor zwei Jahren haben Paul und Bryn Shaw ihren Sohn Danny bei einem tragischen Unfall verloren; die Leiche wurde nie gefunden. Bryn überlebte knapp einen Selbstmordversuch und muss noch immer Medikamente nehmen. Dennoch versucht das Paar einen Neuanfang, als Paul eine Dozenten-Stelle in der texanischen Großstadt Dallas angeboten wird. Das Glück scheint ihnen endlich zu winken, als sie eine schöne Wohnung für erstaunlich wenig Geld im alten aber vornehmen Beacon-Gebäude finden.

Nach dem Einzug freunden sich die Shaws mit den meisten Mietern schnell an. Bryn, die sich als Fotografin einen Namen gemacht hat, packt sogar ihre Kamera wieder aus. Allerdings scheint sie einen psychotischen Rückfall zu erleiden, als sie darauf besteht, Streitgeräusche aus der Nachbarwohnung gehört zu haben. Die alarmierte Polizei findet die Wohnung leer; die Familie Nash ist vor Monaten ausgezogen, seit Sohn Ronnie bei einem ‚Unfall‘ im Fahrstuhlschacht zu Tode kam.

Ronnie geistert im Beacon umher und sucht nach Rettung vor seinem bösen Vater James, der sich inzwischen umgebracht hat und ebenfalls spukt: Dies ist jedenfalls Bryns Meinung, der sich Schwester Christina und Gatte Paul wenig aufgeschlossen zeigen und vielsagend Bryns Pillenflasche schütteln. Paul ist ohnehin abgelenkt, denn die schöne Nachbarin Vanessa hat ein Auge auf ihn geworfen, der seine Rolle als Hüter der psychisch angeschlagenen Gefährtin längst satt ist. Zu allem Überfluss hat die geistig ebenfalls aus dem Lot geratene Polizistin Kit Karasic den Verdacht, dass Bryn ihren Sohn umgebracht hat, und beginnt sie zu beschatten.

Dass tatsächlich Geister im Beacon umgehen, wird Paul erst klar, als er selbst bespukt wird. Er begreift, dass es die Phantome auf seine Frau abgesehen haben. Mit der Polizei im Schlepptau rast er zum Beacon, wo alle Masken fallen und ein echter Gespenster-Sabbat losbricht …

So sollte es eigentlich ablaufen

Obwohl es gemeinhin etwas langsamer als sonst im Horrorfilm zur Sache geht, weiß die Mehrheit des Publikums einen guten Spuk zu schätzen. Es ist die Kunst der Andeutung, die den Unterschied zum Splatter markiert. Während dort im Vordergrund geschlachtet wird, bleibt der Spuk buchstäblich hintergründig. ‚Gute‘ Geister springen nicht aus Schränken oder hinter Büschen hervor. Zu den Regeln des Spuk-Genres gehört außerdem die allmähliche und sorgfältige Vorstellung des Ortes, an dem es umgeht. Anfänglich scheint alles in Ordnung zu sein, was der Filmprofi korrekt dechiffrieren kann: Diese Wohnung, dieses Haus ist viel zu günstig, zu groß, zu schön, um wahr zu sein.

In der Tat kommt es langsam aber sicher zu Brüchen. Schatten wabern, ominöse Geräusche erklingen; Gegenstände wechseln ihre Positionen, ohne berührt zu werden. Zunächst wiegen sich die Betroffenen in Sicherheit, reden von Täuschung und Irrtum. Nur widerwillig stellen sie sich der Tatsache, dass sie von unsichtbaren Mächten heimgesucht werden.

Auf die Akzeptanz folgt der Versuch der Gegenwehr. Schlaue Bücher werden gewälzt, Geisterjäger interviewt, Exorzismus-Riten geübt. Der Erfolg stellt sich ein, ist aber nur Illusion, der Rückschlag umso heftiger. Wenn das Finale naht, das hier gleichzeitig Höhepunkt ist, lassen die Geister alle Hemmungen fallen. Ein Hexensabbat bricht los. Der Ausgang ist ungewiss; der Spuk-Film benötigt kein Happy-end, sondern kann genauso mit dem Sieg des Jenseits‘ enden, was in der Regel das Ende der menschlichen Gegenseite bedeutet, die sich anschließend den Geistern anschließt.

Wie man alles falsch macht, was möglich ist …

Liest man diese Beschreibung des ‚typischen‘ Spukhaus-Films, meint man zunächst „Das Haus der Verfluchten“ darin wiederzufinden. Diese Aussage wird freilich jeder Zuschauer, der das Pech hatte, anderthalb Stunden im Beacon-Building verbringen zu müssen, eifrig (und zornig) verneinen. Regisseur und Drehbuchautor Michael Stokes beschränkt seine Job darauf, sämtliche Elemente des Genres zu zitieren, um sie dann in Klischees zu verwandeln. Er variiert sie nicht einmal, sodass weder Handlung noch Optik noch Darsteller für Überraschungen gut sind. Schon nach spätestens zehn Minuten weiß man, wie sich die Geschichte entwickeln wird.

Wobei hauptsächlich die Freunde des unfreiwilligen Humors auf ihre Kosten kommen werden. „Das Haus der Verfluchten“ präsentiert logische Lücken von einer Tiefe und Breite, die mit den Ozonlöchern über den irdischen Polen wetteifern. An dieser Stelle können nur einige Klopfer bloßgestellt werden. Ganz vorn auf der Liste steht sicherlich Stokes‘ Definition von ‚Geist‘. Grundsätzlich wären die Spukgestalten des Beacon gar nicht auf die durch das Drehbuch verordnete Dämlichkeit der menschlichen Darsteller angewiesen, denn Stokes definiert sie als Fleisch gewordene Seelen, die ihre Körper aufleben lassen und ihr ‚Leben‘ fortsetzen können. Was fehlt, sind die Emotionen, die sich die Geister über die Gefühlsreaktionen ihrer Mieter verschaffen müssen.

Weil dies ein Horrorfilm ist, fällt ihnen nicht etwa ein, ihre Opfer einfach zum Lachen zu bringen oder andere Freuden zu stimulieren. Stattdessen führen nur Schmerz und Leid zum gewünschten Mit-Gefühl. Also wird Angst eingejagt und auf Selbstmord gehofft. Wieso die damit verbundenen Darbietungen unbedingt im Beacon stattfinden müssen, bleibt unklar, denn die Geister können sich frank & frei und auch im hellen Sonnenschein ‚draußen‘ tummeln. Sie scheinen mit dieser gespenstischen Freiheit freilich selbst nicht zurechtzukommen; so greift sich Geist James Nash nicht einfach die allzu neugierige Christine, sondern erscheint dem Fahrer einer just des Weges daherkommenden Straßenkehrmaschine, der daraufhin so heftig erschrickt, dass er das Steuer verreißt und besagte Christine über den Haufen fährt. So umständlich von hinten durch die Brust ins Auge planen unsere Beacon-Phantome ständig.

Wer „Tohuwa“ sagt, muss auch „bohu“ sagen

Zwei Drittel der Handlung beobachten wir Bryn und Paul sowie Schwesterlein Christina dabei, wie sie sich um den verschwundenen Danny grämen und die Fallstudie einer aus der Bahn geworfenen Familie bieten. Schon dabei ärgert die Penetranz, mit der stets nur Bryn den Spuk bemerkt, während vor allem Paul mit emotionaler Blindheit geschlagen ist, seine arme Gattin allein lässt oder sie in psychiatrische Behandlung abschieben will. Dennoch funktioniert „Das Haus der Verfluchten diese eine Stunde wenigstens halbwegs.

Dann wirft Stokes das Steuer ruckartig herum. Aus einem Kammerspiel wird ein Spektakel – und damit geht dieser Film zum Teufel. Sämtliche ohnehin halbherzig eingefädelten Erklärungsversuche werden über den Haufen geworfen. Als Zuschauer hatte man nie wirklich eine Chance, sich selbst einen Reim auf das Geschehen zu machen. Stokes zieht plötzlich eine ‚sensationelle‘ Eröffnung nach der anderen aus dem Hut. In drei Sätzen bekommt das Beacon eine Jahrhunderte zurückreichende Geister-Geschichte verpasst. Aus einem simplen Spukhaus soll ein Tor zur Hölle werden. Überhastet und ärmlich begründet wie hier, kann dies nur schiefgehen.

Apropos ärmlich: Schon das Budget gibt entsprechende Effekte nicht her. Flackernde Lichter und aus dem Off eingespieltes Buh!-Gewinsel reizen den Zuschauer höchstens zum müden Grinsen. Wer Trash liebt, darf sich darüber hinaus über Geister-Fratzen freuen, die zum Lachhaftesten gehören, was die Make-up-Schmieden Hollywoods seit vielen, vielen Jahren verlassen hat. Wer nur den halbglatzigen James Nash mit russringschwarzen Augenringen durch eine Fensterscheibe stieren sieht (was er serientätergleich mehrfach wiederholt), ist als ‚ernsthafter‘ Zuschauer verloren. Wenn’s richtig faulig wird, wirken unsere Geister wie überlagerte Fische, die in zu enge Apfelsinennetze gepresst wurden. (Körperlicher Verfall beschränkt sich übrigens ausschließlich auf Gesichter und Hände; unsere Geister legen Wert darauf, nur in blitzsauberer Kleidung zu spuken!)

Die wahren Verfluchten des „Beacon“

TV-Fließbandarbeiter und Darsteller, die entweder zukünftigen Arbeitgebern beweisen wollten, wie belastbar sie (noch) sind, oder denen Stokes das Drehbuch erst nach Unterzeichnung des Vertrags zeigte, liefern ab, was zu erwarten war: Routine gemischt mit Missmut, Langeweile und Übertreibung. Teri Polo drückt auf die Tränendrüse, bis ihre Daumen zu brechen drohen. Heulend und wimmernd, sich in ihrer Trauer um den armen, armen Danny auf dem Badezimmerboden wälzend, versucht sie zudem auszugleichen, was ein holzklotzartiger David Rees Snell an Darstellerkunst erfolgreich unterdrückt.

Jonny Cruz muss den ulkigen Ektoplasma-Nerd mit komischem Akzent mimen, dessen Witzchen nur den Drehbuchautoren begeistern, während Marnette Patterson das Kunststück versucht, gleichzeitig als geile Schlampe und braves Mädchen zu überzeugen. Elaine Hendrix gibt eine blondierte Versuchung, auf die nur der schwerfällige Paul hereinfallen kann.

Über die Pechvögel, die es ansonsten in Beacon verschlagen hat, sei gnädig geschwiegen. Erwähnt werden muss allerdings das Erscheinen zweier Kino- und TV-Urgesteine: Ken Howard und Michael Ironside haben oft bewiesen, das sie ausgezeichnete Schauspieler sind. Offenbar haben beide aber ein Problem mit der Ablehnung von Rollen. Vor allem Ironside wirkt geradezu süchtig danach, in möglichst obskuren Filmen bizarre Figuren zu verkörpern.

DVD-Features

Nach anderthalb Stunden halbgaren „Beacon“-Geflimmers – Stokes schreckt selbst vor plumpen Wortspielen nicht zurück; ein „beacon“ ist ein Signalfeuer, das hier über einem Geisterhaus brennt –, ist zumindest der Rezensent dankbar für das Fehlen jeglicher Extras zum Hauptfilm. Für den ‚normalen‘ Zuschauer verdichtet sich indes ein Verdacht zur tragischen Erkenntnis: Er ist es, der verflucht ist, wenn er diesen Film gesehen hat! Die Darsteller wurden für ihr Leiden immerhin noch bezahlt …

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