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Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!

Erstellt von Günther Lietz am 28. August 2010

Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!

Deutschland 2009
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 4:3 – 1.33:1
FSK: Ohne Altersbeschränkung
Studio: Universal/Music/DVD
Filmlänge: 50 Minuten
Erscheinungsdatum: 05/2010

www.willi-wills-wissen.de

Erneut ist Willi Weitzel (Jahrgang 1972) in München unterwegs, um sich ein Bild von bestimmten Dingen zu machen. Für die DVD „Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!“ wurden zwei thematisch passende Folgen zusammengefasst. Jede der Folgen ist fünfundzwanzig Minuten lang und über ein einfaches Menü zu erreichen. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor und das Bild hat TV-Format. Kein Wunder, immerhin handelt es sich bei der Reihe „Willi wills wissen“ um eine TV-Serie des Bayerischen Rundfunks.

In der ersten Episode spürt Helmar Rudolf Willi Weitzel – stets kameradschaftlich Willi genannt – den Geheimnissen der U-Bahn nach. Er sieht sich auf dem Bahnhof um, schaut wie eine U-Bahn gebaut wird und darf schlussendlich sogar selber fahren.

Danach geht es in der zweiten Episode wieder nach oben, zu einem oberirdischen Bahnhof. Auch hier geht Willi allen Sachen auf den Grund. Er sieht sich ein Stellwerk an, nimmt den Bahnhof unter die Lupe, bekommt heraus wo Fundstücke landen und viele Sachen mehr.

Die größte Stärke der Reihe ist dabei, dass Willi als Berufskind zählt. Er stellt die Fragen aus Sicht seines jungen Publikums, hakt nach und wickelt die Gesprächspartner mit seinem Grinsen und Lachen um den kleinen Finger. Die Leute mit denen Willi umgeht sind keine Schauspieler, sondern echte Menschen, die aus dem jeweiligen Umfeld stammen. Gekonnt nimmt ihnen der Reporter die Scheu vor der Kamera, so dass die Antworten auf die Fragen authentisch transportiert werden. Dabei wird sorgsam darauf geachtet, dass jeder versteht wovon gesprochen wird.

Neben den neugierigen Fragen von Willi Weitzel, setzt er auch seine andere Stärke ein: Willi packt immer selber mit an. Das ist spannend und lustig. So macht Willi im Zug eine humorvolle Durchsage oder bricht beim Bau der U-Bahn – am Steuer eines Bohrfahrzeugs – selbst durch die letzten Zentimeter Gestein.

Auch „Willi wills wissen – Signal frei für die U2 / Ich versteh’ nur Bahnhof!“ ist eine kurzweilige und erfrischende Unterhaltung. Obwohl für Kinder produziert, können auch Eltern noch einiges lernen. „Die Sendung mit der Maus“, „Löwenzahn“ und „Willi wills wissen“, das sind Sendungen die Kindern bilden und formen. Weiter so, Willi!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Das A-Team – Der Film

Erstellt von Günther Lietz am 20. August 2010

Das A-Team – Der Film

The A-Team (USA 2010)
Länge: 117 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Joe Carnahan, Brian Bloom, Skip Woods
Produktion: Stephen J. Cannell, Jules Daly, Tony Scott, Spike Seldin, Iain Smith, Alex Young
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Roger Barton, Jim May

Besetzung: Liam Neeson (John „Hannibal“ Smith), Bradley Cooper (Templeton „Faceman“ Peck), Quinton Jackson (B. A. Baracus), Sharlto Copley (H. M. „Howling Mad“ Murdock), Jessica Biel (Charisa Sosa), Brian Bloom (Brock Pike), Gerald McRaney (General Morrison), Patrick Wilson (Lynch), Yul Vazquez (General Javier Tuco)

Fans haben viele Jahre warten müssen, bis dem A-Team endlich ein großer Kinofilm gegönnt wurde. Das A-Team ist endlich dort, wo es es hingehört – und es gibt keinen Plan B …

In der Wüste Mexikos geht es heiß her – wortwörtlich. So heiß, dass daraus eine Kameradschaft geformt wird, die auch noch acht Jahre später im Irak Bestand hat. John „Hannibal“ Smith und seine Leute bilden das A-Team, eine Spezialeinheit die nur Erfolge kennt. Zu Hannibals Team gehören Templeton „Faceman“ Peck, B. A. Baracus und H. M. „Howling Mad“ Murdock.

Hannibal plant eine neue Mission. Das Team soll gestohlene Dollar-Druckplatten und eine Milliarde Falschgeld zurückholen. Mit dem richtigen Plan kein Problem, doch trotzdem geht etwas schief und das A-Team steht vor dem Militärgericht. Niemand glaubt ihnen, dass sie hereingelegt wurden und Hannibal verspricht seinen Leuten, dass er ihren Ruf reinwaschen und den wahren Schuldigen zur Strecke bringen wird …

Das fasst die Handlung knapp zusammen und folgt somit der guten alten Serientradition: Die Handlung ist egal, Hauptsache es kracht! Und genau das bekommt der Zuschauer auch geboten.

„Das A-Team“ ist eine TV-Legende, die von 1983 bis 1987 produziert und vermarktet wurde. Es war eine der üblichen Actionserien der 80er Jahre, die im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. Für die ARD damals ein wenig zu brutal, sendete erst RTL in der 90er Jahren sämtliche Episoden. 2010 folgt nun endlich der Blockbuster aus Hollywood.

Regie führt dabei Joe Carnahan, der den Film verspielt und modern inszenierte, sich gar einen Cameoauftritt gönnte. Carnahan verzichtet auf den Versuch eine Fortsetzung zu stricken oder die Geschichte gar in die 80er Jahre zu verlegen. Nein! Joe Carnahan erzählt die Vorgeschichte und verlegt sie in die Gegenwart. Somit vermeidet er einen peinlichen Nostalgietrip und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Action, Spaß und Ehrerbietung mit einem dicken Augenzwinkern. Die Vorgeschichte selbst spielte in der Serie übrigens keine wichtige Rolle. Sie wurde schnell zusammengeschustert, um irgendwie eine Erklärung für die Zusammensetzung und die Motivation des Teams zu bieten. Dadurch, dass Carnahan genau hier seinen Film spielen lässt, vermeidet er einen allzu großen Handlungskonflikte mit der Serie. Und er vermeidet einen klaren Vergleich mit den alten und den neuen Darstellern.

Das ist sehr klug von ihm, denn sobald jemand versucht eine alte Serie nur zu kopieren und ein wenig modern anzustreichen, muss er unweigerlich scheitern. Carnahan folgt lieber J. J. Abrams Beispiel. Dieser schuf mit „Star Trek“ (2009) eine neue Zeitlinie und stellte damit sicher, dass seine Figuren zwar alte Wesenszüge zeigen, sich aber die neuen Darsteller trotzdem mit ihrer Persönlichkeit einbringen konnten. Eine Kopie (wie in „Mit Schirm, Charme und Melone“ 1998) wäre gescheitert.

Carnahan geht mit seiner Vorgeschichte ähnlich wie Abrams vor. Sein Helden-Quartett muss zu keinem Zeitpunkt den alten TV-Heroen entsprechen. Die Helden des neuen Films werden noch zu den Heroen geformt, die sie später sein werden. Für die Schauspieler ein fruchtbares Feld, denn so können sie bestimmte Eigenheiten der Vorlage ausspielen, aber dennoch ihren eigenen Charakter behalten. Mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Quinton Jackson und Sharlto Copley hat Carnahan auch dankbare Schauspieler, die diese Möglichkeit auch weidlich ausnutzen.

Keiner der vier Männer versucht eine billige Kopie des Originals zu sein. Aber jeder von ihnen hat die Vorlage gut studiert und sich grundlegende Eigenschaften angeeignet, die für einen entsprechenden Wiedererkennungswert sorgen. Erst einmal wäre natürlich das recht typische Grundverhalten des A-Teams. Der planende und stets lässige Hannibal, der grinsende Frauenschwarm Faceman, der aufrichtige Stadtkrieger B. A. und natürlich der verrückte Howling Mad. Als Verneigung vor dem Original und zur Vermeidung eines billigen Plagiats, sind sämtliche Figuren überzeichnet. Aber das ist in Ordnung, denn bevor sie später zu den altruistischen Rittern eines Testosteronmärchens werden und in bester Robin Hood Manier den kleinen Mann retten, wird noch einiges Geschehen und diese Männer formen. Einen Teil dieses Prozesses erlebt der Zuschauer im Film mit.

Sämtliche Hauptdarsteller sind hervorragend besetzt. Liam Neeson ist prädestiniert als Mentor seiner Jungs, Bradley Cooper spielte bereits in „Hangover“ den charmanten Schönling, Quinton Jackson ist so trocken und untalentiert wie Mr. T und „District 9“-Star Sharlto Copley ist herrlich erfrischend verrückt. Es macht einfach Spaß den Kerlen zuzusehen.

Bei solch starken Helden, braucht es natürlich auch einen fiesen Bösewicht. Und der kommt in Gestalt des CIA-Agenten Lynch daher, gespielt von Patrick Wilson. Die Rolle ist ebenfalls überzeichnet, aber in sich schlüssig. Und genau diese Überzeichnung ist es auch, die das A-Team später als Waffe gegen Lynch einzusetzen versucht. Das ist gut gemacht und gibt der Rolle den Anstrich der Nachvollziehbarkeit.

In einer Geschichte von Männern, über Männer und für Männer gibt es natürlich auch etwas fürs männliche Auge. Dafür ist Jessica Biel als Charissa Sosa zuständig. Sosa ist nett anzusehen, adrett und hatte mal eine Affäre mit Faceman. Biels Rolle ist stark reduziert, zu keinem Zeitpunkt dominiert sie die Handlung oder stört gar das Spiel der Kerle. Und das ist ihr wohl bewusst, denn ganz im Stil der Vorlage hat Frau keinen Stich zu machen. Sie sieht toll aus und sie braucht die Hilfe starker Männer. Das weiß Biel. Und so holt sie aus ihrer Rolle gekonnt heraus, was sie kann. Damit bildet sie eine nette Dreingabe zum A-Team.

„Das A-Team – der Film“ ist eine der letzten Männergeschichten, in denen Muskeln und Feuerkraft über Scharfsinn und soziale Netzwerke siegen. Klassisch, einfach und ohne Schnörkel. Das ist keinesfalls ganz zeitgemäß, aber im Sinne der alten Garde. Logik oder tiefsinnige Gedanken gehören an andere Stelle, das A-Team will nur Sachen zerlegen – und das gelingt großartig.

Die Actionszenen entbehren natürlich jeglicher Grundlage und sind weitgehend an den Haaren herbeigezogen. Geschenkt, denn die Action kommt stets betont lässig daher und funktioniert – wie der Film – nur für den gegenwärtigen Augenblick. Das bedeutet rasante Verfolgungsjagden, wildes Ballern, fliegende Panzer und zünftige Schlägereien. Das alles wird ordentlich mit der Spielfreude der Darsteller gemischt, die grinsend im Film agieren und ihren Spaß haben. „Das A-Team – der Film“ ist einer der letzten Abenteuerspielplätze für Männer!

Für deutsche Zuschauer ist natürlich sehr faszinierend, dass der Film einige Zeit in Deutschland spielt und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel mal auftaucht. Joe Carnahan und sein Stab beweisen gleichzeitig, dass sie keine Ahnung von Deutschland haben. So spielen Szenen in Frankfurt am Main, aber die Autos haben manchmal die Nummernschilder von Frankfurt an der Oder. Egal, denn auf den Autos prangt ja auch der Notruf 109 statt 110 – und der Kölner Dom wird plötzlich zum Frankfurter Hauptbahnhof. Wirklich Fehler und Schlampigkeit der Produktion oder vielleicht nur eine Hommage an die Fehlerquote der alten Serie? Denn dort war auch vieles an den Haaren herbeigezogen und wurde auch schon mal falsch wiedergegeben. Selbst wenn Carnahan schlampte, so gehört es trotzdem zum wunderbaren Charme des Films.

Ebenfalls verwunderlich ist die deutsche Synchronisation. An sich recht gut und mit deftigen Schimpfworten, lässt sie leider einen schönen Gag untergehen. Und zwar als Murdock nach dem Weg nach Berlin fragt. In der Synchronisation wird daraus leider die Frage nach dem Weg nach Frankfurt. Eventuell ist das falsche politische Korrektheit.

Eine der ganz großen Stärken des Films sind die liebevollen Verweise auf die Originalserie und deren Darsteller. So schauen sich die Patienten einer Anstalt einen „A-Team“-Film an, taucht öfter der Name Schultz auf (Dwight Schultz spielte den Murdock in der Serie), ist die Tätowierung auf den Fäusten des neuen B. A. ein Verweis auf einen Spruch des alten B. A. und vieles mehr. Einem Kenner der alten Serie geht da einfach das Herz auf.

„Das A-Team – der Film“ ist Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungsfaktor. Spielfreudige Darsteller, ein gelungener Soundtrack, pure Männeraction, durchgedrehte Szenen – einfach ein großer Spaß!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Abgelegt unter Action, Kino, Komödie, Serie | 1 Kommentar »

Matrioshki – Mädchenhändler – Staffel 1

Erstellt von Günther Lietz am 13. August 2010

Matrioshki – Mädchenhändler – Staffel 1

Belgien (2005)
Regie: Guy Goossens, Mark Punt
Drehbuch: Guy Goossens, Mark Punt

Disks: 3
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 18 Jahren
Studio: Edel Germany GmbH
Spieldauer: 450 Minuten

Darsteller: Peter Van den Begin, Axel Daeseleire, Evgeniya Khirivskaya, Tom Van Dyck, Zemyna Asmontaite, Manou Kersting, Luk Wyns

„Matrioshki – Mädchenhändler“ ist eine gefeierte Serie, für ihre Authentizität gerühmt und wird von Amnesty International zu Aufklärungszwecken eingesetzt – stellt sich die Frage: Warum?

Der Nachtclubbesitzer und Mädchenhändler Raymond “Ray” van Mechelen und seine Leute reisen regelmäßig in den Ostblock, um dort junge Frauen für angebliche Tanzshows zu rekrutieren. Tatsächlich werden die jungen und attraktiven Dinger nach Belgien verschleppt, dort zur Prostitution gezwungen und gewinnbringend weiterverkauft.

Doch die letzte Fuhre Mädchen ist ziemlich widerspenstig. Lustlos, ohne Motivation und mit dem Gedanken an Flucht (wer könnte es ihnen verdenken), bereiten sie Ray und seinen Freunden nur Probleme. Zu allem Übel ist ihnen auch die Polizei auf den Fersen. Glücklicherweise ist einer der Beamten korrupt und sorgt für etwas Entspannung. Aber leider gibt es auch interne Streitigkeiten und die Presse ist den Mädchenhändlern auf den Fersen …

Die erste Staffel der Serie umfasst insgesamt zehn Episoden auf drei DVDs. Auf der Hülle prangt auffällig der Aufdruck „FSK ab 18“ und auch die Inhaltsbeschreibung lässt starken Tobak erwarten. Tatsächlich versteckt sich aber hinter der knallharten Fassade eine weichgespülte Serie in dürftiger Lokalisierung.

Das FSK-Siegel scheint ein Werbegag zu sein und suggeriert einen schwer verdaulichen Inhalt. Tatsächlich weist nur die erste DVD ein FSK von 18 auf, die beiden anderen DVDs haben eine FSK von 16. Warum es überhaupt eine 18er-Freigabe gibt, ist fraglich. Tatsächlich ist der Inhalt um einiges harmloser, als jede Episode von „CSI“. Vielleicht liegt die Einstufung auch an moralischen Sittenwächtern, die Probleme mit zu viel nackter Haut haben. Aber selbst da bietet das TV mehr.

Die Geschichte selbst ist sehr brisant und zeigt die Niederungen der menschlichen Gesellschaft auf. Angeblich schonungslos und authentisch, doch auch hier ist es mehr Augenwischerei als Tatsache. Erst einmal bedient sich die Geschichte hemmungslos sämtlicher Klischees, die sich der Zuschauer für das Milieu ausmalen kann. Das wirkt einfach platt und kommt nur an den Rand der Wahrheit, ohne diese wirklich zu erreichen. Das Böse und Abartige lauert jenseits der Klischees, wohnt in scheinbar normalen Menschen inne. Diese Normalität und das Grauen dahinter, das fehlt „Matrioshki – Mädchenhändler“. Jede wichtige (männliche) Figur hat eine extreme Macke, ist überzeichnet.

Auch der Begriff organisiertes Verbrechen und Mädchenhändlerring werden überstrapaziert. Schon bald wird nämlich klar, dass hier ein belgischer Nachtclubbesitzer Frauen anlockt und in seinem Nachtclub tanzen lässt. Werden Anfangs noch Zeugen brutal aus dem Weg geräumt und den Mädchen wahllose Gewalt vorgeführt, verkommt der Stoff langsam zur Seifenoper. Es mangelt den Regisseuren Guy Goossens und Mark Punt einfach an Konsequenz und Kompetenz.

Das gut organisierte Verbrechen entpuppt sich als eine Handvoll überforderter Möchtegerngangster unter der Führung eines angelnden und seines Jobs überdrüssigen alten Mannes. Bei den angeblichen und gut geschmierten Polizisten handelt es sich um genau eine einzige Person. Und die Rolle ist zudem noch mies umgesetzt. Überhaupt wirkt die ganze Polizeiarbeit dilettantisch, scheinbar in dem Versuch den staatlichen Apparat keineswegs in Misskredit zu bringen und trotzdem eine Erklärung zu finden, warum sich die Mädchenhändler so lange Zeit austoben dürfen. Der eine Polizist hat keine Lust zu arbeiten, der nächste spricht kein Englisch und wieder einer glaubt den Beteuerungen des aktenkundigen Gauners. Da haben die Bösewichter aber nochmals Glück gehabt – jedenfalls in der Serie. In der Realität verlässt sich das Verbrechen weniger auf Glück, als auf Bestechung, Erpressung und Mord. Das fällt hier geflissentlich unter den Tisch oder wird nur kurz angerissen.

Kaum in Belgien angekommen, müssen die Girls in einem Nachtclub arbeiten. Und spätestens hier verkommt die Serie zur Lachnummer. Die Verbrecher sind allzu menschlich. Die Frauen behalten ihre Handys, können den Geschlechtsakt verweigern und haben alle Zeit der Welt, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Einzig ein einziges Mal wird die wahre Brutalität solcher Verbrecher offenkundig, als eines der Mädchen zum Hauptgewinn einer Tombola wird. Allerdings vergewaltigt „nur“ der Freier die Kleine, die Gauner halten sich da gemütlich raus. Diese beschweren sich nur darüber, wie lustlos die Frauen sind und keinen Spaß an der Sache haben. Echte Repressalien gibt es selten. Diese werden von Guy Goossens und Mark Punt nur spärlich eingesetzt. Manchmal gibt es Augenblicke, in dem tatsächlich die Brutalität der wahren Mädchenhändler durchblitzt, dann schaltet die Serie aber wieder schnell in den Weichspülgang runter.

Die Qualität der Darsteller ist durchwachsen und zeigt ein starkes Gefälle bei den Geschlechtern – und legt den Verdacht nahe, dass hier tatsächlich Frauen ausgenutzt werden. Die weiblichen Darsteller (Veerle De Jonghe, Ailika Kremer, Eugenia Hirivskaya, Indre Jaraite, Mila Lipner, Zemyna Asmontaite, Vilma Raubaite, Lubov Tolkalina, Saartje Vandendriessche, Svetlana Vladimirovna, Natalya Reva, Sveta Abolenkina und Zorina Tanasova) zeigen durchweg eine gute bis hervorragende Leistung. Ihre Figuren wirken authentisch, transportieren Emotionen und ziehen die Zuschauer in ihren Bann.

Die Riege der Männer wirkt dagegen amateurhaft. Sie legt besonders großen Wert auf betont lässige Auftritte und Macken, sind überzeichnet und dennoch langweilig. Die männlichen Rollen wirken zu keinem Zeitpunkt durchdacht oder real, sie verkommen zu klischeehaften Abziehbildern, die im Schatten der starken Frauen bleiben. Und der Lohn der ganzen Sache?

Während die Schauspielerinnen aus sich herausgehen, ihre Gefühle und ihren Körper bloßstellen, bekommen die Schauspieler die ganze Aufmerksamkeit. Auf dem Cover der DVD-Box und auf den DVDs selbst sind nur die Männer zu sehen – in betont lässigen Posen. Nur wenn die DVDs entnommen werden, gibt es etwas Platz für die weiblichen Darsteller. Das ist für einen Film mit solcher Thematik tatsächlich ziemlich perfide.

Ziemlich misslungen ist übrigens die deutschsprachige Lokalisierung. Die Synchronisation ist ziemlich blass und langweilig. Glücklicherweise wurden viele fremdsprachigen Texte im Original belassen und untertitelt. Dadurch wirkt die Serie etwas realer. Leider liegt nur die deutsche Tonspur vor und auch nur in Dolby Digital 2.0. Das ist etwas schwach. Das gilt auch für das Bild. Die Kameraarbeit ist nach Lehrbuch klassisch schlicht, das Bild der DVD lässt ein wenig an Schärfe und Farbe fehlen.

Trotz allem ist „Matrioshki – Mädchenhändler – Staffel 1“ eine unterhaltsame Serie, agiert aber keinesfalls auf dem ihr unterstellten hohen Niveau. Es ist einfache TV-Kost mit einer überzogenen Altersfreigabe, in der die Frauen die ganze Arbeit leisten und die Männer den Beifall bekommen. Wirklich ärgerlich ist, dass hier nur an der Oberfläche des Themas gekratzt wird.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Sanctuary – Wächter der Kreaturen – Staffel 1

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2010

Sanctuary – Wächter der Kreaturen

Staffel 1

Originaltitel: Sanctuary
Kanada (2007/2008)
Originalsprache: Englisch

Episodenlänge: jeweils ca. 42 Minuten
Gesamtspieldauer: 562 Minuten
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 5
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Erscheinungstermin: 4. August 2010
Produktionsjahr: 2009

Erstausstrahlung: 3. Oktober 2008 auf Syfy
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 2. Januar 2010 auf ATV

Regisseur: Martin Wood
Darsteller: Amanda Tapping, Robin Dunne, Emilie Ullerup, Christopher Heyerdahl, Ryan Robbins, Agam Darshi

http://www.sanctuaryforall.com/

Anfangs als Webisodes für das Internet produziert, zog der dortige Erfolg die Serie „Sanctuary“ auf den TV-Bildschirm, um den Erfolg dort zu wiederholen. 2008 mit größerem Budget gedreht, erscheint die erste Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ August 2010 endlich auch auf DVD. Dabei basieren der Pilotfilm und die erste Episode der Serie auf einen Zusammenschnitt der kurzen Webisodes, die als Bonusmaterial der Staffel beigefügt wurden.

Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ dreht sich alles um das sogenannte Sanctuary, einer weltweiten Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Welt vor Abnormen zu beschützen und die Abnormen vor der Welt. Abnorme, das sind Kreaturen, die von normalen Menschen als Monster bezeichnet würden.

Gründerin des Sanctuary ist Doktor Helen Magnus (Amanda Tapping), die ihrer eigenen Vorgeschichte wegen eine starke Verbindung zu den Abnormen hat. Sie, ihre Tochter Ashley (Emilie Ullerup), Protegé Will Zimmerman (Robin Dunne), Techniker Henry Foss (Ryan Robbins) und der hauseigene Bigfoot-Butler (Christopher Heyerdahl) bilden dabei ein unschlagbares Team im Sanctuary-Stammhaus.

Amanda Tapping ist in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ vor und hinter der Kamera Dreh- und Angelpunkt der Serie. Sie gehört mit zum Produktionsstab, ist die bekannteste Darstellerin und ihre Figur bildet gleichzeitig auch den Mittelpunkt der Hintergrundgeschichte.

Tapping, vor allen bekannt aus und durch „Stargate SG1“ und sämtlichen bisherigen Ablegern dieser Serie, kommt langsam in die Jahre (geboren 1965). Noch immer attraktiv und nun mit brünetten Haaren, überlässt sie das Feld der jugendlichen Heldin jedoch Emilie Ullerup und widmet sich einer gestandenen Charakterauslegung. Die ernsten Gespräche, philosophische Betrachtungen und alten Freunde fallen nun ihr zu. Sie führt jetzt die Herde der jungen Wilden an. Dank guter Maske, blonder Frisur und jugendlichem Aussehen, kann Tapping innerhalb der Serie sogar Ausflüge in Jugendjahre unternehmen, ohne dabei deplatziert und künstlich verjüngt zu wirken. Dabei ist die Figur der Helen Magnus so angelegt, dass auch Kampfsequenzen und historische Einblendungen nachvollziehbar sind.

Überhaupt spielt die Historie eine Schlüsselrolle in der Serie. In der Vergangenheit liegt die Antwort auf viele der Fragen, die aufgeworfen werden. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass alle Bewohner des Sanctuary ihre kleinen Geheimnisse haben. So ist es nur wenig verwunderlich, dass Jack the Ripper und Doctor Watson auftauchen und Helen Magnus (die in der Serie weitgehend nur mit ihrem Nachnamen angesprochen wird) mit einem Vampir gut befreundet ist. Die Handlung bietet einige Überraschungen, hat aber trotz aller Möglichkeiten ihre Längen.

Als Webisodes konnte „Sanctuary“ auf ganzer Linie überzeugen. Auf den Internetbenutzer abgestimmt und zu einem kleinen Preis, war die Qualität der Geschichte hervorragend. Der Sprung zur echten TV-Serie ist leider etwas zu kurz geraten. Die Handlung muss immerhin gestreckt, unterfüttert und angepasst werden. Eine Staffel „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ umfasst ganze dreizehn Episoden – die Webisodes reichten nur für drei Vollepisoden aus.

Somit wurde Helen Magnus’ Liebhaber John Druitt (Christopher Heyerdahl) viel Platz eingeräumt, eine mysteriöse Organisation namens „Die Verbindung“ eingebaut und gab es einige Änderungen in der übergreifenden Geschichte. Und das ist stellenweise deutlich zu spüren, da Wendungen und Handlungsverläufe manchmal an Schlüssigkeit vermissen lassen. Zum Ende hin (vor allem im Finale) gelingt es Regisseur Martin Wood zwar die Fäden ordentlich zusammenzuführen und die Geschichte in geordnete Bahnen zu bringen, doch bis dahin ist es manchmal nur ein steter Mischmasch aus Charakteranalyse und handlungsgetriebener Story. Während die Webisodes im Gleichgewicht waren, sucht die TV-Serie episodenweise noch ihre Balance.

Das mag unter anderem auch daran liegen, dass sich „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ an bekannten und erfolgreichen Formaten orientiert. Pate standen hier eindeutig das britische „Torchwood“ und das amerikanische „Supernatural“. Leider mangelt es „Sanctuary“ am Charme der Briten und der Härte der Amerikaner. Um bei bekannten Serien zu bleiben, so sei noch gesagt, das einige der Gastauftritte ebenfalls bekannt sein dürften. Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ handelt es sich um eine kanadische Produktion und – für TV-Mystery-Serien-Fans sicherlich eine gelungene Sache – somit haben einige Darsteller der Serie „Highlander“ ihren Weg in die Sanctuary-Produktion gefunden. Die Serie „Highlander“ war mit mehr als einhundert Episoden in den Neunzigerjahren ziemlich erfolgreich und eine franko-kanadische Produktion.

Allgemein sind sämtliche Darsteller bekannte Gesichter, meist jedoch aus der Serienlandschaft. Nur wenige haben den Sprung auf die große Leinwand geschafft und meistens nur in billigen Produktionen oder in einer Nebenrolle. Aktuell dürfte vor allem Christopher Heyerdahl bekannt sein, der in der „Twilight Saga“ Marcus Volturi gibt. Er bildet neben Amanda Tapping das zweite Schwergewicht in der Serie und – aufmerksame Leser werden es schon bemerkt haben – spielt in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ zwei Rollen. Zum Einen ist er der bösartige John, zum Anderen auch der Bigfoot-Butler des Anwesens. Beides sind anspruchsvolle Rollen, sehr unterschiedlich angelegt und jedes Mal bravourös gespielt. Einzig störend ist die plötzliche Wendung im Charakter des John, was aber schlussendlich durch die Umwandlung als TV-Serie bedingt ist.

Zusammengenommen bilden Handlung und Rollen ein rundes Gesamtpaket, in dem auch Darsteller wie Robin Dunne, Emilie Ullerup und Ryan Robbins halbwegs überzeugen. Zwar bekommen die drei des öfteren Zeit zugewiesen um ihre Charaktere auszubauen, aber noch misslingt es ihnen sich gegen die stark agierenden und sehr dominanten Tapping und Heyerdahl durchzusetzen. Ullerup wirkt mit ihren speckigen Hüften, den Pausbäckchen und der langen, dicken Knarre unfreiwillig komisch statt erotisch (wobei die jugendliche Zielgruppe sicherlich gefallen am Teenagerstyle Ashleys findet). Dunnes Zimmerman bekommt erst ab der zweiten Hälfte mehr Kraft und Robbins Waffen- und IT-Experte Henry bleibt – trotz aller offensichtlichen Bemühungen der Macher – blass.

Was bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ besonders auffällt, ist der starke Einsatz von CGI-Effekten. Es gibt kaum eine Szene in der darauf verzichtet wurde. Leider wurde auch auf das nötige Kleingeld verzichtet, um die Effekte glaubhaft darzustellen. Da die ganze Serie mit der neuen RED-Kameratechnik gedreht wurde (ein hervorragendes Verfahren zum digitalen Aufzeichnen), wird das auch sehr deutlich und in brillanter Schärfe gezeigt. So wirken etliche Einstellungen (wie die Außenansicht des Sanctuary) steril und künstlich, viele Animationen billig. Andererseits gibt es auch sehr viele gelungene Animationen, tolle und organisch wirkende Hintergründe und Einstellungen, in denen die CGI-Effekte verborgen bleiben. Dadurch entsteht eine sehr eigenwillige Mischung, die im Endeffekt für eine durchschnittliche Tricktechnik sorgt.

Die Musik ist dagegen sehr gut und stets passend ausgewählt. Sie transportiert schön die düstere und geheimnisvolle Stimmung, zieht bei der Action an und hat auch ihre ruhigen Augenblicke. Das gefällt sehr gut. Gleiches gilt für die Synchronisation der Serie. Auch hier wurde sich viel Mühe gegeben und kommt Amanda Tapping mit ihrer gewohnten deutschen Stimme daher. Großes Lob geht an den Sprecher von Christopher Heyerdahl, der seine Arbeit sehr gut und mit hörbarer Spielfreude macht.

Zusammengenommen handelt es sich bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ um eine Serie mit viel Potenzial nach oben. Die Ursprünge als Webisodes sind offensichtlich und so wirkt die erste Staffel der Serie recht durchwachsen. Das gelungene Finale macht jedoch Lust auf mehr und lässt erahnen, dass die Produktion und Regie die Serie auf eine gute TV-Linie bringen wollen. „Sanctuary – Wächter der Kreaturen – Staffel 1“ gewinnt in den letzten Folgen an Tempo weiß sehr gut zu unterhalten.

Die Präsentation der Box ist gelungen. Düster und mit allen wichtigen Darstellern versehen. Leider wird die schicke Box von einem unschönen FSK-Aufdruck verunstaltet. Bild und Ton sind hervorragend, als Sprachen liegen die deutsche und englische Tonspur vor.

Das Bonusmaterial ist eher dürftig und besteht weitgehend aus kurzen Featurettes, die einfach nur billige Promotion sind und keinen echten Mehrwert besitzen. Einzig die Webisodes wissen zu überzeugen. Alle acht Folgen sind vorhanden, leider nur auf Englisch. Aber das macht der Sache keinen großen Abbruch und vermittelt ein Bild davon, wie die Serie eigentlich aussah und aufgebaut war. Das ist ein spannender Blick hinter die Kulissen

Die Serie hat leider ihre Schwächen, aber auch Stärken. Somit ist die Box zur ersten Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ durchaus als gutes Mittelmaß zu bezeichnen.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD erhältlich bei Libri.de

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The Grudge 3

Erstellt von Michael Drewniok am 10. Juni 2010

The Grudge 3

Originaltitel: The Grudge 3 (USA 2009)
Regie: Toby Wilkins
Drehbuch: Brad Keene
Kamera: Anton Bakarski
Schnitt: John Quinn
Musik: Sean McMahon
Darsteller: Johanna Braddy (Lisa), Beau Mirchoff (Andy), Gil McKinney (Max), Jadie Hobson (Rose), Emi Ikehata (Naoko), Matthew Knight (Jake), Shawnee Smith (Dr. Sullivan), Aiko Horiuchi (Kayako), Shimba Tsuchiya (Toshio), Takatsuma Mukai (Daisuke), Marina Sirtis (Gretchen), Laura Giosh (Renee), Mihaela Nankova (Brenda), Michael McCoy (Praski) u. a.
Vertrieb: Constantin Film

Erscheinungsdatum: 22.10.2009 (Kauf-DVD bzw. (Blu-ray)
EAN: 4011976872382 (DVD) bzw. 4011976314981 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 90 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Nachdem Jake, der letzte Überlebende der Kimble-Familie (s. „The Grudge 2“), wie angekündigt ein grausiges und unerklärliches Ende gefunden hat, beginnt Dr. Sullivan, die den verstörten Jungen psychologisch behandelt hatte, seiner wirren ‚Erklärung‘ nachträglich Glauben zu schenken: In dem alten Mietshaus in Chicago, das seiner Familie ein Heim war, habe sich ein Fluch aus Japan eingenistet, der in Gestalt einer bizarr verrenkten Geisterfrau und eines weißhäutigen Geisterkindes über die Kimbles hergefallen sei.

In Tokyo liest die junge Naoko von der Tragödie in Chicago. Sie erkennt, dass es sich bei den Geistern um ihre Schwester Kayako und ihren Neffen Toshio handelt, die einst vom jähzornigen Schwager Takeo so grausam ermordet wurden, dass daraus ein „Ju-on“ entstand – jener Fluch, der unerbittlich jeden tödlich trifft, der mit ihm in Kontakt kommt. Eine amerikanische Japanreisende schleppte ihn ahnungslos in die USA ein, wo er später die Kimbles fand.

Nun geraten weitere Bewohner des Mietshauses ins Visier des Fluches. Toshio hat es auf die kleine Rose abgesehen. Das an einer Lungenkrankheit leidende Mädchen wird von ihren schon erwachsenen Geschwistern Max und Lisa erzogen. Der Bruder ist Hausmeister, die Schwester gerade dabei, mit ihrem Freund Andy nach New York umzuziehen.

Zunächst können die Geister unbemerkt ihr Unwesen treiben und Mieter metzeln. Doch aus Tokyo trifft Naoko ein, um dem Fluch im Rahmen einer Austreibungs-Zeremonie ein Ende zu bereiten. Auch Dr. Sullivan forscht in dem Haus nach übernatürlichen Spuren. Kayako und Toshio müssen bald getrennt arbeiten, um sämtliche Fluch-Vorgaben erfüllen zu können. Sogar Takeo gesellt sich zu ihnen, sodass Lisa und Naoko sich mächtig ins Zeug legen müssen, um den völligen Overkill zu verhindern …

Der Fluch des Erfolgs

„The Grudge 3“ belegt eindrucksvoll, dass selbst der stärkste asiatische Fluch vor dem modernen Bösen kapitulieren muss. Es nennt sich „Franchise“ und ist berüchtigt für einen unerbittlichen Würgegriff, der nur nachlässt, wenn seine Kraftquelle – das Geld seiner Opfer – dünner durch seine Adern zu rinnen beginnt. Bis es soweit ist, kennt das Franchise keine Gnade mit einer Geschichte, die ihm zwischen die Fäuste geraten ist, sondern presst sie aus, bis der leeren Hülle nur noch lauwarme Luft entweicht, die von seinem ungerührten Meister nichtsdestotrotz als sauerstoffreich belebende Unterhaltung etikettiert und weiterhin möglichst profitabel verkauft wird.

Wer eine Portion jener Luft erwischt, die den Namen „The Grudge 3“ trägt, wird je nach Veranlagung unterschiedlich auf den Konsum ansprechen. Einschlafen oder wütendes Wettern werden aber sicherlich die beiden häufigsten Reaktionen darstellen, denn dieser Film bietet trotz handwerklicher Akkuratesse eine lächerliche Story, die zudem unter vollständiger Abwesenheit von Inspiration weniger erzählt als dem Publikum vorgeworfen wird.

Schon „The Grudge 2“ hatte (wieder einmal) bewiesen, dass manche Geschichte keine Fortsetzung hat. Zwar handelte diese erneut von einem schier sich unendlich fortsetzenden Fluch, doch der ist recht monoton: Wer Kayako und Toshio über den Weg läuft, muss sterben – Pech für diejenigen, die er trifft, aber ebenso leiden müssen die Zuschauer, die höchstens durch Variationen der vom Fluch initiierten Tode bei Laune gehalten werden können.

Faule Tricks für faulen Zauber

Aber auch in dieser Hinsicht gibt der ursprüngliche „Ju-on“ kaum Spielraum. Kayako windet sich kalkweiß mit gebrochenen Knochen auf ihre Opfer zu, während Geister-Söhnchen Toshio – mindestens ebenso bleich – munter dazu kreischt. Anschließend wird der aktuelle Unglücksrabe tüchtig durchgewalkt, gegen die Wände geworfen oder seiner Augen beraubt. Was ihm oder ihr möglicherweise sonst angetan wird, bleibt offen, da die Kamera gern abblendet, bevor unsere Geister richtig ans Werk gehen; das soll die Vorstellungskraft der Zuschauer in Gang bringen und schont außerdem die Börse des Produzenten, der Geld für teure Spezialeffekte spart.

Um den wie auf Schienen in bekannte Richtung laufenden Fluch attraktiver zu gestalten, erweiterte Drehbuchautor Brad Keene den Mythos. Dies ist legitim, funktioniert aber selten. Auch in unserem Fall führten die neuen Einfälle nur zur Verwässerung des Konzeptes. Der böse Takeo, der den „Ju-on“ in einem Anfall wahnwitziger Wut geschaffen hatte, war durch Selbstmord und vor allem spurlos geendet. Nun taucht er plötzlich ebenfalls aus dem Geisterreich auf, schließt sich seiner Familie an und ergreift Besitz von Hausmeister Max: unlogischer Blödsinn, der durch weitere trübe Geistesblitze verschlimmbessert wird.

Plötzlich taucht eine Schwester der untoten Kayako auf. Siehe da, sie, die plötzlich zu einer Art Hexe mutiert, bringt das übliche Lösungsmittel ratloser Drehbuchautoren mit in die USA: Es gibt ein (albernes) Ritual, mit dem sich die Geister austreiben lassen. Weil sie zu den Darstellern gehört, niedlich und kindlich ahnungslos ist, muss neben Lisa auch Rose an der Zeremonie teilnehmen. Warum kann Naoko ersatzlos auf Max verzichten, der ebenfalls von den Geistern gepiesackt wird?

Nicht nur langweilig, sondern auch farblos

An „The Grudge 3“ fällt nicht nur der unausgegorene Fortsetzungs-Plot, sondern auch dessen inspirationslose Umsetzung unschön auf. Regisseur Toby Wilkins hat mit „Splinter“ (2008) bereits bewiesen, dass er seinen Job besser kann. Hier war er wohl selbst ratlos in der Frage, wie er dem ausgebrannten Mythos wenigstens in Bild und Ton auf die Sprünge helfen könnte. „Schrecken“ wird deshalb gleichgesetzt mit dem bewährten „Buh!“-Ruf, was hier u. a. so aussieht, dass jedes jenseitige Wirken durch lautstarke Musik und das ruckhafte Schwenken der Kamera auf verzerrte Geisterfratzen angekündigt wird bzw. verstärkt werden soll; muss ausgeführt werden, dass und wieso dies nicht klappt?

Leid tun einem die Darsteller. Zwar gehören sie nicht zu den begabten Größen ihrer Zunft, doch etwaiges Talent könnten sie in diesem Film ohnehin nicht unter Beweis stellen. Klischees dominieren, immer wieder fallen Figuren wie Naoko für lange Zeit aus der Geschichte heraus. Johanna Braddy, Gil McKinney oder Beau Mirchoff sind einfach nur ansehnlich präsent. Jadie Hobson gibt das Hollywood-Kind, ist also einerseits altklug und verhält sich andererseits dämlich dort, wo jeder normale Kind Übles ahnen und sich fernhalten würde: Wie kann sie den schneeweißen Toshio auch nur eine Sekunde für etwas anderes als einen Geist halten?

Während Shawnee Smith den Film mit einem für das Geschehen nutzfreien Kurzauftritt immerhin durch ihre „Saw“-Prominenz adelt, stimmt der Anblick von Marina Sirtis nur traurig. Nachdem ihre „Star-Trek“-Zeit als Deanna Troi endgültig vorbei ist, muss sie sich offenbar mit Nebenrollen über Wasser halten, wie sie jeder namenlose Kleindarsteller ausfüllen könnte.

Spuk ohne Esprit

Kann Heimweh auch Gespenstern zu schaffen machen? Die Vermutung liegt nahe, wenn man Kayako und Toshio beim Spuken und Morden beobachtet; sie wirken abgelenkt. Liegt es daran, dass wir ihre Faxen zur Genüge kennen? Kommen ihre Übeltaten in einem US-Hausblock nicht so zum Tragen wie in einem japanischen Einfamilienhaus? Wirkt die in der Kayako-Rolle neubesetzte Aiko Horiuchi nicht so erschreckend wie Takako Fuji, die nicht nur in „The Grudge“ und „The Grudge 2“, sondern auch in den originaljapanischen „Ju-on“-Filmen eine wahrlich eindrucksvolle Geister-Furie gab? Oder liegt es an einer Kamera, die allzu ausgiebig auf einem Spuk verharrt, dem Schatten besser zu Gesicht stehen?

Ein Indiz für Fortsetzungen, die eigentlich überflüssig sind, bietet im Horrorfilm jener ‚Härtegrad“, der sich u. a. in der Literzahl verspritzten Kunstblutes messen lässt. Je sinnfreier der Film, desto plakativer wird das Grauen. „The Grudge 3“ belegt es – schön für oben zitierte Hypothese, schlecht für die Zuschauer, denn zufrieden können beide nicht sein: die Gruselfreunde, die einen subtilen, atmosphärischen Schrecken lieben, und die „gorehounds“, für die Blut und andere Körperflüssigkeiten gar nicht hoch genug spritzen können.

Wenigstens sind die zahlenarmen Tricks sorgfältig inszeniert, denn Regisseur Wilkins begann seine Filmlaufbahn als Spezialist für „visual effects“. Auch sonst sieht „The Grudge 3“ sehr gut aus für einen Film, dessen Budget nur 5 Mio. Dollar betrug. Für „The Grudge 2“ hatte Takashi Shimizu noch die vierfache Summe verdrehen dürfen (damit aber auch kein wesentlich überzeugenderes Ergebnis erzielt). Für Teil 3 wich die Produktion deshalb ins Billigparadies Osteuropa aus.

„The Grudge 3“ wird als Ende der Serie angekündigt. Da der kostengünstig entstandene Film, der nicht mehr ins Kino kam, sondern direkt auf DVD bzw. Blu-ray gepresst wurde, knapp 37 Mio. Dollar einspielte, darf dieser Verlautbarung nur unter großem Vorbehalt Glauben geschenkt werden. Angesichts des ausgeglichenen Null-Niveaus des dritten Teils erzeugt bereits der Gedanke an „The Grudge 4“ endlich jenen Schrecken, die der Film längst nicht mehr entfachen kann.

DVD-Features

Obwohl in „The Grudge 3“ weder viele Ideen noch Geld investiert wurden, gibt es zum Hauptfilm doch einige Zusatz-Infos, die helfen sollen, das Franchise am Leben zu erhalten. Faktisch handelt es sich dabei um das übliche „Making-of“, das jedoch in minutenkurze Featurettes zerhäckselt wurde, um dem Zuschauer = Käufer mehr Extras vorzugaukeln.

Unter dem Titel „Tokyagoaria” finden wir Impressionen eines Film-Alltags, der finanzschwache US-Produktionen wie „The Grudge 3“ heute wie selbstverständlich ins osteuropäische Exil zwingt. Sowie die Kulissen ‚Tokyo‘ als auch ‚Chicago‘ entstanden am tatsächlichen Drehort: in Sofia, der Hauptstadt Bulgariens. Dort arbeiten ausgewiesene Filmhandwerker für Billiglöhne und realisieren dabei Kulissen, die auch einen Streifen wie „The Grudge 3“ ansehnlich wirken lassen. U. a. wurde in Sofia die nach den Dreharbeiten von „The Grudge 2“ niedergerissene Mietshaus-Kulisse nach den Originalplänen neu, in Windeseile und perfekt nachgebaut; in „Tokyagoaria” sehen wir Matthew Knight, einziger Darsteller, der den zweiten Teil überlebte, fasziniert durch die Kulisse streifen und sie mit den Bauten von 2006 vergleichen.

In „The Curse Continues“ bemüht sich vor allem Regisseur Wilkins intensiv darum, den Zuschauern weiszumachen, sie würden mit einerseits mit den bewährten und beliebten „Grudge“-Elementen bedient, während sie andererseits auf fesselnd neue Seiten des „Ju-on“-Fluches gespannt sein dürfen – reiner Dummfug, der alte Publikumsschichten beschwichtigen und neue erschließen soll.

Die Extras werden durch einige geschnittene Szenen abgerundet, die dem endgültigen Werk in der Tat überhaupt nicht abgehen; man wünscht sich, der Mann mit der Schere wäre noch beherzter zu Werke gegangen. Stattdessen stehen die Zeichen auf Sturm bzw. „The Grudge 4“.

[md]

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Lost – Die komplette 5. Staffel

Erstellt von Günther Lietz am 21. April 2010

Lost – Die komplette 5. Staffel
Originaltitel: Lost – The Complete Fifth Season

Produktion: USA 2009
Laufzeit: 703
FSK: 16

Idee von: J. J. Abrams, Damon Lindelof, Jeffrey Lieber
Regie: verschiedene
Musik: Michael Giacchino
Darsteller: Naveen Andrews (Sayid Jarrah), Matthew Fox (Jack Shephard), Jorge Garcia (Hugo ‘Hurley’ Reyes), Josh Holloway (James ‘Sawyer’ Ford), Daniel Dae Kim (Jin Kwon), Evangeline Lilly (Kate Austen), Terry O’Quinn (John Locke), Yunjin Kim (Sun Kwon), Henry Ian Cusick (Desmond Hume)

Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Französisch (Dolby Digital 5.1), Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Arabisch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
Anzahl Disks: 5

Die Zeiten ändern sich – oder werden geändert. So jedenfalls in der fünften Staffel von „Lost“, die mit einigen Überraschungen aufwartet …

Die Überlebenden des Flugzeugunglücks sind in kleine Gruppen zerfallen. Die Einen haben den Weg zurück in die Zivilisation gefunden und kämpfen dort mit ihrem neuen Leben, die Anderen befinden sich noch auf der Insel – und reisen wild durch die Zeit. Schlussendlich muss sich einer von ihnen opfern, um die Zeitsprünge zu verhindern. Das führt dazu, dass Sawyer und seine Freunde in den Siebzigern Jahren stranden und sich mit den Inselbewohnern arrangieren müssen.

Davon hat Jack keine Ahnung. Er versucht verzweifelt seine Freunde zurück auf die Insel zu bringen. Doch nur die Wenigsten denken daran. Sie alle haben ihre eigenen Probleme; arbeiten als Mörder, sind Wahnsinnig oder dem Alkohol zugetan. Die Flucht von der Insel hat ihnen keine Freude bereitet.

„Lost“ lebt von dem großen Geheimnis, von den Dingen die nur angerissen werden, die Fragen aufwerfen, aber keinesfalls fassbar sind oder gar Antworten geben. Aber mit der fünften Staffel dreht sich das Rad weiter, kommen neue Figuren auf die Insel und bereitet sich „Lost“ auf das Serienfinale vor. Der Zuschauer erfährt endlich, dass zwei mächtige Wesen auf der Insel leben, die sich spinnefeind sind. Doch noch immer ist ungewiss, wem die Überlebenden trauen können.

Die fünfte Staffel ist ein Knaller! Dramaturgisch spielt sie auf mehreren Ebenen, vermischt Zeit und Raum. Durch diesen Kniff werden alte Ereignisse aus einer anderen Perspektive beleuchtet oder nochmals aufgerollt. Rückblenden, Vorblenden, Zeitsprünge, gekonnte Schnitte in der Gegenwart – die Autoren haben sich Einiges einfallen lassen, um die Episoden spannend zu gestalten. Und das gelingt ihnen hervorragend. Allerdings mit einem Wermutstropfen!

Neueinsteiger und Gelegenheitsgucker werden große  Probleme haben, der Handlung zu folgen. Es gibt keine in sich abgeschlossene Folge und selbst die gesamte fünfte Staffel ist nur im Kontext mit den bisherigen Staffeln zu verstehen und im Ganzen zu begreifen. Die Charaktere gehen dem Zuschauer zwar schnell in Fleisch und Blut über, aber vor allem die Zeitsprünge und Gegenwartsmontagen verlangen nach Vorkenntnissen. Dem Fan bietet sich deswegen ein vollkommen anderes Bild, als einem Neuling des LOST-Universums.

Die Handlung selbst ist spannend geschrieben und die bekannten Hauptcharaktere sind mit von der Partie. Diesmal konzentriert sich die Handlung vor allem stark auf Locke, Sawyer und Jack. Sie alle vertreten bestimmte Interessen, stehen für andere Handlungsstränge der Serie. Dabei folgt die Serie ihrem eigenen Rhythmus, wechseln sich ruhige und actiongeladene Sequenzen stetig ab. Die Charaktere werden weiterhin beleuchtet und ausgebaut. Sie entwickeln sich und zeigen neue Charakterzüge. Somit bleibt die Spannung auf einem hohen Niveau, denn jederzeit kann etwas Unvorhergesehenes passieren. Da in der Serie etliche Figuren zentrale Rollen spielen und unterschiedlich angelegt sind, ergibt sich daraus eine spannende Schnittmenge, die für viele Reibungspunkte sorgt – innerhalb der Serie, aber auch außerhalb. Für jeden Zuschauer ist mindestens eine Rolle faszinierend, während eine andere Rolle auf wenig Gegenliebe stößt. Segen und Fluch einer Serie, die auch mal gerne gegen den Strom schwimmt.

In der fünften Staffel dreht sich die Geschichte um Zeitreisen, driftet mehr in die Science Fiction ab und lässt das Mysteriöse ein wenig hinter sich. Aber nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem Jacob zur realen Person wird und alles auf den Kopf stellt. Die Serie ist immer wieder für eine Überraschung gut!

„Lost“ verspricht in der fünften Staffel Antworten zu geben. Das stimmt teilweise, aber es werden auch wieder neue Fragen aufgeworfen. Diesmal ist jedoch spürbar, dass die Serie auf ein großes Finale zusteuert und die neuen Fragen ihre Antworten finden werden. Die Handlung ist nämlich, trotz der leicht verwirrenden Zeitsprünge, ziemlich linear und auf einen Endpunkt ausgerichtet. Die losen Fäden werden aufgenommen, gestrafft und mit ein paar neuen Farben versehen, um daraus etwas Großes zu weben. Die fünfte Staffel der Serie ist somit eine Steilvorlage für den endgültigen Abschluss – und sie ist erstklassig. Humor, Spannung, Leidenschaft, Trauer, Freude, Action, Liebe. Das und noch viel mehr steckt in der Staffelbox. Fans müssen Zugreifen, Neueinsteiger sollten sich zuerst die vorherigen Staffeln zulegen, um der verzweigten Handlung optimal folgen zu können.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

Als DVD bei Libri.de
Als BR bei Libri.de

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Stargate Universe – Pilotfilm

Erstellt von Günther Lietz am 27. Februar 2010

stargate-universeStargate Universe – Pilotfilm
Episode 1: Die Destiny; Episode 2: Führungskampf auf der Destiny

Originaltitel: Air, part 1+2
Produktionsland: Kanada
Produktionsjahr: 2009
Länge: 42 Minuten pro Episode
Produktion: Brad Wright, Robert C. Cooper
Idee: Brad Wright, Robert C. Cooper
Musik: Joel Goldsmith
Erstausstrahlung: 2. Oktober 2009 (Vereinigte Staaten) auf Syfy

Darsteller: Robert Carlyle (Dr. Nicholas Rush), Louis Ferreira (Colonel Everett Young), Brian J. Smith (Lieutenant Matthew Scott), Elyse Levesque (Chloe Armstrong), David Blue (Eli Wallace), Alaina Huffman (Lieutenant Tamara Johansen), Jamil Walker Smith (Sergeant Ronald Greer), Ming-Na (Camile Wray), Lou Diamond Phillips (Colonel David Telford)

Nach „Stargate – Kommando-SG1“ und „Stargate Atlantis“ kommt mit „Stargate Universe“ die nun dritte Serie auf den Markt, die im direkten Zusammenhang mit dem erfolgreichen Kinofilm „Stargate“ (Roland Emmerich, 1994) steht. Und erneut stehen natürlich die Sternentore der Antiker-Rasse im Mittelpunkt der Serie.

In „Stargate – Kommando-SG1“ richtete sich der Fokus auf das Erkunden neuer Welten und den Krieg gegen die Goa’uld, anschließend auf den Kampf gegen die Ori. In „Stargate Atlantis“, einem Ableger der Ur-Serie, leben die Menschen in der Stadt Atlantis und kämpfen gegen eine Art Vampirrasse, die Wraith genannt wird. Die Sternentore, Atlantis und die Wraith sind ein Erbe der Antiker. Die Antiker spielen auch in „Stargate Universe“ eine wichtige Rolle.

In der Serie geht es nun darum, dass sich eine Gruppe von Menschen auf der Ikarus-Basis einfindet, die sich tief im Weltraum befindet. Hier versucht Doktor Nicholas Rush (Robert Carlyle) das Rätsel um das neunte Chevron zu lösen. Sollte es ihm gelingen, wäre es möglich neuartige Koordinaten anzuwählen. Um Hilfe beim Lösen des Rätsels zu bekommen, baut Rush Teile der Aufgabenstellung in ein Onlinespiel ein. Eli Wallace (David Blue) löst im Spiel das Rätsel und wird zwangsrekrutiert.

Auf der Ikarus-Basis arbeitet er nun mit Rush zusammen und lernt auch andere Besucher kennen. Darunter die Senatorentochter Chloe Armstrong (Elyse Levesque) und ihren Vater oder auch die IOA-Mitarbeiterin Camile Wray (Ming-Na). Als die Station plötzlich angegriffen wird wählt Rush zur Evakuierung mittels Chevron Neun eine Adresse an. Anstatt auf der Erde landen die Flüchtlinge auf einem alten Raumschiff der Antiker, der Destiny.

Das Raumschiff ist schwer beschädigt, die Energiereserven beinahe erschöpft und Nicholas Rush kocht sein ganz eigenes Süppchen. Einer Rückkehr zur Erde scheint unmöglich. So müssen sich Militär und Zivilisten arrangieren, um zu überleben. Doch zuvor sind einige Opfer nötig …

Das klingt nun erst einmal sehr spannend und leidlich innovativ, doch im Grunde genommen wärmt „Stargate Universe“ altbackene Themen und Serien auf. Allen voran „Star Trek: Voyager“, gemischt mit den üblichen Verzierungen aus „Stargate – Kommando SG-1“ und „Stargate Atlantis“. Klingt übel, ist es leider auch.

Die Ähnlichkeiten zu „Star Trek Voyager“ sind dabei besonders groß. Die erste Parallele ist, dass die Flüchtlinge an Bord eines Raumschiffs zu überleben versuchen. Ihr vorrangiges Ziel ist dabei die Rückkehr zur Erde, stets im Kampf um wichtige Ressourcen und am Erkunden von fremden Planeten. Immerhin ist die Destiny ein beschädigtes Schiff der Antiker mit einem programmierten Kurs, den niemand ändern kann. Ziel des Schiffs ist es Planeten abzuklappern, auf denen ein anderes programmierttes Schiff Stargates deponierte. Die Destiny stoppt in Nähe der Stargates den Flug und dann läuft ein Countdown. Innerhalb einer bestimmten Zeit kann die Besatzung nun die jeweiligen Planeten erkunden. Außerdem erkennt das Schiff die Bedürfnisse der Mannschaft und stoppt auch, um Nahrung, Wasser, Ersatzteile und Energie zu besorgen. Das ist jedenfalls ganz grob die Handlung. Da die Serie an ein jüngeres Publikum adressiert ist, wird die Zielgruppe mit ein wenig Glück die Ähnlichkeit zu „Star Trek“ übersehen.

„Stargate Universe“ hat es sich zur Aufgabe gemacht einen anderen Stil an den Tag zu legen, als die beiden Vorgänger-Serien. Das gelingt auch, denn wo „Stargate – Kommando SG-1“ mit Charme überzeugte und „Stargate Atlantis“ Action präsentierte, bietet sich „Stargate Universe“ als liebloses Stückwerk an. Vor allem der Humor ist auf der Strecke geblieben. Zwar wird die alte Garde (Richard Dean Anderson, Amanda Tapping und Michael Shanks) in einigen Szenen bemüht, aber sie sind zu keinem Zeitpunkt für die Handlung wichtig. Bei Anderson als Jack O’Neill ist der Zuschauer höchstens erschrocken darüber, wie mollig der Schauspieler geworden ist. Und das war es auch schon – von seinem Auftritt bleiben nur die zusätzlichen Kilos in Erinnerung. Tapping steht plappernd auf der Brücke eines Raumschiffs (ebenfalls in Anlehnung an die Serie und um die Fans zu erfreuen ist es die „Hammond“) und Shanks darf als Daniel Jackson auf einer DVD plaudern. Alles zu vernachlässigen. Wichtiger ist die neue Besetzung und die damit verbundenen neuen Charaktere. Und die sind Großteils einfach nur langweilig.

Neuer Star und Ansprechpartner fürs junge Publikum ist David Blue als Eli Wallace. Eli ist das, was Neudeutsch als Nerd bekannt ist, ein Außenseiter, ein Sonderling, ein dicker Typ der Computerspiele zockt und mittels Headset soziale Kontakte pflegt. Klischee pur oder einfach nur Alltag us-amerikanischer Teenager – das kann sich jeder aussuchen. Jedenfalls geschieht mit Eli genau das, wovon jugendliche Fans der Serie träumen: Er spielt ein Onlinespiel, ist dabei unschlagbar, es klingelt an der Türe und dann wird er in den Weltraum gebeamt, weil nur er alleine ein Rätsel lösen kann, das für alle anderen zu schwer ist. Genau, die Hoffnung der Welt sitzt mit dickem Hintern vor dem Computer und steuert Pixelmännchen durch die virtuelle Gegend. Die Zeiten ändern sich halt und mit ihnen auch die Helden.

Glücklicherweise gibt es neben dem dicken Zivilisten auch ein paar kernige Militärs, die ebenfalls mitmischen. Gut trainiert und mit gestähltem Körper sorgen sie für die Sicherheit. Und nebenbei erfüllen sie auch sämtliche Klischees. Da gibt es den etwas überforderten Soldaten, der ein Verhältnis mit einer Kameradin hat, der aufsässige schwarze Marine der schnell die Waffe anlegt und der erfahrene Kommandant, der aber leider an einer schlimmen Krankheit leidet. Fürs schicke Ambiente sorgt da nun die junge Tochter des Senators und auch die clevere Sanitäterin, die eigentlich in der Uni sitzen sollte. Witzigerweise ist es gerade nun Alaina Huffman als Lieutenant Tamara Johansen, die hier sehr überzeugend spielt. Sie vermag als eher stille Sanitäterin – und medizinische Leiterin in spe – sämtliche Emotionen abzuklappern, die solch eine dramatische Situation mit sich bringt. Da ihre Dialoge eher spärlich sind, muss sie halt anderweitig überzeugen. Um zu zeigen wie offen und tolerant die neue Serie ist, gibt es sogar eine Vorzeigelesbe. Diese Rolle übernimmt Ming-Na (verheiratet und Mutter zweier Kinder).

Um die ganze Sache besonders mysteriös zu gestalten, gibt Robert Carlyle einen sehr geheimnisvollen Dr. Nicholas Rush zum Besten. Serien wie „Battlestar Galactica“ (Dr. Gaius Baltar) und „LOST“ (Benjamin „Ben“ Linus) zeigen ja, wie ein undurchsichtiger Charakter angelegt werden muss. Ist er nun böse, ist er nun gut, ist er vertrauenswürdig, ist er ein Verräter, sind seine Handlungen nachvollziehbar, gar verständlich? Während Figuren wie Dr. Gaius Baltar und Benjamin Linus originell und authentisch wirken, ist Nicholas Rush ein Stückwerk – wie „Stargate Universe“ an sich.

Der Pilotfilm setzt sich aus zwei Episoden zusammen, die im deutschen unterschiedliche Titel haben, im englischen aber treffender „Air, part 1+2“ heißen. Das im Piloten keine große Charakterentwicklung gezeigt werden kann, ist verständlich. Aber die reine Konzentration auf die Hauptfiguren der Serie ist misslungen. Die Figuren wirken unterkühlt, es gibt keine Bindung und die Rollen wirken konstruiert. Das die Handlung so offensichtlich einer anderen Serie entlehnt wurde und aufgesetzte Cameo-Auftritte um die Gunst der Fans buhlen, macht es nur schlechter, aber keinesfalls besser. Allerdings füllt „Stargate Universe“ eine Lücke, denn es gibt derzeit keine wirklich große Science-Fiction-Serie aus Amerika. Und die britischen Serien haben leider – und zu Unrecht – den Beigeschmack einer Randgruppe. Das nutzt das neue Stargate-Ziehkind weidlich aus und generiert konkurrenzlos Zuschauer. Einen Vorteil hat dieser grottige Start auf jeden Fall: Es kann nur besser werden …

Copyright © 2010 by Günther Lietz

“Stargate” bei Booklooker.de

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Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Erstellt von Günther Lietz am 10. Februar 2010

Bei Libri.dePrimeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Produktionsjahr: seit 2007

Darsteller: Douglas Henshall, Lucy Brown, Andrew Lee Potts
Regisseure: Jamie Payne, Cilla Ware
Komponist: Dominik Scherrer

Format: PAL, Box-Set
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Episoden: 23 in 3 Staffeln
Spieldauer: 1045 Minuten
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 2009

Neben den us-amerikanischen Science-Fiction-Serien, behaupten sich zunehmend auch Serien aus Großbritannien auf dem internationalen Markt. Der britische Fernsehsender ITV1 schickt seit einigen Jahren „Primeval“ ins Rennen um die Einschaltquoten und liegt damit weit vorne. So erreichten die ersten beiden Staffeln bei ihrer Erstausstrahlung in Großbritannien im Schnitt mehr als sechs Millionen Zuschauer, in Deutschland waren es immerhin mehr als zwei Millionen Menschen, die einschalteten. Deutsche Premiere feierte „Primeval“ auf PRO7 und wurde dann ab Januar 2010 auf Kabel 1 wiederholt. Aus dem Hause Polyband & Toppic Video/WVG stammt nun eine Staffelbox, in der die ersten drei Staffeln enthalten sind. Das macht insgesamt dreiundzwanzig Episoden mit einer Gesamtspieldauer von 1045 Minuten. Stellt sich nur die Frage, wie unterhaltsam diese Minuten sind.

Die erste Staffel der Serie umfasst gerade mal sechs Episoden und ist damit die kürzeste Staffel. Im Zentrum der Handlung steht vor allem die Charaktervorstellung und das zentrale Handlungselement: Die Urzeitmonster, die durch eine Anomalie aus der Vergangenheit in unsere gegenwärtige Welt stolpern. Durch Absicht und Zufall formiert sich hier ein Team, dass im Auftrag der britischen Regierung diese Monster jagt, Schlimmes verhindert und die Anomalien erforscht.

Kopf des Teams ist der Wissenschaftler Nick Cutter (Douglas Henshall). Er ist Evolutionsbiologe und arbeitet zusammen mit seinem Assistenten Stephen Hart (James Murray) an den Vorfällen. Im Verlauf der sechs Episoden kommt heraus, dass die beiden Männer mehr als nur Freundschaft verbindet. Vor allem Cutter erfährt, dass es für ihn eine ganz persönliche Verbindung zu den Anomalien gibt, denn seine verschollene Frau Helen (Juliet Aubrey) scheint in einer dieser Anomalien verschwunden zu sein.

Mehr zufällig schließt sich der junge Student Connor Temple (Andrew-Lee Potts) dem Team an. Er ist etwas ungeschickt, intelligent und über beide Ohren in Abby Maitland (Hannah Spearritt) verliebt, die er in der ersten Episode kennenlernt. Abby ist Tierpflegerin und wird zufällig in die Ermittlungsarbeiten hineingezogen. Dank ihren Fähigkeiten gehört sie schnell zum harten Kern der Truppe. Das Team steht unter der Leitung von Claudia Brown (Lucy Brown), einer Mitarbeiterin des Innenministeriums, die wiederum Sir James Peregrine Lester (Ben Miller) untersteht, einem humorlosen Bürokraten.

Die Aufgabe des Teams ist es nun auffälligen Meldungen nachzugehen und festzustellen, ob es sich um eine Anomalie handelt. Stets entwischt auch ein Bewohner der Urzeit und stellt die Mannschaft vor Probleme. Meistens frisst das Urzeitmonster jemanden auf und muss mit einem Trick wieder in seine eigene Zeit gelockt werden. Im Grunde war es das auch schon.

Die erste Staffel zeichnet sich dadurch aus, dass sie vor allem auf ein junges Publikum zugeschnitten wurde. Die Handlung ist betont episodenhaft und gestückelt. Es gibt unzählige Logikfehler, die zugunsten einer betont lässigen Szenerie in Kauf genommen werden. Hauptsache es sieht gut aus. Dadurch ist die Geschichte flach und auch die Charaktere kommen ohne Tiefe daher. Sehr ärgerlich ist vor allem der monotone Aufbau des Dramas und die stets ähnliche Krisis. In fast jeder Episode fühlt sich der Zuschauer auch an das gute alte Kasperletheater erinnert: Das Krokodil taucht hinter dem Kasper auf, aber er sieht es einfach nicht. Dann dreht sich der Kasper um, aber einen Augenblick vorher ist das Krokodil abgetaucht und steckt woanders seinen Kopf hinaus. Der Kasper dreht sich zurück und wieder ist das Krokodil verschwunden, um plötzlich genau vor der Nase des Kaspers aufzutauchen. Wird der Kasper gegen Cutter oder ein anderes Teammitglied ausgetauscht und das Krokodil gegen ein beliebiges Tier aus der Urzeit, so beschreibt das die meisten der Drehbücher.

Um die jugendliche Lust nach nackter Haut und Teenagerliebe zu bedienen, kommen nun Abby und Connor ins Spiel. Die Rolle der punkigen Tierpflegerin wird dabei von Hannah Spearritt übernommen, die Dank ihres sportlichen Körperbaus jugendlich frisch wirkt. Vor einigen Jahren gehörte sie der Popgruppe „S Club 7“ an, nun versucht sie sich als Schauspielerin. Trotz – oder gerade wegen – der einfach gestrickten Geschichte gelingt ihr das recht gut. Passenderweise ist Abby eine Liebhaberin vom Amphibien. Deswegen schaltet sie ihre Heizung immer hoch, so dass sie in ihrer Wohnung stets knapp bekleidet herumlaufen muss. Bei der Gelegenheit präsentiert sie dann auch ihre knapp verhüllten kecken Brüste und den äußerst knackigen Po.

Connor steht nun stellvertretend für all die Jungs, die nun gerne Abbys Freund wären und die Glückliche mal beglücken würden, aber stets abblitzen. Doch Meter für Meter gräbt sich Connor an seine Auserwählte heran, zieht schlussendlich sogar bei ihr ein und darf – stellvertretend für alle anderen Außenseiter der jugendlichen Gesellschaft – die knackige Abby bewundern. Jetzt muss Connor nur noch ihr Herz erobern.

Es ist leicht zu erkennen, dass „Primeval“ in seichten Gewässern fischt. Es gibt keinen großen Anspruch. Das gilt auch für die von den Machern gelobten Tricks und Special Effects. Diese wurden am Computer generiert und ihre CGI-Herkunft ist offensichtlich. Auch die Action wirkt gekünstelt, ebenso die grundlegende Handlung selbst. Es wirkt stellenweise, als hätten die Produzenten versucht „Stargate SG1“ zu klonen und dabei ist ein Unfall passiert. Trotzdem ist die erste Staffel der Serie stellenweise recht unterhaltsam. Sie gewinnt zum Ende hin sogar an Spannung und Fahrt, denn es kristallisiert sich tatsächlich ein übergreifender Handlungsbogen heraus.

Und mit dem kracht der Zuschauer dann brachial in die zweite Staffel hinein, die nun aus ganzen sieben Episoden besteht. Der Zuschauer hat sich von Claudia Brown verabschieden müssen. Das ist vor allem für Cutter ein Problem, denn immerhin empfand er tiefe Zuneigung für sie. Statt sich nun der Liebe hinzugeben, muss er sich gegen seine Ehefrau durchsetzen. Denn Helen wird nun zum Dreh- und Angelpunkt der Serie.

Die Produzenten haben von der reinen Teenager-Serie Abschied genommen und die Möglichkeiten einer Zeitanomalie genutzt, um „Primeval“ ordentlich umzukrempeln. Cutter kehrt aus der Vergangenheit zurück und lässt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung hinter sich. Doch die Gegenwart hat sich verändert. Es gab nie eine Claudia Brown und das Team hat im sogenannten ARC einen festen Stützpunkt. Von hier aus erforscht die Mannschaft weiterhin die Anomalien, kann jedoch auf mehr Ressourcen zurückgreifen.

Noch immer ist Connor in Abby verknallt, doch es gibt nur einen freundlichen Händedruck oder mal einen Schmatzer auf die Wange. Wenigstens ist Abbys Schwärmerei für Stephen zu den Akten gelegt worden, hat dieser doch was mit Helen am Laufen. Sehr zum Ärger von Cutter. Und der steht vor dem Problem, dass die neue PR-Managerin des ARC Jennifer „Jenny“ Lewis ist und Claudia zum Verwechseln ähnlich sieht. Somit bleibt Lucy Brown der Serie vorerst als Schauspielerin erhalten.

Der durchgehende Handlungsbogen sorgt nun für einen besseren Ablauf der Serie. Einige Logiklücken wurden geschlossen und durch die plötzliche Wendung mittels der veränderten Realität, ist auch das leicht veränderte Verhalten der Charaktere zu erklären. Vor allem der Konflikt zwischen Cutter, Helen und Stephen trägt zu einem runderen und spannenderen Bild bei. Scheinbar wurde auch das Budget der Serie aufgestockt, denn die Kulissen sind größer, abwechslungsreicher und auch die CGI-Effekte haben zugelegt. Man sieht zwar noch immer, dass es Computerwesen sind, aber diesmal wirken sie einfach einen Tick echter. Und endlich wurden der Kasper und das Krokodil in die staubige Kiste gesteckt, in die sie auch hineingehören.

Eine besonders schöne Idee der Drehbuchautoren ist, dass nun auch Kreaturen aus der Zukunft die Gegenwart besuchen. Allerdings gibt es hier keine großen Änderungen, denn diese Kreaturen fressen auch gerne Menschen. Die Handlung wird nun durch Helen besonders vorangetrieben. Sie auch scheint Wissen und Technik aus der Zukunft zu besitzen, das macht neugierig. Doch die Enthüllungen, die lassen auf sich warten. So wie die Figur der Helen in der Serie gewinnt, so gewinnt auch  Juliet Aubrey hinzu. Ihre Darstellung der Helen ist sehr packend und stellenweise gar ergreifend. Auf der einen Seite menschliches Monster, auf der anderen Seite verletzlicher Mensch. Eine sehr glaubhafte Darstellung der Rolle.

Ebenso wie die zweite Staffel, so bringt auch die dritte Staffel einige Veränderungen mit sich. Die Serie wirkt nun noch erwachsener, spielt noch stärker mit den Möglichkeiten und Gefahren der Anomalie. Eine der DVDs kommt sogar mit einem FSK von 16 daher, was sich natürlich auch auf die ganze Box niederschlägt. Merkwürdigerweise sanken in Großbritannien die Einschaltquoten „Primevals“ bei der dritten Staffel auf knapp über vier Millionen ab. Dabei gewinnt die Serie gerade jetzt an Spannung.

Connor und Abby kommen sich endlich näher. Das bedeutet immer weniger Liebeleien unter Jugendlichen. Zwar muss  Hannah Spearritt noch immer ihren knackigen Körper präsentieren, aber endlich wirkt es natürlich. Auch Connors Schüchternheit wirkt passend und ist kein zentraler Bestandteil mehr.

Und erneut hat sich einiges im Team verändert. Durch Tod eines Mitglieds und dem Ausscheiden von Jenny aus dem Dienst, ist der Weg frei für neue Mitglieder. Da wäre erst einmal die Ägyptologin Sarah Page (Laila Rouass). Leider ist ihre Einstiegsfolge auch die dümmste der ganzen dritten Staffel. Es tauchen tatsächlich Urzeitkrokodile auf die das Fressen einstellen, sobald sich die Leute vor ihnen verbeugen. Logische Erklärung: Sie sind es halt alle aus Ägypten gewohnt angebetet zu werden. Was für ein Unsinn. Nun, die Neue im Team braucht halt auch ihr Scheinwerferlicht, um gut dazustehen. Glücklicherweise ist diese Folge nur ein Ausrutscher und Sarah wird tatsächlicher zu einer tragenden Figur mit plausibler Geschichte.

Eine tragende Figur ist auch Helen – immer noch. Sie enthüllt weitere Details aus der Zukunft und dem Zuschauer werden ihre Motive klar, sind sogar nachvollziehbar. Die Szene in der sie ihren eigenen, geliebten Mann erschießt, ist heftig. Doch Helen, gefangen in ihrem eigenen Wahn – ausgelöst durch das Wissen um die Zukunft der Menschheit – sieht einfach keinen anderen Ausweg. Starker Tobak!

Im ganzen positiven Chaos der dritten Staffel, mausert sich Danny Quinn (Jason Flemyng) zum neuen Teamleiter. Er ist risikofreudig und unbesonnen, in vielen Dingen also das Gegenteil von Cutter. Doch das Team kann sich jederzeit auf seine Hartnäckigkeit und seine Loyalität verlassen. Das gilt auch für Captain Becker (Ben Mansfield) der eine Spezialeinheit leitet und zum Schutz des Teams eingeteilt ist. Endlich haben die Drehbuchautoren was gelernt und präsentieren glaubhafte und nachvollziehbare Gründe, warum das Team ohne Waffen und nur mit einem Grinsen gegen menschenfressende Dinosaurier in den Kampf zieht. Wobei, diesmal kommen die Soldaten auch mal zum Zuge. Alles andere wäre nun auch endgültig unglaubwürdig.

Die Handlung ist nun eine wahre Achterbahnfahrt. Zwar sehen die Monster noch immer deutlich nach CGI aus, aber Action und Spannung nehmen dramatisch zu. Es gibt Verfolgungsjagden durch die Zeit, Verrat in den eigenen Reihen, Klonsoldaten, tödliche Liebschaften, knallharte Zweikämpfe, mutierte Menschen, Killer aus der Zukunft und den Plan die gesamte Menschheit auszurotten. Hier wurde das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt. Endlich wird Helens Motiv enthüllt und auch ihr Plan ans Licht gezehrt. Dabei kommen auch viele Spielereien aus der Zukunft vor, die den Anstrich der Science Fiction verstärken. Und schlussendlich präsentieren die Macher einen sehr spannenden Cliffhanger, der Lust auf mehr macht – Lust auf eine Fortsetzung, Lust auf einen Kinofilm.

„Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ ist keine Serie die mit einem ausgefeilten Plot überzeugt, erstklassige Tricktechnik bietet oder gar Charaktertiefe. Die Serie bietet einfache Durchschnittskost, gespickt mit peinlichen Ausrutschern und wunderbaren Glanzlichtern. Diese Glanzlichter nehmen zum Ende der Serie immer mehr zu. „Primeval“ ist eine Serie, die mit der Zeit wächst, blüht und gedeiht. Aus einem langweiligen Mauerblümchen entwickelt sich eine schöne Orchidee. Besonders spannend ist dabei, diese Entwicklung mitzuerleben. Das macht schlussendlich den wahren Reiz der Serie aus und erinnert irgendwie an ein Kind: Es wird geboren, wächst auf und steht schlussendlich auf eigenen Beinen. Bleibt zu hoffen, dass „Primeval“ zukünftig dieses erreichte Niveau beibehalten wird. Es wäre Schade, würde die Serie eingehen oder auf dem Altenteil landen.

Die Ausstattung der DVD-Box ist von guter Qualität. Jede Staffel befindet sich in einer eigenen Hülle und diese stecken wiederum in einem schön gestalteten Pappschuber. Leider gibt es keine Wendecover und keinen Überzieher. Dadurch bleibt der Blick auf das grüne FSK-Siegel frei. Schade.

Die Bildqualität ist weitgehend in Ordnung. Kommt es zu CGI-Effekten wirkt es manchmal schwammig. Oft ist das wohl Absicht, um die Computeranimation etwas zu verschleiern. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 auf Deutsch und Englisch vor. Er ist durchweg sauber und dringt gut aus den Boxen. Bei solch einer Serie wäre aber 5.1 sicherlich besser gewesen. Der Untertitel ist nur in Englisch vorhanden. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gelungen und weist keine Fehler auf. Die Stimmen sind weitgehend passend gewählt. Eine gute Arbeit.

Das Bonusmaterial besteht aus einem Making-of und einem Behind-the-Scenes. Beide Beiträge sind informativ und schön gestaltet, aber leider etwas wenig für eine Box mit diesem Umfang. Hier hätten sich Fans sicherlich mehr erhofft. Das Bonusmaterial ist jedenfalls unterer Standard.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich bei „Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ um eine ambitionierte  Serie mit vielen und großen Schwächen am Anfang handelt, die aber mit jeder weiteren Staffel einen Qualitätssprung vollführt. Vor allem Staffel Zwei und Staffel Drei trumpfen auf, wobei das vorläufige Serienfinale sehr spannend ist und nach mehr verlangen lässt. Trotz Mängel also eine Empfehlung für die heimischen Abspielgeräte!

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Hautnah – Die Methode Hill – Volume 3

Erstellt von Günther Lietz am 3. Januar 2010

Bei Amazon.deHautnah – Die Methode Hill
Volume 3

Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: seit 2002
Episodenlänge: etwa 80–100 Minuten
Originalsprache: Englisch
Darsteller: Robson Green (Dr. Tony Hill), Hermione Norris (DCI Carol Jordan)
Edel Motion 2009

Erneut gehen in der – fiktiven – englischen Stadt Bradfield Serienmörder umher. In der nun mehr vierten Staffel muss der freiberufliche Profiler Dr. Tony Hill (Robson Green) zusammen mit der Polizistin DCI Carol Jordan (Hermione Norris) genau jenen bösen Buben auf die Finger klopfen. Dabei hat Hill seine ganz eigene Methode, die ihm zum Erfolg führt – meistens.

Auch die dritte Staffel der Serie kommt aus dem Hause Edel Motion in einer durchsichtigen Plastikbox daher. Leider gibt es kein Wendecover und so wird die Box durch das blauen FSK-16-Logo verschandelt. Im Inneren der Box befinden sich vier DVDs. Jede beinhaltet jeweils eine komplette Episode der Kriminalfilmserie, die vom englischen Sender ITV produziert wurde. Die einzelnen Episoden laufen zwischen achtzig und einhundert Minuten, insgesamt gibt es mehr als dreihundert Minuten handfeste Krimikost.

In „Das tödliche Internet“ geht es um Serienmorde an Kindern. Hier steht Tony allerdings alleine da, denn Carol wird bei einem Überfall verletzt und ein junger Kollege übernimmt die Ermittlung. Für Tony Hill nur schwer zu verkraften, hat er sich doch auf Carol eingestellt. Trotzdem geht er professionell seiner Arbeit nach, denn das Leben weiterer Kinder steht auf dem Spiel …

Diese Episode ist spannend gestaltet und kommt auch mit einer schlüssigen Auflösung daher. Dabei wird auch das Thema „Internet“ und „Chatsicherheit“ angesprochen. Für Laien logisch nachvollziehbar – wer ledoch weiß wie das Internet und Chaträume funktionieren, wird nur müde lächeln. Trotzdem übt die Folge einen starken Reiz aus. Da wären einmal die Kinder die bedroht werden, und die aus schlimmen Verhältnissen stammen. Sie werden besonders stark in Szene gesetzt, sobald Profiler Hill sich in sie hineinversetzt, um Motive und Taten besser zu verstehen. Aber auch Carol Jordans Abwesenheit von den Ermittlungsarbeiten sorgt für Spannung – und scheinbar ist ihr junger Kollege ein wenig überfordert, wie in der letzten Episode der Staffel deutlich wird.

Doch zuvor haben es Hill und Jordan in „Mackie Messer“ mit einem weiteren Serienmörder zu schaffen. Die Vermutung liegt nahe, dass es der vor kurzem entlassene Mörder McAdam ist, aber dieser entzieht sich geschickt den Ermittlungen und tritt gar selbst als Psychologe und Profiler an die Öffentlichkeit heran …

Obwohl sich McAdam mit Hill einen persönlichen Kampf im übertragenen Sinne liefert, ist „Mackie Messer“ die schwächste Episode der Staffel, ja, gar bisher. Der Fall wirkt konstruiert, McAdams Aufbau als Nemesis Hills scheitert kläglich, denn die Fakten sind künstlich und die Verknüpfungen an den Haaren herbeigezogen. Sehr Schade, denn hier wäre Potenzial für Mehr gewesen. Zu allem Übel leidet die Figur Hill immensen Schaden, denn am Ende begeht der bisher zwar verschrobene, aber dennoch sympathische Doctor Tony Hill Selbstjustiz – und kommt ungestraft davon. Diese Selbstjustiz kann gar als geplanter Mord ausgelegt werden, denn Hill weiß genau wie der Täter denkt und was dieser vorhat. Dass Hill schlussendlich sein Leben riskiert um den Serienmörder zu retten, ist ein fehlgeschlagener Versuch das Image ein wenig aufzupolieren. Im Kern hat Tony Hill einfach Scheiße gebaut.

Glücklicherweise schlägt die Episode „Freitag, der Dreizehnte“ in eine andere Kerbe. Hier sind die Fälle wieder miteinander verwoben und die Argumentationskette nachvollziehbar. Dadurch wirkt der Stoff authentisch und Greens Rolle des Profiler Hills gewinnt wieder einige Sympathiepunkte hinzu. Nach der letzten Episode auch eindeutig nötig.

Dieser Punktgewinn geschieht vor allem durch die persönliche Bindung zu Carol, die hier vertieft wird. Obwohl sich beide zueinander hingezogen fühlen, bleiben sie auf Abstand. Hill und Jordan sind unfähig sich offen auf persönliche Nähe einzulassen oder sich zu offenbaren, verkriechen sich lieber in ihre Schneckenhäuser aus beruflicher Distanz. Vor allem der schweigende Dialog mittels Augenkontakt und Mimik ist sehr packend, drückt mehr aus als es Worte könnten.

Die abschließende Episode der Staffel ist „Das Spiel des Todes“. War es zuvor schon schwer den Täter zu fangen, so scheint es diesmal unmöglich. Der Mörder, ein Heckenschütze, ist einfach zu unberechenbar, seine Opfer scheinbar unwillkürlich. Doch diesmal ist der Mörder keine zentrale Figur, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Vielmehr dreht sich in „Spiel des Todes“ alles um Tony Hill, denn im Kopf des Profilers wächst ein Tumor heran. Auch wird sein komplexes Verhalten als leichte Verhaltensstörung diagnostiziert. Somit eine Erklärung für das brillante, aber sozial meist kalte Benehmen von Tony.

Das Verhältnis zwischen dem Profiler und DCI Jordan wird nun auf eine harte Probe gestellt und in einer Szene offenbart Hill gar seine wahren Gefühle, in dem er einen Traum als Erinnerung wahrnimmt. Hinzu kommt, dass er lieber an dem Fall arbeitet, als sich der lebensrettenden Operation zu stellen. Sein Verhalten scheint für einen Knacks in der fragilen, kaum vorhandenen Beziehung zu Carol Jordan zu sorgen. Das Charakterspiel von Hermione Norris ist einfach erstklassig und sorgt für eine starke emotionale Bindung zu dem Charakter. Zudem hat einer ihrer Kollegen, wie zuvor angedeutet, ein Alkoholproblem. Falls dieser Handlungsfaden im Auge behalten wird, dürfte es zu einigen Verwicklungen und Problemen kommen.

Bis auf „Mackie Messer“ liefert die DVD-Box „Hautnah – Die Methode Hill – Volume 3“ erstklassige und spannende Krimiunterhaltung. Das liegt vor allem an der guten Leistung der beiden Hauptdarsteller Green und Norris, die vor allem im Zusammenspiel glänzen. Da rücken die Morde manchmal in den Hintergrund, sind aber dennoch Bestandteil der Handlung.

Besonders faszinierend an den Geschichten ist das analytische Vorgehen Hills, das durch Wort und Bild vermittelt wird. So bleibt der Zuschauer stets auf dem Laufenden, kann sich in die Gedankenwelt von Tony Hill hineinversetzen. Dabei sind die vier Episoden ein wenig vorhersehbar, denn immer schnappt die Falle zu und ist der Täter bekannt. Aber dann stellt sich alles als eine falsche Annahme heraus und kurz vor Ende wird der richtige Mörder gestellt. Hier wäre ein wenig Abwechslung wünschenswert. Trotz dieser Vorhersehbarkeit und einer misslungenen Episode, ist die Staffelbox eine klare Empfehlung für Kriminalfans.

Leider gibt es kein Bonusmaterial, nur einen kleinen Ausblick auf das Programm von Edel Motion. Der Ton liegt in Deutsch und Englisch vor, jeweils in Dolby Digital 2.0. Es gibt keinen Untertitel. Die deutsche Synchronisation ist hervorragend. Beim Bild müssen wieder Abstriche gemacht werden, denn bei dunklen Bildern wird das Rauschen ziemlich deutlich, liefert grobkörnige, schwammige Ansichten. Schade.

Unterm Strich hat sich die Box dennoch die Note „Gut“ verdient, denn drei gelungene Episoden in Spielfilmlänge bieten genug spannende – und manchmal auch humorvolle – Unterhaltung, um über die Schnitzer in „Mackie Messer“ hinwegzusehen.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

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Protectors – Auf Leben und Tod

Erstellt von Günther Lietz am 20. Dezember 2009

Bei Amazon.deProtectors – Auf Leben und Tod
Staffel 1 (5 DVDs)

Land: Dänemark/BRD, 2009
FSK: 12 (freigegeben ab 12 Jahren)
Genre: Thriller / TV Serie
Laufzeit: 550 Min. (5 Episoden)
Regie: Mikkel Serup, Martin Schmidt
Darsteller: Cecilie Stenspil, Soren Vejby, Andre Babikian
Originaltitel: The Protectors (2008)
Sprache: Deutsch
Bild: Widescreen
Bonus: Rollenprofile der 3 Hauptdarsteller
www.pspr.de

Vorwort

Personenschützer, Bodyguards, Leibwächter – eben Protectors – sind nach landläufiger Meinung diejenigen Menschen, welche die ihnen anvertrauten VIP´s mit dem eigenen Leben schützen sollen. Ehemalige Polizisten, Soldaten, Special Forces jeder Coloeur zählen zu diesem Personenkreis. Sie setzen unter Umständen ihr eigenes Leben bewusst aufs Spiel, um den Schutzbefohlenen mit allen Mitteln das Leben zu retten. Selbstverständlich sind dazu nur die Härtesten, die Zähesten, die Bestausgebildeten, schlussendlich die Konsequentesten geeignet: Man muss bereit sein zu sterben, um andere zu retten.

Zur Handlung

Wie es nun bei einem Serienstart üblich ist, befasst sich auch die 1.Folge der dänischen Thrillerreihe „Protectors – Auf Leben und Tod“ mit der Einführung der Hauptdarsteller, leider tritt dabei die Handlung des ersten Auftrages ein wenig in den Hintergrund. Der junge Personenschützer Ibro kommt bei einem Einsatz ums Leben, indem er sich schützend vor den dänischen Verteidigungsminister wirft. Doch der aus Jugoslawien stammende Vater Ibro´s macht den Minister für den Tod seines Sohnes verantwortlich und entführt als ersten Schritt die Geliebte des Ministers…

In Folge 2 ernennt der Ministerpräsident eine im Iran geborene Dänin zur neuen Kultusministerin. Sofort ist der Spezialeinheit Protectors klar, dass die Frau mit Anfeindungen von radikalen Muslimen rechnen muss. Doch die Gefahr der dänischen Rechtsextremen ist weitaus konkreter. Denn sie verstecken sich in den Reihen der Bevölkerung und der politischen Opposition.

An dieser Stelle soll noch die Folge 3 erwähnt werden, denn um die Palette der offensichtlichsten Gefahrenquellen zu komplettieren, dürfen islamische Terroristen natürlich nicht fehlen. „Angeregt“ durch den Anschlag auf das amerikanische World-Trade-Center vom 9. September 2001, versuchen sich zwei Islamisten an einem Bombenanschlag mit einem Stadtbus, der die Route eines politischen Besuches kreuzt.

Fazit

Vielleicht sind wir in unseren Geschmack schon zu geprägt von der Dominanz amerikanischer Agententhriller und es dauert eine ganze Weile, bis man sich auf eine völlig anders gestrickte Stimmung einlässt. Möglicherweise war die kalte Jahreszeit (Januar), in dem die erste Folge spielt bewusst gewählt, ich vermute aber eher, dass dies Zufall oder ein Kokettieren mit dem Klischee des nordischen Landesklimas war. Blasse, trübe, Kälte vermittelnde Szenen passen perfekt zu den gleichermaßen – noch – farblosen Darstellern. Erst nach und nach, überaus still inszeniert, gewinnen die Protagonisten nur zögernd sprichwörtlich an Farbe.

Jasmina el Murad, eine in Ägypten geborene junge Frau, Rasmus Poulsen, ein an das Gute im Menschen glaubender Polizist und Jonas Michaelsen, ein jüdischer Däne, der als Gegenpart zu seinem Kollegen überzeugt ist, das jeder Mensch von Natur aus schlecht ist, schaffen das „harte“ Training des dänischen Geheimdienstes, dem die Proctector-Einheit unterstellt ist. Und hier macht sich der nächste Unterschied zu Amerika überdeutlich bemerkbar: Die Szenen, welche das Auswahltraining zeigen, haben leider Pfadfinderniveau, als dass sie eine Eliteeinheit formen könnten. Jasmina trampelt eher durch den Parcours, als dass sie nennenswerte körperliche Leistung zeigt, auch die beiden Männer zeigen nichts, was sie für ihre knallharte Aufgabe prädestiniert. Da war die Trainingssequenz aus „Die Wildgänse kommen“ (GB, 1978) realistischer – und glaubhafter.

Trotzdem findet man aber schnell Gefallen an der „kühlen“ Stimmung. Kein aufgeregtes Herumschreien, keine planlose, nur reagierende, statt agierende Hyperaktivität á la Hollywood, keine markigen und zitatwürdigen Sprüche, wie sie Bruce Willis, Jan Claude van Damme oder irgendein James-Bond-Darsteller ins Drehbuch geschrieben bekommt.
Kühl – aber nicht cool – entwickelt sich erst leise, dann immer angespannter eine bedrohliche Situation. Die Handlungsträger sammeln Puzzlestücke ein, und blicken nicht gleich von Anfang an voll durch, wie dies angloamerikanische Agenten stets vermitteln.
Mit einiger Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Agenten-Alltag eher dieser dänischen Variante nahe kommt. Langeweile, harmlos erscheinende Personen und Bilder, die sich bei näherer Betrachtung als der sprichwörtliche Todesbote entpuppen können.

Alles in allem eine überraschend angenehme Serie, die aber gegen den oben erwähnten Standardgeschmack sich nur schwer wird behaupten können. Ich würde die DVD gerade deswegen der Fernsehausstrahlung vorziehen, da keinerlei Werbeunterbrechung die aufgebaute Stimmung zerstören kann. Auch die Länge von ca. 110 min. pro Folge lässt dafür genügend Zeit. Was die Dänen aber noch lernen müssen, ist es, der Handlung eine Wendung, etwas Unerwartetes, nicht Vorhersehbares zu geben. Denn dann müssten sich die Amis eine Scheibe abschneiden, und ihr Panikgeplärr endlich auf den Müll werfen. Denn Lautstärke hat nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun. Denn das haben die Dänen auf jeden Fall verstanden.

Die DVD-Edition der Staffel 1 umfasst 5 DVD´s mit 5 Episoden der Serie. Ein kleines Booklet stellt die drei Hauptfiguren in ihren Rollen vor.

Copyright © 2009 Werner Karl

“Protectors – Auf Leben und Tod” bei Amazon.de

Preisrätsel/Gewinnspiel 6 x 1 DVD-Box Staffel 1 (je 5 DVDs): “Protectors – Auf Leben und Tod” bei Amazon.de
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: In welchem Land wurde
Jasmina el Murad geboren? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel”  und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  30 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Die Gewinner lauten: Thomas Köllner, Bernd Kepura, Andrea Schmitt, Tom Bietz, Susanne Koy und Anja Schmieder. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

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