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Archiv für die 'Science Fiction' Kategorie

Sanctuary – Wächter der Kreaturen – Staffel 1

Erstellt von Günther Lietz am 4. August 2010

Sanctuary – Wächter der Kreaturen

Staffel 1

Originaltitel: Sanctuary
Kanada (2007/2008)
Originalsprache: Englisch

Episodenlänge: jeweils ca. 42 Minuten
Gesamtspieldauer: 562 Minuten
Format: Dolby, PAL
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bildseitenformat: 16:9 – 1.77:1
Anzahl Disks: 5
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Erscheinungstermin: 4. August 2010
Produktionsjahr: 2009

Erstausstrahlung: 3. Oktober 2008 auf Syfy
Deutschsprachige Erstausstrahlung: 2. Januar 2010 auf ATV

Regisseur: Martin Wood
Darsteller: Amanda Tapping, Robin Dunne, Emilie Ullerup, Christopher Heyerdahl, Ryan Robbins, Agam Darshi

http://www.sanctuaryforall.com/

Anfangs als Webisodes für das Internet produziert, zog der dortige Erfolg die Serie „Sanctuary“ auf den TV-Bildschirm, um den Erfolg dort zu wiederholen. 2008 mit größerem Budget gedreht, erscheint die erste Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ August 2010 endlich auch auf DVD. Dabei basieren der Pilotfilm und die erste Episode der Serie auf einen Zusammenschnitt der kurzen Webisodes, die als Bonusmaterial der Staffel beigefügt wurden.

Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ dreht sich alles um das sogenannte Sanctuary, einer weltweiten Einrichtung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die Welt vor Abnormen zu beschützen und die Abnormen vor der Welt. Abnorme, das sind Kreaturen, die von normalen Menschen als Monster bezeichnet würden.

Gründerin des Sanctuary ist Doktor Helen Magnus (Amanda Tapping), die ihrer eigenen Vorgeschichte wegen eine starke Verbindung zu den Abnormen hat. Sie, ihre Tochter Ashley (Emilie Ullerup), Protegé Will Zimmerman (Robin Dunne), Techniker Henry Foss (Ryan Robbins) und der hauseigene Bigfoot-Butler (Christopher Heyerdahl) bilden dabei ein unschlagbares Team im Sanctuary-Stammhaus.

Amanda Tapping ist in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ vor und hinter der Kamera Dreh- und Angelpunkt der Serie. Sie gehört mit zum Produktionsstab, ist die bekannteste Darstellerin und ihre Figur bildet gleichzeitig auch den Mittelpunkt der Hintergrundgeschichte.

Tapping, vor allen bekannt aus und durch „Stargate SG1“ und sämtlichen bisherigen Ablegern dieser Serie, kommt langsam in die Jahre (geboren 1965). Noch immer attraktiv und nun mit brünetten Haaren, überlässt sie das Feld der jugendlichen Heldin jedoch Emilie Ullerup und widmet sich einer gestandenen Charakterauslegung. Die ernsten Gespräche, philosophische Betrachtungen und alten Freunde fallen nun ihr zu. Sie führt jetzt die Herde der jungen Wilden an. Dank guter Maske, blonder Frisur und jugendlichem Aussehen, kann Tapping innerhalb der Serie sogar Ausflüge in Jugendjahre unternehmen, ohne dabei deplatziert und künstlich verjüngt zu wirken. Dabei ist die Figur der Helen Magnus so angelegt, dass auch Kampfsequenzen und historische Einblendungen nachvollziehbar sind.

Überhaupt spielt die Historie eine Schlüsselrolle in der Serie. In der Vergangenheit liegt die Antwort auf viele der Fragen, die aufgeworfen werden. Dabei wird sehr schnell deutlich, dass alle Bewohner des Sanctuary ihre kleinen Geheimnisse haben. So ist es nur wenig verwunderlich, dass Jack the Ripper und Doctor Watson auftauchen und Helen Magnus (die in der Serie weitgehend nur mit ihrem Nachnamen angesprochen wird) mit einem Vampir gut befreundet ist. Die Handlung bietet einige Überraschungen, hat aber trotz aller Möglichkeiten ihre Längen.

Als Webisodes konnte „Sanctuary“ auf ganzer Linie überzeugen. Auf den Internetbenutzer abgestimmt und zu einem kleinen Preis, war die Qualität der Geschichte hervorragend. Der Sprung zur echten TV-Serie ist leider etwas zu kurz geraten. Die Handlung muss immerhin gestreckt, unterfüttert und angepasst werden. Eine Staffel „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ umfasst ganze dreizehn Episoden – die Webisodes reichten nur für drei Vollepisoden aus.

Somit wurde Helen Magnus’ Liebhaber John Druitt (Christopher Heyerdahl) viel Platz eingeräumt, eine mysteriöse Organisation namens „Die Verbindung“ eingebaut und gab es einige Änderungen in der übergreifenden Geschichte. Und das ist stellenweise deutlich zu spüren, da Wendungen und Handlungsverläufe manchmal an Schlüssigkeit vermissen lassen. Zum Ende hin (vor allem im Finale) gelingt es Regisseur Martin Wood zwar die Fäden ordentlich zusammenzuführen und die Geschichte in geordnete Bahnen zu bringen, doch bis dahin ist es manchmal nur ein steter Mischmasch aus Charakteranalyse und handlungsgetriebener Story. Während die Webisodes im Gleichgewicht waren, sucht die TV-Serie episodenweise noch ihre Balance.

Das mag unter anderem auch daran liegen, dass sich „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ an bekannten und erfolgreichen Formaten orientiert. Pate standen hier eindeutig das britische „Torchwood“ und das amerikanische „Supernatural“. Leider mangelt es „Sanctuary“ am Charme der Briten und der Härte der Amerikaner. Um bei bekannten Serien zu bleiben, so sei noch gesagt, das einige der Gastauftritte ebenfalls bekannt sein dürften. Bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ handelt es sich um eine kanadische Produktion und – für TV-Mystery-Serien-Fans sicherlich eine gelungene Sache – somit haben einige Darsteller der Serie „Highlander“ ihren Weg in die Sanctuary-Produktion gefunden. Die Serie „Highlander“ war mit mehr als einhundert Episoden in den Neunzigerjahren ziemlich erfolgreich und eine franko-kanadische Produktion.

Allgemein sind sämtliche Darsteller bekannte Gesichter, meist jedoch aus der Serienlandschaft. Nur wenige haben den Sprung auf die große Leinwand geschafft und meistens nur in billigen Produktionen oder in einer Nebenrolle. Aktuell dürfte vor allem Christopher Heyerdahl bekannt sein, der in der „Twilight Saga“ Marcus Volturi gibt. Er bildet neben Amanda Tapping das zweite Schwergewicht in der Serie und – aufmerksame Leser werden es schon bemerkt haben – spielt in „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ zwei Rollen. Zum Einen ist er der bösartige John, zum Anderen auch der Bigfoot-Butler des Anwesens. Beides sind anspruchsvolle Rollen, sehr unterschiedlich angelegt und jedes Mal bravourös gespielt. Einzig störend ist die plötzliche Wendung im Charakter des John, was aber schlussendlich durch die Umwandlung als TV-Serie bedingt ist.

Zusammengenommen bilden Handlung und Rollen ein rundes Gesamtpaket, in dem auch Darsteller wie Robin Dunne, Emilie Ullerup und Ryan Robbins halbwegs überzeugen. Zwar bekommen die drei des öfteren Zeit zugewiesen um ihre Charaktere auszubauen, aber noch misslingt es ihnen sich gegen die stark agierenden und sehr dominanten Tapping und Heyerdahl durchzusetzen. Ullerup wirkt mit ihren speckigen Hüften, den Pausbäckchen und der langen, dicken Knarre unfreiwillig komisch statt erotisch (wobei die jugendliche Zielgruppe sicherlich gefallen am Teenagerstyle Ashleys findet). Dunnes Zimmerman bekommt erst ab der zweiten Hälfte mehr Kraft und Robbins Waffen- und IT-Experte Henry bleibt – trotz aller offensichtlichen Bemühungen der Macher – blass.

Was bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ besonders auffällt, ist der starke Einsatz von CGI-Effekten. Es gibt kaum eine Szene in der darauf verzichtet wurde. Leider wurde auch auf das nötige Kleingeld verzichtet, um die Effekte glaubhaft darzustellen. Da die ganze Serie mit der neuen RED-Kameratechnik gedreht wurde (ein hervorragendes Verfahren zum digitalen Aufzeichnen), wird das auch sehr deutlich und in brillanter Schärfe gezeigt. So wirken etliche Einstellungen (wie die Außenansicht des Sanctuary) steril und künstlich, viele Animationen billig. Andererseits gibt es auch sehr viele gelungene Animationen, tolle und organisch wirkende Hintergründe und Einstellungen, in denen die CGI-Effekte verborgen bleiben. Dadurch entsteht eine sehr eigenwillige Mischung, die im Endeffekt für eine durchschnittliche Tricktechnik sorgt.

Die Musik ist dagegen sehr gut und stets passend ausgewählt. Sie transportiert schön die düstere und geheimnisvolle Stimmung, zieht bei der Action an und hat auch ihre ruhigen Augenblicke. Das gefällt sehr gut. Gleiches gilt für die Synchronisation der Serie. Auch hier wurde sich viel Mühe gegeben und kommt Amanda Tapping mit ihrer gewohnten deutschen Stimme daher. Großes Lob geht an den Sprecher von Christopher Heyerdahl, der seine Arbeit sehr gut und mit hörbarer Spielfreude macht.

Zusammengenommen handelt es sich bei „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ um eine Serie mit viel Potenzial nach oben. Die Ursprünge als Webisodes sind offensichtlich und so wirkt die erste Staffel der Serie recht durchwachsen. Das gelungene Finale macht jedoch Lust auf mehr und lässt erahnen, dass die Produktion und Regie die Serie auf eine gute TV-Linie bringen wollen. „Sanctuary – Wächter der Kreaturen – Staffel 1“ gewinnt in den letzten Folgen an Tempo weiß sehr gut zu unterhalten.

Die Präsentation der Box ist gelungen. Düster und mit allen wichtigen Darstellern versehen. Leider wird die schicke Box von einem unschönen FSK-Aufdruck verunstaltet. Bild und Ton sind hervorragend, als Sprachen liegen die deutsche und englische Tonspur vor.

Das Bonusmaterial ist eher dürftig und besteht weitgehend aus kurzen Featurettes, die einfach nur billige Promotion sind und keinen echten Mehrwert besitzen. Einzig die Webisodes wissen zu überzeugen. Alle acht Folgen sind vorhanden, leider nur auf Englisch. Aber das macht der Sache keinen großen Abbruch und vermittelt ein Bild davon, wie die Serie eigentlich aussah und aufgebaut war. Das ist ein spannender Blick hinter die Kulissen

Die Serie hat leider ihre Schwächen, aber auch Stärken. Somit ist die Box zur ersten Staffel von „Sanctuary – Wächter der Kreaturen“ durchaus als gutes Mittelmaß zu bezeichnen.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

DVD erhältlich bei Libri.de

Abgelegt unter Horror, Mystery, Science Fiction, Serie | Keine Kommentare »

Gamer

Erstellt von Günther Lietz am 13. Juni 2010

Gamer

Originaltitel: Gamer (USA 2009)
Altersfreigabe: FSK 18 (FSK 16 10 Minuten gekürzt)

Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor
Drehbuch: Mark Neveldine, Brian Taylor
Produktion: Gary Lucchesi, Tom Rosenberg, Skip Williamson, Richard S. Wright
Musik: Robb Williamson, Geoff Zanelli
Kamera: Ekkehart Pollack
Schnitt: Peter Amundson, Fernando Villena

Besetzung: Gerard Butler (Kable), Michael C. Hall (Ken Castle), Kyra Sedgwick (Gina Parker Smith), Alison Lohman (Trace), Amber Valletta (Angie), Logan Lerman (Simon), Ludacris (Humanz Brother), John Leguizamo (Freek), Christine Price (Kat), Zoë Bell (Sandra), Efren Ramirez (DJ Twist), Terry Crews (Hackman), Milo Ventimiglia (Rick Rape)

http://www.gamer-derfilm.de/

In einer nahen und denkbaren Zukunft beherrscht Ken Castle (Michael C. Hall) mit seiner Spielefirma den Weltmarkt und gilt als der reichste Mann der Welt. In seinem Game „Society“ können Spieler nach belieben einen Avatar steuern. Das perfide an der Sache, die Avatare sind reale Menschen, die mittels moderner Technik kontrolliert werden. Sie haben innerhalb des Spielareals keine Kontrolle mehr über ihren Körper, nehmen dennoch alles wahr. Die ideale Möglichkeit um perverse Fantasien auszuleben.

Neuester Renner Castles ist jedoch „Slayer“. Es handelt sich bei dem Game um einen blutigen Taktik-Shooter, der ebenfalls auf menschliche Avatare setzt. Diesmal handelt es sich jedoch um Sträflinge, die nach einer bestimmten Anzahl von Siegen in Freiheit entlassen werden. Einer dieser Slayer ist Kable (Gerard Butler), der von dem Teenager Simon (Logan Lerman) gesteuert wird. Kable steht kurz vor der erspielten Freiheit – ein Umstand, der einigen Leuten Sorgen bereitet.

Kable trachtet aber nur danach sein Frau Angie (Amber Valetta) und die gemeinsame Tochter zu finden. Das Kind wurde jedoch zu einer Pflegefamilie gegeben und Angie arbeitet als Avatar in „Society“. Einzig die Organisation Humanz scheint auf Kables Seite zu stehen, die eine Verbindung zwischen Kable und Castle vermutet …

Mit „Gamer“ haben die beiden Regisseure und Autoren Mark Neveldine und Brian Taylor (beide drehten „Crank“ und „Crank 2“ ab, schrieben unter anderem das Drehbuch zu „Jonah Hex“) einen rasanten Actionfilm gemacht, der mit einem großen Anteil Sozialkritik daherkommt, die Social Communities und Real-Life-Games aufs Korn nimmt. Dabei mutet der Film leicht heuchlerisch an, denn das was Neveldine und Taylor scheinbar verteufeln, ist Großteils auch Bestandteil ihrer Filme: Gewalt. Und die ist auch in „Gamer“ präsent und somit ist fraglich, ob die beiden Regisseure der Gesellschaft tatsächlich einen Spiegel vorhalten oder nur den Anschein von Seriosität erwecken wollen Bei näherer Betrachtung bleibt ein zwiespältiges Gefühl zurück und sorgt dafür, dass „Gamer“ tiefer fliegt, als er könnte.

Für einen sozialkritischen Film der die moderne und zukünftige Gesellschaft des Planeten Erde aufs Korn nimmt, ist einfach zu viel Action und zu viel zelebrierte hirnlose Ballerei im Spiel. Vor allem die ungeschnittene Fassung des Films (die somit ungefähr zehn Minuten länger als die geschnittene Fassung) zeigt deutlich die Schussorgien und zerfetzten Körperteile in Details. Zudem ist die Idee Sträflinge im Spiel einzusetzen zwar bekannt und dennoch gelungen umgesetzt, aber schlussendlich ist der gute Junge Kable natürlich total unschuldig und beruhigt „Gamer“ die erhitzten Gemüter, die ein Problem mit einem verurteilten Mörder als Helden haben. So sehr Neveldine und Taylor mit Tabus brechen, einige Kühe bleiben auch ihnen heilig.

Problematisch an der Sache ist nun, dass „Gamer“ für einen reinen Actionstreifen zu viel Sozialkritik in sich trägt. Angefangen bei den quotengeilen Medien, der käuflichen Regierung und den perversen Computerusern, die vom Wohnzimmer aus ihren abartigen Gelüsten freien Lauf lassen. Und hier gibt es wieder Abstriche zu machen, weicht der Film die harte Linie auf. So ist Player Simon ein cooler und hipper Typ, den niemand einzuschüchtern vermag und entscheidet sich die durchgedrehte Medienschlampe schlussendlich für die richtige Seite. Auch hier hätte der Film ruhig dreckiger sein dürfen.

„Gamer“ besitzt somit Elemente aus Genres, die für sich alleine einen exzellente Streifen ergeben hätten. Aber der Zusammenschluss beider Genres missglückt, der Spagat geht schmerzhaft schief. Trotz allem ist „Gamer“ ein unterhaltsamer Streifen, dem es einfach nur an Perfektion mangelt.

Einen großen Anteil am Gelingen tragen die Schauspieler bei. Allen voran Gerard Butler („Beowulf & Grendel“, „300“, „Gesetz der Rache“), der als kantiger und einsilbiger Soldat Kable verkörpert, der sich mit äußerster Brutalität durchs Spiel schlägt und dabei zeitweise hilflos seinem Player Simon ausgeliefert ist. Die kurzen Augenblicke im Angesicht der verlorenen Selbstkontrolle werden von Butler hervorragend gemeistert, dessen Körper angespannt auf den nächsten Befehl wartet, mit einem gehetzten, beinahe hilflosen und gleichzeitig zornigem Blick. Ein grandioses Spiel des 1969 geborenen Schotten.

An seiner Seite Amber Valetta (bekannt aus Filmen wie „Hitch – Der Date Doktor“ oder auch „Transporter – The Mission“), die ebenfalls ihrem Player vollkommen ausgeliefert ist. Doch wo Kable agiert, da kann sie nur reagieren. Und das macht ihre Hilflosigkeit um vieles eindringlicher, vor allem in Anbetracht der Perversionen, die sie auszuleben hat, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Hier wird eine weitere Doppelmoral des Film offensichtlich, unter der die meisten us-amerikanischen Filme zu leiden haben: Die Darstellung von Blut und fliegenden Körperteilen ist kein Problem, doch die Darstellung von zu viel nackter Haut (ohne dass sofort die darunterliegenden Muskeln und Knochen sichtbar werden) ist und bleibt verpönt. Hier wäre mehr Konsequenz besser gewesen, vor allem im vorhandenen Zusammenschnitt mit den wabbeligen Fettmassen von Angies Player. Brian Taylor und Mark Neveldine zeigen, dass es ihnen am letzten Feinschliff noch mangelt.

Bei der Auswahl der Darsteller haben die beiden jedenfalls ein glückliches Händchen bewiesen. Zwar konnte keine Megastars verpflichtet werden („Gamer“ wurde mit einem kleinen Budget gedreht), aber die meisten Darsteller sind aus Film und TV wohlbekannt. Unter anderem Kyra Sedgwick mit ihrer Serie „The Closer“ und Logan Lerman als Percy Jackson in „Diebe im Olymp“. Von dieser Seite aus kann der Film also überzeugen.

Dabei ist der schillerndste Charakter eindeutig der exzentrische Ken Castle, gespielt von Michael C. Hall (bekannt durch Serien wie „Six Feet Under – Gestorben wird immer“ und „Dexter“). Seine Darstellung des klugen, durchgedrehten und gleichzeitig charmanten Castles ist überzeugend und die perfide Boshaftigkeit der Rolle spürbar. Hall zieht den Zuschauer einfach in seinen Bann und sorgt für ein gelungenes Filmvergnügen. Castle ist ein waschechter Bösewicht und in der Lage Kable Paroli zu bieten. Von der Charakterzeichnung ist der schillernde Castle jedenfalls gelungener als der manchmal farblose Kable.

Technisch gesehen ist „Gamer“ übrigens eine Premiere. Zum ersten Mal wurde bei einem Actionfilm die mit Compact Flash Cards operierende RED-Kamera eingesetzt, anstatt der üblichen Hardware, die mit digitalen Bändern arbeitet. Diese Innovation zu unterstützen hatte vor allem finanzielle Gründe, denn das neue System ist billiger und handlicher, stellte Kameramann Ekkehart Pollack aber vor einige Herausforderungen. Schlussendlich war die Entscheidung für das RED-System eine ideale Wahl und zeigt eindrucksvoll, wie moderne Actionstreifen abgedreht werden können. So geht selbst der digitale Film weiter in Richtung Zukunft.

Auch der Sound von „Gamer“ ist technisch gut gemacht. Immerhin knallt es stimmig aus allen Boxen, was bei einem Actionfilm genau richtig ist. Der Score des Films weiß ebenfalls zu überzeugen, da er sich Großteils aus bekannten Liedern zusammensetzt. Hier haben sich Taylor und Neveldine eindeutig Anregungen bei Quentin Tarantino geholt, der sich ebenfalls gelungen aus der Mottenkiste der Musik bedient.

Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gut. Kein Wunder, sind die Dialoge doch selten und kurz. Vor allem der wortkarge Kable kommt kaum aus sich heraus und überlässt das verbale Feld vollkommen dem redegewandten Ken Castle.

„Gamer“ ist ein spannender Actionfilm mit sozialkritischen Aspekten, die sich den Vorwurf der Heuchlerei gefallen lassen müssen. Ein wenig inkonsequent, ein wenig seicht, aber dennoch unterhaltsam, mit einem Blick auf das was uns die Zukunft tatsächlich bringen könnte. Sehenswert.

Copyright © 2010 by Günther Lietz

“Gamer” als DVD (FSK 16) bei Libri.de

Abgelegt unter Science Fiction | 1 Kommentar »

Surrogates – Mein zweites Ich

Erstellt von Galaxykarl am 18. Mai 2010

Surrogates – Mein zweites Ich

Touchstone Pictures
Walt Disney Studios Home Entertainment
Copyright © Buena Vista Home Entertainment, Inc.
Nach dem Kultcomic “The Surrogates”
ISBN 8717418252120 für die DVD
Veröffentlichungsdatum der DVD und Blu-ray: 20.05.2010
Genre: Science Fiction
Bildschirmformate 16:9 und 2,40:1
Länge: ca. 85 min.
Schauspieler: Bruce Willis, Radha Mitchell, Rosamund Pike, James Cromwell u.a.
Regie: Jonathan Mostow
Produzenten: David Hoberman, Todd Lieberman, Max Handelman
Kamera: Oliver Wood
Musik: Richard Marvin
FSK: ab 12 freigegeben

www.press.movie.de

Titel erhältlich bei Buch24.de

Vorwort

Ein Surrogat ist ein Ersatz und die Surrogates im Film sind genau das: Ersatzkörper für ihre menschlichen Originale. Die im Klappentext verwendete Bezeichnung ferngesteuerte Roboterklone ist so nicht richtig. Ein Roboter ist ein Maschinenwesen, z.B. die Terminatoren aus der „Terminator“-Filmreihe der ersten Generation. Ein Klon ist eine biologisch gezüchtete Kopie eines Menschen. Das, was man mit Roboterklon eigentlich meint, ist per Definition ein Android, ein – zumindest äußerlich – menschenähnlicher Körper, ähnlich der Figur Data aus der „Star-Trek“-Serie. Das ist ein Surrogate/Android! So weit zur Begriffsklärung.

Zum Film

Im Jahr 2054 hat sich durch die Einführung, Weiterentwicklung und Perfektionierung der Surrogate-Technik die Gesellschaft völlig gewandelt. Fast niemand aus der so genannten „normalen“ Bevölkerung geht noch selbst auf die Straße, arbeitet selbst, hat noch mit seinem eigenen Körper zwischenmenschliche Beziehungen oder sogar – schlimmer noch – echten Sex. Das Risiko ist einfach zu groß. Den vermeintlichen Gefahren des Alltags entgeht man, indem man seinen Surrogate – kurz Surry – agieren lässt. Krankheiten, Verbrechen sind auf ein minimales Level gesunken. Kriege werden ebenfalls mittels der Ersatzmenschen geführt. Unabhängig davon, dass ein Krieg ohnehin Blödsinn ist, fragt man sich hier am Rande, was denn ein Krieg zwischen Surrogates bewirken soll.

FBI-Agent Tom Greer (Bruce Willis) hat schon seit 8 Jahren seine Wohnung nicht mehr verlassen, seine Frau vegetiert im Nebenzimmer und steuert aus ihrem Interface-Sessel ihren Surrogate. Beide haben sich seit Jahren nicht mehr real gesehen oder berührt. Beide benutzen wie viele Milliarden Menschen idealisierte Versionen ihrer selbst, so mancher lebt dabei seine Perversionen mit einer falschen Identität aus. Doch Tom Greer bedauert diesen Zustand und sehnt sich sein früheres Leben zurück.

Da werden mehrere Surrys mittels einer geheimnisvollen Waffe vernichtet und mit ihnen ihre Originalmenschen, da sich die Waffenenergie über die Interface-Verbindung auf die Menschen genauso tödlich auswirkt. Ausgerechnet der Sohn des Erfinders der Surrogate-Technik kommt dabei ums Leben. Tom Greer und seine Kollegin Peters (Radha Mitchell) werden auf den Fall angesetzt und forschen nach der mysteriösen Waffe. Und vor allem nach dem Motiv. Und welche Rolle spielen die Menschen in den Surry-freien Zonen?

Im Laufe der ersten Ermittlungen wird Greers Surry bei einer Verfolgungsjagd zerstört und bis er ein neues Modell bekommt, muss der FBI-Agent persönlich auf die Straße. Und zu den ungewohnten „Gefahren“ des Alltags, gesellen sich überaus konkrete Gefahren dazu. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt…

Fazit

Filme mit Amok laufenden Robotern hat man ja schon zur Genüge gesehen und die meisten davon waren das Zelluloid nicht wert, auf das sie gebannt wurden. Doch bei Surrogates kommt echte Beklemmung dazu: Sich vorzustellen, das man permanent am Netz hängt, Freud und Leid – die das Leben ja erst lebenswert machen – einem Ersatzwesen zu überlassen, ist schon sehr befremdlich. Die desaströsen Auswirkungen auf die Gesellschaft und das ureigenste Leben sind schlichtweg unheimlich. Und dann stellt sich heraus, dass es nicht eine defekte Maschine oder ein technischer Fehler war, der zu der Mordserie geführt hat, sondern jemand ganz anderer. Jemand, an dem man als allerletztes gedacht hätte.

Jedes weitere Wort in diese Richtung würde die Spannung und den Filmspaß zerstören. Deswegen kann ich nur hier sagen: Anschauen! Nach meiner Meinung nach einer der besten Filme dieses Genres und jeden Euro wert. Action? Ja. Nur Geballer? Nein. Spannung? JA. Langeweile? Keine Sekunde!

Copyright © 2010 by Werner Karl

Titel erhältlich bei Buch24.de

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Andromeda, Staffel 3.1

Erstellt von Galaxykarl am 15. Mai 2010

Gene Roddenberry’s Andromeda
Staffel 3.1

USA, 2004-2005
Ascot Elite Home Entertainment, Pandavision
Science Fiction
FSK: ab 12 freigegeben
Gesamtlaufzeit 11x 45 min: 495 min.
ISBN 4-048317-357727
Darsteller: Kevin Sorbo, Lisa Ryder,  Keith Hamilton Cobb,
Lexa Doig, Gordon Michael Woolvett, Laura Bertram
Regie: Jorge Montesi, Allan Eastman, Brad Turner
Ton: Deutsch DD 5.1 Englisch DD 2.0
Laufzeit: 11 Folgen à 45 Min. plus 105 Min. Zusatzmaterial
Untertitel: Folgen: Englisch Bonus: Deutsch
Extras: Booklet, Interviews: Kevin Sorbo, Laura Bertram, Bob Engels, Gordon Verheul, Richard Flower, Bruce Turner
Featurette: Fighting for Andromeda
Deleted Scenes, Originale Folgentrailer, Folgeneinführung, Trailershow

www.pandavision.de

Titel erhältlich bei Booklooker.de

Vorwort

Fernsehserien im allgemeinen und im Genre Science-Fiction besonders haben immer ein Problem: Die Hauptprotagonisten dürfen nicht sterben und manchmal ist es sogar mit ihren Erfindern genau so. Es ist ein Jammer, dass Gene Roddenberry – der Schöpfer von Star Trek – leider nicht mehr am Leben ist. Denn würde er noch da sein, hätte er wahrscheinlich ein wenig Magengrimmen mit der Serie Andromeda, die schon im Titel mit seinem Namen wirbt. Doch zunächst zum Inhalt selbst:

Handlung

Der Kommandant des Raumschiffes Andromeda, Captain Dylan Hunt, gespielt von Hercules-Darsteller Kevin Sorbo, hat unfreiwillig 300 Jahre im Kältetiefschlaf den Untergang des Commonwealth, eines zivilisierten Sternenreichs, verpasst. Erweckt, schart er eine kleine Mannschaft unterschiedlichster Charaktere um sich, um die zerbrochenen Teile des Commonwealth wieder zu vereinen, bzw. zumindest die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Schon hier liegt meiner Meinung nach ein Misslingen des ganzen Plots verborgen. Ein Mann, ein Raumschiff und eine Handvoll Mitstreiter können kein Universum verfeindeter Zivilisationen befrieden und einigen.

Die vorliegenden 11 Folgen sind geradezu ein Beispiel dafür. Jede Folge für sich ist in sich abgeschlossen, geschuldet dem Zielpublikum (siehe FSK ab 12), das sich scheinbar nach Meinung der Macher keinen größeren, dichteren, ernst gemeinten Handlungsrahmen merken kann. Und so verlieren sich die 45-min.-Episoden in Abenteuern, die entweder gar keinen oder nur sehr spärlichen Fortschritt der Hintergrundhandlung aufweisen. Den gleichen Fehler beging Gene Roddenberry zu Lebzeiten mit den alten Star-Trek-Folgen mit dem überschätzten William Shatner in seiner Rolle als Captain James T. Kirk. Es ist mehr als wahrscheinlich, das dessen Pseudo-Charme und lässig-cooles Gehabe einen Teil der Charakterbeschreibung des Dylan Hunt ausmachen.

Erst die Fortsetzungs-Serie „Star Trek –The Next Generation“ fand wieder mehr Zuspruch bei der Fangemeinde. Die Einschaltquoten waren gefährlich gesunken und man suchte verzweifelt nach einem Neuanfang, der aufgrund des geänderten Rezeptes Gott sei Dank funktionierte und weitere Ableger ermöglichte (Deep Space Nine, Raumschiff Voyager, natürlich auch die neueren Spielfilme usw.) Einem Captain wie Jean-Luc Picard, hervorragend gespielt von Patrick Steward, wäre eine Aufgabe wie die Wiederherstellung einer Zivilisation, welche diese Bezeichnung verdient, eher zuzutrauen, zumal das Konzept von TNG weitaus mehr Verknüpfungen aufwies und nicht alles allein vom Captain „geleistet“ werden musste. Wie gesagt krankt „Andromeda“ am Grundkonzept.

Darüber hinaus ist auch die Besatzung unglaubwürdig. Ein Captain, der lässig über die Brücke schlendert, coole Sprüche von sich gibt, im Grunde bei seiner Mannschaft keinen Respekt hat, dazu ein so genannter überragender Kämpfer, Keith Hamilton Cobb als „blutrünstiger, brutaler und korrupter“ Sicherheitsoffizier Tyr Anasazi, von dessen vorgenannten Eigenschaften ich in den 11 Folgen nichts entdecken konnte. Seamus Zelazny Harper gleicht eher einem Highschool-Teenager als einem fähigen Bordingenieur. Von den anderen abgesehen, wäre noch das künstliche Pendant des Schiffscomputers zu erwähnen: Andromeda/Rommie, ein Schnuckelchen, geschaffen vom o.g. Bordingenieur, ist ein Avatar des Computers, das bei Bedarf erscheinen kann, um auch optisch den anderen Besatzungsmitgliedern beizustehen. Hier ist nur allzu offensichtlich, dass dem Wunschtraum so manch männlichen Teenagers, sich eine ideale Partnerin zu basteln, Rechnung getragen wurde.

Fazit

Andromeda mag für die Zielgruppe Teenager eine Unterhaltung bieten, für Science-Fiction-Fans über 18 und mehr Jahren eher weniger. Die Effekte sind in Ordnung, die Raumschiffe, Masken und Designs ebenso, doch kann keine Folge Spannung, Erregung, Überraschung erzeugen. Die Technik ist vorhanden, Geld anscheinend auch. Doch schauspielerische Leistung, verbunden mit packenden Handlungen, welche einen Fortschritt der Serie hin zum Endziel – Wiedervereinigung des Commonwealth – erkennen lassen, fehlen leider. Meine beiden Söhne – 17 und 12 – haben sich nach 2 Folgen wieder getrollt. Und das ist eigentlich das Schlimmste, was einer Serie passieren kann: Die Zielgruppe wird nicht erreicht.

Copyright © 2010 by Werner Karl

Bei Libri.de
Titel erhältlich bei Booklooker.de

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Southland Tales

Erstellt von Michael Drewniok am 14. Mai 2010

Southland Tales

Originaltitel: Southland Tales (USA 2006)
Regie u. Drehbuch: Richard Kelly
Kamera: Stephen Poster
Schnitt: Sam Bauer
Musik: Moby
Darsteller: Dwayne Johnson (Boxer Santaros), Seann William Scott (Roland Taverner/Ronald Taverner), Sarah Michelle Gellar (Krysta Now), Nora Dunn (Cyndi Pinziki), Holmes Osborne (Senator Bobby Frost), Miranda Richardson (Nana Mae Frost), John Larroquette (Vaughn Smallhouse), Mandy Moore (Madeline Frost Santaros), Wallace Shawn (Baron von Westphalen), Bai Ling (Serpentine), Zelda Rubinstein (Dr. Katarina Kuntzler), Christopher Lambert (Walter Mung), Jon Lovitz (Bart Bookman), Justin Timberlake (Private Pilot Abilene), Lou Taylor Pucci (Martin Kefauver) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 02.10.2008 (DVD)
EAN: 5050582506426 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 139 min.
FSK: 16

Titel bei Libri.de
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Nach einem Atombomben-Anschlag nahöstlicher Terroristen auf Texas ist der Dritte Weltkrieg ausgebrochen. In den USA konnte eine reaktionäre Regierung mit dem Versprechen gnadenloser Vergeltung das Heft fest in die Hand nehmen. Die meisten Bürgerrechte sind aufgehoben; sogar zwischen den US-Bundesstaaten ist kein freier Reiseverkehr mehr möglich. Eine fast lückenlose Überwachungsmaschinerie namens US-IDent sichert der Regierung die Kontrolle, die ihr dennoch von regimekritischen Gruppen streitig gemacht wird. In den Southlands – dem südlichen Kalifornien – sind dies in erster Linie die Neo-Marxisten. Erbittert gejagt von der örtlichen US-IDent-Herrscherin Nana Mae Frost, Gattin des erzkonservativen Senators Bobby Frost, versuchen sie den Restriktionen Einhalt zu gebieten.

Unterdessen greift Baron von Westphalen nach der Weltmacht. Nur der geniale aber verrückte (und deutsche!) Wissenschaftler vermag „Fluid Karma“ zu produzieren, jenen Stoff, der weltweit die fossilen Brennstoffe ersetzen kann. Allerdings gibt es bei der Herstellung eine unerfreuliche Nebenwirkung: Die Rotation der Erde verlangsamt sich, und Risse im Raum-Zeit-Kontinuum tun sich auf, die den Weltuntergang ankündigen.

Der Filmstar Boxer Santaros hat das Gedächtnis verloren und lebt mit dem Porno-Starlett Krysta Now zusammen. Gemeinsam haben sie ein Drehbuch geschrieben, das akkurat die nahe Apokalypse beschreibt. Während Boxer sich zu erinnern versucht, kommen sich die ‚Brüder‘ Roland und Ronald Taverner, die nur gemeinsam das Weltende auslösen werden, stetig näher. Während des feierlichen Stapellaufs des gewaltigen Von-Westphalen-Zeppelins greifen die Einzelteile der Untergangs-Maschine ineinander, aber die Menschen sind viel zu sehr mit eigenen Auseinandersetzung beschäftigt, um dies zu bemerken …

Was werden sollte … und was wurde

Erfolg kann durchaus ein Fluch sein, denn er geht nicht selten einher mit der Entwicklung eines gewissen Größenwahns. Dies ist durchaus menschlich, denn wer einmal ins Schwarze traf, ist gern davon überzeugt, endlich jenen Tiger, der nicht im Tank steckt, sondern die Mysterien des Lebens symbolisiert, am Schwanz gepackt und somit den Durchblick erreicht zu haben. Für Richard Kelly war dieser Moment 2001 gekommen. In diesem Jahr brachte er seinen dritten Film ins Kino. „Donnie Darko“ war kein Blockbuster, fand aber ein begeistertes und interpretationsfreudiges Publikum, das dem Film schließlich jenen Kultstatus verschaffte, der sich zum Leidwesen aller Marketing-Strategen nicht planen lässt.

Auf dem DVD-Markt wurde „Donnie Darko“ zum Renner und Richard Kelly plötzlich zu einem Namen, der nicht nur einen guten Klang in Kritikerkreisen hatte, sondern auch die etablierten Hollywood-Studios aufhorchen ließ. Sie witterten Profit, winkten mit Geld und waren bereit, den exzentrischen Kelly schalten und walten zu lassen, obwohl sie keine Ahnung hatten, womit er die Filmwelt nunmehr zu beglücken gedachte.

Das Erwachen war böse, denn Kelly ist ein Mann, der sich schwere Gedanken über die politische, soziale und ökologische Gegenwarts-Welt macht. Dies sind drei Stoffe, aus denen nicht unbedingt Erfolgsfilme gewoben werden, zumal Kelly es ernst meinte mit seiner Kritik an einer haltlos zum diktatorischen Überwachungsstaat mutierenden US-Regierung sowie einer um sich selbst und ihre Belanglosigkeiten kreisenden, gleichgültig auf dem Vulkan tanzenden Gesellschaft, die einerseits ihre Energiereserven verschleudert, während sie andererseits ihren planetaren Wohnort verwüstet.

Rätselhaft oder einfach nur durcheinander?

Weil Kelly anders als Ex-Vizepräsident Al Gore keine Dokumentation à la „An Inconvenient Truth” (dt. „Eine unbequeme Wahrheit“), sondern einen Spielfilm drehte, musste er darüber nachdenken, welches Grundgerüst er seiner Geschichte geben sollte. Er entschied sich für ein Konzept, das sämtliche Genres einerseits bedient und andererseits ignoriert. „Southland Tales“ ist daher eine Polit-Thriller-Komödie mit Science-Fiction- und Mystery-Elementen, die durch eine Musical-Einlage unterbrochen wird.

Das Ergebnis ist exakt so seltsam, dass es sich ebenso begründbar als Geniestreich wie als Murks einschätzen lässt. Zumindest für den Rezensenten neigt sich die Waage gefährlich dem zweiten Urteil zu. Einfach fällt die Entscheidung aber nicht, weil sich Kelly alle Mühe gibt, seiner Parallelwelt-Mär Bedeutungsschwere förmlich einzuprügeln. Die Bilder sind nicht nur erlesen, sondern bersten vor Anspielungen und Kontext, die der vorsichtige Kritiker nicht als prätentiösen Humbug bezeichnet, weil er sich dadurch womöglich als Kunstbanause und Ignorant bloßstellt. Zudem mögen dem US-Zuschauer die Parallelen zur Regierung Bush oder zum „Krieg gegen den Terror“ schärfer gewürzt wirken als dem dekadenten und notorisch unpatriotischen Europäer.

Allerdings macht sich Kelly mehrfach angreifbar, indem er beispielsweise seine Satire mit SF-Elementen verschneidet, die „Southland Tales“ in eine inoffizielle Fortsetzung von „Donnie Darko“ verwandeln. Schon wieder öffnen sich Portale in Zeit und Raum, die sich auf diese Weise verwirren und gegenseitig zu zerstören drohen. Donnie Darko tritt dieses Mal doppelt als Roland und Ronald Taverner auf, behält aber seinen kruden Messias-Status.

Zu viel gewollt, zu wenig sortiert

Vier Jahre hat Richard Kelly nach eigener Aussage in das Projekt „Southland Tales“ gesteckt. In dieser Zeit hat er sich offensichtlich allzu tief darin vergraben. Sein Drehbuch ist überfrachtet mit Anliegen, die sich selbst aushebeln. Kelly überschätzt sein Publikum. Während sich ihm als Urheber die Chiffren erschließen, ist er betriebsblind geworden. „Southland Tales“ erhebt einen Anspruch, den der Film nicht verdient. Wirklich geniale und nicht nur genialische Autoren und Regisseure bürsten Inhalt und Form eines Films so gegen den Strich, dass er sich seinen Zuschauern weiterhin erschließt. Kelly knüpft Rätsel an Rätsel und erwartet entweder ehrfürchtiges, kritikloses Schweigen oder ein Aha!-Erlebnis, das in etwa erfasst, was er sich angeblich dachte.

Das „Making-of“ dokumentiert, dass schon während der Dreharbeiten die Ratlosigkeit vor und hinter der Kamera grassierte. Die Schauspieler bemühen sich deutlich verwirrt um Interpretationen (Dwayne Johnson, Sarah Michelle Gellar), driften in wilde  Deutungs-Delirien ab (Christopher Lambert) oder offenbaren, keine Ahnung zu haben, was sie da mimen. Vor allem Jon Lovitz gibt zu, sich in Schauspielerroutinen geflüchtet zu haben: Kelly sagte ihm, was er in seiner Szene tun und sagen sollte, und Lovitz hielt sich daran. Als wahrer Profi liefert er trotzdem eine der besseren Szenen ab.

„Southland Tales“ ist ein episodischer Film. Schon der Titel macht deutlich, dass die Handlung in diverse, oft nur lose verbundene Sequenzen zerfällt. Der (deutsche) Zuschauer leidet zusätzlich unter einem Mangel an Vorwissen. Ehrgeizig plante Kelly „Southland Tales“ als multimediales Spektakel. Es gab nicht nur eine entsprechend mit Informationen gespickte Website, sondern auch eine dreiteilige Comic-Serie, die eine Vorgeschichte erzählte. (Dies löst auch das Rätsel, wieso der ebenfalls dreifach gegliederte Film mit dem Kapitel 4 beginnt.)

Sie wollten dabei sein!

Regisseure wie Robert Altman oder Woody Allen drehen keine Blockbuster, sondern Filmkunst. Gern spielen Schauspieler für wenig Geld für sie, denn vor der Kamera dominieren nicht der Produzent und die Techniker für die Spezialeffekte, sondern der Regisseur und seine Darsteller. Außerdem macht sich ein Arthouse-Film gut in der Vita, was den Lohnausfall verschmerzbar macht.

Zwar ist Richard Kelly weder Altman noch Allen, aber nach „Donnie Darko“ sah es so aus, als könne er es werden. Daraus resultiert ein Schauspieler-Ensemble, das im Rahmen eines 15-Mio.-Dollar-Films bemerkenswert ist. 2006 war Dwayne Johnson immer noch „The Rock“, ein ehemaliger Wrestling-Star, der sich seine allmählich vermorschenden Knochen nicht länger im Ring brechen lassen wollte, sondern eine Filmkarriere anstrebte. Weil ihm verständlicherweise vor allem Prügel-Rollen à la „Doom“ oder „Walking Tall“ angeboten wurden, nutzte er die Chance, einen Charakter wie Boxer Santaros darzustellen. Freilich übersteigt dieser seine schauspielerischen Fähigkeiten doch, wenn Johnson wenig glaubwürdig Gefühlsregungen in kritischen Situationen wiederzugeben versucht.

Der verheißungsvolle Name Kelly hat wohl auch die in den letzten Jahren in ihrer Rollenwahl etwas glücklose Sarah Michelle Gellar in eine Rolle gelockt, die jede Darstellerin im Lycra-Fummel und unter einer hässlichen Perücke geben könnte. Ähnlich ratlos registriert der Zuschauer Christopher Lambert in einer winzigen Nebenrolle. Besser trafen es Wallace Shawn, John Larroquette oder Bai Ling, die nach Herzenslust chargieren dürfen. Justin Timberlake fällt lange nicht negativ auf, bis er in schauderhafter Choreografie zur Musik ein Lied vorträgt, das immerhin von den „Killers“ stammt.

„Southland Tales“ als Steinbruch

Letztlich fährt wohl der als Zuschauer am besten, der „Southland Tales“ szenenweise goutiert. Kelly ist ein Mann mit obskuren und oft guten Ideen, und er hat ein Gefühl für stimmungsvolle Bilder. Immer wieder überrascht man sich dabei, gut unterhalten zu werden. Der futuristische Zeppelin über der nächtlichen Skyline von Los Angeles, die von Feuerwerk und brennenden Straßenzügen erleuchtet wird, bietet einen bemerkenswerten Anblick. Das gilt auch für den Atompilz, der sich unweit einer fassungslosen Geburtstagsgesellschaft erhebt, oder für den überdrehten, delirierend bunten Mikrokosmos der „Neo-Marxisten“.

Für Richard Kelly nahmen die „Southland Tales“ übrigens ein böses Ende. Eine frühe Fassung wurde auf dem Filmfestival in Cannes verrissen, eine neu geschnittene und geraffte Version kam nur in wenige Kinos, in denen sie nur einen Bruchteil der Kosten wieder einspielte. Wie für „Donnie Darko“ möchte Kelly irgendwann einmal einen „Director’s Cut“ von „Southland Tales“ herstellen, der den Kritikern beweisen soll, wie sie sich in ihm und seinem Film getäuscht haben.

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf ein „Making-of“, das recht aufwändig als durch die Mühlen der (fiktiven) US-IDent gedrehten und über deren Website abrufbare Dokumentation gestaltet wurde. Ohne diesen Schnickschnack reduziert sich der Beitrag auf Bilder vom Dreh, Erläuterungen zu einigen Drehorten und Spezialeffekten, den üblichen Nullsprech-Interviews sowie vergebliche Erklärungsbemühungen des Regisseurs.

[md]

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Cargo – Da draussen bist du allein

Erstellt von Günther Lietz am 4. Mai 2010

Cargo – Da draussen bist du allein

Atlantis Pictures (Schweiz, 2009)
Ascot Elite Home Entertainment
Special Edition: 2 DVD´s, Science Fiction
Laufzeit 110 min.; Deutsche Sprache
Extras mit dt. Untertitel
FSK: ab 16 freigegeben
Bild 16:9 Cinemascope
Regiseur: Ivan Engler
Darsteller: Anna Katharina Schwabroh, Martin Rapold, Regula Grauwiller,
Pierre Semmler, Michael Finger, Claude-Oliver Rudolph
EAN-Code 7613059801103
Erscheinungstermin Kauf-DVD: 15. April 2010

http://www.ascot-elite.de/

Das Cover wirbt mit den Schlagworten „Gewaltig und beeindruckend“, welche von H.R.Giger stammen sollen, dem Oscar-Preisträger für die Gestaltung und Optik im SF-Horror-Thriller „Alien“.

Es ist ein bisschen mutig, wenn nicht gar einfach unverfroren, CARGO mit Hinweisen auf diesen Klassiker des SF-Horrors zu schmücken oder gar auf eine Stufe zu stellen. Doch zuerst zur Handlung.

Nachdem auf der Erde das Ökosystem zusammengebrochen ist, hat sich der größte Teil der Menschheit in riesige orbitale Raumstation geflüchtet, die naturgemäß völlig überfüllt sind und auf denen katastrophale Zustände herrschen. Um diesem menschenunwürdigen Dasein zu entfliehen, versuchen viele nach RHEA, einem 5 Lichtjahre entfernten, paradiesischen Planeten, zu fliegen.

Doch die junge Ärztin Laura ist mit einem Frachtraumschiff nicht nach RHEA unterwegs, auf dem ihre Schwester mit ihrer Familie wohnt und auf sie wartet, sondern zur entfernten Raumstation 42. Der Rest der Frachterbesatzung liegt im Tiefschlaf und erst in 4 Monaten wäre Lauras Schicht zu Ende. Doch Laura ist nicht alleine an Bord…

Mehr kann ich an dieser Stelle nicht verraten, um denjenigen, welche den Film wirklich sehen wollen, das bisschen zu verraten, was da noch kommt, denn viel ist es nicht. Und daran krankt auch CARGO. Die Story ist zu dünn, der Rest ist durchaus gut gemacht. Die wenigen Special Effects sind sauber, die Orbital-Raumstation, der Frachter und das dreckige, bewusst heruntergekommen gestaltete Design im Inneren sind durchaus stimmig. Ein wenig hausbacken wirken die Anzüge der Besatzung.

Die Schauspieler sind leider das größte Manko: Die Gestik und Mimik sind allenfalls als flach zu bezeichnen, die Dialoge ohne passende oder gar glaubhafte Emotionen. Dazu sind der gesamte Sound und die praktisch nicht vorhandene Filmmusik wenig erbauend und liefern nichts, was dazu beitragen könnte, so etwas Ähnliches wie Spannung aufzubauen. Sich vage andeutende Überraschungseffekte verpuffen im Nichts und das Ende ist für eingefleischte SF-Konsumenten vorhersehbar. Das Urteil von „Sunday Paper“ (mir leider völlig unbekannt) lautet: „Hollywood hat mit Regisseur Ivan Engler einen neuen Roland Emmerich entdeckt“. Ich will Engler ja nicht schlecht machen, aber um Emmerich auch nur die Schuhe zubinden zu dürfen, muss er noch um Einiges zulegen.

Alles in allem nicht unbedingt sehenswert, technische durchaus gut hergestellt, Schauspieler und Regisseur müssten aber noch mal auf die Schauspielschule und in die Lehre bei Emmerich gehen. Oder bei Spielberg, oder bei Georg Lucas, oder bei Peter Jackson, oder bei Luc Besson, oder bei…

Extras
Making Of, Behind the Scene, Featurette, Entfallene Szenen, & Bloopers, Dia Galerie, Original Trailer & TV Spots, Exklusive TV Berichte, Trailershow, Verkaufshülle mit 3D-Bild.

Copyright © 2010 by Werner Karl

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S. Darko – Eine Donnie-Darko-Saga

Erstellt von Michael Drewniok am 15. April 2010

S. Darko
Eine Donnie-Darko-Saga

Originaltitel: S. Darko – A Donnie Darko Tale (USA 2009)
Regie: Chris Fisher
Drehbuch: Nathan Atkins
Kamera: Marvin V. Rush
Schnitt: Kent Beyda
Musik: Ed Harcourt
Darsteller: Daveigh Chase (Samantha), Briana Evigan (Corey), James Lafferty (Iraq Jack), Ed Westwick (Randy), Walter Platz (Frank), John Hawkes (Phil), Bret Roberts (Officer O’Dell), Jackson Rathbone (Jeremy), Elizabeth Berkley (Trudy), Barbara Tarbuck (Agatha), Matthew Davis (Pastor John Wayne), Nathan Stevens (Jeff), Ryan Templeman (Mike), Zulay Henao (Baelyn) u. a.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 04.12.2009
EAN: 4041658223010 (DVD) bzw. 4041658293013 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 99 min. (Blu-ray: 102 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Sieben Jahre nach dem bizarren Tod ihres Bruders Donnie, der in seinem Schlafzimmer von einer Flugzeugturbine erschlagen wurde, verlässt Samantha Darko das heimatliche Virginia. Sie leidet unter Visionen und schlafwandelt, fühlt sich von den Eltern vernachlässigt und will neu anfangen. Mit ihrer besten Freundin Corey fährt Sam nach Kalifornien, wo sich die beiden jungen Frauen als Tänzerinnen versuchen wollen.

Die Reise ist lang, das Auto alt, und irgendwo in der Wüste des US-Staates Utah gibt es seinen Geist auf. Dorfrebell Randy nimmt Sam und Corey mit in die Kleinstadt Conejo Springs. Die Reparatur des Wagens wird dauern, sodass die Frauen sich ein Motelzimmer nehmen. In den nächsten heißen Juli-Tagen lernen sie die kleine Stadt und ihre Einwohner kennen, zu denen der nur angeblich fromm gewordene Pastor Wayne, die fanatisch bigotte Trudy und der überforderte Officer O’Dell gehören. Der Polizist jagt einen Kidnapper, der zwei Kinder aus Conejo Springs entführt hat; O‘Dell hält den im Irak geisteskrank gewordenen Ex-Soldaten „Iraq Jack“ für den Täter.

In den Nächten wird Sam erneut von Albträumen geplagt. Ein spukhaftes Alter Ego fordert sie auf, das in vier Tagen zu erwartende Ende der Welt zu verhindern. Ihm schließt sich der Geist eines der verschwundenen Kinder an. Am Ortsrand schlägt ein seltsamer Meteorit auf. Die Kirche wird niedergebrannt. Iraq Jack empfängt Signale aus einer anderen Welt und schweißt eine stählerne Hasenmaske zusammen. Sam wird von Corey im Stich gelassen und stirbt bei einem grotesken Unfall. Corey will sühnen und findet einen Weg, die tote Freundin auferstehen zu lassen. Die ‚neue‘ Sam entdeckt, dass die angekündigte Apokalypse durch den allzu engen Kontakt mit einem parallelen Universum verursacht wird. Auf der Suche nach Rettung stirbt sie erneut, und das Schicksal dieser Welt liegt nun in den Händen von Iraq Jack, der keine Ahnung hat, was von ihm erwartet wird …

Am Anfang war …

… „Donnie Darko“, originäres Meisterwerk des Regisseurs und Drehbuchautors Richard Kelly; ein ebenso vielschichtiger wie faszinierend rätselhafter Film, der wie alle ‚echten‘ Kultstreifen seinen Klassikerstatus nicht der Werbung, sondern der tiefen Zuneigung eines in den Bann geschlagenen und interpretationswütiges Publikums verdankt. Solche Erfolge sind selten und meist singulär, was u. a. dadurch belegt wird, dass Richard Kelly als Filmemacher seit 2001 nichts auch nur annähernd Vergleichbares mehr gelang.

So verzweifelt (oder dumm) war er jedoch nicht, dass er den Sirenengesängen Hollywoods erlegen wäre. „Donnie Darko“ war zwar anfänglich kein großer finanzieller Erfolg beschieden. Gutes Geld brachten die erst DVD- und Blu-ray-Verkäufe, zumal Kelly 2005 einen um 20 rätselreiche Minuten verlängerten „Director’s Cut“ realisieren konnte. Gold wert war vor allem der Donnie-Darko-Mythos, den Hollywood auf Dauer nicht brach liegen lassen KONNTE, obwohl die Frage nach dem Inhalt (nicht dem Sinn) einer Fortsetzung sogar hartgesottene Filmprofis ins Schwitzen brachte, wie wir im „Making of“ zu „S. Darko“ erfahren.

Aber Hollywood – hier repräsentiert durch die kleine Firma Silver Nitrate Productions – kennt keine Scham und findet stets eine Lösung. „S. Darko“ ist keine ‚richtige‘ Fortsetzung, sondern eine „Donnie Darko Saga“. Was zunächst merkwürdig klingt, da Donnie definitiv mausetot ist und auch nicht aus der x-ten Dimension zurückkehrt, wird verständlicher, sobald der neue Film angelaufen ist: „S. Darko“ erzählt einfach noch einmal dieselbe Geschichte mit anderen Figuren und an einem anderen Ort. Als verbindendes Element dient Donnies jüngere Schwester Samantha, die im Originalfilm überhaupt nicht in die Zeit- und Dimensionsreisen ihres Bruders involviert war; die Affinität zum Mythischen ist bei den Darkos offenbar genetisch bedingt.

Alles anders und doch wie bisher

4 Mio. Dollar betrug das Budget für „S. Darko“ – ein Taschengeld im Vergleich zu den Summen, für die im 21. Jahrhundert Kinofilme gedreht werden. Allerdings hatte „Donnie Darko“ 2001 nur eine halbe Million mehr gekostet. Zudem war „S. Darko“ von Anfang an als „Direct-to-DVD“-Produktion geplant. So konnte an teuren Stars gespart werden, und auch Kulissen und Spezialeffekte mussten nicht auf der großen Leinwand, sondern nur auf dem ungleich kleineren Bildschirm überzeugen.

Zumindest in diesem Punkt müssen sich die Männer und Frauen von Silver Nitrate Productions keine Vorwürfe machen lassen: „S. Darko“ ist ein Film auf handwerklich hohem Niveau. Chris Fisher und seine Crew holen heraus, was finanziell und technisch möglich war. Da „S. Darko“ für DVD und Blu-ray konzipiert wurde, spiegelt sich diese Qualität auf beiden Medien wider. Die Bilder sind scharf, die Farben satt, die Spezialeffekte sind durchweg überzeugend geraten, der Ton kann Schauer über den Rücken jagen.

Was für die Story leider nur im negativen Sinn zutrifft. Atkins und Fisher haben sich an Richard Kellys generelle Deutung. Der Donnie-Darko-Kosmos lässt sich durchaus erklären; wir erleben einerseits, wie die irdische Realität durch spontan auftretende und kurzlebige „Tangenten-Universen“ bedroht wird, während andererseits Teenager mit dem Alltagsleben und dem Erwachsenwerden ringen. Einst war es Donnie, nun ist es Samantha, die Probleme damit hat. Ihr Schlafwandeln und ihre Visionen können auch als Reaktionen eines überforderten Geistes interpretiert werden. Sam lebt, macht Fehler und muss die Folgen tragen. Das Science-Fiction-Element der Geschichte ermöglicht ihr Neustarts, die wiederum andere Entscheidungen und entsprechende Auswirkungen zeitigen.

Wer zuerst kommt …

Nüchtern betrachtet war schon „Donnie Darko“ kein Geniestreich. Doch Richard Kelly war zuerst da mit seiner Story, die er nach Kräften verrätselte sowie mit Andeutungen und Zitaten auflud, die das Publikum zum Nachdenken anregten. Jeder Zuschauer konnte „Donnie Darko“ in seinem Sinn deuten und Recht dabei behalten, denn Kelly hielt das Geschehen absichtlich vage.

Chris Fisher entwickelt das Konzept nicht weiter, sondern kopiert es – ansehnlich zwar, aber nicht so clever, wie er dachte. Vorgeblicher Tiefsinn, vom Himmel regnende Tesserakte und der Verzicht auf ein vollständiges Happy-End ändern daran nichts. Von der Kritik und empörten Gralshütern des Originals wurde „S. Darko“ ohnehin zerrissen. Falls der Film ein neues Franchise einleiten sollte, ist dieser Plan inzwischen wahrscheinlich abgehakt, denn das Publikum schluckte den Köder nicht. Geht man indes ohne jede (übersteigerte) Erwartung an diesen Film, kann er trotz der elegant aber offensichtlich vom Original übernommenen Struktur unterhalten.

Profis im Ratespiel

Eine routinierte aber vor allem eindringlich aufspielende Darstellerriege trägt ihren großen Teil dazu bei. „S. Darko“ wurde mit TV-Veteranen besetzt, denen es gelang, die auf ihre Art durchaus komplexe Handlung im Rahmen eines Drehplans, der nur 25 Tage umfasste, in den Griff zu bekommen. Ein Großteil der schauspielerischen Verantwortung lastete auf den schmalen Schultern von Daveigh Chase, die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst 18 Jahre alt aber bereits in 40 Filmen und Fernseh-Folgen aufgetreten war. Schon 2001 hatte sie, noch ein Kind, die Samantha Darko in „Donnie Darko“ gespielt, was für eine gewisse Kontinuität zwischen den Filmen sorgt. In „S. Darko“ steht Chase zwischen noch unsicherem Mädchen und schon erfahrener Frau und wirkt jederzeit glaubhaft in dieser Hauptrolle, was gerade im US-Kino nicht selbstverständlich ist, werden hier doch seit jeher ‚Jugendliche‘ gern mit Mitt- und Endzwanzigern besetzt. (Vorsichtshalber lässt Regisseur Fisher die nymphenhafte Chase möglichst oft in knappen Shorts und im Tank Top schlafwandeln, und auch die hübsche Briana Evigan scheint Textilien zu hassen.)

Unter den Darstellern erkennt der fleißige Film- und Fernseh-Zuschauer manches bekannte Gesicht. Kabinettstückchen liefern Elizabeth Berkeley (deren Karriere sich nach dem Kino-Desaster „Showgirls“ von 1995 nie wirklich erholt hat) als nicht nur scheinheilige, sondern gefährliche Trudy, Matthew Davis als pädophiler Priester und Ed Westwick als aus der Bahn geworfener Kleinstadt-Rebell. James Lafferty soll als “Iraq Jack” tragisch wirken, ist aber nur verrückt, weshalb seine Aktionen und Äußerungen zur Rettung der Welt von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Nicht nur das Schicksal, sondern auch der Drehbuchautor muss manche Delle in Einsteins relatives Universum schlagen, damit Jack seine Funktion erfüllen kann. Der beste Rat an den Zuschauer ist abschließend wahrscheinlich, „Donnie Darko“ zu ignorieren und sich der schönen Bilder der ansonsten mit Knallgas gefüllten Seifenblase „S. Darko“ zu erfreuen.

DVD-Features

15 Minuten lang ist das „Making of“ zum Hauptfilm. Mehr muss auch nicht sein, da hier wieder einmal alle Befragten Phrasen dreschen, sich gegenseitig hochleben lassen und viel dummes Zeug über den angeblichen Kontext dieses Filmes faseln.

Obskur aber unterhaltsam ist die siebenminütige Featurette „Utah too Much“. John Hawkes, der den Motelier Phil mimt, ist nicht nur Schauspieler, sondern auch Sänger. Anscheinend litt er während der Dreharbeiten an einem Lagerkoller, den er mit einem selbst komponierten, geschriebenen und gesungenen Song zu verarbeiten suchte. Dieser erklingt nicht nur in voller Länge, sondern wird von Bildern vom Drehort und von diversen Drehpausen begleitet, die als zustimmender Kommentar zu diesem Klagesang verstanden werden können.

[md]

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Aliens vs. Predator 2 [Extended Version]

Erstellt von Michael Drewniok am 5. März 2010

avp2Aliens vs. Predator 2 [Extended Version]

Originaltitel: AVP: Aliens vs. Predator – Requiem (USA 2007)
Regie: Colin Strause u. Greg Strause
Drehbuch: Shane Salerno
Kamera: Daniel C. Pearl
Schnitt: Dan Zimmerman
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Steven Pasquale (Dallas Howard), Reiko Aylesworth (Kelly O’Brien), John Ortiz (Sheriff Eddie Morales), Johnny Lewis (Ricky Howard), Ariel Gade (Molly), Kristen Hager (Jesse), Sam Trammell (Tim), David Paetkau (Dale), Chelah Horsdal (Darcy), Meshach Peters (Curtis), Matt Ward (Mark), Robert Joy (Colonel Stevens), Françoise Yip (Ms. Yutani) uva.
Label/Vertrieb: 20th Century Fox Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 30.08.2008 (Century3 Cinedition)
EAN: 4010232043214 (Kauf-DVD/Century3 Cinedition)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Ungarisch)
Untertitel: Deutsch/Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch, Italienisch, Spanisch, Türkisch, Ungarisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Predator „Scar“ hat bei seinem letzten Jagdausflug auf den Planeten Erde nicht nur den Tod gefunden, ihm wurde auch von einem schlauen Alien ein Embryo eingepflanzt, was Scars trauernder Gefährte, der seine Leiche bergen kam, leider erst bemerkte, als der ungebetene Gast durch das Raumschiff zu geistern begann: kein Alien-„Warrior“, sondern ein „PredAlien“, ein genetischer Mischling, die Intelligenz und Kampfkraft beider Spezies vereint. Die Kreatur bezwingt auch den zweiten Predator. Bei diesem Kampf stürzt das Raumschiff über der Erde ab und schlägt nahe der Kleinstadt Gunnison im US-Staat Colorado auf. Während der Predator noch eine Alarmbotschaft funken kann, bevor er seinen Verletzungen erliegt, fällt das PredAlien bereits über die ahnungslosen Menschen her, die es frisst oder als lebende Brutkammern für seinen Nachwuchs verschleppt: Das Wesen schafft sich eine Armee säureblütiger „Warriors“, mit deren Unterstützung es die Erde erobern will.

Während sich auf dem fernen Planeten der Predatoren ein „Cleaner“ auf den Weg macht, der das PredAlien ausschalten und alle Spuren seiner Übeltaten verwischen soll, bevor die US-Regierung Wind davon bekommt, versucht auf der Erde Dallas Howard nach drei Knastjahren wieder Fuß in seiner Heimatstadt Gunnison zu fassen. Er hat genug vom kleinkriminellen Dasein und will auch seinen jüngeren Bruder Ricky zügeln, bevor dieser ebenfalls in Schwierigkeiten gerät. Am anderen Ende der Stadt buhlt Soldatin Kelly O’Brien nach ihrer Rückkehr aus dem Iran um die Gunst ihrer fremdelnden Tochter.

Als der ‚neue‘ Predator in Gunnison eintrifft, eskaliert die Situation. Überall kriechen bereits Aliens herum, die der außerirdische Jäger mit brachialer Gewalt bekämpft. Wer ihm dabei in die Quere kommt, findet auch als Mensch ein böses Ende. Sheriff Morales ist überfordert, die Nationalgarde zieht auf – und wird ausgelöscht. Nun rückt die Armee an, aber der misstrauische Dallas hegt den Verdacht, dass diese die Eindämmung der Alien-Seuche per Atombombe plant. Durch die brennende und von Monstern wimmelnde Stadt schlägt sich eine kleine Gruppe zum Krankenhaus durch, auf dessen Dach ein rettender Hubschrauber steht …

Sie kommen einfach immer wieder …

Manche Dinge sollte man als Zuschauer erst einmal ruhen lassen. In diesem Fall zahlte sich Geduld sogar doppelt aus (obwohl der hier zu besprechende Film dadurch nicht besser wurde). So entging Ihr Rezensent nicht nur der von der Werbung zusätzlich und planmäßig geschürten Erwartung, die sich auf die Wiederkehr der Paarung Predator & Alien richtete, sondern blieb auch von einer filmischen Rumpf-Fassung verschont, die für den Durchlauf im Kino auf Tempo und Lärm getrimmt wurde und knapp zehn Minuten kürzer war als der „Director’s Cut“, den die Strause-Brüder nicht einfach aus zunächst in der Schnittraum-Mülltonne gelandeten Resten (die es im digitalen Zeitalter wohl ohnehin nicht mehr gibt) zusammenklittern mussten, sondern mit zum Teil neu gedrehten Szenen zu ihrer Version eines ‚richtigen‘ AvP-Spektakels aufwerten durften.

Das war bitter nötig, denn obwohl das erste Gipfeltreffen („Alien vs. Predator“) 2004 für Einnahmen in erfreulicher Höhe gesorgt hatte, waren die echten Fans wenig begeistert von dem weichgespülten Effektgewitter, das in eine banale Story gebettet wurde und geradezu vorsätzlich zwei Mythen dekonstruierte. Vor allem die Aliens waren zu Sandsäcken der Predatoren heruntergekommen; die elegante, unheimliche Präsenz und Widerstandskraft, die sie in ihrer ‚eigenen‘ Serie auszeichneten, waren kaum mehr spürbar.

Leider ging der Auftrag für eine Fortsetzung an zwei Regisseure, die sich im phantastischen Film zwar bestens auskennen und entschlossen waren, die Doppelserie ihren Ursprünge wieder näherzubringen (was die Tilgung von Widersprüchen und Fehlern, die oft nur tief in die Materie eingeweihten Fans aufgefallen waren, durchaus einschloss), jedoch wie Paul W. S. Andersen (Regisseur und Drehbuchautor von „AvP 1“) eindeutig auf der Seite der Predatoren standen. Das brachte einen Film hervor, der die „Predator“-Fraktion zufriedenstimmen und die Fans der „Aliens“ verärgern wird, die in „AvP 2“ tüchtiger verdroschen werden als je zuvor.

Was wollen sie eigentlich?

Dies passt zu einem Film, dessen Primärzweck aus Produzentensicht in der Generierung neuerlicher Einnahmen bestand, während die Regie an zwei Männer ging, die jederzeit die Optik einer gut erzählten Story vorzogen. Die Geschehnisse, mit denen wir in der „Extended Version“ nunmehr 97 Minuten konfrontiert werden, sind entweder simpel oder hanebüchen; in der Regel treffen beide Eigenschaften zu.

Nicht einmal das ständige Action- und Effekt-Feuerwerk kann brennende Fragen verhindern: Wieso übernimmt ein Alien-Embryo neuerdings Informationen des Wirtes in seinen genetischen Bauplan? Von „Alien“ bis „Aliens 3“ war davon keine Rede gewesen, und in „Aliens – Die Wiedergeburt“ musste im Labor kräftig nachgeholfen werden. Das PredAlien produziert nur Aliens der bekannten „Warrior“-Gestalt; sehr merkwürdig. Sind „Warriors“ Mischwesen aus Menschen und einer weiteren, noch unbekannten Alien-Spezies? Warum informiert der abgestürzte Predator nur einen einzigen Gefährten? Ist die Invasion der Erde – die ja offenkundig verhindert werden soll – keine Aufgabe, die besser ein Predatoren-Team erledigen könnte?

Noch übler als den Aliens ergeht es der kopfstarken Schar der menschlichen Darsteller. Bevor diese sich endlich zusammenraufen, zerstreuen sie sich über ganz Gunnison und erleben episodenhafte Abenteuer. Als sie dann eine Gruppe bilden, fällt ihnen nur ein, zurück in die Stadt und zum Krankenhaus zu flüchten, wo ein rettender Hubschrauber steht. Niemals greifen die menschlichen Figuren planvoll oder bestimmend in das Geschehen ein. Sie werden entweder vom Predator oder vom PredAlien oder von den Alien-Kriegern hin und her gescheucht.

Darsteller als Monsterfutter

Dies mochte sich offenbar kein renommierter Schauspieler antun. Außerdem waren große Namen im Budget – das die Strause-Brüder lieber in eindrucksvolle Effekte investierten – nicht vorgesehen. Ewige Nebenrollen-Inhaber und Schwerarbeiter in den Minen der TV-Industrie bilden deshalb das Darstellerfeld. Es wird ergänzt von kanadischen Mimen, die in den letzten Jahren ihr Glück kaum fassen können: Weil der Dollar jenseits der US-Nordgrenze mehr wert ist als in Hollywood, entstehen Filme, die in den USA spielen, tatsächlich oft in Kanada. Als „AvP 2“ gedreht wurde, waren dort sogar soviele Produktionen zu Gast, dass die Schauspieler knapp wurden.

Aus dem Gewimmel der Haupt- und Nebenfiguren, die in der Mehrzahl bloßes Monsterfutter darstellen, ragt beim besten Willen niemand heraus. Die Charaktere verkörpern Klischees. Aus dem Rahmen fallen höchstens die wenigen Verstöße gegen scheinbar zementierte Normen. So haben die Strauses kein Problem damit, einen Alien-„Chestbuster“ aus der Brust eines Kindes brechen zu lassen. Überrascht wird der Zuschauer auch durch den unerwarteten Tod einer Hauptdarstellerin: Solches Bürsten gegen den Strich hätten die Strauses sich öfter gestatten sollen.

Mit einem Epilog, der den gewagten Bruch mit der Handlung riskiert, gelingt den Strauses das (grundsätzlich überflüssige) Kunststück, die „AvP“-Filme mit der vierteiligen „Alien“-Saga zu verknüpfen. Damit melden die beiden Regisseure ihren Anspruch auf eine Fortsetzung von „AvP 2“ an. Aufgrund der für das produzierende Studio enttäuschenden Einnahmen an den Kinokassen sah es damit lange schlecht aus, doch auf DVD und Blu-ray konnte „AvP 2“ diesen Einbruch wettmachen, sodass es wohl weitergehen wird.

Anmerkung

Ich weise darauf hin, dass sich mein Beitrag auf die von den Strauses angefertigte „Extended Version“ von „AvP 2“ bezieht. Deren Veröffentlichungsgeschichte ist hierzulande ein wenig kompliziert. Während die um mehr als sieben Minuten erweiterte Fassung als normale Einzel-DVD ihren Weg in die Videotheken fand, schwoll sie im Verkauf zur (ebenso pompös wie sinnfrei) betitelten „Century3 Cinedition“ an. In diesem Schuber stecken drei DVDs mit Kino-Version, „Extended Version“ und Extras.

Die Blu-ray-Fassung umfasst zwar die Extras der dritten „Century3“-DVD, beinhaltet aber nur die verkürzte Kino-Version; die „Extended Version“ ist also gar nicht als Blu-ray zu erwerben! Sehr merkwürdig …

DVD-Features

Um dem Käufer eine Fülle von Hintergrundinfos vorzugaukeln, wurde auf bewährte Art das „Making-of“ in zahlreiche Kapitelchen zerhäckselt, die sich insgesamt aber doch zu knapp anderthalb Stunden addieren. Erfreut registriert der Zuschauer auch die Abwesenheit sinnleeren Promotion-‚Interviews‘, in denen sich die Befragten gegenseitig über den grünen Klee lügen.

Viel Mühe haben sich die Regisseure Colin und Greg Strause sowie Produzent John Davis mit ihren Kommentaren gegeben, die deshalb (und weil sie deutsch untertitelt sind) eine besondere Erwähnung verdienen. Jenseits spätpubertärer Anwandlungen, mit denen die Strauses vermutlich ihre Nähe zur Mehrheit des Zielpublikums unter Beweis stellen wollen, geben sie interessante Einblicke in die Entstehung von „AvP 2“, die einen ständigen Kampf zwischen Anspruch und Produktionsrealität verraten. Zu beinahe jeder Szene wissen die drei Kommentatoren etwas zu sagen, wobei sie Informationen und Anekdoten geschickt mischen.

Etwas trockener im Vortrag aber deutlich informationslastiger ist der Kommentar von Tom Woodruff Jr. und Alec Gillis, die für das Design der Spezialeffekte zuständig waren. Sie haben viel zu sagen über den Arbeitsalltag von Spezialisten, die bewährte Tricktechnik mit moderner CGI-Wundern kombinieren und dabei stets mindestens ein Auge auf den Termin- und den Budgetplan werfen müssen.

Im Internet treiben die Monster aus dem All hier ihr Unwesen.

[md]

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Stargate Universe – Pilotfilm

Erstellt von Günther Lietz am 27. Februar 2010

stargate-universeStargate Universe – Pilotfilm
Episode 1: Die Destiny; Episode 2: Führungskampf auf der Destiny

Originaltitel: Air, part 1+2
Produktionsland: Kanada
Produktionsjahr: 2009
Länge: 42 Minuten pro Episode
Produktion: Brad Wright, Robert C. Cooper
Idee: Brad Wright, Robert C. Cooper
Musik: Joel Goldsmith
Erstausstrahlung: 2. Oktober 2009 (Vereinigte Staaten) auf Syfy

Darsteller: Robert Carlyle (Dr. Nicholas Rush), Louis Ferreira (Colonel Everett Young), Brian J. Smith (Lieutenant Matthew Scott), Elyse Levesque (Chloe Armstrong), David Blue (Eli Wallace), Alaina Huffman (Lieutenant Tamara Johansen), Jamil Walker Smith (Sergeant Ronald Greer), Ming-Na (Camile Wray), Lou Diamond Phillips (Colonel David Telford)

Nach „Stargate – Kommando-SG1“ und „Stargate Atlantis“ kommt mit „Stargate Universe“ die nun dritte Serie auf den Markt, die im direkten Zusammenhang mit dem erfolgreichen Kinofilm „Stargate“ (Roland Emmerich, 1994) steht. Und erneut stehen natürlich die Sternentore der Antiker-Rasse im Mittelpunkt der Serie.

In „Stargate – Kommando-SG1“ richtete sich der Fokus auf das Erkunden neuer Welten und den Krieg gegen die Goa’uld, anschließend auf den Kampf gegen die Ori. In „Stargate Atlantis“, einem Ableger der Ur-Serie, leben die Menschen in der Stadt Atlantis und kämpfen gegen eine Art Vampirrasse, die Wraith genannt wird. Die Sternentore, Atlantis und die Wraith sind ein Erbe der Antiker. Die Antiker spielen auch in „Stargate Universe“ eine wichtige Rolle.

In der Serie geht es nun darum, dass sich eine Gruppe von Menschen auf der Ikarus-Basis einfindet, die sich tief im Weltraum befindet. Hier versucht Doktor Nicholas Rush (Robert Carlyle) das Rätsel um das neunte Chevron zu lösen. Sollte es ihm gelingen, wäre es möglich neuartige Koordinaten anzuwählen. Um Hilfe beim Lösen des Rätsels zu bekommen, baut Rush Teile der Aufgabenstellung in ein Onlinespiel ein. Eli Wallace (David Blue) löst im Spiel das Rätsel und wird zwangsrekrutiert.

Auf der Ikarus-Basis arbeitet er nun mit Rush zusammen und lernt auch andere Besucher kennen. Darunter die Senatorentochter Chloe Armstrong (Elyse Levesque) und ihren Vater oder auch die IOA-Mitarbeiterin Camile Wray (Ming-Na). Als die Station plötzlich angegriffen wird wählt Rush zur Evakuierung mittels Chevron Neun eine Adresse an. Anstatt auf der Erde landen die Flüchtlinge auf einem alten Raumschiff der Antiker, der Destiny.

Das Raumschiff ist schwer beschädigt, die Energiereserven beinahe erschöpft und Nicholas Rush kocht sein ganz eigenes Süppchen. Einer Rückkehr zur Erde scheint unmöglich. So müssen sich Militär und Zivilisten arrangieren, um zu überleben. Doch zuvor sind einige Opfer nötig …

Das klingt nun erst einmal sehr spannend und leidlich innovativ, doch im Grunde genommen wärmt „Stargate Universe“ altbackene Themen und Serien auf. Allen voran „Star Trek: Voyager“, gemischt mit den üblichen Verzierungen aus „Stargate – Kommando SG-1“ und „Stargate Atlantis“. Klingt übel, ist es leider auch.

Die Ähnlichkeiten zu „Star Trek Voyager“ sind dabei besonders groß. Die erste Parallele ist, dass die Flüchtlinge an Bord eines Raumschiffs zu überleben versuchen. Ihr vorrangiges Ziel ist dabei die Rückkehr zur Erde, stets im Kampf um wichtige Ressourcen und am Erkunden von fremden Planeten. Immerhin ist die Destiny ein beschädigtes Schiff der Antiker mit einem programmierten Kurs, den niemand ändern kann. Ziel des Schiffs ist es Planeten abzuklappern, auf denen ein anderes programmierttes Schiff Stargates deponierte. Die Destiny stoppt in Nähe der Stargates den Flug und dann läuft ein Countdown. Innerhalb einer bestimmten Zeit kann die Besatzung nun die jeweiligen Planeten erkunden. Außerdem erkennt das Schiff die Bedürfnisse der Mannschaft und stoppt auch, um Nahrung, Wasser, Ersatzteile und Energie zu besorgen. Das ist jedenfalls ganz grob die Handlung. Da die Serie an ein jüngeres Publikum adressiert ist, wird die Zielgruppe mit ein wenig Glück die Ähnlichkeit zu „Star Trek“ übersehen.

„Stargate Universe“ hat es sich zur Aufgabe gemacht einen anderen Stil an den Tag zu legen, als die beiden Vorgänger-Serien. Das gelingt auch, denn wo „Stargate – Kommando SG-1“ mit Charme überzeugte und „Stargate Atlantis“ Action präsentierte, bietet sich „Stargate Universe“ als liebloses Stückwerk an. Vor allem der Humor ist auf der Strecke geblieben. Zwar wird die alte Garde (Richard Dean Anderson, Amanda Tapping und Michael Shanks) in einigen Szenen bemüht, aber sie sind zu keinem Zeitpunkt für die Handlung wichtig. Bei Anderson als Jack O’Neill ist der Zuschauer höchstens erschrocken darüber, wie mollig der Schauspieler geworden ist. Und das war es auch schon – von seinem Auftritt bleiben nur die zusätzlichen Kilos in Erinnerung. Tapping steht plappernd auf der Brücke eines Raumschiffs (ebenfalls in Anlehnung an die Serie und um die Fans zu erfreuen ist es die „Hammond“) und Shanks darf als Daniel Jackson auf einer DVD plaudern. Alles zu vernachlässigen. Wichtiger ist die neue Besetzung und die damit verbundenen neuen Charaktere. Und die sind Großteils einfach nur langweilig.

Neuer Star und Ansprechpartner fürs junge Publikum ist David Blue als Eli Wallace. Eli ist das, was Neudeutsch als Nerd bekannt ist, ein Außenseiter, ein Sonderling, ein dicker Typ der Computerspiele zockt und mittels Headset soziale Kontakte pflegt. Klischee pur oder einfach nur Alltag us-amerikanischer Teenager – das kann sich jeder aussuchen. Jedenfalls geschieht mit Eli genau das, wovon jugendliche Fans der Serie träumen: Er spielt ein Onlinespiel, ist dabei unschlagbar, es klingelt an der Türe und dann wird er in den Weltraum gebeamt, weil nur er alleine ein Rätsel lösen kann, das für alle anderen zu schwer ist. Genau, die Hoffnung der Welt sitzt mit dickem Hintern vor dem Computer und steuert Pixelmännchen durch die virtuelle Gegend. Die Zeiten ändern sich halt und mit ihnen auch die Helden.

Glücklicherweise gibt es neben dem dicken Zivilisten auch ein paar kernige Militärs, die ebenfalls mitmischen. Gut trainiert und mit gestähltem Körper sorgen sie für die Sicherheit. Und nebenbei erfüllen sie auch sämtliche Klischees. Da gibt es den etwas überforderten Soldaten, der ein Verhältnis mit einer Kameradin hat, der aufsässige schwarze Marine der schnell die Waffe anlegt und der erfahrene Kommandant, der aber leider an einer schlimmen Krankheit leidet. Fürs schicke Ambiente sorgt da nun die junge Tochter des Senators und auch die clevere Sanitäterin, die eigentlich in der Uni sitzen sollte. Witzigerweise ist es gerade nun Alaina Huffman als Lieutenant Tamara Johansen, die hier sehr überzeugend spielt. Sie vermag als eher stille Sanitäterin – und medizinische Leiterin in spe – sämtliche Emotionen abzuklappern, die solch eine dramatische Situation mit sich bringt. Da ihre Dialoge eher spärlich sind, muss sie halt anderweitig überzeugen. Um zu zeigen wie offen und tolerant die neue Serie ist, gibt es sogar eine Vorzeigelesbe. Diese Rolle übernimmt Ming-Na (verheiratet und Mutter zweier Kinder).

Um die ganze Sache besonders mysteriös zu gestalten, gibt Robert Carlyle einen sehr geheimnisvollen Dr. Nicholas Rush zum Besten. Serien wie „Battlestar Galactica“ (Dr. Gaius Baltar) und „LOST“ (Benjamin „Ben“ Linus) zeigen ja, wie ein undurchsichtiger Charakter angelegt werden muss. Ist er nun böse, ist er nun gut, ist er vertrauenswürdig, ist er ein Verräter, sind seine Handlungen nachvollziehbar, gar verständlich? Während Figuren wie Dr. Gaius Baltar und Benjamin Linus originell und authentisch wirken, ist Nicholas Rush ein Stückwerk – wie „Stargate Universe“ an sich.

Der Pilotfilm setzt sich aus zwei Episoden zusammen, die im deutschen unterschiedliche Titel haben, im englischen aber treffender „Air, part 1+2“ heißen. Das im Piloten keine große Charakterentwicklung gezeigt werden kann, ist verständlich. Aber die reine Konzentration auf die Hauptfiguren der Serie ist misslungen. Die Figuren wirken unterkühlt, es gibt keine Bindung und die Rollen wirken konstruiert. Das die Handlung so offensichtlich einer anderen Serie entlehnt wurde und aufgesetzte Cameo-Auftritte um die Gunst der Fans buhlen, macht es nur schlechter, aber keinesfalls besser. Allerdings füllt „Stargate Universe“ eine Lücke, denn es gibt derzeit keine wirklich große Science-Fiction-Serie aus Amerika. Und die britischen Serien haben leider – und zu Unrecht – den Beigeschmack einer Randgruppe. Das nutzt das neue Stargate-Ziehkind weidlich aus und generiert konkurrenzlos Zuschauer. Einen Vorteil hat dieser grottige Start auf jeden Fall: Es kann nur besser werden …

Copyright © 2010 by Günther Lietz

“Stargate” bei Booklooker.de

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Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Erstellt von Günther Lietz am 10. Februar 2010

Bei Libri.dePrimeval: Rückkehr der Urzeitmonster – Staffel 1-3

Produktionsland: Großbritannien
Originalsprache: Englisch
Produktionsjahr: seit 2007

Darsteller: Douglas Henshall, Lucy Brown, Andrew Lee Potts
Regisseure: Jamie Payne, Cilla Ware
Komponist: Dominik Scherrer

Format: PAL, Box-Set
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildseitenformat: 16:9 – 1.78:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Episoden: 23 in 3 Staffeln
Spieldauer: 1045 Minuten
Studio: Polyband & Toppic Video/WVG
Erscheinungstermin: 2009

Neben den us-amerikanischen Science-Fiction-Serien, behaupten sich zunehmend auch Serien aus Großbritannien auf dem internationalen Markt. Der britische Fernsehsender ITV1 schickt seit einigen Jahren „Primeval“ ins Rennen um die Einschaltquoten und liegt damit weit vorne. So erreichten die ersten beiden Staffeln bei ihrer Erstausstrahlung in Großbritannien im Schnitt mehr als sechs Millionen Zuschauer, in Deutschland waren es immerhin mehr als zwei Millionen Menschen, die einschalteten. Deutsche Premiere feierte „Primeval“ auf PRO7 und wurde dann ab Januar 2010 auf Kabel 1 wiederholt. Aus dem Hause Polyband & Toppic Video/WVG stammt nun eine Staffelbox, in der die ersten drei Staffeln enthalten sind. Das macht insgesamt dreiundzwanzig Episoden mit einer Gesamtspieldauer von 1045 Minuten. Stellt sich nur die Frage, wie unterhaltsam diese Minuten sind.

Die erste Staffel der Serie umfasst gerade mal sechs Episoden und ist damit die kürzeste Staffel. Im Zentrum der Handlung steht vor allem die Charaktervorstellung und das zentrale Handlungselement: Die Urzeitmonster, die durch eine Anomalie aus der Vergangenheit in unsere gegenwärtige Welt stolpern. Durch Absicht und Zufall formiert sich hier ein Team, dass im Auftrag der britischen Regierung diese Monster jagt, Schlimmes verhindert und die Anomalien erforscht.

Kopf des Teams ist der Wissenschaftler Nick Cutter (Douglas Henshall). Er ist Evolutionsbiologe und arbeitet zusammen mit seinem Assistenten Stephen Hart (James Murray) an den Vorfällen. Im Verlauf der sechs Episoden kommt heraus, dass die beiden Männer mehr als nur Freundschaft verbindet. Vor allem Cutter erfährt, dass es für ihn eine ganz persönliche Verbindung zu den Anomalien gibt, denn seine verschollene Frau Helen (Juliet Aubrey) scheint in einer dieser Anomalien verschwunden zu sein.

Mehr zufällig schließt sich der junge Student Connor Temple (Andrew-Lee Potts) dem Team an. Er ist etwas ungeschickt, intelligent und über beide Ohren in Abby Maitland (Hannah Spearritt) verliebt, die er in der ersten Episode kennenlernt. Abby ist Tierpflegerin und wird zufällig in die Ermittlungsarbeiten hineingezogen. Dank ihren Fähigkeiten gehört sie schnell zum harten Kern der Truppe. Das Team steht unter der Leitung von Claudia Brown (Lucy Brown), einer Mitarbeiterin des Innenministeriums, die wiederum Sir James Peregrine Lester (Ben Miller) untersteht, einem humorlosen Bürokraten.

Die Aufgabe des Teams ist es nun auffälligen Meldungen nachzugehen und festzustellen, ob es sich um eine Anomalie handelt. Stets entwischt auch ein Bewohner der Urzeit und stellt die Mannschaft vor Probleme. Meistens frisst das Urzeitmonster jemanden auf und muss mit einem Trick wieder in seine eigene Zeit gelockt werden. Im Grunde war es das auch schon.

Die erste Staffel zeichnet sich dadurch aus, dass sie vor allem auf ein junges Publikum zugeschnitten wurde. Die Handlung ist betont episodenhaft und gestückelt. Es gibt unzählige Logikfehler, die zugunsten einer betont lässigen Szenerie in Kauf genommen werden. Hauptsache es sieht gut aus. Dadurch ist die Geschichte flach und auch die Charaktere kommen ohne Tiefe daher. Sehr ärgerlich ist vor allem der monotone Aufbau des Dramas und die stets ähnliche Krisis. In fast jeder Episode fühlt sich der Zuschauer auch an das gute alte Kasperletheater erinnert: Das Krokodil taucht hinter dem Kasper auf, aber er sieht es einfach nicht. Dann dreht sich der Kasper um, aber einen Augenblick vorher ist das Krokodil abgetaucht und steckt woanders seinen Kopf hinaus. Der Kasper dreht sich zurück und wieder ist das Krokodil verschwunden, um plötzlich genau vor der Nase des Kaspers aufzutauchen. Wird der Kasper gegen Cutter oder ein anderes Teammitglied ausgetauscht und das Krokodil gegen ein beliebiges Tier aus der Urzeit, so beschreibt das die meisten der Drehbücher.

Um die jugendliche Lust nach nackter Haut und Teenagerliebe zu bedienen, kommen nun Abby und Connor ins Spiel. Die Rolle der punkigen Tierpflegerin wird dabei von Hannah Spearritt übernommen, die Dank ihres sportlichen Körperbaus jugendlich frisch wirkt. Vor einigen Jahren gehörte sie der Popgruppe „S Club 7“ an, nun versucht sie sich als Schauspielerin. Trotz – oder gerade wegen – der einfach gestrickten Geschichte gelingt ihr das recht gut. Passenderweise ist Abby eine Liebhaberin vom Amphibien. Deswegen schaltet sie ihre Heizung immer hoch, so dass sie in ihrer Wohnung stets knapp bekleidet herumlaufen muss. Bei der Gelegenheit präsentiert sie dann auch ihre knapp verhüllten kecken Brüste und den äußerst knackigen Po.

Connor steht nun stellvertretend für all die Jungs, die nun gerne Abbys Freund wären und die Glückliche mal beglücken würden, aber stets abblitzen. Doch Meter für Meter gräbt sich Connor an seine Auserwählte heran, zieht schlussendlich sogar bei ihr ein und darf – stellvertretend für alle anderen Außenseiter der jugendlichen Gesellschaft – die knackige Abby bewundern. Jetzt muss Connor nur noch ihr Herz erobern.

Es ist leicht zu erkennen, dass „Primeval“ in seichten Gewässern fischt. Es gibt keinen großen Anspruch. Das gilt auch für die von den Machern gelobten Tricks und Special Effects. Diese wurden am Computer generiert und ihre CGI-Herkunft ist offensichtlich. Auch die Action wirkt gekünstelt, ebenso die grundlegende Handlung selbst. Es wirkt stellenweise, als hätten die Produzenten versucht „Stargate SG1“ zu klonen und dabei ist ein Unfall passiert. Trotzdem ist die erste Staffel der Serie stellenweise recht unterhaltsam. Sie gewinnt zum Ende hin sogar an Spannung und Fahrt, denn es kristallisiert sich tatsächlich ein übergreifender Handlungsbogen heraus.

Und mit dem kracht der Zuschauer dann brachial in die zweite Staffel hinein, die nun aus ganzen sieben Episoden besteht. Der Zuschauer hat sich von Claudia Brown verabschieden müssen. Das ist vor allem für Cutter ein Problem, denn immerhin empfand er tiefe Zuneigung für sie. Statt sich nun der Liebe hinzugeben, muss er sich gegen seine Ehefrau durchsetzen. Denn Helen wird nun zum Dreh- und Angelpunkt der Serie.

Die Produzenten haben von der reinen Teenager-Serie Abschied genommen und die Möglichkeiten einer Zeitanomalie genutzt, um „Primeval“ ordentlich umzukrempeln. Cutter kehrt aus der Vergangenheit zurück und lässt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung hinter sich. Doch die Gegenwart hat sich verändert. Es gab nie eine Claudia Brown und das Team hat im sogenannten ARC einen festen Stützpunkt. Von hier aus erforscht die Mannschaft weiterhin die Anomalien, kann jedoch auf mehr Ressourcen zurückgreifen.

Noch immer ist Connor in Abby verknallt, doch es gibt nur einen freundlichen Händedruck oder mal einen Schmatzer auf die Wange. Wenigstens ist Abbys Schwärmerei für Stephen zu den Akten gelegt worden, hat dieser doch was mit Helen am Laufen. Sehr zum Ärger von Cutter. Und der steht vor dem Problem, dass die neue PR-Managerin des ARC Jennifer „Jenny“ Lewis ist und Claudia zum Verwechseln ähnlich sieht. Somit bleibt Lucy Brown der Serie vorerst als Schauspielerin erhalten.

Der durchgehende Handlungsbogen sorgt nun für einen besseren Ablauf der Serie. Einige Logiklücken wurden geschlossen und durch die plötzliche Wendung mittels der veränderten Realität, ist auch das leicht veränderte Verhalten der Charaktere zu erklären. Vor allem der Konflikt zwischen Cutter, Helen und Stephen trägt zu einem runderen und spannenderen Bild bei. Scheinbar wurde auch das Budget der Serie aufgestockt, denn die Kulissen sind größer, abwechslungsreicher und auch die CGI-Effekte haben zugelegt. Man sieht zwar noch immer, dass es Computerwesen sind, aber diesmal wirken sie einfach einen Tick echter. Und endlich wurden der Kasper und das Krokodil in die staubige Kiste gesteckt, in die sie auch hineingehören.

Eine besonders schöne Idee der Drehbuchautoren ist, dass nun auch Kreaturen aus der Zukunft die Gegenwart besuchen. Allerdings gibt es hier keine großen Änderungen, denn diese Kreaturen fressen auch gerne Menschen. Die Handlung wird nun durch Helen besonders vorangetrieben. Sie auch scheint Wissen und Technik aus der Zukunft zu besitzen, das macht neugierig. Doch die Enthüllungen, die lassen auf sich warten. So wie die Figur der Helen in der Serie gewinnt, so gewinnt auch  Juliet Aubrey hinzu. Ihre Darstellung der Helen ist sehr packend und stellenweise gar ergreifend. Auf der einen Seite menschliches Monster, auf der anderen Seite verletzlicher Mensch. Eine sehr glaubhafte Darstellung der Rolle.

Ebenso wie die zweite Staffel, so bringt auch die dritte Staffel einige Veränderungen mit sich. Die Serie wirkt nun noch erwachsener, spielt noch stärker mit den Möglichkeiten und Gefahren der Anomalie. Eine der DVDs kommt sogar mit einem FSK von 16 daher, was sich natürlich auch auf die ganze Box niederschlägt. Merkwürdigerweise sanken in Großbritannien die Einschaltquoten „Primevals“ bei der dritten Staffel auf knapp über vier Millionen ab. Dabei gewinnt die Serie gerade jetzt an Spannung.

Connor und Abby kommen sich endlich näher. Das bedeutet immer weniger Liebeleien unter Jugendlichen. Zwar muss  Hannah Spearritt noch immer ihren knackigen Körper präsentieren, aber endlich wirkt es natürlich. Auch Connors Schüchternheit wirkt passend und ist kein zentraler Bestandteil mehr.

Und erneut hat sich einiges im Team verändert. Durch Tod eines Mitglieds und dem Ausscheiden von Jenny aus dem Dienst, ist der Weg frei für neue Mitglieder. Da wäre erst einmal die Ägyptologin Sarah Page (Laila Rouass). Leider ist ihre Einstiegsfolge auch die dümmste der ganzen dritten Staffel. Es tauchen tatsächlich Urzeitkrokodile auf die das Fressen einstellen, sobald sich die Leute vor ihnen verbeugen. Logische Erklärung: Sie sind es halt alle aus Ägypten gewohnt angebetet zu werden. Was für ein Unsinn. Nun, die Neue im Team braucht halt auch ihr Scheinwerferlicht, um gut dazustehen. Glücklicherweise ist diese Folge nur ein Ausrutscher und Sarah wird tatsächlicher zu einer tragenden Figur mit plausibler Geschichte.

Eine tragende Figur ist auch Helen – immer noch. Sie enthüllt weitere Details aus der Zukunft und dem Zuschauer werden ihre Motive klar, sind sogar nachvollziehbar. Die Szene in der sie ihren eigenen, geliebten Mann erschießt, ist heftig. Doch Helen, gefangen in ihrem eigenen Wahn – ausgelöst durch das Wissen um die Zukunft der Menschheit – sieht einfach keinen anderen Ausweg. Starker Tobak!

Im ganzen positiven Chaos der dritten Staffel, mausert sich Danny Quinn (Jason Flemyng) zum neuen Teamleiter. Er ist risikofreudig und unbesonnen, in vielen Dingen also das Gegenteil von Cutter. Doch das Team kann sich jederzeit auf seine Hartnäckigkeit und seine Loyalität verlassen. Das gilt auch für Captain Becker (Ben Mansfield) der eine Spezialeinheit leitet und zum Schutz des Teams eingeteilt ist. Endlich haben die Drehbuchautoren was gelernt und präsentieren glaubhafte und nachvollziehbare Gründe, warum das Team ohne Waffen und nur mit einem Grinsen gegen menschenfressende Dinosaurier in den Kampf zieht. Wobei, diesmal kommen die Soldaten auch mal zum Zuge. Alles andere wäre nun auch endgültig unglaubwürdig.

Die Handlung ist nun eine wahre Achterbahnfahrt. Zwar sehen die Monster noch immer deutlich nach CGI aus, aber Action und Spannung nehmen dramatisch zu. Es gibt Verfolgungsjagden durch die Zeit, Verrat in den eigenen Reihen, Klonsoldaten, tödliche Liebschaften, knallharte Zweikämpfe, mutierte Menschen, Killer aus der Zukunft und den Plan die gesamte Menschheit auszurotten. Hier wurde das Gaspedal bis zum Anschlag durchgedrückt. Endlich wird Helens Motiv enthüllt und auch ihr Plan ans Licht gezehrt. Dabei kommen auch viele Spielereien aus der Zukunft vor, die den Anstrich der Science Fiction verstärken. Und schlussendlich präsentieren die Macher einen sehr spannenden Cliffhanger, der Lust auf mehr macht – Lust auf eine Fortsetzung, Lust auf einen Kinofilm.

„Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ ist keine Serie die mit einem ausgefeilten Plot überzeugt, erstklassige Tricktechnik bietet oder gar Charaktertiefe. Die Serie bietet einfache Durchschnittskost, gespickt mit peinlichen Ausrutschern und wunderbaren Glanzlichtern. Diese Glanzlichter nehmen zum Ende der Serie immer mehr zu. „Primeval“ ist eine Serie, die mit der Zeit wächst, blüht und gedeiht. Aus einem langweiligen Mauerblümchen entwickelt sich eine schöne Orchidee. Besonders spannend ist dabei, diese Entwicklung mitzuerleben. Das macht schlussendlich den wahren Reiz der Serie aus und erinnert irgendwie an ein Kind: Es wird geboren, wächst auf und steht schlussendlich auf eigenen Beinen. Bleibt zu hoffen, dass „Primeval“ zukünftig dieses erreichte Niveau beibehalten wird. Es wäre Schade, würde die Serie eingehen oder auf dem Altenteil landen.

Die Ausstattung der DVD-Box ist von guter Qualität. Jede Staffel befindet sich in einer eigenen Hülle und diese stecken wiederum in einem schön gestalteten Pappschuber. Leider gibt es keine Wendecover und keinen Überzieher. Dadurch bleibt der Blick auf das grüne FSK-Siegel frei. Schade.

Die Bildqualität ist weitgehend in Ordnung. Kommt es zu CGI-Effekten wirkt es manchmal schwammig. Oft ist das wohl Absicht, um die Computeranimation etwas zu verschleiern. Der Ton liegt in Dolby Digital 2.0 auf Deutsch und Englisch vor. Er ist durchweg sauber und dringt gut aus den Boxen. Bei solch einer Serie wäre aber 5.1 sicherlich besser gewesen. Der Untertitel ist nur in Englisch vorhanden. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls gelungen und weist keine Fehler auf. Die Stimmen sind weitgehend passend gewählt. Eine gute Arbeit.

Das Bonusmaterial besteht aus einem Making-of und einem Behind-the-Scenes. Beide Beiträge sind informativ und schön gestaltet, aber leider etwas wenig für eine Box mit diesem Umfang. Hier hätten sich Fans sicherlich mehr erhofft. Das Bonusmaterial ist jedenfalls unterer Standard.

Abschließend bleibt zu sagen, dass es sich bei „Primeval: Rückkehr der Urzeitmonster“ um eine ambitionierte  Serie mit vielen und großen Schwächen am Anfang handelt, die aber mit jeder weiteren Staffel einen Qualitätssprung vollführt. Vor allem Staffel Zwei und Staffel Drei trumpfen auf, wobei das vorläufige Serienfinale sehr spannend ist und nach mehr verlangen lässt. Trotz Mängel also eine Empfehlung für die heimischen Abspielgeräte!

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