Ein mörderisches Schattenwesen sät Entsetzen und Tod unter den Patienten einer Nervenklinik. Sie werden isoliert und suchen nach Wegen, ihrem Verfolger zu entkommen, bevor er sie endgültig niedergemetzelt hat … – Quasi-Fortsetzung eines leidlich erfolgreichen Horrorfilms, der nach Abwechslung versprechendem Beginn rasch auf die ausgefahrenen Geleise des Teenie-Splatters einbiegt und sich in den üblichen, detailliert illustrierten Schnetzeleien ergeht: für Vielseher, die dankbar die immerhin professionelle Machart registrieren dürften.

Das geschieht:

Im Alter von 11 bzw. 8 Jahren mussten die Geschwister Henry und Laura Porter mit ansehen, wie ihre Eltern von einem messerschwingenden Einbrecher buchstäblich abgeschlachtet wurden. Seither leiden sie unter psychischen Störungen; gerade wurde Henry frisch therapiert und leidlich lebenstauglich aus dem Sanatorium entlassen. In sein frei gewordenes Zimmer zieht sogleich Schwester Laura ein, die sich ihrerseits vom „Boogeyman“, wie sie den gesichtslosen Mörder nennt, verfolgt fühlt.

Sie kommt in die Obhut von Dr. Jessica Ryan, die ein neues Projekt speziell zur Betreuung geistig derangierter Jugendlicher leitet. Misstrauisch beobachtet von Dr. Allen, ihrem Chef, der die alten Behandlungsmethoden mit Disziplin und Verboten favorisiert, nähert sich Ryan den verstörten, unter Bulimie, Alltagsangst, Hygienewahn und anderen Zwängen leidenden Mitgliedern ihrer Gruppe mit Verständnis.

Dennoch will sie Laura natürlich nicht glauben, als diese angstvoll verkündet, der Boogeyman sei ihr ins Sanatorium gefolgt und treibe nunmehr hier sein Unwesen. Auch ihre Leidensgefährten tippen sich vielsagend an die Stirnen, bis die erste Leiche gefunden wird. Sie bleibt nicht allein und der Grad der Brutalität steigt ständig. Panik breitet sich aus – und Misstrauen: Ist einer der Patienten der Täter? Verzweifelt ruft Laura per Telefon ihren Bruder zu Hilfe, doch der ist weit fort.

Die Situation eskaliert, als die Gruppe entdeckt, dass ihre Abteilung hermetisch vom Rest des Sanatoriums und von der Außenwelt abgeschnitten ist. Durch die Gänge schleicht der Boogeyman und liefert sich ein Katz-und-Maus-Rennen mit seinen Opfern, die ihm hilflos ausgeliefert scheinen …

Der Schwarze Mann kehrt zurück

Wenn es an diesem Film etwas wirklich Überraschendes gibt, dann ist es seine bloße Existenz: „Boogeyman“, der erste Auftritt des Buhmanns, datiert ins Jahr 2005 und lässt sich partout nicht von 1000 anderen mittelprächtigen Gruselthrillern ganz ähnlicher Strickart unterscheiden. Aber weltweite Einnahmen in Höhe von 68 Mio. Dollar bei einem Budget von 20 Mio. sprachen eine eigene Sprache: Aus irgendeinem Grund hatte „Boogeyman“ wenn nicht die Hirne, so doch andere Körperteile der Fans angesprochen. Hier war offensichtlich noch mehr Geld zu holen. Die typische Reaktion: Reduktion des Budgets und Produktion eines zweiten Teils, der nicht mehr ins Kino kommt, sondern direkt auf den DVD-Markt geworfen wird.

Geist, Esprit oder auch nur bemerkenswerte Spezialeffekte sind für solche Franchise-Fließbandware nicht vorgesehen. „Boogeyman 2“ demonstriert das mit erschütternder Deutlichkeit. Der Plot wurde quasi übernommen und nur leicht bearbeitet; „Boogeyman 2“ ist deshalb eher Remake als Fortsetzung sowie ein Abklatsch des ohnehin blassen ‚Originals‘.

Stichwort Franchise: Wie Freddy Krueger, Michael Myers und andere Finsterlinge der Filmgeschichte soll auch der Boogeyman zur schauderhaft faszinierenden oder wenigstens finanziell einträglichen (Kult-) Figur aufgebaut werden. Wieso eigentlich nicht, darf man sich fragen, da doch sehr viel dämlichere Projekte dieser Art von Erfolg gekrönt waren! Aber was treibt den Buhmann an? Er schleicht durch die Nacht und bringt seine Opfer durch das zu Tode, was sie am meisten fürchten. Kein innovatives Konzept aber eines, das die Fans des Splatterfilms lieben, wenn es bösartig einfallsreich und möglichst blutig umgesetzt wird.

Im Gegensatz zu den weiter oben genannten Gruselgestalten des Horrorfilms kann sich der Buhmann immerhin auf seine tiefe Verwurzelung in der Folklore stützen. Man kennt ihn unter vielen Namen. ‚Erfunden‘ wurde er offensichtlich primär, um Kinder in heilsame Furcht zu versetzen: Sei gehorsam, bleibe nachts in deinem Bett, halt dich von Fremden fern, sonst holt dich der Schwarze Mann!

‚Unser‘ Boogeyman kümmert sich freilich überhaupt nicht um die Frage, ob sich seine Opfer eines Vergehens ‚schuldig‘ machten. Er taucht einfach auf und tötet – eine weitere Ungeschicklichkeit des Drehbuchs. Wahrscheinlich gibt es ihn sowieso in der Mehrzahl, denn wie sonst könnte er sein Arbeitspensum schaffen? Ungehorsame Kinder und andere straffällig gewordene Zeitgenossen gibt es schließlich mehr als genug auf dieser Welt …

Blut und Gedärme aber niemals Logik

Im punkto Gore & Gutter müssen sich die Macher von „Boogeyman 2“ keine Vorwürfe machen lassen. Die Morde werden stets plakativ und ohne Zurückhaltung in Szene gesetzt. Der Boogeyman arbeitet nicht nur mit seinem Messer, sondern zieht auch heran, was er vor Ort jeweils findet: fleischfressende Maden, Starkstrom, Aufzüge, Haushaltsreiniger, menschliches Erbrochenes – ja, der genretypische Ekelfaktor ist zweifellos gegeben!

Dies sind die Momente, in denen der Zuschauer richtig wach wird. Zwischendurch kann er sich ansonsten ausruhen, denn die Handlung lässt sich auch im Halbschlaf problemlos verfolgen. Ein etwas herab geschraubtes Aufmerksamkeitspotenzial ist auch sonst nicht von Übel, weil es hilft die ständigen logischen Sprünge und Löcher zu übersehen.

Was ist das bloß für ein Sanatorium, in dem sich eine Abteilung so isolieren lässt, dass außerhalb keine Menschenseele auf den Gedanken kommt nach dem Rechten zu sehen? Die Klinik ist gewaltig, auch nachts müssen sich dort zahlreiche Menschen aufhalten. Ausgerechnet unsere Abteilung ist jedoch völlig verlassen. Eine Nachtschwester hält Wache und außer den wenigen Darstellern gibt es offenkundig keine anderen Insassen. (‚Gedoubelt‘ wird das Sanatorium übrigens für die Außenaufnahmen vom 1903 erbauten Vista del Arroyo Hotel in der kalifornischen Stadt Pasadena, in dem seit 1985 der „Ninth Circuit Court of Appeals“ residiert.)

Liegt es an der Panik, dass niemand auf den Gedanken kommt ein Fenster zu öffnen und um Hilfe zu rufen? Aber nein, isoliert von aller Wahrscheinlichkeit jagt man einander mit Donnergetöse, schreit wie am Spieß und trifft sich immer wieder in einem Keller, der aus unerfindlichen Gründen ebenso vom Rest der Einrichtung getrennt ist wie die vom Boogeyman heimgesuchte Abteilung.

Darsteller aus der Retorte

„Boogeyman 2“ ist trotz der zahlreichen Mängel kein ‚schlechter‘ Film. Da ist zum einen die handwerklich saubere Machart. Dies ist kein Ein-Mann-Amateur-Unternehmen und kostengünstige Herstellung bedeutet auch das Wissen um das, was budgetmäßig möglich ist. Jeff Betancourt, der hier als Regisseur debütierte (und seither keinen Langfilm mehr inszeniert hat), ist ein erfahrener Cutter; u. a. hat er die beiden „Grudge“-Filme (2004 und 2006, dt. „Der Fluch“ und „Der Fluch 2) und „The Exorcism of Emily Rose“ (2005; dt. „Der Exorzismus der Emily Rose“) geschnitten (und diesen Job natürlich auch für „Boogeyman 2“ übernommen.) Die Spezialeffekte sind ‚handgemacht‘; solide altmodische Modellarbeit und Kunststoff-Innereien, die liebevoll in Kunstblut und -schleim getränkt werden, kommen primär zum Einsatz.

An lebendem Inventar tritt Hollywoods zweite und dritte Garde vor die Kamera. Von den meisten Darstellern hat man (noch) weder gehört noch sie in einem anderen Film so gesehen, dass sie einem im Gedächtnis haften geblieben wären. Ausnahmen sind natürlich Tobin Bell, der als gleichzeitig todkranker und nicht totzukriegender „Saw“-Killer zu bescheidenem (Genre-) Ruhm gelangte, und Renée O’Connor, der an der Seite der Infantil-‚Kriegerprinzessin‘ Xena (alias Lucy Lawless) als tutiges Heimchen Gabrielle Ähnliches gelang.

Aber auch hier gilt es zu relativieren: Die meist jungen Schauspieler liefern so gute Arbeit, wie es ihnen das limitierte Drehbuch gestattet. Vor allem im ersten Teil, als der Boogeyman noch im Hintergrund geistert, können sie positiv auffallen. Die diversen geistigen Instabilitäten werden zwar recht didaktisch in Szene gesetzt aber die Darsteller spielen überzeugend. Hier werden nicht die üblichen hirntoten Horror-Teenys vom Filmboden getilgt, sondern Figuren, die einem vertraut geworden sind.

Doppelt schade ist es deshalb, dass alles in einem turbulenten und sich an schlecht realisierten Plot-Twists überquellenden Blut-und-Quassel-Final mündet. Es ist ein bisschen zu erstaunlich, wer da plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint. Selbstverständlich ist dieses Ende offen und siehe da: Der Boogeyman kehrte 2009 zurück!

DVD-Features

Mit zusätzlichen Features wird gern gegeizt, wenn ein Film nur für den schnellen Konsum produziert wurde. Auch „Boogeyman 2“ wird nur dürftig bedacht: Wir sehen den Trailer sowie die Featurette „Bringing Fear to Life: Makeup EFX from Storyboard“. Dahinter verbirgt sich kein Making-of, sondern eine unkommentierte Folge kurzer Bildsequenzen, die das Zustandekommen der ruppigen Metzel-Szenen dokumentieren. Das ist zwar durchaus interessant aber ohne Anmerkungen der Beteiligten reichlich diffus.

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Boogeyman 2 – Wenn die Nacht Dein Feind wird
Originaltitel: Boogeyman 2 (USA 2007)
Regie u. Schnitt: Jeff Betancourt
Drehbuch: Brian Sieve (nach Charakteren von Eric Kriepke)
Kamera: Nelson Cragg
Musik: Joseph LoDuca
Darsteller: Danielle Savre (Laura Porter), Matthew Cohen (Henry Porter), Renée O’Connor (Dr. Jessica Ryan), Tobin Bell (Dr. Mitchell Allen), Chrissy Griffith (Nicky), Michael Graziadei (Darren), Mae Whitman (Alison), Johnny Simmons (Paul), David Gallagher (Mark), Lesli Margherita (Gloria), Tom Lenk (Perry), Sammi Hanratty (Laura als Kind), Jarrod Bailey (Henry als Kind), Lucas Fleischer (Mr. Porter), Suzanne Jamieson (Mrs. Porter), Christopher Fields (Detective) u. a.
Label: Ufa Home Entertainment
Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 04.08.2008 (DVD)
EAN: 0886973135297 (DVD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1 anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min.
FSK: 18

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