Der mutwillig geweckte Geist einer zu Lebzeiten drangsalierten Frau nutzt die Gelegenheit zur Rache. Die Flucht in ein weit entferntes Landhaus sorgt nicht für Frieden, sondern bietet dem Phantom die ideale Gelegenheit, sich zunehmend gewalttätiger in Szene zu setzen … – Altmodische Geistergeschichte, die nicht subtil sondern spukdeutlich erzählt wird und an entsprechenden Effekten nicht spart; dank der guten Besetzung trotz deutlicher Drehbuchschwächen im letzten Drittel leidlich unterhaltsam sowie Kandidat für eine (schon angekündigte) Fortsetzung.

Das geschieht:

Jess ist bereits in jungen Jahren Mutter geworden. Aufgrund ihres Drogenkonsums gab sie Tochter Chloe in ein Heim. Neun Jahre später ist Jess geheilt und hat sich als Künstlerin einen guten Namen gemacht. Mit Banker Ben lebt sie in einer feudalen Villa außerhalb von Cardiff, der Hauptstadt von Wales. Sie möchte Chloe zu sich nehmen und die verlorenen Jahre wiedergutmachen.

Die Tochter blockt ab; sie macht der Mutter Vorwürfe und bleibt lieber bei Freund Danny, der jedoch eine schlechte Idee in die Tat umsetzt: Vor Jahren hauste unweit des Heims eine alte Frau namens Mary Aminov. Als einige Kinder spurlos verschwanden, zeigten Chloe und Danny sie bei der Polizei an. Von Detective Boardman heftig unter Druck gesetzt, brachte Mary sich um. Ihr Haus steht seitdem leer. Wer zweimal an ihre Tür klopft, so heißt es, weckt ihren Geist, der dem oder der Vorwitzigen anschließend im Nacken sitzt.

Übermütig tut Danny, was er lieber hätte lassen sollen, und Chloe schließt sich ihm an. Schon kurz darauf folgt die Strafe; Danny wird von einer unsichtbaren Kraft gepackt und in ein gruseliges Zwischenreich verschleppt. Als der Geist auch Chloe aufs Korn nimmt, flüchtet diese zu ihrer Mutter und hofft, dass Mary dadurch ihre Spur verlieren wird.

Jess ist überrascht aber hocherfreut, als die Tochter vor ihrer Haustür steht. Während Partner Ben auf eine Geschäftsreise geht, hofft sie auf eine Versöhnung. Chloe ist abgelenkt, denn rasch wird ihr klar, dass sie Mary keineswegs entkommen ist. Noch schlimmer: Nicht Mary ist das eigentliche Übel, sondern selbst nur die Sklavin des Baba Yaga, eines uralten Dämons, der sich nun seinem Opfer offenbart. Da Jess dieses Mal Chloe nicht wieder im Stich lassen will, erregt sie den Unwillen des Baba Yaga, der daraufhin die Mutter ebenso gnadenlos zu verfolgen beginnt wie die Tochter …

Der Fluch der dummen Tat

Böse Geister und Dummköpfe, die erstere leichtfertig heraufbeschwören, stehen in der klassischen „ghost story“ in der ersten Reihe der handelnden Figuren. Zu verlockend ist diese Konstellation, die uns, das lesende oder in diesem Fall zuschauende Publikum, quasi mit ins Boot holt: Obwohl wir dank vieler zuvor genossener (oder ertragener) Filme wissen, dass es nicht ratsam ist, Phantome zu reizen, sind wir gespannt, wie sich die Rache aus dem Jenseits dieses Mal manifestieren wird.

Regisseur Caradog W. James kocht in Kooperation mit dem Drehbuch-Duo Mark Huckerby und Nick Ostler allerdings auf Sparflamme. Um dies zu verschleiern, wird der Plot ordentlich verzwirbelt, damit das eigentlich simple, um nicht zu sagen unlogische Geschehen verschleiert wird. Wer treibt beispielsweise eigentlich sein Unwesen? Erst ist es nach dem Willen der Filmemacher eindeutig Mary Aminov, bis unvermittelt der Baba Yaga auftaucht. Ihn muss Mary – ihr Nachname deutet es an – aus ihrer osteuropäischen Heimat mitgebracht haben.

James & Co. bemühen sich solchen Fragen auszuweichen. Sie werfen Kritikern einen gern genossenen Brocken hin: In einem zweiten Handlungsstrang geht es um zwischenmenschliche Konflikte – hier eine Beziehung, die mit allerlei Emotions-Ballast beladen ist. Katee Sackhoff als Mutter Jess und Lucy Boynton als Tochter Chloe mühen sich redlich und durchaus erfolgreich mit der Darstellung entsprechender Auseinandersetzungen, die nur leider im letzten Drittel des Geschehens absolut unwichtig sind. Die Mutter-Tochter-Querelen verschwinden, wenn sich Baba Yaga endlich aus seiner Ecke traut, um sich zu holen, wonach es ihm gelüstet. Die beiden Frauen kämpfen gemeinsam, während sich zwar generisch aber endlich ohne endloses Geschwafel Gruseliges abspielt.

Familienprobleme

Nunmehr schlägt die Handlung sogar mutig Haken. Aus Schuldigen werden Unschuldige, während bisher der Bosheit unverdächtige Protagonisten plötzlich die Masken fallenlassen und sich als Dämonenknechte entpuppen. Das soll sicherlich unterstreichen, dass Baba Yagas Klauengriff sich langsam aber unerbittlich um Jess und Chloe schließt, wird jedoch inhaltlich wie formal überaus schlicht umgesetzt: Kraft besitzt hier ausschließlich das Klischee!

Auf der Verliererseite stehen sämtliche Schauspieler außer Sackhoff und Boynton. Vor allem Jess-Gatte Ben existiert als Figur offenbar nur, weil die Bedrohung durch Baba Yaga irgendwann Opfer fordern muss, um realistischer zu wirken. Zuvor wird Ben auf eine Geschäftsreise geschickt = aus der Handlung befördert, um nur für einen wenig spektakulären Tod kurz zurückkehren zu dürfen; zuvor hat er vor allem stiefväterliche Plattitüden abgesondert.

Auf verlorenem Posten steht auch Nick Moran als Detective Boardman, dessen Rolle die erforderliche Ambivalenz – ist er Held, ist er Strolch? – nie spüren lässt. Der Schwenk zum ebenfalls getäuschten Gutmenschen ist ein Bockschuss, der weder zuschauerliche Bestürzung noch Überraschung auslöst: Niemand interessierte sich wirklich für Boardman und sein Treiben, denn beide werden nur grob umrissen aber kaum jemals herausgearbeitet.

Spuk auf Sparflamme

Obwohl sich das Budget in Grenzen hielt, kann „Don’t Knock Twice‘ mit ansprechenden Grusel-Effekten dienen. Sie wurden hauptsächlich in Handarbeit realisiert, was gerade im Zeitalter digitaler Wunder erstaunlich realistisch wirkt, wenn man – wie in diesem Fall – weiß, auf welche Weise Schrecken analog erzeugt werden kann. Darüber hinaus engagierte James für die Rolle des Dämons Baba Yaga den Franzosen Javier Botet, der sein eigener Spezialeffekt ist: Weil diverse Gene ungewöhnlich miteinander verdrahtet sind, misst Botets Körper zwar zwei Meter, wiegt dabei jedoch keine 60 Kilogramm. Zudem sind seine Gliedmaßen – und hier vor allem die Finger – deutlich länger als bei ‚normalen‘ Menschen. In entsprechender Maske ergibt dies ein schauerliches Klappergerüst, das direkt mit den Schauspielern interagieren kann, was wiederum deren mimische Resonanz verstärkt.

Horrorfilme sind keineswegs für realitätsnahe Storys bekannt. Leider beschränkt sich dies nicht auf umherspukende Geister oder Dämonen. Offensichtlich darf die Logik überhaupt vernachlässigt werden. Unbeantwortet bleibt jedenfalls die Frage, wieso ausgerechnet der Baba Yaga umgeht. Er ist ein Schrecken, der im slawischen Kulturraum beheimatet ist. ((Ist Baba Yaga für die Dauer dieses Films abwesend, oder koordiniert er seinen Auslandseinsatz von daheim?)) Dass Ania Marson aus Osteuropa eingewandert ist, bietet dem Dämon eine gewisse Erdung. Trotzdem mutet sein Erscheinen ausgerechnet in Wales merkwürdig an: Dort gibt es mehr als genug lokale Spukgestalten, auf die James hätte zurückgreifen können!

Außerdem: Man bollert zweimal an eine morsche Haustür, und die Pforten der Hölle öffnen sich? Was machen unsere Spukgestalten, wenn niemand sich dort blicken lässt? Sitzen sie solange untätig im Jenseits herum und drehen Ektoplasma-Däumchen? Das gemischte bis negative Urteil des Zielpublikums lässt erkennen, dass der Willen, eine klassische Gruselgeschichte erzählt zu bekommen, mehrheitlich ebenso deutlich erkannt wurde wie die Unfähigkeit, „klassisch“ eben nicht mit „altmodisch“ gleichzusetzen.

Da „Don’t Knock Twice“ wie schon erwähnt eine Sparstrumpf-Produktion ist, blieb dennoch genug Geld hängen, um über eine Fortsetzung nicht nur nachzudenken. Die Handlung endet offen, was als hoffnungsvolle Vorbereitung zu deuten ist. Die Zuschauer tröstet das Wissen, dass sie diesem faulen Zaubers anders als Jess oder Chloe tatsächlich entkommen können, indem sie die Augen schließen und ihn als Film einfach ignorieren!

DVD-Features

Eher mager sind die Extras zum Hauptfilm. Potenziell interessant ist das Making-of „Behind Closed Doors – Inside Don’t Knock Twice”, das letztlich jedoch nur 13 Minuten läuft und Impressionen von den Dreharbeiten zeigt. Darüber hinaus gibt es nur den originalen sowie den deutschen Trailer.

Technisch gibt es nichts zu beanstanden. Zwar liebt Regisseur James die nachträgliche Farbentsättigung, um ländliche Trost- und Aussichtslosigkeit zu suggerieren. Die zahlreichen Nachtaufnahmen sind tatsächlich in der Dunkelheit entstanden, ohne den Zuschauer dafür mit schwammiger Bildkörnigkeit büßen zu lassen. Auch an die Ohren wurde gedacht, was allerdings nicht immer auf Freude stößt, da auch James Schrecken gern erzwingt, indem er die Musik anschwellen lässt oder lautstark „Buh!“-Effekte einsetzt.

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Don’t Knock Twice
Originaltitel: Don’t Knock Twice (GB 2016)
Regie: Caradog W. James
Drehbuch: Mark Huckerby u. Nick Ostler
Kamera: Adam Frisch
Schnitt: Matt Platts-Mills
Musik: James Edward Barker u. Steve Moore
Darsteller: Katee Sackhoff (Jess), Lucy Boynton (Chloe), Nick Moran (Detective Boardman), Jordan Bolger (Danny), Pooneh Hajimohammadi (Tira), Richard Mylan (Ben), Ania Marson (Mary Aminov), Javier Botet (Baba Yaga) u. a.
Label: Splendid Entertainment
Erscheinungsdatum: 24.02.2017
EAN: 4013549084970 (DVD)/4013549059589 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 16

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