Auf der Flucht vor eine Zombie-Epidemie strandet Tänzerin Molly in der Wüste von Nevada. Nicht nur Hitze und Durst, sondern auch geile Strolche und vor allem ein hungriger Untoter, der sie unbeirrbar verfolgt, machen ihr zu schaffen, doch Molly will überleben – um jeden Preis … – Der sehr gut gefilmte und in der weiblichen Hauptrolle vorzüglich besetzte Film leidet unter einer schwachen Story mit schwammigem Spannungsbogen, der durch allzu deutliche Logiklücken und Brüche geschwächt wird: trotz der interessanten Story nur Durchschnitts-Unterhaltung.

Das geschieht:

Wieder einmal bricht eine Seuche aus, die ihre Opfer in wandelnde Leichen verwandelt. Selbstverständlich gieren diese Zombies nach Menschenfleisch, weshalb sie über die Lebenden herfallen, und natürlich mutieren diese nach nur einem Biss ebenfalls zu Untoten, die ihrerseits auf Frischfleischjagd gehen.

Auch in den USA bricht das Chaos aus. In Las Vegas gelingt Gangster Nick die Flucht gemeinsam mit Lebensgefährtin Molly. Sie wollen sich mit Bandengenossen auf einem kleinen Flughafen irgendwo in den Bergen von Nevada treffen, um dann mit einem Flugzeug nach Mexiko zu flüchten.

Wie ernst die Situation ist, haben Nick und Molly bisher nicht registriert. Das rächt sich, als sie mit dem Wagen in der Wüste liegenbleiben. Zwar entdeckt nur ein versprengter Zombie sie, aber der bewaffnete Nick unterschätzt die Kreatur und wird von ihr zerrissen.

Panisch flüchtet Molly in die Wüste. 30 Meilen trennen sie vom rettenden Flughafen. Sie muss sich zu Fuß auf den Weg machen. Hitze und Durst quälen sie, und dass sie von Kokain und Alkohol abhängig ist, sorgt für weiteren Verdruss, der in nackte Panik umschlägt, als Molly erkennt, dass der Zombie sich nun auf ihre Fährte gesetzt hat. Unbeirrbar folgt er ihr bei Tag und in der Nacht. Überall kann er auftauchen, weshalb Molly ihn schließlich aufschließen lässt, um ihn im Auge zu behalten.

Die Einsamkeit macht Molly zu schaffen. Der hungrige Zombie, den sie „Sackgesicht“ nennt, wird ihr unfreiwilliger Gesprächspartner – und Retter, als entsprungene Kriminelle Molly aufgreifen. „Sack“ scheint Molly tatsächlich ins untote Herz geschlossenen zu haben, weshalb Zombie und Mensch die Rollen tauschen: Molly will „Sack“ vor denen schützen, die ihn über den Haufen schießen wollen …

The Stalking Dead

„Es färbt den Sand rot“: So lautet – ein wenig frei übersetzt – der Originaltitel dieses Films, was grundsätzlich recht gruselig und vielversprechend klingt. Nichtsdestotrotz beließ man es hierzulande beim Original. Auch sonst investierte das Label nicht viel Geld in die deutsche Version, die u. a. auf Untertitel oder Extras verzichten muss. Immerhin heuerte man richtige Synchronsprecher an, woran die überschaubare Zahl der Darsteller mitverantwortlich sein könnte. Dem Zuschauer ist es gleichgültig. Sobald man sich an Brittany Allens recht ungewöhnliche Deutsch-Stimme gewöhnt hat, ist man erleichtert, endlich einmal von radebrechenden Höhlenmenschen verschont zu bleiben.

Die Story macht neugierig. Sie ist denkbar simpel, ein Kammerspiel eigentlich, obwohl die Bühne buchstäblich grenzenlos wirkt. Der Sand, auf den der Titel anspielt, liegt in der Wüste des US-Staates Nevada. Dort gibt es zwar Straßen und Städte, doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen: Weiterhin dominiert die Landschaft – und die ist ebenso schön wie gefährlich. Wer im klimatisierten Wagen durch die Wüste rollt, wird außerhalb dieser Schutzkapsel auch im 21. Jahrhundert von ihrer Unbarmherzigkeit überrascht. Ganz ohne Zombies bereiten Hitze und Durst allzu sorglosen (oder dummen) Reisenden ein hässliches Ende.

Zurück zur Story: Wie verhält man sich, wenn man in unwirtlicher Landschaft von einem Gegner gejagt wird, der niemals erschöpft ist, keine Pausen benötigt, kein Mitleid kennt? Das ist eine spannende Frage, die in vielen Filmen gestellt und entsprechend beantwortet wurde. Leider gehört „It Stains the Sand Red“ nur marginal zu den gelungenen Werken dieser Gruppe. Zu unentschlossen spult Regisseur und Drehbuch-Mitautor Colin Minihan sein Garn ab, das zudem nicht über die gesamte Filmdistanz reicht: Lange vor dem Finale scheidet Zombie „Sack“ aus dem Geschehen aus, das eine gänzlich neue Richtung einschlägt. Plötzlich versucht Molly, ihren bei Schwester und Schwager abgestellten Sohn Chase zu erreichen und zu retten – ein radikaler Schwenk, der nicht gelingen kann, weil Minihan und Ko-Autor Ortiz nicht über das Talent verfügen, ihn plausibel zu realisieren.

Wüste der Seele

Schon frühere Filme des Duos – das (viel zu lange) unter dem Lachhaft-Pseudonym „The Vicious Brothers“ auftrat – litten unter eklatanten Drehbuchschwächen, die interessante Ansätze durch logikfreie Handlungseskapaden und Klischees zunichtemachten. „Grave Encounters“ (2011) und vor allem der grotesk missratene „Extraterrestrial: Sie kommen nicht in Frieden“ (2014) belegen in der Rückschau mit brutaler Eindeutigkeit, dass Minihan & Ortiz in dieser Beziehung leider nicht dazugelernt haben.

Das ist schade, da „It Stains the Sands Red“ handwerklich überzeugt. Die Wüste als Schauplatz – präzise: der „Valley of Fire State Park“ – wird eindrucksvoll inszeniert. Kameramann Clayton Moore verdeutlicht, wie es möglich ist, dass man in einer scheinbar grenzenlosen Landschaft einem Verfolger nicht entkommen kann. Gerade die Weite der flachen, vegetationsarmen Wüste ermöglicht eine Weitsicht, die ein Verstecken unmöglich macht. Molly mag eine Verschnaufpause gelingen, wenn sie auf einen Felsen klettert, den ihr Verfolger nicht meistert. Doch irgendwann muss sie weiter, und dann ist ihr „Sack“ erneut mit nie erlahmender Untoten-Energie auf den Fersen.

Reicht diese Hatz, um anderthalb Filmstunden zu füllen? Minihan & Ortiz sind nicht dieser Meinung. Außerdem steht ihnen der Sinn nach Subtext und Symbolik: Molly flüchtet nur vordergründig vor „Sack“. Flashbacks enthüllen, dass sie ihr Leben als Tänzerin und Männerspielzeug vergeudet und ein Kind zurückgelassen hat sowie beides bereut. Der Weg durch die Öde gewinnt einen quasi biblischen Unterton: Prüfte sich nicht Jesus Christus persönlich durch eine 40-tägige Wüsten-Tour? Das ist nicht gerade ein origineller Einfall, der zudem klischeegrob umgesetzt wird.

Der Mensch ist die eigentliche Bestie

Recht bald fällt Minihan & Ortiz nichts mehr ein, das die ständig lauernde Gefahr durch den nimmermüden „Sack“ und die gefährlichen Aufmerksamkeitsmängel der geistig und körperlich abbauenden Molly aufrechterhalten kann. Stattdessen bauen sie ‚spannende‘ Zwischenfälle ein: Ein Sandsturm bricht los, entsprungene Sträflinge nehmen Molly buchstäblich in die Zange, schießwütige Soldaten tauchen auf.

Recht unvermittelt entwickelt sich zwischen Molly und „Sack“ eine Beziehung. Die
Entscheidung, dem bisher ‚typischen‘, d. h. geistlos-gnadenlosen Zombie Gefühle zuzugestehen, wirft viele Fragen auf, die weitgehend ignoriert statt beantwortet zu werden. „Sack“ wird zum Symbol für Mollys Verlorenheit. So wie Tom Hanks als schiffbrüchiger Chuck Nolan voller Verzweiflung einen Volleyball zu seinem ‚Freund‘ „Winston“ ernennt („Cast Away – Verschollen“, 2000), beginnt auch Molly irgendwann mit „Sack“ zu ‚sprechen‘, weil da sonst niemand ist, mit dem sie ihre Gedanken und Nöte teilen kann. „Sack“ scheint darauf anzusprechen, was keinerlei Sinn ergibt; dies auch deshalb, weil er wie schon erwähnt vorzeitig aus dem Geschehen ausscheidet, woraufhin sich „It Stains the Sands Red“ in eine Folge der TV-Serie „The Walking Dead“ bzw. – was schlimmer ist – „Fear the Walking Dead“ verwandelt.

Eruptionsartig bricht Molly Muttersinn aus. Sie pfeift auf Mexiko und schlägt sich zum Sohn durch. Raum und Zeit scheinen keine Rolle zu spielen, denn obwohl es viele, viele Meilen durch eine verheerte und zombieverseuchte Welt zurückzulegen gilt, steht Molly unmittelbar nach einer dramatischen Unterhaltung mit Söhnchen Chase – jawohl, die Telefone funktionieren weiterhin – mit einem Spaten bewaffnet vor dem Haus ihrer Schwester.

Das Hirn und die Trockenheit

Zwischen solchen ‚Höhepunkten‘ muss sich Heldin Molly mehrfach peinlich dämlich benehmen, damit diese Geschichte überhaupt fortschreiten kann. Geradezu fahrlässig lässt sie gleich mehrere Chancen sausen, den lästigen Zombie-Verfolger auszuschalten. (Zuvor musste sich ‚Gangster‘ Nick blamieren, dem nur ein halb gefülltes Munitionsmagazin in seiner Pistole steckt, weshalb ihn der nur durchlöcherte, aber nicht kopfgetroffene „Sack“ packen kann.) U. a. springt der Untote in den liegengebliebenen Wagen. (Man hat sich im losen Sand festgefahren – mit nur einem Reifen!) Molly könnte beide Türen zuwerfen und „Sack“ gefangen setzen, aber daran darf sie nach dem Willen der Drehbuchautoren nicht denken. Später könnte sie von einem der Felsen auf denen sie sicher vor „Sack“ übernachtet, Felsen aufklauben und sie dem Zombie auf den Schädel schmettern. Dies fällt ihr viel später ein, als sie genau das tut – nicht, weil es erst jetzt Sinn ergäbe, sondern weil es ‚dramatisch‘ ist.

So etwas sind keine Detailfehler, sondern dickbäuchige Böcke, die ein Drehbuchautor nicht schießen darf. Das gilt erst recht, wenn sich die Hauptdarstellerin schier in Stücke reißt, um der schütterlogischen Geschichte Inhalt und Gewicht zu geben. Brittany Allen schafft die Evolution von der ausgebrannten Schlampe zum lebenskampftüchtigen Muttertier, ohne sich durch die zusätzlich aufgeprägten Klischees aus dem Konzept bringen zu lassen. Es gelingen sogar Momente der Ironie, an die sich die Zuschauer dankbar erinnern, wenn phasenweise der Gefühlsdusel gnadenlos regiert. („Mum, wirst du ab jetzt immer bei mir bleiben?“)

Die übrigen Darsteller müssen wir dagegen nicht kennen. Sie füllen Rollen, die sich so flach, wie sie Minihan & Ortiz zeichnen, womöglich gar nicht zum Leben erwecken lassen. Das schließt Juan Riedinger ein; „Sack“ wirkt nur deshalb zunehmend ‚sympathischer‘, weil Brittany Allens Molly ‚Leben‘ auf ihn projiziert.

Nach anderthalb Stunden endet dieser Film – vorsichtshalber offen, denn es könnte sein, dass sich genug zahlende Zuschauer zusammenfinden, um eine Fortsetzung zu ermöglichen. (Es gibt ja auch ein „Grave Encounters 2“.) Zudem war „It Stains the Sand Red“ keine kostspielige Produktion, weshalb sich Regisseur Minihan in den Schlusstiteln ausdrücklich bei Brittany Allen bedankt, die klaglos wie die gesamte Crew nachts auf einer Luftmatratze in der Wüste geschlafen habe. Nichtsdestotrotz hielt sich die Begeisterung der Kritik in Grenzen und das Publikum zurück. „It Stains the Sand Red“ ist nicht ansehnlich, sondern anschaubar. Potenzial und Ideen werden sichtbar. Leider halten sie sich mit den Griffen tief ins berüchtigte Klo die Waage.

DVD-Features

Der Produktionsalltag war vor Ort in der Wüste offensichtlich recht abenteuerlich. Davon würde man gern mehr erfahren, aber es gibt nicht einmal ein werbungsverseuchtes Making-of.

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It Stains the Sands Red
Originaltitel: It Stains the Sands Red (USA 2016)
Regie u. Schnitt: Colin Minihan
Drehbuch: Colin Minihan u. Stuart Ortiz
Kamera: Clayton Moore
Musik: Blitz//Berlin
Darsteller: Brittany Allen (Molly), Juan Riedinger (Smalls/„Sack“), Merwin Mondesir (Nick), Kristopher Higgins (Ted), Andrew Supanz (Jason), Nico David (Chase), Michael Filipowich (Jimmy), Dylan Playfair (Robbie), Warren E. Thomas, Steve Judkins (Soldaten) u. a.
Label/Vertrieb: EuroVideo
Erscheinungsdatum: 06.10.2017
EAN: 4009750233177 (DVD)/4009750303481 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,40 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: keine
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 89 min. (Blu-ray: 92 min.)
FSK: 18

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The Guard Post – Der Feind ist die Dunkelheit