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Archiv für die 'Kino' Kategorie

Real Steel

Erstellt von Günther Lietz am 12. Dezember 2011

“Real Steel” – wahrer Stahl – aus dem Helden und ihre boxenden Roboter bestehen, kämpft auch um die Gunst der Zuschauer. Und um die zu gewinnen, haben Regisseur Shawn Levy und seine Drehbuchschreiber alles ausgepackt, was der Hollywoodbaukasten zu bieten hat. Ganz viele bunte Steine ergeben somit einen Film, der komplett auf das Publikum zugeschnitten ist. Die Sache hat nur einen Haken, der Film hat weder Seele noch Herz.

Dabei spricht der Anfang des Streifens eigentlich für ein rührseliges Familiendrama und emotionales Erlebnis. Denn eines Tages erfährt der erfolglose Roboterboxer Charlie Kenton (Hugh Jackman), dass seine Exfrau gestorben ist. Er soll nun zu einem Gerichtstermin kommen, bei dem es um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Max (Dakota Goyo) geht. Charlie hat keine echte Bindung zu Max und so ist es für ihn ein Leichtes, das Sorgerecht regelrecht an Max’ Tante zu verhökern. Doch zuvor verbringt Max noch die Ferien bei seinem Vater, denn er nur Charlie nennt.

Eine traurige Geschichte und der Zuschauer kann sich bereits denken, wohin der Weg führt. Charlie, übrigens ein richtiges Arschloch, investiert das Geld in einen neuen Boxroboter und verliert prompt. Auf dem Schrottplatz entdeckt Max nun einen Sparringsroboter namens Atom und bringt die alte Klapperkiste auf Vordermann. Durch den gemeinsamen Boxsport raufen sich Vater und Sohn zusammen, Atom boxt gegen den Champion und alle sind froh und glücklich und so weiter und so fort. Oh, und natürlich gibt es auch noch die gutaussehende Bailey (Evangeline Lilly), mit der Charlie zusammenkommt.

Die Geschichte ist so offensichtlich konstruiert, dass es schmerzt. All die soften Herzschmerzmomente Hollywoods wurden in einen Topf geworfen. Und weil Boxen so brutal ist, verkloppen sich halt Roboter. Das kommt in Zeiten von “Transformers” beim Publikum gut an und sorgt für eine niedrige FSK. Problem an der Sache: Die Transformers haben Persönlichkeit. Die fehlt den boxenden Robotern vollkommen. Es sind und bleiben eiskalte Maschinen.

Allgemein gesagt ist die Roboteridee ziemlich blöde und der Underdog Atom vollkommen unglaubwürdig. Wäre der ein toller Boxer, würde er nicht auf dem Schrottplatz liegen, sondern jeder würde so einen haben. Daran ändert auch die Sache mit der Bewegungssteuerung nichts. Das würde dann auch jeder machen. Absoluter Schwachsinn. Es geht hier einfach nur darum eine alte und rostige Blechdose zu haben, um den Mitleidbonus abzuräumen. Wie der restliche Film, ist eindeutig erkennbar, dass “Real Steel” am Reißbrett erschaffen wurde. Der Film ist vollkommen nach Blockbusterlehrbuch gestaltet und das ist ihm stets anzumerken. Die Macher haben vergessen, dass Film auch Kunst ist. Aber das Zielpublikum lässt trotzdem die Kasse klingeln, denn es läuft so viel Mist zur besten Sendezeit, dass scheinbar nur die wenigsten noch gute Unterhaltung zu schätzen wissen.

Wenigstens kommt die Vorlage mit Niveau daher. Sie stammt von Richard Matheson und ist seine Science-Fiction Kurzgeschichte “Steel”, die er 1956 verfasste und die vom Fernsehen bereits mehrmals adaptiert wurde. Einmal im Rahmen der Serie “Twilight Zone” 1963 („Ein Halbschwergewicht aus Stahl“) und dann nochmals bei den Simpsons („Häuptling Knock-A-Homer“). Da schlüpfte Homer in einen Kampfroboter, um seinem Sohn Bart zu imponieren. Diese Zeichentrickfolge hat mehr Herz, als es “Real Steel” vermag. Denn da riskiert Daddy Charlie Kenton zu keinem Zeitpunkt sein Leben. Wäre auch zu brutal, um eine niedrige Altersfreigabe zu bekommen. In „Ein Halbschwergewicht aus Stahl“ bleibt der Loser-Roboter übrigens ein Loser-Roboter und somit die Story glaubhaft. Und das tanzende Duo Atom und Max stammt übrigens aus „Häuptling Knock-A-Homer“ – und die Story ist wirklich rührend und tiefsinnig.

“Real Steel” wird auch gerne mit den Stallone-Streifen “Rocky” oder “Over the Top” verglichen, fährt dabei aber keine Punkte ein. Um ehrlich zu sein, der Levy-Streifen orientiert sich eigentlich gar nicht an diesen beiden bekannten Kinohits, sondern nutzt einfach nur die gleichen Elemente, um dann aber auf ganzer Linie zu versagen.

Das Einzige was “Real Steel” am versumpfen in die Bedeutungslosigkeit hindert, sind die Darsteller. Allen voran Hugh Jackman, der für “Real Steel” eifrig seinen Kredit als markiger und kantiger Typ wegknabbert. Noch ein oder zwei Streifen dieser Art und seine bisherigen Verdienste sind dahin. Er ist jedenfalls der Bremsklotz, der “Real Steel” daran hindert über die Klippe zu rauschen. Sein Spiel ist hervorragend und voller Spielfreude. Jackman geht richtig mit und haucht dem Film wenigstens etwas Leben ein.

Etwas fürs Auge, aber dennoch gefangen in einer klinisch reinen Liebesbeziehung, kommt Evangeline Lilly als Bailey Tallet daher. Lilly ist eine grandiose Schauspielerin und war einer der Gründe, um in den letzten Jahren den Serienhit „LOST“ einzuschalten. Allerdings hat sie in “Real Steel” leider nichts mehr mit der starken und zähen Kate aus „LOST“ gemeinsam. Im Gegenteil, die Frau wird als Schauspielerin regelrecht demontiert und verkommt zum Mechanikerfrauchen, dass in einem Loch ausharrt, bis das Arschloch wieder auftaucht und sie dann gnädig zurücknimmt. Schwache Leistung von Lilly, die viel mehr kann, aber vom Drehbuch ausgebremst wird.

Mehr Raum bekommt dagegen Kinderstar Dakota Goyo der den Max spielt. Der Junge kann was, keine Frage, aber in “Real Steel” ist er einfach nur penetrant, naseweis und altklug. Er hat einfach zu viel Zeit auf dem Bildschirm und wirkt kaum kindlich, stellt dafür aber eine coole Figur dar, der alle kleinen Jungs nacheifern können. “Real steel? Real shit! Goyos Rolle befördert soviel Hollywoodzucker in den Streifen, dass es schon eklig wird.

Was bleibt also unterm Strich? Ein Film der mehr sein könnte als er schlussendlich ist. Zu sehr auf Hollywood getrimmt, zu sehr auf Vater-Sohn-Drama gestimmt, als das es glaubhaft und unterhaltsam wäre. Trotzdem weiß der Film stellenweise zu unterhalten, vor allem in den ersten fünf Minuten. Von solch einem Jackman hätte es mehr bedurft, einem Jackman, der wirklich was riskiert, mit einer starken Bailey und einer glaubhaften Kinderfigur an seiner Seite. “Real Steel” ist unteres Mittelfeld, aber immerhin noch im Spiel.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Real Steel

Originaltitel: Real Steel
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Indien (2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Shawn Levy
Drehbuch: John Gatins, Dan Gilroy (Geschichte), Jeremy Leven (Geschichte)
Produktion: Shawn Levy, Susan Montford, Don Murphy
Musik: Danny Elfman
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Dean Zimmerman

Darsteller: Hugh Jackman (Charlie Kenton), Dakota Goyo (Max Kenton), Evangeline Lilly (Bailey Tallet), Kevin Durand (Ricky), Anthony Mackie (Finn), James Rebhorn (Marvin), Hope Davis (Debra), Olga Fonda (Farra Lemcova), Karl Yune (Tak Mashido)

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Your Highness

Erstellt von Günther Lietz am 30. August 2011

Von der Masse und den Kritikern verschmäht, ist der Film “Your Highness” – von David Gordon Green – überraschenderweise ziemlich witzig. Allerdings ist der vorgefundene Humor Geschmackssache …

König Tallious (Charles Dance) regiert weise über sein Reich. Ihm zur Seite stehen seine Söhne Fabious (James Franco) und Thadeous (Danny McBride). Fabious ist von ansehnlicher Gestalt, rettet regelmäßig das familieneigene Königreich und löst reihenweise Questen. Thadeous ist dagegen ein Taugenichts, der fremde Königreiche gegen sich aufbringt, die Frauen liebt und gerne mal Zauberkraut raucht, um einen ordentlichen Rausch zu bekommen. Als nun Fabious’ jungfräuliche Braut Belladonna (Zooey Deschanel) entführt wird, ziehen die beiden Brüder los, um sie zu retten.

Die liebliche Belladonna befindet sich leider in der Gefangenschaft des bösen Zauberers Leezar (Justin Theroux), der die Jungfrau zu schwängern droht. Die beiden Prinzen ziehend mit ihrer Gefolgschaft los. Es dauert nur kurz, und die ungleichen Brüder sind fast – denn Narr Courtney (Rasmus Hardiker) ist mit von der Partie – auf sich alleine gestellt. Glücklicherweise schließt sich ihnen die holde und knackige Amazone Isabel (Natalie Portman) an. Und nun geht das Abenteuer richtig los …

Um “Your Highness” zu mögen, sollte sich der Zuschauer eines im Vorfeld klarmachen: Der Film ist keine leichte Fantasykomödie, sondern derbe Fantasy-Comedy. Das Drehbuch von Danny McBride und Ben Best ist ziemlich dünn, hangelt sich an üblichen Geschichten entlang und dient nur als Vehikel für Blödsinn, Quatsch und Klamauk. Gespickt mit einer Portion Erotik, sexistischen Witzen und blutiger Action. Das Zielpublikum des Films fällt somit sehr klein aus, handelt es sich doch um erwachsene Fantasyliebhaber, die auch mal ihr Hirn abschalten können. Das der Film es in Deutschland somit nur ins Heimkino geschafft hat, ist deswegen nachvollziehbar.

Regisseur David Gordon Green (“Ananas Express”) geht “Your Highness” sehr frei an. Er inszeniert den Film mit einer großen Portion Ironie und spielt in mehreren Szenen auf bekannte Filme an. Dazu gehören Streifen wie “Kampf der Titanen”, “Der dunkle Kristall”, “Die Reise ins Labyrinth”, “Arielle, die Meerjungfrau”, “Die Mumie” und auch “Conan der Barbar”.

Besonders auffallend an Greens Film ist die Ausstattung. Zwar fällt “Your Highness” gegen Fantasyfilme wie die “Der Herr der Ringe”-Trilogie ab, dennoch sind CGI, Kulissen und Kostüme sehr hochwertig. Auch bei den Darstellern fährt David Gordon Green ordentliche Geschütze auf. Allen voran natürlich Oscargewinnerin Natalie Portman (“Black Swan”, “Star Wars Episode I-III”) und James Franco (“127 Hours”, “Planet der Affen: Prevolution”), dicht gefolgt von Zooey Deschanel (“Per Anhalter durch die Galaxis”, “(500) Days of Summer”) und mit Danny McBride (“Ananas Express”, “Stichtag – Schluss mit gemütlich”) als Schlusslicht. Leider fällt Deschanels Rolle ziemlich klein aus, aber um so mehr punktet sie mit Spielfreude und Begeisterung.

Überhaupt ist den Darstellern ihre Freude und der Spaß am Dreh anzusehen. Sie spielen einfach drauf los und wirken sehr locker. Niemand zeigt Höchstleistung, es scheint mehr wie ein gemeinsamer Urlaub mit Bühnenstück – voller Entspannung. Einzig die Portman dreht etwas auf, zeigt was sie kann und mimt ihre Rolle zeitweise sehr ernsthaft, was aber zum Charakter der Figur gehört. Und genau diese Darstellung passt hervorragend zum Film, der kein ernsthaftes Spiel zeigen, sondern Spaß haben und vermitteln will. Der Klamauk sitzt einfach. Das zeigen auch die anderen Darsteller: Justin Theroux als Bösewicht Leezar, Charles Dance als König Tallious oder auch Damian Lewis als Boremont. Sie sind in ihrem ernsten Spiel einfach lustig.

Mit “Your Highness” hat Regisseur David Gordon Green einen Streifen im Stile der “Scary Movie”-Filme abgedreht, der in die gleiche derbe Humorkerbe schlägt, sich allerdings der Fantasy annimmt. Es wird kaum ein Klischee ausgelassen und die ganze Truppe agiert munter vor sich hin. Dabei ist die Aufmachung des Streifens hochwertig und seriös, das Schauspiel der Darsteller angemessen ernsthaft. Die Figuren agieren glaubhaft in ihrer Welt und stellen selbst die merkwürdigsten Dinge nie in Frage.

Genau deswegen funktionieren auch die Anspielungen auf populäre MMORPGs (“World of Warcraft”, “Age of Conan”) so hervorragend. Für die Bewohner der Welt ist es vollkommen normal Questen und Mini-Questen zu lösen, Questen zu teilen oder sich in Tavernen zu treffen, um über Questen zu reden. Allerdings wird in der deutschen Synchronisation tatsächlich das alte deutsche Wort “Queste” benutzt, allerdings hat sich auch im hiesigen Sprachgebrauch das englische Wort “Quest” durchgesetzt und hat „Queste“ sogar aus dem Duden verdrängt. Trotzdem ist die Synchronisation gelungen und launig.

Wer derben Humor mag, blöde Gags und Klamauk vor ernsthaftem Hintergrund, der wird mit “Your Highness” ziemlich gut bedient und kann einfach mal abschalten. Alle anderen sollten einen großen Bogen um den Film machen – er ist wirklich eine reine Geschmackssache.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Your Highness

Originaltitel: Your Highness (USA 2011)
Länge: 100 Minuten

Regie: David Gordon Green
Drehbuch: Danny McBride, Ben Best
Produktion: Scott Stuber, Jon Mone, Danny McBride, Mark Huffam, Andrew Z. Davis
Musik: Steve Jablonsky

Besetzung: Danny McBride, James Franco, Natalie Portman, Zooey Deschanel

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Der Name der Leute

Erstellt von Günther Lietz am 25. August 2011

Es gibt Filme, die bleiben einfach hängen, die nisten sich tief in der Erinnerung ein. Dazu zählt eindeutig “Der Name der Leute”, der auf den ersten Blick als einfache französische Komödie erscheint, schlussendlich auch viel mehr zu bieten hat – ohne dabei irgendwie aufdringlich zu wirken.

Der Film von Regisseur Michel Leclerc erzählt die Geschichten zwei sehr unterschiedlicher Personen. Da wäre Bahia Benmahmoud (Sara Forestier), linke Aktivistin, jung, frech und zu allen Schandtaten bereit. Sie setzt ungeniert ihren Körper ein, um den Klassenkampf zu gewinnen: Bahia bekehrt die Anhänger der rechten Szene mittels Sex. Und sie kann ansehnliche Erfolge vorweisen. Ganz anders tickt da Arthur Martin (Jacques Gamblin), ein älterer Herr mit einem morbiden Beruf: Er ist Fachmann für tote Vögel und arbeitet fürs Seuchenamt. Die jüdische Vergangenheit seiner Mutter verschweigt er, ist ein Anhänger des  einstigen sozialistischen Premierminister Lionel Jospin und im Grunde ein ziemlich langweilger Kerl. Das er die Bekanntschaft von Bahia macht liegt einzig an einem Missverständnis seitens der Halbalgerierin.

Schon bald entwickelt sich aus der Zufallsbekanntschaft eine Romanze, in der die Leben der beiden Hauptfiguren unter die Lupe genommen werden. Leclerc seziert politische Einstellungen, reflektiert die französische Vergangenheit im Algerienkrieg, weist auf soziale Missstände hin und zeigt, dass ein wenig Liebe und Freundschaft manche Brücke schlägt. Als Vehikel dient ihm dabei das ungleiche Paar Bahia und Arthur.

In bester Woody-Allen-Manier präsentiert der französische Filmemacher spritzige und aberwitzige Dialoge, überzeichnete Figuren und stille, nachdenkliche Augenblicke. Leclerc versteht es Filme zu machen, Botschaften zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen – falls der Zuschauer es will. “Der Name der Leute” meidet den erhobenen Zeigefinger. Der Film präsentiert eine satirische Komödie mit Tiefgang. Sie kann oberflächlich genossen werden. Aber wer möchte, der kann tiefer gehen, sich an der Vergangenheitsbewältigung der Figuren beteiligen, sich an ihrem Glück erfreuen und Gedanken über politische Strömungen machen.

Die Schauspieler Sara Forestier und Jacques Gamblin tragen natürlich ihr übriges dazu bei, um den Film derart anspruchsvoll und lustig zu gestalten. Sara Forestier (“Milch und Honig”, “Vorsicht Sehnsucht”) ist eine sehr ansehnliche Person und hat eine freizügige Rolle übernommen, die natürlich auch entsprechende Nacktheit zeigt. Das sorgt für ein erotisches Knistern und trotzdem herzliches Lachen, denn die Rolle der Bahia ist absichtlich stark überzeichnet. Doch es gelingt Mademoiselle Forestier die perfekte Balance zu halten – die vollkommene Ernsthaftigkeit zu umgehen und gleichzeitig den Klamauk zu vermeiden. Das Ergebnis ist eine frische und freche Person, die einem sofort ans Herz wächst.

Jacques Gamblin (“Holy Lola”, “Carnage”) ist der perfekte Gegenpol. Stets akkurat gekleidet, zurückhaltend, vielleicht etwas zu steif. Dennoch eine gleichwertige Rolle. Monsieur Gamblin und Sara Forestier ergänzen sich perfekt. Den beiden beim Spiel zuzuschauen macht großen Spaß. Michel Leclerc verbindet Komödie, Drama und Politik zu einem spannenden und unterhaltsamen Geflecht, seine Darsteller hauchen der ganzen Sache Leben ein. Zu Recht erhielt Sara Forestier für “Der Name der Leute” den Étoile d’Or und den César als beste Hauptdarstellerin.

Aber auch die anderen Schaispieler wissen zu überzeugen und die Zuschauer für sich einzunehmen. Zwar in kleinen, aber für den Film dennoch in bedeutende Rollen, agieren Schauspieler wie Zinedine Soualem und Michèle Moretti. Vor allem letztere zeigt ein grandioses Spiel und ist wichtige Handlungsträgerin. Als kleinen Gag kommt sogar Lionel Jospin zu einem Cameoauftritt.

Während die Kamera von Vincent Mathias geführt wurde, stammt der Schnitt von Nathalie Hubert. Beide haben eine erstklassige Arbeit geleistet, sorgen für toll montierte Fahrten und Umschnitte. Mit beiden hat Michel Leclerc einen guten Griff getan, um spannende und auch überraschende Augenblicke zu schaffen.

“Der Name der Leute” ist eine herzerfrischende und freche Satire mit gehaltvollem Inhalt. Ein Film mit unterschiedlichen Tönen, Ansichten und zwei wunderbaren Hauptdarstellern.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

DVD bei Amazon.de

Der Name der Leute

Originaltitel: Le Nom des gens
Frankreich (2010)
Länge: 100 Minuten

Regie: Michel Leclerc
Drehbuch: Michel Leclerc, Baya Kasmi
Produktion: Caroline Adrian, Fabrice Goldstein, Antoine Rein
Musik: Jérôme Bensoussan, David Euverte
Kamera: Vincent Mathias
Schnitt: Nathalie Hubert

Besetzung: Jacques Gamblin (Arthur Martin), Sara Forestier (Bahia Benmahmoud), Zinedine Soualem (Mohamed Benhmamoud), Carole Franck (Cécile Delivet Benmahmoud), Jacques Boudet (Lucien Martin), Michèle Moretti (Annette Martin), Zakariya Gouram (Hassan Hassini), Lionel Jospin


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Priest

Erstellt von Günther Lietz am 22. August 2011

Nach Scott Charles Stewarts Film “Legion” aus dem Jahre 2010, versucht sich der Regisseur 2011 mit seinem Actionstreifen “Priest“ erneut auf der Leinwand. Mit im Boot ist auch wieder Paul Bettany, der in “Legion” ebenfalls die Hauptrolle spielte. Beide Männer vereint, versuchen sich also nun an einem scheinbar anderen Thema.

Auf den ersten Blick wartet “Priest” mit einem spannenden Genremix und abwechslungsreichen Kulissen auf. In einer alternativen Welt haben die Menschen seit jeher gegen die Vampire gekämpft, blutdurstige und augenlose Kreaturen. Doch erst vor wenigen Jahren ist es mit Hilfe der Kirche gelungen, die Vampire in ihre Schranken zu weisen und in Reservate zurückdrängen.

Das geschah mit Hilfe der Priester, ausgebildeten Elitekämpfern, die über besondere Fähigkeiten verfügten und der Kirche treu ergeben waren. Nach dem Krieg waren die Priester jedoch plötzlich arbeitslos und die besiegten Vampire gerieten in Vergessenheit.

Und genau an diesem Punkt muss der Zuschauer das Hirn abschalten. “Priest” ist ein Actionstreifen, der keinesfalls hinterfragt werden darf. Denn schlussendlich ist es doch so, dass es ziemlich unlogisch ist, dass die Menschheit nach jahrhundertelangem Krieg die Vampire einfach mal so vergisst und ihre Lebensretter – die Priester – dann halt mal bei der Müllabfuhr arbeiten lässt. Vor allem der Kirchenobere Monsignor Orelas (Christopher Plummer) besteht darauf, dass es keine Vampire mehr gibt. Stellt sich die Frage, was dann die Reservate sollen.

Davon abgesehen, ist der Stil des Films schon ziemlich einzigartig. Es gibt gigantische, von der Kirche regierte Städte, kleine autarke Dörfer inmitten der trockenen Steppe, umauerte Reservate und monströse Bauten der Vampire. Optisch ähnelt alles dem Wilden Westen, doch gleichzeitig gibt es fortschrittliche Technologien. Diese sind offensichtlich der Kirche vorbehalten, was vor allem bei den Waffen erkennbar ist. Während der normale Farmer oder Städter ein einfaches Gewehr sein Eigen nennt oder Musik vom Grammophon abspielt, rasen die Priester auf hochmodernen Zweirädern durch die Wüste, setzen blankpolierte Klingenwaffen ein oder mechanisch aufgerüstete Wurfsterne in Form von Kruzifixen. Dieser Kontrast ist sehr stark und dennoch nachvollziehbar. Die Kirche und ihre Priester sind im Grunde eine militärische Organisation – und das Militär bekommt halt das meiste Geld und die beste Technik.

Die eigentliche Geschichte des Films dreht sich um einen dieser kirchlichen Elitekämpfer. Es wird kein Name genannt, was natürlich schlecht ist, um eine Bindung zu der Figur aufzubauen. Da die anderen männlichen Priester nur kurze Auftritte haben, kann der Held des Films schlicht Priester (Paul Bettany, bekannt aus “Tintenherz”, “Legion”, “Kiss Kiss (Bang Bang)”)) genannt werden.

Nun wird dessen Nichte Lucy (Lily Collins) entführt, der Bruder schwer verletzt und Schwägerin gemeuchelt. Die Täter waren Vampire. Darüber informiert Sheriff Hicks (Cam Gigandet) den Priester und bittet ihn um Hilfe. Der sagt natürlich zu und verstößt damit gegen die Gesetze der Kirche. Während der Priester und Hicks nun losfahren um Lucy zu retten, schickt die Kirche eine Gruppe Priester los, um den Abtrünnigen zur Strecke zu bringen. Bei den Verfolgern dabei: Die Priesterin (Maggie Q)!

Es ist eine wirklich bescheuerte Idee, seinen Protagonisten keine Namen zu geben oder nicht wenigstens einen prägnanten Spitznamen oder ähnliches anzubieten. Aber wie bereits oben geschrieben: Hirn abschalten!

Der Priester und Hicks sind nun auf der Spur von Lucy. Dabei erfährt der Zuschauer langsam, warum die Kleine entführt wurde, was für eine Beziehung Lucy zu dem Priester hat und was der Oberbösewicht Black Hat (Karl Urban) für ein schlimmer Finger ist. Obwohl die Wendungen im Film voraussehbar sind, wurden sie von Stewart gut umgesetzt. Dadurch bleibt die Handlung trotz allen bedienten Klischees und geklauten Ideen unterhaltsam. Und geklaut hat Stewart wie ein Rabe. Hier eine kleine Auswahl: “Der große Eisenbahnraub”, “Django”, “Spiel mir das Lied vom Tod”, “Metropolis”, “Mad Max”, “Blade Runner”, “Matrix”, “Blade“, „Alien”, “Underworld”, “Book of Eli” und “The Descent”.

Das ist einfach zu viel, um als Hommage gelten zu können. Selbst die Grundidee des Films stammt von jemand anderem, nämlich vom Koreaner Min-Woo Hyung und dessen Manhwa-Serie “Priest”. Allerdings fällt Stewarts Adaption ziemlich frei aus.

Wie in “Legion” muss sich Stewart auch in “Priest” Kritik gefallen lassen, die seine Weltanschauung und seinen Umgang mit der Kirche betrifft. Die Kirche ist in “Priest” ein herzloser und bürokratischer Moloch, der seinen Klerus als Werkzeug einsetzt und nach der Benutzung herzlos fallen lässt. Außerdem sind die Kirchenoberen dumm und riskieren fahrlässig das Leben der Gläubigen. Stewart arbeitet hier mit plakativen Bildern und Meinungen, meidet tatsächliche Argumente und installiert mit dem Priester einen Helden, der ebenfalls keine Reflexion seiner Person zulässt oder vornimmt. Der Priester bricht aus den alten Strukturen aus, um sie selbst für seinen eigenen Kampf einzusetzen. Stewart kritisiert ohne Lösungen anzubieten, er kritisiert auf einem polemischen Niveau.

Die Hauptdarsteller in “Priest” sind allesamt bekannte Gesichter. Leider bleiben sie recht blass. Paul Bettany und Maggie Q (“Deception”, “Mission: Impossible III”, “The King of Fighters”) sind wortkarge Gesellen. Kommt es einmal zu Dialogen mit den beiden, wirken diese aufgesetzt und störend. In den Actionszenen wissen beide zu überzeugen. Lily Collins (“Blind Side – Die große Chance”, “90210″) als Lucy und Cam Gigandet (“Burlesque”, “Pandorum”, “Twilight – Biss zum Morgengrauen”) als Hicks könnten also das Spiel problemlos übernehmen, werden aber an der kurzen Leine gehalten. Dabei haben gerade Lucy und Hicks das Potenzial, echte Gefühle zu vermitteln.

Lily Collins sieht ziemlich adrett aus, aber nach einem kurzen Blick auf ihren Busenansatz, knöpft sie sich auch schon züchtig zu. Überhaupt ist das jugendliche Eyecandy des Films ziemlich schnell verschwunden. Cam Gigandet spielt Lucys Freund Hicks. Schlussendlich reicht die emotionale Bindung der beiden nur aus, um zwei oder drei schwülstige Sätze zu präsentieren. Hicks bleibt ohne Ecken und Kanten, seine Liebe zu Lucy macht ihn keinesfalls blind. Ziemlich glattgebügelt und verschenktes Potenzial.

So züchtig die liebe Lucy, so blutarm auch die Action auf der Leinwand. Dabei bietet das Thema ziemlich viel Spielraum. Aber bevor es zu brutal wird, steigt Stewart stets auf die Bremse. Des Rätsels Lösung dürfte beim FSK liegen, denn der Film wurde ab zwölf Jahren freigegeben. Tja, das ist wohl die Erklärung für seichte Dialoge, züchtige Frauen, weitgehend blutarme Gewalteskapaden und einer Handlung, der auch Kinder folgen können. Die Kunst unterwarf sich ein weiteres Mal dem Diktat der Kinokasse. Dementsprechend sind die 3D-Effekte auch nur aufgesetzt und im Grunde unnötig.

Trotz allem ist der Film spannend und weiß kurzweilig zu unterhalten. Es ist schon bitter zu beobachten, wie viel Potenzial verschenkt wurde, was aus den hervorragenden Ansätzen und diesem tollen Stil schlussendlich Durchschnittliches entstand. Für einen einfachen Kinoabend mit Popcorn und ohne Anspruch reicht „Priest“ allemal aus.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Priest

Land: USA 2011
Laufzeit: 87 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: Scott Charles Stewart
Drehbuch: Cory Goodman (basierend auf der Graphic Novel von Min-Woo Hyung)
Produktion: Michael De Luca, Sam Raimi, Joshua Donen, Mitchell Peck

Bildgestaltung: Don Burgess
Montage: Lisa Zeno Churgin
Musik: Christopher Young

Darsteller: Paul Bettany, Cam Gigandet, Maggie Q, Karl Urban, Lily Collins, Stephen Moyer, Mädchen Amick, Christopher Plummer, Brad Dourif, Alan Dale, Cameron Cash, Jacob Hopkins, Julie Mond

http://www.priest-film.de

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BSEntertainment FilmFestSpiele 2011 – Kleinkunst im Westerwald

Erstellt von Günther Lietz am 12. August 2011

Basierend auf der geplanten Kinopremiere der satirischen Rollenspieldokumentation “WWW – Würfel, Waffen, Weisheitswurf” haben ambitionierte Kleinkunst-Filmemacher aus dem Westerwald die BSEntertainment FilmFestSpiele 2011 ins Leben gerufen. Im Rahmen einer Hommage an “Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft” wurde aus den bisherigen Projekten ein Kleinkunst-Film erstellt, der sich durch ein buntes Allerlei auszeichnet.

Um die drei Hauptfilme “MuTiDeG”, “Die Zeit und Ich” und “WWW – Würfel, Waffen, Weisheitswurf” entwickelte sich eine kurzweilige Anthologie, in deren Zentrum neben Humor und Comedy auch Musik und Sozialkritik ihren Platz findet. So ist die Vorstellung, mit einer Lauflänge von beinahe neunzig Minuten, vollgepackt mit liebevollen und auch derben Anspielungen auf Film und Fernsehen. Den roten Faden bildet dabei die Kunstfigur Mister B, der einen respektvollen Ehrenverweis an John Cleese darstellt. Um es kurz zu sagen: Es ist krasser Scheiß!

Unter den Labels BSE, Lietz Game, Agricultural – Fire & Miracles, Yannix Films, Reitermania Productions und ER-DE-ELL Seven wird dem Zuschauer eine besondere, eine andere Art der Unterhaltung geboten.

Die Vorführung findet am 13. August 2011 im Kino Cinexx (Hachenburg) statt. Tickets nur beim MSM-FOTO-TEAM in Bad Marienberg (Langenbach) und über die Hotline: 02661 / 949170. Der Preis pro Kinokarte beträgt EUR 5,00 und beinhaltet neben dem Eintritt in den Kinosaal auch den Eintritt ins Drinxx, das extra zu diesem Anlass früher geöffnet wird.

UPDATE: Das Kontingent an vorbestellbaren Karten ist aufgebraucht. Tickets gibt es nur noch an der Tageskasse im Kino. Der Verkauf findet ab 13:03 Uhr statt. Filmstart ist 13:30 Uhr.

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“Die Tribute von Panem” ab März 2012 in den deutschen Kinos! * KAUFTIPP DER REDAKTION: Collins, Suzanne – Die Tribute von Panem. Flammender Zorn.

Erstellt von Detlef Hedderich am 20. Juli 2011

PRESSEMELDUNG (ZITAT): “de.movies.yahoo.com – (…) die Trilogie “Die Tribute von Panem” von Suzanne Collins zählt zu den größten Jugendbuchhits seit “Harry Potter” und Stephenie Meyers “Bis(s)…”-Romanen. Im März 2012 soll die erste Buchverfilmung von “Die Tribute von Panem” in die Kinos kommen. (…)”

Quellenangabe zur Veröffentlichung (gesamte Pressemeldung)

BESTELLTIPP DER REDAKTION:

Collins, Suzanne
Die Tribute von Panem. Flammender Zorn

Illustriert von Hörl, Hanna. Übersetzt von Klöss, Peter / Hachmeister, Sylke
Verlag :      Oetinger
ISBN :      978-3-7891-3220-9
Einband :      gebunden
Preisinfo :      18,95 Eur[D] / 19,50 Eur[A] / 27,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 10.06.2011
Seiten/Umfang :      21,0 x 15,0 cm
Produktform :      B: Einband – fest (Hardcover)
Erscheinungsdatum :      20.01.2011

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Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss’ Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt …

Der dritte Band 3 der grandiosen, vielfach ausgezeichneten und alle Bestsellerlisten stürmenden “Panem”-Trilogie – steigert die Sapnnung von Band 1 und 2 weiter! “Wird in einem Atemzug genannt werden mit William Goldings “Herr der Fliegen” oder Stephen Kings “The Stand – Das letzte Gefecht” (School Library Journal)

“Verbindet die leidenschaftliche Gesellschaftskritik von “1984″, die Exzesse von “Uhrwerk Orange”, die imaginative Kraft der “Chroniken von Narnia” und den Einfallsreichtum von “Harry Potter” (The New York Times)

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»Der lange Weg« ab 30. Juni 2011 im Kino! Pünktlich zum Filmstart erschien im Ullstein Taschenbuchverlag das Buch, das den Film “The Way Back” von Oscarpreisträger Peter Weir inspirierte. Auf sfbasar.de fünf Exemplare im Gewinnspiel!

Erstellt von Detlef Hedderich am 5. Juli 2011

Rawicz, Slawomir
Der lange Weg

Meine Flucht aus dem Gulag

Übersetzt von Seebohm, Hans U
Verlag :      Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN :      978-3-548-37415-4
Einband :      Paperback
Preisinfo :      8,99 Eur[D] / 9,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 14.01.2011
Seiten/Umfang :      ca. 320 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      10.06.2011
Aus der Reihe :      Ullstein Taschenbuch
Ullstein Sachbuch 37415

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»Jeder Schritt war ein Kampf gegen die quälende Mattigkeit, die einen ständig verlockte, sich hinzusetzen und vor Schwäche und Verzweiflung zu weinen.« Der lange Weg erzählt von Slawomir Rawicz´unglaublicher Flucht aus einem sibirischen Gulag. Auf dem langen und beschwerlichen Weg in die Freiheit durchquert er nicht nur die Wüste Gobi und Tibet, sondern auch den Himalaya, bis er schließlich das rettende Indien erreicht.

Slawomir Rawicz gehört zu den wenigen Überlebenden, die dem Terror in stalinistischen Arbeitslagern entkommen konnten. Sein autobiographisches Buch Der lange Weg ist inzwischen zu einem Klassiker der Gulag-Literatur geworden. Bereits 1956 in England erschienen, hat es sich dort innerhalb kürzester Zeit über 500.000mal verkauft. Der Leidensweg des Autors beginnt 1939: Rawicz, ein junger Leutnant der polnischen Kavallerie, wird unmittelbar nach der Besetzung seiner Heimat durch die Armeen Hitlers und Stalins von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Als angeblicher Spion zu fünfundzwanzig Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, landet er schließlich im Lager 303 nahe Jakutsk. Die Weite Sibiriens ist ein besserer Wächter als Gewehre und Stacheldraht. Von Hunger und Krankheiten gequält, und umgeben von einer lebensfeindlichen Landschaft, wird jeder Fluchtgedanke durch den täglichen Kampf ums Überleben verdrängt. Doch im Frühjahr 1941 gelingt ihm überraschend zusammen mit sechs Mithäftlingen die Flucht. Um ihren Verfolgern zu entgehen, versuchen sie sich in südlicher Richtung nach Indien durchzuschlagen. Auf ihrem langen Marsch in die Freiheit legen sie über 5.000 Kilometer durch unwegsames Gelände zurück. Sie durchqueren die äußere Mongolei, die Wüste Gobi und Tibet, sie überqueren den Himalaya und erreichen schließlich Indien, wo sie sich in die Obhut der britischen Kolonialmacht begeben. Der lange Weg erzählt vom Leiden und vom Mut der Menschen in einem der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts.

Slawomir Rawicz, geboren 1915 in Pinsk, Leutnant der polnischen Armee, wurde 1939 in einem Schauprozess der Sowjets zu fünfunzwanzig Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach zwei Jahren gelang ihm mit sechs Mithäftlingen die Flucht. Nach dem Krieg ließ er sich in Nottingham, England, nieder, wo er bis zu seinem Tod 2004 lebte.

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PREISRÄTSEL / GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Rawicz, Slawomir – Der lange Weg. Meine Flucht aus dem Gulag.

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Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

Erstellt von Günther Lietz am 28. Juni 2011

Bereits zum vierten Mal sticht Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) in See, um fantastische Abenteuer zu erleben, mystische Schätze zu suchen und bösartige Schurken zu bekämpfen. Captain Sparrow ist kein Kind von Traurigkeit und die Liste seiner Feinde lang. Diesmal dreht sich das Piratenabenteuer um die Suche nach der Quelle der ewigen Jugend und so kann davon ausgegangen werden, dass die Liste der Feinde um einige Einträge erweitert wird.

Captain Sparrows erster Auftritt findet in England statt. Hier rettet er seinen teuren Freund Joshamee Gibbs (Kevin McNally) vor dem Strang, trifft auf König George II. (Richard Griffiths) und seinen alten Erzfeind Captain Hector Barbossa (Geoffrey Rush). Zudem mach das Gerücht die Runde, Captain Sparrow würde eine Mannschaft zusammenstellen. Doch der hat davon keine Ahnung.

Bis hierhin klingt die ganze Sache nach einem spannenden Spektakel und gute Hollywoodunterhaltung. Leider weist der Film bereits an dieser Stelle eklatante Schwächen in der Story und in der Produktion auf, die einfach nur ärgerlich sind.

Deutschen Kinobesuchern wird vielleicht auffallen, dass der Synchronsprecher von Johnny Depp im vierten Teil der Piratenreihe wechselte. Es ist nun David Nathan der Captain Sparrow seine Stimme leiht, eigentlich die Stimme, die mit Depp verknüpft wird. In den drei Teilen zuvor wurde die Rolle jedoch von Marcus Off gesprochen. Das bedeutet natürlich einen Bruch in der Kontinuität. Grund dafür dürfte übrigens sein, dass Herr Off wohl eine höhere Gage für die Arbeit an dem vierten Teil verlangte. David Nathan leistet zwar gute Arbeit, aber die Sache mit der Stimme fällt auf. Vor allem, wenn jemand die Filme zeitnah hintereinander schaut.

Schlimmer als der Stimmwechsel der Hauptfigur ist die deutsche Synchronisation von Penélope Cruz als Piratenbraut Angelica. Claudia Lössl besitzt zwar eine angenehme und passende Stimme, aber der mangelt es leider am spanischen Akzent, den Señora Cruz so wunderbar zur Geltung bringt. Hier fehlt einfach das Feuer. Doch im Grunde genommen ist das egal, denn der eigentliche Star des Films ist Johnny Depp – und darunter leidet der Film besonders.

Vom alten Cast haben es nur Kevin McNally und Geoffrey Rush in “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” geschafft. Kleine liebgewonnene (Lee Arenberg, Mackenzie Crook) und große bekannte (Orlando Bloom, Keira Knightley) Darsteller der alten Filme fehlen leider. So gibt es keine der üblichen Scherze auf Kosten des naiven Navy- oder dümmlichen Piraten-Duos. Diese sogenannten Running-Gags machten einen Teil der Seele der Reihe aus.

Nun präsentiert sich also Johnny Depp als omnipräsenter Captain Jack Sparrow und dominiert die Handlung. Wie üblich trunken von Rum wankt er durchs Bild, doch bereits seine Begegnung mit König George II. zeigt die Veränderung in der Charakterkonzeption. Wo Captain Sparrow zuvor durch Schneid, Glück, eine Krise Zufall und etwas Talent die Situation meistert, trumpft er nun mit einer Brillanz auf, die der Zuschauer derzeit aus “Sherlock Holmes” (2009 mit Robert Downey jr.) kennt. Captain Jack Sparrow erfasst problemlos die Gesamtsituation, arbeitet einen Plan aus und setzt diesen minutiös in die Tat um. Das wirkt einfach falsch und aufgesetzt.

Vorläufiger Höhepunkt der Eskapade findet dann im Londoner Hafen statt, in der die Queen Anne’s Revenge vor Anker liegt, das Schiff des berühmt berüchtigten Blackbeard (Ian McShane). Und auf der heuert Piratenbraut Angelica in der Sparrwo-Verkleidung eine Mannschaft an. Das ist absolut dümmlich. “Warum, wieso, weshalb?” drängen sich hier Fragen auf. Aber das wird ein Geheimnis bleiben, ebenso wie die Spanier. Die haben im Film zwar ihren Auftritt, aber weder kommt es zu einem spannenden Gefecht zur See, noch haben sie eine echte Bedeutung für die Handlung. Es scheint so, als wären die Spanier nur deswegen dabei, weil sie nun mal an der Reihe sind. Im Grund sind sie McGuffins (mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die in einem Film meist dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne selbst von besonderem Interesse zu sein(1)).

Zudem ist die Rolle des Blackbeard ziemlich blass und ideenlos. Auch er ist vollkommen austauschbar. Der Auftritt Ian McShanes ist im ersten Augenblick zwar imposant, aber schnell zeigt sich, dass er nur wenig zur Handlung beiträgt. Zudem ist es auch nicht Blackbeards Präsenz die ihm die Herrschaft über die Queen Anne’s Revenge verschafft, sondern sein Zaubersäbel. Mit dem kann – dem Controller einer Videospielkonsole gleich – das Schiff gesteuert werden. Langweilig. Absolut langweilig!

So geht die Johnny-Depp-Show dann auch langweilig weiter. Captain Jack Sparrow fährt also wieder zur See, tölpelt bei den Spaniern herum, es werden einer Träne wegen Meerjungfrauen gejagt und an der Quelle der ewigen Jugend kommt es zum Finale. Alleine die Szene mit Captain Hector Barbossa und Captain Jack Sparrow – gefesselt an Bäume – zeugt von Witz und dem Charme alter Piratenfilme. Die kurz darauf folgende Akrobatikeinlage ist dagegen aberwitzig überzogen und wirkt recht lustlos inszeniert. Ebenso lustlos wie ideenlos wirkt auch die Einbindung von Sam Claflin als  Kleriker Philip.

Im Grunde dient die Figur des Philips nur dazu, um die Szenen mit den Meerjungfrauen ein wenig auszubauen. Es misslingt Mister Sam Claflin allerdings seiner Rolle Leben einzuhauchen und sich authentisch in den Cast des Films einzubinden. Er wirkt mehr wie ein Fremdkörper, eine Kunstfigur, ein offensichtlicher Katalysator, um den Handlungsstrang mit den Meerjungfrauen schnell und dramatisch voranzutreiben. Am Ende bleibt eine Figur, die ohne weiteres in einer eventuellen Fortsetzung des Reihe wiederverwertet werden könnte.

Überhaupt; die Meerjungfrauen. Das ist ein weiterer McGuffin. Kaum nachvollziehbar inszeniert, ohne echte Spannung und ohne Möglichkeit Emotionen zu den Meerjungfrauen oder der Meerjungfrau Syrena (Àstrid Bergès-Frisbey) aufzubauen. Auch Bergès-Frisbey bleibt ziemlich farblos und überzeugt mehr durch ihr Aussehen als durch ihre Schauspielkunst. Dabei bleibt sie nämlich weit unter ihren Leistungen aus “Sea Wall” (2008).

Rob Marshalls Piratenfilm (eine Produktion von Jerry Bruckheimer) ist ziemlich lieblos gestaltet und kann keine echten Emotionen vermitteln, was dem Trio Depp, Bloom und Knightley, in den drei Vorgängern, mit ihrem Beziehungsgeflecht gelang. Die Filme hatten eine persönliche Note, die dem vierten Teil der Reihe fehlt.

“Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” wurde für 3D- und 2D-Kino produziert. Die spärliche Dreidimensionalität ist dem Szenenbild abzulesen, dominieren doch dem 3D-Kino zuträgliche dunkle Einstellungen das Bild: Nachtaufnahmen, Aufnahmen in Höhlen, Aufnahmen im Wasser bei Nacht, Aufnahmen des Nachts in Höhlen mit Wasser. Es ist eine Schande wenn Technik die Kreativität bestimmt, anstatt die Kreativität die Technik bestimmt. Aber derzeit ist ersteres im Kino sehr populär.

Unterm Strich bleibt ein mittelmäßiger Film, der einen schalen Nachgeschmack, aber keine bleibenden Eindrücke hinterlässt. Und das, obwohl sich die Handlung auf den Roman “In fremderen Gezeiten” (“On Stranger Tides”, 1988) von Tim Powers stützt, der ebenso für den World Fantasy Award und auch für den Locus Award nominiert wurde. Die Adaption dieser guten Vorlage ist ziemlich misslungen. “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” ist einfach unteres Mittelmaß.

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(1) Genaue Definition auf Wikipedia.de

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Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten


Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
Produktionsland: Vereinigte Staaten (2011)
Länge: 136 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio
Produktion: Jerry Bruckheimer
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: David Brenner, Michael Kahn, Wyatt Smith

Johnny Depp (Captain Jack Sparrow), Penélope Cruz (Angelica), Geoffrey Rush (Captain Hector Barbossa), Ian McShane (Blackbeard), Kevin McNally (Joshamee Gibbs), Richard Griffiths (König George II.), Stephen Graham (Scrum), Àstrid Bergès-Frisbey (Syrena), Sam Claflin (Philip)


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Thor

Erstellt von Günther Lietz am 12. Juni 2011

Glattgebügelt und politisch korrekt gestaltet sich Kenneth Branaghs “Thor”, der 2011 mit schwingendem Hammer die Kinoleinwand erobert – oder besser gesagt: zertrümmert. Was über den großen Teich herangeschwappt kommt ist, gelinde ausgedrückt, ein großer Haufen Mist!

Das sich Hollywood keinen Deut um die korrekte Darstellung einer Idee oder Geschichte kümmert, ist bekannt. Das gilt auch für Comics. Da wird eine Sage gerne mal frei interpretiert oder ganze Mythen locker adaptiert. An sich kein Problem, solange es gut gemacht ist und wenigstens einen Funken des Originals beinhaltet. Die nordischen Sagen – im speziellen die eddischen Schriften – derart zu vermurksen, dafür braucht es schon einiges an Schneid. Oder an Dummheit. Beides geht ja gerne Hand in Hand. Eventuell fällt auch nur einem Europäer auf, was für ein Schmarrn Regisseur Kenneth Branagh und die Autoren Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski und Mark Protosevich aus dem Hut gezaubert haben.

Die Unterschiede zu den mythologischen eddischen Schriften nun mal beiseite gestellt, verfehlt der Film sogar die Comicvorlage von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby. Was am Ende bleibt ist eigentlich nur ein Hüne mit Hammer im Kostüm, der sich Superheld nennt und den Marvel-Stempel trägt. Dabei wird hier im Film eigentlich die Geschichte über Thors Wandlung zum Superhelden erzählt. Und die ursprüngliche Story aus dem Jahre 1962 unterscheidet sich doch arg von dem, was der Film anbietet. Das mag auch noch geschenkt sein, aber der Streifen wartet ja auch mit inhaltlichen Fehlern auf.

Sehen wir uns mal die Hauptfigur und seine Heimat an. Asgard selbst liegt irgendwo im Universum. Es handelt sich um eine polierte Stadt, die klinisch tot wirkt. Ihre Bewohner tauchen nur auf, wenn sie beim Wacheschieben sterben oder dem lieben Odin zujubeln. Der wird von Anthony Hopkins gespielt. Der Film zeigt übrigens wie der liebe Odin sein Auge im Kampf verliert. Auch hier eine sehr freie Auslegung der Geschichte. Aber auch das sei geschenkt.

Thor (Chris Hemsworth) ist nun ein ziemlich arroganter Bursche und den Einflüsterungen seines Bruder Loki (Tom Hiddleston) hilflos ausgeliefert. Loki gibt natürlich den Bösewicht und hat seine ganz eigenen Pläne. Also stachelt er Thor zu Unsinn an. Der versammelt ein paar Kumpels, rast über die Regenbogenbrücke und lässt sich dann von Heimdall (Idris Elba) zu den Frostriesen beamen. Und das alles politisch korrekt, denn der blonde Thor hat in seiner illustren Runde eine Frau, einen Asiaten, Heimdall ist ein Schwarzer und es gibt auch noch den nordisch anmutenden Nordmann. Das hat mit der nordischen Mythologie um Thor so viel zu schaffen wie ein Haferkeks mit einem Stück Torf. Okay, der Haferkeks ist für sich alleine wenigstens zu genießen, “Thor” dagegen nicht. Zwar gehören Fandral, Hogun und und Volstagg innerhalb des Marvel-Universum an Thors Seite (sie sind ja die The Warriors Three), aber hier wird die Story erzählt wie Thor zum heldenhaften Gott wird und sich den Ruf als göttlicher Held erwirbt. Seine unterstützenden Kampfgefährten kommen eigentlich erst später hinzu.

Das Heimdall von einem Schwarzen gespielt wird wirkt auf Europäer sicherlich verstörend und ist im direkten Bezug zu den Originalcomics natürlich Murks, entspricht aber der Version des alternativen Marvel-Universums aus „Thor: The Mighty Avenger“. Dort ist Heimdall, als Bewahrer der Bifrost Bridge, ebenfalls ein Schwarzer. Das wirkt aber einfach befremdlich. Natürlich ist es normal, dass jeder Superheldenfilm Teil des Superheldenfilm-Universums wird und aus den Comics nur die besten Stücke nimmt. Aber hier wurden die, mit Verlaub, schlechtesten Stücke genommen und zu einem glattpolierten Stück Film zusammengeschaufelt. Aber weiter mit der Handlung, denn die Action ist vorhersehbar und langweilig. Die Möglichkeiten des göttlichen Hammers werden kaum ausgelotet.

Nachdem Thor wegen seinem Alleingang Ärger bekommt, wird er auf die Erde verbannt und trifft dort auf drei Wetterforscher, während sein Hammer irgendwo in der Wüste landet und zum Zentrum lustiger Hammerpartys wird. Also “Akte X” mag ja an den Haaren herbeigezogen sein, aber in der Realität würde so ein Hammerding sofort die “Men in Black” anlocken; oder halt Mulder und Scullys reale Kollegen. Aber egal, auch das sei geschenkt.

Thor ist halt ein arroganter Kerl, viele Dinge laufen schief und es gibt lustige Begegnungen zwischen dem Gott und den Sterblichen. Schlussendlich erfährt Thor eine Wandlung seiner Persönlichkeit und es kommt zu Endkampf. Ende! Puh, das ist schnell zusammengefasst und das ist auch gut so. Denn es gibt keinen Grund für Thors Wandlung, es gibt keine Charakterentwicklung. “Thor” ist einfach auf ein Zielpublikum zugeschnitten, dass sich leicht zufriedenstellen lässt. Und um sämtliche Schwächen zu kaschieren kommt der ganze Murks auch noch in 3D auf die Leinwand. Wer kann solch einen Film gut finden? Vor allem nach so vielen starken Superheldenfilmen, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen. “Spider Man”, “Superman”, “Iron Man” und der grandiose “The Dark Knight”. Die Messlatte hängt verdammt hoch, da ist nur schwer heranzukommen. “Thor” wagt noch nicht mal den Versuch.

“Thor” selbst ist Mist. Und es ist ein Rätsel, warum der Streifen trotzdem ein gutes Einspielergebnis abliefert. Liegt es daran, dass die Kinobesucher keinen Bezug zu den Sagen haben? Ist 3D-Kino Kopfwäschekino? Oder sind Bildungsniveau und Kunstverständnis in der Gegenwart einfach tot? Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Hollywood einfach ein entsprechendes Publikum erzogen hat, dass mit so wenig so zufrieden ist. „Thor“ hätte ein großartiger, erstklassiger Film werden können, mit einem Helden, der Tiefgang besitzt und echte Lebenserfahrungen macht. Stattdessen präsentiert sich Thor wie ein pubertierende Knabe, in dem allerdings ein Held steckt. Wobei, das dürfte das pubertierende Zielpublikum ja gerade ansprechen und wäre ein Grund, warum dieser Murks solch ein Murks ist. Murks eben. Und im Nachhinein lieber doch nicht geschenkt.

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Thor

Originaltitel: Thor (USA 2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski
Produktion: Kevin Feige
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Haris Zambarloukos
Schnitt: Paul Rubell

Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Tom Hiddleston (Loki), Anthony Hopkins (Odin), Idris Elba (Heimdall), Samuel L. Jackson (Nick Fury)


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Paul – ein Alien auf der Flucht

Erstellt von Günther Lietz am 11. Juni 2011

Zwei nerdige Briten machen sich auf den Weg in die USA, um dort den besten Trip ihres Lebens zu haben – im wahrsten Sinne des Wortes.

Graeme (Simon Pegg) und Clive (Nick Frost) sind dicke Freunde und ausgemachte Nerds. Sie lieben Comics, Science Fiction und Fantasy. Die USA sind natürlich das Land ihrer Träume. Also verbringen sie gemeinsam in den Staaten ihren Urlaub und touren mit einem Wohnmobil durch die Bundesstaaten. Area 51, Roosevelt und andere mysteriöse und berühmte Orte stehen auf ihrem Fahrplan. Bevor es jedoch so richtig losgeht, geraten sie erst einmal mit der us-amerikanischen Kultur aneinander und stoßen dann auch noch mit Paul zusammen.

Was sich wie eine lange Einleitung liest, kommt auch im Film so rüber. Es dauert tatsächlich mehr als zehn Minuten, bis der namensgebende Hauptcharakter die Bühne betritt. Bis dahin dominieren Graeme und Clive das Geschehen, also  Simon Pegg und Nick Frost. Die Zeit wird ordentlich genutzt, um die beiden menschlichen Hauptfiguren vorzustellen und das ein oder andere Klischee und Vorurteil zu bedienen. Wahnsinnig erfrischen und herzlich wird der Unterschied zwischen Europäer und US-Amerikaner aufgezeigt, werden die Gemeinsamkeiten beleuchtet und die Unterschiede auf die Spitze getrieben. Hier punktet der Film natürlich im englischen Original, denn die sprachlichen Unterschiede zwischen alter und neuer Welt sind stellenweise sehr gravierend. Hier ein gestelztes, britisches Englisch, dort ein schluderisches, halb verschlucktes Englisch. Einfach genial.

Nach der etwas längeren Einleitung taucht dann endlich Paul auf. Dabei handelt es sich um den typischen Außerirdischen, der kleine grüne Mann vom Mars mit den großen Augen, wie ihn die Leute aus alten Comics und Area-51-Videos kennen. Graeme und Clive sind erst einmal überrascht, dann helfen sie Paul. Der ist nämlich auf der Flucht vor dem FBI und hat einen ihrer schlimmsten Agenten auf den Fersen: Agent Lorenzo Zoil (Jason Bateman).

Paul stellt sich schnell als netter und normaler Kerl heraus, der die üblichen Laster eines Erdenmenschen mit sich schleppt. Er raucht gerne, kifft, säuft, feiert Partys und genießt einfach das Leben. Zwar hat er auch einige übernatürliche Fähigkeiten, aber die setzt er nur selten ein. Nun beginnt der Film zweigleisig zu fahren. Auf der einen Seite haben wir eine spannende Komödie, auf der anderen Seite ein klassisches Roadmovie. Skurrile Figuren, tiefgehende Gespräche, Selbsterfahrung, Verfolgungsjagden, Liebe, überraschende Wendungen, Sozialkritik, Slapstick, Science Fiction, Anspielungen auf Serien und Filme (hier vor allem Steven Spielbergs Arbeiten) – „Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist ein buntes Allerlei.

Dadurch wirkt der Film – trotz punktueller Glanzlichter – im ganzen ziemlich überladen. Im Grunde genommen überschneiden sich hier zwei Filme und es misslingt Regisseur Greg Mottola beide miteinander zu einer Einheit zu verschmelzen. Das ist sehr bedauerlich, denn „Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist trotz allem sehr unterhaltsam.

Das liegt unter anderem auch an den hervorragend besetzten Nebenrollen. Jason Bateman als Agent Lorenzo Zoil ist genial und sorgt stets für eine Überraschung, während Kristen Wiig als geläuterte Kreationistin Ruth zeitweise allen anderen Darstellern den Rang abläuft. Das gilt auch für Jane Lynch, die mit Pat Stevenson gegen ihr Image aus der Serie „Glee“ besetzt ist. Einfach erfrischend. Einzig Sigourney Weaver mit ihrem kurzen Auftritt als Tara bleibt blass. Anstatt solch einen Star so derbe zu verheizen, hätte es auch eine eher unbekannte Schauspielerin getan. Zudem wird die Rolle vollkommen overacted dargestellt und wirkt deplatziert.

Handwerklich gibt es keine Meckereien. Vor allem das animierte Alien Paul wird wunderbar in Szene gesetzt und wirkt stets real. Hier haben die Computerspezialisten ganze Arbeit geleistet. Die Mimik und die Bewegungen des Außerirdischen sind authentisch und glaubwürdig. Das sorgt natürlich für weitere lustige Effekte. Besonders genial ist vor allem die Szene, in der sich Paul in einem Comic-Laden vor den FBI-Agenten versteckt. Da tanzt das Zwerchfell Rumba!

„Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist – zugegebenermaßen – kein echter Brüller, aber gut gemachte Unterhaltung mit dem ein oder anderen überraschenden Twist. Der Humor kommt vor allem durch die beiden englischen Kumpel Graeme  und Clive auf ihrer US-Tour, der scheinbaren Normalität Pauls und den Anspielungen auf nerdige Themen, auf Themen der Subkultur. Auf jeden Fall mehrere Blicke wert: „„Paul – ein Alien auf der Flucht“.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Paul – ein Alien auf der Flucht
Originaltitel: Paul

Produktionsland: Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich, Spanien (2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Greg Mottola
Drehbuch: Simon Pegg, Nick Frost
Produktion: Nira Park, Tim Bevan, Eric Fellner
Musik: David Arnold
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Chris Dickens

Darsteller: Simon Pegg (Graeme Willy), Nick Frost (Clive Gollings), Seth Rogen (Originalstimme von Paul), Bela B. (Deutsche Stimme von Paul),  Jason Bateman (Agent Lorenzo Zoil), Kristen Wiig (Ruth), Bill Hader (Haggard), Gregg Turkington (Neil Hamburger), Jane Lynch (Pat Stevenson), Sigourney Weaver (Tara)

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