Jahre nach der Zombie-Apokalypse führen reiche Überlebende ein Luxusleben, für das sie arme ‚Mitbürger‘ schuften lassen. Aufruhr liegt in der Luft, und zu allem Überfluss werden die Untoten schlau und beginnen das Menschen-Ressort gezielt zu belagern … – Nach zwei Jahrzehnten schloss Regisseur und Autor Romero vor allem handwerklich an seine klassische „Zombie“-Trilogie an. Die Story ist solide, wird aber von ‚sozialkritischen‘ Einschüben belastet. Gute Darsteller und vor allem drastische, gut ausgedachte Splattereffekte sorgen nichtsdestotrotz für gute Unterhaltung.

Das geschieht:

Die Ursache wurde nie geklärt, die Folgen veränderte die ganze Welt: Stirbt ein Mensch, erwacht seine Leiche zu neuem ‚Leben‘. Als geistloser, langsam verrottender Zombie schlurft sie umher und entwickelt einen unbändigen Hunger auf frisches Menschenfleisch. Milliarden sind den verhassten und gefürchteten „Stinkern“ zum Opfer gefallen. Die wenigen Überlebenden haben sich verbarrikadiert und existieren im dauerhaften Belagerungszustand.

In Pittsburgh im ehemaligen US-Staat Pennsylvania hat sich eine Menschengruppe in einem von Flüssen, Mauern und Elektrozäunen geschützten Stadtteil eingeigelt. Über sein kleines Reich herrscht der skrupellose Kaufman, der im Penthouse des „Fiddler‘s Green“-Wolkenkratzers residiert. Hier bietet er denen, die dafür bezahlen können, ein behütetes und privilegiertes Leben wie in der Zeit vor der Zombie-Invasion. Für den Erhalt seines Bonzenparadieses lässt Kaufman die weniger Glücklichen bzw. Begüterten schuften. Sie hausen in Ruinen und müssen hinaus in die Welt hinter den Absperrungen, wo sie für ihn in den verlassenen Städten Lebensmittel, Medikamente und Luxusartikel beschaffen.

Der Job ist hart und gefährlich, überall lauern die Zombies. Die Veteranen Riley und Cholo haben genug. Riley plant sich mit einem heimlich organisierten Wagen nach Kanada abzusetzen. Cholo hat sich Kaufman als persönlicher Assistent angedient. Er räumt jene aus dem Weg, die sich gegen die Herrschaft des Despoten auflehnen. Dafür hat er sich das Recht auf eine Wohnung im „Fiddler‘s Green“ verdient, denkt Cholo. Kaufman hat jedoch nicht vor, den Emporkömmling in seinem Reich zu dulden. Der erboste Cholo stiehlt daraufhin einen mit Raketenwerfern bestückten Kampftruck und droht „Fiddler‘s Green“ zu beschießen, wenn ihm Kaufman nicht ein hohes Lösegeld zahlt.

Riley soll den Truck zurückholen. Ihm bleibt nichts übrig als diesen Auftrag zu übernehmen, denn Kaufman hat seinen Wagen beschlagnahmt. Mit einigen Gefährten verfolgt er Cholo. Riley ist nervös, denn er meint seit kurzem bei den Zombies Anzeichen von Intelligenz entdeckt zu haben. Vor allem „Big Daddy“, ein hünenhafter ehemaliger Tankwart, beginnt zu begreifen, dass die Menschen nicht nur seine Nahrung, sondern auch seine Feinde sind. Er erkennt außerdem, dass die eigentliche Gefahr von „Fiddler‘s Green“ ausgeht. So sammelt er eine große Schar von Zombies um sich und setzt zum Sturm auf das Lager der Menschen an. Riley, Cholo und ihre Gefährten finden sich plötzlich zwischen den Fronten wieder und müssen sich der wandelnden Leichen und Kaufmans Schergen gleichzeitig erwehren …

Die ‚echten‘ Zombies kehren zurück

George A. Romero (1940-2017), Schöpfer des modernen Zombie-Films, drehte 2005 nach zwanzigjähriger ‚Pause‘ einen vierten Teil seiner Filmhistorie schreibenden Saga um die lebenden Toten! Das war für die Anhänger dieses sperrigen Filmemachers eine Sensation, wurde aber auch von den Medien als solche denen verkauft, die wenig oder gar keine Kenntnis von den drei (selbstverständlich zum ‚Kult‘ erhobenen) Vorgängerfilmen „Night of the Living Dead“ (1968; dt. „Die Nacht der lebenden Toten“), „Dawn of the Dead“ (1978; dt. „Zombie“) und „Day of the Dead“ (1985) hatten oder um die Bedeutung dieser Trilogie für das Horror-Genre wussten.

Die junge Generation schätzte in dieser Ära vor „The Walking Dead“ (2010f.), „Fear the Walking Dead“ (2015f.) oder „Z Nation“ (2014f.) die wanderlustigen Leichen eher in ihren beweglicheren Reinkarnationen wie im Remake von „Dawn of the Dead“ von 2004 – das allerdings von Zack Snyder inszeniert wurde – sowie natürlich in der Zombie-Komödie „Shaun of the Dead“ (2004). Auch dem Erfolg dieser Streifen verdankte Romero die Rückkehr aus der Versenkung, in welcher er halbwegs verschwunden war.

Der alte Mann gab seinem Affen Zucker = dem zahlenden Publikum und den maulenden Kritikern, was sie sehen wollten: Splatter mit sozialkritischem Sahnehäubchen. Endlich stand ihm wieder ein nennenswertes, wenn auch für Hollywood-Verhältnisse schmales Budget von 15 Mio. Dollar zur Verfügung. Romero presste alles aus jedem Cent. Dem ‚normalen‘ Zuschauer mag „Land of the Dead“ wie eine Großproduktion vorkommen. Erst der etwas versiertere Filmfan erkennt die Beschränkungen – und die Tricks, mit denen der Regisseur sich ihnen geschickt gestellt hat.

Kleine Welt für lebende Menschen

So ist es kein Zufall, dass „Land of the Dead“ hauptsächlich in der Nacht spielt. Zombies wirken in der Dunkelheit bedrohlicher. Man sieht sie außerdem nicht so genau und kann deshalb am Make-up sparen. Das gilt auch für die Kulissen: Einige mit Müll und Trümmern bedeckte Straßenzüge stehen für verwaiste, verwüstete, von Zombies durchschlurfte Geisterstädte. Die belagerte Stadt der Menschen beschränkt sich auf einen malerisch verkommenen Slum, einige Räume im Hochhauskomplex „Fiddler‘s Green“ sowie eine Hängebrücke. Kaum sieht man jemals eine Totale, welche den Blick auf die Landschaft gestattet. Kommt es vor, ist es sichtlich eine Trickaufnahme.

Natürlich lässt sich diese Verweigerung der Weite auch so begründen: Sie betont die räumliche Enge zwischen den Menschen und den Zombies. Beide Welten trennt nur eine dünne, unsichere Grenze. Als Mensch muss man sich wachsam durch die Welt der Untoten bewegen, jeden Winkel vorab mustern, Schatten und Eingänge vermeiden, denn überall können sie lauern. Wie die Protagonisten sehen wir die Leichen nie kommen. Plötzlich sind sie da und schlagen zu. Das treibt vor und auf der Leinwand oder vor dem Bildschirm den Adrenalinspiegel nach oben.

Hinter dem Design der in Nahaufnahmen gezeigten Zombies steckt sichtbarer Aufwand. Romero blieb bei seinem Konzept: Seine Untoten sind steif und bewegen sich langsam und ungelenk. Erst im Angriff entwickeln sie Tempo. Im „Dawn“-Remake von 2004 blieb den Zombies ihre Beweglichkeit erhalten. Das steigerte ihre Gefährlichkeit, ging aber auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Romeros Zombies wirken in jeder Hinsicht ‚tot‘. In Sachen Make-up markiert „Land of the Dead“ den Stand des Möglichen (2005). Seit Romero die lebenden Toten umgehen ließ, war viel (Film-) Zeit vergangen. So sahen sie nun auch aus: verrottet. Mit dem Nachschub frischer Nahrung haperte es inzwischen. Das musste zwangsläufig Spuren hinterlassen.

Zombies mit Grips?

Viel Schelte bezog Romero für die Entscheidung, seinen Zombies eine rudimentäre Hirnaktivität zuzuschreiben. Offenbar liebt der echte Horrorfan seine Untoten als stumpfsinnige Mordmaschinen. Dabei war Romeros Schritt in doppelter Hinsicht logisch: Er hatte bereits 1985 in „Day of the Dead“ mit der Figur des Zombies Bub angedeutet, dass die wandelnden Toten denken bzw. sich an ihre frühere Existenz erinnern können. Daran knüpfte er an – und er tat es zu Recht: Die Zombies müssen sich weiter entwickeln. Sie verlieren sonst ihre morbide Attraktivität, denn was treiben sie sonst, außer hässlich auszusehen und sich entsprechend zu verhalten? Die endlose Variation grausiger Totbeiß-Szenen war Romero zu wenig. Er spann seine Zombie-Saga tatsächlich fort und aus.

Dem beinharten Splatterfan sei versichert, dass er (oder sie) dennoch keinesfalls zu kurz kommt. „Land of the Dead“ ist in der Drastik seiner Gore-Effekte ein politisch erfreulich unkorrektes und konsequentes Werk geworden. Hier wird gemetzelt und zerstückelt wie in der guten, alten Zeit (den 1970er- und 80er-Jahren). Vor allem der Director‘s Cut legt sich in dieser Beziehung kaum Zügel an.

Eines hat sich freilich geändert: Der Schockeffekt der frühen Romero-Reißer ist dahin. Der Altmeister kann die Zahl der Ekeleffekte steigern und sie handwerklich perfektionieren, doch seine Spitzenposition als cineastischer Bilderstürmer kann das nicht wiederherstellen. Man inzwischen abgestumpft – oder darf man endlich sagen: Man hat gelernt, den zirzensischen Unterhaltungswert völlig realitätsferner Splatter zu goutieren, ohne sich dabei mitschuldig am Untergang der Zivilisation zu fühlen?

Menschen ohne Plan

Weiterhin nicht verzichten mochte Romero auf den Zuckerguss der kulturellen Relevanz. Er war ein ausgezeichneter Handwerker mit ausgeprägtem Gespür für packende Bilder; die Szene mit den langsam aus dem Flusswasser auftauchenden Zombies prägt sich tief ein. Eine recht große Gruppe von Filmkritikern hat ihn jedoch zusätzlich in den Rang eines gruselfilmenden Mahners & Warners erhoben. Das war eine feine Sache, auch wenn Romero es nicht offen zugab, denn es hob ihn, dessen Werk in seiner Gesamtheit doch recht medioker blieb, aus dem Feld seiner anonymen Mitfilmer heraus. (Wes Craven war ein ähnlicher Glückspilz.)

Seinen Status verdankte Romero „Night of the Living Dead“, der 1968 in der Tat wie ein Faustschlag ins Gesicht des Establishments gewirkt haben muss. Noch heute lassen die bitterbösen, klug inszenierten Szenen aufmerken, in denen sich die lebenden, zwieträchtigen, dem eigenen Vorteil verhafteten, einander verratenden Menschen als die wahren Horrorgestalten erweisen, während die Zombies nur tun, was ihre schlichte Natur ihnen diktiert. Endgültig im „New Cinema“ der 1970er Jahre kam Romero mit „Dawn of the Dead“ an, der gar als Spiegelbild der zerstrittenen US-Gesellschaft im Zeitalter des Vietnamkriegs gedeutet wurde. Romero galt nun als ‚intellektueller‘ Filmemacher; ein Ruf, der ihm womöglich zur lästigen Pflicht wurde.

„Land of the Dead“ bekommt das übliche Maß Romero-Gesellschaftskritik eher schlecht. Sie wirkt aufgesetzt, im 21. Jahrhundert unzeitgemäß, naiv, und oft sogar plump. Die Grenze zwischen lebenden Toten und gewissenlosen Lebenden ist dünn, der Mensch geht vor allem an sich selbst zugrunde: Romero stößt in ein Horn, dessen Ton wir längst kennen. Der Hinweis darauf, dass die Kaufman-Rolle dem Vorbild von Donald Rumsfield, dem skrupellosen Verteidigungsminister der US-Regierung Bush jr., folgt, hinterlässt in diesem Zusammenhang einen fast peinlichen Eindruck.

Blutiger, schmutziger, grausiger – aber nicht neu

Negativ anzumerken ist weiterhin Romeros unheilvoller Drang zum Selbstzitat. Seit „Night of the Living Dead“ erzählte er im Grund stets dieselbe Zombie-Geschichte. Untote jagen Menschen, die nach einer Zuflucht suchen und sich dort selbst das Leben schwer machen, bis die Schutzwälle brechen und die Zombies sie sich greifen. Das belagerte Haus am Friedhof in „Night“ ist das belagerte Einkaufszentrum in „Dawn“ und das belagerte Militärlager in „Day“ sowie der belagerte Wolkenkratzer in „Land“.

Auch die Rollenkonstellationen sind quasi identisch. Sogar bestimmte Szenen lassen sich identifizieren: die gespenstische Fressorgie der Untoten im Licht der Taschenlampe, das plakative Entzweireißen unglücklicher Opfer in Großaufnahme, das Zerplatzen mit allerlei Waffen malträtierter Zombieschädel – die Liste lässt sich erschreckend problemlos verlängern.

Das Ende lässt den Zuschauer unzufrieden zurück. Die letzten Menschen brechen abermals ins Ungewisse auf. Dabei feuern sie ihre Werferraketen in den Himmel, weil sie diese „nicht mehr brauchen“. Offenbar waren hübsche Bilder vor den Schlusstiteln wichtiger als die inhaltliche Logik. Ungeklärt bleibt auch die Frage, was Big Daddy und die Seinen in „Fiddler‘s Green“ wollen, nachdem sie es erobert haben. Sie haben jetzt Ruhe vor ihren Verfolgern, die sie freilich alle gefressen haben. Damit dürfte es in „Fiddler‘s Green“ für sie auch nicht gemütlicher sein als auf den Straßen. Hielt Romero noch Ideen für eine mögliche Fortsetzung vor? Die gab es tatsächlich, aber ihre Geschichte knüpfte nicht an den Ereignissen von „Land of the Dead“ an.

Unter der und ohne Maske

Wie man sich denken kann, stehen schauspielerische Leistungen in einem Film wie „Land of the Dead“ nicht an der Spitze der zuschauerlichen Erwartungen. Die eine Hälfte der Darstellerriege versteckt sich hinter gruseligen Zombiemasken, torkelt möglichst bedrohlich durch halbdunkle Kulissen und nagt an kunstblutbeschmierten Gummiknochen. Ihre Opfer müssen vor allem „Oh, mein Gott!“ rufen und ordentlich schreien können.

Dazwischen tummelt sich allerlei B-Movie-Prominenz, die sich hier eine Art Arbeits- oder Abenteuerurlaub gönnte. Fern von Hollywood drehten sie recht ungestört unter einem gelassenen Regisseur, der sein Handwerk verstand, einen Horrorfilm – nein: einen Zombiefilm von George Romero! Wer hier ‚Star‘ war, blieb zumindest den Horror-Fans nicht verborgen und konnte später auf Conventions von diesem Ruhm zehren.

So genossen Simon Baker (Riley), John Leguizamo (Cholo), oder Robert Joy (Charlie) ihren Job, der viel körperlichen Einsatz bei schauspielerischer Routine erfordert. Asia Argento gilt als kleine Ikone des Horrorfilms, was sie der Teilnahme an zahlreichen Genreproduktionen sowie dem Ruf ihres Vaters verdankt. Trotzdem verwechselt man sie leicht mit Joanne Boland (Pretty Boy), die ebenfalls vor allem anwesend sein muss. Nicht einmal Alibi-Liebesszenen baute Romero übrigens in seinen Film ein; zu dieser Konsequenz darf man ihn beglückwünschen, denn wie viele Horrorstreifen werden durch aufgesetzte Herzschmerz-Einschübe (sowie deren unbehaglich überforderten Darsteller) verwässert?

Prominenz und Eindringlichkeit

Dennis Hopper (Kaufman) ist das echte Schwergewicht unter den Darstellern. Der Regisseur von Kultfilmen wie „Easy Rider“ und verdienter Darsteller in vielen Kinoklassikern gab allerdings seiner unerhörten Spielfreude sowie dem Hang zum schnellen Dollar gern nach und wirkte in seiner mehr als 50 Jahre währenden Karriere in manchem seltsamen, obskuren, hoffentlich vergessenen Machwerk mit. Hier mimt er für seine Verhältnisse recht gemäßigt einen jener Stinkstiefel, die er im Schlaf geben konnte.

Wenn es in „Land of the Dead“ überhaupt so etwas wie eine schauspielerische Herausforderung gab, dann stellte sich Eugene Clark ihr. Er stand als „Big Daddy“ vor der durchaus schwierigen Aufgabe einen Zombie zu mimen, der kein hirntoter Menschenfresser mehr ist, sondern allmählich ein Bewusstsein, Ambitionen und echte Anführerqualitäten entwickelt. Dieser Prozess ist spannend zu beobachten. Leider kann sich Romero nicht entscheiden, diesen Weg entschlossener zu beschreiten. Big Daddys Weg zum denkenden Zombie bleibt sprunghaft und schwer nachvollziehbar, weil das Drehbuch ihn zu selten berücksichtigt. Stattdessen setzt Romero auf bewährte Zombie-Schnetzeleien.

So blieb eine Sensation nüchtern betrachtet aus. „Land of the Dead“ ist ein guter i. S. eines über weite Strecken unterhaltsamen Horrorfilms. Von einer cineastischen Offenbarung ist er weit entfernt. Das Bemühen der Pro-Romero-Fraktion, ihren Altmeister erneut auf den Schild des progressiven Systemkritikers und Meisterregisseurs zu heben, hatte etwas Verzweifeltes. „Land of the Dead“ ist Gruselkino mit einem erfreulich raubeinigen Charme. Auf diesem Niveau hat Romero einen Job erledigt, auf den er stolz sein konnte – stolzer jedenfalls auf die beiden ‚Fortsetzungen‘, die er „Land“ 2007 („Diary of the Dead“) und 2009 („Survival of the Dead“) noch folgen ließ.

DVD-Features

„Land of the Dead“ erschien in einer Ära, als selbst DVDs mit reichhaltigem Beiwerk versehen wurden, obwohl schon damals vieles davon Infotainment = als Information verkaufte Plump-Werbung darstellte:

– „Zum Leben erweckt: Making of ‚Land of the Dead‘“ (ca. 15 min.): Dieser ‚Bericht‘ über die Dreharbeiten bringt außer einigen interessanten Bildern vom Filmalltag die üblichen gegenseitigen Beweihräucherungen der Beteiligten vor und hinter der Kamera sowie dreiste, an die Adresse naiver Zuschauer gerichtete, gebetsmühlenartig wiederholte Meineide, noch niemals mit größerem Vergnügen an einem besseren Film mitgewirkt zu haben.

– „Ein Tag mit den lebenden Toten“ (ca. 7,5 min.): John Leguizamo, Darsteller des Cholo, mimt den Fremdenführer und führt die Kamera (und damit den Zuschauer) hinter den Kulissen herum. Miserabel improvisierte Stehgreifwitzchen sollen Feelgood-Atmosphäre suggerieren und ersetzen Echtinformationen. Sicherlich unfreiwillig ermöglicht George Romero den Vergleich zwischen ihm und seinen ‚Kindern‘: Wir sehen einen Mann, der wesentlich älter als 65 Jahre, fast gebrechlich wirkt und eine absurd riesige Hornbrille trägt.

– „Tote zum Leben erwecken“: Ozzy Alvarez und andere Special-Effects-Hexer laden in ihre Zombie-Werkstatt ein und erläutern das Zustandekommen haarsträubender bzw. hirnspritziger Zombie-‚Tode‘. Dieser Beitrag dokumentiert die Mischung aus abseitigem Know-how und schwarzem Humor, die diese Branche offenbar auszeichnet.

– „Was übrig blieb“: George A. Romero präsentiert kommentarlos einige Szenen, die der Schere des Cutters zum Opfer fielen; sie stellen für das fertige Werk keinen Verlust dar.

– Filmkommentare mit George A. Romero, Produzent Peter Grunwald und Cutter Michael Doherty: Für den wahrhaft begeisterten (oder fanatischen) Zuschauer gibt’s selbstverständlich die obligatorischen Kommentare, die dieser Rezensent allerdings übersprungen hat.

Weitere nette Unwichtigkeiten werden geboten:

– „Als Shaun George begegnete“ (ca. 15 min.): Simon Pegg, Hauptdarsteller der Splatterkomödie „Shaun of the Dead“, trifft sich mit dem von ihm verehrten Meister Romero und darf eine Minirolle als Zombie übernehmen.

– „Szenen des Blutbads“ (ca. 2 min.): Wer’s mag, bekommt hier im Schnelldurchgang die krassesten Metzel- und Fressorgien des Films präsentiert.

– „Die Storyboards zum Leben erwecken“ (ca. 8 min.): Vergleich von Ausschnitten des Storyboards, d. h. der vor dem Dreh zwecks besserer Vorbereitung gezeichneten Szenen, mit den fertigen Filmbildern.

– „Zombie-Effekte von der Green-Screen zur fertigen Szene“ (ca. 3,5 min.): Das Make-up allein erschafft noch längst nicht die Illusion eines ‚lebensechten‘ Zombies. Weitere Filmtricks sind nötig, um beispielsweise einen Schädel möglichst überzeugend zerplatzen zu lassen.

– „Kreisch-Tests“: Aufruf zum Zombie-Casting (ca. 2. min): Wohl eher als Gag zeigen CGI-Zombies flotte Tänzchen.

Auf Filmtrailer oder animierte Menümätzchen sei der Vollständigkeit halber verwiesen. Verkneifen möchte ich mir mangels einschlägigen Wissens fachkundige Kommentare zu Ton und Bild. Persönlich bin ich mit beidem sehr zufrieden, zumal ich inzwischen weiß, dass die in den Außenszenen permanente (oder penetrante) Blaustichigkeit der Bilder ein gewollter künstlerischer Effekt ist.

Copyright © 2017 by Michael Drewniok, all rights reserved

George A. Romero’s Land of the Dead (Director’s Cut)
Originaltitel: George Romero’s Land of the Dead – Director’s Cut (USA/Kanada/Frankreich 2005)
Drehbuch & Regie: George A. Romero
Kamera: Miroslaw Baszak
Schnitt: Michael Doherty
Musik: Reinhold Heil u. Johnny Klimek
Darsteller: Simon Baker (Riley), John Leguizamo (Cholo), Dennis Hopper (Kaufman), Asia Argento (Slack), Robert Joy (Charlie), Eugene Clark (Big Daddy), Joanne Boland (Pretty Boy), Tony Nappo (Foxy), Jennifer Baxter (Nummer 9), Shawn Roberts (Mike), Pedro Miguel Arce (Pillsbury) uva.
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany
Erscheinungsdatum: 12.01.2006 (DVD)/06.08.2009 (Blu-ray)
EAN: 5050582368390 (DVD)/5050582721515 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2.35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 93 min. (Blu-ray: 97 min.)
FSK: 18

Titel bei Amazon.de (DVD)
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George A. Romero’s Diary of the Dead

George A. Romero’s Survival of the Dead

The Returned – Weder Zombies noch Menschen

Warm Bodies – Zombies mit Herz