Auf einer unerforschten Insel stoßen Forscher und Soldaten auf Urzeit-Monster, die ihre Reihen rasant lichten. Eigentlich auf ihrer Seite ist Kong, ein 30 Meter großer Affe, den ein verbitterter Militär jedoch verantwortlich für das Expeditionsdebakel macht, weshalb er ihn unbedingt töten will … – Die dürre Story ist nur grobe Leitlinie für eine reine Effektschau, die immerhin beeindruckt, während gelangweilte, für das Geschehen nachrangige Darsteller in Klischee-Rollen schlüpfen und der Regisseur seiner Liebe für MTV- und Computergame-Dramatik frönt: Wer denken kann (oder will), sollte diesen Film meiden!

Das geschieht:

1973 endet für die USA der Krieg in Vietnam. Für Bill Randa, Leiter der obskuren Regierungsbehörde „Monarch“, bietet sich die einmalige Chance, eine Hubschrauber-Einheit zugeteilt zu bekommen, die ihn und sein Team auf die bisher nie erforschte Pazifik-Insel „Skull Island“ begleiten soll. Randa vermutet hier gigantische Kreaturen, mit denen der Mensch nach seiner Meinung die Erde seit Äonen teilt.

Die Soldaten werden von Lieutenant Colonel Packard angeführt. Der Vollblut-Militär ist verbittert über den Rückzug aus Vietnam und froh, noch einmal in den Einsatz gehen zu können. Als ‚Fährtenleser‘ stößt Captain James Conrad zu der Gruppe, die außerdem von der Kriegsfotografin Mason Weaver begleitet wird.

Mit Hubschraubern stößt die Expedition zur Insel vor. ‚Begrüßt‘ werden sie dort von einem 30 Meter großen Gorilla, der binnen weniger Minuten sämtliche Maschinen vom Himmel holt. Die Überlebenden hocken versprengt zwischen den Trümmern. Als sie versuchen einander zu finden, stellen sie fest, dass der Riesenaffe keineswegs die einzige Gigant-Kreatur auf Skull Island ist: Gewaltige Spinnen, fliegende Echsen und andere Ungeheuer sorgen für einen Blutzoll, der Colonel Packard in blindwütige Wut versetzt: Er will nicht von der Insel flüchten, sondern den Affen mit den reichlich mitgeführten Waffen töten!

Dabei ist „Kong“, wie das Wesen genannt wird, der Wächter von Skull Island, wie ein im II. Weltkrieg hier gestrandeter Pilot wenig später informiert: Kong hält die „Schädelkriecher“ in Schach – gewaltige Echsen, die ansonsten alles Insel-Leben vernichten würden. Während Packard seinen wahnhaften Rachefeldzug fortsetzt, versuchen Conrad, Weaver und ihre Gefährten ihn davon abzuhalten. Alle ziehen sie tief ins Innere von Skull Island – und in einen wahren Höllenschlund …

Ein Affe für die Ewigkeit

Hohlköpfe prügeln sich mit Monstern und reden dabei dummes Zeug. Trotzdem sehen wir hier nicht den aktuellen Film des pestilenzhaft expandierenden Marvel-Universums, obwohl man davon ausgehen könnte: Ein Großteil der „Skull-Island“-Darsteller tritt sonst dort auf und nutzt hier die Pause zwischen zwei Marvel-Spektakeln, um auf Kosten eines Filmstudios eine Weltreise zu unternehmen. (Gearbeitet i. S. von geschauspielert haben sie jedenfalls nicht; dazu weiter unten mehr.)

„King Kong“ ist ein vergleichsweise junger Mythos; tatsächlich ist er nur wenige Jahre älter als Superman oder Batman und nur ein wenig früher als Flash Gordon auf bzw. in (bzw. über) die Welt gekommen. Dort landete er mit einem Donnerschlag, der nicht durch seine Körpergröße begründet war: „King Kong und die weiße Frau“ erzählte 1933 eine richtig gute Geschichte – nicht für den Kopf, sondern für den Bauch, und war in dieser Hinsicht ein Volltreffer! Die seltsame ‚Logik‘, dass sich ein haushoher Affe in eine Menschenfrau verliebt, die nicht einmal so ‚groß‘ wie sein kleiner Finger ist, sicherte diesem auch sonst wüsten, politisch absolut unkorrekten, stimmungsgeladenen sowie selbst aus heutiger Sicht mit erstaunlichen Spezialeffekten gespickten Spektakel umgehend einen Platz im Kino-Himmel.

Dort thront „King Kong“ seither erhaben und einsam, obwohl er auf Erden keineswegs ohne Neuauflagen blieb. Noch 1933 trieb „The Son of Kong“ sein Unwesen und gab die Linie vor, der die meisten „Kong“-Inkarnationen – einschließlich „Skull Island“ – seither folgen: Dumme Menschen reizen einen Riesenaffen, bis dieser zurückschlägt und dabei kapitalen Flurschaden anrichtet; meist überlebt er das explosive Finale nicht, was aber seine Wiederkehr nicht verhindern kann.

Kino für Aufmerksamkeitsschwache?

„Kong: Skull Island“ ist kein Teil der ‚offiziellen‘ Kong-Chronik, wie sie 1933, 1976 und 2005 erzählt wurde. Stattdessen soll dieser Film eine eigene Kong-Saga begründen, die – das steht nach dem finanziellen Erfolg von „Skull Island“ fest – nicht nur fortgesetzt, sondern auch vernetzt wird: Nach dem Willen des produzierenden „Legend“-Studios ist Kong Bewohner einer (Kino-) Welt – dem „Monsterverse“ -, das er u. a. mit dem Kaijū-Haudegen Godzilla teilt, der in einer japanischen und in einer US-amerikanischen Version existiert. Letztere war bereits 2014 für „Legend“ im Kino-Einsatz und wird in einer Fortsetzung zurückkehren, bevor Godzilla in einem weiteren Film auf Kong treffen muss; geplant ist dieses Ereignis für 2020.

„Godzilla“ bot 2014 eher lautstarke als spannende Unterhaltung. Was Gareth Edwards seinem Publikum präsentierte, ist im Vergleich zu „Skull Island“ allerdings geradezu oscarreif. Der wahre Kong (von 1933) dürfte in seinem Grab rotieren, seit dieses cineastische Dumm-Dumm-Geschoss so erfolgreich einschlug. Man wird „Skull Island“ nicht einmal gesehen haben müssen und doch den Anschluss behalten können, wenn das Treffen mit Godzilla ansteht, denn faktisch bietet dieser Film nur eine Folge lose (oder notdürftig) miteinander verklammerter Action-Szenen. Das genügt einer erstaunlichen Zahl von Zuschauern, worüber sich trefflich (und böse) lästern ließe, was ebenso deprimierend wie nutzlos wäre und hier daher unterbleibt.

Objektiv muss trotzdem festgestellt werden, dass „Skull Island“ selbst als eindimensionales Popkorn-Kino über weite Strecken versagt. Mit Jordan Vogt-Roberts engagierte man einen Regisseur, der aus seiner Vorliebe für Computerspiele und Musikclips keinen Hehl macht. Auch sonst ließ er sich gern ‚inspirieren‘. Michael Bay war offenkundig ein Vorbild. So verschwimmt Action zur Pose, gerinnt die von Feuer, Leuchtspurmunition, Helikopterrotoren oder zuschnappenden Bestien in Aufruhr versetzte Welt in pseudo-dramatischer Zeitlupe, damit sich beispielsweise Colonel Packard und Kong intensiv in die Augen schauen können, während Sound und Score umso enthemmter miteinander ringen.

Kaum eine Schöne, vor allem Biest

Ansonsten weiß der Zuschauer bald, dass wieder eine Hauptfiguren ins Gras beißen = von einem Skull-Island-Untier gefressen wird, sobald die Bilder langsamer laufen: Der Tod wird hier nicht erlitten, sondern zelebriert – und das mit einem Pathos, das zuverlässig in Lächerlichkeit umschlägt. Als beispielsweise Soldat Cole – ein Stahlnägel fressender & eisenharte Oneliner ausspuckender Haudrauf mit butterweichem Heldenherzen – sich dem König der Schädelkriecher mit je einer entsicherten Handgranate in den Fäusten entgegenstellt, erzeugt dieser Opfergang keine Ergriffenheit, sondern Irritation, weil die Aktion weder dramaturgisch vorbereitet wurde noch im Rahmen der Ereignisse irgendeinen Sinn ergibt.

Solche Löcher und Brüche sind allgegenwärtig; sie lassen sich durch das Primat der bloßen Unterhaltung weder ersetzen noch entschuldigen. Nicht einmal für das Jahr 1973 als Handlungszeitraum gibt es eine Erklärung, die auf den erzählten Ereignissen basiert. Regisseur Vogt-Roberts fand es nach eigener Auskunft einfach „geil“, einen Monsterfilm mit „Apokalypse-Now“-Touch zu drehen. (Ursprünglich sollte Kong 1917 wüten, aber das ließ Vogt-Roberts ändern – was ist schon ein Drehbuch?)

Der Vietnamkrieg ist ebenso wie die zeitgenössische Kritik nichts als eine pflichtschuldig vorgeschaltete Folie für ein Geschehen, das problemlos in der Gegenwart spielen könnte, nur dass dann keine fetzigen Rocksongs aus den 1970er eingespielt oder so viele Zigaretten geraucht werden dürften. Auch die Anspielungen auf den originalen „King Kong“ ergeben keinerlei Sinn: Wieso haben die Bewohner von „Skull Island“ – von Vogt-Roberts und seinen drei Drehbuchautoren ohnehin als exotische Statisten verheizt – eine riesige Mauer errichtet? Kong lässt sie in Frieden, und gegen die Schädelkriecher hilft der Schutzwall nicht. Was soll der Aufwand also?

Schauspieler oder Schlafwandler?

Wie können sich talentierte Schauspieler wie John Goodman, Mason Weaver oder John C. Reilly für einen Film wie „Skull Island“ hergeben? Diese Frage liest oder hört man oft, obwohl sie eigentlich rhetorisch ist bzw. durch die Anwesenheit von Samuel L. Jackson beantwortet wird: Man bot ihnen viel Geld für wenig Arbeit – und sie nahmen es. Dafür können sie anschließend Rollen übernehmen, die ihre Darstellungskunst tatsächlich erfordern, wofür sie weniger feudal entlohnen muss.

Es wäre falsch, die übrigen Schauspieler als Knallchargen zu bezeichnen: Das trifft nur auf ihre Rollenzeichnungen zu, die so dünn wie einst das Ostblock-Toilettenpapier sind. Helden, Schurken, Sonstige: Sie sind uns sämtlich völlig gleichgültig bzw. in toto Kanonenfutter für die Insel-Monster. Den Blutdruck treibt höchstens in die Höhe, dass es die größten Nervensägen (Hank Marlow, James Conrad und ganz besonders den comic-irren Packard) erst spät oder gar nicht erwischt. (Ebenfalls unbeweint sterben die trockenbrotdummen Hubschrauber-Piloten, die ihre Maschinen sämtlich von Kong aus der Luft fischen lassen, statt einfach außer Prankenreichweite aufzusteigen.)

Einst ging (King) Kong für eine weiße Frau in einen tragischen Tod. in „Skull Island“ registriert der Zuschauer höchstens nebenbei, dass zwei Schauspielerinnen anwesend sind, wobei Tian Jing nur als Schmankerl für das asiatische Publikum dabei ist. Absolut unklar bleibt, was Kong an Mason Weaver so fasziniert: Er lernt sie drehbuchbedingt nie wirklich kennen, und sie tut nichts, was ihm signalisieren würde, dass sie auf seiner Seite ist. Immerhin lässt Vogt-Roberts die eigentlich obligatorische Love Story zwischen Weaver und Conrad ausfallen bzw. beschränkt sie – auch mit dem Blick auf eine möglichst niedrige Altersfreigabe; „Skull Island“ ist ein richtig teurer Film! – auf garantiert erotikfreie Andeutungen.

Digitale Tierwesen und wo sie zu finden sind

„Skull Island“ funktioniert nur dort, wo Spezialeffekte ins Spiel kommen. Da dies praktisch ständig der Fall ist, sollte das theoretisch ausreichen. Praktisch steht über den wahrlich fabelhaften Tricks dennoch ein großes ABER! So ist Kong zwar ein Meisterwerk der beteiligten Digital-Hexer, die zahlenmäßig laut Schlusstitel die Einwohnerschaft eines nicht einmal kleinen Staates stellen könnten. Mienenspiel, Fell, Bewegungen: Das IST ein gigantischer Affe – nur leider einer, der in der Gesamtsicht seltsam fehlproportioniert wirkt.

Wenigstens ist Kong eindrucksvoll, was für den Rest der Insel-Fauna nur in Ausnahmefällen gilt. Mit den fesselballongroßen Sumpfbüffeln wollte Vogt-Roberts dem japanischen Animationsfilm-Klassiker „Hauru no Ugoku Shiro“ (2004; dt. „Das wandelnde Schloss“) und dem von ihm verehrten Hayao Miyazaki seine Reverenz erweisen: Wieder ein Schuss in den sprichwörtlichen Ofen. So skurril wie die Insel-Fauna in den „King-Kong“-Filmen von 1933 und 2005 kommen höchstens ein baumstammähnliches Gigant-Insekt und eine schräge Riesenspinne daher.

Enttäuschung verbreiten die angeblich so schrecklichen Schädelkriecher, die eher an humpelnde Putzlumpen erinnern, in denen ein Opossum-Schädel steckt. Seit Äonen zittern die Insulaner vor dem Tag, an dem der König aus der Unterwelt kriecht. Als er tatsächlich erscheint, ist er auch nicht größer als Kong, der ihn deshalb ordentlich verhauen kann, obwohl er dank des irren Packard gerade in Napalm geduscht hat und kurzfristig etwas angeschlagen wirkt. Solche Widerstandskraft ist löblich, wenn es – wie es eine den Schlusstiteln folgende Extra-Szene andeutet – bald nicht nur gegen Godzilla – der schon unternehmungslustig aus dem Off röhrt -, sondern auch gegen Rodan, Mothra und King Ghidora geht! Und wer weiß – vielleicht ist das Monsterverse nur ein Teil des Marvel- oder DC-Universums … Welche Möglichkeiten zeichnen sich da ab – womöglich sogar die Verheißung eines Films, der wirklich unterhält, statt sich als zweistündiger Trailer genug zu sein!

DVD-Features

Über die Extras schweigt sich das Label noch aus, aber man wird mit der üblichen Mischung aus Information (wenig) und Werbung (viel) rechnen dürfen/müssen. Zu befürchten ist außerdem der obligatorische und verlängerte „Director’s Cut“: mehr Monster, mehr Blut, mehr Langeweile.

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Kong – Skull Island
Originaltitel: Kong – Skull Island (USA 2017)
Regie: Jordan Vogt-Roberts
Drehbuch: Dan Gilroy, Max Borenstein, Derek Connolly
Kamera: Larry Fong
Schnitt: Richard Pearson
Musik: Henry Jackman
Darsteller: Tom Hiddleston (Captain James Conrad), Samuel L. Jackson (Lieutenant Colonel Packard), John Goodman (Bill Randa), Brie Larson (Mason Weaver), John C. Reilly (Hank Marlow), Toby Kebbell (Major Chapman), John Ortiz (Victor Nieves), Tian Jing (San), Corey Hawkins (Houston Brooks), Jason Mitchell (Glenn Mills), Shea Whigham (Cole), Thomas Mann (Slivko), Richard Jenkins (Senator Willis) u. a.
Label/Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 03.08.2017
EAN: 5051890307613 (DVD)/5051890307606 (Blu-ray)/5051890307590 (3D Blu-ray)/5051890308801 (3D Blu-ray: Limited Edition/Steelbook)/5051890307675 (4K Ultra HD)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch)
Untertitel: Deutsch u. Englisch für Hörgeschädigte, Holländisch, Französisch)
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 113 min. (Blu-ray: 118 min.)
FSK: 12

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