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Archiv für die 'Western' Kategorie

DOC WEST – Nobody ist zurück

Erstellt von J. Schäfer am 15. November 2011

DOC WEST – Nobody ist zurück
Regie: Terence Hill
Darsteller: Terence Hill, Paul Sorvino, Boots Southerland Clare Carey u.a.

DVD FACTS:
Genre: Action/Comedy;
Produktion: Italien/USA 2011;
Laufzeit: ca. 93 Minuten;
FSK: 12;
Bildformat:  16:9 (1,85:1);
Tonformat/ Sprache: Deutsch: DTS, DD 5.1, Englisch: DD 5.1;
Untertitel: Deutsch;
DVD-Extras: Trailer;

BLU-RAY FACTS:
Laufzeit: ca. 95 Minuten.;
Bildformat: 1080p/24 (1,85:1);
Tonformat/Sprache: Deutsch: DTS HD MA
7.1, Englisch DTS HD MA 5.1;
Untertitel: s.o.;
BD-Extras: s.o.;

Erscheinungsdatum: 1. Dezember 2011

DVD bei Libri.de
BLU-Ray bei Libri.de

Die Story:
Der Revolverheld Doc West verfolgt eine Banditenbande, die ihm sein Geld gestohlen hat. Er findet sie in einer kleinen Stadt wieder und versucht, sich mit einem Poker-Spiel zu revanchieren. Die Racheaktion missglückt und das Spiel endet beinahe mit einer Schießerei, sodass Doc West sich – zu seinem eigenen Schutz – im Gefängnis wiederfindet. Als in der Stadt ein erbitterter Kampf um nahegelegene Weideflächen ausbricht, muss Doc West sich entscheiden, ob er auf der Seite der Outlaws oder der gesetzestreuen Bürger steht.

Durch seine Rolle des „Nobody“ an der Seite von Henry Fonda und seine gemeinsamen Filme mit Bud Spencer (wie z.B. „Vier Fäuste für ein Hallelujah“) wurde Terence Hill zur Kino-Legende. Der Schauspieler mit italienisch-deutschen Wurzeln liefert mit DOC WEST sein Western-Comeback und seine fünfte Regiearbeit ab. Neben Terence Hill glänzt außerdem der aus Martin Scorseses „Goodfellas“ bekannte Paul Sorvino.

Meine Meinung:

Bei Doc West – Nobody ist zurück werden sich wahrscheinlich die Geister scheiden. Wer einem blutigen Italo Western aus den 70er oder 80er Jahre erwartet wird wohl leider enttäuscht werden, denn das wird man nicht zu sehen bekommen. Wie auch im normalen Leben ist seitdem Zeit vergangen und die Rolle des Nobody hat sich weiter entwickelt. Stand er früher immer im Mittelpunkt, so nimmt er jetzt eher die Rolle eines Mentors oder Lehrers an, der sein Wissen weiter gibt  und anderen hilft, sich selbst zu helfen. Diese Verschiebung selbst hat mir persönlich gut gefallen, und kaschierte sogar die leider etwas zu schwache Rahmengeschichte.

Fazit

Ein Film für Terence Hill Fans, die sich für eine Weiterentwicklung des Nobody-Charakters interessieren.

[JS]

DVD bei Libri.de
BLU-Ray bei Libri.de

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Priest

Erstellt von Günther Lietz am 22. August 2011

Nach Scott Charles Stewarts Film “Legion” aus dem Jahre 2010, versucht sich der Regisseur 2011 mit seinem Actionstreifen “Priest“ erneut auf der Leinwand. Mit im Boot ist auch wieder Paul Bettany, der in “Legion” ebenfalls die Hauptrolle spielte. Beide Männer vereint, versuchen sich also nun an einem scheinbar anderen Thema.

Auf den ersten Blick wartet “Priest” mit einem spannenden Genremix und abwechslungsreichen Kulissen auf. In einer alternativen Welt haben die Menschen seit jeher gegen die Vampire gekämpft, blutdurstige und augenlose Kreaturen. Doch erst vor wenigen Jahren ist es mit Hilfe der Kirche gelungen, die Vampire in ihre Schranken zu weisen und in Reservate zurückdrängen.

Das geschah mit Hilfe der Priester, ausgebildeten Elitekämpfern, die über besondere Fähigkeiten verfügten und der Kirche treu ergeben waren. Nach dem Krieg waren die Priester jedoch plötzlich arbeitslos und die besiegten Vampire gerieten in Vergessenheit.

Und genau an diesem Punkt muss der Zuschauer das Hirn abschalten. “Priest” ist ein Actionstreifen, der keinesfalls hinterfragt werden darf. Denn schlussendlich ist es doch so, dass es ziemlich unlogisch ist, dass die Menschheit nach jahrhundertelangem Krieg die Vampire einfach mal so vergisst und ihre Lebensretter – die Priester – dann halt mal bei der Müllabfuhr arbeiten lässt. Vor allem der Kirchenobere Monsignor Orelas (Christopher Plummer) besteht darauf, dass es keine Vampire mehr gibt. Stellt sich die Frage, was dann die Reservate sollen.

Davon abgesehen, ist der Stil des Films schon ziemlich einzigartig. Es gibt gigantische, von der Kirche regierte Städte, kleine autarke Dörfer inmitten der trockenen Steppe, umauerte Reservate und monströse Bauten der Vampire. Optisch ähnelt alles dem Wilden Westen, doch gleichzeitig gibt es fortschrittliche Technologien. Diese sind offensichtlich der Kirche vorbehalten, was vor allem bei den Waffen erkennbar ist. Während der normale Farmer oder Städter ein einfaches Gewehr sein Eigen nennt oder Musik vom Grammophon abspielt, rasen die Priester auf hochmodernen Zweirädern durch die Wüste, setzen blankpolierte Klingenwaffen ein oder mechanisch aufgerüstete Wurfsterne in Form von Kruzifixen. Dieser Kontrast ist sehr stark und dennoch nachvollziehbar. Die Kirche und ihre Priester sind im Grunde eine militärische Organisation – und das Militär bekommt halt das meiste Geld und die beste Technik.

Die eigentliche Geschichte des Films dreht sich um einen dieser kirchlichen Elitekämpfer. Es wird kein Name genannt, was natürlich schlecht ist, um eine Bindung zu der Figur aufzubauen. Da die anderen männlichen Priester nur kurze Auftritte haben, kann der Held des Films schlicht Priester (Paul Bettany, bekannt aus “Tintenherz”, “Legion”, “Kiss Kiss (Bang Bang)”)) genannt werden.

Nun wird dessen Nichte Lucy (Lily Collins) entführt, der Bruder schwer verletzt und Schwägerin gemeuchelt. Die Täter waren Vampire. Darüber informiert Sheriff Hicks (Cam Gigandet) den Priester und bittet ihn um Hilfe. Der sagt natürlich zu und verstößt damit gegen die Gesetze der Kirche. Während der Priester und Hicks nun losfahren um Lucy zu retten, schickt die Kirche eine Gruppe Priester los, um den Abtrünnigen zur Strecke zu bringen. Bei den Verfolgern dabei: Die Priesterin (Maggie Q)!

Es ist eine wirklich bescheuerte Idee, seinen Protagonisten keine Namen zu geben oder nicht wenigstens einen prägnanten Spitznamen oder ähnliches anzubieten. Aber wie bereits oben geschrieben: Hirn abschalten!

Der Priester und Hicks sind nun auf der Spur von Lucy. Dabei erfährt der Zuschauer langsam, warum die Kleine entführt wurde, was für eine Beziehung Lucy zu dem Priester hat und was der Oberbösewicht Black Hat (Karl Urban) für ein schlimmer Finger ist. Obwohl die Wendungen im Film voraussehbar sind, wurden sie von Stewart gut umgesetzt. Dadurch bleibt die Handlung trotz allen bedienten Klischees und geklauten Ideen unterhaltsam. Und geklaut hat Stewart wie ein Rabe. Hier eine kleine Auswahl: “Der große Eisenbahnraub”, “Django”, “Spiel mir das Lied vom Tod”, “Metropolis”, “Mad Max”, “Blade Runner”, “Matrix”, “Blade“, „Alien”, “Underworld”, “Book of Eli” und “The Descent”.

Das ist einfach zu viel, um als Hommage gelten zu können. Selbst die Grundidee des Films stammt von jemand anderem, nämlich vom Koreaner Min-Woo Hyung und dessen Manhwa-Serie “Priest”. Allerdings fällt Stewarts Adaption ziemlich frei aus.

Wie in “Legion” muss sich Stewart auch in “Priest” Kritik gefallen lassen, die seine Weltanschauung und seinen Umgang mit der Kirche betrifft. Die Kirche ist in “Priest” ein herzloser und bürokratischer Moloch, der seinen Klerus als Werkzeug einsetzt und nach der Benutzung herzlos fallen lässt. Außerdem sind die Kirchenoberen dumm und riskieren fahrlässig das Leben der Gläubigen. Stewart arbeitet hier mit plakativen Bildern und Meinungen, meidet tatsächliche Argumente und installiert mit dem Priester einen Helden, der ebenfalls keine Reflexion seiner Person zulässt oder vornimmt. Der Priester bricht aus den alten Strukturen aus, um sie selbst für seinen eigenen Kampf einzusetzen. Stewart kritisiert ohne Lösungen anzubieten, er kritisiert auf einem polemischen Niveau.

Die Hauptdarsteller in “Priest” sind allesamt bekannte Gesichter. Leider bleiben sie recht blass. Paul Bettany und Maggie Q (“Deception”, “Mission: Impossible III”, “The King of Fighters”) sind wortkarge Gesellen. Kommt es einmal zu Dialogen mit den beiden, wirken diese aufgesetzt und störend. In den Actionszenen wissen beide zu überzeugen. Lily Collins (“Blind Side – Die große Chance”, “90210″) als Lucy und Cam Gigandet (“Burlesque”, “Pandorum”, “Twilight – Biss zum Morgengrauen”) als Hicks könnten also das Spiel problemlos übernehmen, werden aber an der kurzen Leine gehalten. Dabei haben gerade Lucy und Hicks das Potenzial, echte Gefühle zu vermitteln.

Lily Collins sieht ziemlich adrett aus, aber nach einem kurzen Blick auf ihren Busenansatz, knöpft sie sich auch schon züchtig zu. Überhaupt ist das jugendliche Eyecandy des Films ziemlich schnell verschwunden. Cam Gigandet spielt Lucys Freund Hicks. Schlussendlich reicht die emotionale Bindung der beiden nur aus, um zwei oder drei schwülstige Sätze zu präsentieren. Hicks bleibt ohne Ecken und Kanten, seine Liebe zu Lucy macht ihn keinesfalls blind. Ziemlich glattgebügelt und verschenktes Potenzial.

So züchtig die liebe Lucy, so blutarm auch die Action auf der Leinwand. Dabei bietet das Thema ziemlich viel Spielraum. Aber bevor es zu brutal wird, steigt Stewart stets auf die Bremse. Des Rätsels Lösung dürfte beim FSK liegen, denn der Film wurde ab zwölf Jahren freigegeben. Tja, das ist wohl die Erklärung für seichte Dialoge, züchtige Frauen, weitgehend blutarme Gewalteskapaden und einer Handlung, der auch Kinder folgen können. Die Kunst unterwarf sich ein weiteres Mal dem Diktat der Kinokasse. Dementsprechend sind die 3D-Effekte auch nur aufgesetzt und im Grunde unnötig.

Trotz allem ist der Film spannend und weiß kurzweilig zu unterhalten. Es ist schon bitter zu beobachten, wie viel Potenzial verschenkt wurde, was aus den hervorragenden Ansätzen und diesem tollen Stil schlussendlich Durchschnittliches entstand. Für einen einfachen Kinoabend mit Popcorn und ohne Anspruch reicht „Priest“ allemal aus.

Copyright © 2011 by Günther Lietz

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Priest

Land: USA 2011
Laufzeit: 87 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahren

Regie: Scott Charles Stewart
Drehbuch: Cory Goodman (basierend auf der Graphic Novel von Min-Woo Hyung)
Produktion: Michael De Luca, Sam Raimi, Joshua Donen, Mitchell Peck

Bildgestaltung: Don Burgess
Montage: Lisa Zeno Churgin
Musik: Christopher Young

Darsteller: Paul Bettany, Cam Gigandet, Maggie Q, Karl Urban, Lily Collins, Stephen Moyer, Mädchen Amick, Christopher Plummer, Brad Dourif, Alan Dale, Cameron Cash, Jacob Hopkins, Julie Mond

http://www.priest-film.de

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Blueberry und der Fluch der Dämonen

Erstellt von Michael Drewniok am 3. Februar 2011

Blueberry und der Fluch der Dämonen

Originaltitel: Blueberry (Frankreich 2004)
Regie: Jan Kounen
Drehbuch: Matt Alexander (= Alexandre Coquelle u. Matthieu Le Naour), Gérard Brach, Jan Kounen u. Louis Mellis
Kamera: Tetsuo Nagata
Schnitt: Jennifer Augé, Bénédicte Brunet u. Joël Jacovella
Musik: Jean-Jacques Hertz u. François Roy
Darsteller: Vincent Cassel (Mike Blueberry), Michael Madsen (Wallace Sebastian Blount), Juliette Lewis (Maria Sullivan), Temuera Morrison (Runi), Hugh O’Conor (junger Mike Blueberry), William Lightning (junger Runi), Ernest Borgnine (Rolling Star), Djimon Hounsou (Woodhead), Geoffrey Lewis (Greg Sullivan), Nichole Hiltz (Lola), Kateri Walker (Kateri), Vahina Giocante (Madeleine), Kestenbetsa (Schamane Kheetseen), Eddie Izzard (Prosit), Colm Meaney (Jimmy McClure), Jan Kounen (Billy) uva.
Label: Ufa Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 14.03.2005 (DVD)
EAN: 0828765956291 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 119 min.
FSK: 12

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Das geschieht:

Michael Blueberry wird von seinem Vater in den Wilden Westen geschickt, wo ein Mann aus ihm werden soll. Stattdessen gerät er an den psychotischen Revolvermann Blount, der ihm eine Kugel in die Schulter schießt. Blueberry flüchtet in die Wildnis, wo ihn ein freundlicher Schamane der Chiricuahua-Apachen aufliest, heilt und ihm Asyl im Stamm gewährt. Dort wird er zum Verdruss des jungen Runi, mit dem Blueberry ständig konkurriert, in allerlei indianische Mysterien eingeweiht.

Als der Schamane stirbt, kehrt Blueberry in die Zivilisation zurück und wird Sheriff in einer kleinen Stadt. Den Kontakt zu den Indianern hält er aufrecht, was die Bürger (und Runi) mit Misstrauen betrachten. Aber Blueberry geht inzwischen meisterhaft mit dem Revolver um. Als selbsternannter Hüter ‚seines‘ Stammes konnte er so bisher verhindern, dass Goldsucher die Heiligen Berge der Chiricuahuas entweihen.

Jetzt hat der Glücksritter Prosit eine alte Karte gestohlen, die exakt dort reiche Schätze verzeichnet. Er versucht vergeblich, die Städter zum Krieg gegen die Indianer aufzuhetzen. Stattdessen nimmt ihm der reiche Farmer Sullivan die Karte ab. Dann taucht Prosits Spießgeselle auf: Es ist Blount, der Sullivan niederschießt, die Karte raubt und Blueberry schwer verletzt, bevor er sich mit Prosit, einigen rauen Burschen und üblen Absichten zu den Heiligen Bergen aufmacht.

Zusammen mit seinem Hilfssheriff und dem inzwischen selbst zum Schamanen aufgestiegenen Runi folgt ihm Blueberry. An anderer Stelle stellt Sullivans Tochter Maria einen Rachetrupp zusammen. Alle Beteiligten treffen – so nicht fiesen Hinterhalten oder zornigen Indianern zum Opfer gefallen – in einer uralten Bestattungshöhle aufeinander, wo sich Blount als dämonischer Abgesandter der Hölle zu erkennen gibt. In einem Reich zwischen Leben und Tod bricht ein gewaltfreier aber erbarmungsloser Kampf aus …

Ein Western der sehr ungewöhnlichen Art

1963 schufen Jean-Michel Charlier (1924-1989) und Jean Giraud (geb. 1938) die Figur des Soldaten, Gesetzeshüters und Glücksritters Blueberry. Sie wird nicht nur bis heute fortgesetzt, sondern hat sich in vier Serienstränge gegliedert, die von Giraud und anderen Zeichnern und Szenaristen gestaltet werden. „Blueberry“ gilt als Meisterwerk der „Graphic Novel“ und wird (nicht nur) in Frankreich als Begründung für die Erhebung des Comics zur „Neunten Kunst“ hervorgehoben. Wie es sich auch und gerade für ‚grafische Literatur‘ gehört, ist Blueberry kein Held, sondern ein rebellischer Zweifler mit ausgeprägten existenzialistischen Charakterzügen. Seine Erlebnisse folgen nicht immer den Gesetzen der Logik; Blueberrys Abenteuer sind auch Reisen ins eigene Ich.

In vielen Jahrzehnten ist ein eigenständiger Blueberry-Kosmos entstanden. Für den Filmfreund ist dessen Unkenntnis nicht hinderlich. „Blueberry und der Fluch der Dämonen“ knüpft nur (sehr) lose an die Comic-Vorlage an. Für Regisseur Jan Kounen stehen Mystik und Stimmung im Vordergrund. Schnell löst er sich vom Serien-Vorbild und erzählt eine Geschichte, die sich der bekannten Figuren nur zu bedienen scheint, um ein Blueberry-interessiertes Publikum zu locken – eine Rechnung, die buchstäblich nicht aufging: 37 Mio. Euro soll „Blueberry und der Fluch der Dämonen“ laut „International Movie Database“ gekostet haben; eine Summe, die der Film im Kino nicht einspielen konnte.

Halluzinogene Historie

Der Zuschauer wird durchaus aber leider nachträglich gewarnt: Als die Schlusstitel laufen, liest man dort nicht „Regie: Jan Kounen“, sondern „A Jan Kounen Session“. Genau dies ist „Blueberry“: der Trip eines Autors und Regisseurs, der sein Interesse an indianischen Riten und drogenunterstützter Bewusstseinserweiterung als Anlass (oder Vorwand) für einen sehr seltsamen und sehr misslungenen Film genommen hat.

Aus „Blueberry“ wurde eine Art „2001“ im Wilden Westen. Doch Jan Kounen ist nicht Stanley Kubrick. Nur die Spezialeffekte sind seit 1968 besser geworden. Während Kubrick sein visuelles Feuerwerk in den Rahmen einer Science-Fiction-Geschichte integrieren konnte, gelingt Kounen diese Einheit nicht. „Blueberry“ will einerseits innovativ sein und ist andererseits ein schrecklich banales Garn um Schuld, Verantwortung und Sühne. Zwar müht sich Kounen, dies durch eine künstlich komplizierte Struktur zu verschleiern, doch es schimmert unter den grandiosen Luftbildern, den Blicken durch Adleraugen oder den fraktalen Drogenräuschen viel zu deutlich durch. Spätestens wenn die Handlung die Heiligen Berge erreicht, fühlt sich der deutsche Zuschauer zusehends an die Karl-May-Filme der 1960er Jahre erinnert. Rina und Blueberry übernehmen die Rollen von Winnetou und Old Shatterhand. (Allerdings entstand „Blueberry“ an Originalschauplätzen in Mexiko.)

Kounen würde diesen Vergleich sicherlich ablehnen und wohl eher den Vergleich mit Alexandro Jodorowsky begrüßen. In der Tat erinnert „Blueberry“ an surreale Filme wie „El Topo“ (1970) oder „Montana Sacra – Der heilige Berg“ (1973). Auch Tarsem Singh („The Cell“, „The Fall“) oder Darren Aranofsky („The Fountain“) kommen einem in den Sinn. Wie diese Regisseure arbeitet Kounen mit Chiffren und Symbolen, sucht nach Bildern und Tönen abseits des Film-Mainstreams, will im Kopf des Zuschauers etwas in Bewegung setzen. Dabei ist Kounen wie schon angesprochen davon überzeugt, dass Schamanen sich Zugang zu elementarem, uraltem, im zivilisierten Geist verschütteten und irgendwie ‚geheimen‘ Wissen verschaffen können. Dies zu vermitteln ist ihm so wichtig, dass er sogar den echten Zauberpriester Kestenbetsa vom Amazonas einfliegen, als Apachen verkleiden und einen authentischen Zeremoniengesang anstimmen ließ.

Im Weste(r)n nichts Neues

Grundsätzlich ist es keine Überraschung: Das Zwischenreich der Geister und Dämonen entpuppt sich als Spiegelung sehr zwischenmenschlicher Konflikte. Dass diese ziemlich verzerrt wirken, mag an der Methode ihrer Beschwörung liegen: Um ihnen zu begegnen, muss man allerlei seltsame Pflanzen und Pilze durch Tabakspfeifen jagen bzw. zu einem offensichtlich schauerlich schmeckenden Getränk vergären lassen. Ketzerische Realisten mögen einwenden, dass man Sterne auch nach dem Genuss einer Flasche guten Weins sehen kann. Solchen Flaschengeistern fehlt indes die höhere Weihe: Es müssen edle, weise Medizinmänner (oder -frauen) aus ethnologisch reinem Anbau sein, die solche x-dimensionalen Streifzüge unternehmen.

Jan Kounen ist ein Jünger. Paradoxerweise meint er, die wahre Lehre durch einen Overkill modernster Spezialeffekte einem breiten Publikum vermitteln zu können. Die Bocksprünge eines durch Drogen befeuerten Hirns lassen sich jedoch nur bedingt auf diese Weise nachzeichnen. Stillschweigend setzt Kounen möglicherweise voraus, dass sich der Zuschauer während der Vorstellung durch eigene Rauschmittel in einen aufnahmebereiten Zustand versetzt. Sollte dem nicht so sein, kann man seine Bemühungen getrost als gescheitert ansehen. Die digital und kostspielig erzeugten Delirien sind hübsch und verwirrend anzuschauen, ohne dabei zu beeindrucken – kein Wunder, da auch sie sehr profan sind: Dämonen produzieren düstere Wolken und hässliche Ungeheuer, während ‚reine‘ Seelen hell leuchten. Dazwischen tummeln sich fraktale und dreidimensional die Leinwand flutende Muster, bis dem Zuschauer die Augen brennen und der Kopf zu dröhnen beginnt (obwohl ständig jene meditative Entspannungsmusik dudelt, die hier den Soundtrack ersetzt).

„Seltsam“ ist nicht zwangsläufig „künstlerisch“

Auch wenn Blueberry keinen Drogenwein trinkt oder Dämonen jagt, bewegt er sich durch eine sonderbare Welt. Sein Westen ist ebenfalls wild aber niemals historisch oder realistisch. Was wir sehen, ist stets eine Nummer zu groß, zu schräg und zu effektvoll, um wahr zu sein. Die Figuren bewegen sich hart an der Kante zur Karikatur. Die Poleposition übernimmt der ebenso spielfreudige wie experimentierfreudige Hollywood-Veteran Ernest Borgnine als 87-jähriger ‚Sheriff‘, der seinen Job im Rollstuhl (und geschoben von seinem geistig derangierten Sohn) ausübt.

Was zu der Frage führt, ob die von Kounen angeheuerten Darsteller jemals das Drehbuch von „Blueberry“ gelesen haben. Oder trauten sie sich nicht nachzufragen? Jedenfalls mimen sie Western-Figuren nach Vorschrift. Sie hatten ohnehin keine Chance. In dem wirbelbunten Durcheinander verschwinden gestandene Mimen wie Juliette Lewis, Michael Madsen oder Colm Meaney spurlos. Lewis kann dieses Rollenkorsett nicht einmal durch den vollen Körpereinsatz einer (nur im europäischen Kino so explizit möglichen) „full-frontal“-Nacktszene sprengen. Selbst Vincent Cassel, der sich als Blueberry sichtlich um Figurentiefe bemüht, ist vor allem notorisch seelenvoll, raucht Kette und trägt einen schwarzen Hut.

Auf diese Weise schleppt sich die Handlung zwischen den Visionen bedeutungsschwer aber lahm voran. Das zwischen Revolverhelden übliche Final-Duell findet erwartungsgemäß im Traumland statt und wird durch Synapsenschüsse aus dem Hinterhalt des Kleinhirns entschieden. Das ist zwar erneut sehr bunt dargeboten, kann eine ordentliche Schießerei freilich nicht ersetzen. Wenigstens die Darsteller in ihren Rollen sind zufrieden, die Heiligen Berge bleiben unbesetzt, und alle lieben sich (oder sind tot). Der Zuschauer allerdings ist sauer: Wozu das ganze Brimborium, die Western-Kulisse, die pseudo-authentischen Ritentümelei? Dieser Film ist ein eindrucksvolles Monument der Ratlosigkeit, der an sein Publikum weitergibt, was seine Produzenten früh erkennen mussten: Dies ist ein böser Trip!

DVD-Features

Bisher ist „Blueberry und der Fluch der Dämonen“ nur als DVD erschienen. Angesichts der großartigen Luft- und Landschaftsaufnahmen sowie aufgrund des Breitwandformats wünscht man sich (ausnahmsweise) eine Blu-ray-Veröffentlichung. Dazu wird es wohl nicht kommen, da dieser Film die in ihn gesetzten Erwartungen nicht nur künstlerisch, sondern vor allem auch ökonomisch nicht erfüllen konnte. (In den USA wurde der Bezug zur Comic-Serie – die dort kaum jemand kennt – gekappt, der Film in „Renegade“ und Blueberry in „Mike Donovan“ umbenannt; der verzweifelte Versuch, „Blueberry“ als ‚normalen‘ Western zu verkaufen, scheiterte.)

Die Extras umfassen neben dem internationaler Trailer ein „Making Of“, das nur 20 Minuten läuft und auch nicht hilfreich ist, dem Hauptfilm einen inhaltlichen Sinn abzuringen, minutenkurze ‚Interviews‘ mit Vincent Cassel, Michael Madsen, Juliette Lewis und Jan Kounen, wenig aussagekräftige Impressionen von der Arbeit an den Spezialeffekten sowie eine zweiminütige (!) ‚Einführung‘ in die Blueberry-Legende – Kommentar wohl überflüssig.

[md]

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George A. Romero’s Survival of the Dead

Erstellt von Michael Drewniok am 30. Dezember 2010

George A. Romero’s Survival of the Dead

Originaltitel: George A. Romero’s Survival of the Dead (USA/CA 2009)
Regie u. Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Adam Swica
Schnitt: Michael Doherty
Musik: Robert Carli
Darsteller: Alan Van Sprang (Crockett), Kenneth Welsh (Patrick O’Flynn), Kathleen Munroe (Janet O’Flynn/Jane O’Flynn), Richard Fitzpatrick (Seamus Muldoon), Devon Bostick (Boy), Athena Karkanis (Tomboy), Stefano DiMatteo (Francisco), Joris Jarsky (Chuck), Eric Woolfe (Kenny), Julian Richings (James), Wayne Robson (Tawdry) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Erscheinungsdatum: 29.10.2010 (DVD/Blu-ray/Limited Special Edition)
EAN: 4013549874595 (DVD) bzw. 4013549274593 (Blu-ray) bzw. 4013549574594 (DVD Limited Special Edition) bzw. 4013549674591 (Blu-ray Limited Special Edition)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 86 min. (Blu-ray: 90 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (DVD Limited Special Edition)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray Limited Special Edition)

Das geschieht:

Plum Island vor der Küste des US-Staates Delaware blieb zwar vom Ausbruch der weltweiten Zombie-Seuche nicht verschont. Die Isolation des Eilands ermöglicht es den Überlebenden jedoch, die Untoten in Schach zu halten. Allerdings sorgt die Krise nicht für das Ende eines uralten Streites: Unversöhnlich stehen sich auf Plum Island seit jeher die Familienclans der O’Flynns und Muldoons gegenüber. Während Patrick O’Flynn die Zombies rigoros ausrotten will, versucht Seamus Muldoon, die Untoten zu ‚zähmen‘. Da Patrick nicht einlenkt, werden er und einige treue Anhänger in ein Boot gesetzt und von Plum Island vertrieben.

Die Verbannten übernehmen einen verlassenen Hafen auf dem Festland. Mit dem Versprechen einer sicheren Zuflucht lockt Patrick über das noch funktionierende Internet Flüchtlinge an, die er auf Schiffen nach Plum Island schickt, wo sie Seamus hoffentlich Schwierigkeiten bereiten. Auch Sergeant Crockett kommt mit seiner kleinen Gruppe zum Hafen. Die Nationalgardisten sind fahnenflüchtig; sie suchen nach einem Ort, der nicht von Zombies überrannt werden kann.

Patrick sieht seine Chance zur Rache gekommen. Er verbündet sich mit Crockett und kehrt nach Plum Island zurück. Dort hat sich Seamus zum Insel-Despoten aufgeschwungen, dessen Bemühungen, die Untoten zu zivilisieren, zunehmend bizarrer werden. Dabei zeigen die Zombies durchaus Anzeichen für eine Rückkehr von Erinnerung und Intelligenz. Doch diese interessanten Signale gehen im Krieg zwischen den O’Flynns und den Muldoons unter, in den sich die gut bewaffneten Neuankömmlinge entschlossen einschalten.

Das letzte Wort behalten jedoch die Zombies. Sie sind keine Parteigänger, sondern warten mit tödlicher Geduld auf ihren Moment, der kommen muss, wenn die Lebenden, in ihren Kampf verstrickt, sie allzu lange aus den Augen lassen …

Manchmal kommen sie (zu oft) wieder

Mancher Vergleich liegt so nahe, dass man sich scheut, ihn zu verwenden, weil dies zu klischeehaft wirkt. „Survival of the Dead“ fordert Wortspiele jedoch förmlich heraus: ein Film, der nicht nur Zombies in den Mittelpunkt des Geschehens stellt, sondern selbst untot ist. Zombies sind halt zäh. Nur mit einem Kopfschuss lassen sie sich endgültig erledigen. George A. Romero trägt offensichtlich einen kugelsicheren Helm. Der bewahrt ihn vor dem beschriebenen Ende, was ihm leider ermöglicht, Filme wie diesen zu inszenieren. Dabei hat Romero grundsätzlich bereits 1985 alles zum Thema Relevante gesagt. Die erste Zombie-Trilogie endete mit „Day of the Dead“: nicht spektakulär aber immerhin logisch.

Für die Fortsetzungen ab 2005 trifft dies nicht einmal bedingt zu. Mit „Land of the Dead“ knüpfte Romero, der in den Aufwind des Zombie-Revivals nach „Dawn of the Dead“ – gemeint ist die Neuverfilmung von 2004 – geriet, noch an die Saga an, die er erfunden und mit der er Generationen von Epigonen geprägt hatte.

Was ein letzter, nicht unbedingt gelungener aber nostalgischer Nachklapp hätte sein können, wurde indes so erfolgreich, dass Romero weitermachte. Geld ließen potenzielle Produzenten offensichtlich nur für neue Romero-Zombies springen. Der Regisseur, dessen Karriere durch lange, drehfreie Dürrejahre geprägt ist, ließ sich darauf ein. Den Preis zahlen er und das Publikum. Romero metzelt sein Renommee als Großmeister des Horrorfilms, die Zuschauer müssen die Ergebnisse ertragen und sehen sich zum kritischen Königsmord zwangsverpflichtet.

Familien-Drama und Zombie-Western

Schon „Diary of the Dead“ war 2007 ein von der routinierten Wiederholung einstiger Großtaten zehrender Wiedergänger. Romero fing einfach noch einmal von vorn an und verlegte den Ausbruch der Zombie-Apokalypse von 1968 („Night of the Living Dead“) in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts. Neues hatte und hat er zum Thema nicht mehr beizutragen. Wie in seinen Anfangsjahren dreht Romero wieder ohne den Rückhalt und das Diktat großer Studios. Diese Unabhängigkeit beschert ihm zwar Freiheit, stellt ihn aber auch vor finanzielle Probleme und zwingt ihn dazu, sich auf wenig repräsentative Ausschnitte einer angeblich weltweiten Katastrophe zu beschränken. Dass die menschliche Zivilisation zusammenbricht, wird in „Survival“ als Tatsache vorausgesetzt. Wirklich überzeugend ist dieses Szenario nicht. Es könnte sich auch um eine lokal begrenzte Zombie-Plage handeln. Mit Bedacht verlegt Romero die Handlung auf eine Insel: Dies kaschiert die Begrenzung der Mittel durch die Isolation der Kulisse.

Das Déjà-vu-Erlebnis, zu dem jede Sekunde dieses Film gerinnt, wird durch den Entschluss verstärkt, „Survival“ als grob verkapptes Remake des Hollywood-Klassikers „The Big Country“ (1958; „Weites Land“) zu drehen. Aus den Hannasseys und Terrills wurden die O’Flynns und Muldoones. Geblieben ist trotz des irischen Hintergrunds das uramerikanische Western-Ambiente. Während das Original passenderweise im Mittleren Westen der USA spielte, bewegen sich Romeros Cowboys über eine saftig grüne, bewaldete Insel. Schon diese Umgebung beißt sich mit den typischen Rancher-Outfits der Protagonisten, die zudem mit Winchester-Gewehren und Revolvern anachronistisch bewaffnet sind.

Ohnehin wirkt der gesamte O’Flynn/Muldoone-Handlungsstrang eher komisch. Die beiden Clans haben sich so fest ineinander verbissen, dass die Zombies nur noch lästiges Beiwerk sind. Zeitweilig verschwinden sie völlig aus dem Geschehen. Das ist für einen Film, der ausdrücklich das „Survival of the Living Dead“ beschwört, definitiv kontraproduktiv.

Hinzu kommt die Schwammigkeit, mit der Romero – angeblich auch Drehbuchautor – die Fehde zeichnet. Seamus Muldoon will anfänglich die Zombies in den Clan zurückführen. Später sehen wir ihn, wie er Untote, die nicht spuren, serienweise abknallt. Patrick O’Flynn verhält sich ähnlich irrational. Mal gibt er den gütigen Retter, dann bricht der rabiate Killer hervor. Das Fußvolk wirkt auf beiden Seiten ebenso hirntot wie die Zombies. Romero weiß nichts mit ihnen anzufangen, sie sind nur Kanonenfutter, als die finale Schlacht zwischen Insulanern und Untoten ausbricht.

Kritik als müder Reflex

Romeros erste Zombie-Trilogie war 1968, 1978 und 1985 stets auch Analogie. Die Zombies wurden zum Katalysator einer ohnehin unaufhaltsamen Entwicklung: Der moderne Mensch führt Krieg gegen Seinesgleichen. Dieser wird nicht zwangsläufig mit Waffen geführt, sondern tobt unterschwellig, wobei er als Rassismus, soziale Ausgrenzung oder politische Unterdrückung deutlich wird. Im „New Hollywood“ der 1970er und 1980er Jahre fand Romero dafür ebenso aussagekräftige wie unterhaltsame Bilder.

„New Hollywood“ gibt es längst nicht mehr, und Kritik stört inzwischen die Unterhaltung, sodass sie ausgefiltert wird. Romero kann oder will nicht mehr gegen den Strom schwimmen. Dass der Mensch des Menschen Wolf ist, lässt er nur noch mechanisch in die Handlung einfließen. Stattdessen inszeniert er die Grausamkeit tricktechnisch gelungen als blutiges Gemetzel.

Der allgemeine Untergang spiegelt sich bei Romero seit jeher in der intensiven Intimität kleiner Gruppen wider. In existenzieller Not bricht der Steinzeitmensch hervor, die Zivilisation erweist sich als Illusion, die Gesellschaft zerfällt in egoistische Notgemeinschaften. Was in „Night of the Living Dead“ oder „Dawn of the Dead“ noch ketzerisch wirkte, wird in der zynischen Gegenwart als Realität anerkannt. Folglich stört sich niemand wirklich daran, dass Crocketts Truppe sich auf Kosten schwächerer Mitmenschen durchschlagen.

Romero glättet schroffe Kanten zudem umgehend. Crockett und seine Bande haben wir schon in „Diary of the Dead“ kurz kennengelernt, als sie die Helden dieses Films überfielen und ausraubten. In „Survival“ mutieren die Überlebenskünstler allmählich zu raubeinigen aber goldherzigen Gutmenschen. Romero erzwingt Sympathien und verzichtet auf Authentizität. Auch Patrick O’Flynn ist Schurke, dann Held und schließlich tragische Gestalt.

Profis gleichen aus

Dass der Zuschauer sich diese drehbuchbedingte Windelweichheit gefallen lässt, liegt allein an den redlich aufspielenden Darstellern. Romero hatte einmal mehr kein Geld für sogenannte „Stars“. Dies wurde zum Glücksfall, denn er stützte sich auf kostengünstige Nebenrollen- und TV-Schauspieler, die ihr Handwerk vollendet beherrschen. Veteranen wie Kenneth Welsh oder Richard Fitzpatrick belegen dies mit einer schier endlosen Liste bereits gespielter Rollen, aber auch junge Kollegen wie Alan Van Sprang oder Kathleen Munroe sind bienenfleißig und wandlungsfähig.

Viele Gesichter sind dennoch wenig bekannt, denn die meisten Schauspieler rekrutierte Romero in Kanada. „Survival“ entstand nicht in den USA. Mit den für diesen Film ausgegebenen 4 Mio. Dollar konnte man im nördlichen Nachbarstaat wesentlich größeren Produktionsaufwand treiben. „Survival“ ist deshalb zwar inhaltlich enttäuschend aber handwerklich absolut professionell. Auch hinter der Kamera arbeitet man offenbar gern & gut für den großen Romero.

„The same procedure as every year …”

Deshalb ist die Ernüchterung unterm Strich umso größer. Nicht einmal die von ihm ‚erfundenen‘, d. h. im Stehen zerfallenden, zerfleischten, schlurfenden, grunzenden Zombies scheint Romero noch im Griff zu haben. Maske und Tricktechnik sind makellos, aber Drehbuchautor und Regisseur finden keine echte Verwendung für die Untoten. Ihre angebliche Allgegenwärtigkeit wird schmerzhaft plump ‚bewiesen‘, indem Romero Zombies einfach ‚überraschend‘ aus dem Off springen lässt. Woher kommen sie? Wieso blieben sie zuvor unbemerkt? Auf diese Fragen gibt es keine Antworten. Romero geht es um den Effekt. Irgendwie müssen die Untoten an ihre Opfer heran, um zubeißen zu können. In einem Zombie-Film von George A. Romero müssen Blut & Eingeweide spritzen. Leider scheint Romero auf einer Liste gelangweilt abzuhaken, wann es wieder soweit ist.

Ganz selten blitzt das alte Genie auf. Potenziell erschreckend ist jene Szene, in der Nationalgardist Francisco durch ein Hafenbecken schwimmt und bemerkt, dass auf dem flachen Meeresgrund Zombies stehen, die nicht atmen müssen aber fressen wollen – und zwar ihn. Allerdings hat Romero ähnliche Wasserspiele bereits in „Land“ und „Diary of the Dead“ getrieben.

In Erinnerung bleibt auch jene Szene, in der Zombie-Jane auf ihrem Pferd über Plum Island prescht. Noch eindringlicher schließt „Survival“ mit einer Szene, die Altmeister Romero ehrt: Zu Zombies geworden, ‚schießen‘ Patrick O’Flynn und Seamus Muldoon mit leeren Revolvern aufeinander: Ausgerechnet ihr Hass hat den Tod ‚überlebt‘. Der Mensch lernt auch als Zombie nicht dazu. Das ist keine innovative aber eine bildstark verdeutlichte Erkenntnis.

Soll das ewig so weitergehen?

Auf der anderen Seite schürt sie noch einmal den Ärger: Stehen nicht die Untoten im Mittelpunkt? Romero geizt seit „Day of the Dead“ nicht mit Andeutungen, dass auch das Zombie-Hirn Intelligenz und Erinnerung bewahrt. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind wesentlich interessanter als die ewig gleichen Schlachten zwischen unbelehrbaren Lebenden. Sie sind sogar interessanter als die Antwort auf die Frage, ob Romero noch eine neue Methode einfällt, einen Zombie ‚umzubringen‘.

Die Antwort ist – wen wundert es wirklich? – „Nein“. Wie viele Methoden gibt es letztlich, einen Schädel zu zertrümmern? Der Fortschritt der Tricktechnik sorgt für eine gewisse Abwechslung, doch irgendwann ist auch hier das Optimum erreicht. Leider missbraucht der ideenlose Romero seine Zombies zusätzlich für schwarzhumorig schlaffe Schein-Gags: Ohne nachvollziehbare Begründung wird einem Untoten ein Feuerlöscher-Schlauch ins Maul gedrückt, woraufhin der Überdruck ihm eindrucksvoll die Augäpfel aus dem Schädel treibt; einem anderen schießt Crockett eine Leuchtpatrone in die Brust, was den Kopf in Flammen ausbrechen lässt, an denen Crockett seine Zigarette anzündet.

Wenn Romero seinen Ruf und ‚seine‘ Zombies weiterhin auf Sparflamme kocht, kann er weitermachen, solange er bei Kräften bleibt. Diese Vorstellung ist weitaus erschreckender als die Angst vor einer Rückkehr der lebenden Toten. Mit seinem neuen Filmprojekt („Deep Red“) geht Romero neue Wege (ansatzweise, denn er verfilmt „Profondo Rosso“, einen italienischen Grusel-Klassiker von Dario Argento aus dem Jahre 1975), doch wird dieser Film tatsächlich zustande kommen? Oder heißt es irgendwann doch wieder „George A. Romero’s XXX of the Dead“?

DVD-Features

Überschaubar präsentieren sich die Features zum Hauptfilm. Kaum 11 Minuten währt das (nicht nur deshalb) wenig aussagekräftige „Making of“. Dann gibt es noch den Trailer sowie zwei Minuten „international Shout-Outs“ – ich habe nicht herausfinden können, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt.

Der pompös angekündigten „Limited Special Edition“ liegt ein (selbstverständlich) „exklusives“ 36-seitiges Booklet bei.

Im Internet gibt es diese Website zum Film.

[md]

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The Burrowers – Das Böse unter der Erde

Erstellt von Michael Drewniok am 9. September 2010

The Burrowers
Das Böse unter der Erde

Originaltitel: The Burrowers (USA 2008)
Regie u. Drehbuch: J. T. Petty
Kamera: Phil Parmet
Schnitt: Andy Grieve u. Robb Sullivan
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Clancy Brown (John Clay), William Mapother (William Parcher), Jocelin Donahue (Maryanne Stewart), Alexandra Edmo (Faith), Karl Geary (Fergus Coffey), Doug Hutchison (Henry Victor), Galen Hutchison (Dobie Spacks), Laura Leighton (Gertrude Spacks), Harley Coriz (Short Ute), Bonnie Morgan, Chris Grabher, Stephanie Delgado (Wühler) uva.
Label/Vertrieb: Schröder Media
Erscheinungsdatum: 22.04.2010 (Kauf-DVD u. Kauf-Blu-ray)
EAN: 9120027344817 (Kauf-DVD) bzw. 9120027344800 (Kauf-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch) u. Dolby Digital 2.0 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Im Spätfrühling des Jahres 1879 markiert das Dakota-Territorium die Westgrenze der ‚zivilisierten‘ USA. Die großen, gewaltreichen Konflikte mit den hier heimischen Indianerstämmen liegen kaum zwei Jahrzehnte zurück, und noch immer kommt es dort, wo sich Siedler allzu nahe beim Reservat niederlassen, zu Überfällen. Als die Familie Stewart grausam abgeschlachtet auf ihrer Farm entdeckt wird, gehen die Nachbarn deshalb von einer Attacke der Ute oder Sioux aus.

Da einige Stewart-Töchter nicht unter den Leichen gefunden werden, haben die Indianer sie offensichtlich entführt. Unter der Leitung von Captain Henry Victor macht sich eine Rettungs- und Straf-Expedition auf den Weg ins Reservat. Die ehemaligen Indianerkämpfer John Clay und William Parcher schließen sich ihr ebenso an wie der Einwanderer Fergus Coffee – dessen Braut unter den Entführten ist –, der noch minderjährige Dobie Spacks und der schwarze Koch „Walnut“ Callaghan.

Victor ist ein Sadist, der sein Mütchen gern an hilflosen Indianern kühlt. Angewidert trennen sich die genannten Männer von den Soldaten. Sie finden die Indianerfrau Faith, die ihnen von den „Wühlern“ erzählt, Kreaturen, die wie riesige Maulwürfe unter der Erde hausen. Nachdem die weißen Siedler die Büffelherden ausgerottet haben, sind die Wühler auf Menschenfleisch umgestiegen. Zwischen Indianern und Weißen machen sie keinen Unterschied. Sie lähmen ihre Opfer mit einem Gift, begraben sie lebendig und warten, bis Fleisch und Organe sich zu verflüssigen beginnen, bevor sie zur Mahlzeit zurückkehren.

Die Männer schenken Faith zunächst keinen Glauben, werden aber schnell eines Besseren belehrt. Nachts attackieren die Wühler ihr Lager, tagsüber lauern Sioux auf sie. Verletzt und verwirrt ahnen die Männer, dass sie sich selbst in eine Falle geritten haben, der sie im Glücksfall höchstens tot entrinnen können …

Das Grauen ist überall zu Haus

Western und Horror sind zwei Genres, die man selten in einen Filmtopf geworfen sieht. Dabei ist die Geschichte des US-Mittelwestens weder mythenfrei noch sakrosankt, und es gibt keine Vorschrift, dass sich nur Cowboys, Indianer, Revolvermänner und Siedler, aber keine Geister oder wie in unserem Fall Ungetüme auf der Prärie tummeln dürfen. Tatsächlich ist der Mix besonders schmackhaft, da beide Genres sehr spezielle Eigenschaften bzw. Eigenheiten besitzen. Werden sie behutsam und gekonnt miteinander kombiniert, ergibt sich etwas Neues, zuvor (so) nicht Gesehenes.

J. T. Petty beherrschte das Kunststück. Er hatte freilich die Möglichkeit, das Beste aus einer Geschichte, die er selbst ersonnen hatte, zu destillieren: „The Burrowers“, der Film von 2008, basiert auf einer siebenteiligen TV-Mini-Serie, die Petty im Vorjahr inszeniert hatte. Sie erzählte dieselbe Geschichte, und in den Rollen sah man dieselben Schauspieler.

Ihre Herkunft kann die Story vor allem im Mittelteil des Films nicht verleugnen: Der lange Ritt über die Prärie findet meist ohne die (tricktechnisch komplizierten und teuren) „Wühler“ statt. Im Vordergrund stehen gruppeninterne Auseinandersetzungen, Schießereien und ähnliche Elemente, mit denen jede Serie routiniert auf Länge gebracht wird. Im Film konnte Petty hier raffen, was die Wühler wieder stärker in den Mittelpunkt rücken ließ.

Behalten, was man sich genommen hat

Der US-amerikanische Westen war nicht nur wild, sondern auch riesig. Siedler begaben sich auf ein gefährliches Terrain. Heiße Sommer, eisige Winter, Missernten, Krankheiten: Wer in diese Gefahren geriet, konnte schnell darin umkommen. Hilfe war aufgrund der gewaltigen Entfernungen nur langsam und oft zu spät zur Stelle. Darüber hinaus befand sich das Land in einem totgeschwiegenen Bürgerkrieg. Noch leisteten die von den Siedlern überall in die Defensive gedrängten Indianerstämme Widerstand. Dem Militär mit seiner modernen Bewaffnung hatten sie wenig entgegenzusetzen, aber für die Siedler blieb es gefährlich, wenn sie ihre Gier auf Land zu weit dorthin trug, wo die einheimischen Amerikaner unter sich bleiben wollten.

Wie diese bedrohliche Situation die Menschen prägte, lässt Petty immer wieder in die Handlung einfließen. Helden gibt es nicht, und nur Henry Victor ist ein echter Bösewicht. Jede Figur ist fähig, in dem einen Moment sympathisch zu sein und im nächsten Schreckliches zu tun. Als Gertrude Spacks in den ersten Filmminuten zum lauschigen Picknick einlädt, erzählt William Parcher, der um sie wirbt, ihrem Sohn Dobie aufgeräumt, wie er an einigen Ästen des Baumes, in dessen Schatten sie speisen, einst vier Indianer aufgehängt habe. Als die Gastgeberin sich indigniert zeigt, schließt Parcher völlig ernsthaft an, dass dieser Vorfall Teil der Geschichte seines Landes sei, die der Junge kennen sollte. (Ihren Platz unter dem Baum will die ansonsten sehr empfindliche und auf gute Manieren bedachte Gertrude übrigens nicht räumen …)

Wenig später schickt Gertrude ihren einzigen Sohn mit auf die Suchexpedition: Er soll ein Mann werden. Die damit für Dobie verbundenen Gefahren nimmt sie völlig selbstverständlich in Kauf; sie sind Teil eines Lebens an der Grenze. Dazu gehört auch das beiläufige Töten und Foltern von Indianern, der allgegenwärtige Rassismus, der sich hier gegen den irischen Einwanderer Coffey und den schwarzen Ex-Sklaven Callaghan richtet, und vor allem die ‚Betriebsblindheit‘ oder Gleichgültigkeit dem Land gegenüber, das man in Besitz genommen hat.

Der erste Fehler wird der letzte sein

Hartnäckig geben die Männer viel zu lange den Indianern die Schuld an dem Überfall auf die Stewart-Farm. Sie registrieren die Spuren, die eine ganz andere Geschichte erzählen, weigern sich aber, sie korrekt zu interpretieren. Sie sehen nur, was sie sehen wollen. Die Indianer kennen dagegen die Prärie und ihre Bewohner. Eine der zahlreichen ironischen Wendungen, mit denen Petty die Handlung auflädt, besteht in der Tatsache, dass die Wühler bisher harmlos waren: Sie ernährten sich vom Fleisch der Büffel, die einst in Millionenzahl über die Prärie zogen. Die weißen Eindringlinge haben sie getötet, und die Wühler weichen in ihrem Hunger auf die Verursacher desselben aus.

Das gewaltsame Ende ist ständig präsent und wird nüchtern einkalkuliert. Leben ist Kampf, und Petty weiß auch dies eindrucksvoll in Szene zu setzen. Nachdem er uns die Figuren vorgestellt hat und sie uns vertraut wurden, hebelt Petty alte Zuschauergewohnheiten aus, indem er sie sterben lässt, ohne dabei scheinbare Hierarchien zu berücksichtigen. Als ausgerechnet der eisenharte John Clay stirbt, geschieht dies beiläufig, zufällig und völlig unerwartet. Generell bleibt völlig offen, wen es als nächsten trifft.

Der alltägliche Lebenskampf ist nicht auf die Suchgruppe beschränkt. Auch Pettys Blick auf die Indianer bleibt ohne politisch korrekte Sentimentalitäten. Die Ureinwohner sind untereinander zerstritten und durchaus bereit, die nach der Besiedlung neu gemischten Karten zur Begleichung alter Rechnungen auszutragen. So hat der im Sold der Armee stehende Fährtenleser kein Problem damit, einen gefangenen Indianer zu foltern: Er gehört zu einem ‚feindlichen‘ Stamm.

Reise ins Herz der Finsternis

Die bisher skizzierten Elemente verraten, wie intensiv Petty seine Geschichte mit Kontext aufgeladen hat. Gleichzeitig hat er sie so sorgfältig konstruiert, dass er uns diesen selten mit erhobenem Zeigefinger markieren muss. Nur manchmal gleitet er in bekannte Klischees ab. Schwerer und wertvoller wiegen die ostentativen Verstöße gegen eingefahrene Erwartungen. Darin erweist sich Petty als Meister. Seiner Linie bleibt er bis zuletzt treu und inszeniert ein Finale, das nicht nur Fergus Coffey, sondern auch den Zuschauer sprachlos zurücklässt.

Natürlich sind die „Wühler“ nicht nur die genretypischen Monster, sondern auch ein Symbol. Wie den Indianern wurde auch ihnen von den Weißen übel mitgespielt, doch aufgrund ihrer Lebensweise können sie sich wehren. Dabei führen sie nicht einmal Krieg. Sie haben Hunger. Wenn die weißen Männer über die Prärie reiten, müssen die Wühler nur warten. Die Nacht, die Unaufmerksamkeit und vor allem ständiger Streit sorgen dafür, dass sie ihre Opfer finden. Die meisten Leichen hinterlassen denn auch nicht die Wühler, sondern die Menschen selbst. Sie benötigen keine Ungeheuer, um sich das Leben sauer – und kurz – zu machen.

Lakonie und bleiche Farben

Für seine Handlung findet Petty eine Filmsprache, die das Geschehene subtil und wirkungsvoll verstärkt. Die Prärie erscheint den Suchern lebensfeindlich, heiß, trocken und staubig. Petty unterstreicht dies durch ausgeblichene Bildern, aus denen die Farben ausgebrannt scheinen. Nicht einmal die wenigen Bäume wirken grün, sondern kränklich braun. In der Weite der Prärie verlieren sich die Retter, was Petty durch den Einsatz des klassischen Kino-Breitbildformats verstärkt. Das allgegenwärtige Gras bietet den anschleichenden Wühlern die ideale Deckung, aus der Petty geschickt nur die heuschreckenartigen Hinterbeine aufragen lässt: So sehen zumindest die Zuschauer das Verderben nahen, bevor es über die nachtblinden Sucher kommt.

Obwohl in der weiten Prärie handelnd, ist „The Burrowers“ ein Kammerspiel, das von seinen Darstellern getragen wird. Auch in diesem Punkt blieb Petty das Glück des Tüchtigen treu. Schauspieler wie Karl Geary, William Mapother oder Clancy Brown gehören nicht zur A-Kategorie der Hollywood-‚Stars‘, aber sie leisten stets gute Arbeit. Sie sind nicht auf Typen festgelegt, sondern überzeugen in immer neue Rollen, und da sie sowohl im Kino als auch im Fernsehen gut beschäftigt sind, lassen sie sich auch durch Zeit- oder Budgetdruck nicht irritieren.

Lange enthält uns Petty den Anblick der Wühler vor. Er beschränkt sich auf die Spuren, die sie hinterlassen. Auch später bleiben die Wühler nur Schemen und vorbeihuschende Schatten. Erst im Finale kommen sie aus der Deckung – und verlieren ihre Bedrohlichkeit, die aus ihrer Unsichtbarkeit resultierte. Zwar sind sie weiterhin rabiat und gefährlich, aber wir wissen nun, dass ein Wühler ein Gen-Mix aus Maulwurf und Grashüpfer zu sein scheint – und wir sehen, dass die Wühlerhaut eine Maske ist, in der ein Stuntman steckt, oder CGI-Technik den Ungeheuern digitales Scheinleben verleiht.

DVD-Features

Die Extras sind karg. Zum Originaltrailer gibt es zwei kurze, wenig aussagekräftige Featurettes („Digging up the Burrowers”, „Making a Horror Western: The Burrowers”) sowie einen (für diese Besprechung nicht abgehörten) Audiokommentar von J. T. Petty und Karl Geary.

[md]

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Seraphim Falls

Erstellt von Günther Lietz am 29. September 2009

seraphim-fallsSeraphim Falls

Genre: Western, Drama
FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 114 Minuten

Regie: David von Ancken
Drehbuch: David von Ancken, Abby Everett Jaques
Darsteller: Liam Neeson, Pierce Brosnan, Anjelica Huston, Michael Wincott, Robert Baker, Ed Lauter, John Robinson

Produktion: USA 2006
Produktionsfirmen: Icon Productions
Produzent: Stan Wlodkowski

Anfangs ein packender Western, der zum Ende hin in trivialen Surrealismus abdriftet …

Ein einsamer Mann in den verschneiten Bergen, ein Schuss, der Mann wird am Arm getroffen und eine Verfolgungsjagd von Norden nach Süden durch die USA beginnt. Der Mann heißt Gideon (Pierce Brosnan), diente im Bürgerkrieg für die Nordstaaten und ist ein harter Hund.

Angeschossen wurde er von Carver (Liam Neeson) und seinen Männern. Auch Carver diente im Krieg, allerdings für die Südstaaten und hat deswegen mit Gideon eine Rechnung offen. Doch die Beute verkauft ihren Pelz verdammt teuer – so teuer, wie Carver Rücksichtslosigkeit einsetzt. Und von nun an dezimiert sich der Jagdtrupp und am Ende kommt es zum großen Endkampf inmitten der Wüste …

„Seraphim Falls“ beginnt als Western mit wunderbar fotografierten Bildern, klassischen Westernelementen und knalliger Action. Die Jagd dominiert vom ersten Augenblick an den Film, packt den Zuschauer und lässt ihn kaum noch los. Da sind kleinere Logikfehler zu verschmerzen, die symptomatisch für den ganzen Film sind und sich ab Beginn öfters mal einschleichen.

So kümmert es Regisseur David von Ancken wenig, ob nun Kugel oder Schall zuerst eintreffen oder ob in einem eiskalten Wildbach die Überlebenschance gegen Null tendiert oder warum die berittenen Jäger langsamer als ein angeschossener Fußgänger sind oder warum dieser die Gäule herantraben hört und noch genug Zeit hat, falsche Fährten zu legen oder, oder, oder – doch o Wunder, die Handlung reißt es stets wieder raus.

Und so folgen die Zuschauer an Carvers Seite Gideon und fiebern mit diesem wiederum mit, wenn er mit Tricks seinen Häschern im letzten Augenblick entkommt oder einen bösen Buben eiskalt erledigt. Und während der lange Jagd werden all die schönen Dinge eingebaut, die einen Western so spannend machen.

Da wird eine Eisenbahn gebaut, kommen Bankräuber vor, ist ein toter Bär zu sehen und vieles mehr. Dabei geht es zwar blutig, aber sehr züchtig zur Sache. Da wird die Hüfte ein bisschen am Arsch der Farmerstochter gerieben, aber die Hose bleibt oben. Selbst der Ausschnitt wird züchtig verdeckt – allerdings sieht man gut das Herausdrücken einer Kugel aus der blubbernden Wunde oder wie eine Messerklinge aus dem klaffenden Hals eines Toten gezogen wird. Nun, us-amerikanische Verhältnisse eben. Irgendwie klingt der Western nach Müll, oder? Schon, aber er ist auch gleichzeitig ein Drama.

Der wahre Motor, der „Seraphim Falls“ am laufen hält, ist der Konflikt zwischen Gideon und Carver, der Dialog zwischen Brosnan und Neeson. Beide Männer zeigen hier ihre Stärke als Charakterschauspieler, spendieren ihren Figuren immer wieder neue und überraschende Nuancen. So überlebt Gideon Schuss, Wildbachfahrt und Selbstoperation, doch er heult dabei Rotz und Wasser, schnauft angeschlagen und man wartet nur darauf, dass der Gejagte tot umfällt. Doch er bleibt am leben, wird immer wieder eingeholt und entkommt im letzten Augenblick. Dank dem überzeugenden Spiel von Neeson und Brosnan wirkt das übrigens natürlich, statt aufgesetzt.

Die Emotionen, das Feuer, der Hass und die Verzweiflung sind fast sichtbar. Es sprüht zwischen den beiden Männern ein richtiger Funkenregen, während die Geschichte langsam und unaufhaltsam auf den Höhepunkt zujagt. So müssen Western sein, das ist spannend, das packt, das reißt mit.

Brosnan gibt dabei den pragmatischen Helden der Nordstaaten, der im Krieg seine Pflicht erfüllte und eines Fehlers wegen Schuld auf sich lud, für die er nun mit seinen Träumen zahlt – so wie auch Carver, hervorragend gespielt von Neeson. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Gekonnt deutet von Ancken den Grund für den tödlichen Konflikt an, um dann rechtzeitig den Fokus auf die Gegenwart, die Jagd zu lenken. Doch die gemeinsame, traumatische Vergangenheit der beiden Feinde ist klar, wird gekonnt in einer gemeinsamen Traumszene aufgezeigt.

So packend der Film auch überwiegend ist, so lahm wird er am Ende und sollte wie ein kranker Gaul erschossen werden – normalerweise macht man das im Western ja. Der Niedergang von Handlung und Charakterspiel tritt ein, als Gideon in schönster Rambomanier Carver überraschend stellt. Danach gibt es einen weisen Indianer am Wasserloch, und erscheint eine mirakelhafte Händlerin (Anjelica Huston) mit ihrem Wagen in der Wüste – lautlos und wissend, was die harten Jungs brauchen. Bullshit!

Aber auch die Auflösung des Konflikts ist Müll, nimmt dem Film, nein, dem grandiosen Charakterspiel seine ganze Substanz. Was hat sich von Ancken bloß dabei gedacht? Anstatt knallhart zum Finale zu kommen – wie es sich für einen richtigen Western gehört – knallt „Seraphim Falls“ auf das Niveau einer Teeparty hinunter. Und das schmerzt!

Ein absolut endgültiges Urteil zu fällen, ist bei diesem dramatischen Western schwer, doch nüchtern betrachtet und nach Punkten gerechnet, geht „Seraphim Falls“ technisch K.O.. Der Film taugt für Zwischendurch, ist kurzweilig und vor allem die ersten 90 Minuten mach Spaß, aber für eine wirkliche Empfehlung des Streifens ist das einfach zu wenig. Schade, hier hat David von Ancken vor dem Showdown einfach seine Munition verschossen.

(Günther Lietz)

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12 Uhr mittags – High Noon

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

12 Uhr mittags – High Noon (DVD)

- Darsteller: Gary Cooper, Grace Kelly, Thomas Mitchell
- Regie: Fred Zinnemann
- FSK: 12
- Musik: Dimitri Tiomkin
- Buch: Carl Foreman
- Produktion: USA 1952
- Label: Kinowelt
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch, Englisch
• Untertitel: Deutsch
• HiFi Sound, Dolby, PAL
• Laufzeit: 85 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 1. Oktober 1999
DVD Features:
• Trailer
• Infos als Film zu Fred Zinnemann
• Filmmusik
• Bewegtes Bild als Hintergrund des Menüs (Diamondedition)

VORSICHT! SPOILER!

„Do not forsake me, oh my darlin’
On this, our weddin’ day
Do not forsake me, oh my darlin’
Wait … along

The noon day train will bring Frank Miller
If I’m a man I must be brave
And I must face a man who hates me
Or lie a coward, a craven coward
Or lie a coward in my grave.“ (1)

Der Blick fällt auf eine in düsteren, teilweise grellen Schwarz-Weiß-Grau-Tönen sich darbietende Landschaft. Tristesse. Drei Männer nähern sich einem unbedeutenden Nest namens Hadleyville, irgendwo. Es ist ca. 10 Uhr morgens. Jack Colby (Lee van Cleef), Pierce (Robert J. Wilke) und Ben Miller (Sheb Wooley) reiten durch Hadleyville. Jeder kennt sie. Vor allem aber kennt jeder Einwohner den, der gerade nicht in die Stadt reitet, Frank Miller (Ian MacDonald), auf den die drei anderen warten. Frank Miller soll mit dem Zug um 12 Uhr in Headley eintreffen. Frank Miller ist ein verurteilter Mörder, der aus unerfindlichen Gründen begnadigt wurde. Frank Miller wurde vom Marshal der Stadt, Will Kane (Gary Cooper), vor Jahren gefasst. Und Will Kane gilt der Besuch Frank Millers. Jeder in der Stadt weiß das, als die drei Ganoven auftauchen. Und jeder weiß, dass sich Miller an Kane rächen will.

Ein klassischer Western? Nein, beileibe nicht. Fred Zinnemann (1907-1997), der aus Österreich stammende Regisseur, der noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in die USA ging, war eher ein Ausnahmeregisseur in den heiligen Hallen von Hollywood. Bekannt wurde Zinnemann mit „Das siebte Kreuz“ (1944) nach dem berühmten Roman Anna Seghers, später mit Filmen wie „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953), „Oklahoma!“ (1955), „Der alte Mann und das Meer“ (1958), „Geschichte einer Nonne“ (1959), „Der Schakal“ (1973) und „Julia“ (1977), seinem vorletzten Film.

„Oh, to be torn ‘tweenst love and duty
S’posin’ I lose my fair-haired beauty
Look at that big hand move along
Nearin’ high noon

He made a vow while in state prison
Vowed it would be my life or his’n
I’m not afraid of death but oh
What will I do if you leave me?“ (1)

„High Noon“ ist in jeder Hinsicht ein Ausnahme-Western. Wir sehen keine blühenden Landschaften eines glorifizierten Westens und glorifizierenden Westerns, keine furchtlosen Helden ohne Schwächen, keine lustigen Nester, keine „typisch“ amerikanische Nach-Siedler-Generationen, die sich in Furchtlosigkeit vor den Gefahren zusammenschweißt und ihre Führer (längst) auserwählt (hat). Alles läuft anders ab, sieht anders aus und geht anders aus als etwa in Howard Hawks „Rio Bravo“ (1959), in dem John Wayne – der „High Noon“ als „unamerikanisch“ bezeichnet haben soll – die „uramerikanischen Werte“ verteidigt, ohne dass Hawks allerdings sämtliche Register des Pathos ziehen würde (was „Rio Bravo“ wiederum zu einem ansehnlichen Exemplar des Genres werden lässt).

Gary Coopers Marshal Kane hatte Hadleyville von Banditen gesäubert und alle sind ihm dankbar. Jetzt, als die drei Ganoven die Stadt betreten, will Kane, der gerade die um Jahrzehnte jüngere Amy (Grace Kelly) heiratet, die Stadt verlassen. Morgen soll der neue Marshal kommen. Und mit dem üblichen Hochzeittrara verlässt das glückliche Paar mit dem Pferdewagen die Stadt. Kane weiß, dass Miller um 12 Uhr ankommen wird – und kehrt um. Amy versteht nicht warum, vielleicht will sie es auch nicht verstehen, und will aus Protest gegen ihren Mann just mit dem Zug, mit dem Miller kommen wird, wegfahren.

Zinnemann passte die Laufzeit des Films fast exakt der Zeit der Handlung an. Aus knapp zwei Stunden, zwischen kurz nach 10 Uhr und 12 Uhr mittags, wurden 85 Minuten Film. Und in diesen knapp zwei Stunden enthüllt sich derart viel an Schwächen und Verhaltensweisen, das Zinnemann (bewusst) auf die üblichen Stilmittel des Genres weitgehend verzichten konnte. Für ihn war nach eigener Aussage der Western nur die Hülle, unter der sich vor allem Feigheit und Verrat, Gemeinschaft in Worten, aber Einsamkeit in der Tat entblößten.

Kane, der als Marshal weiß, was zu tun ist, der als Mensch aber gleichzeitig eher zurückhaltend, fast schüchtern wirkt, ist gewissenhaft. Er bräuchte nicht zurückkehren, sein Job ist erledigt. Nur ein schlafender Betrunkener, ein Stammgast, liegt noch in der Zelle (Jack Elam). Morgen kommt sein Nachfolger.

Morgen. Eben – erst morgen. Und deshalb kehrt Kane zurück, deshalb, und weil Frank Miller wegen ihm kommt, schließlich weil Frank Miller die Zustände wieder herbeiführen könnte, unter denen Hadleyville zu einem Gemisch aus Kriminalität und Vergnügung verkommen war. Im Saloon, in dem er Hilfssheriffs anheuern will, machen ihm die anwesenden Männer dies mehr als deutlich.

„Do not forsake me, oh my darlin’
You made that promise when we wed
Do not forsake me, oh my darlin’
Although you’re grievin’
I won’t be leavin’
Until I see Frank Miller dead

Wait along, wait along
Wait along
Wait along.“ (1)

Wir erleben Hadleyville als eine Art zeitlichen Knotenpunkt: Leute werden kommen, andere gehen oder wollen gehen, der Marshal will eigentlich weg, aber der andere ist noch nicht da, Kane hat sein Junggesellendasein aufgegeben und geheiratet.
Kane sucht nun die, denen er bislang geholfen hat. Und er findet keinen. Sein Deputy Harvey (Lloyd Bridges) spielt den „Vernünftigen“ und legt seinen Stern ab, will, dass Kane die Stadt verlässt und schüttet sich mit Whisky voll. Alle wollen, dass Kane geht. In der Kirche sucht Kane Hilfe. Doch Bürgermeister Henderson (Thomas Mitchell) beendet seine flammende Rede auf den besten aller Marshals mit demselben Rat: Kane, mach dass du fortkommst. Der Richter (Otto Kruger) sattelt sein Pferd und verschwindet. Und selbst der andere Deputy Herb (James Millican), der Kane anfangs, um kurz nach 10 Uhr, noch helfen wollte, flüchtet in seine vier Wände, als er von Kane hören muss, er habe niemanden sonst gefunden, um gegen Miller zu kämpfen. Ein anderer (Harry Morgen lässt sich, als Kane kommt, von seiner Frau (Eve McVeagh) verleugnen.

Der Schweiß steht Kane auf der Stirn. Aber nicht die Hitze macht ihm vor allem zu schaffen, sondern die Angst, gegen Miller und seine drei Helfershelfer allein dazustehen. Die Angst und die Enttäuschung, die bittere Enttäuschung über Menschen, die sich in ihren Häusern verbarrikadieren. Es wird ruhig in Hadleyville. Auch Kanes Ex-Freundin Helen Ramirez (Katy Jurado) packt ihre Koffer – ob aus Angst, Feigheit oder einfach Enttäuschung über die Einwohner des Ortes und vor allem über ihren Freund Harvey? Wenn sie Kanes Frau wäre, würde sie ihn nicht im Stich lassen, sagt sie Kanes Frau Amy ins Gesicht, die nur an ihre Ehe zu denken scheint, aber nicht an ihren Mann. Warum helfe sie dann Kane nicht, fragt Amy. Sie sei nicht Kanes Frau, pariert Helen.

Als selbst der Vorgänger Kanes, Martin Howe (Lon Chaney Jr.) Kane dazu rät, die Stadt schleunigst zu verlassen, weiß der Marshal, woran er ist. Er bereitet sich vor, muss noch eine Schlägerei mit Harvey überstehen, der ihn zwingen will zu gehen.

Gary Coopers Marshal ist so allein, wie man nur allein sein kann. Er ist bei sich, ganz bei sich. Er bleibt, trotz Angst und Enttäuschung, ja Verbitterung, überlegt, und handelt bis zum bitteren Ende seinem Gewissen folgend. Und dieses Ende ist nicht die erneute Herrschaft Frank Millers über die Stadt, nicht der Sieg Kanes über die vier Gestalten, nicht die wiedergewonnene Sicherheit in Hadleyville. Kane verlässt die Stadt. Seinen Marshal-Stern wirft er den Einwohnern vor die Füße in den Sand.

Düsterer kann man einen Western kaum drehen. Düsterer kann man aber vor allem kaum eine Atmosphäre einfangen, in der sich unter der brüchigen Oberfläche von vermeintlicher Ehre und Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Gemeinschaft, Mut und Entschlossenheit etwas ganz anderes offenbart: Feigheit, Egoismus und letztlich auch Verrat. Ein ganzer Ort hat sich gegen Kane verschworen, der seine Einwohner vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Erst im letzten Moment und in einer einzigen Person offenbart sich ein Fünkchen Hoffnung, als Amy zur Waffe greift und einen der Banditen tötet.

Fred Zinnemann drehte „High Noon“ in einer Zeit, in der ein amerikanischer Senator namens McCarthy sich mit anderen anschickte, „unamerikanische Umtriebe“ zu bekämpfen. Das entsprechende Komitee, dem vor allem Intellektuelle, auch Filmschaffende wie der Schauspieler Lloyd Bridges, Drehbuchautor Carl Foreman und Floyd Crosby, der den Film fotografierte, zum Opfer fielen, war eine Institution der modernen Hexenverfolgung. Man sah überall Kommunisten und wollte sie überall sehen. Vor allem Foreman sah in „High Noon“ einen visuellen Gegenschlag gegen diese organisierte Verfolgung. Der gesichtlose Frank Miller, der erst ganz am Schluss des Films in Erscheinung tritt, und seine ebenfalls konturenlosen drei Kumpane waren für Foreman so etwas wie ein Symbol für das Komitee McCarthys.

Zinnemann selbst äußerte sich in einem Interview, das Charlotte Kerr 1982 mit ihm führte und auf der DVD zu finden ist, scheinbar zurückhaltender. Für ihn sei „High Noon“ nicht auf eine spezielle politische Situation zugeschnitten gewesen. Die Handlung hätte genauso gut in einer anderen Zeit und an anderem Ort spielen können.

Wertung: 10 von 10 Punkten.
Prädikat: besonders wertvoll.

(1) Do Not Forsake Me, Album: Frankie Laine’s Greatest Hits (Ned Washington / Dimitri Tiomkin) Frankie Laine – 1952 Tex Ritter.

(c) 2004 by Ulrich Behrens

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12 Uhr mittags – High Noon
12 Uhr mittags High Noon / Arthaus Premium (2 DVDs)

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Firefly – Der Aufbruch der Serenity

Erstellt von Günther Lietz am 8. April 2009

Firefly – Der Aufbruch der Serenity

Originaltitel: Firefly

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 625 Minuten

Regie: Joss Whedon
Darsteller: Nathan Fillion, Gina Torres, Adam Baldwin, Alan Tudyk, Jewel Staite, Morena Baccarin, Summer Glau, Sean Maher

Produktion: USA 2002
Produktionsfirmen: Fox
Produzent: Gareth Davies, Joss Whedon (Executive Producer)

Die Western-Science-Fiction-Serie „Firefly“ ist ein gutes Beispiel für eindeutige Fehlentscheidungen eines Fernsehsenders, in diesem Fall des us-amerikanischen TV-Senders FOX. Jedenfalls sind sich die Fans der Serie darin einig …

FOX beauftragte den kreativen Kopf Joss Whedon (bekannt durch seine Serien „Buffy“ und „Angel“) damit, eine neue Science Fiction-Serie zu entwerfen. Whedon kreierte daraufhin ein Setting, das 500 Jahre in der Zukunft spielt, ohne Aliens auskommt und den Wilden Westen in die Zukunft katapultiert. Zusätzlich packte Whedon neun Helden ein, die an Bord des Raumfrachter der Firefly-Klasse „Serenity“ zu einer Familie zusammenwachsen. Dabei geht es allerdings moralisch fragwürdig und verdammt rau zu – vor allem auf den Randwelten.

Das Konzept passt, wurde aber von den FOX-Verantwortlichen unterschätzt. Diese setzten die Serie nach nur 14 Episoden ab. Allerdings war der zeitnahe Verkauf der DVD-Box ein Kassenerfolg. Innerhalb eines Vierteljahres wurden mehr als 200.000 Einheiten verkauft. Für eine Wiederaufnahme der Serie reichten die Zahlen nicht aus, doch Whedon gelang das Wunder Gelder für einen Kinofilm („Serenity“) genehmigt zu bekommen, der einige offene Fragen aus der Serie beantwortet. Diesen Erfolg verdankt er zum Großteil seiner Fangemeinde, den sogenannten Browncoats – benannt nach einem Element aus „Firefly“.

Whedon hat sich eindeutig etwas einfallen lassen. Geschickt spinnt er einen Faden aus der Gegenwart in die Zukunft und bedient sich bei bekannten Serien und Filme, um einen Fundus an originellen Ideen zu bekommen. Der Clou ist allerdings, dass kaum eine Szene endet, wie man es vermutet. Zudem ist Whedon dafür bekannt, auch beliebte Charaktere sterben zu lassen. Man traut ihm einfach alles zu – was er gekonnt einsetzt.

So ist es bei TV-Geiselnahmen normalerweise üblich, dass erst einmal ein Gespräch stattfindet. Doch Whedons Captain Malcolm “Mal” Reynolds (Nathan Fillion) ist sehr pragmatisch und hat dafür keine Zeit. Also pustet er den Geiselnehmer (ein fieser Agent der Allianz) einfach über den Haufen – mitten im Satz und „Scheiß auf Freundlichkeit“.

Dieser Pragmatismus lässt die Serie authentisch wirken – und scheinbar auch unmoralisch. Doch die Crew an Bord der Serenity besitzt Moral, allen voran der Captain. Doch Moral muss man sich leisten können.

Die Welt der Zukunft kommt ohne Aliens aus. Die Menschheit hat die Erde verlassen und in einem neuen Sonnensystem die dortigen Planeten und Monde terraformt, um sie weitgehend lebensfähig zu gestalten. Allerdings sind die Kernwelten besser weggekommen und konnten eine technologisch weit entwickelte Zentralregierung aufbauen: Die Allianz.

Die Welten zum Rand des Systems hin kamen schlechter weg, verlassen sich weitgehend auf menschliche und tierische Arbeitskraft. Aber sie lieben ihre Unabhängigkeit und so kam es unweigerlich zum Vereinigungskrieg – der us-amerikanische Bürgerkrieg lässt grüßen, allerdings sind Nord- und Südstaaten-Vorbilder gut vermischt.

Mal diente auf Seiten der Browncoats und somit für die Unabhängigen. Die Allianz blieb siegreich und Mal traumatisiert. Er kauft einen Frachter, nennt ihn Serenity und zusammen mit seiner ehemaligen Untergebenen Zoe (Gina Torres) steigt er ins Frachtgeschäft ein.

Zu Beginn der Serie – sechs Jahre nach dem Krieg – leben noch weitere Menschen an Bord der Serenity, die ihr aller zuhause ist. Da wäre noch Hoban „Wash“ Washburn (Alan Tudyk), ein begnadeter Pilot und eigentlich ein Weichei, das mit Plastikdinos spielt. Ausgerechnet er ist mit Zoe verheiratet, die als moderne Amazone betrachtet werden kann.

Des weiteren verrichtet die junge Kaywinnit Lee „Kaylee“ Frye (Jewel Staite) ihre Arbeit als Mechanikerin. Sie hat ein goldenes Händchen für Maschinen, ist die Kleine in der Crew, lebenslustig und stets auf der Suche nach Sex.

Kein Wunder, dass sie sich so gut mit Inara Serra (Morena Baccarin) versteht, eine Companion, die eines der Shuttle der Serenity gepachtet hat. Companions sind Kurtisanen, die sich in Gilden organisieren und zur oberen Gesellschaftsschicht gehören. Ihre Liebesdienste sind Legende – auch wenn Mal Inara abfällig als Hure bezeichnet, doch was sich liebt, das neckt sich eben. In der Serie wird die niemals eingestandene Liebe zwischen Mal und Inara entsprechend thematisiert.

Als letztes Crewmitglied ist Jayne Cobb (Adam Baldwin) an Bord, ein käuflicher, unmoralischer, dummer Söldner, der erst schießt, dann redet und dann nachdenkt. Reden und nachdenken fallen öfters mal aus. Seine Liebe zu Waffen wird unter anderem daran erkennbar, dass er in jeder Episode eine andere Waffe einsetzt, pflegt, liebt, streichelt oder mit Namen anspricht.

Die Serie beginnt nun damit, dass Mal neue Passagiere an Bord nimmt. Einer von ihnen entpuppt sich als Spion, wird aber schnell erschossen und ist eher unwichtig. Doch die anderen Menschen werden quasi Teil der Besatzung und somit Teil der Firefly-Familie.

Shepherd Book (Ron Glass) wäre da als erstes zu nennen. Der ältere Shepherd kommt gerade aus einer Abtei und sucht eine Passage. Doch schon bald kümmert er sich um das Seelenheil der Crew, was auch dringend nötig ist. Shepherd Book ist ein Farbiger, besitzt eine mysteriöse Vergangenheit und bildet das philosophische Element der Mannschaft. Allerdings fällt einem auf, dass im Firefly’verse (so die Bezeichnung unter Fans) die Farbigen meistens talentierte Kämpfer im Auftrag der Regierung sind, die einen Spleen haben und jederzeit Leben auslöschen können. Leider wird nie ganz aufgeklärt, ob Book ebenfalls in diese Kategorie fällt.

Jetzt wird es spannend, denn Simon Tam (Sean Maher) ist zuerst einfacher Passagier, wird dann aber zum Bordarzt. Der Allianz jagt nämlich den junge Mann, da er seine jüngere Schwester River (Summer Glau) aus einem Allianz.Krankenhaus befreite. Dort wurde River modifiziert und erst im Laufe der Serie, stellen sich ihre Fähigkeiten heraus. Allerdings ist River unberechenbar, wahnsinnig, tödlich, launisch und noch weitere Dinge, die diesen Charakter faszinierend machen. Verfolgt man die Serie genau wird allerdings schnell deutlich, dass der angebliche Wahnsinn Methode hat und von der Crew falsch ausgelegt wird.

Die Tams und deren Flucht vor der Allianz bilden nun den roten Faden, der sich durch alle Episoden zieht. Diese sind in sich zwar weitgehend abgeschlossen, bauen aber noch zusätzlich aufeinander auf. So zieht Mal in einer Folge den Auftrag an Land Rinder zu transportieren, in der nächsten werden diese verkauft … na ja, oder beinahe. Denn immerhin lebt die Serie von überraschenden Komplikationen. Eigentlich ist nie die Frage „ob“, sondern „wie“ etwas Schlimmes passiert.

Auch Nebendarsteller kommen stets nochmals vor, was die Welt lebendig wirken lässt. Alte Bekannte und Feinde tauchen gerne mal wieder auf und sorgen für ein erfrischendes „Hallo!“. Nachtragende Feinde sind somit ebenfalls ein Thema im Firefly’verse.

Die Geschichten der „Serenity“-Crew sind spannend, witzig und überraschend. Die Figuren wachsen einem schnell ans Herz, wirken lebendig und sympathisch – was vor allem an den Darstellern und der stets präsenten Spielfreude liegt. „Firefly“ zu drehen hat Spaß gemacht – und das merkt man jeder Seriensekunde an. „Firefly“ links liegen zu lassen, ist fast schon eine kleine Sünde, da es sich bei der Serie um einen innovativen Meilenstein des Genres handelt. Bedingungslos zu empfehlen! Leider sind die 14 Episoden viel zu schnell vorbei, doch man beginnt gerne wieder von vorne.

Auch das Bonusmaterial der Serie weiß zu überzeugen. Es gibt zu etlichen Folgen mit Audiokommentaren, Easter Eggs und Featurettes. Zusätzlich die obligatorischen entfallenen Szenen. Das sorgt für viele weitere Stunden Spaß. Shiny!
(Günther Lietz)

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