Beth starb, weil sie im Schlaf von einem Dämon erwürgt wurde. Als der anschließend Zwillingsschwester Kate heimsucht, versucht diese mit Hilfe des Geisterjägers Hassan der Jenseits-Kreatur das Handwerk zu legen … – Konventionelle, inhaltlich und formal einfallsarme Gruselmär mit gewaltigen Logiklücken, die bierernst präsentiert wird und sich in die Länge zieht, bis es den Zuschauern ergeht wie der Heldin: Starr liegen sie da – allerdings vor Langeweile.

Das geschieht:

Seit einiger Zeit haben sich die Zwillingsschwestern Beth und Kate aus den Augen verloren. Beth ist mit dem Maler Evan zusammen, der ausgiebig Marihuana konsumiert und damit Kates Zorn steigert, denn Beth hat eine Sucht-Vergangenheit und lebt wieder bei den Eltern, während sie versucht clean zu bleiben.

Neuerdings wacht Beth in der Nacht auf und kann sich nicht bewegen: Der Körper schläft weiter und bleibt paralysiert, weshalb Beth bewegungslos beobachten muss, wie in einer Zimmerecke etwas röchelt und sich schlurfend auf sie zubewegt. Dass diese Unheimlichkeit echt ist, will ihr jedoch niemand glauben. Kurz darauf ist Beth tot – gestorben an einem Asthma-Anfall, wie die Ärzte eher ratlos feststellen.

Zu spät schenkt Kate der Schwester Glauben: Die Kreatur ist nun hinter ihr her, um sie im Schlaf zu erwürgen, und auch Evan wird im Schlaf belästigt. Wie üblich bietet die Wissenschaft – hier repräsentiert durch Schlaf-Expertin Dr. Sykes – keine Hilfe, denn diese konstatiert eine Halluzination.

Dagegen hat der von den Forschungskollegen geschnittene Dr. Hassan Davies ein offenes Ohr für Kate und Evan. Er ist dem Dämon schon seit vielen Jahren auf der Fährte und hat eine dicke Fall-Akte angelegt. Beth hatte ihn vor ihrem Tod konsultiert. Nun versucht man zu dritt eine Strategie zu entwerfen.

Wie kann man sich im Schlaf wehren, wenn der Körper vollständig paralysiert ist? Das ist das Primärproblem. Kurzfristig scheint sich eine Lösung anzubahnen, als Beth im Internet auf den ebenfalls dämonenverfolgten Mr. Pang stößt, der seinen Sieg über den Nachtmahr erklärt. Doch seinem Beispiel will das Trio lieber nicht folgen. Deshalb muss ein Plan B her: Das Wesen soll in ‚seiner‘ Welt attackiert werden! Um eine Methode zu finden, die Schlafparalyse zu überwinden, bleibt wenig Zeit, denn der Dämon wird immer stärker und dreister …

Nein, er heißt nicht Freddy!

Ideen sind generell dünn gesät im Unterhaltungsgewerbe, weshalb auch Mittelmäßiges sorgsam bewahrt und gern zum Einsatz gebracht wird. In unserem Fall verbirgt sich sogar ein interessantes Problem hinter dem dargebotenen Spuk. Der Schlaf ist ein Phänomen, über das im Wachzustand seit Urzeiten gegrübelt wird. Wo ‚sind‘ wir, wenn unser Körper Pause macht? Träume scheinen anzuzeigen, dass der Geist keineswegs ruht. Wenn man sich außerdem daran erinnert, dass der antike Dichter Homer den Schlaf als „kleinen Bruder des Todes“ bezeichnete, wird die Sache erst recht unheimlich.

Selbstverständlich nutzt auch der Horrorfilm diese Steilvorlage. Im Schlaf ‚besessene‘ Pechvögel gehen dort seit einem Jahrhundert um („Das Cabinet des Dr. Caligari“, 1920), und umgekehrt fielen dort, wohin der Schlaf den Menschen entführte, hässliche Gestalten über ihn (und sie) her. Besonders berühmt wurde Freddy Krueger, der seine Opfer im Traum mit faulen Witzen und seinem Krallenhandschuh malträtierte. Dabei hinterließ er eine breite Blutspur und bot als Schlaf-Dämon eine so gute Figur, dass bisher niemand ihm Paroli bieten konnte.

In Freddys Schatten bleibt auch jene Schauergestalt, die Regisseur Philip Guzman für „Dead Awake“ entfesselt. Zwar muss man lobend hervorheben, dass er eine ‚ernsthafte‘ Gruselgeschichte erzählen möchte, die weder durch Splatter-Effekte ersetzt noch durch Witzeleien verwässert wird. Leider stellt sich schnell heraus, dass „Dead Awake“ beides sehr gut brauchen könnte. Drehbuchautor Jeffrey Reddick ist es jedenfalls nicht gelungen, eine spannende Story zu stricken, und Regisseur Guzman verfügt nicht über das Talent, dies filmhandwerklich wettzumachen.

Schlaflosigkeit erzeugt Wahnvorstellungen

Die seltsame Abwesenheit der Darsteller lässt sich damit erklären (bzw. entschuldigen), dass sie aufgrund heftigen Monsterbefalls kaum schlafen (sowie – siehe Evan – ordentlich kiffen) und deshalb buchstäblich belämmert durch ihre Welt tappen. (Bemerkenswerter Höhepunkt in dieser Hinsicht: Jahrzehntelang habe er vergeblich nach jemand gesucht, der sich erfolgreich gegen den Traum-Dämon gewehrt habe, lamentiert ‚Dr.‘ Davies. Kate und Evan, die ungleich erfolgreicher waren, fragen ihn, ob er es mal online versucht habe, was Davies peinlich berührt verneint. Achtung: Diese Episode könnte als Versucht gewertet werten, der Handlung ein wenig Humor einzuflößen.)

Lassen wir die Frage nach der Existenzberechtigung einer Kreatur, die (nur?) schlafparalysierte Zeitgenossen erwürgt, einmal beiseite, so schwer dies auch fällt. Konzentrieren wir uns stattdessen darauf, was auch die Filmhandlung ausmacht: Wie handelt man als Betroffener? In der Film-Fantasie ist ‚Realität‘ kein unbedingter Faktor. Trotzdem darf Handlungslogik nicht ausgespart bleiben. Alle mögen aufgrund des Schlafmangels wie Zombies umherschlurfen. Dennoch sollte eigentlich jemand daran denken, jene Instrumente, von denen das Überleben im Traum-Kampf mit dem Wesen abhängt, vor dem Einsatz zu überprüfen, damit sie nicht ausfallen, wenn sie eingesetzt werden. Selbstverständlich geschieht genau das – ein ‚Zufall‘, der so ausgelutscht ist, dass er als dramatischer Höhepunkt beim besten Willen nicht taugt. (Das kann getoppt werden: Als es hart auf hart kommt, fällt Hassan die belebende Adrenalinspritze aus der Hand und rollt weit unter das Sofa, auf dem sich Kate im Würgegriff des Dämons windet.)

Jesse Borrego muss sich als Hassan nicht schämen. Er verschwindet in einem Feld blasser bis profilschwacher Figuren. Gleich zweifach enttäuscht Jocelin Donahue – Gruselfilmfreunde erinnern sich womöglich an den Grusel-Heuler „The House of the Devil“ (2009), in dem sie die Hauptrolle spielte – in ihrer Doppelrolle. (Gelungen sind allerdings die Spezialeffekte: Sind die Schwestern gleichzeitig im Bild, kommt man niemals auf den Gedanken, dass beim Dreh nur Donahue vor der Kamera stand.) Jesse Bradford ist als schwarzbärtiger Als-ob-Bohème im Hollywood-Klischee-Stil faktisch überflüssig und wird folgerichtig nebenbei aus dem Geschehen eliminiert. Die Nebendarsteller füllen Raum, der innerhalb des Bildrahmens sonst leer bliebe. (In diesem Ensemble sorgt Lori Petty für den einzigen echten Schockeffekt: DAS ist aus dem „Tank Girl“ von 1995 geworden? Die Zeit ist grausamer als jeder Dämon!)

Zum Horrorfilm gehört eindeutig Horror

Zu den kapitalen Ofenschüssen muss der Schlaf-Teufel gezählt werden, was für einen Horrorfilm kein gutes Omen darstellt. Es beginnt damit, dass nie entschieden wird, ob es sich um einen Dämon oder eine Hexe handelt. (Dargestellt wird die Kreatur von einer Schauspielerin.) In beiden Fällen ist zuschauerliches Erschrecken nicht zu gewährleisten, weil keine Idee und/oder kein Budget zur Verfügung stand, um übernatürlichen Schrecken zu wecken. Anders ausgedrückt: Dieser Dämon sieht nicht gruselig, sondern billig aus. Das Make-up ist lächerlich – offenbar wurde die Darstellerin nur mit feuchtem Lehm eingestrichen -, und die Kreatur rätselhafterweise querschnittgelähmt. Sie schleppt sich auf ihren Armen zum jeweiligen Opfer, was nicht gerade souverän wirkt.

Das Erscheinen des Dämons wirft ohnehin die Frage auf, ob er (oder sie) generell ein wenig beschränkt ist. Wieso schafft es das Wesen nicht, zielgerecht im Zimmer seiner Opfer zu materialisieren? Stets geschieht dies mindestens im Nebenraum, weshalb es ewig dauert, bis die Dämonenpranken sich um die Opferhälse schließen: Wie sonst könnten sich Beth oder Kate zu Tode fürchten, wenn sie sich nicht bewegen = flüchten oder sich wehren können? Ein ‚langsamer‘ Spuk mag da Effektunterstützung bieten.

Die kann den Zuschauer nur bedingt fesseln, weil er (oder sie) sich bewegen = zum Kühlschrank gehen oder zur Fernbedienung mit dem Abschaltknopf greifen können. Ein Dämon, der nicht nur dämlich aussieht, sondern seine Opfer einfallslos erwürgt, wirkt spätestens bei der zweiten Übeltat langweilig. Wiederholt sich das wie hier sogar mehrfach, sorgt es für Verdruss. Reddick & Guzman versuchen zwar, Leben in den gewaltsamen Tod zu bringen, indem sie beispielsweise dem Bild, das Evan vom Nachtmahr gemalt hat, Blut aus den Augen fließen lassen. (Das Wesen entsteigt allerdings keineswegs der Lache, sondern taucht wie üblich aus dem Hintergrund auf.) Doch solche u. a. Ungeschicklichkeiten betonen nur die Längen, die das (notabene qualvoll dialoglastige) Werk aufweist.

Das Finale deutet üblich gewordenes Grauen = eine Fortsetzung (oder gar ein lukratives Franchise?) an. Obwohl „Dead Awake“ alles andere als ein Publikumserfolg war, muss man vorsichtig sein: Es sind schon deutlich schlechtere Filme in Serie gegangen – und „Dead Awake“ IST schlecht, weil langweilig!

DVD-Features

Hierzulande spiegelt sich das Sparschwein-Niveau der Gesamtproduktion in den Extras wider: Es gibt keine, wenn man den Original-Trailer nicht als solchen bezeichnen möchte.

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Dead Awake – Wenn du einschläfst bist du tot
Originaltitel: Dead Awake (USA 2016)
Regie: Phillip Guzman
Drehbuch: Jeffrey Reddick
Kamera: Dominique Martinez
Schnitt: Peter Devaney Flanagan
Musik: Marc Vanocur
Darsteller: Jocelin Donahue (Kate/Beth Bowman), Jesse Bradford (Evan), Jesse Borrego (Dr. Hassan Davies), James Eckhouse (Mr. Bowman), Mona Lee Fultz (Mrs. Bowman), Brea Grant (Linda Noble), Lori Petty (Dr. Sykes), Billy Blair (Mr. Pang), Liz Mikel (Krankenschwester), Natalie Jones (Dämon) u. a.
Label/Vertrieb: EuroVideo
Erscheinungsdatum: 25.07.2017
EAN: 4009750233245 (DVD)/4009750303313 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,00 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 95 min. (Blu-ray: 99 min.)
FSK: 16

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