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Archiv für die 'Kriminalfilm' Kategorie

Elephant White

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. November 2011

Elephant White [Blu-ray]

Kevin Bacon (Darsteller), Djimon Hounsou (Darsteller), Prachya Pinkaew (Regisseur) | Alterseinstufung: Freigegeben ab 18 Jahren | Format: Blu-ray

Darsteller: Kevin Bacon, Djimon Hounsou, Jirantanin Pitakporntrakul
Regisseur(e): Prachya Pinkaew
Format: Widescreen
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 21. Oktober 2011
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 91 Minuten

Auftragskiller Church wird von einem Geschäftsmann angeheuert, den Mord an dessen Tochter zu rächen. Das Mädchen wurde Opfer einer thailändischen Bande, die Kinder entführt und zur Prostitution zwingt. Mit der Hilfe eines skrupellosen Waffenhändlers spürt Church die Männer auf, die die Tochter seines Auftraggebers auf dem Gewissen haben sollen. Der Job scheint eine leichte Sache zu werden – bis sich Church mitten in seinem erbarmungslosen Krieg zwischen zwei rivalisierenden Gangs wiederfindet. Hineingezogen in den brutalen Strudel aus Gewalt und Korruption erkennt Church bald die Wahrheit hinter dem Mann, der ihn angeheuert hat.

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Preisrätsel / Gewinnspiel 2 x 1 (KOSTENLOSE!) blu-ray: Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Ein Auftragskiller welchen namens wird von einem Geschäftsmann angeheuert, den Mord an dessen Tochter zu rächen? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  200 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

DIE GEWINNER LAUTEN: Annett Nullmeyer und Gabi Wölk. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND VOR ALLEM UNSEREM SPONSOREN! HERZLICHEN DANK!

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Haunted Village

Erstellt von Michael Drewniok am 21. Juni 2011

Haunted Village

Originaltitel: Arang (Südkorea 2006)
Regie: Ahn Sang-hoon
Drehbuch: Ahn Sang-hoon, Jeong Seon-ju, Lee Jeong-seob, Sin Yun-kyung
Kamera: Chung Kwang-suk
Schnitt: Ko Im-Pyo
Musik: Jung Dong-In
Darsteller: Song Yun-ah (So-yeong), Lee Dong-wook (Hyeon-gi), Lee Jong-su (Dong-min), Kim Hae-in (Min-jeong), Chung Won-joong (Captain Kim Ban-jeong), Lee Seung-cheol (Jo So-jang), Choo So-young (Su-bin), Jeon Jun-hong (Jeong-ho), Ju Sang-uk (Jae-hyeon), Lee Seung-ju (Ji-cheol) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 30.11.2007 (DVD) bzw. 25.05.2007 (2-Disc Special Edition)
EAN: 4013549872294 (DVD) bzw. 4013549572293 (2-Disc Special Edition)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Koreanisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 94 min.
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Special Edition)

Das geschieht:

So-yeong ist eine noch junge aber erfahrene und abgebrühte Polizistin bei der Mordkommission der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Aktuell bearbeitet sie eine seltsame Mordserie: Junge Männer ersticken, während sie nachweislich allein und nicht selten in gut verschlossenen Häusern und Wohnungen sitzen. In ihren Lungen finden sich Blausäure-Rückstände, an ihren Hälsen Würgemale.

Mit dem ihr eigenen Schwung nimmt So-yeong die Ermittlungen auf. Ein wenig tölpelig aber stets eifrig heftet sich Hyeon-gi, an ihre Fersen, ein neuer Partner, den Captain Kim der wenig begeisterten Beamtin zur Seite gestellt hat. Aber Hyeon-gi ist kein Dummkopf. Gemeinsam finden er und seine Chefin endlich die Verbindung zwischen den Mordopfern: Sie sind Freunde, die während eines Seeurlaubs vor neun Jahren in ein Verbrechen verwickelt waren. In einem kleinen Küstenort geriet die Gruppe in Streit mit einem einheimischen Jugendlichen, der dabei auf der Strecke blieb. Der Mörder wanderte ins Gefängnis, aber seine Freunde hielten zu ihm.

Das taten sie notgedrungen, wie So-yeong herausfindet, denn dieser alte Mordfall ist Teil eines Puzzles, das ein wesentlich übleres Kapitalverbrechen vertuschen soll. Vor neun Jahren starb nicht nur der junge Mann. Gleichzeitig verschwand seine Freundin Min-jeong. Ein altes Videoband zeigt, wie sie von den Städtern in einem alten Salzhaus vergewaltigt wird. Ist Min-jeong damals untergetaucht, um sich jetzt an ihren Peinigern zu rächen?

Inzwischen lebt nur noch ein Mitglied der Gruppe. Nach wilder Flucht kann er von So-yeong gefasst werden. Auch im Polizeigewahrsam ist er allerdings nicht sicher. Ob dennoch übernatürliches Wirken schuld am Tod der Freunde ist, beginnt So-yeong zu bezweifeln, als einige Teile dieses Rätsel-Puzzles plötzlich an unerwartete Stellen rutschen und ein gänzlich anderes Gesamtbild enthüllen …

Rückkehr einer alten aber zeitlosen Geschichte

Es war einmal … irgendwann während der koreanischen Joseon-Dynastie, die 1392 begann und 1897 endete: In der Provinz Miryang besticht eine böse Kinderfrau einen korrupten Diener, die schöne Tochter des Statthalters zu schänden. Diese wehrt sich, und der frustrierte Diener ersticht sie. Der Vater, dem dieses Detail unbekannt ist, gibt sein Amt in Schande auf. Doch jedem neuen Statthalter erscheint der Geist der Tochter, woraufhin der Kandidat dankend ablehnt. Erst der ehrenhafte Yi Sang-sa geht der Sache auf den Grund. Er führt den mörderischen Diener seiner gerechten Strafe zu. Die Tochter kann endlich in Frieden ruhen, und ihr Geist verschwindet.

Diese eine alte koreanische Volkssage adaptierten Regisseur Ahn Sang-hoon und drei weitere Autoren für ein Drehbuch, nach dem 2006 der Film „Arang“ entstand, der außerhalb Asiens den ebenso nichtssagenden wie falschen Titel „Haunted Village“ bekam: Keine der 93 Film-Minuten spielt in einem „heimgesuchten Dorf“; es spukt nur in einem einzigen, recht kleinen Salzhaus weit außerhalb aller Ortsgrenzen.

Trotz umfassender Modernisierungen der Sage blieben zwei zentrale Motive erhalten: Ein unschuldiges Mädchen wird umgebracht, was vom Gesetz unbemerkt und ungesühnt bleibt, woraufhin sich das Opfer in einen Geist verwandelt. Die Menschen reagieren mit Angst und Schrecken, bis ein mutiger Mann – im Film des 21. Jahrhunderts übernimmt eine Frau den Job – die Furcht überwindet und dem Geist Gerechtigkeit verschafft, woraufhin der Spuk endet.

Kulturell bedingte Verständnisschwierigkeiten

Bei näherer Betrachtung wird deutlich, wieso gleich vier Autoren für die Film-Version dieser Geschichte verantwortlich zeichnen: „Haunted Village“ basiert vielleicht auf einem simplen Plot, doch dieser wird recht komplex und kompliziert entwickelt. Dazu gehören mehrfache Zeitsprünge, die manchmal mehrfach in ein und derselben Szene erfolgen. Der Hang des asiatischen Kinos, eine Geschichte üppig mit Exkursen auszustatten, die den westlichen Zuschauer als Nebensache oder Sackgasse irritieren, trägt dazu bei, „Haunted Village“ in einen Film zu verwandeln, der konzentriert angeschaut werden sollte. Ein solcher Nebenstrang zeichnet So-yeongs Werdegang vom hilflosen Vergewaltigungsopfer zur taffen, nahkampfgestählten, betont burschikosen Polizistin nach. Er trägt immerhin zur Charakterisierung dieser gelungenen Figur bei – und sorgt für einen Epilog: Die Geisterstunde geht weiter, nachdem die eigentliche Handlung ordnungsgemäß abgeschlossen wurde.

Primär dem nicht-asiatischen Zuschauer dürfte die Unkenntnis der koreanischen Sprache zu schaffen machen. Regisseur Ahn lässt handlungsrelevante Informationen immer wieder durch Zeitungsartikel, Wandanschläge oder über PC-Monitore einfließen. Dem genannten Publikum bleiben sie verschlossen; es muss sich diese Hinweise aus dem Geschehen zusammenreimen, denn eine Untertitelung glaubte sich der deutsche Verleih leider sparen zu können.

Rache aus zwei Perspektiven

„Weder Fisch noch Fleisch“ sein, lautet eine Redewendung aus der Reformationszeit. Sie stammt also aus Europa, trifft im übertragenen Sinn aber exakt den Punkt, auf dem „Haunted Village“ weniger ruht als sich zu drehen droht. Ahn Sang-hoon strebt ein ehrgeiziger Ziel an: Er will einen Film, dessen Zuschauer sich ständig fragen müssen, ob die erzählte Geschichte ‚real‘ oder ‚fiktiv‘ ist. Geistert tatsächlich eine Min-jeong durch Seoul oder bilden sich die Heimgesuchten dies – gefördert durch eine Mischung aus Psychopharmaka und schlechtem Gewissen – nur ein? Ahn versucht uns bis zur Epilog in Unsicherheit zu halten. Dieses Balance-Kunststück gelingt ihm nur bedingt, denn zu plakativ ist der Spuk, um nur Einbildung zu sein.

Viel besser funktioniert „Haunted Village“ als Polizei-Thriller. Kunstvoll verzahnen die vier Drehbuchautoren Andeutungen und Hinweise zu einem bizarren aber ausgeklügelten und überzeugenden Komplott, das keine Geister nötig hätte, um spannend zu sein.

Tragik ohne Sentimentalitäten

Wer das asiatische Kino kennt, fürchtet jenes aus hiesiger, also westlicher Sicht schamlose Overacting, das dort Gefühlsregungen hervorheben soll. „Haunted Village“ ist wohltuend frei davon. Emotionen werden nicht plakativ nach außen getragen, sondern von den Schauspielern verkörpert. In der Hauptrolle leistet Song Yun-ah dabei ausgezeichnete Arbeit. So-yeong besticht als starke Frau mit angstvoll verborgener Schwachstelle. In ein Team männlicher Polizisten ist sie vollständig und gleichberechtigt integriert. Als Captain Kim Ban-jeong ist Chung Won-joong (der stark an einen asiatischen Lawrence Fishburn in seiner Rolle als Dr. Langston in „CSI Las Vegas“ erinnert) ein väterlicher Freund, der seiner Untergebenen viel Freiraum lässt: So-yeong hat es nicht nötig, sich in die schützenden Arme eines Mannes zu flüchten. Konsequent erspart Ahn seiner Darstellerin und seinem Publikum entsprechende Szenen.

Die Rolle des Greenhorns und ulkigen Sidekicks scheint zunächst an Hyeon-gi zu gehen. Doch auch hier führt uns Ahn aufs Glatteis. Lee Dong-wook meistert die schwierige Aufgabe einer Doppelrolle, die er bis ins Finale durchhalten muss, um den Aha-Effekt zu gewährleisten. Trügerisch harmlos wirken auch die dem Gesetz durch die Maschen geschlüpften Vergewaltiger, die längst zu erfolgreichen Männern herangewachsen sind. Sie haben keine Lust, für ein von ihnen längst ad acta gelegtes Verbrechen zur Verantwortung gezogen zu werden und sind somit charakterlich alles andere als gereift.

Kennen wir diese Geschichte nicht irgendwoher?

Während Plot und Umsetzung für sich betrachtet überzeugen, kann Ahn dennoch nicht verbergen, dass er sich nicht nur von einer alten Sage, sondern auch von modernen Kino-Blockbustern ‚inspirieren‘ ließ. Gleich drei Quellen lassen sich nennen, aus denen das Drehbuch-Quartett schöpfte:

- die „Ju-on“-Serie des japanischen Regisseurs Takashi Shimizu (inzwischen von Hollywood als „The Grudge“ adaptiert, amerikanisiert und mehrfach fortgesetzt);
- die „Ringu“-Saga, der es ebenso erging („The Ring“);
- die „Chakushin-ari“-Trilogie, die außerhalb Asiens als „The Call“ veröffentlicht wurde.

Für multimedial die Opfer erreichende, sich selbst kopierende und dabei von einer eingängigen Melodie begleitete Flüche, die auf altem Unrecht gründen, einfallsreich aber erbarmungslos vollstreckt werden und sich nicht wirklich stoppen lassen, gibt es inzwischen eine eigene Nische. Nichtsdestotrotz sind die Ingredienzien nicht originell genug, um ad nauseam recycelt zu werden.

Gute Routine ist besser als schlechte Kunst

Das hohe Tempo, die guten Darsteller und die bisher noch nicht angesprochene Kameraleistung versöhnen mit dem Wissen, wieder einmal mit Aufgewärmten abgespeist zu werden. Chung Kwang-suk stellt sein Instrument ökonomisch in den Dienst der Geschichte. ‚Künstlerische‘ Einstellungen verkneift er sich, ohne dabei in Statik zu verfallen. Natürlich setzt er gern auf den auch und gerade im Asia-Horror beliebten Buh!-Effekt: Nie ist der böse Geist dort, wohin das Opfer gerade schaut, aber sobald es sich umdreht oder nach oben schaut, springt er ihm ins Genick, was von entsprechenden musikalischen Effekten umrahmt wird.

Sehr schön weil gruselig ist die Kulisse des alten, einsamen Salzhauses: nur Holz und Salz und scheinbare Leere, doch man sollte die Schatten nicht vergessen, die vor allem im nun schon mehrfach erwähnten Finaltwist schauerlich Gestalt annehmen! Letztlich kann man Ahn Sang-hoon nicht die mangelhafte Originalität seiner Handlung, sondern seine allzu sichere Hand zum Vorwurf machen: „Haunted Village“ ist ebenso gut als Geistermär wie als Krimi. Beides zusammen schwächt hier leider die Geschichte und damit den ansonsten erfreulichen Gesamteindruck.

DVD-Features

Obwohl „Haunted Village“ ‚nur‘ als DVD und nicht parallel dazu als Blu-ray veröffentlicht wurde, bietet der Film optisch oder akustisch nie Unterhaltung auf Sparflamme. Bild und Ton sind ausgezeichnet, und auch an Zusatzmaterial wurde keineswegs gespart – theoretisch, denn um in den Genuss der in Klammern aufgelisteten Features („Making Of“, Musikvideo, Interviews, Audiokommentar, Infos zum Production Design“, ein Blick „Behind the Scenes“ sowie die beliebten „Deleted Scenes“) zu kommen, muss der Zuschauer zur „2-Disc Special Edition“ greifen, die diesem Rezensenten leider nicht zur Verfügung stand; er griff auf die kostengünstigere Normalausgabe zurück, wurde dafür mit der vollständigen Abwesenheit der genannten Features bestraft und kann daher über diese keine Auskunft geben.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Special Edition)

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Kopfgeld – Perrier’s Bounty

Erstellt von Günther Lietz am 29. März 2011

Die Story dieser kleinen Gaunerkomödie ist schnell erzählt:

Michael McCrea (Cillian Murphy) steht bei Kredithai Darren Perrier (Brendan Gleeson) in der Kreide und hat prompt zwei von dessen Schlägern auf den Fersen. Bleibt Michael zahlungsunfähig, wollen sie ihm die Knochen brechen. Kurz vor Vollendung der Tat erschießt Michaels Nachbarin Brenda (Jodie Whittaker) einen der Schläger – mit Michaels Pistole. Eigentlich wollte sie sich selber erschießen, denn Brendas Freund hat mit ihr Schluss gemacht.

Perrier ist ziemlich wütend und lobt ein Kopfgeld auf Michael aus, der nun mit Brenda auf der Flucht ist. Zudem schließt sich noch Jim McCrea (Jim Broadbent) den Flüchtigen an, Michaels Vater. Jim hat nur noch kurz zu leben und sucht deswegen die Nähe zu Michael …

Die Geschichte ist im Grunde ziemlich abstrus. Da haben wir den verschuldeten Underdog, seinen dem Tode geweihten Vater und die hübsche Nachbarin, die erst noch die wahre Liebe entdecken muss. Im Grund auch schon ziemlich altbacken, aber dennoch gewinnt Regisseur Ian Fitzgibbon aus dieser schwarzen Komödie eine Portion Unterhaltung. Zwar sind die meisten der Elemente bekannt und die Handlung oft vorhersehbar, aber der schwarze Humor, die Ironie und der Zynismus schieben den Film ordentlich an. Somit kommt der Streifen ins Rollen und das Hauptdarsteller-Trio kann den Zuschauer mit auf eine amüsante Fahrt nehmen.

Überhaupt lebt der Film vor allem von seinen Darstellern. Zwar stellt Darren Perrier den Namensgeber für den Film, ist aber im Grunde genommen ein cooler Gangsterboss, der von kleinen Lichtern umgeben ist. Seine schwulen Schläger bilden hier einen tollen Kontrast zur üblichen Gaunervisage und auch den bekannten Klischees über Homosexuelle. Das macht richtig Laune.

„Kopfgeld – Perrier’s Bounty“ ist beileibe kein großes Hollywoodkino, aber seine Darsteller können sich sehen lassen. Sie sind regelrechte Charakterköpfe und hinterlassen einen guten Eindruck. Zwar walzt die Story selbst meist nur langsam dahin, aber schlussendlich gibt das den Schauspielern genau die Zeit, die sie zum Entwickeln der Rolle brauchen. Vor allem die Rolle des Jim McCrea ist mit Jim Broadbent („Harry Potter und der Halbblutprinz“, „Tintenherz“) hervorragend besetzt. Im Grunde stiehlt er seinen beiden Kollegen beinahe die Schau. Aber nur beinahe, denn das Gespann  Cillian Murphy („Inception“, „TRON: Legacy“) und Jodie Whittaker („Die Girls von St. Trinian“, „The Kid“) entwickelt seine ganz eigene Dynamik. Hier wirken vor allem die Gefühle authentisch, regelrecht aus dem Leben gegriffen – trotz der etwas verrückten Konstellation.

Wer eine kleine Komödie mit schwarzem Humor, einer Liebesgeschichte und verdrehten Rollen sucht, der ist mit „Kopfgeld – Perrier’s Bounty“ gut bedient. Die Geschichte macht Spaß und kommt mit frischen Ideen daher. Vor allem die Charakterdarsteller machen den Streifen zu einem kleinen Geheimtipp!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Kopfgeld – Perrier’s Bounty

Originaltitel: Perrier’s Bounty
Produktionsland: UK 2009
Laufzeit: 88 Minuten
Verleiher: Ascot Elite Home Entertainment GmbH
Altersfreigabe: 16
Bildformat: 2.4:1 Widescreen
Extras: Interviews, Featurette, Beim Dreh, Originaltrailer, Trailershow
Untertitel: Deutsch
Ton: Deutsch, DTS; Dolby Digital 5.1, Englisch, Dolby Digital 5.1

Regie: Ian Fitzgibbon
Drehbuch: Mark O’Rowe
Darsteller: Brendan Gleeson, Cillian Murphy, Jim Broadbent

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Burning Bright – Tödliche Gefahr

Erstellt von Michael Drewniok am 24. Februar 2011

Burning Bright – Tödliche Gefahr

Originaltitel: Burning Bright (USA 2010)
Regie: Carlos Brooks
Drehbuch: Christine Coyle Johnson u. Julie Prendiville Roux
Kamera: Michael McDonough
Schnitt: Miklos Wright
Musik: Zack Ryan
Darsteller: Briana Evigan (Kelly Taylor), Garret Dillahunt (Johnny Gaveneau), Charlie Tahan (Tom Taylor), Peggy Sheffield (Doctor Orsi), Mary Rachel Dudley (Catherine Taylor), Tom Nowicki (Sheriff), Meat Loaf (Howie) u. a.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 13.01.2011 (Kauf-DVD)
EAN: 4030521721623 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min.
FSK: 16

Titel bei Libri.de
Titel bei Buch24.de
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Das geschieht:

Seit die Mutter sich umgebracht hat, ist Kelly Taylor verantwortlich für ihren jüngeren und autistischen Bruder Tom, denn Stiefvater Johnny hat sich nie für die Geschwister interessiert. Derzeit will er auf dem von seiner Frau geerbten Grundstück einen privaten Safaripark errichten. Das Gelände liegt abgelegen in einem der Südstaaten der USA. Was die Exoten vor dem Frieren bewahrt, muss mit witterungsbedingten Unbilden bezahlt werden: Im Sommer suchen Wirbelstürme die Gegend heim. Gerade erst musste Johnny Handwerker anheuern, die Türen und Fenster des Taylorschen Anwesens mit dicken Holzplatten hurrikanfest abdecken.

Kelly ist abgelenkt. Eigentlich wollte sie Tom in einem Heim abliefern. Dort sollte er zukünftig leben, während sie an der Universität studiert. Doch Johnny hat das Familienkonto geplündert und einen Tiger gekauft. Zu diesem Zeitpunkt weiß Kelly noch nicht, dass der schuftige Stiefvater außerdem hohe Lebensversicherungen auf sie und ihren Bruder abgeschlossen hat. Johnny war deshalb sehr daran gelegen, einen Tiger zu erwerben, der bereits durch Blutgier unangenehm aufgefallen ist. Er lässt die Katze zudem hungern, während er Kelly notdürftig beschwichtigt.

Am nächsten Morgen lässt Johnny den übellaunigen Tiger in das Haus. Sämtliche Ausgänge sind verriegelt und verrammelt. Der Sturm hat Telefon-, Handy- und Internetverbindungen unterbrochen. Niemand wird in absehbarer Zeit bei den Taylors nach dem Rechten sehen. Johnny sitzt in der Dorfkneipe, um abzuwarten und sich ein Alibi zu verschaffen.

Als Kelly erwacht, stellt sie ihre Gefangenschaft zunächst verblüfft fest. Kurz darauf entdeckt sie den Tiger – und dieser sie. Ein wilder Kampf in dem fest verschlossenen Haus bricht los. Dass Tom die Flucht als unwillkommene Störung seines autistischen Tagesablaufs ignoriert, sorgt für weitere Spannungen, während draußen der Sturm immer stärker bläst …

„Tyger, tyger, burning bright / In the forests of the night”

1794 veröffentlichte der Dichter William Blake (1757-1827) „The Tyger“. Es umfasst nur 24 Zeilen und gehört dennoch zu den berühmtesten Gedichten der englischen Poesie, wurde Zeile für Zeile, Wort für Wort, Buchstabe für Buchstabe interpretiert und immer wieder zitiert. Auch in den USA des 21. Jahrhunderts kennen es die Zeitgenossen offenbar noch. Wieso sonst würde ausgerechnet ein Hollywood-B-Movie einen Titel übernehmen, der in keiner Weise ankündigt, was den Zuschauer in den nächsten 90 Minuten erwartet?

Wohl noch erstaunlicher ist, dass „Burning Bright“ ungeachtet der trivialen bzw. primär unterhaltenden Handlung ein grundsätzliches Element der literarischen Vorlage entschlossen aufgreift: Blake stellte sich (und seinen Lesern) 1794 die Frage, was Gott sich gedacht haben mag, als er nicht nur einen perfekten Jäger, den Tiger, schuf, sondern auch und gleichzeitig das friedliche Lamm. Den „Tyger“ stellte er zeitgemäß als erbarmungslose Bestie dar, die er in Satzbau, Wortwahl und Sprachduktus virtuos zum Leben erweckte.

Regisseur Carlos Brooks kann dies in seinem Film nur ansatzweise aufgreifen. Der Nachspann bietet dann – wiederum niemals aufdringlich – eine Visualisierung von Blakes Gedicht, wobei Kelly Taylor die Rolle des Lammes übernimmt. Deutlicher als bisher wird die Diskrepanz zwischen Jäger und Opfer verdeutlicht: Der Tiger ist eine Naturgewalt, der Kelly – zumal durch einen Tropensturm und die Sorge um den Bruder zusätzlich gehandicapt – eigentlich nicht gewachsen ist.

Maus mit der Katze in der Falle

Freilich setzte die Realität einer direkten Gegenüberstellung von Mensch und Großkatze Grenzen. Während Briana Evigan den literarischen Subtext berücksichtigen konnte, dürften Katie, Schicka und Kismet – diese drei Tiger lösten sich vor der Kamera in der Rolle des bösen Menschenfressers ab – dieser Herausforderung nicht gewachsen sein. Zwar geht „Burning Bright“ in der Konfrontation zwischen den Arten – der Tricktechnik sei Dank – ein erstaunliches Stück weiter als ältere ‚Tierfilme‘. Tiger können trotzdem nicht schauspielern. Deshalb sehen wir ziemlich oft zwar eine Raubkatze im Inneren eines Hauses, aber eben eine Raubkatze, die neugierig oder ein bisschen verwirrt aber keinesfalls hungrig oder wütend ist.

Hier konnten Brooks, sein Team und seine Darsteller ansetzen und eingreifen. „Burning Bright“ beschränkt sich weder auf das simple Abbilden des Geschehens noch auf (digitale) Spezialeffekte, die nachträglich richten sollen, was die Wirklichkeit nicht hergibt. Die Kamera selbst ist im guten, alten Hollywood-Stil vor Ort und im Studio ständig in Bewegung. Jetzt zeigt sie Kelly und Tom oder den Tiger, im nächsten Moment übernimmt sie eine dieser Rollen, und wir ‚sind‘ beispielsweise Kelly, die ihren Kopf Zentimeter für Zentimeter aus einer Deckung streckt, um nach dem Tiger auszuspähen. Dann wieder sehen wir Kelly und Tom durch die Augen ihres Jägers.

Wo ist wer gerade? Diese Frage ist lebenswichtig, die daraus resultierende Ungewissheit spannender als jene Momente, in denen es zur direkten Konfrontation kommt. Mensch gegen Bestie – Geist gegen Körper: Auf dieses elementare Niveau läuft die Handlung hinaus. Obwohl sie sich im Inneren eines Hauses abspielt, greift sie die uralte, im „Reptilhirn“ des Menschen durchaus noch präsente Erinnerung an Zeiten auf, in denen solche Kämpfe auf Leben und Tod in freier Natur stattfanden.

Auf den Kern reduziert aber unterhaltsam

Solche wuchtigen Hintersinnigkeiten werden dem ‚nur‘ am eigentlichen Geschehen interessierten Zuschauer nie unter die Nase gerieben. „Burning Bright“ ist ganz sicher kein existenzielles Drama, sondern ein gutes, d. h. schnörkelfrei inszeniertes, spannendes und rasantes B-Movie. Die Weichen sind schnell gestellt; man sollte in den ersten, scheinbar ereignisarmen Minuten auf Handlungen und Worte achten. Oft werden sie später buchstäblich lebenswichtig.

Wie überlebt man die Konfrontation mit einem Tier, das für die Jagd praktisch geschaffen wurde? Die Drehbuchautoren Johnson und Roux achten darauf, es selten zur direkten Konfrontation kommen zu lassen. Kelly könnte sie nur unter Missachtung jenes realistischen Tenors gewinnen, mit dem „Burning Bright“ unterlegt ist. So bleibt der Tiger Jäger, und seine Opfer verwenden ihren Verstand darauf, ihm zu entkommen.

Aus dem Inneren des zur Außenwelt verschlossenen Hauses wurden sorgfältig sämtliche Instrumenten und Waffen entfernt, mit denen ein Tiger außer Gefecht gesetzt werden könnte. Dass Fleischmesser oder ein Revolver dazu keinesfalls taugen, führt uns Brooks deutlich vor Augen. In diesem Film gibt es keine Hintertürchen, keine Wunderwaffen, keine Mutation der Heldin zur katzenkillenden Amazone.

„Looked Room Action Mystery“

„Burning Bright“ ist über die meiste Laufzeit ein Kammerspiel mit zwei (menschlichen) Darstellern. Während Charlie Tahan vor allem mimisch reduziert den jugendlichen Autisten gibt, muss Briana Evigan jederzeit nicht nur körperlich präsent sein. Brooks hat mit ihr eine gute Wahl getroffen. Evigan ist eine junge, hübsche und schlanke aber nicht zerbrechliche Frau ‚von nebenan‘. Sie überzeugt, wenn sie die Nase voll hat von der ständigen Fürsorge für ihren Bruder, sie überzeugt, wenn sie ihrem aalglatten Stiefvater zunächst nicht gewachsen ist, und sie überzeugt, wenn sie sich mit Fingern und Zehen in die glatte Innenwand eines Wäscheschachtes krallt, weil unter ihr ein Tiger brüllt und mit der Tatze nach ihr angelt.

Selbstverständlich bietet „Burning Bright“ das Klischee von der Heldin, die in der Krise reift, Entscheidungen trifft und Verantwortung übernimmt. Auch Evigan kann solche Routinen nicht überspielen, aber sie macht sie erträglich. Dies gilt auch für ihr Outfit: ‚Zufällig‘ trägt sie nur ein knappes Top und kurze Shorts, als seltsame Geräusche sie aus dem Badezimmer locken; auf der Flucht vor dem Tiger bleibt ihr später verständlicherweise keine Zeit zum Umzuziehen. Immerhin verstärkt solche Textilarmut den Eindruck verletzlicher Unterlegenheit.

In der Rolle des lumpigen Stiefvaters leistet Garret Dillahunt einen guten Job. Er ist kein eiskalter Killer, sondern ein Egoist, der zum Gelegenheitsmörder wird und sich dabei sehr leid tut. Als eine Art Bote des Teufels fungiert – ohne im Vor- oder Abspann genannt zu werden – Marvin Lee Aday alias „Meat Loaf“. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er nicht nur Sänger, sondern auch Schauspieler; ein fleißiger und durchaus talentierter Mann, der hier den fiesen, gerade in seiner Ruhe besonders bedrohlich wirkenden und Johnny sogleich durchschauenden Tiger-Verkäufer gibt, der die eigentliche Handlung ins Rollen bringt.

Sparen aber nicht knausern

Sicherlich ist „Burning Bright“ kein ‚teurer‘ Film à la „Avatar“ oder „Inception“. Auf der anderen Seite ist dies keine dieser Billig-Produktionen, mit denen z. B. die Mockbuster der Firma „Asylum“ ihr Publikum vergraulen. Hier wurde Geld nicht nur effizient in die Hand genommen, es stand außerdem in ausreichender Menge zur Verfügung. „Burning Bright“ belegt jederzeit sauberes Filmhandwerk.

Paradoxerweise wird dies vor allem dort – nicht – sichtbar, wo (überwiegend klassische) Filmtricks zum Einsatz kamen. Die Handlung spielt während eines Hurrikans, und mit dem werden wir überzeugend konfrontiert, als es Kelly zwischenzeitlich kurz gelingt, das Haus zu verlassen. Wesentlich härter mussten die Effektkünstler arbeiten, um die Darsteller dem Tiger dicht auf die Haut rücken zu lassen, ohne dabei zu offenbaren, dass Mensch und Tier während ihrer Szenen die Kulisse gar nicht teilten. Unmöglich dürfte es sicher auch sein, einen Tiger dazu zu bringen, durch eine Glasscheibe zu springen. Diese und andere optische Herausforderungen wurden zufriedenstellend gemeistert.

Wem diese Besprechung bisher zu enthusiastisch klang, kann vielleicht damit besänftigt werden, dass die Handlungslogik nicht thematisiert wurde. Unter diesen Aspekt ließe sich eine lange Liste ernüchternder Fragwürdigkeiten anschließen. (Wieso frisst der Tiger alle von Kelly mit Beruhigungspillen gespickten Hackfleischbällchen und wird trotzdem niemals müde? Ist ein Tiger schlau genug, gezielt ein Handy mit der Pranke zu zerdrücken? Welche Lebensversicherung würde glauben, dass gleich zwei Klienten von einem Tiger gefressen wurden?)

Auch das etwas abrupte, wenig spektakuläre (oder gerade deshalb überraschende?) Ende enttäuscht; hier ragt der bisher so stilsicher aufgebaute Spannungsbogen plötzlich ins Leere. Dessen ungeachtet gehört „Burning Bright“ zu jenen kurzweiligen Filmen, die mit und trotz ihrer Drehbuchlücken und -Bocksprünge gut genug funktionieren, um solche Kritik ignorieren zu lassen.

DVD-Features

In dem Wissen, welcher Filmmüll heutzutage auf Blu-ray gepresst wird, ist es doppelt schändlich, dass „Burning Bright“ nur als DVD erscheint. Bild und Ton sind gut, die Ausstattung bleibt karg. Es gibt nicht einmal Untertitel und natürlich keinen Audiokommentar, obwohl dieser Film ahnen lässt, dass Carlos Brooks uns Interessantes zu sagen hätte.

Die Extras beschränken sich auf ein ca. zehnminütiges „Making Of“, das zwischen den wie üblich aussageschwachen und werbungsstarken ‚Interviews‘ einige Bilder von den Dreharbeiten zeigt. Wesentlich interessanter aber ebenso kurz ist die Featurette „Forces of Nature“, die von den Schwierigkeiten berichtet, nervöse Schauspieler und dickköpfige Tiger so vor die Kamera zu bringen, dass die einen nicht gefressen werden und die anderen wenigstens manchmal tun, was ihnen angeordnet wird.

Außerdem liest Briana Evigan uns Blakes Gedicht vom „Tyger“ vor.

[md]

Titel bei Libri.de

Titel bei Buch24.de
Titel bei Booklooker.de

Abgelegt unter Action, Familie, Horror, Kriminalfilm, Thriller | Keine Kommentare »

Bruchreif

Erstellt von Galaxykarl am 26. Oktober 2010

Bruchreif

USA (2008)
Regie: Peter Hewitt
Drehbuch: Michael Lesieur
ASIN: B003IUROJO
Darsteller: Chrisopher Walker, Morgan Freeman, William H. Macy
FSK: Freigegeben ab 12
Studio: Ascot Elite Entertaiment
Erscheinungstermin: 19.08.2010
Spieldauer: 87 Minuten
Sprachen: Deutsch/ Englisch
Tonformat: DTS 5.1,Dolby Digital 5.1
Untertitel: Deutsch
Bildformat: 1:2,35/16:9
Extras: Making of, Behind the Scenes, Interview, Trailer

Titel erhältlich bei amazon.de

Mal Hand aufs Herz – gibt es etwas Langweiligeres als ein Tag im Museum? Schon die Erwähnung des Ortes weckt in vielen heimlich den „Gäääääähn“ – Reflex aus. Nun dieser Film wird sie etwas Besseres lehren.

Er zeigt drei in die Tage gekommene Mitarbeiter des Museums, von eben jenen Menschen, die den ganzen Tag vor den gleichen Werken verharren müssen. Aber langweilig ist diesen Herren wirklich nicht! Alle drei teilen sich eine große und geheime Leidenschaft zu besonderen Ausstellungstücken dieser Sammlung. Ihr festgefahrener Alltag wird durch die Nachricht erschüttert, dass die geliebten Exponate weit weg, übers Meer nach Dänemark, verfrachtet werden sollten, und sie diese womöglich nie mehr sehen werden. Unter dieser ernsthaften Bedrohung verbinden sich die drei und schmieden Pläne, wie sie ihre Schätze retten könnten. So weckt die Liebe zur Kunst in den korrekten Bürgern eine kriminelle Ader.

Was danach geschah, wie die „Logik des Verbrechens“ bei den kleinen Menschen funktioniert, kann man nur mit Staunen bewundern. Natürlich werden schnell Pläne entwickelt – zutreffender wäre eher „gebastelt“ - und genau so schnell wieder verworfen. Die Art, wie sie ausprobiert werden, lässt kein Auge trocken bleiben. Manche der Vorgehensweisen der Möchtegern-Ganoven entsprechen nicht der Notwendigkeit, sondern bedienen die Klischees, nach dem Motto: Wenn schon, denn schon. Nur leider funktionieren die Heldentaten und Stands am besten in der Vorstellung der verzweifelten Männer.

Der Film besticht auch durch seine brillante Besetzung. Drei Größen der Hollywood-Leinwand: Christopher Walker, Morgen Freeman und William H. Macy versprechen eine gute Unterhaltung, und so ist es auch. Jeder der Herren zeigt sich als ein ausgeprägter Charakter: So haben wir hier einen Skeptiker, einen Denker und einen kriegsverliebten Mann. Zusammen bilden sie eine unglaubliche – und wie der Film zeigt – auch gefährliche Mischung. Die Ganoven haben Spaß an ihrem Vorhaben und auch der Zuschauer ist voll auf ihrer Seite. Man kann einfach nicht anders.

Ob es geling die geliebten Kunstwerke zu retten, soll nicht verraten werden. Es ist letztendlich auch nicht so wichtig, denn der Weg ist hier das Ziel und das macht jeden Moment dieses Filmes so liebenswert. Ein Vergnügen für die ganze Familie.

Copyright © 2010 by Bernadette Czech

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From Paris with Love

Erstellt von Günther Lietz am 4. Oktober 2010

From Paris with Love

Original: From Paris with Love (Frankreich 2010)
Originalsprache: Englisch, Französisch, Russisch
Länge: 93 Minuten
Altersfreigabe: FSK 16

Regie: Pierre Morel
Drehbuch: Adi Hasak
Produktion: Virginie Besson-Silla
Musik: David Buckley
Kamera: Michel Abramovicz
Schnitt: Frederic Thoraval

Erscheinungstermin Blu-ray: 27. August 2010
Studio: Universum Film GmbH
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Bildseitenformat: 16:9 – 2.35:1

Darsteller: John Travolta (Charlie Wax), Jonathan Rhys Meyers (James Reese), Kasia Smutniak (Caroline), Richard Durden (Botschafter Bennuington), Yin Bing (M. Wong), Amber Rose Revah (Nichole)

http://www.frompariswithlove.de/

Luc Besson zeigt sich für die Story dieses französischen Action-Thrillers verantwortlich, in dem John Travolta und Jonathan Rhys Meyers die Hauptrollen spielen. Das Drehbuch stammt allerdings von Adi Hasak und Regie führte Pierre Morel. Es ist also weniger Luc Besson im Film als das Cover glauben macht. Allerdings versucht Morel seinem und dem Stil des Meisters gerecht zu werden. Zudem ist Bessons Ehefrau Virginie Besson-Silla für die Produktion verantwortlich.

Die Handlung des Films dreht sich um den jungen CIA-Agenten James Reese (Jonathan Rhys Meyers), der als persönlicher Assistent des Botschafters (Richard Durden) in Paris stationiert ist. Reese ist ein etwas biederer Geselle, hochintelligent und will Karriere machen. Derzeit ist er jedoch mit Kleinkram beauftragt, hat aber dadurch genug Zeit, um seine Beziehung zu Freundin Caroline (Kasia Smutniak) zu pflegen. Eine Abends erreicht Reese jedoch ein Anruf. Er soll den Agenten Charlie Wax (John Travolta) beim Flughafenzoll raushauen und unterstützen. Das ist gleichzeitig die ersehnte Beförderung.

Reese macht sich sofort an die Arbeit und wird mit einem knallharten Typen konfrontiert, dem die Worte Kompromiss und Pause unbekannt sind. Wax ist Profi ohne Skrupel und verfolgt seinen Auftrag mit jeglicher Härte. Reese von nun an stets zur Seite. Der glaubt zuerst an einen Racheakt, dann sind es Terroristen und schlussendlich wirbelt Wax das Leben des jungen Agenten vollkommen durcheinander …

Paris, ein knallharter Amerikaner und laute Ballerorgien nach einer Story von Luc Besson, unter der Regie von Pierre Morel. Das erinnert frappierend an „96 Hours“ aus dem Jahre 2008. Nun, gerade mal zwei Jahre später, wärmen Besson und Morel das Thema erneut auf. Wenigstens versuchen sie sich an einer neuen Umsetzung, die mit einer guten Portion Ironie daherkommt. Das liegt vor allem an der bittersüßen Darstellung von Charlie Wax durch John Travolta. Betont lässig und auffällig spielt Travolta den lauten CIA-Agenten Wax, stets kurz davor die Rolle zu überziehen. Aber Travolta gelingt die Balance zwischen Ernst und Trash. Seine Figur bleibt, trotz eines pulpigen Auftretens, auf dem Boden. Travoltas Spiel hat allerdings seinen Preis, denn neben solch einer schillernden Person verblasst die Figur des James Reese einfach. Obwohl Jonathan Rhys Meyers eine hervorragende Leistung bringt, rückt er in den Hintergrund sobald Travolta auftritt.

Angesichts von Meyers gelungenem Spiel – vor allem im Dialog mit Kasia Smutniak als Caroline – ist das sehr bedauerlich, aber gleichzeitig auch zu verzeihen. Denn vor allem die Figur des Charlie Wax ist es, die den Film aus dem Mittelmaß herauskatapultiert und zu einem humorvollen Actionkracher macht. Uns es kracht gewaltig, was vor allem an den gelungenen Schusssequenzen liegt, die den Film ausmachen. Hier zeigt sich, dass Morel sein Handwerk versteht und im Sinne Luc Bessons agiert. Wo „96 Hours“ mit Ernsthaftigkeit an Glaubwürdigkeit verliert, kauft „From Paris with Love“ mit einem Augenzwinkern dem älteren Film den Schneid ab. Allerdings haben beide Filme zum Ende hin das Gleiche Problem: Die Handlung verliert an Glaubwürdigkeit.

Beginnt „From Paris with Love“ mit starken Szenen ohne großartige Motivation, bietet einfach nur Handlung ohne erkennbaren Sinn und macht neugierig auf das erhellende Finale, schwenkt der Plot plötzlich um und die altbackene Terroristenidee wird aus der Schublade gezaubert. Und sobald das geschieht, wird es langweilig. Einen persönlichen Rachefeldzug Wax’ wäre leicht zu akzeptieren, würde nur wenig Substanz nehmen. Aber die an den Haaren herbeigezogene Wendung mit dazugehöriger Klischeemarmelade verpassen dem Film einen bitteren Beigeschmack. Der plötzlich aufkommende Ernst des Films ruiniert die bis dahin aufgebaute lockere Atmosphäre und kickt den Streifen wieder zurück ins Mittelmaß. Der plötzliche moralische Anspruch ist einfach fehl am Platz.

Jedoch ist und bleibt „From Paris with Love“ oberes Mittelmaß und ist eine spannende und kurzweilige Unterhaltung. Die Action ist gelungen und es gibt schöne Running Gags (wortwörtlich, obwohl eine Vase von Bedeutung ist) und kleine Anspielungen auf andere Filme, unter anderem „Nikita“, „Pulp Fiction“ und „From Russia with Love“. Cameoauftritte von Luc Besson und Kelly Preston gehören ebenfalls dazu.

Die Blu-ray-Fassung des Films kann sich sehen lassen. Es liegen die deutsche und englische Tonspur in DTS-HD 5.1 vor. Mit dem richtigen Equipment gibt es also ordentlich was auf die Ohren. Dabei ist zu bemerken, dass die Synchronisation sehr gelungen ist. Das liegt vor allem daran, dass Travoltas deutsche Stimme einfach männlicher, kerniger klingt als Mister Travolta im Original. Dadurch wirkt Charlie Wax sofort um einiges markanter.

Das Bild ist ebenfalls hervorragend und lässt keine Wünsche offen. Ein guter Kontrast, ausgezeichnete Schärfe und prächtige Farben. Hier gibt es keine Meckereien.

Das Bonusmaterial ist dagegen leidlich. Es gibt die üblichen Interviews, die allerdings mehr Promo als Einblicke sind. Dazu ein einfaches Making of und weitere Szenen. Zusätzlich BD-Live Features für Leute, deren Player Onlinefähig ist, Trailer und ein Musikclip. Da die Blu-ray ein Wendecover hat, kann das plumpe FSK-Logo nach Innen verschwinden.

Somit wird die BR dem Film gerecht und platziert sich ebenfalls beim oberen Mittelmaß. Kein großer Schlag, aber gelungene Unterhaltung!

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L. A. Heat – Staffel 1

Erstellt von Günther Lietz am 2. Oktober 2010

L. A. Heat – Staffel 1

Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo), Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bildseitenformat: 4:3
Anzahl Disks: 7
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Erscheinungstermin: 20. August 2010
Produktionsjahr: 1999
Spieldauer: 1105 Minuten

Regisseure: Richard Pepin, Cole S. McKay, Paul G. Volk, Jerry P. Jacobs, Richard W. Munchkin
Komponist: Alex Wilkinson, Louis Febré, John Sponsler, Stephen Edwards
Darsteller: Wolf Larson, Steven Williams, Renee Tenison, Dawn Radenbaugh

Ex-Boxer August Brooks (Steven Williams) ist als Polizist in L.A. tätig. Er ist ein ausgeglichener und familiärer Kerl, sehr bodenständig. Ihm wird der zwar charmante, aber auch unkonventionelle Chester „Chase“ McDonald (Wolf Larson) als neuer Partner zugewiesen. Beide Männer sind grundverschieden, doch um dem Gesetz Geltung zu verschaffen, raufen sie sich zusammen. Das ungewöhnliche Paar setzt dabei auf unkonventionelle Methoden.

Rasante Verfolgungsjagden, laute Explosionen und wilde Schießereien sind dabei an der Tagesordnung. So stöbern August und Chase in den miesen Gegenden ebenso herum, wie in der Welt der Hochfinanz oder den Villen der Reichen. Niemand ist vor ihrem gnadenlosen Griff sicher. Dabei spielen auch die jeweiligen Lebensgefährtinnen der beiden Männer eine wichtige Rolle. Kendra Brooks (Renee Tenison) und Jodi Miller (Dawn Radenbaugh) sind zwei heiße Frauen, die sich gut in dieser actionbetonten Männerwelt zu beweisen wissen.

„L. A. Heat“ war eine Kultserie, die es wegen knapper Finanzen des Studios nur auf zwei Staffeln brachte. Kurioserweise lief die Serie zuerst in Deutschland und Übersee hervorragend an – auch in arabischsprachigen Ländern – und kam danach erst in den USA zu Ehren. In Deutschland kann sogar mit gutem Gewissen behauptet werden, „Alarm für Cobra 11“ sei ein schlechtes Remake von „L.A. Heat“.

Nun, 2010, bringt Edel die Kultserie auf DVD in deutsche Heimkinos. Dabei kommen Bild und Ton natürlich in antiquierter Qualität daher. Das bedeutet: Nur Dolby Digital 2.0 und ein Bild im TV-Format. Die Serie kann technisch also kaum mit modernen Produktionen mithalten, aber gerade das macht den Charme von „L.A. Heat“ aus.

Auf sieben DVDs finden sich die sechsundzwanzig Episoden der ersten Staffel. Das ist eine geballte Ladung an Männerfreundschaft, die mit sich mit lautem Getöse einen Weg durch die Unterwelt bahnt. Die Action in der Serie ist spektakulär, wenn auch manchmal aus dem Archiv. Das fällt jedoch kaum auf. Natürlich entspricht auch die Dramaturgie den 90er Jahren. Somit wirkt „L.A. Heat“ nach heutigen Verhältnissen überzogen. Aber genau das gehört ebenfalls zum Charme der Serie. Allein die ersten Minuten der Pilotfolge zeigen das deutlich auf, wenn Chase mit schwerem Gerät locker daherkommt und das Feuer eröffnet, die bösen Buben mit einem gepanzerten Vehikel antworten und unter lautem Getöse in die Luft fliegen. „L.A. Heat“ folgt ganz alleine seiner eigenen Serienlogik. Eine ausgeklügelte Handlung ist Mangelware.

Das ist auch vollkommen unnötig, denn „L.A. Heat“ bietet einfach nur gute Actionunterhaltung für den heimischen Bildschirm, weitgehend überzogen, aber sehr unterhaltsam. Auch die unterschiedlichen Hauptcharaktere machen großen Spaß, zudem Wolf Larson und Steven Williams einfach kernige Kerle sind, die mit dem nötigen Ernst und trotzdem einer guten Portion Humor agieren. Das macht einfach großen Spaß.

Die DVD-Box sieht sehr schick aus, leider gibt es kein Wendecover. Es gibt auch keine Extras, dafür aber wenigstens die deutsche und englische Tonspur. Beide sind gut anzuhören – das gilt für Sprache und Geräuscheffekte. Auch das Bild ist gut und hat nur kleine Fehler, die einfach dem Alter der Serie geschuldet sind.

Freunde einer guten Actionserie sind mit „L. A. Heat – Staffel 1“ gut bedient. Allerdings ist es auch ratsam einen Sinn für Nostalgie zu haben, da alleine die Filmtechnik der 90er Jahre und der Gegenwart gewaltig auseinanderklaffen. Trotzdem ist und bleibt „L.A. Heat“ einfach Kult!

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Der Preis des Verbrechens

Erstellt von Günther Lietz am 9. Juni 2010

Der Preis des Verbrechens
Volume 1

OT: Trial and Retribution
England 1997/1998

Format: PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Region: Alle Regionen
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
Anzahl Disks: 4
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH

Regie: Aisling Walsh
Besetzung: David Hayman, Kate Buffery, Rhys Ifans, Iain Glen, Dorian Lough

Nach mehr als zehn Jahren erscheint „Der Preis der Verbrechens“ („Trial and Retribution“) endlich auf DVD, nachdem die Serie erst auf Spartensendern und schlussendlich auch auf ZDF seine Fans fand …

„Der Preis des Verbrechens – Volume 1“ beinhaltet zwei Kriminalfälle auf vier DVDs, mit einer Gesamtlaufzeit von knapp etwas über vierhundert Minuten. Es handelt sich um die Episoden „Tod eines Mädchens“ und „Herr der Fliegen“. Letzterer Fall sorgt auch für ein FSK von 16, während ersterer Fall nur mit einem FSK von 12 eingestuft wird.

In „Tod eines Mädchens“ wird ein fünfjähriges Mädchen erst vermisst und dann tot aufgefunden. Zuerst steht der gewalttätige Stiefvater in Verdacht, aber schnell schießt sich die Polizei auf den Alkoholiker Michael Dunn ein. Die Ermittlungen zielen auch schnell darauf ab, entsprechende Beweise zu liefern, die Dunn belasten. Für dessen engagierte Anwältin kein leichtes Unterfangen, sich gegen die Ermittlungsbehörden zu stemmen …

„Der Preis des Verbrechens“ ist keine Serie die mit High-End-Technik arbeitet oder besonders coole oder gar clevere Ermittler ins Rennen schickt. Nein! Die Serie lebt von und durch ihre bodenständigen Figuren, die allzu menschlich sind. Sie haben Fehler, Macken, Kanten und Ängste. Das gilt auch für das Ermittlerduo DCS (Chief Superintendent) Michael Walker und DI (Inspector) Pat North, gespielt von David Hayman und Kate Buffery. Vor allem Haymans Rolle wirkt sehr unsympathisch und sein Erscheinen in der Abteilung wird von den Kollegen auch damit kommentiert, dass er einfach mies in seinem Job sei. Die Ermittlungen übernimmt also kein begabter oder besonders kluger, sondern ein ganz normaler Mann. Zu allem Übel ist er klein, hat eine Halbglatze und raucht Kette.

Seine Partnerin schlägt ins gleiche Kerbholz. Ebenfalls ein normales Arbeitstier, hochgewachsen, hager und schon in die Jahre gekommen mit einem leicht herben Aussehen. Eben ganz normale Leute. Und auch die Ermittlungsarbeiten gehen ganz normal vor sich, werden strikt nach Lehrbuch durchgeführt. Dabei kommt es zu Fehlern, Peinlichkeiten und Irrtümern.

So auch in diesem Fall, in dem Außenseiter Michael Dunn (Rhys Ifans) im Vorfeld verurteilt wird. Die Annahme er sei der Täter führt dazu, dass die Polizei ihre Suche entsprechend ausrichtet und das Umfeld sich ebenfalls entsprechend verhät. Ifans („Vanity Fair“, „Little Nicky“) erzeugt mit seinem Spiel genau die richtige Portion Angst und Mitleid beim Zuschauer. Auf der einen Seite ist er ein kranker Psychopath, auf der anderen Seite das Opfer seiner Vergangenheit und der Gesellschaft.

Die Spannung wird in „Tod eines Mädchens“ vor allem durch die sozialen Differenzen aufgebaut. Zudem werden Geschichten abseits der Haupthandlung erzählt. So wird auf das Leben der Opferfamilie eingegangen oder auch auf ein Trauma, das einer der Polizisten durch den Leichenfund erlitt.

In „Der Herr der Fliegen“ wird die Serie ein ganzes Stück brutaler. Ein Serienmörder lockt in der Nacht Huren in seinen Lieferwagen, foltert die Frauen bestialisch, schneidet sich Andenken vom Körper und lässt seine Opfer dann tot zurück. Doch eine der Frauen überlebt und kann den Täter identifizieren. Für Walker und North ein Glücksfall.

Der vermeintliche Täter – Damon Morton (Iain Glen) – wird gestellt und verhört. Doch er weist jegliche Schuld von sich. Stattdessen behaupten drei Freunde von ihm sie seien die Mörder und legen umfangreiche Geständnisse ab. Zudem gibt es gleich zwei Frauen, die Damon ein Alibi geben. Die Polizei ist nun gänzlich überfordert …

Diesmal arbeitet die Episode mit sehr detaillierten und blutigen Gewaltdarstellungen. Und erneut ist es eine Milieustudie, die hier stattfindet und bis in den Bereich des Sadomasochismus hineinreicht. Kein Stoff für zarte Gemüter und entsprechend hoch fällt auch die FSK-Einstufung aus.

Drei Männer die ein Geständnis ablegen, zwei Frauen die mit einem Alibi aufwarten und ein charismatischer Kerl, der offensichtlich der Täter ist und das Spiel mit der Polizei genießt. Iain Glen („Doctor Who“ 2010, „Resident Evil: Extinction“, „Beautiful Creatures“) ist der perfekte Gegenpol, um die Handlung im Gleichgewicht zu halten. An seiner Schuld besteht kein Zweifel und die Spannung baut sich dadurch auf, zu erleben ob und wie Morton überführt wird. Und auch hier steht ganz normale Polizeiarbeit im Mittelpunkt.

Beide Folgen sind sehr eindringlich gestaltet, wirken ruhig und durchdacht. Es gibt zwar kleinere Schock- und Ekelmomente, aber keinesfalls Effekthascherei. Das macht den trockenen, aber gelungenen Charme von „Der Preis des Verbrechens“ aus. Die leicht bodenständige Aufmachung gleitet manchmal jedoch ins Biedere und Langweilige ab. Es gibt Einstellungen in denen einfach nur Stillstand herrscht. Gelegentlich trägt das zur Atmosphäre bei, hier wirkt es manchmal wie zeitschinden.

Trotz kleiner Schwächen ist „Der Preis des Verbrechens – Volume 1“ hervorragende Kriminalunterhaltung. Auch die deutsche Bearbeitung ist gut. Leider gibt es kein Bonusmaterial, was sehr bedauerlich ist.

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In meinem Himmel

Erstellt von Günther Lietz am 25. Februar 2010

In meinem HimmelIn meinem Himmel

Originaltitel: The Lovely Bones
Produktionsland: Vereinigte Staaten
Erscheinungsjahr: 2009
Länge: 135 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Peter Jackson
Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Roman: Alice Sebold

Produktion: Peter Jackson, Carolynne Cunningham, Fran Walsh
Musik: Brian Eno
Kamera: Andrew Lesnie
Schnitt: Jabez Olssen

Darsteller: Saoirse Ronan (Susie Salmon), Mark Wahlberg (Jack Salmon), Rachel Weisz (Abigail Salmon), Stanley Tucci (George Harvey), Susan Sarandon (Grandma Lynn), Jake Abel (Brian Nelson), Rose McIver (Lindsey Salmon)

Mit „In meinem Himmel“ hat sich der bekannte Regisseur Peter Jackson (“The Frighteners”, “Der Herr der Ringe”, “Heavenly Creatures”) an die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder von Alice Sebold gewagt. Der Name Jackson wiegt dabei schwer und seine letzten Projekte lassen ein weiteres filmisches Schwergewicht erwarten. Vor allem die Herausforderung so schwerer Themen wie Vergewaltigung, Kindesmord und Trauer zu bewältigen werfen die Frage auf, wie Peter Jackson das alles in einem Film unterbringen will.

Anfang der siebziger Jahre lebt Susie Salmon (Saoirse Ronan) in einer kleinen amerikanischen Gemeinde. Alles ist friedlich und die erste große Liebe hat die vierzehnjährige in ihren Bann geschlagen. Doch bevor Susie sich mit ihrem großen Schwarm trifft, stößt sie nach der Schule mit Nachbar George Harvey (Stanley Tucci) zusammen. Der hat schon länger ein Auge auf das Mädchen geworfen und eine Kinderfalle gebaut. Da lockt er Susie hinein und bringt sie bei ihrem Fluchtversuch um.

Susie ist nun in einer Zwischenwelt gefangen. Sie kann ihre Lieben daheim beobachten, aber keinen Einfluss nehmen. In ihrem Himmel lernt sie ein Mädchen namens Holly Golightly (Holly Golightly ist der Name einer Musikerin und auch der Name der Hauptfigur in Truman Capotes Roman “Frühstück bei Tiffany”) kennen, erfährt mehr über diese neue und farbige Welt, erfährt auch mehr über ihren Mörder.

Der kommt in der Realität nämlich ungeschoren davon, während Susies Familie an dem Drama zu zerbrechen droht. Vater Jack (Mark Wahlberg) verdächtigt alle Menschen in seinem Umfeld, Mutter Abigail (Rachel Weisz) nimmt Reißaus in die Weinberge und nur Oma Lynn (Susan Sarandon) hält die Stellung. Und Harvey späht schon sein nächstes Opfer aus: Susies Schwester Lindsey (Rose McIver) …

Peter Jacksons Verfilmung nur an der Romanvorlage zu messen, wäre sicherlich unfair. Immerhin konzentriert sich das Buch auf die Vergewaltigung und den Mord an Susie, beschäftigt sich mit der Trauerbewältigung und der Charakterentwicklung. Alice Sebold spricht die Emotionen ihrer Leser an, schildert eindringlich das Grauen und den Umgang damit. Aber Jackson hat sich selbst den Roman ausgesucht und so muss er sich wenigstens den Vergleich mit den Kernthemen gefallen lassen. Und hier scheitert der Regisseur kläglich.

Das sich ein Film zwangsweise wenig auf die Charakterentwicklung konzentrieren kann ist verständlich. Die Zeit ist sehr bemessen, doch Jacksons Figuren werden kaum behandelt. Einzig Susie erfährt eine Entwicklung, alle anderen Figuren werden einfach abgehandelt. Kommt es zu Szenen, in denen es in die Tiefe gehen könnte, bleiben diese gewollt kurz und Peter Jackson wechselt zu einem opulenten Bild. Mark Wahlberg und Rachel Weisz bekommen gar keine Möglichkeit sich zu profilieren. Einzig Susan Sarandon bekommt Zeit zum Spielen eingeräumt. Diese wird dann genutzt um ein paar Lacher zu ernten und dem Film weiter die Ernsthaftigkeit zu entziehen.

Die tiefgehenden Gefühle und das Drama des Romans einzufangen misslingt dem Film. Jackson blendet die Vergewaltigung Susies vollständig aus, reißt den Mord nur an, verlässt sich auf einige Symbole, um darauf hinzuweisen. Gut für all diejenigen, die diese Symbole erkennen und zu deuten wissen. Doch die Bildpracht von Susies Zwischenwelt gibt sich alle Mühe, sämtliche dezente Symbolik zu übertünchen, zu übermalen. Peter Jackson hat in den CGI-Farbeimer gegriffen und sich ordentlich bedient.

Anstatt eines erschütternden Dramas schreibt er nun parallel eine Kriminalgeschichte und eine Mysterystory. Bevor er sich in der einen Geschichte verfängt, wechselt er dann schnell mal hinüber und lässt auch gerne Parallelmontagen ablaufen. Die sind vor allem zu Schluss nervig und deplatziert, wenn Susies Mörder die zerstückelten Reste seines Opfer verschwinden lassen will und gleichzeitig eine unschuldige Kussszene abgehandelt wird. Das wirkt zu keinem Zeitpunkt dramatisch oder traurig, sondern einfach nur aufgesetzt. Zudem entzieht die jeweils eine Einstellung der anderen Einstellung die Substanz.

Personen und Handlung sind bei Jackson also zu vernachlässigen. Selbst Bösewicht, Kinderschänder und Mörder George Harvey wirkt zwar schaurig, aber keineswegs böse. Das wird wohl an FSK 12 liegen. So kommen zwar viele Leute in den Genuss des Films, aber der Film ist einfach zu weichgezeichnet und am Romanthema vorbei. Jackson verlässt sich lieber auf das was er kann: CGI-Effekte.

So inszeniert er opulent Susies Himmel, erinnert damit beinahe an die Farbenpracht von „Hinter dem Horizont“ (1998), ohne dessen Originalität zu erreichen. Denn durch Thema, Farbenpracht und Effekte kommt schnell der Verdacht auf, Jackson hätte sich an dessen Bildgestaltung fleißig bedient. Die Ähnlichkeiten sind jedenfalls auffallend und beide Filme sind stellenweise kitschig zu nennen. Dabei ging Regisseur Vincent Ward in seinem Streifen wenigstens keine großen Kompromisse ein.

Einziger Lichtblick in Jacksons „In meinem Himmel“ ist Saoirse Ronan (“Abbitte”, “City of Ember”), die trotz ihrer jungen Jahre (Jahrgang 1994) eine schauspielerische Glanzleistung zeigt. Ihr wird natürlich auch der größte Raum geboten und den nutzt sie gut aus. Schade nur, dass sie hier regelrecht verheizt wird. Sie und Stanley Tucci („Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio“) wurden dann auch für Filmpreise nominiert, wobei diese Nominierungen bei Tucci ein Rätsel bleiben. Sein Harvey ist und bleibt ein farbloses Etwas, ohne Persönlichkeit, ohne Ausstrahlung.

„In meinem Himmel“ ist an sich unterhaltsam, hinterlässt aber keine Spuren und auch keine nachhaltigen Erinnerungen. Einzig Saoirse Ronan bleibt haften und die abschließende Erkenntnis, dass auch ein großer Regisseur kleine Haufen macht.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Goldmann-Taschenbuch “In meinem Himmel” bei Buch24.de

“In meinem Himmel” bei Booklooker.de

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Sherlock Holmes

Erstellt von Günther Lietz am 24. Februar 2010

Sherlock HolmesSherlock Holmes
USA 2009, 128 Minuten

Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg, Lionel Wigram, Michael Robert Johnson
Musik: Hans Zimmer
Produktionsdesign: Sarah Greenwood
Director of Photography: Philippe Rousselot
Montage: James Herbert

Darsteller: Robert Downey Jr. (Sherlock Holmes), Jude Law (Dr. John Watson), Rachel McAdams (Irene Adler), Mark Strong (Lord Blackwood), Eddie Marsan (Inspektor Lestrade), Robert Maillet (Dredger), Geraldine James (Mrs. Hudson), Kelly Reilly (Mary Morstan), William Houston (Constable Clark), Hans Matheson (Lord Coward), James Fox (Sir Thomas), William Hope (Botschafter Standish), Clive Russell (Captain Tanner)

Es gibt etliche Sherlock-Holmes-Verfilmungen und das Bild des Pfeife rauchenden Detektivs mit kariertem Mantel und Mütze hat sich eingeprägt. Mit einer enormen Beobachtungsgabe und seinem Verstand legt er jedem Gauner das Handwerk. Guy Ritchie (“Bube, Dame, König, grAs”, “Snatch – Schweine und Diamanten”) hat sich nun an eine Neuauflage des Themas gemacht und präsentiert einen ganz anderen Holmes – ein Holmes, der mit bekannten Klischees bricht. Und das ist genau richtig.

Denn tatsächlich ist Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes stets nur frei interpretiert worden. Und dieses Recht nimmt sich auch Guy Ritchie heraus, um einen ganz anderen Film-Holmes zu präsentieren als bis dato bekannt. Und Ritchies Adaption ist viel näher an der Romanvorlage dran, als alle anderen Verfilmungen zuvor. Denn Holmes war ein Supermann seiner Zeit – geistig und körperlich. Selbst den Mordversuch durch seinen Erfinder überlebte Holmes einst, gestärkt durch seine ihn liebende Leserschaft. Richtig gelesen, Doyle hat seinen Helden schlussendlich gehasst und wollte ihn sterben lassen.

Guy Ritchie hat sich nun den Stoff geschnappt und in ein modernes Kinoformat gesteckt. Was nun auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, ist ein rasant inszenierter und unterhaltsamer Kinofilm, der gleichzeitig die Atmosphäre des viktorianischen Englands einfängt. Doch worum geht es überhaupt?

Nun, Mister Sherlock Holmes (Robert Downey Jr.) und sein teurer Freund Doktor John Watson (Jude Law) stellen den Kultisten Lord Blackwood (Mark Strong) just in jenem Augenblick, in dem dieser einen Ritualmord begehen will. Blackwood wird zum Tode verurteilt, verlangt kurz zuvor nach einem Gespräch mit Holmes. Ihm verkündet der Lord, dass Holmes nur ein Mittel zum Zweck sei und noch weitere Morde geschehen werden. Blackwood wird gehängt und für Holmes ist die Sache erledigt. Der hat nämlich ganz andere Probleme.

Busenfreund Watson hat vor zu heiraten und die Wohngemeinschaft zu verlassen. Für Holmes eine Katastrophe, denn nur wenige Menschen kommen mit seiner exzentrischen Lebensweise zurecht. Glücklicherweise taucht Holmes alte Liebe Irene Adler (Rachel McAdams) auf – eine Meisterdiebin – und es gehen Gerüchte um, dass Blackwood wiederauferstanden sei. Nun wird Holmes Neugierde geweckt. Zugleich hofft er auch mit seinem neuen Fall Watson von der Heirat abzuhalten. Aber der hält an seinen Plänen fest, was zu Streit zwischen den beiden Männern führt.

Trotzdem ermitteln sie und plötzlich gibt es zwischen Irene und Blackwoods Auferstehung einen Zusammenhang.Es dreht sich nun alles um einen geheimnisvollen Orden, Rituale, das Schicksal des ganzen Empires und schlussendlich einen mysteriösen Mann, der sogar Irene Angst einjagt …

Diese ganze Geschichte steckt nun in einem Korsett aus Action, Humor und Spannung. Guy Ritchie brennt ein wahres Feuerwerk an originellen alten Ideen ab. Erneut ein Widerspruch, der auf der Leinwand einfach gelungen ist. Denn Ritchie bedient sich an bekannten Elementen des modernen Actionfilms, setzt diese aber leicht verändert in Szene und verpasst der Sache ihren ganz eigenen Stil – der vor allem durch den altertümlich schmutzig-punkigen Stil Londons und der wunderbaren klassisch modernen Musik von Hans Zimmer geprägt wird. Überhaupt ist der Score von Zimmer grandios passend, kommt oftmals mit einer instrumentalen Reduzierung daher, anstatt auf orchestrale Gigantomanie zu bauen.

Wie der gesamte Film, so sind auch die Hauptrollen detailliert ausgearbeitet und überzeugen durch liebevolle Kleinigkeiten die am Rande zu bemerken sind, ohne die Szenerie zu dominieren oder gar aufgesetzt zu wirken. Sei es nun die Drogensucht Holmes oder die Kriegsverletzung von Watson. Bemerkenswert auch die düstere Mystery-Anspielung auf den us-amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe (in Wort und Bild, denn es fällt der Name und fliegt der Rabe) und anderen Kleinigkeiten, die zwar Zufall, aber ebenso Absicht sein können (wie die Frage nachdem Doktor, die mit „Wer?“ beantwortet wird und auch als Anspielung auf die viktorianischen Abenteuer aus „Doctor Who“ gesehen werden kann). Guy Ritchie hat hier einen verspielten Actionfilm geschaffen, an dem er sich austoben konnte.

Bemerkenswert sind dabei vor allem Robert Downey Jr. (als Sherlock Holmes) und Jude Law (als Doktor John Watson). Beide spielen ihre Rollen perfekt, gehen darin regelrecht auf. Im körperlichen Spiel fließen Winzigkeiten der Persönlichkeit nebensächlich ein und lassen die Figuren somit authentisch wirken. Aber vor allem im witzig spritzigen Dialog brillieren beide Männer, fesseln mit Wortgefechten oder überraschenden Hieben auf die Nase – ohne es sich krumm zu nehmen. Eine wahre Männerfreundschaft eben. Diese wurde von allzu kritischen Beobachtern gerne mal als homoerotische Verbindung gewertet, wird aber von Ritchie gekontert, da er beiden Männern eine Beziehung gönnt. Holmes hat eine Liebschaft hinter sich, Watson wird bald heiraten. Das sollte alle Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Obwohl Law ausgezeichnet spielt, ist es vor allem Downey Jr. der den Film als Holmes überstrahlt. Seine Interpretation der Rolle ist außergewöhnlich, er kreiert sozusagen einen einmaligen Charakter. Das ist zuletzt Johnny Depp als Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ geglückt und war für das Genre ein Glücksgriff. Mit Sherlock Holmes wird erneut ein Ausnahmecharakter in die Kinowelt entlassen und es bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung – der Cliffhanger des Films deutet ja darauf hin – mit einem ebenso starken Robert Downey Jr. punkten wird.

Was Guy Ritchie sehr gut gelingt, ist es die analytischen Fähigkeiten und die Assoziationen des Detektivs für den Zuschauer sichtbar zu machen. Das geschieht mittels schnellen Zwischenschnitten, Rückblenden und Vorschauen. Diese Stilmittel werden genau im richtigen Umfang eingesetzt, beantworten zum Ende hin die offenen Fragen. So geht der körperlich fitte Holmes im voraus einen Boxkampf durch und weiß genau, wie er seinen Gegner ausschalten muss. Oder auch gut gefilmt: Die Verfolgungsszene Irene Adlers, die in der Rückblende explosionsartig an Umfang zunimmt. Einfach und gut gemacht, sehr eindrucksvoll.

Ein wahrer Held braucht natürlich auch einen Schurken. Der wird von Mark Strong als Lord Blackwood gegeben. Allerdings verpasst Strong seiner Rolle dermaßen viel unterkühlte düstere Boshaftigkeit, dass er beinahe schon zu verhalten bleibt und ein wenig farblos vor sich hindümpelt. Dadurch wirkt Blackwood eher harmlos und scheint für Holmes keine echte Herausforderung zu sein. Zwar muss der gute Sherlock das Empire retten, aber sich keineswegs mit einem Verbrechergenie messen. Auch die Einflechtung okkulter Riten durch den Lord machen aus der Rolle keine persönliche Herausforderung für Holmes. Absicht oder Zufall? Bedrohlicher wirkt da nämlich eher der Mann im Hintergrund, der einige Fäden zieht und ein ebenso brillantes Genie ist wie Sherlock Holmes. Er dürfte der nächste, wahre Oberschurke sein, dem sich Holmes stellen muss. Mag sein, dass Ritchie vorher keinen Widersacher installieren wollte, an dem sich die Fortsetzung dann messen lassen müsste.

Auch die weibliche Besetzung agiert ein wenig limitiert und kühl. Dem Film ist die niedrige FSK 12 anzumerken. So werden Actionsequenzen niemals vollends ausgelotet, der Tod zum Ende hin ausgeblendet und müssen auch die Damen mit ihren vorhandenen Reizen leider geizen. Und das, obwohl die fabelhafte Rachel McAdams eine sehr passable Irene Adler gibt. Ein wenig mehr Blut, ein wenig mehr Erotik und ein etwas persönlicher Gegner – der Film wäre perfekt.

So bleibt eine hervorragende Adaption des Stoffes, die näher an der Vorlage ist als die meisten anderen Umsetzungen zuvor. Sauber inszenierte Action, klasse Musik, zwei geniale Hauptdarsteller, augenzwinkernde Einlagen und eine wunderbare Atmosphäre überzeugen auf ganzer Linie. „Sherlock Holmes“ ist ein sehr unterhaltsamer Spielfilm und gehört mit zum Besten, was Guy Ritchie jemals auf die Leinwand gebracht hat.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

“Sherlock Holmes” bei Booklooker.de

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