Königinnentochter Diana verlässt 1918 die Amazonen-Insel Themyscira und schließt sich dem US-Spion Steve Trevor an, der mit seinen Kumpels eine Giftgas-Attacke des deutschen Fanatikers Ludendorff verhindern will, hinter dem Diana den tückischen Kriegsgott Ares vermutet … – Vor der dreist instrumentalisierten Kulisse des Ersten Weltkriegs spielt dieser in den Hauptrollen gut besetzte, aber miserabel geschriebene sowie blutarme und schlecht getrickste Fließband-Blockbuster: Dauer-Action kann die dröhnende Leere keineswegs übertünchen.

Das geschieht:

Vor Äonen geriet Zeus in einen Streit mit seinem Sohn Ares, dem es missfiel, dass sein Gottvater die Erde mit den Menschen besiedelte. Ares brach einen Krieg vom Zaun, dem die Götter zum Opfer fielen. Bevor er seinen Sohn zumindest vorerst ausschaltete und dabei starb, schuf Zeus das ausschließlich weibliche Volk der Amazonen, die auf der von einer Sichtbarriere geschützten Insel Themyscira darauf warten, dass Ares zurückkehrt, um sein Zerstörungswerk zu vollenden.

Im weit fortgeschrittenen Kriegsjahr 1918 gerät US-Spion Steve Trevor auf der Flucht vor deutschen Verfolgern zufällig auf die Amazonen-Insel. Der „Große Krieg“ tobt, was Diana, Tochter der Königin Hippolyta, vermuten lässt, dass Ares hinter dem Weltenbrand steckt. Deshalb beschließt sie, die Insel zusammen mit Steve zu verlassen, zumal der Wichtiges zu melden hat: An der Westfront bereitet der deutsche Oberbefehlshaber Ludendorff eine Attacke mit einem völlig neuartigen Giftgas vor, um den eigentlich verlorenen Krieg noch für das Deutsche Reich zu entscheiden. Diana ist davon überzeugt, dass Ludendorff nur eine Maske für Ares ist, der die Menschheit in den Untergang treiben will.

Da die britische Regierung kurz vor Beginn von Friedensverhandlungen keine Stoßtrupp-Unternehmen mehr genehmigen will, machen sich Diane, Will und drei seiner Freunde mit dem heimlichen Segen von Sir Patrick Morgan, der dem englischen Kriegsministerium angehört, auf zur Westfront, wo sie Ludendorffs Giftwerkstatt finden und vernichten wollen – so ist jedenfalls Wills Plan, während Diana vor allem Ludendorff/Ares ausschalten will: Schließlich hat sie den „Gott-Töter“ im Gepäck, jenes Schwert, das Zeus den Amazonen übergab, weil nur diese Waffe Ares töten kann. Allerdings hat Hippolyta ihrer Tochter einige wichtige Informationen verschwiegen, weshalb auf Diana eine ganze Kette schockierender Selbsterkenntnisse sowie Irrtümer wartet …

Tingeltangel und Superhelden-Stress

Knapp 150 Mio. Dollar wurden nach Auskunft (nicht nur) von IMDb.com für „Wonder Woman“ ausgegeben. Schaut man sich das Ergebnis an, fragt man sich, wo diese nicht gerade kleine Summe geblieben sein könnte. Weder die Kulissen noch erst recht die Spezialeffekte wirken so wunderbar, wie es einem Film mit solchem Titel anstünde. Noch trüber sieht es aus, wenn man der ‚Geschichte‘ folgt, die hier weniger erzählt als abgespult wird.

Schon Themyscira, die Insel der Amazonen, ist ein Ort, der ‚überirdisch‘ wirken soll, aber nur künstlich aussieht. Licht und Farben sind grell und postkartenkitschig, und eine Mauer hier und ein bröckliger Turm dort spiegeln keine ‚göttliche‘ Architektur wider. Schon an dieser Stelle könnte man einwänden, dass „Wonder Woman“ ein Comic ist – ‚nur‘ ein Comic, doch genau dieses ‚nur“ stellt DC ebenso eifrig in Abrede wie Marvel.

Das macht sich umgehend und ungut bemerkbar, wenn sich das Geschehen in die ‚reale‘ Welt verlagert und ‚ernst‘ wird. Dianas „Coming-of-Age“-Genese benötigt einen würdigen Rahmen. Nach DC-Ansicht ist der Erste Weltkrieg genau die richtige Kulisse dafür. Diana soll lernen, dass die lange Wacht der Amazonen womöglich auf einer falschen Prämisse beruht: Der Mensch benötigt keinen Gott, der ihn zum Bösen aufstachelt. Er beherrscht das selbst so gut, dass er inzwischen seine ganze Welt in einen Krieg verwickeln kann.

Göttin im Ersten (Comic-) Weltkrieg

Diese Erkenntnis wäre in der Tat ein Schock, der Diana zu einer grundsätzlichen Neuorientierung zwingen würde. Der Film versucht die Dringlichkeit dieses Entscheidungsprozesses zu unterstreichen, indem der Weltkrieg als Hölle auf Erden dargestellt wird. Allerdings wird diese Hölle in Hollywood entfesselt und muss des Einspielergebnisses wegen jugendfrei bleiben.

Das Ergebnis ist ein erbärmliches Zerrbild realen Grauens, welches so grob und dumm instrumentalisiert wird, dass es ärgert, obwohl man sich daran gewöhnt hat, dass „der Krieg“ als Abenteuerspielplatz unterhaltungstauglich ‚entschärft‘ wird. In „Wonder Woman“ entschärft man ihn auf eine Weise, die der behaupteten (und musikalisch wuchtig herbeigeschwungenen) Tragik Hohn spricht. So wird aus allen Rohren geschossen und oft getroffen. Blut spritzt dabei nie und wird auch sonst höchstens tropfenweise sichtbar. Der dramatische Gas-Tod einer Dorfbevölkerung, mit der Diana und Steve gerade noch gefühlsduselig getanzt und Bier getrunken hatte, wird durch braune Nebelschwaden und einige von hinter gezeigte ‚Leichen‘ angedeutet. Sämtliche Dorfkinder liegen vermutlich weiter hinten im Nebel; man sieht sie selbstverständlich nicht.

Die Illusion eines Weltkriegs will sich generell nicht einstellen, weil man an Soldatendarstellern gespart hat. Über sehr offensichtlich digitale Schlachtfelder stürmen sehr digitale Kämpfer, die durch sehr digitale Flugzeuge oder Panzer unterstützt werden. Wahrscheinlich ist es sogar ökonomischer, Schauplätze für die Kamera nicht mehr in Originalgröße aufzubauen, wenn ein Film so wie dieser von Ort zu Ort springt und die Kulissen zu einem eher rasenden als rasanten Bilderwirbel verschwimmen. Das lässt (zunächst) auch die Frage vergessen, wieso die echte Geschichte mit Füßen getreten wird: Warum muss unbedingt Erich von Ludendorff als Schurke auftreten? Der war ein Männlein, das vermutlich nie die Waffe gegen einen Feind erhoben hat und 1937 als alter Mann in seinem Krankenhausbett starb. Das typische „Wonder-Woman“-Publikum dürfte ihn kaum kennen. Jeder erfundene „General von Rauwolff“ hätte es seiner Rolle als irrer Fanatiker ebenso bzw. besser getan!

Rolle rückwärts in den Humbug

Dann wäre auch der finale Schlag in die Kniekehlen der Logik nicht so hart ausgefallen: Siehe da, Ares steckt doch hinter dem Ersten Weltkrieg! Aus Sicht der Drehbuchautoren und Regisseurin tritt er aus der Riege uns zuvor vorgestellter Figuren als denkbar unwahrscheinlichster Kandidat heraus, was Überraschung generieren soll. „Wonder-Woman“-typisch wird es nur ein weiterer Schuss in den Ofen. Der zu Ares mutierte Strippenzieher ist – dazu Näheres unten – ein schlechter Witz!

Auf diese Weise passt er immerhin zur ‚Qualität‘ des Großen Finales, das Diana und Ares bestreiten. Schon erwähnt wurde die Offensichtlichkeit der ‚künstlichen‘ Darsteller. Auch Diana wird bei ihren göttlichen Wundertaten digital gedoubelt, was verständlich ist, da ein Mensch nun einmal nicht glaubwürdig mit solcher Wucht auf einer Kirchturmspitze ‚landen‘ kann, dass diese effektstark (wenn auch sinnlos) in sich zusammenfällt.

Man sollte meinen, dass die Tricktechnik im fortgeschrittenen 21. Jahrhundert solchen Anforderungen gewachsen ist. Erstaunlicherweise scheint dem entweder nicht so zu sein, oder es wurde am falschen Ende gespart. Spannung und zuschauerliches Mitfiebern will sich jedenfalls nie einstellen, wenn Bits & Bites in grober Schauspielernachformung aufeinander einprügeln. Zwar gibt es „Wonder Woman“ in einer 3-D-Version, doch auch hier bleiben die Figuren denkbar eindimensional.

Der Mensch als weiterhin unverzichtbarer Faktor

Erstaunlicherweise können sich ausgerechnet die beiden Hauptdarsteller – und nur diese! – gut in der seichten Handlung behaupten. Gal Gadot ist eine glaubhafte Amazone, die den Seltsamkeiten einer ihr fremden Menschenwelt ebenso souverän begegnet wie dem an Klischees und Dümmlichkeiten überreichen Drehbuch. Dass Diana eine selbstbewusste Frau ist, die sich von dummen Kerlen nicht aufhalten lässt, sollte im 21. Jahrhundert selbst im Kino keine Außergewöhnlichkeit mehr sein. Dazu passt ein männlicher Hauptdarsteller, der sich nicht schützend vor ‚die Frau‘ stellt, sondern ihre Überlegenheit akzeptiert. Deshalb gerinnt selbst die (wohl obligatorische) Amazone-trifft-erstmals-auf-Mann-Konstellation nicht zur üblichen Hollywood-Peinlichkeit.

Gadot verdankt ihre Rolle ihrer Präsenz, die durch ihre Schönheit, Körpergröße und bemerkenswerte Fitness unterstrichen wird. Bevor sie Schauspielerin wurde, leistete Gadot u. a. ihren Wehrdienst in der israelischen Armee und arbeitete dort zwei Jahre als Sportlehrerin für Soldaten. Deshalb muss sie sich nicht durchgängig auf CGI-Unterstützung verlassen, sondern stellt eine Beweglichkeit unter Beweis, die der Rolle zugutekommt: Man vergleiche dies mit den pathetischen Possen von Ares, dem ein (hier ungenannt bleibender) Schauspieler beim besten Willen keine Glaubwürdigkeit verleihen kann. Ihm bleiben zwischen geballten Spezialeffekt-Gewittern nur markige Sprüche und Todesdrohungen, die jeglicher Substanz entbehren, da ihm Diana allzu offensichtlich in den Arsch tritt.

Sämtliche Nebendarsteller fallen in die Kategorie „ferner liefen“. Wills Kumpels sind einfach peinlich als Vorzeige-Underdogs (Orientale, Indianer, kriegsgestörter Brite), Danny Huston erinnert in seiner ohnehin schwachsinnigen Ludendorff-Rolle fatal an Jeremy Clarkson (bis 2015 Star der Pseudo-Doku „Top Gear“). Andere Figuren wie „Dr. Poison“ Maru, Königin Hippolyta oder ihre Schwester Antiope sollen vorgeblich wichtig sein, gehen aber in einer Handlung unter, in der eigentlich für gar nichts Zeit ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit folgt der Kino-Version deshalb ein „Director’s Cut“, der ähnlich wie „Batman v Superman: Dawn of Justice“ auf mindestens drei Stunden ausgewalzt wird und hoffentlich nicht nur den Verdruss verlängert, den „Wonder Woman“ trotz Brüllens & Ballerns im Zuschauer aufsteigen lässt.

DVD-Features

Selbstverständlich wurden im Umfeld der Dreharbeiten unzählige Unwichtigkeiten festgehalten, um sie später als „Extras“ jenen Zuschauern zu präsentieren, die auf Als-ob-Informationen stehen. Nicht immer bestraft das Leben jene, die zuletzt kommen: Was die Features angeht, beschränkt sich die schnöde Erstausgabe von „Wonder Woman“ – die mit der Kino-Fassung identisch ist – auf diesen Schnipsel: „Die Vision der Regisseurin: Diana in der Gegenwart“.

Die zweite Runde des Absahnens wird kommen, wenn der verlängerte „Director’s Cut“ (oder „Ultimate Cut“ oder „Apocalyptic Cut“) in den Handel kommt; dann dürften auch die Extras prasseln. Zwar gibt es wenig bis gar nichts, das über diesen Film aufzudecken wäre, doch die Merchandising-Maschine wird trotzdem kräftiger Funken schlagen als Diana & Ares gemeinsam!

Copyright © 2017 by Michael Drewniok, all rights reserved

Wonder Woman
Originaltitel: Wonder Woman (USA 2017)
Regie: Patty Jenkins
Drehbuch: Allan Heinberg (nach einer Story von Zack Snyder, Allan Heinberg u. Jason Fuchs)
Kamera: Matthew Jensen
Schnitt: Martin Walsh
Musik: Rupert Gregson-Williams
Darsteller: Gal Gadot (Diana Prince/Wonder Woman), Chris Pine (Steve Trevor), Connie Nielsen (Hippolyta), Robin Wright (Antiope), Danny Huston (Ludendorff), David Thewlis (Sir Patrick Morgan), Saïd Taghmaoui (Sameer), Ewen Bremner (Charlie), Eugene Brave Rock (The Chief), Lucy Davis (Etta Candy), Elena Anaya (Dr. Maru), Lilly Aspell (Diana als Kind) u. a.
Label/Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 02.11.2017
EAN: 5051890309624 (DVD)/5051890309631 (Blu-ray)/5051890309655 (3D-Blu-ray)/5051890309679 (4K-Ultra-HD)/5051890309662 (3D-Blu-ray/Steelbook)/5051890309686 (4K-Ultra-HD/Steelbook)/5051890309716 (Ultimate Collector’s Edition)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Holländisch, Französisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 135 min. (Blu-ray: 141 min.)
FSK: 12

Titel bei Amazon.de (DVD)
Titel bei Amazon.de (Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray)
Titel bei Amazon.de (4K-Ultra-HD)
Titel bei Amazon.de (3D-Blu-ray/Steelbook)
Titel bei Amazon.de (4K-Ultra-HD/Steelbook)
Titel bei Amazon.de (Ultimate Collector’s Edition)

Batman v Superman: Dawn of Justice – Ultimate Edition

Kong: Skull Island

Sie nannten ihn Jeeg Robot

Terra Formars