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Archiv für die 'Thriller' Kategorie

Vinyan

Erstellt von Michael Drewniok am 26. August 2010

Vinyan

Originaltitel: Vinyan (Belgien/Frankreich/GB/Australien 2008)
Regie: Fabrice Du Welz
Drehbuch: Oliver Blackburn, Fabrice Du Welz, David Greig
Kamera: Benoît Debie
Schnitt: Colin Monie
Musik: François-Eudes Chanfrault
Darsteller: Emmanuelle Béart (Jeanne Bellmer), Rufus Sewell (Paul Bellmer), Petch Osathanugrah (Thaksin Gao), Julie Dreyfus (Kim), Amporn Pankratok (Sonchaï), Josse De Pauw (Matthias), Joey Boy (Boomsong), Teerawat Mulwilai (Khun), Saichia Wongwirote (Petch), Borhan du Welz (Joshua) uva.
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2009 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628971694 (Kauf-DVD) bzw. 4020628958015 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 92 min. (Blu-ray: 96 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)
Titel bei Booklooker.de

Das geschieht:

Die Gutmenschen Jeanne und Paul Bellmer engagieren sich in Thailand für die Errichtung von Waisenhäusern. Der große Tsunami von 2005 hat auch sie getroffen; die Flutwelle erfasste den kleinen Sohn Joshua, der seitdem verschollen ist. Während der trauernde Vater sich sechs Monate später allmählich mit der Tatsache abzufinden beginnt, dass Joshua tot ist, kann Jeanne nicht loslassen. In Träumen und Visionen erscheint ihr der Sohn, und Paul denkt laut über einen Besuch beim Psychiater nach, was der ohnehin bröckelnden Beziehung keineswegs guttut.

Als Jeanne eines Tages auf einem Video, das verlassene Kinder in einem Dorf tief im Dschungel von Burma zeigt, Joshua zu erkennen glaubt, bricht ihre mühsam gewahrte Fassade zusammen. Sie will in die Wildnis reisen, um ihren Sohn zu suchen. Doch Burma ist eine Militärdiktatur und eine offizielle Einreise unmöglich. Jeanne und der widerwillig seiner Gattin folgende Paul wenden sich an den berüchtigten Schmuggler und Sklavenhändler Gao, der regelmäßig die Küstendörfer Burmas aufsucht, um Mädchen und junge Frauen zu kaufen. Viel Geld wechselt den Besitzer, bevor sich die Bellmers in Gaos Begleitung auf den Weg machen.

Der misstrauische Paul hält Gao nicht grundlos für einen Betrüger, der seine Auftraggeber nur ausnehmen will. Als sich dies bestätigt, fordert er die Rückkehr, doch Jeanne übergibt Gao heimlich ihr gesamtes Geld: Er soll sie tiefer nach Burma führen. Heftiger Streit bricht aus, als Paul dies entdeckt. Die kleine Expedition steckt ohnehin in Schwierigkeiten: Gao setzt sich ab, und die Bellmers stoßen auf eine Gruppe verwilderter Kinder, die den Erwachsenen zunehmend feindselig begegnen. Ohne sich abschrecken zu lassen, dringt Jeanne mit Paul im Schlepptau immer tiefer in den Urwald vor. Realität mischt sich mit Rätselhaftem und Wahn, bis sich tief im Herzen der Finsternis Joshuas Schicksal und das seiner Eltern erfüllt …

Genre-Geschichte mit Anspruch

Es beginnt als Drama, entwickelt sich zum Abenteuer und mündet in blankem Horror: „Vinyan“ ist offensichtlich das Projekt eines sehr ehrgeizigen Filmemachers. Mehrere Jahre hat der belgische Regisseur Fabrice Du Welz an seiner Geschichte gearbeitet und gefeilt, sich um die komplizierte Finanzierung – Produzenten sind vorsichtig und ziehen es vor, ihr Geld in simple Geschichten zu investieren, die Profit versprechen – gekümmert sowie mit Emmanuelle Béart und Rufus Sewell zwei Schauspieler ins Boot gelockt, die normalerweise höhere Gagen verlangen können und sich dafür weniger anstrengen müssen.

Diesen Enthusiasmus bereuten sie in den langen Wochen der Dreharbeiten oft bitterlich, wie das ausgezeichnete Making-of (s. u.) belegt. Du Welz ist nicht nur Regisseur und Drehbuchautor, sondern auch ein Abenteurer, der wie John Huston oder Werner Herzog zwischenmenschliche Konflikte gern in möglichst unwirtlichen Kulissen entfesselt: Die ungebändigte Natur soll nicht nur diese Auseinandersetzung widerspiegeln, sondern sie auch dort verstärken, wo das Regelwerk der Zivilisation keine Gültigkeit besitzt und die Protagonisten in einem Mikrokosmos gefangen sind, der durch ihren Status als Ausländer – sie beherrschen die thailändische Sprache nicht – komplettiert wird. Blicke und Gesten und selbst ein Lachen wirken bedrohlich, wenn man sie nicht entschlüsseln kann.

Für seine Version einer Reise durch seelische Abgründe wählte Du Welz Thailand. Auch dort gibt es längst moderne Großstädte, und selbst in der scheinbaren Wildnis steht der Handy-Empfang. Doch diese Seite Thailands interessierte Du Welz nicht. Selbst die Szenen, die in Bangkok spielen, stellen die Schattenseiten der Metropole in den Mittelpunkt: dreckige Hinterhöfe, schummerige Bordelle, triefende Gassen.

Die Macht der Natur

Hitze und Feuchtigkeit sorgen dafür, dass Thailand sich zu einer Brutstätte für das Seltsame und Gefährliche entwickelt. Den Dschungel, der im Making-of so grün und sonnig wirkt, wie er realiter meist ist, verwandelt Du Welz in eine graue, schlammige, modrige, monsunregengepeitschte und letztlich paradox lebensfeindliche Umgebung, die er faktisch nicht ist, weshalb das Filmteam kräftig mit Kamerafiltern und künstlichen Nebelschwaden nachhelfen musste.

Was Du Welz dabei im Hinterkopf wälzte, spricht er im Making-of aus: „Vinyan“ spielt in der Welt des Filmklassikers „Apokalypse Now“ (1979). Dieser entstand vor allem nach dem Literatur-Klassiker „Heart of Darkness“ (1899; dt. „Herz der Finsternis“), in dem Joseph Conrad (1857-1924) den ‚zivilisierten‘ Menschen in die Wildnis (ent-) führte und in der Begegnung mit dem nackten, ursprünglichen Grauen Stück für Stück seiner Menschlichkeit entkleidete. Du Welz kombinierte diese allegorische Geschichte mit einem weiteren, thematisch ähnlichen Klassiker: In „Lord of the Flies“, (1954, dt. „Herr der Fliegen“) schilderte William Golding (1911-1993) die Entwicklung – oder Degeneration – einer in der Wildnis isolierten Kindergruppe zu einer eigenen Gesellschaft mit barbarisch anmutendem Verhaltenskodex.

Da „Vinyan“ im südostasiatischen Raum spielt, fühlt sich Du Welz verpflichtet und berechtigt, die naturmythisch geprägten Religionsströmungen dieser Region in seine Geschichte einfließen zu lassen. Der „Vinyan“, der dem Film seinen Titel gibt, ist demnach der Geist eines Menschen, der gewaltsam ums Leben kam und daraufhin bösartig wurde. Wer diese Deutung kennt – und Du Welz lässt sie ausgerechnet den moralfreien Gao erzählen –, weiß im Grunde, wie die Geschichte ausgehen wird.

Im Rausch der Bilder

Eine stringente oder logische Handlung ist nicht Du Welzes Anliegen. Nur die Einleitung ist ‚realistisch‘, bevor das menschliche Unterbewusstsein die Herrschaft übernimmt. Nunmehr gilt es für den Zuschauer zu deuten, denn was er sieht, entspricht nicht unbedingt der Wirklichkeit. Andeutungen werden gemacht, Symbole ausgestreut. Die Handlung wird zusehends kontextreicher. Bilder und Töne fließen zu einem interpretationswüstem Gemenge zusammen.

Freilich bleibt diese Vielschichtigkeit vor allem Behauptung. Wieder einmal fordert der Künstler – Du Welz – vom Zuschauer, sich bedingungslos auf das Geschehen einzulassen und sich vom Bildersturm davontragen zu lassen. Das gelingt ihm mit den Apologeten des ‚guten‘ Films sowie denen, die „Vinyan“ im Halbschlaf (oder Vollsuff) über sich ergehen lassen. Tatsächlich ist der Plot sehr simpel, und wer ihn im Hinterkopf behält, während Du Welz mächtig an der Seelen-Schraube dreht, wird wie gesagt schwerlich von dem überrascht sein, was sich im Dschungel von Burma abspielt.

Der ketzerische Realist kann sogar geltend machen, dass „Vinyan“ ein reichlich verblasenes Garn spinnt. Muss der Zusammenbruch einer Beziehung unbedingt in archaischer Urwelt zelebriert werden? Sind die Bilder und psychedelischen Klänge, die Du Welz dafür findet, so irritierend und suggestiv, wie er sich dies vorstellt? Hat man nicht schon viel zu oft Großstadtmenschen im Bann des Irrationalen durch Schlamm und Dauerregen taumeln sehen? Gleichen eine schon in der DVD-Version erstaunliche Bildqualität sowie eine suggestive Ton- und Musikuntermalung dies aus?

Film als Herausforderung und Abenteuer

Diese und ähnliche Fragen lassen sich durchaus bejahen. Mit fortschreitender Handlung ertappt sich sogar der kunstbeflissene Zuschauer dabei, dass er eher die Leidensfähigkeit der Schauspieler bewundert als dem Geschehen folgt. Sie kämpfen sich durch dampfend heißen Dreck und schwitzen sich die Seelen aus den Leibern. Was sie dabei erleben, ist in der Regel wenig spektakulär. In der Tat sagt es viel aus, dass die wenigen Momente echter Spannung einschlägigen Genre-Effekten geschuldet sind, die Du Welz keineswegs verschmäht. Also wird hin und wieder knochenknackend geprügelt und gesteinigt, und im Finale fliegen Eingeweide durch die Luft. (Da „Vinyan“ ein „Arthouse“-Film ist, wurde er hierzulande dennoch ab 16 Jahren freigegeben.)

Für Emmanuelle Béart und Rufus Sewell wurde die Arbeit am Set zur persönlichen Reise in die Finsternis. Unter der enormen Belastung, die das für den Mitteleuropäer mörderisches Tropenklima, die Abgeschiedenheit der Drehorte, das knappe Budget und die daraus resultierende Zeitnot darstellten, leisteten die beiden Hauptdarsteller schier Übermenschliches: Sie sind jederzeit nicht nur körperlich präsent, rennen, klettern, schwimmen, sondern bieten gleichzeitig Schauspielkunst in hoher Vollendung. Das aufeinander eingespielte Ehepaar in der Krise stellen sie nicht dar, sie verkörpern es in jeder Filmsekunde. Béart überzeugt sogar in der sonst schnell lächerlich wirkenden Rolle des ungebremst rasenden Muttertiers.

Unterstützt werden sie von im europäischen Kulturraum unbekannten Künstlern wie Petch Osathanugrah oder Joey Boy. In Asien sind sie die Prominenten, und sie halten mit Béart und Sewell jederzeit mit. Vor allem Osathanugrah ist als Gao in der einen Sekunde nachdenklich und offenherzig, um in der nächsten als brutaler Krimineller und bedrohlicher Fremder für Schrecken zu sorgen.

DVD-Features

Die Extras beschränken sich auf zwei Trailer zum Hauptfilm und ein vorbildliches, mit 50 Minuten Dauer informationsreiches „Making of“. Statt die vor und hinter der Kamera Beteiligten in einen Stuhl zu setzen und sie im ‚Interview‘ plump verkappte Zusatzwerbung für den Film betreiben zu lassen, gibt es echte und aktuelle Blicke hinter die Kulissen. Fast 40 Tage dauerten die Dreharbeiten. Sie wurden mit eigener Kamera dokumentarisch verfolgt. Das „Making of“ markiert die Höhepunkte dieser Zeit, wobei damit keineswegs nur die angenehmen und positiven Seiten der Produktion vorgestellt werden. „Vinyan“ ist das Ergebnis höchsten physischen und psychischen Einsatzes. Crew und Schauspieler mussten eine Einheit bilden, um dem gewachsen zu sein. Als unbeteiligter Zuschauer kann man nur staunen, wie weit sie dabei zu gehen bereit waren. So sieht man eine zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 45-jährige Emmanuelle Béart, die in brütender Hitze mit beidseitiger Ohrenentzündung einen steilen, glitschigen Dschungelhang über Stock und Stein hinunter rennt – immer und immer wieder, solange es der Regisseur wünscht und bis sie nur noch taumeln kann.

Denn Fabrice Du Welz ist ebenso Visionär wie Filmbesessener. Er schont seine Crew und die Schauspieler ebenso wenig wie sich selbst. Vor seinem geistigen Auge läuft der Film, wie er ihn drehen will. In der Umsetzung macht er keine Kompromisse. Noch im ungezieferverseuchtesten Urwaldloch sucht er hellwach und ungeduldig nach den schönsten Motiven und besten Aufnahmewinkeln. Wolkenbrüche und apokalyptische Gewitter registriert er entweder als dramatische Bereicherung, in die er seine Mitstreiter hinausjagt – die dabei Risiken eingehen, die der Versicherung im fernen Europa nachträglich Entsetzensschreie entlocken dürften – oder als Hindernisse, die den Drehplan durcheinanderbringen. Dazu zählt er auch die müde Bockigkeit seines Sohnes Borhan, der aufzumucken wagt, als er schon spät in der Nacht in der Rolle des Joshua immer wieder durch eine Gasse von Bangkok gehen soll, weil er nach Ansicht des Regisseurs nicht wie ein Phantom, sondern „wie eine Ente“ laufe.

Deutlich wird aber auch Du Welzes Fähigkeit, sein Team mitzureißen. Sein unermüdliches Pochen auf Drehbuch und Storyboard halten sie bei der Stange, wenn sie eigentlich erschöpft nur irgendwie ihren Job hinter sich bringen wollen. Du Welz fordert trotz Minimal-Budget das Optimale – und er bekommt es. Dass das Ergebnis nicht zwangsläufig mitreißt und sich die „Vinyan“-Stimmung nicht auf jeden Zuschauer überträgt, liegt nicht am mangelhaften Einsatz, sondern daran, dass Du Welz einen Film-Weg einschlägt, der so selten doch nicht und manchmal eben origineller beschritten wurde.

[md]

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)
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Splintered – Glaubst du an Monster?

Erstellt von Michael Drewniok am 15. Juli 2010

Splintered – Glaubst du an Monster?

Originaltitel: Splintered (GB 2008)
Regie: Simeon Halligan
Drehbuch: Mat Archer, Simeon Halligan u. Stephen Trimingham
Kamera: Michael Costelloe
Schnitt: Tom Grimshaw u. Celia Haining
Musik: Richard Bodgers
Darsteller: Holly Weston (Sophie), Sacha Dhawan (Sam), Sadie Pickering (Jane), Jonathan Readwin (Dean), Sol Heras (John), Colin Tierney (Vater Thomas), Stephen Walters (Gavin/Vincent), Holly Messenger (Sophie als Kind), David Bowen (Vater Jacobs), James Roach (Kreatur) u. a.
Label/Vertrieb: KSM – Krause & Schneider Multimedia (www.ksmfilm.de)
Erscheinungsdatum: 02.07.2010 (Leih-DVD) bzw. 16.08.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4260181985510 (Leih-DVD) bzw. 4260181981130 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min.
FSK: 18

Titel bei Amazon.de

Das geschieht:

Die durch schlimme Kindheitserlebnisse traumatisierte Sophie flüchtet sich in ihr Interesse an übernatürlichen Phänomenen. Als sie in den Nachrichten von einer seltsamen Kreatur erfährt, die angeblich im nördlichen Wales Schafe und Bauern attackiert, beschließt Sophie, eine private Such-Expedition zu starten. Begleitet wird sie von ihrer besten Freundin Jane, deren Freund John, dem phlegmatischen Sam sowie Janes Nerd-Bruder Dean, weil dieser eine Kamera besitzt.

Beim nächtlichen Campen zettelt der eingebildete John einen Streit an. Zornig stürmt Sophie in den Wald. Der fürsorgliche (und geile) Sam folgt ihr. Als Sophie eine verdächtige Gestalt in der Dunkelheit entdeckt, nimmt sie mit Sam die Verfolgung auf. Sie endet in den Ruinen von St. Joseph’s, einem nach für die katholische Kirche unerfreulichen Skandalen aufgegebenen Waisenhaus. Dort verschwindet John spurlos, während Sophie vom verrückten Gavin gefangengenommen und in eine alte Zelle gesperrt wird: Nach eigener Auskunft will Gavin sie „beschützen“, denn in dem alten Gemäuer gehe ein gefährliches Ungeheuer um.

Besorgt haben sich Jane, Sam und Dean inzwischen auf die Suche nach den Freunden begeben. An anderer Stelle macht sich Vater Thomas auf den Weg nach St. Joseph’s. Dort hat er einst gearbeitet – und Gavin über die Leiche von Vater Jacobs gebeugt gefunden. Zwar beteuerte Gavin seine Unschuld und nannte seinen Bruder Vincent als Täter, der jedoch schon Monate zuvor gestorben war. Gavin flüchtete, aber Thomas hat erfahren, dass er zurückgekehrt ist. Er will ihn stellen und seinen Mentor Jacobs rächen. In den endlosen Gängen des Waisenhauses müssen Sophie, ihre Freunde und Vater Thomas lernen, dass Gavin zwar irre ist aber sehr wohl die Wahrheit sagt. Auch Vincent ist heimgekehrt – und er hasst Besucher …

Psychologischer Horror und schnöde Realität

Zwar ist „Splintered“ sein erster ‚richtiger‘ Spielfilm, doch Simeon Halligan ist kein Neuling im Filmgeschäft. Er hat sein Handwerk sogar studiert; das „Royal College of Art” verließ er 1995 mit einem Abschluss, für seine Kurzfilme „Sleep My Love“ und „Triple Exposure“ wurde er mit Preisen ausgezeichnet. „Not a Number Productions“ gründete Halligan bereits 1998 als Plattform für künftige Langfilm-Projekte. Dennoch dauerte es ein Jahrzehnt, bis sein Debütwerk entstand. Bis es soweit war, drehte Halligan für Fernsehen und Werbung.

Die Voraussetzungen waren also vielversprechend. Das niedrige Budget bildete kein gravierendes Hindernis. Ein Regisseur, der weiß, was er will, kommt mit finanziellen Einschränkungen zurecht. Außerdem ging Halligan auf Nummer Sicher: Er wählte sich für sein Debüt ein Genre, das als überaus anfängertauglich gilt: Auch ‚billige‘ Horrorfilme können gelingen, und das Publikum ist – je nachdem – freundlich oder anspruchsarm.

Außerdem segelt Halligan unter falscher Flagge. „Splintered“ ist nach seiner Aussage ein „psychologischer Horrorfilm“. So werden in der Werbung gern Filme bezeichnet, die pure Unterhaltung mit einem gewissen Anspruch mischen, was einerseits ein Risiko bedeutet, bei gutem Gelingen jedoch andererseits eine simple Gruselgeschichte durch einen tiefsinnigen Kontext bereichern kann.

Halligan hat sich den Spagat nicht leicht gemacht. Etwa 30 Drehbuchentwürfe haben er und seine beiden Mitautoren verfasst, wie wir dem „Making Of“ entnehmen können. Womöglich erging es ihnen wie dem entnervten Sam, der während der verhängnisvollen Expedition in die Wildnis von Wales schimpft, er könne den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr erkennen: „Splintered“ zerfällt als Geschichte in Einzelteile, die nie zu einer stimmigen Gesamtheit finden.

Geschichte? Welche Geschichte?

Der kluge Schuster bleibt als Anfänger beim bewährten Leisten und setzt nur punktuell eigene Akzente: So kann solide Unterhaltung entstehen. Leider stützt sich Halligan auf eine allzu ausgelaugte Grundstory. Mit einer recht fadenscheinigen Erklärung schafft er sein zentrales Quintett in den Wald und zum „St. Joseph’s“. Dort verliebt er sich in das pittoreske Bauwerk und hetzt seine Darsteller durch möglichst viele Räume, Säle und Gewölbe, die er, der auch als Filmausstatter gearbeitet hat, liebevoll und detailreich mit staubigem Gerümpel ausgestattet hat. Ein unsichtbarer oder sorgfältig im Filmschatten gehaltener Bösewicht metzelt unsere neugierigen Geisterjäger nieder. Als alles verloren scheint, mischt sich ein zerquälter Priester ein, der sich selbst eine Mission verordnet hat. Daran schließt sich viel Gerede an, um ein Rätsel zu lüften, das selbstständig zu lösen der Zuschauer nie eine Chance hatte (und trotzdem nicht überrascht). Es folgt ein blutreiches Finale mit dem wie üblich unkaputtbaren, d. h. tausend Tode sterbenden und immer wieder auferstehenden Unhold.

Halligan weiß durchaus um die Klischees und versucht sie entweder sinnvoll zu nutzen oder abwechslungsreich abzuwandeln. „Splintered“ unterscheidet sich vom üblichen Routine-Horror aus Hollywood durch ein deutlich ‚raueres‘ Ambiente. Licht und Dunkelheit werden absichtlich nicht sorgfältig ‚gesetzt‘, um an sich düstere Winkel ‚zufällig‘ auszuleuchten. Stattdessen kommt empfindliches Filmmaterial zum Einsatz, das auch bei geringer Lichtstärke die Darsteller und ihr Spiel sichtbar werden lässt.

In Bocksprüngen zum Finale

Damit kann Halligan freilich das zentrale Manko seines Films nicht tilgen: Die Story entwickelt sich nur holprig und in Sprüngen. Das Timing stimmt nicht. Dem überlangen Auftakt im Teenie-Movie-Stil folgt ein solider Mittelteil, den ein völlig aus dem Lot geratendes Finale mehr schlecht als recht abschließt. Nicht einmal das forcierte Tempo hilft über die gewaltigen logischen Lücken hinweg. (Besonders hübsch und beispielhaft ist dieses Schlussdetail: Sophie taumelt blutüberströmt eine Straße entlang. Ein Krankenwagen nähert sich – und bleibt mindestens zweihundert Meter vor ihr am Straßenrand stehen. Zwei Pfleger springen heraus, stürmen mit einer Decke auf sie zu und schleppen sie zur Ambulanz zurück …)

Die von Halligan, den Drehbuch-Kollegen und den Schauspielern gelobte Sub-Story, der „Splintered“ (= „Zertrümmert“) letztlich seinen seltsamen Titel verdankt, ist zum einen für diese Geschichte überflüssig, weil sie ihr zum anderen nur aufgepfropft wird, statt integriert zu werden. Sophie assoziiert den aktuellen Schrecken mit dem Missbrauch, den sie als Kind durch ihren Vater erfuhr. Dies schwächt sie zunächst, wird aber letztlich zur Quelle ungeahnter Widerstandskraft. Halligan scheint nicht zu begreifen, dass Sophies Erfahrung nur ein Detail ist und bleibt. Die triviale Story, in die es eingebettet ist, kann es niemals aufwerten oder auch nur spannender machen.

Ein Regisseur kann zu freundlich sein

Immer wieder rühmen die Darsteller im „Making Of“ die Bereitwilligkeit, mit der sich ihr Regisseur in Diskussionen über das Drehbuch einließ. Offensichtlich wurde dabei jede ursprünglich vielleicht vorhandene Stringenz zerredet. Die meisten Darsteller chargieren jedenfalls wie endlich von der Leine gelassene junge Hunde. Vor allem Sacha Dhawan, Jonathan Readwin und Sadie Pickering mimen das selbstgefällige Arschloch, den schüchternen Tropf und die freundliche aber hohlköpfige Blondine allzu überzeugend – man kann es als Zuschauer gar nicht erwarten, dass die Bestie vom St. Joseph’s ihnen endlich die Lebenslichter ausbläst.

Sol Heras bleibt gänzlich profillos, während Colin Tierney seinen Vater Thomas als Imitation (oder Karikatur?) von Vater Merrin aus den beiden ersten „Exorzist“-Filmen anzulegen scheint. Stephen Walters gibt in seiner Doppelrolle gut geschminkt dem darstellerischen Affen tüchtig Zucker. Er kann als ‚guter‘ und ‚böser‘ Irrer gar nicht genug Gas geben. Zuckend, stammelnd und speichelnd lässt er jegliche Zurückhaltung hinter sich und tut gut damit.

Glück hatte Halligan mit der Wahl von Holly Weston als Sophie. Das ehemalige Model ist nicht nur außerordentlich hübsch, sondern auch schauspielerisch begabt. Wenn Regisseur und Drehbuchautor Halligan es ihr gestattet und Weston nicht durch Müll robben und steile Dachabhänge hinab rutschen muss, vermittelt sie glaubhaft weil eher andeutungsweise einen fragilen, beschädigten Charakter.

Blut und Spiele

War es Ratlosigkeit oder die Suche nach dem größten gemeinsamen Zuschauer-Nenner, der Halligan dazu veranlasste, seinen „psychologischen Horrorfilm“ mit lupenreinen Splatter-Effekten aufzupeppen? Eigentlich vermisst man sie nicht. Wenigstens sind sie professionell umgesetzt, wenn auch variationsarm: Ständig werden einem Pechvogel Fleischfetzen aus dem Hals gerissen. Da sorgt ein durch den Magen gerammtes Brecheisen für willkommene Abwechslung …

Das eindrucksvolle, weil verlassene und verfallende Waisenhaus St. Joseph‘s ist übrigens weder Kulisse noch – in seinen Außenansichten – ein Produkt von Filmtricks, sondern eine echte Ruine: St. Joseph’s College wurde 1880 als Seminar für den römisch-katholischen Priesternachwuchs im nordwestlichen England gegründet. Es steht im Walthew Park nahe der Kleinstadt Upholland in der Grafschaft Lancashire. 1991 wurde es geschlossen, weil nicht mehr genug Studenten den Weg in die riesige Einrichtung fanden. Seitdem steht St. Joseph’s leer. Örtliche Künstler nutzen die gewaltigen Zimmerfluchten und Säle für Installationen und Ausstellungen. Auch Film und Fernsehen nutzen St. Joseph’s gern. Außer „Splintered“ entstanden hier u. a. die hochkarätige BBC-Mini-Serie „Apparations“ (2008) sowie einige Episoden der Soap-Opera „Hollyoakes“.

DVD-Features

Die Extras zum Hauptfilm beschränken sich auf die üblichen Nichtigkeiten wie den Trailer und eine Bildergalerie. Hinzu kommt die zwar gedrehte aber nachträglich gestrichene Schlussszene: Es gibt gar keinen Vincent; die verrückte Sophie hat sich durch St. Joseph’s gemetzelt. Wenigstens einmal hat Regisseur Halligan begriffen, dass man es mit den Klischees übertreiben kann.

Eine Orgie der gegenseitigen Beweihräucherung ist das Feature “Behind the Scenes“. Zu allem Überfluss wurde es in vier Mini-Filmchen zergliedert. Immerhin für unfreiwilligen Humor sorgt der Tricktechniker, als er „noch nie gesehene Spezialeffekte“ ankündigt und dabei mit einem Plastik-Fleischerbeil wedelt.

Es gibt eine Website zum Film.

[md]

Titel bei Amazon.de

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High Lane – Schau nicht nach unten!

Erstellt von Michael Drewniok am 24. Juni 2010

High Lane – Schau nicht nach unten!

Originaltitel: Vertige (Frankreich 2009)
Regie: Abel Ferry
Drehbuch: Johanne Bernard u. Louis-Paul Desanges
Kamera: Nicolas Massart
Schnitt: Soline Guyonneau
Musik: Jean-Pierre Taieb
Darsteller: Fanny Valette (Chloé), Johan Libéreau (Loïc), Raphaël Lenglet (Guillaume), Nicolas Giraud (Fred), Maud Wyler (Karine), Justin Blanckaert (Anton)
Label/Vertrieb: Koch Media Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 25.06.2010 (Kauf-DVD u. Blu-ray)
EAN: 4020628956349 (Kauf-DVD) bzw. 4020628950965 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: DTS-HD Master Audio 5.1 (Deutsch, Französisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 86 min.)
FSK: 16

Titel bei Libri.de (DVD)
Titel bei Libri.de (Blu-ray)

Das geschieht:

Eigentlich sollte es eine abenteuerliche Gebirgswanderung für alte Schulfreunde werden, die drei junge Männer und zwei Frauen aus Frankreich ins sommerliche Kroatien führt. Doch der höhenängstliche Loïc ist nur wegen seiner neuen Freundin Chloé dabei, und Anführer Fred hat ‚vergessen‘, dass Chloé Guillaumes große Liebe war und ist, die er im Verlauf dieses Ausflugs für sich zurückgewinnen möchte.

Der anvisierte Bergpfad wurde geschlossen, was der leichtsinnige Fred wissentlich ignoriert. Die Strafe folgt rasch, als marode Fels-Sicherungen versagen und Karine nur um Haaresbreite den Einsturz einer Hängebrücke überlebt. Nun sind die fünf Wanderer im Gebirge gestrandet; den einzigen Rückweg ins sichere Tal bietet eine noch weit entfernte Seilrutsche.

Das Wetter verschlechtert sich, Nebel zieht auf, die Nacht bricht herein. Streit beginnt die Gruppe zu schwächen; vor allem dem ohnehin eifersüchtigen Loïc gehen die Nerven durch, nachdem er und Guillaume beinahe abgestürzt sind. Als Fred nach einem sicheren Pfad sucht, gerät er in eine Bärenfalle, deren Zähne sich tief in sein Bein graben. Die entsetzte Karine holt die Gefährten zur Hilfe, doch als sie die Unglücksstelle erreichen, ist Fred verschwunden.

Die Ausflügler sind in das Revier von Anton geraten. Als Kind von perversen Kroaten entführt, konnte er seine Peiniger später umbringen. Allerdings ist Anton verrückt geworden. Wer seinem Unterschlupf zu nahe kommt, sieht sich gemeinen Fallen und letztlich Anton persönlich ausgeliefert. Auch unsere Pechvögel enden in seiner mit Messern, Ketten und grausigen ‚Trophäen‘ gespickten Hütte. Nur wenn sie die Zivilisation abstreifen und sich auf Antons Niveau hinablassen, haben die Überlebenden eine – kleine – Überlebenschance. Als sie dies begreifen, beginnt ein erbarmungsloser Kampf unter modernen Höhlenmenschen …

„Wrong Turn“ à la française

Man lernt ja gern dazu: Hillbillys gibt es also nicht nur im Appalachen-Gebirge des US-Staates Alabama, sondern auch in Europa. Degenerierte, von der Jagd auf Waldtiere (und Menschen) lebende oder besser: vegetierende Hinterwäldler sind hier im ehemaligen Ostblock Südosteuropas zu orten. Schon 2006 sprach Regisseur Christopher Smith mit „Severance“ diese Barbarei an, die in einer von jahrzehntelanger kommunistischer Willkür und Bürgerkrieg geprägten und von der zivilisierten Welt abgeschnittenen Region blühen konnte aber totgeschwiegen wurde, sodass heute Touristen aus dem Westen ahnungslos in solche Pesthöllen der Inzucht, der Gewalt und des Kannibalismus‘ geraten können …

So jedenfalls lässt sich jenes Weltbild deuten, das nun auch Abel Ferry in seinem ersten Langfilm durch neue Details ergänzt. Der politisch korrekte Zeitgenosse wird den Missbrauch Kroatiens als Schauplatz eines europäischen „Backwood“-Horrorfilms verdammen, aber solches Engagement wäre zu viel des Guten: „High Lane“ wird der kroatischen Tourismus-Branche definitiv keine finanziellen Einbußen bescheren.

Dies verhindert schon der unfreiwillige Humor, der sich in einem bierernst gemeinten Drehbuch eingenistet hat. Ferry trägt selbst die Schuld daran, dass der Kritiker dessen ‚Sinn‘ hinterfragt; er weist immer wieder auf einen Kontext hin, der dem Geschehen Bedeutung verleihe. Den versucht man deshalb zu erkennen, was jedoch misslingt, denn „High Lane“ ist nichts als gut gefilmte Unterhaltung mit einem unterdurchschnittlichen Plot.

Von der großen Vision zur schnöden Realität

Dass „High Lane“ beim Zuschauer nicht sofort wieder in Vergessenheit gerät, verdankt dieser Film dem einzigen guten Einfall seines Regisseurs: Nicht nur Geldmangel, sondern auch der Wunsch nach authentischen Bildern veranlasste Ferry, seine Darsteller tatsächlich in lotrecht aufragende Felswände zu treiben. Die vor allem in der ersten Filmhälfte dominierenden Bilder winziger Menschen, die an fadendünnen Seilen über gähnenden Abgründen baumeln, sind nicht das Produkt perfekter Tricktechnik, sondern echt: Spezialeffekte kamen primär dort zum Einsatz, wo nachträglich lästige Häuser und andere Bauwerke zu tilgen waren, die den Eindruck öder Verlassenheit störten.

Als „Cliffhanger“-Remake kann „High Lane“ fesseln, denn die von einer Kamera, die den Schauspielern hautnah in die Felsen folgte, eingefangenen Bilder lassen sogar in der Sicherheit vor dem Bildschirm Höhenangst und Handschweiß ausbrechen. Da „High Lane“ mit dem Bildformat 2,35 : 1 prunkt, entfallen seitliche Grenzen, die eine sorgfältig vorbereitete Kulisse andeuten könnten: Die Kamera beweist stolz, dass vor Ort gedreht wurde.

Labile Gruppendynamik und gefährliche Umgebung: Mit diesen beiden Aspekten hätte sich Ferry begnügen sollen. Aber er wollte auf Nummer Sicher gehen. In der zweiten Filmhälfte nimmt „High Lane“ einen „Wrong Turn“ in Richtung Grob-Horror. Alte und ausgelaugte Klischees wie Dunkelheit mit Dunkelheit, Flucht im strömenden Regen, die vor Fäulnis und Verkommenheit starrende Mord-Hütte oder der grinsend das Messer wetzende Strolch kommen keinen Augenblick gegen den Schwindel an, den schroffe Berge und tiefe Schluchten erzeugen.

Alles in Hand- aber wenig Kopfarbeit

Wieder stellt sich Ferry selbst ein Bein. Er ist so betriebsblind geworden, dass er nicht den tumben Schlagetot Anton, sondern eine tragische Gestalt sieht, die aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse vertierte. Mit ein bisschen Verständnis oder Liebe, so deutet es der Regisseur zumindest im „Making Of“ an, bekäme Anton seine Probleme wieder in den Griff.

Nachdem er die Köpfe früherer Opfer in Antons Hüttenkeller baumeln sah, fällt es dem Zuschauer schwer, Ferry in diesem Punkt zu folgen. Dieser fabuliert weiter, ernennt Anton und die ihm im Finale entgegentretende Chloé zu „Spiegelbildern“, die sich im Kampf auf Leben & Tod in einem seelischen Niemandsland treffen, um anschließend wieder auseinanderzudriften.

Die erwähnte Gruppendynamik entspricht erneut sattsam bekannten Klischees und wird den Darstellern flüchtig aufgeprägt. Höhenangst ist das einzige Gefühl, das jederzeit glaubhaft vermittelt wird; wen wundert’s, wenn beispielsweise buchstäblich unter Maud Wylers Füßen eine ohnehin wenig vertrauenswürdige Brücke zum Einsturz gebracht wird, sodass die Schauspielerin nur noch an ihrer Sicherheitsleine über einer Schlucht baumelt?

Auch das Drehbuch fördert gerade in kritischen Momenten ein fragwürdiges Verhalten der Figuren. Wo steckt der Sinn in Freds Entscheidung, einen von der Bergwacht gesperrten Gebirgspfad zu durchsteigen? Warum wirft Loïc, der sich Anton unbemerkt nähern konnte, diesem nur einen Stein an den Kopf und läuft davon, statt ihm kräftig eines mit dem Knüppel überzuziehen? Wie blöd muss Chloé sein, den im Finalkampf verletzten aber definitiv nicht toten Anton einfach liegenzulassen? Glaubt sie wirklich, er werde sie nunmehr in Frieden lassen? Solche Unlogik zieht sich durch das gesamte Geschehen und sorgt für zusätzliches zuschauerliches Stirnrunzeln.

Nüchtern betrachtet endet „High Lane“ wie jeder Film-Horror dieser Qualitätsstufe: Die Überlebende rauft mit dem Monster, das ‚tot‘ liegenbleibt und in einer Finalcoda wieder hinter einem Busch hervorspringt. Wundern wir uns also nicht, wenn Anton irgendwann erneut sein Unwesen treibt – in den kroatischen Bergen und in der Videothek!

DVD-Features

Während „High Lane“ als Film nur durchschnittliche Unterhaltung bietet, verdienen die Features uneingeschränktes Lob. Sie sind nicht nur zahlreich, sondern auch informationsreich. So stellt das „Making Of“ keine plumpe Fortsetzung der Film-Werbung dar, sondern bietet tatsächlich echte Einblicke in den Alltag einer schwierigen Filmproduktion. Nur 35 Drehtage und wenig Geld standen dem ehrgeizigen Abel Ferry zur Verfügung, was angesichts des Konzeptes, das ausgedehnte Dreharbeiten in schwindelnden Höhen vorsah, mehr als gewagt war.

In der Tat entwickelte sich die Arbeit zu einem Abenteuer. Vor allem das Wetter wurde zum Problem: „High Lane“ spielt im Sommer, entstand aber im Oktober, was die dünn bekleideten Darsteller auf harte Proben stellte; die Kamera hält fest, als die zitternden, mit eiskaltem ‚Regenwasser‘ getränkten Schauspieler während eines schier unendlichen Nachtdrehs die Nerven verlieren und sich im Garderobenbus verbarrikadieren.

Durch Stress und Kälte ließ man sich vor und hinter der Kamera nicht dauerhaft aus der Ruhe bringen. Es entwickelte sich eine Mischung aus Teamgeist und Söldnermentalität. Die gesammelten Outtakes zeigen Darsteller, die auf tückischem Untergrund ins Stolpern geraten und in ernsten Szenen immer wieder von Lachanfällen geschüttelt werden. Dieses Dampfablassen kann man ihnen nachfühlen, wenn man sieht, wie der Regisseur seine Schauspieler im nächsten Moment über einen 200 Meter tiefen Abgrund hängt …

Abel Ferry macht nie einen Hehl aus den Sorgen eines mächtig unter Druck stehenden Jung-Regisseurs. Ob im „Making Of“ oder im Audiokommentar – er spricht über unerwartete Zwischenfälle, persönliche Krisen, meuternde Darsteller oder die Frustration, wenn Drehplan und Budget einen guten Einfall verhindern.

Zusätzliche Featurettes („Ein Killer werden“, „Die Wolfsfalle“, „Der Pfahl“) enthüllen diverse Spezialeffekte oder zeigen, wie privat eher friedfertige Darsteller so trainiert werden, dass sie vor der Kamera zu gnadenlosen Kampfmaschinen mutieren („Der Kampf ums Überleben“).

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Deadwater

Erstellt von Michael Drewniok am 28. Mai 2010

Deadwater

Originaltitel: Deadwater/Black Ops (USA 2008)
Regie: Rebel Wan (= Roel Reiné)
Drehbuch: Ethan Wiley u. Roel Reiné
Kamera: Roel Reiné
Schnitt: Radu Ion u. Bayard Stryker
Musik: Joseph Bauer
Darsteller: Lance Henriksen (John Willets), Gary Stretch (Colin Willets), Katherine Randolph (Traci Leonard), Robert Pike Daniel (Slab), D. C. Douglas (Grubman), Jim Hanks (Buford), Matthew Alan (McCloskey), Richard Jenik (Ricks), Lee Majodoub (Fahdawi/Khalil), Grant Mathis (Gunther Neumann), James Russo (Combs), Tom McCafferty (Jackson), Daniel Louis Rivas (Swanson), Jonathan Espolin (Alberts) uva.
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 07.05.2010 (Leih-DVD) bzw. 04.06.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4041658223669
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: DTS 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min.
FSK: 18

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Das geschieht:

Sechs Monate vor der Pensionierung wird Colonel John Willets auf einen brisanten Einsatz geschickt: Der militärische US-Geheimdienst hat den Kontakt zu einem Schiff im Persischen Golf verloren, auf dem “Black Ops”, also ’schwarze’, d. h. verdeckte und heimliche Operationen stattfinden. Aktuell wurden Informationen aus einem hochrangigen irakischen Terroristen gefoltert. Willets und seine Männer sollen feststellen, was an Bord geschehen ist. Als der alte Haudegen hört, dass Sohn Colin auf dem Schiff dient, macht er sich umgehend auf den Weg, obwohl er ahnt, dass man ihm etwas verschweigt: Was treiben die beiden Militär-Wissenschaftler Grubman und Leonard, die mit seltsamen Instrumenten nach elektromagnetischen Feldern suchen?

Als die Spezial-Einheit das Schiff erreicht, findet es die Besatzung mit bloßen Händen in Stücke gerissen und daher meist tot vor. Nur vier Überlebende gibt es, zu denen Colin Willets gehört. Gesehen hat niemand, wer so grässlich hauste oder die Leichen der ‘Verhörspezialisten’ zu einem dekorativen Hakenkreuz-Muster auslegte. Der Verursacher macht sich aber bald den Neuankömmlingen bemerkbar, indem er auch sie niederzumetzeln beginnt. An Bord gestrandet und somit der unbekannten Macht ausgeliefert, müssen Vater und Sohn Willets erst feststellen, was Grubman und Leonard schon wissen: An Bord gibt es keinen Terroristen. Stattdessen haust auf dem uralten Schiff der Geist eines einst von Nazi-Wissenschaftlern erschaffenen Super-Soldaten, dessen Geheimnisse der US-Geheimdienst gern in Erfahrung bringen würde, um selbst die Produktion von Killer-Marionetten aufnehmen zu können.

Doch der zum Gespenst gewordene Gunther Neumann hat längst seinen Abschied genommen. Er murkst nun ohne Rücksicht auf Rasse und Herkunft alle Pechvögel ab, die ihm in die Quere kommen. Für Colonel Willets und seine Truppe beginnt deshalb eine lange Geisternacht, deren Morgendämmerung möglicherweise niemand mehr erleben wird …

Filme für jene, die es gar nicht mehr graust

Manchmal sticht auch und gerade den erfahrenen und an Leid gewöhnten Kritiker der Hafer. Er greift dann nicht versehentlich, sondern gezielt zu einem bisher nicht gesehenen Film, obwohl er eher weiß als ahnt, dass ihn keine anderthalb Sternstunden der Unterhaltung erwarten. Was dann bleibt, ist die Hoffnung auf einen Film aus jener Nische, die dem unfreiwilligen Humor vorbehalten ist. Mit dem Label “Trash” wird gekennzeichnet, was so komplett missraten ist, dass es wieder lustig wirkt. Ganz wichtig – dies sei deshalb wiederholt – ist der Aspekt des ungewollten Scheiterns. Vor und hinter der Kamera haben stattdessen geistig zurechnungsfähige Männer und Frauen auch in unserem Fall geglaubt (oder wenigstens gehofft), sie könnten mit “Deadwater” ihrem Publikum spannend die Zeit vertreiben.

Stattdessen gelingt es ihnen nur, einen Schritt auszulassen und besagtes Publikum zu vertreiben. Man muss wahrlich hart im Nehmen sein, um dieses Fiasko bis zu den Erlösung markierenden Schlusstiteln durchzustehen. Auf dem langen, steinigen Weg gibt es hin und wieder kleine Belohnungen, wenn das Drehbuch mit Wendungen überrascht, die unter die Kategorie Abstrakte Kunst fallen könnten. Eine medizinische Diagnose für das, was Ethan Wiley und “total filmmaker” Roel Reiné (Drehbuch, Kamera, Produktion und – unter kryptischem Pseudonym – auch Regisseur) sich hier aus den Hirnen wrangen, könnte freilich auch “Delirierender Schwachsinn” lauten.

Geister gehen zur See

Zu diesem Film gibt es kein “Making of”. Wir erfahren deshalb nicht, welcher Teufel Reiné einst wohin ritt, um ihm die ‘Ideen’ für “Deadwater” einzugeben. Der Weg muss ihn aber in den Hafen von San Pedro, Kalifornien, geführt haben, wo an einem Pier die “SS Lane Victory” dümpelt. Das 1945 vom Stapel gelaufene, knapp 140 m lange Frachtschiff transportierte Nachschub für die im Pazifik-Krieg gegen die Japaner kämpfenden US-Truppen und kehrte sowohl im Korea- als auch im Vietnamkrieg in asiatische Gewässer zurück, bevor es 1970 außer Dienst gestellt und ab 1988 in ein schwimmendes Militär-Museum verwandelt wurde. Seitdem ist das alte, aber gut in seinem annähernd originalgetreuen Zustand erhaltene Gefährt bereits mehrfach für Hollywood in den Einsatz gegangen; so durfte die “Lane Victory” 1997 das Kielwasser von James Camerons digitaler “Titanic” doubeln.

Konsequent haben Reiné & Whiley ihr Drehbuch der Kulisse angepasst, denn “Deadwater” spielt bis auf wenige Minuten zu Beginn und am Ende ausschließlich an Bord des schwimmenden Schlachtrosses. Dies allein war kein Grund für das Scheitern des daraus resultierenden Machwerks; Schiffe eignen sich hervorragend als Schauplatz spukiger Ereignisse. Sie sind groß, voller düsterer Ecken und Winkel, und sie bilden einen Mikrokosmos mit fester Grenze: Auf hoher See führt die Flucht von einem verwunschenen Schiff mit ziemlicher Sicherheit in einen nassen Tod.

Patchwork des Blöden & Billigen

Wie man den Kampf gegen ozeanische Phantome effektvoll umsetzt, belegen u. a. Filme wie “Ghost Ship” (2002) oder “Triangle – Die Angst kommt in Wellen” (2009). Obwohl es mächtig umgeht, sind dies keine geistvollen Werke, sondern Produkte, die der geplanten Unterhaltung dienen. Diese stellt sich immerhin ein, was “Deadwater” nicht für sich beanspruchen kann. Hier gelang Reiné nur ein neuerliches “Death Ship” (1980; dt. “Das Todesschiff”), wobei diese peinliche Grusel-Klamotte hier noch aus einem zweiten Grund erwähnt wird: Auch Regisseur Alvin Rakoff setzte 1980 auf das Nazi-Blatt.

Gunther Neumann, der Geister-Spion aus Hitlers Labor-Retorten, ist unbestreitbar das schimmelige Sahnehäubchen auf dem Mistberg, den Wiley & Reiné auftürmen. Bis ihn ein Ghostbuster-Kommando des militärischen Geheimdienstes in seinem Schlupfwinkel aufstöbert – auch ein Gespenst braucht offenbar einen ruhigen Winkel, in dem es nach Feierabend Nazi-Musik und Hitler-Reden im Radio (!) lauscht -, ereignen sich auch im Diesseits mehr als genug Fragwürdigkeiten.

So schlecht geht es dem US-Militär beispielsweise sicherlich nicht, dass es ausgerechnet ein  vor sechs Jahrzehnten vom Stapel gelaufenes Museumsschiff ausmotten, in den Persischen Golf schicken und hoffen müsste, dass der uralte Kahn überhaupt dort ankommt – und falls doch, würde man wahrscheinlich die Ausstellungsräume mit ihren Vitrinen und Fotowänden räumen. (Was die “U.S. Merchant Marine Veterans of World War II”, denen heute die “Lane Victory” untersteht, dem Filmteam anscheinend nicht erlaubt hat, weshalb das Bordmuseum kurzerhand in die Handlung integriert wurde.) Oder wollen sich die Verhör-Spezialisten zwischen anstrengenden Folter-Sitzungen historisch bilden und intellektuell entspannen?

Wieso muss sich das Geschehen überhaupt in der Golfregion abspielen? Eine Spezialeinheit könnte auch in US-Gewässern ein Geisterschiff entern. Einmal mehr sucht Reiné sein Heil in Klischees: Die US-Präsenz im Nahen Osten liefert Reizthemen, auf die sich nicht nur kritische Journalisten, sondern auch fixe Film-Fabrikanten stützen können. Ob Reiné wohl so weit gehen würde, “Deadwater” als Kritik an den staatlich sanktionierten Menschenrechtsverletzungen der USA zu deklarieren? Ein “schwimmendes Abu-Ghuraib” wird das alte Schiff in Anspielung auf die sorgfältig im Ausland verborgenen gehaltenen Folter-Camps der US-Geheimdienste genannt – reine Augenwischerei, die immerhin den sandig-braunen Schleier begründet, der über sämtliche Szenen gelegt wird, die bei Tage spielen. (Tatsächlich sollen auf diese Weise Qualitätsunterschiede zwischen gedrehten und Archivaufnahmen übertüncht werden.)

Quo vadis, Lance Henriksen?

Über die Darsteller in “Deadwater” muss bis auf zwei Ausnahmen kein Wort verloren werden. Sie rekrutieren sich aus dem Heer der TV-No-Names, die in Hollywood mächtig um jede Rolle strampeln müssen und deshalb nicht wählerisch sein können. Anders als die Zuschauer kannten sie das Drehbuch, denn sie leisten Dienst nach Vorschrift hart an der Grenze zur Arbeitsverweigerung, was man ihnen nachsieht, da auch die besten Schauspieler der Welt “Deadwater” zu keinem besseren Film machen könnten.

In Ansätzen beweist dies Lance Henriksen, ein Veteran seiner Zunft, den man eine tragische Gestalt nennen könnte. In zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen hat er sein Talent unter Beweis gestellt. Gleichzeitig lässt er sich für Streifen anheuern, die den Tatbestand der Publikumsverdummung gleich mehrfach erfüllen. Mindestens fünf Filme pro Jahr dreht Henriksen. Anscheinend entscheidet er nicht zwischen Angeboten, sondern nimmt sie einfach an und bringt die Jobs hinter sich. Auf diese Weise hat Henriksen sich unfreiwillig zum Trash-Indikator entwickelt: Sein Name über einem Filmtitel stimmt misstrauisch. Solche ‘Prominenz’ ist selten; ähnlich verdächtig sind beispielsweise Filme, in denen Corbin Bernsen oder David Carradine selig mitspielen.

Dabei leistet Henrikson stets solide Arbeit. “Deadwater” ist da keine Ausnahme. An Henriksen scheinen die Zumutungen des Drehbuches, die lächerlichen ‘Dialoge’ und sogar die Tatsache, das er als knapp 70-jähriger mit pechschwarz gefärbtem Resthaar einen beinharten Elite-Soldaten mimen muss, einfach abzugleiten. Er ist präsent und macht deutlich, wieso man ihn gern anheuert: Er ist sein Geld wert.

Weniger Glück hat die arme Katherine Randolph, die es als einzige Darstellerin in die “Deadwater”-Crew verschlug. Als solche besteht ihre Front-Kampfmontur aus einem bauchfreien Tank-Top. Randolph übernimmt auch die heilige Pflicht einer echten B-Movie-Heroine, indem sie sich in einer für die Handlung nutzfreien Dusch-Szene oben ohne präsentiert; die Armut der Produktion wird auch darin deutlich, dass Reiné sich nur eine Darstellerin ohne Silikonverstärkungen leisten konnte.

Filmarbeit als Kriegseinsatz

“Deadwater” gehört zu den Filmen, deren Entstehung man mit dem Ausdruck “guerilla film making” beschreibt: Es gibt kein eigentliches Budget, das eine ‘normale’ Dreharbeit ermöglicht. Stattdessen teilt sich das Team hinter der Kamera möglichst viele Aufgaben. Hart am Rand der Selbstausbeutung und oft genug jenseits davon fabriziert man auf diese Weise Werke in der Tradition eines Ed Wood, jr.: Durch die rosarote Brille betrachtet sehen die Film-Guerillas einen tollen Film, während den nüchternen Zuschauern nur Flickwerk, Notlösungen und Pfusch in die Augen stechen.

Regisseur Roel Reiné benötigte nur 350.000 Dollar und 15 Drehtage, um seine Vision Gestalt annehmen zu lassen. Er trieb diese (nicht nur) in Hollywood lächerliche Summe auf, schrieb das Drehbuch und saß hinter der Kamera. Der in den Niederlanden geborene Reiné, der im Fernsehen seines Heimatlandes das Film-Handwerk erlernte, ist die Arbeit ohne Geld und Geist gewohnt. Er verdingt sich für Krawall-Filme wie “Adrenaline” oder “Pistol Whipped”, in denen einschlägig bekannten Haudrauf-Mimen wie Steven Seagal, Danny Trejo oder Ving Rhames ihr Unwesen treiben; für Lance Henrikson ist Reiné inzwischen so etwas wie ein Hausregisseur geworden.

“Deadwater” reiht sich damit nahtlos in Reinés Gesamtwerk ein. In den USA erlitt der Regisseur-Autor-Kameramann-Produzent mit seinem Streifen übrigens Schiffbruch. Aus “Deadwater” wurde nach zehnminütiger Kürzung “Black Ops”. Dieser Titel erscheint statt “Deadwater” auch im Vor- und Nachspann – eine Schlamperei, die nicht mehr erschüttern kann. Eines schlimmeren Vergehens machte sich das deutsche Label schuldig, als es Synchronsprecher engagierte, denen offenbar Seilschlingen um die Hälse gelegt und diese langsam zugezogen wurden, um den aus unbekanntem Grund gewünschten, d. h. nöligen, gepressten, ausdruckslosen Sprechton zu gewährleisten.

DVD-Features

Diejenigen, denen wir verdanken, dass “Deadwater” über uns kam, indem sie sie dieses Machwerk entweder produzierten oder später in DVD-Form auf den Weltmarkt warfen, wagten nicht, allzu fest auf die Langmut ihrer Kundschaft zu setzen. Deshalb sparten sie nicht nur beim Hauptfilm. “Deadwater” erscheint nur als DVD, nicht als Blu-ray, was heutzutage durchaus ungewöhnlich ist. Außerdem gibt es keine Extras, sondern nur den Hauptfilm. Hat man den gesehen, versteht man aber, wieso sämtliche Beteiligten lieber im Schutz ihrer Rollen verborgen bleiben, statt sich durch ein “Making of” zu outen.

[md]

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Gong Tau

Erstellt von Michael Drewniok am 8. April 2010

Gong Tau
An Oriental Black Magic

Originaltitel: Gong Tau (Hongkong 2007)
Regie: Herman Yau
Drehbuch: Herman Yau u. Chun-Yue Lam
Kamera: Jose Chan
Schnitt: Azreal Chung
Musik: Brother Hung
Darsteller: Mark Cheng (Rockman Cheung), Maggie Shiu (Karpi), Lam Suet (Brother Sum), Kenny Wong (Lam Chiu), Kris Gu (Lockman), Hui Shiu Hung (Wah), Lau Kam Ling (Lily Chan), Fung Hak On (Meister Clear Sea), Teng Tzu Hsuan (Elli Lam) Kam Loi Kwan (Sai Keung) uva.
Label: I-ON New Media
Vertrieb: WVG Medien
Erscheinungsdatum: 27.02.2009 (Kauf-DVD) bzw. 31.10.2008 (Limited Edition/Metalpak)
EAN: 4260034632196 (Kauf-DVD) bzw. 4260034631922 (Limited Edition/Metalpak)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Kantonesisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Polizeiermittler Rockman Cheung ist ein innerlich zerrissener Mensch. Obwohl gerade Vater geworden, vernachlässigt er seine Familie. Lieber jagt er Verbrecher durch Hongkong. Dort sorgt just ein Polizistenmörder für Aufruhr, weshalb Rockman nicht zu Haus ist, als Karpi, seine Frau, plötzlich von entsetzlichen Schmerzen heimgesucht wird. Als Rockman endlich heimkehrt, findet er sie bewusstlos und seinen Sohn grässlich entstellt und tot vor.

Rockman und sein erfahrener Kollege Brother Sum verdächtigen den Bankräuber Lam Chiu. Ihn hat Rockman vor 13 Jahren auf der Flucht angeschossen. Seitdem kann Lam keine Schmerzen mehr empfinden. Er hat Rockman Rache geschworen. Nachdem er aus dem Gefängnis kam, ist Lam untergetaucht. Als ein weiterer Polizist einen bizarren und offensichtlich rituellen Tod stirbt, meint Sum hinter den Verbrechen ein „Gong tau“ zu erkennen: Ein Hexenmeister – Lam Chiu? – hat Rockmans Familie mit einem Fluch belegt, eine Vergeltung, gegen die sich mit Polizeimethoden nichts ausrichten lässt. Sum bringt Rockman und Karpi deshalb zu Meister Clear Sea, dessen Exorzismus jedoch scheitert: Das Gong tau ist zu stark. Rockman muss den Verursacher finden und zum Rücknahme des Fluches bringen.

Nur er weiß, dass dies eigentlich unmöglich ist, denn Rockman verheimlicht, dass es einen Menschen gibt, der ihn noch stärker als Lam Chiu hasst: Drei Jahre zuvor hatte er während eines Einsatzes in Thailand eine Affäre mit der Tänzerin Elli, der er ewige Liebe schwor, um sie dann zu verlassen. Elli hat sich später vor Gram umgebracht; das Gong tau hält Rockman für ihr böses Vermächtnis, und Lam Chiu fungiert womöglich als Ellis Nachlassverwalter. Als Lam endlich gefasst wird, sehen die Polizisten endlich Licht am Ende des schwarzmagischen Tunnels, zumal der Gangster sich bereiterklärt, das Gong tau zu lösen, wenn man ihn freilässt. Aber Lam weiß mehr, als er verrät, und deshalb geraten Sum und Rockman in eine buchstäblich teuflische Falle …

Horror aus Asien: Kino der Seltsamkeiten

Das asiatische Kino ist nicht nur aber vor allem im Genre Phantastik eine Wundertüte des Schrecklichen und Bizarren. Der europäische Zuschauer wird beide Empfindungen freilich anders definieren als das eigentliche Zielpublikum. Furcht bzw. Gefühle überhaupt werden in den Ländern der aufgehenden Sonne entweder deutlich abweichend empfunden – was die Ethnologen zu entscheiden haben – oder zumindest auf eine Art dargestellt, die den Abendländer überrascht und irritiert.

„Gong tau“ bildet in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Seelennot und Gewissensqualen werden mehrfach aus dem Handlungszusammenhang gerissen und förmlich zelebriert. Immerhin hält sich die Zahl entsprechender Szenen in Grenzen. „Gong tau“ wurde in Hongkong gedreht, wo die Filmstudios durchaus mit dem Blick auf das westliche Publikum produzieren. Herman Yau ist zudem ein Regisseur und Drehbuchautor, der frontal auf sein Thema zumarschiert. Ein subtiler Filmemacher ist er nicht; er kommt nach anderthalb Stunden zum Ende seiner Geschichte, was wenig wundert bei diesem bienenfleißigen Mann, der zeitweise vier Filme jährlich inszenierte.

Wobei „Gong tau“ zu den ‚sanfteren‘ Werken Yaus gehört, der sich mit Filmen wie „The Untold Story“ (1993) oder „Ebola Syndrome“ sogar den Unmut der heimischen Zensur zuzog, die in Sachen Brutalität und Drastik normalerweise sehr gelassen reagiert. Tatsächlich setzt „Gong tau“ trotz teilweise heftiger Effekte vor allem auf Gruselstimmung. Hongkong ist bei Yau keine glitzernde Metropole, sondern eine düstere, verregnete, von klaustrophobisch engen und verkommenen Häuserzeilen, Gassen und Hinterhöfen geprägte Megalopolis.

Schwarze Magie einmal anders

Das Konzept der dämonischen Besessenheit ist wahrscheinlich in allen Kulturen dieser Erde verbreitet. Die Unterschiede zeigen sich in den Details. In dieser Hinsicht kann Yau mit „Gong tau“ punkten: Der vom ewig gleichen Einerlei des westlichen Horror-Kinos gelangweilte Zuschauer wird mit unbekannten und interessanten Schreckensgestalten konfrontiert. Natürlich bedarf es dennoch einiger Nachsicht, muss man sich doch u. a. daran gewöhnen, dass ein Hexenmeister seinen Schädel vom Restkörper ‚abkoppelt‘, um auf diese Weise als „fliegendes Gong-tau“ seine Feinde aus der Luft zu attackieren. Dies zu akzeptieren wird nicht leichter, wenn Rockman vom Schädel in eine ausführliche Diskussion über Schuld und Sühne verwickelt wird. Der Horror funktioniert deshalb dann am besten, wenn seine Verursacher nur schattenhaft oder gar nicht zu sehen sind.

Immer wieder verblüfft die Selbstverständlichkeit, mit der die Protagonisten im Asien-Kino die Gegenwart des Übernatürlichen akzeptieren. Wo im Westen lang und umständlich ‚erklärt‘ und eingeführt werden muss, wieso es umgeht, kommt Brother Sum nach kurzem Nachdenken zu der Erkenntnis, dass Rockman und seine Familie von einem Gong-tau gejagt werden. Ebenso zweifelsfrei werden Gegenmaßnahmen eingeleitet. Dafür gibt es Experten wie Meister Clear Sea, die aus ihrem Job keinen Hehl machen und machen müssen.

Dämon oder Dämon Mensch?

Herman Yau hebt in seinem Film ein bekanntes Phänomen hervor: Das übernatürliches Böse fällt in der Regel nicht selbstständig über seine Opfer her. Wesentlich öfter wird es von den Menschen selbst gerufen. Der mordende Fluch ist menschlichen Ursprungs, und die Motive des Hexenmeisters, der ihn heraufbeschwor, sind ebenfalls menschlich. Habgier, Liebe, Rache – dies sind aus polizeilicher Sicht die drei hauptsächlichen Mordmotive. Sollte ein Mörder jemals die reale Chance bekommen, einen Dämon in seinen Dienst zu zwingen, ist unbedingt davon auszugehen, dass er (oder sie) diese Gelegenheit nutzen wird.

„Gong tau“ ist ein Film, in dem sympathische Figuren drastisch in der Minderzahl sind. Selbst Bruder Sum, der selbstlos seinem Freund Rockman beisteht und dabei sogar das Gesetz missachtet, ist ein Polizist, der völlig selbstverständlich Informationen aus Verdächtigen heraus prügeln lässt. Rockman selbst ist – gut dargestellt von Mark Cheng – ein Mann, der sich selbst, seine Familie, seine Freunde und sogar seine Feinde zerstört. Er ist süchtig nach der Verbrecherjagd, die ihn gleichzeitig von seinen privaten und beruflichen Vergehen ablenkt. Mit der Wahrheit rückt Rockman erst heraus, wenn ihm gar keine Alternative mehr bleibt.

Vielleicht eher den bereits erwähnten asiatischen Eigenheiten ist die Charakterzeichnung von Rockmans Ehefrau Karpi geschuldet. Falls es in diesem Kulturkreis bereits eine Emanzipationsbewegung gibt, geht sie seltsame Wege. Karpi wird jedenfalls als nervenschwache, unbeherrschte, manipulierbare, dümmliche Hausfrau dargestellt, die stets Opfer bleibt und vom Gatten auf dem Weg zum Showdown notfalls im Schlafanzug über die Schulter geworfen und aus dem Krankenhaus geschleppt wird.

Die attraktive Elli scheint aus härterem Holz geschnitzt zu sein. Doch sie bleibt ebenfalls passiv, ist nur Katalysator des übernatürlichen Grauens, das erst einsetzt, als sie sich längst im Liebeswahn umgebracht hat. Darüber hinaus dient sie als Blickfang. Überraschend offen, d. h. in vollständiger frontaler Nacktheit („full frontal nudity“: wieder einer dieser hübschen ‚Fachausdrücke‘, die wir dem US-Kino verdanken) präsentiert sich Teng Tzu Hsuan gleich in mehreren Szenen, die zwar zum Geschehen nichts beitragen, aber für zusätzliche Schauwerte sowie jene Skandalträchtigkeit sorgen, die als kostenlose, von Zensoren und frommen Gutmenschen zuverlässig geschürte Werbung stets willkommen ist.

Horror ist Schock, Strafe muss sein

Schon angedeutet wurden die harten Effekte. „Gong tau“ ist ein Film, der unter ausgiebigem Einsatz von Tricktechnik entstand. Blut und Verwesung kommen vergleichsweise sporadisch zum Einsatz. Ist es dann soweit, gibt Yau freilich kein Pardon. Das Entsetzliche wird nicht angedeutet, sondern gezeigt. Das schließt den Anblick einer mit Messern malträtierten und von Würmern zerfressenen Babyleiche oder das systematische und explizit gezeigte Zerschießen einer menschlichen Hand ein, was  dem in dieser Hinsicht normalerweise verschonten westlichen Zuschauer Augenblicke erhöhter Adrenalin-Ausstöße beschert.

Erstaunlicherweise scheint „Gong tau“ nur randwertig auf dem Radar der deutschen Zensur aufgetaucht zu sein. Normalerweise ist man dort mit der Schere sehr flink und kappt vorsichtshalber auch Szenen, die VIELLEICHT verrohend und beunruhigend wirken KÖNNTEN. Man spricht den Saubermenschen der Schnippschnapp-Brigaden die Fähigkeit zur Differenzierung gern ab, doch hier stellt sich die Frage, ob der asiatischen Ursprung dieses Films und seine in einem fremden kulturellen Umfeld verwurzelte Haltung zur filmischen Gewalt Berücksichtigung fand.

Asiatische Filme enden gern tragisch, während im Westen das Happy-End bevorzugt wird. Rockman ist ein Anti-Held, der seine Fehler wiedergutmachen will. Der Sieg gegen das Böse ist wichtig, doch das genügt trotz endloser Schmerzen und Leiden nicht. Der Anti-Held weiß im Grunde, dass er seine Läuterung nicht überleben wird, aber er geht stoisch dem Tod entgegen, den er als Strafe akzeptiert. Ein lebendiger Neubeginn ist in diesem Konzept nicht vorgesehen – eine fragwürdige, zumindest hierzulande in dieser Strenge nicht mehr vertretene Philosophie.

Solchen tiefgründigen Gedanken zum Trotz ist „Gong tau“ ein spannender Film mit einem nicht unkomplizierten Plot. Es liegt keineswegs nur an den fremden und oftmals gleichlautenden Rollennamen, dass der Zuschauer gedanklich am Ball bleiben muss, um die magische Intrige zu verstehen. Die exotische Kulisse Hongkongs wird effektvoll genutzt, die Kamera ist ebenso beweglich wie die Darsteller. Das Tempo lässt manche Unlogik vergessen. Die weitgehende Unkenntnis jener faulen Tricks, die in Asien als Film-Klischees gelten, kommt dem europäischen Zuschauer zusätzlich zugute.

DVD-Features

Als Extras gibt es nur einen Trailer sowie ein „Making of“, das keine drei Minuten ‚lang‘ ist: Einige Hauptdarsteller erläutern knapp ihre Rollen. Erstaunlicherweise wurden ihre Äußerungen zumindest Englisch untertitelt, sodass man sie verstehen kann.

Anmerkung: Das Motiv des Covers hat zumindest mit dem Inhalt der deutschen Fassung dieses Films rein gar nichts zu tun; es dient als visuelles Lockmittel für potenzielle Zuschauer mit speziellen Vorlieben …

[md]

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Nichts als die Wahrheit

Erstellt von Günther Lietz am 4. März 2010

Bei Libri.deNichts als die Wahrheit

Originaltitel: Nothing but the truth
Regie: Rod Lurie
Darsteller: Alan Alda, Kate Beckinsale, Angela Bassett, Matt Dillon, Vera Farmiga, David Schwimmer, Noah Wyle

Produktionsland: USA 2008
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 102 min. PAL Color
Bildformat: 2.35:1 / 16:9
Extras: Interviews, Featurette, Beim Dreh, Making Of, Deleted Scenes, Trailershow
Untertitel: Deutsch
Ton: Deutsch, DTS, Dolby Digital 5.1, Englisch, Dolby Digital 5.1

Auf den Präsidenten der USA wurde einen Attentat verübt. Die CIA findet angebliche Beweise, das Venezuela in dieses Attentat verstrickt sein soll.

Anhand einer anonymen Quelle erfährt die noch junge und aufstrebende Journalistin Rachel Armstrong (Kate Beckinsale), dass dem CIA die Unschuldigkeit Venezuelas bekannt war und somit der militärische Gegenanschlag der USA unbegründet war.  Die Journalistin deckt dies über einen groß angelegten Zeitungsartikel auf, in der Hoffnung die Regierung somit zum Umdenken bewegen zu können und natürlich um ihre Karriere voranzutreiben. Es kommt zu einer Festnahme Rachels mit Beugehaft, da sie sich weigert ihre anonymen Quellen preiszugeben.

In diesem Polit-Thriller von Regisseur Rod Lurie sind einige bekannte Schauspieler dabei. Neben Kate Beckinsale in der Rolle als Rachel Armstrong spielen noch Matt Dillon als Staatsanwalt, Angela Basset, David Schwimmer als Rachels Ehemann und Alan Alda als Anwalt von Rachel mit.

Hier zeigt Kate Beckinsale, welche in vielen Filmen ihr Debüt darlegte u. a. in Pearl Harbour und in der Triologie Underworld als sexy Elitekriegerin Selene, dass sie auch für ernsthafte Rollen eine hervorragende Schauspielerin ist. Hier beweist Sie, dass Sie auch eine Charakterrolle überzeugend und authentisch spielen kann und somit den Zuschauer richtiggehend in ihren Bann ziehen kann.

Als Grundlage für den Film diente wohl der Fall einer Journalistin bei der New York Times.  Judith Miller saß 85 Tage in Beugehaft, da sie ihre Quellen für die Enttarnung von CIA-Agenten nicht preisgeben wollte. In diesem Film wurde die Dauer der Beugehaft allerdings auf ein Jahr verlängert, bis die Journalistin Rachel Armstrong die Freiheit wieder genießen durfte, wenn auch nur für kurze Dauer.

Der Regisseur Luire hat es hier geschafft, in einer Meisterleistung dem Zuschauer einen unglaublich spannenden Thriller zu präsentieren, der nebenbei auch noch die negativen familiären Gesichtspunkte gut bedacht hat. So konnte Rachel Armstrong ihren geliebten Sohn über ein Jahr nicht mehr in die Arme schließen. Auch zerbrach ihre Ehe an ihrer Schweigsamkeit. Lurie hat es hier auch verstanden, den Zuschauer mit dieser doch trockenen Materie in den Bann zu ziehen, was in vielen anderen Verfilmungen nicht gegeben ist.

Der Zuschauer bekommt hier einen guten, hochklassigen Film präsentiert. Hier wird eine interessante Geschichte, der Kampf einer Person, welche für die Prinzipien einer bestimmten Berufsgruppe einsteht, die Quellen von Informationen nicht preis zu geben, spannend und packend umgesetzt. Es werden fast alle persönliche Entbehrungen von ihr in Kauf genommen, nur um die Quelle ihrer Informationen zu schützen. Und gerade dieses erhält am Ende des Films ein zusätzliches Gewicht, als der Zuschauer diese Quelle sieht bzw. erlebt.

“Nichts als die Wahrheit – Im Fadenkreuz der Staatsmacht” ist ein wirklich qualitativ hochwertiger Polit-Thriller.  Eine alles überragende Kate Beckinsale beweist hier, das sie eine hervorragende Darstellerin ist, die auch in Charakterrollen absolut überzeugen kann.  Dieser Film bietet eine absolut spannende Unterhaltung auf sehr hohem Niveau, was einem keinesfalls entgehen sollte.

(Walter Gasper)

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Downloading Nancy

Erstellt von Michael Drewniok am 11. Februar 2010

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Originaltitel: Downloading Nancy (USA 2008)
Regie: Johan Renck
Drehbuch: Pamela Cumings u. Lee Ross
Kamera: Christopher Doyle
Schnitt: Henrik Hanson u. Johan Söderberg
Musik: Krister Linder
Darsteller: Maria Bello (Nancy Stockwell), Jason Patric (Louis Farwell), Rufus Sewell (Albert Stockwell), Amy Brenneman (Carol), David Brown (Billy Ringel), Michael Nyqvist (Stan) u. a.
Label: Senator Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 16.12.2009 (Leih-DVD) bzw. 15.01.2010 (Kauf-DVD)
EAN: 4013575566693 (Leih-DVD) bzw. 0886974374695 (Kauf-DVD)
Bildformat: 16 : 9 (1,85 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 98 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Nancy Stockwell ist eine schöne Frau, die mit ihrem beruflich erfolgreichen Gatten Albert ein wohlhabendes Leben führt. Hinter dieser Fassade tun sich jedoch Abgründe auf. Albert ist ein gefühlskalter, auf das Golfspiel fixierter Reinlichkeitsfanatiker, der nicht erkennt bzw. nicht erkennen will, wie unglücklich Nancy ist. Nicht einmal das Wissen um ihre zahlreichen Sitzungen mit der Psychologin Carol nimmt Albert zum Anlass, sich mit seiner Ehefrau auszusprechen, die sich mit Rasierklingen schneidet, um überhaupt noch etwas zu fühlen.

Längst hat sich Nancy so tief ins seelische Aus gesteuert, dass sie den spektakulären Ausstieg aus einem ihr unerträglich gewordenen Leben plant. Über das Internet, das ihre einzige Verbindung mit der Außenwelt darstellt, hat sie Louis kennengelernt, der in einschlägigen Chatrooms als „Schmerzensmann“ auftritt. Mit ihm schließt Nancy einen Pakt. Sie liefert sich Louis und seinen sadistischen Neigungen aus, um sich schließlich von ihm umbringen zu lassen.

Eines Tages ist es soweit. Nancy verlässt Albert, der ratlos und von der Situation überfordert zurückbleibt. Sie wird nicht zurückkehren, aber auch für Louis sind nach der Begegnung mit der zutiefst verstörten Frau die Tage als „Schmerzensmann“ vorüber: Die Realität holt ihn ein, sodass er sich Nancy letztem Wunsch nicht verschließen kann und Albert mit einer Botschaft in seinem leeren Haus aufsucht …

Keine Hoffnung, kein Ausweg

Für die Randbereiche der menschlichen Psyche gibt es im Kino seit jeher zwei  Darstellungsweisen. Da haben wir einerseits den Horror, der offen, d. h. blutig und dabei unterhaltsam das Wirken & Würgen geisteskranker Serienkiller, durchgeknallter Wissenschaftler oder anderweitig irrer Metzelbolde in Szene setzt, wobei gleichzeitiger Popcorn-Verzehr, Getränkegenuss und freudiges Gejohle durchaus nicht fehl am Platze wirken.

Auf der anderen Seite stehen Filme wie „Downloading Nancy“, die sich dem Phänomen der (Selbst-) Zerstörung ernsthaft und quasi dokumentarisch widmen. Auch hier wird gelitten und gestorben, aber das zu beobachten ist nicht vergnüglich, sondern weckt das Unbehagen des Zuschauers, der sich wie ein Voyeur vorkommt. Man könnte sagen, dass diese Filme in Form und Inhalt der Realität ein wenig zu nahe kommen.

„Nach einer wahren Begebenheit“ heißt es auch im Nachspann von „Downloading Nancy“. Was in der Regel nur ein Trick ist, um billige Zusatz-Werbung für einen Film zu machen, wirkt hier authentisch, weil in den letzten Jahren tatsächlich Fälle belegt sind, in denen verzweifelte Menschen ihren Mörder per Internet suchten – und fanden.

Wer so konsequent ist wie Regisseur Johan Renck, der sich streng auf das Drama dreier verlorener Menschen konzentriert, ohne Konzessionen an ein Publikum zu machen, das in Mainstream-Dramen mit im Drehbuch eigens vorgesehenen Momenten der Entspannung rechnen kann, darf auf einen Blockbuster nicht hoffen. Tatsächlich ertrugen nicht einmal das sich gern intellektuell gebende Publikum des „Sundance Film Festivals“ die Uraufführung von „Downloading Nancy“; Hauptdarsteller Rufus Sewell beobachtete, wie die Zuschauer scharenweise den Kinosaal verließen.

Jenseits des Punktes der Wiederkehr

In der Tat ist „Downloading Nancy“ kein vergnügliches Erlebnis. Dabei gibt es keinerlei Brutalitäten zu besichtigen. Es sind Darstellerkunst und inszenatorisches Geschick, die den Rasierklingenschnitt in ein Bein oder einen Arm zum blanken, weil wiederum realistischen Horror anschwellen lassen. Auch sonst spiegelt jede Szene nur Verlassenheit, Trostlosigkeit und Hoffnungslosigkeit wider. Die Bilder sind ausgewaschen und entbehren jeglicher Farbigkeit. Dazu spielt die Handlung im neuenglischen Winter, der besonders düster, eisig und unwirtlich wirkt.

Gemütlichkeit ist auch innerhalb bewohnter Mauern ein Fremdwort. Das Sprechzimmer der Psychiaterin ist eine schäbig möblierte, enge, fensterlose Kammer. Feiern finden in gesichtslosen Hotelkavernen statt. Das Haus der Stockwells ist kein Heim, sondern ein Gefängnis, dessen männlicher Bewohner jegliche ‚Beschädigung‘ durch Schmutz oder Knautschflecken vermeidet. Scheußlich gemusterte, unbequeme Polstermöbel werden mit glatten, kalten Plastikbezügen ‚geschützt‘. Die Depression nimmt Gestalt an.

Die Menschen fügen sich nahtlos in diese Umgebungen ein. Wenn Albert auflebt, dann nur in seinem zum Golfclub umgebauten Keller, in dem er meist völlig allein ist. Wenn seine ‚Freunde‘ Billy und Stan auftauchen, verödet die Unterhaltung in Allgemeinplätzen, denn zu sagen hat man sich im Grunde nichts.

Des Dreiecks mörderische Seite

Doch wo nicht mehr gesprochen wird, kann die Dunkelheit einziehen. Albert sieht genau, dass Nancy sich quält. Er lässt es geschehen. Damit wird er mitschuldig bzw. hauptverantwortlich für ihren Tod. Das ist die Lektion, die ihm Nancy sehr erfolgreich zu erteilen vermag. Ähnlich wird es vermutlich Carol geschehen. Renck ist abermals kompromisslos: Die Therapiegespräche mit Nancy werden zum pagageienhaften Nachplappern angelernten Fachwissens, das immer hektischer wird, je mehr Carol bewusst wird, dass sie Nancys Verzweiflung nichts entgegenzusetzen hat. Anders als Albert will Carol helfen, doch sie kann es nicht, denn über diesen Punkt ist Nancy hinaus: für eine Psychologin eine unerträgliche Erkenntnis und das Eingeständnis einer Niederlage.

Nachdem sie selbst, ihr Partner und die Medizin versagt haben, sieht Nancy nur im Tod eine Erlösung. Den will sie sich aber nicht selbst geben: Sie möchte schmerzvoll sterben, denn Schmerz ist das einzige Gefühl, das sie noch spürt. Das bringt Louis ins Spiel. Er könnte als Figur der Bösewicht dieses Dramas werden, aber diese simple Charakterisierung gestattet Renck nicht. Louis ist keineswegs der kontrollierte, eiskalte „Schmerzensmann“, zum dem er sich stilisiert. Stück für Stück zerbricht diese Fassade im Zusammensein mit Nancy und offenbart einen Menschen, den das Leben mindestens ebenso verletzt hat wie sein ‚Opfer‘, das Louis‘ Liebesbekundungen brutal zurückweist und auf ‚Vertragserfüllung‘ besteht.

Denn Nancy ist in ihrer erbarmungslosen Selbstzerstörung ein gefährlicher Mensch. Carol erlebt es, als ihre Patientin sie attackiert, aber Louis, der ihr länger ausgesetzt ist, wird von Nancy zerstört. Selbst im Tod manipuliert sie ihn weiter und bringt ihn dazu, sich Albert auszuliefern, um ihm ihre letzte Botschaft auszurichten.

Der Herausforderung gewachsen sein

Johan Renck ist kein in den USA aufgewachsener und dort ins Filmgeschäft gekommener Regisseur. Er wurde in Schweden geboren und lebt noch heute in Stockholm. So kann Renck durchaus als ‚europäischer‘ Filmemacher gelten, was in der Kritikerwelt identisch ist mit dem Drang zur unbequemen und unzensierten, sprich: hollywoodfernen Filmkunst.

Zumindest an den Kinokassen konnte Renck diesem Ruf problemlos entsprechen: „Downloading Nancy“ spielte bei Produktionskosten von 3 Mio. Dollar praktisch keinen Cent ein. Der Stoff erwies sich für ein breites Publikum als zu starker Tobak. Zwar wird mancher von der Kritik heiß geliebter ‚Kunstfilm‘ für den Zuschauer mit Fug und Recht als Aufforderung zur Kinoflucht verstanden. Auf „Downloading Nancy“ trifft dies nicht zu, denn dieser Film ist das Werk eines Regisseurs, der sein Thema im Griff hat.

Das verdankt Renck einem ausgewogenen Drehbuch sowie Schauspielern, die ihre schwierigen Rollen außerordentlich überzeugend mit depressivem Leben erfüllen. Vor allen anderen ist natürlich Maria Bello zu nennen, die nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere keineswegs davor zurückscheut, buchstäblich alles zu geben. Nie augenrollend & Schaum spuckend irrsinnig, sondern entweder erloschen oder blindwütig, oft beides im sekundenschnellen Wechsel, Mitleid erregend aber nie sympathisch, ist Nancy die Verkörperung des Lebensekels. Obwohl Bello selbst ohne Make-up, in schmuckloser Kleidung und gefilmt in fahlem Licht eine schöne Frau bleibt, ist sie selbst nackt kein erotischer Anblick – auch über diese Phase ist Nancy längst hinaus; sie sorgt lieber dafür, dass Louis im Baumarkt eine Hacke kauft, mit der er später ihre Leiche besser zerteilen kann.

Unterhaltung muss nicht unterhaltsam sein

Rufus Sewell gibt einen gleichermaßen abscheulichen wie jämmerlichen Albert. Vom seelischen Bankrott trennen ihn nur seine Obsession für Golf und eine Gefühlsarmut, die ihn problemfrei funktionieren lässt. Sewell gibt der undankbaren Rolle eine düstere Größe in seinem von Nancy über Louis in Gang gesetzten Erkenntnis- und Reifeprozess, den er womöglich nicht überstehen wird.

Auch Jason Patric ist fabelhaft als Sadist und Lustmörder, der sich seinen eigentlichen Bedürfnissen stellen muss. Menschen zu verletzen ist einfacher als sich mit ihnen zu verständigen. Als Louis dies vergisst, ist es um ihn geschehen. Patric meistert eine schwierige Doppelrolle, denn ist er zunächst Nancys Fährmann in den Tod, muss er später zum Neustarter für Alberts tief verschüttetes Gefühlsleben werden. Louis redet nicht, er handelt, und er geht dabei ähnlich rücksichtslos vor wie Nancy.

„Downloading Nancy“ bietet die Möglichkeit, sich einen Film nicht nur ‚anzuschauen‘, sondern sich auf ihn einzulassen. Auch die Gabe, das Leere und Niederschmetternde darzustellen und vorstellbar zu machen, verdient Anerkennung. Wie eigentlich immer sollte nur die Geschichte zählen, und die ist zwar traurig, wird aber wunderbar erzählt.

DVD-Features

„Downloading Nancy“ ist ein Film, für den ein „Making-Of“ als verkappter Werbe-Trailer eher kontraproduktiv wäre. Echte Hintergrundinfos – z. B. über die realen Ereignisse, die das Drehbuch inspirierten – wären hilfreich. Da dafür ein gewisser Aufwand getrieben werden müsste, der für Kassengift-Filme als nicht lohnend erachtet wird, fallen folgerichtig sämtliche Features ersatzlos weg.

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Stump the Band

Erstellt von Michael Drewniok am 12. Januar 2010

stump-the-bandStump the Band

Originaltitel: Stump the Band (USA 2006)
Regie: William Holmes u. JoJo Henrickson
Drehbuch: JoJo Henrickson (nach einer Story von Fletcher Rhoden)
Kamera: Jose Luis Rios
Schnitt: JoJo Henrickson
Musik: Robbie Rist
Darsteller: Courtney Bean (Tammy), Becky Boxer (Joan), Dominique Davalos (Kim), Brittney Startzman (Elaine), Ellen Fox (Nikki), JoJo Henrickson (Nigel), Larry Wyatt (Coach), Dave Berges (Daniel), Jake Harmes (Billy), Charles Klausmeyer (Einarmiger Mann), Brandon Tesar (Kiel), Carl Ciarfalio (Guido), Danny Cooksey (Little Joe) uva.
Label/Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2009
EAN: 4041658700283
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch), Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 84 min.
FSK: 18

Das geschieht:

Irgendwo in der Provinz des US-Staats Wisconsin rackert sich eine Frauen-Rockband in schmierigen Bars und ähnlich unerfreulichen Etablissements ab. Auf den großen Durchbruch mussten Kim, Joan, Elaine und Tammy bisher vergeblich warten, worüber sie sich mit viel Sex & Rock’n’Roll trösten, während sie mit Manager Nigel, Roadie Nikki und Fahrer Kiel im uralten Van von Auftritt zu Auftritt eilen.

Weil es zum nächsten Ziel Mal besonders weit durch tiefe Wälder geht, ist die Gruppe froh, als ihnen an einer Tankstelle eine Abkürzung gewiesen wird. Leider ist Kiel nicht der Hellste; in tiefer Nacht kommt er von der schmalen Straße ab. Man strandet mitten in der Wildnis. Niemand weiß, wo man ist, der Wagen springt nicht mehr an, die Handys bleiben ohne Empfang.

Schon auf sie gewartet haben allerdings der gar nicht freundliche Tankwart Daniel und sein schwachsinniger Spießgeselle Billy. Freudig nehmen sie die Gunst der Stunde wahr und eröffnen die Jagd auf die fünf schönen Frauen. Sie wollen sie fangen und dem Schuhhändler “Coach” bringen. Der lebt seinen intensiven Fußfetischismus aus, indem er Daniel und Billy Frauen in die Falle locken und in sein abgelegenes Haus verschleppen lässt. Dort hackt er ihnen mit seiner doppelschneidigen Axt die Füße ab, die er anschließend – sorgfältig nach Größe geordnet – in Schuhkartons hortet. Seine Opfer interessieren ihn fußlos nicht mehr, wovon seine Schergen anstößig profitieren.

Das Killer-Team hat sich über die Jahre perfekt aufeinander eingespielt. Deshalb sieht es schlecht für die Frauen aus. Kiel und Nigel werden schnell ausgeschaltet, und bald kann Coach ein erstes Mal die Axt schwingen. Aber er hat die Rocker-Girls unterschätzt, und außerdem lauert im Wald jemand, der eine alte Rechnung mit Coach zu begleichen hat. Der Kampf beginnt – Pardon wird nicht gegeben …

Auf diesem Mist soll der Erfolg wachsen

Normalerweise verdienen sich die Männer und Frauen der in North Hollywood ansässigen Firma “Compost Productions” ihren Lebensunterhalt, indem sie hoffnungsfrohe Nachwuchs-Schauspieler dafür zahlen lassen, sie in repräsentativen Spielszenen zu filmen, die anschließend hoffentlich interessierten Studios als Referenz gezeigt werden können. Doch wie in Hollywood üblich, wollen die Compostler eigentlich selbst ‘richtige’ Filme drehen. Mit “Stump the Band” erfüllten sie sich ihren Traum, der zu diesem Zeitpunkt gut gereift war. Regisseur William Holmes erzählt im “Making Of”, dass er die Story beinahe ein Jahrzehnt in seinem Hirn wälzte. Letztlich musste er JoJo Henrickson zu Hilfe holen, um aus der Idee ein funktionstüchtiges Drehbuch zu entwickeln.

Der unter diversen Mühen fertiggestellte Film wirft die Frage auf, was das Paar die ganzen Jahre tatsächlich getrieben hat: “Stump the Band” ist ein völlig typischer, d. h. ideenarmer, überhaupt nicht origineller und billig heruntergekurbelter Backwood-Slasher, der die mit diesem Genre verbundenen Klischees in voller Bandbreite bedient. Hübsche Frauen in den Fängen vertierter Hinterwäldler, ein bisschen Nacktheit, die in den USA nur angedeutet werden darf, weshalb man auf sittlich unbedenkliche Folter- und Metzel-Szenen ausweicht: Die Masche hat sich bewährt und kommt auch hier zum Tragen.

Weshalb “Stump the Band” nüchtern betrachtet als weiterer jener Schnellschüsse abgetan werden könnte, die Hollywood in Salven auf ahnungs- und wehrlose Zuschauer abzufeuern pflegt. Das Drehbuch ist keinen Schuss Pulver wert, das Minimal-Budget und die daraus erwachsenen Unzulänglichkeiten werden allzu offensichtlich, und die Darsteller haben die Kunst des Schauspiels höchstens per Fernstudium (und oft gar nicht) erlernt.

Humor hilft eigentlich immer

Was “Stump the Band” indes von den unzähligen filmischen Grausamkeiten der B- und C-Kategorie trennt, mit denen sich vor allem der Horrorfan malträtiert sieht, ist ein unerwarteter Enthusiasmus, der das laue Geschehen mit Leben füllt. Unabhängig davon, ob die in Szene gesetzten Scherze witzig sind, hilft es dem Film, dass er zwar seine Zuschauer, aber sich niemals ernst nimmt. “Stump the Band” bietet natürlich keinen feinsinnigen Humor. Selbst grobe Gags werden jedoch so unverfroren dargeboten, dass man unwillkürlich grinsen muss.

Darüber hinaus sorgen skurrile und schamlos durchgespielte Einfälle für jene Momente, die Filmroutine zum gelungenen Spaß aufwerten. Larry Wyatt gibt als perverser “Coach” dem Schauspieler-Affen kräftig Zucker. Einen Fußfetischisten als Serienkiller gab es bisher nicht. Wyatt legt sich mit todernster Miene ins Zeug und scheut keine Peinlichkeit. Ohne Furcht vor Lächerlichkeit agiert auch Jake Harmes als Billy, der “dog boy”, der nicht spricht, sondern nur bellt und in den Wald geworfene Schuhe apportiert.

Mit vollem Körpereinsatz mimen die weiblichen Darsteller. Diese Aussage ist durchaus doppeldeutig gemeint, denn selbstverständlich beinhaltet “Stomp the Band” die für den Horrorfilm der B-Stufe obligatorische Nacktszene. An Erotik ist freilich nicht zu denken, wenn man beobachtet, wie sich die vier Frauen hüllenlos und todesmutig in einen ‘Teich’ stürzen, der eindeutig ein schlammiger, stinkender Pfuhl ist. Im “Making Of” wird dies vom Regisseur bestätigt und durch Drehort-Bilder bestätigt, die im Betrachter kaltes Grausen aufsteigen lassen; mit Recht bedankt sich William Holmes noch einmal ausdrücklich bei seinen vier Hauptdarstellerinnen, die dieses höllische Bad nicht nur auf sich nahmen, sondern im Inneren des Drecktümpels sogar das Schauspielen nicht vergaßen.

Falls sie nicht baden, haben in diesem Film ohnehin die Frauen die Hosen an. “Stump the Band” gehört zu den raren Streifen, die ihre Darstellerinnen nicht auf geile Metzel-Schnecken reduzieren, sondern ihnen Persönlichkeiten zubilligen. (Wobei auch hilft, dass die Darstellerinnen zum Zeitpunkt des Drehs zwischen 30 und 40 Jahre alt. also keine kleinen Mädchen mehr waren.) Unsere vier Musikerinnen sind zwar recht proletarisch im Denken und Handeln, aber sie haben das Sagen, und trotz oder sogar wegen ihrer Ruppigkeit wirken zumindest drei von ihnen sympathisch. (Dazu und zu Nr. 4 Näheres weiter unten.) An ihrem Schicksal nimmt man Anteil, statt ungeduldig darauf zu warten, dass sie des Coaches Axt trifft.

Filmdreh als Abenteuer

Der chronische Geldmangel einer Produktion wie “Stump the Band” lässt ‘richtige’ Schauspieler von einem Engagement Abstand nehmen. Zurück bleiben die Hoffnungsvollen und die Verzweifelten, die sich in einem Karriereloch befinden. Letztere in ihrem Unglück zu beobachten ist wenig unterhaltsam. Glücklicherweise scheinen die Darsteller von “Stump the Band” keine besonderen Ambitionen auf eine Hollywood-Starkarriere zu haben.

Schauspielerische Präzisionsarbeit darf man von diesen Neulingen und Laien nicht erwarten. Sie schlagen sich immerhin wacker. Erfreulicherweise schließt das die Hauptdarstellerinnen ein – mit einer Ausnahme: Courtney Bean spielt die Nervensäge Tammy allzu überzeugend. Man hasst sie schnell, und sie will einfach nicht sterben, obwohl sie zwischenzeitlich sogar in Coaches Keller landet. Selbst Beans Originalstimme klingt so grässlich wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Schiefertafel. Welcher Ungeist trieb Holmes & Henrickson dazu, ausgerechnet sie so prominent zu besetzen? Wenigstens fügt sich Bean harmonisch in die Rockmusik-Auftritte der Band ein. Die Musik ist zwar Geschmackssache, doch die Mädels legen sich glaubhaft ins Zeug.

“Stump the Band” verfügt themennah über einen ausgesprochen rockigen Soundtrack. Der fügt sich nicht immer glücklich zu den Szenen, denen er unterlegt wurde, und auch der musikalische Laie bemerkt, dass Talent wohl nicht unbedingt erforderlich war, um einen Song in diesem Film zu platzieren. Manchmal passen Bild und Musik freilich sehr gut zusammen, und dann haben wir wieder einen dieser Momente, in denen “Stump the Band” einfach Spaß verbreitet.

Wie viel Grausen gibt’s für einen Dollar?

Wer genau hinschaut, wird in dem Gewirr der Nebendarsteller immer wieder dieselben Gesichter erkennen. Geld war knapp bei dieser “Compost”-Produktion, sodass auch Mitglieder der Crew im Schutz unterschiedlicher Verkleidungen gleich mehrfach zum Einsatz kamen. Sogar für das Anmieten des Vans, mit dem unsere Band durch die Provinz schaukelt, war kein Geld da. Regisseur Holmes ‘lieh’ sich den Wagen seiner Gattin. Als Stuntman Carl Ciarfalio (der auch den Mafioso Guido gibt) diesen im Eifer des Gefechts in ein Gebüsch krachen lässt (s. “Making Of”), ist Holmes’ Angst vor ehelichen Vergeltungsmaßnahmen sichtlich groß.

Es gibt digitale Effekte in “Stump the Band”, aber sie bleiben in der Minderzahl – gut so, denn sie sind mittelmäßig bis sauschlecht. Ansonsten wird mit Körper- und Kopf-Abgüssen, Schweinedärmen und viel Kunstblut gearbeitet. Weil dieser Film garantiert keine Millionengewinne einbringen wird, legten sich die Macher keine Zügel an und schrieben richtig fiese Effekte ins Drehbuch. In “Stump the Band” fliegen Frauenfüße, Augäpfel und Arme so hemmungslos durch die Luft, dass selbst die notorisch humorlose FSK den Spaßfaktor dieses Films begriff und von Zensurschnitten absah. Ohnehin sorgen die Budgetbeschränkungen dafür, dass die Zahl der Schnetzeleien beschränkt bleibt.

Das alles adelt “Stump the Band” nicht zum Kultfilm. Doch wenn man die Grenzen bedenkt, die den Machern dieses Films gesteckt waren, und ihre manchmal pfiffigen Auswege berücksichtigt, muss man anerkennen, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Arbeit abgeliefert haben, die man sich anschauen kann, ohne sich allzu sehr um 90 Minuten Spiel- und Lebenszeit betrogen zu fühlen.

DVD-Features

Mit viel Liebe zum Detail haben die Macher von “Stump the Band” die Dreharbeiten dokumentarisch begleitet. Was man sich vor und hinter der Kamera gedacht hat, lässt sich dem 27-minütigen, sehr informativen und unterhaltsamen Beitrag “Behind the Scenes” entnehmen. Improvisation hieß an allen Drehorten das Gebot der Stunde, woraus niemand einen Hehl macht, wie überhaupt die ansteckend gute Laune der bei der Arbeit Gefilmten und Interviewten verdeutlicht, was ein “Making Of” jenseits verlagerter Filmwerbung sein kann.

Eine kurze Sammlung von Szenen, die es so nicht in den Film schafften, wird durch diverse “Outtakes” ergänzt, die dokumentieren, was während eines Drehs schiefgehen kann. Besonders erheiternd wirkt eine Sequenz, in der Darsteller Charles Klausmeyer im Vordergrund aus Leibeskräften mit den Dämonen seiner Seele ringt, während im Hintergrund ein sich unbeobachtet wähnendes Mitglied der Crew gegen einen Torpfosten pinkelt.

Sehr inhaltsreich ist schließlich die Website zum Film geraten.

Viele aus “Stump the Band” bekannte Gesichter findet man auch auf der “Compost Productions”-Website wieder.

[md]

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Preisrätsel/Gewinnspiel 5 x 1 DVD
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden:
Wie heisst der schwachsinnige Spießgeselle von Tankwart Daniel? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel” und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald 30 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen! Die 5 Gewinner lauten: Wolf Strunk, Gerd Brake, Mika Bücherheim, Ingolf Schmalz, Karin Sauer, HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

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Filmbuch: “M – Eine Stadt sucht einen Mörder” von Jon J. Muth & Fritz Lang nach dem Drehbuch des gleichnamigen Filmklassikers

Erstellt von Detlef Hedderich am 9. Januar 2010

m-eine-stadt-sucht-einen-morderJon J. Muth & Fritz Lang
M – Eine Stadt sucht einen Mörder

M, USA, 2008
Nach dem Drehbuch des Filmklassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder
von Fritz Lang und Thea von Harbou (1931)
Cross Cult, Ludwigsburg, 6/2009
HC, Graphic Novel im Comicformat, Krimi, Drama
ISBN 9783941248205

Aus dem Amerikanischen von Jochen Ecke
Titelillustration und Zeichnungen von John J. Muth

www.cross-cult.de
www.jonjmuth.com/

Fritz Lang war in mehr als nur einer Hinsicht ein visionärer Pionier und Filmemacher. Nach dem utopischen SF-Klassiker „Metropolis“ entstand nur ein paar Jahre später und als einer der ersten deutschen Tonfilme „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, in dem er den Mythos vom schwarzen Mann real machte. Nicht länger waren brutale Serienkiller nur der Realität und der Sensationspresse vorbehalten, sie bekamen auch im Kino durch den jungen Peter Lorre erstmals Gesicht und Stimme. Und der 1931 veröffentlichte Film überschritt ein weiteres Tabu: Erstmals waren Kinder die Opfer von Besessenheit und Gier. Eine bedrückende graue Stimmung liegt über einer europäischen Großstadt, irgendwann gegen Ende der 1920er Jahre. Allein die Kinder versuchen, sich durch Spiele aufzumuntern, aber ihre Lieder schrecken die Erwachsenen noch mehr auf. Konnte man seinen Nachwuchs zuvor noch damit erschrecken, dass der ‚Schwarze Mann’ kommen und sie holen würde, so ist das inzwischen bittere Realität geworden.

In der letzten Zeit sind immer wieder Kinder spurlos verschwunden, und es wird sogar gemunkelt, dass man ihre Leichen gefunden habe. Genaueres weiß man aber nicht, da die Polizei nichts nach außen dringen lässt. Dort ist man selbst ratlos, denn mit einem solchen Fall ist man bisher noch nicht konfrontiert worden. Zwar klappert man die üblichen Verdächtigen ab und zieht in den zwielichtigen Vierteln mehr Razzien als sonst durch, aber finden können sie keinen Schuldigen. Da sie sich zu sehr bedrängt fühlen und nur noch möchten, dass wieder Ruhe einkehrt, kommen die Diebe, Bettler und sonstigen Verbrecher zusammen, denn in diesem Fall ist man sich einig. Man will den Außenseiter finden, der diese Morde begeht. Und so entwickelt die Unterwelt einen ausgeklügelten Plan, um den wahren Mörder zu finden. Tatsächlich gelingt es einem Taschendieb, einen unauffälligen jungen Mann bei frischer Tat zu beobachten und zu markieren. Und so beginnt die Hetzjagd auf den von nun an mit einem „M“ gebrandmarkten Unbekannten…

Wer den Film gesehen hat, kann feststellen, wie genau sich Jon J. Muth an das Drehbuch und die Bildsprache des Films gehalten hat. Schon alleine die fotorealistischen Zeichnungen atmen die Atmosphäre, die der Film auf heutige Zuschauer haben dürfte. Leicht vergilbt und unscharf werfen sie einen Blick auf eine unwirkliche und fremde, graue Welt der Angst und Depression, spielen wie die Schwarz-Weiß-Filme mit Licht und Schatten und entwickeln eine ganz eigene Bildsprache. Die Geschehnisse nehmen einen sehr ruhigen und fast schon unspektakulären Verlauf, tatsächlich aber kommt es nicht auf die Action an, sondern eher auf die intensive und eindringliche Atmosphäre, die zeigt, wie sich die Stimmung von Fassungslosigkeit und Angst schließlich in Wut verwandelt und am Ende sogar die Polizei zum Retter des Schuldigen macht.

Wie der Film ist auch die Graphic Novel ein eher schweres Kaliber. Sie arbeitet mit unterschwelligen Hinweisen, stellt Moral und Gerechtigkeit in Frage und überlässt es dem Zuschauer, ob er den Mörder als Bestie oder als Opfer der Umstände sehen möchte. Die Atmosphäre der Depression in den frühen 1930er kommt sehr gut zum Tragen, ebenso wie die Hilflosigkeit der Menschen, die zum ersten Mal mit einem solchen Verbrechen konfrontiert werden. Und auch der moderne Leser kann sich fragen, wie er sich in diesem Falle verhalten würde, denn man kommt sehr schnell dazu, sich mit den Jägern zu solidarisieren.

Ergänzt wird der Band noch durch Essays zum Thema, das später nur ein weiteres Mal in „Es geschah am helllichten Tag“ aufgegriffen wurde, zu dem Film, seiner Entstehungsgeschichte und seiner Wirkung auf die Zuschauer und die Umsetzung in die Graphic Novel. Das macht „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ zu einer Geschichte, die gerade in der heutigen Zeit, in der immer offener über Kindesmissbrauch und Mord durch männliche Straftäter berichtet wird, aktueller ist denn je.

Christel Scheja (CS)

Titel bei Amazon.de:
M – Eine Stadt sucht einen Mörder

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Protectors – Auf Leben und Tod

Erstellt von Günther Lietz am 20. Dezember 2009

Bei Amazon.deProtectors – Auf Leben und Tod
Staffel 1 (5 DVDs)

Land: Dänemark/BRD, 2009
FSK: 12 (freigegeben ab 12 Jahren)
Genre: Thriller / TV Serie
Laufzeit: 550 Min. (5 Episoden)
Regie: Mikkel Serup, Martin Schmidt
Darsteller: Cecilie Stenspil, Soren Vejby, Andre Babikian
Originaltitel: The Protectors (2008)
Sprache: Deutsch
Bild: Widescreen
Bonus: Rollenprofile der 3 Hauptdarsteller
www.pspr.de

Vorwort

Personenschützer, Bodyguards, Leibwächter – eben Protectors – sind nach landläufiger Meinung diejenigen Menschen, welche die ihnen anvertrauten VIP´s mit dem eigenen Leben schützen sollen. Ehemalige Polizisten, Soldaten, Special Forces jeder Coloeur zählen zu diesem Personenkreis. Sie setzen unter Umständen ihr eigenes Leben bewusst aufs Spiel, um den Schutzbefohlenen mit allen Mitteln das Leben zu retten. Selbstverständlich sind dazu nur die Härtesten, die Zähesten, die Bestausgebildeten, schlussendlich die Konsequentesten geeignet: Man muss bereit sein zu sterben, um andere zu retten.

Zur Handlung

Wie es nun bei einem Serienstart üblich ist, befasst sich auch die 1.Folge der dänischen Thrillerreihe „Protectors – Auf Leben und Tod“ mit der Einführung der Hauptdarsteller, leider tritt dabei die Handlung des ersten Auftrages ein wenig in den Hintergrund. Der junge Personenschützer Ibro kommt bei einem Einsatz ums Leben, indem er sich schützend vor den dänischen Verteidigungsminister wirft. Doch der aus Jugoslawien stammende Vater Ibro´s macht den Minister für den Tod seines Sohnes verantwortlich und entführt als ersten Schritt die Geliebte des Ministers…

In Folge 2 ernennt der Ministerpräsident eine im Iran geborene Dänin zur neuen Kultusministerin. Sofort ist der Spezialeinheit Protectors klar, dass die Frau mit Anfeindungen von radikalen Muslimen rechnen muss. Doch die Gefahr der dänischen Rechtsextremen ist weitaus konkreter. Denn sie verstecken sich in den Reihen der Bevölkerung und der politischen Opposition.

An dieser Stelle soll noch die Folge 3 erwähnt werden, denn um die Palette der offensichtlichsten Gefahrenquellen zu komplettieren, dürfen islamische Terroristen natürlich nicht fehlen. „Angeregt“ durch den Anschlag auf das amerikanische World-Trade-Center vom 9. September 2001, versuchen sich zwei Islamisten an einem Bombenanschlag mit einem Stadtbus, der die Route eines politischen Besuches kreuzt.

Fazit

Vielleicht sind wir in unseren Geschmack schon zu geprägt von der Dominanz amerikanischer Agententhriller und es dauert eine ganze Weile, bis man sich auf eine völlig anders gestrickte Stimmung einlässt. Möglicherweise war die kalte Jahreszeit (Januar), in dem die erste Folge spielt bewusst gewählt, ich vermute aber eher, dass dies Zufall oder ein Kokettieren mit dem Klischee des nordischen Landesklimas war. Blasse, trübe, Kälte vermittelnde Szenen passen perfekt zu den gleichermaßen – noch – farblosen Darstellern. Erst nach und nach, überaus still inszeniert, gewinnen die Protagonisten nur zögernd sprichwörtlich an Farbe.

Jasmina el Murad, eine in Ägypten geborene junge Frau, Rasmus Poulsen, ein an das Gute im Menschen glaubender Polizist und Jonas Michaelsen, ein jüdischer Däne, der als Gegenpart zu seinem Kollegen überzeugt ist, das jeder Mensch von Natur aus schlecht ist, schaffen das „harte“ Training des dänischen Geheimdienstes, dem die Proctector-Einheit unterstellt ist. Und hier macht sich der nächste Unterschied zu Amerika überdeutlich bemerkbar: Die Szenen, welche das Auswahltraining zeigen, haben leider Pfadfinderniveau, als dass sie eine Eliteeinheit formen könnten. Jasmina trampelt eher durch den Parcours, als dass sie nennenswerte körperliche Leistung zeigt, auch die beiden Männer zeigen nichts, was sie für ihre knallharte Aufgabe prädestiniert. Da war die Trainingssequenz aus „Die Wildgänse kommen“ (GB, 1978) realistischer – und glaubhafter.

Trotzdem findet man aber schnell Gefallen an der „kühlen“ Stimmung. Kein aufgeregtes Herumschreien, keine planlose, nur reagierende, statt agierende Hyperaktivität á la Hollywood, keine markigen und zitatwürdigen Sprüche, wie sie Bruce Willis, Jan Claude van Damme oder irgendein James-Bond-Darsteller ins Drehbuch geschrieben bekommt.
Kühl – aber nicht cool – entwickelt sich erst leise, dann immer angespannter eine bedrohliche Situation. Die Handlungsträger sammeln Puzzlestücke ein, und blicken nicht gleich von Anfang an voll durch, wie dies angloamerikanische Agenten stets vermitteln.
Mit einiger Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Agenten-Alltag eher dieser dänischen Variante nahe kommt. Langeweile, harmlos erscheinende Personen und Bilder, die sich bei näherer Betrachtung als der sprichwörtliche Todesbote entpuppen können.

Alles in allem eine überraschend angenehme Serie, die aber gegen den oben erwähnten Standardgeschmack sich nur schwer wird behaupten können. Ich würde die DVD gerade deswegen der Fernsehausstrahlung vorziehen, da keinerlei Werbeunterbrechung die aufgebaute Stimmung zerstören kann. Auch die Länge von ca. 110 min. pro Folge lässt dafür genügend Zeit. Was die Dänen aber noch lernen müssen, ist es, der Handlung eine Wendung, etwas Unerwartetes, nicht Vorhersehbares zu geben. Denn dann müssten sich die Amis eine Scheibe abschneiden, und ihr Panikgeplärr endlich auf den Müll werfen. Denn Lautstärke hat nicht unbedingt etwas mit Qualität zu tun. Denn das haben die Dänen auf jeden Fall verstanden.

Die DVD-Edition der Staffel 1 umfasst 5 DVD´s mit 5 Episoden der Serie. Ein kleines Booklet stellt die drei Hauptfiguren in ihren Rollen vor.

Copyright © 2009 Werner Karl

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Preisrätsel/Gewinnspiel 6 x 1 DVD-Box Staffel 1 (je 5 DVDs): “Protectors – Auf Leben und Tod” bei Amazon.de
Um jeweils einen der Preisrätseltitel zu gewinnen, muss einfach folgende Aufgabe beantwortet werden: In welchem Land wurde
Jasmina el Murad geboren? Die richtige Antwort an redaktion(x)filmrezicenter.de mailen (als kleinen Spamschutz bitte (x) durch @ ersetzen, vielen Dank). Im Betreff bitte “Filmpreisrätsel”  und den Filmtitel eintragen. Danke. Sobald  30 Mails mit den richtigen Antworten eingegangen sind, werden unter diesen Einsendern die Gewinner ausgelost. Die Gewinner lauten: Thomas Köllner, Bernd Kepura, Andrea Schmitt, Tom Bietz, Susanne Koy und Anja Schmieder. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

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