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Das A-Team – Der Film

Erstellt von Günther Lietz am 20. August 2010

Das A-Team – Der Film

The A-Team (USA 2010)
Länge: 117 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Joe Carnahan, Brian Bloom, Skip Woods
Produktion: Stephen J. Cannell, Jules Daly, Tony Scott, Spike Seldin, Iain Smith, Alex Young
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Roger Barton, Jim May

Besetzung: Liam Neeson (John „Hannibal“ Smith), Bradley Cooper (Templeton „Faceman“ Peck), Quinton Jackson (B. A. Baracus), Sharlto Copley (H. M. „Howling Mad“ Murdock), Jessica Biel (Charisa Sosa), Brian Bloom (Brock Pike), Gerald McRaney (General Morrison), Patrick Wilson (Lynch), Yul Vazquez (General Javier Tuco)

Fans haben viele Jahre warten müssen, bis dem A-Team endlich ein großer Kinofilm gegönnt wurde. Das A-Team ist endlich dort, wo es es hingehört – und es gibt keinen Plan B …

In der Wüste Mexikos geht es heiß her – wortwörtlich. So heiß, dass daraus eine Kameradschaft geformt wird, die auch noch acht Jahre später im Irak Bestand hat. John „Hannibal“ Smith und seine Leute bilden das A-Team, eine Spezialeinheit die nur Erfolge kennt. Zu Hannibals Team gehören Templeton „Faceman“ Peck, B. A. Baracus und H. M. „Howling Mad“ Murdock.

Hannibal plant eine neue Mission. Das Team soll gestohlene Dollar-Druckplatten und eine Milliarde Falschgeld zurückholen. Mit dem richtigen Plan kein Problem, doch trotzdem geht etwas schief und das A-Team steht vor dem Militärgericht. Niemand glaubt ihnen, dass sie hereingelegt wurden und Hannibal verspricht seinen Leuten, dass er ihren Ruf reinwaschen und den wahren Schuldigen zur Strecke bringen wird …

Das fasst die Handlung knapp zusammen und folgt somit der guten alten Serientradition: Die Handlung ist egal, Hauptsache es kracht! Und genau das bekommt der Zuschauer auch geboten.

„Das A-Team“ ist eine TV-Legende, die von 1983 bis 1987 produziert und vermarktet wurde. Es war eine der üblichen Actionserien der 80er Jahre, die im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. Für die ARD damals ein wenig zu brutal, sendete erst RTL in der 90er Jahren sämtliche Episoden. 2010 folgt nun endlich der Blockbuster aus Hollywood.

Regie führt dabei Joe Carnahan, der den Film verspielt und modern inszenierte, sich gar einen Cameoauftritt gönnte. Carnahan verzichtet auf den Versuch eine Fortsetzung zu stricken oder die Geschichte gar in die 80er Jahre zu verlegen. Nein! Joe Carnahan erzählt die Vorgeschichte und verlegt sie in die Gegenwart. Somit vermeidet er einen peinlichen Nostalgietrip und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Action, Spaß und Ehrerbietung mit einem dicken Augenzwinkern. Die Vorgeschichte selbst spielte in der Serie übrigens keine wichtige Rolle. Sie wurde schnell zusammengeschustert, um irgendwie eine Erklärung für die Zusammensetzung und die Motivation des Teams zu bieten. Dadurch, dass Carnahan genau hier seinen Film spielen lässt, vermeidet er einen allzu großen Handlungskonflikte mit der Serie. Und er vermeidet einen klaren Vergleich mit den alten und den neuen Darstellern.

Das ist sehr klug von ihm, denn sobald jemand versucht eine alte Serie nur zu kopieren und ein wenig modern anzustreichen, muss er unweigerlich scheitern. Carnahan folgt lieber J. J. Abrams Beispiel. Dieser schuf mit „Star Trek“ (2009) eine neue Zeitlinie und stellte damit sicher, dass seine Figuren zwar alte Wesenszüge zeigen, sich aber die neuen Darsteller trotzdem mit ihrer Persönlichkeit einbringen konnten. Eine Kopie (wie in „Mit Schirm, Charme und Melone“ 1998) wäre gescheitert.

Carnahan geht mit seiner Vorgeschichte ähnlich wie Abrams vor. Sein Helden-Quartett muss zu keinem Zeitpunkt den alten TV-Heroen entsprechen. Die Helden des neuen Films werden noch zu den Heroen geformt, die sie später sein werden. Für die Schauspieler ein fruchtbares Feld, denn so können sie bestimmte Eigenheiten der Vorlage ausspielen, aber dennoch ihren eigenen Charakter behalten. Mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Quinton Jackson und Sharlto Copley hat Carnahan auch dankbare Schauspieler, die diese Möglichkeit auch weidlich ausnutzen.

Keiner der vier Männer versucht eine billige Kopie des Originals zu sein. Aber jeder von ihnen hat die Vorlage gut studiert und sich grundlegende Eigenschaften angeeignet, die für einen entsprechenden Wiedererkennungswert sorgen. Erst einmal wäre natürlich das recht typische Grundverhalten des A-Teams. Der planende und stets lässige Hannibal, der grinsende Frauenschwarm Faceman, der aufrichtige Stadtkrieger B. A. und natürlich der verrückte Howling Mad. Als Verneigung vor dem Original und zur Vermeidung eines billigen Plagiats, sind sämtliche Figuren überzeichnet. Aber das ist in Ordnung, denn bevor sie später zu den altruistischen Rittern eines Testosteronmärchens werden und in bester Robin Hood Manier den kleinen Mann retten, wird noch einiges Geschehen und diese Männer formen. Einen Teil dieses Prozesses erlebt der Zuschauer im Film mit.

Sämtliche Hauptdarsteller sind hervorragend besetzt. Liam Neeson ist prädestiniert als Mentor seiner Jungs, Bradley Cooper spielte bereits in „Hangover“ den charmanten Schönling, Quinton Jackson ist so trocken und untalentiert wie Mr. T und „District 9“-Star Sharlto Copley ist herrlich erfrischend verrückt. Es macht einfach Spaß den Kerlen zuzusehen.

Bei solch starken Helden, braucht es natürlich auch einen fiesen Bösewicht. Und der kommt in Gestalt des CIA-Agenten Lynch daher, gespielt von Patrick Wilson. Die Rolle ist ebenfalls überzeichnet, aber in sich schlüssig. Und genau diese Überzeichnung ist es auch, die das A-Team später als Waffe gegen Lynch einzusetzen versucht. Das ist gut gemacht und gibt der Rolle den Anstrich der Nachvollziehbarkeit.

In einer Geschichte von Männern, über Männer und für Männer gibt es natürlich auch etwas fürs männliche Auge. Dafür ist Jessica Biel als Charissa Sosa zuständig. Sosa ist nett anzusehen, adrett und hatte mal eine Affäre mit Faceman. Biels Rolle ist stark reduziert, zu keinem Zeitpunkt dominiert sie die Handlung oder stört gar das Spiel der Kerle. Und das ist ihr wohl bewusst, denn ganz im Stil der Vorlage hat Frau keinen Stich zu machen. Sie sieht toll aus und sie braucht die Hilfe starker Männer. Das weiß Biel. Und so holt sie aus ihrer Rolle gekonnt heraus, was sie kann. Damit bildet sie eine nette Dreingabe zum A-Team.

„Das A-Team – der Film“ ist eine der letzten Männergeschichten, in denen Muskeln und Feuerkraft über Scharfsinn und soziale Netzwerke siegen. Klassisch, einfach und ohne Schnörkel. Das ist keinesfalls ganz zeitgemäß, aber im Sinne der alten Garde. Logik oder tiefsinnige Gedanken gehören an andere Stelle, das A-Team will nur Sachen zerlegen – und das gelingt großartig.

Die Actionszenen entbehren natürlich jeglicher Grundlage und sind weitgehend an den Haaren herbeigezogen. Geschenkt, denn die Action kommt stets betont lässig daher und funktioniert – wie der Film – nur für den gegenwärtigen Augenblick. Das bedeutet rasante Verfolgungsjagden, wildes Ballern, fliegende Panzer und zünftige Schlägereien. Das alles wird ordentlich mit der Spielfreude der Darsteller gemischt, die grinsend im Film agieren und ihren Spaß haben. „Das A-Team – der Film“ ist einer der letzten Abenteuerspielplätze für Männer!

Für deutsche Zuschauer ist natürlich sehr faszinierend, dass der Film einige Zeit in Deutschland spielt und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel mal auftaucht. Joe Carnahan und sein Stab beweisen gleichzeitig, dass sie keine Ahnung von Deutschland haben. So spielen Szenen in Frankfurt am Main, aber die Autos haben manchmal die Nummernschilder von Frankfurt an der Oder. Egal, denn auf den Autos prangt ja auch der Notruf 109 statt 110 – und der Kölner Dom wird plötzlich zum Frankfurter Hauptbahnhof. Wirklich Fehler und Schlampigkeit der Produktion oder vielleicht nur eine Hommage an die Fehlerquote der alten Serie? Denn dort war auch vieles an den Haaren herbeigezogen und wurde auch schon mal falsch wiedergegeben. Selbst wenn Carnahan schlampte, so gehört es trotzdem zum wunderbaren Charme des Films.

Ebenfalls verwunderlich ist die deutsche Synchronisation. An sich recht gut und mit deftigen Schimpfworten, lässt sie leider einen schönen Gag untergehen. Und zwar als Murdock nach dem Weg nach Berlin fragt. In der Synchronisation wird daraus leider die Frage nach dem Weg nach Frankfurt. Eventuell ist das falsche politische Korrektheit.

Eine der ganz großen Stärken des Films sind die liebevollen Verweise auf die Originalserie und deren Darsteller. So schauen sich die Patienten einer Anstalt einen „A-Team“-Film an, taucht öfter der Name Schultz auf (Dwight Schultz spielte den Murdock in der Serie), ist die Tätowierung auf den Fäusten des neuen B. A. ein Verweis auf einen Spruch des alten B. A. und vieles mehr. Einem Kenner der alten Serie geht da einfach das Herz auf.

„Das A-Team – der Film“ ist Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungsfaktor. Spielfreudige Darsteller, ein gelungener Soundtrack, pure Männeraction, durchgedrehte Szenen – einfach ein großer Spaß!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Ausgequetscht

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2010

Ausgequetscht

USA 2009 (OT: Extract)

Regie: Mike Judge
Produziert: Mike Judge, John Altschuler, Mike Rotenberg, Glenn Lucas
Drehbuch: Mike Judge
Musik: George S. Clinton
Laufzeit: 92 Minuten

Darsteller: Jason Bateman, Ben Affleck, Kristen Wiig, Mila Kunis, J.K. Simmons, Dustin Milligan, Clifton Collins Jr.

Mit“Ausgequetscht“ kommt der Erfinder von „Beavis and Butt-Head“ ziemlich still daher …

Joel (Jason Bateman) besitzt eine kleine Fabrik für Pflanzenextrakte und Aromen. Er kennt sich in seinem Geschäft aus und hat Spaß an der Sache. Leider ist Joels Ehe mit Suzie (Kristen Wiig) regelrecht eingeschlafen und so träumt er von aufregenden Zeiten. Da kommt ihm das Kaufangebot eines Konkurrenten gerade recht. Mit dem Geld könnte Joel seinem Alltag entfliehen und die lahme Ehe wieder flott bekommen. Doch leider geht nun einiges schief.

Mitarbeiter Step (Clifton Collins Jr.) hat einen Arbeitsunfall und verliert dabei einen Hoden. Das ruft Cindy (Mila Kunis) auf den Plan, eine Trickbetrügerin. Diese verdreht Joel den Kopf und stiftet Step an, eine Millionenklage anzustrengen. Dank Cindys kleinen Diebstählen gibt es auch bald Ärger im Betrieb.

Von Hormonen gesteuert plaudert Joel nun mit Freund und Barkeeper Dean (Ben Affleck), der eine geniale Idee hat. Im Drogenrausch heuert Joel deswegen den Gigolo Brad (Dustin Milligan) an, damit dieser Suzie verführt. Laut Deans Rechnung dürfte Joel ja dann bei Cindy zum Schuss kommen. Ärgerlicherweise entpuppt sich die Idee als Missgeschick und es ziehen für Joel finstere Wolken auf …

Regisseur Mike Judge (“Beavis and Butt-Head”, “King of the Hill”) ist bekannt für seine verschrobenen Filme. Immer etwas anders, stets eine andere Richtung, das zeichnet Judge aus. Letztendlich fehlt den Filmen allerdings stets der letzte Kick, die finale Pointe. So auch in „Ausgequetscht“, der als recht stille Komödie daherkommt.

Judge inszeniert eine sehr bodenständige Geschichte. Ein mittelständisches Unternehmen, ganz normale Leute und ganz alltägliche Probleme. Der Nachbar nervt, die Frau hat keine Lust auf Sex und im Betrieb zanken sich die Angestellten. Trost bieten da nur Masturbation auf dem Klo und die abendlichen Besuche in der Bar. Normale Leute in einem normalen Umfeld. Diese Ausgangssituation nimmt Mike Judge nun und spickt sie mit abstrusen Situationen, Ideen und Ereignissen.

Startpunkt ist dabei der Arbeitsunfall von Step. In Anbetracht der Szene kann jeder Mann die Schmerzen nachvollziehen, die der arme Step erleiden muss. Hervorragend umgesetzt und fotografiert. Auch die Leistung von Clifton Collins Jr. ist erstklassig. Seine Darbietung des an sich genügsamen und leicht einfältigen Arbeiters ist wunderbar und es schmerzt förmlich, wie übel Step mitgespielt wird.

Schuld daran ist die hinterhältige Cindy, dargestellt von Mila Kunis („Die Wilden 70er“). Kunis spielt ihre Rolle zwar überzeugend und ist mit ihrer erotischen Ausstrahlung und der dazu passenden Stimme (im Original) stets präsent, aber leider kommt sie ein wenig zu kurz, bleibt ihr zu wenig Raum zum Entfalten. Somit wirkt Cindy als sympathisches Bad Girl doch zu farblos, um tatsächlich Akzente zu hinterlassen. Cindy ist mehr Werkzeug als Darstellung. Schade.

Mehr Raum zum Schauspielern hat natürlich Jason Bateman (“Arrested Development”, „All Inclusive“) als Joel. Und den nutzt er weidlich aus. Gekonnt stellt er einen Mann dar, der an sich glücklich ist, dem aber die Einsicht dazu fehlt. Irgendwie ist sein Leben neben der Spur. Nur ein wenig, aber dennoch ausreichend genug, um damit zu hadern. Dabei will Joel nur zwei Sachen: Einen laufenden Betrieb und es hemmungslos mit seiner Ehefrau treiben. Das misslingt und es ist einfach herrlich mitanzusehen, wie Bateman immer mehr gebeutelt wird und schlussendlich einfach nur zerschunden ist. Dabei bedarf es nur wenig, um das Leben wieder in die Spur zu bekommen. Doch dass muss Joel erst einmal erkennen. Und bis dahin geht einiges schief.

Das betrifft vor allem die Ereignisse um seine Frau Suzie (Kristen Wiig) und den angeworbenen Gigolo Brad (Dustin Milligan). Während der Humor im Film eher still ist, wird der heiße Flirt zwischen den beiden und die darauffolgenden Ereignisse wunderbar überzeichnet. Wiig und Milligan sind weitgehend ebenfalls ziemlich farblos, aber in ihren wenigen überzogenen Sequenzen ziehen so richtig vom Leder und zeigen, dass Mike Judge ruhig etwas härter an den Stoff hätte herangehen können. Überzeichneter und schwarzer Humor liegen ihm, das kann er. Leider hält Judge damit hinter dem Berg.

Besonders gelungen ist allerdings Barkeeper Dean. Der wird von einem langhaarigen Ben Affleck („Jersey Girl“, „Daredevil“) gespielt und ist einfach gnadenlos komisch. Von der Welt abgehoben und stets mit Dope in der Tasche, kommt Dean mit einfach abstrusen Ideen daher. Zwar ist er bemüht Freund Joel zu helfen, doch reitet er ihn dabei immer tiefer in den Mist. Afflecks Darstellung ist erfrischend unkonventionell. Sobald er ins Bild kommt, verblassen sämtliche anderen Darsteller. Er zieht den Zuschauer einfach in seinen Bann.

Schlussendlich ist „Ausgequetscht“ ein Film der leisen Töne und leicht verdrehten Normalität. Er ist nett anzuschauen, weiß humorvoll zu unterhalten und sorgt für ein Schmunzeln.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD erhältlich bei Libri.de
BR erhältlich bei Libri.de

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Black Dynamite

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2010

Black Dynamite

USA 2009
Laufzeit: 90 Minuten
Altersfreigabe: ab 16 Jahren

Regie: Scott Sanders
Drehbuch: Byron Minns, Scott Sanders, Michael Jai White
Produktion: James Berkeley, Deanna Berkeley, Jon Steingart, Jenny Wiener Steingart
Bildgestaltung: Shawn Maurer
Montage: Adrian Younge
Musik: Adrian Younge
Darsteller: Michael Jai White, Tommy Davidson, Salli Richardson, Arsenio Hall, Byron Minns, Kym Whitley, Kevin Chapman, Richard Edson, Jason Edwards, Jon Kent Ethridge, Darrel Heath, John Kerry, Lauren Kim, James McManus, Phil Morris

http://www.blackdynamitemovie.com/

Black Dynamite, ein Name wie Sprengstoff und sein Träger ist mindestens genauso explosiv …!

DYNAMITE! DYNAMITE!

Black Dynamites Bruder wird auf Befehl von The Man erschossen. Das ruft natürlich den Ex-CIA-Agenten, einstigen Vietnamveteranen und ehemaligen Waisenjungen Black Dynamite auf den Plan. Er will den Mord aufklären, Rache üben und die Straßen von Drogen säubern.

Schießend und prügelnd räumt Black Dynamite nun die Straße auf. Niemand ist ihm und seinem Prügel gewachsen. Er legt die Gangster genauso flach wie die Frauen – und deckt eine hinterhältige Verschwörung auf, die unbekannte Dimensionen annimmt. Doch diesem schwarzen Ritter von der Straße kann niemand widerstehen, niemand …!

DYNAMITE! DYNAMITE!

Mit „Black Dynamite“ schufen Byron Minns, Scott Sanders und Michael Jai White eine liebenswerte Hommage an die Filme des Blaxploitationkinos, die schwarze Variante der Exploitationfilme. Billig produziert, mit sehr spezifischen Darstellungen und auf das schwarze Publikum zugeschnitten, liefen diese Filme Ende der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre. Regisseur Scott Sanders parodiert nun genau diese Filme und packt dabei alles zusammen, was die alten Streifen ausmachte – vor allem die unzähligen kleinen Missgeschicke und Fehler.

Dabei geht Sanders keinesfalls platt und derbe an die Sache heran, sondern beweist Feingefühl und Liebe zum Detail. So hängen Mikrofone im Bild, gibt es Anschlussfehler, werden Darsteller innerhalb einer Szene ausgetauscht, sind zu viele Frames vorhanden oder schaut der Darsteller an der Kamera vorbei, als würde er den Text irgendwo ablesen oder die Anweisungen des Regisseurs verfolgen. Der Film strotzt vor solchen Nettigkeiten, die hervorragend umgesetzt wurden. Regisseur und Darsteller hatten sichtlich Freude am Spiel und kannten sich hervorragend im Genre aus.

Natürlich zieht auch die Story entsprechend mit, überzeugt mit sehr überraschenden Wendungen und fehlender Logik. Schlussendlich behauptet Black Dynamite zwar alles ergebe nun einen Sinn, doch der Zuschauer weiß um die offensichtliche Sinnlosigkeit und amüsiert sich köstlich über die nächste plötzliche und unvorhergesehen Wendung. Hier wurde eine geniale Story ohne Story geschrieben. Eine hohe Kunst, die nur wenige Menschen beherrschen. Und das macht einfach großen Spaß!

Ein Film ist aber nur so gut wie seine Darsteller, die in „Black Dynamite“ gekonnt mies schauspielern. Das ist ebenfalls eine große Kunst und kommt vor allem Hauptdarsteller Michael Jai White zugute, der auch am Drehbuch mitschrieb. White ist nun einmal dafür bekannt, dass sich seine schauspielerischen Leistungen in einem engen Rahmen bewegen. Für die Rolle des Black Dynamite absolut perfekt. Es passt auch wie die Faust aufs Auge, dass White als ehemaliger Kampfsportexperte vor allem Actionrollen bekam. Er war sogar der erste schwarze Darsteller, der eine wichtige Comicfigur spielte, und zwar Al Simmons in „Spawn“ (1997). Er war aber auch in „Universal Soldier“ (1992), „The Dark Knight“ (2008) und etlichen anderen Produktionen zu sehen.

White und seine Kollegen erwecken mit ihren überzogenen und skurrilen Rollen ein Stück Film zum Leben, das lange Jahre vergessen war. Vor allem das weiße Publikum bekam durch Filme von Quentin Tarantino einen nostalgischen Blick in die Vergangenheit spendiert – jedoch actionlastiger und ernster. Sanders und White gehen die Sache jedoch anders an, vermeiden einen zu ernsten Einstieg und verneigen sich lieber mit einem Lächeln vor dem schwarzen Trash.

Dazu gehört natürlich auch der überzogene Soundtrack, der Einsatz von extremer Gewalt, sinnlose Schnitte und offensichtlich kostengünstig gemachten Szenen. Da „Black Dynamite“ mit etwas weniger als drei Millionen Dollar produziert wurde, tritt der Film in die Fußstapfen seiner billigen Vorlagen. Dadurch das Sanders zum Sparen verdammt war, ist der Film auch weitgehend handgemacht und benutzt zwangsweise alte Techniken und Spezialeffekte.

Der Witz und Charme des Films kommt dabei keinesfalls nur aus den Einstellungen und Dialogen, sondern es werden auch Rassismus und ethnische Vorurteile parodiert. So gibt es hervorragende Bild- und Sprachspielereien zwischen Schwarzen und Weißen. Unter anderem haben schwarze Männer große Schwänze und sind ausdauernd im Bett. Dazu opulente Kostüme die mit Strass verziert sind, gewaltige Afros und blendend weiße Zähne. Der Film ist wie ein gewaltiger Staubsauger, der alle Klischees ohne Gnade aufsaugt und herumwirbelt. Das ist genial!

Doch auch die Weißen und die Gelben bekommen ihr Fett weg, die angeblich ungebildeten Amerikaner sowieso. Und um die Sache abzurunden, gibt es natürlich auch noch den typischen chinesischen Kick in die Weichteile. In „Black Dynamite“ ist einfach alles enthalten. Bei so viel geballtem Inhalt besteht natürlich die Gefahr zu stark zu überzeichnen, die Kontrolle zu verlieren und Schläge unter die Gürtellinie zu versetzen. Sanders umschifft gekonnt diese Klippen. Die Liebe die in diesem Film steckt ist über alle Zweifel erhaben. Hier erheben Sanders und White die Parodie zur Kunst. Sie vermeiden damit die Seichtigkeit moderner Komödien, die auf unterstem Niveau agieren.

Kleiner Wermutstropfen ist die hervorragende Synchronisation des Films. Diese ist durchaus gelungen. So sind die Stimmen gut gewählt und wurde sich sehr viel Mühe gegeben, um den Wortwitz zu erhalten. Doch es liegt in der Natur der Sache, das einige dieser Witze leider untergehen. So ist die Originalfassung natürlich um Klassen besser, doch Englischkenntnisse alleine sind trotzdem unzureichend. Um die Anspielungen und Wortspiele der Originals vollends zu erfassen, sollten sich die Zuschauer im englischen Sprachraum etwas auskennen. Alle anderen können ruhig zur deutschen Sprachfassung greifen, die hervorragend ist.

DYNAMITE! DYNAMITE!

„Black Dynamite“ ist ein exzellenter Film, eine erstklassige Parodie und ein genial überzogener Rückblick auf die Blaxploitationfilme. Dazu ein runder Soundtrack, neuentdeckte Stilmittel und erfrischende Ideen. Der Film ist einfach Kult!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD erhältlich bei Libri.de
BR erhältlich bei Libri.de

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Growing Out

Erstellt von Michael Drewniok am 2. Juli 2010

Growing Out

Originaltitel: Growing Out (USA 2009)
Regie: Graham Ratliff
Drehbuch: Garett Ratliff
Kamera: Kate Sobol
Schnitt: Graham Ratliff, Garett Ratliff, Kate Sobol u. Matthias Schubert
Musik: Jason De Meo u. Garett Ratliff
Darsteller: Michael Hampton (Tom), Ryan Sterling (Archie), Devon Iott (Veronica), Chase Hemphill (Philip), Ben Bowden (Vernon), Davis Jaye (Mann in Schwarz), Bill Devlin (Manager), Eric Toms (junger Mann), Stephanie Skewes (junge Frau)
Label: Musketier Media
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 25.06.2010 (DVD)
EAN: 4033056900426 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 105 min.
FSK: 18

Titel bei Amazon.de

Das geschieht:

Als Musiker ist Tom mit seinen gefühlvollen Liebessongs so erfolglos, dass er gerade aus einem Cafe gefeuert wurde, in dem er ohne Bezahlung singen durfte. Da kommt ihm das Angebot des einarmigen Vernon gerade recht, der jemanden sucht, um das verkommene Haus seiner Tante zu entrümpeln. Die haust im ersten Stock und lässt sich nie blicken, was leider nicht auf den zudringlichen Untermieter Philip zutrifft, der genügsam und zufrieden im Garten des Tanten-Hauses in einem winzigen Wohnwagen haust, seit er nach dem Mord an seinem tyrannischen Teddybären zum freien Mann geworden ist.

Als Tom eines Tages im Keller aufräumt, stößt er auf eine Hand, die aus dem nicht gepflasterten Boden ragt. Bald gedeiht sie zum Arm und signalisiert per Taubstummen-‚Sprache‘, dass sie gefüttert werden möchte. Entsetzt und fasziniert zugleich tut Tom, wie ihm geheißen, und Archie bricht aus der Erde. Er kann sprechen und wird Toms bester – und einziger – Freund, mit dem er seine zahlreichen Probleme besprechen kann, auch wenn es Archie, der zwar weiter aus dem Boden wächst, aber noch mit ihm verwurzelt bleibt, notgedrungen an persönlicher Lebenserfahrung fehlt.

Kompliziert wird die Situation, als sich Tom in Veronica, Philips hübsche Freundin, verliebt. Sie erwidert die Zuneigung und lässt sich von ihm das Gitarre-Spiel lehren. Leider sind weder Tom noch der zusehends misstrauische Philip die einzigen Männer in Veronicas Leben. Tom gerät in eine emotionale Krise und beginnt hässliche Charakterzüge zu entwickeln, während im eifersüchtigen Philip der Wahnsinn neu erwacht. Als Veronica spurlos verschwindet, kommt der Tag, an dem die Gefühle überkochen. Tom wird Philip ein würdiger Gegner – und Archie ein furchtbarer Freund …

Eine musikalische Horror-Komödie?

Graham und Garett Ratliff sind sichtlich zwei engagierte Filmemacher am Beginn ihrer Karriere: Sie haben kein Geld, aber sie bersten vor Ideen. Mit dem „Growing-Out“-Plot – ein Mensch wächst aus der Erde – beschäftigen sie sich schon seit Jahren, wie ein früher, den Features beigefügter Kurzfilm belegt. Weder Graham noch Garett waren fähig oder willens zu akzeptieren, dass die Minutenkürze ihrer Story am besten zuträglich ist.

Ihnen fehlen Erfahrung und Disziplin, die zentrale Idee zu einer stringenten Geschichte zu formen. Doch der erste Langfilm ist für jeden Filmemacher der heilige Gral – ein Projekt, mit dem er sich als ‚richtiger‘ Regisseur oder Drehbuchautor fühlen kann. Gänzlich bei Null beginnen wollten die Ratliffs offensichtlich nicht. Sie polsteten ihren Leib-und-Magen-Plot deshalb durch neue Handlungsstränge auf. „Growing Out“, der fertige Film, weist nun eine deutliche Episodenstruktur auf. Die Story von Archie, der im Keller buchstäblich vegetiert, sinkt zu einem Sub-Plot herab. In den Vordergrund schieben sich immer wieder die Psychogramme einiger bizarr gepolter Figuren sowie eine seltsame Liebesgeschichte. Hinzu kommen mehrere Softrock-Songs bzw. Balladen, die den ohnehin merkwürdigen Film um Musical-Elemente bereichern – oder ihm den Rest geben; die Entscheidung überlassen die Ratliffes vertrauensvoll (oder frech) ihrem Publikum.

Der Zuschauer ist irritiert – und vorsichtig: Gut, dieser Film wirkt vielleicht wie ein großer Haufen Bockmist. Es könnte sich jedoch auch um Kunst handeln. Allzu hält man sich im Urteil zurück, um nicht als Banause und Dummkopf dazustehen. Schließlich hat man sich einst auch über David Lynch gewundert, und über ihn und sein Werk werden heute gelehrte und sehr dicke Bücher geschrieben.

Rätsel oder Ratlosigkeit?

Wird „Growing Out“ also zugänglicher, wenn wir die Geschichte nicht simpel als solche hinnehmen – was möglich ist –, sondern uns aufs Dechiffrieren vorgeblicher Symbole und Rätsel einlassen? Ansätze für einen geheimen Kontext lassen sich durchaus und zahlreich entdecken. Da ist vor allem das Motiv des verlorenen Arms oder Fingers, das sich durch den gesamten Film zieht: Vermieter Vernon fehlt ein Unterarm; von Archie sehen wir zunächst nur den Arm durch den Kellerboden brechen; Veronicas psychotischer Freund hat ihr einen Ringfinger abgeschnitten; Philip foltert Archie auf die gleiche Weise, als er nach Veronica sucht.

Sinnieren wir weiter: Wie mag Vernon seinen Arm verloren haben? Hat er im Keller des Hauses ‚gesät‘? Weiß er mehr, als er zugeben mag – beispielsweise über die Schicksale von Toms Vorgängern, die mehrfach düster angedeutet werden? Welche Rolle spielt Philip, und darf er deshalb im Garten hausen? Warum weigert sich Tante Elora, den ersten Stock zu verlassen?

Die Ratliffs geben keine Antworten. Vielleicht haben sie keine. Doch zumindest der nach der ersten halben Filmstunde noch wache Zuschauer fordert sie ein, sucht zunehmend verzweifelt nach ihnen. Wenn das Geschehen angemessen absurd ausgeklungen ist, schlussfolgert zumindest dieser Rezensent, dass „Growing Out“ vor allem ein großer Spaß für die vor und hinter der Kamera Beteiligten war und sein sollte, die in der langen Zeit der Vorbereitung und des Drehs nach Herzenslust ausprobierten, was ihnen durch die Köpfe ging.

Dabeisein ist alles!

Zumal diese Dreharbeiten offenbar auch eine Art Clan-Treffen gewesen sind: In den Credits stolpert man immer wieder über Mitglieder der Familie Ratliff. Ansonsten rekrutierten sich die Filmhandwerker aus einem semi-professionellen Umfeld. So arbeiten Kulissenbildnerin und Kamerafrau bevorzugt für experimentelle Filme weit jenseits des Mainstreams, womit sie sich im „Growing-Out“-Team sehr wohl gefühlt haben dürften.

Die Schauspieler sind entweder schon ein wenig älter (Michael Hampton) oder noch sehr jung (Devon Iott), stehen aber gleichermaßen noch am Beginn ihrer Karrieren, so sich ihre darstellerischen Einsätze zu solchen fügen werden. Obwohl sie insgesamt ebenso ratlos über Sinn oder Unsinn des Drehbuchs sind wie der Zuschauer, geben sie ihr Bestes und sind in ihren Rollen überzeugend. Hampton ist gleichzeitig Mitleid erregend und erschreckend als verhaltensgestörter Tom, der nicht nur der nette Loser mit der Gitarre ist, sondern ganz andere Saiten aufziehen kann, wird er gar zu sehr gereizt.

Ryan Sterling meistert die obskure Archie-Rolle nicht unbedingt mit Bravour, bemüht sich aber intensiv im Rahmen eines Drehbuchs, das absichtlich offen lässt, wie die Existenz des Keller-‚Gewächses‘ begründet werden könnte. Devon Iott verbirgt unter ihrer kalifornischen Strand-Schönheit sehr egoistische und manipulative Züge. Ben Bowden spielt mit dem politisch unkorrekten Unbehagen, den sein verstümmelter Arm auslöst, indem er ihn nicht verbirgt, sondern absichtlich zur Schau stellt.

Die darstellerische Glanzleistung in diesem Film bietet jedoch Chase Hemphill, der anders als Tom dem Wahnsinn nicht allmählich verfällt, sondern von Anfang an gleichzeitig nett, aufdringlich und irre ist und das auf eine trügerisch ruhige Art vermittelt, die bereits durchscheinen lässt, was sich schließlich Bahn brechen wird.

Noch ist kein Meister vom Film-Himmel gefallen

„Growing Out“ ist auch deshalb als Werk von Anfängern erkennbar, weil der Rohschnitt zu unentschlossen zum Film verarbeitet wurde. Zwar fielen bereits viele Szenen der Schere zum Opfer – wir sehen sie in den DVD-Features –, doch „Growing Out“ ist mit 105 Minuten immer noch deutlich zu lang. Viele Szenen treten auf der Stelle, bieten gute Separat-Darstellungen, stehen aber außerhalb des Geschehens. Die Ausrede beabsichtigter Rätselhaftigkeit zieht in diesen Fällen nicht.

Unschön ist die Diskrepanz zwischen einer in ihrer Mischung aus „Psycho“-Haus und Vorstadt-Ödnis wunderbar verkommenen Kulisse und den gelbstichigen, oft unscharf wirkenden Bildern. Falls sich auch dahinter eine Bedeutung verstecken sollte, bleibt sie jedenfalls dort, wo sie ist: im Verborgenen.

Dass Tom als Liedermacher kein Bein auf die Erde bekommt, ist übrigens verständlich: Er fabriziert Kuschel-Rock der übelsten Sorte – oder meinen die Ratliffs dies ironisch? Sollen diese Songs Toms Sehnsucht nach einer heileren Welt als der symbolisieren, in die es ihn verschlagen hat? So kommt man wieder auf die Rätsel-Schiene – oder resigniert an der Herausforderung eines Films, der weder Fisch noch Fleisch ist, sondern vor allem ein wenig verdächtig wirkt, was seine Genießbarkeit betrifft …

DVD-Features

„Growing Out“ ist ein Projekt, das die Ratliff-Brüder mehrere Jahre beschäftigt hat. Sie haben zwar wenig Geld aber viel Herzblut in ihren Film gesteckt. Über die Schwierigkeiten, ihn zu realisieren, und den Spaß, den alle Beteiligten beim Dreh hatten, gibt sowohl ein ausführlicher Blick hinter die Kulissen als auch ein in zahlreiche Featurettes aufgesplittertes „Making of“ Auskunft. Es lässt nicht nur den Regisseur, den Drehbuchautoren, die Kamerafrau oder die Ausstatterin zu Wort kommen, sondern auch die Schauspieler. Dabei interessieren weniger die gegenseitigen Lobpreisungen – obwohl selbst diese hier ehrlicher klingen als in solchen Interviews üblich – als die Aufnahmen, die diese Männer und Frauen bei den Dreharbeiten zeigen, wenn sie sich nicht auf die dokumentarisch beobachtende Kamera konzentrieren, sondern quasi nebenbei Auskunft über ihre Tätigkeiten geben.

So komplettiert sich das Bild einer Low-Budget-Produktion, die den Geldmangel mit großem Einfallsreichtum und enormem individuellen Einsatz wettmacht. Mit simplen aber gut ausgedachten Mitteln werden ungewöhnliche Effekte wie der aus dem Boden wachsende Archie realisiert. Aufnahmen vom Casting zeigen Darsteller, von denen nicht nur Schauspiel, sondern auch Gesang gefordert wird. Weitere Ausschnitte belegen die umfangreichen Proben, die dem eigentlichen Dreh vorausgingen. Hier wurde das Drehbuch in der ‚Realität‘ getestet und bei Bedarf verändert. Im Rahmen dieses Verfahrens entstanden zahlreiche Szenen, die keinen Eingang in die endgültige Filmfassung fanden („Deleted Scenes“). Hinzu kommen die üblichen Outtakes, die Zwischenfälle beim Dreh sowie verpatzte Szenen dokumentieren und wie üblich nicht wirklich komisch sind.

Abgerundet werden die DVD-Features durch jenen schon erwähnten Kurzfilm, der die Jahre später durch „Growing Out“ aufgenommene Story vorwegnimmt.

Im Internet gibt es eine Website zum Film.

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Zombieland

Erstellt von Günther Lietz am 25. Mai 2010

Zombieland

Zombieland (USA 2009)
Länge: 88 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Rhett Reese,Paul Wernick
Produktion: Ryan Kavanaugh, Gavin Polone, Rhett Reese, Ezra Swerdlow, Paul Wernick
Musik: David Sardy
Kamera: Michael Bonvillain
Schnitt: Alan Baumgarten
Besetzung: Jesse Eisenberg (Columbus), Woody Harrelson (Tallahassee), Emma Stone (Wichita / Christa), Abigail Breslin (Little Rock), Amber Heard (406), Bill Murray (Bill Murray)

Manchmal gibt es Filme, da machen die Leute einfach alles richtig und bringen einen Streifen auf die Leinwand, der zu recht den Begriff Kultfilm verdient. „Zombieland“ ist einer dieser Filme. Auf der einen Seite leichte Unterhaltung, auf der anderen Seite Sozialdrama mit Tiefgang, gut versteckt in einer zerstörerischen Splatterorgie …

Ein Virus hat den Großteil der Menschheit dahingerafft. Anstatt schnöde zu versterben, haben sich die Leute in dümmliche Kannibalen verwandelt, die wie Zombies durch die Welt ziehen und nach gesundem Frischfleisch gieren. Wer einen Zombieangriff überlebt und dabei verletzt wurde, mutiert selbst zum Zombie. Es folgte eine Pandemie, an deren Ende ironisch die Gründung von Zombieland stand.

Die Überlebenden dieser biologischen Katastrophe versuchen nun ihre Haut zu retten und das Beste daraus zu machen. Einer dieser Menschen ist Columbus (Jesse Eisenberg), der einen ganzen Regelkatalog aufstellt, um über die Runden zu kommen. Bisher verbrachte er seine Tage einsam und phobiegeplagt vor dem Computer, nun schlägt er sich nach Hause zurück, nach Columbus eben.

Unterwegs trifft er den einsamen Zombiekiller Tallahassee (Woody Harrelson) und beide bilden eine Zweckgemeinschaft. Die wahren Namen sind Schall und Rauch, sie reden sich nur mit ihrem Reiseziel an. Das gilt auch für Wichita (Emma Stone) und ihre jüngere Schwester Little Rock (Abigail Breslin). Vor allem Wichita hat es Columbus sofort angetan – so kommt er gut damit zurecht, dass die Schwestern ihnen arg zusetzen. Einige Meilen später kreuzen sich ihre Wege erneut und nun geht es gemeinsam weiter, für eine kurze Zeit, ohne Verbindlichkeiten …

„Zombieland“ ist ein Film der auf mehreren Ebenen funktioniert. Oberflächlich wird dem Zuschauer eine sehr ironische Zombiekomödie geboten, die mit guten und sehr pointierten Gags punktet – und zwar im genau richtigen Maß. Regisseur Ruben Fleischer beweist ein glückliches Händchen bei seiner ersten großen Produktion. Bisher hatte er sich seine Sporen bei Kurzfilmen und Videoclips verdient. Mit „Zombieland“ gelingt ihm der Sprung auf die große Leinwand.

Dabei setzt Fleischer in seinem Film klassische Motive und Stilmittel um. Er verlässt sich auf Bewährtes und verpasst allem nur seinen persönlichen Anstrich. So ist „Zombieland“ in weiten Teilen ein Märchen und ein Roadmovie, aber gut versteckt. Der Film unterhält zu gut, als dass sich jemand beim Zuschauen Gedanken über den Aufbau machen würde. Das solide Grundgerüst von „Zombieland“ bleibt verborgen hinter guter Unterhaltung, Splatter und unzähligen Anspielungen auf andere Filme und TV-Ereignisse. Fleischer offenbart ein Universum an Einfällen, das sich erst Stück für Stück dem Zuschauer öffnet.

„Zombieland“ ist weitgehend ein Roadmovie. Leute treffen sich, fahren durch das weite Land, lernen sich langsam kennen, respektieren, verstehen und sogar lieben. Unterschiedliche Persönlichkeiten prallen aufeinander, arbeiten gezwungenermaßen zusammen und akzeptieren sich irgendwann. Aus Desinteresse wird Kameradschaft, Freundschaft, Liebe – und somit wird „Zombieland“ zur Tragikomödie und zur Sozialstudie. Ganz unbemerkt, subtil und lautlos. Und es funktioniert. Das dürfte vor allem an Fleischers Erfahrung mit kurzen Clips und Dokumentationen liegen. Er fängt das Wesentliche, das Wichtige ein, verpackt es Spannend und präsentiert es dem Zuschauer, ohne Zeit mit unnützem Ballast zu verschwenden.

Gleichzeitig ist auch der märchenhafte Aspekt wichtig für den Film, denn er spricht das ewig kindliche im Zuschauer an, appelliert an die Verspieltheit im Menschen. So wirken selbst aktionsgeladene oder emotionale Augenblicke leicht und lustig, bilden aber einen ironischen Kontext zur Realität.

Columbus ist der typische Underdog, der verkannte Held, der sich selbst als ewigen Verlierer sieht. Trotz dieser Selbsterkenntnis tritt er auf der Stelle, sitzt in seiner Lethargie fest, unvermögend sein Leben zu ändern. Diese Veränderung wird erst durch die Gründung von Zombieland ausgelöst, denn nun muss er raus aus seinem Schneckenhaus, muss sich seinen Ängsten und gar dem schlimmsten aller Feinde stellen, seinem persönlichen Drachen. Columbus ist der Froschprinz, der erst einmal wachgeküsst werden muss. Jesse Eisenberg (in “Hunting Party – Wenn der Jäger zum Gejagten wird” an der Seite von Richard Gere und Terrence Howard zu sehen) verkörpert diese Rolle perfekt, lebt sie vor der Kamera tatsächlich aus.

An seiner Seite Woody Harrelson, der in seiner Rolle als Tallahassee den schwarzen Ritter mimt. Seine Unberechenbarkeit wirkt wahnsinnig, doch der Wahnsinn und die Todessehnsucht haben Methode. Tallahassee hasst die Zombies, und zwar so sehr, dass er überaus kreativ gegen sie vorgeht und seinem Hass mit unterschiedlichen Tötungsmethoden freien Lauf lässt. Im Verlauf des Films wird deutlich, dass Tallahassees Wahn nachvollziehbar ist und das Geld, in Anbetracht eines solchen Weltschmerzes, keinen Wert besitzt. So ist es genau Tallahassee, der als grimmiger Rittersmann dem Prinzen ohne Reue zur Seite steht. Die Rolle scheint Woody Harrelson auf den Leib geschrieben zu sein. Offensichtlich knüpft der einsilbige Psychopath Tallahassee an Harrelsons Rolle in „Natural Born Killers“ an, doch zeigt er auch ernste Momente – oft verborgen hinter einer humvorvollen Einlage.

Der Froschprinz braucht natürlich auch eine Prinzessin, die ihn zum Prinzen küsst. Diese Aufgabe übernimmt die reizende Emma Stone (“The New Partridge Family”, “Paper Man”) in der Rolle der Wichita. Einerseits verletzlich, andererseits eine gefährliche Raubkatze, ist sie der vollständige Kontrast zu Columbus. Aber ohne Wahl keine Qual und somit erkennt Wichita was in dem Froschprinzen steckt. Doch die Bindungsangst, die allen Bewohner von Zombieland gemein ist, lässt sie entfliehen und gibt dem wachgeküssten Prinzen die Möglichkeit auf sein weißes Pferd zu steigen und seine Prinzessin aus dem Zauberturm zu erretten. Stone ist dabei kein Mittel zum Zweck oder Anhängsel der männlichen Belegschaft, keinesfalls. Sie und Abigail Breslin sind das perfekte Gegengewicht, um den Film die nötige Balance zu verleihen.

Abigail Breslin (Jahrgang 1996, bekannt aus “Signs – Zeichen”, “Liebe auf Umwegen” und “Little Miss Sunshine”) spielt Little Rock, die jüngere Schwester von Wichita. Trotz ihrer Jugend ist sie durchtrieben und kess (Zitat: „Zwölf ist das neue Zwanzig“) und gibt vor allem dem knorzigen Tallahassee kontra. Wo sich zwischen Columbus und Wichita sexuelle Spannung aufbaut, da entsteht zwischen Tallahassee und Little Rock ein Vater-Tochter-Verhältnis. Little Rock stiehlt sich in das Herz des schwarzen Ritters und spielt sich Abigail Breslin in die Herzen der Zuschauer. Diese Art von Rollen liegen ihr, denn mit Tragikomödien und dramatischen Rollen hat sie bereits ihre Erfahrungen gesammelt. In Anbetracht ihres Alters eine beachtliche und gleichzeitig beängstigende Leistung. Respekt!

Dieses Quartett bildet nun den Dreh- und Angelpunkt des Films, dessen Thema eigentlich als Serie angedacht war. Leider (oder glücklicherweise) wurde die Serienidee verworfen und „Zombieland“ erblickte als Spielfilm das Licht der Welt. Fürs Gerne ein großer Schlag. Der Streifen verweist „Shaun of the Dead“ auf den zweiten Platz der Zombie-Horror-Komödien – mit großem Vorsprung. War „Shaun of the Dead“ eine Parodie auf „Dawn of the Dead“, so wirkt „Zombieland“ globaler.

Und gleichzeitig ist Fleischers Film ebenfalls eine Parodie, eine Satire und ironisches Handgemenge. So gibt es Anspielungen auf „Star Wars“, „2012“, „Babe“, „Anaconda“, „Titanic“ und vieles mehr. Vor allem zu „Star Wars“ gibt es eine große Parallele, denn im Grunde genommen sind beides moderne Märchen, die auf unterschiedlichen Ebenen funktionieren.

Die vollkommene Anspielung und Einbindung auf einen Film geschieht in dem Augenblick, in dem Bill Murray das Parkett betritt. Eigentlich sollte Patrick Swayze (1952-2009) einen Part übernehmen, doch seine Krebserkrankung verhinderte den Auftritt. Bill Murray ist jedoch ein gleichwertiger, vielleicht sogar besserer Ersatz. Vor allem die vielen Bezüge auf „Ghostbusters“ sind grandios. Fleischer und seine Besetzung zeigen sich hier von ihrer besten Seite. Stehender Applaus für diese kleine Rolle und die damit verbundenen Ideen und Szenen!

Überhaupt geht Ruben Fleischer kreativ mit bekannten Stilmitteln um. So erinnert der Vorspann frappierend an „Watchmen – Die Wächter“ und stammen einige Kameraeinstellungen und -fahrten aus anderen Filmen (“The Beverly Hillbillies”, “Uhrwerk Orange”). Das macht den Film zu einem weiteren Erlebnis für Cineasten, die auch mit älteren Kinofilmen etwas anfangen können. Wer das nicht kann, der hat etwas mit Little Rock gemeinsam.

Ein Kernelemt des Films sind die Regeln, die Columbus für ein Überleben in Zombieland aufstellt. Diese werden immer wieder mal eingeblendet, fallen schon mal ins Bild oder werden kurzerhand geändert. Zum Beispiel „Double Tap“ („Doppelt hält besser“). Das ist sehr witzig, zeigt aber gleichzeitig auch die Probleme der unterschiedlichen Sprachfassungen, denn die im Film tricktechnisch eingespielten Regeln sind in Englisch, die deutsche Übersetzung wird nur weiß eingeblendet. Je nach gewähltem Medium und Fassung kann es da Unterschiede geben (Kino, DVD, Blu-ray).

Die deutsche Synchronisation ist gelungen und die Studios haben sich sehr bemüht den Wortwitz einzufangen. Natürlich misslingt die Sache hier und da. So ist Murrays Anspielung auf Garfield nur dann gänzlich zu erfassen, wenn dem Zuschauer bekannt ist, dass Murray dem Kater im gleichnamigen Film seine Stimme lieh. Auch einige andere Anspielungen auf Filme (mittels Zitat des englischsprachigen Originaltextes) fallen unter den Tisch, wären in ihrer Breite aber kaum zu erfassen. Dennoch, trotz der hervorragenden Synchronisation ist die englische Tonspur besonders zu empfehlen, da vor allem und nur dort Woody Harrelsons Charakter zur Geltung kommt.

Im Bereich Splatter wurden von Fleischer übrigens Anpassungen vorgenommen. So ist der Film weniger blutig als erhofft und stellenweise gedacht. Es geht zwar eklig zur Sache, aber stets mit Blick auf die Jugendfreigabe. Das wird sehr deutlich, sobald Tallahasse einen Zombie mit der Heckenschere stutzt. Schade, aber verständlich, denn ohne die breite Masse (die bei einem derartigen Film bereits eingeschränkt ist) lassen sich keine weiteren Projekte finanzieren – und das wäre ein Verlust für alle Kinogänger und Filmliebhaber.

Mit „Zombieland“ ist ein großartiger Film auf den Markt gekommen, der unterschiedliche Elemente bedient und auf mehreren Ebenen funktioniert. Oberflächlich eine Horrorkomödie, aber im Kern weitaus mehr als der Zuschauer vermuten mag. „Zombieland“ ist ein Kultfilm, der aktuell seinesgleichen sucht. Bleibt die Hoffnung, dass Ruben Fleischer keine Eintagsfliege produzierte, sondern eine dauerhafte Bereicherung Hollywoods ist. „Zombieland“ ist jedenfalls Top!

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Dittsche – Das wirklich wahre Leben, Staffel 9: Biddä!

Erstellt von Galaxykarl am 15. Mai 2010

Dittsche – Das wirklich wahre Leben
Staffel 9: Biddä!

Darsteller: Olli Dittrich als „Dittsche“, Jon Flemming Olsen als „Ingo“ und Mr. Piggi als „Schildkröte“
10 Folgen auf 2 DVDs
FSK: ab 0 freigegeben
Label: Angenehme Unterhaltungsgesellschaft mbH
Land/Jahr: Deutschland 2008
Kategorie: Comedy
Drehbuch: keines
Preise: Grimme Preis mit Gold, Goldene Kamera, Deutscher Fernsehpreis, DVD-Champion
9. Staffel, Laufzeit: ca.365 min.
ISBN 0602527271170

http://www.x-cell.de
www.comydor.de

Titel erhältlich bei Booklooker.de

Die Zeit des Wartens ist vorbei, endlich ist die 9. Staffel von „Dittsche – Das wirklich wahre Leben“ erschienen.

Und es fängt diesmal ungewohnt an: Anstelle in seiner Lieblings-Imbissbude die Welt neu zu ordnen, sehen wir Dittsche im Knast. Und dort perlt kein Dittschberger, sondern nur Apfelschorle. Doch Dittsche ist im Grunde ein Optimist, er kann nach einigen Schlucken feststellen, dass auch Apfelschorle perlt und ihm ein überrascht-zufriedenes Aufstoßen beschert. Dort gelandet ist er, weil ihm sein Lieblings-Italiener einen Gutschein in Form eines scheinbar echten Geldscheins überreicht hat. Dumm nur, dass der Schein nur auf einer Seite bedruckt war und die Kassiererin im Supermarkt die Polizei rief.

Danach reiht sich Wahnsinn an Schwachsinn, Fitzelstückchen echter News und Wahrheiten verquicken sich in bekannter Dittsche-Manier zu den obskursten Gedanken-Konstrukten eines „belesenen“ Bild-Konsumenten. Wenn man zwischen den Lachanfällen die Dittsche verursacht Luft holen kann, muss man eigentlich erschrocken sein, was manche Medien für eine Wirkung auf einfache Gemüter und „bildungsferne“ (politisch korrekte Neuformulierung für Dumme) Menschen ausüben kann.

Wer sich einlassen kann, in die actionlose Szenerie, wer keine Mario-Barth-Schenkelklatscher erwartet, sondern stille, teilweise tückische Wortverästelungen und hanebüchene Welt-Ideen, der ist richtig beraten, sich die Dittsche-DVDs anzuschaffen. Es ist schon eine fast familiäre Veranstaltung die Folgen zu erleben, auf „Pause“ zu drücken und erst mal abzulachen, mit den Mitsehern sich zu ergötzen an Olli Dittrichs Spontan-Comedy und – sicher vorbereiteten – Einfallsreichtum teilzuhaben.

Abgerundet wird dies wie immer mit einem kleinen Booklet (Servietten: Reine Faltware), 2 Dittschberger-Aufklebern und Bonusmaterial (Teil 14 „Making of Reiner Weltladen“).

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Southland Tales

Erstellt von Michael Drewniok am 14. Mai 2010

Southland Tales

Originaltitel: Southland Tales (USA 2006)
Regie u. Drehbuch: Richard Kelly
Kamera: Stephen Poster
Schnitt: Sam Bauer
Musik: Moby
Darsteller: Dwayne Johnson (Boxer Santaros), Seann William Scott (Roland Taverner/Ronald Taverner), Sarah Michelle Gellar (Krysta Now), Nora Dunn (Cyndi Pinziki), Holmes Osborne (Senator Bobby Frost), Miranda Richardson (Nana Mae Frost), John Larroquette (Vaughn Smallhouse), Mandy Moore (Madeline Frost Santaros), Wallace Shawn (Baron von Westphalen), Bai Ling (Serpentine), Zelda Rubinstein (Dr. Katarina Kuntzler), Christopher Lambert (Walter Mung), Jon Lovitz (Bart Bookman), Justin Timberlake (Private Pilot Abilene), Lou Taylor Pucci (Martin Kefauver) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 02.10.2008 (DVD)
EAN: 5050582506426 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 139 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Nach einem Atombomben-Anschlag nahöstlicher Terroristen auf Texas ist der Dritte Weltkrieg ausgebrochen. In den USA konnte eine reaktionäre Regierung mit dem Versprechen gnadenloser Vergeltung das Heft fest in die Hand nehmen. Die meisten Bürgerrechte sind aufgehoben; sogar zwischen den US-Bundesstaaten ist kein freier Reiseverkehr mehr möglich. Eine fast lückenlose Überwachungsmaschinerie namens US-IDent sichert der Regierung die Kontrolle, die ihr dennoch von regimekritischen Gruppen streitig gemacht wird. In den Southlands – dem südlichen Kalifornien – sind dies in erster Linie die Neo-Marxisten. Erbittert gejagt von der örtlichen US-IDent-Herrscherin Nana Mae Frost, Gattin des erzkonservativen Senators Bobby Frost, versuchen sie den Restriktionen Einhalt zu gebieten.

Unterdessen greift Baron von Westphalen nach der Weltmacht. Nur der geniale aber verrückte (und deutsche!) Wissenschaftler vermag „Fluid Karma“ zu produzieren, jenen Stoff, der weltweit die fossilen Brennstoffe ersetzen kann. Allerdings gibt es bei der Herstellung eine unerfreuliche Nebenwirkung: Die Rotation der Erde verlangsamt sich, und Risse im Raum-Zeit-Kontinuum tun sich auf, die den Weltuntergang ankündigen.

Der Filmstar Boxer Santaros hat das Gedächtnis verloren und lebt mit dem Porno-Starlett Krysta Now zusammen. Gemeinsam haben sie ein Drehbuch geschrieben, das akkurat die nahe Apokalypse beschreibt. Während Boxer sich zu erinnern versucht, kommen sich die ‚Brüder‘ Roland und Ronald Taverner, die nur gemeinsam das Weltende auslösen werden, stetig näher. Während des feierlichen Stapellaufs des gewaltigen Von-Westphalen-Zeppelins greifen die Einzelteile der Untergangs-Maschine ineinander, aber die Menschen sind viel zu sehr mit eigenen Auseinandersetzung beschäftigt, um dies zu bemerken …

Was werden sollte … und was wurde

Erfolg kann durchaus ein Fluch sein, denn er geht nicht selten einher mit der Entwicklung eines gewissen Größenwahns. Dies ist durchaus menschlich, denn wer einmal ins Schwarze traf, ist gern davon überzeugt, endlich jenen Tiger, der nicht im Tank steckt, sondern die Mysterien des Lebens symbolisiert, am Schwanz gepackt und somit den Durchblick erreicht zu haben. Für Richard Kelly war dieser Moment 2001 gekommen. In diesem Jahr brachte er seinen dritten Film ins Kino. „Donnie Darko“ war kein Blockbuster, fand aber ein begeistertes und interpretationsfreudiges Publikum, das dem Film schließlich jenen Kultstatus verschaffte, der sich zum Leidwesen aller Marketing-Strategen nicht planen lässt.

Auf dem DVD-Markt wurde „Donnie Darko“ zum Renner und Richard Kelly plötzlich zu einem Namen, der nicht nur einen guten Klang in Kritikerkreisen hatte, sondern auch die etablierten Hollywood-Studios aufhorchen ließ. Sie witterten Profit, winkten mit Geld und waren bereit, den exzentrischen Kelly schalten und walten zu lassen, obwohl sie keine Ahnung hatten, womit er die Filmwelt nunmehr zu beglücken gedachte.

Das Erwachen war böse, denn Kelly ist ein Mann, der sich schwere Gedanken über die politische, soziale und ökologische Gegenwarts-Welt macht. Dies sind drei Stoffe, aus denen nicht unbedingt Erfolgsfilme gewoben werden, zumal Kelly es ernst meinte mit seiner Kritik an einer haltlos zum diktatorischen Überwachungsstaat mutierenden US-Regierung sowie einer um sich selbst und ihre Belanglosigkeiten kreisenden, gleichgültig auf dem Vulkan tanzenden Gesellschaft, die einerseits ihre Energiereserven verschleudert, während sie andererseits ihren planetaren Wohnort verwüstet.

Rätselhaft oder einfach nur durcheinander?

Weil Kelly anders als Ex-Vizepräsident Al Gore keine Dokumentation à la „An Inconvenient Truth” (dt. „Eine unbequeme Wahrheit“), sondern einen Spielfilm drehte, musste er darüber nachdenken, welches Grundgerüst er seiner Geschichte geben sollte. Er entschied sich für ein Konzept, das sämtliche Genres einerseits bedient und andererseits ignoriert. „Southland Tales“ ist daher eine Polit-Thriller-Komödie mit Science-Fiction- und Mystery-Elementen, die durch eine Musical-Einlage unterbrochen wird.

Das Ergebnis ist exakt so seltsam, dass es sich ebenso begründbar als Geniestreich wie als Murks einschätzen lässt. Zumindest für den Rezensenten neigt sich die Waage gefährlich dem zweiten Urteil zu. Einfach fällt die Entscheidung aber nicht, weil sich Kelly alle Mühe gibt, seiner Parallelwelt-Mär Bedeutungsschwere förmlich einzuprügeln. Die Bilder sind nicht nur erlesen, sondern bersten vor Anspielungen und Kontext, die der vorsichtige Kritiker nicht als prätentiösen Humbug bezeichnet, weil er sich dadurch womöglich als Kunstbanause und Ignorant bloßstellt. Zudem mögen dem US-Zuschauer die Parallelen zur Regierung Bush oder zum „Krieg gegen den Terror“ schärfer gewürzt wirken als dem dekadenten und notorisch unpatriotischen Europäer.

Allerdings macht sich Kelly mehrfach angreifbar, indem er beispielsweise seine Satire mit SF-Elementen verschneidet, die „Southland Tales“ in eine inoffizielle Fortsetzung von „Donnie Darko“ verwandeln. Schon wieder öffnen sich Portale in Zeit und Raum, die sich auf diese Weise verwirren und gegenseitig zu zerstören drohen. Donnie Darko tritt dieses Mal doppelt als Roland und Ronald Taverner auf, behält aber seinen kruden Messias-Status.

Zu viel gewollt, zu wenig sortiert

Vier Jahre hat Richard Kelly nach eigener Aussage in das Projekt „Southland Tales“ gesteckt. In dieser Zeit hat er sich offensichtlich allzu tief darin vergraben. Sein Drehbuch ist überfrachtet mit Anliegen, die sich selbst aushebeln. Kelly überschätzt sein Publikum. Während sich ihm als Urheber die Chiffren erschließen, ist er betriebsblind geworden. „Southland Tales“ erhebt einen Anspruch, den der Film nicht verdient. Wirklich geniale und nicht nur genialische Autoren und Regisseure bürsten Inhalt und Form eines Films so gegen den Strich, dass er sich seinen Zuschauern weiterhin erschließt. Kelly knüpft Rätsel an Rätsel und erwartet entweder ehrfürchtiges, kritikloses Schweigen oder ein Aha!-Erlebnis, das in etwa erfasst, was er sich angeblich dachte.

Das „Making-of“ dokumentiert, dass schon während der Dreharbeiten die Ratlosigkeit vor und hinter der Kamera grassierte. Die Schauspieler bemühen sich deutlich verwirrt um Interpretationen (Dwayne Johnson, Sarah Michelle Gellar), driften in wilde  Deutungs-Delirien ab (Christopher Lambert) oder offenbaren, keine Ahnung zu haben, was sie da mimen. Vor allem Jon Lovitz gibt zu, sich in Schauspielerroutinen geflüchtet zu haben: Kelly sagte ihm, was er in seiner Szene tun und sagen sollte, und Lovitz hielt sich daran. Als wahrer Profi liefert er trotzdem eine der besseren Szenen ab.

„Southland Tales“ ist ein episodischer Film. Schon der Titel macht deutlich, dass die Handlung in diverse, oft nur lose verbundene Sequenzen zerfällt. Der (deutsche) Zuschauer leidet zusätzlich unter einem Mangel an Vorwissen. Ehrgeizig plante Kelly „Southland Tales“ als multimediales Spektakel. Es gab nicht nur eine entsprechend mit Informationen gespickte Website, sondern auch eine dreiteilige Comic-Serie, die eine Vorgeschichte erzählte. (Dies löst auch das Rätsel, wieso der ebenfalls dreifach gegliederte Film mit dem Kapitel 4 beginnt.)

Sie wollten dabei sein!

Regisseure wie Robert Altman oder Woody Allen drehen keine Blockbuster, sondern Filmkunst. Gern spielen Schauspieler für wenig Geld für sie, denn vor der Kamera dominieren nicht der Produzent und die Techniker für die Spezialeffekte, sondern der Regisseur und seine Darsteller. Außerdem macht sich ein Arthouse-Film gut in der Vita, was den Lohnausfall verschmerzbar macht.

Zwar ist Richard Kelly weder Altman noch Allen, aber nach „Donnie Darko“ sah es so aus, als könne er es werden. Daraus resultiert ein Schauspieler-Ensemble, das im Rahmen eines 15-Mio.-Dollar-Films bemerkenswert ist. 2006 war Dwayne Johnson immer noch „The Rock“, ein ehemaliger Wrestling-Star, der sich seine allmählich vermorschenden Knochen nicht länger im Ring brechen lassen wollte, sondern eine Filmkarriere anstrebte. Weil ihm verständlicherweise vor allem Prügel-Rollen à la „Doom“ oder „Walking Tall“ angeboten wurden, nutzte er die Chance, einen Charakter wie Boxer Santaros darzustellen. Freilich übersteigt dieser seine schauspielerischen Fähigkeiten doch, wenn Johnson wenig glaubwürdig Gefühlsregungen in kritischen Situationen wiederzugeben versucht.

Der verheißungsvolle Name Kelly hat wohl auch die in den letzten Jahren in ihrer Rollenwahl etwas glücklose Sarah Michelle Gellar in eine Rolle gelockt, die jede Darstellerin im Lycra-Fummel und unter einer hässlichen Perücke geben könnte. Ähnlich ratlos registriert der Zuschauer Christopher Lambert in einer winzigen Nebenrolle. Besser trafen es Wallace Shawn, John Larroquette oder Bai Ling, die nach Herzenslust chargieren dürfen. Justin Timberlake fällt lange nicht negativ auf, bis er in schauderhafter Choreografie zur Musik ein Lied vorträgt, das immerhin von den „Killers“ stammt.

„Southland Tales“ als Steinbruch

Letztlich fährt wohl der als Zuschauer am besten, der „Southland Tales“ szenenweise goutiert. Kelly ist ein Mann mit obskuren und oft guten Ideen, und er hat ein Gefühl für stimmungsvolle Bilder. Immer wieder überrascht man sich dabei, gut unterhalten zu werden. Der futuristische Zeppelin über der nächtlichen Skyline von Los Angeles, die von Feuerwerk und brennenden Straßenzügen erleuchtet wird, bietet einen bemerkenswerten Anblick. Das gilt auch für den Atompilz, der sich unweit einer fassungslosen Geburtstagsgesellschaft erhebt, oder für den überdrehten, delirierend bunten Mikrokosmos der „Neo-Marxisten“.

Für Richard Kelly nahmen die „Southland Tales“ übrigens ein böses Ende. Eine frühe Fassung wurde auf dem Filmfestival in Cannes verrissen, eine neu geschnittene und geraffte Version kam nur in wenige Kinos, in denen sie nur einen Bruchteil der Kosten wieder einspielte. Wie für „Donnie Darko“ möchte Kelly irgendwann einmal einen „Director’s Cut“ von „Southland Tales“ herstellen, der den Kritikern beweisen soll, wie sie sich in ihm und seinem Film getäuscht haben.

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf ein „Making-of“, das recht aufwändig als durch die Mühlen der (fiktiven) US-IDent gedrehten und über deren Website abrufbare Dokumentation gestaltet wurde. Ohne diesen Schnickschnack reduziert sich der Beitrag auf Bilder vom Dreh, Erläuterungen zu einigen Drehorten und Spezialeffekten, den üblichen Nullsprech-Interviews sowie vergebliche Erklärungsbemühungen des Regisseurs.

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Iron Man 2

Erstellt von Günther Lietz am 6. Mai 2010

Iron Man 2

Kinostart: 6. Mai 2010

Produktion: USA 2010
Laufzeit: zirka 123 Minuten

Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Justin Theroux
Kamera: Matthew J. Libatique
Schnitt: Dan Lebental, Richard Pearson
Musik: John Debney
Produktionsdesign: J. Michael Riva
Kostüme: Mary Zophres
Produzenten: Kevin Feige
Koproduzenten: Jeremy Latcham, Victoria Alonso
Ausführende Produzenten: Jon Favreau, Alan Fine, Stan Lee, David Maisel, Louis d’Esposito, Susan Downey

Darsteller: Tony Stark/Iron Man (Robert Downey Jr.), Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), Col. James ‘Rhodey’ Rhodes (Don Cheadle), Natasha Romanoff/Black Widow (Scarlett Johansson), Justin Hammer (Sam Rockwell), Ivan Vanko/Whiplash (Mickey Rourke), Nick Fury (Samuel L. Jackson), Howard Stark (John Slattery)

Die Fortsetzung zum humorvollen Actionknaller „Iron Man“ knüpft beinahe nahtlos an seinen Vorgänger an. Tony Stark (Robert Downey Jr.) outet sich als Superheld und nach einem Umschnitt sind sechs Monate vergangen, in denen Iron Man der Welt zum Frieden verholfen hat. Natürlich gibt es Neider die an Starks Erfindungen, Geld und Leben wollen.

So muss sich Tony Stark gegen die Politik, das Militär und einen skrupellosen Konkurrenten durchsetzen, während gleichzeitig der Russe Ivan Vanko (Mickey Rourke) an einem eigenen Waffensystem bastelt, um dem Iron Man zu Schaden. Glücklicherweise kann dieser aber auf die Hilfe von gute Freunden bauen. An erster Stelle Kumpel Rhodey (Don Cheadle) und die bezaubernde Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow), die gar die Führung von Stark Industries übernehmen muss. Aber auch Nick Fury (Samuel L. Jackson) und Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) sind mit von der Partie, um Tony Stark und die Interessen der Welt zu schützen. Das ist auch dringend angeraten, denn die Gegenseite vereint ihr Kräfte, um zum finalen Schlag auszuholen …

Die gute Nachricht ist sicherlich, dass „Iron Man 2“ ein gelungener Actionfilm ist. Die schlechte Nachricht ist dagegen, dass der Film eine schlechte Fortsetzung ist. Im Grunde haben wir hier einen Actionfilm aus dem Lehrbuch, optimiert für ein Publikum ab zwölf Jahren und mit sehr vielen Möglichkeiten, die passenden Actionfiguren und Videogames auf den Markt zu bringen. „Iron Man 2“ wird sicherlich ein Erfolg an der Kino- und Ladenkasse, denn er ist vollkommener Mainstream – leicht, locker und mit bewährten Mitteln umgesetzt. Aanders als der erste Teil, in dem Robert Downey Jr. 2008 den Superhelden neu erfand und dem Dark Knight zeigte, wo dieser langflattern muss. So wie „Der Fluch der Karibik“ das Piratengenre neu erfand, so erfand „Iron Man“ das Superheldengenre neu – Helden hatten plötzlich wieder Tiefgang, waren menschlich, verletzbar, zeigten neben ihren Stärken auch schonungslos ihre Schwächen.

Das galt vor allem für die Figur Tony Stark, einen selbstverliebten und eingebildeten Kerl, der erst mit seiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden musste, um die Schädlichkeit seines Lebenswerks zu erkennen. Im Herzen geläutert, mit narzisstischem Charme und arrogantem Witz, legte er die Waffen nieder und schwor der Welt den Frieden zu bringen; mit allen Konsequenzen. Als Kulisse diente der Nahe Osten, mit seinen terroristischen Widerstandskämpfern und den ihnen zuliefernden Waffenkonzernen. Das war Kritik am System, das war eine Stellungnahme für den Frieden.

In „Iron Man 2“ kein Wort mehr über den Ausstieg aus dem Rüstungswettkampf, keine Kritik mehr an Waffenlieferungen und kein Kratzer am Image des Militärs. Im Gegenteil. Durch den militanten Einsatz seiner Rüstung schaft Iron Man ein Klima der Angst und Abschreckung, so dass die Welt sich friedlich gibt. Das Iron Man für Frieden sorgte wird übrigens nur verbal zum Fakt erklärt, keinesfalls visuell verständlich dem Zuschauer vorgeführt. Aus Stark wurde auch wieder der arrogante Narzisst und widerspricht somit dem Bild, dass er zum Ende des zweiten Teils wiedergab: Zwar noch immer selbstverliebt, aber mit beiden Beinen auf dem Boden. Auch Starks Abkehr vom Waffenmarkt – im ersten Teil zentrales Element der Handlung – ist kein Thema mehr. Stattdessen gibt es auf Starks Expo sogar eine offizielle Waffenschau seines Konkurrenten Justin Hammer (Sam Rockwell), dessen Name für einen selten dämlichen Schulhofkalauer herhalten muss. Robert Downey Jr. gibt sich zwar alle Mühe an dem einst erarbeiteten Konzept festzuhalten, muss sich aber schlussendlich der Produzentenriege ergeben. „Iron Man 2“ ist politisch korrekt und Aushängeschild für die US Army und die Homeland Security. Keine Kritik mehr am Vaterland – und sei sie noch so leise.

Die Figur des Tony Starks hat sich also – leider – erneut gewandelt und ist stellvertretend für den ganzen Film, dem nun der charmante Biss des ersten Teils weitgehend fehlt. Die Figuren agieren dem Genre üblich und scheinen aus der Schablonensammlung der Hollywoodautoren zu stammen. Zudem mangelt es dem Film auch an oberflächlicher Glaubwürdigkeit, lässt „Iron Man 2“ die Nachvollziehbarkeit der Figuren vermissen. Die Frage nach dem „Warum“ einer Handlung kann selten gegeben werden – im Gegensatz zu „Iron Man“. Im zweiten Teil werden Handlungen und Effekte nur um ihrer Selbstwillen eingebracht, haben weder Start noch Ziel, sind kein tragendes Element der Handlung sondern nur schmückendes Beiwerk. Für den einfachen Kinobesucher oder Liebhaber von Popcornaction sicherlich ausreichend. Dieses Publikum wird gut bedient, bekommt klinisch saubere Actionszenen geboten und darf lauschen, wie Tony Stark von seiner schweren Kindheit erzählt, was wohl Dramatik und Charaktertiefe erzeugen soll. Auch hier legt der Primus „Iron Man“ vor – denn dort wurde das Drama durch Starks Gefangenschaft deutlich gezeigt; und war mehr als nur ein paar Worte über die übliche traurige Kindheit Und um den einfältigen Kinobesucher gänzlich glücklich zu machen, wird übrigens mehrmals deutlich darauf hingewiesen, dass sich im Diorama des Vaters der Schlüssel befindet. Kinobesucher mit ein wenig Grips fühlen sich da schnell wie im Kasperletheater.

Überhaupt ist dem Film anzumerken, dass er auch das jüngere Publikum bedienen soll. Der Streifen ist sehr seicht angelegt, die Figuren gewollt cool, aber ohne ältere Semester richtig zu befriedigen. So sind die Gegner Roboter, die ohne Blutvergießen in die Luft gesprengt werden können. Das macht mächtig Rumms und trotzdem gibt es eine niedrige FSK-Einordnung – ab zwölf Jahren halt. Das gilt auch für die beiden weibliche Hauptrollen: Pepper Potts und Natasha Romanoff, also Gwyneth Paltrow und Scarlett Johansson.

Beide Frauen sind hübsch anzusehen und verdrehen jedem Mann problemlos den Kopf. Netterweise dürfen sie in „Iron Man 2“ ihr schauspielerisches Können auspacken, müssen mit den weiblichen Reizen leider sehr sparsam umgehen. In Bezug auf Frau Johansson sehr bedauerlich, tritt sie doch im hautengen Anzug auf, ist in der Lage im Spagat die Kerle flachzulegen und verfügt, neben einem großen Aufgebot an Talent, über wunderbar weibliche Attribute. Die bleiben jedoch gut verhüllt. Auch die liebe Pepper Potts ist diesmal zugeknöpfter, was ebenfalls für den Dialog mit Stark gilt. Sprühten bei den Wortgefechten von Downey Jr. und Paltrow im ersten Teil noch Witz, Frechheit und Charme, so gestalten sich diesmal die Szenen langatmig und romantisch aufgesetzt – genau das Richtige für kleine Girlies, die vom pubertierenden Freund ins Kino geschleppt werden. So etwas muss der Zuschauer halt mögen.

Überhaupt hat der Humor in „Iron Man 2“ stark gelitten. Witzige und originelle Wortgefechte sind Mangelware, lustige Einlagen und Scherze wirken aufgesetzt und sind meist vorhersehbar. Auch die gelungene Interaktion mit den Robotern in Starks Anwesen verkommt zum Kinderprogramm, wird der aus dem ersten Teil bekannte Roboterarm noch mehr vermenschlicht. Nun, das Ding war im ersten Teil witzig, also muss es wohl in der Fortsetzung unbedingt ebenfalls einen Auftritt haben, der zu Herzen geht. Dabei wirkt der Roboterarm in einigen Einstellungen wie Wall-E aus „Wall-E: Der Letzte räumt die Erde auf“. Grausam!

Kümmern wir uns nun um die Bösewichter. Ein Gegner alleine wäre für Iron Man wohl zu wenig. Also stellen sich Justin Hammer und Ivan Vanko gemeinsam gegen den Superhelden. Vanko mutiert dabei zu Wiplash, der erst in Monaco und dann später in den USA mit seinen Superpeitschen Iron Man zusetzt.

Hammer wird von Sam Rockwell gespielt, dessen Figur einen Tony Stark für Arme abgeben soll. Er versucht an den genialen Erfinder heranzukommen, scheitert aber kläglich. Er wird sogar von Stark vorgeführt, was Hammer tief verletzt. Für sich alleine genommen und weniger überzeichnet, wäre Hammer sicherlich ein passender Gegner für Stark, so gibt Sam Rockwell einen erbärmlichen, untalentierten Waffenproduzenten ab, der zur Lachnummer verkommt. Warum ausgerechnet eine Figur wie Justin Hammer vom Militär als Berater oder zum modifizieren eines Kampfanzugs herangezogen wird, ist schleierhaft. Die Rolle Hammer wird vom Drehbuch dermaßen demontiert, dass es ihr einfach an Subtanz fehlt.

Um diese Substanz zu bieten und die Bösewichte wieder ins Gleichgewicht zu bringen, muss Mickey Rourke herhalten. In „The Wrestler“ hatte er sein Comeback, in „Iron Man 2“ wird er angezählt. Die Rolle des Ivan Vanko ist einfach zu flach und entbehrt jeglicher scheinbaren Glaubwürdigkeit. Äußerlich ist der Russe durchgestylt – bis zur letzten Haarspitze. Und genau das lässt die Figur eher lächerlich, als gefährlich wirken. Zu viel Strähnchen, zu viel cooles knabbern am Zahnstocher, zu viele Tätowierungen – einfach zu viel Style. Es ist zwar eine Comicverfilmung, aber der Style muss eine im Film nachvollziehbare Glaubwürdigkeit besitzen. Die fehlt hier einfach, ebenso die Nachvollziehbarkeit der Handlung. Es wird zwar erklärt warum Vanko Stark erledigen will, aber es ist unbeantwortet, warum er genau so agiert, wie er agiert – seine Vorgehensweise ist nie nachvollziehbar. So lauert Vanko Stark in Monaco an der Rennstrecke auf. Doch Stark selbst entscheidet sich im Film erst kurz vorher, am Rennen teilzunehmen. Und bei einem Tony Stark ist es auch fraglich, ober er überhaupt in Monaco auftaucht. Es gibt mehrere solcher Logikbrüche.

Es ist auch überraschend, dass Ivan Vanko ein verdammt kluger Bursche ist. Überhaupt scheint es im Iron-Man-Universum so zu sein, dass geniale Wissenschaftler nie gefördert werden und in Kellern, Hinterzimmern und Garagen genau die Technik entwickeln, die in Laboren unschaffbar scheint. Einem Tony Stark mit seinen Möglichkeiten und seinem Verstand nimmt der Zuschauer das gerne ab. In einer Comicverfilmung ist das auch noch halbwegs glaubhaft. Doch Ivan Vanko wirkt wie ein dümmlicher Schläger, vor allem im Spiel von Mickey Rourke. Scheinbar kann dieser nur noch den Muskelmann spielen und mit wenig Mimik aufwarten. Vanko als kluger Physiker? Niemals! Die Rolle ist einfach unglaubwürdig. Hier hätte Hammer tatsächlich der Verstand und Wiplash nur die Muskeln sein dürfen, so verschenkt der Film sein Potenzial.

Glücklicherweise besitzt der Film davon genug, um trotz all seinen Schwächen einen Kinobesuch lohnen zu lassen. Immerhin zählt Robert Downey Jr. derzeit zu den besten Schauspielern Hollywoods und kann sich auch in „Iron Man 2“ halbwegs durchsetzen. Obwohl seine Rolle an Tiefe verlor, spielt er Tony Stark sehr überzeugend und mit einer gesunden Prise Humor. Es sind zwar weniger Gags – und die Gags sind manchmal einfach nur schlecht – aber oft genug blitzt der alte Charme auf und kitzelt das Zwerchfell. Besonders genial ist dabei Starks Geburtstagsparty, die leider unschön endet. Vor allem der Schlagabtausch zwischen Stark und Rhodey wirkt aufgesetzt, aber schlussendlich muss das Militär ja irgendwie an eine Rüstung kommen und War Machine auftauchen.

Die Figur Col. James ‘Rhodey’ Rhodes wird diesmal übrigens von Don Cheadle gespielt, der somit Terrence Howard ersetzt. Das ist aber der einzige Rollenwechsel, da nur wenige Figuren aus „Iron Man“ übernommen wurden. Leider bleibt Cheadle in seiner Rolle etwas blass, hat aber auch nur wenig Gelegenheit zu schauspielern.

Gut gelungen ist die Verknüpfung von „Iron Man 2“ zum dazugehörigen Superheldenuniversum. Im ersten Teil gab es nach dem Abspann bereits eine kleine Vorschau auf Samuel L. Jackson als Nick Fury von S.H.I.E.L.D.. In „Iron Man 2“ taucht Nick Fury dann tatsächlich auf. Die Rolle Jacksons ist zwar klein, gehört aber zum Besten, was der Film zu bieten hat. Überhaupt passt die Rolle des Nick Fury für Mister Jackson wie die Faust aufs Auge. Das dürfte aber daran liegen, dass Nick Fury für die Comic-Reihe „Die Ultimativen“ Samuel L. Jackson nachempfunden wurde. Wobei Jackson einen besseren Nick Fury abgibt als 1998 David Hasselhoff in „Nick Fury: Agent of S.H.I.E.L.D.“.

Natürlich muss stets im Auge behalten werden, dass Comicverfilmungen ein ganz eigenes Comicuniversum stricken und Fans einfach nur hoffen können, dass der Film etliche Eckpunkte der geliebten Serien aufgreift. Wobei Comicserien selbst gerne mal eigene Universen bedienen und parallel funktionieren. „Iron Man“ bildet da keine Ausnahme. In „Iron Man 2“ werden die Verknüpfungen zum Comic und zukünftigen Projekten sogar verschärft. So erfährt Tony Stark von den Rächern („The Avengers“), zu denen ja mehrere Superhelden gehören und die 2012 mit einem Blockbuster die Kinos stürmen sollen – falls Hollywood an seinem Plan festhält. Auch wird die Erkrankung Tony Starks thematisiert und stellenweise scheint Regisseur Jon Favreau zusätzlich auf den Alkoholismus anzuspielen, der Stark im Comic arg zusetzt und der eigentliche der Grund ist, warum War Machine auf der Bildfläche erscheint. Auch nett ist das zerbrochene Schild von Captain America, das Tony Stark bei einem seiner Experimente einsetzt. Und dann erscheint nach dem Abspann eine weitere Szene, in der offensichtlich Mjolnir zu sehen ist, der Hammer des Thor. Da „Iron Man“ als Trilogie angelegt wurde, kann „Iron Man 3“ wohl 2011 erwartet werden, um 2012 in „The Avengers“ überzugehen. Doch das ist derzeit Spekulation.

Für Comicfans des ein oder anderen Marveluniversums hat die Sache einen besonderen Kick. Immerhin wurde Captain America 2008 erschossen. Tony Stark erfüllte Steve Rogers letzten Wunsch und machte James Buchanan “Bucky” Barnes zum neuen Captain America. Thor selbst sorgt in allem amerikanischen Medien für eine Schweigeminute. Und zudem ist es eigentlich Tony Stark der die Rächer mitbegründete. Die Verknüpfung von Film und Comic hat also ihren ganz eigenen Reiz und es ist schön, dass Favreau nun verstärkt darauf eingeht. Wie groß der Einfluss der Comics auf die Filme tatsächlich ist, das steht auf einem anderen Blatt.

Jon Favreau liefert mit „Iron Man 2“ jedenfalls ein lautes Spektakel ab. Der Film ist ein Kracher und liefert ordentliche Action, die von erstklassiger Musik begleitet wird. Der Regisseur hat sich auf altbewährtes verlassen und keine großen Experimente gewagt. Somit bewegt sich der erfahrene Kinogänger auf bekannten Straßen. Trotz allem macht die Fahrt Laune, denn schlussendlich misst sich „Iron Man 2“ mit seiner eigenen Vorlage. Im Vergleich mit anderen genreüblichen Filmen schneidet der Streifen sehr gut ab. Nur wer „Iron Man“ bereits kennt, der weiß was Geschichte und Darsteller eigentlich zu bieten haben – der Eiserne hat sich leider selbst besiegt.

Abschließend bleibt eigentlich nur zu sagen: Ein lohnender Film, der trotzdem hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

BR – Iron Man (Ungeschnittene US-Kino-Version) bei Libri.de
DVD – Iron Man (Original deutsche Kino-Version) bei Libri.de
CD – AC/DC, Iron Man 2 bei Libri.de

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El Superbeasto

Erstellt von Günther Lietz am 27. März 2010

El Superbeasto

Regisseur: Rob Zombie
Stimmen: Tom Papa (Oliver Kalkofe), Paul Giamatti, Sheri Moon Zombie (Martina Hill), Danny Trejo

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Spieldauer: 75 Minuten
Studio: SUNFILM Entertainment

Bild: 16:9 (1:1,85)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Extras:
- Trailer
- Geschnittene Szenen und alternative Szenen
- Work-in-Progress-Fassung

Metal-Ikone, Kult-Regisseur, Comiczeichner – Rob Zombie ist das Alles und noch viel mehr. Zusammengefasst: Er ist eine geile Sau – davon zeugt auch sein abgedrehter Zeichentrickfilm „El Superbeasto“, der die Matratzen so richtig krachen lässt.

Wrestler, Held und Volkes Liebling El Superbeasto hat ein großes Problem. Nach dem Dreh seines letzten Pornos versucht er in einem Striplokal auszuspannen und verknallt sich in die schöne Velvet von Black. Na ja, eigentlich will er sie nur flachlegen. Immerhin hat sie Titten, eine Pussy und das reicht diesem Machon schon, um auf eine Frau abzufahren. Tot, untot oder lebendig, das ist ihm egal. Doch leider ist Velvet die angehende Braut des Dr. Satans, der mit ihr Hochzeit feiern will und seinen klugen Gorilla losschickt, um Velvet zu entführen. Das ruft El Superbeasto natürlich auf den Plan und er verfolgt die Spur.

Hilfe bekommt er dabei von seiner rattenscharfen Schwester Suzie X, ein geiles Stück, die gerade einige Zombie-Nazi-Biker abfrühstückte, um Hitlers Kopf zu zerstören. Da hat sie auch Zeit, um ihrem Bruder zu helfen ‘ne neue Tussi klarzumachen. Doch schnell entpuppt sich die einfache Rettungsmission als besondere Rettungsmission, denn Velvet ist von Dr. Satan ganz angetan und eine Hochzeit der beiden würde zum Untergang der Welt führen. Zu allem Übel verbirgt sich hinter Dr. Satan ein ehemaliger Mitschüler von Suzie, der schon auf der Highschool hinter ihren Hupen her war …

Mit „El Superbeasto“ geht Rob Zombie an die Grenze des guten Geschmacks und weit darüber hinaus. Der Film polarisiert – eindeutig. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Es gibt kein Zwischending bei dieser abgefahrenen Splatter-Trash-Orgie. Zombie bricht ein Tabu nach dem anderen, zieht das Zeichentrickgenre und deren Helden der 60er und 70er Jahre durch den Kakao, lässt die Titten tanzen und Ärsche wackeln. Nazis steigen aus ihren Gräbern, Mösen stinken bis zum Himmel und kleine Kätzchen werden zu blutigem Brei zermatscht. Doch all diese Elemente sind keineswegs reiner Selbstzweck, sondern erfüllen tatsächlich einen künstlerischen Anspruch – vom Unterhaltungswert dieser klischeebeladenen kranken Scheiße mal ganz abgesehen.

Es gibt massenweise Sidekicks auf bekannte und unbekannte Filme, versteckte und offene soziale Kritik, genial abgemischte Musik und vieles mehr. Rob Zombie liefert hier einen unterhaltsamen und sehr humorvollen Film ab, der einem die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. „Würde“ deswegen, weil jemand der gefallen an dem Thema und dem Film hat, der kennt eh keine Scham. Davon mal abgesehen eignet sich „El Superbeasto“ auch gut als Geschenk für die biedere Verwandtschaft, um garantiert enterbt zu werden.

Mit „El Superbeasto“ liefert Rob Zombie einen erstklassigen Zeichentrickfilm ab, in dem er sich so richtig austobt. Das zeigt sein Held Supoerbeasto ganz deutlich, denn er stellt all die dunklen und geilen Dinge an, von denen sich Andere nur abwenden. In seiner heißen Karre düst er durch die City, die Frauen sind billig und willig, alle lieben ihn und in seinem Schritt steckt eine Katze. Genial sein Kampfstil – sei es nun der einfach Faustkampf oder wenn er die dicken Hoden eines Diabetikers als Nunchaku einsetzt, um einem Monsterwurm die Reißzähne auszuschlagen. Gewalt ist ein starkes Thema im Film, das sollte vielleicht erwähnt werden. Immerhin fließen ganze Ozeane an Trickfilmblut über die Mattscheibe, fliegen Gedärme durch die Gegend und splittern Knochen wie Balsaholz.

Ist der Film sexistisch? Auf jeden Fall! Ist er frauenfeindlich? Vielleicht. Immerhin kommt mit Suzie X ein starkes Weib daher, das Macho Superbeasto Paroli bieten kann und ebenfalls eine starke Persönlichkeit ist, die sich nimmt was sie braucht und es auch bekommt. Überhaupt sind die Frauen im Film mehr als nur reine, willenlose Lustobjekte. Sie geben sich der Lust aus freien Stücken hin und sind emanzipierter, als es auf den ersten Blick aussieht. Im Gegenteil, die triebgesteuerten Männer verkommen schnell zu willenlosen Sklaven der Liebe und verlieren angesichts dieser weichen Seite schon mal die Kontrolle über die Situation.

Der Zeichentrickstil ist an den guten alten Trickfilm angelehnt, wie er Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre gängig war. Bildrauschen, Kratzer, Schwarzweißsequenzen und andere Spielereien sind deswegen kein Produktionsmangel, sondern gewolltes Stilmittel.

Die Sprechrollen kommen hervorragend rüber. Das gilt für den englischen Originalton,wie auch für die deutsche Tonspur, die auf Sprecher wie Oliver Kalkofe und Martina Hill setzt. Einfach geil!

Das Bild kommt in 16:9 daher und ist erstklassig. Einzig das Menü der DVD weist Unschärfen und Flackereien auf. Der Ton ist erstklassig, was natürlich an den Soundeffekten und dem Soundtrack liegt. Dolby Digital 5.1 gilt für beide Tonspuren, im Deutschen wird sogar DTS geboten. Erstklassig!

Auch beim Bonusmaterial spielt die DVD ihre Stärke aus. Neben den obligatorischen Trailern, gibt es erst einmal ordentlich alternative und geschnittene Szenen. Mehr als dreißig Minuten. Wirklich geniales Extra ist jedoch, dass der ganze Film nochmals als Work-in-Progress-Fassung vorliegt. Dabei handelt es sich keineswegs um eine trockene Ansammlung von Bildern aus dem Storyboard oder ähnliches, sondern um eine Montage aus allen möglichen Quellen und Stadien des Films. Seien es nun Konzeptzeichnungen, erste Animationen, fertige Szenen aus dem Film und vieles mehr. Oftmals werden unterschiedliche Fassungen zu einer Sequenz zusammengeschnitten. Das ist fast so rattenscharf wie Suzies nackter Arsch!

„El Superbeasto“ ist für Zombie-Fans, Liebhaber von Trash, Kenner des Splatters und alle verrückte Typen genau das richtige Futter für den Player. Für alle anderen Leute ist der Streifen dagegen ein zu heißes Eisen, das zu recht ein dickes „FSK 16“ auf dem Cover hat. Sunfilm liefert die DVD allerdings mit einem Wendecover aus, so dass der hässliche Fleck auf der Front schnell verschwindet. Fettes Dankeschön dafür!

Schlussendlich bleibt nur eine knallharte Empfehlung auszusprechen und auch eine kleine Warnung an alle echten Machos, denn der Streifen offenbart eine unliebsame Wahrheit: Auch schöne Frauen furzen!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Als DVD bei Libri.de
Als Speacial-DVD bei Libri.de
Als Blu-ray bei Libri.de

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Trailer Park of Terror

Erstellt von Michael Drewniok am 26. März 2010

Trailer Park of Terror

Originaltitel: Trailer Park of Terror (USA 2008)
Regie: Stephen Goldman
Drehbuch: Timothy Dolan
Kamera: Jeff Venditti
Schnitt: Jarred Buck
Musik: Alan Brewer
Darsteller: Nichole Hiltz (Norma), Lew Temple (Marv), Myk Watford (Roach), Ed Corbin (Stank), Trisha Rae Stahl (Larlene), Michelle Lee (Miss China), Matthew Del Negro (Pastor Lewis), Jeanette Brox (Bridget), Stefanie Black (Tiffany), Ricky Mabe (Michael), Ryan Carnes (Alex), Hayley Marie Norman (Amber), Cody McMains (Jason), J. P. Manoux (Cigrit), Priscilla Barnes (Jean), Trace Adkins (Teufel), Tracey Walter (Trucker) uva.
Label: Capelight Pictures
Erscheinungsdatum: 16.10.2009 (Kauf-DVD u. Kauf-Blu-ray)
EAN: 4042564117646 (DVD) bzw. 4042564117653 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

Das geschieht:

Tophet Meadows ist einer jener Trailer-Parks, in denen die Gescheiterten und Ausgestoßenen der US-Gesellschaft ihr durch Gewalt, Suff und Sudel-Sex geprägtes Dasein fristen. 1981 versuchte die junge und hübsche Norma den Ausbruch, doch Straßenräuber Marv, Möchtegern-Rocker Roach und Freizeit-Schlachter Stank brachten eifersüchtig ihren Freund um, weil er ‚besser‘ war als sie. In ihrem frustrierten Zorn wurde Norma das ideale Opfer für den Teufel, der ihr eine kaliberstarke Pump-Gun überreichte und zum Massenmord an ihren Peinigern aufhetzte, zu denen noch die ‚Masseurin“ Miss China und die Sechs-Zentner-Megäre Larlena gehörten. Norma machte reinen Tisch, löschte sie alle aus, brannte Tophet Meadows nieder und beging Selbstmord.

Doch Satan präsentierte seine Rechnung. Seit damals ersteht der Trailer-Park in manchen Nächten aus seinen Ruinen auf. Norma, Marv, Miss China, Stank, Roach und Larlene müssen als verrottete Zombies umgehen, ahnungslose Reisende anlocken und umbringen. Dieses Mal geht ihnen Pastor Lewis in die Falle. Er kehrt gerade mit sechs verhaltensauffälligen Jugendlichen aus einem Jesus-Camp zurück, in dem man sie auf den rechten Weg zurückführen wollte; ein Vorhaben, das von den Betroffenen als gescheitert eingestuft wird.

In einer Gewitternacht strandet die Gruppe nicht ganz freiwillig beim Trailer-Park. Katzenfreundlich nimmt Norma ihre ‚Gäste‘ in Empfang, bringt sie in diversen Wohnwagen unter und teilt die Gruppe auf diese Weise auf, was den übrigen Zombies die Gelegenheit gibt, sich die Mitglieder nach und nach vorzunehmen – eine Chance, die in den folgenden Stunden immer wieder genutzt wird. Nur der Sonnenaufgang kann Rettung bringen, doch dies wissen die Zombies natürlich auch und intensivieren ihre blutigen Bemühungen, nachdem die zusammengeschmolzene Schar der Opfer endlich begreift, in welches Höllenloch man geraten ist …

Vom bunten Papier zum blutigen Kino

Am Anfang stand wie so oft ein Comic. Im Juni 2003 startete im US-Staat Pennsylvania ein kleiner Verlag mit dem pompösen Namen „Imperium Comics“ die Horror-Serie „Trailer Park of Terror“, die keine durchgängige Story, sondern Geschichten um Norma und ihre dämonische Zombie-Gang erzählte. Weitere Folgen schlossen sich an, ein gewisser, gern mit dem Prädikat „Kult“ geadelter Erfolg stellte sich ein, und schon 2005 sinnierte man in der Produktionsfirma „Bogner Entertainment“ über eine Verfilmung nach.

Es dauerte noch drei Jahre, bis ein Drehbuch vorlag und das Budget aufgebracht war. Autor Timothy Dolan musste sich von der Episoden-Struktur der Vorlage lösen, da ein Spielfilm mit einer stringenten Handlung besser funktioniert. (Dies bestätigt hier die einzige Sequenz – das traurige Ende von Normas Mutter –, die der Story als nicht chronologische Ergänzung eingefügt wurde; es wirkt dort, wo wir es sehen, außerordentlich fehl am Platz.) Regisseur Stephen Goldman, der zuvor nur aber sehr erfolgreich unzählige Musik-Videos in den Segmenten Rock und Heavy Metal inszeniert hatte, wurde eine Summe von 2 Mio. Dollar zur Verfügung gestellt, aus welcher er zum Nutzen des Zuschauers das Optimum an Schau- und Hörwerten holte.

Schon der Titel macht deutlich, dass dieser Film keine ernsthafte Geschichte präsentieren möchte. „Trailer Park of Terror“ steht in der Tradition der alten „EC“-Comics der 1950er Jahre, die grellen Grusel mit pechschwarzem Humor kreuzten und damit den Zorn derer entfachten, die einen Feldzug gegen „Schmutz & Schund“ in Gang setzten. Das Markenzeichen dieser „EC“-Comics war ein vorgeblich ‚moralischer‘ Ansatz: Die Schreckensgestalten des Jenseits brachen über jene Zeitgenossen herein, die gegen das Gesetz oder – noch besser – gegen ethische und sittliche Regeln verstießen. Die ‚Strafen‘ waren drastisch und brutal, und sie entlarvten nicht selten die zeitgenössische Doppelmoral.

Lizenz zum fröhlichen Metzeln

Im 21. Jahrhundert wird der absichtliche Verstoß gegen das politisch Korrekte nur mehr spielerisch eingesetzt, obwohl die Doppelmoral keineswegs verschwunden ist: Zwar darf im „Trailer Park of Terror“ nach Herzenslust gekillt & gemordet werden. Sämtliche ‚echten‘ Tabu-Verstöße der Comic-Vorlage, die u. a. Inzest und Kannibalismus beinhalteten, wurden freilich entweder entfernt oder zensurkompatibel abgeschwächt. Das betrifft auch und ganz besonders den in den USA ewigen Reiz-Faktor Sex, was zum lächerlichen Anblick ‚heißer‘ Liebesszenen führt, in denen die Darsteller vollständige Unterwäsche-Monturen tragen.

Diese Diskrepanz zwischen Ursprung und Umsetzung bleibt nicht die einzige Schwäche eines Films, der sich nicht zwischen Splatter und Komödie entscheiden kann. Viel zu häufig schlägt die Stimmung komplett um. In der einen Sekunde wird geblödelt, in der nächsten gefoltert und gemordet. Hinzu kommen Momente echter Tragik, die – durchaus wirkungsvoll gespielt und inszeniert – einfach untergehen.

„Trailer Park of Terror“ startet dramatisch und humorfrei und wirkt wie eine Milieustudie aus der Backwood-/Redneck-/White-Trash-Unterschichten-Hölle, die höchstens durch den übermäßigen Einsatz entsprechender Klischees (Waffen, Bierdosen, Südstaaten-Flaggen und allgemeine Verkommenheit) als Karikatur zu erkennen ist. Erst nach dem ‚Tod‘ der Wohnwagen-Siedler stellt sich der Humor ein. Er wird leider von den bekannten Slasher-Routinen begleitet, was schade ist, da Goldman seinem Drehbuchautor eindeutig über ist und als Regisseur bemerkenswert stilsicher auftritt. „Trailer Park of Terror“ ist als Trash-Horror sehr ansprechend gefilmt. Schon die Kulisse ist mehr als einen Blick wert. Selten wurden Dreck und Kitsch so gelungen als Sinnbilder für eine aus den Fugen geratene Sub-Gesellschaft eingesetzt. Dafür wurden u. a. Wohnwagen aus dem Nachlass echter Trailer-Freaks benutzt, wie dem „Making of“ zu entnehmen ist.

Schauspieler statt Knattermimen

Für sein Spielfilm-Debüt suchte sich Goldman einerseits erfahrene und andererseits ungewöhnliche Darsteller aus. Nichole Hiltz ist eine gute Wahl für die Hauptrolle. Sie überzeugt zunächst als Opfer und später als Oberhaupt der Zombie-Truppe, die sie nun nicht nur anführt, sondern der sie auch heimzahlt, was sie ihr im Leben angetan hat. Für die Zombies fand Goldman echte ‚Typen‘, die bereits als lebende Rednecks abstoßend authentisch wirken. Als Zombies geben sie dem Darsteller-Affen erst recht Zucker. Speziell Trisha Rae Stahl gibt der Larlene durch ihre natürliche Körperfülle eine beunruhigende Präsenz; dass sie trotz ihres enormen Gewichtes vergleichsweise flink auf den Beinen ist, macht sie noch gefährlicher (obwohl sie in den Kampfszenen dann doch gedoubelt wurde).

Auf der anderen Seite bewies Goldman auch beim Casting der ‚Teenager‘ eine sichere Hand. Höchstens Jeanette Brox als Gothic-Emo Bridget entspricht dem „Pretty-Girl“-Schema, doch auch hinter ihrer Schale steckt ein verletzlicher Kern. Werden die sechs ‚Teenies‘ (die wie üblich zu alt für ihre Rollen sind) zunächst als Zicken und Arschlöcher eingeführt, zeigen sie hinter ihren Masken schnell sehr menschliche Züge. Sie werden uns sympathisch, weshalb ihr meist grausiges Ende beim Zuschauer stärker Wirkung hinterlässt.

Als Vermittler zwischen Publikum und Teenies fungiert ausgerechnet Pastor Lewis. Matthew Del Negro spielt ihn im spießigen Trainingsanzug, mit lächerlicher Haartolle und salbungsvollen Sprüchen zweifellos als Klischee. Gleichzeitig sammelt Lewis Pluspunkte als rechtschaffender aber überforderter Priester, der sehr genau weiß, dass sich seine Schutzbefohlenen lächerlich über ihn machen.

Blut und Verwesung

Seinen Comic-Wurzeln wird „Trailer Park of Terror“ mit seinen Masken und Spezialeffekten am besten gerecht, wobei letztere vor allem ‚handgemacht‘ sind: Auf CGI-Technik wird nicht verzichtet, aber sie rückt nicht in den Vordergrund, was bei dem beschränkten Budget ohnehin eine Bruchlandung provoziert hätte. Die hübsch-hässlichen Zombie-Masken wurden den Darstellern buchstäblich auf die Haut geschneidert. Sie anzulegen zog sich über Stunden hin. Der Erfolg gibt dem Aufwand recht: Unter den aufwändigen Fratzen bleibt das Mienenspiel der Darsteller jederzeit sichtbar. Trotzdem können sie sich in helles Licht trauen, ohne dass der Täuschungseffekt allzu sehr darunter leidet.

Die Metzel-Szenen wurden routiniert aber wenig einfallsreich realisiert. Eine Ausnahme bildet jene Sequenz, in der ein wütender Roach der zugedröhnten Tiffany den Unterarm absägt, was diese zunächst für eine Drogen-Vision hält, bis sie endlich begreift, was tatsächlich vorgeht. Auch Stanks von jovialen Kommentaren begleitete Zerlegung von Alex lässt an Drastik wenig zu wünschen übrig; eigentlich passt dies überhaupt nicht zum sonst eher andeutenden Splattern des Films.

Grobes für die Augen, Feines für die Ohren

Eine gesonderte Erwähnung verdient die Musik. Viel zu oft wird der Zuschauer im B-Movie-Horror durch computererzeugte Billig-Klänge oder No-Name-Gröler unfreiwillig in Angst und Schrecken versetzt. Stephen Goldman aktivierte für „Trailer Park of Terror“ seine Verbindungen ins Musikgeschäft. Er gewann oft vermutlich nur regional bekannte aber talentierte Sänger und Gruppen, die einen Südstaaten-Rock- Soundtrack lieferten, den man auch ohne die Filmbilder genießen kann. (Einer von ihnen – Trace Adkins – übernahm darüber hinaus sehr glaubhaft die Rolle des Teufels.)

Die hier herausgestellten Besonderheiten machen aus „Trailer Park of Terror“ kein Meisterwerk. Noch einmal muss das zögerliche Drehbuch gerügt werden, das der anarchistischen Vorlage nur selten gerecht wird. Demgegenüber gefällt ein Regisseur, der den Klischees des Genres nicht erliegt, sondern der sie sich untertan macht und mit ihnen spielt. Vor allem wird „Trailer Park of Terror“ nie wie der Titel befürchten ließ zum bemühten, gezwungenen und letztlich gescheiterten Möchtegern-Trash-Kult à la „Postal“, sondern blieb ein Film, den man sich anschauen kann, ohne anschließend ebenfalls einen Rache-Deal mit Satan einfädeln zu wollen.

DVD-Features

Gut und altmodisch wie der Hauptfilm ist die Entscheidung, ihm keine minutenkurzen und eine Feature-Fülle vorgaukelnden Film-Häppchen, sondern ein insgesamt 40-minütiges „Making of“ anzuhängen. Inhaltlich ist es leider auf dem aktuellen Stand, d. h. notdürftig verhüllte Werbung für den Film wechselt mit Lobeshymen, in denen die Beteiligten vor und hinter der Kamera die Dreharbeiten als wertvollste Zeit ihres Lebens rühmen und beinahe in Tränen der Rührung ausbrechen, wenn sie sich gegenseitig hochleben lassen.

Zwischendurch gibt es aber tatsächlich Informatives zu sehen. Die Tricktechnik wird gewürdigt, die fabelhafte Musik findet Erwähnung, und es gibt reale Gruselgeschichten über die als Kulisse beschafften Wohnwagen, die sehr gut in Normas Trailer-Park passen.

Außerdem gibt es eine zehnminütige ‚Live-Reportage‘ aus dem Park. Norma, Marv, Roach, Stank, Larlene und Miss China lassen sich (in voller Maske und in ihren Rollen) über das ‚Leben‘ als Zombie und die Gruppendynamik in ‚ihrem‘ Trailer-Park befragen. Was recht witzig im Stil einer Stand-Up-Comedy startet, zieht sich allerdings bald in die Länge, da offensichtlich auch tote Rednecks Höhlköpfe bleiben, die nicht wirklich viel zu sagen haben.

Zum Film gibt es eine Website.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

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