Filmbesprechungen.de

reloaded

  • Retrospektive

  • Kategorien

  • Archiv




Archiv für die 'Kino' Kategorie

»Der lange Weg« ab 30. Juni 2011 im Kino! Pünktlich zum Filmstart erschien im Ullstein Taschenbuchverlag das Buch, das den Film “The Way Back” von Oscarpreisträger Peter Weir inspirierte. Auf sfbasar.de fünf Exemplare im Gewinnspiel!

Erstellt von Detlef Hedderich am 5. Juli 2011

Rawicz, Slawomir
Der lange Weg

Meine Flucht aus dem Gulag

Übersetzt von Seebohm, Hans U
Verlag :      Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN :      978-3-548-37415-4
Einband :      Paperback
Preisinfo :      8,99 Eur[D] / 9,30 Eur[A] / 14,90 CHF UVP
Alle Preisangaben in CHF (Schweizer Franken) sind unverbindliche Preisempfehlungen.
Legende: UVP = unverbindliche Preisempfehlung, iVb = in Vorbereitung. Alle Preisangaben inkl. MwSt
Preis ist offizieller VLB Referenzpreis
Letzte Preisänderung am 14.01.2011
Seiten/Umfang :      ca. 320 S.
Produktform :      B: Einband – flex.(Paperback)
Erscheinungsdatum :      10.06.2011
Aus der Reihe :      Ullstein Taschenbuch
Ullstein Sachbuch 37415

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

»Jeder Schritt war ein Kampf gegen die quälende Mattigkeit, die einen ständig verlockte, sich hinzusetzen und vor Schwäche und Verzweiflung zu weinen.« Der lange Weg erzählt von Slawomir Rawicz´unglaublicher Flucht aus einem sibirischen Gulag. Auf dem langen und beschwerlichen Weg in die Freiheit durchquert er nicht nur die Wüste Gobi und Tibet, sondern auch den Himalaya, bis er schließlich das rettende Indien erreicht.

Slawomir Rawicz gehört zu den wenigen Überlebenden, die dem Terror in stalinistischen Arbeitslagern entkommen konnten. Sein autobiographisches Buch Der lange Weg ist inzwischen zu einem Klassiker der Gulag-Literatur geworden. Bereits 1956 in England erschienen, hat es sich dort innerhalb kürzester Zeit über 500.000mal verkauft. Der Leidensweg des Autors beginnt 1939: Rawicz, ein junger Leutnant der polnischen Kavallerie, wird unmittelbar nach der Besetzung seiner Heimat durch die Armeen Hitlers und Stalins von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Als angeblicher Spion zu fünfundzwanzig Jahren Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt, landet er schließlich im Lager 303 nahe Jakutsk. Die Weite Sibiriens ist ein besserer Wächter als Gewehre und Stacheldraht. Von Hunger und Krankheiten gequält, und umgeben von einer lebensfeindlichen Landschaft, wird jeder Fluchtgedanke durch den täglichen Kampf ums Überleben verdrängt. Doch im Frühjahr 1941 gelingt ihm überraschend zusammen mit sechs Mithäftlingen die Flucht. Um ihren Verfolgern zu entgehen, versuchen sie sich in südlicher Richtung nach Indien durchzuschlagen. Auf ihrem langen Marsch in die Freiheit legen sie über 5.000 Kilometer durch unwegsames Gelände zurück. Sie durchqueren die äußere Mongolei, die Wüste Gobi und Tibet, sie überqueren den Himalaya und erreichen schließlich Indien, wo sie sich in die Obhut der britischen Kolonialmacht begeben. Der lange Weg erzählt vom Leiden und vom Mut der Menschen in einem der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts.

Slawomir Rawicz, geboren 1915 in Pinsk, Leutnant der polnischen Armee, wurde 1939 in einem Schauprozess der Sowjets zu fünfunzwanzig Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach zwei Jahren gelang ihm mit sechs Mithäftlingen die Flucht. Nach dem Krieg ließ er sich in Nottingham, England, nieder, wo er bis zu seinem Tod 2004 lebte.

Weitere Informationen unter: www.splendid-film.com

Titel bei amazon.de
Titel bei buch24.de
Titel bei Booklooker.de
Titel bei Libri.de

PREISRÄTSEL / GEWINNSPIEL: 5 x 1 (KOSTENLOSES!) EXEMPLAR: Rawicz, Slawomir – Der lange Weg. Meine Flucht aus dem Gulag.

Abgelegt unter Buch zum Film, Kino, News, Preisrätsel auf sfbasar.de, Pressemeldungen | 1 Kommentar »

Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten

Erstellt von Günther Lietz am 28. Juni 2011

Bereits zum vierten Mal sticht Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) in See, um fantastische Abenteuer zu erleben, mystische Schätze zu suchen und bösartige Schurken zu bekämpfen. Captain Sparrow ist kein Kind von Traurigkeit und die Liste seiner Feinde lang. Diesmal dreht sich das Piratenabenteuer um die Suche nach der Quelle der ewigen Jugend und so kann davon ausgegangen werden, dass die Liste der Feinde um einige Einträge erweitert wird.

Captain Sparrows erster Auftritt findet in England statt. Hier rettet er seinen teuren Freund Joshamee Gibbs (Kevin McNally) vor dem Strang, trifft auf König George II. (Richard Griffiths) und seinen alten Erzfeind Captain Hector Barbossa (Geoffrey Rush). Zudem mach das Gerücht die Runde, Captain Sparrow würde eine Mannschaft zusammenstellen. Doch der hat davon keine Ahnung.

Bis hierhin klingt die ganze Sache nach einem spannenden Spektakel und gute Hollywoodunterhaltung. Leider weist der Film bereits an dieser Stelle eklatante Schwächen in der Story und in der Produktion auf, die einfach nur ärgerlich sind.

Deutschen Kinobesuchern wird vielleicht auffallen, dass der Synchronsprecher von Johnny Depp im vierten Teil der Piratenreihe wechselte. Es ist nun David Nathan der Captain Sparrow seine Stimme leiht, eigentlich die Stimme, die mit Depp verknüpft wird. In den drei Teilen zuvor wurde die Rolle jedoch von Marcus Off gesprochen. Das bedeutet natürlich einen Bruch in der Kontinuität. Grund dafür dürfte übrigens sein, dass Herr Off wohl eine höhere Gage für die Arbeit an dem vierten Teil verlangte. David Nathan leistet zwar gute Arbeit, aber die Sache mit der Stimme fällt auf. Vor allem, wenn jemand die Filme zeitnah hintereinander schaut.

Schlimmer als der Stimmwechsel der Hauptfigur ist die deutsche Synchronisation von Penélope Cruz als Piratenbraut Angelica. Claudia Lössl besitzt zwar eine angenehme und passende Stimme, aber der mangelt es leider am spanischen Akzent, den Señora Cruz so wunderbar zur Geltung bringt. Hier fehlt einfach das Feuer. Doch im Grunde genommen ist das egal, denn der eigentliche Star des Films ist Johnny Depp – und darunter leidet der Film besonders.

Vom alten Cast haben es nur Kevin McNally und Geoffrey Rush in “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” geschafft. Kleine liebgewonnene (Lee Arenberg, Mackenzie Crook) und große bekannte (Orlando Bloom, Keira Knightley) Darsteller der alten Filme fehlen leider. So gibt es keine der üblichen Scherze auf Kosten des naiven Navy- oder dümmlichen Piraten-Duos. Diese sogenannten Running-Gags machten einen Teil der Seele der Reihe aus.

Nun präsentiert sich also Johnny Depp als omnipräsenter Captain Jack Sparrow und dominiert die Handlung. Wie üblich trunken von Rum wankt er durchs Bild, doch bereits seine Begegnung mit König George II. zeigt die Veränderung in der Charakterkonzeption. Wo Captain Sparrow zuvor durch Schneid, Glück, eine Krise Zufall und etwas Talent die Situation meistert, trumpft er nun mit einer Brillanz auf, die der Zuschauer derzeit aus “Sherlock Holmes” (2009 mit Robert Downey jr.) kennt. Captain Jack Sparrow erfasst problemlos die Gesamtsituation, arbeitet einen Plan aus und setzt diesen minutiös in die Tat um. Das wirkt einfach falsch und aufgesetzt.

Vorläufiger Höhepunkt der Eskapade findet dann im Londoner Hafen statt, in der die Queen Anne’s Revenge vor Anker liegt, das Schiff des berühmt berüchtigten Blackbeard (Ian McShane). Und auf der heuert Piratenbraut Angelica in der Sparrwo-Verkleidung eine Mannschaft an. Das ist absolut dümmlich. “Warum, wieso, weshalb?” drängen sich hier Fragen auf. Aber das wird ein Geheimnis bleiben, ebenso wie die Spanier. Die haben im Film zwar ihren Auftritt, aber weder kommt es zu einem spannenden Gefecht zur See, noch haben sie eine echte Bedeutung für die Handlung. Es scheint so, als wären die Spanier nur deswegen dabei, weil sie nun mal an der Reihe sind. Im Grund sind sie McGuffins (mehr oder weniger beliebige Objekte oder Personen, die in einem Film meist dazu dienen, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben, ohne selbst von besonderem Interesse zu sein(1)).

Zudem ist die Rolle des Blackbeard ziemlich blass und ideenlos. Auch er ist vollkommen austauschbar. Der Auftritt Ian McShanes ist im ersten Augenblick zwar imposant, aber schnell zeigt sich, dass er nur wenig zur Handlung beiträgt. Zudem ist es auch nicht Blackbeards Präsenz die ihm die Herrschaft über die Queen Anne’s Revenge verschafft, sondern sein Zaubersäbel. Mit dem kann – dem Controller einer Videospielkonsole gleich – das Schiff gesteuert werden. Langweilig. Absolut langweilig!

So geht die Johnny-Depp-Show dann auch langweilig weiter. Captain Jack Sparrow fährt also wieder zur See, tölpelt bei den Spaniern herum, es werden einer Träne wegen Meerjungfrauen gejagt und an der Quelle der ewigen Jugend kommt es zum Finale. Alleine die Szene mit Captain Hector Barbossa und Captain Jack Sparrow – gefesselt an Bäume – zeugt von Witz und dem Charme alter Piratenfilme. Die kurz darauf folgende Akrobatikeinlage ist dagegen aberwitzig überzogen und wirkt recht lustlos inszeniert. Ebenso lustlos wie ideenlos wirkt auch die Einbindung von Sam Claflin als  Kleriker Philip.

Im Grunde dient die Figur des Philips nur dazu, um die Szenen mit den Meerjungfrauen ein wenig auszubauen. Es misslingt Mister Sam Claflin allerdings seiner Rolle Leben einzuhauchen und sich authentisch in den Cast des Films einzubinden. Er wirkt mehr wie ein Fremdkörper, eine Kunstfigur, ein offensichtlicher Katalysator, um den Handlungsstrang mit den Meerjungfrauen schnell und dramatisch voranzutreiben. Am Ende bleibt eine Figur, die ohne weiteres in einer eventuellen Fortsetzung des Reihe wiederverwertet werden könnte.

Überhaupt; die Meerjungfrauen. Das ist ein weiterer McGuffin. Kaum nachvollziehbar inszeniert, ohne echte Spannung und ohne Möglichkeit Emotionen zu den Meerjungfrauen oder der Meerjungfrau Syrena (Àstrid Bergès-Frisbey) aufzubauen. Auch Bergès-Frisbey bleibt ziemlich farblos und überzeugt mehr durch ihr Aussehen als durch ihre Schauspielkunst. Dabei bleibt sie nämlich weit unter ihren Leistungen aus “Sea Wall” (2008).

Rob Marshalls Piratenfilm (eine Produktion von Jerry Bruckheimer) ist ziemlich lieblos gestaltet und kann keine echten Emotionen vermitteln, was dem Trio Depp, Bloom und Knightley, in den drei Vorgängern, mit ihrem Beziehungsgeflecht gelang. Die Filme hatten eine persönliche Note, die dem vierten Teil der Reihe fehlt.

“Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” wurde für 3D- und 2D-Kino produziert. Die spärliche Dreidimensionalität ist dem Szenenbild abzulesen, dominieren doch dem 3D-Kino zuträgliche dunkle Einstellungen das Bild: Nachtaufnahmen, Aufnahmen in Höhlen, Aufnahmen im Wasser bei Nacht, Aufnahmen des Nachts in Höhlen mit Wasser. Es ist eine Schande wenn Technik die Kreativität bestimmt, anstatt die Kreativität die Technik bestimmt. Aber derzeit ist ersteres im Kino sehr populär.

Unterm Strich bleibt ein mittelmäßiger Film, der einen schalen Nachgeschmack, aber keine bleibenden Eindrücke hinterlässt. Und das, obwohl sich die Handlung auf den Roman “In fremderen Gezeiten” (“On Stranger Tides”, 1988) von Tim Powers stützt, der ebenso für den World Fantasy Award und auch für den Locus Award nominiert wurde. Die Adaption dieser guten Vorlage ist ziemlich misslungen. “Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten” ist einfach unteres Mittelmaß.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

(1) Genaue Definition auf Wikipedia.de

DVD bei Amazon.de
BR bei Amazon.de

Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten


Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
Produktionsland: Vereinigte Staaten (2011)
Länge: 136 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio
Produktion: Jerry Bruckheimer
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: David Brenner, Michael Kahn, Wyatt Smith

Johnny Depp (Captain Jack Sparrow), Penélope Cruz (Angelica), Geoffrey Rush (Captain Hector Barbossa), Ian McShane (Blackbeard), Kevin McNally (Joshamee Gibbs), Richard Griffiths (König George II.), Stephen Graham (Scrum), Àstrid Bergès-Frisbey (Syrena), Sam Claflin (Philip)


Abgelegt unter Abenteuer, Action, Fantasy, Historie, Horror, Kino, Komödie, Mystery | Keine Kommentare »

Thor

Erstellt von Günther Lietz am 12. Juni 2011

Glattgebügelt und politisch korrekt gestaltet sich Kenneth Branaghs “Thor”, der 2011 mit schwingendem Hammer die Kinoleinwand erobert – oder besser gesagt: zertrümmert. Was über den großen Teich herangeschwappt kommt ist, gelinde ausgedrückt, ein großer Haufen Mist!

Das sich Hollywood keinen Deut um die korrekte Darstellung einer Idee oder Geschichte kümmert, ist bekannt. Das gilt auch für Comics. Da wird eine Sage gerne mal frei interpretiert oder ganze Mythen locker adaptiert. An sich kein Problem, solange es gut gemacht ist und wenigstens einen Funken des Originals beinhaltet. Die nordischen Sagen – im speziellen die eddischen Schriften – derart zu vermurksen, dafür braucht es schon einiges an Schneid. Oder an Dummheit. Beides geht ja gerne Hand in Hand. Eventuell fällt auch nur einem Europäer auf, was für ein Schmarrn Regisseur Kenneth Branagh und die Autoren Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski und Mark Protosevich aus dem Hut gezaubert haben.

Die Unterschiede zu den mythologischen eddischen Schriften nun mal beiseite gestellt, verfehlt der Film sogar die Comicvorlage von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby. Was am Ende bleibt ist eigentlich nur ein Hüne mit Hammer im Kostüm, der sich Superheld nennt und den Marvel-Stempel trägt. Dabei wird hier im Film eigentlich die Geschichte über Thors Wandlung zum Superhelden erzählt. Und die ursprüngliche Story aus dem Jahre 1962 unterscheidet sich doch arg von dem, was der Film anbietet. Das mag auch noch geschenkt sein, aber der Streifen wartet ja auch mit inhaltlichen Fehlern auf.

Sehen wir uns mal die Hauptfigur und seine Heimat an. Asgard selbst liegt irgendwo im Universum. Es handelt sich um eine polierte Stadt, die klinisch tot wirkt. Ihre Bewohner tauchen nur auf, wenn sie beim Wacheschieben sterben oder dem lieben Odin zujubeln. Der wird von Anthony Hopkins gespielt. Der Film zeigt übrigens wie der liebe Odin sein Auge im Kampf verliert. Auch hier eine sehr freie Auslegung der Geschichte. Aber auch das sei geschenkt.

Thor (Chris Hemsworth) ist nun ein ziemlich arroganter Bursche und den Einflüsterungen seines Bruder Loki (Tom Hiddleston) hilflos ausgeliefert. Loki gibt natürlich den Bösewicht und hat seine ganz eigenen Pläne. Also stachelt er Thor zu Unsinn an. Der versammelt ein paar Kumpels, rast über die Regenbogenbrücke und lässt sich dann von Heimdall (Idris Elba) zu den Frostriesen beamen. Und das alles politisch korrekt, denn der blonde Thor hat in seiner illustren Runde eine Frau, einen Asiaten, Heimdall ist ein Schwarzer und es gibt auch noch den nordisch anmutenden Nordmann. Das hat mit der nordischen Mythologie um Thor so viel zu schaffen wie ein Haferkeks mit einem Stück Torf. Okay, der Haferkeks ist für sich alleine wenigstens zu genießen, “Thor” dagegen nicht. Zwar gehören Fandral, Hogun und und Volstagg innerhalb des Marvel-Universum an Thors Seite (sie sind ja die The Warriors Three), aber hier wird die Story erzählt wie Thor zum heldenhaften Gott wird und sich den Ruf als göttlicher Held erwirbt. Seine unterstützenden Kampfgefährten kommen eigentlich erst später hinzu.

Das Heimdall von einem Schwarzen gespielt wird wirkt auf Europäer sicherlich verstörend und ist im direkten Bezug zu den Originalcomics natürlich Murks, entspricht aber der Version des alternativen Marvel-Universums aus „Thor: The Mighty Avenger“. Dort ist Heimdall, als Bewahrer der Bifrost Bridge, ebenfalls ein Schwarzer. Das wirkt aber einfach befremdlich. Natürlich ist es normal, dass jeder Superheldenfilm Teil des Superheldenfilm-Universums wird und aus den Comics nur die besten Stücke nimmt. Aber hier wurden die, mit Verlaub, schlechtesten Stücke genommen und zu einem glattpolierten Stück Film zusammengeschaufelt. Aber weiter mit der Handlung, denn die Action ist vorhersehbar und langweilig. Die Möglichkeiten des göttlichen Hammers werden kaum ausgelotet.

Nachdem Thor wegen seinem Alleingang Ärger bekommt, wird er auf die Erde verbannt und trifft dort auf drei Wetterforscher, während sein Hammer irgendwo in der Wüste landet und zum Zentrum lustiger Hammerpartys wird. Also “Akte X” mag ja an den Haaren herbeigezogen sein, aber in der Realität würde so ein Hammerding sofort die “Men in Black” anlocken; oder halt Mulder und Scullys reale Kollegen. Aber egal, auch das sei geschenkt.

Thor ist halt ein arroganter Kerl, viele Dinge laufen schief und es gibt lustige Begegnungen zwischen dem Gott und den Sterblichen. Schlussendlich erfährt Thor eine Wandlung seiner Persönlichkeit und es kommt zu Endkampf. Ende! Puh, das ist schnell zusammengefasst und das ist auch gut so. Denn es gibt keinen Grund für Thors Wandlung, es gibt keine Charakterentwicklung. “Thor” ist einfach auf ein Zielpublikum zugeschnitten, dass sich leicht zufriedenstellen lässt. Und um sämtliche Schwächen zu kaschieren kommt der ganze Murks auch noch in 3D auf die Leinwand. Wer kann solch einen Film gut finden? Vor allem nach so vielen starken Superheldenfilmen, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen. “Spider Man”, “Superman”, “Iron Man” und der grandiose “The Dark Knight”. Die Messlatte hängt verdammt hoch, da ist nur schwer heranzukommen. “Thor” wagt noch nicht mal den Versuch.

“Thor” selbst ist Mist. Und es ist ein Rätsel, warum der Streifen trotzdem ein gutes Einspielergebnis abliefert. Liegt es daran, dass die Kinobesucher keinen Bezug zu den Sagen haben? Ist 3D-Kino Kopfwäschekino? Oder sind Bildungsniveau und Kunstverständnis in der Gegenwart einfach tot? Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Hollywood einfach ein entsprechendes Publikum erzogen hat, dass mit so wenig so zufrieden ist. „Thor“ hätte ein großartiger, erstklassiger Film werden können, mit einem Helden, der Tiefgang besitzt und echte Lebenserfahrungen macht. Stattdessen präsentiert sich Thor wie ein pubertierende Knabe, in dem allerdings ein Held steckt. Wobei, das dürfte das pubertierende Zielpublikum ja gerade ansprechen und wäre ein Grund, warum dieser Murks solch ein Murks ist. Murks eben. Und im Nachhinein lieber doch nicht geschenkt.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

3D-BR bei Amazon.de
BR bei Amazon.de
DVD bei Amazone.de

Thor

Originaltitel: Thor (USA 2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski
Produktion: Kevin Feige
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Haris Zambarloukos
Schnitt: Paul Rubell

Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Tom Hiddleston (Loki), Anthony Hopkins (Odin), Idris Elba (Heimdall), Samuel L. Jackson (Nick Fury)


Abgelegt unter Abenteuer, Action, Comic, Fantasy, Kino, Komödie, Mystery, Science Fiction | Keine Kommentare »

Paul – ein Alien auf der Flucht

Erstellt von Günther Lietz am 11. Juni 2011

Zwei nerdige Briten machen sich auf den Weg in die USA, um dort den besten Trip ihres Lebens zu haben – im wahrsten Sinne des Wortes.

Graeme (Simon Pegg) und Clive (Nick Frost) sind dicke Freunde und ausgemachte Nerds. Sie lieben Comics, Science Fiction und Fantasy. Die USA sind natürlich das Land ihrer Träume. Also verbringen sie gemeinsam in den Staaten ihren Urlaub und touren mit einem Wohnmobil durch die Bundesstaaten. Area 51, Roosevelt und andere mysteriöse und berühmte Orte stehen auf ihrem Fahrplan. Bevor es jedoch so richtig losgeht, geraten sie erst einmal mit der us-amerikanischen Kultur aneinander und stoßen dann auch noch mit Paul zusammen.

Was sich wie eine lange Einleitung liest, kommt auch im Film so rüber. Es dauert tatsächlich mehr als zehn Minuten, bis der namensgebende Hauptcharakter die Bühne betritt. Bis dahin dominieren Graeme und Clive das Geschehen, also  Simon Pegg und Nick Frost. Die Zeit wird ordentlich genutzt, um die beiden menschlichen Hauptfiguren vorzustellen und das ein oder andere Klischee und Vorurteil zu bedienen. Wahnsinnig erfrischen und herzlich wird der Unterschied zwischen Europäer und US-Amerikaner aufgezeigt, werden die Gemeinsamkeiten beleuchtet und die Unterschiede auf die Spitze getrieben. Hier punktet der Film natürlich im englischen Original, denn die sprachlichen Unterschiede zwischen alter und neuer Welt sind stellenweise sehr gravierend. Hier ein gestelztes, britisches Englisch, dort ein schluderisches, halb verschlucktes Englisch. Einfach genial.

Nach der etwas längeren Einleitung taucht dann endlich Paul auf. Dabei handelt es sich um den typischen Außerirdischen, der kleine grüne Mann vom Mars mit den großen Augen, wie ihn die Leute aus alten Comics und Area-51-Videos kennen. Graeme und Clive sind erst einmal überrascht, dann helfen sie Paul. Der ist nämlich auf der Flucht vor dem FBI und hat einen ihrer schlimmsten Agenten auf den Fersen: Agent Lorenzo Zoil (Jason Bateman).

Paul stellt sich schnell als netter und normaler Kerl heraus, der die üblichen Laster eines Erdenmenschen mit sich schleppt. Er raucht gerne, kifft, säuft, feiert Partys und genießt einfach das Leben. Zwar hat er auch einige übernatürliche Fähigkeiten, aber die setzt er nur selten ein. Nun beginnt der Film zweigleisig zu fahren. Auf der einen Seite haben wir eine spannende Komödie, auf der anderen Seite ein klassisches Roadmovie. Skurrile Figuren, tiefgehende Gespräche, Selbsterfahrung, Verfolgungsjagden, Liebe, überraschende Wendungen, Sozialkritik, Slapstick, Science Fiction, Anspielungen auf Serien und Filme (hier vor allem Steven Spielbergs Arbeiten) – „Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist ein buntes Allerlei.

Dadurch wirkt der Film – trotz punktueller Glanzlichter – im ganzen ziemlich überladen. Im Grunde genommen überschneiden sich hier zwei Filme und es misslingt Regisseur Greg Mottola beide miteinander zu einer Einheit zu verschmelzen. Das ist sehr bedauerlich, denn „Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist trotz allem sehr unterhaltsam.

Das liegt unter anderem auch an den hervorragend besetzten Nebenrollen. Jason Bateman als Agent Lorenzo Zoil ist genial und sorgt stets für eine Überraschung, während Kristen Wiig als geläuterte Kreationistin Ruth zeitweise allen anderen Darstellern den Rang abläuft. Das gilt auch für Jane Lynch, die mit Pat Stevenson gegen ihr Image aus der Serie „Glee“ besetzt ist. Einfach erfrischend. Einzig Sigourney Weaver mit ihrem kurzen Auftritt als Tara bleibt blass. Anstatt solch einen Star so derbe zu verheizen, hätte es auch eine eher unbekannte Schauspielerin getan. Zudem wird die Rolle vollkommen overacted dargestellt und wirkt deplatziert.

Handwerklich gibt es keine Meckereien. Vor allem das animierte Alien Paul wird wunderbar in Szene gesetzt und wirkt stets real. Hier haben die Computerspezialisten ganze Arbeit geleistet. Die Mimik und die Bewegungen des Außerirdischen sind authentisch und glaubwürdig. Das sorgt natürlich für weitere lustige Effekte. Besonders genial ist vor allem die Szene, in der sich Paul in einem Comic-Laden vor den FBI-Agenten versteckt. Da tanzt das Zwerchfell Rumba!

„Paul – ein Alien auf der Flucht“ ist – zugegebenermaßen – kein echter Brüller, aber gut gemachte Unterhaltung mit dem ein oder anderen überraschenden Twist. Der Humor kommt vor allem durch die beiden englischen Kumpel Graeme  und Clive auf ihrer US-Tour, der scheinbaren Normalität Pauls und den Anspielungen auf nerdige Themen, auf Themen der Subkultur. Auf jeden Fall mehrere Blicke wert: „„Paul – ein Alien auf der Flucht“.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

DVD bei Amazon.de
BR bei Amazon.de

Paul – ein Alien auf der Flucht
Originaltitel: Paul

Produktionsland: Vereinigte Staaten, Großbritannien, Frankreich, Spanien (2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Greg Mottola
Drehbuch: Simon Pegg, Nick Frost
Produktion: Nira Park, Tim Bevan, Eric Fellner
Musik: David Arnold
Kamera: Lawrence Sher
Schnitt: Chris Dickens

Darsteller: Simon Pegg (Graeme Willy), Nick Frost (Clive Gollings), Seth Rogen (Originalstimme von Paul), Bela B. (Deutsche Stimme von Paul),  Jason Bateman (Agent Lorenzo Zoil), Kristen Wiig (Ruth), Bill Hader (Haggard), Gregg Turkington (Neil Hamburger), Jane Lynch (Pat Stevenson), Sigourney Weaver (Tara)

Abgelegt unter Animation & Trick, Kino, Komödie, Science Fiction | Keine Kommentare »

Sucker Punch

Erstellt von Günther Lietz am 23. April 2011

Manchmal gibt es Filme, bei dem bleibt einem einfach nur der Atem weg. Sei es weil der Streifen so gnadenlos gut ist oder einfach nur unsäglich mies. „Sucker Punch“ gehört zu beiden Sorten Film, denn Macher Zack Snyder gelingt das Kunststück ansehnlichen Müll zu produzieren.

Mit dem Begriff „Sucker Punch“ ist im Boxsport ein unerwarteter Schlag gemeint. Diesen Begriff versucht Snyder auch fleißig auf die dünne Handlung seines Films zu projizieren. Die einzelnen Zwischenstationen und das Filmende selbst präsentieren stets plötzliche Wendungen – die aber allesamt vorhersehbar sind. Eigentlich könnte der Film auch „Punch“ heißen. Vorausgesetzt der Filmtitel zielt auf die sportliche Bezeichnung ab. Eventuell bezieht sich der Titel aber auch auf einen „Bitch Move“, also einen überraschenden Angriff von hinten. Vielleicht hat Snyder für seinen coolen Film auch nur einen coolen Titel gesucht.

In „Sucker Punch“ dreht sich das Handlungskarussell um Babydoll (Emily Browning) – die noch eine jüngere Schwester hat. Die Mutter der beiden Schwestern stirbt und der böse Stiefvater hat nun das Sorgerecht. Kurz darauf ist die jüngere Schwester tot und Babydoll kommt als vermeintliche Mörderin in eine Nervenheilanstalt. Ob sie tatsächlich ihre Schwester mit einem Querschläger tötete oder der Stiefvater einen Mord beging, bleibt übrigens offen und der Fantasie des Zuschauers überlassen. Eventuell wird eine spätere Verkaufsversion des Films Lichts ins Dunkle bringen, denn für die Kinofassung hat Snyder seinen Film um 18 Minuten gekürzt. So konnte er sichergehen, ein PG von 13 zu erreichen. Das ist vor allem für den amerikanischen Markt wichtig. In Deutschland ist der Film ab 16 Jahren freigegeben. Snyder holt mit diesem Kunstgriff jedenfalls so viele Zuschauer wie möglich ins Boot.

Babydoll kommt jedenfalls in die Nervenheilanstalt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Bilder blass, beinahe farblos. Die Handlung spielt in den 50er Jahren des letzten Jahrtausends, erinnert aber auch stark an den düsteren Goth-Style der Batman Verfilmung von Tim Burton. Dadurch ist die Handlung auch gut in der Gegenwart denkbar. Untermalt wird die ganze Szenerie vom Eurythmics-Hit „Sweet Dreams“, hier schwermütig gesungen von Emily Browning, der Darstellerin der Babydoll. Bis zu diesem Zeitpunkt verspricht der Streifen einen genialen Film- und Kunstgenuss. Immerhin zeichnete sich Snyder bisher durch Filme wie “300″ und “Watchmen – Die Wächter” aus. „Sucker Punch“ ist sein erster Film in dem er auch das Drehbuch schrieb und den Snyder selbst produzierte. Seine Frau Deborah war an Drehbuch und Produktion ebenfalls beteiligt.

Die Eingangsszene ist im englischen Original übrigens etwas eindringlicher. Es kommen einige Schrifttexte vor, die in der deutschen Synchronisation von einem Sprecher aus dem Off übersetzt werden. Das ist ein Stilbruch des Akts, der an sich mit minimaler Sprache auskommt, vor allem durch Bilder und Musik zu überzeugen weiß. Doch weiter.

Um Babydoll aus dem Weg zu haben veranlasst der Stiefvater eine Lobotomie. Nach einem kurzen Rundgang durch die Anstalt sitzt Babydoll auch schon festgeschnallt auf einem Stuhl und der Eingriff nimmt seinen Gang. Die Farben verändern sich schlagartig, die Szene wird aufgelöst, der Eingriff ist Teil eines Bühnenstücks in einem Bordell. Babydoll taucht nun an anderer Stelle auf, wird als Waise zu Prostitution gezwungen und soll in wenigen Tagen ihre Jungfräulichkeit verlieren.

Das Bordell gibt es allerdings nur in Babydolls Vorstellungskraft, ist Imagination, zu betrachten durch Babydolls Augen, den Fenstern zur Seele. Diese Konzentration auf die Augen als Portal auf eine andere Ebene kommt im Film übrigens öfter vor, ist zentrales Element.

Babydoll ist nun im Bordell. Sie macht Bekanntschaften mit anderen Huren. Hier sind nur Rocket (Jena Malone) und Sweet Pea (Abbie Cornish) – ebenfalls Schwestern – erwähnenswert. Alle anderen sind nur schmückendes Beiwerk. Jedenfalls wird nun der eigentliche Film eingeläutet, denn natürlich plant Babydoll zu entkommen. Bevor sie einen Plan hat, muss sie jedoch tanzen, denn ihr zukünftiger Liebhaber will unterhalten und bezirzt werden. Babydoll sträubt sich zuerst, lässt sich dann aber gehen. Erneut zoomt die Kamera aufs Auge und schon wird das nächste Portal durchschritten, wird eine weitere Traumwelt aufgefahren.

Hier ist alles noch heller, noch glänzender. In dieser Traumwelt ist Babydoll eine Kriegerin in Schuluniform. Und natürlich gibt es auch einen Mentor, der ihr sagt was Sache ist, der ihr bei der Flucht helfen will. Dazu sind mehrere Gegenstände von Nöten, die bereits beim Rundgang durch die Anstalt ganz offen ins Zentrum gerückt wurden. So offen, dass es auch der letzte und der dümmste Zuschauer versteht. Zur Sicherheit erklärt Babydoll aber die ganze Sache nochmals ihren Mitstreiterinnen und somit dem Zuschauer.

Bis zu diesem Punkt ist die Motivation der Figuren noch nachvollziehbar, ergibt auch das Szenenbild halbwegs Sinn. Babydoll fühlt sich unterdrückt, von Männern fremdbestimmt. Das führt zur Projektion des Bordells, zum Zwang, zur Gewalt. Die einzige Hoffnung dieser Situation zu entkommen liegt in der Flucht. Dabei hat jede Aktion in dieser Traumwelt ihr Gegenstück in der Realität. Das ist von großer Bedeutung, denn schlussendlich hat jede Aktion in der nächsten (Action-)Traumwelt ihr Gegenstück in der Traumwelt des Bordells. Klingt ziemlich komplex und anspruchsvoll, daraus könnte was werden. Leider bleibt es beim „könnte“.

Um an die benötigten Gegenstände zu kommen, werden in der letzten Traumwelt nämlich einzelne Missionen erfüllt. Diese Missionen stehen stellvertretend für den Tanz der Babydoll, mit dem im Bordell die Männer abgelenkt werden. Immerhin ist Babydolls Tanz dermaßen atemberaubend, dass sich niemand mehr auf etwas anderes konzentrieren kann. Doof nur, dass keiner dieser Tänze gezeigt wird. Emily Browning wiegt sich ein wenig hin und her, schwupps, schon ist sie in der Traumwelt. Das bedeutet, dass Snyder hier ganz bewusst ein wichtiges und zentrales Element des Films ausblendet. Dabei wäre gerade der Tanz als Ausdruck der Persönlichkeit besonders hervorzuheben. Doch Snyder ersetzt diese Kunstform durch pure Action.

Diese ist zwar durchweg gut in Szene gesetzt und handwerklich vom Feinsten, doch tatsächlich mangelt es ihr an Seele. Zudem präsentiert Snyder keine eigenen Ideen, sondern bietet nur Versatzstücke aus Comics und Filmen. Das kann er, ebenso wie schnelle Schnitte und rasante Sequenzen. Dazu ein stets passender Sound. Snyders Ursprung aus der Musikvideo-Industrie ist offensichtlich. Das er Vorlagen toll umsetzen kann, hat er ebenfalls bewiesen. Aber vollständig eigenständiges arbeiten am Film, da scheitert der Mann.

In Babydolls letzter Traumwelt wimmelt es nur von Klischees, mutet jede Sequenz wie ein Videospiel an. Das ist sicherlich Absicht und sicherlich steckt – in Snyders Augen – auch ein tieferer Sinn dahinter. Allerdings scheitert der Regisseur daran, diesen Sinn zu vermitteln. Schlussendlich verheizt er seine Darstellerinnen. Im Bordell schon farblos, verkommen sie im Kampf zu Abziehbildern. Am schlimmsten erwischt es Emily Browning. Je bunter der Film, um so blasser ihre Rolle.

Die Actionszenen wirken auf den ersten Blick bombastisch und sind gut umgesetzt. Da werden dampfgestriebene deutsche Soldaten aus dem 1. Weltkrieg aufgefahren, feuerspeiende Drachen, Orks wie aus „Der Herr der Ringe“, futuristische Städte und sogar ein Mecha, der – das Klischee erfüllend – von einer Asiatin gesteuert wird. Leider sind viele der Einstellungen einfach nur geklaut. Am offensichtlichsten ist das beim Springen der Babydoll, wenn sie wie Trinity aus „Matrix“ auf dem Boden landet, die Beine gespreizt um die Wucht aufzufangen, den Arm zum Stützen auf dem Boden und einen verwegenen Blick nach vorne. Seit „Matrix“ springen ja vermehrt Actionhelden in diesem Stil herum – und langsam wird es langweilig.

Der Soundtrack weiß dagegen besser zu unterhalten. Vor allem in Verbindung mit der gezeigten Bildpracht. Es handelt sich durchweg um bekannte Songs, neu aufgemacht oder gar von der Hauptdarstellerin selbst gesungen. „Sweet Dreams“ kommt dabei besonders gut weg, aber es gibt auch Stücke von Björk und Queen. Trotz seinem Unterhaltungswert ist der Sound aber kein Höllenfeuer für die Ohren, sondern Durchwachsen mit Highlights. Die Stimmung entsteht vor allem in Verbindung mit den Bildern und der Zuschauer und -hörer sollte gefallen an den Remixes einiger Stücke finden. Puristen werden sich allerdings mit Grausen abwenden.

Abschließend ist zu sagen: „Sucker Punch“ leidet unter fehlender Selbstständigkeit und mangelndem Selbstbewusstsein. Snyders Ideen und Visionen werden mit dem Mainstream verknüpft und erfüllen die Träume des Zielpublikums, zu dem vorrangig weltfremde Nerds, videospielende Geeks und masturbierende männliche Teenager gehören. Deren Träume werde allesamt erfüllt, doch der kunstverliebte Cineast – den es auch nach einer tiefgehenden Geschichte und einer vielschichtigen Charakterzeichnung verlangt – wird auf der Strecke bleiben. Sexy Körper, knappe Klamotten und dicke Wummen alleine sind einfach zu wenig und verweisen „Sucker Punch“ auf die ordinären Ränge des glattpolierten Popcornkinos. Kein Vergleich mit kreativen Knallern wie “300″ und “Watchmen – Die Wächter”. Schade.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

Sucker Punch

Originaltitel: Sucker Punch
Produktionsland: USA 2011
Länge: 110 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Steve Shibuya
Produktion: Deborah Snyder, Zack Snyder
Musik: Tyler Bates, Marius de Vries
Kamera : Larry Fong
Schnitt: William Hoy

Darsteller: Emily Browning (Babydoll), Abbie Cornish (Sweet Pea), Jena Malone (Rocket), Vanessa Hudgens (Blondie), Jamie Chung (Amber), Oscar Isaac (Blue), Carla Gugino (Madam Gorski), Jon Hamm (High Roller), Scott Glenn (der Weise)

Soundtrack (OST) bei Libri.de
Soundtrack (Limited Edition) bei Amazon.de
DVD bei Amazon.de

Abgelegt unter Action, Fantasy, Kino, Mystery, Science Fiction, Thriller | 5 Kommentare »

Duell der Magier

Erstellt von Günther Lietz am 17. September 2010

Duell der Magier

Originaltitel: The Sorcerer’s Apprentice
Produktion: USA 2010
Länge: 109 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Jon Turteltaub
Drehbuch: Lawrence Konner, Mark Rosenthal, Matt Lopez
Produktion: Jerry Bruckheimer
Musik: Trevor Rabin
Kamera: Bojan Bazelli
Darsteller: Jay Baruchel (Dave Stutler), Nicolas Cage (Balthazar Blake), Alfred Molina (Maxim Horvath), Teresa Palmer (Becky), Monica Bellucci (Veronica), Alice Krige (Morgana), Gregory Woo (Sun Lok), Toby Kebbell (Drake Stone)

Disney und Bruckheimer haben sich zusammengetan, einen erstklassigen Film gedreht, den unnötigen Schrott rausgeschnitten und aus diesem Schrott “Duell der Magier” gemacht. Denn – bei aller Objektivität, Liebe zum Film und dem Hang Jerry Bruckheimer Klasse zu finden – der Film ist einfach miserabel.

Im Original lautet der Filmtitel “The Sorcerer’s Apprentice”, was übersetzt “Der Zauberlehrling” bedeutet. Und darum geht es im Grunde auch. Die Zauberlehrlinge Merlins haben sich einer Liebschaft wegen verkracht, einer wechselt nun die Seiten und dient der fiesen Morgana, Merlin wird umgebracht, Morgana und  Veronica (der weibliche Zauberlehrling, gespielt von Monica Bellucci) in einer Puppe gefangen und dann dauert es eintausend Jahre, bis der Erbe Merlins gefunden wird.

Bei dem handelt es sich natürlich um den nerdigen Physikstudenten Dave Stutler (Jay Baruchel). Moment, stopp, zuerst ist er einfach nur ein normaler Junge, den das Schicksal in einen Laden für Antiquitäten treibt. Dort lernt er einen verschrobenen Kerl kennen: Balthazar (Nicolas Cage). Und der ist der gute Lehrling von Merlin und will seinerseits nun den Jungen – Dave – zum Lehrling haben. Damit dieser halt Merlins Erbe antritt und Morgana endgültig erledigt. Mit diesem Kunstgriff in der Erzählung – also nach der langweiligen und zeitraubenden Vorgeschichte eine Vorgeschichte zu erzählen – holt Regisseur Turteltaub sofort noch ein paar Kinder und Eltern ins Kino. Immerhin erinnert die Sequenz netterweise an “Die unendliche Geschichte” (Bibliothek, verschrobener Bibliothekar, verzaubertes Buch) und mixt ein wenig “Harry Potter” hinein. Hollywood weiß genau, wo es den zahlenden Kunden abzuholen hat.

Zehn Jahre nach dem Ereignis ist Dave also Student und hat seine Kindheitserlebnisse erfolgreich therapiert. Da läuft ihm seine Angebetete von Damals wieder über den Weg und studiert prompt auch Physik – ohne darauf Lust zu haben oder überhaupt die Grundlagen zu kennen. Egal, denn das ist für den Film ohne Bedeutung. Von Bedeutung ist nur, dass die kesse Blondine auf den trotteligen Dave steht und er sie anbaggern kann.

Der ist inzwischen dann doch Balthazars Lehrling geworden und mit Hilfe eines dickens Rings aus dem Kaugummiautomaten hat er den Saft – nein, das war ja “Spaceballs”. Also mit einem dicken Ring der sich bewegt und wie eine Schlange oder ein Drache windet, hat er eine Verbindung zur Unendlichen Kaiserin. Nein! Stop! Wieder falsche Film! Jetzt aber: Mit einem dicken Ring am Finger hat er die Kraft zu zaubern, was zu witzigen Situationen führt. Nun, ehrlich gesagt, es gibt nur eine witzige Sache – wenn der doofe Dave in Anlehnung an den Zauberlehrling und “Fantasia” (Disneys erstklassiger Zeichentrickfilm aus 1940) eine Putzkolonne beschwört und dazu der alte Disney-Soundtrack läuft. Ja, da kommt für einige Sekunden Laune auf. Überhaupt werden hier gerne Filme aus der eigenen Mottenkiste bemüht. Mögen es nun die Spiegel sein (ebenfalls “Fantasia”) oder auch der Soundtrack, der schnell mal “Der Fluch der Karibik” entlehnt wird. Und das einige Szenen wie “Ghostbuster” anmuten, ist sicherlich auch kein Zufall.

Dave ist nun also Lehrling wider willen und da taucht auch schon der Bösewicht mit seinen Helfershelfern auf. Der Bösewicht ist Alfred Molina als Maxim Horvath. Molina – bekannt aus “Spider-Man 2″ – spielt den tragischen Bösewicht, der einer Liebe wegen auf dem falschen Pfad wandelt. Oh, das klingt auch genau wie “Spider-Man 2″. Irgendwie ein Aufguss und damit vielleicht die Erklärung, warum Molina als Bösewicht so blass und wässrig ist. Also wenden wir uns doch lieber dem anderen Cast zu. Zum Beispiel der göttlichen Monica Bellucci, dieser anbetungswürdigen Frau, die ebenfalls in “Duell der Magier” mitspielt. Zugegeben, nur ein paar Augenblicke und wer blinzelt könnte sie verpassen. Aber sie spielt mit. Im Grunde wird sie mit ihrem Kurzauftritt einfach nur verheizt.

Auch die restliche Besetzung hat nur knappe oder farblose Auftritte. Manche sogar beides. So kann sich der Zuschauer vollkommen auf die beiden Hauptdarsteller konzentrieren: Jay Baruchel und Nicolas Cage. Nun, was kann über die beiden Jungs gesagt werden? Also, Cage sieht mit seinen langen und fettigen Haaren einfach toll aus, als sei er gerade seinem Streifen “Con Air” entsprungen. Er zeigt große Spielfreude und ist der einzige Darsteller, der wirklich überzeugt und dessen Rolle spannend ist.

Jay Baruchel spielt dagegen einen Trottel und wirkt auch so. Talent oder Talentfreiheit, das ist hier die Frage. Hoffentlich ist es Talent, denn das wird er für einen guten Film auch brauchen. In “Duell der Magier” kaspert er einfach nur herum, sorgt für lustige Szenen und rettet am Ende die Welt. Wer meint damit wäre im nun das Finale verraten worden, der soll doch bitte nachdenken, denn: Natürlich wird der Held in einem so verdammt einfallslosen Film am Ende die Welt retten. Immerhin haben wir hier familientaugliche Hollywood-Massenware ohne neue Ideen, ein gutes Konzept oder gar künstlerischen Anspruch. Dafür ein in sich widersprüchlicher Film, der in sich unschlüssig ist.

Wenigstens auf eine Sache können sich die Fans aber verlassen: In einer Produktion von Jerry Bruckheimer gibt es ordentlich Action. Und die wird hier auch geboten. Es kracht an allen Ecken und Kanten, jagt ein Drache durch die Straße und wird allerlei Zeug zerlegt. Der Magier fliegt sogar auf einem gigantischen Adler durchs düstere Bild. Zugegeben, dass stammt ja nun aus “Der Herr der Ringe – Die Zwei Türme”. Aber es sieht in dieser Adaption verdammt schick aus. Sound- und Lichteffekte sind einfach genial. Wobei, so ganz neu sind die nun auch nicht. Aber geschenkt.

“Duell der Magier” ist einfach ein Streifen ohne Innovation, in dem blasse Figuren in einer krachenden Kulisse agieren, um eine Actiongeschichte zu erzählen. Dazu kleine Liebesgeschichten mit schicken Mädels drangehängt. Der ganze Streifen ist wunderbar auf ein anspruchsloses Publikum zugeschnitten. Alles ab zwölf Jahren darf rein (Kinder haben eh noch keine Ahnung, wo alles geklaut wurde), um sich den Kram anzugucken. Wer keine Ahnung vom Film hat, ein langweiliges Thema mag oder sein Hirn einfach nur beschallen lassen möchte, der sollte sich den Film anschauen. Es ist als ob der Zuschauer nach Hause kommt: Nix Neues, aber bequem.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Abgelegt unter Abenteuer, Action, Familie, Fantasy, Kino, Komödie, Mystery | Keine Kommentare »

Das A-Team – Der Film

Erstellt von Günther Lietz am 20. August 2010

Das A-Team – Der Film

The A-Team (USA 2010)
Länge: 117 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Joe Carnahan, Brian Bloom, Skip Woods
Produktion: Stephen J. Cannell, Jules Daly, Tony Scott, Spike Seldin, Iain Smith, Alex Young
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Roger Barton, Jim May

Besetzung: Liam Neeson (John „Hannibal“ Smith), Bradley Cooper (Templeton „Faceman“ Peck), Quinton Jackson (B. A. Baracus), Sharlto Copley (H. M. „Howling Mad“ Murdock), Jessica Biel (Charisa Sosa), Brian Bloom (Brock Pike), Gerald McRaney (General Morrison), Patrick Wilson (Lynch), Yul Vazquez (General Javier Tuco)

Fans haben viele Jahre warten müssen, bis dem A-Team endlich ein großer Kinofilm gegönnt wurde. Das A-Team ist endlich dort, wo es es hingehört – und es gibt keinen Plan B …

In der Wüste Mexikos geht es heiß her – wortwörtlich. So heiß, dass daraus eine Kameradschaft geformt wird, die auch noch acht Jahre später im Irak Bestand hat. John „Hannibal“ Smith und seine Leute bilden das A-Team, eine Spezialeinheit die nur Erfolge kennt. Zu Hannibals Team gehören Templeton „Faceman“ Peck, B. A. Baracus und H. M. „Howling Mad“ Murdock.

Hannibal plant eine neue Mission. Das Team soll gestohlene Dollar-Druckplatten und eine Milliarde Falschgeld zurückholen. Mit dem richtigen Plan kein Problem, doch trotzdem geht etwas schief und das A-Team steht vor dem Militärgericht. Niemand glaubt ihnen, dass sie hereingelegt wurden und Hannibal verspricht seinen Leuten, dass er ihren Ruf reinwaschen und den wahren Schuldigen zur Strecke bringen wird …

Das fasst die Handlung knapp zusammen und folgt somit der guten alten Serientradition: Die Handlung ist egal, Hauptsache es kracht! Und genau das bekommt der Zuschauer auch geboten.

„Das A-Team“ ist eine TV-Legende, die von 1983 bis 1987 produziert und vermarktet wurde. Es war eine der üblichen Actionserien der 80er Jahre, die im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. Für die ARD damals ein wenig zu brutal, sendete erst RTL in der 90er Jahren sämtliche Episoden. 2010 folgt nun endlich der Blockbuster aus Hollywood.

Regie führt dabei Joe Carnahan, der den Film verspielt und modern inszenierte, sich gar einen Cameoauftritt gönnte. Carnahan verzichtet auf den Versuch eine Fortsetzung zu stricken oder die Geschichte gar in die 80er Jahre zu verlegen. Nein! Joe Carnahan erzählt die Vorgeschichte und verlegt sie in die Gegenwart. Somit vermeidet er einen peinlichen Nostalgietrip und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Action, Spaß und Ehrerbietung mit einem dicken Augenzwinkern. Die Vorgeschichte selbst spielte in der Serie übrigens keine wichtige Rolle. Sie wurde schnell zusammengeschustert, um irgendwie eine Erklärung für die Zusammensetzung und die Motivation des Teams zu bieten. Dadurch, dass Carnahan genau hier seinen Film spielen lässt, vermeidet er einen allzu großen Handlungskonflikte mit der Serie. Und er vermeidet einen klaren Vergleich mit den alten und den neuen Darstellern.

Das ist sehr klug von ihm, denn sobald jemand versucht eine alte Serie nur zu kopieren und ein wenig modern anzustreichen, muss er unweigerlich scheitern. Carnahan folgt lieber J. J. Abrams Beispiel. Dieser schuf mit „Star Trek“ (2009) eine neue Zeitlinie und stellte damit sicher, dass seine Figuren zwar alte Wesenszüge zeigen, sich aber die neuen Darsteller trotzdem mit ihrer Persönlichkeit einbringen konnten. Eine Kopie (wie in „Mit Schirm, Charme und Melone“ 1998) wäre gescheitert.

Carnahan geht mit seiner Vorgeschichte ähnlich wie Abrams vor. Sein Helden-Quartett muss zu keinem Zeitpunkt den alten TV-Heroen entsprechen. Die Helden des neuen Films werden noch zu den Heroen geformt, die sie später sein werden. Für die Schauspieler ein fruchtbares Feld, denn so können sie bestimmte Eigenheiten der Vorlage ausspielen, aber dennoch ihren eigenen Charakter behalten. Mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Quinton Jackson und Sharlto Copley hat Carnahan auch dankbare Schauspieler, die diese Möglichkeit auch weidlich ausnutzen.

Keiner der vier Männer versucht eine billige Kopie des Originals zu sein. Aber jeder von ihnen hat die Vorlage gut studiert und sich grundlegende Eigenschaften angeeignet, die für einen entsprechenden Wiedererkennungswert sorgen. Erst einmal wäre natürlich das recht typische Grundverhalten des A-Teams. Der planende und stets lässige Hannibal, der grinsende Frauenschwarm Faceman, der aufrichtige Stadtkrieger B. A. und natürlich der verrückte Howling Mad. Als Verneigung vor dem Original und zur Vermeidung eines billigen Plagiats, sind sämtliche Figuren überzeichnet. Aber das ist in Ordnung, denn bevor sie später zu den altruistischen Rittern eines Testosteronmärchens werden und in bester Robin Hood Manier den kleinen Mann retten, wird noch einiges Geschehen und diese Männer formen. Einen Teil dieses Prozesses erlebt der Zuschauer im Film mit.

Sämtliche Hauptdarsteller sind hervorragend besetzt. Liam Neeson ist prädestiniert als Mentor seiner Jungs, Bradley Cooper spielte bereits in „Hangover“ den charmanten Schönling, Quinton Jackson ist so trocken und untalentiert wie Mr. T und „District 9“-Star Sharlto Copley ist herrlich erfrischend verrückt. Es macht einfach Spaß den Kerlen zuzusehen.

Bei solch starken Helden, braucht es natürlich auch einen fiesen Bösewicht. Und der kommt in Gestalt des CIA-Agenten Lynch daher, gespielt von Patrick Wilson. Die Rolle ist ebenfalls überzeichnet, aber in sich schlüssig. Und genau diese Überzeichnung ist es auch, die das A-Team später als Waffe gegen Lynch einzusetzen versucht. Das ist gut gemacht und gibt der Rolle den Anstrich der Nachvollziehbarkeit.

In einer Geschichte von Männern, über Männer und für Männer gibt es natürlich auch etwas fürs männliche Auge. Dafür ist Jessica Biel als Charissa Sosa zuständig. Sosa ist nett anzusehen, adrett und hatte mal eine Affäre mit Faceman. Biels Rolle ist stark reduziert, zu keinem Zeitpunkt dominiert sie die Handlung oder stört gar das Spiel der Kerle. Und das ist ihr wohl bewusst, denn ganz im Stil der Vorlage hat Frau keinen Stich zu machen. Sie sieht toll aus und sie braucht die Hilfe starker Männer. Das weiß Biel. Und so holt sie aus ihrer Rolle gekonnt heraus, was sie kann. Damit bildet sie eine nette Dreingabe zum A-Team.

„Das A-Team – der Film“ ist eine der letzten Männergeschichten, in denen Muskeln und Feuerkraft über Scharfsinn und soziale Netzwerke siegen. Klassisch, einfach und ohne Schnörkel. Das ist keinesfalls ganz zeitgemäß, aber im Sinne der alten Garde. Logik oder tiefsinnige Gedanken gehören an andere Stelle, das A-Team will nur Sachen zerlegen – und das gelingt großartig.

Die Actionszenen entbehren natürlich jeglicher Grundlage und sind weitgehend an den Haaren herbeigezogen. Geschenkt, denn die Action kommt stets betont lässig daher und funktioniert – wie der Film – nur für den gegenwärtigen Augenblick. Das bedeutet rasante Verfolgungsjagden, wildes Ballern, fliegende Panzer und zünftige Schlägereien. Das alles wird ordentlich mit der Spielfreude der Darsteller gemischt, die grinsend im Film agieren und ihren Spaß haben. „Das A-Team – der Film“ ist einer der letzten Abenteuerspielplätze für Männer!

Für deutsche Zuschauer ist natürlich sehr faszinierend, dass der Film einige Zeit in Deutschland spielt und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel mal auftaucht. Joe Carnahan und sein Stab beweisen gleichzeitig, dass sie keine Ahnung von Deutschland haben. So spielen Szenen in Frankfurt am Main, aber die Autos haben manchmal die Nummernschilder von Frankfurt an der Oder. Egal, denn auf den Autos prangt ja auch der Notruf 109 statt 110 – und der Kölner Dom wird plötzlich zum Frankfurter Hauptbahnhof. Wirklich Fehler und Schlampigkeit der Produktion oder vielleicht nur eine Hommage an die Fehlerquote der alten Serie? Denn dort war auch vieles an den Haaren herbeigezogen und wurde auch schon mal falsch wiedergegeben. Selbst wenn Carnahan schlampte, so gehört es trotzdem zum wunderbaren Charme des Films.

Ebenfalls verwunderlich ist die deutsche Synchronisation. An sich recht gut und mit deftigen Schimpfworten, lässt sie leider einen schönen Gag untergehen. Und zwar als Murdock nach dem Weg nach Berlin fragt. In der Synchronisation wird daraus leider die Frage nach dem Weg nach Frankfurt. Eventuell ist das falsche politische Korrektheit.

Eine der ganz großen Stärken des Films sind die liebevollen Verweise auf die Originalserie und deren Darsteller. So schauen sich die Patienten einer Anstalt einen „A-Team“-Film an, taucht öfter der Name Schultz auf (Dwight Schultz spielte den Murdock in der Serie), ist die Tätowierung auf den Fäusten des neuen B. A. ein Verweis auf einen Spruch des alten B. A. und vieles mehr. Einem Kenner der alten Serie geht da einfach das Herz auf.

„Das A-Team – der Film“ ist Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungsfaktor. Spielfreudige Darsteller, ein gelungener Soundtrack, pure Männeraction, durchgedrehte Szenen – einfach ein großer Spaß!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Abgelegt unter Action, Kino, Komödie, Serie | 1 Kommentar »

Prince of Persia – Der Sand der Zeit

Erstellt von Günther Lietz am 28. Mai 2010

Prince of Persia – Der Sand der Zeit


Prince of Persia: The Sands of Time (USA 2010)
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
116 Min.
Verleih: Walt Disney
Start: 20. 05. 2010

Regie: Mike Newell
Produktion: Jerry Bruckheimer, Chad Oman, Eric Mcleod, Mike Stenson
Drehbuch: Jordan Mechner, Boaz Yakin, Doug Miro, Carlo Bernard
Musik: Harry Gregson-Williams

Darsteller: Jake Gyllenhaal (Dastan), Gemma Arterton (Tamina), Sir Ben Kingsley (Nizam), Alfred Molina (Sheik Amar), Steve Toussaint (Seso), Toby Kebbell (Garsiv), Richard Coyle (Tus), Ronald Pickup (King Sharaman), Reece Ritchie (Bis), Gísli Örn Garðarsson (Hassansin Anführer)

http://www.disney.de/prince-of-persia/
http://kyzr.free.fr/davidbelle/

Der Prinz von Persien hat den gewaltigen Sprung vom Videospiel auf die Leinwand gewagt und ist auf den Füßen gelandet.

Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) ist der jüngste von drei Brüdern, obwohl von Geburt kein Königssohn, sondern adoptiert. Mit den Prinzen Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) macht er sich nun daran die heilige Stadt Alamut zu erobern, um die dortigen Waffenlager auszuheben. Doch der Triumph der Brüder weicht schon bald Trauer, Hass und Verrat.

Schlussendlich ist Dastan als Mörder gebrandmarkt und mit der schönen Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) auf der Flucht. Im Besitz des Prinzen befindet sich ein verzauberter Dolch, der im Mittelpunkt des Verrats steht und die Zeit beeinflussen kann. Dastan versucht nun seine Unschuld zu beweisen und ringt schlussendlich gar um das Überleben des ganzen Welt …

Die Handlung ist schnell erzählt und weist keine besonderen Überraschungen oder Wendungen auf. Mike Newell legt Wert auf eine in sich schlüssige Erzählung und optimale Vermarktung, dementsprechend einfach ist die Geschichte gestrickt und an den richtigen Stellen mit den passenden dramatischen Elementen gespickt. Newell versteht sein Handwerk, ebenso wie Jerry Bruckheimer, der sich für die Produktion von „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auszeichnet. Bei einem solchen Blockbuster gibt es keine großen Experimente – und das macht den Film so gut.

Der Film basiert auf der beliebten Videospielreihe „Prince of Persia“, die aus dem Hause Ubisoft stammt und sich großer Beliebtheit erfreut. Newell meidet die üblichen Fallstricke, die Videospieladaptionen mit sich bringen. Er versucht den Nerv des Spiel zu treffen und bietet keine exakte Umsetzung. Trotzdem sind alle wichtigen Elemente enthalten, so das es einen hohen Wiedererkennungswert gibt, und dennoch punktet der Film durch ein großes Maß an Eigenständigkeit.

Regisseur Mike Newell vergeudet auch keine Zeit mit einer langwierigen Charaktervorstellung, sondern wirft seinen Helden sofort ins Geschehen. Innerhalb weniger Augenblicke steht fest: Das ist der Prinz, er kann turnen und er hat eine scharfe Zunge. Perfekt!

So rasant und auf diese Punkte konzentriert geht es auch weiter. Mit Tamina erscheint die weibliche Hauptrolle auf der Bühne und schon gibt es bissige Dialoge zwischen Dastan und der Prinzessin. Auch hier folgt der Film dem Gedanken des Videospiels, zudem vermittelt er noch brüderliche Stärke, Familien- und Gerechtigkeitssinn. Es ist ein Disney-Film und entsprechend familienfreundlich kommt „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ auch daher. Die Kritik an Gemma Arterton als Tamina in diesem Zusammenhang – sie sei für die Rolle zu wenig sexy – ist unsinnig. Auch das die harten Ecken und Kanten abgeschliffen wurden ist einfach passend. Dabei zeigt Newells Arbeit eindrucksvoll, dass es keiner blutigen Gewaltorgien bedarf, um überzeugende und atemberaubende Action zu präsentieren.

Die Action steht in dem Film natürlich im Vordergrund, vor allem die akrobatische Fortbewegung des Prinzen Dastan. Für die Choreographie zeigt sich David Belle verantwortlich, der als Begründer des „Le Parkour“ gilt – der Kunst, durch Überwindung sämtlicher Hindernisse den schnellsten und effizientesten Weg vom Startpunkt zum Zielpunkt zu nehmen. Belle versteht sein Handwerk und seine Choreographie ist ausgezeichnet. Die akrobatischen Kunststücke sind gelungen umgesetzt, leichtfüßig und atemberaubend. Wer nun glaubt das sei alles von Stuntmen unterstützte Tricktechnik, der sollte sich das ein oder andere Video von David Belle und seinen Kollegen anschauen. Die bewegen sich oft atemberaubender als der Prinz durch die Großstädte.

Tricktechnik spielt zwar eine große Rolle in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“, trotzdem ist vieles noch hausgemacht und liebevoll umgesetzt. So hat Jake Gyllenhaal darauf bestanden möglichst jeden seiner Stunt selber durchzuführen, was zu mehreren leichten und schweren Blessuren führte. Gyllenhaal, der bisher nur in kleineren Produktionen auf sich aufmerksam machte, war nach Orlando Bloom and Zac Efron zwar nur dritte Wahl, ist aber um so perfekter. Er verkörpert Prinz Dastan atemberaubend und lässt keine Zweifel daran, dass er für die Rolle des Prinzen die erste Wahl ist. Körperbau, Mimik und das Augenspiel sprechen für sich. Jake Gyllenhaal hat auch hart an sich gearbeitet, um den Schritt in eine solch große Produktion zu schaffen. Hartes Training an sich selbst und die Umstellung auf einen generalstabsmäßigen Produktionsplan standen auf dem Programm. Gyllenhaal hat es geschafft und ist mit seiner Rolle als Prinz Dastan an der Spitze angekommen. Gut, dass der Prinz schwindelerregende Höhen liebt. Dastan ist übrigens ein waschechter Märchenprinz. Das persische Wort für Märchen und Geschichte lautet nämlich „dâstân“.

An Gyllenhaals Seite agiert Gemma Arterton in der Rolle von Tamina. Sie ist die widerspenstige Ungezähmte, die dem Prinzen richtig heftig zusetzt, stolz und mit einem reinen Herzen – das idealisierte Bild einer persischen Prinzessin eben. Das macht Arterton übrigens aktuell zur amtierenden Disney-Prinzessin. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig in Anbetracht ihrer bisherigen Rollen wie Strawberry Fields in „James Bond: Ein Quantum Trost“ (2008) auch Io in „Kampf der Titanen“ (2010). Gemma Arterton versprüht nun keinen Sex wie Megan Fox, sondern verbindet hervorragend Erotik und Familienunterhaltung. Zudem kann sie exzellent spielen und ist das passende Gegengewicht zu Gyllenhaal. Zugegeben, die beiden haben nur wenig Dialog miteinander, aber der ist witzig spritzig. Und ein guter Actionfilm kommt sowieso ohne großartig tiefsinnige Gespräche daher.

Neben Jake Gyllenhaal und Gemma Arterton überzeugen auch die übrigen Darsteller mit ihrer Leistung. Allen voran natürlich Sir Ben Kingsley („Shutter Island“, „Schindlers Liste“), der Dastans Onkel Nizam zum Besten gibt und in dieser Rolle sogar einige Actionszenen spendiert bekommt. Auch Alfred Molina („Spider Man 2“) zeigt eine hervorragende Leistung. Beide stehen stellvertretend für die restliche Besetzung, die sehr hochwertig ist und auf einem ebensolchen Niveau agiert. Dadurch wirkt der Film lebendig und glaubhaft – ein persisches Hollywoodmärchen eben.

Die passende Musik zu diesem Märchen wird von Harry Gregson-Williams beigesteuert, der einen westlich modernen, aber dennoch orientalisch orientierten Score kreierte. Dabei kann Gregson-Williams auf seine jahrelange Berufserfahrung im Bereich Filmmusik und Videospielmusik bauen. Das ist in „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ gut zu hören und macht stets Laune. Die Musik klingt exotisch, aber keinesfalls fremdartig oder störend. Und das macht den Score so schön. Den Soundtrack sollten sich Kinogänger jedenfalls vormerken.

Zugegeben, ein wenig Kritik gibt es natürlich auch an diesem Film, denn es schleicht sich schon die ein oder andere kleine Logiklücke ein und leider mangelt es an tödlichen Fallen, über die Prinz Dastan hüpfen könnte. In den Videospielen sind die Fallen halt stets präsent und ein Markenzeichen der Reihe. Aber das sind Punkte, die vollkommen vernachlässigt werden können.

Was bleibt ist ein grandioser Actionstreifen, der an Bruckheimers „Fluch der Karibik“ anknüpft und zu den besten Abenteuer-Actionfilmen gehört, die derzeit in den Kinos laufen. „Prince of Persia – Der Sand der Zeit“ dürfte auch zu den besten Videospieladaptionen gehören, die jemals gedreht wurden – vielleicht ist der Prinz sogar die beste Umsetzung überhaupt. Humorvoll, leichtfüßig und verspielt – einfach märchenhaft!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Abgelegt unter Action, Familie, Fantasy, Kino | 1 Kommentar »

Iron Man 2

Erstellt von Günther Lietz am 6. Mai 2010

Iron Man 2

Kinostart: 6. Mai 2010

Produktion: USA 2010
Laufzeit: zirka 123 Minuten

Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Justin Theroux
Kamera: Matthew J. Libatique
Schnitt: Dan Lebental, Richard Pearson
Musik: John Debney
Produktionsdesign: J. Michael Riva
Kostüme: Mary Zophres
Produzenten: Kevin Feige
Koproduzenten: Jeremy Latcham, Victoria Alonso
Ausführende Produzenten: Jon Favreau, Alan Fine, Stan Lee, David Maisel, Louis d’Esposito, Susan Downey

Darsteller: Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.), Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), Col. James ‘Rhodey’ Rhodes (Don Cheadle), Natasha Romanoff/Black Widow (Scarlett Johansson), Justin Hammer (Sam Rockwell), Ivan Vanko/Whiplash (Mickey Rourke), Nick Fury (Samuel L. Jackson), Howard Stark (John Slattery)

Die Fortsetzung zum humorvollen Actionknaller „Iron Man“ knüpft beinahe nahtlos an seinen Vorgänger an. Tony Stark (Robert Downey Jr.) outet sich als Superheld und nach einem Umschnitt sind sechs Monate vergangen, in denen Iron Man der Welt zum Frieden verholfen hat. Natürlich gibt es Neider die an Starks Erfindungen, Geld und Leben wollen.

So muss sich Tony Stark gegen die Politik, das Militär und einen skrupellosen Konkurrenten durchsetzen, während gleichzeitig der Russe Ivan Vanko (Mickey Rourke) an einem eigenen Waffensystem bastelt, um dem Iron Man zu Schaden. Glücklicherweise kann dieser aber auf die Hilfe von gute Freunden bauen. An erster Stelle Kumpel Rhodey (Don Cheadle) und die bezaubernde Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), die gar die Führung von Stark Industries übernehmen muss. Aber auch Nick Fury (Samuel L. Jackson) und Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) sind mit von der Partie, um Tony Stark und die Interessen der Welt zu schützen. Das ist auch dringend angeraten, denn die Gegenseite vereint ihr Kräfte, um zum finalen Schlag auszuholen …

Die gute Nachricht ist sicherlich, dass „Iron Man 2“ ein gelungener Actionfilm ist. Die schlechte Nachricht ist dagegen, dass der Film eine schlechte Fortsetzung ist. Im Grunde haben wir hier einen Actionfilm aus dem Lehrbuch, optimiert für ein Publikum ab zwölf Jahren und mit sehr vielen Möglichkeiten, die passenden Actionfiguren und Videogames auf den Markt zu bringen. „Iron Man 2“ wird sicherlich ein Erfolg an der Kino- und Ladenkasse, denn er ist vollkommener Mainstream – leicht, locker und mit bewährten Mitteln umgesetzt. Aanders als der erste Teil, in dem Robert Downey Jr. 2008 den Superhelden neu erfand und dem Dark Knight zeigte, wo dieser langflattern muss. So wie „Der Fluch der Karibik“ das Piratengenre neu erfand, so erfand „Iron Man“ das Superheldengenre neu – Helden hatten plötzlich wieder Tiefgang, waren menschlich, verletzbar, zeigten neben ihren Stärken auch schonungslos ihre Schwächen.

Das galt vor allem für die Figur Tony Stark, einen selbstverliebten und eingebildeten Kerl, der erst mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden musste, um die Schädlichkeit seines Lebenswerks zu erkennen. Im Herzen geläutert, mit narzisstischem Charme und arrogantem Witz, legte er die Waffen nieder und schwor der Welt den Frieden zu bringen; mit allen Konsequenzen. Als Kulisse diente der Nahe Osten, mit seinen terroristischen Widerstandskämpfern und den ihnen zuliefernden Waffenkonzernen. Das war Kritik am System, das war eine Stellungnahme für den Frieden.

In „Iron Man 2“ kein Wort mehr über den Ausstieg aus dem Rüstungswettkampf, keine Kritik mehr an Waffenlieferungen und kein Kratzer am Image des Militärs. Im Gegenteil. Durch den militanten Einsatz seiner Rüstung schaft Iron Man ein Klima der Angst und Abschreckung, so dass die Welt sich friedlich gibt. Das Iron Man für Frieden sorgte wird übrigens nur verbal zum Fakt erklärt, keinesfalls visuell verständlich dem Zuschauer vorgeführt. Aus Stark wurde auch wieder der arrogante Narzisst und widerspricht somit dem Bild, dass er zum Ende des zweiten Teils wiedergab: Zwar noch immer selbstverliebt, aber mit beiden Beinen auf dem Boden. Auch Starks Abkehr vom Waffenmarkt – im ersten Teil zentrales Element der Handlung – ist kein Thema mehr. Stattdessen gibt es auf Starks Expo sogar eine offizielle Waffenschau seines Konkurrenten Justin Hammer (Sam Rockwell), dessen Name für einen selten dämlichen Schulhofkalauer herhalten muss. Robert Downey Jr. gibt sich zwar alle Mühe an dem einst erarbeiteten Konzept festzuhalten, muss sich aber schlussendlich der Produzentenriege ergeben. „Iron Man 2“ ist politisch korrekt und Aushängeschild für die US Army und die Homeland Security. Keine Kritik mehr am Vaterland – und sei sie noch so leise.

Die Figur des Tony Starks hat sich also – leider – erneut gewandelt und ist stellvertretend für den ganzen Film, dem nun der charmante Biss des ersten Teils weitgehend fehlt. Die Figuren agieren dem Genre üblich und scheinen aus der Schablonensammlung der Hollywoodautoren zu stammen. Zudem mangelt es dem Film auch an oberflächlicher Glaubwürdigkeit, lässt „Iron Man 2“ die Nachvollziehbarkeit der Figuren vermissen. Die Frage nach dem „Warum“ einer Handlung kann selten gegeben werden – im Gegensatz zu „Iron Man“. Im zweiten Teil werden Handlungen und Effekte nur um ihrer Selbstwillen eingebracht, haben weder Start noch Ziel, sind kein tragendes Element der Handlung sondern nur schmückendes Beiwerk. Für den einfachen Kinobesucher oder Liebhaber von Popcornaction sicherlich ausreichend. Dieses Publikum wird gut bedient, bekommt klinisch saubere Actionszenen geboten und darf lauschen, wie Tony Stark von seiner schweren Kindheit erzählt, was wohl Dramatik und Charaktertiefe erzeugen soll. Auch hier legt der Primus „Iron Man“ vor – denn dort wurde das Drama durch Starks Gefangenschaft deutlich gezeigt; und war mehr als nur ein paar Worte über die übliche traurige Kindheit Und um den einfältigen Kinobesucher gänzlich glücklich zu machen, wird übrigens mehrmals deutlich darauf hingewiesen, dass sich im Diorama des Vaters der Schlüssel befindet. Kinobesucher mit ein wenig Grips fühlen sich da schnell wie im Kasperletheater.

Überhaupt ist dem Film anzumerken, dass er auch das jüngere Publikum bedienen soll. Der Streifen ist sehr seicht angelegt, die Figuren gewollt cool, aber ohne ältere Semester richtig zu befriedigen. So sind die Gegner Roboter, die ohne Blutvergießen in die Luft gesprengt werden können. Das macht mächtig Rumms und trotzdem gibt es eine niedrige FSK-Einordnung – ab zwölf Jahren halt. Das gilt auch für die beiden weibliche Hauptrollen: Pepper Potts und Natasha Romanoff, also Gwyneth Paltrow und Scarlett Johansson.

Beide Frauen sind hübsch anzusehen und verdrehen jedem Mann problemlos den Kopf. Netterweise dürfen sie in „Iron Man 2“ ihr schauspielerisches Können auspacken, müssen mit den weiblichen Reizen leider sehr sparsam umgehen. In Bezug auf Frau Johansson sehr bedauerlich, tritt sie doch im hautengen Anzug auf, ist in der Lage im Spagat die Kerle flachzulegen und verfügt, neben einem großen Aufgebot an Talent, über wunderbar weibliche Attribute. Die bleiben jedoch gut verhüllt. Auch die liebe Pepper Potts ist diesmal zugeknöpfter, was ebenfalls für den Dialog mit Stark gilt. Sprühten bei den Wortgefechten von Downey Jr. und Paltrow im ersten Teil noch Witz, Frechheit und Charme, so gestalten sich diesmal die Szenen langatmig und romantisch aufgesetzt – genau das Richtige für kleine Girlies, die vom pubertierenden Freund ins Kino geschleppt werden. So etwas muss der Zuschauer halt mögen.

Überhaupt hat der Humor in „Iron Man 2“ stark gelitten. Witzige und originelle Wortgefechte sind Mangelware, lustige Einlagen und Scherze wirken aufgesetzt und sind meist vorhersehbar. Auch die gelungene Interaktion mit den Robotern in Starks Anwesen verkommt zum Kinderprogramm, wird der aus dem ersten Teil bekannte Roboterarm noch mehr vermenschlicht. Nun, das Ding war im ersten Teil witzig, also muss es wohl in der Fortsetzung unbedingt ebenfalls einen Auftritt haben, der zu Herzen geht. Dabei wirkt der Roboterarm in einigen Einstellungen wie Wall-E aus „Wall-E: Der Letzte räumt die Erde auf“. Grausam!

Kümmern wir uns nun um die Bösewichter. Ein Gegner alleine wäre für Iron Man wohl zu wenig. Also stellen sich Justin Hammer und Ivan Vanko gemeinsam gegen den Superhelden. Vanko mutiert dabei zu Wiplash, der erst in Monaco und dann später in den USA mit seinen Superpeitschen Iron Man zusetzt.

Hammer wird von Sam Rockwell gespielt, dessen Figur einen Tony Stark für Arme abgeben soll. Er versucht an den genialen Erfinder heranzukommen, scheitert aber kläglich. Er wird sogar von Stark vorgeführt, was Hammer tief verletzt. Für sich alleine genommen und weniger überzeichnet, wäre Hammer sicherlich ein passender Gegner für Stark, so gibt Sam Rockwell einen erbärmlichen, untalentierten Waffenproduzenten ab, der zur Lachnummer verkommt. Warum ausgerechnet eine Figur wie Justin Hammer vom Militär als Berater oder zum modifizieren eines Kampfanzugs herangezogen wird, ist schleierhaft. Die Rolle Hammer wird vom Drehbuch dermaßen demontiert, dass es ihr einfach an Subtanz fehlt.

Um diese Substanz zu bieten und die Bösewichte wieder ins Gleichgewicht zu bringen, muss Mickey Rourke herhalten. In „The Wrestler“ hatte er sein Comeback, in „Iron Man 2“ wird er angezählt. Die Rolle des Ivan Vanko ist einfach zu flach und entbehrt jeglicher scheinbaren Glaubwürdigkeit. Äußerlich ist der Russe durchgestylt – bis zur letzten Haarspitze. Und genau das lässt die Figur eher lächerlich, als gefährlich wirken. Zu viel Strähnchen, zu viel cooles knabbern am Zahnstocher, zu viele Tätowierungen – einfach zu viel Style. Es ist zwar eine Comicverfilmung, aber der Style muss eine im Film nachvollziehbare Glaubwürdigkeit besitzen. Die fehlt hier einfach, ebenso die Nachvollziehbarkeit der Handlung. Es wird zwar erklärt warum Vanko Stark erledigen will, aber es ist unbeantwortet, warum er genau so agiert, wie er agiert – seine Vorgehensweise ist nie nachvollziehbar. So lauert Vanko Stark in Monaco an der Rennstrecke auf. Doch Stark selbst entscheidet sich im Film erst kurz vorher, am Rennen teilzunehmen. Und bei einem Tony Stark ist es auch fraglich, ober er überhaupt in Monaco auftaucht. Es gibt mehrere solcher Logikbrüche.

Es ist auch überraschend, dass Ivan Vanko ein verdammt kluger Bursche ist. Überhaupt scheint es im Iron-Man-Universum so zu sein, dass geniale Wissenschaftler nie gefördert werden und in Kellern, Hinterzimmern und Garagen genau die Technik entwickeln, die in Laboren unschaffbar scheint. Einem Tony Stark mit seinen Möglichkeiten und seinem Verstand nimmt der Zuschauer das gerne ab. In einer Comicverfilmung ist das auch noch halbwegs glaubhaft. Doch Ivan Vanko wirkt wie ein dümmlicher Schläger, vor allem im Spiel von Mickey Rourke. Scheinbar kann dieser nur noch den Muskelmann spielen und mit wenig Mimik aufwarten. Vanko als kluger Physiker? Niemals! Die Rolle ist einfach unglaubwürdig. Hier hätte Hammer tatsächlich der Verstand und Wiplash nur die Muskeln sein dürfen, so verschenkt der Film sein Potenzial.

Glücklicherweise besitzt der Film davon genug, um trotz all seinen Schwächen einen Kinobesuch lohnen zu lassen. Immerhin zählt Robert Downey Jr. derzeit zu den besten Schauspielern Hollywoods und kann sich auch in „Iron Man 2“ halbwegs durchsetzen. Obwohl seine Rolle an Tiefe verlor, spielt er Tony Stark sehr überzeugend und mit einer gesunden Prise Humor. Es sind zwar weniger Gags – und die Gags sind manchmal einfach nur schlecht – aber oft genug blitzt der alte Charme auf und kitzelt das Zwerchfell. Besonders genial ist dabei Starks Geburtstagsparty, die leider unschön endet. Vor allem der Schlagabtausch zwischen Stark und Rhodey wirkt aufgesetzt, aber schlussendlich muss das Militär ja irgendwie an eine Rüstung kommen und War Machine auftauchen.

Die Figur Col. James ‘Rhodey’ Rhodes wird diesmal übrigens von Don Cheadle gespielt, der somit Terrence Howard ersetzt. Das ist aber der einzige Rollenwechsel, da nur wenige Figuren aus „Iron Man“ übernommen wurden. Leider bleibt Cheadle in seiner Rolle etwas blass, hat aber auch nur wenig Gelegenheit zu schauspielern.

Gut gelungen ist die Verknüpfung von „Iron Man 2“ zum dazugehörigen Superheldenuniversum. Im ersten Teil gab es nach dem Abspann bereits eine kleine Vorschau auf Samuel L. Jackson als Nick Fury von S.H.I.E.L.D.. In „Iron Man 2“ taucht Nick Fury dann tatsächlich auf. Die Rolle Jacksons ist zwar klein, gehört aber zum Besten, was der Film zu bieten hat. Überhaupt passt die Rolle des Nick Fury für Mister Jackson wie die Faust aufs Auge. Das dürfte aber daran liegen, dass Nick Fury für die Comic-Reihe „Die Ultimativen“ Samuel L. Jackson nachempfunden wurde. Wobei Jackson einen besseren Nick Fury abgibt als 1998 David Hasselhoff in „Nick Fury: Agent of S.H.I.E.L.D.“.

Natürlich muss stets im Auge behalten werden, dass Comicverfilmungen ein ganz eigenes Comicuniversum stricken und Fans einfach nur hoffen können, dass der Film etliche Eckpunkte der geliebten Serien aufgreift. Wobei Comicserien selbst gerne mal eigene Universen bedienen und parallel funktionieren. „Iron Man“ bildet da keine Ausnahme. In „Iron Man 2“ werden die Verknüpfungen zum Comic und zukünftigen Projekten sogar verschärft. So erfährt Tony Stark von den Rächern („The Avengers“), zu denen ja mehrere Superhelden gehören und die 2012 mit einem Blockbuster die Kinos stürmen sollen – falls Hollywood an seinem Plan festhält. Auch wird die Erkrankung Tony Starks thematisiert und stellenweise scheint Regisseur Jon Favreau zusätzlich auf den Alkoholismus anzuspielen, der Stark im Comic arg zusetzt und der eigentliche der Grund ist, warum War Machine auf der Bildfläche erscheint. Auch nett ist das zerbrochene Schild von Captain America, das Tony Stark bei einem seiner Experimente einsetzt. Und dann erscheint nach dem Abspann eine weitere Szene, in der offensichtlich Mjolnir zu sehen ist, der Hammer des Thor. Da „Iron Man“ als Trilogie angelegt wurde, kann „Iron Man 3“ wohl 2011 erwartet werden, um 2012 in „The Avengers“ überzugehen. Doch das ist derzeit Spekulation.

Für Comicfans des ein oder anderen Marveluniversums hat die Sache einen besonderen Kick. Immerhin wurde Captain America 2008 erschossen. Tony Stark erfüllte Steve Rogers letzten Wunsch und machte James Buchanan “Bucky” Barnes zum neuen Captain America. Thor selbst sorgt in allem amerikanischen Medien für eine Schweigeminute. Und zudem ist es eigentlich Tony Stark der die Rächer mitbegründete. Die Verknüpfung von Film und Comic hat also ihren ganz eigenen Reiz und es ist schön, dass Favreau nun verstärkt darauf eingeht. Wie groß der Einfluss der Comics auf die Filme tatsächlich ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Jon Favreau liefert mit „Iron Man 2“ jedenfalls ein lautes Spektakel ab. Der Film ist ein Kracher und liefert ordentliche Action, die von erstklassiger Musik begleitet wird. Der Regisseur hat sich auf altbewährtes verlassen und keine großen Experimente gewagt. Somit bewegt sich der erfahrene Kinogänger auf bekannten Straßen. Trotz allem macht die Fahrt Laune, denn schlussendlich misst sich „Iron Man 2“ mit seiner eigenen Vorlage. Im Vergleich mit anderen genreüblichen Filmen schneidet der Streifen sehr gut ab. Nur wer „Iron Man“ bereits kennt, der weiß was Geschichte und Darsteller eigentlich zu bieten haben – der Eiserne hat sich leider selbst besiegt.

Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen: Ein lohnender Film, der trotzdem hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

BR – Iron Man (Ungeschnittene US-Kino-Version) bei Libri.de
DVD – Iron Man (Original deutsche Kino-Version) bei Libri.de
CD – AC/DC, Iron Man 2 bei Libri.de

Abgelegt unter Action, Comic, Kino, Komödie | 4 Kommentare »

Percy Jackson – Diebe im Olymp

Erstellt von Günther Lietz am 26. Februar 2010

Percy JacksonPercy Jackson – Diebe im Olymp

Originaltitel: Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief
Produktionsland: USA, Kanada
Erscheinungsjahr: 2010
Länge: 120 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Chris Columbus
Drehbuch: Craig Titley
Roman: Rick Riordan
Produktion: Chris Columbus, Michael Barnathan, Karen Rosenfelt
Musik: Christophe Beck

Darsteller: Logan Lerman (Percy Jackson), Brandon T. Jackson (Grover Underwood), Alexandra Daddario (Annabeth Chase),Jake Abel (Luke Castellan), Pierce Brosnan (Chiron), Kevin McKidd (Poseidon), Sean Bean (Zeus), Steve Coogan (Hades), Rosario Dawson (Persephone), Catherine Keener (Sally Jackson), Uma Thurman (Medusa)

Die Herrschaft von Harry Potter neigt sich langsam dem Ende zu und so wird es Zeit einen Nachfolger auf den Thron zu bringen. Spätestens mit dem voraussichtlich 2011 erscheinenden letzten Film der Potter-Reihe sollte der Prinz etabliert sein, um das Zepter aus der Hand des Königs zu nehmen. Percy Jackson dürfte aber ein Dreizack reichen, denn immerhin ist er Poseidons Sohn.

Aus der Feder von Rick Riordan stammen die Bestsellergeschichten des jungen Percys, der eines Tages entdeckt, dass er ein ganz besonderer Junge ist. Auf Grund seiner Abstammung genießt er fortan eine besondere Ausbildung und erlebt mit seinen Freunden gefährliche Abenteuer – die mit seiner Abstammung in Verbindung stehen. In seinem ersten Abenteuer muss Harry, Verzeihung, Percy (Logan Lerman), den gestohlenen Herrscherblitz zurückbringen. Ansonsten hauen die Götter des Olymps – allen voran Zeus – die Welt in Stücke. Zu allem Übel hat Hades Percys Mutter Sally (Catherine Keener) entführt und die muss gerettet werden.

Zusammen mit der süßen Kämpferin Annabeth Chase (Alexandra Daddario) – Tochter der Athene und ebenfalls eine Halbgöttin – und dem schwarzen Satyr Grover Underwood (Brandon T. Jackson) muss Percy erst einmal Zauberperlen suchen, dann in die Unterwelt reisen, dort die Mutter retten und anschließen auf dem Olymp Zeus von seiner Unschuld überzeugen. Der Film geht beinahe zwei Stunden, also ist dafür doch eigentlich genug Zeit …

So wie die Romanreihe, so ist auch der Film von Mister Harry Potter inspiriert. Und zwar sehr stark. Um Nägel mit Köpfen zu machen haben sich die Studiobosse dann auch Chris Columbus ins Boot geholt. Der hat seinerzeit die ersten beiden „Harry Potter“-Filme gedreht und weiß also genau, um was es geht. Und Columbus liefert auch genau das, was bestellt wurde: Kindertaugliche Massenunterhaltung nach Schema Potter. Um es auf den Punkt zu bringen: Das ist unterhaltsam, leidlich spannend, aber irgendwie schon mal dagewesen und austauschbar. Allerdings werden nun Sagengestalten und griechische Mythen bemüht, anstatt altenglische Mauern und britisches Zauberwerk. Egal, Hauptsache der Film weiß zu unterhalten.

Und das gelingt ihm auch. Chris Columbus vertrödelt keine unnötige Zeit mit ausgefeilten Dialogen und langweiliger Charakterentwicklung. Er gibt sofort Gas. Die platten Dialoge erklären die wichtigsten Zusammenhänge, dann folgt eine Szene nach der anderen. Selbst der vermeintliche Tod von Percys Mutter ist nur eine Sekunde der Besinnung wert, dann geht es weiter: Ab durch die USA, im Stile eines Roadmovies und genau so aufgemacht wie ein modernes Videospiel.

Glücklicherweise rast Percy zusammen mit seinen Freunden durch die Gegend und es ergibt sich dann doch die ein oder andere Szene, in der Schauspieler miteinander agieren. So deutet sich zwischen Percy und Hermine – Verzeihung – Annabeth, eine kleine Liebschaft an, während der drollige Juniorbeschützer Ron – Verzeihung – Rover, für den ein oder anderen Gag gut ist. Rover wird übrigens vom Komiker Brandon T. Jackson gespielt. Die Rolle ist einfach angelegt: Plappernder Schwarzer mit blöden Sprüchen, der von einem Problem ins Andere trudelt. Da fühlt sich der Zuschauer an die guten alten achtziger Jahre erinnert. Wenigstens macht Alexandra Daddario als Annabeth eine gute Figur und den lieben Percy heiß. Aber keine Bange, Percy wurde zwar um fünf Jahre für den Streifen gealtert (im Buch beginnen die Abenteuer als der Junge elf ist), aber dennoch bleibt alles sehr züchtig und in geordneten Bahnen. Okay, typisch amerikanisch gibt es zwar keinen Kuss, aber heftige Actionszenen und Kampfsequenzen, in denen der ein oder andere Darsteller schon mal ein wenig blutig aufgeschlitzt wird. Ja, so sieht verfilmte Doppelmoral aus.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ hält für die jugendlichen Zuschauer aber auch wichtige Weisheiten bereit. So sind Drogen einfach Kacke und niemand sollte einfach etwas Essen, das einfach so angeboten wird. Genau das geschieht nämlich im verlotterten Las Vegas und der heiße Drogenrausch entpuppt sich schon bald als große Gefahr, während im bunten Hintergrund Lady Gagas „Pokerface“ aus den Boxen dringt. Wenigstens hat der Film stellenweise einen guten Score.

Etliche Abenteuer und abgeschlagene Köpfe später rettet das lustige Trio die liebe Mutter von Percy. Schon erwähnt? Die Alleinerziehende hat sich natürlich nur wegen Percy mit einem stinkenden Säufer eingelassen, der seine Frau und den Stiefsohn wie Dreck behandelt. Daran können sich alle jungen männlichen Legastheniker die unter ADS leiden klammern, vielleicht ist ihr Vater ja auch ein Gott. Mehr jugendlicher Außenseiter geht einfach nicht.

Jedenfalls weiß der Film die Hoffnung zu bedienen. Um nun aus der Unterwelt zu fliehen (die fleißig zur Hölle christianisiert wurde, aber mit dem Eingang in Hollywood Ironie zeigt) muss leider einer zurückbleiben. Und wen trifft es? Natürlich den Schwarzen! Und jahrelang haben die Zuschauer geglaubt diese dunklen Klischee-Zeiten seien vorbei – Chris Columbus belehrt seine Zuschauer mit einem Griff in die Mottenkiste aber eines Schlechteren.

Auch die Spezialeffekte haben bessere Zeiten gesehen. Sie bewegen sich zwar über TV-Niveau, aber Kino-Standard sieht heutzutage einfach anders aus. Vor allem Pierce Brosnan als Zentaure ist einfach nur grottig umgesetzt. Es bleibt sowieso ein Rätsel, warum er und Uma Thurman in diesem Streifen mitspielen. Schauspielerische Leistung zeigt jedenfalls keiner von beiden.

„Percy Jackson – Diebe im Olymp“ ist leidlich unterhaltsame Massenware, die vor allem das jüngere Publikum ansprechen dürfte, da es einfache Teenie-Action ohne Experimente ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Percy Jackson von Carlsen bei Buch24.de:
“Percy Jackson 01. Diebe im Olymp”
“Percy Jackson 02. Im Bann des Zyklopen”
“Percy Jackson 03. Der Fluch des Titanen”

“Percy Jackson” bei Booklooker.de

[youtube gZeexVv87Co]

Abgelegt unter Abenteuer, Action, Familie, Fantasy, Kinder, Kino, Komödie, Mystery | Keine Kommentare »