Hypothermia – The Coldest Prey

Originaltitel: Hypothermia (USA 2010)
Regie u. Drehbuch: James Felix McKenney
Kamera: Eric Branco
Schnitt: Neal Jonas
Musik: Sean Eden
Darsteller: Michael Rooker (Ray Peletier), Blanche Baker (Helen Peletier), Ben Forster (David Peletier), Amy Chang (Gina), Don Wood (Steve Cote), Greg Finley (Stevie), Larry Fessenden (Angel-Coach), Asa Liebmann (Kreatur)
Label/Vertrieb: Krause & Schneider Multimedia
Erscheinungsdatum: 15.04.2013
EAN: 4260261439551 (DVD)/4260261439568 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 70 min. (Blu-ray: 73 min.)
FSK: 16

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Das geschieht:

Seit vielen Jahren gebietet es die Familientradition, dass die Peletiers einige gemeinsame Wintertage an und auf einem zugefrorenen See verbringen. Vor allem Vater Ray, der beruflich Bäume im US-Staat Maine fällt, liebt diese Urlaube, während Mutter Helen besser damit zurechtkommt, dass Sohn David sich allmählich abnabelt. Dieses Mal hat er Freundin Gina mitgebracht, mit der er bald nach Uganda reisen wird, um dort entwicklungshelfend aktiv zu werden.

Beinahe wäre der aktuelle Ausflug zur Tragödie geworden. Ray, der es nicht abwarten konnte, mit dem Eisfischen zu beginnen, ist auf dem See eingebrochen und nur knapp mit dem Leben davongekommen. Trotzdem sind die Peletiers und Gina am nächsten Morgen früh damit beschäftigt, in einiger Entfernung zum Ufer Löcher ins Eis zu bohren, um den darunter winterschlafenden Fischen zu Leibe zu rücken.

Allerdings will heuer rein gar nichts anbeißen, der See wirkt wie ausgestorben. Zu allem Überfluss sind die Peletiers nicht allein. Steve Cote und sein Sohn Stevie fahren mit ihrem teuren Trailer vor bzw. direkt auf das Eis. Der großmäulige Bauunternehmer fordert die Peletiers auf, ihn in seinem Domizil zu besuchen. Unwillig aber höflich leisten diese der ‚Einladung‘ Folge.

Kurz darauf rührt es sich mächtig unter dem Eis: Eine gewaltige Kreatur geht den Cotes an die Fangleine – und zerrt Stevie mit sich ins kalte Wasser! Der junge Mann kann gerettet werden, doch er ist verletzt. Vater Steve bläst daraufhin zum Krieg gegen das Ungetüm, dem sich die Peletiers unwillig anschließen. Man beschließt, gemeinsam im Trailer und auf dem Eis zu übernachten und begeht damit einen bösen Fehler: Die Kreatur ist kein dummer Fisch, sondern auch über Wasser wehrhaft sowie entschlossen, ‚seinen‘ See gegen alle Eindringlinge zu verteidigen. Sie beginnt die Gruppe zu belagern und erweist sich rasch als der eigentliche Jäger auf dem Eis …

Aufs Glatteis geführte Zuschauer

Theoretisch ist dies eine zwar uralte aber funktionstüchtig Story: Eine kleine Menschengruppe sieht sich isoliert eine Gefahr gegenüber, der sie sich mit Grips und Gewalt stellen muss, um zu überleben; eine Herausforderung, der die einen mehr und die anderen weniger gewachsen sind. Dieser Plot ist auch deshalb so beliebt, weil er sich mit wenig Kostenaufwand realisieren lässt. Man benötigt wenige Schauspieler, nur eine zentrale Kulisse sowie einen Feind, der aus Spannungsgründen so lange wie möglich außer Sicht bleiben muss.

Regisseur und Drehbuchautor James Felix McKenney ist kein Anfänger. Vor „Hypothermia“ hat er bereits drei Spielfilme inszeniert. Allerdings konnte er damit keine Lorbeeren für sein Haupt ernten – es sei denn, man nähme „The Off Season“ von 2004 als Maßstab: Auf der Film-Website „IMDb.com“ erreicht dieser Film eine Bewertung von 1,8: ein niederschmetterndes Urteil, das wenig Gutes für „Hypothermia“ verheißt.

In der Tat konnte sich McKenney nicht steigern. Er mag wissen, wie ein guter, also zumindest unterhaltsamer Film aussieht, ist aber definitiv außerstande, dies umzusetzen: So lässt sich abzüglich vieler Seufzer und Flüche zusammenfassen, wie das Publikum über „Hypothermia“ denkt.

Trotz Filmkürze zu viel Anglerlatein

Knappe 70 Minuten währt die Handlung. Dem Zuschauer kommt diese Spanne länger vor, da McKenney sich in der ersten Hälfte sich viel Zeit nimmt, uns den Ort des Geschehens und die Protagonisten vorzustellen. Dabei stellt er sich nicht ungeschickt an, weshalb wir später darauf erst recht darauf warten, dass es zu einer Krise kommt, die eine solch ausführliche Einleitung rechtfertigt.

Dazu kommt es nicht; eine Enttäuschung, die verblasst, sobald wir das Monster gesehen haben, was weiter unten zu thematisieren sein wird. Bis es soweit ist, wundern wir uns also: Wieso ist Ray ins Eis eingebrochen? Dieses (folgenlos bleibende) Ereignis wird breit ausgespielt, ihm muss also eine Bedeutung innewohnen, die sich jedoch nicht erschließen will. Hat McKenney diese Episode ins Drehbuch aufgenommen, um seinen Film einigermaßen auf Spielfilmlänge zu bringen? Der Verdacht liegt nahe, denn die eigentliche Geschichte gäbe höchstens einen Kurzfilm her. (Später tauchen übrigens sämtliche männliche Darsteller schadlos im Eiswasser.) Immerhin nehmen die Peletiers als Familie, deren Mitglieder fest zueinander stehen, sympathisch Gestalt an.

Ebenso ausführlich wie die Peletiers stellt McKenney uns die Cotes vor. Während erstere sehr authentisch wirken, ist vor allem Steve Cotes als Karikatur des US-Selfmademan eine Witzfigur: nicht nur laut und angeberisch, sondern auch fahrlässig dumm, Damit verliert die Story ihre Glaubwürdigkeit, denn es ist Cotes, der dafür sorgt, dass man die Nacht auf dem Eis und damit in Reichweite des Monsters verbringt: Niemand würde sich einem Schwachkopf wie ihm anschließen.

War’s das etwa schon?

Als die Kreatur endlich auftaucht, dauert der dabei entfesselte Spuk kaum eine Viertelstunde. Man leuchtet panisch in die Dunkelheit, schießt Löcher ins Eis und macht sich schließlich zu Fuß auf zum rettenden Ufer. Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen der schmelzenden Schar der Flüchtigen und dem Verfolger verläppert in einer kurzen Serie schlecht weil spannungslos in Szene gesetzter Auseinandersetzungen. Opfer sind primär aufgrund dämlichen Verhaltens zu beklagen: So zieht es die Gruppe geradezu magisch stets dorthin, wo die Kreatur – eine Art Kampf-Frosch aus der Urzeit – Löcher ins Eis geschlagen hat. Zwar atmet sie durch Kiemen, aber anscheinend versucht sie sich auf ihre Art im Eisfischen und lauert dem auf, das sich von oben nähert.

Alternativ könnte man sich dort aufhalten, wo das Eis viele Zentimeter dick ist; hier kann das Wesen nicht durchbrechen. Doch Logik ließe die dürre Geschichte erst recht kollabieren. Sie schafft es ohnehin nur auf Krücken in ein Finale, das außer Ideenarmut höchstens noch Budgetknappheit unter Beweis stellt. Faktisch hört der Film einfach auf. Vermutlich gibt es eine Moral, mit der sich dies begründen ließe. Über sie nachzusinnen dürfte der Zuschauer jedoch schwerlich bereit sein.

Der Ärger über den dargebotenen Dummfug wächst noch angesichts der Tatsache, dass McKenney gute Schauspieler gecastet hat. Selbst Don Wood spielt das Klischee-Arschloch perfekt. Michael Rooker dürfte die Chance gelockt haben, endlich einmal nicht den üblichen Proleten-Drecksack geben zu müssen, wie er ihn wenig später in „The Walking Dead“ erneut grandios mimte. Ray Peletier ist ein ruhiger, höflicher Mann, der Konflikte scheut und sich deshalb von Cote auf der Nase herumtanzen lässt.

Gib Gummi, Monster!

Alle Nachsicht mit den Limitierungen eines B-Movies endet mit dem Auftauchen des Eis-Ungeheuers. McKenney musste für die Produktion von „Hypothermia“ jeden Penny mindestens dreimal umdrehen. Er konnte dies dort übertünchen, wo er mit seinen Darstellern tatsächlich auf einen zugefrorenen See (den Great Sacandaga Lake im US-Staat New York) zog; die Winterlandschaft gibt eine eindrucksvolle Naturkulisse mit entsprechenden Schauwerten ab.

Das Monster tötet nicht nur diverse Darsteller, sondern auch den Film. Selbst größte Nachsicht kann die Ernüchterung nicht ausgleichen, die seine Erscheinung hervorruft: McKenney steckte den Stuntman Asa Liebmann in einen Neopren-Taucheranzug, der als solcher jederzeit deutlich zu erkennen ist. Zwischen Arme und Beine wurden ‚Schwimmhäute‘ aus Gummi geklebt. Gekrönt wird das traurige Ensemble durch einen kürbisähnlichen Kuppelschädel mit allzu künstlichen Glotzaugen und einem Gebiss, das aus einer Apfelsinenschale geschnitzt worden sein könnte. Zu schlechter Letzt pflegt die Kreatur ihre Anwesenheit durch lautstarkes Geheul und Gebrüll zu signalisieren, was für eine Amphibie eher ungewöhnlich ist.

1960 wäre McKenney mit einem solchen Popanz vielleicht durchgekommen. Im 21. Jahrhundert gibt er seinen Film der Lächerlichkeit preis. Weil es daneben durchaus gelungene CGI-Effekte zu betrachten gibt, bleibt rätselhaft, wieso ausgerechnet am Monster gespart wurde. Unterhaltung sieht anders aus. Immerhin dürfte kein Zuschauer an Unterkühlung (Hypothermie) sterben: Wenn die Schlusstitel laufen, werden er und sie sogar vor Wut schwitzen.

DVD-Features

Wohl um die mickrige Laufzeit des Hauptfilms auszugleichen, wurden der DVD mehr als 40 min. Extras aufgespielt. Dazu gehört das obligatorische „The Making of Hypothermia” sowie eine Featurette über den kuriosen Angel-Trailer der Cotes, den es tatsächlich gibt und der in Minnesota für die Dreharbeiten aufgetrieben wurde.

Der deutschen Fassung wurde dieser krude und deshalb unfreiwillig perfekt zum Film passende, muttersprachliche Untertitel gegeben: „The Coldest Prey“, also „Die kälteste Beute“, was immer dies bedeuten mag; sowohl die Pelletiers als auch die Cotes sind jedenfalls recht warmblütig. Schon „The Coldest Beast of Prey“ hätte wenigstens einen sinnvollen Titel ergeben.

Kurzinfo für Ungeduldige: Angler wagen sich eines Wintertages zu weit auf einen zugefrorenen See hinaus, den unbemerkt eine prähistorische Kreatur zu seinem Revier erklärt hat, das sie nun mit Zähnen und Klauen gegen die Eindringlinge verteidigt … – Während die simple, schleppend inszenierte Story dank guter Darsteller halbwegs funktioniert, ist das Halloween-Gummi-Monster ein schlechter Witz, der den Film ebenso zuverlässig tötet wie der titelgebende Kälteschock.

[md]

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