Als ein Meteoritenhagel niederprasselt, mutieren Pflanzen zu gehtauglichen und menschenfressenden Triffids; ihre Jagd ist leicht, da das Meteorlicht die meisten Menschen erblinden ließ. Auf der Suche nach Rettung irren ein Seemann und ein kleines Mädchen durch Europa, während auf einer einsamen Insel ein Gegenmittel entdeckt wird … – Als Klassiker der britischen Phantastik gilt dieser Film nicht wegen seiner inhaltlichen oder formalen Qualitäten, sondern aufgrund deren vollständigen Fehlens. Die Story ist konfus, die Darsteller miserabel, die ‚Spezialeffekte‘ jämmerlich: Trash reinsten (bzw. trübsten) Wassers!

Das geschieht:

Als über der Erde ein Meteoritenschauer niedergeht und für ein farbenprächtiges Naturschauspiel sorgt, verflucht Seemann Bill Masen die Augenoperation, die ihn zwingt, eine lichtdichte Binde zu tragen. Am nächsten Morgen kann er sich allerdings glücklich schätzen, denn er gehört zu den wenigen Menschen, die sowohl in London, als auch auf der ganzen Welt nicht durch das Meteorlicht erblindet sind.

Chaos bricht aus, überfordert stehen die wenigen Sehenden ihren hilflosen Mitmenschen gegenüber. Masen sucht nach Menschen, die der Katastrophe organisiert entgegentreten. In Frankreich soll eine solche Gruppe existieren, wie er einem Funkspruch entnimmt. Zusammen mit der zwölfjährigen Susan, die er unterwegs aufgelesen hat, macht sich Masen auf den Weg über den Ärmelkanal.

Das Meteorlicht hatte noch eine weitere Wirkung: Es erweckte eine Pflanzenart ohnehin mysteriöser Herkunft, zum ‚Leben‘: Die „Triffids“ wachsen und können auf ihren Wurzeln laufen. Sie verspritzen ein tödliches Gift und sind mit einem mächtigen Stachel ausgestattet. Ihre Opfer werden gefressen – ein Schicksal, das die erblindete Menschheit zusätzlich bedroht.

Auf einer vom Festland isolierten Insel hat das Forscher-Ehepaar Tom und Karen Goodwin in einem Leuchtturm zufällig ihr Augenlicht bewahrt. Fieberhaft beginnen sie nach einem Mittel gegen die Triffids zu suchen, die auch den Weg auf die Insel gefunden haben und den Turm belagern. Zeitgleich bewegen sich Masen und Susan, zu denen die Französin Christine stößt, durch Westeuropa auf Gibraltar zu. Dort sollen US-U-Boote auf Überlebende warten, um sie zu evakuieren – jedoch nicht mehr lange. Da sich die Triffids im warmen Spanien prächtig vermehren, ist der eilige Weg in die Sicherheit extrem gefährlich …

Gute Absicht führt zu grandiosem Scheitern

Eigentlich stellen die späten 1950er und frühen 1960er Jahre eine lorbeerreiche Phase für das (phantastische) britische Kino dar. Obwohl die Budgets im Vergleich zu Hollywood schmal blieben, konnte dies durch Ideen hinter und schauspielerischen Einsatz vor der Kamera erstaunlich oft wettgemacht oder sogar übertroffen werden. Zu nennen ist hier vor allem die Produktionsfirma „Hammer“, die klassischen aber altmodischen Gruselgestalten wie dem Vampir, dem Frankenstein-Monster oder dem Werwolf neues Leben einhauchte. Auch die Science Fiction wurde nicht vergessen; Filme wie „The Quatermass Xperiment“ (1955, dt. „Schock“), „Quatermass 2“ (1957, dt. „Feinde aus dem Nichts“) oder „The Damned“ (1962, dt. „Sie sind verdammt“) boten gute und manchmal sogar intelligente Unterhaltung.

Ebenfalls zu den noch heute gerühmten Filmen zählte „Village of the Damned“ (1960, dt. „Das Dorf der Verdammten“), entstanden nach dem erfolgreichen Roman „The Midwich Cuckoos“ (1957, dt. „Es geschah am Tage X …“/„Kuckuckskinder“) des Schriftstellers John Wyndham (1903-1969). Es lag deshalb nahe, auch Wyndhams Roman „The Day of the Triffids“ (dt. „Die Triffids“) zu verfilmen, der bereits 1951 erschienen und ebenfalls ein Bestseller geworden war.

Die Produktion begann 1960 und stand unter einem Unstern. Zwar hatte man den US-Markt berücksichtigt und mit Howard Keel einen halbwegs bekannten Schauspieler für die männliche Hauptrolle engagiert. Weniger Gedanken machte man sich um die Schaffung eines Finanzpolsters, das erforderlich war, um eine Geschichte zu erzählen, in denen immerhin mordende Pflanzen England heimsuchten! Schon während die Kamera noch lief, musste aufgefallen sein, dass man wie weiland die „Titanic“ mit Volldampf einer Katastrophe entgegenbrauste. Man machte weiter, bis das Geld buchstäblich aufgebraucht war. Zurück blieb eine Film-Ruine, die kaum eine Stunde brauchbares Material ergab, als 15 Monate später versucht wurde zu retten, was zu retten war.

Aus zwei mach‘ einen, der nur die Hälfte taugt

Da sämtliche Darsteller sich längst in alle Winde zerstreut hatten, fasste die Produktionsfirma einen mutigen (oder verzweifelten) Entschluss. Freddie Francis – der klug genug war, seinen Namen dem fertiggestellten Produkt zu verweigern – inszenierte einfach einen neuen, ca. halbstündigen Film, der mit dem vorhandenen Torso verklebt wurde: Dies ist der Handlungsstrang, der im Leuchtturm spielt. Mit diesem Wissen erklärt sich das Mirakel, wieso sich das Ehepaar Goodwin und die Gruppe um Bill Masen niemals begegnen; tatsächlich wissen sie nicht einmal voneinander, was dramaturgisch für ständige Brüche sorgt: Man sollte sich merken, wer was und wo gerade treibt, wenn wieder einmal umgeblendet wird, um den Überblick zu behalten.

Andererseits geschieht gar nicht viel. Komplex bzw. kompliziert wirkt die Story höchstens aufgrund der kruden Entstehungsgeschichte. Bill Masen besichtigt London, wobei im Hintergrund schlecht einkopierte Stadtwahrzeichen ‚brennen‘, zieht weiter nach Frankreich und landet zuletzt in Spanien. Zumindest dort hat man offenbar tatsächlich gedreht, statt das Reisegeld in taugliche Triffids zu investieren. Parallel dazu hocken die Goodwins auf ihrer Insel, streiten, prügeln sich mit dem tür- und fensterbrechenden Killer-Kraut – und horchen zwischendurch auf eingehende Funksprüche, die von der globalen Apokalypse künden.

Auch Masen geht diesem Hobby nach und mimt dabei Entsetzen, das sich auf den Zuschauer übertragen soll, wenn dieser plötzlich dorthin geworfen wird, wo sich gerade Böses anbahnt. So beobachten wir u. a. eine Panik an Bord eines Verkehrsflugzeugs, dessen Besatzung und Passagiere sämtlich erblindet sind. Minutenlang bleibt die eigentliche Handlung ausgesetzt, bis sich das als Plastikmodell überdeutlich erkennbare ‚Flugzeug‘ in eine ebenso kümmerliche Miniatur-Kulisse des Hafens von London bohrt.

Was gedreht wurde, kommt auf die Leinwand!

Womöglich blasen die Triffids nicht nur Giftgas – es lässt seine Opfer übrigens olivgrün anlaufen -, sondern auch berauschende Substanzen in die Atmosphäre. Auf diese Weise ergäben manche Szenen (irgendeinen) Sinn. Der Rezensent denkt vor allem an jene denkwürdige Sequenz, als das französische Landhaus, in dem Masen, seine beiden Begleiterinnen sowie diverse blinde aber hübsche Frauen zeitweise leben, von vertierten Zuchthäuslern (!) überfallen wird, die letztere zum kollektiven Tanz zwingen; aus einem nie ausgeführten Grund – wahrscheinlich saßen sie vor ihrer Flucht in besonders tiefen Verlies-Löchern – haben die Strolche ihr Augenlicht behalten.

Während sich die Ereignisse hier schleppen, schlagen sie dort Rad: Das Zusammenpuzzeln vorhandener Szenen zum fertigen Film stieß offenkundig an Grenzen. Ganze Passagen fehlen, was angesichts der generellen Bockschüsse – zu denen wir noch kommen werden – nicht annähernd so schmerzhaft ins Auge sticht wie die Tatsache, dass nie ein Finale gedreht wurde. Das führt zu einem ‚Ende‘, das die keineswegs abgeschlossene Handlung in Minute 90 einfach abwürgt. Dazu gibt es einige Sätze aus dem Off; wir erfahren, dass die Triffids ausgerottet und die Menschheit gerettet werden konnte, was angesichts des bisher Gezeigten wie blanker Hohn wirkt. (Noch grotesker – und bei H. G. Wells ‚entliehen – ist die Entdeckung des ‚Gegenmittels‘, mit dem man den Triffids den Garaus machen kann.)

Daneben gibt es Momente, in denen deutlich wird, welcher Film dies hätte werden können! So rührt sich der erste Triffid in einem nächtlichen Gewächshaus, während außerhalb der Glaswände Meteoriten am Himmel verglühen und die Szene in ebenso bunte wie blendende Lichter hüllen. In Spanien stehen Triffids vor einem Elektrozaun und werden in Überschlagsblitze gehüllt. Eine Autopanne im dichten englischen Nebel führt erwartungsgemäß aber trotzdem spannend zu einer unverhofften Begegnung mit einer hungrigen Grusel-Pflanze. Auch die Szene, in der Masen erwacht, sich selbst die Augenbinde abnimmt und durch ein Krankenhaus irrt, das verwüstet und verlassen wurde, ohne dass er davon in seinem Drogenschlaf etwas bemerkt hat, kann sich sehen lassen.

Wir könnten es, konnten es uns aber nicht leisten

Jegliche Nachsicht – die sich auch aus der Tatsache speist, dass wir hier einen Film aus dem Jahre 1962 = aus der prä-digitalen Steinzeit sehen – löst sich zusammen mit nostalgiebefeuertem Wohlwollen in Luft auf, sobald ‚Spezialeffekte‘ zum Einsatz kommen. Unglücklicherweise sind diese zahlreich, was angesichts der globalen Dimension der Ereignisse Sinn ergibt. Doch was uns da präsentiert wird, hätte selbst Georges Méliès, der um 1900 den Filmtrick quasi erfand, peinlich berührt. Die ‚Effekte‘ sind nicht nur primitiv, sondern auch schlampig umgesetzt. (Besonders angeprangert gehört die ‚Entgleisung‘ eines Passagierzugs, der sich auf wildes Rütteln an der Kamera und einige Rauchwolken beschränkt, bevor aus dem Off erste ‚Überlebende‘ ins Bild wanken.)

Weit an der Spitze desillusionierender Momente rangieren sämtliche Auftritte der Triffids. Autor Wyndham hatte sich Gedanken gemacht über seinen wandertauglichen Killer-Wurz. Selbst der Name basiert nicht auf zufälliger Wortfindung, sondern bezeichnet einen ‚asymmetrischen‘ Organismus, der nicht über zwei oder vier, sondern drei Gliedmaßen verfügt. Sollte dies im Film Berücksichtigung gefunden haben, fällt es jedenfalls nicht auf. Niemand will nachzählen, wenn sich jener Haufen aus dürren Stecken und trockenen Blättern, der einem gigantischen Dudelsack ähnelt und von einem ‚Kopf‘ mit Blütenblatt-‚Ohren‘ gekrönt wird, knarrend in Bewegung setzt und dabei auf einem Schubkarren oder Hubwagen montiert ist; einmal sieht man sogar die Räder! Auch die Fäden, mit denen die Ranken-Tentakeln animiert werden, bleiben keineswegs unsichtbar. Trotzdem wirken die Triffids nie aktiv, sondern werden höchstens von hinten geschüttelt.

Die von ihnen ausgehende Bedrohung soll sich in den Gesichtern ihrer Opfer widerspiegeln, was uns zu einem weiteren Tiefpunkt bringt: Die menschlichen Darsteller schauspielern keinesfalls besser als die Triffids. Hollywood-Import Keel stapft mit Todesverachtung und ohne eine Miene zu verziehen durch den Desaster-Dreh. ‚Moderne‘ Frauen, wie sie Nicole Maurey oder Janette Scott zeitweilig personifizieren sollen, bekommen beim Anblick eines Triffids keinen Schrecken, sondern versteinern oder zerspringen vor Panik: Man muss es sehen um zu verstehen, wie präzise diese Verben den Vorgang beschreiben! Dabei schreien die Darstellerinnen wie tollwütige Hyänen und beanspruchen ihre Gesichtsmuskeln bis zur Reißgrenze. (Um Gerechtigkeit walten zu lassen, sei das erste Triffid-Opfer erwähnt; ein ältlicher Wachmann, der genau das gleiche Verhalten an den Tag legt.)

Triffids wachsen nach

John Wyndhams Begeisterung hielt sich in Grenzen, als „Blumen des Schreckens“ doch ins Kino kam, aber er hatte seinen Honorarscheck bekommen und eingelöst. Zu seinem Pech war er schon tot, als die BBC 1981 eine TV-Miniserie (3 Episoden à 50 min.) ausstrahlte, die erzählerisch und darstellerisch bot, was der Film hatte vermissen lassen.

Ins digitale Zeitalter stießen die Triffids 2009 in einer zweiteiligen US-Version des Wyndham-Romans vor. Während die Inszenierung bewährten aber ideenarmen TV-Konventionen folgte, wirkten die Triffids endlich bedrohlich. Auch eine Kino-Version ist angekündigt; sie schmort freilich schon seit Jahren in der „development hell“ für Projekte, die in Hollywood keinen Anklang finden aber trotzdem nicht sterben dürfen. Sam Raimi wollte den Triffid-Film angeblich machen, nun soll sich ein Regisseur namens Mike Nevell damit herumschlagen; Näheres ist nicht bekannt.

Der Teufelskreis des unfreiwilligen Schreckens schließt sich, wenn man berücksichtigt, dass Wyndham die Triffids primär als Auslöser eines Planspiels einsetzte, in dessen Verlauf er die Zivilisation nach dem II. Weltkrieg auf den Prüfstand stellte. Solche Hintergründigkeit flackert zwar im Film von 1962 hier und da auf, geht aber rasch in der nächsten Triffid-Attacke unter: In diesem Punkt war das Kino schon damals sehr modern. Dennoch wurzeln die „Blumen des Schreckens“ auf der Mülldeponie der Filmgeschichte, wo sie den Boden für ähnlichen Trash düngen. Ob man dem zuschauen möchte, ist eine individuelle Entscheidung. Ein Nein führt keineswegs zum Versäumnis einer cineastischen Sternstunde, obwohl so viele Meteoriten vom Himmel fallen.

DVD-Features

Die deutsche DVD ist ein echtes Ärgernis. Als Vorlage diente eine ausgelaugte, halb vermoderte Filmkopie, die in keiner Weise aufbereitet oder gar restauriert wurde. Das Bild ist verschwommen, konturschwach und von Fehlerstellen durchsetzt, die Farben sind verwaschen und neigen vor allem in den dunklen Szenen zum schlierigen Zusammenlaufen. Das Format lautet 4 : 3; an den Seiten entfallen also Bildinformationen. Anders als auf dem Cover angegeben erklingt der (deutsche) Ton nur in 1.0 Mono, Originalton gibt es nicht. Einziges ‚Extra‘ sind einige zusammengestoppelte Filmografie-Texte.

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Blumen des Schreckens
Originaltitel: The Day of the Triffids (GB 1962)
Regie: Steve Sekely (u. Freddie Francis)
Drehbuch: Bernhard Gordon u. Philip Yordan
Kamera: Ted Moore
Schnitt: Spencer Reeve (u. Bill Lewthwaite)
Musik: Ron Goodwin (u. Johnny Douglas)
Darsteller: Howard Keel (Bill Masen), Nicole Maurey (Christine Durrant), Janette Scott (Karen Goodwin), Kieron Moore (Tom Goodwin), Janina Faye (Susan), Mervyn Johns (Mr. Coker), Alison Leggatt (Miss Coker), Geoffrey Matthews (Luis de la Vega), Gilgi Hauser (Teresa de la Vega), Ewan Roberts (Dr. Soames), Carole Ann Ford (Bettina), Ian Wilson (Wachmann) u. a.
Label/Vertrieb: KSM – Krause & Schneider Multimedia
Erscheinungsdatum: 01.12.2005
EAN: 4260131120244 (DVD)
Bildformat: 4 : 3 (1,33 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 1.0 Mono (Deutsch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 90 min.
FSK: 12

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