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Apollo 18

Erstellt von Michael Drewniok am 16. Februar 2012

Apollo 18

Originaltitel: Apollo 18 (USA 2011)
Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Brian Miller
Kamera: José David Montero
Schnitt: Patrick Lussier
Darsteller: Warren Christie (Captain Benjamin Anderson), Ryan Robbins (Lieutenant Colonel John Grey), Lloyd Owen (Commander Nathan Walker), Andrew Airlie (Mission Control – nur Stimme), Michael Kopsa (Deputy Secretary of Defense – nur Stimme), Ali Liebert (Nates Freundin)
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 16.03.2012
EAN: 0886919027297 (DVD) bzw. 0886919027495 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Obwohl die USA ihre Raketenflüge zum Mond 1972 offiziell eingestellt haben, findet ein Jahr später eine streng geheime „Apollo 18“-Mission statt. Wissenschaftler haben eine Schnüffel-Station konstruiert, mit der sich die UdSSR – US-Amerikas zeitgenössischer Schurkenstaat Nr. 1 – ‚von oben‘ aushorchen lässt. Die finanziell klamme NASA erklärt sich bereit, das Gerät auf den Mond zu transportieren. Auch die Astronauten Benjamin Anderson, John Grey und Nathan Walker lassen sich nicht lange bitten, sondern vom Militär für die Mission rekrutieren.

Im Rahmen eines angeblich unbemannten Teststarts gehen die drei Männer auf große Fahrt. Sie haben die Order, mit transportablen Kameras ihre Arbeit zu dokumentieren. Der mehrtägige Flug zum Mond vergeht ohne technische Probleme. Im Orbit des Erdtrabanten eingetroffen, begeben sich Anderson und Walker gut gelaunt in die Landefähre, während Pilot Grey wehmütig in der Kommandokapsel zurückbleibt. Die Landung gelingt, das Peilgerät wird aufgestellt. Doch die Euphorie verfliegt, als seltsame Vorfälle die beiden Mondmänner beunruhigen. Die Funkverbindung zur Erde und zur Kommandokapsel fällt immer wieder aus. Stattdessen malträtieren schrille Störsignale ratlose Ohren. Steine scheinen ihren Platz zu verändern. Die stolz aufgestellt US-Flagge verschwindet.

Aus Sorge wird Furcht, als Anderson und Walker fremde Fußspuren entdecken. Sie folgen ihnen – und stoßen auf eine sowjetrussische Mondlandefähre! Ihr Inneres ist verwüstet und blutverschmiert, die Leiche des Piloten findet Anderson in einem nahen Krater. Aus Mondsteinen schlüpfen krabbenähnliche Kreaturen, die den Männern in die Landefähre folgen und Walker mit einer unbekannten Krankheit infizieren. Ihre Hilferufe werden ignoriert – die Männer erkennen, dass man auf der Erde sehr wohl weiß, dass es feindliches Leben auf dem Mond gibt, und sie als menschliche Versuchskaninchen missbraucht …

Was war dort oben wirklich los?

Sie tanzten nur drei Sommer lang: Nachdem die Astronauten Neil Armstrong und Edwin „Buzz“ Aldrin im Rahmen des Unternehmens „Apollo 11“ als erste Menschen den Mond betreten hatten (Juli 1969), folgten sechs weitere Mondfahrten, bevor das Programm mit Apollo 17 (Dezember 1972) aus Kostengründen abgebrochen wurde. Apollo 18 bis 20, obwohl bereits geplant, starteten nie; bis heute ist der Mensch nicht auf den Mond zurückgekehrt.

Schon die erste Mondlandung wurde zum Gottesgeschenk für misstrauische Verschwörungstheoretiker. Bis heute (und obwohl Ex-Astronaut Aldrin einem frechen Zweifler 2002 persönlich in den Hintern trat) wird ihre Realität angezweifelt. Halbwissen und die Verlockung, daraus resultierende Erkenntnislücken mit selbst gestrickten ‚Fakten‘ zu füllen, verbinden sich mit Anschauungen, nach denen der nur vorgeblich mündige aber tatsächlich vorsätzlich dumm gehaltene Bürger hilflos im Würgegriff notorisch komplottierender Politiker, Wirtschaftsführer und Kirchenfürsten zappelt.

Die heute schier grenzenlosen Möglichkeiten, theoretisch beweiswürdiges Quellen- und Filmmaterial auch nachträglich technisch so zu bearbeiten, dass sich seine Aussagen ins Gegenteil verkehren, lassen nicht nur der Fehlinterpretation, sondern auch der Manipulation breiten Raum. Selbst ernannte ‚Fachleute‘ (= Bauernfänger und Spinner) richten sich in entsprechenden Nischen ein, schreiben selbst gezimmerte ‚Beweise‘ voneinander ab und kreieren ein Schattenreich monströser Munkeleien, das den denkenden Menschen, der zufällig in diesen bodenlosen Sumpf gerät, ob des zur Schau gestellten und fanatisch genährten Irrwitzes erschauern lässt.

‚Dokumentiert‘ und trotzdem nicht wahr

Wesentlich erfreulichere Ergebnisse zeitigen die Werke derer, die sich spielerisch in der Grauzone zwischen Wahrheit, Vermutung und Interpretation tummeln. „Apollo 18“ erzählt eine simple Gruselgeschichte. Viele im Genre erfahrene Zuschauer erkannten es und waren trotzdem erbost; offenbar hatten sie etwas erwartet, das ihnen dieser Film nicht geben konnte. War es ein raffinierter Plot, den sie vermissten, oder waren sie unterbewusst der Hoffnung gewesen, durch diese ‚Dokumentation‘ über sensationelle ‚Tatsachen‘ in Kenntnis gesetzt zu werden, die sie auf den eigentlich recht langweiligen Mond projiziert hatten?

Ungeachtet dessen liefern Regisseur Gonzalo López-Gallego und Drehbuchautor Brian Miller gute Arbeit ab. Dies gilt vor allem, wenn man das ehrgeizige Konzept bei gleichzeitig bescheidenem Budget berücksichtigt: „Apollo 18“ präsentiert nicht nur eine funktionierende Spukgeschichte, sondern bietet auch einen großartigen Rückblick auf eine bedeutende aber schon fast vergessene Raumfahrt-Ära.

Man muss sich die doppelte Herausforderung vor Augen führen: für „Apollo 18“ wurde nicht nur die Technik der Jahres 1973 nachgebaut. Diese Kulissen und Requisiten wurden außerdem in einen Film integriert, der optisch und stilistisch zeitgenössische Dokumentarfilme imitiert. Um die selbst gestellte Aufgabe um einen weiteren Grad zu verschärfen, wurden authentische Film- und Tonaufnahmen integriert – dies nicht, um Kosten zu sparen, sondern um den Realitätsfaktor zu unterstreichen: Das in der Regel bruchlose Verschmelzen von Alt und Neu belegt eine Mission, die anders als „Apollo 18“ im Film gelungen ist.

„Konzentration“ könnte ein Schimpfwort geworden sein

Richtet sich der Grimm enttäuschter Zuschauer auf eine Geschichte, die nicht im Hollywood-Stil der aktuellen Marvel-Spektakel, d. h. mit jener drastischen Eindeutigkeit, wie sie beispielsweise die Teletubbies an den Tag legen, aufgesagt wird? Ereignisarm sei „Apollo 18“, wird immer wieder geschimpft. Dabei nimmt sich López-Gallego nur die Zeit, einen Spannungsbogen aufzubauen, den er bereits in Betrieb nimmt, lange bevor die Mond-Krabben ihr Unwesen treiben. Kleine, beinahe unbemerkte Irritationen schleichen sich ein, die an Intensität zunehmen und für Gruselstimmung sorgen. (Für diejenigen im Publikum, deren Aufmerksamkeitsspanne dabei womöglich überschritten wird, richtet der Regisseur zwischendurch hilfreich laserpointerhafte Hinweisstrahlen dorthin, wo sich gerade ein tückischer Mondstein sonst womöglich unbemerkt die Beine ausschüttelt.)

Geschickt setzt López-Gallego die (kunstvoll nachgebildete) Fehlfunktionen einer komplizierten und störanfälligen Technik ein, um die zunehmende Isolierung sowie die daraus resultierenden Irritationen der Astronauten zu verschärfen: Man hat sie ausgebildet, bis sie jeden Schalter in ihrer Kapsel selbst im Tiefschlaf finden und bedienen konnten. Doch die darauf gründende Zuversicht verflüchtigt sich, wenn die Technik ihre Kraft verliert.

Der Schauplatz trägt seinen Teil zur Übertragung dieser Unsicherheit auf die Zuschauer bei. Sie wurden in perfekter Kino-Hightech schon auf unzählige fremde Planeten entführt. Hüpfende Mondsteine dürften sie deshalb nicht wirklich aufregen. Doch López-Gallego gelingt die Entwicklung eines Schreckens, der in der Feststellung wurzelt, dass sich dort, wo nach Auskunft sämtlicher relevanter Informationen kein Leben existiert, eindeutig etwas rührt. Diese Erkenntnis zielt direkt ins Unterbewusstsein. Es nimmt entsprechende Beobachtungen wesentlich aufgeschlossener zur Kenntnis, was allerdings von instinktiven, schwer zu kontrollierenden Ängsten begleitet wird.

Unbekannt/fremd – gefährlich: Panik!

Wenn man die Erzeugung einer entsprechenden Atmosphäre unbestimmten Terrors als López-Gallegos Primärziel erkennt, entfällt ein weiterer Kritikpunkt, der auf die seltene und nie wirklich deutliche Präsenz der kleinen aber fiesen Mond-Monster zielt: Sie dürfen gar nicht öfter zu sehen sein, da sie sonst eine Bedrohlichkeit verlören, die der Zuschauer primär im eigenen Hirn gestaltet. Mit diesem Kniff umgeht López-Gallego ein bekanntes Problem: Selbst das tricktechnisch perfekte Ungeheuer verliert seinen Schrecken, je häufiger und deutlicher es sich blicken lässt. Der Zuschauer arrangiert sich mit seinem Anblick und lernt seine Reaktionen einzuschätzen. Vor allem wird es als Kunstfigur erkennbar, während die Mondwesen und ihre Motive undurchschaubar bleiben.

Nicht jede Frage muss oder sollte beantwortet werden; die Irritation des Publikums ist – wird sie beherrscht – ein starkes Unterhaltungselement. (Wie man es überreizt und damit ein Logikloch gräbt, zeigt uns López-Gallego freilich ebenfalls: Er bzw. Autor Miller hätten wenigstens andeuten sollen, wie das auf dem Mond zurückgebliebene Filmmaterial zurück auf die Erde und dort ins Internet kam.)

Apropos Tricktechnik: Ein wenig Nachsicht sollte der Kritiker generell walten lassen. Natürlich sieht man mehrfach deutlich, dass „Apollo 18“ unter Erdschwerkraft gedreht wurde, selbstverständlich dürfte man im Vakuum des atmosphärelosen Mondes keine Außengeräusche hören. Dass López-Gallego das Phänomen der Schwerelosigkeit bzw. schwächeren Mondschwerkraft durchaus bewusst war, verdeutlicht er durch kurze Momentaufnahmen wie den aus vielen echten Weltall-Dokus berühmten, weil in der Luft schwebenden und kreisenden Kugelschreiber. ‚Verstöße‘ dienen hier der Dramaturgie oder sind dem Budget geschuldet. Wieso wird gerade „Apollo 18“ in dieser Hinsicht gezaust? Weil man eine ‚Dokumentation‘ sieht? Die ‚Fehler‘ sind problemfrei zu ignorieren, wenn man sich auf die Handlung eines Spielfilms konzentriert.

Gefahr ist lunar, Paranoia sehr irdisch

Wer wie ich zumindest vor dem Fernseher ein Zeitgenosse der US-Raumfahrer war, erinnert sich vieler typischer Bilder. Stets im Programm war nach gelungener Landung der Blick auf die Astronauten, die jedoch nicht frei den Jubel genossen, sondern aus der Luke eines kleinen, dickwandigen, ungemütlich wirkenden Kastens winkten: Kaum aus der Landekapsel heraus, mussten sie in Quarantäne, denn wer wusste, was sie sich auf dem Mond eingefangen hatten!

Natürlich nichts, aber bevor man sich dessen sicher war, hatten die Astronauten diese unerfreuliche Prozedur über sich ergehen zu lassen. López-Gallego knüpft abermals an die Realität an und lässt eintreten, was man sich einst als Möglichkeit ausmalte. Die Furcht vor dem Tod aus dem All wird außerdem zum Auslöser eines finalen Gags, der ebenso schlicht wie gelungen ist.

Die wahren Monster hausen ohnehin wie üblich auf der Erde oder kommen von dort. In ihrer Landefähre zittern die beiden Astronauten, weil draußen womöglich ein böser Russe durch die Mondlandschaft schleicht und ihre Wagenburg belagert; der infizierte Walker steht in der Nacht unheilverkündend über dem ahnungslos schlafenden Anderson; schließlich werden die Astronauten von den eigenen Kameraden und von ihrem eigenen Land verraten, missbraucht und in den Tod geschickt: Ein wenig zu spät erinnern sie sich an die 1973 sehr aktuelle Watergate-Affäre, die den US-Präsidenten als Lügner und Verbrecher entlarvte.

So lassen sich hinter der scheinbar selbstgefälligen Spielerei einer „Mockumentary“ durchaus Zwischentöne finden, wenn man sie denn fordert. „Apollo 18“ unterhält aber auch ohne sie problemlos. Von der Seekrankheit erzeugenden Wackelkamera, die in „Cloverfield“ (2008) dem Filmgenuss abträglich war, ist dieses Subgenre inzwischen abgerückt. „Apollo 18“ macht Spaß; seltsam, dass ihn so viele Zuschauer (und Rezensenten) nicht finden konnten.

DVD-Features

Das Bonusmaterial wirkt auf den Überblick reichhaltig, bietet aber keine Überraschungen und wenig Informationen. Das „alternative Ende“ ist eine mehrfach leicht variierte Start- und Absturzsequenz der Mondfähre. Die „deleted scenes“ könnten zum Teil durchaus zum besseren Verständnis der Handlung beitragen. Der Audiokommentar von Regisseur López-Gallego und Cutter Patrick Lussier bezieht sich immer wieder auf einen angeblich nicht toll geratenen Erstschnitt und geht nahtlos in Loblieder auf diejenigen Crewmitglieder über, die für das viel besser geratene Endprodukt verantwortlich sind.

Zum Film gibt es diese Website.

[md]

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XX … Unbekannt

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Januar 2012

XX … Unbekannt

Originaltitel: X: The Unknown (GB 1956)
Regie: Leslie Norman
Drehbuch: Jimmy Sangster
Kamera: Gerald Gibbs
Schnitt: James Needs
Musik: James Bernard
Darsteller: Dean Jagger (Dr. Adam Royston), Leo McKern (Inspektor McGill), Jameson Clark (Jack Harding), William Lucas (Peter Elliott), Edward Chapman (John Elliott), Peter Hammond (Lieutenant Bannerman), John Harvey (Major Cartwright), Anthony Newley (Lance Corporal „Spider“ Webb), Michael Ripper (Sergeant Harry Grimsdyke), Ian McNaughton (Haggis), Marianne Brauns (Zena), Norman Macowan (Old Tom) uva.
Label: Anolis Entertainment
Vertrieb: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 12.05.2005 (DVD)
EAN: 4020974156608 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 Mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 77 min.
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)

Das geschieht:

Nahe Glasgow bricht auf einem Übungsplatz der Armee eine tiefe Erdspalte auf. Radioaktiver Dampf steigt auf und verbrennt zwei Soldaten. Das Oberkommando steht vor einem Rätsel und wendet sich hilfesuchend an John Elliott, der ein nahes Atomkraftwerk leitet. Elliott schickt Dr. Adam Royston, einen fähigen aber exzentrischen Wissenschaftler, an die Unglücksstelle.

Während Roystons Untersuchungen erfolglos bleiben, beginnt in der Umgebung das Grauen umzugehen. Ein Kind stirbt an radioaktiven Verbrennungen, ein Krankenhaus wird seiner Radium-Vorräte beraubt. Royston entwickelt eine bizarre Theorie: Bewohner aus dem Inneren der Erde sind auf der Suche nach Energie, die für sie Nahrung bedeutet, an die Oberfläche vorgedrungen. Radioaktive Stoffe besitzen den größten ‚Nährwert‘, weshalb die Kreaturen sie auch in der Außenwelt zu finden wissen.

Nur Inspektor McGill, der im Auftrag der Regierung in dem Fall ermittelt, schlägt sich auf Roystons Seite. Die Armee wirft Bomben in den Spalt und füllt ihn mit Beton auf, womit die Angelegenheit für das Militär erledigt ist. Aber die Kreatur – es ist nur eine – existiert. Sie brennt sich buchstäblich durch die Betondecke und begibt sich auf einen neuen Raubzug. Ihr Ziel ist dieses Mal das Elliottsche Atomkraftwerk. Kann es sich an dem dort getesteten Radium laben, muss mit einem enormen Wachstumsschub gerechnet werden. Um das Werk zu erreichen, muss sich das Wesen seinen Weg durch die Stadt Inverness bahnen. Die ahnungslosen Bürger ergreifen die Flucht, das Militär ist machtlos: Mit Feuer oder Schusswaffen kann man einer durch Atomkraft belebten Kreatur nichts anhaben.

Royston plagt sich in seinem privaten Labor mit einem Verfahren, das radioaktiven Stoffen explosionsfrei ihre Energie entziehen soll. Zwar hat es noch nie funktioniert, doch es bleibt keine Wahl: Die Apparaturen müssen dort aufgebaut werden, wo die Kreatur unaufhaltsam ihrem Ziel entgegen wabert …

Unterhaltung benötigt manchmal Nostalgie

„XX … Unbekannt“ ist einer jener Filme, deren Inhaltsangabe die Kinowerbung eher vage hält. Dies leuchtet viele Jahrzehnte nach der Erstaufführung sogar noch stärker ein, obwohl auch der zeitgenössische Zuschauer sich (hoffentlich) seine Gedanken über die in jeder Hinsicht hanebüchene Handlung gemacht hat.

Ein Drehbuch, das den Tatbestand des Schwachsinns erfüllt, ist freilich kein Grund für das Scheitern eines Filmprojektes, das einfach nur unterhalten soll. „XX … Unbekannt“ ist kein Trash: Regisseur und Autor machen sich nicht über die eigene Geschichte lustig, sondern erzählen sie völlig ernst. Die Schauspieler halten sich an dieses Konzept. Ein wenig Humor lockert durchaus die Handlung auf, aber diese Szenen sind tatsächlich humorvoll gemeint und angelegt.

Der Trash-Faktor schimmert unabsichtlich dort durch, wo das knappe Budget und die im Vergleich mit den filmischen Wunderwerken der Gegenwart rudimentäre Tricktechnik der Illusion Grenzen setzt. Gelingt es dem Zuschauer, seinen Spott zu verdrängen und sich diese Sequenzen mit den Augen des zeitgenössischen Publikums anzuschauen, gewinnen sie ihre Bedeutung für das Geschehen, wo sie die Spannung auf altmodische aber gelungene Weise steigern.

Für eine gute Tasse Tee ist immer Zeit!

Eine gewisse Zeitlosigkeit erfährt „XX … Unbekannt“ durch die quasi dokumentarische Inszenierung. Die Handlung wird sorgfältig, aus heutiger Sicht sogar schleppend entwickelt. Trotzdem ist dies kein ‚langsamer‘ Film; so setzt das Geschehen sehr abrupt und mit einem frühen Höhepunkt auf einem Truppenübungsplatz ein. Geändert haben sich seit 1956 Stil und Rezeption: Filme werden heute deutlich schneller geschnitten. Das Publikum hat sich daran gewöhnt und erwartet dieses Tempo. Seine Getragenheit darf man „XX … Unbekannt“ deshalb nicht zum Vorwurf machen.

Bei kaum mehr als 75-minütiger Laufzeit kann sich die Handlung ohnehin keine Pausen gestatten. Sie führt zügig auf ihren Höhepunkt hin. Der Weg fordert erneut die Rücksicht des heutigen Zuschauers. Spannung wurde einst anders gesteigert als heute. Die Kamera schlüpft in die Rolle des Atom-Ungeheuers. So erleben wir die ersten Auftritte des Monsters nur als Reaktion, die sich in entsetzten Gesichtern spiegelt. Es folgt ein entsetzlicher Schrei, der plötzlich abbricht: Diese Pechvögel müssen etwas Grauenvolles gesehen haben – eine Vermutung, die in einer bestimmten Erwartungshaltung gipfelt: Wir freuen uns auf den Moment, wenn auch uns das Ungetüm endlich enthüllt wird!

Als dies geschieht, können wir Zuschauer des 21. Jahrhunderts nur irritiert, enttäuscht, amüsiert oder wütend sein: Die Kreatur entpuppt sich als rhythmisch leuchtender Wackelpudding, der sehr offensichtlich über schräggelegte Miniaturkulissen gleitet. Für das Publikum des Jahres 1956 fehlte die Erfahrung digitaler Wunderwelten.

Science Fiction plus Horror plus Thriller

Mit „The Curse of Frankenstein“ (dt. „Frankensteins Fluch“) begann die britische Produktionsfirma „Hammer“ 1957 den schier endlosen Reigen jener harten, in Farbe gedrehten Horrorfilme, für die sie bekannt und berüchtigt wurde. Doch „Hammer“ existierte schon vor dem II. Weltkrieg. Nach 1945 begann man zunächst mit dem Genre Science Fiction zu experimentieren. 1955 gelang Hammer mit „The Quatermass Xperiment“ (dt. „Schock“) ein schwarzweißer Blockbuster, der zudem in die Geschichte des SF-Films einging.

„XX … Unbekannt“ sollte eigentlich die Fortsetzung werden. Nigel Kneale, der die Figur des Bernard Quatermass erschaffen hatte, wollte sie jedoch für diesen Film nicht freigeben. So wurde aus Quatermass Dr. Adam Royston. Stil und Stimmung blieben indes erhalten. (1957 entstand unter Beteiligung von Kneale „Quatermass 2“/„Feinde aus dem Nichts“.)

Eigentlich sollte Joseph Losey „XX … Unbekannt“ inszenieren. Ein auch filmtechnisch interessanter Film hätte entstehen können, denn Losey zählt zu den Großmeistern der Regie. Während der McCarthy-Ära war er als „Kommunist“ denunziert worden. Losey hatte die USA verlassen und versuchte sich in Europa zu etablieren. Dort setzte er seine Karriere mit vielen bemerkenswerten Regiearbeiten fort. 1956 stand er noch am Anfang. Da „XX … Unbekannt“ nicht nur auf dem britischen Filmmarkt, sondern auch in den US-Kinos Geld einspielen wollte, hätte „Hammer“ gern einen auch jenseits des Atlantiks bekannten Namen engagiert. Der patriotische Dean Jagger wollte allerdings nicht mit dem „Roten“ Losey zusammenarbeiten. Dieser musste Leslie Norman weichen.

Das Grauen kann heimelig sein

Die „gemütliche Apokalypse“ ist eine sehr britische Literaturform. Schon H. G. Wells‘ Klassiker „Krieg der Welten“ (1898) ließ die Invasion vom Mars über eine Inselwelt hereinbrechen, die dem Untergang mit der berühmten „steifen Oberlippe“ und unter Wahrung von Form und Anstand begegnete. Später setzten Autoren wie Robert C. Sherriff, John Wyndham oder John Christopher diese Tradition fort.

„XX … Unbekannt“ ist im ländlichen Schottland angesiedelt. Zwar spielt die Atomkraft eine große Rolle, doch dort, wo sie erforscht wird, scheint die Zeit schon lange stehengeblieben zu sein. Auch die ‚Hightech-Forschung‘ des Dr. Royston spielt sich in einem selbstgebauten Schuppen ab; seine Versuchsapparaturen hat er zum großen Teil offensichtlich aus den Bestandteilen eines Baukastens für Kinder gebastelt.

Der Umgang mit dem Thema Atomkraft und Radioaktivität ist ohnehin einem politischen Zeitgeist geschuldet, der heute das wahre Horror-Element dieses Filmes darstellt. Drehbuchautor Jimmy Sangster und Leslie Norman verschweigen nicht die Gefahren, die mit ihrer Nutzung als Energieträger und vor allem als Waffe verbunden sind. Eine aus dem Kontext fallende Szene zeigt den verzweifelten Vater eines gerade an radioaktiver Vergiftung gestorbenen Kindes, der Royston schwere Vorwürfe macht und ihn als Handlanger einer Forschung anprangert, die sich primär für das Zerstörungspotenzial der Atomkraft interessiert. Royston reagiert betroffen, überwindet dies aber schnell mit dem Hinweis, dass der Vater irre: Nicht Zerstörung, sondern Energiegewinnung sei sein Motiv – ein Argument, dass nach Harrisburg, Tschernobyl oder Fukushima auch nicht mehr stechen kann.

Es kam aus dem Inneren der Erde

Obwohl die Spezialeffekte wie erwähnt der Herausforderung einer überzeugenden Darstellung der umgehenden Kreatur nicht gewachsen sind, holt Kameramann Gerald Gibbs das Beste aus den kümmerlichen Kulissen heraus. Schon als die Erdspalte aufbricht, muss die Fantasie des Zuschauers ihm zu Hilfe kommen. Wenn nichts brennen, explodieren oder durch das Unterholz geistern soll, können die Kulissenbilder überzeugen. Dass in Schwarzweiß gedreht wurde, unterstützt die Glaubwürdigkeit durch den geschickten Einsatz von Licht und Schatten.

In einigen Szenen wird es sogar rabiat, was „XX … Unbekannt“ in Deutschland die an sich lächerliche Freigabe ab erst 16 Jahren beschert. Vor allem den unglücklichen Arzt im Krankenhaus erwischt es hart: Sein Körper bläht sich auf, aus den geschwollenen Fingern spritzt Blut, und schließlich fließt ihm das geschmolzene Fleisch vom Schädel. Generell wird jedoch sehr moderat gesplattert.

Das Atom-Monster wurde schon erwähnt. Es wirkt in der Tat wie ein britischer Bruder des „Blob“, der allerdings erst 1958 in den USA (sowie hierzulande als „Blob – Schrecken ohne Namen“) sein Unwesen trieb. Da unsere radioaktiv im Geigerzähler lustig knatternde Kreatur nur durch die Schwerkraft (bzw. durch Besenstiel-Schubser von unten) ‚bewegt‘ wird, sehen wir sie niemals aktiv nach einem Unglücksraben greifen. Besonders schnell ist sie auch nicht, was ihre Bedrohlichkeit weiter schmälert.

Mutige Männer tun ihren Job

„XX … Unbekannt“ ist ein Film ohne Stars. Sie hätten den Finanzrahmen gesprengt. Man griff auf oft und gern beschäftigte britische Darsteller zurück, die wie üblich einen guten Job leisteten.

Den nun schon mehrfach zur Sprache gebrachten dokumentarischen Aspekt unterstreicht ein Drehbuch, das jegliche Liebesgeschichte ausklammert. Frauen treten nur als Krankenschwestern oder Mütter und am Rande auf. Das weibliche Publikum möge die folgende Zeile überspringen, aber faktisch bekommt der Story der Verzicht auf die übliche Romanze gut. Sie gehört nicht in die Handlung, und sie wird ihr nicht aufgezwungen – eine Konsequenz, die man gern öfter sähe.

Für eine letzte Irritation sorgt das Finale: Natürlich gelingt das riskante Experiment von Dr. Royston. Das Monster verwandelt sich in feuchten Lehm. Plötzlich explodieren seine Reste – eine Reaktion, die den Forscher erschreckt. Leider war wohl das Budget genau jetzt ausgeschöpft. Während der Zuschauer auf den finalen Twist wartet, der gerade angekündigt wurde, bricht der Film einfach ab, und die Schlusstitel beginnen zu laufen – kein glücklicher Ausklang für einen Film, der ansonsten für ein altmodisches aber trotz des Alters bildscharfes Vergnügen sorgt.

DVD-Features

„XX … Unbekannt“ wurde von Anolis Entertainment als 4. Teil der Reihe „British Horror Classics“ veröffentlicht. Da dieser Film 1956 als reines Unterhaltungsprodukt entstand, hielt sich die Zahl der noch aufzufindenden Extras in engen Grenzen. Aufgespielt werden konnten deshalb nur ein Trailer, eine selbstablaufende Galerie mit 14 Szenenfotos sowie ein achtseitiges Filmprogramm aus Dänemark. Hinzu kommt ein vierseitiges Booklet mit Hintergrundinformationen des Filmexperten Uwe Huber.

[md]

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Skyline

Erstellt von Michael Drewniok am 22. Dezember 2011

Skyline

Originaltitel: Skyline (USA 2010)
Regie: Colin Strause/Greg Strause (The Brothers Strause)
Drehbuch: Joshua Cordes/Liam O’Donnell
Kamera: Michael Watson
Schnitt: Nicholas Wayman-Harris
Musik: Matthew Margeson
Darsteller: Eric Balfour (Jarrod), Scottie Thompson (Elaine), Brittany Daniel (Candice), Crystal Reed (Denise), Neil Hopkins (Ray), David Zayas (Oliver), Donald Faison (Terry), Robin Gammell (Walt), Tanya Newbould (Jen), J. Paul Boehmer (Colin) u. a.
Label/Vertrieb: Universal Pictures
Erscheinungsdatum: 12.05.2011 (DVD/Blu-ray)
EAN: 5050582828672 (DVD) bzw. 5050582828696 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (Blu-ray: 93 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Der brotlose Künstler Jarrod wird von seinem Jugendfreund Terry, der es in der Filmstadt Los Angeles zu Ruhm und Reichtum gebracht hat, zu dessen Geburtstagsparty eingeladen. Begleitet wird er von Freundin Elaine, die auf den rechten Moment lauert, Jarrod über seine Vaterschaft zu informieren, bevor sie sich in ihrem Profil abzuzeichnen beginnt.

Die frohe Kunde wird nur mit gemischten Gefühlen aufgenommen, und Terry betrügt seine Lebensgefährtin Candice mit Assistentin Denise, was für zusätzliche Spannungen sorgt. Die entsprechenden Diskussionen werden jedoch vertagt, weil in der Nacht nach der Party gigantische Raumschiffe über der Stadt erscheinen, die monsterhafte Mischwesen aus Maschinen und Aliens sowie ein intensives blaues Licht ausschicken: Wer dort hineinblickt, wird erst magisch angezogen, um dann spurlos zu verschwinden.

So ergeht es den meisten Bürgern von Los Angeles, während sich Jarrod, Elaine, Terry, Candice und Denise erschrocken in Terrys Penthouse verbarrikadieren. Krakenähnliche ‚Sammler‘ suchen nach Menschen, die nicht ins Licht gingen, um sie individuell einzufangen. Durch die Straßen streifen noch gruseligere Kreaturen, wie die Freunde bei einem Ausbruchsversuch feststellen müssen, der diverse Menschenleben kostet.

Erste Gegenattacken des US-Militärs verpuffen, denn die Fremden sind nicht nur in der Überzahl, sondern verfügen über eine überlegende Technik; werden sie beispielsweise in Stücke geschossen, setzen sich diese wieder zusammen. Selbst eine Atombombe kann den Wesen nichts anhaben. Über die Frage, was nun zu tun ist, bricht in der Gruppe, zu der inzwischen Hausverwalter Oliver gestoßen ist, heftiger Streit aus, der noch durch die Entdeckung geschürt wird, dass Jarrod von einer Art Alien-Virus befallen ist und sich in eine der Kreaturen und damit zum Gegner in den eigenen Reihen zu verwandeln droht …

Die Wut der Aliens …

… ist verständlich, nachdem sie, die unsere Erde zwecks Aberntung menschlicher Gehirne überfallen haben, zumindest in Los Angeles feststellen müssen, dass ihre Beute von fragwürdiger Qualität ist; dies ist jedenfalls ein Schluss, den die Zuschauer ziehen, nachdem sie anderthalb Stunden unfassbar blöde Jungmänner und –frauen dabei beobachten mussten, die plan- und sinnlos zwischen dem Keller und dem Dach eines 15-stöckigen Hochhauses hin und her hasten.

Natürlich ist damit zu rechnen, dass eine Attacke der beschriebenen Art kopflose Panik begünstigt. Um dies glaubhaft zu vermitteln, müsste man allerdings Schauspieler engagieren und keine 3D-Platzhalter, deren Hampeleien bestenfalls zu ertragen sind, wenn sie in eine der (glücklicherweise zahlreichen) Action-Szenen verwickelt werden.

Der erfahrene (und damit leidgeprüfte) Zuschauer von Science-Fiction-Filmen der Güteklasse B abwärts weiß, was die Totenglocke geschlagen hat, wenn sich trotz offensiver Ausblendung solcher Mängel, der bedingungslosen Akzeptanz des modernen Kinos als reines Unterhaltungsvehikel sowie – der letzte Ausweg – sichtbegleitenden Alkoholgenusses Frustration und Ärger nicht mehr eindämmen lassen.

Doppelt verbockt hält besser

Dabei sollte man meinen, dass hinter der Kamera genug Talent und handwerkliches Geschick versammelt waren, treten Regisseur und Drehbuchautor doch jeweils im Doppelpack auf. Freilich erregen die drei Worte „The Brothers Strause“ Misstrauen und ungute Erinnerungen, haben uns diese beiden eher begeisterten als begabten Bilderstürmer doch 2007 mit ihrer ganz speziellen Fortsetzung des „Alien“/„Predator“-Doppel-Franchises beglückt (und diesem damit offenbar ein Ende bereitet).

Liam O’Donnell und vor allem Joshua Cordes kommen wie die Strause-Brüder aus dem Filmtrick-Geschäft. Für „Skyline“ lieferten sie ihr Debüt-Drehbuch; eine Tat, die viele Jahre später hoffentlich in ihrem Lebenslauf untergehen wird. Vermutlich hätten richtige Autoren aufgrund der eigentümlichen Entstehungsgeschichte dieses Films von vornherein die Waffen gestreckt. Nach eigener Auskunft haben die Strauses die Szenen mit ihren Darstellern für 500.000 Dollar abgedreht. (Dieser Teil der Geschichte klingt unmittelbar glaubhaft.) Anschließend sind sie mit diesem Torso in ihre digitale Hexenküche umgezogen und haben ihm Trick-Sequenzen im Wert von 10 Mio. Dollar aufgepfropft.

Schon eine leichte Verschiebung der genannten Summen hätte der Geschichte womöglich ein wenig mehr Drive gegeben und unsere Versprengten beispielsweise aus der Wohnung gebracht, in der sie mit angstvollen Mienen aus den Fenstern starren und beobachten, was in der Stadt geschieht. Dann wäre im Publikum wenigstens die Ahnung einer weltweiten Invasion aufgestiegen, deren Realität erst zum Finale durch Bilder angedeutet wird, die unsere Strauses vor allem aus Blockbuster-Vorlagen wie „Independence Day“ (1996) oder „Cloverfield“ (2008) abgekupfert haben.

Ein Königreich für eine Idee!

Ohnehin bekamen die Brüder mächtigen Ärger, weil sie quasi parallel zur Produktion ‚ihres‘ Filmes die Spezialeffekte für das SF-Invasions-Spektakel „Battle Los Angeles“ (2011) übernommen hatten und Auftraggeber Columbia Pictures argwöhnte, die Strauses würden mit ihrem Geld die Tricks für das eigene, inhaltlich ohnehin unerfreulich ähnliche Werk finanzieren. Der Gerichtsstreit wurde beigelegt, weil dies offensichtlich nicht geschehen war und ein möglicher Verdienstausfall an der Kinokasse selbst vor einem US-Gericht nicht geltend gemacht werden konnte.

Faktisch haben wir zwei inhaltshohle Filme, die einander unfreiwillig ergänzen: Während „Battle Los Angeles“ eisenharte Marines im Kampf gegen die Aliens beobachtet, zeigt „Skyline“ die Reaktionen der Zivilisten. Deren hilflose Verwirrung wird durch ein Drehbuch voller Logikbrüche enorm gesteigert. Obwohl es regelmäßig kracht und blitzt, kommt auch der Zuschauer rasch ins Straucheln. Was sind das für ‚Aliens‘, in deren Schädel sich irdische Menschenhirne einpassen lassen? Kommen sie, um Nachschub zu besorgen? Waren sie früher schon einmal da? Wieso geht die Blaulicht-Hypnose ausgerechnet bzw. nur bei Jarrod schief? Liegt es daran, dass er anders als seine halbgaren Freunde ein echter Vollidiot ist? Färben sich erst seine Augen und später sein Gehirn (bzw. das ersatzweise in seinem Hohlkopf stets am Rande seines begrenzten Limits arbeitende Organ) deshalb rot statt blau?

Die Aliens leuchten zwar blendend blau, sind ungeachtet dessen allerdings auch nicht viel heller in ihren Knollenschädeln. Mit ihrem Locklicht haben sie Los Angeles so gut wie leergefischt. Warum also der Aufwand, den die Einzel-Jagd nach den wenigen Flüchtlingen darstellt? Warum fliegen die Außerirdischen nicht einige Kilometer weiter, um z. B. die attackierenden Soldaten in ihren Basen zu enthirnen? (Auch hier mag der IQ-Gehalt der Ernte den Ausschlag geben: Welcher geniale Militärstratege hat beispielsweise den Befehl gegeben, das Alien-Mutterschiff mit einer ‚Atombombe‘ zu beschießen, die außer einem Blitz und ein bisschen Rauch nur ein Druckwellchen sowie keinerlei Todesstrahlung freisetzt?)

Sie wissen (hoffentlich) nicht, was sie tun

Der kluge Filmproduzent spart Geld mit Szenen, die sich darauf beschränken, die Darsteller im Gespräch zu zeigen. Das funktioniert gut, wenn das Publikum Gefühle für diese Figuren empfindet, die Drehbuchautor, Regisseur und Schauspieler zuvor gemeinsam entstehen ließen. Geschieht dies nicht oder misslingt es, haben wir geschmacksleer durchgekauten TV-Mainstream wie „Falling Skies“ oder eben einen Film wie „Skyline“: Die Schicksale der Figuren sind uns völlig schnuppe, und bald betrachten wir ihre Faxen als unwillkommene Intermezzos zwischen knalligen Action-Szenen.

Es ist den Strauses und ihren Autoren gelungen, ausschließlich unsympathische Figuren zu ungutem Leben zu erwecken. Während Donald Faison feixt & zahnig grinst, wie er es in „Clueless“ gelernt und in „Scrubs“ perfektioniert hat, entwickelt sich Eric Balfour zum echten Ärgernis. Mit seinem Schafsgesicht wurde er geboren; das kann man ihm nicht zum Vorwurf machen. Leider passt es furchtbar gut zu seiner lahmarschigen Rolle. Jarrod ist eine leere Hülle (mit modischen Tattoos). Dies trifft auf die anderen Figuren ebenfalls zu, doch er spielt die Hauptrolle. Ob er über die Nachricht seiner Vaterschaft erschrickt oder wie besessen mit einem Schlackenstein Alien-Schädel einschlägt: Sein Gesichtsausdruck ändert sich kaum; er erinnert stets an einen magenkranken Marabu.

Die weiblichen Rollen sind austauschbar. Scottie Thompson mutiert dank Baby im Bauch zur kampflustigen Heroine, weshalb sie nicht wie Candice oder Denise irgendwann (und zur Freude des Zuschauers) aus der Handlung genommen wird – schade, sie bleibt uns auch in der bereits angekündigten Fortsetzung erhalten. (Dass es die Strauses auf einen zweiten Teil angelegt haben, ist eindeutig, denn „Skyline“ bricht dreist mitten in der Handlung mit einem Cliffhanger ab.)

Das Hirn endet hinter den Augen

Zumindest in einem Punkt können die Strauses mit sich zufrieden sein: „Skyline“ wirkt deutlich ‚teurer‘ als die 10 oder 11 Mio. Dollar, die in diesen Film investiert wurden. Am Himmel über Los Angeles ist mehrfach buchstäblich die Hölle los. Die volle Breite des Bildes wird mit detailscharfen Motiven gefüllt. Da lässt sich verschmerzen, dass die Aliens ein Konglomerat aus anderen Filmen oder Games bekannter Formen und Fähigkeiten sind; sie langen tüchtig hin und lassen dabei ihre digitale Herkunft meist vergessen.

Wer sich mit Effekten zufriedengibt, dazu über die Langmut verfügt, die Klischees und schauspielerähnlichen Bemühungen der Darsteller auszublenden, sowie die durch Trailer und Werbegetöse geschürten Erwartungen verdrängt, fährt sicherlich am besten. „Skyline“ will mehr als trashige Unterhaltung bieten, doch trotz oder gerade wegen der manchmal erstaunlichen Bilder (und eines pseudo-bombastischen Scores, dessen kümmerlich kurzes Leitmotiv sich bis zum Erbrechen des Publikums wiederholt) wird erst recht deutlich, dass es zu mehr nicht gereicht hat.

DVD-Features

Die Strauses sind Film-Enthusiasten, die sich gern mitteilen. Zu der im Umfang zufriedenstellenden Sonderausstattung – sie wird dem DVD- wie dem Blu-ray-Kunden geboten, was heutzutage keineswegs selbstverständlich ist – gehört deshalb ein Audiokommentar der Brüder. Zu Wort melden sich außerdem die Autoren Liam O’Donnell & Joshua Cordes. (Die trauen sich was!)

Interessant ist natürlich, was im Hauptfilm nicht gezeigt wird. Dies schließt die immer gern gesehenen entfallenen sowie einige alternative Szenen ein. Unter dem Menüpunkt „Pre-Visualisierung“ wird deutlich gemacht, wie die Realszenen schon mit dem Blick auf die erst später integrierten Effekte gedreht wurden.

[md]

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Nydenion – Krieg der Kolonien

Erstellt von Detlef Hedderich am 16. Dezember 2011

Nydenion – Krieg der Kolonien

In ferner Zukunft hat die Menschheit mit Hilfe revolutionärer Raumschiff-Antriebe unbekannte Teile des Weltalls besiedelt. Eine dieser Kolonien hat sich im Laufe weniger Generationen zu einem riesigen Sternenreich entwickelt. Dieses Reich, das Sykon Imperium, liegt im Krieg mit der Konföderation Freier Welten. Die Auseinandersetzung dauert seit 57 Jahren an und hat schon Milliarden Opfer gefordert. Frieden ist seit langem vergessen und die Erde nur noch eine Legende…
Rick Walker, Ex-Kampfflieger der nun als freischaffender Pilot arbeitet, wird angeheuert um Cynthia Perkins an ein geheimnisvolles Ziel zu bringen. Auf ihrem Weg werden Walker und Perkins von einer Gruppe Raumjägern abgefangen und Walker ist gezwungen seine schwer beschädigte Maschine auf einem Mond des abgelegenen Planeten Nydenion notzulanden. Während die beiden versuchen den feindlichen Suchtrupps zu entkommen, enthüllt Perkins Walker die Wahrheit über Ihre Mission. Walker und Perkins Weg zu den Verhandlungen wird ein Kampf gegen die Zeit und gegen einen Feind den Walker nur zu gut kennt…

Originaltitel:
Nydenion
Land: Deutschland
Jahr: 2010
Regie:
Jack Moik
Darsteller:
Jack Moik, Annette Schmiedel, Marcos Koutelas, Stephanie Dal-Canton, Andreas Arens
Leih-DVD:
VÖ: 07.10.2011
Kauf-DVD:
VÖ: 07.11.2011
Bildformat:
16:9, 1,78:1
Tonformat:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Deutsch
Extras:
Audiokommentar Regisseur Jack Moik und Modellbauer / Setdesigner, Nydenion Teaser, Trailer, Making of Featurettes, Interviews, Bildergalerie
Genre:
Science-Fiction
Laufzeit:
ca. 90 min.
Altersfreigabe:
Freigegeben ab 12 Jahren
EAN-Code:
Leih: 4260261431685 / Kauf: 4260261431708
Bestellnummer:
Leih: K2168 / Kauf: K2170
Label:
NewKSM
Vertrieb:
KSM
Territorien:
Deutschland, Österreich, Schweiz

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Preisrätsel / Gewinnspiel 2 x 1 (KOSTENLOSE!) DVDs: Um die Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: Rick Walker, Ex-Kampfflieger der nun als freischaffender Pilot arbeitet, wird angeheuert um wen genau an ein geheimnisvolles Ziel zu bringen? Die richtige Antwort an gewinnantwort(x)filmbesprechungen.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald 200 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Weiter Informationen finden sich hier. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen!

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GEWINNER SIND: Beate Beest und Holger Schöpf. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! WIR DANKEN ALLEN TEILNEHMERN UND VOR ALLEM UNSEREM SPONSOREN! VIELEN DANK!

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Altitude – Tödliche Höhe

Erstellt von Michael Drewniok am 15. Dezember 2011

Altitude – Tödliche Höhe

Originaltitel: Altitude – Fear Is in the Air (Kanada 2010)
Regie: Kaare Andrews
Drehbuch: Paul A. Birkitt
Kamera: Norm Li
Schnitt: Chris Bizzocchi
Musik: Jeff Tymoschuk
Darsteller: Jessica Lowndes (Sara), Julianna Guill (Mel), Ryan Donowho (Cory), Landon Liboiron (Bruce), Jake Weary (Sal), Mike Dopud (Colonel), Ryan Grantham (Bruce als Kind), Teghan Gentles (Sara als Kind), Chelah Horsdal (Mrs. Taylor), Ian Robison (Mr. Taylor), Michelle Harrison (Saras Mutter) u. a.
Label/Vertrieb: EuroVideo
Erscheinungsdatum: 12.01.2012 (DVD/Blu-ray)
EAN: 4009750211397 (DVD) bzw. 4009750393406 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 87 min. (Blu-ray: 91 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Jung-Pilotin Sara plant einen Luft-Trip zum Konzert einer angesagten Band. Die flatterhafte Freundin Mel ist sofort dabei; sie wird begleitet von ihrem Freund, dem reizbaren, IQ-freien und notorisch eifersüchtigen Highschool-Ringer Sal. Mit an Bord der zweimotorigen Maschine sind außerdem Saras Cousin Cory sowie ihr Freund Bruce.

Der Ausflug steht unter keinem guten Stern. Die Beziehung zwischen Sara und Bruce wackelt, während Cory heimlich in Mel verliebt ist und dies ausgerechnet jetzt offenbart, was Sal erwartungsgemäß unfreundlich quittiert. Außerdem ist das Flugwetter schlecht und die Maschine ebenso gewartet. Turbulenzen lassen im Heck einen Bolzen aus seiner Halterung rutschen, der plötzlich das Höhenruder blockiert: Das Flugzeug kann nicht mehr gelandet werden, sondern muss langsam immer höher steigen, bis ihm der Sprit ausgeht, was binnen einer Stunde geschehen wird.

Die überforderte Sara verliert die Kontrolle, als auch das Funkgerät versagt. Der luftkranke Bruce dreht durch und muss gefesselt werden. Einziger Ausweg bleibt der Ausstieg eines Passagiers, der von außen das blockierte Ruder löst. Cory, ein versierter Bergsteiger, der zufällig sein Kletterzeug dabei hat, übernimmt den Job. Sal sichert ihn, der Coup gelingt, aber dann greift aus einer Wolke plötzlich ein Tentakel nach dem Flugzeug und bringt es ins Schlingern. Cory verliert den Halt, und in Panik kappt Sal das Seil, woraufhin der Rivale in den Tod stürzt.

Die übrigen Freunde wollen Sals Geschichte vom Monster im Himmel nicht recht glauben. Stattdessen werfen sie ihm Feigheit und Mord vor. Aufruhr bricht in der Maschine aus, die in nackte Panik umschlägt, als sich der Wahrheitsgehalt von Sals Schauermär enthüllt und eine gigantische, krakenähnliche Kreatur die Jagd auf das Flugzeug und dessen schmackhaften Inhalt eröffnet …

Fremdschämen leicht gemacht – dank Kaare Andrews

Die weltweit aktive Firma Flop Film Productions präsentiert in Kooperation mit dem sattsam bekannten Duo Wirr (Regie) & Warr (Drehbuch) stolz ihr aktuelles Meister-Machwerk: „Altitude“, ein Horror-Psycho-SF-Thriller der Minderklasse, der in allen diesen Genres neue Maßstäbe zu setzen vermag.

Man kann in der Tat kaum fassen, mit welcher Intensität Unlogik und Unvermögen auf den Zuschauer niederprasseln. Zwar spielt sich das Geschehen in enormer Höhe ab. Dort ist die Luft dünn, was eine Erklärung (oder Entschuldigung) für dieses filmische Grauen sein könnte. Dabei ist dem Regie-Debütanten Kaare Andrews, der bisher vor allem als Comic-Autor bekannt wurde, Ehrgeiz keineswegs abzusprechen. Hat man sich nach Sichtung dieses Films ein wenig beruhigt, erkennt man durchaus, was ihm ursprünglich vorgeschwebt haben mag.

Freilich wird dabei ebenfalls deutlich, dass es nicht funktionieren konnte, drei völlig unterschiedliche Geschichten zu einer harmonischen Handlung zusammenzufügen. „Altitude“ will ein Katastrophenfilm (Flugzeug droht abzustürzen), Horror (Luft-Krake angelt nach unvorsichtigen Fliegern) und Science Fiction (Flugzeug steckt in einer Zeitschleife) sein. Andrews hätte sich auf eines dieser Elemente konzentrieren sollen. Stattdessen hat er sie sämtlich in den Sand gesetzt, denn um diese Eisen glühen zu lassen, brennt er ein viel zu mickriges Feuerchen ab.

Das Grauen im Detail

Das Drehbuch ist nicht nur unausgegoren, sondern wird auch (unfreiwillig) schauerlich umgesetzt. Ungeachtet der Tatsache, dass der Zuschauer von gewissen Einfällen zunächst überrascht wird – der Krake wirkt vielversprechend –, folgt stets der Absturz in die Untiefen des Klischees. Jede Wendung ist bekannt und keineswegs beliebt, was Drehbuchautor Birkitt aber viel Arbeit sparte, da er das Geschehen wie auf Schienen voran trödeln lassen konnte.

Die Gesamtgeschichte beginnt rosstäuschend mit einem Knalleffekt, der – man glaubt es kaum – nicht Selbstzweck, sondern Teil der Story ist. (Erst im Finale wird wieder relevant, was man nach anderthalb Stunden qualvoller Stümperei hoffentlich niemand vergessen hat.) Anschließend schalten Andrews & Birkitt zurück auf Null zurück und bleiben dort lange, langweilige Minuten, in denen sie uns fünf denkbar unsympathische Jungmenschen und ihre öden zwischenkreatürlichen – von „zwischenmenschlich“ möchte man nicht sprechen – Konflikte vorstellen.

Figurenzeichnung sieht bei Birkitt u. a. so aus, dass er den schweineborstenhaarigen Sal in eine College-Jacke steckt und seine Freundin Mel dauerbefummeln lässt, um ihn als Sportler-Rüpel & Dummkopf einzuführen; ein Eindruck, der sich im Laufe dieses Films vollauf bestätigen wird, obwohl Sal zum Prügeln & Würgen nur eine Hand frei hat – mit der anderen lässt ihn Regisseur Andrews unentwegt Büchsen mit Dünnbier knacken und aussaufen.

Hohlköpfe in dünner Luft

Leider muss man feststellen, dass Cory jeden Hieb verdient, den Sal ihm verpasst. Schon für die Liebe zur mückenhirnigen Mel gehört er aus dem Flugzeug geworfen. Ähnlichen Zuschauerärger erregt der weichbirnige Bruce, für den Drehbuchautor Birkitt zwischenzeitlich gar keine Verwendung hat, weshalb er ihn in ein panikerzeugtes Koma versetzt. Erst wenn sich die Zeitschleife schürzt, hat Bruce seinen Auftritt – schade, dass ihn das Wolkenmonster zuvor nicht besser zu fassen bekam. Dies hätte uns auch einen Großteil jenes zwischen hysterische Schreianfälle geschnittenen Gestammels erspart, das Birkitt uns als „Dialoge“ verkaufen möchte.

Dem tumben Getümmel die Krone setzt die ausschließlich hübsche Sara auf. Wie sie an ihren Pilotenschein kam, ist ein Mysterium, das viel interessanter zu klären wäre als die Jagd nach dem Ding in den Wolken. Allein die Liebschaft mit dem weinerlichen Bruce würde sie bereits für die Bedienung einer Waschmaschine disqualifizieren. Daher wundert es nicht, dass Sara in der Not noch kopfloser agiert als ihre hirnlosen ‚Freunde‘. Insgesamt ist dieses Quintett so überzeugend dämlich, dass man sich die Namen der Darsteller sorgfältig zwecks Meidung anderer Filme merkt, in denen sie ihr Unwesen treiben könnten.

Tentakel-Monster ohne Grip

Ende der 1920er Jahre schuf der Schriftsteller Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) den „Cthulhu“-Mythos. Er entwarf ein Universum, das von bösen ‚Göttern‘ – eigentlich fremdartigen, dem Menschen unverständlichen Entitäten – bevölkert ist, die in einem ewigen Krieg verstrickt sind und von denen es einige auf die Erde verschlagen hat.

Zu ihnen gehört Cthulhu, ein vielarmiges Protoplasma-Wesen, das an einen gigantischen Tintenfisch erinnert und besonders hinterlistig ist. Lovecraft gelang eine Kreatur, deren Schrecken durch kluge Zurückhaltung geschürt wurde: Cthulhu zeigt sich selten persönlich, sondern wird meist mittelbar durch die Beschreibung seiner Übeltaten offenbar. Auf diese Weise kann der Leser sich sein eigenes Gedankenbild dieses Ungetüms machen.

In einem Film ist dies nicht ratsam. Wie man es dann (halbwegs) richtig macht, zeigte Guillermo del Toro 2004 in „Hellboy“. Hier absolvierte Cthulhu einen Gastauftritt und wurde gebührend eindrucksvoll in Szene gesetzt. Das Wolkenbiest in „Altitude“ ist im Vergleich dazu ein krudes Gebilde aus Lumpen und Billig-CGI, das nicht wie ein böser Geist, sondern wie eine mutierte Distel aussieht. Auf der anderen Seite ist dies wohl so korrekt, da es schließlich Bruces Hüttenkäsehirn entspringt.

Darüber hinaus muss man den Köpf über den Übermut eines Regisseurs schütteln, der nur über ein Mini-Budget gebot, sich aber in den Kopf setzte, ein spezialeffektlastiges Spektakel über den Wolken spielen zu lassen. Zwar greift Andrews oft genug auf den Alt-Trick zurück, das Geschehen als Kammerspiel auf das Innere der Flugzeugkabine zu beschränken. Dort sind wir zwar dem Terror unserer fünf Knattermimen ausgesetzt, müssen uns aber wenigstens nicht über jeglicher Physik spottende Außenreparaturen per Wäscheleine oder ein Monster ärgern, das so überzeugend wirkt wie das Urmel selig aus der Augsburger Puppenkiste.

„Don’t Look Down“, lautet der originale Untertitel dieses wolkigen Trauerspiels. Viel gefährlicher ist jedoch der Blick auf Leinwand oder Bildschirm, denn Frustration und Ärger sind keine Gefühle, die der Zuschauer durch sein Feierabendvergnügen aufgewirbelt wissen möchte. „Altitude“ ist ein Tiefflieger der schlimmsten Sorte; möge er bald an den Klippen der Filmgeschichte zerschellen!

DVD-Features

In dem Bestreben, die teurer verkaufbare und somit einträglichere Blu-ray zu pushen, spielt auch dieses Label diverse Extras – „Behind the Scenes”, Interviews mit am Film Beteiligten (= Verantwortliche & Täter) sowie den Trailer – nur der blauen Scheibe auf; die DVD-Kundschaft blickt ins Leere. Nachdem dies zuvor bereits anderthalb Stunden geschah – ein Zustand, der dreist als „Hauptfilm“ bezeichnet wird –, dürfte sich die Trauer derselben in Grenzen halten.

[md]

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Real Steel

Erstellt von Günther Lietz am 12. Dezember 2011

“Real Steel” – wahrer Stahl – aus dem Helden und ihre boxenden Roboter bestehen, kämpft auch um die Gunst der Zuschauer. Und um die zu gewinnen, haben Regisseur Shawn Levy und seine Drehbuchschreiber alles ausgepackt, was der Hollywoodbaukasten zu bieten hat. Ganz viele bunte Steine ergeben somit einen Film, der komplett auf das Publikum zugeschnitten ist. Die Sache hat nur einen Haken, der Film hat weder Seele noch Herz.

Dabei spricht der Anfang des Streifens eigentlich für ein rührseliges Familiendrama und emotionales Erlebnis. Denn eines Tages erfährt der erfolglose Roboterboxer Charlie Kenton (Hugh Jackman), dass seine Exfrau gestorben ist. Er soll nun zu einem Gerichtstermin kommen, bei dem es um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Max (Dakota Goyo) geht. Charlie hat keine echte Bindung zu Max und so ist es für ihn ein Leichtes, das Sorgerecht regelrecht an Max’ Tante zu verhökern. Doch zuvor verbringt Max noch die Ferien bei seinem Vater, denn er nur Charlie nennt.

Eine traurige Geschichte und der Zuschauer kann sich bereits denken, wohin der Weg führt. Charlie, übrigens ein richtiges Arschloch, investiert das Geld in einen neuen Boxroboter und verliert prompt. Auf dem Schrottplatz entdeckt Max nun einen Sparringsroboter namens Atom und bringt die alte Klapperkiste auf Vordermann. Durch den gemeinsamen Boxsport raufen sich Vater und Sohn zusammen, Atom boxt gegen den Champion und alle sind froh und glücklich und so weiter und so fort. Oh, und natürlich gibt es auch noch die gutaussehende Bailey (Evangeline Lilly), mit der Charlie zusammenkommt.

Die Geschichte ist so offensichtlich konstruiert, dass es schmerzt. All die soften Herzschmerzmomente Hollywoods wurden in einen Topf geworfen. Und weil Boxen so brutal ist, verkloppen sich halt Roboter. Das kommt in Zeiten von “Transformers” beim Publikum gut an und sorgt für eine niedrige FSK. Problem an der Sache: Die Transformers haben Persönlichkeit. Die fehlt den boxenden Robotern vollkommen. Es sind und bleiben eiskalte Maschinen.

Allgemein gesagt ist die Roboteridee ziemlich blöde und der Underdog Atom vollkommen unglaubwürdig. Wäre der ein toller Boxer, würde er nicht auf dem Schrottplatz liegen, sondern jeder würde so einen haben. Daran ändert auch die Sache mit der Bewegungssteuerung nichts. Das würde dann auch jeder machen. Absoluter Schwachsinn. Es geht hier einfach nur darum eine alte und rostige Blechdose zu haben, um den Mitleidbonus abzuräumen. Wie der restliche Film, ist eindeutig erkennbar, dass “Real Steel” am Reißbrett erschaffen wurde. Der Film ist vollkommen nach Blockbusterlehrbuch gestaltet und das ist ihm stets anzumerken. Die Macher haben vergessen, dass Film auch Kunst ist. Aber das Zielpublikum lässt trotzdem die Kasse klingeln, denn es läuft so viel Mist zur besten Sendezeit, dass scheinbar nur die wenigsten noch gute Unterhaltung zu schätzen wissen.

Wenigstens kommt die Vorlage mit Niveau daher. Sie stammt von Richard Matheson und ist seine Science-Fiction Kurzgeschichte “Steel”, die er 1956 verfasste und die vom Fernsehen bereits mehrmals adaptiert wurde. Einmal im Rahmen der Serie “Twilight Zone” 1963 („Ein Halbschwergewicht aus Stahl“) und dann nochmals bei den Simpsons („Häuptling Knock-A-Homer“). Da schlüpfte Homer in einen Kampfroboter, um seinem Sohn Bart zu imponieren. Diese Zeichentrickfolge hat mehr Herz, als es “Real Steel” vermag. Denn da riskiert Daddy Charlie Kenton zu keinem Zeitpunkt sein Leben. Wäre auch zu brutal, um eine niedrige Altersfreigabe zu bekommen. In „Ein Halbschwergewicht aus Stahl“ bleibt der Loser-Roboter übrigens ein Loser-Roboter und somit die Story glaubhaft. Und das tanzende Duo Atom und Max stammt übrigens aus „Häuptling Knock-A-Homer“ – und die Story ist wirklich rührend und tiefsinnig.

“Real Steel” wird auch gerne mit den Stallone-Streifen “Rocky” oder “Over the Top” verglichen, fährt dabei aber keine Punkte ein. Um ehrlich zu sein, der Levy-Streifen orientiert sich eigentlich gar nicht an diesen beiden bekannten Kinohits, sondern nutzt einfach nur die gleichen Elemente, um dann aber auf ganzer Linie zu versagen.

Das Einzige was “Real Steel” am versumpfen in die Bedeutungslosigkeit hindert, sind die Darsteller. Allen voran Hugh Jackman, der für “Real Steel” eifrig seinen Kredit als markiger und kantiger Typ wegknabbert. Noch ein oder zwei Streifen dieser Art und seine bisherigen Verdienste sind dahin. Er ist jedenfalls der Bremsklotz, der “Real Steel” daran hindert über die Klippe zu rauschen. Sein Spiel ist hervorragend und voller Spielfreude. Jackman geht richtig mit und haucht dem Film wenigstens etwas Leben ein.

Etwas fürs Auge, aber dennoch gefangen in einer klinisch reinen Liebesbeziehung, kommt Evangeline Lilly als Bailey Tallet daher. Lilly ist eine grandiose Schauspielerin und war einer der Gründe, um in den letzten Jahren den Serienhit „LOST“ einzuschalten. Allerdings hat sie in “Real Steel” leider nichts mehr mit der starken und zähen Kate aus „LOST“ gemeinsam. Im Gegenteil, die Frau wird als Schauspielerin regelrecht demontiert und verkommt zum Mechanikerfrauchen, dass in einem Loch ausharrt, bis das Arschloch wieder auftaucht und sie dann gnädig zurücknimmt. Schwache Leistung von Lilly, die viel mehr kann, aber vom Drehbuch ausgebremst wird.

Mehr Raum bekommt dagegen Kinderstar Dakota Goyo der den Max spielt. Der Junge kann was, keine Frage, aber in “Real Steel” ist er einfach nur penetrant, naseweis und altklug. Er hat einfach zu viel Zeit auf dem Bildschirm und wirkt kaum kindlich, stellt dafür aber eine coole Figur dar, der alle kleinen Jungs nacheifern können. “Real steel? Real shit! Goyos Rolle befördert soviel Hollywoodzucker in den Streifen, dass es schon eklig wird.

Was bleibt also unterm Strich? Ein Film der mehr sein könnte als er schlussendlich ist. Zu sehr auf Hollywood getrimmt, zu sehr auf Vater-Sohn-Drama gestimmt, als das es glaubhaft und unterhaltsam wäre. Trotzdem weiß der Film stellenweise zu unterhalten, vor allem in den ersten fünf Minuten. Von solch einem Jackman hätte es mehr bedurft, einem Jackman, der wirklich was riskiert, mit einer starken Bailey und einer glaubhaften Kinderfigur an seiner Seite. “Real Steel” ist unteres Mittelfeld, aber immerhin noch im Spiel.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Real Steel

Originaltitel: Real Steel
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Indien (2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Shawn Levy
Drehbuch: John Gatins, Dan Gilroy (Geschichte), Jeremy Leven (Geschichte)
Produktion: Shawn Levy, Susan Montford, Don Murphy
Musik: Danny Elfman
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Dean Zimmerman

Darsteller: Hugh Jackman (Charlie Kenton), Dakota Goyo (Max Kenton), Evangeline Lilly (Bailey Tallet), Kevin Durand (Ricky), Anthony Mackie (Finn), James Rebhorn (Marvin), Hope Davis (Debra), Olga Fonda (Farra Lemcova), Karl Yune (Tak Mashido)

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Ticking Clock

Erstellt von Michael Drewniok am 4. November 2011

Ticking Clock

Originaltitel: Ticking Clock (USA 2010)
Regie: Ernie Barbarash
Drehbuch: John Turman
Kamera: Phil Parmet
Schnitt: Tricia Gorman
Musik: Richard Friedman
Darsteller: Cuba Gooding Jr. (Lewis Hicks), Austin Abrams (James), Neal McDonough (Keech), Nicki Aycox (Polly), Yancey Arias (Detective Becker), Dane Rhodes (Detective Gordon), Danielle Nicolet (Gina Hicks), Adrianne Frost (Vicki Ihrling), Edrick Browne (Detective Maddox), Veronica Berry (Felicia Carson), Shanna Forrestall (Kayla Pierce) u. a.
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.03.2011 (DVD)
EAN: 4030521722033 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Türkisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min.
FSK: 16

Titel bei Amazon.de (DVD)

Das geschieht:

Früher war Lewis Hicks ein berühmter Schriftsteller, der Bestseller über „wahre Verbrechen“ schrieb. Doch die Beschäftigung mit dem Bösen forderte seinen Tribut. Hicks trinkt zu viel und ist vernachlässigt seine Familie; Gattin Gina hat ihn vor die Tür gesetzt und will ihn erst wieder aufnehmen, wenn er bereit ist, „sein Leben auf die Reihe zu kriegen“, wie sie es US-typisch ausdrückt und ihn damit auffordert, den stressigen Job, den Schnaps und Bett-Freundin Felicia aufzugeben.

Letztere abzuservieren hält Hicks für den geeignetenen Einstieg in sein neues-altes Leben. Da Felicia anderer Ansicht ist und ihn dies lautstark wissen lässt, versucht Hicks den Frieden durch eine spätabendliche Aussprache im Heim der nunmehr Ex-Geliebten wiederherzustellen. Dort trifft er diese allerdings nurmehr sorgfältig filetiert vor. Blondschopf Keech, der dies verantwortete, ist noch anwesend und entflieht, wird aber von Hicks gestellt. In der sich anschließenden Prügelei schaltet Keech den Verfolger aus und verliert dabei sein Tagebuch.

Der Mordfall geht an Detective Becker, der Hicks leider gar nicht leiden kann, da dieser über die Polizei der Stadt viel Hässliches geschrieben hat. In Hicks rühren sich außerdem verschüttete journalistische Triebe. Er findet das Tagebuch sowie heraus, dass Keech weitere Morde plant; die Namen der Opfer und die Zeitpunkte der Untaten sind sorgfältig vermerkt. Leider sucht auch Keech das Tagebuch und schließt richtig auf Hicks als Finder, was diesem einen neuen Besuch und weitere Beulen einträgt.

Hicks setzt seine Ermittlung natürlich fort und entdeckt seltsame Lebens-Parallelen zwischen Keech und dem Waisenkind James, in dessen Hirn mehr als eine Schraube locker sitzt. Während schon der dümmste Zuschauer weiß, welche Schlüsse zu ziehen sind, rätselt Hicks noch eine Weile weiter, bis er sich a) tölpelhaft der Polizei als Hauptverdächtiger empfohlen hat und b) von Keech in die Enge getrieben wird, bevor auch bei ihm der Groschen endlich fällt …

„Zeitreisen sind komplex“ …

… spricht Keech, der Mann aus der Zukunft, der es folgerichtig wissen müsste. „Ticking Clock“, der Film, ist es nicht: Das setzt dieser Rezensent hinzu, dem es nicht schwer fallen dürfte, bei ebenfalls geschädigten Zuschauern zustimmendes und kummervolles Kopfnicken auszulösen. Dass dieser Streifen nicht wirklich schlecht, sondern einfach nichtssagend ist, macht die Negativwertung noch vernichtender: „Ticking Clock“ ist einer jener Filme, die so überflüssig sind, dass man sich fragt, wieso sie überhaupt entstehen konnten.

Schon das Plakat belegt das Dilemma; eigentlich ist es gar kein Plakat, da es dieser Film nie in die Kinos geschafft hat. Er wurde direkt in die Videotheken dieser Welt abgeschoben. Dort dürfte er sein Budget irgendwann einspielen und sogar Gewinn abwerfen – trotz eines Minimal-Covers, das nichts als die Ratlosigkeit der Werbeleute verrät: Man sieht groß im Bild Cuba Goodings Gesicht, rechts steht Neal McDonough als Keech, im Hintergrund leuchtet unheilvoll rot das Zifferblatt einer Taschenuhr. Diese einfallslose und billige Komposition sagt absolut nichts über den Film aus. Sie schreckt den Zuschauer eher ab (und erfüllt damit unbeabsichtigt einen guten Zweck).

Gleichzeitig trifft sie den Nagel auf den Kopf. „Ticking Clock“ enthält keine Sekunde Handlung, die ein Anschauen erforderlich macht, sobald man publikumsseitig Forderungen stellt, die originelle Einfälle oder optische Überraschungen beinhalten. Während das Drehbuch eine Unverschämtheit ist – darüber weiter unten (viel) mehr –, müsste man den Regisseur wegen Arbeitsverweigerung haftbar machen. Dass Ernie Barbarash 2002 den SF-Horror-Thriller „Cube 2: Hypercube“ schrieb sowie 2004 die Fortsetzung „Cube Zero“ als Debütfilm zusätzlich inszenierte, sieht man „Ticking Clock“ niemals an.

Dream-Team Routine & Klischee in Höchstform

Laut „IMDb“ betrug das Budget 6 Mio. Dollar. Wo ist dieses Geld geblieben? Der Science-Fiction-Faktor des zeitreisenden Mörders beschränkt sich auf wenige Lichteffekte, die erschütternd ärmlich wirken. Ansonsten spielt sich die Handlung in einigen einstöckigen Vorort-Häuschen ab, deren Gestaltung die Kulisse förmlich schmecken lässt.

Verfolgungsjagden, Blicke in die Zukunft oder andere Indizien dafür, dass wir es hier nicht mit einer reinen Billig-Produktion zu tun haben? Fehlanzeige. Hin und wieder dürfen wir sekundenbruchteilkurz Blicke auf Keeches Metzeleien werfen. Ansonsten wird in erster Linie geredet – und noch geredet. Vor allem die erste Stunde vergeht lähmend langsam. Wir werden ausführlich in Lewis Hicks‘ Welt eingeführt, die uns leider keinen Deut interessiert, da sie sich auf x-fach aufgewärmte bzw. zu Tode gerittene Als-ob-Probleme beschränkt. Wenn Regisseur Barbarash dabei demonstrieren will, wie tief Hicks gesunken ist, lässt er die Kamera auf ein Glas mit Whiskey richten, dessen Inhalt Cuba Gooding übertrieben gierig in seinen Hals laufen lässt; die Steigerung wäre der Griff zur Zigarette, aber so wagemutig ist Barbarash denn doch nicht …

Dumm – dümmer – John Turman

Einen Serienkiller als Zeitreisenden bzw. einen Zeitreisenden als Serienkiller zu präsentieren, ohne die Gegenwart ein einziges Mal zu verlassen, ist bereits ein Armutszeugnis. Zumindest dafür kann man Drehbuchautor John Turman wohl nicht verantwortlich machen; er beugte sich offensichtlich dem vorhandenen Budget.

Diese Begrenzung hätte er durch Ideen in der Handlungsführung ausgleichen können. Das ist ihm missglückt – wieso auch nicht, wo er generell nur Mist baut? So ist die Offenlegung der hier nun schon mehrfach erwähnten Zeitreise-Thematik beileibe kein Spoiler. Turman selbst legt die Story so andeutungsreich aber dabei simpel an, dass eine andere Erklärung schlicht unmöglich ist. Während Lewis Hicks noch rätselt und sinniert, weiß das Publikum längst, aus welcher Zeitebene der Wind weht. Es muss jedoch noch lange und zunehmend ungeduldiger darauf warten, dass der Blitz der Erkenntnis auch unseren semi-genialen Journalisten endlich trifft.

Falls man nach Alternativen sucht, liegt dies höchstens daran, dass Turman den auch in der Science Fiction zu berücksichtigenden Faktor Logik mutwillig oder aus Mangel an Talent (und Enthusiasmus) mit Füßen tritt. Keech mag ein Psychopath sein, aber er ist auch der Erfinder der Zeitmaschine. Als solcher hat er durchaus gemerkt, dass sein stümperhaftes Herummurksen in der Vergangenheit das Schicksal seines jüngeren Ichs nur verschlimmert. Wieso kommt ihm nie der Einfall, sich in der Rolle des vermögenden Pflegevaters quasi selbst zu adoptieren? Das Waisenhaus wäre James jedenfalls schrecklich gern los!

Die gepeinigte Zeit macht Bocksprünge

Wie konnte ein mordlustiger Serienkiller Kopf jenes sicherlich beachtlichen Teams von Wissenschaftlern und Technikern werden, das die Zeitmaschine baute? Wie gelingt es Keech, diese Maschine immer wieder für seine Mordstreifzüge zweckzuentfremden? Oder hat er sie etwa in seinem privaten Hobbykeller gebastelt? Wie kann es umgekehrt gelingen, einen Mann zu überraschen, der die Zukunft und folglich das Verhalten seiner Gegner kennt und dies auch mehrfach äußert? Warum löscht der Tod des Jungen James Keech und dessen Untaten, nicht aber Hicks‘ Erinnerung an den nun alternativen, niemals Realität gewordenen Ereignisstrang? (Die aufwendig eingeführten Polizisten-Figuren Becker und Gordon ließen Barbarash & Turman schon vorher einfach aus der Handlung verschwinden.)

Schließlich der empörendste Schwachsinn: Wieso löst der Tod von James überhaupt eine neue Zeitebene aus, statt die alte – minus Keech – weiterlaufen zu lassen? Antwort: Damit Barbarash sein Filmchen mit einem versöhnlich-verlogenen Happy-End-Finale versehen kann, das ihn aufgrund seiner brechreizerregenden Süßlichkeit für größere Hollywood-Projekte empfiehlt.

Dies sind nur die dicksten Böcke, die Turman schießt. Zu ihnen gesellen sich zahllose Ungereimtheiten sowie Drehbuch-Entscheidungen der Marke „Das-merkt-der-Zuschauer-bestimmt-nicht“. Mit Blind- und Blödheit doppelt geschlagene Figuren und plumpe Effekthaschereien – warum löst sich Keech bei seinem Ende nach und nach & unter kräftigen Leuchteffekten auf, während alle anderen Zeitkorrekturen einfach geschehen (und sich deshalb kostengünstig durch altmodische Stopptricks realisieren lassen)? – durchbrechen wenigstens die Kruste langweiliger Routine, die „Ticking Clock“ zu einem strukturlosen Klumpen aus qualvoll oft gesehenen Szenen und gehörten Dialogen degenerieren lässt.

Quo vadis, Cuba Gooding?

Eine Filmkarriere gleicht einer Spielplatzwippe: Es geht auf und ab, und sitzt dir ein ähnliches Gewicht gegenüber, hängst du in der Luft. So dürfte sich Cuba Gooding Jr. fühlen. Er startete 1986 als „2nd Gang Member“ oder „Skater“ in diversen TV-Serien, um sich in den folgenden Jahren langsam zu größeren Neben- sowie Hauptrollen hochzuarbeiten. Anfang der 1990er Jahre begann man Gooding wahrzunehmen. Für „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (1996) erhielt er einen „Oscar“ als bester männlicher Nebendarsteller. Mit „Men of Honor“ (2000) oder „Pearl Harbor“ (2001) ging es vielversprechend weiter, bevor eine Durststrecke begann, die Gooding erst als Hauptdarsteller in gefloppte Mainstream-Filme („Boat Trip“, 2002; „Sie nennen ihn Radio“, 2003), dann als Nebenrollen-‚Gaststar‘ in Obskur-Streifen wie „Norbit“ (2007) oder „Der Kindergarten-Daddy 2“ (2007) und schließlich als Neubürger in die Direct-to-Video-Hölle geraten ließen. Dort sitzt er fest und muss sich seine Brötchen mit zweit- und drittklassigem Schund wie „Hardwired“ (2009), „The Devil’s Tomb“ (2009) oder eben „Ticking Clock“ verdienen.

Manchmal zeigt er auch dort, was er als Schauspieler kann („Wrong Turn at Tahoe“, 2009), aber meist steht er die Rollen, in die es ihn verschlug, einfach nur durch. Man kann ihn verstehen, denn auch ein „Oscar“-prämierter Darsteller vermag einem Pappkameraden wie Lewis Hicks kein Leben einhauchen. Jedes Klischee, das der Simpel-Film für den ‚typischen‘ Sensationsreporter bevorratet, hängt Drehbuchautor Turman dem armen Gooding mühlsteinschwer um den Hals. Um der Demontage des Schauspielers ein I-Tüpfchen aufzuprägen, zwingt eine boshafte Kostümbildnerin Gooding immer wieder unter eine überdimensionale Schlägermütze, die offenbar fesch wirken soll, ihn jedoch stattdessen vom Langweiler in eine Lachnummer verwandelt.

War da noch jemand?

Größeres Glück als Gooding haben die übrigen Darsteller. Man erkennt sie vielleicht, weil sie für unzählige TV- und Film-Nebenrollen ihr Gesicht vermieten, kann aber keine Namen nennen, denn anders als der Hauptdarsteller haben sie dieses Reich der Anonymität nie verlassen. Neal McDonough gibt einmal mehr den filmnaziblonden Killer, Nicki Aycox ist auch mit 35 Jahren immer noch niedlich.

Die Kenntnis der übrigen Darstellerriege ist für das Publikum gänzlich ohne Belang. Wie der Verursacher der Filmmusik – erstaunlicherweise ein Mensch, kein vorab auf Allerwelts-Gedudel programmierter Automat –, der zumindest geistig abwesende Kameramann oder der Spezialeffekte-Techniker, der sich seinen Titel höchstwahrscheinlich angemaßt hat, tauchen sie spurlos unter. Die Zuschauer sollten ihrem Beispiel zahlenstark folgen.

DVD-Features

Wie tief Cuba Goodings Marktwert gesunken ist, belegt die Tatsache, dass „Ticking Clock“ nur als ‚altmodische‘ DVD veröffentlicht wurde. Auch Extras ersparte das Label sich und dem Zuschauer. Den einsamen Trailer zum Film möchte dieser Rezensent jedenfalls nicht als solches bezeichnen.

[md]

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Priest

Erstellt von Günther Lietz am 22. August 2011

Nach Scott Charles Stewarts Film “Legion” aus dem Jahre 2010, versucht sich der Regisseur 2011 mit seinem Actionstreifen “Priest“ erneut auf der Leinwand. Mit im Boot ist auch wieder Paul Bettany, der in “Legion” ebenfalls die Hauptrolle spielte. Beide Männer vereint, versuchen sich also nun an einem scheinbar anderen Thema.

Auf den ersten Blick wartet “Priest” mit einem spannenden Genremix und abwechslungsreichen Kulissen auf. In einer alternativen Welt haben die Menschen seit jeher gegen die Vampire gekämpft, blutdurstige und augenlose Kreaturen. Doch erst vor wenigen Jahren ist es mit Hilfe der Kirche gelungen, die Vampire in ihre Schranken zu weisen und in Reservate zurückdrängen.

Das geschah mit Hilfe der Priester, ausgebildeten Elitekämpfern, die über besondere Fähigkeiten verfügten und der Kirche treu ergeben waren. Nach dem Krieg waren die Priester jedoch plötzlich arbeitslos und die besiegten Vampire gerieten in Vergessenheit.

Und genau an diesem Punkt muss der Zuschauer das Hirn abschalten. “Priest” ist ein Actionstreifen, der keinesfalls hinterfragt werden darf. Denn schlussendlich ist es doch so, dass es ziemlich unlogisch ist, dass die Menschheit nach jahrhundertelangem Krieg die Vampire einfach mal so vergisst und ihre Lebensretter – die Priester – dann halt mal bei der Müllabfuhr arbeiten lässt. Vor allem der Kirchenobere Monsignor Orelas (Christopher Plummer) besteht darauf, dass es keine Vampire mehr gibt. Stellt sich die Frage, was dann die Reservate sollen.

Davon abgesehen, ist der Stil des Films schon ziemlich einzigartig. Es gibt gigantische, von der Kirche regierte Städte, kleine autarke Dörfer inmitten der trockenen Steppe, umauerte Reservate und monströse Bauten der Vampire. Optisch ähnelt alles dem Wilden Westen, doch gleichzeitig gibt es fortschrittliche Technologien. Diese sind offensichtlich der Kirche vorbehalten, was vor allem bei den Waffen erkennbar ist. Während der normale Farmer oder Städter ein einfaches Gewehr sein Eigen nennt oder Musik vom Grammophon abspielt, rasen die Priester auf hochmodernen Zweirädern durch die Wüste, setzen blankpolierte Klingenwaffen ein oder mechanisch aufgerüstete Wurfsterne in Form von Kruzifixen. Dieser Kontrast ist sehr stark und dennoch nachvollziehbar. Die Kirche und ihre Priester sind im Grunde eine militärische Organisation – und das Militär bekommt halt das meiste Geld und die beste Technik.

Die eigentliche Geschichte des Films dreht sich um einen dieser kirchlichen Elitekämpfer. Es wird kein Name genannt, was natürlich schlecht ist, um eine Bindung zu der Figur aufzubauen. Da die anderen männlichen Priester nur kurze Auftritte haben, kann der Held des Films schlicht Priester (Paul Bettany, bekannt aus “Tintenherz”, “Legion”, “Kiss Kiss (Bang Bang)”)) genannt werden.

Nun wird dessen Nichte Lucy (Lily Collins) entführt, der Bruder schwer verletzt und Schwägerin gemeuchelt. Die Täter waren Vampire. Darüber informiert Sheriff Hicks (Cam Gigandet) den Priester und bittet ihn um Hilfe. Der sagt natürlich zu und verstößt damit gegen die Gesetze der Kirche. Während der Priester und Hicks nun losfahren um Lucy zu retten, schickt die Kirche eine Gruppe Priester los, um den Abtrünnigen zur Strecke zu bringen. Bei den Verfolgern dabei: Die Priesterin (Maggie Q)!

Es ist eine wirklich bescheuerte Idee, seinen Protagonisten keine Namen zu geben oder nicht wenigstens einen prägnanten Spitznamen oder ähnliches anzubieten. Aber wie bereits oben geschrieben: Hirn abschalten!

Der Priester und Hicks sind nun auf der Spur von Lucy. Dabei erfährt der Zuschauer langsam, warum die Kleine entführt wurde, was für eine Beziehung Lucy zu dem Priester hat und was der Oberbösewicht Black Hat (Karl Urban) für ein schlimmer Finger ist. Obwohl die Wendungen im Film voraussehbar sind, wurden sie von Stewart gut umgesetzt. Dadurch bleibt die Handlung trotz allen bedienten Klischees und geklauten Ideen unterhaltsam. Und geklaut hat Stewart wie ein Rabe. Hier eine kleine Auswahl: “Der große Eisenbahnraub”, “Django”, “Spiel mir das Lied vom Tod”, “Metropolis”, “Mad Max”, “Blade Runner”, “Matrix”, “Blade“, „Alien”, “Underworld”, “Book of Eli” und “The Descent”.

Das ist einfach zu viel, um als Hommage gelten zu können. Selbst die Grundidee des Films stammt von jemand anderem, nämlich vom Koreaner Min-Woo Hyung und dessen Manhwa-Serie “Priest”. Allerdings fällt Stewarts Adaption ziemlich frei aus.

Wie in “Legion” muss sich Stewart auch in “Priest” Kritik gefallen lassen, die seine Weltanschauung und seinen Umgang mit der Kirche betrifft. Die Kirche ist in “Priest” ein herzloser und bürokratischer Moloch, der seinen Klerus als Werkzeug einsetzt und nach der Benutzung herzlos fallen lässt. Außerdem sind die Kirchenoberen dumm und riskieren fahrlässig das Leben der Gläubigen. Stewart arbeitet hier mit plakativen Bildern und Meinungen, meidet tatsächliche Argumente und installiert mit dem Priester einen Helden, der ebenfalls keine Reflexion seiner Person zulässt oder vornimmt. Der Priester bricht aus den alten Strukturen aus, um sie selbst für seinen eigenen Kampf einzusetzen. Stewart kritisiert ohne Lösungen anzubieten, er kritisiert auf einem polemischen Niveau.

Die Hauptdarsteller in “Priest” sind allesamt bekannte Gesichter. Leider bleiben sie recht blass. Paul Bettany und Maggie Q (“Deception”, “Mission: Impossible III”, “The King of Fighters”) sind wortkarge Gesellen. Kommt es einmal zu Dialogen mit den beiden, wirken diese aufgesetzt und störend. In den Actionszenen wissen beide zu überzeugen. Lily Collins (“Blind Side – Die große Chance”, “90210″) als Lucy und Cam Gigandet (“Burlesque”, “Pandorum”, “Twilight – Biss zum Morgengrauen”) als Hicks könnten also das Spiel problemlos übernehmen, werden aber an der kurzen Leine gehalten. Dabei haben gerade Lucy und Hicks das Potenzial, echte Gefühle zu vermitteln.

Lily Collins sieht ziemlich adrett aus, aber nach einem kurzen Blick auf ihren Busenansatz, knöpft sie sich auch schon züchtig zu. Überhaupt ist das jugendliche Eyecandy des Films ziemlich schnell verschwunden. Cam Gigandet spielt Lucys Freund Hicks. Schlussendlich reicht die emotionale Bindung der beiden nur aus, um zwei oder drei schwülstige Sätze zu präsentieren. Hicks bleibt ohne Ecken und Kanten, seine Liebe zu Lucy macht ihn keinesfalls blind. Ziemlich glattgebügelt und verschenktes Potenzial.

So züchtig die liebe Lucy, so blutarm auch die Action auf der Leinwand. Dabei bietet das Thema ziemlich viel Spielraum. Aber bevor es zu brutal wird, steigt Stewart stets auf die Bremse. Des Rätsels Lösung dürfte beim FSK liegen, denn der Film wurde ab zwölf Jahren freigegeben. Tja, das ist wohl die Erklärung für seichte Dialoge, züchtige Frauen, weitgehend blutarme Gewalteskapaden und einer Handlung, der auch Kinder folgen können. Die Kunst unterwarf sich ein weiteres Mal dem Diktat der Kinokasse. Dementsprechend sind die 3D-Effekte auch nur aufgesetzt und im Grunde unnötig.

Trotz allem ist der Film spannend und weiß kurzweilig zu unterhalten. Es ist schon bitter zu beobachten, wie viel Potenzial verschenkt wurde, was aus den hervorragenden Ansätzen und diesem tollen Stil schlussendlich Durchschnittliches entstand. Für einen einfachen Kinoabend mit Popcorn und ohne Anspruch reicht „Priest“ allemal aus.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Priest

Land: USA 2011
Laufzeit: 87 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: Scott Charles Stewart
Drehbuch: Cory Goodman (basierend auf der Graphic Novel von Min-Woo Hyung)
Produktion: Michael De Luca, Sam Raimi, Joshua Donen, Mitchell Peck

Bildgestaltung: Don Burgess
Montage: Lisa Zeno Churgin
Musik: Christopher Young

Darsteller: Paul Bettany, Cam Gigandet, Maggie Q, Karl Urban, Lily Collins, Stephen Moyer, Mädchen Amick, Christopher Plummer, Brad Dourif, Alan Dale, Cameron Cash, Jacob Hopkins, Julie Mond

http://www.priest-film.de

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Schock

Erstellt von Michael Drewniok am 23. Juni 2011

Schock
[Quatermass 1]

Originaltitel: The Quatermass Xperiment (GB 1955)/Shock! aka The Creeping Unknown (US-Titel)
Regie: Val Guest
Drehbuch: Richard H. Landau u. Val Guest (nach einem Drehbuch von Nigel Kneale)
Kamera: Walter J. Harvey
Schnitt: James Needs
Musik: James Bernard
Darsteller: Brian Donlevy (Professor Bernard Quatermass), Jack Warner (Inspektor Lomax), David King-Wood (Dr. Gordon Briscoe), Richard Wordsworth (Victor Carroon), Margia Dean (Judith Carroon), Harold Lang (Christie), Lionel Jeffries (Blake), Gordon Jackson (Aufnahmeleiter), Thora Hird (Rosie) uva.
Label: Anolis Entertainment
Vertrieb: e-m-s new media
Erscheinungsdatum: 18.09.2003 (DVD)
EAN: 4020974152143 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 2.0 Mono (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 78 min.
FSK: 12

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Das geschieht:

Die britische Regierung schickt unter Leitung des Physikers und Ingenieurs Bernard Quatermass eine Rakete in den erdnahen Weltraum. Der Kontakt mit den drei Insassen bricht ab. Wenig später stürzt die Rakete in einer abgelegenen Gegend Englands ab. In dem Wrack finden die Retter nur den Astronauten Victor Carroon. Er ist schockstarr, seine Haut weist mysteriöse Veränderungen auf. Von seinen Gefährten findet sich nur eine gallertartige Masse, die aus den Raumanzügen gesickert ist.

Unter strenger Geheimhaltung versucht Quatermass herauszufinden, was hoch über den Wolken geschehen ist. Zu seinem Missfallen mischt sich Inspektor Lomax ein, der das Schicksal der beiden toten Astronauten als Mordfall betrachtet. Aus Carroon ist weiterhin kein Wort herauszubringen. Carroons Ehefrau Judith, die nicht zu Unrecht fürchtet, dass Quatermass Victor als Versuchskaninchen betrachtet, entführt ihren Mann aus dem Krankenhaus. Doch die Mutation schreitet rapide fort. Carroon verwandelt sich in ein Wesen, das jede Lebensform, die mit ihm in Berührung kommt, mit tödlicher Wirkung absorbiert und in seinen Körper ‚einfügt‘.

Zu diesem Schluss kam inzwischen auch Quatermass nach der Sichtung eines Films, der den Raumflug der drei Astronauten dokumentiert hat. Außerdem musste er feststellen, dass die Kreatur sich durch ‚Ableger‘ fortpflanzt. Eine Invasion durch Körperfresser droht, wenn Carroon nicht festgesetzt werden kann. Dieser hat jedoch inzwischen eine Absorptions-Orgie im Zoo von Chessington gefeiert und ist zu einem gigantischen Ungeheuer angeschwollen, das keinerlei Menschenähnlichkeit mehr aufweist.

Ausgerechnet in der historischen Westminster Abbey von London kann die Kreatur gestellt werden. Schüsse oder Granaten könnten sie zwar in Stücke reißen, die jedoch ein ungutes Eigenleben entwickeln würden. Quatermass entwickelt einen riskanten Plan, der das Übel ein für alle Mal stoppen soll …

Ein Klassiker und sein zorniger Schöpfer

Im Sommer des Jahres 1953 steckte auch in Großbritannien das Fernsehen noch in den Kinderschuhen. Trotzdem flimmerte im Juli die sechsteilige Serie „The Quatermass Experiment“ über die noch winzigen Bildschirme. Den ersten Teil spielte man live im Studio, erst die übrigen Episoden wurden aufgezeichnet.

Der BBC gelang ein früher ‚Straßenfeger‘. Noch waren die Ansprüche des Publikums gering, was die Filmtricks anging; ein zerfledderter Handschuh genügte, um als Monster aus dem Weltraum durchzugehen. Den Rest erledigten engagierte Schauspieler im Bund mit einer Fantasie, die beim zeitgenössischen Zuschauer noch in der Hirnmitte ausgeprägt war und sich nicht auf die Augäpfel beschränkte.

Mit Nigel Kneale (1922-2006) besaß Quatermass einen streitbaren geistigen Vater. Kneale besaß feste Vorstellungen über seinen Professor, den er als besessenen aber gleichzeitig skrupulösen Forscher zeichnete, der die Augen vor den Konsequenzen seiner Arbeit nicht verschloss und unter ihnen litt.

Dieser Quatermass war nicht massentauglich für ein Kino, das Männer der Tat bevorzugte. 1955 sicherte sich die Produktionsfirma „Hammer“ – noch in ihrer Schwarzweiß-Phase und nicht die Horror-Fabrik der späteren Jahre – die Filmrechte für „The Quatermass Experiment“. Aus „Experiment“ wurde „Xperiment“, und die Titelrolle ging von Reginald Tate – der im August 1955 einem Herzanfall erlag – an Brian Donlevy (1901-1972), den Kneale ebenso verabscheute wie die Tatsache, dass er als fester BBC-Mitarbeiter nicht für die Filmrechte bezahlt wurde.

Dieser Schock wirkt auch heute

In der Tat herrschte in der „Hammer“-Version ein deutlich rauerer Tonfall. Die Handlung, die sich über sechs TV-Episoden erstreckt hatte, musste gerafft werden. Mit dem Ergebnis war Kneale unzufrieden. Doch am meisten ärgerte ihn der ‚neue‘ Quatermass – ein sichtlich US-amerikanischer, energischer, rücksichtsloser von Selbstzweifeln niemals geplagter ‚Macher‘, der eher an einen Gangsterboss – eine Rolle, die Donlevy mehrfach verkörpert hatte – als an einen Wissenschaftler erinnerte.

Aber Kneale war zu streng. „Schock“ besitzt unabhängig von der Fernseh-Fassung (die heute ohnehin kaum jemand kennt) ganz eigene und sehr filmische Qualitäten. Die Geschichte wird in 78 Minuten erzählt. Mehr benötigt sie nicht, sie wird nicht künstlich gestreckt, eine Romanze bleibt ausgespart. Das Tempo ist von Anfang an hoch und lässt niemals nach. Der Tenor ist nüchtern, die Filmmusik ist instrumentell reduziert und hält sich zurück; in vielen Szenen werden nur Geräusche und Dialoge eingesetzt: „Schock“ arbeitet mit Mitteln des Dokumentarfilms und unterstreicht damit den Eindruck eines ‚authentischen‘ Geschehens.

Val Guest (1911-2006) war ein begnadeter Film-Handwerker, der sich durch Budget- und Zeitbeschränkungen nicht einschränken ließ. Einfallsreich holte er aus den vorhandenen Mitteln das Optimale heraus. Unterstützt wurde er von einem erfahrenen Team, in dem Kameramann Walter Harvey (1903-1979) hervorsticht, der einmal mehr belegt, dass der Schwarzweiß-Film kein altmodischer Notbehelf, sondern eine eigenständige Kunstform ist. Gedreht wurde selten im Studio und viel im Freien, wobei die Dunkelheit echt war und mit Lampen dort erhellt wurde, wo der Zuschauer etwas sehen sollte.

Schauder ohne Splatter

Das Grauen wird zeittypisch vor allem angedeutet. Es spiegelt sich in den Gesichtern derer, die ihm ausgesetzt sind. Zum Teil basiert dies auf der Schwierigkeit, Phänomene wie die allmähliche Mutation eines Menschen technisch zu realisieren. Daneben dominiert hier eine eigene, uns heute fremde Auffassung von Schrecken: Die offene Darstellung blutiger Untaten oder grässlicher Metamorphosen war nicht nur zensurbedingt eingeschränkt. Solche Effekte galten überhaupt als gewagt und unseriös. Zwar sollte gerade „Hammer“ schon 1957 diese Konvention vergessen und mit ganzen „Frankenstein“- und „Dracula“-Serien eine blutrote und ungemein erfolgreiche Erfolgsgeschichte schreiben. In „Schock“ nehmen entsprechende Gruselbilder nur wenige Szenen und Augenblicke ein. Trotzdem gab die strenge Zensur den Film ursprünglich erst für Zuschauer ab 16 Jahren frei.

Großartig ist jene Sequenz, in der Quatermass und seine Mitstreiter den Film sichten, der von einer automatischen Kamera im Inneren der Rakete aufgenommen wurde. Er ist ohne Ton und von mäßiger Qualität: Was sich außerhalb der Erdatmosphäre ereignete, wurde aufzeichnet, aber es lässt sich nur interpretieren und wird nie wirklich erklärt. Zusammen mit den gespannten Betrachtern reißt auch der Zuschauer die Augen auf, um zu erkennen, was den armen Carroon und seine unglückseligen Gefährten getroffen hat.

Geschickt vermeidet Guest auch den direkten Blick auf das aufgedunsene, tintenfischähnliche Monster, in das Carroon sich schließlich verwandelt hat. Es existierte nur als Miniatur und wurde aus Gummi und Innereien vom Schlachter zusammengefügt. An seinen ‚Tentakeln‘ waren dünne Drähte befestigt, mit denen diese hinter den Kulissen in Bewegung gesetzt wurden; dies kann auch der Zuschauer verfolgen, da die unbarmherzig präzise Kamera die Drähte keineswegs ignorierte. Doch als die Kreatur in der Westminster Abbey wütet, ist gerade ein Kamerateam der BBC vor Ort. Das Wesen gerät in den Fokus einer Kamera. Nur durch deren Linse sehen wir es –  indirekt, so ‚künstlich‘, wie uns das vertraute Fernsehbild erscheint, und gerade deshalb überzeugend.

Der Wissenschaft gehört die Welt!

Brian Donlevy ist als Quatermass eine erstaunliche, eindrucksvolle und erschreckende Figur. Er besteht auf dem Primat der Wissenschaft. Auf der Suche nach Wissen ignoriert er Gesetze und Regeln. Ein hilflos zeternder Vertreter der Regierung kann Quatermass nicht bändigen. Quatermass befiehlt ganz selbstverständlich Polizisten, Feuerwehrleute u. a. Autoritäten. Den kranken Carroon isoliert er in einem Krankenhauszimmer und gestattet dort nicht einmal der Ehefrau Zutritt. Forschung erfordert manchmal Opfer, so Quatermain, und es besteht keinerlei Zweifel daran, dass er bereit ist sie zu bringen. Brutal manipuliert er die Menschen in seiner Umgebung, zwingt den überforderten Dr. Briscoe, Carroon weiter zu behandeln, obwohl er am Ende seines ärztlichen Lateins angekommen ist. Quatermain will Carroon nicht heilen, sondern beobachten und dokumentieren, was mit ihm geschieht.

Bemerkenswert ist auch die letzte Szene: Am Kadaver der ausgeschalteten Kreatur zitiert jemand die in vielen Filmen zu hörende Warnung, es gäbe womöglich Sphären, die der Mensch besser meiden solle, weil ihn die Folgen das Leben kosten könne. Quatermain sagt kein Wort; er blickt den irritierten Mahner nicht einmal an, sondern lässt ihn stehen und verlässt Westminster Abbey; draußen trifft er seinen Assistenten, der ihn fragt, ob er helfen könne. Quatermain bejaht und beauftragt ihn, den nächsten Raketenstart vorzubereiten: Er blendet moralische Bedenken einfach aus.

Die andere Seite der Medaille verkörpert hervorragend Richard Wordsworth als Victor Carroon. Durch geschicktes Make-up scheint der Schädel des ohnehin hageren Schauspielers durch die Gesichtshaut zu stechen. Wordsworth spricht kein Wort; er muss die Verzweiflung Carroons, der anfänglich gegen seine Veränderung ankämpft, wie Boris Karloff in der Rolle des Frankenstein-Monsters (auf das Guest in einer Szene deutlich anspielt) durch Mimik und Körpersprache deutlich machen.

Alter Film in neuem Glanz

„Schock“ wurde 2003 auf DVD neu veröffentlicht. Dem Alter des Films muss selbstverständlich Tribut gezollt werden. Dies bezieht sich primär auf den Ton, der mit dem Raumklang des 21. Jahrhunderts nicht einmal ansatzweise mithalten kann. Dafür wurde das Filmmaterial für die DVD-Fassung ordentlich aufbereitet. Das Bild ist erstaunlich kontrastscharf und detailreich.

Die deutsche „Schock“-DVD bietet zwei Synchronfassungen. Eine jüngere wurde für die TV-Ausstrahlung angefertigt. Die ursprünglich für den Kino-Einsatz hergestellte Version erfreut durch die stimmlichen Qualitäten der eingesetzten Sprecher, wurde aber zeittypisch ‚eingedeutscht‘, sodass urbritische Darsteller plötzlich „Schmidt“ oder „Müller“ heißen. Noch härter traf es Professor Quatermass selbst, dessen Name das deutsche Publikum anscheinend überforderte: Aus Quatermass wurde „Braun“, was unfreiwillig den Charakter der Figur unterstrich: Quatermass alias Braun geht für seine Forschung über Leichen; ein Verhalten, das für den deutschstämmigen Raketen-Pionier und „Vater der Weltraumfahrt“ Wernher von Braun (1912-1977) – der womöglich Pate für diesen Namen gestanden hat – historisch überliefert ist aber lange sorgfältig vertuscht wurde.

DVD-Features

„Schock“ wurde von Anolis Entertainment als 7. Teil der „Hammer Edition“ veröffentlicht. Glücklicherweise genießt dieser Film einen ausgezeichneten Ruf, weshalb es zahlreiche, oft viele Jahre nach den Dreharbeiten entstandene Features gibt.

1994 strahlte das englische Fernsehen die 13-teilige Dokumentarserie „The World of Hammer“ aus. Oliver Reed (1937-1999), der 1961 „The Curse of the Werewolf“ (dt. „Der Fluch von Siniestro“) für „Hammer“ gedreht hatte, kommentierte die der „Schock“-DVD als Extra aufgespielte Folge 7, die den Science-Fiction-Filmen der Firma und damit auch den „Quatermass“-Filmen gewidmet war. Über eine halbe Stunde dauert ein an Hintergrundinformationen reiches Interview mit Val Guest, das im Jahre 2000 auf dem „Festival of Fantastic Films“ in Manchester mit ihm geführt wurde.

Zeitgenössisch sind der US-Trailer und zwei Filmprogramme, die sich selbst vor dem Zuschauer auf- und umblättern. Witzig ist ein sechsseitiger „Werberatschlag“, dessen Methoden heute rührend schwerfällig wirken. Eigens für diese DVD zusammengestellt wurden ein Booklet, in dem der Fachmann Uwe Sommerlad über den Film informiert, und eine Galerie mit Bildern. Zu guter Letzt kann der Zuschauer einen „Schock“-Comic ablaufen lassen.

[md]

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Thor

Erstellt von Günther Lietz am 12. Juni 2011

Glattgebügelt und politisch korrekt gestaltet sich Kenneth Branaghs “Thor”, der 2011 mit schwingendem Hammer die Kinoleinwand erobert – oder besser gesagt: zertrümmert. Was über den großen Teich herangeschwappt kommt ist, gelinde ausgedrückt, ein großer Haufen Mist!

Das sich Hollywood keinen Deut um die korrekte Darstellung einer Idee oder Geschichte kümmert, ist bekannt. Das gilt auch für Comics. Da wird eine Sage gerne mal frei interpretiert oder ganze Mythen locker adaptiert. An sich kein Problem, solange es gut gemacht ist und wenigstens einen Funken des Originals beinhaltet. Die nordischen Sagen – im speziellen die eddischen Schriften – derart zu vermurksen, dafür braucht es schon einiges an Schneid. Oder an Dummheit. Beides geht ja gerne Hand in Hand. Eventuell fällt auch nur einem Europäer auf, was für ein Schmarrn Regisseur Kenneth Branagh und die Autoren Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski und Mark Protosevich aus dem Hut gezaubert haben.

Die Unterschiede zu den mythologischen eddischen Schriften nun mal beiseite gestellt, verfehlt der Film sogar die Comicvorlage von Stan Lee, Larry Lieber und Jack Kirby. Was am Ende bleibt ist eigentlich nur ein Hüne mit Hammer im Kostüm, der sich Superheld nennt und den Marvel-Stempel trägt. Dabei wird hier im Film eigentlich die Geschichte über Thors Wandlung zum Superhelden erzählt. Und die ursprüngliche Story aus dem Jahre 1962 unterscheidet sich doch arg von dem, was der Film anbietet. Das mag auch noch geschenkt sein, aber der Streifen wartet ja auch mit inhaltlichen Fehlern auf.

Sehen wir uns mal die Hauptfigur und seine Heimat an. Asgard selbst liegt irgendwo im Universum. Es handelt sich um eine polierte Stadt, die klinisch tot wirkt. Ihre Bewohner tauchen nur auf, wenn sie beim Wacheschieben sterben oder dem lieben Odin zujubeln. Der wird von Anthony Hopkins gespielt. Der Film zeigt übrigens wie der liebe Odin sein Auge im Kampf verliert. Auch hier eine sehr freie Auslegung der Geschichte. Aber auch das sei geschenkt.

Thor (Chris Hemsworth) ist nun ein ziemlich arroganter Bursche und den Einflüsterungen seines Bruder Loki (Tom Hiddleston) hilflos ausgeliefert. Loki gibt natürlich den Bösewicht und hat seine ganz eigenen Pläne. Also stachelt er Thor zu Unsinn an. Der versammelt ein paar Kumpels, rast über die Regenbogenbrücke und lässt sich dann von Heimdall (Idris Elba) zu den Frostriesen beamen. Und das alles politisch korrekt, denn der blonde Thor hat in seiner illustren Runde eine Frau, einen Asiaten, Heimdall ist ein Schwarzer und es gibt auch noch den nordisch anmutenden Nordmann. Das hat mit der nordischen Mythologie um Thor so viel zu schaffen wie ein Haferkeks mit einem Stück Torf. Okay, der Haferkeks ist für sich alleine wenigstens zu genießen, “Thor” dagegen nicht. Zwar gehören Fandral, Hogun und und Volstagg innerhalb des Marvel-Universum an Thors Seite (sie sind ja die The Warriors Three), aber hier wird die Story erzählt wie Thor zum heldenhaften Gott wird und sich den Ruf als göttlicher Held erwirbt. Seine unterstützenden Kampfgefährten kommen eigentlich erst später hinzu.

Das Heimdall von einem Schwarzen gespielt wird wirkt auf Europäer sicherlich verstörend und ist im direkten Bezug zu den Originalcomics natürlich Murks, entspricht aber der Version des alternativen Marvel-Universums aus „Thor: The Mighty Avenger“. Dort ist Heimdall, als Bewahrer der Bifrost Bridge, ebenfalls ein Schwarzer. Das wirkt aber einfach befremdlich. Natürlich ist es normal, dass jeder Superheldenfilm Teil des Superheldenfilm-Universums wird und aus den Comics nur die besten Stücke nimmt. Aber hier wurden die, mit Verlaub, schlechtesten Stücke genommen und zu einem glattpolierten Stück Film zusammengeschaufelt. Aber weiter mit der Handlung, denn die Action ist vorhersehbar und langweilig. Die Möglichkeiten des göttlichen Hammers werden kaum ausgelotet.

Nachdem Thor wegen seinem Alleingang Ärger bekommt, wird er auf die Erde verbannt und trifft dort auf drei Wetterforscher, während sein Hammer irgendwo in der Wüste landet und zum Zentrum lustiger Hammerpartys wird. Also “Akte X” mag ja an den Haaren herbeigezogen sein, aber in der Realität würde so ein Hammerding sofort die “Men in Black” anlocken; oder halt Mulder und Scullys reale Kollegen. Aber egal, auch das sei geschenkt.

Thor ist halt ein arroganter Kerl, viele Dinge laufen schief und es gibt lustige Begegnungen zwischen dem Gott und den Sterblichen. Schlussendlich erfährt Thor eine Wandlung seiner Persönlichkeit und es kommt zu Endkampf. Ende! Puh, das ist schnell zusammengefasst und das ist auch gut so. Denn es gibt keinen Grund für Thors Wandlung, es gibt keine Charakterentwicklung. “Thor” ist einfach auf ein Zielpublikum zugeschnitten, dass sich leicht zufriedenstellen lässt. Und um sämtliche Schwächen zu kaschieren kommt der ganze Murks auch noch in 3D auf die Leinwand. Wer kann solch einen Film gut finden? Vor allem nach so vielen starken Superheldenfilmen, die in den letzten Jahren in die Kinos kamen. “Spider Man”, “Superman”, “Iron Man” und der grandiose “The Dark Knight”. Die Messlatte hängt verdammt hoch, da ist nur schwer heranzukommen. “Thor” wagt noch nicht mal den Versuch.

“Thor” selbst ist Mist. Und es ist ein Rätsel, warum der Streifen trotzdem ein gutes Einspielergebnis abliefert. Liegt es daran, dass die Kinobesucher keinen Bezug zu den Sagen haben? Ist 3D-Kino Kopfwäschekino? Oder sind Bildungsniveau und Kunstverständnis in der Gegenwart einfach tot? Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Hollywood einfach ein entsprechendes Publikum erzogen hat, dass mit so wenig so zufrieden ist. „Thor“ hätte ein großartiger, erstklassiger Film werden können, mit einem Helden, der Tiefgang besitzt und echte Lebenserfahrungen macht. Stattdessen präsentiert sich Thor wie ein pubertierende Knabe, in dem allerdings ein Held steckt. Wobei, das dürfte das pubertierende Zielpublikum ja gerade ansprechen und wäre ein Grund, warum dieser Murks solch ein Murks ist. Murks eben. Und im Nachhinein lieber doch nicht geschenkt.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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DVD bei Amazone.de

Thor

Originaltitel: Thor (USA 2011)
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Kenneth Branagh
Drehbuch: Ashley Miller, Zack Stentz, Don Payne, J. Michael Straczynski
Produktion: Kevin Feige
Musik: Patrick Doyle
Kamera: Haris Zambarloukos
Schnitt: Paul Rubell

Darsteller: Chris Hemsworth (Thor), Natalie Portman (Jane Foster), Tom Hiddleston (Loki), Anthony Hopkins (Odin), Idris Elba (Heimdall), Samuel L. Jackson (Nick Fury)


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