Hübsche junge Menschen im serbischen Sommerurlaub geraten erst an einen Killer und dann an eine menschenfressende Meerjungfrau, die beide für Schrecken und Gruppenschwund sorgen … – Leidlich kompetent in Szene gesetzter Horror, der irreparable Schäden durch sein holpriges Abklatsch-Drehbuch, eine elend in die Länge gezogenen Ersthälfte, minderwertige CGI-Effekte und die lausigen Maske der Kreatur erleidet: nie ein Muss und auch als Kann schnell vergessen.

Das geschieht:

Kelly und Lucy aus den USA besuchen ihren College-Kumpel Alex, der wieder in seiner europäischen Heimat Montenegro lebt. Die wohlhabende Familie besitzt ein Ferienhaus an der Adria-Küste, in das Alex einlädt. Zu Lucys Leidwesen stellt er ihr seine Verlobte Yasmin vor, die nichts von der heftigen Liebesbeziehung ahnt, die Alex und Lucy einst verband.

Mit der eindrucksvollen Familien-Jacht unternimmt die Gruppe Ausflüge aufs Meer, während man es sich abends an Land gutgehen lässt. Das Quartett ahnt nicht, dass ein Serienkiller die Region heimsucht. Regelmäßig verschwinden junge Männer und Frauen spurlos. Eine von ihnen war Ana, die mit ihrem Freund Sergej eine Motorroller-Tour an die Küste unternehmen wollte. Nico, ihr Vater, ein Ex-Elitesoldat, sucht nach Ana und hegt bereits einen Verdacht.

Als nächstes steht eine Besichtigung der kleinen Insel Mamula auf dem Programm unserer Urlauber. Dort steht eine alte, längst aufgegebene Gefängnisfestung. Die Nazis sollen dort im II. Weltkrieg ein Konzentrationslager eingerichtet haben. Seitdem gilt Mamula als verflucht. Außerdem hat die jugoslawische Armee die Insel zum Sperrgebiet erklärt. Doch Jugoslawien gibt es nicht mehr, und auf Nicos eindringliche Warnung hören Alex und die drei Frauen nicht. Zu ihnen stößt noch Boban, der Vorschriften ohnehin gern ignoriert, wenn die Chance besteht, ein Mitglied des weiblichen Geschlechts zu beeindrucken.

Ihre Überheblichkeit bereuen die fünf Inselbesucher rasch, denn (selbstverständlich) hat sich der Killer auf Mamula niedergelassen. Er bemerkt die ungebetenen Gäste und bläst umgehend zur Jagd. Seine Morde begeht er, um seine Geliebte mit Menschenfleisch zu füttern – eine Sirene oder Meerjungfrau, die sich als wunderschöne Frau mit Fischschwanz tarnen und mit ihrem süßen Gesang Männer ins Verderben locken kann, wie Alex und Boban erleben müssen …

Im Osten nichts Neues

Ein Horrorfilm aus Serbien! Wer denkt – die Werbung hofft auf diesen Effekt – nicht sogleich an „A Serbian Film“, einen Psycho-Thriller aus dem Jahre 2010, der so drastisch geriet, dass er zum Hassobjekt quasi sämtlicher Zensoren und freiwilliger Selbstkontrolleure sowie automatisch zum Kultfilm für jene Zuschauer wurde, die sich gern damit brüsten, die schlimmsten Auswüchse des Blut-&-Folter-Kinos ertragen zu können.

Doch Serbien ist auch die Heimat von Milan Todorovic, und ihm ‚verdanken‘ wir „Zone of the Dead“, der hierzulande den ‚deutschen‘ Titel „Apocalypse of the Living Dead“ erhielt und dem ein hoher Rang auf der Liste der miserabelsten Filme des Jahres 2009 gebührt. Bereits mit diesem Machwerk demonstrierte Todorovic den Willen, Unterhaltung zu produzieren, die sich auf dem Weltmarkt behaupten kann. Man darf ihm nicht unterstellen, dass er gezielt daran arbeitet, Hirnlos-Trash à la „Syfy“ oder gar „Asylum“ zu fabrizieren. Leider stellt sich dieser Verdacht verlässlich spätestens dann ein, wenn Todorovic endlich sein Bacardi/Raffaelo-Feeling unterdrückt, die Kamera von den schlanken Körpern seiner knapp bekleideten Darsteller losreißt und mit der eigentlichen Handlung beginnt.

Die Zeit wird lang bis dahin. Gleich drei Autoren haben am „Nymph“-Drehbuch gearbeitet. Man fragt sich, ob sie sich jemals abgesprochen haben. Die Handlung zerfällt in Einzelteile, die miteinander kaum oder gar nicht logisch verbunden werden. So nimmt sich Todorovic viel Zeit, um die alte Liebe zwischen Lucy und Alex wieder aufflammen zu lassen. Diese Vorgeschichte fällt sofort und völlig unter den Tisch, als die Gruppe Mamula betritt. Ebenfalls irrelevante Zeitschinderei: die Rivalität zwischen Alex und Boban oder Kellys breit eingeführte Wasserscheu, die ihr im feuchten Finale keinerlei Probleme mehr bereitet.

Selbstverständlich ist auch die düstere Geschichte von Mamulas deutscher Besetzung ohne Belang. Die Nazis haben mit der Nixe nicht das Geringste zu tun; sie hat schon immer auf Mamula gehaust. Franco Nero erzählt ihre Geschichte in seiner Nico-Rolle, um sich als eisenharter Einzelgänger zu präsentieren. Tatsächlich wirkt er wie ein Quint für Arme, denn allzu offensichtlich wurde seine Figur nach dem Vorbild des raubeinigen Hai-Jägers aus dem Stephen-Spielberg-Klassiker „Jaws“ (1975; dt. „Der weiße Hai“) geformt.

Grusel-Brei aus dem Horror-Mixer

Schmalhans war bei dieser Produktion offensichtlich nicht nur Küchenmeister der Autoren. Obwohl er sich mit Geldgebern aus den USA zusammentat, musste Todorovic vor allem mit Kulissen vorliebnehmen, die ihm die Realität bot. Wer sich deshalb darüber wundert, dass die verwunschene Mamula-Festung recht besenrein aussieht, obwohl sie nach Bobans Auskunft seit über anderthalb Jahrhunderten vor sich hin modert, sei dahingehend aufgeklärt, dass die (reale) Insel Mamula vom modernen Massentourismus keineswegs verschont blieb. Sie liegt  im Westen Montenegros an der Bucht von Kotor unweit des Städtchens Herceg Novi. Als Inselfort Rose wurde sie Mitte des 19 Jahrhunderts errichtet, als die Stadt zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn gehörte.

Das Fort ist ein eindrucksvolles Bauwerk. Todorovic scheint sich regelrecht verliebt in die Lokalität zu haben. Wie sonst lässt sich erklären, dass er die Darsteller durch immer neue Gänge, Säle und Kellerräume flüchten lässt? Handlungsrelevant sind jedenfalls nur die beiden Kammern, in denen der Killer sein Quartier aufgeschlagen hat, und das unterirdische Becken, in dem die Nixe auf ihr Futter wartet.

Wieso fängt sie sich ihre Beute nicht selbst und frisch aus dem Meer, statt sich bedienen zu lassen? Die arme Kreatur ist eventuell körperbehindert. Jedenfalls steht ihr Fischschwanz meist rechtwinklig steil nach oben, wenn sie sich aus dem Wasser erhebt. Todorovic war wohl der Meinung, sein Publikum würde vergessen, dass man es mit einer Nixe zu tun hat, sobald man den Schwanz nicht mehr sieht. Dummerweise heuerte er Trickspezialisten an, die noch mit Hard- und Software aus der jugoslawischen Endzeit zu arbeiten scheinen. Sie werden weit in den Schatten gestellt von Maskenbildnern, die der Nymphe im tarnungsfreien Bestien-Zustand einen ausgestopften Hechtschädel über den Menschenkopf gestülpt haben; anders lässt sich diese jämmerliche, wie von Unterwasser-Motten zerfressene Fratze – darunter verbarg sich vermutlich eine Tauchermaske – kaum erklären.

Adria-Urlaub mit leichten Dreharbeiten

Auf dem Balkan dürfte es wie in beinahe jeder Region unserer Erde Menschen mit Talent zum Schauspiel geben. Deshalb ist es bitter, dass Regisseur Todorovic genau diese ignorierte. Nach fünf Jahren (in denen Todorovic übrigens keinen Film realisierte) konnte Kristina Klebe einerseits hoffen, dass ihr die Mitwirkung in der oben erwähnten „Apocalypse of the Living Dead“ vergeben war, während sie andererseits vergeblich den Starruhm gesucht hatte. „Nymph“ dürfte sie in dieser Richtung auch nicht weiterbringen.

Natalie Burn (geb. Natalya Guslistaya) und Sofija Rajovic teilen Klebes vom Drehbuch verordnete Scheu vor Textilien. Während Burn wenigstens ordentlich zicken darf, gibt es für Rajovic keinerlei Existenzberechtigung: Sie wird als Randfigur mitgeschleppt, bis es wieder einmal Zeit für den Killer ist, jemandem seinen liebevoll spitzgefeilten Anker durch den Hals zu jagen. Burn wird spät aber schnöde aus dem Geschehen eliminiert und nebenbei abgemurkst. Zorana Kostic Obradovic ist eine angemessen wunderschöne Nixe, deren Ausstrahlung zu welken beginnt, wenn die Kamera in der nicht durch CGI gestützten Nahaufnahme offenbart, dass die Darstellerin sich vom Bauch abwärts in eine enge Mülltüte zwängen musste, der ein Fisch- bzw. Schlappschwanz aus Gummi angetackert wurde.

Für mögliche weibliche Zuschauer engagierte Todorovic Slobodan Stefanovic und Dragan Micanovic. Wer Alex und wer Boban mimt, ist unwichtig: Die beiden Jungs verfügen über Sixpacks und Micanovic sogar über Haare, wodurch man ihn vom glatzköpfigen Stefanovic unterscheiden kann. Das ist wichtig, da sowohl Alex als auch Boban ausschließlich dummes Zeug oder Gockeleien von sich geben, sobald sie ihre Münder öffnen.

Eine gute Ausrede hat sich Franco Nero zurechtgelegt. Der einstige Star des europäischen Unterhaltungskinos – auf ewig wird er allein der ‚echte‘ Django sein! – taucht seit längerem in Filmen auf, die ihn hierzulande zum Kandidaten für den „Promi-Big-Brother“- Container oder das „Dschungelcamp“ abstempeln würden. Er selbst gibt an, junge Filmtalente fördern zu wollen, die mit seinem restprominenten Namen auf Produzentenfang gehen können.

Abschließende Grämlichkeiten

Auch drei Drehbuchautoren gelang es nicht, der erzählten Geschichte ein richtiges Ende zu geben. Ein Finale – den Kampf mit der Kreatur – gibt es natürlich. Es bleibt vor allem durch sein spannungstödliches Timing und ein wie üblich nach scheinbarem Abschluss der Feindseligkeiten ‚überraschend‘ vom Tod wiedererwachendes Monster im Gedächtnis. Zudem schließt sich ein Epilog an, der auch als Drohung verstanden werden kann: Eine Fortsetzung wäre möglich!

Wer sich übrigens wenigstens einmal gruseln möchte, sollte dem O-Ton lauschen: Die Darsteller mussten ihre Dialoge in englischer Sprache artikulieren, da „Nymph“ als serbisch-US-amerikanische Co-Produktion entstand. Das Ergebnis ist zum klassischen Sirenengesang wahrlich diametral!

Ähnlich mysteriös wie die Existenz von Nixen ist die deutsche Freigabe von „Nymph“ ab 18 Jahren. Es gibt nichts, das diese Einstufung rechtfertigen könnte – kein Wunder, denn drastische Gewalt kostet Geld, über das Todorovic nicht verfügte. Körperstiche mit Messer, Dreizack oder dem erwähnten Anker erfolgen entweder im Off oder werden durch Schatten oder aufgewirbeltes Wasser verdeckt.

Ganz zuletzt aber deshalb nicht weniger wichtig diese Warnung: Milan Todorovic arbeitet bereits an einem neuen Film! Angekündigt ist – kein Witz! – „Wrath of the Dead“, die Fortsetzung von „Apocalypsis of the Dead“!

DVD-Features

Extras gibt es nicht, was konsequent ist, da schon der Hauptfilm uns vorenthält, was versprochen wurde: Unterhaltung!

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Nymph – Mysteriös. Verführerisch. Tödlich
Originaltitel: Mamula (Serbien/USA 2014)
Regie: Milan Todorovic
Drehbuch: Marko Backovic, Barry Keating u. Milan Konjevic
Kamera: Dimitrije Jokovic
Schnitt: Filip Dedic
Musik: Nikola Jeremic
Darsteller: Kristina Klebe (Kelly), Natalie Burn (Lucy), Dragan Micanovic (Boban), Slobodan Stefanovic (Alex) Sofija Rajovic (Yasmin), Franco Nero (Niko), Miodrag Krstovic (Killer), Jelena Rakocevic (Ana), Janko Cekic (Sergej), Zorana Kostic Obradovic (Sirene als Frau), Mina Sablic (Sirene als Kreatur) u. a.
Label: Splendid Film
Erscheinungsdatum (Neuveröffentlichung): 30.07.2017
EAN: 4013549089791 (DVD)/4013549089807 (Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (2,35 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 91 min. (Blu-ray: 95 min.)
FSK: 18

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