Das A-Team – Der Film

The A-Team (USA 2010)
Länge: 117 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12

Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Joe Carnahan, Brian Bloom, Skip Woods
Produktion: Stephen J. Cannell, Jules Daly, Tony Scott, Spike Seldin, Iain Smith, Alex Young
Musik: Alan Silvestri
Kamera: Mauro Fiore
Schnitt: Roger Barton, Jim May

Besetzung: Liam Neeson (John „Hannibal“ Smith), Bradley Cooper (Templeton „Faceman“ Peck), Quinton Jackson (B. A. Baracus), Sharlto Copley (H. M. „Howling Mad“ Murdock), Jessica Biel (Charisa Sosa), Brian Bloom (Brock Pike), Gerald McRaney (General Morrison), Patrick Wilson (Lynch), Yul Vazquez (General Javier Tuco)

Fans haben viele Jahre warten müssen, bis dem A-Team endlich ein großer Kinofilm gegönnt wurde. Das A-Team ist endlich dort, wo es es hingehört – und es gibt keinen Plan B …

In der Wüste Mexikos geht es heiß her – wortwörtlich. So heiß, dass daraus eine Kameradschaft geformt wird, die auch noch acht Jahre später im Irak Bestand hat. John „Hannibal“ Smith und seine Leute bilden das A-Team, eine Spezialeinheit die nur Erfolge kennt. Zu Hannibals Team gehören Templeton „Faceman“ Peck, B. A. Baracus und H. M. „Howling Mad“ Murdock.

Hannibal plant eine neue Mission. Das Team soll gestohlene Dollar-Druckplatten und eine Milliarde Falschgeld zurückholen. Mit dem richtigen Plan kein Problem, doch trotzdem geht etwas schief und das A-Team steht vor dem Militärgericht. Niemand glaubt ihnen, dass sie hereingelegt wurden und Hannibal verspricht seinen Leuten, dass er ihren Ruf reinwaschen und den wahren Schuldigen zur Strecke bringen wird …

Das fasst die Handlung knapp zusammen und folgt somit der guten alten Serientradition: Die Handlung ist egal, Hauptsache es kracht! Und genau das bekommt der Zuschauer auch geboten.

„Das A-Team“ ist eine TV-Legende, die von 1983 bis 1987 produziert und vermarktet wurde. Es war eine der üblichen Actionserien der 80er Jahre, die im Vorabendprogramm ausgestrahlt wurde. Für die ARD damals ein wenig zu brutal, sendete erst RTL in der 90er Jahren sämtliche Episoden. 2010 folgt nun endlich der Blockbuster aus Hollywood.

Regie führt dabei Joe Carnahan, der den Film verspielt und modern inszenierte, sich gar einen Cameoauftritt gönnte. Carnahan verzichtet auf den Versuch eine Fortsetzung zu stricken oder die Geschichte gar in die 80er Jahre zu verlegen. Nein! Joe Carnahan erzählt die Vorgeschichte und verlegt sie in die Gegenwart. Somit vermeidet er einen peinlichen Nostalgietrip und kann sich auf das Wesentliche konzentrieren: Action, Spaß und Ehrerbietung mit einem dicken Augenzwinkern. Die Vorgeschichte selbst spielte in der Serie übrigens keine wichtige Rolle. Sie wurde schnell zusammengeschustert, um irgendwie eine Erklärung für die Zusammensetzung und die Motivation des Teams zu bieten. Dadurch, dass Carnahan genau hier seinen Film spielen lässt, vermeidet er einen allzu großen Handlungskonflikte mit der Serie. Und er vermeidet einen klaren Vergleich mit den alten und den neuen Darstellern.

Das ist sehr klug von ihm, denn sobald jemand versucht eine alte Serie nur zu kopieren und ein wenig modern anzustreichen, muss er unweigerlich scheitern. Carnahan folgt lieber J. J. Abrams Beispiel. Dieser schuf mit „Star Trek“ (2009) eine neue Zeitlinie und stellte damit sicher, dass seine Figuren zwar alte Wesenszüge zeigen, sich aber die neuen Darsteller trotzdem mit ihrer Persönlichkeit einbringen konnten. Eine Kopie (wie in „Mit Schirm, Charme und Melone“ 1998) wäre gescheitert.

Carnahan geht mit seiner Vorgeschichte ähnlich wie Abrams vor. Sein Helden-Quartett muss zu keinem Zeitpunkt den alten TV-Heroen entsprechen. Die Helden des neuen Films werden noch zu den Heroen geformt, die sie später sein werden. Für die Schauspieler ein fruchtbares Feld, denn so können sie bestimmte Eigenheiten der Vorlage ausspielen, aber dennoch ihren eigenen Charakter behalten. Mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Quinton Jackson und Sharlto Copley hat Carnahan auch dankbare Schauspieler, die diese Möglichkeit auch weidlich ausnutzen.

Keiner der vier Männer versucht eine billige Kopie des Originals zu sein. Aber jeder von ihnen hat die Vorlage gut studiert und sich grundlegende Eigenschaften angeeignet, die für einen entsprechenden Wiedererkennungswert sorgen. Erst einmal wäre natürlich das recht typische Grundverhalten des A-Teams. Der planende und stets lässige Hannibal, der grinsende Frauenschwarm Faceman, der aufrichtige Stadtkrieger B. A. und natürlich der verrückte Howling Mad. Als Verneigung vor dem Original und zur Vermeidung eines billigen Plagiats, sind sämtliche Figuren überzeichnet. Aber das ist in Ordnung, denn bevor sie später zu den altruistischen Rittern eines Testosteronmärchens werden und in bester Robin Hood Manier den kleinen Mann retten, wird noch einiges Geschehen und diese Männer formen. Einen Teil dieses Prozesses erlebt der Zuschauer im Film mit.

Sämtliche Hauptdarsteller sind hervorragend besetzt. Liam Neeson ist prädestiniert als Mentor seiner Jungs, Bradley Cooper spielte bereits in „Hangover“ den charmanten Schönling, Quinton Jackson ist so trocken und untalentiert wie Mr. T und „District 9“-Star Sharlto Copley ist herrlich erfrischend verrückt. Es macht einfach Spaß den Kerlen zuzusehen.

Bei solch starken Helden, braucht es natürlich auch einen fiesen Bösewicht. Und der kommt in Gestalt des CIA-Agenten Lynch daher, gespielt von Patrick Wilson. Die Rolle ist ebenfalls überzeichnet, aber in sich schlüssig. Und genau diese Überzeichnung ist es auch, die das A-Team später als Waffe gegen Lynch einzusetzen versucht. Das ist gut gemacht und gibt der Rolle den Anstrich der Nachvollziehbarkeit.

In einer Geschichte von Männern, über Männer und für Männer gibt es natürlich auch etwas fürs männliche Auge. Dafür ist Jessica Biel als Charissa Sosa zuständig. Sosa ist nett anzusehen, adrett und hatte mal eine Affäre mit Faceman. Biels Rolle ist stark reduziert, zu keinem Zeitpunkt dominiert sie die Handlung oder stört gar das Spiel der Kerle. Und das ist ihr wohl bewusst, denn ganz im Stil der Vorlage hat Frau keinen Stich zu machen. Sie sieht toll aus und sie braucht die Hilfe starker Männer. Das weiß Biel. Und so holt sie aus ihrer Rolle gekonnt heraus, was sie kann. Damit bildet sie eine nette Dreingabe zum A-Team.

„Das A-Team – der Film“ ist eine der letzten Männergeschichten, in denen Muskeln und Feuerkraft über Scharfsinn und soziale Netzwerke siegen. Klassisch, einfach und ohne Schnörkel. Das ist keinesfalls ganz zeitgemäß, aber im Sinne der alten Garde. Logik oder tiefsinnige Gedanken gehören an andere Stelle, das A-Team will nur Sachen zerlegen – und das gelingt großartig.

Die Actionszenen entbehren natürlich jeglicher Grundlage und sind weitgehend an den Haaren herbeigezogen. Geschenkt, denn die Action kommt stets betont lässig daher und funktioniert – wie der Film – nur für den gegenwärtigen Augenblick. Das bedeutet rasante Verfolgungsjagden, wildes Ballern, fliegende Panzer und zünftige Schlägereien. Das alles wird ordentlich mit der Spielfreude der Darsteller gemischt, die grinsend im Film agieren und ihren Spaß haben. „Das A-Team – der Film“ ist einer der letzten Abenteuerspielplätze für Männer!

Für deutsche Zuschauer ist natürlich sehr faszinierend, dass der Film einige Zeit in Deutschland spielt und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel mal auftaucht. Joe Carnahan und sein Stab beweisen gleichzeitig, dass sie keine Ahnung von Deutschland haben. So spielen Szenen in Frankfurt am Main, aber die Autos haben manchmal die Nummernschilder von Frankfurt an der Oder. Egal, denn auf den Autos prangt ja auch der Notruf 109 statt 110 – und der Kölner Dom wird plötzlich zum Frankfurter Hauptbahnhof. Wirklich Fehler und Schlampigkeit der Produktion oder vielleicht nur eine Hommage an die Fehlerquote der alten Serie? Denn dort war auch vieles an den Haaren herbeigezogen und wurde auch schon mal falsch wiedergegeben. Selbst wenn Carnahan schlampte, so gehört es trotzdem zum wunderbaren Charme des Films.

Ebenfalls verwunderlich ist die deutsche Synchronisation. An sich recht gut und mit deftigen Schimpfworten, lässt sie leider einen schönen Gag untergehen. Und zwar als Murdock nach dem Weg nach Berlin fragt. In der Synchronisation wird daraus leider die Frage nach dem Weg nach Frankfurt. Eventuell ist das falsche politische Korrektheit.

Eine der ganz großen Stärken des Films sind die liebevollen Verweise auf die Originalserie und deren Darsteller. So schauen sich die Patienten einer Anstalt einen „A-Team“-Film an, taucht öfter der Name Schultz auf (Dwight Schultz spielte den Murdock in der Serie), ist die Tätowierung auf den Fäusten des neuen B. A. ein Verweis auf einen Spruch des alten B. A. und vieles mehr. Einem Kenner der alten Serie geht da einfach das Herz auf.

„Das A-Team – der Film“ ist Popcorn-Kino mit hohem Unterhaltungsfaktor. Spielfreudige Darsteller, ein gelungener Soundtrack, pure Männeraction, durchgedrehte Szenen – einfach ein großer Spaß!

Copyright © 2010 by Günther Lietz