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The Thing

Erstellt von Michael Drewniok am 23. März 2012

The Thing

Originaltitel: The Thing (USA 2011)
Regie: Matthijs van Heijningen Jr.
Drehbuch: Eric Heisserer
Kamera: Michel Abramowicz
Schnitt: Peter Boyle, Julian Clarke, Jono Griffith
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Mary Elizabeth Winstead (Kate Lloyd), Ulrich Thomsen (Dr. Sander Halvorson), Joel Edgerton (Sam Carter), Eric Christian Olsen (Adam Finch), Adewale Akinnuoye-Agbaje (Jameson), Paul Braunstein (Griggs), Trond Espen Seim (Edvard Wolner), Kim Bubbs (Juliette), Jørgen Langhelle (Lars), Jan Gunnar Røise (Olav), Stig Henrik Hoff (Peder), Kristofer Hivju (Jonas), Jo Adrian Haavind (Henrik), Carsten Bjørnlund (Karl), Jonathan Walker (Colin), Ole Martin Aune Nilsen (Matias)
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 22.03.2012
EAN: 5050582873573 (DVD) bzw. 5050582873597 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 99 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Im kurzen antarktischen Sommer des Jahres 1982 entdecken Mitglieder einer norwegischen Forschungsstation nicht nur ein im Eis verborgenes Raumschiff, sondern auch seinen tiefgefrorenen außerirdischen Insassen. Der geniale aber arrogante Wissenschaftler Dr. Sander Halvorson sucht den Rat der fähigen Paläo-Biologin Kate Lloyd, die er top secret aus den USA einfliegen lässt.

In seiner Ungeduld beschließt Halvorson, das inzwischen geborgene Geschöpf noch in der Station aus dem Eispanzer zu schmelzen, damit er es vor allen anderen Forschern untersuchen kann. Die keineswegs tote, sondern in einer Art Winterstarre befindliche Kreatur erwacht, nutzt umgehend die Gelegenheit und ergreift die Flucht in die Polarnacht. Verwirrt durchsucht das Team die Station. Das Ding aus einer anderen Welt ist nicht ins ewige Eis geflüchtet, sondern lauert versteckt auf seine Verfolger. Der unglückliche Henrik wird scheinbar von ihm gefressen; seine Kameraden setzen das Alien mit Kerosin in Brand.

Halvorson und Kate untersuchen den Kadaver, in dessen Resten sie Henriks Leiche erstaunlich gut erhalten finden: Die Kreatur hatte offenbar damit begonnen, sie erst zu absorbieren und dann zu kopieren. Auf diese Weise wäre ein exaktes Ebenbild von Henrik entstanden, das dem Wesen als ideale Tarnung hätte dienen können.

Genau dies ist bereits geschehen, wie Kate erkennt: Die Kreatur ist in mindestens einer weiteren Inkarnation unter den Stationsbewohnern. Es wartet auf seine Chance, die menschen- und opferleere Antarktis zu verlassen, um sich wie ein Virus weiter verbreiten zu können. Die Station wird unter Quarantäne gestellt. Man sucht nach einer Methode, den unsichtbaren Feind identifizieren, was dieser erfolgreich sabotiert. Misstrauen bricht aus und wird zur Panik: Wer ist noch Mensch, wer schon Alien? Ein mörderischer Kampf auf und schließlich unter dem Eis beginnt …

Wir machen es anders und sind dabei zu erfolgreich

Manche Dinge müssen reifen. Wein gehört ebenso dazu wie jedes Modell der Automobilfirma Ferrari. Filmen ergeht es ähnlich, doch selten gelingt dies einem Streifen so erfolgreich wie der 1982er Version des Science-Fiction-Horror-Klassikers „Who Goes There?“ 1938 hatte John W. Campbell Jr. (1906-1971) unter dem Pseudonym „Don A. Stuart“ das nur novellenlange Werk in der August-Nummer des Magazins „Astounding Stories“ veröffentlicht und großes Aufsehen erregt.

Zwölf Jahre später begannen in Hollywood die Dreharbeiten zu „The Thing from Another World“. Unter dem neuen, eindeutigeren Titel setzte Christian Nyby (1913-1993) unter der unauffälligen aber stetigen Führung seines Auftraggebers Howard Hawks (1896-1977), selbst einer der großen Regisseuren seiner Ära, eine klassische Abenteuergeschichte in Szene, die noch heute spannend unterhalten kann. In einem Punkt musste Hollywood 1951 freilich passen: Die überzeugende Darstellung eines gestaltwandelnden Aliens überforderte die zeitgenössische Tricktechnik bei weitem. Man begnügte sich mit der Andeutung einer Kreatur, die vor allem seltsam aussah und zum Nutzen der Illusion das helle Licht mied.

Drei Jahrzehnte später hatte sich die Filmwelt gewandelt. Zwar steckte die digitale Technik noch tief in den Kinderschuhen. Dafür hatte die klassische Tricktechnik gewaltige Fortschritte erzielt: Sie realisierte nun künstliche, elektrisch und hydraulisch betriebene Monster, die nicht nur lebensgroß sein konnten, sondern dabei zum angenehmen Grausen des Publikums realistisch wirkten. Dies machte sich John Carpenter, 1982 ein Regisseur auf dem Gipfel seiner Karriere, zu Nutze. Er plante Außergewöhnliches – einen hoch budgetierten, prominent besetzten Spielfilm mit lupenreinen Splatter-Effekten. Die waren bisher dem Schmuddel-Kino der Kategorien B und C vorbehalten geblieben.

Carpenter brachte sie ins Mainstream-Kino – nicht als Erster, aber mit einer Konsequenz, die er bereuen sollte. Das Budget ließ die Beschäftigung erstklassiger Effektleute zu, die sich wahrlich ins Zeug legte. „The Thing …“ setzte 1982 Maßstäbe in Sachen Mutation, Blut- & Schleimfontänen. Noch reicher als dem Ding floss der Geifer allerdings Tugendwächtern und Zensoren aus den Maulwinkeln. Mit „The Thing …“ sei zumindest der moralische Untergang der Menschheit besiegelt, versicherten sie, und die üblichen Schar von Bolden bedrängte Carpenter, um ihn als perversen Geisteskranken zu steinigen. Da sich der Film an der Kinokasse nur passabel schlug, waren Carpenters Tage als Regisseur großer Hollywoodfilme vorbei.

Wir machen es anders und doch irgendwie genauso

Noch einmal drei Jahrzehnte später machen Realität und Gewöhnung zumindest die Akzeptanz busenreiner Gewalt in einem Maße möglich, von dem Carpenter 1982 nur träumen konnte. Folgerichtig stieg sein Film bei denen, die ihn sich unbesudelt durch Zensorenhände anschauen konnten, zum Klassiker auf. Dieser Status ist im ideenarmen und das Risiko scheuenden Hollywood des 21. Jahrhunderts zur Garantie für ein Remake oder Reboot geworden.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten war es 2010 soweit: Immerhin 35 Mio. Dollar durften Regisseur Matthijs van Heijningen Jr. und sein Team in ein neues Ding investieren. In sein Langfilm-Debüt setzte der gebürtige Niederländer einigen Ehrgeiz. Ein schlichtes Remake schien weder ihm noch seinem Drehbuchautor Eric Heisserer – selbst ein junger Shooting-Star seiner Zunft – angemessen; der Versuch, Carpenter zu ‚verbessern‘, gleiche der Schandtat, der Mona Lisa einen Schnurbart unter die Nase zu zeichnen, versicherten auch die Produzenten Marc Abraham und Eric Newman fromm. Ihnen schwebe eine Hommage vor, die den Geist des Originals atme und gleichzeitig in die Gegenwart transportiere.

Was gut klingt aber gar nichts bedeuten muss, wie das Ergebnis offenbart: „The Thing“ – selbstbewusst ohne Untertitel oder Nummerierung benannt – spielt zwar einige Tage vor dem Grabenkrieg, den Carpenter in der US-Polarstation „Outpost 31“ entfesselte, erzählt aber über weite Strecken eine identische Geschichte. Wenn es ihn so interessierte, was zuvor in der norwegischen Station geschehen war – so van Heijningen –, wundert es, dass er höchstens variiert und sich erst im letzten Drittel von der Vorlage löst.

Thriller oder Quiz für Film-Nerds?

Oder präziser ausgedrückt: Von beiden Vorlagen. In den kritischen Anmerkungen zu „The Thing“ wird kaum auf die Parallelen zur Version von 1951 eingegangen. Dabei sieht Ulrich Thomsen in der Maske des Sander Halvorson seinem Vorbild Robert Cornthwaite (1917-2006) als Dr. Arthur Carrington bereits optisch erstaunlich ähnlich. In der Schärfe seines Verhaltens hat Halvorson in Carpenters „Thing“ kein Gegenstück.

Was als echtes Remake vielleicht eigene Wege gefunden hätte, bleibt als Prequel und Hommage erst recht gegen Carpenters Version chancenlos. Van Heijningen und Heisserer verwenden viel Hirnschmalz und Umsetzungsaufwand auf das Bemühen, ihr „Thing“ passgerecht vor Carpenters ‚Fortsetzung‘ zu flanschen. Es fehlt ein echter Grund außer dem Spaß an einem konsequenten Retro-Look, die Handlung erneut ins Jahr 1982 zu verlegen. (Die Abwesenheit von Handy und Internet hilft allerdings der Illusion von Isolation.) Ebenso unsinnig ist es, die Norweger-Station möglichst exakt nach den ‚Vorgaben‘ von 1982 zu rekonstruieren: Die Story benötigt mehr Spannung statt Requisite.

Bis sich das Geschehen ins Raumschiff verlagert, glänzt „The Thing“ vor allem als Film-Quiz. Was übernahm man von Carpenter (oder Nyby)? Was wird ‚später‘, d. h. in der Carpenter-Handlung, wieder auftauchen? (Beispielsweise die Axt, die Pilot Carter nach der Zweiteilung eines Aliententakels in einer Holzwand stecken lässt.)

Kalter Film im entsprechenden Ambiente

Dagegen lässt uns das Schicksal der vom Ding terrorisierten Menschen kalt. Die rauen Gesellen von „Outpost 31“ vermochte uns Carpenter deutlich enger als Herz zu legen. Dass Figuren wie Carter und Jameson wie blasse Kopien von MacReady und Childs wirken, ist zusätzlich kontraproduktiv. Während sich Dr. Carringtons Skrupellosigkeit auf seinen übersteigerten Forscherehrgeiz gründete, ist Halvorson nur ein ruhmsüchtiger, feiger Widerling – der klassische Bösewicht, den Regisseur und Autor  für das große Finalgefecht mit der Heldin aufsparen, worüber jeder Zuschauer von ersten Moment an im Bilde ist.

Zwar erspart man uns eine heiße Lovestory im ewigen Eis, doch die Frage, wie man das dabei entstandene Vakuum füllen könnte, überforderte Heisserer offensichtlich. Kate Lloyd ist deutlich zu jung für ihre Rolle und als Ellen-Ripley-Klon nicht annähernd so taff wie das Original. Mit sorgenvoll zerfurchter Miene steht sie immer wieder vor bärtigen Männern und ergeht sich in unheilvollen Andeutungen, denn laut Drehbuch fehlt die Zeit, einfach zu sagen, was vor sich geht; ein Stilmittel, das Heisserer definitiv liebt.

Die erwähnten Bärte – zwischen ihnen tummelt sich als weitere Referenz an die „Ding“-Version von 1951 eine zweite Frau – sehen einander ziemlich ähnlich. Im Kampfgetümmel mit dem Ding kann man sie schwer unterscheiden, was aber kein Manko ist: Sie sind Kanonenfutter, mit denen die Kreatur ihre gorigen Späße treiben kann. Was fehlt, ist jene Verdeutlichung einer um sich greifenden Paranoia, die Carpenter so dramatisch gelang. Unter den Tisch fallen darüber hinaus sämtliche Zwischentöne. Nybys Ding stand 1951 für die Angst vor einer ‚kommunistischen‘ Unterwanderung der USA, Carpenter fand Parallelen zur gerade erst erkannten AIDS-Krankheit, dessen Virus-Erreger sich ähnlich tückisch wie das Ding seiner Opfer bemächtigt.

Mit Rücksicht auf das jüngere/zahlende Publikum

Obwohl das Ding dank der digitalen Technik des 21. Jahrhunderts jede mögliche & unmögliche Gestalt annehmen und Menschen auf erstaunliche vielfältige Weisen fangen kann, geht es dabei beinahe umsichtig vor. Blut fließt kaum, geschweige denn spritzt es. Dieses Mal wird die Konfrontation mit der Zensur ausdrücklich vermieden. Auch die 16-Jährigen dürfen ihr Geld an der Kinokasse deponieren.

Zudem ist das Budget nicht üppig genug, um wirklich überzeugende CGI-Effekte zu ermöglichen. So sieht die Kreatur in ihren zahlreichen Erscheinungsformen immer noch dann am besten aus, wenn sie als Modell realisiert wurde. Tritt sie ins Rampenlicht, wird ihre Künstlichkeit schmerzlich offenbar. Besser leisten Bits & Bytes ihren Job, wenn der Auftritt des Dings kurz bemessen ist, es sich rasch bewegt und sich im Schatten hält. Einige Effekte wie die ‚Verschmelzung‘ von Kreatur und Opfer sind definitiv eindrucksvoll; dies gilt auch für das Konzept des Raumschiffes, das so 1982 keinesfalls hätte gezeigt werden können.

„The Thing“ von 2011 endet immerhin mit einem ‚doppelten‘ Finale: Sehr schön und unaufdringlich findet van Heijningen den Anschluss an Carpenters Vorlage, indem er zwischen die Schlusstitel kurze Sequenzen schneidet, die zwei Überlebende des Norweger-Camps mit der Jagd auf einen weiteren Ableger des Dings beginnen lässt, die kurz darauf (aber 29 Realjahre früher) in „Outpost 31“ tragisch enden wird.

Außerdem lässt er seine weibliche Hauptdarstellerin überleben und das Raumschiff unbeschädigt. (Bei Carpenter wird es von den Norwegern versehentlich zerstört.) Während an eine ‚echte‘ Fortsetzung mit einem allzu deutlich gealterten Kurt Russell kaum zu denken ist, ließe sich hier anschließen. Der Hoffnung auf das Zustandekommen eines Franchises steht allerdings die überwiegend ablehnende Haltung des Zielpublikums entgegen – ein Urteil, das den zwar allzu ehrgeizigen aber handwerklich gelungenen Film ein wenig zu hart trifft. Mancher gefeierte Blockbuster des Kinojahres 2011 ist definitiv misslungener als dieses solide B-Movie. Auf dem DVD/Blu-ray-Markt wird es seinen Weg erfolgreicher gehen.

DVD-Features

Die (geplatzte) Hoffnung auf einen echten Blockbuster spiegelt sich in den reichen Extras wider. Diverse „Unveröffentlichte und Erweiterte Szenen“ werden gezeigt, dazu ein 14-minütiges Feature, das sich filmgerecht nicht um die Schauspieler, sondern um das Ding dreht („The Thing entwickelt sich“). Eine Featurette geht auf die Problematik von Dreharbeiten ein, die „Feuer und Eis“ miteinander kombinieren. Außerdem gibt es einen Audiokommentar von Regisseur Matthijs van Heijningen und Produzent Eric Newman.

[md]

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The Prisoner (Komplette Serie auf) / DVD-Box

Erstellt von Günther Lietz am 23. März 2012

Ein Mann erwacht in der Wüste. Er hat keine Ahnung, wie es ihn dorthin verschlagen hat. Und bevor er sich fassen kann, wird er auch schon in einen Strudel aus Ereignissen und Wahn gezogen, der ihn zu verschlingen droht.

“The Prisoner” bezieht sich auf die Serie “Nummer 6″ aus dem Jahre 1967/1968. Dabei handelt es sich um kein Vorspiel oder Nachspiel, es ist auch keine echte Neuauflage. Nein, die Serie verneigt sich zwar vor ihrem Ahnen aus den 60er Jahren, stellt aber etwas ganz Eigenes dar. Deswegen ist es unmöglich die beiden Serien auf der erzählerischen Ebene – oder gar die Handlung – miteinander zu vergleichen. Regisseur Nick Hurran (“The Prisoner”) ehrt zwar Produzent und Schauspieler Patrick McGoohan (“Nummer 6″), löst sich aber auch von der Vorlage.

Die Serie fest einzuordnen ist schwer. Sie ist Fiktion, Traum, Erinnerung, Zukunft, Realität und stellenweise entrückt. In sechs Episoden, von jeweils zirka sechsundvierzig Minuten Länge, wird die Geschichte von Nummer 6 (James Caviezel) erzählt, der in der Wüste aufwacht und seine Erinnerung an sein Leben und an die Stadt verloren hat. Falls das stimmt. Denn gleichzeitig behauptet 6 einen Namen zu haben und sich an Fragmente seiner Vergangenheit zu erinnern. Er weiß, dass die Stadt ein Gefängnis ist und dass er nach Freiheit strebt. Und der Zuschauer weiß das natürlich auch, oder? Denn schon bald verschwimmen die Grenzen. So wie 6 an seiner Realität zweifelt, zweifelt auch bald der Zuschauer. Der Augenblick in dem das geschieht, geht einem förmlich unter die Haut.

Das gilt auch für 2 (Ian McKellen), den unumstrittenen Gebieter der Stadt. Er ist scheinbar der Kopf hinter allem, führt 6 an der Nase herum, zwingt ihn zu Entscheidungen, will von ihm die Wahrheit wissen, konfrontiert 6 stetig mit neuen Herausforderungen und Situationen. 2 manipuliert 6, manipuliert die ganze Stadt. Aber stimmt das auch? Oder blickt der Zuschauer hier nur durch die Augen von 6 und sieht alles aus der Sicht eines Verrückten? Oder ist 6 gar der einzige Vernünftige? “The Prisoner” wirft mehr Fragen auf, als beantwortet werden. Aber nur vorerst, denn die Serie ist in sich abgeschlossen und hat eine Antwort auf alles – vorausgesetzt der Zuschauer ist bereit, sich auf die Gedankenexperimente und deren Auflösung einzulassen.

“The Prisoner” ist keine einfache Serie, ist kein Mainstream. Und das, obwohl sie im Auftrag vom britischen Sender ITV und dem amerikanischen Sender AMC produziert und schlussendlich im Free-TV (in Deutschland auf einem ZDF-Spartensender) ausgestrahlt wurde.

Die Handlung verläuft weitgehend in der Stadt. Anstatt Namen gibt es Nummern, die Optik der Kulissen und Requisiten reicht von den 1950er bis in die 1980er Jahre hinein. Da wirken kleinbürgerliche Einstellungen neben scheinbar futuristischen Elementen. Farben und Formen vermischen sich zu einem einzigartigen Stil, werden zu einem Kunstwerk, in dem die Schauspieler scheinbar ohne bekanntes Ziel agieren. Und trotzdem folgt die Handlung einem roten Faden, liefert schlussendlich einen Anfang und ein Ende, zeigt klassische Motive.

Doch zuvor wird 6 durch die Mangel gedreht, wird ständig mit neuen Dingen konfrontiert. Mal lehnt er sie ab, mal nimmt er sie an, mal wirken sie wie ein Fremdkörper, dann wieder ist vollständige organische Harmonie. Schlussendlich läuft es in jeder Episode auf ein Kräftemessen zwischen 6 und 2 hinaus, in das auch andere Bewohner der Stadt verwickelt werden. Sei es nun  313 (Ruth Wilson, deren Mundpartie frappierend an Nationaltürhüter Manuel Neuer erinnert), 2s Sohn 11-12 (Jamie Campbell Bower) oder auch 147 (Lennie James). Alles gute Schauspieler, doch wirklich getragen wird die Serie vor allem von James Caviezel und Ian McKellen.

Dabei ist vor allem Sir Ian McKellen hervorzuheben, der erstklassig spielt und einen dämonischen 2 gibt. Leider verliert seine Darstellung durch die deutsche Synchronisation, da die Sprecher mit den Schauspielern nur selten auf einem Niveau agieren. Allgemein scheint die deutsche Fassung beim Abmischen etwas gelitten zu haben, so dass die Dialoge dominanter sind, als im Original – zu Lasten der Hintergrundgeräusche.

“The Prisoner” ist eine wahre Achterbahn der Film- und Serienkunst. Nick Hurran hat hier viel Kreativität in seine Serie gesteckt und liebevoll auch noch das Letzte aus der Idee herausgeholt. Die jeweiligen Themen der einzelnen Folgen sind subtil verpackt, aber dennoch präsent. Viel Wert hat Hurran dabei auf das Charakterspiel gelegt und entsprechend wurde auch die Kamera arrangiert. Eine hervorragende Arbeit, die – im Spiel mit Farben und Licht – einfach nur Spaß macht. Stellenweise lohnt es sich sogar Pause zu drücken und sich einfach nur das Bild anzuschauen. Das widerspricht natürlich dem Gedanken einer herkömmlichen Serie und das scheint ein weiterer Punkt zu sein, warum “The Prisoner” so wenig Akzeptanz fand.

Das liegt zum Einen sicherlich daran, dass Hurrans Werk mit der Arbeit von Patrick McGoohan verglichen wird. Wie Eingangs erwähnt, ein direkter Vergleich kann einfach nicht funktionieren. Zum Anderen muss sich der Zuschauer auf solch eine Story einlassen können, die manchmal einem Schwebezustand gleicht und nur zeigt, nicht erzählt. Auch das Ende braucht Verständnis für die Thematik, die beinahe esoterisch anmutet und in ihrer Auflösung doch eine Überraschung bereithält. Die Serie ist es jedenfalls wert, sich mit ihr zu beschäftigen.

Koch Media hat “The Prisoner” 2012 nun in einer Gesamtbox auf den Markt gebracht. Auf drei DVDs finden sich alles sechs Episoden. Box und DVDs sind schön aufgemacht und zeigen die Farben, die in der Stadt vorherrschen. Das Menü ist animiert und musikalisch unterlegt. Zudem liegt neben der deutschen Tonspur auch die englische Tonspur vor. Beide in  DTS-HD 5.1. Ein besonderes Schmankerl ist allerdings das Bonusmaterial.

Es kommt zwar schlicht daher, aber gerade das macht den Reiz aus. Es gibt mehr als vierzig Minuten geschnittene Szenen und so kann der Zuschauer tiefer in die Materie eintauchen und sehen, wie die ursprüngliche Idee aussah. Aber wirklich toll ist das kurze – zweigeteilte – Interview mit Ian McKellen, das von seinem Kollegen Jamie Campbell Bower geführt wurde. Beide Schauspieler scheinen aus dem Nähkästchen zu plaudern und sorgen für informative Kurzweil.

“The Prisoner (Die komplette Serie)” ist eine empfehlenswerte Box. Die Serie ist gut und die Aufmachung in Ordnung. Eine klare Empfehlung.

Copyright © 2012 by Günther Lietz

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The Prisoner

(Komplette Serie)

Darsteller: James Caviezel, Ian McKellen, Jamie Campbell Bower, Rachel Blake, Hayley Atwell
Regisseur: Nick Hurran
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Studio: Koch Media GmbH – DVD
Erscheinungstermin: 9. März 2012
Produktionsjahr: 2009
Spieldauer: 279 Minuten (6 Episoden auf 3 DVDs)

DVD Extras: Geschnittene Szenen (ca. 41 Minuten), Making of (ca. 34 Minuten), Die Welt des Prisoner (ca. 30 Minuten), Comic Con Panel (ca. 11 Minuten), Interview (ca. 8 Minuten), Regiebesprechung (ca. 3 Minuten)

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Paranormal Activity 3

Erstellt von Michael Drewniok am 1. März 2012

Paranormal Activity 3

Originaltitel: Paranormal Activity 3 (USA 2011)
Regie: Henry Joost u. Ariel Schulman
Drehbuch: Christopher Landon
Kamera: Magdalena Gorka
Schnitt: Gregory Plotkin
Darsteller: Christopher Nicholas Smith (Dennis), Lauren Bittner (Julie), Chloe Csengery (Katie), Jessica Tyler Brown (Kristi Rey), Dustin Ingram (Randy Rosen), Hallie Foote (Grandmutter Lois), Brian Boland (Daniel Rey), Katie Featherston (erwachsene Katie), Sprague Grayden (erwachsene Kristi Rey), Johanna Braddy (Lisa), Molly Ephraim (Ali Rey) u. a.
Label/Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 08.03.2012
EAN: 4010884543209 (DVD) bzw. 4010884243208 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch)
Untertitel: Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min. (Blu-ray: 84 min.), Extended Cut: 94 min.
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
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Das geschieht:

1988 sind Katie und Kristi Rey, die knapp zwei Jahrzehnte später ein böser Geist verfolgen wird (s. „Paranormal Activity“ bzw. „Paranormal Activity 2“, noch kleine Kinder. Mutter Julie ist alleinerziehend, der Vater ist aus dem Leben der Familie verschwunden. Der freundliche Dennis hat seinen Platz eingenommen. Die Schwestern lieben ihn, nur Großmutter Lois mault, denn Dennis filmt Hochzeiten und trägt auf diese Weise eher schlecht als recht sein Scherflein zum Familienhaushalt bei.

Auf einem verunglückten Sex-Video von sich und Julie meint Dennis eines Tages eine schattenhafte Gestalt zu erkennen. Katie, die jüngere Schwester, hält diese für „Toby“, ihren unsichtbaren Begleiter, den nur sie erkennen kann. Der neugierige Dennis stellt überall im Haus Kameras auf, die vor allem in der Nacht eventuelle Aktivitäten festhalten. Tatsächlich finden der zunehmend faszinierte Dennis und sein Freund Randy immer neue Hinweise auf das Wirken einer seltsamen Macht, während Julie das neue Hobby ihres Lebensgefährten wenig begeistert.

Allerdings zeigt Toby rasch unangenehme Seiten. Er konzentriert sich auf Katie, die auf seine Avancen mit kindlicher Begeisterung reagiert. Die ältere Schwester Kristi Rey kann Toby dagegen weniger leiden, was sie schmerzhaft zu spüren beginnt. Auch Dennis und vor allem Randy, die Toby zu nahe kommen, spüren seinen Zorn bzw. seine scharfen Klauen. Während Randy die Flucht ergreift, bleibt Dennis bei Julie und den Kindern.

Als sich ihr Toby dann spektakulär offenbart, ist es vorbei mit Julies Zweifeln. Sie flüchtet mit ihrer Familie zu Mutter Lois nach Kanada. Ahnungslos gerät das Quartett damit vom Regen in die Traufe, denn Lois weiß definitiv mehr über den Spuk und vor allem über Toby, der nicht auf das Haus, sondern auf Katie fixiert ist. Der Augenblick der Erkenntnis wird zum Auslöser eines grauenvollen Finales, bei dem alle Masken fallen …

Aller guten Dinge sind (mindestens) drei

In einer besseren Welt wäre die Existenz eines Films wie „Paranormal Activity 3“ mit der dramatischen Notwendigkeit zur Fortsetzung einer Geschichte zu begründen, die in zwei Teilen nicht erzählt werden konnte. Doch wir leben in der Realität, und hier gelten die Regeln und die Logik von Hollywood, die sich auf folgende Aussage komprimieren lässt: Weltweites Einspielergebnis „Paranormal Activity“ 193 Mio. Dollar bei einem Budget von (angeblich) 15000 Dollar; „Paranormal Activity 2“ 177 Mio. Dollar bei einem Budget von 3 Mio. Dollar.

Angesichts solcher Zahlen bzw. eines solchen Verhältnisses zwischen Ausgaben und Einnahmen ist die Geschichte absolut unerheblich. Weil „PA 2“, obwohl eine Fortsetzung, einen so grandiosen Gewinn einfuhr, war „PA 3“ bereits beschlossene Sache, bevor überhaupt feststand, wie es inhaltlich weitergehen sollte – oder konnte. Nach dem Niedergang der „Saw“-Reihe war offensichtlich ein neues Horror-Franchise geboren. Flugs wurde binnen eines Kinojahres eine dritte Heimsuchung in Szene gesetzt.

Nachdem die Geschichte von Katie und Kristi Rey in der Gegenwart erst einmal auserzählt schien, richtete das aktuelle „PA“-Produktionsteam den Blick in die Vergangenheit. Schon in „PA 2“ gab es Andeutungen, nach denen die Schwestern nicht grundlos von einem Dämons aufs Korn genommen wurden: Ihre Großmutter war in den 1930er Jahren Mitglied eines Hexenzirkels geworden und hatte einen Pakt mit dem Bösen geschlossen. Im Gegenzug für übernatürliche Macht hatte sie dem Teufel das erste männliche Kind, das in der Familie geboren würde, als Opfer versprochen.

Fortsetzung in der Vergangenheit

Doch Toby, jener Dämon, der sich auf das Geschäft einließ, hatte Pech: Sowohl Lois als auch ihre Tochter Julie gebaren nur Töchter. Nachdem er mehr als ein halbes Jahrhundert vergeblich auf seinen Lohn gewartet hatte, verlor der böse Geist offensichtlich die Geduld, zumal Julie in einem Gespräch mit der Mutter erklärt hatte, sie wolle keine weiteren Kinder mehr haben. Um nicht weiterhin in die Röhre schauen zu müssen, beschloss Toby 1988, die Sache persönlich in die Hand zu nehmen. Was dabei geschah, bildet die Geschichte von „PA 3“.

Zusätzlicher Grusel entsteht durch den Rücksturz in eine Ära, deren Kleidung und Frisuren einfach schauerlich waren. Freilich spielt die Handlungszeit nur eine marginale Rolle. Wir bleiben fast ausschließlich im inneren von Häusern. Die Außenwelt manifestiert sich durch Automobile älterer Baujahre, klobige Schulter-Kameras oder Röhren-Fernsehgeräte.

Gefilmt wird zeitgemäß nicht digital, sondern sehr analog auf Videokassette. In diesem Punkt leistet sich „PA 3“ scheinbar einen Fauxpax, da die Bilder, die wir Zuschauer sehen, von einer Qualität sind, die eindeutig nicht der des Jahres 1988 entspricht. Hier musste ein Kompromiss geschlossen werden, da kein modernes Publikum es ertragen würde, tatsächlich mit antiker VHS-Technik traktiert zu werden.

Die Lücken schließen sich

Natürlich steckt das „PA“-Franchise in einer selbst gestellten Falle. Das dramaturgische Umfeld ist denkbar kleinräumig. Was mit „PA 1“ definiert wurde, kann nur vorsichtig und ansatzweise verändert werden. Ein meist unsichtbarer Geist geht im Inneren eines Hauses um; er wird bemerkt, und ein technisch versierter Bewohner stellt Kameras auf, die aufzeichnen, was in den Räumen vor sich geht. Ein „PA“-Film ist eine „Mockumentary“, d. h. die vorgebliche Dokumentation angeblich real geschehender Ereignisse. Folgerichtig gibt es in „PA 3“ eine Rahmenhandlung, die Anno 2005 spielt und zeigt, wie die erwachsene Katie im Keller der erwachsenen Kristi Rey (wie in Teil 1 und 2 gespielt von Katie Featherston und Sprague Grayden und damit die Einheit der Gesamtgeschichte unterstreichend) jene VHS-Kassetten einlagert, die Dennis 17 Jahre zuvor aufgenommen hatte.

Statische Kameras gestatten keine besonderen Variationen des gezeigten Bildes. Ausführliche Raumansichten prägen das Geschehen. Für „PA 3“ fiel dem Regisseur-Team Joost & Schulman immerhin etwas Neues ein: Dennis montiert eine Kamera auf einen umgebauten Ventilator. Dieser schwenkt das Objektiv jetzt im 15-Sekunden-Rhythmus hin und her. Dieser simple Trick funktioniert gut: Wenn wir ahnen, dass irgendwo im überwachten Raum etwas geschieht, müssen wir jeweils diese 15 Sekunden warten, bis der Blick erneut darauf fällt. Dabei kann es zu schaurig-schönen Überraschungen kommen …

Je weiter eine Serie voranschreitet, desto größer wird die eigene Geschichte, deren Ereignisse beachtet werden müssen. Dies schnürt das Korsett, in dem die „PA“-Story steckt, zusätzlich enger. Doch Christopher Landon gelingt es, das Prequel nicht nur sauber, sondern auch logisch im Gesamtgefüge zu verankern. Dabei geht die erschreckende Sinnlosigkeit einer dämonischen Heimsuchung natürlich verloren: Nun gibt es eine ‚Ursache‘ für Tobys Erscheinen. Die Aufklärung stellt aber zufrieden und lässt viele weitere Fragen offen, die man gern beantwortet sähe.

Opfer und Täter

Mit Dennis und Julia haben Joost & Schulman zwei Schauspieler gefunden, die sehr überzeugend durchschnittliche Nobodys verkörpern – eine Charakterisierung, die im „PA“-Umfeld nicht abwertend gemeint ist, sondern den Schlüssel zur Identifikation darstellt. Mit Dennis und Julia kann der Zuschauer mitleiden. Sie sind keine besonders hellen aber sympathischen Zeitgenossen, die in eine Krise geraten, die sie nicht meistern können.

Großes Glück hatten die Regisseure auch mit den Darstellerinnen der jungen Schwestern. Vor allem Chloe Csengery scheint nicht zu spielen; sie ‚ist‘ die kleine Katie, die noch in einer kindlichen Welt lebt, in der die Anwesenheit unsichtbarer Begleiter als Selbstverständlichkeit begriffen werden kann. Damit gehört sie zu den seltenen Hollywood-Kinderdarstellern, denen man in ihrer altklugen Niedlichkeit nicht wünscht, der Dämon würde sie endlich erwischen.

Dämon Toby wandelt als ‚Figur‘ auf einem schmalen Grat. Die Sprunghaftigkeit seiner planlosen Handlung kann man nur auf seine Herkunft zurückführen: Böse Geister regeln Dinge auf ihre und nur ihnen verständliche Weise. Wie sonst könnte man akzeptieren, dass er – Stand „PA 2“ – seit sieben Jahrzehnten auf sein männliches Opfer wartet? Hat er sonst gar nichts zu tun? Oder spukt er zwischen seinen Attacken noch bei anderen unglücklichen Familien herum?

Auch die Art seiner Heimsuchungen gibt Rätsel auf. Was will Toby erreichen, wenn er Lampen oder Mobiliar zu Bruch gehen lässt? Welcher Sinn steckt hinter einem Spuk, der als solcher lange überhaupt nicht erkannt wird? Wie klug oder dumm ist Toby überhaupt? Sowohl 1988 als auch 2005 und 2006 stolpert er ständig über Kameras. Hat er den Zweck dieser Geräte, die ihn verraten, nie begriffen? (Andererseits schauen sich seine Opfer die Aufnahmen an und bleiben doch weiterhin im Spukhaus, um sich weiterhin piesacken zu lassen.)

Auf zu (leidlich) neuen Ufern

Wenn man weiß, dass etwas geschehen WIRD, und darauf wartet, kann das simple Zuschlagen einer Tür für einen gehörigen Schrecken sorgen. Nach diesem Prinzip funktioniert der Schrecken in den „PA“-Filmen. Er ist still aber nachhaltig. Auch im dritten Teil wird er sorgfältig vorbereitet, aufgebaut und geschürt. Die Heimsuchungen beginnen schleichend; wie seine Opfer bemerken auch die Zuschauer womöglich erste Phänomene nicht oder erst nachträglich. Die Intensität steigert sich langsam, überschreitet aber niemals die Grenze zum Splatter. Zwar gibt es hässliche Tode, doch diese sind schrecklich, weil sie sympathisch gewordene Figuren ereilen. Blut und Eingeweide bleiben dort, wo sie hingehören. Toby selbst wird niemals wirklich sichtbar. Jeder Zuschauer kann sich sein eigenes Bild von ihm machen.

Dies war in einem früheren Stadium anders. Trailer zu „PA 3“ sowie virale Videoclips zeigen wesentlich eindeutigere Szenen, die wohl gedreht wurden aber – zum Ärger vieler Fans – nicht einmal in den „Director’s Cut“ Eingang fanden. Joost & Schulman gaben dem Konzept der Zurückhaltung den Vorrang. Sie taten gut daran.

Unklar bleibt, wie die Geschichte von Katie und Toby nach 2006 weitergeht. Möglich wäre ein Rückblick in Oma Lois‘ Hexen-Vergangenheit. Sicher ist, dass wir in dieser Hinsicht aufgeklärt werden: weltweites Einspielergebnis „Paranormal Activity 3“ 203 Mio. Dollar bei einem Budget von 5 Mio. Dollar. Nicht einmal Teil 1 war so erfolgreich. Also geht es 19. Oktober 2012 mit „Paranormal Activity 4“ weiter – und immer weiter, bis der letzte Cent aus Toby herausgequetscht ist: Der wahre Dämon in diesem Spiel heißt Hollywood.

DVD-Features

Hintergrundinfos zum Film bleiben gänzlich aus. Stattdessen gibt es zwei minutenkurze Extra-Szenen: Dennis jagt Julie mehrere Schrecken ein („Montage des Schreckens“), und Dennis macht per Video Werbung für seine Firma („Dennis‘ Commercial“).

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Tartarus

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Februar 2012

Tartarus

Originaltitel: Tartarus (Österreich 2010)
Regie u. Schnitt: Stefan Müller
Drehbuch: Martin Kroissenbrunner u. Stefan Müller
Kamera: Martin Schneider
Musik: Matthias Erb
Darsteller: Martin Kroissenbrunner (Veith Schartl), Moritz Thate (Jakob Trimm), Ines Gruber (Mirabell Kranzler), Leopold F.J. Keber (Dr. Heinrich Kranzler), Stefanie Kammerhofer (Josepha), Peter Kolb (Kaufmann), Gunde Fürpass (Kellnerin), Christine Vrijs (Hohenzinnerin), Gwendolin Barnard (Johanna Hohenzinner), Stefan Schnuderl (Zigeuner), Marian Cencic (Alien) u. a.
Label/Vertrieb: Schroeder Media
Erscheinungsdatum: 20.11.2011
EAN: 9120027347429 (DVD) bzw. 9120027347412 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch)
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 105 min. (Blu-ray: 111 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Im Oktober 1813 wurde bei Leipzig die Völkerschlacht geschlagen. Die verbündeten Heere der Österreicher, Preußen, Russen und Schweden besiegten Napoleon Bonaparte und verjagten die Franzosen aus Deutschland. Jeder sechste von 600.000 Soldaten musste sein Leben lassen. Veith Schartl, ein Österreicher, und sein Kamerad und Freund, der Preuße Jakob Trimm, sind dem Gemetzel entronnen. Sie sehnen sich nach Frieden, den sie nach der Demobilisierung in Pahlbach finden wollen. Dort hat Veith von seinen Großeltern eine tief im Wald gelegene Hütte geerbt.

Die beiden noch in Uniform und gut bewaffnet in Pahlbach eintreffenden Männer werden misstrauisch empfangen. Noch ahnen die Freunde nicht, dass die Dörfler etwas zu verheimlichen haben. Nachdem sie ihre Nachbarn, den Arzt Dr. Kranzler und seine junge Schwester Mirabell, begrüßt haben, finden Veith und Jakob die Hütte in gutem Zustand.

Am folgenden Morgen zieht sich freilich eine Blutspur in den Wald. Dort finden die Freunde ein zerstörtes Lager und einen tödlich verletzten Zigeuner; seine Frau bleibt verschwunden. In der nächsten Nacht versuchen groteske Kreaturen in die Hütte einzudringen. Sie werden mit Flintenschüssen vertrieben. Jakob erkennt eine Taktik: Die Wesen sind intelligent und fordern etwas von den Neuankömmlingen. Es sind Frauen, die von Pahlbacher Bürgern sorgfältig bewacht werden. Nicht in die Dorfgemeinschaft integrierte Frauen haben weniger Glück: Sie werden den Kreaturen, die dafür Ehefrauen und Töchter ungeschoren lassen, als Opfer gebracht.

Entsetzt wollen Jakob und Veith dem bzw. den Wesen ein Ende bereiten. Sie müssen ihren Schlupfwinkel finden und sie dort ausräuchern. Da Ihre Gegner schlau sind, müssen die Kameraden ihnen eine Falle stellen, wenn sie sich verraten sollen. Doch jede Falle benötigt einen Köder – einen weiblichen Köder in diesem Fall …

Mancher Kampf endet niemals

Der „tartaros“ ist in der griechischen Mythologie ein Ort der Unterwelt. Dort liegt er sogar noch hinter dem ohnehin finsteren Hades; er bleibt jenen zu Lebzeiten kriminellen Pechvögeln vorbehalten, die nach ihrem Tod besonders grausam und bis in alle Ewigkeit bestraft werden. In der Bibel bezeichnet der Tartarus einen tief unter der Erde gelegenen Ort, an den die unter Luzifer aufständisch gewordenen Engel verbannt wurden. Ein trostloser Ort der Strafe, eine Hölle und ein Abgrund, in den man ohne Hoffnung auf Rettung und Erlösung gestürzt wird: Im gleichnamigen Film ist der Tartarus eine Berggrotte, in deren Düsternis Wesen aus dem Weltall hausen. Wer sich dort hineinwagt, wird nicht mehr zurückkehren, da diese Teufel hier besonders wachsam sind.

„Tartarus“ ist außerdem ein Symbol für tiefe menschliche Verzweiflung. Jakob Trimm kam zwar gesund zurück, aber er kann den Krieg und die darin gesehenen und begangenen Gräuel nicht vergessen. Vor allem in der Nacht liegt er wach und kehrt im Geiste auf das Schlachtfeld zurück. Jakob ist in einem persönlichen Abgrund gefangen. Deshalb stürzt er sich mit durchaus selbstmörderischem Elan in den neuerlichen Kampf: Endlich muss er nicht mehr denken, sondern kann wieder handeln!

Großes Kino für kleines Geld

In einem Prolog zur eigentlichen Handlung sehen wir das Schiff der Aliens durch das Sonnensystem schlingern, bevor es in die Atmosphäre der Erde eindringt: So beginnen viele Science-Fiction-Geschichten. Allerdings findet die Invasion meist in der Gegenwart statt. Die Zuschauer finden sich problemlos zurecht, und viele (Außen-) Kulissen existieren bereits.

„Tartarus“ spielt Anno 1813. Wie Regisseur Stefan Müller beweist, ist es nicht unbedingt (finanzieller) Aufwand, der das Publikum mit Land und Leuten dieser Vergangenheit vertraut werden lässt. Sein Budget war geradezu lächerlich gering, unter 40.000 Euro soll es betragen haben. Die Dreharbeiten gestalteten sich deshalb schwierig. Sie begannen im Oktober 2007, mussten mehrfach unterbrochen und konnten kamen erst im Mai 2008 abgeschlossen werden.

Schon die Schöpfer klassischer Horror- und Mystery-Filme wussten scheinbar unüberwindliche Barrieren zu überwinden. Das Zaubermittel heißt „Einfallsreichtum“; es fordert allerdings das Hirn stärker als die Geldbörse und gilt deshalb vor allem dem Mainstream-Kino als allerletzter Ausweg. Wenn man es versteht, die richtigen Knöpfe im Hirn des Zuschauers zu drücken, genügen Andeutungen. Die Vorstellungskraft übernimmt den Rest und ergänzt individuell und wirkungsmächtig die nur scheinbaren Lücken. Unterstützend wirkt in unserem Fall eine klangstarke musikalische Untermalung, die sich in den Dienst der Handlung stellt.

Die trügerische Heimat

Stefan Müller und Martin Kroissenbrunner mussten einen soliden Ankerpunkt für ihre Geschichte finden. Sie fanden ihn in der Topografie einer Landschaft, die ebenso urwüchsig wie idyllisch und unwirtlich ist. Was zunächst paradox klingt, wird von Müller – gut unterstützt von Kameramann Martin Schneider – in entsprechende Bilder gesetzt, die darüber hinaus verdeutlichen, wie reich Mitteleuropa an ‚mystischen‘ Orten – hier vor allem die Lurgrotte in Semriach, eine fünf Kilometer lange Wasserhöhle, oder der allein durch Schmelzwasser gespeiste Grüne See in Tragöß – ist. Man muss sie nur finden und gebührend einsetzen.

Auch die Jahreszeit ist klug gewählt. Der Herbst geht in den Höhenlagen bereits früh in den Winter über. Das Licht ist matt und flüchtig, es wird von tiefen Schatten begrenzt. Die Nächte sind finster und werden durch Laternen und Fackeln nur notdürftig erleuchtet. Feuchter Schnee und Schlamm prägen den waldreichen Schauplatz, dem nachträglich die meisten Farbtöne entzogen wurden. Es dominieren die ‚Farben‘ Grau und Braun; nur selten gestattet die Kamera den Einzug ‚warmer‘ Farbtöne. Grün kommt nur als kränklicher, fast radioaktiver Schimmer vor, der die Anwesenheit der Aliens signalisiert.

Vor und hinter dem Spiegel

Das Leben ist hart und hat die Menschen geprägt. Selbst Veith Schartl, der in Pahlbach geboren wurde, gilt als Fremdling – ein gefährlicher Status, der ihn und natürlich auch den „Preußen“ Jakob Trimm zum idealen Sündenbock macht. So bleiben die Freunde allein in ihrem Kampf gegen die Aliens. Niemand hält es für nötig, sie zu warnen; womöglich hofft man, die Wesen würden erst einmal sie schnappen und die Bürger verschonen.

Die Gefahr wird umso akuter, je stärker die Gefährten aufeinander angewiesen sind. „Tartarus“ ist auch die Geschichte einer Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird. Ein intensiv gespieltes und schlicht aber eindringlich in Szene gesetztes Gespräch bringt an den Tag, wie unterschiedlich Veith und Jakob sind. Der eine ist ein Gegenwartsmensch, der Schreckliches erlebt hat und es überwinden kann, der andere bleibt ein Gefangener seiner Erinnerungen.

Man halte Veith deshalb nicht für einen fröhlichen Simpel. „Tartarus“ geht auch in der Figurenzeichnung eigene Wege. Als ein erster Versuch scheitert, die Höhle der Monster zu entdecken, ist es Veith, der nüchtern eine weitere Frau als Köder für eine neue Falle fängt. Er liegt völlig richtig damit, dass nur so der Schlupfwinkel gefunden werden kann, aber er nimmt den Tod auch dieser Frau in Kauf. So etwas würde Hollywood in einer möglichen Neuverfilmung zuerst eliminieren.

Drehbuchautor Martin Kroissenbrunner als Veith und Moritz Thate als Jakob überzeugen als wesensfremde Freunde. Gerade deshalb ergänzen sie einander. Jakob übernimmt dabei die Rolle des Grüblers und Denkers, der die Aliens als ‚Nachbarn‘ nicht einfach hinnimmt und sich mit ihnen arrangiert, sondern ihnen bewusst die Stirn bietet. Dabei geht er analytisch vor. Überhaupt spielt Aberglaube als Element der Handlung in „Tartarus“ keine Rolle. Die Kirche bleibt außen vor, pragmatisches Denken ersetzt die keineswegs vermisste Hexenjagd auf die beiden Fremden im Dorf.

Auch Aliens können irren

Vielleicht hätten die Kreaturen aus dem All besser einen anderen Landepunkt als ausgerechnet die Steiermark angesteuert. Freilich konnten sie trotz Hightech nicht ahnen, dass hier anderthalb Jahrhunderte später DER Alien-Killer überhaupt geboren würde: Arnold Schwarzenegger! Zudem scheinen diese Außerirdischen nicht übermäßig intelligent zu sein. Jakob Trimm durchschaut ihre Motive schnell. Schließlich hat auch Veith begriffen: „Das sind Viecher, die denken. Aber wisst ihr was? Das sind wir auch … und wir denken besser!“ So wird der von ihm organisierte Kampf der Pahlbacher Bauern gegen die Kreaturen wohl siegreich enden; jedenfalls sind keine späteren Fälle von Frauenraub durch Außerirdische in der Steiermark belegt …

Die „Viecher“ lassen sich möglichst selten sehen. Natürlich ist dies einerseits dem Budget geschuldet. Es gehört andererseits zum Konzept dieses Films: Was man nicht sieht, sondern höchstens ahnt, ist erschreckender als das Grauen im Licht. Wie richtig die Filmemacher damit liegen, zeigen jene Szenen, in denen die Kreaturen sich zeigen. Sie sind nur kurz und scheinen vor allem einen Kompromiss zwischen Konzeptreinheit und dem Verlangen nach ‚sichtbaren‘ Ungeheuern darzustellen. Trotzdem sind sie kontraproduktiv. Die „Viecher“ sind sichtlich Film-Monster, sie sind Modelle oder digital erschaffen. Anders ausgedrückt: Sie sind so künstlich, dass der Zuschauer es nicht ausblenden kann wie die manchmal allzu deutlich werdende Erkenntnis, dass „Pahlbach“ eine für diesen Film geschaffene Kulisse ist, die sich aus Häusern und Plätzen verschiedener Freilicht- und Bauernmuseen zusammensetzt.

Nicht jeder Schuss ist ein Treffer

„Tartarus“ funktioniert stets dort am besten, wo Müller und Kroissenbrunner von der Film-Norm abweichen. Wo sie sich auf Klischees stützen, werden die fadenscheinigen Stellen der Geschichte deutlicher. Wieso sind Aliens auf die ‚Geburtshilfe‘ von Menschenfrauen angewiesen? Warum setzen sie keinen fixen ‚Opferplatz‘ fest, statt immer wieder suchend durch den Nachtwald dorthin zu stolpern, wo die nächste Frau angebunden liegen könnte? Wie schafft es Veith, die bisher so feigen Bürger quasi auf Zuruf für seinen Feldzug gegen die „Viecher“ zu rekrutieren? Wie gelingt es besagten Bürgern, ihre Gewänder stets fleckenlos weiß zu halten?

Zudem schwelgt „Tartarus“ passagenweise allzu ausführlich in schönen Bildern. Ein wenig mehr Tempo könnte dem Film nicht schaden. Auf der anderen Seite holpert die Handlung in den ‚Action-Szenen‘ deutlich. Ebenfalls auffällig: Gegen Kroissenbrunner und Thate fallen die übrigen Darsteller deutlich ab. Nichtsdestotrotz ist „Tartarus“ interessant und unterhaltsam – ein Beleg dafür, dass der phantastische Film sehr gut in Europa verwurzelt sein kann, wenn man ihn nicht den Garagenfilmern oder dem Privatfernsehen überlässt.

DVD-Features

„Tartarus“ ist ein Film, der zwar ohne viel Geld aber dafür unter umso größerem Verbrauch von Hirnschmalz sowie mit viel Idealismus entstand. Dies spiegelt ein „Making of“ in Tagebuchform wider, das sich nicht in endlosem Eigenlob als Ergänzung zur Werbung erschöpft, sondern tatsächlich über die Entstehung eines Filmes Auskunft gibt, der unter den geschilderten Bedingungen eigentlich nicht hätte gelingen dürfen.

Hinzu kommen einige Szenen, die es nicht in den fertigen Film geschafft haben.

Zum Film gibt es diese Website.

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Hell – Gefangene des Jenseits

Erstellt von Michael Drewniok am 20. Februar 2012

Hell – Gefangene des Jenseits

Originaltitel: Narok (Thailand 2005)
Regie: Tanit Jitnukul, Sathit Praditsarn u. Teekayu Thamnitayakul
Drehbuch: Marisa Mallikamarl
Kamera: Tanai Nimchareonpong u. Kriangsak Sukkaphun
Schnitt: Surasak Pranken u. Sukro Wesalee
Darsteller: Wuttinan Maikan (Art), Nathawan Woravit (Ja), Baworanrit Chantasakda (Lae), Punyapon Dhajsonk (Chot), Sittichai Laungesalee (Aon), Arkom Peedrakul (Onkel Tao), Dollaya Polthipattayakul (Kim)
Label: Legend Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 02.10.2006 (DVD-Steelbook) bzw. 15.09.2011 (Single-DVD)
EAN: 0828768620694 (DVD-Steelbook) bzw. 4009750202869 (Single-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Thailändisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Sieben mieslaunige Dokumentarfilmer machen sich in ihrem Kleinbus auf, um irgendwo in der thailändischen Provinz einen unwichtigen ‚Skandal‘ für den TV-Boulevard ‚aufzudecken‘. Die kaltherzige und schwangere Ja wurde gerade vom Kindsvater Chot mit der naiven Produktionsassistentin Kim betrogen, Fahrer Aon ist ein notorischer Lügenbold, Tao, Ältester der Gruppe, ein Säufer, der seine Familie vernachlässigt und schlägt, der junge Lae ein Tunichtgut. Der freundliche Art bemüht sich, das Team miteinander zu versöhnen – ein Vorhaben, das sein abruptes Ende findet, als ein schwerer Bus den Van rammt.

In der realen Welt landen die sieben Gefährten schwerverletzt und komatös in einem Krankenhaus, wo die Ärzte um ihre Leben kämpfen. Unterdessen erwachen ihre Seelen in der Vorhölle, wo der Teufel sie schon erwartet, ihnen die lange Liste ihrer Sünden vorlesen und sie zwecks Folterung auf diverse Unterhöllen verteilen lässt.

Auf seine harsche Art vertuscht der Teufel, dass im kosmischen Gefüge etwas schiefgelaufen ist: Höchstens vier der sieben Neuankömmlinge sind echte Höllenhunde, während Art, Ja und Aon eigentlich zurück auf die Erde gehören. Art kommt dem Teufel auf die Schliche und beschließt, aus der Hölle auszubrechen. Da er ein guter Mensch ist, befreit er zuvor seine bereits tüchtig von dickbäuchigen Dämonen malträtierten Freunde.

Wütend schickt der Teufel seinen besten ‚Mann‘ und dessen Schergen den Flüchtlingen hinterher. Die haben sich inzwischen verirrt und geraten erst recht in finstere höllische Gefilde. Zudem schwächt Streit die Gruppe. Schließlich läuft den Gefährten die Zeit davon: Sollte die Flucht nicht bald gelingen, müssen sie tatsächlich auf ewig in der Hölle schmachten …

Die Hölle kann sehr irdisch sein

1960 entfesselte der japanische Regisseur Nobuo Nakagawa (1905-1984) schon einmal die Dämonen der Hölle. „Jigoku“ (dt. „Jigoku – Das Tor zur Hölle“) gilt trotz (oder gerade wegen) seiner schwierigen Entstehungsgeschichte als Klassiker des asiatischen Phantastik-Kinos. Knapp fünf Jahrzehnte später stritt der thailändische Fließband-Filmemacher Tanit Jitnukul zumindest nicht ab, mit „Narok“ ein Remake schaffen zu wollen.

Tritt man so weit zurück, dass nicht nur die Details, sondern auch grobe Strukturen zu verschwimmen beginnen, mögen gewisse Parallelen zwischen „Jigoku“ und „Narok“ erkennbar werden. Beide Filme spielen passagenweise in der buddhistischen Hölle, deren unglückliche ‚Gäste‘ wie im christlichen Gegenstück tüchtig gepiesackt werden. Diese Hölle setzt sich aus acht Kreisen – Dante Alighieris christliches Inferno hat einen Kreis mehr – zusammen, in denen der jeweils verdammte Pechvogel genau festgesetzte Qualen erleiden muss. Der achte Kreis ist den schlimmsten Sündern vorbehalten, die hier bis in alle Ewigkeit besonders einfallsreich geschunden werden.

Was bei Nakagawa begründet sowie atmosphärisch und durchaus beklemmend in Szene gesetzt wurde, verkommt in der Neufassung zum grellen, dummen, lächerlichen Comic im Stil der berüchtigten Cartoon-Tracts des brachialfundamentalistischen Feuer-&-Schwefel-Geiferers Jack T. Chick. Man kann sowohl dem Regisseur als auch dem Drehbuchautor höchstens unterstellen, ihr Höllenspektakel als Komödie angelegt zu haben; dem Rezensenten fehlt das spezifische religiöse Hintergrundwissen, um dies entscheiden zu können.

Teufeleien in schlammiger Kiesgrube

Allerdings ist es schier unmöglich, einem Film wie „Hell“ Substanz oder ernsthafte Zwischentöne zu unterstellen. Sieht sich wirklich nur der westliche Zuschauer fassungslos einem Machwerk ausgeliefert, das den Begriff „Trash“ auf eine nie gekannte Ebene bringt?

Hier kann rein gar nichts überzeugen. Ein Drehbuch existierte wohl nur als Skizze, ein Budget hat es offenbar nicht gegeben. Deshalb muss man sich die Hölle primär denken; sie wird mit Klein-Kulissen angedeutet, die ihren Ursprung – Kinderbibel einerseits, Geisterbahn andererseits – nie verhehlen können. Die meisten Höllenkreise stellen sich als aufgelassene Kiesgruben dar, in denen eher rustikale als wirkungsvolle Folterinstrumente stehen, an denen übellaunige Dämonen Marterdienst nach Vorschrift schieben. Von der ewigen Plackerei, die es bedeutet, Sündern brodelnde Lava in die Schlünder zu gießen, sie mit Sägen zu zerlegen oder ihnen die Därme aus dem Leib zu reißen – was mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt ist – sind sie wohl mehr als ein wenig abgestumpft. Wie sonst ist es zu erklären, dass ihnen unsere sieben Neuankömmlinge nicht nur einmal problemlos entwischen?

Es gibt außerdem eine Art Aufenthaltsraum, in denen fertiggebüßte Sünder auf ihre Wiedergeburt warten. Diese findet statt, indem sie in einen miserabel getricksten CGI-Wirbel steigen, der sie nach ‚oben‘ in ihr neues Dasein trägt. Nicht weit davon entfernt liegt der Thronsaal des knallrot gestrichenen Chef-Teufels, der dort Sünder selektiert sowie bei Bedarf seinen höllischen Heerscharen – etwa 10 graugrüne Dämonen der besonders erschröcklichen Art – strafend aussendet. Besondere Kenntnisse benötigt man auch für diesen Job offenkundig nicht: Als unsere Flüchtlinge die genannten Dämonen nahen sehen, verstecken sie sich unter einer – Brücke, die einfach irgendwo im Wald steht. Dort nachzusehen fällt ihren Verfolgern nicht ein.

Müssen Sünder klug sein?

Flucht ist unter den geschilderten Umständen also möglich. Leider sind unsere sieben armen Seelen mindestens ebenso dämlich wie die ihnen zugewiesenen Dämonen. Wieder einmal beißt sich die asiatische Art der Darstellung gewaltig mit der westlichen Beurteilung von Schauspiel. Folglich müssen wir siebenfaches Grimassieren & Greinen ertragen, bis das Maß einfach voll ist. Allein Lae dabei beobachten zu müssen, wie er ein Titten-Magazin findet und sich beim Betrachten schwitzend & grinsend die Lefzen leckt – buchstäblich! – tötet die Bereitschaft, sich auf „Hell“ einzulassen, mindestens ebenso gründlich wie eine Synchronisation, die jeden Darsteller nicht sprechen, sondern tonlos belfern lässt.

Die Siebenzahl der Sünder scheint ein Zaunpfahlwink auf die offenbar auch in Asien bekannten 7 Todsünden zu sein. Falls dem so ist, dürfen wir froh sein, im Westen zu leben: Im fernen Osten scheint sogar der Genuss von Dosenbier direkt in die Hölle zu führen. Wieder muss man wohl die Darstellung vor allem als Symbol begreifen: Die Schauspieler deuten eher an, statt in ihren Rollen aufzugehen. (Eine ähnliche Distanz lässt auch der verantwortliche Filmmusiker feststellen, der den Score durch trommelfellreizendes Synthie-Gedudel ersetzt.)

Hölle, wo ist dein Stachel?

Die erstaunliche Ärmlichkeit des Höllen-Inventars wurde bereits angedeutet. Dort ist die Zeit irgendwo zwischen Eisenzeit und Mittelalter stehengeblieben, was denjenigen Sündern, die der Verdammnis im 21. Jahrhundert anheimfallen, zu allem Überfluss einen gehörigen Kulturschock versetzt. Gefoltert wird unter Ausschluss von Technik ausschließlich in Handarbeit. Die dafür erforderlichen Instrumente mussten die Dämonen vermutlich selbst bauen.

Auch sonst ist ihr Job hart. Sie martern im Schichtdienst. Zwischen zwei Folterungen hängen sie ihre Opfer entweder an einen Haken oder ignorieren sie, weshalb diese laut jammernd oder zombiestill durch ihre Hölle wanken und dort jedermann im Weg stehen. Generell hat der Teufel sein Reich schlecht im Griff. So kann es geschehen, dass dem graugrünen Rollkommando der Zugriff auf unsere Flüchtlinge verwehrt bleibt, weil plötzlich schlammbeschmierte ‚Geister‘ aus ihren Erdhöhlen springen und sie verprügeln.

Statt dies für die Fortsetzung der Flucht zu nutzen, bleiben die Flüchtlinge vor Ort, um nacheinander über ihre sündhaften Existenzen zu räsonieren, sich anklagend an die Brustkörbe zu klopfen und Besserung zu geloben. Dies geschieht mit einem Pathos, das Fremdschämen geradezu herbei zwingt.

Logik-Lecks & Kasperle-Theater

Dieses Gefühl stellt sich übrigens auch ein, wenn man die ‚Spezialeffekte‘ (besser nicht) betrachtet. Wie üblich wird eine höllisch rote Umgebungsfärbung simuliert, indem der Kamera eine entsprechend eingefärbte Linse vorgeschraubt wird. Nichtsdestotrotz gibt es sogar grüne weil waldbestandene Höllenwinkel – oder hat der Kameramann besagte Farblinse vergessen?

Wacklige Pappe und zittrige CGIs zeichnen die Monumentalbauten der Hölle aus. Im Sonderangebot gab’s offenbar billige Wirbel (s. o.), die sich daher überall in den Höllenhimmel schrauben. (In der Tat: Diese Hölle hat einen Himmel!) Die Folter-Dämonen tragen Lumpen und Blechspieße von der Asia-Kino-Resterampe, der knallrote Chef-Teufel hat dort eine Art Samurai-Rüstung ergattert.

Wenn überhaupt Geld in dieses Trauerspiel floss, dann steckt es in den Folterszenen. Die lassen an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig, sind dabei jedoch so übertrieben geraten, dass nicht einmal die manisch nach „Gewaltverherrlichung“ fahndende deutsche Zensur anbeißen wollte: „Hell“ ist ab 16 Jahren freigegeben, wodurch immerhin unsere ganz jungen Mitbürger vor anderthalb Stunden einer unverschämten Zumutung bewahrt bleiben.

DVD-Features

Um der Frechheit des Hauptfilms die Krone aufzusetzen, gibt es diverse – sogar deutsch untertitelte! – ‚Interviews‘ mit verschiedenen Haupt- und Mitverantwortlichen, die man über einen ganz anderen und deutlich besseren Film befragt zu haben scheint. Der Zuschauer lernt daraus, dass man das Lügen im Dienst der Werbung auch in Thailand beherrscht.

Ein siebenminütiger Blick hinter die Kulissen bringt keinerlei nützliches Mehrwissen. Weil noch ein bisschen Platz auf der DVD war, spielte man nicht nur den deutschen, sondern auch den originalen Trailer sowie zwei TV-Spots auf. Erst dann hat das Elend endlich ein Ende.

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Apollo 18

Erstellt von Michael Drewniok am 16. Februar 2012

Apollo 18

Originaltitel: Apollo 18 (USA 2011)
Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Brian Miller
Kamera: José David Montero
Schnitt: Patrick Lussier
Darsteller: Warren Christie (Captain Benjamin Anderson), Ryan Robbins (Lieutenant Colonel John Grey), Lloyd Owen (Commander Nathan Walker), Andrew Airlie (Mission Control – nur Stimme), Michael Kopsa (Deputy Secretary of Defense – nur Stimme), Ali Liebert (Nates Freundin)
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 16.03.2012
EAN: 0886919027297 (DVD) bzw. 0886919027495 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 16

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Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Obwohl die USA ihre Raketenflüge zum Mond 1972 offiziell eingestellt haben, findet ein Jahr später eine streng geheime „Apollo 18“-Mission statt. Wissenschaftler haben eine Schnüffel-Station konstruiert, mit der sich die UdSSR – US-Amerikas zeitgenössischer Schurkenstaat Nr. 1 – ‚von oben‘ aushorchen lässt. Die finanziell klamme NASA erklärt sich bereit, das Gerät auf den Mond zu transportieren. Auch die Astronauten Benjamin Anderson, John Grey und Nathan Walker lassen sich nicht lange bitten, sondern vom Militär für die Mission rekrutieren.

Im Rahmen eines angeblich unbemannten Teststarts gehen die drei Männer auf große Fahrt. Sie haben die Order, mit transportablen Kameras ihre Arbeit zu dokumentieren. Der mehrtägige Flug zum Mond vergeht ohne technische Probleme. Im Orbit des Erdtrabanten eingetroffen, begeben sich Anderson und Walker gut gelaunt in die Landefähre, während Pilot Grey wehmütig in der Kommandokapsel zurückbleibt. Die Landung gelingt, das Peilgerät wird aufgestellt. Doch die Euphorie verfliegt, als seltsame Vorfälle die beiden Mondmänner beunruhigen. Die Funkverbindung zur Erde und zur Kommandokapsel fällt immer wieder aus. Stattdessen malträtieren schrille Störsignale ratlose Ohren. Steine scheinen ihren Platz zu verändern. Die stolz aufgestellt US-Flagge verschwindet.

Aus Sorge wird Furcht, als Anderson und Walker fremde Fußspuren entdecken. Sie folgen ihnen – und stoßen auf eine sowjetrussische Mondlandefähre! Ihr Inneres ist verwüstet und blutverschmiert, die Leiche des Piloten findet Anderson in einem nahen Krater. Aus Mondsteinen schlüpfen krabbenähnliche Kreaturen, die den Männern in die Landefähre folgen und Walker mit einer unbekannten Krankheit infizieren. Ihre Hilferufe werden ignoriert – die Männer erkennen, dass man auf der Erde sehr wohl weiß, dass es feindliches Leben auf dem Mond gibt, und sie als menschliche Versuchskaninchen missbraucht …

Was war dort oben wirklich los?

Sie tanzten nur drei Sommer lang: Nachdem die Astronauten Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin im Rahmen des Unternehmens „Apollo 11“ als erste Menschen den Mond betreten hatten (Juli 1969), folgten sechs weitere Mondfahrten, bevor das Programm mit Apollo 17 (Dezember 1972) aus Kostengründen abgebrochen wurde. Apollo 18 bis 20, obwohl bereits geplant, starteten nie; bis heute ist der Mensch nicht auf den Mond zurückgekehrt.

Schon die erste Mondlandung wurde zum Gottesgeschenk für misstrauische Verschwörungstheoretiker. Bis heute (und obwohl Ex-Astronaut Aldrin einem frechen Zweifler 2002 persönlich in den Hintern trat) wird ihre Realität angezweifelt. Halbwissen und die Verlockung, daraus resultierende Erkenntnislücken mit selbst gestrickten ‚Fakten‘ zu füllen, verbinden sich mit Anschauungen, nach denen der nur vorgeblich mündige aber tatsächlich vorsätzlich dumm gehaltene Bürger hilflos im Würgegriff notorisch komplottierender Politiker, Wirtschaftsführer und Kirchenfürsten zappelt.

Die heute schier grenzenlosen Möglichkeiten, theoretisch beweiswürdiges Quellen- und Filmmaterial auch nachträglich technisch so zu bearbeiten, dass sich seine Aussagen ins Gegenteil verkehren, lassen nicht nur der Fehlinterpretation, sondern auch der Manipulation breiten Raum. Selbst ernannte ‚Fachleute‘ (= Bauernfänger und Spinner) richten sich in entsprechenden Nischen ein, schreiben selbst gezimmerte ‚Beweise‘ voneinander ab und kreieren ein Schattenreich monströser Munkeleien, das den denkenden Menschen, der zufällig in diesen bodenlosen Sumpf gerät, ob des zur Schau gestellten und fanatisch genährten Irrwitzes erschauern lässt.

‚Dokumentiert‘ und trotzdem nicht wahr

Wesentlich erfreulichere Ergebnisse zeitigen die Werke derer, die sich spielerisch in der Grauzone zwischen Wahrheit, Vermutung und Interpretation tummeln. „Apollo 18“ erzählt eine simple Gruselgeschichte. Viele im Genre erfahrene Zuschauer erkannten es und waren trotzdem erbost; offenbar hatten sie etwas erwartet, das ihnen dieser Film nicht geben konnte. War es ein raffinierter Plot, den sie vermissten, oder waren sie unterbewusst der Hoffnung gewesen, durch diese ‚Dokumentation‘ über sensationelle ‚Tatsachen‘ in Kenntnis gesetzt zu werden, die sie auf den eigentlich recht langweiligen Mond projiziert hatten?

Ungeachtet dessen liefern Regisseur Gonzalo López-Gallego und Drehbuchautor Brian Miller gute Arbeit ab. Dies gilt vor allem, wenn man das ehrgeizige Konzept bei gleichzeitig bescheidenem Budget berücksichtigt: „Apollo 18“ präsentiert nicht nur eine funktionierende Spukgeschichte, sondern bietet auch einen großartigen Rückblick auf eine bedeutende aber schon fast vergessene Raumfahrt-Ära.

Man muss sich die doppelte Herausforderung vor Augen führen: für „Apollo 18“ wurde nicht nur die Technik der Jahres 1973 nachgebaut. Diese Kulissen und Requisiten wurden außerdem in einen Film integriert, der optisch und stilistisch zeitgenössische Dokumentarfilme imitiert. Um die selbst gestellte Aufgabe um einen weiteren Grad zu verschärfen, wurden authentische Film- und Tonaufnahmen integriert – dies nicht, um Kosten zu sparen, sondern um den Realitätsfaktor zu unterstreichen: Das in der Regel bruchlose Verschmelzen von Alt und Neu belegt eine Mission, die anders als „Apollo 18“ im Film gelungen ist.

„Konzentration“ könnte ein Schimpfwort geworden sein

Richtet sich der Grimm enttäuschter Zuschauer auf eine Geschichte, die nicht im Hollywood-Stil der aktuellen Marvel-Spektakel, d. h. mit jener drastischen Eindeutigkeit, wie sie beispielsweise die Teletubbies an den Tag legen, aufgesagt wird? Ereignisarm sei „Apollo 18“, wird immer wieder geschimpft. Dabei nimmt sich López-Gallego nur die Zeit, einen Spannungsbogen aufzubauen, den er bereits in Betrieb nimmt, lange bevor die Mond-Krabben ihr Unwesen treiben. Kleine, beinahe unbemerkte Irritationen schleichen sich ein, die an Intensität zunehmen und für Gruselstimmung sorgen. (Für diejenigen im Publikum, deren Aufmerksamkeitsspanne dabei womöglich überschritten wird, richtet der Regisseur zwischendurch hilfreich laserpointerhafte Hinweisstrahlen dorthin, wo sich gerade ein tückischer Mondstein sonst womöglich unbemerkt die Beine ausschüttelt.)

Geschickt setzt López-Gallego die (kunstvoll nachgebildete) Fehlfunktionen einer komplizierten und störanfälligen Technik ein, um die zunehmende Isolierung sowie die daraus resultierenden Irritationen der Astronauten zu verschärfen: Man hat sie ausgebildet, bis sie jeden Schalter in ihrer Kapsel selbst im Tiefschlaf finden und bedienen konnten. Doch die darauf gründende Zuversicht verflüchtigt sich, wenn die Technik ihre Kraft verliert.

Der Schauplatz trägt seinen Teil zur Übertragung dieser Unsicherheit auf die Zuschauer bei. Sie wurden in perfekter Kino-Hightech schon auf unzählige fremde Planeten entführt. Hüpfende Mondsteine dürften sie deshalb nicht wirklich aufregen. Doch López-Gallego gelingt die Entwicklung eines Schreckens, der in der Feststellung wurzelt, dass sich dort, wo nach Auskunft sämtlicher relevanter Informationen kein Leben existiert, eindeutig etwas rührt. Diese Erkenntnis zielt direkt ins Unterbewusstsein. Es nimmt entsprechende Beobachtungen wesentlich aufgeschlossener zur Kenntnis, was allerdings von instinktiven, schwer zu kontrollierenden Ängsten begleitet wird.

Unbekannt/fremd – gefährlich: Panik!

Wenn man die Erzeugung einer entsprechenden Atmosphäre unbestimmten Terrors als López-Gallegos Primärziel erkennt, entfällt ein weiterer Kritikpunkt, der auf die seltene und nie wirklich deutliche Präsenz der kleinen aber fiesen Mond-Monster zielt: Sie dürfen gar nicht öfter zu sehen sein, da sie sonst eine Bedrohlichkeit verlören, die der Zuschauer primär im eigenen Hirn gestaltet. Mit diesem Kniff umgeht López-Gallego ein bekanntes Problem: Selbst das tricktechnisch perfekte Ungeheuer verliert seinen Schrecken, je häufiger und deutlicher es sich blicken lässt. Der Zuschauer arrangiert sich mit seinem Anblick und lernt seine Reaktionen einzuschätzen. Vor allem wird es als Kunstfigur erkennbar, während die Mondwesen und ihre Motive undurchschaubar bleiben.

Nicht jede Frage muss oder sollte beantwortet werden; die Irritation des Publikums ist – wird sie beherrscht – ein starkes Unterhaltungselement. (Wie man es überreizt und damit ein Logikloch gräbt, zeigt uns López-Gallego freilich ebenfalls: Er bzw. Autor Miller hätten wenigstens andeuten sollen, wie das auf dem Mond zurückgebliebene Filmmaterial zurück auf die Erde und dort ins Internet kam.)

Apropos Tricktechnik: Ein wenig Nachsicht sollte der Kritiker generell walten lassen. Natürlich sieht man mehrfach deutlich, dass „Apollo 18“ unter Erdschwerkraft gedreht wurde, selbstverständlich dürfte man im Vakuum des atmosphärelosen Mondes keine Außengeräusche hören. Dass López-Gallego das Phänomen der Schwerelosigkeit bzw. schwächeren Mondschwerkraft durchaus bewusst war, verdeutlicht er durch kurze Momentaufnahmen wie den aus vielen echten Weltall-Dokus berühmten, weil in der Luft schwebenden und kreisenden Kugelschreiber. ‚Verstöße‘ dienen hier der Dramaturgie oder sind dem Budget geschuldet. Wieso wird gerade „Apollo 18“ in dieser Hinsicht gezaust? Weil man eine ‚Dokumentation‘ sieht? Die ‚Fehler‘ sind problemfrei zu ignorieren, wenn man sich auf die Handlung eines Spielfilms konzentriert.

Gefahr ist lunar, Paranoia sehr irdisch

Wer wie ich zumindest vor dem Fernseher ein Zeitgenosse der US-Raumfahrer war, erinnert sich vieler typischer Bilder. Stets im Programm war nach gelungener Landung der Blick auf die Astronauten, die jedoch nicht frei den Jubel genossen, sondern aus der Luke eines kleinen, dickwandigen, ungemütlich wirkenden Kastens winkten: Kaum aus der Landekapsel heraus, mussten sie in Quarantäne, denn wer wusste, was sie sich auf dem Mond eingefangen hatten!

Natürlich nichts, aber bevor man sich dessen sicher war, hatten die Astronauten diese unerfreuliche Prozedur über sich ergehen zu lassen. López-Gallego knüpft abermals an die Realität an und lässt eintreten, was man sich einst als Möglichkeit ausmalte. Die Furcht vor dem Tod aus dem All wird außerdem zum Auslöser eines finalen Gags, der ebenso schlicht wie gelungen ist.

Die wahren Monster hausen ohnehin wie üblich auf der Erde oder kommen von dort. In ihrer Landefähre zittern die beiden Astronauten, weil draußen womöglich ein böser Russe durch die Mondlandschaft schleicht und ihre Wagenburg belagert; der infizierte Walker steht in der Nacht unheilverkündend über dem ahnungslos schlafenden Anderson; schließlich werden die Astronauten von den eigenen Kameraden und von ihrem eigenen Land verraten, missbraucht und in den Tod geschickt: Ein wenig zu spät erinnern sie sich an die 1973 sehr aktuelle Watergate-Affäre, die den US-Präsidenten als Lügner und Verbrecher entlarvte.

So lassen sich hinter der scheinbar selbstgefälligen Spielerei einer „Mockumentary“ durchaus Zwischentöne finden, wenn man sie denn fordert. „Apollo 18“ unterhält aber auch ohne sie problemlos. Von der Seekrankheit erzeugenden Wackelkamera, die in „Cloverfield“ (2008) dem Filmgenuss abträglich war, ist dieses Subgenre inzwischen abgerückt. „Apollo 18“ macht Spaß; seltsam, dass ihn so viele Zuschauer (und Rezensenten) nicht finden konnten.

DVD-Features

Das Bonusmaterial wirkt auf den Überblick reichhaltig, bietet aber keine Überraschungen und wenig Informationen. Das „alternative Ende“ ist eine mehrfach leicht variierte Start- und Absturzsequenz der Mondfähre. Die „deleted scenes“ könnten zum Teil durchaus zum besseren Verständnis der Handlung beitragen. Der Audiokommentar von Regisseur López-Gallego und Cutter Patrick Lussier bezieht sich immer wieder auf einen angeblich nicht toll geratenen Erstschnitt und geht nahtlos in Loblieder auf diejenigen Crewmitglieder über, die für das viel besser geratene Endprodukt verantwortlich sind.

Zum Film gibt es diese Website.

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C2 – Killerinsect

Erstellt von Michael Drewniok am 26. Januar 2012

C2 – Killerinsect

Originaltitel: Infested/Ticks (USA 1993)
Regie: Tony Randel
Drehbuch: Brent V. Friedman
Kamera: Steve Grass
Schnitt: Leslie Rosenthal
Musik: Daniel Licht u. Christopher L. Stone
Darsteller: Rosalind Allen (Holly Lambert), Peter Scolari (Charles Danson), Seth Green (Tyler Burns), Virginya Keehne (Melissa Danson), Alfonso Ribeiro (Darrel Lumley), Ray Oriel (Rome Hernandez), Ami Dolenz (Dee Dee Davenport), Dina Dayrit (Kelly Mishimoto), Michael Medeiros (Jerry), Barry Lynch (Sir), Clint Howard (Jarvis Tanner), Rance Howard (Sheriff Parker), Judy Jean Berns (Dr. Kates), J. D. Stone (Tyler als Kind) u .a.
Label/Vertrieb: Screen Power/United Video
Erscheinungsdatum: 07.04.2002 (DVD) bzw. 01.11.2007 (Neuauflage DVD)
EAN: 4012909819191 (DVD) bzw. 4012020063183 (Neuauflage DVD)
Bildformat: 4 : 3 (1,33 : 1, Vollbild)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min.
FSK: 16
Neuausgabe (DVD)
Label/Vertrieb: HDMV (Gold Collection)
EAN: 9037695079326
Bildformat: 16 : 9 (1,66 : 1, Vollbild)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 81 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Mit einer Kleinbusladung verhaltensgestörter Teenager aus der Großstadt Los Angeles unternehmen die Sozialarbeiter und Gutmenschen Charles Danson und Rosalind Allen einen Selbstfindungstrip, der in die Bergwälder des US-Staates Kalifornien führt. Dort sollen gemeinsame Picknicks, Sonnenbäder u. a. Freizeitbeschäftigungen an der frischen Luft den guten Kern im inneren der eigentlich nur vorlauten Jugendlichen zum Vorschein bringen.

Die Begeisterung der Betroffenen hält sich verständlicherweise in Grenzen. Auch Dansons Töchterlein Melissa hält wenig von den philanthropischen Projekten ihres Vaters. Folgerichtig vertreibt sich die wenig besserungswillige Schar bald die Zeit wie üblich mit dem Konsum eingeschmuggelter Drogen, Sex und Vandalismus.

Doch im Wald geht Böses vor. Der schleimige ‚Geschäftsmann‘ „Sir“ unterhält im Schutz der Bäume eine florierende Marihuana-Plantage. Um die Erträge zu steigern, lässt er seinen Schergen Jarvis die Hanfpflanzen mit chemischen Lösungen dopen, die eine gefährliche Nebenwirkung haben: Die Nährbrühe tropft auf ein Nest von Zecken, die daraufhin ins Riesenhafte wachsen. Mit Mäusen geben sich die Blutsauger nicht mehr zufrieden, wie der unglückliche Jarvis bald erfährt: Die fiesen Parasiten bohren sich in seinen Körper, wo sie unter der Haut Grässliches anstellen.

Im Camp liegt inzwischen Meuterei in der Luft. So bleiben die mutierten Zecken lange unbemerkt und können sich ausbreiten, bis sie zum Angriff übergehen. Da Teenie Darrel beim Versuch, in die Zivilisation zurückzuwandern, über die Hanf-Plantage gestolpert ist und dabei erwischt wurde, schließen sich „Sir“ und sein degenerierter Schläger Jerry den Zecken an. Sie wollen feststellen, ob Darrel seine Gefährten informieren konnte, und eventuelle Zeugen ausschalten. Stattdessen sitzen die Gauner bald mit den Jugendlichen im Lager gefangen. Die Zecken dringen ins Haus ein, wo der schwer bewaffnete „Sir“ durchzudrehen beginnt …

Kleine Ekelbiester ganz groß

Es ist eigentlich erstaunlich, dass es so lange dauerte, bis die Zecke als Schreckensgestalt entdeckt wurde. Dabei eignet sie sich schon in ihrem winzigen Realkörper perfekt dafür: ein zur Familie der Spinnen gehörendes Tier – kein Insekt, wie der deutsche Filmtitel angibt –, das im hohen Gras oder Unterholz auf seine Opfer lauert, sich mit dem Kopf in dessen Haut bohrt, tückisch eine betäubende Flüssigkeit injiziert und sich anschließend mit Blut vollsaugt, bis der Körper auf ein Vielfaches der Ursprungsgröße angeschwollen ist. Als ‚Dank‘ überträgt das kleine Ungeheuer seinem Opfer womöglich die Erreger gefährlicher Krankheiten wie Borreliose oder Hirnhautentzündung.

Glücklicherweise sind Zecken in der Realität nur Millimeter klein. Was wäre, wenn sie deutlich größer würden? Lassen wir naturwissenschaftliche Fakten – Riesenzecken müssten ersticken, weil ihre Tracheen-Röhren, die sie statt Lungen besitzen, den Sauerstoff, den auch sie atmen, nicht in ausreichendem Maße transportieren könnten – beiseite, entwickeln sie sich auf diese Weise quasi automatisch zu Horror-Kreaturen. Im Film dichtet man ihnen noch einen auf Menschenfleisch geeichten Spürsinn sowie (je nach Wuchsgröße) bedrohliche Fauch- und Brülltöne an, Schreck & Ekel sind garantiert!

Werden sie mit einer ordentlichen Portion Blut und Schleim serviert, gleichen sie sogar ein schwaches Drehbuch aus. Zusätzlich profitiert der Zuschauer vom Alter des Films: 1993 steckte die Digital-Technik noch in den Kinderschuhen. Die Zecken sind deshalb ‚handgemacht‘ und gleichzeitig mit den unmittelbar auf ihr Erscheinen reagierenden Darstellern in jeder Szene. Da sie von versierten Spezialeffektlern kreiert wurden, sind sie bemerkenswert flink und wirken außerordentlich überzeugend – und widerlich!

Kein Klassiker – aber auf dem Weg dorthin?

9 von 10 Horrorfilmen, die unter ausdrücklichem Ausschluss filmkünstlerischer Ambitionen zum Zweck höchstmöglicher Profitmaximierung entstehen, versinken zu Recht in jenem Nirwana, der solcher Verbrauchsware vorbehalten ist. Nur der Trashfilm-Nerd und die Privatfernsehsender dieser Welt stöbern sie dort wieder auf. Im Nachtprogramm, in mieser Kopie-Qualität und in der Regel zensiert füllen sie Programmzeit und langweilen schlaflose Zuschauer.

„C2 – Killerinsect“ scheint auf den ersten Blick in diese Kategorie zu fallen. Die Präsenz dieses Films sogar auf dem deutschen DVD-Markt spricht dagegen: Immer wieder tauchen unsere Riesenzecken neu aufgelegt auf. In der Tat kombiniert „C2“ Trash, Klischees, Spannung und Splatter auf eine unterhaltsame und zeitlose Weise, die den Zuschauer das matte Drehbuch verzeihen bzw. als reines Transportmittel für möglichst viele Zeckereien begreifen lässt.

Im milden Licht einer solchen Wertung regt man sich auch nicht über die endlosen Ungereimtheiten und Handlungsschwächen auf: So repräsentieren unsere gestörten Jugendlichen allzu aufdringlich sämtliche kalifornischen Bevölkerungsschichten. Und welcher im Vollbesitz seiner Fachkenntnisse befindliche Sozialarbeiter würde eine hübsche Tochter, deren einziger Dachschaden offenbar ihre Zickigkeit ist, einen Agoraphobiker, einen aggressiven Gangster und eine durch Vergewaltigung verstummte junge Frau in einen rostigen Bus packen und ein verlottertes Wald-Camp ansteuern, wo sich die ‚Therapie‘ in diversen Leibesübungen im Wald erschöpft?

Schräg und schrill statt logisch und nachvollziehbar

„C2“ spielt in einer nur unter filmischen Aspekten funktionstüchtigen Welt. Deshalb ist es kein unwahrscheinlicher Zufall, sondern nur eine Frage der Zeit, bis unsere Teenies den Drogenköchen in die Quere kommen. Man rauft sich zusammen und kämpft sogleich wieder gegeneinander und mit den Zecken, während der umgebende Wald inzwischen lichterloh brennt. Auftritt der Feuerwehr? Fehlanzeige, aber schließlich hat Tierärztin Dr. Kates, die zuvor eine der Riesenzecken untersucht und ihre Gefährlichkeit betont hatte, anscheinend Feierabend gemacht und niemanden über die Bedrohung informiert. Im Wald sehen wir nur unsere Teenies, die Gangster und die Zecken toben.

Grundsätzlich hätte Regisseur Tony Randal auf die Vorgeschichte in Los Angeles gänzlich verzichten können. Sie wird als Abfolge jener sattsam bekannten Verhaltungsrituale inszeniert, die Hollywood den jugendlichen US-Bürgern unterstellt. Die Klischees der Rollen werden viele Jahre nach den Dreharbeiten durch Kleidung, Figuren und Frisuren verstärkt, die es in Sachen Scheußlichkeit jederzeit mit den Zecken aufnehmen können.

Hinzu kommt eine bekannte Zimperlichkeit: Selbstverständlich sind die ‚Kids‘ gar nicht ‚böse‘, sondern unglücklich, missverstanden und höchstens ein wenig verzogen. Eventuelle Streitigkeiten erweisen sich als Strohfeuer. Man verträgt sich schnell oder verliebt sich. Spätestens als die Zecken nach vorn drängen, werden sozial angeblich unverträgliche Zeitgenossen blitzartig zu Kampf-Kameraden.

Der Tod ist einfallsreich

Tony Randal hat sein Handwerk nicht nur von der Pike auf, sondern auch beim König des Schlock-&-Trash-Films Roger Corman gelernt, der die Zuschauer seit mehr als einem halben Jahrhundert mit  denkwürdigen Machwerken wie „The Beast with a Million Eyes“ (1955; dt. „Ausgeburt der Hölle“), „Women in Cages“ (1971), „Sorority House Massacre II“ (1990) oder „Piranhaconda“ (2011) malträtiert. Im Billig-Horror der Corman-Schule steht der Effekt im Vordergrund. Er setzt sich aus blutigem Mord und blanken Titten zusammen. Diese Teilaspekte werden höchstens variiert (oder kombiniert), niemals jedoch durch filmkünstlerisch wertvolle Einschübe entwertet.

Auf nackte Tatsachen verzichtet Randel seltsamerweise, doch gesplattert wird kräftig. Die Formbar- und Haltbarkeit des menschlichen Körpers wird detailreich auf die Probe gestellt; die Überschreitung jeglicher Grenzen ist dabei Ehrensache. Auch in diesem Punkt bleiben CGI-Effekte außen vor. Make-up und Modelle kommen zum Einsatz und belegen, dass die Spezialeffekte um 1990 ein hohes Niveau besaßen. Beim Anblick des krabbelnden Wimmelns hungriger Zecken unter menschlicher Haut ist zuschauerliches Mitgefühl jedenfalls garantiert!

Zur Hochform laufen die Effekthexer auf, wenn der Zeckenkönig aus seiner menschlichen Hülle platzt, in der er sich bisher verbarg. Dies versöhnt mit der Erkenntnis, dass dieses Biest in seiner Größe zwar bärenstark aber fußlahm ist und seine Opfer sich in einer Zimmerecke verlaufen und warten müssen, bis sie endlich erwischt werden – ein horrorfilmtypisches Problem.

Darsteller als Zeckenfutter

Wie man sich denken kann, wurde „C2“ keinem der Darsteller ein Vehikel zu Starruhm. Die üblichen Mimen der zweiten und dritten Garnitur schlugen zwischen den Zecken-Attacken Filmzeit tot. Alfonso Ribeiro nutzte eine Drehpause zwischen zwei Staffeln des TV-Klamauks „Der Prinz von Bel-Air“ – dort gab er den trotteligen Sidekick für Hauptdarsteller Will Smith – und ließ sich dadurch als Gast-‚Star‘ vermarkten.

Barry Lynch sieht man in seiner Paraderolle als nur vorgeblich ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft. Mimik und irres Dauergrinsen signalisieren den verkommenen Schurken; in „C2“ unterstützt ein exzessiv zur Haarbändigung gebrachter Kamm diesen Eindruck. Für die geistig schlichter gestrickte Fraktion des Publikums gibt es einen eindeutigen Bösewicht: Michael Medeiros zieht als Hinterwäldler Jerry geil & dreckig alle Register der „Backwood“-Klischee-Orgel.

Die übrigen Schauspieler kennt man aus vielen TV-Episoden. Manchmal sieht man sie auch als Nebenrollen in einem Kinofilm. Dabei haben sie in besseren Filmen als „C2“ mitgespielt, aber sie mussten auch viel Staub fressen. (Hat jemand Barry Lynch in & und „Total Force“ von 1997 gesehen? Hoffentlich nicht!) Sie machen ihren Job, den Rest erledigen die Zecken. Auf dieser Unterhaltungsebene wird „C2“ noch viele Jahre Grusel-Vergnügen verbreiten!

DVD-Features

Eine angejahrte Routine-Produktion wie „C2 – Killerinsect“ wird selten mit Extras ausgestattet. Auf den DVDs – eine Blu-Ray-Fassung gibt es nicht – finden sich nur (inzwischen hoffnungslos veraltete und auch sonst wenig informative) Texttafel-Filmografien von Seth Green und Rosalind Allen sowie eine anderthalbminütige Slideshow mit Bildern aus dem Film.

Ausgerechnet die für den Ramschverkauf in Supermärkten vorgesehene „Gold Collection“-Neuauflage von „C2“ bietet den Film nicht nur in (geringfügig) besserer Bildqualität, sondern auch im Breitbildformat. Hier lohnt es, die Augen offenzuhalten.

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XX … Unbekannt

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Januar 2012

XX … Unbekannt

Originaltitel: X: The Unknown (GB 1956)
Regie: Leslie Norman
Drehbuch: Jimmy Sangster
Kamera: Gerald Gibbs
Schnitt: James Needs
Musik: James Bernard
Darsteller: Dean Jagger (Dr. Adam Royston), Leo McKern (Inspektor McGill), Jameson Clark (Jack Harding), William Lucas (Peter Elliott), Edward Chapman (John Elliott), Peter Hammond (Lieutenant Bannerman), John Harvey (Major Cartwright), Anthony Newley (Lance Corporal „Spider“ Webb), Michael Ripper (Sergeant Harry Grimsdyke), Ian McNaughton (Haggis), Marianne Brauns (Zena), Norman Macowan (Old Tom) uva.
Label: Anolis Entertainment
Vertrieb: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 12.05.2005 (DVD)
EAN: 4020974156608 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 Mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min.
FSK: 16

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Das geschieht:

Nahe Glasgow bricht auf einem Übungsplatz der Armee eine tiefe Erdspalte auf. Radioaktiver Dampf steigt auf und verbrennt zwei Soldaten. Das Oberkommando steht vor einem Rätsel und wendet sich hilfesuchend an John Elliott, der ein nahes Atomkraftwerk leitet. Elliott schickt Dr. Adam Royston, einen fähigen aber exzentrischen Wissenschaftler, an die Unglücksstelle.

Während Roystons Untersuchungen erfolglos bleiben, beginnt in der Umgebung das Grauen umzugehen. Ein Kind stirbt an radioaktiven Verbrennungen, ein Krankenhaus wird seiner Radium-Vorräte beraubt. Royston entwickelt eine bizarre Theorie: Bewohner aus dem Inneren der Erde sind auf der Suche nach Energie, die für sie Nahrung bedeutet, an die Oberfläche vorgedrungen. Radioaktive Stoffe besitzen den größten ‚Nährwert‘, weshalb die Kreaturen sie auch in der Außenwelt zu finden wissen.

Nur Inspektor McGill, der im Auftrag der Regierung in dem Fall ermittelt, schlägt sich auf Roystons Seite. Die Armee wirft Bomben in den Spalt und füllt ihn mit Beton auf, womit die Angelegenheit für das Militär erledigt ist. Aber die Kreatur – es ist nur eine – existiert. Sie brennt sich buchstäblich durch die Betondecke und begibt sich auf einen neuen Raubzug. Ihr Ziel ist dieses Mal das Elliottsche Atomkraftwerk. Kann es sich an dem dort getesteten Radium laben, muss mit einem enormen Wachstumsschub gerechnet werden. Um das Werk zu erreichen, muss sich das Wesen seinen Weg durch die Stadt Inverness bahnen. Die ahnungslosen Bürger ergreifen die Flucht, das Militär ist machtlos: Mit Feuer oder Schusswaffen kann man einer durch Atomkraft belebten Kreatur nichts anhaben.

Royston plagt sich in seinem privaten Labor mit einem Verfahren, das radioaktiven Stoffen explosionsfrei ihre Energie entziehen soll. Zwar hat es noch nie funktioniert, doch es bleibt keine Wahl: Die Apparaturen müssen dort aufgebaut werden, wo die Kreatur unaufhaltsam ihrem Ziel entgegen wabert …

Unterhaltung benötigt manchmal Nostalgie

„XX … Unbekannt“ ist einer jener Filme, deren Inhaltsangabe die Kinowerbung eher vage hält. Dies leuchtet viele Jahrzehnte nach der Erstaufführung sogar noch stärker ein, obwohl auch der zeitgenössische Zuschauer sich (hoffentlich) seine Gedanken über die in jeder Hinsicht hanebüchene Handlung gemacht hat.

Ein Drehbuch, das den Tatbestand des Schwachsinns erfüllt, ist freilich kein Grund für das Scheitern eines Filmprojektes, das einfach nur unterhalten soll. „XX … Unbekannt“ ist kein Trash: Regisseur und Autor machen sich nicht über die eigene Geschichte lustig, sondern erzählen sie völlig ernst. Die Schauspieler halten sich an dieses Konzept. Ein wenig Humor lockert durchaus die Handlung auf, aber diese Szenen sind tatsächlich humorvoll gemeint und angelegt.

Der Trash-Faktor schimmert unabsichtlich dort durch, wo das knappe Budget und die im Vergleich mit den filmischen Wunderwerken der Gegenwart rudimentäre Tricktechnik der Illusion Grenzen setzt. Gelingt es dem Zuschauer, seinen Spott zu verdrängen und sich diese Sequenzen mit den Augen des zeitgenössischen Publikums anzuschauen, gewinnen sie ihre Bedeutung für das Geschehen, wo sie die Spannung auf altmodische aber gelungene Weise steigern.

Für eine gute Tasse Tee ist immer Zeit!

Eine gewisse Zeitlosigkeit erfährt „XX … Unbekannt“ durch die quasi dokumentarische Inszenierung. Die Handlung wird sorgfältig, aus heutiger Sicht sogar schleppend entwickelt. Trotzdem ist dies kein ‚langsamer‘ Film; so setzt das Geschehen sehr abrupt und mit einem frühen Höhepunkt auf einem Truppenübungsplatz ein. Geändert haben sich seit 1956 Stil und Rezeption: Filme werden heute deutlich schneller geschnitten. Das Publikum hat sich daran gewöhnt und erwartet dieses Tempo. Seine Getragenheit darf man „XX … Unbekannt“ deshalb nicht zum Vorwurf machen.

Bei kaum mehr als 75-minütiger Laufzeit kann sich die Handlung ohnehin keine Pausen gestatten. Sie führt zügig auf ihren Höhepunkt hin. Der Weg fordert erneut die Rücksicht des heutigen Zuschauers. Spannung wurde einst anders gesteigert als heute. Die Kamera schlüpft in die Rolle des Atom-Ungeheuers. So erleben wir die ersten Auftritte des Monsters nur als Reaktion, die sich in entsetzten Gesichtern spiegelt. Es folgt ein entsetzlicher Schrei, der plötzlich abbricht: Diese Pechvögel müssen etwas Grauenvolles gesehen haben – eine Vermutung, die in einer bestimmten Erwartungshaltung gipfelt: Wir freuen uns auf den Moment, wenn auch uns das Ungetüm endlich enthüllt wird!

Als dies geschieht, können wir Zuschauer des 21. Jahrhunderts nur irritiert, enttäuscht, amüsiert oder wütend sein: Die Kreatur entpuppt sich als rhythmisch leuchtender Wackelpudding, der sehr offensichtlich über schräggelegte Miniaturkulissen gleitet. Für das Publikum des Jahres 1956 fehlte die Erfahrung digitaler Wunderwelten.

Science Fiction plus Horror plus Thriller

Mit „The Curse of Frankenstein“ (dt. „Frankensteins Fluch“) begann die britische Produktionsfirma „Hammer“ 1957 den schier endlosen Reigen jener harten, in Farbe gedrehten Horrorfilme, für die sie bekannt und berüchtigt wurde. Doch „Hammer“ existierte schon vor dem II. Weltkrieg. Nach 1945 begann man zunächst mit dem Genre Science Fiction zu experimentieren. 1955 gelang Hammer mit „The Quatermass Xperiment“ (dt. „Schock“) ein schwarzweißer Blockbuster, der zudem in die Geschichte des SF-Films einging.

„XX … Unbekannt“ sollte eigentlich die Fortsetzung werden. Nigel Kneale, der die Figur des Bernard Quatermass erschaffen hatte, wollte sie jedoch für diesen Film nicht freigeben. So wurde aus Quatermass Dr. Adam Royston. Stil und Stimmung blieben indes erhalten. (1957 entstand unter Beteiligung von Kneale „Quatermass 2“/„Feinde aus dem Nichts“.)

Eigentlich sollte Joseph Losey „XX … Unbekannt“ inszenieren. Ein auch filmtechnisch interessanter Film hätte entstehen können, denn Losey zählt zu den Großmeistern der Regie. Während der McCarthy-Ära war er als „Kommunist“ denunziert worden. Losey hatte die USA verlassen und versuchte sich in Europa zu etablieren. Dort setzte er seine Karriere mit vielen bemerkenswerten Regiearbeiten fort. 1956 stand er noch am Anfang. Da „XX … Unbekannt“ nicht nur auf dem britischen Filmmarkt, sondern auch in den US-Kinos Geld einspielen wollte, hätte „Hammer“ gern einen auch jenseits des Atlantiks bekannten Namen engagiert. Der patriotische Dean Jagger wollte allerdings nicht mit dem „Roten“ Losey zusammenarbeiten. Dieser musste Leslie Norman weichen.

Das Grauen kann heimelig sein

Die „gemütliche Apokalypse“ ist eine sehr britische Literaturform. Schon H. G. Wells‘ Klassiker „Krieg der Welten“ (1898) ließ die Invasion vom Mars über eine Inselwelt hereinbrechen, die dem Untergang mit der berühmten „steifen Oberlippe“ und unter Wahrung von Form und Anstand begegnete. Später setzten Autoren wie Robert C. Sherriff, John Wyndham oder John Christopher diese Tradition fort.

„XX … Unbekannt“ ist im ländlichen Schottland angesiedelt. Zwar spielt die Atomkraft eine große Rolle, doch dort, wo sie erforscht wird, scheint die Zeit schon lange stehengeblieben zu sein. Auch die ‚Hightech-Forschung‘ des Dr. Royston spielt sich in einem selbstgebauten Schuppen ab; seine Versuchsapparaturen hat er zum großen Teil offensichtlich aus den Bestandteilen eines Baukastens für Kinder gebastelt.

Der Umgang mit dem Thema Atomkraft und Radioaktivität ist ohnehin einem politischen Zeitgeist geschuldet, der heute das wahre Horror-Element dieses Filmes darstellt. Drehbuchautor Jimmy Sangster und Leslie Norman verschweigen nicht die Gefahren, die mit ihrer Nutzung als Energieträger und vor allem als Waffe verbunden sind. Eine aus dem Kontext fallende Szene zeigt den verzweifelten Vater eines gerade an radioaktiver Vergiftung gestorbenen Kindes, der Royston schwere Vorwürfe macht und ihn als Handlanger einer Forschung anprangert, die sich primär für das Zerstörungspotenzial der Atomkraft interessiert. Royston reagiert betroffen, überwindet dies aber schnell mit dem Hinweis, dass der Vater irre: Nicht Zerstörung, sondern Energiegewinnung sei sein Motiv – ein Argument, dass nach Harrisburg, Tschernobyl oder Fukushima auch nicht mehr stechen kann.

Es kam aus dem Inneren der Erde

Obwohl die Spezialeffekte wie erwähnt der Herausforderung einer überzeugenden Darstellung der umgehenden Kreatur nicht gewachsen sind, holt Kameramann Gerald Gibbs das Beste aus den kümmerlichen Kulissen heraus. Schon als die Erdspalte aufbricht, muss die Fantasie des Zuschauers ihm zu Hilfe kommen. Wenn nichts brennen, explodieren oder durch das Unterholz geistern soll, können die Kulissenbilder überzeugen. Dass in Schwarzweiß gedreht wurde, unterstützt die Glaubwürdigkeit durch den geschickten Einsatz von Licht und Schatten.

In einigen Szenen wird es sogar rabiat, was „XX … Unbekannt“ in Deutschland die an sich lächerliche Freigabe ab erst 16 Jahren beschert. Vor allem den unglücklichen Arzt im Krankenhaus erwischt es hart: Sein Körper bläht sich auf, aus den geschwollenen Fingern spritzt Blut, und schließlich fließt ihm das geschmolzene Fleisch vom Schädel. Generell wird jedoch sehr moderat gesplattert.

Das Atom-Monster wurde schon erwähnt. Es wirkt in der Tat wie ein britischer Bruder des „Blob“, der allerdings erst 1958 in den USA (sowie hierzulande als „Blob – Schrecken ohne Namen“) sein Unwesen trieb. Da unsere radioaktiv im Geigerzähler lustig knatternde Kreatur nur durch die Schwerkraft (bzw. durch Besenstiel-Schubser von unten) ‚bewegt‘ wird, sehen wir sie niemals aktiv nach einem Unglücksraben greifen. Besonders schnell ist sie auch nicht, was ihre Bedrohlichkeit weiter schmälert.

Mutige Männer tun ihren Job

„XX … Unbekannt“ ist ein Film ohne Stars. Sie hätten den Finanzrahmen gesprengt. Man griff auf oft und gern beschäftigte britische Darsteller zurück, die wie üblich einen guten Job leisteten.

Den nun schon mehrfach zur Sprache gebrachten dokumentarischen Aspekt unterstreicht ein Drehbuch, das jegliche Liebesgeschichte ausklammert. Frauen treten nur als Krankenschwestern oder Mütter und am Rande auf. Das weibliche Publikum möge die folgende Zeile überspringen, aber faktisch bekommt der Story der Verzicht auf die übliche Romanze gut. Sie gehört nicht in die Handlung, und sie wird ihr nicht aufgezwungen – eine Konsequenz, die man gern öfter sähe.

Für eine letzte Irritation sorgt das Finale: Natürlich gelingt das riskante Experiment von Dr. Royston. Das Monster verwandelt sich in feuchten Lehm. Plötzlich explodieren seine Reste – eine Reaktion, die den Forscher erschreckt. Leider war wohl das Budget genau jetzt ausgeschöpft. Während der Zuschauer auf den finalen Twist wartet, der gerade angekündigt wurde, bricht der Film einfach ab, und die Schlusstitel beginnen zu laufen – kein glücklicher Ausklang für einen Film, der ansonsten für ein altmodisches aber trotz des Alters bildscharfes Vergnügen sorgt.

DVD-Features

„XX … Unbekannt“ wurde von Anolis Entertainment als 4. Teil der Reihe „British Horror Classics“ veröffentlicht. Da dieser Film 1956 als reines Unterhaltungsprodukt entstand, hielt sich die Zahl der noch aufzufindenden Extras in engen Grenzen. Aufgespielt werden konnten deshalb nur ein Trailer, eine selbstablaufende Galerie mit 14 Szenenfotos sowie ein achtseitiges Filmprogramm aus Dänemark. Hinzu kommt ein vierseitiges Booklet mit Hintergrundinformationen des Filmexperten Uwe Huber.

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Psychosis

Erstellt von Michael Drewniok am 19. Januar 2012

Psychosis

Originaltitel: Psychosis (GB 2009)
Regie u. Drehbuch: Reg Traviss
Kamera: Bryan Loftus
Schnitt: John Palmer
Musik: Scott Shields
Darsteller: Charisma Carpenter (Susan Golden), Paul Sculfor (David), Ricci Harnett (Peck), Justin Hawkins (Josh), Ty Glaser (Emily), Bernard Kay (Pastor Swan), Richard Raynesford (Charles), Sean Chapman (Detective Sergeant), Katrena Rochell (Helena), Tom Gaughan (irrer Killer), Darren Bransford (Giro), Slaine Kelly (Kirsty), Josh Myers (Snake), Sarah Briggs (Jade), Alexander Ellis (Roger) uva.
Label: Great Movies
Vertrieb: dtp entertainment
Erscheinungsdatum: 17.11.2011
EAN: 4051238004571 (DVD) bzw. 4051238004588 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (gekürzte Fassung)/89 min. (ungekürzte Fassung)
FSK: 18

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Das geschieht:

Als erfolgreiche Autorin viel gelesener Thriller bringt Susan Golden das Geld nach Haus, während Gatte David sich in London als Veranstalter von Firmenpartys abstrampeln muss. Ohnehin hätte ihn Susan gern bei sich daheim, da sie, nach einem Nervenzusammenbruch halbwegs genesen, immer noch labil ist.

Dies macht sich bemerkbar, als das Paar in sein neues Heim eingezogen ist. Es ist groß, stand lange leer und liegt sehr abgelegen auf dem Land. Susan ist es hier nicht geheuer. Ausgerechnet jetzt muss David viel unterwegs sein. Susan hilft es wenig, dass David ausgerechnet den Ex-Soldaten Peck als Wildhüter und Aufpasser engagiert hat, der die schöne Hausherrin nicht so sehr ver- als begehrt.

Überdies wird es vor allem nachts lebendig in dem alten Haus. Susan meint einen unfreundlichen Mann im Feinripp-Unterhemd durch die Flure geistern zu sehen, doch weder David noch die benachrichtigten Polizisten können Spuren eines Einbruchs finden; vor allem letztere tippen sich vielsagend an die Köpfe.

Susan überredet den skeptischen Priester Swan, einen Exorzismus zu organisieren. Die Zahl der Phantome nimmt trotzdem stetig zu. Selbst tagsüber treiben sie nun ihr Unwesen. Langsam gleitet Susan in den Wahnsinn ab – ein Vorgang, den David mit Wohlgefallen registriert. Er ist ein Strolch und Ehebrecher, der seine Gattin ins Irrenhaus treiben und über ihr Vermögen verfügen will. Viel von dem ‚Spuk‘ geht auf ihn zurück, aber Susann verfügt außerdem über das Zweite Gesicht und wird dadurch unfreiwillig Zeugin von Vorgängen, die auf das Jahr 1992 zurückgehen, als ein wahnsinniger Massenmörder seiner Arbeit nachging.

Je tiefer Susan dem Wahn verfällt, desto stärker wird ihre Sehergabe. Bald spuken auch die Geister der Zukunft in ihrem Hirn, was dafür sorgt, dass Davids böser Plan nur mit unerwarteten Nebenwirkungen aufgeht …

Spuk mit Hirn ist besser als Grusel ohne Geist

Die Liebhaber des eher handfesten Horrors werden vermutlich widersprechen, was an der Sache trotzdem nichts ändert: Eine Geistergeschichte funktioniert im Film und überhaupt am besten, wenn sich das Gespenst so selten wie möglich zeigt und sich dabei im Schatten hält. Dies gilt auch (oder gerade) im Zeitalter einer Tricktechnik, die auch das Unmögliche glaubhaft darzustellen vermag. Die Andeutung setzt zuverlässig das Hirnkino im Kopf des Betrachters in Gang, das wesentlich nachdrücklicher als Bits & Bytes für Gruselstimmung zu sorgen vermag.

Diese Tatsache erfreut jene Filmproduzenten, in deren Kriegskassen der Boden allzu deutlich durchschimmert: Man kann das Publikum auch in den Bann & ihm das Eintrittsgeld aus der Tasche ziehen, ohne teuer in ‚glaubwürdige‘ Spukgestalten investieren zu müssen! Die erwähnte Atmosphäre kann ein vollwertiger Ersatz sein. Allerdings entsteht sie nicht von allein. Sie muss ideenreich erzeugt und angefacht werden. Wehe den Unglücklichen, die auch in diesem Punkt versagen!

Reg Traviss dürfte ein Liedchen davon singen können. Er hatte wenig mehr als 1 Mio. Dollar zur Verfügung, um „Psychosis“ zu drehen. Seine Verwicklung in dieses Projekt vertieft sich, weil er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor verantwortlich zeichnet. Während ersterer sich halbwegs ordentlich aus der Affäre zog, hat sich letzterer am winterlichen Drehort nicht nur mit Schlamm, sondern auch mit Schande bedeckt.

Krimi mit Spuk-Einlagen oder Grusel-Krimi?

„Psychosis“ basiert auf einer Story des Filmhorror-Veteranen Michael Armstrong. Kenner des Genres werden ihn als Schöpfer von Grusel- und Trash-Filmen wie „Hexen geschändet und zu Tode gequält“ (1973) oder „The Sex Thief“ (1974) schätzen (oder verabscheuen), deren Drehbücher Armstrong wohlweislich unter Pseudonym verbrach. Unter dem Titel „Dreamhouse“ verfilmte Armstrong selbst für den 1986 aus drei Kurzfilmen zusammengesetzten Kompilationsfilm „Screamtime“ eine erste Fassung der „Psychosis“-Story. Angesichts dieser belastenden Vorgeschichte ist „Psychosis“ geradezu ein Meisterwerk geworden, was damit wohl Traviss zu verdanken ist, der Schlimmeres verhindern konnte.

Was nicht verhindert, dass die Geschichte an ihrer Überraschungsarmut krankt. Schon die Vermischung von Krimi – Lumpen-Gatte David treibt ein böses aber sehr reales Doppelspiel – und Phantastik – die von Susan erspähten Geister sind ‚echt‘ – ist keinesfalls originell. Die Verschränkung beider Welten funktioniert leidlich, bis Traviss die bisher geübte Zurückhaltung aufgibt und der längst erzählten Geschichte eine Coda meint ankleben zu müssen, die ihr nachträglich die mühsam aufgebaute Glaubwürdigkeit so gründlich wie ein Tritt zwischen männliche Beine austreibt.

Dieser nicht nur lächerliche, sondern auch unnötige Knalleffekt lässt den ohnehin schon lange köchelnden Zuschauerärger schlagartig auflodern. Soll dies etwa Ausgleich für eine Handlung sein, die als Höhepunkt in Unlogik förmlich ertränkt wurde? Vor den sie drangsalierenden Geistern flüchtet Susan in einen – Kühlschrank! Dessen Inhalt hat sie davor auf den Küchenboden geschüttet, damit auch das dümmste Gespenst merkt, wohin sie verschwunden ist. Generell nur mit Gewalt gelingt es Traviss, die reichlich eingestreuten Andeutungen so zurechtzubiegen, dass sie zu guter Letzt in die Handlungsrealität einmünden.

Zu viele Balla-Bälle in der Luft

Vielleicht hätte sich Traviss besser auf den Titel seines Films konzentriert. „Psychosis“ – in seiner griechischen Urform klingt dieser Begriff eindrucksvoller als das heutzutage nichtssagend abgeschliffene „Psychose“ – beschreibt durchaus korrekt den Gesundheitszustand von Susan Golden. Sie ist an einer geistigen Störung erkrankt, die mit dem Verlust des Realitätsbezuges einhergeht. Diese Diagnose öffnet viele Türen. Gerade der Film eignet sich hervorragend, Schein und Wirklichkeit so miteinander zu mischen, dass es dem Zuschauer ähnlich ergeht wie der armen Susan. Im Gegensatz zu ihr ziehen wir Vergnügen aus der Tatsache, kräftig an der Nase herumgeführt zu werden.

Die Geister, die Susans Hirn selbst rief, schienen Reg Traviss indes nicht unheimlich genug. Er holte deshalb Verstärkung aus ‚echten‘ übersinnlichen Gefilden. Dies könnte bei geschickter Verschränkung von Psychose und Spuk die Spannung in der Tat steigern. Leider patzt Traviss in dieser Hinsicht öfter als sein Ziel zu treffen. Schon der Rückblick ins Jahr 1992, mit dem der Film beginnt, ist viel zu lang und aufwändig. Später wartet man auf jene Wendung, mit der Traviss seine Relevanz für den gegenwärtigen Handlungsstrang beweist. Tatsächlich tauchen die Geister der rüde gekillten Öko-Aktivisten nur sporadisch auf und bleiben unwichtige Nebenrollen.

Englischer Winter in unfreundlicher Idylle

Der Gegensatz zwischen „Stadtmenschen“ und „Landvolk“ ist ein zementiertes Klischee nicht nur des Horrorfilms. Ungeschriebene Regeln vor allem moralischer Natur werden verletzt und heizen die Stimmung wesentlich heftiger an als Geistertreiben. Auch Susan und David sind nur oberflächlich willkommen.

Diesen Konflikt als Hintergrund für Susans zunehmende Isolierung lässt Traviss weitgehend ungenutzt. Er stellt lieber David als Bösewicht in den Mittelpunkt. Freilich kann der in Sachen Raffinesse oder Bedrohlichkeit nicht punkten. Bei näherer Betrachtung erntet er die Früchte seiner Intrigen nicht wegen, sondern trotz seiner Umtriebe. Schon die von ihm unendlich kompliziert eingefädelte Intrige unter Beteiligung des geilen Wildhüters Peck ist ein Witz: Susan ahnt höchstens, dass Peck ihr Rausch-Pilze ins Essen gemischt und sie anschließend beschlafen hat. Für die Handlung ist diese Wendung ohne Belang. (In Deutschland hat Traviss Glück: Die Zensur hat die ins Leere laufende Szene vollständig getilgt.)

An anderer Stelle lässt Traviss die Haupthandlung sträflich im Stich, um David auf eine seiner Eskapaden zu folgen. Wir sehen ihn in einem Bordell, wo er mit neureichen Swingern – die (glücklicherweise) selbst beim gemeinschaftlichen Whirlpool-Bad die Unterhosen anbehalten – und silikonbusigen Berufs-Beischläferinnen ‚perverse‘ Unzucht treibt, bis sich das Publikum vor Lachen auf dem Boden kugelt; offensichtlich hat Traviss hier angestaubte Orgien-Fantasien der Armstrongschen Drehbuchvorlage umgesetzt. Als kriminelles Mastermind hat David anschließend jedenfalls ausgedient.

An American Woman in Old England

Nur zwei Strohhalme gibt es, an denen sich der Zuschauer 90 Minuten festklammern kann. Aber Achtung: Es sind und bleiben Strohhalme, die Tragkraft nur in diesem Film und im Vergleich mit den trostlosen Leistungen der meisten Mitverantwortlichen besitzen!

Zu loben ist Kameramann Bryan Loftus, der vor nicht nur winterlich bedingt tristen Kulissen Bilder gelingen, die angesichts des Budgets erstaunen. Das alte Haus und die kalte, nasse Umgebung werden in ihrer abweisenden Wirkung durch behutsame ‚Entfärbung‘ geschickt verstärkt. Braun und grau, abgestorbenes Blattwerk und Schlamm dominieren; der wenige Schnee wirkt schmutzig, das Grün ausgewaschen und kränklich. Innerhalb des Hauses ist es selbst bei Tageslicht düster. Hier verzichtet Traviss auf ausgelaugte Horror-Klischees; nicht einmal der Keller wirkt unheimlich. Das Grauen, so wird deutlich, kommt erst durch Susan ins Haus. Dort beschränkt es sich auf Momentaufnahmen meist zukünftiger Ereignisse.

Zur zweiten Stütze von „Psychosis“ wird Hauptdarstellerin Charisma Carpenter. Als Charakterschauspielerin ist sie bisher kaum aufgefallen, ihr Erfolg beruht vor allem auf einem hübschen Gesicht, das Carpenter u. a. in TV-Serien wie „Buffy“, „Angel“ oder „Charmed“ zu Markte getragen hat. (Dank eines gut ausgeformten Oberkörpers wurde sie auch vom „Playboy“ Willkommen geheißen.) Als Susan Golden gelingt ihr die Darstellung einer Frau, die nach und nach den Verstand verliert. Carpenter ist kein unsicheres Mädchen, sondern eine erwachsene Frau, die nicht ohne Gegenwehr zerbricht, bis Drehbuchautor Traviss zu schlechter Letzt doch die Klischeekiste aufklappt und sie die Hände ringen, ein Krankenhaus-Hemdchen tragen und irre ins Leere starren lässt. Ihr Schicksal ist konsequent aber nutzlos, da es durch Traviss‘ Drang zur ausgleichenden Gerechtigkeit und den daraus resultierenden Finaltwist (s. o.) noch in letzter Filmminute in Vergessenheit gerät – ein Tropfen, der das Fass nicht nur zum Überlaufen bringt, sondern aus Benzin besteht, der den schwelenden Zorn des Zuschauers hoch auflodern lässt: Reg Traviss. Diesen Namen wird er sich merken! (Bei der Lektüre dieses Satzes bitte bedrohliche Musik einspielen.)

DVD-Features

Ausgerechnet ein (hoffentlich) rasch vergessener Film wie dieser wurde mit soliden Extras versehen. Ein halbstündiges „Making-of“ enthüllt keinerlei verborgenen Hintersinn. Menschen von vor und hinter der Kamera erzählen uns, was wir im Film (angeblich) gesehen haben. Ein gewisser Unterhaltungseffekt ergibt sich, wenn man die eigene Meinung mit jenen Lobeshymnen in Einklang zu bringen versucht, die im „Making-of“ dreist gesungen werden.

Eine Viertelstunde zwar gedrehter aber im Film nicht verwendeter Szenen belegt immerhin, dass es durchaus hätte schlimmer kommen können – an dieser Stelle ein dankbarer Gruß an Cutter John Palmer!

Offensichtlich in vorauseilendem Gehorsam wurde „Psychosis“ in Deutschland in fünf Szenen um insgesamt 2,5 min geschnitten. Wie so oft scheint Auswürfeln bestimmt zu haben, was entfiel. Diese Szenen sind in keiner Weise ‚härter‘ als das, was andere Horrorstreifen derzeit zeigen. Eine gekürzte sowie eine gänzlich entfernte Sex-Szene dürften in jedem „Tatort“-Krimi zur besten Sendezeit laufen, und die Gewalt beschränkt sich auf Sekundenbruchteile im Halbdunkel. Da „Psychosis“ kein Splatter-Film ist, leidet nicht die Story, sondern nur der freie Wille des angeblich volljährigen Zuschauers, dem wieder einmal vorgeschrieben wird, was er (nicht) sehen darf.

[md]

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Solomon Kane

Erstellt von Michael Drewniok am 12. Januar 2012

Solomon Kane

Originaltitel: Solomon Kane (Frankreich/GB/Tschechische Republik 2009)
Regie u. Drehbuch: Michael J. Bassett
Kamera: Dan Laustsen
Schnitt: Andrew MacRitchie
Musik: Klaus Badelt
Darsteller: James Purefoy (Solomon Kane), Rachel Hurd-Wood (Meredith Crowthorn), Pete Postlethwaite (William Crowthorn), Patrick Hurd-Wood (Samuel Crowthorn), Alice Krige (Katherine Crowthorn), Anthony Wilks (Edward Crowthorn), Max von Sydow (Josiah Kane), Lucas Stone (Kane als Kind), Samuel Roukin (Marcus Kane), Isabel Bassett (Hexe), Jason Flemyng (Malachi), Christian Dunckley Clark (Malthus), James Babson, Marek Vasut, Geoff Bell (dumme Räuber) uva.
Label/Vertrieb: Constantin Film
Erscheinungsdatum: 07.10.2010
EAN: 4011976877585 (DVD) bzw. 4011976319887 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1(Deutsch, Englisch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 100 min. (Blu-ray: 103 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Anfang des 16. Jahrhunderts hat sich der enterbte englische Adelssohn Solomon Kane im Ausland einen Namen als Glücksritter und Pirat gemacht. Als er eines Tages nur knapp dem Engel des Todes entkommt, der ihn holen wollte, weil er seine Seele angeblich dem Teufel verschrieben habe, wird Kane nachdenklich. Er schwört der Gewalt ab und zieht sich in ein Kloster zurück, wo er allmählich zur Ruhe kommt.

Zeitgleich hat der Zaubermeister Malachi mit der Eroberung Englands begonnen. Unter der Führung seines stummen, niemals unmaskiert auftretenden Heerführers fallen durch Hexerei gestärkte Truppen über die Landbevölkerung her, versklaven die Schwachen und zwingen die Starken unter Malachis geistiges Joch.

Kane verlässt das Kloster und begibt sich auf die Wanderschaft. Er will nach Nordamerika auswandern und dort ein neues Leben anfangen. Unterwegs fällt er unter Räuber. Gerettet wird er vom Puritaner William Crowthorn, den es mit seiner Familie ebenfalls in die Neue Welt zieht. Als Malachis Schergen seine neuen Freunde überfallen und töten, besinnt Kane sich alter, mörderischer Stärken. Er will die junge, schöne Meredith Crowthorn retten, die Malachi auf sein Schloss verschleppen ließ.

Der Weg dorthin ist lang und gefährlich. Hexen, Zombies und Verräter muss Kane überwinden, und irgendwann bekommt auch der Heerführer Wind von dem hartnäckigen Verfolger. Zu allem Überfluss entpuppt sich Malachis Hauptquartier als Stammburg der Kanes, nachdem dessen stolzer Herr, Kanes Vater, von dem Zauberer umgarnt und betrogen wurde.

Im großen Saal der Burg treffen die wenigen Schurken, die Kanes Rachezug überlebt haben, Kane selbst, Meredith und Malachi zusammen. Leider hat der Hexenmeister mindestens ein teuflisches As im Ärmel, das sich turmhoch über Kane aufbaut und ihm nach Leben und Seele trachtet …

Das Leben als Jammertal

1928 schuf der Unterhaltungsschriftsteller Robert E. Howard (1906-1936), dem wir auch ewige Fantasy-Helden wie Conan und die Rote Sonja verdanken, den Puritaner und Hexenjäger Solomon Kane. In einer Reihe von Storys führte ihn sein geistiger Vater an immer neue, meist exotische und stets unheimliche Orte, an denen ein Grauen lauerte, das vom schrecklich frommen Kane als heidnische Teufelei identifiziert und mit Feuer & Schwert ausgetilgt wurde.

Dieser Solomon Kane, ein düsterer, humorloser, fanatischer Geselle, blieb sich dank Howard stets treu. Er war nie sympathisch und ganz sicher keine Identifikationsfigur, aber in seiner Unerbittlichkeit und Kampfstärke der Richtige, um spannend den ausgetüftelten Todesfallen zu entkommen, die Howard sich für ihn ausdachte. War ihm dies gelungen, wandte er sich umgehend dem nächsten Teufelswerk zu. Dessen Ausrottung war seine Mission, eine Arbeit, die für Kane, das schaurige Ideal des kompromisslosen Puritaners, nie getan war.

Mit seiner schwarzweißen Weltsicht eignete sich Howards Kane nicht als Filmheld. Als solcher benötigte er Schwächen, eine entsprechende Vorgeschichte sowie die Reifung durch eine persönliche Queste, die ihn einerseits läuterte und andererseits menschlicher wirken ließ. Ähnlich war es bereits Conan, dem Barbaren, ergangen, der als erster Howard-Recke 1982 auf die Leinwand gestürmt war. Allerdings hatte Regisseur und Drehbuchautor John Milius darauf geachtet, die Figur nicht gar zu konturenglatt zu schleifen – ein Beispiel, dem Michael J. Bassett, ebenfalls Regisseur und Autor, 2009 nur bedingt folgte.

Ein langer Weg in die Vergangenheit

Dabei hätte es wesentlich schlimmer kommen können. 2001 stand „Solomon Kane“ schon einmal vor einem Drehbeginn. Die Titelrolle sollte an Christopher Lambert gehen, der sich gerade zum vierten (und hoffentlich letzten) Mal durch eine schaurig schlechte „Highlander“-Fortsetzung geprügelt hatte. Glücklicherweise zerschlug sich dieses „Kane“-Projekt; es kam erst 2006 erneut in Gang, als Bassett das Heft in die Hand nahm. Gecastet wurde nun James Purefoy, der nicht nur optisch einen glaubhaften Kane darstellt, sondern sogar über schauspielerisches Talent verfügt, das er in die Rolle einbringen konnte (und wollte).

Etwa 45 Mio. Dollar betrug das Budget. Angesichts der Wahnsinnssummen, die in Hollywoods Blockbuster fließen, ist dies moderat. Im Umfeld jener Streifen, die vor allem über ihre Spezialeffekte funktionieren, steht „Solomon Kane“ freilich gut dar. Das zur Verfügung stehende Geld konnte zudem gestreckt werden, indem man in der Tschechischen Republik drehte, wo auch heute Statisten noch so kostengünstig sind, dass man sie nicht digital ersetzen muss.

Deshalb fällt „Solomon Kane“ u. a. durch diverse Massenszenen auf, die gleichzeitig demonstrieren, dass die Kulissen nicht an den Bildrändern endeten. Detailliert ausgeführte Dorfflecken, Kirchen, Burgsäle u. a. Örtlichkeiten wurden in erstaunlichen Größen real gebaut. Die Kamera greift den zur Verfügung stehenden Raum mit Vergnügen auf und fliegt immer wieder über diese Kulissen, in denen es vor Leben und Schlachtgetümmel wimmelt. Das Wetter ist winterlich – es schneit und regnet, die Welt ist ein einziger Pfuhl, und nur ganz selten wird offenbar, dass diese Szenen meist am Tage und bei Sonnenschein entstanden. (Anzumerken ist eine auch in den Masken allzu ausgeprägte Affinität zur Gestaltung der „Herr-der-Ringe“-Filme.)

Der schwarze Mann mit dem großen Hut

„Solomon Kane“ lebt durch seine Bildopulenz sowie durch die Darstellungskunst seiner Hauptfigur. Zwar kann auch Purefoy die Schwächen des Drehbuches – dazu weiter unten mehr – nicht im Alleingang ausgleichen. Trotzdem gelingt es ihm, die holzschnittartige ‚Entwicklung‘, die sein Charakter erfährt, wenigstens ansatzweise nachvollziehbar zu gestalten. Der frühe Kane ist ein Räuber, Dieb und Mörder. Später entscheidet er sich für ein mönchisches Leben. Dann kommt hollywoodtypisch die große Krise. Sie geht mit dem vom Schicksal erzwungenen Rückfall in die Gewalttätigkeit einher, die auf diese Weise legitimiert wird: Kane hat es ja versucht, aber die Bösen ließen ihn seinen Frieden nicht …

Der eigentliche Solomon Kane manifestiert sich erst im Finale. Er ist jetzt weder Mörder noch Mönch, sondern ein Krieger des Herrn und bereit, sich für das Gute in die nächste Schlacht zu stürzen. Diese Wendung wird verständlicher, wenn man weiß, dass „Solomon Kane“ von Bassett als Trilogie geplant ist. (Ob sie jemals zustande kommen wird, steht aktuell in sehr weit entfernten Sternen.)

Im Vergleich zu Purefoy bleiben die übrigen Darsteller blass. Vor allem die arme Rachel Hurd-Wood steht auf verlorenem Posten: Ein Solomon Kane darf kein „love interest“ besitzen. Die schöne Meredith rettet er nur, weil er es ihrem sterbenden Vater versprochen hat. Ein Schwur zählt für Kane allemal mehr als Liebe. Beiläufig erwähnt er kurz vor dem Abspann, dass er Meredith bei ihrer Mutter abgegeben hat …

Unter dem allgegenwärtigen Schlamm und Dreck, den Bassett über seine Version des 16. Jahrhunderts spritzt, bleiben die Darsteller Archetypen. Was die Guten wie die Bösen umtreibt, ist oft unklar oder interessiert den Zuschauer nicht. Manchmal entscheidet Bassett schlicht falsch: Der böse Heerführer ist wesentlich interessanter und präsenter als der angeblich so mächtige Malachi, der erst im Finale auftritt und nicht wirklich erschrecken kann. Ratlos macht auch der Aufwand, den Malachi treibt, um Meredith suchen und in sein Schloss schaffen zu lassen. Dort weiß er nichts Besseres mit ihr anzufangen, als ihr ein wenig Jungfrauenblut abzuzapfen, mit dem er einen Dämon aus der Hölle heraufbeschwört.

Einige Akzente weiß höchstens der großartige Pete Postlethwaite in einer seiner letzten Rollen zu setzen. Sein unglaubliches Gesicht passt perfekt in diese archaisch überzeichnete Vergangenheit, während die Mehrheit der Darsteller allzu geschminkt und verkleidet wirkt. Was Postlethwaite in einen Film wie diesen brachte, der in der Rolle des William Crowthorn ein schauspielerisches Schwergewicht wie ihn nicht wirklich benötigt, bleibt dennoch unklar. Immerhin hat Postlethwaite Glück: Man erkennt ihn immerhin, während der Zuschauer eher fassungslos erst den Schlusstiteln entnimmt, dass er irgendwo auch der wunderbaren Alice Krige und dem großen Max von Sydow bei der Arbeit zugesehen bzw. beobachtet hat, wie sie verheizt wurden.

Erzählen ist schwieriger als gedacht

Nicht nur angedeutet wurde bereits, dass Aufwand und Story in keinem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Bassett erzählt eine Geschichte, die wir in jeder Filmsekunde kennen. Überraschungen gibt es nicht, Ungereimtheiten stattdessen mehr als genug. So lernen wir einen Todesengel kennen, dem Kane, ein einfacher Mensch, problemlos durch die Lappen geht; wie ein Trottel steht dieser ‚Engel‘ hinter dem Fenster, durch das Kane gesprungen ist, und brüllt ihm fruchtlose Drohungen hinterher. Wir sehen ihn nicht wieder; womöglich hat er seinen Job an Malachi abgetreten.

„Solomon Kane“ gehört zu jenen Filmen, die in interessante Episoden zerfallen, die sich zu keiner harmonischen Gesamtgeschichte fügen. Die Szenen in der von Zombie-Vampiren belauerten Kirche, die wilde Jagd durch die von Särgen und Knochen markierten Tunnel unterhalb eines alten Friedhofs, der finale Kampf mit einem ausgezeichneten konzipierten und realisierten Dämon bieten Entertainment auf hohem Niveau.

Hier gelingt Bassett, was ihm vorschwebte; er mindert es höchstens durch sein beschränktes Regietalent. Das liebste Stilmittel ist ihm die Zeitlupe: Zum Anschwellen eines, inspirationslosen, pseudo-pompösen, dröhnenden Scores stapfen Gut und Böse künstlich bedeutsam oder bedrohlich durch das Bild – wieder und wieder, bis es nicht einmal ärgert, sondern nur noch ein müdes Grinsen provoziert.

Mehr Engagement hätte Bassett in die Kampfszenen investieren sollen. Zwar lässt vor allem Kane Köpfe und Gliedmaßen fliegen, doch wird nie deutlich, wie ihm dies gelingt. Die meisten Gegner rennen ihm brüllend ins offene Schwert, das er wie einen Prügel schwingt. Damit will Bassett vermutlich deutlich machen, dass dies kein Jahrhundert hoher Kampfkunst ist. Wenn Kane im Alleingang Malachis Schergen dutzendweise abschlachtet, will diese Begründung aber nicht greifen.

Man kann sich schlechter unterhalten lassen

So ging „Solomon Kane“ dem „Conan“-Reboot von 2011 in gewisser Weise voraus: Viel Aufwand wurde getrieben, noch mehr Werbe-Wind darum gemacht. In beiden Fällen blieb der Erfolg hinter den Erwartungen zurück. Dafür sind allzu simpel gestrickte Storys hauptverantwortlich, denen formale Schwächen gegenüberstehen.

Die Enttäuschung resultiert freilich zu einem guten Teil aus enttäuschter Vorfreude. Macht man sich davon frei, bietet „Solomon Kane“ B-Movie-Entertainment der altmodisch robusten bzw. zeitlosen Art. Gerade Im Dschungel der DVD- und Blu-ray-Veröffentlichungen, in dem der Zuschauer immer wieder in geistestödliche Fallen zu stolpern droht, sorgt Kane für einen anspruchsfreien aber unterhaltsamen Filmabend.

DVD-Features

Da „Solomon Kane“ eine vergleichsweise stattliche Produktion darstellt, wäre ein ausgiebiger Blick hinter die Kulissen durchaus interessant. Die zum Hauptfilm aufgespielten Extras sind jedoch dürftig (Originaltrailer, MTV-Featurette), kaum verkappte Werbung (Interviews) oder eine Frechheit (‚Making of‘: 4 Min.!). Lohnenswert ist höchstens eine viertelstündige Mini-Dokumentation der Dreharbeiten.

[md]

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