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Archiv für die 'Western' Kategorie

Seraphim Falls

Erstellt von Redaktion am 29. September 2009

seraphim-fallsSeraphim Falls

Genre: Western, Drama
FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 114 Minuten

Regie: David von Ancken
Drehbuch: David von Ancken, Abby Everett Jaques
Darsteller: Liam Neeson, Pierce Brosnan, Anjelica Huston, Michael Wincott, Robert Baker, Ed Lauter, John Robinson

Produktion: USA 2006
Produktionsfirmen: Icon Productions
Produzent: Stan Wlodkowski

Anfangs ein packender Western, der zum Ende hin in trivialen Surrealismus abdriftet …

Ein einsamer Mann in den verschneiten Bergen, ein Schuss, der Mann wird am Arm getroffen und eine Verfolgungsjagd von Norden nach Süden durch die USA beginnt. Der Mann heißt Gideon (Pierce Brosnan), diente im Bürgerkrieg für die Nordstaaten und ist ein harter Hund.

Angeschossen wurde er von Carver (Liam Neeson) und seinen Männern. Auch Carver diente im Krieg, allerdings für die Südstaaten und hat deswegen mit Gideon eine Rechnung offen. Doch die Beute verkauft ihren Pelz verdammt teuer – so teuer, wie Carver Rücksichtslosigkeit einsetzt. Und von nun an dezimiert sich der Jagdtrupp und am Ende kommt es zum großen Endkampf inmitten der Wüste …

„Seraphim Falls“ beginnt als Western mit wunderbar fotografierten Bildern, klassischen Westernelementen und knalliger Action. Die Jagd dominiert vom ersten Augenblick an den Film, packt den Zuschauer und lässt ihn kaum noch los. Da sind kleinere Logikfehler zu verschmerzen, die symptomatisch für den ganzen Film sind und sich ab Beginn öfters mal einschleichen.

So kümmert es Regisseur David von Ancken wenig, ob nun Kugel oder Schall zuerst eintreffen oder ob in einem eiskalten Wildbach die Überlebenschance gegen Null tendiert oder warum die berittenen Jäger langsamer als ein angeschossener Fußgänger sind oder warum dieser die Gäule herantraben hört und noch genug Zeit hat, falsche Fährten zu legen oder, oder, oder – doch o Wunder, die Handlung reißt es stets wieder raus.

Und so folgen die Zuschauer an Carvers Seite Gideon und fiebern mit diesem wiederum mit, wenn er mit Tricks seinen Häschern im letzten Augenblick entkommt oder einen bösen Buben eiskalt erledigt. Und während der lange Jagd werden all die schönen Dinge eingebaut, die einen Western so spannend machen.

Da wird eine Eisenbahn gebaut, kommen Bankräuber vor, ist ein toter Bär zu sehen und vieles mehr. Dabei geht es zwar blutig, aber sehr züchtig zur Sache. Da wird die Hüfte ein bisschen am Arsch der Farmerstochter gerieben, aber die Hose bleibt oben. Selbst der Ausschnitt wird züchtig verdeckt – allerdings sieht man gut das Herausdrücken einer Kugel aus der blubbernden Wunde oder wie eine Messerklinge aus dem klaffenden Hals eines Toten gezogen wird. Nun, us-amerikanische Verhältnisse eben. Irgendwie klingt der Western nach Müll, oder? Schon, aber er ist auch gleichzeitig ein Drama.

Der wahre Motor, der „Seraphim Falls“ am laufen hält, ist der Konflikt zwischen Gideon und Carver, der Dialog zwischen Brosnan und Neeson. Beide Männer zeigen hier ihre Stärke als Charakterschauspieler, spendieren ihren Figuren immer wieder neue und überraschende Nuancen. So überlebt Gideon Schuss, Wildbachfahrt und Selbstoperation, doch er heult dabei Rotz und Wasser, schnauft angeschlagen und man wartet nur darauf, dass der Gejagte tot umfällt. Doch er bleibt am leben, wird immer wieder eingeholt und entkommt im letzten Augenblick. Dank dem überzeugenden Spiel von Neeson und Brosnan wirkt das übrigens natürlich, statt aufgesetzt.

Die Emotionen, das Feuer, der Hass und die Verzweiflung sind fast sichtbar. Es sprüht zwischen den beiden Männern ein richtiger Funkenregen, während die Geschichte langsam und unaufhaltsam auf den Höhepunkt zujagt. So müssen Western sein, das ist spannend, das packt, das reißt mit.

Brosnan gibt dabei den pragmatischen Helden der Nordstaaten, der im Krieg seine Pflicht erfüllte und eines Fehlers wegen Schuld auf sich lud, für die er nun mit seinen Träumen zahlt – so wie auch Carver, hervorragend gespielt von Neeson. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Gekonnt deutet von Ancken den Grund für den tödlichen Konflikt an, um dann rechtzeitig den Fokus auf die Gegenwart, die Jagd zu lenken. Doch die gemeinsame, traumatische Vergangenheit der beiden Feinde ist klar, wird gekonnt in einer gemeinsamen Traumszene aufgezeigt.

So packend der Film auch überwiegend ist, so lahm wird er am Ende und sollte wie ein kranker Gaul erschossen werden – normalerweise macht man das im Western ja. Der Niedergang von Handlung und Charakterspiel tritt ein, als Gideon in schönster Rambomanier Carver überraschend stellt. Danach gibt es einen weisen Indianer am Wasserloch, und erscheint eine mirakelhafte Händlerin (Anjelica Huston) mit ihrem Wagen in der Wüste – lautlos und wissend, was die harten Jungs brauchen. Bullshit!

Aber auch die Auflösung des Konflikts ist Müll, nimmt dem Film, nein, dem grandiosen Charakterspiel seine ganze Substanz. Was hat sich von Ancken bloß dabei gedacht? Anstatt knallhart zum Finale zu kommen – wie es sich für einen richtigen Western gehört – knallt „Seraphim Falls“ auf das Niveau einer Teeparty hinunter. Und das schmerzt!

Ein absolut endgültiges Urteil zu fällen, ist bei diesem dramatischen Western schwer, doch nüchtern betrachtet und nach Punkten gerechnet, geht „Seraphim Falls“ technisch K.O.. Der Film taugt für Zwischendurch, ist kurzweilig und vor allem die ersten 90 Minuten mach Spaß, aber für eine wirkliche Empfehlung des Streifens ist das einfach zu wenig. Schade, hier hat David von Ancken vor dem Showdown einfach seine Munition verschossen.

(Günther Lietz)

Titel bei Amazon.de

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12 Uhr mittags – High Noon

Erstellt von Detlef Hedderich am 10. April 2009

12 Uhr mittags – High Noon (DVD)

- Darsteller: Gary Cooper, Grace Kelly, Thomas Mitchell
- Regie: Fred Zinnemann
- FSK: 12
- Musik: Dimitri Tiomkin
- Buch: Carl Foreman
- Produktion: USA 1952
- Label: Kinowelt
Zusatzinformationen:
• Sprache: Deutsch, Englisch
• Untertitel: Deutsch
• HiFi Sound, Dolby, PAL
• Laufzeit: 85 Minuten
• DVD Erscheinungstermin: 1. Oktober 1999
DVD Features:
• Trailer
• Infos als Film zu Fred Zinnemann
• Filmmusik
• Bewegtes Bild als Hintergrund des Menüs (Diamondedition)

VORSICHT! SPOILER!

„Do not forsake me, oh my darlin’
On this, our weddin’ day
Do not forsake me, oh my darlin’
Wait … along

The noon day train will bring Frank Miller
If I’m a man I must be brave
And I must face a man who hates me
Or lie a coward, a craven coward
Or lie a coward in my grave.“ (1)

Der Blick fällt auf eine in düsteren, teilweise grellen Schwarz-Weiß-Grau-Tönen sich darbietende Landschaft. Tristesse. Drei Männer nähern sich einem unbedeutenden Nest namens Hadleyville, irgendwo. Es ist ca. 10 Uhr morgens. Jack Colby (Lee van Cleef), Pierce (Robert J. Wilke) und Ben Miller (Sheb Wooley) reiten durch Hadleyville. Jeder kennt sie. Vor allem aber kennt jeder Einwohner den, der gerade nicht in die Stadt reitet, Frank Miller (Ian MacDonald), auf den die drei anderen warten. Frank Miller soll mit dem Zug um 12 Uhr in Headley eintreffen. Frank Miller ist ein verurteilter Mörder, der aus unerfindlichen Gründen begnadigt wurde. Frank Miller wurde vom Marshal der Stadt, Will Kane (Gary Cooper), vor Jahren gefasst. Und Will Kane gilt der Besuch Frank Millers. Jeder in der Stadt weiß das, als die drei Ganoven auftauchen. Und jeder weiß, dass sich Miller an Kane rächen will.

Ein klassischer Western? Nein, beileibe nicht. Fred Zinnemann (1907-1997), der aus Österreich stammende Regisseur, der noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland in die USA ging, war eher ein Ausnahmeregisseur in den heiligen Hallen von Hollywood. Bekannt wurde Zinnemann mit „Das siebte Kreuz“ (1944) nach dem berühmten Roman Anna Seghers, später mit Filmen wie „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953), „Oklahoma!“ (1955), „Der alte Mann und das Meer“ (1958), „Geschichte einer Nonne“ (1959), „Der Schakal“ (1973) und „Julia“ (1977), seinem vorletzten Film.

„Oh, to be torn ‘tweenst love and duty
S’posin’ I lose my fair-haired beauty
Look at that big hand move along
Nearin’ high noon

He made a vow while in state prison
Vowed it would be my life or his’n
I’m not afraid of death but oh
What will I do if you leave me?“ (1)

„High Noon“ ist in jeder Hinsicht ein Ausnahme-Western. Wir sehen keine blühenden Landschaften eines glorifizierten Westens und glorifizierenden Westerns, keine furchtlosen Helden ohne Schwächen, keine lustigen Nester, keine „typisch“ amerikanische Nach-Siedler-Generationen, die sich in Furchtlosigkeit vor den Gefahren zusammenschweißt und ihre Führer (längst) auserwählt (hat). Alles läuft anders ab, sieht anders aus und geht anders aus als etwa in Howard Hawks „Rio Bravo“ (1959), in dem John Wayne – der „High Noon“ als „unamerikanisch“ bezeichnet haben soll – die „uramerikanischen Werte“ verteidigt, ohne dass Hawks allerdings sämtliche Register des Pathos ziehen würde (was „Rio Bravo“ wiederum zu einem ansehnlichen Exemplar des Genres werden lässt).

Gary Coopers Marshal Kane hatte Hadleyville von Banditen gesäubert und alle sind ihm dankbar. Jetzt, als die drei Ganoven die Stadt betreten, will Kane, der gerade die um Jahrzehnte jüngere Amy (Grace Kelly) heiratet, die Stadt verlassen. Morgen soll der neue Marshal kommen. Und mit dem üblichen Hochzeittrara verlässt das glückliche Paar mit dem Pferdewagen die Stadt. Kane weiß, dass Miller um 12 Uhr ankommen wird – und kehrt um. Amy versteht nicht warum, vielleicht will sie es auch nicht verstehen, und will aus Protest gegen ihren Mann just mit dem Zug, mit dem Miller kommen wird, wegfahren.

Zinnemann passte die Laufzeit des Films fast exakt der Zeit der Handlung an. Aus knapp zwei Stunden, zwischen kurz nach 10 Uhr und 12 Uhr mittags, wurden 85 Minuten Film. Und in diesen knapp zwei Stunden enthüllt sich derart viel an Schwächen und Verhaltensweisen, das Zinnemann (bewusst) auf die üblichen Stilmittel des Genres weitgehend verzichten konnte. Für ihn war nach eigener Aussage der Western nur die Hülle, unter der sich vor allem Feigheit und Verrat, Gemeinschaft in Worten, aber Einsamkeit in der Tat entblößten.

Kane, der als Marshal weiß, was zu tun ist, der als Mensch aber gleichzeitig eher zurückhaltend, fast schüchtern wirkt, ist gewissenhaft. Er bräuchte nicht zurückkehren, sein Job ist erledigt. Nur ein schlafender Betrunkener, ein Stammgast, liegt noch in der Zelle (Jack Elam). Morgen kommt sein Nachfolger.

Morgen. Eben – erst morgen. Und deshalb kehrt Kane zurück, deshalb, und weil Frank Miller wegen ihm kommt, schließlich weil Frank Miller die Zustände wieder herbeiführen könnte, unter denen Hadleyville zu einem Gemisch aus Kriminalität und Vergnügung verkommen war. Im Saloon, in dem er Hilfssheriffs anheuern will, machen ihm die anwesenden Männer dies mehr als deutlich.

„Do not forsake me, oh my darlin’
You made that promise when we wed
Do not forsake me, oh my darlin’
Although you’re grievin’
I won’t be leavin’
Until I see Frank Miller dead

Wait along, wait along
Wait along
Wait along.“ (1)

Wir erleben Hadleyville als eine Art zeitlichen Knotenpunkt: Leute werden kommen, andere gehen oder wollen gehen, der Marshal will eigentlich weg, aber der andere ist noch nicht da, Kane hat sein Junggesellendasein aufgegeben und geheiratet.
Kane sucht nun die, denen er bislang geholfen hat. Und er findet keinen. Sein Deputy Harvey (Lloyd Bridges) spielt den „Vernünftigen“ und legt seinen Stern ab, will, dass Kane die Stadt verlässt und schüttet sich mit Whisky voll. Alle wollen, dass Kane geht. In der Kirche sucht Kane Hilfe. Doch Bürgermeister Henderson (Thomas Mitchell) beendet seine flammende Rede auf den besten aller Marshals mit demselben Rat: Kane, mach dass du fortkommst. Der Richter (Otto Kruger) sattelt sein Pferd und verschwindet. Und selbst der andere Deputy Herb (James Millican), der Kane anfangs, um kurz nach 10 Uhr, noch helfen wollte, flüchtet in seine vier Wände, als er von Kane hören muss, er habe niemanden sonst gefunden, um gegen Miller zu kämpfen. Ein anderer (Harry Morgen lässt sich, als Kane kommt, von seiner Frau (Eve McVeagh) verleugnen.

Der Schweiß steht Kane auf der Stirn. Aber nicht die Hitze macht ihm vor allem zu schaffen, sondern die Angst, gegen Miller und seine drei Helfershelfer allein dazustehen. Die Angst und die Enttäuschung, die bittere Enttäuschung über Menschen, die sich in ihren Häusern verbarrikadieren. Es wird ruhig in Hadleyville. Auch Kanes Ex-Freundin Helen Ramirez (Katy Jurado) packt ihre Koffer – ob aus Angst, Feigheit oder einfach Enttäuschung über die Einwohner des Ortes und vor allem über ihren Freund Harvey? Wenn sie Kanes Frau wäre, würde sie ihn nicht im Stich lassen, sagt sie Kanes Frau Amy ins Gesicht, die nur an ihre Ehe zu denken scheint, aber nicht an ihren Mann. Warum helfe sie dann Kane nicht, fragt Amy. Sie sei nicht Kanes Frau, pariert Helen.

Als selbst der Vorgänger Kanes, Martin Howe (Lon Chaney Jr.) Kane dazu rät, die Stadt schleunigst zu verlassen, weiß der Marshal, woran er ist. Er bereitet sich vor, muss noch eine Schlägerei mit Harvey überstehen, der ihn zwingen will zu gehen.

Gary Coopers Marshal ist so allein, wie man nur allein sein kann. Er ist bei sich, ganz bei sich. Er bleibt, trotz Angst und Enttäuschung, ja Verbitterung, überlegt, und handelt bis zum bitteren Ende seinem Gewissen folgend. Und dieses Ende ist nicht die erneute Herrschaft Frank Millers über die Stadt, nicht der Sieg Kanes über die vier Gestalten, nicht die wiedergewonnene Sicherheit in Hadleyville. Kane verlässt die Stadt. Seinen Marshal-Stern wirft er den Einwohnern vor die Füße in den Sand.

Düsterer kann man einen Western kaum drehen. Düsterer kann man aber vor allem kaum eine Atmosphäre einfangen, in der sich unter der brüchigen Oberfläche von vermeintlicher Ehre und Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Gemeinschaft, Mut und Entschlossenheit etwas ganz anderes offenbart: Feigheit, Egoismus und letztlich auch Verrat. Ein ganzer Ort hat sich gegen Kane verschworen, der seine Einwohner vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Erst im letzten Moment und in einer einzigen Person offenbart sich ein Fünkchen Hoffnung, als Amy zur Waffe greift und einen der Banditen tötet.

Fred Zinnemann drehte „High Noon“ in einer Zeit, in der ein amerikanischer Senator namens McCarthy sich mit anderen anschickte, „unamerikanische Umtriebe“ zu bekämpfen. Das entsprechende Komitee, dem vor allem Intellektuelle, auch Filmschaffende wie der Schauspieler Lloyd Bridges, Drehbuchautor Carl Foreman und Floyd Crosby, der den Film fotografierte, zum Opfer fielen, war eine Institution der modernen Hexenverfolgung. Man sah überall Kommunisten und wollte sie überall sehen. Vor allem Foreman sah in „High Noon“ einen visuellen Gegenschlag gegen diese organisierte Verfolgung. Der gesichtlose Frank Miller, der erst ganz am Schluss des Films in Erscheinung tritt, und seine ebenfalls konturenlosen drei Kumpane waren für Foreman so etwas wie ein Symbol für das Komitee McCarthys.

Zinnemann selbst äußerte sich in einem Interview, das Charlotte Kerr 1982 mit ihm führte und auf der DVD zu finden ist, scheinbar zurückhaltender. Für ihn sei „High Noon“ nicht auf eine spezielle politische Situation zugeschnitten gewesen. Die Handlung hätte genauso gut in einer anderen Zeit und an anderem Ort spielen können.

Wertung: 10 von 10 Punkten.
Prädikat: besonders wertvoll.

(1) Do Not Forsake Me, Album: Frankie Laine’s Greatest Hits (Ned Washington / Dimitri Tiomkin) Frankie Laine – 1952 Tex Ritter.

(c) 2004 by Ulrich Behrens

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12 Uhr mittags – High Noon
12 Uhr mittags High Noon / Arthaus Premium (2 DVDs)

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Firefly – Der Aufbruch der Serenity

Erstellt von Redaktion am 8. April 2009

Firefly – Der Aufbruch der Serenity

Originaltitel: Firefly

FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 625 Minuten

Regie: Joss Whedon
Darsteller: Nathan Fillion, Gina Torres, Adam Baldwin, Alan Tudyk, Jewel Staite, Morena Baccarin, Summer Glau, Sean Maher

Produktion: USA 2002
Produktionsfirmen: Fox
Produzent: Gareth Davies, Joss Whedon (Executive Producer)

Die Western-Science-Fiction-Serie „Firefly“ ist ein gutes Beispiel für eindeutige Fehlentscheidungen eines Fernsehsenders, in diesem Fall des us-amerikanischen TV-Senders FOX. Jedenfalls sind sich die Fans der Serie darin einig …

FOX beauftragte den kreativen Kopf Joss Whedon (bekannt durch seine Serien „Buffy“ und „Angel“) damit, eine neue Science Fiction-Serie zu entwerfen. Whedon kreierte daraufhin ein Setting, das 500 Jahre in der Zukunft spielt, ohne Aliens auskommt und den Wilden Westen in die Zukunft katapultiert. Zusätzlich packte Whedon neun Helden ein, die an Bord des Raumfrachter der Firefly-Klasse „Serenity“ zu einer Familie zusammenwachsen. Dabei geht es allerdings moralisch fragwürdig und verdammt rau zu – vor allem auf den Randwelten.

Das Konzept passt, wurde aber von den FOX-Verantwortlichen unterschätzt. Diese setzten die Serie nach nur 14 Episoden ab. Allerdings war der zeitnahe Verkauf der DVD-Box ein Kassenerfolg. Innerhalb eines Vierteljahres wurden mehr als 200.000 Einheiten verkauft. Für eine Wiederaufnahme der Serie reichten die Zahlen nicht aus, doch Whedon gelang das Wunder Gelder für einen Kinofilm („Serenity“) genehmigt zu bekommen, der einige offene Fragen aus der Serie beantwortet. Diesen Erfolg verdankt er zum Großteil seiner Fangemeinde, den sogenannten Browncoats – benannt nach einem Element aus „Firefly“.

Whedon hat sich eindeutig etwas einfallen lassen. Geschickt spinnt er einen Faden aus der Gegenwart in die Zukunft und bedient sich bei bekannten Serien und Filme, um einen Fundus an originellen Ideen zu bekommen. Der Clou ist allerdings, dass kaum eine Szene endet, wie man es vermutet. Zudem ist Whedon dafür bekannt, auch beliebte Charaktere sterben zu lassen. Man traut ihm einfach alles zu – was er gekonnt einsetzt.

So ist es bei TV-Geiselnahmen normalerweise üblich, dass erst einmal ein Gespräch stattfindet. Doch Whedons Captain Malcolm “Mal” Reynolds (Nathan Fillion) ist sehr pragmatisch und hat dafür keine Zeit. Also pustet er den Geiselnehmer (ein fieser Agent der Allianz) einfach über den Haufen – mitten im Satz und „Scheiß auf Freundlichkeit“.

Dieser Pragmatismus lässt die Serie authentisch wirken – und scheinbar auch unmoralisch. Doch die Crew an Bord der Serenity besitzt Moral, allen voran der Captain. Doch Moral muss man sich leisten können.

Die Welt der Zukunft kommt ohne Aliens aus. Die Menschheit hat die Erde verlassen und in einem neuen Sonnensystem die dortigen Planeten und Monde terraformt, um sie weitgehend lebensfähig zu gestalten. Allerdings sind die Kernwelten besser weggekommen und konnten eine technologisch weit entwickelte Zentralregierung aufbauen: Die Allianz.

Die Welten zum Rand des Systems hin kamen schlechter weg, verlassen sich weitgehend auf menschliche und tierische Arbeitskraft. Aber sie lieben ihre Unabhängigkeit und so kam es unweigerlich zum Vereinigungskrieg – der us-amerikanische Bürgerkrieg lässt grüßen, allerdings sind Nord- und Südstaaten-Vorbilder gut vermischt.

Mal diente auf Seiten der Browncoats und somit für die Unabhängigen. Die Allianz blieb siegreich und Mal traumatisiert. Er kauft einen Frachter, nennt ihn Serenity und zusammen mit seiner ehemaligen Untergebenen Zoe (Gina Torres) steigt er ins Frachtgeschäft ein.

Zu Beginn der Serie – sechs Jahre nach dem Krieg – leben noch weitere Menschen an Bord der Serenity, die ihr aller zuhause ist. Da wäre noch Hoban „Wash“ Washburn (Alan Tudyk), ein begnadeter Pilot und eigentlich ein Weichei, das mit Plastikdinos spielt. Ausgerechnet er ist mit Zoe verheiratet, die als moderne Amazone betrachtet werden kann.

Des weiteren verrichtet die junge Kaywinnit Lee „Kaylee“ Frye (Jewel Staite) ihre Arbeit als Mechanikerin. Sie hat ein goldenes Händchen für Maschinen, ist die Kleine in der Crew, lebenslustig und stets auf der Suche nach Sex.

Kein Wunder, dass sie sich so gut mit Inara Serra (Morena Baccarin) versteht, eine Companion, die eines der Shuttle der Serenity gepachtet hat. Companions sind Kurtisanen, die sich in Gilden organisieren und zur oberen Gesellschaftsschicht gehören. Ihre Liebesdienste sind Legende – auch wenn Mal Inara abfällig als Hure bezeichnet, doch was sich liebt, das neckt sich eben. In der Serie wird die niemals eingestandene Liebe zwischen Mal und Inara entsprechend thematisiert.

Als letztes Crewmitglied ist Jayne Cobb (Adam Baldwin) an Bord, ein käuflicher, unmoralischer, dummer Söldner, der erst schießt, dann redet und dann nachdenkt. Reden und nachdenken fallen öfters mal aus. Seine Liebe zu Waffen wird unter anderem daran erkennbar, dass er in jeder Episode eine andere Waffe einsetzt, pflegt, liebt, streichelt oder mit Namen anspricht.

Die Serie beginnt nun damit, dass Mal neue Passagiere an Bord nimmt. Einer von ihnen entpuppt sich als Spion, wird aber schnell erschossen und ist eher unwichtig. Doch die anderen Menschen werden quasi Teil der Besatzung und somit Teil der Firefly-Familie.

Shepherd Book (Ron Glass) wäre da als erstes zu nennen. Der ältere Shepherd kommt gerade aus einer Abtei und sucht eine Passage. Doch schon bald kümmert er sich um das Seelenheil der Crew, was auch dringend nötig ist. Shepherd Book ist ein Farbiger, besitzt eine mysteriöse Vergangenheit und bildet das philosophische Element der Mannschaft. Allerdings fällt einem auf, dass im Firefly’verse (so die Bezeichnung unter Fans) die Farbigen meistens talentierte Kämpfer im Auftrag der Regierung sind, die einen Spleen haben und jederzeit Leben auslöschen können. Leider wird nie ganz aufgeklärt, ob Book ebenfalls in diese Kategorie fällt.

Jetzt wird es spannend, denn Simon Tam (Sean Maher) ist zuerst einfacher Passagier, wird dann aber zum Bordarzt. Der Allianz jagt nämlich den junge Mann, da er seine jüngere Schwester River (Summer Glau) aus einem Allianz.Krankenhaus befreite. Dort wurde River modifiziert und erst im Laufe der Serie, stellen sich ihre Fähigkeiten heraus. Allerdings ist River unberechenbar, wahnsinnig, tödlich, launisch und noch weitere Dinge, die diesen Charakter faszinierend machen. Verfolgt man die Serie genau wird allerdings schnell deutlich, dass der angebliche Wahnsinn Methode hat und von der Crew falsch ausgelegt wird.

Die Tams und deren Flucht vor der Allianz bilden nun den roten Faden, der sich durch alle Episoden zieht. Diese sind in sich zwar weitgehend abgeschlossen, bauen aber noch zusätzlich aufeinander auf. So zieht Mal in einer Folge den Auftrag an Land Rinder zu transportieren, in der nächsten werden diese verkauft … na ja, oder beinahe. Denn immerhin lebt die Serie von überraschenden Komplikationen. Eigentlich ist nie die Frage „ob“, sondern „wie“ etwas Schlimmes passiert.

Auch Nebendarsteller kommen stets nochmals vor, was die Welt lebendig wirken lässt. Alte Bekannte und Feinde tauchen gerne mal wieder auf und sorgen für ein erfrischendes „Hallo!“. Nachtragende Feinde sind somit ebenfalls ein Thema im Firefly’verse.

Die Geschichten der „Serenity“-Crew sind spannend, witzig und überraschend. Die Figuren wachsen einem schnell ans Herz, wirken lebendig und sympathisch – was vor allem an den Darstellern und der stets präsenten Spielfreude liegt. „Firefly“ zu drehen hat Spaß gemacht – und das merkt man jeder Seriensekunde an. „Firefly“ links liegen zu lassen, ist fast schon eine kleine Sünde, da es sich bei der Serie um einen innovativen Meilenstein des Genres handelt. Bedingungslos zu empfehlen! Leider sind die 14 Episoden viel zu schnell vorbei, doch man beginnt gerne wieder von vorne.

Auch das Bonusmaterial der Serie weiß zu überzeugen. Es gibt zu etlichen Folgen mit Audiokommentaren, Easter Eggs und Featurettes. Zusätzlich die obligatorischen entfallenen Szenen. Das sorgt für viele weitere Stunden Spaß. Shiny!
(Günther Lietz)

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Firefly (Soundtrack)

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