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Archiv für die 'Kriminalfilm' Kategorie

Der Preis des Verbrechens

Erstellt von Günther Lietz am 9. Juni 2010

Der Preis des Verbrechens
Volume 1

OT: Trial and Retribution
England 1997/1998

Format: PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH

Regie: Aisling Walsh
Besetzung: David Hayman, Kate Buffery, Rhys Ifans, Iain Glen, Dorian Lough

Nach mehr als zehn Jahren erscheint „Der Preis der Verbrechens“ („Trial and Retribution“) endlich auf DVD, nachdem die Serie erst auf Spartensendern und schlussendlich auch auf ZDF seine Fans fand …

„Der Preis des Verbrechens – Volume 1“ beinhaltet zwei Kriminalfälle auf vier DVDs, mit einer Gesamtlaufzeit von knapp etwas über vierhundert Minuten. Es handelt sich um die Episoden „Tod eines Mädchens“ und „Herr der Fliegen“. Letzterer Fall sorgt auch für ein FSK von 16, während ersterer Fall nur mit einem FSK von 12 eingestuft wird.

In „Tod eines Mädchens“ wird ein fünfjähriges Mädchen erst vermisst und dann tot aufgefunden. Zuerst steht der gewalttätige Stiefvater in Verdacht, aber schnell schießt sich die Polizei auf den Alkoholiker Michael Dunn ein. Die Ermittlungen zielen auch schnell darauf ab, entsprechende Beweise zu liefern, die Dunn belasten. Für dessen engagierte Anwältin kein leichtes Unterfangen, sich gegen die Ermittlungsbehörden zu stemmen …

„Der Preis des Verbrechens“ ist keine Serie die mit High-End-Technik arbeitet oder besonders coole oder gar clevere Ermittler ins Rennen schickt. Nein! Die Serie lebt von und durch ihre bodenständigen Figuren, die allzu menschlich sind. Sie haben Fehler, Macken, Kanten und Ängste. Das gilt auch für das Ermittlerduo DCS (Chief Superintendent) Michael Walker und DI (Inspector) Pat North, gespielt von David Hayman und Kate Buffery. Vor allem Haymans Rolle wirkt sehr unsympathisch und sein Erscheinen in der Abteilung wird von den Kollegen auch damit kommentiert, dass er einfach mies in seinem Job sei. Die Ermittlungen übernimmt also kein begabter oder besonders kluger, sondern ein ganz normaler Mann. Zu allem Übel ist er klein, hat eine Halbglatze und raucht Kette.

Seine Partnerin schlägt ins gleiche Kerbholz. Ebenfalls ein normales Arbeitstier, hochgewachsen, hager und schon in die Jahre gekommen mit einem leicht herben Aussehen. Eben ganz normale Leute. Und auch die Ermittlungsarbeiten gehen ganz normal vor sich, werden strikt nach Lehrbuch durchgeführt. Dabei kommt es zu Fehlern, Peinlichkeiten und Irrtümern.

So auch in diesem Fall, in dem Außenseiter Michael Dunn (Rhys Ifans) im Vorfeld verurteilt wird. Die Annahme er sei der Täter führt dazu, dass die Polizei ihre Suche entsprechend ausrichtet und das Umfeld sich ebenfalls entsprechend verhät. Ifans („Vanity Fair“, „Little Nicky“) erzeugt mit seinem Spiel genau die richtige Portion Angst und Mitleid beim Zuschauer. Auf der einen Seite ist er ein kranker Psychopath, auf der anderen Seite das Opfer seiner Vergangenheit und der Gesellschaft.

Die Spannung wird in „Tod eines Mädchens“ vor allem durch die sozialen Differenzen aufgebaut. Zudem werden Geschichten abseits der Haupthandlung erzählt. So wird auf das Leben der Opferfamilie eingegangen oder auch auf ein Trauma, das einer der Polizisten durch den Leichenfund erlitt.

In „Der Herr der Fliegen“ wird die Serie ein ganzes Stück brutaler. Ein Serienmörder lockt in der Nacht Huren in seinen Lieferwagen, foltert die Frauen bestialisch, schneidet sich Andenken vom Körper und lässt seine Opfer dann tot zurück. Doch eine der Frauen überlebt und kann den Täter identifizieren. Für Walker und North ein Glücksfall.

Der vermeintliche Täter – Damon Morton (Iain Glen) – wird gestellt und verhört. Doch er weist jegliche Schuld von sich. Stattdessen behaupten drei Freunde von ihm sie seien die Mörder und legen umfangreiche Geständnisse ab. Zudem gibt es gleich zwei Frauen, die Damon ein Alibi geben. Die Polizei ist nun gänzlich überfordert …

Diesmal arbeitet die Episode mit sehr detaillierten und blutigen Gewaltdarstellungen. Und erneut ist es eine Milieustudie, die hier stattfindet und bis in den Bereich des Sadomasochismus hineinreicht. Kein Stoff für zarte Gemüter und entsprechend hoch fällt auch die FSK-Einstufung aus.

Drei Männer die ein Geständnis ablegen, zwei Frauen die mit einem Alibi aufwarten und ein charismatischer Kerl, der offensichtlich der Täter ist und das Spiel mit der Polizei genießt. Iain Glen („Doctor Who“ 2010, „Resident Evil: Extinction“, „Beautiful Creatures“) ist der perfekte Gegenpol, um die Handlung im Gleichgewicht zu halten. An seiner Schuld besteht kein Zweifel und die Spannung baut sich dadurch auf, zu erleben ob und wie Morton überführt wird. Und auch hier steht ganz normale Polizeiarbeit im Mittelpunkt.

Beide Folgen sind sehr eindringlich gestaltet, wirken ruhig und durchdacht. Es gibt zwar kleinere Schock- und Ekelmomente, aber keinesfalls Effekthascherei. Das macht den trockenen, aber gelungenen Charme von „Der Preis des Verbrechens“ aus. Die leicht bodenständige Aufmachung gleitet manchmal jedoch ins Biedere und Langweilige ab. Es gibt Einstellungen in denen einfach nur Stillstand herrscht. Gelegentlich trägt das zur Atmosphäre bei, hier wirkt es manchmal wie zeitschinden.

Trotz kleiner Schwächen ist „Der Preis des Verbrechens – Volume 1“ hervorragende Kriminalunterhaltung. Auch die deutsche Bearbeitung ist gut. Leider gibt es kein Bonusmaterial, was sehr bedauerlich ist.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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In meinem Himmel

Erstellt von Günther Lietz am 25. Februar 2010

In meinem HimmelIn meinem Himmel

Originaltitel: The Lovely Bones
Produktionsland: Vereinigte Staaten
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 135 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Peter Jackson
Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Roman: Alice Sebold

Produktion: Peter Jackson, Carolynne Cunningham, Fran Walsh
Musik: Brian Eno
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: Jabez Olssen

Darsteller: Saoirse Ronan (Susie Salmon), Mark Wahlberg (Jack Salmon), Rachel Weisz (Abigail Salmon), Stanley Tucci (George Harvey), Susan Sarandon (Grandma Lynn), Jake Abel (Brian Nelson), Rose McIver (Lindsey Salmon)

Mit „In meinem Himmel“ hat sich der bekannte Regisseur Peter Jackson (“The Frighteners”, “Der Herr der Ringe”, “Heavenly Creatures”) an die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von Alice Sebold gewagt. Der Name Jackson wiegt dabei schwer und seine letzten Projekte lassen ein weiteres filmisches Schwergewicht erwarten. Vor allem die Herausforderung so schwerer Themen wie Vergewaltigung, Kindesmord und Trauer zu bewältigen werfen die Frage auf, wie Peter Jackson das alles in einem Film unterbringen will.

Anfang der siebziger Jahre lebt Susie Salmon (Saoirse Ronan) in einer kleinen amerikanischen Gemeinde. Alles ist friedlich und die erste große Liebe hat die vierzehnjährige in ihren Bann geschlagen. Doch bevor Susie sich mit ihrem großen Schwarm trifft, stößt sie nach der Schule mit Nachbar George Harvey (Stanley Tucci) zusammen. Der hat schon länger ein Auge auf das Mädchen geworfen und eine Kinderfalle gebaut. Da lockt er Susie hinein und bringt sie bei ihrem Fluchtversuch um.

Susie ist nun in einer Zwischenwelt gefangen. Sie kann ihre Lieben daheim beobachten, aber keinen Einfluss nehmen. In ihrem Himmel lernt sie ein Mädchen namens Holly Golightly (Holly Golightly ist der Name einer Musikerin und auch der Name der Hauptfigur in Truman Capotes Roman “Frühstück bei Tiffany”) kennen, erfährt mehr über diese neue und farbige Welt, erfährt auch mehr über ihren Mörder.

Der kommt in der Realität nämlich ungeschoren davon, während Susies Familie an dem Drama zu zerbrechen droht. Vater Jack (Mark Wahlberg) verdächtigt alle Menschen in seinem Umfeld, Mutter Abigail (Rachel Weisz) nimmt Reißaus in die Weinberge und nur Oma Lynn (Susan Sarandon) hält die Stellung. Und Harvey späht schon sein nächstes Opfer aus: Susies Schwester Lindsey (Rose McIver) …

Peter Jacksons Verfilmung nur an der Romanvorlage zu messen, wäre sicherlich unfair. Immerhin konzentriert sich das Buch auf die Vergewaltigung und den Mord an Susie, beschäftigt sich mit der Trauerbewältigung und der Charakterentwicklung. Alice Sebold spricht die Emotionen ihrer Leser an, schildert eindringlich das Grauen und den Umgang damit. Aber Jackson hat sich selbst den Roman ausgesucht und so muss er sich wenigstens den Vergleich mit den Kernthemen gefallen lassen. Und hier scheitert der Regisseur kläglich.

Das sich ein Film zwangsweise wenig auf die Charakterentwicklung konzentrieren kann ist verständlich. Die Zeit ist sehr bemessen, doch Jacksons Figuren werden kaum behandelt. Einzig Susie erfährt eine Entwicklung, alle anderen Figuren werden einfach abgehandelt. Kommt es zu Szenen, in denen es in die Tiefe gehen könnte, bleiben diese gewollt kurz und Peter Jackson wechselt zu einem opulenten Bild. Mark Wahlberg und Rachel Weisz bekommen gar keine Möglichkeit sich zu profilieren. Einzig Susan Sarandon bekommt Zeit zum Spielen eingeräumt. Diese wird dann genutzt um ein paar Lacher zu ernten und dem Film weiter die Ernsthaftigkeit zu entziehen.

Die tiefgehenden Gefühle und das Drama des Romans einzufangen misslingt dem Film. Jackson blendet die Vergewaltigung Susies vollständig aus, reißt den Mord nur an, verlässt sich auf einige Symbole, um darauf hinzuweisen. Gut für all diejenigen, die diese Symbole erkennen und zu deuten wissen. Doch die Bildpracht von Susies Zwischenwelt gibt sich alle Mühe, sämtliche dezente Symbolik zu übertünchen, zu übermalen. Peter Jackson hat in den CGI-Farbeimer gegriffen und sich ordentlich bedient.

Anstatt eines erschütternden Dramas schreibt er nun parallel eine Kriminalgeschichte und eine Mysterystory. Bevor er sich in der einen Geschichte verfängt, wechselt er dann schnell mal hinüber und lässt auch gerne Parallelmontagen ablaufen. Die sind vor allem zu Schluss nervig und deplatziert, wenn Susies Mörder die zerstückelten Reste seines Opfer verschwinden lassen will und gleichzeitig eine unschuldige Kussszene abgehandelt wird. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt dramatisch oder traurig, sondern einfach nur aufgesetzt. Zudem entzieht die jeweils eine Einstellung der anderen Einstellung die Substanz.

Personen und Handlung sind bei Jackson also zu vernachlässigen. Selbst Bösewicht, Kinderschänder und Mörder George Harvey wirkt zwar schaurig, aber keineswegs böse. Das wird wohl an FSK 12 liegen. So kommen zwar viele Leute in den Genuss des Films, aber der Film ist einfach zu weichgezeichnet und am Romanthema vorbei. Jackson verlässt sich lieber auf das was er kann: CGI-Effekte.

So inszeniert er opulent Susies Himmel, erinnert damit beinahe an die Farbenpracht von „Hinter dem Horizont“ (1998), ohne dessen Originalität zu erreichen. Denn durch Thema, Farbenpracht und Effekte kommt schnell der Verdacht auf, Jackson hätte sich an dessen Bildgestaltung fleißig bedient. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls auffallend und beide Filme sind stellenweise kitschig zu nennen. Dabei ging Regisseur Vincent Ward in seinem Streifen wenigstens keine großen Kompromisse ein.

Einziger Lichtblick in Jacksons „In meinem Himmel“ ist Saoirse Ronan (“Abbitte”, “City of Ember”), die trotz ihrer jungen Jahre (Jahrgang 1994) eine schauspielerische Glanzleistung zeigt. Ihr wird natürlich auch der größte Raum geboten und den nutzt sie gut aus. Schade nur, dass sie hier regelrecht verheizt wird. Sie und Stanley Tucci („Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio“) wurden dann auch für Filmpreise nominiert, wobei diese Nominierungen bei Tucci ein Rätsel bleiben. Sein Harvey ist und bleibt ein farbloses Etwas, ohne Persönlichkeit, ohne Ausstrahlung.

„In meinem Himmel“ ist an sich unterhaltsam, hinterlässt aber keine Spuren und auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Einzig Saoirse Ronan bleibt haften und die abschließende Erkenntnis, dass auch ein großer Regisseur kleine Haufen macht.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Goldmann-Taschenbuch “In meinem Himmel” bei Buch24.de

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Sherlock Holmes

Erstellt von Günther Lietz am 24. Februar 2010

Sherlock HolmesSherlock Holmes
USA 2009, 128 Minuten

Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram, Michael Robert Johnson
Musik: Hans Zimmer
Produktionsdesign: Sarah Greenwood
Director of Photography: Philippe Rousselot
Montage: James Herbert

Darsteller: Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes), Jude Law (Dr. John Watson), Rachel McAdams (Irene Adler), Mark Strong (Lord Blackwood), Eddie Marsan (Inspektor Lestrade), Robert Maillet (Dredger), Geraldine James (Mrs. Hudson), Kelly Reilly (Mary Morstan), William Houston (Constable Clark), Hans Matheson (Lord Coward), James Fox (Sir Thomas), William Hope (Botschafter Standish), Clive Russell (Captain Tanner)

Es gibt etliche Sherlock-Holmes-Verfilmungen und das Bild des Pfeife rauchenden Detektivs mit kariertem Mantel und Mütze hat sich eingeprägt. Mit einer enormen Beobachtungsgabe und seinem Verstand legt er jedem Gauner das Handwerk. Guy Ritchie (“Bube, Dame, König, grAs”, “Snatch – Schweine und Diamanten”) hat sich nun an eine Neuauflage des Themas gemacht und präsentiert einen ganz anderen Holmes – ein Holmes, der mit bekannten Klischees bricht. Und das ist genau richtig.

Denn tatsächlich ist Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes stets nur frei interpretiert worden. Und dieses Recht nimmt sich auch Guy Ritchie heraus, um einen ganz anderen Film-Holmes zu präsentieren als bis dato bekannt. Und Ritchies Adaption ist viel näher an der Romanvorlage dran, als alle anderen Verfilmungen zuvor. Denn Holmes war ein Supermann seiner Zeit – geistig und körperlich. Selbst den Mordversuch durch seinen Erfinder überlebte Holmes einst, gestärkt durch seine ihn liebende Leserschaft. Richtig gelesen, Doyle hat seinen Helden schlussendlich gehasst und wollte ihn sterben lassen.

Guy Ritchie hat sich nun den Stoff geschnappt und in ein modernes Kinoformat gesteckt. Was nun auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, ist ein rasant inszenierter und unterhaltsamer Kinofilm, der gleichzeitig die Atmosphäre des viktorianischen Englands einfängt. Doch worum geht es überhaupt?

Nun, Mister Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und sein teurer Freund Doktor John Watson (Jude Law) stellen den Kultisten Lord Blackwood (Mark Strong) just in jenem Augenblick, in dem dieser einen Ritualmord begehen will. Blackwood wird zum Tode verurteilt, verlangt kurz zuvor nach einem Gespräch mit Holmes. Ihm verkündet der Lord, dass Holmes nur ein Mittel zum Zweck sei und noch weitere Morde geschehen werden. Blackwood wird gehängt und für Holmes ist die Sache erledigt. Der hat nämlich ganz andere Probleme.

Busenfreund Watson hat vor zu heiraten und die Wohngemeinschaft zu verlassen. Für Holmes eine Katastrophe, denn nur wenige Menschen kommen mit seiner exzentrischen Lebensweise zurecht. Glücklicherweise taucht Holmes alte Liebe Irene Adler (Rachel McAdams) auf – eine Meisterdiebin – und es gehen Gerüchte um, dass Blackwood wiederauferstanden sei. Nun wird Holmes Neugierde geweckt. Zugleich hofft er auch mit seinem neuen Fall Watson von der Heirat abzuhalten. Aber der hält an seinen Plänen fest, was zu Streit zwischen den beiden Männern führt.

Trotzdem ermitteln sie und plötzlich gibt es zwischen Irene und Blackwoods Auferstehung einen Zusammenhang.Es dreht sich nun alles um einen geheimnisvollen Orden, Rituale, das Schicksal des ganzen Empires und schlussendlich einen mysteriösen Mann, der sogar Irene Angst einjagt …

Diese ganze Geschichte steckt nun in einem Korsett aus Action, Humor und Spannung. Guy Ritchie brennt ein wahres Feuerwerk an originellen alten Ideen ab. Erneut ein Widerspruch, der auf der Leinwand einfach gelungen ist. Denn Ritchie bedient sich an bekannten Elementen des modernen Actionfilms, setzt diese aber leicht verändert in Szene und verpasst der Sache ihren ganz eigenen Stil – der vor allem durch den altertümlich schmutzig-punkigen Stil Londons und der wunderbaren klassisch modernen Musik von Hans Zimmer geprägt wird. Überhaupt ist der Score von Zimmer grandios passend, kommt oftmals mit einer instrumentalen Reduzierung daher, anstatt auf orchestrale Gigantomanie zu bauen.

Wie der gesamte Film, so sind auch die Hauptrollen detailliert ausgearbeitet und überzeugen durch liebevolle Kleinigkeiten die am Rande zu bemerken sind, ohne die Szenerie zu dominieren oder gar aufgesetzt zu wirken. Sei es nun die Drogensucht Holmes oder die Kriegsverletzung von Watson. Bemerkenswert auch die düstere Mystery-Anspielung auf den us-amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe (in Wort und Bild, denn es fällt der Name und fliegt der Rabe) und anderen Kleinigkeiten, die zwar Zufall, aber ebenso Absicht sein können (wie die Frage nachdem Doktor, die mit „Wer?“ beantwortet wird und auch als Anspielung auf die viktorianischen Abenteuer aus „Doctor Who“ gesehen werden kann). Guy Ritchie hat hier einen verspielten Actionfilm geschaffen, an dem er sich austoben konnte.

Bemerkenswert sind dabei vor allem Robert Downey Jr. (als Sherlock Holmes) und Jude Law (als Doktor John Watson). Beide spielen ihre Rollen perfekt, gehen darin regelrecht auf. Im körperlichen Spiel fließen Winzigkeiten der Persönlichkeit nebensächlich ein und lassen die Figuren somit authentisch wirken. Aber vor allem im witzig spritzigen Dialog brillieren beide Männer, fesseln mit Wortgefechten oder überraschenden Hieben auf die Nase – ohne es sich krumm zu nehmen. Eine wahre Männerfreundschaft eben. Diese wurde von allzu kritischen Beobachtern gerne mal als homoerotische Verbindung gewertet, wird aber von Ritchie gekontert, da er beiden Männern eine Beziehung gönnt. Holmes hat eine Liebschaft hinter sich, Watson wird bald heiraten. Das sollte alle Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Obwohl Law ausgezeichnet spielt, ist es vor allem Downey Jr. der den Film als Holmes überstrahlt. Seine Interpretation der Rolle ist außergewöhnlich, er kreiert sozusagen einen einmaligen Charakter. Das ist zuletzt Johnny Depp als Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ geglückt und war für das Genre ein Glücksgriff. Mit Sherlock Holmes wird erneut ein Ausnahmecharakter in die Kinowelt entlassen und es bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung – der Cliffhanger des Films deutet ja darauf hin – mit einem ebenso starken Robert Downey Jr. punkten wird.

Was Guy Ritchie sehr gut gelingt, ist es die analytischen Fähigkeiten und die Assoziationen des Detektivs für den Zuschauer sichtbar zu machen. Das geschieht mittels schnellen Zwischenschnitten, Rückblenden und Vorschauen. Diese Stilmittel werden genau im richtigen Umfang eingesetzt, beantworten zum Ende hin die offenen Fragen. So geht der körperlich fitte Holmes im voraus einen Boxkampf durch und weiß genau, wie er seinen Gegner ausschalten muss. Oder auch gut gefilmt: Die Verfolgungsszene Irene Adlers, die in der Rückblende explosionsartig an Umfang zunimmt. Einfach und gut gemacht, sehr eindrucksvoll.

Ein wahrer Held braucht natürlich auch einen Schurken. Der wird von Mark Strong als Lord Blackwood gegeben. Allerdings verpasst Strong seiner Rolle dermaßen viel unterkühlte düstere Boshaftigkeit, dass er beinahe schon zu verhalten bleibt und ein wenig farblos vor sich hindümpelt. Dadurch wirkt Blackwood eher harmlos und scheint für Holmes keine echte Herausforderung zu sein. Zwar muss der gute Sherlock das Empire retten, aber sich keineswegs mit einem Verbrechergenie messen. Auch die Einflechtung okkulter Riten durch den Lord machen aus der Rolle keine persönliche Herausforderung für Holmes. Absicht oder Zufall? Bedrohlicher wirkt da nämlich eher der Mann im Hintergrund, der einige Fäden zieht und ein ebenso brillantes Genie ist wie Sherlock Holmes. Er dürfte der nächste, wahre Oberschurke sein, dem sich Holmes stellen muss. Mag sein, dass Ritchie vorher keinen Widersacher installieren wollte, an dem sich die Fortsetzung dann messen lassen müsste.

Auch die weibliche Besetzung agiert ein wenig limitiert und kühl. Dem Film ist die niedrige FSK 12 anzumerken. So werden Actionsequenzen niemals vollends ausgelotet, der Tod zum Ende hin ausgeblendet und müssen auch die Damen mit ihren vorhandenen Reizen leider geizen. Und das, obwohl die fabelhafte Rachel McAdams eine sehr passable Irene Adler gibt. Ein wenig mehr Blut, ein wenig mehr Erotik und ein etwas persönlicher Gegner – der Film wäre perfekt.

So bleibt eine hervorragende Adaption des Stoffes, die näher an der Vorlage ist als die meisten anderen Umsetzungen zuvor. Sauber inszenierte Action, klasse Musik, zwei geniale Hauptdarsteller, augenzwinkernde Einlagen und eine wunderbare Atmosphäre überzeugen auf ganzer Linie. „Sherlock Holmes“ ist ein sehr unterhaltsamer Spielfilm und gehört mit zum Besten, was Guy Ritchie jemals auf die Leinwand gebracht hat.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

“Sherlock Holmes” bei Booklooker.de

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Hustle – Unehrlich währt am längsten, Staffel 1

Erstellt von Günther Lietz am 4. Februar 2010

hustleHustle – Unehrlich währt am längsten, Staffel 1

Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2004
Produktionsunternehmen: Kudos Film & Television
Länge: 6 Episoden von jeweils 52 Minuten
Produktion: Tony Jordan
Musik: Simon Rogers
Vertrieb: Polyband
Darsteller: Mickey Bricks (Adrian Lester), Ashley Morgan (Robert Glenister), Danny Blue (Marc Warren), Stacie Monroe (Jaime Murray), Albert Stroller (Robert Vaughn)

„You can’t cheat an honest man!“ („Du kannst keinen ehrlichen Mann betrügen!“) lautet die erste Regel der Trickbetrüger und Abzocker, die in „Hustle“ die Helden der Geschichte sind und dem erstaunten Zuschauer zeigen, wie schnell die Gier der Menschen ausgenutzt werden kann, um das schnelle Geld zu machen. Die Opfer sind keineswegs normale Leute von der Straße, sondern reiche und durchtriebene Gauner und Betrüger. Genau diese Menschen werden zur Beute von Mickey Bricks (Adrian Lester) und seiner Bande. Doch diese Bande muss erst zusammengestellt werden. Und selbst da setzt der charismatische Schwarze zu einem Trick an, um wiederum selbst ausgetrickst zu werden.

Die BBC-Serie wurde von Kudos Film produziert, die sich bereits mit „Im Visier des MI5“ (Originaltitel „Spooks“) einen guten Namen machte. „Hustle“ geht in die gleiche Richtung, orientiert sich aber mehr an Filmen wie „Der Clou“ oder „Ocean’s Eleven“. Trotz dieser großen Vorbilder bleibt die Serie eigenständig und auch bodenständig. Sie spielt vorwiegend in London, wartet mit einem europäischen Flair und modernen Kulissen auf. London verbindet Altertum und Neuzeit, Land und Großstadt, ist eine Stadt der Kontraste, eine Weltmetropole und wie geschaffen für diese Serie. Das gilt auch für die Figuren, die bereits in der ersten Folge zu einer verschworenen Familie heranwachsen.

Im Mittelpunkt steht Mickey Bricks, der charismatische Gauner und Leiter der Truppe. Er wurde von Albert Stroller (Robert Vaughn) ausgebildet, der ebenfalls mit von der Partie ist und dafür sorgt, dass Mickey seinerseits die Ausbildung des Jungspunds Danny Blue (Marc Warren) übernimmt. Somit sind drei Generationen Abzocker unter einem Dach vereint, die zwar an einem Strang ziehen und dennoch sehr unterschiedlich sind. Das sorgt für Reibereien und Spannungen, die zur Dramatik der Serie beisteuern.

Um das Ganze etwas auszugleichen, runden zwei weitere Charaktere die Sache ab. Da wäre Ashley Morgan (Robert Glenister), ein wahres Multitalent. Er schlägt sich mit kleinen Betrügereien durchs Leben und greift gerne zu, als ihm Mickey die Möglichkeit zum ganz großen Coup verspricht. Auch Stacie Monroe (Jaime Murray) schließt sich Mickey an. Sie hegt Gefühle für ihn, doch er denkt nur über seine bevorstehende Scheidung nach. Danny hat übrigens ein Auge auf Stacie geworfen – und erneut zeichnen sich hier Verwicklungen ab. „Hustle“ ist eine Serie mit Persönlichkeiten und Persönlichkeit. Das wird ziemlich früh deutlich.

Dabei wartet „Hustle“ mit einigen Markenzeichen auf. Dadurch wird die Serie unverwechselbar. So bekommen die Zuschauer erklärt wie der Betrug ablaufen soll, was die Feinheiten sind und wo die Probleme lauern. Das wäre nun äußerst langweilig, doch stets gibt es ein oder zwei überraschende Wendungen, um das seichte Fahrwasser sicher zu umschiffen. Dem Gesetz der Serie nach werden die Abzocker natürlich auch mit den neuen Problemen fertig. Trotzdem sind diese Wendungen das Salz in der Suppe. Vollends abgeschmeckt wird „Hustle“ aber durch die Kameraeinstellungen und Standbilder.

So gefriert in entscheidenden Szenen plötzlich das Bild. Nur die Abzocker können sich noch bewegen und besprechen ausführlich ihren Plan, erklären die Raffinessen und wenden sich dabei auch an den Zuschauer, der daheim vor dem Bildschirm sitzt. Nach diesen Sequenzen geht es dann wie gewohnt weiter. Das ist ein erstklassiges Stilmittel, das im ersten Augenblick ziemlich überrascht und dann gekonnt zum Charme von „Hustle“ beiträgt. Eine wunderbare Idee des Autoren und hervorragend umgesetzt. Das gilt auch für einige Szenarien in der Serie, die abstrakt aufgelöst werden. So beginnen Danny und Mickey plötzlich zu tanzen, um ihr Opfer darauf hinzuweisen, was für eine scharfe und begehrenswerte Braut Stacie ist. Diese Szene ist natürlich eine surreale Sequenz, an deren Ende aber die Realität mit veränderten Tatsachen weiterläuft. Ebenfalls eine schicke Idee, die Laune macht.

Es wird deutlich, dass „Hustle“ keine vollkommen ernste Serie ist. Die Show spielt mit dem britischen trockenen Humor, bemüht die angebliche Gaunerehre und den damit verbundenen Ehrenkodex, wechselt zwischen Drama und Comedy. Dabei ist die Comedy oft subtil und wird nur punktuell eingesetzt. Sie läuft dem ernsten Tenor keinesfalls den Rang ab und somit bleibt „Hustle“ auch eine Serie für seriöse Zuschauer, die sich an eleganten Gaunereien erfreuen möchten.

Insgesamt umfasst die erste Staffel sechs Episoden und naturgemäß werden die Anfänge einer Serie dazu genutzt, um die Figuren vor- und eine Bindung herzustellen. Hier bildet „Hustle“ keine Ausnahme. Die einzelnen Episoden konzentrieren sich auf die Hauptcharaktere und skizzieren deren Hintergründe, Motivationen und Verhaltensweisen. Zum Ende der Staffel hat der Zuschauer die Figuren dann in sein Herz geschlossen, trotz deren kriminellen Energien. Aber immerhin besitzt die Bande einen Ehrenkodex – allerdings einen fragwürdigen Ehrenkodex. Vor diesem Hintergrund sind die abschließenden Worte der Serie natürlich mit Vorsicht zu genießen und werden – hoffentlich – keinesfalls als Aufruf zum Tricksen und Abzocken verstanden.

Bei den Schauspielern hat Kudos Film ganze Arbeit geleistet und die unterschiedlichen Rollen erstklassig besetzt. Die Darsteller leben ihre Figuren förmlich und das ist der Serie anzusehen. Es macht einfach Spaß „Hustle“ anzuschauen und Leute wie Adrian Lester, Robert Glenister, Marc Warren, Jaime Murray und Robert Vaughn zu erleben. Vor allem der US-Amerikaner Vaughn ist dem Fernsehpublikum ein fester Begriff, wurde er doch mit Produktionen wie „Solo für O.N.C.E.L.“ oder „Thunderball“ berühmt. Unvergesslich auch seine Darstellung in „Die glorreichen Sieben“. Mit solch einem Hochkaräter in „Hustle“, scheint der Erfolg bereits vorprogrammiert. Doch das würde der Rolle Albert Stroller widersprechen, der von Robert Vaughn sehr gut gespielt wird.

So wie Stroller seinen Schützling Mickey ausbildet und sich langsam zurückzieht, um der nächsten Generation Platz zu machen, so überlässt auch Vaughn seinen Kollegen weitgehend das Feld. Dadurch wirkt „Hustle“ authentisch und können die anderen Hauptdarsteller ebenfalls zeigen, was in ihnen steckt. Das gilt vor allem für Adrian Lester, dem die Rolle des Mickey Bricks wie auf den Leib geschneidert scheint. Aber genau das ist ein Irrtum, denn Drehbuchautor Tony Jordan hatte beim verfassen des Skripts stets George Clooney vor Augen. Immerhin ist „Ocean’s Eleven“ das große Vorbild von „Hustle“ – daraus wird auch kein Hehl gemacht. Äußerlich ist Lester dabei das Gegenteil von Clooney: Jung, schwarz und mit einer unterschwellig düsteren Ausstrahlung. Die kann jedoch von einem zum nächsten Augenblick umschlagen und Lester wirkt wie ein harmloser und verspielter Junge, dem jedermann gerne sein Geld anvertraut. Für eine Serie wie „Hustle“ also genau das Richtige.

Die Staffelbox beinhaltet zwei DVDs, kommt mit einem Wendecover daher und auch die Silberscheiben selbst sind schick gestaltet. Neben der sechs Episoden gibt es noch ein kleines Making-of, in dem über die Idee zur Serie und das Casting der Schauspieler gesprochen wird. Ganz nett. Technisch ist alles in Ordnung. Das Bild (16:9) ist hervorragend und der Ton sauber. Es gibt zwei Tonspuren (Deutsch und Englisch), die leider nur in Dolby Digital 2.0 daherkommen. Das Making-of ist in englischem Original mit deutschem Untertitel. Dieser wurde gut geschrieben und ist fast fehlerfrei.

„Hustle – Unehrlich währt am längsten, Staffel 1“ ist genau passend für Menschen die Gaunereien, Eleganz. Humor und kreative Kameraarbeit mögen. Dazu die hervorragenden Darsteller und gute Geschichten, die stets mit einer Überraschung aufwarten. Klasse!

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Hautnah – Die Methode Hill – Volume 3

Erstellt von Günther Lietz am 3. Januar 2010

Bei Amazon.deHautnah – Die Methode Hill
Volume 3

Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: seit 2002
Episodenlänge: etwa 80–100 Minuten
Originalsprache: Englisch
Darsteller: Robson Green (Dr. Tony Hill), Hermione Norris (DCI Carol Jordan)
Edel Motion 2009

Erneut gehen in der – fiktiven – englischen Stadt Bradfield Serienmörder umher. In der nun mehr vierten Staffel muss der freiberufliche Profiler Dr. Tony Hill (Robson Green) zusammen mit der Polizistin DCI Carol Jordan (Hermione Norris) genau jenen bösen Buben auf die Finger klopfen. Dabei hat Hill seine ganz eigene Methode, die ihm zum Erfolg führt – meistens.

Auch die dritte Staffel der Serie kommt aus dem Hause Edel Motion in einer durchsichtigen Plastikbox daher. Leider gibt es kein Wendecover und so wird die Box durch das blauen FSK-16-Logo verschandelt. Im Inneren der Box befinden sich vier DVDs. Jede beinhaltet jeweils eine komplette Episode der Kriminalfilmserie, die vom englischen Sender ITV produziert wurde. Die einzelnen Episoden laufen zwischen achtzig und einhundert Minuten, insgesamt gibt es mehr als dreihundert Minuten handfeste Krimikost.

In „Das tödliche Internet“ geht es um Serienmorde an Kindern. Hier steht Tony allerdings alleine da, denn Carol wird bei einem Überfall verletzt und ein junger Kollege übernimmt die Ermittlung. Für Tony Hill nur schwer zu verkraften, hat er sich doch auf Carol eingestellt. Trotzdem geht er professionell seiner Arbeit nach, denn das Leben weiterer Kinder steht auf dem Spiel …

Diese Episode ist spannend gestaltet und kommt auch mit einer schlüssigen Auflösung daher. Dabei wird auch das Thema „Internet“ und „Chatsicherheit“ angesprochen. Für Laien logisch nachvollziehbar – wer ledoch weiß wie das Internet und Chaträume funktionieren, wird nur müde lächeln. Trotzdem übt die Folge einen starken Reiz aus. Da wären einmal die Kinder die bedroht werden, und die aus schlimmen Verhältnissen stammen. Sie werden besonders stark in Szene gesetzt, sobald Profiler Hill sich in sie hineinversetzt, um Motive und Taten besser zu verstehen. Aber auch Carol Jordans Abwesenheit von den Ermittlungsarbeiten sorgt für Spannung – und scheinbar ist ihr junger Kollege ein wenig überfordert, wie in der letzten Episode der Staffel deutlich wird.

Doch zuvor haben es Hill und Jordan in „Mackie Messer“ mit einem weiteren Serienmörder zu schaffen. Die Vermutung liegt nahe, dass es der vor kurzem entlassene Mörder McAdam ist, aber dieser entzieht sich geschickt den Ermittlungen und tritt gar selbst als Psychologe und Profiler an die Öffentlichkeit heran …

Obwohl sich McAdam mit Hill einen persönlichen Kampf im übertragenen Sinne liefert, ist „Mackie Messer“ die schwächste Episode der Staffel, ja, gar bisher. Der Fall wirkt konstruiert, McAdams Aufbau als Nemesis Hills scheitert kläglich, denn die Fakten sind künstlich und die Verknüpfungen an den Haaren herbeigezogen. Sehr Schade, denn hier wäre Potenzial für Mehr gewesen. Zu allem Übel leidet die Figur Hill immensen Schaden, denn am Ende begeht der bisher zwar verschrobene, aber dennoch sympathische Doctor Tony Hill Selbstjustiz – und kommt ungestraft davon. Diese Selbstjustiz kann gar als geplanter Mord ausgelegt werden, denn Hill weiß genau wie der Täter denkt und was dieser vorhat. Dass Hill schlussendlich sein Leben riskiert um den Serienmörder zu retten, ist ein fehlgeschlagener Versuch das Image ein wenig aufzupolieren. Im Kern hat Tony Hill einfach Scheiße gebaut.

Glücklicherweise schlägt die Episode „Freitag, der Dreizehnte“ in eine andere Kerbe. Hier sind die Fälle wieder miteinander verwoben und die Argumentationskette nachvollziehbar. Dadurch wirkt der Stoff authentisch und Greens Rolle des Profiler Hills gewinnt wieder einige Sympathiepunkte hinzu. Nach der letzten Episode auch eindeutig nötig.

Dieser Punktgewinn geschieht vor allem durch die persönliche Bindung zu Carol, die hier vertieft wird. Obwohl sich beide zueinander hingezogen fühlen, bleiben sie auf Abstand. Hill und Jordan sind unfähig sich offen auf persönliche Nähe einzulassen oder sich zu offenbaren, verkriechen sich lieber in ihre Schneckenhäuser aus beruflicher Distanz. Vor allem der schweigende Dialog mittels Augenkontakt und Mimik ist sehr packend, drückt mehr aus als es Worte könnten.

Die abschließende Episode der Staffel ist „Das Spiel des Todes“. War es zuvor schon schwer den Täter zu fangen, so scheint es diesmal unmöglich. Der Mörder, ein Heckenschütze, ist einfach zu unberechenbar, seine Opfer scheinbar unwillkürlich. Doch diesmal ist der Mörder keine zentrale Figur, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Vielmehr dreht sich in „Spiel des Todes“ alles um Tony Hill, denn im Kopf des Profilers wächst ein Tumor heran. Auch wird sein komplexes Verhalten als leichte Verhaltensstörung diagnostiziert. Somit eine Erklärung für das brillante, aber sozial meist kalte Benehmen von Tony.

Das Verhältnis zwischen dem Profiler und DCI Jordan wird nun auf eine harte Probe gestellt und in einer Szene offenbart Hill gar seine wahren Gefühle, in dem er einen Traum als Erinnerung wahrnimmt. Hinzu kommt, dass er lieber an dem Fall arbeitet, als sich der lebensrettenden Operation zu stellen. Sein Verhalten scheint für einen Knacks in der fragilen, kaum vorhandenen Beziehung zu Carol Jordan zu sorgen. Das Charakterspiel von Hermione Norris ist einfach erstklassig und sorgt für eine starke emotionale Bindung zu dem Charakter. Zudem hat einer ihrer Kollegen, wie zuvor angedeutet, ein Alkoholproblem. Falls dieser Handlungsfaden im Auge behalten wird, dürfte es zu einigen Verwicklungen und Problemen kommen.

Bis auf „Mackie Messer“ liefert die DVD-Box „Hautnah – Die Methode Hill – Volume 3“ erstklassige und spannende Krimiunterhaltung. Das liegt vor allem an der guten Leistung der beiden Hauptdarsteller Green und Norris, die vor allem im Zusammenspiel glänzen. Da rücken die Morde manchmal in den Hintergrund, sind aber dennoch Bestandteil der Handlung.

Besonders faszinierend an den Geschichten ist das analytische Vorgehen Hills, das durch Wort und Bild vermittelt wird. So bleibt der Zuschauer stets auf dem Laufenden, kann sich in die Gedankenwelt von Tony Hill hineinversetzen. Dabei sind die vier Episoden ein wenig vorhersehbar, denn immer schnappt die Falle zu und ist der Täter bekannt. Aber dann stellt sich alles als eine falsche Annahme heraus und kurz vor Ende wird der richtige Mörder gestellt. Hier wäre ein wenig Abwechslung wünschenswert. Trotz dieser Vorhersehbarkeit und einer misslungenen Episode, ist die Staffelbox eine klare Empfehlung für Kriminalfans.

Leider gibt es kein Bonusmaterial, nur einen kleinen Ausblick auf das Programm von Edel Motion. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, jeweils in Dolby Digital 2.0. Es gibt keinen Untertitel. Die deutsche Synchronisation ist hervorragend. Beim Bild müssen wieder Abstriche gemacht werden, denn bei dunklen Bildern wird das Rauschen ziemlich deutlich, liefert grobkörnige, schwammige Ansichten. Schade.

Unterm Strich hat sich die Box dennoch die Note „Gut“ verdient, denn drei gelungene Episoden in Spielfilmlänge bieten genug spannende – und manchmal auch humorvolle – Unterhaltung, um über die Schnitzer in „Mackie Messer“ hinwegzusehen.

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Kommissarin Lund – Das Verbrechen

Erstellt von Günther Lietz am 18. November 2009

kommissarin-lund-boxKommissarin Lund – Das Verbrechen
Staffel 1 Gesamtbox (10 DVDs)

FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit: 1100 Minuten

Regie: Birger Larsen, Kristoffer Nyholm, Henrik Ruben Genz, Hans Fabian Wullenweber
Drehbuch: Søren Sveistrup
Darsteller: Sofie Gråbøl, Lars Mikkelsen, Bjarne Henriksen, Ann Eleonora Jørgensen, Marie Askehave, Michael Moritzen, Søren Malling, Nicolaj Kopernikus, Bent Mejding

Produktion: Dänemark/Schweden/Deutschland/Norwegen 2007
Produktionsfirmen: Danmarks Radio (DR), Norsk Rikskringkasting, Sveriges Television (SVT), Nordvision
Produzent: Sven Clausen, Piv Bernth

Das Label Edel brachte „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ bereits 2008 als DVD-Boxen mit jeweils fünf Episoden auf den Markt. 2009 legt das Label nach und bringt diese spannende Kriminalfilmserie in einer dicken Gesamtbox auf den Markt, die alle zehn DVDs enthält. Ein paar Minuten mehr und ein FSK von 16 statt 12 sind mehr eine kosmetische Änderung, als das sich was am Inhalt ändern würde.

Kommissarin Sara Lund (Sofie Gråbøl) zieht der Liebe wegen von Dänemark nach Schweden. Die Koffer sind gepackt, ihr Partner bereits im neuen Zuhause und Nachfolger Jan Meyer (Søren Malling) steht schon parat. Doch Saras Spürnase führt sie zum Tatort eines Verbrechens und löst somit einen Wirbelsturm an Ereignissen aus. Sara verschiebt nun immer wieder ihren Flug nach Schweden, um in Kopenhagen zu ermitteln.

Der Fall der getöteten Schülerin Nanna Birk Larsen (Julie Ølgaard) lässt Sara kaum schlafen. Nannas Eltern Theis (Bjarne Henriksen) und Pernille Birk Larsen (Ann Eleonora Jørgensen) sind vom Tod ihrer einzigen Tochter schwer erschüttert und auch Vagn Skærbæk (Nicolaj Kopernikus) – Theis Angestellter und Freund der Familie – ist stark mitgenommen. Allen geht der Tod von Nanna zu Herzen und der Täter scheint mit dem Rathaus in Verbindung zu stehen.

Das Tatfahrzeug gehörte nämlich zum Fuhrpark des Bürgermeisterkandidaten Troels Hartmann (Lars Mikkelsen), der mit seinem Stab mitten im Wahlkampf steckt und gegen den amtierenden Bürgermeister Poul Bremer (Bent Mejding) antritt. Und beide Männer scheinen etwas zu verschweigen. Der dabei ins Visier der Ermittlungen geratene Bürgermeisterkandidat Troels Hartmann (Lars Mikkelsen) verbirgt zwar etwas, doch rückt der Mann erst im letzten Augenblick mit der Wahrheit raus. Lund und Kollege Jan Meyer (Søren Malling) haben erneut die falsche Spur verfolgt. Es gibt zwar Verbindungen in die Politik, doch keine davon steht mit dem Mord in Verbindung. Trotzdem rollen noch einige Köpfe im Rathaus.

Sara Lunds Ermittlungen konzentrieren sich nun auf weitere Morde dieser Art. Vermutlich hat ein Serientäter das Verbrechen begangen. Und tatsächlich verdichten sich die Hinweise entsprechend – oder ist gar der Wunsch Vater des Gedanken? Vor allem, da sämtliche Hinweise wieder ins private Umfeld der Ermordeten führen. Für die Eltern Theis (Bjarne Henriksen) und Pernille Birk Larsen (Ann Eleonora Jørgensen) ein schwerer Schlag sahen sie doch den Mörder ihrer Tochter bereits als gerichtet an. Und plötzlich soll es ein ihn nahestehender Mensch gewesen sein … kaum zu glauben. Ttatsächlich sieht es erneut nach einem Irrtum der Polizei aus. Ein Irrtum, den ein Ermittler mit seinem Leben bezahlt …

Im Original umfasst diese spannende Kriminalserie – aus der Feder des erfahrenen Drehbuchautoren Søren Sveistrup – zwanzig Episoden, in denen sich alles um einen einzigen Fall dreht. Fürs deutsche Publikum wurden die Folgen vom ZDF in zehn Teile mit Spielfilmlänge gepackt und sonntags als Spätkrimi erstausgestrahlt.

Gut verborgen und für den Kenner trotzdem offensichtlich, sind die Einflüsse moderner US-Krimi- und Actionserien. So hat sich Søren Sveistrup von beliebten Formaten wie „CSI“ und „24“ inspirieren lassen, jedoch den skandinavischen Charme beibehalten. Das bedeutet kompakte Kriminalunterhaltung, stetiger Zeitdruck nahe am Geschehen und Intrigen, die bis in die hohe Politik hineinreichen. Dabei bleibt der ausgedachte Handlungsstrang wohltuend bodenständig.

Geschickt werden die Personen und ihre Beziehungen untereinander in Frage gestellt. Dabei bauen die Regisseure Birger Larsen, Kristoffer Nyholm, Henrik Ruben Genz und Hans Fabian Wullenweber vor allem auf den drei sozialen Interaktionskreisen auf: Polizei, Familie und Politik. Immer wieder kommt es somit zu Überschneidungen, verschiebt sich der Fokus und wird ein Täter an den Pranger gestellt, der ein Unschuldiger ist. Sara Lund und die Ordnungshüter machen Fehler – und das ist überaus menschlich. Allerdings kann ein unbedarfter Zuschauer da schon mal Angst vor dem dänischen Polizeiapparat bekommen. Doch nur die Ruhe, manch dämliche Aktion dient nur dem Aufbau der Spannung.

Und die ist hoch – obwohl jede Episode den gleichen Aufbau besitzt und clevere Kriminalfans den Schuldigen sofort identifizieren. Allerdings ist es ein unterhaltsamer Weg bis zum Ziel, um die eigene Schlussfolgerung bestätigt zu sehen. Trotz etlichen plakativen und klischeehaften Augenblicken und der ein oder anderen Länge, macht „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ großen Spaß und animiert zum Rätseln. Vor allem, da der Zuschauer Einblicke genießt, die Sara Lund verwehrt bleiben.

Wurde zur Hälfte der Staffel Troels Hartmann als Verdächtiger forciert, so wendet sich Drehbuchautor Søren Sveistrup in der zweiten Hälfte seiner Geschichte langsam von der Politik ab und schiebt neue und alte Tatverdächtige wieder in den Fokus zurück. Es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass die Politiker und deren Mitarbeiter in ihrem Drang nach Macht die Ermittlungen behinderten. Eine große Gefühlskälte in der Riege der Mächtigen, auf die Sveistrup hier aufmerksam macht. So lässt sich einer der Verdächtigen auch lieber erschießen, als seine Karriere als beendet hinzunehmen. Einzig leuchtendes Vorbild bleibt nur Hartmann – doch der ergibt sich irgendwann seiner Position und muss erkennen, dass ein Licht im Dunkeln zu wenig ist, um die Finsternis zu vertreiben.

Doch mit dem Fall stehen Hartmanns Probleme nicht mehr in Verbindung. Sara Lund und ihre Kollegen haben nun jemand anderen im Blick und begehen dabei mehrere Fehler. Dass Sara dabei ihren guten Ruf und ihre Beziehung aufs Spiel setzt, ist da nur eine logische Konsequenz und gibt der Figur mehr Tiefe und Charakterspiel. Kompliment an Sofie Gråbøl für ihre packende und überzeugende Darstellung dieser Ermittlerin, die sich ihrer Überzeugung wegen auch gerne mal an jemandem reibt, in Details versinkt oder sich wortkarg dem Tunnelblick ergibt.

Mit großen Schritten geht es dann endlich aufs Finale zu. Und genau da versagen Autor und Regisseur. Sie verfehlen das Endziel um Längen, lassen einen teilweise unbefriedigten Zuschauer zurück. So wirkt die Handlung schlussendlich konstruiert und die Indizien in ihrer Gesamtheit unschlüssig. Es bleiben einige Fragen offen. Und einige Antworten sind entfallen, denn die Macher versäumen im Finale eine Zusammenfassung der Beweiskette. Und bei einem Fall der über eintausend Minuten geht, kann sich kaum ein Zuschauer alle Details merken. Gekrönt werden diese Fehler mit der Tatsache, dass ausgerechnet ein unschuldiger Sympathieträger das Leid einer Verurteilung ertragen muss.

Søren Sveistrups Absicht ist klar. Er hat seine Figuren auf einen Weg geschickt, an dessen Ende sie zu anderen Menschen wurden. Eine klasse und spannende Sache. Vor allem nachvollziehbar, aber hier hätte man vielleicht ein Auge zudrücken und mehr Zugeständnisse an den Film machen sollen. Somit wäre wenigstens eine Figur vom Schicksal geschlagen, aber relativ unbeschadet davongekommen. So liegt alles in Trümmern – aber darauf wollte Søren Sveistrup auch hinaus: Mord zerstört alles!

Wer sich mit dem missglückten Finale abfinden kann, der wird großen Spaß mit der Serie haben. Die Spannung ist hoch und die Charaktere menschlich, somit ist trotz allem gute Unterhaltung garantiert. Man kann am Ende ja auch einfach mal ein Auge zudrücken und Fünfe gerade sein lassen. „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ ist trotz unglücklichem Ende gute Unterhaltung.

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Inspector Barnaby Vol. 5

Erstellt von Günther Lietz am 17. November 2009

inspector-barnaby-05Inspector Barnaby Vol. 5

Länge: 400 Min. (PAL)
FSK: 12 Jahre
Produktionsjahr: 2000
Herstellungsland: Großbritannien
Erscheinungsdatum: 28.08.2009
Vertrieb: edel motion
Tonspuren: deutsch 2.0, englisch 2.0 englisch 2.0
Regie: Jeremy Silberston
Schauspieler: John Nettles, Daniel Casey, Jane Wymark, Laura Howard, Barry Jackson, Renée Asherson, Rosalie Crutchley, Jonathan Firth, Emily Mortimer, Julian Glover, Selina Cadell, Christopher Villiers

Die fünfte Barnaby-Box aus dem Hause Edel Motion wartet für Fans der Serie mit einem kleinen Tiefschlag auf. Der leicht schusselige und beliebte DS Gavin Troy (Daniel Casey) nimmt nach zwei Episoden seinen Hut und macht Platz für DS Dan Scott (John Hopkins) der von jetzt an als treuer Assistent von DCI Tom Barnaby (John Nettles) agiert.

Doch zuerst zieht das bewährte Duo in den Kampf gegen das Verbrechen. In „Das Haus des Satans“ scheint der Teufel persönlich seine Finger im Spiel zu haben. Immerhin wird ein bekannter Schauspieler just bei der Eröffnung eines Horror-Freizeitparks in die Luft gesprengt. Oder sind doch irdische Verwicklungen das wahre Motiv …?

Die Kriminalfilmserie „Inspector Barnaby“ zeichnet sich durch ihre skurrilen Figuren und Morde in ländlicher Idylle aus. Der Einstieg der Box schlägt in diese Kerbe hinein und zeigt sofort spannend und gleichzeitig humorvoll, wie eine höllisch gute Episode bei Barnaby aussieht.

Auch in „Blut ist dicker“ geht es zuerst gruselig zu. Besonders brisant ist die Situation, weil Barnabys Frau Joyce (Jane Wymark) dabei ist, als bei einem Tunneleinsturz historische Knochen und auch etwas jüngere Gebeine gefunden werden. Und wie steht der Obdachlose Tom damit in Verbindung …?

In dieser Episode geht es familiär zu und Barnabys Privatleben nimmt mehr Einfluss in die Handlung als bisher. Seine Frau Joyce und seine Tochter Cully (Laura Howard) sind involviert und tragen zum Fall bei. Das ist spannend umgesetzt und sorgt dafür, dass sich der Zuschauer noch mehr mit der Hauptfigur verbunden fühlt. Er teilt neben dem Berufsleben, auch noch verstärkt Privates mit Barnabys. Der zudem den Fall auflöst und bei dessen Abschluss eine andere Seite seiner Persönlichkeit zeigt. Die damit zugehörige Dramatik ist sehr bewegend.

Trotz der zu erwartenden Todesfälle geht es in „Der Club der toten Autoren“ auch recht humorvoll zu – wie der Titel in Anlehnung an „Der Club der toten Dichter“ bereits vermuten lässt. Tom Barnaby gerät mit seiner Tochter aneinander, da sie – in den Augen des Vaters – den falschen Mann liebt und auf einem Literatur-Festival entwickeln sich die Ermittlungen anders als gedacht. Vor allem die Mordverdächtigen scheinen in keine Schublade zu passen – und da ist auch noch der neue Mann an Barnabys Seite: Dan Scott …

Es ist bedauerlich, dass Daniel Casey das Boot verlässt. Seine Darstellung des leicht schusseligen und durchaus naiv liebenswerten Assistenten Gavin Troy war stets hervorragend und sorgte in der Serie für gute Laune.Es ist natürlich ein trauriger Abschied und John Hopkins tritt ein schweres Erbe an. Glücklicherweise unterscheiden sich Troy und Scott, sind eigenständige Persönlichkeiten. Die Produzenten versuchen also keinen Ersatz zu finden, sondern bringen eine neue Farbe ins Bild.

Die eindringlichste Episode der Box ist eindeutig „Brennen sollst du!“. Auf einem Traditionsfest entzündet die Lehrerin Liz Francis eine riesige Strohpuppe. Was als großer Spaß anfängt, endet in einem grausigen Mord. Der Geistliche des Dorfes wird zum Opfer und bei lebendigem Leibe verbrannt. Schnell hat die Bevölkerung eine Schuldige ausgemacht und es beginnt eine wahre Hexenverfolgung. Wer sonst außer einer Hexe sollte denn auch in der Lage sein dafür zu sorgen, dass Menschen ohne Zutun in Flammen aufgehen …?

Bereits der Einstieg in die Episode ist fesselnd und grausig dramatisch zugleich. Oft sterben die Opfer für den Zuschauer unsichtbar oder kippen einfach tot um, doch diesmal ist man dabei, sieht den Anfang vom Ende. Die erste Todesszene presst einen regelrecht in den Sessel und zeigt, dass es jetzt besonders heftig wird. Nicht umsonst stehen die Geschichten aus der fiktiven Midsomer-Gemeinde für packende und spannende Unterhaltung, in der es auch oft mysteriös zur Sache geht. „Brennen sollst du!“ ist da ein passender Vertreter – immerhin gibt es einige spontane Selbstentzündungen.

Auch diesmal warten die vier DVDs in der Box mit guter Unterhaltung auf. Die Darstellung von Tom Nettles ist herrlich. In John Hopkins hat er zudem einen weiteren Partner, mit dem er sein Charakterspiel vertiefen kann. Dass Barnabys kleine Familie eine größere Rolle zugesprochen bekommt, erweitert erwartungsgemäß die schauspielerische Möglichkeit und verleiht der Person zusätzliche Facetten. Aber natürlich agieren auch Nettles Kollegen auf hohem Niveau und sorgen dafür, dass die Handlung jeweils wie aus einem Guss wirkt. Hier macht das Zuschauen und Miträtseln unglaublichen Spaß.

Die vier Episoden liegen in Englisch und Deutsch vor, jeweils Dolby Digital 2.0. Beide Tonspuren sind klar und kommen gut herüber. Die deutsche Synchronisation ist hervorragend. Zudem hat es noch ein wenig Bonusmaterial auf die Silberscheiben geschafft. Leider handelt es sich nur um eine Fotogalerie und eine Trailershow. Auf diesen angeblichen Bonus kann man jedoch getrost verzichten.

„Inspector Barnaby, Vol. 05“ ist eine überzeugende und sehr unterhaltsame Box, die sich jeder Kriminalfilmfan ansehen sollte. Hier wird erneut beste britische Unterhaltung geboten. Hervorragend!

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Inspector Barnaby Vol. 5

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Inspector Barnaby – Super Sleuth

Erstellt von Günther Lietz am 29. September 2009

Bei Amazon.deInspector Barnaby – Super Sleuth
Dokumentation

edel motion
Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bildseitenformat: 16:9
Laufzeit: 55 Minuten
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Die britische Krimiserie „Inspector Barnaby“ der BBC läuft in mehr als zweihundert Ländern sehr erfolgreich. Natürlich hungern die unzähligen Fans der Serie somit auch nach Hintergrundwissen. Mit „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ soll dieser Hunger gestillt werden. Die Dokumentation bewirbt sich dabei auf der Rückseite des DVD-Covers selbst als „außergewöhnlich“. Außergewöhnlich ist aber nur die dreiste Benutzung dieses Wortes.

„Inspector Barnaby“ basiert auf den Romanen der 1931 in Nuneaton geborenen Kriminalautorin Caroline Graham. Vier ihrer Romane wurden adaptiert, alle weiteren Folgen nur in ihrem Sinne und dem typischen englischen Landschaftsstil. Sämtliche Kriminalfälle spielen in der fiktiven Grafschaft Midsomer und überzeugen vor allem durch ihre schrulligen Charaktere und der liebevollen Darstellung des englischen Landlebens.

Eine dermaßen erfolgreiche Serie, in der scheinbar alle in England lebenden Darsteller bereits ihren Auftritt hatten, sollte genug Stoff für eine spannende Dokumentation hergeben. Macht sie eigentlich auch, aber hier wurde das Ziel leider verfehlt. „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ wirkt wie ein lieblos zusammengestückelter Flickenteppich. Die Interviews mit den Beteiligten sind ziemlich nichtssagend, zusätzlich werden einige Informationen mehrmals wiederholt und es ist offensichtlich, dass die Dokumentation fürs Fernsehen produziert wurde. Die Trennung der einzelnen Kapitel für den Einbau von Werbung ist nämlich klar erkennbar. Um weitere Zeit zu schinden, gibt es dann noch bekannte Ausschnitte aus der Reihe, die ziemlich nichtssagend sind.

Zugegeben, der ein oder andere Informationsschnippsel ist neu, doch im Ganzen rechtfertigt das keinesfalls den Begriff „Dokumentation“. Da stellt man sich doch etwas anderes vor. „Inspector Barnaby – Super Sleuth“ wirkt eher wie ein Werbetrailer, der beinahe eine Stunde andauert. Eine Stunde Zeit, die man lieber in einen der spannenden Fälle von Barnaby investiert. Die sind nämlich wirklich gute Unterhaltung.

Auf der Rückseite der DVD steht „(…)machen die Doku zu einem echten Muss für Fans.“. Das stimmt auch. Fans werden die DVD ihrer Sammlung zufügen wollen – ungehindert des geringen Informationsgehalts und des zeitschindenden Aufbaus. Allen anderen seien die DVD-Boxen zu „Inspector Barnaby“ empfohlen.

(Günther Lietz)

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George Gently – Der Unbestechliche

Erstellt von Günther Lietz am 2. September 2009

george_gently_1George Gently – Der Unbestechliche
Staffel 1

Originaltitel: George Gently
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
Produktionsjahr: 2007–2008
Label: edel motion
Darsteller: Martin Shaw, Lee Ingleby

Großbritannien Anfang der 60er Jahre, es ist eine Zeit der Umbrüche, eine Zeit der Korruption und die Zeit von Inspector George Gently. Gently (Martin Shaw) ist ein Mann von gutem Ruf bei der Londoner Polizei – unbestechlich, ehrlich und ein Haudegen alter Machart. Genau das macht ihn bei seinen Kollegen unbeliebt.

Als in der Episode „Kalte Rache“ Gentlys Frau Isabella ermordet wird, beschließt Gently seinen Job hinzuwerfen. Er kennt den Auftraggeber für den Mord, Joe Webster, kann aber seiner nicht habhaft werden. Da geschieht außerhalb Londons ein Verbrechen und Webster scheint involviert. Also wird Gently noch einmal aktiv. Dabei lernt er den jungen und formbaren Detective Sergeant John Bacchus (Lee Ingleby) kennen. Gemeinsam versuchen sie das Verbrechen aufzuklären …

„George Gently“ ist eine Serie, die auf den ersten Blick klassisch gestrickt wirkt, tatsächlich aber mit modernen Mitteln und Techniken umgesetzt wurde. Obwohl die Fälle in den 60er Jahren spielen, sind sie weder altbacken oder langweilig. Im Gegenteil! Hier wird aktuelle Kriminalunterhaltung geboten, die einen ganz besonderen Charme besitzt. Die Einen fühlen sich in die 60er Jahre zurückversetzt, die Anderen betreten Neuland. Besonders packend ist dabei die Einstellung der Figuren und ihr Verhalten, dass manchmal neuzeitlichen Maßstäben entspricht, oft aber auch Überraschungen beinhaltet. Als Beispiel mag die Haltung gegenüber Homosexuellen dienen – die in „Kalte Rache“ thematisiert wird – oder der Umgang Englands mit der Todesstrafe.

Auch in „Der Verbrannte“ („The Burning Man“) kommen antiquierte Sicht- und Verhaltensweisen zum Tragen, in diesem Falle der Umgang mit Frauen. Doch im Fokus steht natürlich ein rätselhafter Mord. Diesmal wurde ein unbekannter Mann getötet und verbrannt, so dass eine Identifizierung unmöglich scheint. Glücklicherweise hatte der Tote einen Ring im Magen, der auf eine heiße Spur führt …

Eine moderne Serie würde nun ein Labor bemühen und hätte innerhalb kurzer Zeit die Identität des Opfers herausgefunden – inklusive DNA, Konfession und Hobbys. George Gently und John Bacchus gehen andere Wege, da ihnen hochmoderne Hilfsmittel und Werkzeuge verwehrt bleiben. Sie müssen sich auf Fakten, Vermutungen und ihren Verstand verlassen, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Das ist sehr reizvoll, was vor allem daran liegt, wie lebendig die Vergangenheit plötzlich wird.

„Die Schuld der Väter“ („Bomber’s Moon“) lässt die Vergangenheit ebenfalls lebendig werden, denn das Opfer ist diesmal ein reicher Deutscher, der auf dem englischen Land alte Freunde besuchte. Ein Mord, der seine Wurzeln vielleicht im zweiten Weltkrieg hat …

Somit wird natürlich auch ein Stück deutscher Geschichte lebendig. Was heutzutage manchmal abstrakt anmutet, war in den 60er Jahren Realität. Gently selbst diente im Krieg und die Erinnerungen sind noch bei allen Menschen sehr frisch. Das führt dementsprechend zu emotionalen Szenen und Motiven.

In „Die Schuld der Väter“ wird das gelungene Charakterspiel zwischen Martin Shaw und  Lee Ingleby besonders deutlich. Ingleby spielt den jungen und ehrgeizigen Detective Sergeant, der Gently zwar mag, sich aber gleichzeitig von ihm ausgebremst fühlt. Shaw gibt dagegen den alten Haudegen, der in seinem jungen Kollegen eine Möglichkeit sieht einen anständigen Polizisten zu formen. Das führt zu entsprechenden Konflikten, die sehr unterhaltend umgesetzt wurden und äußerst packend sind. Gegensätze ziehen sich einfach an.

Vor allem Martin Shaw brilliert. Bekannt wurde er vor allem in der Rolle des Lockenschopfs Raymond Doyle in der Serie „Die Profis“ und zeigte auch außerhalb des Bildschirms sein großes Talent als Darsteller. In Würde gealtert scheint George Gently ihm scheinbar auf den Leib geschneidert.

Auch das Szenenbild ist exzellent umgesetzt und die Kulissen gut fotografiert. Das ländliche England der 60er Jahre einzufangen ist schon eine Herausforderung, die gut gemeistert wurde. Überhaupt sind auch die Requisiten, Kostüme und Frisuren zu bewundern, die stets stimmig sind und die Illusion aufkommen lassen, die Serie wäre tatsächlich 1965 abgedreht worden. Keine leichte Sache, denn auch auf dem Land hat sich einiges verändert. Man muss den Regisseuren Euros Lynn und Ciaran Donnely ordentlich Respekt zollen – ihre Arbeit ist einfach großartig. Sie haben die Romanvorlage Alan Hunters sehr gelungen umgesetzt.

„George Gently – Der Unbestechliche – Staffel 1“ ist eine hervorragende Box voller Kriminalunterhaltung, die auf exzellente Schauspieler und den Charme der Vergangenheit baut. Leider gibt es als Extra nur eine Bildergalerie auf der DVD, die man allerdings getrost ignorieren kann. Schade. Dennoch ist die Box eine uneingeschränkte Empfehlung, da jede einzelne Episode einfach ein Genuss ist.

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Inspector Barnaby Vol. 4

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2009

Inspector Barnaby Vol. 4

Land und Jahr: GB 2002
Produzent: Brian True-May
Schauspieler: John Nettles, Jane Wymark; Daniel Casey
Musik: Jim Parker
Länge: ca. 396 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Studio: BBC, A&E Television Networks
Vertrieb: edel records
Tonformate: Englisch Dolby Digital 2.0, Deutsch Dolby Digital 2.0
Untertitel: keine
Bildformat: Fullscreen 4:3
Folgen: 01. Die Hexe von Setwale Wood, 02. Glockenschlag zum Mord, 03. Mord am St. Malley’s Day, 04. Trau, Schau, Wem!
Bonusmaterial: Keins

Aus dem Hause edel records kommt nun bereits die vierte DVD-Box der bekannten und beliebten Kriminalserie „Inspector Barnaby“, die in Deutschland erfolgreich auf dem ZDF läuft. Erneut muss der smarte Inspector Tom Barnaby (John Nettles) vier komplizierte Fälle lösen, die es in sich haben …

Den Anfang macht „Die Hexe von Setwale Wood“. Inmitten des mythischen Setwale Wood wird die Leiche von Simon Bartletts Frau Susan entdeckt. Kurz darauf stirbt auch der Erzfeind Bartletts. Motiv und Täter scheinen auf der Hand zu liegen, doch das Karussell der Verdächtigen dreht sich fleißig im Kreis und schlussendlich kommt es mal wieder anders, als man denkt …

Die Box wird mit einer sehr starken Episode eröffnet, die im Original „A Worm in the Bud“ heißt und zur fünften Staffel der Serie gehört. Die Zusammenstellung der Boxen ist leicht verändert, so dass „Inspector Barnaby Vol. 4“ vier aufeinanderfolgende Episoden aus Staffel fünf und sechs der Serie enthält.

Das Drehbuch zu „Die Hexe von Setwale Wood“ stammt von Michael Russell, Regie führte David Tucker. Beide haben gute Arbeit geleistet, denn die Geschichte ist sehr spannend geschrieben und inszeniert. Vor allem die Einbindung der Kinder als unglaubwürdige Zeugen ist passend und sorgt auch für einige erheiternde Augenblicke. Ein sehr charmanter Fall – trotz des mörderischen Themas.

In „Glockenschlag zum Mord“ (im Original „Ring out your Dead“) geht es dann mit einem starken Kontrast weiter. Eher düster und sehr blutig müssen Barnaby und Assistent Gavin Troy (Daniel Casey) den Mord an einem Glöckner aufklären. Einen Mord? Nein, denn der Glöckner gehört zu einer ganzen Glöckner-Mannschaft, die an einem Glöckner-Wettbewerb teilnehmen möchte. Und irgend jemand hat es auf die ganzen Glöckner abgesehen …

Autor Christopher Russell hat hier glänzende Arbeit geleistet und sehr skurrile Ideen und Charaktere verwirklicht. Unter der Regie Sarah Hellings’ entsteht somit ein sehr unterhaltsamer und spannender Fall, der mit einer überraschenden Lösung aufwartet. Auch hier – wie in „Die Hexe von Setwale Wood“ – hat auch Barnabys Frau Joyce einen Auftritt und steht ihrem Mann in einigen Szenen zur Seite.

Besonders herausstechend sind diesmal allerdings die Verdächtigen, die selbst Hauptdarsteller John Nettles den Rang ablaufen und mit großer Spielfreude agieren. Es ist einfach herrlich den Leuten zuzusehen und dem Inspector zu folgen, während er dem Täter langsam immer näher kommt.

Im Gegensatz zum blutigen und direkten Tod unter den Glöcknern, wird es in „Mord am St. Malley’s Day“ (Murder on St. Malley’s Day ) eher geheimnisvoll. Hier spielen Traditionen und Verschwörungen an einem renommierten Elite-Internat eine gewichtige Rolle. Und so befremdlich der im Zentrum stehende Pudding Club auch wirkt, so ist Mord noch immer ein ernstes Thema und wird von Regisseur Peter Smith spannend in Szene gesetzt.

Immerhin dreht es sich darum, dass der Musterschüler Daniel Talbot bei einem traditionellen Wettlauf mit einer schweren Verletzung zurückkehrt und dieser erliegt. Wie in der Serie üblich folgt kurz darauf natürlich der nächste Mord. Die Ermittlung wird jedoch durch eine Mauer des Schweigens zusätzlich erschwert. Leider hat Drehbuchautor Andrew Payne das Ende sehr offensichtlich gestaltet, so bleibt ein wirklich überraschendes Ende leider aus.

Mit der Episode „Trau, schau, wem!“ („Death and Dreams“ – der deutsche Titel verrät eigentlich schon mehr als er sollte) schließt die DVD-Box ab. Was zuerst wie ein Selbstmord aussieht, führt in die psychiatrischen Klinik Mercy Park, die von Dr. Jane Moore geleitet wird – einer alten Bekannten von Barnaby. So irre wie die Patienten, so irre ist schlussendlich auch der Fall.

Peter J. Hammond zeigt sich für das Drehbuch verantwortlich und präsentiert eine sehr schwache Geschichte, die von Regisseur Peter Smith auch schwach umgesetzt wurde. Sichtlich um Originalität bemüht wurden markante Figuren entworfen, die sich in ihrer Skurrilität jedoch gegenseitig ausstechen und die Schau stehlen. Den misslungenen Höhepunkt bildet allerdings die Lösung des Falls und die recht untalentiert wirkenden Jungdarsteller. Ein dummes Kichern macht noch keinen Schurken aus – vor allem wenn der am Ende so dumm alles ausplaudert.

Sämtliche Episoden spielen – wie immer – in der von der Autorin Caroline Graham entworfenen Grafschaft Midsomer. Dabei hat die Serie schon lange die Vorlage Grahams verlassen und folgt – durchaus gelungen – eigenen Wegen. Das ländliche Ambiente und die dörflichen, menschlichen Charaktere wirken durchaus ruhig und beschaulich, doch die Leute haben es faustdick hinter den Ohren. „Inspector Barnaby“ zeigt humorvoll und eindringlich, dass gute Kriminalunterhaltung keineswegs die Stadt oder Hochfinanz braucht. Im Gegenteil, stille Wasser sind tief und lassen gerne mal das ein oder anderen Opfer darin ertrinken.

Die Leistungen der Hauptdarsteller John Nettles und Daniel Casey sind hervorragend. Dabei steht das Ermittlerteam nur selten im Fokus. Im Gegenteil, den meisten Raum nehmen jeweils die Nebendarsteller mit ihren Geschichten ein. Das sorgt für eine emotionale Bindung an die Handlung und die Personen. Dem Einen gönnt man es, mit dem Anderen hat man Mitleid. Das macht einfach großen Spaß. Ganz davon abgesehen, dass die Suche nach dem jeweiligen Täter sehr spannend umgesetzt wird. Hier darf der Zuschauer bequem miträtseln, vor allem, da oft die Spuren und Hinweise im Bild zu sehen sind. Wie Barnaby auch, kann der Zuschauer ebenfalls beobachten und kombinieren. Ebenfalls eine feine Sache.

Schlussendlich bietet die DVD-Box drei sehr gute Folgen und eine Niete, was durchaus zu verschmerzen ist. Das Bild selbst ist gut und entspricht gewohntem TV-Standard. Bei den Sprachen kann der Zuschauer zwischen Deutsch und Englisch wählen. Leider gibt es kein Bonusmaterial. Schade, hier hätte man sich als Fan über das ein oder andere Schmankerl gefreut. Die Möglichkeit sich einen Untertitel einblenden zu lassen fehlt ebenfalls.

„Inspector Barnaby Vol. 4“ ist eine sehr gute Box, die angenehme und spannende Unterhaltung bietet – eine appetitliche Krimivollwertkost!

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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Inspector Barnaby, Vol. 04 (4 DVDs)

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