Filmbesprechungen.de

reloaded

  • Retrospektive

  • Kategorien

    Abenteuer (16)
    Action (35)
    Allgemein (106)
    Animation & Trick (15)
    beendete Preisrätsel (65)
    Buch zum Film (12)
    Buchrezension (2)
    Comic (4)
    Dokumentation (16)
    Drama (38)
    Familie (15)
    Fantasy (10)
    Filmhörspiel (1)
    FSK18 & k.J. (40)
    Heimatfilm (1)
    Historie (1)
    Horror (70)
    Interview (1)
    Kinder (11)
    Kino (10)
    Komödie (20)
    Kriminalfilm (20)
    laufende Preisrätsel (1)
    Mystery (31)
    News (3)
    Pressemeldungen (27)
    Science Fiction (29)
    Serie (23)
    Thriller (29)
    Videospiele & Computerspiele (2)
    Western (3)

    WP Cumulus Flash tag cloud by Roy Tanck requires Flash Player 9 or better.

  • Archiv

Archiv für die 'Horror' Kategorie

Aliens vs. Predator 2 [Extended Version]

Erstellt von Michael Drewniok am 5. März 2010

avp2Aliens vs. Predator 2 [Extended Version]

Originaltitel: AVP: Aliens vs. Predator – Requiem (USA 2007)
Regie: Colin Strause u. Greg Strause
Drehbuch: Shane Salerno
Kamera: Daniel C. Pearl
Schnitt: Dan Zimmerman
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Steven Pasquale (Dallas Howard), Reiko Aylesworth (Kelly O’Brien), John Ortiz (Sheriff Eddie Morales), Johnny Lewis (Ricky Howard), Ariel Gade (Molly), Kristen Hager (Jesse), Sam Trammell (Tim), David Paetkau (Dale), Chelah Horsdal (Darcy), Meshach Peters (Curtis), Matt Ward (Mark), Robert Joy (Colonel Stevens), Françoise Yip (Ms. Yutani) uva.
Label/Vertrieb: 20th Century Fox Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 30.08.2008 (Century3 Cinedition)
EAN: 4010232043214 (Kauf-DVD/Century3 Cinedition)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Ungarisch)
Untertitel: Deutsch/Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch, Ungarisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Predator „Scar“ hat bei seinem letzten Jagdausflug auf den Planeten Erde nicht nur den Tod gefunden, ihm wurde auch von einem schlauen Alien ein Embryo eingepflanzt, was Scars trauernder Gefährte, der seine Leiche bergen kam, leider erst bemerkte, als der ungebetene Gast durch das Raumschiff zu geistern begann: kein Alien-„Warrior“, sondern ein „PredAlien“, ein genetischer Mischling, die Intelligenz und Kampfkraft beider Spezies vereint. Die Kreatur bezwingt auch den zweiten Predator. Bei diesem Kampf stürzt das Raumschiff über der Erde ab und schlägt nahe der Kleinstadt Gunnison im US-Staat Colorado auf. Während der Predator noch eine Alarmbotschaft funken kann, bevor er seinen Verletzungen erliegt, fällt das PredAlien bereits über die ahnungslosen Menschen her, die es frisst oder als lebende Brutkammern für seinen Nachwuchs verschleppt: Das Wesen schafft sich eine Armee säureblütiger „Warriors“, mit deren Unterstützung es die Erde erobern will.

Während sich auf dem fernen Planeten der Predatoren ein „Cleaner“ auf den Weg macht, der das PredAlien ausschalten und alle Spuren seiner Übeltaten verwischen soll, bevor die US-Regierung Wind davon bekommt, versucht auf der Erde Dallas Howard nach drei Knastjahren wieder Fuß in seiner Heimatstadt Gunnison zu fassen. Er hat genug vom kleinkriminellen Dasein und will auch seinen jüngeren Bruder Ricky zügeln, bevor dieser ebenfalls in Schwierigkeiten gerät. Am anderen Ende der Stadt buhlt Soldatin Kelly O’Brien nach ihrer Rückkehr aus dem Iran um die Gunst ihrer fremdelnden Tochter.

Als der ‚neue‘ Predator in Gunnison eintrifft, eskaliert die Situation. Überall kriechen bereits Aliens herum, die der außerirdische Jäger mit brachialer Gewalt bekämpft. Wer ihm dabei in die Quere kommt, findet auch als Mensch ein böses Ende. Sheriff Morales ist überfordert, die Nationalgarde zieht auf – und wird ausgelöscht. Nun rückt die Armee an, aber der misstrauische Dallas hegt den Verdacht, dass diese die Eindämmung der Alien-Seuche per Atombombe plant. Durch die brennende und von Monstern wimmelnde Stadt schlägt sich eine kleine Gruppe zum Krankenhaus durch, auf dessen Dach ein rettender Hubschrauber steht …

Sie kommen einfach immer wieder …

Manche Dinge sollte man als Zuschauer erst einmal ruhen lassen. In diesem Fall zahlte sich Geduld sogar doppelt aus (obwohl der hier zu besprechende Film dadurch nicht besser wurde). So entging Ihr Rezensent nicht nur der von der Werbung zusätzlich und planmäßig geschürten Erwartung, die sich auf die Wiederkehr der Paarung Predator & Alien richtete, sondern blieb auch von einer filmischen Rumpf-Fassung verschont, die für den Durchlauf im Kino auf Tempo und Lärm getrimmt wurde und knapp zehn Minuten kürzer war als der „Director’s Cut“, den die Strause-Brüder nicht einfach aus zunächst in der Schnittraum-Mülltonne gelandeten Resten (die es im digitalen Zeitalter wohl ohnehin nicht mehr gibt) zusammenklittern mussten, sondern mit zum Teil neu gedrehten Szenen zu ihrer Version eines ‚richtigen‘ AvP-Spektakels aufwerten durften.

Das war bitter nötig, denn obwohl das erste Gipfeltreffen („Alien vs. Predator“) 2004 für Einnahmen in erfreulicher Höhe gesorgt hatte, waren die echten Fans wenig begeistert von dem weichgespülten Effektgewitter, das in eine banale Story gebettet wurde und geradezu vorsätzlich zwei Mythen dekonstruierte. Vor allem die Aliens waren zu Sandsäcken der Predatoren heruntergekommen; die elegante, unheimliche Präsenz und Widerstandskraft, die sie in ihrer ‚eigenen‘ Serie auszeichneten, waren kaum mehr spürbar.

Leider ging der Auftrag für eine Fortsetzung an zwei Regisseure, die sich im phantastischen Film zwar bestens auskennen und entschlossen waren, die Doppelserie ihren Ursprünge wieder näherzubringen (was die Tilgung von Widersprüchen und Fehlern, die oft nur tief in die Materie eingeweihten Fans aufgefallen waren, durchaus einschloss), jedoch wie Paul W. S. Andersen (Regisseur und Drehbuchautor von „AvP 1“) eindeutig auf der Seite der Predatoren standen. Das brachte einen Film hervor, der die „Predator“-Fraktion zufriedenstimmen und die Fans der „Aliens“ verärgern wird, die in „AvP 2“ tüchtiger verdroschen werden als je zuvor.

Was wollen sie eigentlich?

Dies passt zu einem Film, dessen Primärzweck aus Produzentensicht in der Generierung neuerlicher Einnahmen bestand, während die Regie an zwei Männer ging, die jederzeit die Optik einer gut erzählten Story vorzogen. Die Geschehnisse, mit denen wir in der „Extended Version“ nunmehr 97 Minuten konfrontiert werden, sind entweder simpel oder hanebüchen; in der Regel treffen beide Eigenschaften zu.

Nicht einmal das ständige Action- und Effekt-Feuerwerk kann brennende Fragen verhindern: Wieso übernimmt ein Alien-Embryo neuerdings Informationen des Wirtes in seinen genetischen Bauplan? Von „Alien“ bis „Aliens 3“ war davon keine Rede gewesen, und in „Aliens – Die Wiedergeburt“ musste im Labor kräftig nachgeholfen werden. Das PredAlien produziert nur Aliens der bekannten „Warrior“-Gestalt; sehr merkwürdig. Sind „Warriors“ Mischwesen aus Menschen und einer weiteren, noch unbekannten Alien-Spezies? Warum informiert der abgestürzte Predator nur einen einzigen Gefährten? Ist die Invasion der Erde – die ja offenkundig verhindert werden soll – keine Aufgabe, die besser ein Predatoren-Team erledigen könnte?

Noch übler als den Aliens ergeht es der kopfstarken Schar der menschlichen Darsteller. Bevor diese sich endlich zusammenraufen, zerstreuen sie sich über ganz Gunnison und erleben episodenhafte Abenteuer. Als sie dann eine Gruppe bilden, fällt ihnen nur ein, zurück in die Stadt und zum Krankenhaus zu flüchten, wo ein rettender Hubschrauber steht. Niemals greifen die menschlichen Figuren planvoll oder bestimmend in das Geschehen ein. Sie werden entweder vom Predator oder vom PredAlien oder von den Alien-Kriegern hin und her gescheucht.

Darsteller als Monsterfutter

Dies mochte sich offenbar kein renommierter Schauspieler antun. Außerdem waren große Namen im Budget – das die Strause-Brüder lieber in eindrucksvolle Effekte investierten – nicht vorgesehen. Ewige Nebenrollen-Inhaber und Schwerarbeiter in den Minen der TV-Industrie bilden deshalb das Darstellerfeld. Es wird ergänzt von kanadischen Mimen, die in den letzten Jahren ihr Glück kaum fassen können: Weil der Dollar jenseits der US-Nordgrenze mehr wert ist als in Hollywood, entstehen Filme, die in den USA spielen, tatsächlich oft in Kanada. Als „AvP 2“ gedreht wurde, waren dort sogar soviele Produktionen zu Gast, dass die Schauspieler knapp wurden.

Aus dem Gewimmel der Haupt- und Nebenfiguren, die in der Mehrzahl bloßes Monsterfutter darstellen, ragt beim besten Willen niemand heraus. Die Charaktere verkörpern Klischees. Aus dem Rahmen fallen höchstens die wenigen Verstöße gegen scheinbar zementierte Normen. So haben die Strauses kein Problem damit, einen Alien-„Chestbuster“ aus der Brust eines Kindes brechen zu lassen. Überrascht wird der Zuschauer auch durch den unerwarteten Tod einer Hauptdarstellerin: Solches Bürsten gegen den Strich hätten die Strauses sich öfter gestatten sollen.

Mit einem Epilog, der den gewagten Bruch mit der Handlung riskiert, gelingt den Strauses das (grundsätzlich überflüssige) Kunststück, die „AvP“-Filme mit der vierteiligen „Alien“-Saga zu verknüpfen. Damit melden die beiden Regisseure ihren Anspruch auf eine Fortsetzung von „AvP 2“ an. Aufgrund der für das produzierende Studio enttäuschenden Einnahmen an den Kinokassen sah es damit lange schlecht aus, doch auf DVD und Blu-ray konnte „AvP 2“ diesen Einbruch wettmachen, sodass es wohl weitergehen wird.

Anmerkung

Ich weise darauf hin, dass sich mein Beitrag auf die von den Strauses angefertigte „Extended Version“ von „AvP 2“ bezieht. Deren Veröffentlichungsgeschichte ist hierzulande ein wenig kompliziert. Während die um mehr als sieben Minuten erweiterte Fassung als normale Einzel-DVD ihren Weg in die Videotheken fand, schwoll sie im Verkauf zur (ebenso pompös wie sinnfrei) betitelten „Century3 Cinedition“ an. In diesem Schuber stecken drei DVDs mit Kino-Version, „Extended Version“ und Extras.

Die Blu-ray-Fassung umfasst zwar die Extras der dritten „Century3“-DVD, beinhaltet aber nur die verkürzte Kino-Version; die „Extended Version“ ist also gar nicht als Blu-ray zu erwerben! Sehr merkwürdig …

DVD-Features

Um dem Käufer eine Fülle von Hintergrundinfos vorzugaukeln, wurde auf bewährte Art das „Making-of“ in zahlreiche Kapitelchen zerhäckselt, die sich insgesamt aber doch zu knapp anderthalb Stunden addieren. Erfreut registriert der Zuschauer auch die Abwesenheit sinnleeren Promotion-‚Interviews‘, in denen sich die Befragten gegenseitig über den grünen Klee lügen.

Viel Mühe haben sich die Regisseure Colin und Greg Strause sowie Produzent John Davis mit ihren Kommentaren gegeben, die deshalb (und weil sie deutsch untertitelt sind) eine besondere Erwähnung verdienen. Jenseits spätpubertärer Anwandlungen, mit denen die Strauses vermutlich ihre Nähe zur Mehrheit des Zielpublikums unter Beweis stellen wollen, geben sie interessante Einblicke in die Entstehung von „AvP 2“, die einen ständigen Kampf zwischen Anspruch und Produktionsrealität verraten. Zu beinahe jeder Szene wissen die drei Kommentatoren etwas zu sagen, wobei sie Informationen und Anekdoten geschickt mischen.

Etwas trockener im Vortrag aber deutlich informationslastiger ist der Kommentar von Tom Woodruff Jr. und Alec Gillis, die für das Design der Spezialeffekte zuständig waren. Sie haben viel zu sagen über den Arbeitsalltag von Spezialisten, die bewährte Tricktechnik mit moderner CGI-Wundern kombinieren und dabei stets mindestens ein Auge auf den Termin- und den Budgetplan werfen müssen.

Im Internet treiben die Monster aus dem All hier ihr Unwesen.

[md]

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter Action, FSK18 & k.J., Horror, Science Fiction | Keine Kommentare »

Final Destination 4

Erstellt von Michael Drewniok am 26. Februar 2010

final-destination-4Final Destination 4

Originaltitel: The Final Destination (USA 2009)
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Eric Bress
Kamera: Glen MacPherson
Schnitt: Mark Stevens
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Bobby Campo (Nick O’Bannon), Shantel VanSanten (Lori Milligan), Nick Zano (Hunt Wynorski), Haley Webb (Janet Cunningham), Mykelti Williamson (George Lanter), Krista Allen (Samantha Lane), Andrew Fiscella (Andy Kewzer), Justin Welborn (Carter Daniels), Stephanie Honore (Nadia Monroy), Lara Grice (Cynthia Daniels), Jackson Walker (Jonathan Grove) uva.
Label: New Line Home Entertainment
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 08.01.2010 (DVD) bzw. 22.01.2010 (Blu-ray u. Blu-ray Steelbook)
EAN: 5051890011008 (DVD) bzw. 5051890012210 (Blu-ray) bzw. 5051890012227 (Blu-ray-Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Polnisch, Russisch)
Untertitel: Deutsch/Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Holländisch, Russisch, Polnisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 79 min. (Blu-ray: 82 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Von ihren dummen aber netten Freunden wurden Nick und Lori zu einem Autorennen mitgenommen. Während die Rennwagen ihre Kreise ziehen, überfällt Nick eine Vision, die ihm zeigt, wie aufgrund eines fatalen Unfalls die meisten Tribünengäste ein grässliches Ende finden; auch ihn und Lori erwischt es. Erschrocken kann Nick seine Freunde sowie einige aufgeschreckte Besucher ins Freie locken, bevor sich der Unfall tatsächlich ereignet.

Weder Nick noch die von ihm geretteten Personen werden ihrer verschonten Leben froh, denn es ereilen sie in exakt jener Reihenfolge, in der Nick sie sterben sah, bizarre Tode. Lori recherchiert und findet im Internet Hinweise auf mindestens drei ähnliche Unfallserien in den letzten zehn Jahren: Offenbar holt sich der Sensenmann jene Opfer, die ihm aufgrund einer Vision entwischten, nachträglich und unerbittlich. Nur derjenige Kandidat kann ihm endgültig von der Schippe springen, dem es gelingt, seine Attacken auszuhebeln und so die Kette zu durchbrechen. Allerdings ist es möglich, dass der Tod daraufhin einfach die nächste Nummer auf seiner Liste ins Visier nimmt.

Trotzdem versuchen Nick und Lori den Aufstand gegen das Schicksal. Leider fällt es sowohl den potenziellen Opfern als auch ihren Freunden – die wie gesagt dumm sind – schwer, der Theorie vom düpierten Tod Glauben zu schenken, sodass dieser leichtes Spiel hat und sich die Jagd nach den flüchtigen Seelen durch den Einsatz einfallsreich sabotierter Abschleppwagen, Autowaschanlagen, Saugpumpen, Nagelpistolen u. a. zu Mordinstrumenten mutierender Gerätschaften unterhaltsamer gestalten kann …

Der Fluch des Erfolgs: Franchise-Wiedergänger

Wer sich nach der Sichtung von „Final Destination 4“ (hier von nun an als „FD4“ abgekürzt) die Frage stellen sollte, wieso dieser Film gedreht wurde, obwohl er sowohl inhaltlich als auch formal missraten ist, darf sich glücklich schätzen: Ihm (oder ihr) wurde soeben eine wichtige Lektion erteilt: Qualität oder wenigstens Unterhaltung zählen in Hollywood nicht einmal als sekundäre Tugenden. Beim Verb – also „zählen“ – können wir bleiben, doch damit verbinden müssen wir das Geräusch klingender Münzen.

Selbst Regisseur David Ellis gibt offen zu, dass es keine Existenzberechtigung für jenen Film gibt, den er nichtsdestotrotz selbst gedreht hat. Da „FD4“ bei einem überschaubaren Budget weltweit mehr als 150 Mio. Dollar eingespielt hat, sollte man dem Originaltitel, der „The Final Destination“ ankündigt, keineswegs Glauben schenken: Es wird weitergehen – blutiger und einfallsloser denn je.

Alles wie immer, nur ein bisschen schneller

Die Krux liegt im denkbar begrenzten Potenzial des Grund-Plots: Der Tod schnappt sich jene, die ihm zufällig entkommen. Was im „Final-Destination“-Original von 2000 neu war und gut umgesetzt wurde, war bereits mit „Final Destination 2“ (2003) ausgereizt. 2006 zeigte „Final Destination 3“, wohin das Franchise die Serie zu lenken gedachte: Möglichst groteske Mordszenarien sollten für Unterhaltung sorgen, während die Story mehr und mehr in den Hintergrund geriet. Während in den ersten beiden Teilen der mysteriöse Totengräber Bludworth einen Zugang zum übernatürlichen Hintergrund-Geschehen darzustellen schien, wurde dieser Strang inzwischen endgültig gekappt: Wer da wieso im Hintergrund entwichene Seelen einsammelt, ist für das Franchise unwichtig oder sogar störend. Stattdessen wird der Status quo zementiert.

Der besteht wie gesagt aus einer Steigerung in den Todessequenzen. Weil diese das zentrale Element der „Final-Destination“-Filme darstellen, wurde ihre Zahl für „FD4“ erhöht und die Schraube in Sachen Drastik noch einmal einige Umdrehungen angezogen. Weil gleichzeitig die Story entfiel, konnten Darsteller in zweistelliger Zahl binnen 79 Minuten zerquetscht, verbrannt, aufgespießt oder anderweitig umgebracht werden; oft sterben sie sogar mehrfach bzw. auf unterschiedliche Weisen gleichzeitig.

Tiefe Bilder für einen flachen Film

Noch nie lief ein „Final-Destination“-Film so kurz. Länger würden freilich selbst geduldige (oder anspruchslose) Zuschauer nicht ertragen, mit welchen faulen Tricks ihnen das Eintrittsgeld aus den Taschen gezogen wird. Im Kino mag dies noch funktionieren, weil die 3-D-Effekte des 21. Jahrhunderts inzwischen genossen werden können; anders als bisher stellen die an den Kino-Kassen ausgeteilten Papp-und-Plastik-Brillen keine Garanten für kollektiven Kopfschmerz mehr dar. Weil seit dem letzten Hochschwappen der 3-D-Mode wieder einige Jahrzehnte vergangen sind, vermögen sich die jüngeren Generationen außerdem für eine Weile wieder an spitzen Gegenständen erfreuen, die nicht nur simpel Körper durchbohren, sondern dabei tief in den Zuschauersaal ragen oder fliegen. Von diesem Effekt wird im 3-D-Kino seit jeher (über-) reichlich Gebrauch gemacht.

Leider erledigt sich dieses Vergnügen vor dem heimischen TV-Schirm. Dort müssen wir uns mit der altmodischen Simpel-Variante der 3-D-Technik begnügen und wie Anno 1953 – in diesem Jahr startete die erste Welle dreidimensionaler Filme – anaglyph in die Röhre schauen. Wer auf scharfen und farbtreuen Seh-Spaß verzichten kann, wird in die Raumtiefe reichende Bilder immerhin erahnen können. Ansonsten sei auf die traditionelle aber augenfreundliche 2-D-Fassung verwiesen.

„Denn alles Fleisch ist wie Gras“

Was bereits der Apostel Petrus wusste, wird in „FD4“ ausdrucksstark illustriert. Mit viel Energie betreiben Regisseur Ellis und Drehbuchautor Eric Bress im Bund mit einem Heer engagierten Spezialeffektler die möglichst variationsreiche Zerwirkung des menschlichen Körpers. Sie gilt als (inzwischen vielfach kopiertes) Markenzeichen der „Final-Destination“-Serie und unterliegt als solches dem üblichen Fortsetzungs-Fluch: Von Folge zu Folge müssen die Metzeleien sich steigern, während das Budget sinkt.

Der ehemalige Stuntman Ellis weiß, wie man Zerstörung bildgewaltig inszeniert. Da er dies bereits in „Final Destination 2“ getan hat, darf man eine gewisse Routine voraussetzen. Doch wie sich bald zeigt, unterliegt sogar das absurde Sterben einem Abnutzungseffekt. Die Tode der vier „FD“-Teile folgen einem bestimmten Muster. Das ist auch in der x-ten Variante recht lustig anzuschauen, aber es langweilt trotzdem, weil das Grundprinzip unverändert bleibt. Ellis versucht durchaus den Ausbruch; so verwandeln sich die makabren Unfälle, die dem Titelvorspann unterlegt werden, in Zeichentrick-Sequenzen; die Opfer verwandeln sich digital in medizinische Skelett-Modelle, deren Knochen die Verletzungen widerspiegeln, die beispielsweise eine durch den Schädel dringende Stahlstange verursacht. Diese Idee wird in der finalen Szene eindrucksvoll aufgegriffen.

Effekte ohne Logik

Doch das war’s denn auch in Sachen Einfallsreichtum. Die Todes-Szenen sind oft nur leicht veränderte Neuauflagen aus den drei Vorgängerfilmen. Der Effekt der puren, auf Überwältigung basierenden Überraschung – bestes Beispiel ist Georges abruptes Ende im Straßenverkehr – sorgt manchmal für einen gewissen Ausgleich. Wieder faszinierend ist auch die Vorbereitung der Unfall-Debakel, die als Kette murphyscher Zufälle sorgfältig aufgebaut werden und oft einen gänzlich unerwarteten Verlauf nehmen.

Der liebevollen Ankündigung folgen indes immer wieder miserabel umgesetzte Höhepunkte. So wurden beim Zusammenbruch der Rennplatz-Tribüne allzu offensichtlich Schaumstoff-Betonteile eingesetzt. Wo selbst das zu gefährlich war, griff die Regie zum scheinbaren Wundermittel CGI – ein gefährlicher Weg, wenn das Budget nicht ausreicht, die richtig gute aber eben teure Digital-Technik aufzufahren. Hier kann das längst geschulte Zuschauerauge viel zu oft den Trick identifizieren.

Auch die Logik wird um des Effektes willen allzu sträflich ignoriert. Welches Krankenhaus wird eine riesige, tonnenschwere Wasserwanne nicht im Keller, sondern in einem der oberen Stockwerke und über einem normalen Krankenzimmer aufstellen? Nur eines in Hollywood, das garantieren will, dass besagte Wanne durch die spannplattendünne Decke bricht und auf einem Patienten landet. (Nebenbei: Woher kommen eigentlich die Wasserfluten außerhalb der Wanne, die nur aus einem einzigen und mickrigen Hahn gefüllt wird?) Wie kann man innerhalb eines Autos ertrinken, wenn es ausreicht, eine Tür nur einen Zentimeter weit zu öffnen, um das einströmende Wasser abfließen zu lassen? Welche Swimmingpool-Pumpe saugt so stark, dass sie einem Menschen die Innereien aus dem Leib reißen könnte? Welche Sprinkleranlage kann mit simplem Wasser brennende Chemikalien löschen?

Einen richtig kapitalen Bock schießen Ellis und Bress, wenn sie Nick nach der ersten Vision, die ihm den Tod auf der Rennbahn enthüllt, in der zweiten Filmhälfte (und nachdem er bisher die sich anschließenden Einzel-Tode nur bruchstückhaft voraussehen konnte) noch einmal detailfroh in Farbe und Dolby-Sound visionieren lassen: Dies ist nicht nur ein Bruch mit der ohnehin fragwürdigen Handlungslogik, sondern auch ein offensichtlicher Vorwand, um die verbliebenen Hauptfiguren noch einmal umbringen zu können. Kurz darauf sind sie wieder lebendig, als sei nichts geschehen – und genau das trifft zu, und Ellis konnte erneut einige Filmminuten quasi drehbuchfrei hinter sich bringen.

Projektionsflächen für spektakuläre Tode

Da die Methoden des Todes die Zuschauer in die „FD“-Filme locken, muss in die Darstellung lebender Menschen wenig Sorgfalt investiert werden. Selten wurde dies so konsequent realisiert wie in „FD4“: Absolute No-Names wurden für flüchtig skizzierte Rollen angeheuert. Wir erfahren nichts über die Figuren, deren Ende uns deshalb absolut kalt lässt. Sie sind nur Kanonenfutter, das in den Sterbe-Szenen verheizt wird.

Wer sind Nick O‘Bannon und Lori Milligan? Sie sind noch recht jung, aber keine Studenten mehr, sondern anscheinend berufstätig; wenn man ihre geräumige und eindrucksvoll eingerichtete Wohnung betrachtet, verdienen sie ausgesprochen gut. Nie sieht man sie jedoch arbeiten oder auch nur über ihre Jobs reden. Überhaupt erfährt man nichts von ihnen. Nie und nimmer kann man sich den farblosen Nick oder die fade Lori als Streiter gegen Tod & Schicksal vorstellen. Den debilen Hunt und die hirnlose Janet hätte der Tod schon lange vor dem verhängnisvollen Tag auf der Rennbahn aus dem Spiel des Lebens streichen müssen. Für die übrigen Rollen gilt dasselbe harsche Urteil. Immerhin kriegt sie der Schnitter schließlich doch am Wickel; es wäre schön, wenn er seine Sense nunmehr dort einsetzen würd, wo bereits erste Triebe der Spezies „FD5“ aufkeimen …

DVD-Features

In letzter Zeit mehren sich die Zeichen für das nahe Ende der DVD-Ära. Gern würden Film-Produzenten, Händler und Verleih-Firmen die Kundschaft auf das technisch hochwertigere und vor allem profitablere Medium drängen. Ein Weg ist die Streichung von DVD-Features, die nur auf die Blu-ray-Version gebrannt werden.

In unserem Fall muss sich auch der Besitzer der Doppel-DVD-Fassung mit neun nicht verwendete Filmszenen begnügen, die insgesamt etwa acht Minuten laufen, während auf der Blu-ray das übliche Infotainment-Bündel aus Interviews und Blicken hinter die Kamera zu finden ist. Für Sehfaule gibt es außerdem eine endgültig von der lästigen Handlung befreite Reihung der hübsch-hässlichen Todesszenen.

Im Internet gibt es folgende (informationsdünne) Website.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray-Steelbook)

Abgelegt unter FSK18 & k.J., Horror, Mystery | Keine Kommentare »

Das Haus der Dämonen (DVD)

Erstellt von Michael Drewniok am 19. Februar 2010

haus-der-daemonenDas Haus der Dämonen

Originaltitel: The Haunting in Connecticut (USA/Kanada 2008)
Regie: Peter Cornwell
Drehbuch: Adam Simon u. Tim Metcalfe
Kamera: Adam Swica
Schnitt: Tom Elkins
Musik: Robert J. Kral
Darsteller: Virginia Madsen (Sara Campbell), Kyle Gallner (Matthew Campbell), Martin Donovan (Peter Campbell), Ty Wood (Billy Campbell), Erik Berg (Jonah), Elias Koteas (Reverend Popescu), Amanda Crew (Wendy), Sophi Knight (Mary), John Bluethner (Ramsey Aickman), D. W. Brown (Dr. Brooks), John B. Lowe (Mr. Sinclair) u. a.
Label: Falcom Media
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 12.11.2009 (Leih-DVD) bzw. 10.12.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4048317359004 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4048317459001 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Wir schreiben das Jahr 1987. Das Leben meint es nicht gut mit Sara Campbell: Geld ist knapp, Gatte Peter liebäugelt mit der Flasche, kürzlich sind die Nichten Wendy und Mary vor den Eltern zu ihnen geflohen, und jetzt leidet Matt, der älteste Sohn, unter einer Krebserkrankung, die ihn schnell und tückisch umbringt. Einzige Hoffnung ist eine kaum erprobte Therapie, die jedoch nur im weit entfernten Connecticut angeboten wird.

In ihrer Not beschließen die Campbells, unweit des Krankenhauses, in dem Matt behandelt wird, möglichst kostengünstig ein Haus zu mieten. Leider erweist sich das einzige Gebäude in ihrer Preisklasse als ehemaliges Bestattungsinstitut, dessen Balsamierungskeller nie richtig ausgeräumt wurde. Außerdem war Dr. Aickman, der frühere Hausherr, ein Satanist und Totenbeschwörer, der makabres Schindluder mit den ihm anvertrauten Leichen trieb.

Das muss zunächst vor allem Matt erkennen, dessen Krankheit ihn empfänglich für jene übersinnlichen Schwingungen macht, die das alte Haus erfüllen. Bald wird er aus dem Jenseits als Bezugsperson für widerlich anzusehende Geister angepeilt, unter denen sich einer sogar namentlich vorstellt: Jonah war einst Aickmans Star-Medium, doch als der Doktor es mit seinen nekromantischen Eskapaden übertrieb, wurde Jonah unfreiwillig derjenige, der die Geister, die sein Herr rief, über das Haus brachte.

Den Campbells wird bald Angst & Bange: Türen schlagen, Lampen knistern, Schatten huschen durch die Gänge, während “Buh!”-Musik ertönt und dem armen Matt der hässlich angekokelte Jonah im Nacken sitzt. Glücklicherweise hängt im Krankenhaus am Tropf neben ihm Reverend Popescu, ein Fachmann für das Übernatürliche. Im Bund mit Mutter Sara und Cousine Wendy nimmt Matt den Kampf gegen die Plagegeister auf, die daraufhin in Sachen Dämonenspuk tüchtig aufdrehen …

Spuk für Gläubige & unterhaltungswillige Skeptiker

“Nach einer wahren Begebenheit”: Die Verwendung dieses Prädikats kündet von der erstaunlichen Risikobereitschaft einer Produktionsfirma, die darauf hofft, durch die Nacherzählung einer echten Besessenheit noch einigen neugierigen Zuschauern mehr das sauer verdiente Geld aus der Tasche zu locken. Oder glaubt man sich auf das Wissen stützen zu können, dass weit mehr Menschen an störende Besuche aus dem Jenseits glauben, als sie öffentlich zugeben möchten?

Die Faktendecke ist ebenso bekannt wie fadenscheinig: 1986 zog die recht dysfunktionale Familie Snedeker ins Städtchen Southington, US-Staat Connecticut, und dort in das alte Hallahan-Haus, das sich als ehemaliges Bestattungsinstitut entpuppte. Diese Tatsache drückte zwar den Mietpreis, hatte aber zuvor nie für Aufregung der nun bald laut werdenden und von den Medien begierig aufgegriffenen Art gesorgt: Nach Auskunft der Eltern Carmen und Allen Snedeker, deren Aussagen von ihren Kindern und den ebenfalls eingezogenen Nichten bekräftigt wurden, trieben Poltergeister und/oder Dämonen ihr Unwesen in dem alten Gemäuer. Sie machten nachts Lärm, stahlen Kruzifixe und gingen schließlich erst Carmen und dann sogar Al an die Unterwäsche.

Mit den Medien erschienen ‘Parapsychologen’. Unter ihnen: die selbst ernannten Top-Geisterjäger Ed und Lorraine Warren, die u. a. schon die Geheimnisse des Amityville-Spukhauses (nicht) gelüftet hatten, sowie der Buchautor Ray Garton, der ein zum Bestseller gewordenes ‘Sachbuch’ über die Heimsuchung der Snedekers schrieb, für das er sich heute so schämt, dass er nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden möchte.

Nach zweieinhalb angeblich turbulenten Jahren zogen die Snedekers um, und in Southington kehrte (angeblich nach einem Exorzismus) schlagartig Ruhe ein. (Sieht man von der Invasion zahlreicher Geister-Touristen ab, die einen Blick auf das berüchtigte Spukhaus werfen wollten – und wollen.) Carmen Snedeker – inzwischen geschieden – ist heute als “Geist(er)führerin” tätig.

Medienspuk hilft filmischem Durchschnitt

Diese Vorgeschichte macht aus dem Hallahan-Institut beim besten Willen kein zweites Amityville-Haus. Aber es bedarf nur einiger Dreistigkeit im Umgang mit der Wahrheit sowie der Arbeit zweiter routinierter Drehbuchautoren, um ein wenig Schwung in die Geschichte von der “Heimsuchung in Connecticut” zu bringen.

Macht man so etwas richtig, kann man sogar auf Ideen verzichten. Genau das zeichnet “Das Haus der Dämonen” denn auch aus: Adam Simon und Tim Metcalfe tun exakt das, was sie im Interview lächelnd leugnen, und klauben aus der Geschichte des Spukhaus-Films diejenigen Elemente hervor, die schon früher funktioniert haben. Der erfahrene Zuschauer mag sich den Spaß machen und die Titel der auf diese Weise ‘ausgeschlachteten” Filme auflisten. Zwar ist solches Ausborgen ein traditionsreiches Vorgehen in Hollywood, doch die Gleichgültigkeit, mit der selbst junge Regisseure und Drehbuchautoren den Zuschauer mit Mittelmaß abspeisen, wirkt trotzdem erschütternd. Es gibt nicht einmal (bis auf die für den Horrorfilm immer nützliche Abwesenheit von Handys) einen guten Grund dafür, die Geschichte 1987 spielen zu lassen.

Womit keineswegs gesagt ist, dass dieser Film nicht unterhalten kann oder handwerklich schlecht geraten ist. Hollywood stößt sauber aus dem Klischeeblech gestanzten Durchschnitt quasi fabrikmäßig aus. “Das Haus der Dämonen” ist zwar bar jedes originellen Einfalls, wurde aber flott und kundig inszeniert, routiniert gespielt und anständig getrickst.

Routinejob für echte Schauspieler

Manchmal ist das Glück auch mit dem nicht ganz so Tüchtigen. In unserem Fall beinhaltet das die Entscheidung, für die Hauptrolle der Sara Campbell eine echte und richtig gute Schauspielerin zu engagieren: Virginia Madsen ist eine Veteranin ihres Metiers und immer noch gut im Geschäft. In Hollywood, dem Mikrokosmos des Jugendwahns und der plastischen Chirurgie, wo ein Darsteller-Jahr etwa zehn Lebensjahren entspricht, ist das keine Selbstverständlichkeit, zumal Madsen zumindest im Hüftbereich keine Konzessionen an zwar ungeschriebene aber mehr oder weniger zementierte Regeln macht.

Die Sara Campbell spielt Madsen ohne Probleme und überzeugend, was besondere Anerkennung verdient, weil eine solche Rolle – in der Not religiös gewordenes Muttertier hält im Alleingang Problemfamilie auf Kurs und nimmt es auch noch mit Geistern auf – sehr schnell ins übertrieben Lächerliche abrutschen kann, wovor Madsen sie bewahrt.

Kyle Gallner profitiert von der Krankheit, die er mimen muss. Das mag zynisch klingen, doch da auch er trotz seiner Jugend ein erfahrener Schauspieler und seine Rolle sorgfältig ausgearbeitet ist, kann er recht gelassen den bleichen Todeskandidaten geben.

Weniger vom Glück & vom Drehbuch begünstigt sind die übrigen Darsteller. Martin Donovan fällt als hart geprüfter und für zu weich befundener Vater einmal in die Wodka-Flasche, aber nachdem Clan-Chefin Sara ihm dafür mächtig den Kopf gewaschen hat, findet er umgehend in die Nebenrolle des treusorgenden aber selten anwesenden Ernährers zurück.

Donovan kann sich noch glücklich schätzen, wie der arme Elias Koteas erfahren musste. Einmal abgesehen von der ziemlich geringen Chance, über einen Dämonen-Kundler und Exorzisten quasi zu stolpern, wirkt Koteas in der ausgelaugten Rolle des leicht überforderten aber in der Krise glaubensstarken Priesters (und unter seinem lächerlichen Pepita-Hütchen) eher von allen Geistern verlassen.

Überstunden für die Kulissenbauer

Obwohl “Das Haus der Dämonen” in Connecticut spielt, wich das Drehteam in das kostengünstigere Filmland Kanada aus. In der Provinz Manitoba ließ sich im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets das Hallahan-Haus weitgehend originalgetreu nachbauen. Das Innere entstand im Filmatelier; es entspricht allen Klischees eines verwunschenen Hauses, was dieses Mal durchaus anerkennend gemeint ist.

Auch die Filmtricks sind gut geraten. Altmodische aber eindringliche Prothesen- und Maskentricks werden durch dosierte CGI-Hexereien ergänzt aber nicht verdrängt. Da auch möglichst junge Zuschauer für das Werk bezahlen sollen, hielten sich die Tricktechniker etwas zurück. So wirken die seit immerhin sechzig Jahren in den Wänden des Hauses verwesenden Leichen erstaunlich frisch.

Traurig aber heute üblich ist jene Bearbeitung, der sich darauf richtet, die sorgfältig in Szene gesetzten Unheimlichkeiten nachträglich zu entschärfen. Damit die rächenden Geister nicht gar zu gruselig wirken, wurden sie für die Kinofassung künstlich ‘entfärbt’. Auf diese Weise verschwanden jugendgefährdende Blutflecken, die erst in der “Uncut”-Edition wieder rot zurückkehren. Solche Absurditäten sollte der Zuschauer mit Humor nehmen, da Ärger oder Grübeleien über die ‘Logik’, die hinter solchen Entscheidungen stecken mag, ohnehin zwecklos bleiben.

DVD-Features

An Extras wurde lobenswerterweise nicht gespart. Freilich sind die meisten Features recht obskur. Immerhin beginnt es konventionell: mit einem “Making-Of” zum Hauptfilm (“Zwei tote Jungen”), das man gesehen haben muss, weil es erstaunlich ist, wie viel Unfug sich in nur einer Viertelstunde verzapfen lässt! Jenseits der lästigen aber üblichen gegenseitigen Lobhudeleien – wie der Zufall so spielte, sind sich nur die Besten ihrer Branchen und gleichzeitig liebeswertesten Menschen dieses Planeten auf dem Set begegnet – entblöden sich die interviewten Darsteller, Drehbuchautoren und sonstige Mitarbeiter nicht, von ‘unheimlichen’ Vorfällen während der Filmarbeit zu munkeln: Mysteriöse Geräusche ertönten, der Fernseher sprang in der Nacht plötzlich an, es wurde schlagartig kalt in einer Ecke der Abstellkammer; die Peinlichkeiten wollen kein Ende nehmen.

Unter dem Titel “Bloße Einbildung? Was steckt hinter paranormalen Erscheinungen?” dürfen Para-Psychologen u. a. ‘Experten’ 13 (!) Minuten düster und unter sorgfältiger Umgehung nachprüfbarer Fakten über Geister und sonstige Repräsentanten jener Welt schwadronieren, die sich (nach Ansicht des Rezensenten) primär dort einstellen, wo die ärztlich verordnete Einnahme hilfreicher Psychopharmaka verweigert bzw. durch die Selbstkur mit Hilfe hochprozentiger Alkoholika ersetzt wird.

Dazu passt eine zweiteilige ‘Dokumentation’ (“Ein wahr gewordener Albtraum: Erneuerte Nachforschungen”), in der viele jener Zeitgenossen, die es 1986 ins wahre Haus der Dämonen verschlug, noch einmal ihre oft erprobten Geschichten erzählen dürfen. Eingeleitet wird dies durch eine Erklärung, aus der hervorgeht, dass sich die Firma Lionsgate, die “Das Haus der Dämonen” vertreibt, keineswegs mit den nun folgenden Aussagen identifiziert, was sehr bezeichnend und schnell auch verständlich ist: Diverse Mitglieder der Familie Snedeker sowie die ‘Geisterforscherin’ Lorraine Warren kochen den abgestandenen Brei vom Spuk im Hallahan-Haus auf, während die ehemaligen (und aktuellen) Nachbarn von keinerlei Auffälligkeiten, sondern höchstens von mentalen Dachschäden der Snedekers berichten.

Von allgemeinem Interesse ist endlich der Beitrag “‘Memento Mori’: Die Geschichte der postmortalen Photographie”, die wohl als wissenschaftliches Feigenblatt für die anderen Features dient. Stanley Burns, ein ausgewiesener Experte für das Thema, berichtet elf Minuten über die Tradition der US-amerikanischen Gedenk-Fotografie des 19. Jahrhunderts: Trauernde Eltern, Familienangehörige oder Freunde ließen sich mit ihren verstorbenen Kindern, Brüdern usw., die dafür möglichst ‘lebensecht’ hergerichtet wurden, fotografieren.

Die Features werden durch sechs “deleted scenes” abgerundet, deren Tilgung Regisseur Peter Cornwell per Audio-Kommentar erläutert.

Hier ist “Das Haus der Dämonen” im Internet präsent.

P. S.: “A Haunting in Connecticut” spielte weltweit 76,5 Mio. Dollar ein – eine stolze Summe, die eine gesunde Gewinnmarge garantierte. Die Folge ist typisch für Hollywood: Man sieht sich 2010 in “The Haunting in Georgia”!

[md]

Titel bei booklooker.de (DVD)
Titel bei booklooker.de (Blu-ray)

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Preisrätsel/Gewinnspiel 5 x 1 -DVD:
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
In welchem Jahr spielt die Geschichte des Films? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald dreissig Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Gewonnen haben: Caroline Schleich, Mark Käumlin, René Rösner-Jansen, Werner Koblechner und Ulrich weber. Herzlichen Glückwunsch!

Abgelegt unter Familie, Horror, Mystery, beendete Preisrätsel | Keine Kommentare »

Evil Ground – Fluch der Vergangenheit

Erstellt von Michael Drewniok am 18. Februar 2010

evil-groundEvil Ground – Fluch der Vergangenheit

Originaltitel: Hallowed Ground (USA 2007)
Regie u. Drehbuch: David Benullo
Kamera: Keith J. Duggan
Schnitt: Yale Kozinski
Musik: Neil Acree
Darsteller: Jaimie Alexander (Elizabeth Chambers), Brian McNamara (Sheriff O’Connor), Nick Chinlund (Jonas Hathaway), Hudson Leick (Sarah Austin), Chloe Grace Moretz (Sabrina), Ned Vaughn (Deputy Mark Simmons), Jim Cody Williams (Earl), Ethan Phillips (Prediger), Tamara Clatterbuck (Kellnerin), Dan Warner (Officer Chandler), Ryan Honey (Sabrinas Vater), Walter Phelan (Vogelscheuche) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 08.01.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4041658222907 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Die Beziehungen zwischen den Provinzstädtchen Hope und Liberty sind etwas angespannt, seit die Einwohner von Liberty 1896 entdecken mussten, wo die vielen rätselhaft verschwundenen Mitbürger gelandet waren: Der irrsinnige Prediger Jonas Hathaway hatte sie im Bund mit den ihm hörigen Männern und Frauen von Hope lebendig an Kreuze schlagen und diese in den riesigen Maisfeldern um die Stadt aufstellen lassen; mit diesen Menschenopfern wollte er die Ernte sichern.

Von den wütenden Bürgern aus Liberty wurde Hathaway gekreuzigt und verbrannt, doch sein Geist blieb in der Erde lebendig, in der man seine verkohlten Überreste verscharrte, und wartet auf die Chance zur Wiedergeburt. Auch im 21. Jahrhundert blieben die Menschen in Hope ihrem Prediger und der Opfer-Tradition treu. Außerdem hält man die Augen nach einer passenden Kandidatin auf, in deren Baby Hathaways Geist fahren soll.

Die junge Elizabeth Chambers, die ein Motorschaden in Hope festsetzt, soll diese Rolle übernehmen. Erst vor fünf Wochen hat sie ihr Kind verloren und steht deshalb dem Plan denkbar ablehnend gegenüber. Der Reporterin Sarah Austin ist es inzwischen versehentlich gelungen, Hathaway aus seinem Grab zu beschwören. Er hat die Gestalt einer Vogelscheuche übernommen, die nun auf der Suche nach Liz – und nebenbei nicht in den Inkarnations-Plan eingeweihte Hope-Bürger niedermetzelnd – durch die Nacht schleicht.

Weil der Sheriff und seine Deputys mit der im Horrorfilm der B-Kategorie üblichen Begriffsstutzigkeit geschlagen und bald tot sind, muss Liz sich selbst ihrer Haut wehren, was schwer ist, da überall Hathaways Schergen lauern und es plötzlich auch ein kleines Mädchen zu retten gilt. Bis zum Morgengrauen gilt es durchzuhalten, denn erst dann muss der Geist des Predigers unverrichteter Dinge zurück in sein Grab …

Gottes Strafe für allzu vergnügungssüchtige Zuschauer?

Man muss den Prediger Hathaway korrigieren: Diese Welt ist weniger ein Ort des Bösen als des Blöden! Der Preis für diese Erkenntnis ist für die Unglücklichen, die an diesen Film geraten, leider identisch mit der Strafe für dessen Sichtung: Sie verlieren auf unerfreuliche Weise anderthalb Stunden ihres Lebens, die sich zudem subjektiv wie eine Ewigkeit hinziehen. Anders ausgedrückt: „Evil Ground“ gehört definitiv zu den Filmen, die niemand sehen will. Trotzdem werden sie immer wieder gedreht. Sie entstehen für Versender, deren Programmhunger unersättlich ist. Billig müssen solche Streifen bleiben, nicht über 90 Minuten lang sein und für eine Inhaltsangabe taugen, die möglichst viele Zuschauer lockt.

Zugegeben: Theoretisch klingt die Story gar nicht schlecht. Mumien und Monster bedrohen seit jeher angstvolle Mitmenschen, und auch Vogelscheuchen tragen ihren Teil zum unterhaltsamen Verderben bei. Sie sind sogar prädestiniert als Angstfiguren, wie sie vor allem in der Dämmerung viel zu menschenähnlich in alten Kleidern und mit gesenktem ‚Köpfen‘, doch ohne Gesichter trügerisch still auf galgen- oder kreuzähnlichen Gestellen hängen oder stecken und auf unvorsichtige Zeitgenossen zu warten scheinen, die sich ihnen nähern …

Praktisch wirft die Vogelscheuche kaum Schwierigkeiten auf, denn hinter ihrer Maske kann sich ein Darsteller gut und kostengünstig verbergen. Einige Strohhalme schauen aus Ärmeln und Hosenbeinen heraus – fertig! Die Gestaltung der Hathaway-Scheuche gibt denn auch keinen Grund zum Tadel. Leider muss sie durch eine krude Variante des „Kinder des Zorns“-Plots hetzen, die mit viel zu gut abgehangenen Horror-Standards versetzt und verseucht ist. An keiner Stelle darf der frustrierte Zuschauer eine Überraschung entdecken. Sollte er zwischenzeitlich einnicken, ist es erschreckend einfach, nach dem Wecken (weil der empörte Sitznachbar nicht allein leiden will) den Anschluss an die Handlung zu finden.

Kamera! Licht! Action! – Drehbuch?

Fast möchte man David Benullo in Schutz nehmen. Welcher Nachwuchs-Filmer würde ein Angebot ausschlagen, das eigene Drehbuch in bewegte Bilder umzusetzen? Womöglich löste der Verstand durchaus Alarm ob der Tatsache aus, dass für „Evil Ground“ nur ein Budget von 1,5 Mio. Dollar zur Verfügung stand, doch Debütant Benullo nahm die Herausforderung an bzw. erlag der Versuchung.

Hochmut kommt vor dem Fall, heißt ein zur Binsenweisheit verkommenes Sprichwort, dessen Treffsicherheit sich freilich nicht leugnen lässt. Zumindest der Zuschauer weiß schnell, dass Benullos Drehbuch keineswegs über 90 Minuten trägt, aber hat auch der Regisseur seine Lektion begriffen? Regie beinhaltet die stringente Umsetzung einer tauglichen Geschichte und erfordert die Führung von Schauspielern, die der Handlung buchstäblich Leben einhauchen – oder einhauchen könnten, wenn sie nicht wie in unserem Fall vom eigenen Regisseur in Zusammenarbeit mit dem Kameramann sabotiert werden. Man kann nur als Selbstschutz (aber trotzdem voller Schmerz) die Augen schließen, wenn beispielsweise offenbart wird, was Benullo unter einer Verfolgungsjagd versteht: Nach seinem Startschuss beginnen die Darsteller der spinnerten Sekten-Bürger, plan- und sinnlos kreuz und quer durch das Maisfeld zu stolpern, das die hauptsächliche Kulisse darstellt: Der Slapstick der Stummfilm-Ära ist offensichtlich noch sehr lebendig!

Man hätte ja auch etwas Anständiges lernen können …

Ist dies der Gedanke, der den Darstellern kollektiv durch die Köpfe schoss, als sie endlich merkten, in welchen Film ein böses Schicksal (oder ihr Agent) sie geschickt hatte? Irgendwie tragisch mutet es an, dass keineswegs die in Filmen dieser Güteklasse üblichen Null-Mimen vor die Kamera traten. Jung-Schauspielerin Jamie Alexander wirkt durchaus überzeugend in ihrer Klischee-Rolle als flüchtender Baby-Ofen. Hudson Leick gefällt als hübsche aber überdrehte Reporter-Blondine. Für wenige Augenblicke des Vergnügens kann sie sorgen, wenn sie Liz mit unguter Intensität und manischem Grinsen die Gruselgeschichte vom kreuzigungsgeilen Prediger Hathaway erzählt. Viel zu früh ereilt sie ein – natürlich – schlecht in Szene gesetztes Ende. Heimisch dürfte sich Tamara Clatterbuck – sie heißt wirklich so – gefühlt haben; ihre Laufbahn begann 1988 mit dem Horror-Heuler „Hobgoblins“, der vielleicht noch bescheuerter als „Evil Ground“ geraten ist.

Absolut profillos bleiben die männlichen Darsteller. Als Sheriff O’Connor ist Brian McNamara entweder überfordert, bewusstlos oder vom Teufel besessen. Nick Cinlund bemüht sich vergeblich, der ausgelaugten Rolle des fanatischen Priesters Leben einzuhauchen. Im Gedächtnis bleibt höchstens Jim Cody Williams als jovialer Tankwart Earl, dem in einer der durchweg gruselig misslungenen ‚komischen‘ Episoden versehendlich eine Hand ans Kreuz genagelt wird. Glücklich darf sich Walter Phelan schätzen – er muss zwar unter der Maske der Vogelscheuche schwitzen, bleibt aber wenigstens unerkannt.

Faule Tricks sind keine Spezialeffekte!

Wird die Ödnis der Handlung wenigstens durch blutige Ekeleien aufgelockert? Wer bisher hierher gelesen hat, wird bereits ahnen, dass dies eine rhetorische Frage ist. Die entsprechenden Effekte sind budgetbedingt lächerlich geraten und werden obendrein so ungeschickt inszeniert, dass jeglicher Schreck verpufft.

Der stellt sich allerdings ein, wenn CGI-Technik zum Einsatz kommt. Es fällt schwer zu entscheiden, welche Bilder nachhaltiger jede Grusel-Stimmung töten. Sind es die künstlichen, der Erdschwerkraft trotzenden Flammen oder die grausig schlecht ‚animierten‘ Cartoon-Krähen, die jenem Komitee gemeldet gehören, das alljährlich die „Goldene Himbeeren“ für die miserabelsten Leistungen im Filmgeschäft verteilt?

Bleibt abschließend die Frage, wieso „Evil Ground“ eine „FSK-18“-Einstufung erfuhr. Selbst den verbohrtesten Saubermännern und –frauen dieser Zensurbehörde kann die Dürftigkeit der zudem zahlenarmen Splattereien nicht entgangen sein; die kaum Video-Standard erreichende Bildqualität sorgt für das Verschwimmen letzter Details. So mag das Label, in dessen Programm diese Gurke geriet, dreist und verzweifelt die Flucht nach vorn er- und zu einem alten Trick gegriffen haben: Was erst „ab 18“ freigegeben ist, zieht zumindest den noch unerfahrenen Zuschauer magisch an. Bis sich im Kreis der potenziellen Käufer herumgesprochen hat, welches Kasperle-Theater „Evil Ground“ darstellt, hat man hoffentlich die Gewinnzone erreicht!

Anmerkung

„Hallowed Ground“ lautet der Originaltitel dieses Streifens. Korrekt übersetzt bedeutet dies „Heiliger Boden“, was im Kontext der Handlung seinen Sinn ergibt. Für die deutsche Fassung zermarterten sich offenbar die üblichen Verdächtigen, d. h. haargegelte Marketing-Spezialisten, ihre Zwergenhirne, verwarfen allzu deutsche = uncoole Titel und kreierten das denglisch-moderne „Evil Ground“. Müll bleibt indes Müll, auch wenn man ihn nett verpackt …

DVD-Features

Das geplagte Publikum darf dankbar sein: Nachdem es bereits dem Irrglauben verfiel, dass „Evil Ground“ das Anschauen lohnt, bleibt es von Extras zum Hauptfilm vollständig verschont; vermutlich wollten alle Beteiligten dieses trübe Kapitel ihres Lebens möglichst rasch hinter sich lassen …

[md]

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter FSK18 & k.J., Horror | Keine Kommentare »

The Devil’s Tomb – Welcome to Hell!

Erstellt von Michael Drewniok am 4. Februar 2010

devils-tombThe Devil’s Tomb – Welcome to Hell!

Originaltitel: The Devil’s Tomb (USA 2009)
Regie: Jason Connery
Drehbuch: Keith Kjornes
Kamera: Thomas L. Callaway
Schnitt: Chris Conlee
Musik: Bill Brown
Darsteller: Cuba Gooding Jr. (Mack), Taryn Manning (Doc), Valerie Cruz (Dr. Elissa Cardell), Franky G (Hammer), Zack Ward (Nickels), Henry Rollins (Fulton), Jason London (Hicks), Stephanie Jacobsen (Yoshi), Brandon Fobbs (Click), Weston Blakesley (Vater Jacoby), Bill Moseley (Prof. Duncan), Ray Winstone (Blakeley), Ron Perlman (Wesley), Sarah Ann Morris (Sharon) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 25.09.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray) bzw. 30.04.2010 (Steelbook)
EAN: 4013549873932 (Kauf-DVD) bzw. 4013549273930 (Kauf-Blu-ray) bzw. 4013549973939 (Steelbook)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo in der Wüste des Nahen Ostens haben US-amerikanische Inspektionsteams immer noch keine Massenvernichtungswaffen, sondern stattdessen noch Schlimmeres gefunden: einen Nephilim, Nachkomme einer Menschenfrau und eines Engels aus dem Kreis um Luzifer – ein Mischwesen von großer Macht und Bosheit, das Gott vorsichtshalber in einem unterirdischen Grab gefangen setzte. Das will der Nephilim, nach Jahrtausenden quicklebendig, verständlicherweise verlassen, um endlich wieder Böses über die Welt zu bringen.

Professor Wesley und einige vom Vatikan geschickte Wissenschaftler sollten dies verhindern. Dass bei dieser selbstverständlich streng geheimen Mission etwas schiefgelaufen ist, weiß der Geheimdienst CIA, als der Kontakt zur unterirdischen Bunkeranlage, die um das Grab herum errichtet wurde, plötzlich abreißt. Agentin Elissa Cardell soll nach dem Rechten sehen. Weil dabei mit unschönen Zwischenfällen zu rechnen ist, werden ihr einige Söldner zur Seite gestellt.

Zusammen mit Anführer Mack und seiner gemischtgeschlechtlichen Truppe große Worte & Feuer spuckender Troubleshooter geht es per Helikopter zum Einsatzort, wo man die nächsten sechs Stunden auf sich gestellt sein wird. Im Bunkerinneren finden die Besucher überall Spuren heftiger Kämpfe, dann die ersten blutigen Leichen und schließlich einen von Eiterblasen übersäten Priester, der Unverständliches brabbelt und die Neuankömmlinge unauffällig mit grünem Schleim zu bespucken versucht.

Während die Truppe sich zur Bunkersohle durchkämpft, wird sie von Visionen vergangener Fehlentscheidungen sowie zombiehaft entstellten Geistlichen und Wissenschaftlern heimgesucht, die auch heftigem Beschuss standhalten. Am Ziel angekommen, rückt Agentin Cardell endlich mit der ganzen Wahrheit heraus über  den Einsatz. Ein Überleben des Teams ist nicht vorgesehen, doch sowohl Mack und seine Leute als auch der Nephilim haben andere Pläne …

Der Teufel holt wieder den Zuschauer

Keine Idee und kaum Geld zu haben ist für entschlossene Filmemacher noch nie ein Hindernis gewesen. Diejenigen unter ihnen, die ihrer Liebe zum Medium trotz aller damit einhergehenden Einschränkungen und Schwierigkeiten zumindest Ausdruck verleihen können, dürfen unserer Vergebung gewiss sein: Dies ist der „Ed-Wood-Effekt“.

Alle anderen, deren Blick eher auf das Einspielergebnis gerichtet ist, müssen wir ertragen. Manchmal riskieren wir einen Blick und werden verdienterweise mit dem Verlust von anderthalb Stunden kostbarer Lebenszeit bestraft. Selten haben wir halbwegs Glück; dann geraten wir an ein zwar verkorkstes aber immerhin mit dem ehrlichen (und einzigen) Willen zur Unterhaltung entstandenes Werk wie „The Devil’s Tomb“.

Aufgepasst: Dies ist die wohlwollende Beurteilung eines Films, der in jeder Sekunde zeigt, was er ist – ein nicht für die große Leinwand, sondern für den Bildschirm produziertes Produkt, das mit möglichst wenig Aufwand möglichst hohen Gewinn einspielen soll. Dass dabei ein gewisser Unterhaltungsfaktor gewahrt bleibt, verdankt das Publikum einer zwar unterforderten aber mit ihrem Job vertrauten Darstellerschar sowie einem Regisseur, der geschickt jede der wenigen ihm zur Verfügung stellenden Dollarmünzen dort einsetzte, wo er am besten zur Geltung kam, wobei das Drehbuch freilich ausdrücklich ausgespart blieb.

Mit ernster Miene den Blödsinn blühen lassen

Der B-Film ist die Brutstätte handfesten Schwachsinns. Zeit und Geld sind knapp, und das lässt – manchmal durchaus vorteilhaft – die Skrupel schwinden. Eine Geschichte wird auf ihre blanken Knochen reduziert, dem eine bunte Flickendecke in Gestalt bewährter Handlungselemente und gerade aktueller Reizthemen übergeworfen wird. In unserem Fall haben wir einerseits die uralte Story vom zufällig geweckten Wüstenteufel (siehe „Der Exorzist“), die andererseits mit den Verschwörungstheorien eines Dan Brown gekreuzt wurde. Ohne Hemmungen wird die ‚Anwesenheit‘ der USA im Nahen Osten genutzt. Im 21. Jahrhundert wirkt die versprengte und von jeder Hilfe isolierte Gruppe – unverzichtbares Element in jedem zweiten Drehbuch der Filmgeschichte – zeitlos. Dass sich dahinter ausschließlich klassische (oder verbrauchte) Strukturen erkennen lassen, stört zunächst nur den älteren bzw. damit vertrauten Zuschauer.

Nachdem unsere Geschichte auf kargem Wüstenboden ihren Anfang nahm, geht sie unter die Erde bzw. in einen Bunker, der höchstens als digitaler 3-D-Plan eindrucksvoll wirkt. Tatsächlich sehen wir nur düstere Kammern oder enge, mit Kisten, Fässern und anderem Gerümpel vollgestellte Gänge, die sich unvermittelt zu mehrstöckigen Hallen voller Maschinen weiten, mit denen sich eine Kleinstadt versorgen ließe. Solche seltsamen Anlagen wird man in der Realität mit gutem Grund nicht finden; sie sind nur sinnvoll, wenn es darum geht, eine Darstellergruppe in hinterlistige Fallen zu locken und auf diese Weise auszudünnen.

Blut ist gut, Action noch besser

Da sich die Story vom geheimen Menschenkrieg gegen Gottes gefallene Engel nicht einmal logisch trinken lässt und die dramaturgisch eingeschnittenen Sündenqualen diverser Figuren höchstens den Tatbestand der Publikumsverdummung erfüllen, vergisst man beides besser und konzentriert sich auf den mit viel Geschrei und noch mehr Ballereien begleiteten Vorstoß von Mack & Co. in die Eingeweide des teuflischen Bunkers.

„Alien“ und Agatha Christie („Zehn kleine Negerlein“) lassen grüßen, wenn sich die Schergen des Nephilims nach und nach unsere Helden greifen. Jeder stirbt anders; der gemeinsame Faktor ist die Scheußlichkeit des Endes. Blut und Eingeweide werden verspritzt, und es ist schön, dass Regisseur Connery – ja, es ist Seans Sohn, der sich hinter der Kamera ein zweites Standbein in der Filmindustrie schaffen möchte – begriffen hat, dass er seine Zuschauer wenigstens in dieser Hinsicht nicht enttäuschen darf. Zum Blut kommen Schleim, Eiter und Speichel, und auch hieran wird keineswegs gespart. (Was auf die CGI-Effekte leider nicht zutrifft.)

Da verzeiht man dem Drehbuchautor Keith Kjornes beinahe die Penetranz, mit der er darauf besteht, dass tausendfach bewährte Söldnerprofis sich plötzlich wie Idioten benehmen und ständig ihre Posten verlassen, um mysteriösen Geräuschen hinterherzulaufen. In unguter Erinnerung bleiben jedoch das schwächliche Finale, die lieblose Auflösung der Story sowie eine letzte Szene, die „The Devil’s Tomb“ wie den Pilotfilm zu einer geplanten TV-Serie wirken lassen, deren Zustandekommen in der Tat den Beweis für teuflische Präsenz böte!

Der Pakt mit dem (launischen) Teufel

Schauspieler für einen Film wie diesem anzuheuern, um sie in Söldner-Rollen zu pressen, könnte man als kritischen Kommentar betrachten. Bloß: Wer könnte im Zusammenhang mit „The Devil’s Tomb“ in den Verdacht solcher Feinsinnigkeit geraten? Der Zusammenhang ist also keine Absicht und wird höchstens von diesem gar schlauen Rezensenten bemerkt (oder konstruiert.)

Dem zynischen Betrachter bleibt das Vergnügen, die Darstellerriegen von B-Movies auf bekannte Namen zu sichten. Dass Cuba Gooding Jr., in dessen Arbeitsliste sich Filme wie “Jerry Maguire – Spiel des Lebens” (1996), „Instinkt“ (1999) oder „Sie nennen ihn Radio“ (2003) finden und der einen „Oscar“ gewann (für „Jerry Maguire“), 2009 als Hollywood-Action-Söldner Mack in „The Devil’s Tomb“ auftritt, sagt durchaus etwas über den aktuellen Status seiner Karriere aus. Dem Zuschauer, der Wert darauf legen sollte, erwartet ein Rollenspiel, das zwar reine, in einschlägigen Klischees erstickte Routine, aber nicht das erwartete Knattermimen ist, mit dem B-Movie-Helden ansonsten gern aufwarten.

Das holen Goodings Kollegen nach. Auch sie haben in ihrer Mehrheit in respektablen Kino- und TV-Produktionen gearbeitet, finden aber hier keinen Ausweg aus dem Prokrustes-Bett, in das sie Kjornes und Connery zwingen. Also ergeben sie sich in ihre Schicksale und geben den buchstäblich hammerharten Quoten-Hispano (nur echt mit Kopftuch!), den dummen aber fröhlichen Kumpel oder den (zudem schwarzen) Computer-Nerd.

Für die zunächst im Kampfanzug steckenden Darstellerinnen findet sich zuverlässig ein Bunker-Plätzchen, um diesen abzulegen und ein wenig Haut zu zeigen. Den obligatorischen B-Movie-Busen serviert dieses Mal Ex-Model Holly Weber, die auf diese Weise schon zahlreichen Filmdurchschnitt veredelte; sie hat sich an den strategischen Stellen so ausgiebig mit Silikon stopfen lassen, dass sie in einem Horrorfilm wie „The Devil’s Tomb“ perfekt besetzt wirkt.

Auch Ron Perlman, der ‚Gaststar‘, verdient sich seine Gage – viel kann es nicht gewesen sein – im Halbschlaf. Wir sehen ihn anfangs in einer Videoaufzeichnung wirres Zeug reden und im Finale – ebenfalls Unfug verbreitend – vom Teufel besessen. Ausgerechnet ihn, der durch seine einprägsame Physiognomie bekannt ist, für die Winz-Rolle des Dr. Wesley zu engagieren, ergibt keinen Sinn und ist als reines Namedropping zu werten. Auf dem Cover wird Perlmans Teilnahme denn auch prominent herausgestellt.

Blieb noch ein Aspekt ohne Berücksichtigung? Ach ja: Über die Musik von Bill Brown lässt sich lobend erwähnen, dass sich der Zuschauer schon während des Films an keine einzige Note erinnern kann. So etwas wünscht man sich öfter!

DVD-Features

In ihrem Audiokommentar tauschen Regisseur Connery und Hauptdarsteller Gooding Anekdoten von den Dreharbeiten aus. Dies lässt sich den Kommentaren derer entnehmen, die hineingehört haben, wozu dieser Rezensent, der schon den Hauptfilm bis zum Ende durchgehalten hatte, ehrlich gesagt keine Lust mehr verspürte.

Das Anschauen sind diverse Outtakes und alternativen Szene bis auf eine Ausnahme definitiv nicht wert: Stellte man sich bisher die Frage, wieso Mack während eines früheren Einsatzes seinen Vorgesetzten erschoss, wird durch die erweiterte Szene deutlich, dass Mack so handelte, um einen mörderischen Fehler zu vertuschen. Diese schmutzige Falte im Charakter der Hauptfigur macht ihn interessant aber nicht heldenhaft, weshalb sie geändert und verharmlost wurde.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)

Abgelegt unter Action, FSK18 & k.J., Horror, Mystery | Keine Kommentare »

Blob – Schrecken ohne Namen

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Januar 2010

blob-1958Blob – Schrecken ohne Namen

Originaltitel: The Blob (USA 1958)
Regie: Irvin S. Yeaworth Jr.
Drehbuch: Theodore Simonson u. Kay Linaker
Kamera: Thomas Spalding
Schnitt: Alfred Hillmann
Musik: Ralph Carmichael
Darsteller: Steve McQueen (Steve Andrews), Aneta Corsaut (Jane Martin), Earl Rowe (Lieutenant Dave), John Benson (Sergeant Jim Bert), George Karas (Officer Ritchie), Olin Howland (alter Mann), Stephen Chase (Dr. T. Hallen), Lee Payton (Schwester Kate), Elbert Smith (Henry Martin), Hugh Graham (Mr. Andrews), Audrey Metcalf (Elizabeth Martin), Elinor Hammer (Mrs. Porter) u. a.
Label/Vertrieb: e-m-s
Erscheinungsdatum: 27.10.2005 (Kauf-DVD)
EAN: 4020974158336 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min.
FSK: 12

Das geschieht:

Irgendwo über dem US-Staat Pennsylvania geht im Sommer des Jahres 1957 ein Meteorit nieder. Ein alter Einsiedler findet an der Absturzstelle einen seltsamen Gallertklumpen, der sich plötzlich an seiner Hand festsaugt. Voller Panik sucht der Alte Hilfe und läuft auf der Landstraße beinahe dem jungen Steve Andrews vor den Wagen, der sich mit seiner Freundin Jane einen schönen Abend im Grünen machen wollte. Sie bringen ihn zu Dr. Hallen, der ratlos mit ansehen muss, wie sein Patient von dem Amöbenwesen absorbiert wird, bevor es ihn und eine Krankenschwester frisst.

Steve und Jane alarmieren die Polizei. Während die Kreatur heimlich durch den Ort schleicht, brave Bürger vertilgt und dadurch immer größer wird, stoßen sie nicht nur auf dem Revier, sondern auch bei den Eltern mit ihrem Bericht über ein “Monster aus dem Weltall” auf Skepsis. Als der gigantisch angeschwollene “Blob” ein Kino überfällt, ist es zu spät für Gegenmaßnahmen: Das Wesen ist schussfest, resistent gegen Säure und auch durch Starkstrom nicht umzubringen. Wieder ist es Steve, der seine Achillesferse entdeckt: Der Blob verträgt keine Kälte. Allerdings ist es schwierig, dies der Polizei mitzuteilen, weil Steve mit Jane und einigen weiteren Pechvögeln in einem kleinen Restaurant festsitzen, das der Blob buchstäblich in sich aufgenommen hat, um sich in Ruhe den leckeren Flüchtlingen im Keller widmen zu können …

“BEWARE OF THE BLOB, IT CREEPS …” : Der Blob und die Russen

Spätestens nachdem ab 1949 auch des Satans irdische Schergen – die Kommunisten aus der Sowjetunion – über die Atombombe verfügten, wuchs unter den Bravbürgern der USA die Angst, dass diese eines gar nicht fernen Tages über ihren Häuptern detonieren würde, bevor die eigenen Nuklearwaffen den dreisten Angreifer ausradieren könnten; nicht ganz so patriotisch veranlagte aber immerhin besorgte Zeitgenossen sahen sogar die gesamte Welt in einem III. Atom-Weltkrieg untergehen.

Die Furcht wurde nicht nur von der Politik oder den Medien, sondern auch von der (unterhaltenden) Kunst aufgegriffen. “Watch the Skies!”, lautete eine Parole der 1950er Jahre, denn von dort würden sie kommen, die “Roten” aus Russland. Im Kino taten sie das allerdings maskiert, denn damals wie heute hasst der Filmzuschauer es, am Feierabend mit Fakten belästigt zu werden. Also sahen die Sowjets wie Außerirdische aus, die sich durch die Hintertür in die USA einschlichen, um dort ihr böses Invasoren-Werk zu verrichten. Das war unheimlich und unterhaltsam zugleich und sorgte für jenes Geräusch, das Hollywood über alles liebt: das Klingeln der Kassen.

1958 konnte der Feind aus dem Osten deshalb problemlos wie der “Blob” sein: eine kollektiv gesteuerte Masse ohne individuelle Merkmale, die schleichend und mit dem Willen zur Zerstörung über ihre Opfer herfiel, sie nicht nur fraß, sondern absorbierte, d. h. sie sich einverleibte und für die eigene böse Sache versklavte. (Rot war sie übrigens auch noch.)

“… AND LEAPS AND GLIDES AND SLIDES …”: Kleine Stadt muss sich bewähren

Wie würden sich die Bewohner des kleinen, namenlosen Städtchens schlagen, das überall in den USA stehen konnte? Würden sie schlafen, die falschen Entscheidungen treffen, gar schreiend flüchten? Oder sich zusammentun, um dem Gegner entschlossen die Stirn zu bieten und ihn niederzukämpfen? Im kommerziell ausgerichteten B-Kino war dies eine rhetorische Frage: US-Bürger lassen sich vielleicht kurzfristig täuschen, weil sie nicht mit der Hinterlist eines hinterrücks angreifenden Feindes rechnen, aber dann besinnen sie ihrer gemeinschaftlichen Kraft und geben es dem Schurken doppelt heraus!

Dabei ist diese kleine Stadt kein friedlicher Ort. Bereits ohne den Blob geht es in ihren Straßen hoch her. Der Konflikt zwischen den Generationen entwickelte sich in den 1950er Jahren zu einem gravierenden Problem. Auf der einen Seite standen die “Eltern”, die in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und des II. Weltkriegs aufgewachsen waren und Gehorsam, Disziplin und Konformität forderten. Dem widersprachen die nach dem Krieg geborenen Teenager, die den Mangel nicht kannten, ihre in den Jahren des wirtschaftlichen Nachkriegsbooms entstandenen Freiräume testeten und sie für zu klein befanden.

“Rebels without a Cause” nannte man sie, “… denn sie wissen nicht, was sie tun”, unterstellte man ihnen. Mit James Dean in der Hauptrolle brachte es Regisseur Nicholas Ray 1955 allgemeinverständlich auf den Punkt. Eine Welle thematisch ähnlich gelagerter Filme folgte. Die meisten nutzten das Aufbegehren der “Halbstarken” nur als Vorwand für reißerische Action. Regisseur Yeaworth beschäftigt sich ernsthafter mit dem Konflikt. Steve und Jane scheinen an den Eltern, den Polizisten und anderen Respektspersonen vorbeizureden, sich gar in einer fremden Sprache zu artikulieren. Hinzu kommt das ständige Misstrauen der Älteren, die sich unsicher, herausgefordert und nicht respektiert fühlen. Ein Monster geht um, aber im Streit zwischen Alt und Jung geht diese Bedrohung lange unter.

“…ACROSS THE FLOOR / RIGHT THROUGH THE DOOR …”: Kinder – wild aber gut

Irvin S. Yeaworth (1926-2004), der Regisseur von “Blob”, war ein fundamentalchristlich geprägter Mann, der zahllose Kurzfilme und Features für kirchliche Radio- und TV-Sender realisierte. Ihm war es ernst mit seiner Darstellung des Generationskonfliktes. Die ernsthafte und gleichzeitig naive Herangehensweise an das Thema fordert den Spott des heutigen Publikums heraus, das mehr als fünf Jahrzehnte später freilich aus der Perspektive dessen urteilen kann, der mit der Gnade der späten Geburt gesegnet wurde.

Yeaworth überzeugt nicht, er manipuliert, denn er meint, die Lösung zu kennen. Er personifiziert sie in der Figur des Lieutenant Dave, der zwischen den Generationen vermittelt und verdeutlicht, dass Steve, Jane und ihre Altersgenossen vielleicht ein wenig ungestüm aber vertrauenswürdig sind. Diesem Integrationsprozess widmet sich Yeaworth, unterstützt vom Autorenteam Theodore Simonson u. Kay Linaker, so intensiv, dass der Blob aus dem Geschehen verschwindet. Dennoch wird noch heute deutlich, wie provokativ einige Szenen einst gewirkt haben müssen. Wenn zum Beispiel Mr. Andrews, ein Lehrer, seinen Schlüssel zur Schultür, hinter der dringend benötigte Feuerlöscher lagern, vergisst und sich einen Stein greift, inszeniert Yeaworth, wie Andrews, dem der Blob im Nacken sitzt, sichtlich zögert, den für ihn unerhörten Bruch mit den Regeln zu vollziehen und eine Glasscheibe einzuschlagen. Als er es endlich tut, bestaunen ihn seine Schüler ehrfürchtig: Der Kontakt zwischen den Generationen ist möglich, auch wenn es einer Notlage bedarf, um eine Brücke zu schlagen!

“… AND ALL AROUND THE WALL …”: Darf nichts kosten, soll viel einbringen

Kommen wir nach dem, was den “Blob” indirekt interessant macht, endlich zu dem, was dieser Film eigentlich ist und sein sollte: kostengünstig produzierte Unterhaltung mit einem möglichst hohen Einspielergebnis! Aus kommerzieller Sicht ging die Planung voll auf: Bei einem Budget von um die 150.000 Dollar spielte “Blob” an den Kinokassen 4 Mio. Dollar ein. Weil die Produzenten außerdem das Glück hatten, zufällig einen zukünftigen Filmstar (Steve McQueen) zu engagieren, blieb “Blob” der kollektiven Erinnerung erhalten und wurde allmählich mit dem Goldschmelz des Klassikers überzogen. Der hält einer kritischen Ritzprobe allerdings kaum stand: “Blob” bringt den Zuschauern von heute weder unter Berücksichtigung zeitgenössischer Beurteilungsfaktoren noch als kurioser Trash von Gestern allzu große Freude.

Wenig mehr als 80 Minuten beträgt die Laufzeit, die gefühlt wesentlich länger wirkt. Das liegt nicht nur an der Abwesenheit des Blobs, sondern auch an einem hastig aus Versatzstücken geschustertem Drehbuch und einer ungeschickten Regie, die ganz einfache Dinge unnötig verkompliziert, um Spannung dort zu schüren, wo sie sonst nicht entstehen würde. Immer wieder nimmt Yeaworth das Tempo aus der Handlung und lässt seine Darsteller reden, reden, reden, bis die Hand des Zuschauers die Vorspultaste sucht. “Blob” fehlt ein echter Spannungsbogen. Das Geschehen zerfasert in Episoden, und selbst in den gelungenen Sequenzen spotten logikfreie Wendungen jeglicher Beschreibung. (Was ist beispielsweise von der Intelligenz eines Doktors zu halten, der deutlich sieht, wie sich im Nebenzimmer die Decke über seinem von einem mysteriösen Gallertwesen befallenen Patienten hebt und senkt, aber nicht an den Behandlungstisch stürzt, sondern seelenruhig eine Krankenschwester anruft, die ihm bei einer Arm-Amputation helfen soll?)

Während der Zuschauer den Anblick des lausig animierten Blobs (dazu gleich mehr) in einem über fünfzig Jahre alten Film akzeptiert und verzeiht, tötet die Penetranz, mit der junge aber völlig ausgewachsene Männer und Frauen dem Publikum als “Kinder” verkauft werden, jegliche Glaubwürdigkeit. Wer ‘junge’ Hauptrollen besetzt, sollte dafür mindestens jugendlich wirkende Darsteller engagieren. Die “Blob”-Kinder sind sämtlich weit über 20, und das sieht man ihnen so deutlich an, dass ihr Verhalten durchweg lächerlich wirkt. (Steve McQueen war während der Dreharbeiten 27 und seit zwei Jahren verheiratet; das wird im Film übrigens dokumentiert, weil McQueen sich entweder weigerte, vor der Kamera seinen Ehering abzulegen, oder niemand hinter der Kamera bemerkte, dass er ihn trug – auch nicht Aneta Corsaut als ‘jungfräuliche’ Jane von 24 Jahren …)

“… A SPLOTCH, A BLOTCH …”: Das Monster aus der Tube

Der Blob erweist sich als Kind der modernen Industriechemie. Zwar soll er angeblich vom Himmel gefallen sein, aber seine tatsächliche Herkunft ist irdisch: Entweder wurde er (oder es) im Film von einem blobbig maskierten Plastikballon gedoubelt, der mehr schlecht als recht in ‘bedrohlich’ wirkende Bewegungen versetzt wurde und sich höchstens schleppend von der Stelle bewegen konnte, oder rot gefärbtes Silikon gab ihm seine gallertige Konsistenz. Diese haltbare Masse wabert wie Wackelpudding und lässt sich durch kleine Öffnungen wie Türritzen oder Belüftungsgitter pressen, was (1958 zuverlässig und heute mit etwas gutem Zuschauer-Willen) wirkt, als ob der Blob seinen Opfern entgegen quillt.

Wenn er im Finale erst durch ein Kino tobt und anschließend ein ganzes Restaurant unter sich begräbt, dann wurde das eine als Miniatur nachgebaut und das andere einfach als Foto eingeblendet, über das der Silikon-Blob geschüttet wurde. Nicht einmal betrunken lässt sich diese Offensichtlichkeit ignorieren. (Dass etwas nicht stimmt, merkt man auch daran, dass viele der ‘panisch’ vor dem Blob flüchtenden Statisten – sie wurden unter der Bevölkerung des Städtchens Phoenixville in Pennsylvania rekrutiert, in dem die Außenaufnahmen entstanden – von einem Ohr zum anderen grinsen und einen Heidenspaß haben; die Szenen wurden nicht neu gedreht, sondern einfach im Film belassen.)

Die Tricktechnik war halt noch nicht sehr weit, und “Blob” entstand nicht in einem der großen Hollywood-Studios, sondern als unabhängige Produktion. Immerhin reichte das Budget, um einen skurrilen Zeichentrick-Vorspann zu finanzieren, dem ein urkomischer aber sehr stilvoller Rocksong mit dem Titel “Beware of the Blob” (Co-Komponist: Burt Bacharach!) unterlegt wurde. (Was aus dem Silikon-Blob wurde, der den Drehschluss glänzend überstand, lässt sich unter dem Titel “The Man Who Owns the Blob” hier nachlesen.

“… BE CAREFUL OF THE BLOB!”: Der Schatten des Blobs

Nach dem erstaunlichen Einspielergebnis hätte ein Hollywood-Studio umgehend eine (noch billiger produzierte) Fortsetzung nachgeschoben. Das unterblieb jedoch. Bis 1972 ruhte der Weltraum-Pudding gut gekühlt in der Arktis, in die ihn die Army (die es zu ihrem Leidwesen nicht hatte zerstören können) 1957 verfrachtet hatte. Dann befreite ihn ausgerechnet Larry Hagman, der “J. R.” aus der TV-Seifenoper “Dallas”, in seiner einzigen Regiearbeit “Beware! The Blob” und ließ ihn komödienhaft und trashig durch Los Angeles toben.

1988 gelang Chuck Russell ein “The Blob” betiteltes Remake des Originals, das dieses inhaltlich wie formal weit übertraf. Ein blutjunger Kevin Dillon und eine noch jüngere Shawnee Smith (“Saw” I – ?) in den Hauptrollen gaben wesentlich überzeugendere Teenager ab als McQueen & Corsaut, und die soliden Tricks sowie ein ruppiger, oft schwarzer Humor haben diesen Film zu Recht zu einem Genre-Klassiker geadelt. (Wie sich die Zeitläufte geändert haben, belegt die Tatsache, dass der Blob 1988 einem außer Kontrolle geratenen Militär-Experiment der US-Regierung entsprang.)

“So lange die Arktis gefroren bleibt, sind wir außer Gefahr”, lautet der letzte Satz, den wir im “Blob” von 1958 hörten. Im Zeitalter der globalen Klimaerwärmung klingt diese Äußerung unheilvoll, und in der Tat rührt sich der Blob schon wieder, um 2011 und dieses Mal unter der Regie von Rob Zombie grimmiger denn je über diese Welt zu kommen …

DVD-Features

2005 erschien eine deutsche DVD-Ausgabe von “Der Blob”, der dieser alte, immerhin in Farbe und Breitwandformat entstandene Film adäquat aufgespielt wurde. Wie es einem Klassiker – auch einem fragwürdigen – gebührt, ergänzten ihn diverse interessante Features. So findet man auf dieser Scheibe (englischsprachige) Audiokommentare von Jack H. Harris (Produzent), Bruce Eder (Filmhistoriker), Irvin S. Yeaworth Jr. (Regie) und Robert Fields (Nebendarsteller des ‘Teenagers’ Tony Gressette).

Darüber hinaus kann man sich des originalen Kinotrailers erfreuen, der “Blob” als Quelle für durch Furcht bedingte Herz- und Hirnschläge hinstellte und dadurch erst recht lockte, die alte deutsche Titelsequenz sehen – auch Vorspänne wurden einst übersetzt – und sich über Steve McQueens Leben und Filmkarriere informieren. Ein hübsches Booklet mit Bildern, Zeichnungen und Plakatmotiven rundet die Extras ab.

(Die den Kapitelüberschriften vorangestellten Zitate stammen aus dem weiter oben erwähnten Titelsong “Beware of the Blob”; Text: Burt Bacharach & Hal David.)

P. S.: Wenn unser Ungeheuer “Blob” heißt, wie kann es dann ein “Schrecken ohne Namen” sein?

[md]

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter Drama, Familie, Horror, Mystery, Science Fiction | Keine Kommentare »

House – Die Schuldigen werden bestraft

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Januar 2010

houseHouse – Die Schuldigen werden bestraft

Originaltitel: House (USA 2008)
Regie: Robby Henson
Drehbuch: Rob Green u. Frank Peretti
Kamera: Marcin Koszalka
Schnitt: Andrea Bottigliero
Musik: David E. Russo
Darsteller: Reynaldo Rosales (Jack Singleton), Heidi Dippold (Stephanie Singleton), Julie Ann Emery (Leslie Taylor), J. P. Davis (Randy Messsarue), Leslie Easterbrook (Betty), Bill Moseley (Stewart), Lew Temple (Pete), Michael Madsen (Tin Man/Polizist), Alana Bale (Susan), Mark Fierer (Randys Vater), Florentyna Synowiecka (Melissa), Andrew Gorzen (Leslies Onkel) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 08.01.2010 (Kauf-DVD u. -Blu-ray)
EAN: 4041658500753 (Leih- u. Kauf-DVD) bzw. 4041658590754 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 96 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 16

Das geschieht:

Nach dem tragischen Unfalltod ihrer Tochter Melissa und trotz zahlreicher Therapiestunden haben sich Jack und Stephanie Singleton nichts mehr zu sagen. Stattdessen streiten sie, und das tun sie auch, während sie irgendwo im US-Staat Alabama durch einen einsamen Wald fahren. Es kommt, wie es in einem Film dieser minderen Güteklasse kommen muss: Jack rast mit dem Wagen in einen Graben. Das Handy bleibt ohne Empfang, sodass unsere beiden Pechvögel froh sind, im abgelegenen und ungastlich wirkenden “Wayside Inn” unterschlüpfen zu können. Dort treffen sie Leslie und Randy, die ebenfalls Pech mit dem Wagen hatten.

Hotelchefin Betty ist keine Frau, die den Besuchern ein Gefühl des Willkommenseins vermittelt. Noch übler wirken Stewart, der ungehobelte Hausmeister, und Pete, Bettys beschränkter Sohn, der sich umgehend an Leslie heranmacht. Schon will Stephanie angewidert das Haus verlassen, da taucht vor der Tür ein maskierter und mit einer Schrotflinte bewaffneter Mann auf: Der “Tin Man”, ein mörderischer Psychopath, will die ‘Gäste’ des “Wayside Inn” für ihre ‘Sünden’ bestrafen: Wenn sie nicht bis zum Morgengrauen einen aus ihrer Runde ausgewählt und umgebracht haben, will er sie alle töten.

Voller Angst ergreift das Quartett die Flucht. Der Keller des Gasthauses ist ein Labyrinth, in dem es umgeht: Visionen vergangener Vergehen suchen die Flüchtigen heim. Sie haben in der Tat alle etwas zu verbergen, das sie nunmehr noch einmal durchleben müssen. Jack stößt dabei auf Susan, die sich gegen den “Tin Man” stellt. Nach und nach erkennen die Gestrandeten, dass sie in einem Zwischenreich gefangen sind und um ihre Seelen kämpfen müssen. Susan ruft zum Kampf gegen den “Tin Man” auf, doch sie überschätzt das Gemeinschaftsgefühl der Leidensgenossen. Bis der Morgen tatsächlich graut, werden Verrat und Feigheit ihre Opfer fordern …

Der Teufel sieht alles & verzeiht nichts

Da es auf dieser Welt nichts gibt, das es nicht gibt, dürfte die Existenz eines  phantastischen Subgenres, das sich “spiritual thriller” oder “religious fiction” nennt, kaum überraschen. Wie alle Religionen basiert auch der Erfolg des Christentums auf ständiger Kontrolle und der Rekapitulation fundamentaler Verhaltensregeln. Zum Kummer derer, die sich berufen fühlen, dies zu beaufsichtigen, genügt es längst nicht mehr, den Schäfchen zu predigen und ihnen dabei jene Werte zu vermitteln, die “christlich” genannt werden. Auch der Glaube muss heute unterhaltsam verpackt werden. Dass dies funktioniert, ist keine neue Entdeckung. Seit jeher haben vor allem liberaler denkende Zeitgenossen die Möglichkeiten genutzt, die ihnen der technische Fortschritt öffnete. Deshalb gibt es heute christliche Comics, christlichen Heavy-Metal-Rock und eben christliche Phantastik.

“House”, der Film, entstand nach einem gleichnamigen Roman, den Ted Dekker und Frank E. Peretti 2006 veröffentlichten. Vor allem Dekker hat sich auf “christliche Fantasy” spezialisiert. Seine zahlreichen Beiträge zu diesem Genre bilden mehrere Zyklen. Obwohl er seine Romane als Unterhaltung bezeichnet, bezieht Dekker eindeutig Stellung. Die Welt ist für ihn nicht nur Daseinsort, sondern auch Schauplatz eines ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse. Jederzeit kann der Mensch in eines dieser Gefechte gezogen werden. Dann gilt es Farbe zu bekennen, buchstäblich Seelenstärke sowie Bußfertigkeit zu beweisen und die Krise mit Gottvertrauen, Liebe und notfalls dem Willen zur Selbstaufgabe zum Wohle des Mitmenschen zu meistern.

Langeweile ist der Manipulation nicht hilfreich

Dekkers Werke werden in geistig entsprechend gepolten Kreisen viel gelesen. Dieser Erfolg soll nach Möglichkeit umgemünzt werden. Dazu bietet der Film ein geeignetes Medium. Schon 2006 drehte Robby Hensen ebenfalls nach einer Romanvorlage von Dekker den Film “Thr3e” (dt. “Thr3e – Gleich bist du tot”), der inhaltlich große Ähnlichkeiten mit “House” aufweist: Die Sünden der Vergangenheit leben weiter, und irgendwann muss sich der Verursacher ihnen stellen. Dann ist es ratsam zu wissen, wie man diese Herausforderung meistern kann.

Wer nicht ‘nur’ unterhalten, sondern auch belehren will, schwebt stets in Gefahr, im Eifer des Gefechts bzw. im Dienst der guten Sache erst ins Dozieren und dann ins Predigen zu geraten. Vor allem der nicht regelmäßige Kirchgänger stellt indes ein scheues Wild dar, und den erhobenen Zeigefinger verabscheut auch der Filmfreund mindestens ebenso heftig wie Schleichwerbung. Deshalb gilt es behutsam vorzugehen.

“House” ist allerdings ein krudes Durcheinander, in dem jeder Versuch einer möglichen Manipulation hoffnungslos untergeht. Es bleibt nur ein laues Filmchen mit einem Plot, der – das dürfte Henson und Drehbuchautor Peretti besonders schmerzen – zuvor von deutlich weniger christlich gesonnenen Filmemachern wesentlich besser weil effektvoller realisiert wurde.

Das Auge ist ein unbarmherziges Organ

Ihren Weg per Film zu einer besseren Welt mussten Henson und Peretti offenkundig ohne finanzielle Unterstützung durch fromme Gesinnungsgenossen einschlagen. “House” ist eine Low-Budget-Produktion, die (wie schon “Thr3e”) in Polen (der Heimat von Papst Johannes Paul II.) entstand, wo aus dem Dollar mehr Film als in Hollywood gepresst werden kann.

Groß kann das finanzielle Polster trotzdem nicht gewesen sein, denn “House” erreicht nicht einmal B-Movie-Niveau. Sicherer Maßstab ist in der heutigen Filmwelt das Niveau der CGI-Tricks. Sie gelten als Allzweckwaffe im Versuch, das Übernatürliche realistisch zu bebildern. In der Tat können längst digitale Welten erschaffen werden, die absolut ‘natürlich’ wirken. Freilich sind zwei Faktoren unverändert geblieben: Gute Tricks kosten Geld. Das menschliche Auge ist inzwischen an digitale Spezialeffekte gewöhnt und kann sie sehr gut als solche erkennen. Der daraus resultierende Verdruss ist dem Filmgenuss wenig zuträglich.

Ausgerechnet die finanziell weniger bestückten Produktionen greifen gern auf CGI-Effekte zurück; “House” bildet da keine Ausnahme. Die Strafe folgt umgehend: Wo bereits die ‘klassischen’ Tricks (Gruselmasken, künstliche Körperteile, Blutbeutel) nicht gerade überzeugend gelingen, lassen die per PC geschaffenen Illusionen erst recht zu wünschen übrig.

Wer mimt mit – oder muss mitmachen?

Zwar lassen sich heutzutage auch Filmstars zum Dreh ins (osteuropäische) Ausland locken, aber weiterhin tummeln sich dort vor allem Darsteller, die diesen Aufenthalt mit der Rollenzusage in Kauf nehmen mussten. Kostengünstige Produktionen wie “House” binden TV-”Gaststars”, Soap-Opera-Mimen oder andere No-Names, die es gewohnt sind, für wenig Geld und unter harten Drehbedingungen – hier primär das Waten durch Schlamm und Schmutzwasser – ihre Szenen schnell hinter sich zu bringen. Wie unsere Darsteller deutlich unter Beweis stellen, gilt Talent dagegen als sekundäres Gut. (Dies lässt sich übrigens auch auf die Synchronsprecher übertragen, die ölig-nölig, jede Betonung verfehlend oder falsch setzend letzte Reste von Spannung und Stimmung abtöten.) Wenn es lohnt, jemandem bei seinem Job zu beobachten, dann ist es Michael Madsen, der pro Jahr in durchschnittlich zehn Filmen spielt und deshalb durch Kritikerschelte ohnehin schwer zu erreichen ist.

Das Drohen & Wüten, das Bereuen & Weinen, das Flüchten & Scheitern verfolgt der Zuschauer völlig unbeteiligt. Die einfallslose Regie bringt keine Bewegung ins müde Spiel. Worauf die Geschichte hinausläuft, ist viel zu schnell klar. Überraschungen gibt es nicht. Falls Henson glaubt, er könne sie durch Tragik und den schockierenden Prozess allmählicher Erkenntnis ersetzen, liegt er falsch. Das ‘Große Finale’ erweist sich als plumper, im Zeitraffer gestalteter Showdown zwischen Gut & Böse, dem die minderwertigen CGI-Effekte zusätzlich schlecht bekommen. Natürlich bleibt für jene Figuren, die gerade noch rechtzeitig ihr Heil in Liebe und Gewaltverzicht gesucht haben, die Belohnung nicht aus. Weil dies ein christliches Mystery-Drama ist, darf zusätzlich nicht der Hinweis fehlen, dass das Böse nur kurzfristig besiegt werden kann und weiterhin lauert. Diese Lehre sollte man verinnerlicht haben, wenn man beim nächsten Besuch in der Videothek die Neuerscheinungen mustert.

DVD-Features

Dem deutschen Label muss bereits geschwant haben, dass “House” sich nicht an die Spitzen der DVD- oder Blu-ray-Charts setzen wird. Auf Zusatzmaterial wurde deshalb verzichtet.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Abgelegt unter Horror, Mystery | Keine Kommentare »

Boogeyman 3

Erstellt von Michael Drewniok am 14. Januar 2010

boogeyman_3Boogeyman 3

Originaltitel: Boogeyman 3 (USA 2009)
Regie: Gary Jones
Drehbuch: Brian Sieve
Kamera: Lorenzo Senatore
Schnitt: John Quinn
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Erin Cahill (Sarah), Chuck Hittinger (David), Mimi Michaels (Lindsey), Matt Rippy (Dr. Kane), Nikki Sanderson (Audrey), WB Alexander (Lukas), Elyes Gabel (Ben), George Maguire (Jeremy), Jayne Wisener (Amy), Kate Maberly (Jennifer), Richie Mantaliev (Brandon), Galina Talkington (Katie), Niky Sotirov/Vladimir Yosifov (Boogeyman) u. a.
Label: Ufa Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 03.07.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 0886973833490 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Gerade hat der böse “Boogeyman”, der in Wandschränken und anderen dunklen Winkeln auf seine Opfer – am liebsten Teenies beiderlei Geschlechts – lauert, den Psychiater Dr. Mitchell Allen unter die Friedhofserde gebracht (s. “Boogeyman 2 – Wenn die Nacht dein Feind wird”, 2007), da spukt er schon – wieso auch immer – dessen Töchterlein Audrey hinterher. Die studiert an einer nordkalifornischen Provinz-Universität und ist mit freundlichen aber plapperdummen Freunden geschlagen, sodass der Boogeyman seine Attacken fortsetzen kann, bis Audrey schließlich in ihrer Studentenbude an einem Ledergürtel baumelt.

Depressionsbedingter Selbstmord nach dem tragischen Tod des Vaters lautet das fachmännische Urteil, dem nur Freundin Sarah widerspricht, die noch mitbekam, wie der Boogeyman die arme Audrey würgte. Dummerweise hat sich Sarahs Mutter im Vorjahr erhängt, woraufhin ihre Tochter diverse Monate im Sanatorium verbringen musste. Deshalb ergeht es ihr nun wie Audrey: Niemand glaubt ihr, was dem Boogeyman die Möglichkeit gibt, im Studentenwohnheim seinem Job nachzugehen und Haschköpfe, Möchtegern-Rocker u. a. Sonderlinge zu killen, deren Verschwinden außer Sarah niemand zu interessieren scheint.

Während die ständig warnende aber nicht ernst genommene Sarah schließlich im Kerker des Campus-Sicherheitsdienstes landet, setzt der Boogeyman zum Hauptangriff an. Zuvor hat er Sarah netterweise im Rahmen einer Vision davon in Kenntnis gesetzt, dass er sämtlichen Bewohnern des Wohnheims ein blutiges Ende bereiten will. Nachdem Sarah wieder frei ist sowie die schmelzende Schar ihrer Freunde endlich begriffen hat, was vor- bzw. umgeht, geht es dem Finsterling hinterher, der freilich trotz seiner intellektuellen Beschränktheit den studentischen Widersachern eindeutig über ist …

Blasser Buhmann im bulgarischen Exil

Über die Existenz so manchen Franchises lässt sich nur rätseln. Schon der erste “Boogeyman”-Film von 2005 war weder originell noch ausgesprochen unterhaltsam, sondern nur erfolgreich. Das genügte, um ihn in eine Kuh zu verwandeln, die gemolken wird, bis sie wirklich keinen einzigen Tropfen Blut mehr hergibt; kein Wunder, dass der Boogeyman so miserabel gelaunt ist! Der Strahl wird zudem schon deutlich dünner. Das spiegelt sich im Budget wider. 2005 lag es noch bei 20 Mio. Dollar. 2009 mussten dürftige 3 Mio. reichen. Deshalb wanderte die Produktion nach Bulgarien aus, wo – Regisseur Gary Jones spricht es aus – der Dollar noch wesentlich mehr wert ist als in Hollywood.

Trotzdem wandelt “Boogeyman 3″ konstant am Rande des Zusammenbruchs. Die Story wurde praktisch unverändert vom zweiten Teil übernommen. Statt ein Sanatorium teeniefrei zu meucheln, buht sich der Boogeyman dieses Mal durch ein Studentenwohnheim. Nur jeweils ein Teenie ist in der Lage, den Schwarzen Mann beim Würgen zu sichten, während die Nebendarsteller blind und blöd abwarten, bis sie an die Reihe kommen und gedrosselt, in Stücke gesäbelt, in winzige Koffer gezerrt oder sonstwie so kunstvoll gemordet werden, wie es das Winz-Budget zulässt. Das geschieht alle fünf bis sieben Minuten, wodurch die Zuschauer recht regelmäßig aus ihrem verdienten Schlummer gerissen werden.

Das Drehbuch setzt sich nur aus Klischees und Dummheiten zusammen. Da ist rein gar nichts Neues zu sichten. Der chronische Geldmangel sorgt außerhalb der Metzel-Szenen erst recht für Langeweile. Es wird geredet, gerannt und geschrien. Meist sieht man keinen Grund dafür und mag sich auch keinen ausdenken; “Boogeyman 3″ gehört zu jenen Filmen, denen der Zuschauer, der allzu offensichtlich nur ausgenommen werden soll, keinerlei Zugeständnisse machen mag.

Job ist Job, und irgendwann ist auch das geschafft!

Bei einem 3-Millionen-Dollar-Budget darf der Regisseur an Stars nicht einmal denken. Stattdessen muss er grabenkriegsgestählte Profis rekrutieren, was in unserem Fall TV-Darsteller sind, die ihre Szenen möglichst rasch und glatt spielen. Sogar für eine “direct-to-DVD”-Produktion lassen sie sich anheuern, weil sich die Teilnahme an einem Spielfilm im Lebenslauf besser macht als das Mimen von Nebenrolle 8 in einer von tausend Folgen “CSI” oder “Desperate Housewifes”.

Schauspielerische Begabung muss nicht unbedingt unter Beweis gestellt werden. Für die Darsteller spricht, wenn sie – unabhängig vom Geschlecht – einen gut entwickelten Oberkörper mitbringen, der in einem Horrorfilm dieser Qualitätsstufe mindestens einmal zu entblößen ist. Darstellerinnen rettet davor nur, wenn sie genug Prominenz (und einen tüchtigen Agenten) in die Waagschale werfen können, um sich solcher Zurschaustellung entziehen. Erin Cahill kann es, Nikki Sanderson nicht. Weitere blanke Busen tragen diverse in Bulgarien angeheuerte und namenlos bleibende Statistinnen zu Filmmarkte.

Für den “Boogeyman-3″-Job wird ansonsten nur noch eine gewisse Fitness verlangt. Die Darsteller müssen schnell laufen, die Darstellerinnen zusätzlich tüchtig schreien können. Ansonsten genügen zwei oder drei Gesichtsausdrücke, um problemlos über die Runden zu kommen. Die Rollen sind pure Klischees: die brave Heldin, ihr gutmütiger Freund, der Quoten-Schwarze, der unkonventionelle Freigeist und seine geile aber nette Freundin, der Nerd usw. Dazu kommt ein ‘erwachsener’ aber faktisch total vernagelter Doktor, der psychologisch wirkende Binsenweisheiten absondert, bis ihn endlich die gerechte Strafe in Gestalt des Boogeyman ereilt.

Fantastik ohne Geld geht einfach nicht

“Boogeyman 3″ sollte in Deutschland ursprünglich ab 18 Jahren freigegeben werden. Zur seltenen Abwechslung muss man sich den Film im dafür zuständigen Gremium jedoch sorgfältig angeschaut haben, denn die FSK wurde auf 16 Jahre herabgestuft. Für die Hardcore-Fans des Splatter-Genres ist das gleichbedeutend mit einem Todesurteil, legt es doch nahe, dass Blut und Gekröse eher moderat verspritzt werden. Das trifft in der Tat zu, doch bilden weder böser Wille noch ein Kotau vor der Zensur die Ursachen. Die Wahrheit ist ebenso simpel wie traurig: Für anständige Metzel-Effekte war kein Geld da.

Noch am besten funktionieren die ‘handgemachten’ Tricks. Masken, Blutbeutel, falsche Gliedmaßen: Sie mögen inzwischen altmodisch sein, aber sie erfüllen ihren Zweck. Billige CGI-Effekte sind dagegen kontraproduktiv. Als solche überdeutlich erkennbar, zerstören sie hier jede Illusion.

Falls noch Reste einer unheimlichen Stimmung verblieben sein sollten, werden sie durch aufdringliche Klangeffekte endgültig zerstört. Plumpe Dröhn- und Buh!-Attacken sollen den Zuschauer zusammenzucken lassen, wo ansonsten das schläfrig Angesehene kein Erschrecken hergibt. Dem Boogeyman wird eine Soundkulisse unterlegt, die lächerlich ist. Er spricht kein Wort, aber lacht ebenso blechern wie dreckig, wenn er wieder einmal böse war.

Woher kommt dieser Buhmann überhaupt? Die Darsteller versuchen sich an einer Erklärung, aber sie tun sich nicht grundlos schwer damit. Wenn ich das ratlose Gestammel korrekt entwirre, ‘lebt’ der Boogeyman durch diejenigen Menschen, die an ihn glauben. Je größer ihre Zahl ist, desto mächtiger wird er. Wieso zeigt er sich dann immer nur einem Pechvogel, statt seine Opfer effizient gemeinschaftlich zu erschrecken? Als der Film endet, ist der Boogeyman keinen Schritt weiter: Er drückt sich noch immer in den Wandschränken karg bekleideter Studentinnen herum. Schrecklich ist deshalb höchstens die Vorstellung, dass er im nächsten Teil der Serie ebenso tumb weitertückt wie bisher.

DVD-Features

Dass sich das “Boogeyman”-Franchise dreist an die “Final-Destination”-Serie hängt, wird durch die DVD-Extras zum Hauptfilm und hier besonders durch die Featurette “Deconstruction the Deaths” noch hervorgehoben. Die eigentliche Story ist nur Gerüst für eine Parade blutig-’lustiger’ Morde, die aufgrund des Schmal-Budgets in “Boogeyman 3″ darauf angewiesen sind, vom Regisseur (der aussieht und sich kleidet wie George Lucas’ bisher verschwundener Zwillingsbruder) und den Darstellern schöngeredet zu werden.

Ähnliches gilt für den Buhmann selbst, dem die Featurette “Creating the Boogeyman” gewidmet ist. Die Maske ist im Entwurf durchaus eindrucksvoll, doch mit der realen Umsetzung hapert es mächtig. Dazu trägt der Boogeyman anscheinend Mortitia Addams’ abgelegtes Lumpen-Kostüm. Dargestellt wird er von zwei bulgarischen Stuntmen.

US-Amerikaner fühlen sich im Ausland unbehaglicher als auf dem Mond. Die Featurette “Boogeyman in Bulgaria” zeigt die nervösen Darsteller auf ihrer Reise nach Bulgarien. Allerdings gefällt es ihnen dort schließlich so gut, dass Hauptdarstellerin Erin Cahill nach Drehschluss zu einem gemeinschaftlichen Besäufnis einlädt.

Irgendwo hatte Cutter John Quinn wohl noch zwei geschnittene Szenen gespeichert, die nun ohne Kommentar unter den Extras auftauchen. Sie sind völlig belanglos, aber das trifft ja auf viele Szenen zu, die im fertigen Film verblieben.

[md]

Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter FSK18 & k.J., Horror | Keine Kommentare »

Stump the Band

Erstellt von Michael Drewniok am 12. Januar 2010

stump-the-bandStump the Band

Originaltitel: Stump the Band (USA 2006)
Regie: William Holmes u. JoJo Henrickson
Drehbuch: JoJo Henrickson (nach einer Story von Fletcher Rhoden)
Kamera: Jose Luis Rios
Schnitt: JoJo Henrickson
Musik: Robbie Rist
Darsteller: Courtney Bean (Tammy), Becky Boxer (Joan), Dominique Davalos (Kim), Brittney Startzman (Elaine), Ellen Fox (Nikki), JoJo Henrickson (Nigel), Larry Wyatt (Coach), Dave Berges (Daniel), Jake Harmes (Billy), Charles Klausmeyer (Einarmiger Mann), Brandon Tesar (Kiel), Carl Ciarfalio (Guido), Danny Cooksey (Little Joe) uva.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2009
EAN: 4041658700283
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo in der Provinz des US-Staats Wisconsin rackert sich eine Frauen-Rockband in schmierigen Bars und ähnlich unerfreulichen Etablissements ab. Auf den großen Durchbruch mussten Kim, Joan, Elaine und Tammy bisher vergeblich warten, worüber sie sich mit viel Sex & Rock’n’Roll trösten, während sie mit Manager Nigel, Roadie Nikki und Fahrer Kiel im uralten Van von Auftritt zu Auftritt eilen.

Weil es zum nächsten Ziel Mal besonders weit durch tiefe Wälder geht, ist die Gruppe froh, als ihnen an einer Tankstelle eine Abkürzung gewiesen wird. Leider ist Kiel nicht der Hellste; in tiefer Nacht kommt er von der schmalen Straße ab. Man strandet mitten in der Wildnis. Niemand weiß, wo man ist, der Wagen springt nicht mehr an, die Handys bleiben ohne Empfang.

Schon auf sie gewartet haben allerdings der gar nicht freundliche Tankwart Daniel und sein schwachsinniger Spießgeselle Billy. Freudig nehmen sie die Gunst der Stunde wahr und eröffnen die Jagd auf die fünf schönen Frauen. Sie wollen sie fangen und dem Schuhhändler “Coach” bringen. Der lebt seinen intensiven Fußfetischismus aus, indem er Daniel und Billy Frauen in die Falle locken und in sein abgelegenes Haus verschleppen lässt. Dort hackt er ihnen mit seiner doppelschneidigen Axt die Füße ab, die er anschließend – sorgfältig nach Größe geordnet – in Schuhkartons hortet. Seine Opfer interessieren ihn fußlos nicht mehr, wovon seine Schergen anstößig profitieren.

Das Killer-Team hat sich über die Jahre perfekt aufeinander eingespielt. Deshalb sieht es schlecht für die Frauen aus. Kiel und Nigel werden schnell ausgeschaltet, und bald kann Coach ein erstes Mal die Axt schwingen. Aber er hat die Rocker-Girls unterschätzt, und außerdem lauert im Wald jemand, der eine alte Rechnung mit Coach zu begleichen hat. Der Kampf beginnt – Pardon wird nicht gegeben …

Auf diesem Mist soll der Erfolg wachsen

Normalerweise verdienen sich die Männer und Frauen der in North Hollywood ansässigen Firma “Compost Productions” ihren Lebensunterhalt, indem sie hoffnungsfrohe Nachwuchs-Schauspieler dafür zahlen lassen, sie in repräsentativen Spielszenen zu filmen, die anschließend hoffentlich interessierten Studios als Referenz gezeigt werden können. Doch wie in Hollywood üblich, wollen die Compostler eigentlich selbst ‘richtige’ Filme drehen. Mit “Stump the Band” erfüllten sie sich ihren Traum, der zu diesem Zeitpunkt gut gereift war. Regisseur William Holmes erzählt im “Making Of”, dass er die Story beinahe ein Jahrzehnt in seinem Hirn wälzte. Letztlich musste er JoJo Henrickson zu Hilfe holen, um aus der Idee ein funktionstüchtiges Drehbuch zu entwickeln.

Der unter diversen Mühen fertiggestellte Film wirft die Frage auf, was das Paar die ganzen Jahre tatsächlich getrieben hat: “Stump the Band” ist ein völlig typischer, d. h. ideenarmer, überhaupt nicht origineller und billig heruntergekurbelter Backwood-Slasher, der die mit diesem Genre verbundenen Klischees in voller Bandbreite bedient. Hübsche Frauen in den Fängen vertierter Hinterwäldler, ein bisschen Nacktheit, die in den USA nur angedeutet werden darf, weshalb man auf sittlich unbedenkliche Folter- und Metzel-Szenen ausweicht: Die Masche hat sich bewährt und kommt auch hier zum Tragen.

Weshalb “Stump the Band” nüchtern betrachtet als weiterer jener Schnellschüsse abgetan werden könnte, die Hollywood in Salven auf ahnungs- und wehrlose Zuschauer abzufeuern pflegt. Das Drehbuch ist keinen Schuss Pulver wert, das Minimal-Budget und die daraus erwachsenen Unzulänglichkeiten werden allzu offensichtlich, und die Darsteller haben die Kunst des Schauspiels höchstens per Fernstudium (und oft gar nicht) erlernt.

Humor hilft eigentlich immer

Was “Stump the Band” indes von den unzähligen filmischen Grausamkeiten der B- und C-Kategorie trennt, mit denen sich vor allem der Horrorfan malträtiert sieht, ist ein unerwarteter Enthusiasmus, der das laue Geschehen mit Leben füllt. Unabhängig davon, ob die in Szene gesetzten Scherze witzig sind, hilft es dem Film, dass er zwar seine Zuschauer, aber sich niemals ernst nimmt. “Stump the Band” bietet natürlich keinen feinsinnigen Humor. Selbst grobe Gags werden jedoch so unverfroren dargeboten, dass man unwillkürlich grinsen muss.

Darüber hinaus sorgen skurrile und schamlos durchgespielte Einfälle für jene Momente, die Filmroutine zum gelungenen Spaß aufwerten. Larry Wyatt gibt als perverser “Coach” dem Schauspieler-Affen kräftig Zucker. Einen Fußfetischisten als Serienkiller gab es bisher nicht. Wyatt legt sich mit todernster Miene ins Zeug und scheut keine Peinlichkeit. Ohne Furcht vor Lächerlichkeit agiert auch Jake Harmes als Billy, der “dog boy”, der nicht spricht, sondern nur bellt und in den Wald geworfene Schuhe apportiert.

Mit vollem Körpereinsatz mimen die weiblichen Darsteller. Diese Aussage ist durchaus doppeldeutig gemeint, denn selbstverständlich beinhaltet “Stomp the Band” die für den Horrorfilm der B-Stufe obligatorische Nacktszene. An Erotik ist freilich nicht zu denken, wenn man beobachtet, wie sich die vier Frauen hüllenlos und todesmutig in einen ‘Teich’ stürzen, der eindeutig ein schlammiger, stinkender Pfuhl ist. Im “Making Of” wird dies vom Regisseur bestätigt und durch Drehort-Bilder bestätigt, die im Betrachter kaltes Grausen aufsteigen lassen; mit Recht bedankt sich William Holmes noch einmal ausdrücklich bei seinen vier Hauptdarstellerinnen, die dieses höllische Bad nicht nur auf sich nahmen, sondern im Inneren des Drecktümpels sogar das Schauspielen nicht vergaßen.

Falls sie nicht baden, haben in diesem Film ohnehin die Frauen die Hosen an. “Stump the Band” gehört zu den raren Streifen, die ihre Darstellerinnen nicht auf geile Metzel-Schnecken reduzieren, sondern ihnen Persönlichkeiten zubilligen. (Wobei auch hilft, dass die Darstellerinnen zum Zeitpunkt des Drehs zwischen 30 und 40 Jahre alt. also keine kleinen Mädchen mehr waren.) Unsere vier Musikerinnen sind zwar recht proletarisch im Denken und Handeln, aber sie haben das Sagen, und trotz oder sogar wegen ihrer Ruppigkeit wirken zumindest drei von ihnen sympathisch. (Dazu und zu Nr. 4 Näheres weiter unten.) An ihrem Schicksal nimmt man Anteil, statt ungeduldig darauf zu warten, dass sie des Coaches Axt trifft.

Filmdreh als Abenteuer

Der chronische Geldmangel einer Produktion wie “Stump the Band” lässt ‘richtige’ Schauspieler von einem Engagement Abstand nehmen. Zurück bleiben die Hoffnungsvollen und die Verzweifelten, die sich in einem Karriereloch befinden. Letztere in ihrem Unglück zu beobachten ist wenig unterhaltsam. Glücklicherweise scheinen die Darsteller von “Stump the Band” keine besonderen Ambitionen auf eine Hollywood-Starkarriere zu haben.

Schauspielerische Präzisionsarbeit darf man von diesen Neulingen und Laien nicht erwarten. Sie schlagen sich immerhin wacker. Erfreulicherweise schließt das die Hauptdarstellerinnen ein – mit einer Ausnahme: Courtney Bean spielt die Nervensäge Tammy allzu überzeugend. Man hasst sie schnell, und sie will einfach nicht sterben, obwohl sie zwischenzeitlich sogar in Coaches Keller landet. Selbst Beans Originalstimme klingt so grässlich wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Schiefertafel. Welcher Ungeist trieb Holmes & Henrickson dazu, ausgerechnet sie so prominent zu besetzen? Wenigstens fügt sich Bean harmonisch in die Rockmusik-Auftritte der Band ein. Die Musik ist zwar Geschmackssache, doch die Mädels legen sich glaubhaft ins Zeug.

“Stump the Band” verfügt themennah über einen ausgesprochen rockigen Soundtrack. Der fügt sich nicht immer glücklich zu den Szenen, denen er unterlegt wurde, und auch der musikalische Laie bemerkt, dass Talent wohl nicht unbedingt erforderlich war, um einen Song in diesem Film zu platzieren. Manchmal passen Bild und Musik freilich sehr gut zusammen, und dann haben wir wieder einen dieser Momente, in denen “Stump the Band” einfach Spaß verbreitet.

Wie viel Grausen gibt’s für einen Dollar?

Wer genau hinschaut, wird in dem Gewirr der Nebendarsteller immer wieder dieselben Gesichter erkennen. Geld war knapp bei dieser “Compost”-Produktion, sodass auch Mitglieder der Crew im Schutz unterschiedlicher Verkleidungen gleich mehrfach zum Einsatz kamen. Sogar für das Anmieten des Vans, mit dem unsere Band durch die Provinz schaukelt, war kein Geld da. Regisseur Holmes ‘lieh’ sich den Wagen seiner Gattin. Als Stuntman Carl Ciarfalio (der auch den Mafioso Guido gibt) diesen im Eifer des Gefechts in ein Gebüsch krachen lässt (s. “Making Of”), ist Holmes’ Angst vor ehelichen Vergeltungsmaßnahmen sichtlich groß.

Es gibt digitale Effekte in “Stump the Band”, aber sie bleiben in der Minderzahl – gut so, denn sie sind mittelmäßig bis sauschlecht. Ansonsten wird mit Körper- und Kopf-Abgüssen, Schweinedärmen und viel Kunstblut gearbeitet. Weil dieser Film garantiert keine Millionengewinne einbringen wird, legten sich die Macher keine Zügel an und schrieben richtig fiese Effekte ins Drehbuch. In “Stump the Band” fliegen Frauenfüße, Augäpfel und Arme so hemmungslos durch die Luft, dass selbst die notorisch humorlose FSK den Spaßfaktor dieses Films begriff und von Zensurschnitten absah. Ohnehin sorgen die Budgetbeschränkungen dafür, dass die Zahl der Schnetzeleien beschränkt bleibt.

Das alles adelt “Stump the Band” nicht zum Kultfilm. Doch wenn man die Grenzen bedenkt, die den Machern dieses Films gesteckt waren, und ihre manchmal pfiffigen Auswege berücksichtigt, muss man anerkennen, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Arbeit abgeliefert haben, die man sich anschauen kann, ohne sich allzu sehr um 90 Minuten Spiel- und Lebenszeit betrogen zu fühlen.

DVD-Features

Mit viel Liebe zum Detail haben die Macher von “Stump the Band” die Dreharbeiten dokumentarisch begleitet. Was man sich vor und hinter der Kamera gedacht hat, lässt sich dem 27-minütigen, sehr informativen und unterhaltsamen Beitrag “Behind the Scenes” entnehmen. Improvisation hieß an allen Drehorten das Gebot der Stunde, woraus niemand einen Hehl macht, wie überhaupt die ansteckend gute Laune der bei der Arbeit Gefilmten und Interviewten verdeutlicht, was ein “Making Of” jenseits verlagerter Filmwerbung sein kann.

Eine kurze Sammlung von Szenen, die es so nicht in den Film schafften, wird durch diverse “Outtakes” ergänzt, die dokumentieren, was während eines Drehs schiefgehen kann. Besonders erheiternd wirkt eine Sequenz, in der Darsteller Charles Klausmeyer im Vordergrund aus Leibeskräften mit den Dämonen seiner Seele ringt, während im Hintergrund ein sich unbeobachtet wähnendes Mitglied der Crew gegen einen Torpfosten pinkelt.

Sehr inhaltsreich ist schließlich die Website zum Film geraten.

Viele aus “Stump the Band” bekannte Gesichter findet man auch auf der “Compost Productions”-Website wieder.

[md]

Titel bei Amazon.de

Preisrätsel/Gewinnspiel 5 x 1 DVD
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
Wie heisst der schwachsinnige Spießgeselle von Tankwart Daniel? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald 30 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Die 5 Gewinner lauten: Wolf Strunk, Gerd Brake, Mika Bücherheim, Ingolf Schmalz, Karin Sauer, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Abgelegt unter FSK18 & k.J., Horror, Thriller, beendete Preisrätsel | Keine Kommentare »

Das Buch zum Film: Darren Shan: Mitternachtszirkus – “Willkommen in der Welt der Vampire”

Erstellt von Detlef Hedderich am 11. Januar 2010

Shan, Darren
Mitternachtszirkus – Willkommen in der Welt der Vampire

Das Buch zum Film
Übersetzt von Orgaß, Katharina / Jung, Gerald
Verlag :      Droemer Knaur
ISBN :      978-3-426-28334-9
Einband :      gebunden
Preisinfo :      9,95 Eur[D] / 10,30 Eur[A]
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung.
Seiten/Umfang :      544 S. – 19,0 x 12,5 cm
Erschienen :      01.12.2009
9,95 Eur[D]

Ich ließ den Blick noch einmal an dem gruseligen Gebäude hinaufwandern und schluckte. Es sah genauso aus wie die Häuser in den Horrorfilmen. Wir blickten uns an und wussten beide, dass wir schreckliche Angst hatten, aber wenigstens waren wir zusammen. Gehen wir rein?, fragte Steve. Darren ist ein ganz normaler Teenager, bis zu dem Tag, als ein geheimnisvoller Mitternachtszirkus in die Stadt kommt. Seine nächtliche Vorstellung hat ungeahnte Folgen, denn Darren muss ein großes Opfer bringen – und zum Halbvampir werden! An der Seite seines neuen Lehrmeisters Mr. Crepsley entdeckt Darren eine dunkle, unheimliche, faszinierende Welt, findet neue Freunde und muss sich ungeahnten Abenteuern stellen … Dieses Buch enthält die ersten drei Abenteuer von Darren Shans dunkler Vampirsaga: DER MITTERNACHTSZIRKUSDIE FREUNDE DER NACHTDIE DUNKLE STADT.

Titel bei buch24.de
Titel bei Amazon.de

Abgelegt unter Buch zum Film, Horror, Mystery | Keine Kommentare »