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Archiv für die 'Thriller' Kategorie

Nichts als die Wahrheit

Erstellt von Redaktion am 4. März 2010

Bei Libri.deNichts als die Wahrheit

Originaltitel: Nothing but the truth
Regie: Rod Lurie
Darsteller: Alan Alda, Kate Beckinsale, Angela Bassett, Matt Dillon, Vera Farmiga, David Schwimmer, Noah Wyle

Produktionsland: USA 2008
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 102 min. PAL Color
Bildformat: 2.35:1 / 16:9
Extras: Interviews, Featurette, Beim Dreh, Making Of, Deleted Scenes, Trailershow
Untertitel: Deutsch
Ton: Deutsch, DTS, Dolby Digital 5.1, Englisch, Dolby Digital 5.1

Auf den Präsidenten der USA wurde einen Attentat verübt. Die CIA findet angebliche Beweise, das Venezuela in dieses Attentat verstrickt sein soll.

Anhand einer anonymen Quelle erfährt die noch junge und aufstrebende Journalistin Rachel Armstrong (Kate Beckinsale), dass dem CIA die Unschuldigkeit Venezuelas bekannt war und somit der militärische Gegenanschlag der USA unbegründet war.  Die Journalistin deckt dies über einen groß angelegten Zeitungsartikel auf, in der Hoffnung die Regierung somit zum Umdenken bewegen zu können und natürlich um ihre Karriere voranzutreiben. Es kommt zu einer Festnahme Rachels mit Beugehaft, da sie sich weigert ihre anonymen Quellen preiszugeben.

In diesem Polit-Thriller von Regisseur Rod Lurie sind einige bekannte Schauspieler dabei. Neben Kate Beckinsale in der Rolle als Rachel Armstrong spielen noch Matt Dillon als Staatsanwalt, Angela Basset, David Schwimmer als Rachels Ehemann und Alan Alda als Anwalt von Rachel mit.

Hier zeigt Kate Beckinsale, welche in vielen Filmen ihr Debüt darlegte u. a. in Pearl Harbour und in der Triologie Underworld als sexy Elitekriegerin Selene, dass sie auch für ernsthafte Rollen eine hervorragende Schauspielerin ist. Hier beweist Sie, dass Sie auch eine Charakterrolle überzeugend und authentisch spielen kann und somit den Zuschauer richtiggehend in ihren Bann ziehen kann.

Als Grundlage für den Film diente wohl der Fall einer Journalistin bei der New York Times.  Judith Miller saß 85 Tage in Beugehaft, da sie ihre Quellen für die Enttarnung von CIA-Agenten nicht preisgeben wollte. In diesem Film wurde die Dauer der Beugehaft allerdings auf ein Jahr verlängert, bis die Journalistin Rachel Armstrong die Freiheit wieder genießen durfte, wenn auch nur für kurze Dauer.

Der Regisseur Luire hat es hier geschafft, in einer Meisterleistung dem Zuschauer einen unglaublich spannenden Thriller zu präsentieren, der nebenbei auch noch die negativen familiären Gesichtspunkte gut bedacht hat. So konnte Rachel Armstrong ihren geliebten Sohn über ein Jahr nicht mehr in die Arme schließen. Auch zerbrach ihre Ehe an ihrer Schweigsamkeit. Lurie hat es hier auch verstanden, den Zuschauer mit dieser doch trockenen Materie in den Bann zu ziehen, was in vielen anderen Verfilmungen nicht gegeben ist.

Der Zuschauer bekommt hier einen guten, hochklassigen Film präsentiert. Hier wird eine interessante Geschichte, der Kampf einer Person, welche für die Prinzipien einer bestimmten Berufsgruppe einsteht, die Quellen von Informationen nicht preis zu geben, spannend und packend umgesetzt. Es werden fast alle persönliche Entbehrungen von ihr in Kauf genommen, nur um die Quelle ihrer Informationen zu schützen. Und gerade dieses erhält am Ende des Films ein zusätzliches Gewicht, als der Zuschauer diese Quelle sieht bzw. erlebt.

“Nichts als die Wahrheit – Im Fadenkreuz der Staatsmacht” ist ein wirklich qualitativ hochwertiger Polit-Thriller.  Eine alles überragende Kate Beckinsale beweist hier, das sie eine hervorragende Darstellerin ist, die auch in Charakterrollen absolut überzeugen kann.  Dieser Film bietet eine absolut spannende Unterhaltung auf sehr hohem Niveau, was einem keinesfalls entgehen sollte.

(Walter Gasper)

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Downloading Nancy

Erstellt von Michael Drewniok am 11. Februar 2010

downloading-nancyDownloading Nancy

Originaltitel: Downloading Nancy (USA 2008)
Regie: Johan Renck
Drehbuch: Pamela Cumings u. Lee Ross
Kamera: Christopher Doyle
Schnitt: Henrik Hanson u. Johan Söderberg
Musik: Krister Linder
Darsteller: Maria Bello (Nancy Stockwell), Jason Patric (Louis Farwell), Rufus Sewell (Albert Stockwell), Amy Brenneman (Carol), David Brown (Billy Ringel), Michael Nyqvist (Stan) u. a.
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 16.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 15.01.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4013575566693 (Leih-DVD) bzw. 0886974374695 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Nancy Stockwell ist eine schöne Frau, die mit ihrem beruflich erfolgreichen Gatten Albert ein wohlhabendes Leben führt. Hinter dieser Fassade tun sich jedoch Abgründe auf. Albert ist ein gefühlskalter, auf das Golfspiel fixierter Reinlichkeitsfanatiker, der nicht erkennt bzw. nicht erkennen will, wie unglücklich Nancy ist. Nicht einmal das Wissen um ihre zahlreichen Sitzungen mit der Psychologin Carol nimmt Albert zum Anlass, sich mit seiner Ehefrau auszusprechen, die sich mit Rasierklingen schneidet, um überhaupt noch etwas zu fühlen.

Längst hat sich Nancy so tief ins seelische Aus gesteuert, dass sie den spektakulären Ausstieg aus einem ihr unerträglich gewordenen Leben plant. Über das Internet, das ihre einzige Verbindung mit der Außenwelt darstellt, hat sie Louis kennengelernt, der in einschlägigen Chatrooms als „Schmerzensmann“ auftritt. Mit ihm schließt Nancy einen Pakt. Sie liefert sich Louis und seinen sadistischen Neigungen aus, um sich schließlich von ihm umbringen zu lassen.

Eines Tages ist es soweit. Nancy verlässt Albert, der ratlos und von der Situation überfordert zurückbleibt. Sie wird nicht zurückkehren, aber auch für Louis sind nach der Begegnung mit der zutiefst verstörten Frau die Tage als „Schmerzensmann“ vorüber: Die Realität holt ihn ein, sodass er sich Nancy letztem Wunsch nicht verschließen kann und Albert mit einer Botschaft in seinem leeren Haus aufsucht …

Keine Hoffnung, kein Ausweg

Für die Randbereiche der menschlichen Psyche gibt es im Kino seit jeher zwei  Darstellungsweisen. Da haben wir einerseits den Horror, der offen, d. h. blutig und dabei unterhaltsam das Wirken & Würgen geisteskranker Serienkiller, durchgeknallter Wissenschaftler oder anderweitig irrer Metzelbolde in Szene setzt, wobei gleichzeitiger Popcorn-Verzehr, Getränkegenuss und freudiges Gejohle durchaus nicht fehl am Platze wirken.

Auf der anderen Seite stehen Filme wie „Downloading Nancy“, die sich dem Phänomen der (Selbst-) Zerstörung ernsthaft und quasi dokumentarisch widmen. Auch hier wird gelitten und gestorben, aber das zu beobachten ist nicht vergnüglich, sondern weckt das Unbehagen des Zuschauers, der sich wie ein Voyeur vorkommt. Man könnte sagen, dass diese Filme in Form und Inhalt der Realität ein wenig zu nahe kommen.

„Nach einer wahren Begebenheit“ heißt es auch im Nachspann von „Downloading Nancy“. Was in der Regel nur ein Trick ist, um billige Zusatz-Werbung für einen Film zu machen, wirkt hier authentisch, weil in den letzten Jahren tatsächlich Fälle belegt sind, in denen verzweifelte Menschen ihren Mörder per Internet suchten – und fanden.

Wer so konsequent ist wie Regisseur Johan Renck, der sich streng auf das Drama dreier verlorener Menschen konzentriert, ohne Konzessionen an ein Publikum zu machen, das in Mainstream-Dramen mit im Drehbuch eigens vorgesehenen Momenten der Entspannung rechnen kann, darf auf einen Blockbuster nicht hoffen. Tatsächlich ertrugen nicht einmal das sich gern intellektuell gebende Publikum des „Sundance Film Festivals“ die Uraufführung von „Downloading Nancy“; Hauptdarsteller Rufus Sewell beobachtete, wie die Zuschauer scharenweise den Kinosaal verließen.

Jenseits des Punktes der Wiederkehr

In der Tat ist „Downloading Nancy“ kein vergnügliches Erlebnis. Dabei gibt es keinerlei Brutalitäten zu besichtigen. Es sind Darstellerkunst und inszenatorisches Geschick, die den Rasierklingenschnitt in ein Bein oder einen Arm zum blanken, weil wiederum realistischen Horror anschwellen lassen. Auch sonst spiegelt jede Szene nur Verlassenheit, Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit wider. Die Bilder sind ausgewaschen und entbehren jeglicher Farbigkeit. Dazu spielt die Handlung im neuenglischen Winter, der besonders düster, eisig und unwirtlich wirkt.

Gemütlichkeit ist auch innerhalb bewohnter Mauern ein Fremdwort. Das Sprechzimmer der Psychiaterin ist eine schäbig möblierte, enge, fensterlose Kammer. Feiern finden in gesichtslosen Hotelkavernen statt. Das Haus der Stockwells ist kein Heim, sondern ein Gefängnis, dessen männlicher Bewohner jegliche ‚Beschädigung‘ durch Schmutz oder Knautschflecken vermeidet. Scheußlich gemusterte, unbequeme Polstermöbel werden mit glatten, kalten Plastikbezügen ‚geschützt‘. Die Depression nimmt Gestalt an.

Die Menschen fügen sich nahtlos in diese Umgebungen ein. Wenn Albert auflebt, dann nur in seinem zum Golfclub umgebauten Keller, in dem er meist völlig allein ist. Wenn seine ‚Freunde‘ Billy und Stan auftauchen, verödet die Unterhaltung in Allgemeinplätzen, denn zu sagen hat man sich im Grunde nichts.

Des Dreiecks mörderische Seite

Doch wo nicht mehr gesprochen wird, kann die Dunkelheit einziehen. Albert sieht genau, dass Nancy sich quält. Er lässt es geschehen. Damit wird er mitschuldig bzw. hauptverantwortlich für ihren Tod. Das ist die Lektion, die ihm Nancy sehr erfolgreich zu erteilen vermag. Ähnlich wird es vermutlich Carol geschehen. Renck ist abermals kompromisslos: Die Therapiegespräche mit Nancy werden zum pagageienhaften Nachplappern angelernten Fachwissens, das immer hektischer wird, je mehr Carol bewusst wird, dass sie Nancys Verzweiflung nichts entgegenzusetzen hat. Anders als Albert will Carol helfen, doch sie kann es nicht, denn über diesen Punkt ist Nancy hinaus: für eine Psychologin eine unerträgliche Erkenntnis und das Eingeständnis einer Niederlage.

Nachdem sie selbst, ihr Partner und die Medizin versagt haben, sieht Nancy nur im Tod eine Erlösung. Den will sie sich aber nicht selbst geben: Sie möchte schmerzvoll sterben, denn Schmerz ist das einzige Gefühl, das sie noch spürt. Das bringt Louis ins Spiel. Er könnte als Figur der Bösewicht dieses Dramas werden, aber diese simple Charakterisierung gestattet Renck nicht. Louis ist keineswegs der kontrollierte, eiskalte „Schmerzensmann“, zum dem er sich stilisiert. Stück für Stück zerbricht diese Fassade im Zusammensein mit Nancy und offenbart einen Menschen, den das Leben mindestens ebenso verletzt hat wie sein ‚Opfer‘, das Louis‘ Liebesbekundungen brutal zurückweist und auf ‚Vertragserfüllung‘ besteht.

Denn Nancy ist in ihrer erbarmungslosen Selbstzerstörung ein gefährlicher Mensch. Carol erlebt es, als ihre Patientin sie attackiert, aber Louis, der ihr länger ausgesetzt ist, wird von Nancy zerstört. Selbst im Tod manipuliert sie ihn weiter und bringt ihn dazu, sich Albert auszuliefern, um ihm ihre letzte Botschaft auszurichten.

Der Herausforderung gewachsen sein

Johan Renck ist kein in den USA aufgewachsener und dort ins Filmgeschäft gekommener Regisseur. Er wurde in Schweden geboren und lebt noch heute in Stockholm. So kann Renck durchaus als ‚europäischer‘ Filmemacher gelten, was in der Kritikerwelt identisch ist mit dem Drang zur unbequemen und unzensierten, sprich: hollywoodfernen Filmkunst.

Zumindest an den Kinokassen konnte Renck diesem Ruf problemlos entsprechen: „Downloading Nancy“ spielte bei Produktionskosten von 3 Mio. Dollar praktisch keinen Cent ein. Der Stoff erwies sich für ein breites Publikum als zu starker Tobak. Zwar wird mancher von der Kritik heiß geliebter ‚Kunstfilm‘ für den Zuschauer mit Fug und Recht als Aufforderung zur Kinoflucht verstanden. Auf „Downloading Nancy“ trifft dies nicht zu, denn dieser Film ist das Werk eines Regisseurs, der sein Thema im Griff hat.

Das verdankt Renck einem ausgewogenen Drehbuch sowie Schauspielern, die ihre schwierigen Rollen außerordentlich überzeugend mit depressivem Leben erfüllen. Vor allen anderen ist natürlich Maria Bello zu nennen, die nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere keineswegs davor zurückscheut, buchstäblich alles zu geben. Nie augenrollend & Schaum spuckend irrsinnig, sondern entweder erloschen oder blindwütig, oft beides im sekundenschnellen Wechsel, Mitleid erregend aber nie sympathisch, ist Nancy die Verkörperung des Lebensekels. Obwohl Bello selbst ohne Make-up, in schmuckloser Kleidung und gefilmt in fahlem Licht eine schöne Frau bleibt, ist sie selbst nackt kein erotischer Anblick – auch über diese Phase ist Nancy längst hinaus; sie sorgt lieber dafür, dass Louis im Baumarkt eine Hacke kauft, mit der er später ihre Leiche besser zerteilen kann.

Unterhaltung muss nicht unterhaltsam sein

Rufus Sewell gibt einen gleichermaßen abscheulichen wie jämmerlichen Albert. Vom seelischen Bankrott trennen ihn nur seine Obsession für Golf und eine Gefühlsarmut, die ihn problemfrei funktionieren lässt. Sewell gibt der undankbaren Rolle eine düstere Größe in seinem von Nancy über Louis in Gang gesetzten Erkenntnis- und Reifeprozess, den er womöglich nicht überstehen wird.

Auch Jason Patric ist fabelhaft als Sadist und Lustmörder, der sich seinen eigentlichen Bedürfnissen stellen muss. Menschen zu verletzen ist einfacher als sich mit ihnen zu verständigen. Als Louis dies vergisst, ist es um ihn geschehen. Patric meistert eine schwierige Doppelrolle, denn ist er zunächst Nancys Fährmann in den Tod, muss er später zum Neustarter für Alberts tief verschüttetes Gefühlsleben werden. Louis redet nicht, er handelt, und er geht dabei ähnlich rücksichtslos vor wie Nancy.

„Downloading Nancy“ bietet die Möglichkeit, sich einen Film nicht nur ‚anzuschauen‘, sondern sich auf ihn einzulassen. Auch die Gabe, das Leere und Niederschmetternde darzustellen und vorstellbar zu machen, verdient Anerkennung. Wie eigentlich immer sollte nur die Geschichte zählen, und die ist zwar traurig, wird aber wunderbar erzählt.

DVD-Features

„Downloading Nancy“ ist ein Film, für den ein „Making-Of“ als verkappter Werbe-Trailer eher kontraproduktiv wäre. Echte Hintergrundinfos – z. B. über die realen Ereignisse, die das Drehbuch inspirierten – wären hilfreich. Da dafür ein gewisser Aufwand getrieben werden müsste, der für Kassengift-Filme als nicht lohnend erachtet wird, fallen folgerichtig sämtliche Features ersatzlos weg.

[md]

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Stump the Band

Erstellt von Michael Drewniok am 12. Januar 2010

stump-the-bandStump the Band

Originaltitel: Stump the Band (USA 2006)
Regie: William Holmes u. JoJo Henrickson
Drehbuch: JoJo Henrickson (nach einer Story von Fletcher Rhoden)
Kamera: Jose Luis Rios
Schnitt: JoJo Henrickson
Musik: Robbie Rist
Darsteller: Courtney Bean (Tammy), Becky Boxer (Joan), Dominique Davalos (Kim), Brittney Startzman (Elaine), Ellen Fox (Nikki), JoJo Henrickson (Nigel), Larry Wyatt (Coach), Dave Berges (Daniel), Jake Harmes (Billy), Charles Klausmeyer (Einarmiger Mann), Brandon Tesar (Kiel), Carl Ciarfalio (Guido), Danny Cooksey (Little Joe) uva.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2009
EAN: 4041658700283
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo in der Provinz des US-Staats Wisconsin rackert sich eine Frauen-Rockband in schmierigen Bars und ähnlich unerfreulichen Etablissements ab. Auf den großen Durchbruch mussten Kim, Joan, Elaine und Tammy bisher vergeblich warten, worüber sie sich mit viel Sex & Rock’n’Roll trösten, während sie mit Manager Nigel, Roadie Nikki und Fahrer Kiel im uralten Van von Auftritt zu Auftritt eilen.

Weil es zum nächsten Ziel Mal besonders weit durch tiefe Wälder geht, ist die Gruppe froh, als ihnen an einer Tankstelle eine Abkürzung gewiesen wird. Leider ist Kiel nicht der Hellste; in tiefer Nacht kommt er von der schmalen Straße ab. Man strandet mitten in der Wildnis. Niemand weiß, wo man ist, der Wagen springt nicht mehr an, die Handys bleiben ohne Empfang.

Schon auf sie gewartet haben allerdings der gar nicht freundliche Tankwart Daniel und sein schwachsinniger Spießgeselle Billy. Freudig nehmen sie die Gunst der Stunde wahr und eröffnen die Jagd auf die fünf schönen Frauen. Sie wollen sie fangen und dem Schuhhändler “Coach” bringen. Der lebt seinen intensiven Fußfetischismus aus, indem er Daniel und Billy Frauen in die Falle locken und in sein abgelegenes Haus verschleppen lässt. Dort hackt er ihnen mit seiner doppelschneidigen Axt die Füße ab, die er anschließend – sorgfältig nach Größe geordnet – in Schuhkartons hortet. Seine Opfer interessieren ihn fußlos nicht mehr, wovon seine Schergen anstößig profitieren.

Das Killer-Team hat sich über die Jahre perfekt aufeinander eingespielt. Deshalb sieht es schlecht für die Frauen aus. Kiel und Nigel werden schnell ausgeschaltet, und bald kann Coach ein erstes Mal die Axt schwingen. Aber er hat die Rocker-Girls unterschätzt, und außerdem lauert im Wald jemand, der eine alte Rechnung mit Coach zu begleichen hat. Der Kampf beginnt – Pardon wird nicht gegeben …

Auf diesem Mist soll der Erfolg wachsen

Normalerweise verdienen sich die Männer und Frauen der in North Hollywood ansässigen Firma “Compost Productions” ihren Lebensunterhalt, indem sie hoffnungsfrohe Nachwuchs-Schauspieler dafür zahlen lassen, sie in repräsentativen Spielszenen zu filmen, die anschließend hoffentlich interessierten Studios als Referenz gezeigt werden können. Doch wie in Hollywood üblich, wollen die Compostler eigentlich selbst ‘richtige’ Filme drehen. Mit “Stump the Band” erfüllten sie sich ihren Traum, der zu diesem Zeitpunkt gut gereift war. Regisseur William Holmes erzählt im “Making Of”, dass er die Story beinahe ein Jahrzehnt in seinem Hirn wälzte. Letztlich musste er JoJo Henrickson zu Hilfe holen, um aus der Idee ein funktionstüchtiges Drehbuch zu entwickeln.

Der unter diversen Mühen fertiggestellte Film wirft die Frage auf, was das Paar die ganzen Jahre tatsächlich getrieben hat: “Stump the Band” ist ein völlig typischer, d. h. ideenarmer, überhaupt nicht origineller und billig heruntergekurbelter Backwood-Slasher, der die mit diesem Genre verbundenen Klischees in voller Bandbreite bedient. Hübsche Frauen in den Fängen vertierter Hinterwäldler, ein bisschen Nacktheit, die in den USA nur angedeutet werden darf, weshalb man auf sittlich unbedenkliche Folter- und Metzel-Szenen ausweicht: Die Masche hat sich bewährt und kommt auch hier zum Tragen.

Weshalb “Stump the Band” nüchtern betrachtet als weiterer jener Schnellschüsse abgetan werden könnte, die Hollywood in Salven auf ahnungs- und wehrlose Zuschauer abzufeuern pflegt. Das Drehbuch ist keinen Schuss Pulver wert, das Minimal-Budget und die daraus erwachsenen Unzulänglichkeiten werden allzu offensichtlich, und die Darsteller haben die Kunst des Schauspiels höchstens per Fernstudium (und oft gar nicht) erlernt.

Humor hilft eigentlich immer

Was “Stump the Band” indes von den unzähligen filmischen Grausamkeiten der B- und C-Kategorie trennt, mit denen sich vor allem der Horrorfan malträtiert sieht, ist ein unerwarteter Enthusiasmus, der das laue Geschehen mit Leben füllt. Unabhängig davon, ob die in Szene gesetzten Scherze witzig sind, hilft es dem Film, dass er zwar seine Zuschauer, aber sich niemals ernst nimmt. “Stump the Band” bietet natürlich keinen feinsinnigen Humor. Selbst grobe Gags werden jedoch so unverfroren dargeboten, dass man unwillkürlich grinsen muss.

Darüber hinaus sorgen skurrile und schamlos durchgespielte Einfälle für jene Momente, die Filmroutine zum gelungenen Spaß aufwerten. Larry Wyatt gibt als perverser “Coach” dem Schauspieler-Affen kräftig Zucker. Einen Fußfetischisten als Serienkiller gab es bisher nicht. Wyatt legt sich mit todernster Miene ins Zeug und scheut keine Peinlichkeit. Ohne Furcht vor Lächerlichkeit agiert auch Jake Harmes als Billy, der “dog boy”, der nicht spricht, sondern nur bellt und in den Wald geworfene Schuhe apportiert.

Mit vollem Körpereinsatz mimen die weiblichen Darsteller. Diese Aussage ist durchaus doppeldeutig gemeint, denn selbstverständlich beinhaltet “Stomp the Band” die für den Horrorfilm der B-Stufe obligatorische Nacktszene. An Erotik ist freilich nicht zu denken, wenn man beobachtet, wie sich die vier Frauen hüllenlos und todesmutig in einen ‘Teich’ stürzen, der eindeutig ein schlammiger, stinkender Pfuhl ist. Im “Making Of” wird dies vom Regisseur bestätigt und durch Drehort-Bilder bestätigt, die im Betrachter kaltes Grausen aufsteigen lassen; mit Recht bedankt sich William Holmes noch einmal ausdrücklich bei seinen vier Hauptdarstellerinnen, die dieses höllische Bad nicht nur auf sich nahmen, sondern im Inneren des Drecktümpels sogar das Schauspielen nicht vergaßen.

Falls sie nicht baden, haben in diesem Film ohnehin die Frauen die Hosen an. “Stump the Band” gehört zu den raren Streifen, die ihre Darstellerinnen nicht auf geile Metzel-Schnecken reduzieren, sondern ihnen Persönlichkeiten zubilligen. (Wobei auch hilft, dass die Darstellerinnen zum Zeitpunkt des Drehs zwischen 30 und 40 Jahre alt. also keine kleinen Mädchen mehr waren.) Unsere vier Musikerinnen sind zwar recht proletarisch im Denken und Handeln, aber sie haben das Sagen, und trotz oder sogar wegen ihrer Ruppigkeit wirken zumindest drei von ihnen sympathisch. (Dazu und zu Nr. 4 Näheres weiter unten.) An ihrem Schicksal nimmt man Anteil, statt ungeduldig darauf zu warten, dass sie des Coaches Axt trifft.

Filmdreh als Abenteuer

Der chronische Geldmangel einer Produktion wie “Stump the Band” lässt ‘richtige’ Schauspieler von einem Engagement Abstand nehmen. Zurück bleiben die Hoffnungsvollen und die Verzweifelten, die sich in einem Karriereloch befinden. Letztere in ihrem Unglück zu beobachten ist wenig unterhaltsam. Glücklicherweise scheinen die Darsteller von “Stump the Band” keine besonderen Ambitionen auf eine Hollywood-Starkarriere zu haben.

Schauspielerische Präzisionsarbeit darf man von diesen Neulingen und Laien nicht erwarten. Sie schlagen sich immerhin wacker. Erfreulicherweise schließt das die Hauptdarstellerinnen ein – mit einer Ausnahme: Courtney Bean spielt die Nervensäge Tammy allzu überzeugend. Man hasst sie schnell, und sie will einfach nicht sterben, obwohl sie zwischenzeitlich sogar in Coaches Keller landet. Selbst Beans Originalstimme klingt so grässlich wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Schiefertafel. Welcher Ungeist trieb Holmes & Henrickson dazu, ausgerechnet sie so prominent zu besetzen? Wenigstens fügt sich Bean harmonisch in die Rockmusik-Auftritte der Band ein. Die Musik ist zwar Geschmackssache, doch die Mädels legen sich glaubhaft ins Zeug.

“Stump the Band” verfügt themennah über einen ausgesprochen rockigen Soundtrack. Der fügt sich nicht immer glücklich zu den Szenen, denen er unterlegt wurde, und auch der musikalische Laie bemerkt, dass Talent wohl nicht unbedingt erforderlich war, um einen Song in diesem Film zu platzieren. Manchmal passen Bild und Musik freilich sehr gut zusammen, und dann haben wir wieder einen dieser Momente, in denen “Stump the Band” einfach Spaß verbreitet.

Wie viel Grausen gibt’s für einen Dollar?

Wer genau hinschaut, wird in dem Gewirr der Nebendarsteller immer wieder dieselben Gesichter erkennen. Geld war knapp bei dieser “Compost”-Produktion, sodass auch Mitglieder der Crew im Schutz unterschiedlicher Verkleidungen gleich mehrfach zum Einsatz kamen. Sogar für das Anmieten des Vans, mit dem unsere Band durch die Provinz schaukelt, war kein Geld da. Regisseur Holmes ‘lieh’ sich den Wagen seiner Gattin. Als Stuntman Carl Ciarfalio (der auch den Mafioso Guido gibt) diesen im Eifer des Gefechts in ein Gebüsch krachen lässt (s. “Making Of”), ist Holmes’ Angst vor ehelichen Vergeltungsmaßnahmen sichtlich groß.

Es gibt digitale Effekte in “Stump the Band”, aber sie bleiben in der Minderzahl – gut so, denn sie sind mittelmäßig bis sauschlecht. Ansonsten wird mit Körper- und Kopf-Abgüssen, Schweinedärmen und viel Kunstblut gearbeitet. Weil dieser Film garantiert keine Millionengewinne einbringen wird, legten sich die Macher keine Zügel an und schrieben richtig fiese Effekte ins Drehbuch. In “Stump the Band” fliegen Frauenfüße, Augäpfel und Arme so hemmungslos durch die Luft, dass selbst die notorisch humorlose FSK den Spaßfaktor dieses Films begriff und von Zensurschnitten absah. Ohnehin sorgen die Budgetbeschränkungen dafür, dass die Zahl der Schnetzeleien beschränkt bleibt.

Das alles adelt “Stump the Band” nicht zum Kultfilm. Doch wenn man die Grenzen bedenkt, die den Machern dieses Films gesteckt waren, und ihre manchmal pfiffigen Auswege berücksichtigt, muss man anerkennen, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Arbeit abgeliefert haben, die man sich anschauen kann, ohne sich allzu sehr um 90 Minuten Spiel- und Lebenszeit betrogen zu fühlen.

DVD-Features

Mit viel Liebe zum Detail haben die Macher von “Stump the Band” die Dreharbeiten dokumentarisch begleitet. Was man sich vor und hinter der Kamera gedacht hat, lässt sich dem 27-minütigen, sehr informativen und unterhaltsamen Beitrag “Behind the Scenes” entnehmen. Improvisation hieß an allen Drehorten das Gebot der Stunde, woraus niemand einen Hehl macht, wie überhaupt die ansteckend gute Laune der bei der Arbeit Gefilmten und Interviewten verdeutlicht, was ein “Making Of” jenseits verlagerter Filmwerbung sein kann.

Eine kurze Sammlung von Szenen, die es so nicht in den Film schafften, wird durch diverse “Outtakes” ergänzt, die dokumentieren, was während eines Drehs schiefgehen kann. Besonders erheiternd wirkt eine Sequenz, in der Darsteller Charles Klausmeyer im Vordergrund aus Leibeskräften mit den Dämonen seiner Seele ringt, während im Hintergrund ein sich unbeobachtet wähnendes Mitglied der Crew gegen einen Torpfosten pinkelt.

Sehr inhaltsreich ist schließlich die Website zum Film geraten.

Viele aus “Stump the Band” bekannte Gesichter findet man auch auf der “Compost Productions”-Website wieder.

[md]

Titel bei Amazon.de

Preisrätsel/Gewinnspiel 5 x 1 DVD
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
Wie heisst der schwachsinnige Spießgeselle von Tankwart Daniel? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald 30 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Die 5 Gewinner lauten: Wolf Strunk, Gerd Brake, Mika Bücherheim, Ingolf Schmalz, Karin Sauer, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

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Filmbuch: “M – Eine Stadt sucht einen Mörder” von Jon J. Muth & Fritz Lang nach dem Drehbuch des gleichnamigen Filmklassikers

Erstellt von Detlef Hedderich am 9. Januar 2010

m-eine-stadt-sucht-einen-morderJon J. Muth & Fritz Lang
M – Eine Stadt sucht einen Mörder

M, USA, 2008
Nach dem Drehbuch des Filmklassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder
von Fritz Lang und Thea von Harbou (1931)
Cross Cult, Ludwigsburg, 6/2009
HC, Graphic Novel im Comicformat, Krimi, Drama
ISBN 9783941248205

Aus dem Amerikanischen von Jochen Ecke
Titelillustration und Zeichnungen von John J. Muth

www.cross-cult.de
www.jonjmuth.com/

Fritz Lang war in mehr als nur einer Hinsicht ein visionärer Pionier und Filmemacher. Nach dem utopischen SF-Klassiker „Metropolis“ entstand nur ein paar Jahre später und als einer der ersten deutschen Tonfilme „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, in dem er den Mythos vom schwarzen Mann real machte. Nicht länger waren brutale Serienkiller nur der Realität und der Sensationspresse vorbehalten, sie bekamen auch im Kino durch den jungen Peter Lorre erstmals Gesicht und Stimme. Und der 1931 veröffentlichte Film überschritt ein weiteres Tabu: Erstmals waren Kinder die Opfer von Besessenheit und Gier. Eine bedrückende graue Stimmung liegt über einer europäischen Großstadt, irgendwann gegen Ende der 1920er Jahre. Allein die Kinder versuchen, sich durch Spiele aufzumuntern, aber ihre Lieder schrecken die Erwachsenen noch mehr auf. Konnte man seinen Nachwuchs zuvor noch damit erschrecken, dass der ‚Schwarze Mann’ kommen und sie holen würde, so ist das inzwischen bittere Realität geworden.

In der letzten Zeit sind immer wieder Kinder spurlos verschwunden, und es wird sogar gemunkelt, dass man ihre Leichen gefunden habe. Genaueres weiß man aber nicht, da die Polizei nichts nach außen dringen lässt. Dort ist man selbst ratlos, denn mit einem solchen Fall ist man bisher noch nicht konfrontiert worden. Zwar klappert man die üblichen Verdächtigen ab und zieht in den zwielichtigen Vierteln mehr Razzien als sonst durch, aber finden können sie keinen Schuldigen. Da sie sich zu sehr bedrängt fühlen und nur noch möchten, dass wieder Ruhe einkehrt, kommen die Diebe, Bettler und sonstigen Verbrecher zusammen, denn in diesem Fall ist man sich einig. Man will den Außenseiter finden, der diese Morde begeht. Und so entwickelt die Unterwelt einen ausgeklügelten Plan, um den wahren Mörder zu finden. Tatsächlich gelingt es einem Taschendieb, einen unauffälligen jungen Mann bei frischer Tat zu beobachten und zu markieren. Und so beginnt die Hetzjagd auf den von nun an mit einem „M“ gebrandmarkten Unbekannten…

Wer den Film gesehen hat, kann feststellen, wie genau sich Jon J. Muth an das Drehbuch und die Bildsprache des Films gehalten hat. Schon alleine die fotorealistischen Zeichnungen atmen die Atmosphäre, die der Film auf heutige Zuschauer haben dürfte. Leicht vergilbt und unscharf werfen sie einen Blick auf eine unwirkliche und fremde, graue Welt der Angst und Depression, spielen wie die Schwarz-Weiß-Filme mit Licht und Schatten und entwickeln eine ganz eigene Bildsprache. Die Geschehnisse nehmen einen sehr ruhigen und fast schon unspektakulären Verlauf, tatsächlich aber kommt es nicht auf die Action an, sondern eher auf die intensive und eindringliche Atmosphäre, die zeigt, wie sich die Stimmung von Fassungslosigkeit und Angst schließlich in Wut verwandelt und am Ende sogar die Polizei zum Retter des Schuldigen macht.

Wie der Film ist auch die Graphic Novel ein eher schweres Kaliber. Sie arbeitet mit unterschwelligen Hinweisen, stellt Moral und Gerechtigkeit in Frage und überlässt es dem Zuschauer, ob er den Mörder als Bestie oder als Opfer der Umstände sehen möchte. Die Atmosphäre der Depression in den frühen 1930er kommt sehr gut zum Tragen, ebenso wie die Hilflosigkeit der Menschen, die zum ersten Mal mit einem solchen Verbrechen konfrontiert werden. Und auch der moderne Leser kann sich fragen, wie er sich in diesem Falle verhalten würde, denn man kommt sehr schnell dazu, sich mit den Jägern zu solidarisieren.

Ergänzt wird der Band noch durch Essays zum Thema, das später nur ein weiteres Mal in „Es geschah am helllichten Tag“ aufgegriffen wurde, zu dem Film, seiner Entstehungsgeschichte und seiner Wirkung auf die Zuschauer und die Umsetzung in die Graphic Novel. Das macht „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu einer Geschichte, die gerade in der heutigen Zeit, in der immer offener über Kindesmissbrauch und Mord durch männliche Straftäter berichtet wird, aktueller ist denn je.

Christel Scheja (CS)

Titel bei Amazon.de:
M – Eine Stadt sucht einen Mörder

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Protectors – Auf Leben und Tod

Erstellt von Redaktion am 20. Dezember 2009

Bei Amazon.deProtectors – Auf Leben und Tod
Staffel 1 (5 DVDs)

Land: Dänemark/BRD, 2009
FSK: 12 (freigegeben ab 12 Jahren)
Genre: Thriller / TV Serie
Laufzeit: 550 Min. (5 Episoden)
Regie: Mikkel Serup, Martin Schmidt
Darsteller: Cecilie Stenspil, Soren Vejby, Andre Babikian
Originaltitel: The Protectors (2008)
Sprache: Deutsch
Bild: Widescreen
Bonus: Rollenprofile der 3 Hauptdarsteller
www.pspr.de

Vorwort

Personenschützer, Bodyguards, Leibwächter – eben Protectors – sind nach landläufiger Meinung diejenigen Menschen, welche die ihnen anvertrauten VIP´s mit dem eigenen Leben schützen sollen. Ehemalige Polizisten, Soldaten, Special Forces jeder Coloeur zählen zu diesem Personenkreis. Sie setzen unter Umständen ihr eigenes Leben bewusst aufs Spiel, um den Schutzbefohlenen mit allen Mitteln das Leben zu retten. Selbstverständlich sind dazu nur die Härtesten, die Zähesten, die Bestausgebildeten, schlussendlich die Konsequentesten geeignet: Man muss bereit sein zu sterben, um andere zu retten.

Zur Handlung

Wie es nun bei einem Serienstart üblich ist, befasst sich auch die 1.Folge der dänischen Thrillerreihe „Protectors – Auf Leben und Tod“ mit der Einführung der Hauptdarsteller, leider tritt dabei die Handlung des ersten Auftrages ein wenig in den Hintergrund. Der junge Personenschützer Ibro kommt bei einem Einsatz ums Leben, indem er sich schützend vor den dänischen Verteidigungsminister wirft. Doch der aus Jugoslawien stammende Vater Ibro´s macht den Minister für den Tod seines Sohnes verantwortlich und entführt als ersten Schritt die Geliebte des Ministers…

In Folge 2 ernennt der Ministerpräsident eine im Iran geborene Dänin zur neuen Kultusministerin. Sofort ist der Spezialeinheit Protectors klar, dass die Frau mit Anfeindungen von radikalen Muslimen rechnen muss. Doch die Gefahr der dänischen Rechtsextremen ist weitaus konkreter. Denn sie verstecken sich in den Reihen der Bevölkerung und der politischen Opposition.

An dieser Stelle soll noch die Folge 3 erwähnt werden, denn um die Palette der offensichtlichsten Gefahrenquellen zu komplettieren, dürfen islamische Terroristen natürlich nicht fehlen. „Angeregt“ durch den Anschlag auf das amerikanische World-Trade-Center vom 9. September 2001, versuchen sich zwei Islamisten an einem Bombenanschlag mit einem Stadtbus, der die Route eines politischen Besuches kreuzt.

Fazit

Vielleicht sind wir in unseren Geschmack schon zu geprägt von der Dominanz amerikanischer Agententhriller und es dauert eine ganze Weile, bis man sich auf eine völlig anders gestrickte Stimmung einlässt. Möglicherweise war die kalte Jahreszeit (Januar), in dem die erste Folge spielt bewusst gewählt, ich vermute aber eher, dass dies Zufall oder ein Kokettieren mit dem Klischee des nordischen Landesklimas war. Blasse, trübe, Kälte vermittelnde Szenen passen perfekt zu den gleichermaßen – noch – farblosen Darstellern. Erst nach und nach, überaus still inszeniert, gewinnen die Protagonisten nur zögernd sprichwörtlich an Farbe.

Jasmina el Murad, eine in Ägypten geborene junge Frau, Rasmus Poulsen, ein an das Gute im Menschen glaubender Polizist und Jonas Michaelsen, ein jüdischer Däne, der als Gegenpart zu seinem Kollegen überzeugt ist, das jeder Mensch von Natur aus schlecht ist, schaffen das „harte“ Training des dänischen Geheimdienstes, dem die Proctector-Einheit unterstellt ist. Und hier macht sich der nächste Unterschied zu Amerika überdeutlich bemerkbar: Die Szenen, welche das Auswahltraining zeigen, haben leider Pfadfinderniveau, als dass sie eine Eliteeinheit formen könnten. Jasmina trampelt eher durch den Parcours, als dass sie nennenswerte körperliche Leistung zeigt, auch die beiden Männer zeigen nichts, was sie für ihre knallharte Aufgabe prädestiniert. Da war die Trainingssequenz aus „Die Wildgänse kommen“ (GB, 1978) realistischer – und glaubhafter.

Trotzdem findet man aber schnell Gefallen an der „kühlen“ Stimmung. Kein aufgeregtes Herumschreien, keine planlose, nur reagierende, statt agierende Hyperaktivität á la Hollywood, keine markigen und zitatwürdigen Sprüche, wie sie Bruce Willis, Jan Claude van Damme oder irgendein James-Bond-Darsteller ins Drehbuch geschrieben bekommt.
Kühl – aber nicht cool – entwickelt sich erst leise, dann immer angespannter eine bedrohliche Situation. Die Handlungsträger sammeln Puzzlestücke ein, und blicken nicht gleich von Anfang an voll durch, wie dies angloamerikanische Agenten stets vermitteln.
Mit einiger Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Agenten-Alltag eher dieser dänischen Variante nahe kommt. Langeweile, harmlos erscheinende Personen und Bilder, die sich bei näherer Betrachtung als der sprichwörtliche Todesbote entpuppen können.

Alles in allem eine überraschend angenehme Serie, die aber gegen den oben erwähnten Standardgeschmack sich nur schwer wird behaupten können. Ich würde die DVD gerade deswegen der Fernsehausstrahlung vorziehen, da keinerlei Werbeunterbrechung die aufgebaute Stimmung zerstören kann. Auch die Länge von ca. 110 min. pro Folge lässt dafür genügend Zeit. Was die Dänen aber noch lernen müssen, ist es, der Handlung eine Wendung, etwas Unerwartetes, nicht Vorhersehbares zu geben. Denn dann müssten sich die Amis eine Scheibe abschneiden, und ihr Panikgeplärr endlich auf den Müll werfen. Denn Lautstärke hat nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun. Denn das haben die Dänen auf jeden Fall verstanden.

Die DVD-Edition der Staffel 1 umfasst 5 DVD´s mit 5 Episoden der Serie. Ein kleines Booklet stellt die drei Hauptfiguren in ihren Rollen vor.

Copyright © 2009 Werner Karl

“Protectors – Auf Leben und Tod” bei Amazon.de

Preisrätsel/Gewinnspiel 6 x 1 DVD-Box Staffel 1 (je 5 DVDs): “Protectors – Auf Leben und Tod” bei Amazon.de
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: In welchem Land wurde
Jasmina el Murad geboren? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel”  und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  30 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Die Gewinner lauten: Thomas Köllner, Bernd Kepura, Andrea Schmitt, Tom Bietz, Susanne Koy und Anja Schmieder. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

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Der Fluch der 2 Schwestern

Erstellt von Michael Drewniok am 12. November 2009

fluch-2-schwesternDer Fluch der 2 Schwestern

Originaltitel: The Uninvited (USA 2009)
Regie: Charles Guard u. Thomas Guard
Drehbuch: Craig Rosenberg, Doug Miro u. Carlo Bernard
Kamera: Daniel Landin
Schnitt: Jim Page u. Christian Wagner
Musik: Christopher Young
Darsteller: Emily Browning (Anna Rydell), Arielle Kebbel (Alex Rydell), David Strathairn (Steven Rydell), Elizabeth Banks (Rachel Summers), Maya Massar (Mom), Kevin McNulty (Sheriff Emery), Jesse Moss (Matt), Dean Paul Gibson (Dr. Silberling), Don S. Davis (Mr. Henson), Lex Burnham (Iris Wright), Matthew Bristol (David Wright), Danny Bristol (Samuel Wright), Heather Doerksen (Mildred Kemp) u. a.
Label/Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 29.09.2009 (Leih-DVD) bzw. 23.10.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4010884534528 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Nachdem ihre kranke Mutter vor zehn Monaten in einem Feuer umkam, brach Anna Rydell psychisch zusammen und musste in eine Nervenheilanstalt eingeliefert werden. Jetzt wird sie als geheilt entlassen und kehrt nach Haus zurück. In dem idyllisch aber einsam gelegenen Heim hat sich allerdings inzwischen Rachel, die Pflegerin der Mutter, als neue Hausherrin etabliert. Zwar versucht sie sich Anna zur Freundin zu machen, die darauf jedoch ablehnend reagiert. Bestärkt wird Anna dabei von ihrer älteren Schwester Alex, die schon länger mit der Frau im Clinch liegt, die nun auch noch ihre Stiefmutter werden soll, wie Vater Steven stolz verkündet.

Rachel scheint indes mehr zu sein als eine geldgierige Glücksritterfrau. Des Nachts spuken entstellte Gespenster durch das Haus. Unter ihnen ist auch Annas und Alex‘ Mutter. Alle warnen vor Rachel, die sie für ihren Tod verantwortlich machen. Nachforschungen ergeben, dass die neue Stiefmutter einen falschen Namen trägt. Die Mädchen beunruhigt außerdem eine beachtliche Todesrate in den Familien, die Rachel vor den Rydells als ‚Krankenpflegerin‘ betreute. Annas Ex-Freund Matt weiß mehr. Bevor er sich den Schwestern anvertrauen kann, fällt er einem bizarren ‚Unfall‘ zum Opfer und gesellt sich zur Schar der Geister, die Anna immer offensiver bedrängen.

Inzwischen hat Rachel Lunte gerochen. Ihren Steven hat sie so fest im Griff, dass er die Infos seiner Töchter als haltlose Beschuldigungen abtut. Perfide wirkt Rachel auf den Vater ein, Anna erneut ins Sanatorium abzuschieben. Als sich Steven auf eine Geschäftsreise begibt, bleiben die drei Frauen allein im Haus zurück. In der Nacht bricht ein Kampf auf Leben und Tod aus, in dem die böse Stiefmutter die Oberhand zu behalten scheint. Allerdings hat Rachel die Schwestern in einem bestimmten Punkt gänzlich falsch eingeschätzt …

Aschenputtel schlägt zurück

Die böse Stiefmutter ist eine Figur, die auf dem Umweg über das Märchen buchstäblich sprichwörtlich geworden ist; offenbar geht dieses Bild auf ältere Überlieferungen zurück, in denen statt der Stiefmutter eine erst recht böse, weil zusätzlich mit magischen Kräften begabte Hexe ihr Unwesen trieb. Beides passt hervorragend zur finsteren Geschichte vom „Fluch der 2 Schwestern“. (Das gilt zumindest, wenn man die Tatsache außer Acht lässt, dass es zwar zwei Schwestern aber keinen Fluch gibt, weshalb der US-Titel wesentlich zutreffender „Der ungebetene Gast“ lautet.)

Es ist eine heikle Sache und eine Herausforderung, diesen Film zu rezensieren. Sein grundsätzlicher Unterhaltungswert hängt an einem einzigen Twist, den der Zuschauer im Verlauf des Geschehens zu ahnen beginnt, um günstigstenfalls erst im Finale Aufklärung zu erfahren. Der Kniff ist weder neu noch originell, aber er wird solide und schlüssig eingefädelt und umgesetzt, sodass es unfair wäre, ihn an dieser Stelle zu verraten.

Generell ist es riskant, einen Film von einem Twist abhängig zu machen. Wenn der Zuschauer den Braten zu früh riecht oder er ihm gar nicht schmeckt, hat der Film ein ernstes Problem. Ohnehin wird nur der cineastisch harte Kern des Publikums sich einen so konstruierten Film noch einmal anschauen, um im Wissen um die Lösung nachträglich zu verfolgen, wie falsche Spuren gelegt und Eindeutigkeiten vorgegaukelt werden.

Albtraum in wunderschöner Landschaft

„Der Fluch der 2 Schwestern“ ist ein im positiven Sinn altmodischer Film. Er folgt einer soliden Geschichte, die stringent erzählt wird. Die Figuren ordnen sich ihr unter, die Bilder stellen sich in ihren Dienst, sie hat es nicht nötig, durch spektakuläre Spezialeffekte ‚aufgewertet‘ zu werden. Folgerichtig bleiben auch die Tricks nach heutigen Maßstäben moderat. Sie fügen sich so überzeugend in das Geschehen ein, dass dem Zuschauer trotzdem die Haare zu Berge stehen.

Die ausgedehnte und schwierige Suche nach dem ‚richtigen‘ Haus endete für das Filmteam auf Bowen Island in der kanadischen Provinz British Columbia. Das Rydell-Anwesen ist ein gleichermaßen behagliches wie isoliertes Heim, denn es liegt abgeschieden in einer Waldlandschaft, die bereits im Sommer nur auf Umwegen oder auf dem Wasserweg erreichbar ist. Trotz seiner Weitläufigkeit wird es zur Brutstätte unterdrückter und unkontrollierbarer Gefühle, die sich nur nach innen entladen können.

Wie so viele phantastische US-Filme der letzten Jahre basiert „Der Fluch der 2 Schwestern“ auf einer asiatischen Vorlage. „Janghwa, Hongryeon“ entstand 2003 in Südkorea und gilt als moderner Klassiker des Genres. Hier spukte es tatsächlich, und diverse Rätsel blieben ungelöst. Das Remake ist konventioneller. Regisseure und Drehbuchautoren schätzten das Original als zu komplex für ihr Publikum ein, das wohl primär aus US-amerikanischen Zuschauern bestehen dürfte. Das Drehbuch von Kim ji-woon wurde ‚gestrafft‘, d. h. um irritierende Ecken & Kanten erleichtert und in eine Story mit ‚glattem‘ Ende und ohne offene Frage überführt: Über diesen „Fluch der 2 Schwestern“ muss nach Filmende niemand grübeln, sich über möglicherweise nicht Verstandenes (oder Verstehbares) ärgern und Warnungen in Umlauf bringen, die potenzielle Zuschauer (= zahlende Kunden) abschrecken könnten.

Echte Schauspieler in richtigen Rollen

Schon oft wurde an dieser Stelle über die viel zu weit verbreitete Praxis geklagt, Horrorfilme mit ‚Mimen‘ zu besetzen, die primär körperlich zwecks Präsentation sekundärer Geschlechtsmerkmale sowie zum Abmurksen präsent sein müssen. Die Regie-Brüder Guard knüpfen an diese traurige Tradition erfreulicherweise nicht an. Sie heuerten echte Schauspieler an, die vorzügliche Arbeit leisten, was aufgrund der empfindlichen Ambivalenz der Handlung doppelt wichtig ist.

Der positive Eindruck setzt bereits damit ein, dass Emily Browning (Anna), Arielle Kebbel (Alex) realiter so jung sind, dass sie in ihren Rollen überzeugen: Sie balancieren unsicher auf der Kippe zwischen Mädchen und Frau. Die daraus resultierende emotionale, vor allem sexuelle Energie beeinflusst das Geschehen meist unterschwellig aber permanent und entscheidend. Was im Norm-Horror des B-Kinos dazu führt, dass silikonverstärkte Welk-Teenies zu geilen Schlampen mutieren, lässt hier zwei Mädchen/Frauen, die sich ihrer eigenen Motivationen nicht bewusst sind, zu gefährlichen Kurzschlussreaktionen neigen.

Die böse Schwiegermutter wird hübsch und hinterhältig von Elizabeth Banks gespielt. Im Interview betonen die Guard-Brüder, dass sie gezielt nach einer ‚amerikanischen‘ Schönheit mit klaren Gesichtszügen, blondem Haar und strahlend weißem Gebiss gesucht haben, um die Divergenz zwischen „Gut“ und „Böse“ bereits optisch zu verwischen. Banks ist eine schlaue Hexe, die ihren Beinahe-Gatten – überzeugend ahnungslos: David Strathairn – fest am Haken und ihre Stieftöchter im Visier hat. Gleichzeitig gelingt ihr jene Gratwanderung, die für das Gelingen des finalen Twists von Bedeutung ist, der anderthalb nicht originelle aber spannende Filmstunden zufriedenstellend abrundet.

DVD-Features

Was formal zunächst wie ein typisches „Making of“ wirkt, entspricht inhaltlich erstaunlich korrekt seinem Titel: „Entschlüsselt: Der Fluch der 2 Schwestern“ ist ein Beitrag, der tunlichst erst nach dem Hauptfilm angeschaut werden sollte, da er nicht nur die fundamentale Final-Auflösung offenbart, sondern auch Gravierendes und Verräterisches (und manchmal sogar Aufschlussreiches) zur Story beisteuert. Wer dieses Feature kennt, kann sich den Film im Grunde sparen.

Zwischen dem üblichen Lob – wieder einmal hatten alle Beteiligten das Glück, nur mit den Besten ihrer Branchen arbeiten zu dürfen – und der unverhohlenen Werbung findet der Filmfreund interessante Info-Häppchen. Dazu gehört der Vergleich zwischen der südkoreanischen Filmvorlage und dem US-Remake.

Den ‚Bearbeitungsprozess‘ belegen vier aus dem Film entfernte Szenen, die zum Verständnis der Handlung in der Tat nicht beitragen und höchstens auf das Tempo drücken. Außerdem gibt es ein alternatives Ende, das gedreht, aber wohl ebenfalls als ‚zu kompliziert‘ aussortiert wurde; stattdessen wird das letzte noch ausstehende Rätsel gelöst.

Eine Website zum Film findet man hier.

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
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Experiment Killing Room

Erstellt von Michael Drewniok am 5. November 2009

killing-roomExperiment Killing Room

Originaltitel: The Killing Room (USA 2009)
Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Gus Krieger u. Ann Peacock
Kamera: Lukas Ettlin
Schnitt: Sean Carter
Musik: Brian Tyler
Darsteller: Nick Cannon (Paul Brodie), Timothy Hutton (Crawford Haines), Shea Whigham (Tony Mazzolla), Clea Duvall (Kerry Isalano), Peter Stormare (Dr. Phillips), Chloë Sevigny (Emily Riley), Anoop Kaur Sikand (Krankenschwester), Bill Stinchcomb (Cope), Meade Patton (Forsythe) u. a.
Label/Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 10.09.2009 (Leih-DVD) bzw. 29.10.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4048317353569 (Leih-DVD) bzw. 4048317753567 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min.
FSK: 16

Das geschieht:

Vier Außenseiter der modernen Gesellschaft wollen sich ein wenig Geld als menschliche Versuchskaninchen verdienen. Der seriös wirkende Dr. Phillips empfängt die Probanden im Aufenthaltsraum seines Instituts und kündigt seltsame Erfahrungen im Dienst der Wissenschaft an. Dann zieht er eine Pistole, jagt der jungen Kerry eine Kugel in die Stirn und verlässt den Raum. Hinter ihm und vor den schockierten Überlebenden schließt sich eine Panzertür. Eine Lautsprecherstimme ertönt und kündigt zwei Fragerunden an; wer eine falsche Antwort gebe, werde „terminiert“. Während Nick und Tony nicht glauben können, wie ihnen geschieht, stellt sich Crawford, ein Überlebenskünstler, auf die Situation ein. Er will Widerstand leisten und plant den Ausbruch, während seine Mitgefangenen auf gehorsame Gefolgschaft setzen.

Phillips beobachtet seine Opfer durch einen Einwegspiegel. Er nutzt die Gelegenheit, Emily Riley, eine neue Kollegin, einzuarbeiten und zu prüfen. Das Projekt „MK-Ultra“ soll psychisch manipulierbare und damit geheimdienstlich ‚fernzusteuernde‘ Männer und Frauen hervorbringen. Es wird seit vielen Jahren streng geheim fortgesetzt, nachdem es wegen seiner menschenverachtenden Brutalität mit dem Ende des Kalten Krieges offiziell beendet wurde. Die unfreiwilligen Kandidaten bilden Menschen ohne sozialen Rückhalt, deren Verschwinden keine große Aufmerksamkeit erregt.

Phillips lässt durchblicken, dass ihm Riley nicht hart genug für die Stelle seiner Assistentin erscheint. Die junge Frau lässt der Überlebenskampf im „Killing Room“ in der Tat nicht kalt. Während Nick, Tony und Crawford von Phillips terrorisiert werden und verzweifelt einen Fluchtweg suchen, kämpft Riley mit ihrem Gewissen, ihrem Ehrgeiz und mit der Angst. Schließt der „Killing Room“ den Beobachtungsraum ein? Riley erkennt, dass auch sie die tunlichst richtige Entscheidung treffen muss …

Die Spirale von Gewalt und Gegengewalt

„Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, lautet ein altes Sprichwort. Es bezieht sich eigentlich auf verbale Entgleisungen, die auf ihren Urheber zurückfallen. Ebenso möglich ist allerdings, dass auch körperliche Gewalt Gegengewalt erzeugt. Da sich solche Aktionen gegenseitig hochschaukeln können, steigt das Ausmaß der erzeugten Schäden. Am Ende stehen Aktionen wie das Projekt „MK-Ultra“. Die Gewalt wird wissenschaftlich untersucht, um sie bei Bedarf künstlich ‚einschalten‘ zu können.

Weil dafür der Selbsterhaltungstrieb des Menschen sowie die Friedfertigkeit der meisten ‚Kandidaten‘ eliminiert werden müssen, wird die damit einhergehende Prozedur selbst zum Gewaltakt. Weil sie in der verdrehten Logik derer, die sie befürworten, für eine „gute Sache“ (hier: „für dein Land“) geschieht, wird sie einerseits gefördert und andererseits in dem klaren Wissen, dass die Mehrheit in diesem Punkt völlig anders denkt, streng geheim gehalten.

Hollywoodtypisch wird das Prinzip, das die Realisierung von Projekten wie „MK-Ultra“ möglich macht, vereinfacht. Trotzdem bleiben Regie und Drehbuch so hart an der Realität, dass „Experiment Killing Room“ ein zwar spannendes aber kein leicht goutierbares Filmerlebnis darstellt. Angeblich hat es „MK-Ultra“ als Projekt der CIA tatsächlich gegeben, bis seine von den Ausartungen selbst erschrockenen Initiatoren es stoppen und alle Aufzeichnungen vernichten ließen.

Das Totschlag-Argument der nationalen Sicherheit

„Experiment Killing Room“ geht nicht nur von der Prämisse einer Wiederbelebung aus, sondern konstatiert, dass „MK-Ultra“ nie eingestellt wurde. Spätestens die Ereignisse des 11. Septembers 2001 und der daraus resultierende „patriot act“ ermöglichten eine Intensivierung dieser ‚Forschungen‘ auf der Suche nach dem programmierbaren Muster-Soldaten. Die Realität ist unerfreulich genug, um solche Spekulationen plausibel erscheinen zu lassen. Der Film „Experiment Killing Room“ geht einen recht kleinen Schritt weiter zur erschreckend überzeugenden Vorstellung eines außer Rand und Band geratenen Geheimdienstes, der die Bürger, die er eigentlich schützen soll, in der US-Version eines ‚heiligen Krieges‘ verheizt.

Die Drehbuchautoren Krieger und Peacock ließen die bekannten Fakten über „MK-Ultra“ in ihre Geschichte einfließen. So ist der „Killing Room“ die exakte Nachbildung jenes Raumes, in dem einst ‚geforscht‘ wurde. Er ist Stahl und Panzerglas gewordene Einschüchterung und wichtiges Element im Bemühen, den ‚Kandidaten‘ psychisch zu brechen, um seinen Geist anschließend nach den Wünschen des Geheimdienstes neu zusammenzusetzen.

Schaudern lässt „Experiment Killing Room“ auch, weil er immer wieder vor Augen führt, wie vier Menschen systematisch ihrer Persönlichkeiten beraubt werden. Sie werden zu Nummern, chiffriert werden auch die Gräuel, die man ihnen antut, und im Schutz ihrer weißen Kittel und Schutzanzüge verlieren schließlich Forscher und Wächter ebenfalls ihre Identitäten. Rücksicht und Mitgefühl lösen sich in einem strengen Protokoll auf, das die Misshandlung der Opfer zusammen mit der Verantwortlichkeit in kleine Schritte zerlegt.

Kammerspiel des Schreckens

„Experiment Killing Room“ ist eine low-budget-Produktion und gleichzeitig ein Film, der aus der daraus resultierenden Not eine Tugend macht. Die Geschichte benötigt keine Stars oder üppigen Effekte, sondern ein gutes Drehbuch und Schauspieler, die ihren Job verstehen. In beiden Punkten kann Liebesman zufrieden sein.

Die Story ist grausam simpel und läuft grundsätzlich in Bahnen ab, die nicht nur der erfahrene Zuschauer erwartet. Für Überraschungen sorgen ungewöhnliche Wendungen, die dem Geschehen plötzlich eine nicht erwartete Wendung geben. Dazu gehört der außerhalb des „Killing Rooms“ spielende Subplot um Dr. Phillips und Emily Riley. Er signalisiert, dass im pervers perfektionierten System von „MK-Ultra“ nicht einmal die Mitarbeiter des Projekts sich ihres Lebens sicher sein können.

Das Grauen ist nur selten plakativ. Der Schauder entsteht durch die schonungslose Darstellung von Manipulation. Menschen werden ‚gebrochen‘. Dazu bedarf es keines maskierten Kannibalen-Unholds à la Jason Vorhees. Ohne Maske und ohne Deckung verkörpert Dr. Phillips das banale Böse sehr viel effektvoller. Peter Stormare gibt ihm das Gesicht eines scheinbar am Beamtenschreibtisch gealterten Biedermanns. Mit steter Drohung in der leisen Stimme übt er sein Schreckensregiment nicht nur über seine Versuchskaninchen aus. Obwohl er sich mehrfach als neutraler Beobachter ausgibt, sieht man Phillips an, dass er seine Macht über Leben und Tod genießt. In seiner Person hat sich „MK-Ultra“ längst verselbstständigt. Das Projekt ist Phillips‘ privater Folterkeller.

Vor und hinter dem Panzerglas

Als des Teufels Lehrling bietet auch Chloë Sevigny eine starke Vorstellung. Sie ist ebenso fasziniert wie entsetzt, und bis zuletzt muss der Zuschauer zweifeln, für welche Seite sie sich entscheiden wird. Phillips lockt und droht, fordert Riley heraus, appelliert an ihre wissenschaftliche Neugier und ihren Patriotismus, kurz: Er manipuliert sie ebenso wie seine Opfer im „Killing Room“.

Hier bleibt vor allem Timothy Hutton als Darsteller in Erinnerung. Filmüblich verkörpern die Rollen bestimmte Typen. Hier sind es erwartungsgemäß der Ängstliche, der Zauderer und der Entschlossene. Gehorchen, abwarten oder angreifen? Diese Optionen werden in den drei Hauptteilen des Films durchgespielt. Immer bleibt die Kamera in der Nähe der Darsteller. In diesen Sequenzen wird „Experiment Killing Room“ zum intensiven Kammerspiel. Die ebenfalls filmtypische Mutation vom Jedermann zum unbesiegbaren Schurkenkiller und spektakuläre Action-Szenen bleiben aus. Liebesman verweigert seinen Zuschauern einfache Lösungen. Er bleibt konsequent bis zum bitteren (und abermals überraschenden) Ende.

DVD-Features

Ausgerechnet dieser Film, dem Hintergrundinfos zum ‚realen‘ Projekt „MK-Ultra“ gut zu Gesicht stehen würde, bleibt gänzlich ohne Features. Nicht einmal als Interviews verpackte Plump-Werbung wurde dem Hauptfilm zugegeben, womit das Fehlen besagter Infos beinahe ausgeglichen wird …

[md]

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)

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My Bloody Valentine – 3D

Erstellt von Michael Drewniok am 22. Oktober 2009

bloody-valentineMy Bloody Valentine

Originaltitel: My Bloody Valentine (USA 2009)
Regie: Patrick Lussier
Drehbuch: Todd Farmer u. Zane Smith
Kamera: Brian Pearson
Schnitt: Cynthia Ludwig u.  Patrick Lussier
Musik: Michael Wandmacher
Darsteller: Jensen Ackles (Tom Hanniger), Jaime King (Sarah Palmer), Kerr Smith (Axel Palmer), Betsy Rue (Irene), Edi Gathegi (Deputy Martin), Tom Atkins (Jim Burke), Kevin Tighe (Ben Foley), Megan Boone (Megan), Karen Baum (Deputy Ferris), Joy de la Paz (Rosa), Marc Macaulay (Riggs), Todd Farmer (Frank, der geile Trucker), Jeff Hochendoner (Red), Bingo O’Malley (Officer Hinch), Richard John Walters (Harry Warden) uva.
Label/Vertrieb: Kinowelt Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 06.10.2009 (Leih-DVD) bzw. 06.11.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4006680051499 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Englisch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 97 min.
FSK: 18 (uncut)

Das geschieht:

Seit vielen Jahren betreibt die Familie Hanniger in dem Städtchen Harmony im US-Staat Pennsylvania eine kleine Kohlenzeche. Vor elf Jahren hat Sohn und Kronprinz Tom unter Tage Mist gebaut. Bei der daraus resultierenden Gasexplosion wurden sechs Bergmänner verschüttet. Als man sie nach einer Woche endlich retten konnte, lebte nur noch Harry Warden – dem Irrsinn verfallen, nachdem er seine Kameraden mit der Spitzhacke umgebracht hatte. Harry fiel ins Koma, aus dem er erst ein Jahr später am Valentinstag erwachte. 22 Morde später konnte Sheriff Burke ihn stellen, doch der angeschossene Harry tauchte in den Tiefen der alten Mine unter. Tom wäre dieses Mal beinahe ebenfalls seiner Rache zum Opfer gefallen. Seelisch gebrochen verließ er die Stadt und Freundin Sarah, die Liebe seines Lebens, die untröstlich zurückblieb.

Zehn Jahre später ist Sarah die Frau des neuen Sheriffs Axel Palmer, der immer noch eifersüchtig auf den untergetauchten Tom ist. Als der wieder auftaucht, um die Mine zu verkaufen, nutzt Axel deshalb seine Position aus, um dem vermeintlichen Nebenbuhler das Leben sauer zu machen, zumal Tom und Sarah einander treffen und die alte Liebe neu aufzuflammen scheint. Die private Fehde wird zur Polizeiaktion, als erneut Bürger mit der Spitzhacke ausgeweidet werden. Niemand will Tom glauben, dass Harry aus der Unterwelt zurück ist, um abermals zu morden. Für Axel ist er der ideale Hauptverdächtige, während Sarah zwischen Angst und Liebe schwankt.

Am aktuellen Valentinstag kommt es zur finalen Konfrontation. Wohin sich die Kameralinse auch richtet, überall springt Harry aus den Schatten und schnauft grausig in seine Gasmaske, während er die Spitzhacke schwingt. Doch verbirgt sich unter der Maske tatsächlich der wahnsinnige Bergmann? Ex-Sheriff Burke und seine honorigen Freunde könnten dazu etwas sagen, aber sie behalten ihr Wissen nicht ohne Grund für sich, bis es zu spät ist und Sarah in den Tiefen der Hanniger-Mine auf einer Blutspur aufgeschlitzter Leichen der Wahrheit entgegen schliddert …

Munkel-Meuchler mit Maske

Ein erfolgreicher Kino-Killer benötigt ein einprägsames Outfit. Seltsame Kleider sind gut, eine Maske noch besser: Was hinter den erstarrten Zügen des künstlichen Gesichts vor sich geht, bleibt nicht nur dem Opfer, sondern auch dem Zuschauer verborgen, dem zudem die Zeit bleibt, über die (hoffentlich) kunstvoll verwirbelte Identität des Finsterlings nachzusinnen.

So haben sich Jason Vorhees, Michael Myers oder Freddy Krueger erfolgreich durch viele Fortsetzungen gemetzelt und wurden sogar runderneuert bzw. neu aufgelegt. Harry Warden ist ihnen gegenüber im Nachteil; er hatte nur einen einzigen Auftritt. 1981 rottete er recht effektfroh möglichst viele Teenies aus. Schon damals trug er seinen Gummianzug mit Gasmaske und Sauerstofftank und wirkte wie ein an den Meeresstrand geworfener Taucher, was er mit blutigem Körpereinsatz wettzumachen versuchte.

Wie so oft bleibt mysteriös, was “My Bloody Valentine” (dt. “Blutiger Valentinstag”) seinen Klassikerstatus verlieh; schaut man sich das Original heute an, dringt einem die Langeweile tiefer ins Hirn als Harrys Hacke. Höchstens das reizvolle Unterwelt-Ambiente einer verlotterten Mine und die mit Liebe zum Detail in Szene gesetzten Morde besitzen (neben der schönen “Ballad of Harry Warden”) einen gewissen Unterhaltungswert.

Er ist wieder da – und ganz der Alte!

Das reicht im Jahre 2009 anscheinend zur Wiederauferstehung aus. Schon seit einigen Jahren wird die jüngere Horrorfilm-Geschichte gesichtet und geplündert, werden die alten Geschichten mit jungen Darstellern neu aufgelegt. In den seltensten Fällen kann die eindringliche Wirkung des Originals wiederholt werden; mancher Erfolg ist zu fest seiner Entstehungszeit verhaftet. Dazu kommt die Denkfaulheit von Drehbuchautoren, die einfach ausmotten, was mindestens gründlich überholt gehört.

In die lange Reihe lauer, allein dem Profitstreben verpflichteten Aufgüsse gehört auch “My Bloody Valentine”. Faktisch ist es sogar schlimmer, denn dieser Film feiert sich vor allem für die Tatsache, dass 2009 wieder so heftig geschlachtet werden darf wie 1981. Die Story blieb leider so eindimensional und blödsinnig wie einst.

Dagegen wurde im handwerklichen Bereich nicht geknausert. “My Bloody Valentine” ist ein kostengünstig (für 15 Mio. Dollar) produzierter aber nicht billiger Film. Immer wieder spielt sich die Handlung im Freien ab, und die Kulisse der alten Mine kann sich sehen lassen. (Gedreht wurde zwei Wochen in der Tour-Ed-Mine in Tarentum bei Pittsburgh, die in den 1960er Jahren aufgegeben wurde und seitdem als Museum dient) Licht und Kameraführung liegen in den Händen kompetenter Fachleute. Erfreulich hoch ist auch die Bildqualität der DVD.

Köpfe kullern fast wie früher

Schon angesprochen wurden die Spezialeffekte. Zur traditionellen Schmink- und Prothesentechnik treten heute verstärkt digitale Illusionen. Letztere fallen hier sehr hochwertig aus, lassen sich als solche jedoch weiterhin deutlich erkennen, was den Ekel-Faktor dämmt. Reminiszenzen an die große Zeit des klassischen Slashers in den 1970er und 80er Jahren – gleichzeitig Erinnerung an ein Kino, das neue Wege gehen konnte, bevor das moralische Pendel zurückschlug – sollen für Abhilfe sorgen. Einige Morde von Harry dem Ersten werden im Remake ‘wiederholt’ und aufpoliert; der im Genre kundige Zuschauer wird den an sich unlogischen, weil aus dem üblichen Mordschema fallenden Mord unter Beteiligung einer Waschmaschine wiedererkennen.

Die Rückkehr der unterhaltsamen Unmoral soll zusätzlich eine offensiv inszenierte Sex-Szene belegen – es ist allzu offensichtlich die einzige, die sich bei Bedarf (z. B. für eine spätere TV-Ausstrahlung) leicht schneiden lässt. “Full frontal nudity” – nur das US-Kino konnte vermutlich solche Fachausdrücke kreieren – ist im Horrorfilm des 21. Jahrhunderts in der Tat ungewöhnlich. Hier tummelt sich Darstellerin Betsy Rue mutig mehrere Minuten absolut hüllenfrei. In den prüden USA hat vermutlich diese Szene den Sensationserfolg von “My Bloody Valentine” mitbedingt, aber auch weltweit hat der Film allein in den Kinos 100 Mio. Dollar eingespielt.

Eine weitere Attraktion bildet 3D. Völlig naturgetreu bilde die gründlich überarbeitete Technik die räumliche Tiefe ab, wird werbewirksam behauptet, aber weiterhin zwingt sie dem Zuschauer die bekannte Pappbrille mit rot-grünen Plastikeinsätzen auf die Augen, die trotzdem schnell zu tränen beginnen, weil Bildschärfe und Farbtreue zu wünschen übriglassen. Mit kindischen Effekten – in den Leib gerammte Mordinstrumente ragen scheinbar ins Publikum – sollte übrigens auch während des letzten 3D-Revivals in den 1980er Jahren – ich verweise u. a. auf “Freitag der 13te – IIID” (1982) – Aufregung erzwungen werden. Der Effekt nutzte sich schon damals denkbar rasch ab.

Holzkohle-hüftsteife Hobbyschauspieler

Normalerweise werden die Darsteller in einer Rezension vor den Effekten gewürdigt. Dass dies hier umgekehrt wird, hat gute Gründe; sie entsprechen in ihrer Addition nicht zufällig der Gesamtzahl der auftretenden Schauspieler. Selten ließen sowohl Helden als auch Bösewichte und Spitzhacken-Opfer den Zuschauer so gleichgültig. Wie im Original sorgt die Story zwischen den Mordattacken in erster Linie für Langeweile und Verdruss. Die Rollen sind reine Klischees. Abweichungen sind nicht vorgesehen. Das zwingt die Darsteller immer wieder zu Handlungen und Dialogen, die dem Zuschauer körperliche Schmerzen zufügen. Deshalb drückt man dem guten Harry die Daumen, dass er hoffentlich alle Idioten erwischt.

Im klassischen finalen Showdown steht Sarah, die Schöne, den beiden möglichen Harrys gegenüber. Hier offenbart sich das darstellerische Unvermögen der drei Hauptdarsteller, die Misstrauen bzw. mögliche Schuld so tölpelhaft mimen, dass nicht Spannung, sondern peinliches Lachen die einzig mögliche Reaktion darstellt. Wer hinter der Gasmaske steckt, hat Regisseur Lussier außerdem schon früher in einer Szene von solch brutaler Offensichtlichkeit ‘angedeutet’, dass höchstens der bis dahin vollständig betrunkene Zuschauer es ignorieren könnte. Der Verdruss über den konsequent durchgehaltenen Verzicht auf Originalität verwandelt sich durch die plumpe Ankündigung einer Fortsetzung erst- und einmalig in echtes Entsetzen. Ein “My Bloody Valentine II” erneut mit solchen Nullgesichtern? Da wünscht man sich Harrys erlösenden Hackenhieb ins Hirn förmlich herbei!

DVD-Features

Die Features sind klein aber recht fein. Der Verzicht auf das eigentlich obligatorische “Making-of” gefällt – es dürfte zwar existieren, wird sich aber vermutlich im üblichen “Hurra!”-Geschrei der vor und hinter der Kamera Beteiligten über den “besten Horrorfilm des Jahres” (mindestens!) erschöpfen; das muss sicherlich nicht sein!

Unterhaltsamer und manchmal sogar informativ ist die Auflistung von 14 veränderten oder aus der endgültigen Filmfassung gänzlich geschnittenen Szenen. Sie verraten, wie die zunächst inhaltlich überfrachtete Geschichte ‘abgespeckt’ wurde, was die Action-Sequenzen besser zu Geltung bringt, die (s. o.) allemal besser gerieten als die langweilige “Frau-zwischen-zwei-Kerlen”-Story. Darüber hinaus gibt es ein leicht variiertes Ende, das leider auch nicht die Drohung einer Fortsetzung aufhebt.

Nett aber nichtig: einige von der Kamera aufgezeichnete Dreh-Pannen. Früher wären solche “blooper” auf dem Boden des Schneideraums geblieben oder wären gelöscht worden, aber heute giert der Filmfreund angeblich nach solchen Ballaststoffen. Was er garantiert nicht wünscht, ist dennoch wieder einmal vorhanden – die “Foto-Galerie”, eine wüste und unkommentierte Folge von Filmbildern und Schnappschüssen vom Dreh.

Die Website zum Film findet man hier.

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A Brush with Death

Erstellt von Michael Drewniok am 24. September 2009

brush-with-deathA Brush with Death

Originaltitel: A Brush with Death (USA 2007)
Regie: Brad Wiebe
Drehbuch: Jordan Wiebe
Kamera: John Kelly
Schnitt: Nick Soares u. Brad Wiebe
Musik: Marc Padgett
Darsteller: Seanna McDonald (Amber), Missy Sturges (Megan), Lily Vu (Samantha), Ali Thurlow (Candice), Nikki Cordell (Hillary), Nicholls Melancon (Ranken), Charles Hoyes (Ronnie), Max Taylor (Caleb), Ted Esquivel (Walter), Christopher Allison (Matt), Anna Kalkowski (Zara), Scott Chedester (Michael), Cody Kinney (Ronnie als Kind) u. a.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.07.2009 (Leih-DVD) bzw. 14.08.2009 (Kauf-DVD)
EAN: 4260191250028 (Leih- u. Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1; anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 80 min.
FSK: 18 (keine Jugendfreigabe)

Das geschieht:

Obwohl nicht nur dumm, sondern notorisch mannstoll, beschließen fünf schon leicht angejahrte kalifornische Cheerleaderinnen einen Wochenend-Ausflug ohne Kerle im Wochenendhaus eines Verwandten. Das liegt wie in diesem Filmgenre üblich einsam und abgelegenen sowie irgendwo im Hinterland des San Joaquin Valley. Trotzdem erhebt sich – der ‘Zufall’ will es so – gleich in der Nachbarschaft die Ruine des alten Rue-Anwesens. Seit hier in den 1950er Jahren der verrückte Sohn des Hauses seine Familie niedermetzelte und später auch zwei neugierige Touristenlümmel spurlos verschwanden, gilt es verflucht.

Prompt wollen die Girls eine spannende Gruselnacht in dem alten Haus verbringen. Zuvor langweilen sie den Zuschauer jedoch bis zur Weißglut, indem sie wahlweise im Pool plantschen oder sich um den örtlichen Jungbullen Ranken raufen, den die Neugier und die Hormone in die Runde unserer stets spärlich bekleideten Schönheiten lockten.

Das gilt auch für den geilen örtlichen Tankstellenbesitzer Walter und seinen geistig zurückgebliebenen Mechaniker Caleb, die gern auf dem Grundstück umherschleichen und einen Blick riskieren. Allerdings ahnen sie nicht, dass ein unbekannter Irrer mit Hammer und Riesenspritze naht, um nahtlos an die Traditionen des Rue-Hauses anzuschließen …

Abstieg in den Folterkeller der Filmwirtschaft

“Nach einer wahren Begebenheit” soll “A Brush with Death” entstanden sein; falls damit die nur zu reale Unfähigkeit aller an diesem Machwerk Beteiligten gemeint ist, muss dieser Aussage unbedingt zugestimmt werden. Von einem Slasher erwartet der Zuschauer eigentlich nicht viel außer knackigen Morden und knalligen Boys & Girls; es kann gern auch umgekehrt kommen. Dann braucht es nur noch ein spukiges Ambiente und einen verrückten, möglichst grässlich verunstalteten Killer, der mit unkonventionellen Mordinstrumenten grob aber einfallsreich zu Werke geht.

Tritt man so weit zurück, dass die Details weitgehend verschwimmen (wobei das flaue, kontrastschwache Filmbild hilfreich ist), weist “A Brush of Death” diese Grundelemente auf. Sie in ihrer geringen Zahl in unterhaltsame Bilder umzusetzen, sollte auch einem weniger begabten Filmemacher möglich sein. In diesem Zusammenhang darf man freilich nicht vergessen, dass es noch die Kaste der hoffnungslos Unfähigen gibt – und der sind sowohl Brad als auch Jordan Wiebe (der Grad ihrer Verwandtschaft ließ sich nicht ermitteln) definitiv angehörig.

Wieso sind es viel zu oft die Wiebes dieser Welt, die über die Energie verfügen, ihre kruden Filmträume Wirklichkeit werden zu lassen? Noch wichtiger: Warum genügt es ihnen nicht, in einer Scheune jenes Nestes, dem sie offenbar entsprangen, ein Bettlaken als Leinwand aufzuspannen, um ihre Nachbarn und andere Rednecks mit dem Ergebnis eines kameraaktiv verbrachten Wochenendes zu erfreuen? Und schließlich: Wieso sind es immer wieder die Freunde des Gruselfilms, die mit solchem Unfug heimgesucht werden?

Perfektion des Unzumutbaren

Rein gar nichts funktioniert in “A Brush with Death”. Die simple Story reicht nur von A nach B und wird trotzdem unerhört lahm entwickelt. 80 Minuten (aber ebensoviele gefühlte Stunden) dauert dieser Film, weshalb eine zügig durchgezogene Handlung sowohl möglich als auch Pflicht sein sollte. Stattdessen geht eine volle Stunde mit Leerlauf dahin. Eine falsche Mordspur wird so ungeschickt gelegt, dass sich die wenigen nicht eingenickten Zuschauer mit Grausen winden. Dann folgen endlose Szenen mit fünf Darstellerinnen, die offenbar unter einer akuten Textilallergie leiden und nur Bikinis oder Unterwäsche auf ihrer Haut ertragen. Andererseits haben die Wiebes sie genau deshalb engagiert, und wenn sie sich am Pool aalen, versuchen sie wenigstens nicht zu schauspielern. (Dazu weiter unten deutlich mehr.)

Wer munkelt nun durch das finstere Rue-Haus? Diverse Verdächtige werden uns plump vorgeführt, der tatsächliche Finsterling wird jedoch schließlich aus dem Hut gezogen. Sein ‘Motiv’ für exzessives Meucheln ist ein Kindheitstrauma, das natürlich ebenfalls aufgerollt wird – in schwarzweißen Bildern, damit das Publikum merkt, dass exakt dieselben Kulissen nunmehr die 1950er Jahre repräsentieren sollen.

Auch ein mieser Slasher kann mit perfiden Morden punkten. Überrascht es, dass “A Brush with Death” auch in dieser Beziehung völlig versagt? Für anständige Spezialeffekte war eindeutig kein Geld da. Wenn Hammerschläge Opferschädel nur im Off spalten, versöhnt das nicht mit einem auch sonst jämmerlichen Film, der dreist als “uncut edition” vermarktet wird. Wieso die deutsche FSK den blutarmen Streifen erst ab 18 Jahren freigab, kann jedenfalls nur als Versuch erklärt werden, zumindest die noch formbare Jugend vor diesem Werk der Verdummung zu schützen.

Diese Kritik schließt übrigens die deutsche Fassung ausdrücklich ein. ‘Synchronisiert’ wurde “A Brush with Death” ohrenscheinlich von Sprechern, die in Studionähe auf den letzten Nachtbus warteten und als Gruppe vom Fleck weg engagiert wurden. Ständige Verzerrungen des ohnehin kümmerlichen Bildes (s. o.) lassen außerdem den Verdacht aufkommen, dass hier ein schnödes Letterbox-Originalbild im Format 1 : 1,33 künstlich gestaucht und in die Breite gezogen wurde.

Zombies müssen nicht tot sein!

Angesichts der bisher beklagten Mängel kann die Leistung der angeheuerten Darsteller nur das Prädikat “kongenial” tragen. Für billige (d. h. kostengünstige UND miese) Horrorfilme werden selten richtige Schauspieler oder höchstens Mimen in akuter Finanznot eingesetzt. Die Wiebes mieden Schauspieleragenturen gänzlich. Sie casteten … ja, wo und wen? Die Antwort auf diese Fragen bleibt dunkel. Hingen Regisseur und Drehbuchautor Zettel in einer Provinz-Universität aus? Oder in einem “McDonald’s”? Wurde jugendlichen Delinquenten Strafnachlass angeboten, wenn sie in diesem Film mitspielten?

Die Wucht der kollektiven Untauglichkeit ist ebenso eindrucksvoll wie bestürzend. JEDER Darsteller ist unabhängig von Alter und Geschlecht ein Totalausfall. Sollten unsere Chearleader-Grazien von Ruhm & Reichtum träumen, wird ihr Erwachen böse ausfallen. Selten sah man gleich fünf Objekte männlicher Begierde so hölzern durch eine Filmhandlung stolpern. Ihr Tod könnte gar nicht grausam genug sein, um das halbwegs auszugleichen. Weit in den Schatten stellt sie freilich Ted Esquivel als schmerbäuchiger Tankwart Walter, der akute Geilheit in Anwesenheit von Frauen dadurch ausdrückt, dass er sich – vom Kameramann durch Großaufnahmen unterstützt – pausenlos mit weit ausgefahrener Zunge die Lippen leckt.

Damit soll es genug sein. Mit “A Brush with Dead” ist den Wiebes nicht der erträumte Durchbruch in Hollywood gelungen. Weltweit haben sogar anspruchsarme Horror-Allesfresser dieses Machwerk mit Hohn & Spott übergossen. Dem sollten auch wir uns anschließen – und unbedingt im Hinterkopf behalten, dass die Wiebes 2010 als Produzenten eines Streifens wiederkehren, der den schönen Titel “Tagus Ranch Massacre” trägt und in dem gleich vier Darstellerinnen aus dem “Brush”-Desaster ihren Amoklauf gegen die Schauspielerkunst fortsetzen!

DVD-Features

Extras wurden dieser DVD nicht aufgebrannt. Man muss sich nur einen Trailer anschauen, der trotz aller Bemühungen die Minus-Qualität des Hauptfilms nicht vertuschen kann.

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Inglourious Basterds

Erstellt von Redaktion am 10. September 2009

Inglourious BasterdsInglourious Basterds

USA 2009
Regisseur: Quentin Tarantino
Drehbuchautor: Quentin Tarantino

Darsteller: Brad Pitt (Lt. Aldo Raine), Mélanie Laurent (Shosanna Dreyfus), Christoph Waltz (Col. Hans Landa/Cannes Film Festival 2009, Bester Darsteller), Eli Roth (Sgt. Donny Donowitz), Michael Fassbender (Lt. Archie Hicox), Diane Kruger (Bridget von Hammersmark), Daniel Brühl (Pvt Fredrick Zoller), Til Schweiger (Sgt. Hugo Stiglitz), Gedeon Burkhard (Cpl. Wilhelm Wicki), Jacky Ido    (Marcel), B.J. Novak (Pfc. Smithson Utivich), Omar Doom (Pfc. Omar Ulmer), August Diehl (Major Dieter Hellstrom), Denis Menochet (Perrier LaPadite), Sylvester Groth (Joseph Goebbels)

Länge: 153 Min
Land: USA, Deutschland
Sprache: Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch
Altersfreigabe: USA:R (certificate #45325), UK:18, Neuseeland:R16, Irland:16, Schweden:15, Finnland:K-15, Australien:MA, Deutschland:16 (bw), Kanada:13+ (Quebec), Kanada:18A (Alberta/British Columbia/Manitoba), Kanada:14A (Ontario), Niederlande:16, Norwegen:15, Singapur:M18, Portugal:M/16 (Qualidade), Frankreich:-12, Hong Kong:IIB (cut), Hong Kong:IIB, Südkorea:18, Island:16
Drehorte: Babelsberg, Potsdam, Brandenburg, Deutschland; Bad Schandau, Saxony, Deutschland; Berlin, Deutschland; Elbe Sandstone Mountains, Saxony, Deutschland; Görlitz, Saxony, Deutschland; Krampnitz, Brandenburg, Deutschland; Nauen, Brandenburg, Deutschland; Paris, Frankreich; Rüdersdorf, Brandenburg, Deutschland; Sebnitz, Saxony, Deutschland; Studio Babelsberg, Potsdam, Brandenburg, Deutschland; (Studio)
Fördergelder: Deutsche Filmförderfonds (6,8 Millionen Euro), Medienboard Berlin-Brandenburg (600.000 Euro), Mitteldeutsche Medienförderung (300.000 Euro)

Tarantinos Abrechnung mit Nazideutschland – Schrott, Genial oder einfach nur Durchschnitt?

In den 40er Jahren macht sich ein Trupp jüdischer US-Soldaten (Inglourious Basterds genannt) auf den Weg nach Frankreich, um Nazis auszuschalten und den Deutschen so richtig schön in den Hintern zu treten. Sie erfahren von einer Filmpremiere, bei der hochrangige Naziführer anwesend sind. Unter dem Kommando von Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) treffen sich die Basterds mit der Agentin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger) und erfahren brisante Neuigkeiten.

Beinahe zeitgleich plant die untergetauchte Jüdin Shosanna Dreyfus (Mélanie Laurent) ebenfalls einen Anschlag. Immerhin soll genau in ihrem kleinen Kino die Filmpremiere stattfinden. Das verdankt sie dem liebeskranken Kriegshelden Fredrick Zoller (Daniel Brühl), der gleichzeitig auch Hauptdarsteller des gezeigten Films ist.

Allen stets auf der Spur ist Kommandant Hans Landa (Christoph Waltz), der auch als Judenjäger bekannt ist. Er ist ein bösartiger Kerl, ein mieses Schwein, ein wahnsinniger Mörder und allen Beteiligten dicht auf den Fersen …

Historie adieu!

Quentin Tarantino erschafft mit „Inglourious Basterds“ eine alternative Zeitlinie. So braucht er sich um historische Fakten kaum zu scheren, die ansonsten als katastrophale Regiefehler erscheinen würden. Allerdings meinte Brad Pitt in einem Interview, der Tod Hitlers im Film hätte ein für allemal mit der deutschen Geschichte aufgeräumt und die Sache wäre nun endlich abgeschlossen. Diese Aussage schlägt in die gleiche Kerbe wie David Hasselhoffs Aussage, sein Lied („Looking for Freedom“) hätte den Deutschen die Wiedervereinigung gebracht. Nun, in einer alternativen Zeitlinie haben vielleicht beide Aussagen tatsächlich eine gewisse Daseinsberechtigung.

Neben den historischen Missgriffen (Tonfilm bevor der Ton in die französischen die Kinos kam, Juden die in Frankreich Land besitzen, Invasionskarten auf denen noch „Osmanien“ eingetragen ist, Orden die falsch sind oder gar nicht existierten, eine Baseballphrase die erst 1990 entstand und so weiter und so fort) startet der Film auch  mit tatsächlichen Regiefehlern, die einfach offensichtlich sind: Ein Milchglas das unterschiedliche Füllhöhen aufweist, eine Uhr mit falschen Angaben und eine Motte die mal da und dann wieder weg ist. Falls das die bereinigte Fassung ist, dann mag man sich kaum vorstellen, wie die Szenen zuerst aussahen. Aber scheinbar hat Tarantino einfach nur schluderig gearbeitet, wollte Spaß, keinen echten Job.

So flaniert Zoller durchs Kino obwohl die Türen geschlossen sind, wechseln Tätowierungen die Seite, da wird Gedeon Burkhards Geburtsstadt München mal nach Österreich verlegt oder steht auf einer Spielkarte Bridgitt Horney, wo zuvor noch Brigitte Helm stand. Das sind alles grobe und fahrlässige Fehler, da sie nicht am Rand des Geschehens, sondern im Mittelpunkt der Kamera, im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Alles nur Geschichte

Tarantino hat lange gebraucht, um „Inglourious Basterds“ zu Papier zu bringen. Und wie üblich holte er sich die Inspiration aus bekannten und unbekannten Quellen. Diesmal hat er sich bei dem Streifen „The Inglorious Bastards“ bedient, der aus dem Jahre 1978 stammt und von Italowestern-Kultregisseur Enzo G. Castellari abgedreht wurde. Dieser wiederum hatte die Inspiration für seinen Film (im deutschen als „Ein Haufen verwegener Hunde“ erschienen) durch Robert Aldrichs “Das dreckige Dutzend” (1967). Hier wurde also eine gesiebte Grundidee nochmals gesiebt und dabei ordentlich versiebt.

Immerhin waren beide Vorgängerfilme mit einer starken Geschichte versehen, von der Tarantino nur Teile der Grundidee übrigließ: US-Soldaten alleine hinter der Frontlinie schießen auf Nazis. Und diese Idee wurde dann mit schmalzigen und klischeebeladenen Szenen und Einstellungen versehen. Dabei sollte man im Hinterkopf behalten, dass viele der Szenen nur beim entsprechenden Publikum wirken. Und das sind eindeutig US-Bürger und die Alliierten im Allgemeinen. Die dürften auch wissen, woher der ein oder andere markige Spruch stammt, der im Film von sich gegeben wird. Einem Deutschen entzieht sich der Humor Tarantinos doch ein wenig – bei aller Objektivität.

Da die Deutschen auch von Deutschen gespielt werden und im Film oft und lange Deutsch gesprochen wird, kann man den Film auch problemlos im englischsprachigen Original anschauen. Das Verständnis bleibt weitgehend erhalten und auch die Sprüche der Hauptdarsteller kommen unverfälscht herüber. Die deutsche Synchronisation ist dennoch gut gelungen – vor allem, da eher wenig synchronisiert werden musste.

Kamera läuft, Action!

Was Quentin Tarantinos Filme auszeichnet, ist das große Maß an ausgefeilter und blutiger Action. „Inglourious Basterds“ stellt da keine Ausnahme dar und bei etlichen Szenen fragt man sich, woher das FSK 16 kommt. Es muss das Vöglein Kommerz sein, dass dort vom Baum trällert und mit deutschen Filmfördergeldern angefüttert wurde – immerhin mehr als 7,5 Millionen Euro.

Im Film werden Nazis skalpiert, zu Tode geprügelt, bekommen blutig Hakenkreuze in die Stirn geritzt, gibt es verrauchte Schussszenen und wird der Finger in die blutige Wunde gebohrt. Tarantino eben, doch diesmal mit einem faden Beigeschmack. Die Action scheint nur der Action wegen vorhanden zu sein, wirkt recht lieblos und wenig inspiriert. Das gilt auch für die Auswahl der Musik, die Tarantinos Filme ebenfalls auszeichnet. Sie ist mal wieder eingängig und hat ein paar Jahre auf dem Buckel, wirkt aber niemals so präsent wie es in „Kill Bill“ der Fall war. Dort scheinen allerdings etliche Ideen entliehen worden zu sein, die Tarantino in „Inglourious Basterds“ einbringt.

Das gilt vor allem für Kamerafahrten, Stoppszenen, bestimmte Einstellungen und Einblendungen. Die stammen nicht nur aus „Kill Bill“ & Co., sondern auch aus alten Italowestern. Viele der Szenen und Einstellungen werden einem versierten Kenner der Materie bekannt vorkommen. Und nun wird es deutlich, was geschehen ist: Mister Tarantino hat es einfach versäumt sich weiterzuentwickeln. Er stagniert, tritt auf der Stelle. Er bleibt an dem hängen, was ihn zum Kultregisseur machte, kann sich nicht lösen, ist wie gefesselt. Somit werden seine einst frischen Ideensteaks zum abgelaufenen Gammelfleisch.

Hilfe, Hilfe, ein Apache!

Was in „Iglourious Basterds“ besonders herausragt sind die Darsteller, die mit sehr großer Spielfreude agieren und sich offensichtlich richtig ausleben können. Das ist manchmal recht kitschig, aber eindeutig so gewollt. Am prominentesten ist natürlich Brad Pitt, der Lt. Aldo Raine spielt. Im Film führt er den Kampfnamen „Der Apache“. Das Thema wird nochmals bei der Kontaktaufnahme mit  Bridget von Hammersmark aufgenommen, denn diese spielt mit einigen Nazis am Tisch Personenraten. Ein Mitspieler hat „Winnetou“ auf seiner Stirn kleben und auch „Karl May“ kommt vor. Nun soll Raines Kampfname für die Deutschen furchteinflößend sein, allerdings sind Apachen durch die Bücher Mays und der Figur Winnetous für Deutsche positiv belegt. Das führt zum nächsten witzigen Detail im Film, denn als der Name erraten wird steht der Deutsche auf und vollführt eine ausladende Geste mit den Worten: „Ich bin Winnetou!“ („I am Winnetou!“ im Originalton).  Dieser Satz, in Verbindung mit dieser Darstellung, wurde in den 60er Jahren von Pierre Brice in den Karl-May-Verfilmungen uraufgeführt.

Die Arbeit der US-Darsteller ist also gut und voller Spielfreude, doch die deutsche Schauspielriege steckt die zumeist international sehr bekannten Kollegen locker in die Tasche und läuft ihnen problemlos den Rang ab. Man sieht jedem Einzelnen einfach an, mit wie viel Spaß er bei der Sache ist und jedes Quäntchen Zeit aus seiner Rolle quetscht, um sie mit Leben zu füllen. Allen voran der grandios mimende Christoph Waltz in der Rolle des Judenjägers Hans Landa. Er spielt im Film beinahe jede menschliche Emotion, kostet jeden Augenblick aus, besitzt eine Tiefe und Spielvielfalt, die erstaunlich ist. Prompt erhielt er in Cannes 2009 den Preis als bester Darsteller – wohlverdient. So durchschnittlich „Inglourious Basterds“ auch ist, alleine wegen Christoph Waltz ist der Film sehenswert. Für diesen Mann, für diese Rolle, kann es nur stehenden Applaus geben.

Die Antwort auf die Eingangsfrage:

Viele Elemente sind Tarantino einfach misslungen und dabei sollte er es besser können. Dennoch baut der Film leidlich Spannung auf und ist unterhaltsam. Das liegt vor allem an den guten Darstellern und einem genialen Christoph Waltz. Dadurch rückt der Film ins Mittelfeld vor, mit einem guten Passspiel der deutschen Riege und einem Herrn Waltz als Spielmacher, der beteiligte Schauspieler wie Brad Pitt und Eli Roth (mit einer schwachen Leistung) locker in seine Westentasche steckt.Den Film sollte man also sehen, aber die Erwartungen an Tarantino und großes Kino, die bleiben lieber niedrig.

Copyright © 2009 by Günther Lietz

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Das dreckige Dutzend
Ein Haufen verwegener Hunde

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