Sechs Studenten machen Party auf einer abgelegenen Insel. Die Rückkehr ans Festland wird ihnen von Haien versperrt, denen sich kriminelle Hinterwäldler zugesellen; den Kampf gegen Fischgeziefer und Gesindel fordert einen hohen (digitalen) Blutzoll … – Trotz des Plots erstaunlich blutleeres Garn, das zu Recht als miserabel geschriebenes, inszeniertes, gespieltes, getrickstes B-Movie selbst anspruchsarme Zuschauer verärgerte.

Das geschieht:

Sara, Nick, Beth, Malik, Maya, Blake und Gordon sind (angeblich) Studenten einer Universität im US-Südstaat Louisiana sowie gute Freunde. Das aktuelle Wochenende nimmt das Sextett sich frei, denn Sara Palski hat in das Ferienhaus ihre reichen Eltern eingeladen. Es liegt auf einer dem Festland vorgelagerten Insel, bietet aber trotzdem sämtlichen Luxus. Nur mit dem Handyempfang hapert es, was aber (noch) nicht als Hindernis empfunden wird.

Der Weg zur Insel-Villa ist lang und führt durch diverse Wasserarme und kleine Seen, durch die man wenig später mit dem Speed-Boot der Palskis rast und dabei Sport-As Malik auf seinem Wasserboard hinter sich herzieht. Als dieser plötzlich baden geht, glaubt man an einen Fehltritt. Tatsächlich hat ein großer Hai Malik zu Fall gebracht. Zwar kann sein Opfer entkommen, doch ein Arm bleibt im Maul des Fisches zurück.

Das Entsetzen ist groß, und es schlägt in Panik um, als der Versuch Hilfe zu holen von weiteren Haien abgeblockt wird. Das Boot geht dabei zu Bruch, Maya wird gefressen, an Flucht ist nicht zu denken, Hilfe wird nicht kommen, und Malik blutet sich langsam zu Tode. Deshalb ist die Erleichterung groß, als ein anderes Boot auf die Insel zusteuert. Leider handelt es sich um den Kahn von Dennis, Saras Ex, dem sie vor zwei Jahren nach einer beim gemeinsamen Sporttauchen erlittenen Panikattacke das Gesicht mit einer Schiffsschraube neu gestaltet hat, was Dennis ihr weiterhin übelnimmt. Bei ihm ist Red, sein dummer Kumpel fürs Grobe, der seinem Meister gern behilflich ist der Gruppe vorzugaukeln, man werde Hilfe alarmieren, sowie die schöne Beth auf den Kahn zu locken, mit der man Übles plant.

Als den Zurückbleibenden endlich dämmert, dass man sie hereingelegt hat, ist guter Rat teuer. Irgendwie muss man den Haien ein Schnippchen schlagen! Die Zeit drängt, denn es gibt einen Grund, wieso die Zahnfische derzeit so zahlreich sind. Außerdem kehren Dennis und Red zur Insel zurück, und sie sind nicht allein …

Die (zu Recht) Verdammten der (dilettantisch belebten) See

Wem es nach dem leichten = hirnfreien Genuss eines Trash-Films gelüstet, ist seit mehreren Jahren gut beraten, nach dem Wort „Hai“ im Titel zu suchen. Auch „Shark“ funktioniert, wie endlose Tor- bzw. „Sharknado“-Episoden weniger eindrucksvoll als traurig belegen. Ansonsten gibt es die Raubfische in fliegenden, zwei- und dreiköpfigen und untoten Varianten; außerdem können sie zumindest im Kino auch aus Sand oder Schnee auftauchen, um kreischende Teenies mit hohlen Köpfen (männlich) und silikonprallen Brüsten (weiblich) zu packen.

„Shark Night“ ist ein schon etwas angestaubtes aber auf seine Weise besonders missratenes Exempel seines trübseligen Subgenres. Hier versuchte sich 2011 das ausführende = verantwortliche Studio an die Horror-Komödie „Piranha 3D“ zu hängen, die zwar eher peinlich als witzig aber überaus erfolgreich und – für Hollywood von hauptsächlichem Interesse – nicht besonders kostspielig war. Die Dreidimensionalität der Vorlage übernahm man; sie galt damals als Kino-Gimmick der Zukunft, das sich inzwischen wieder überholt hat.

Ansonsten wurden nur die Piranhas gegen Haie ausgetauscht. Dem folgte eine Story, die an Trostlosigkeit kaum zu über- bzw. unterbieten ist. Nicht eine echte Idee floss ein, stattdessen regiert öde Routine. Regisseur Ellis, ein ehemaliger Stuntmen, investierte sein überschaubares Talent in die Action-Szenen, die allerdings ebenfalls keinerlei Unterhaltungswert entwickeln. Spektakuläres beschränkt sich wie üblich im 3D-Kino auf explosionsbedingt auf die Zuschauer einprasselnde Trümmer- und Körperteile.

Hölle Popcorn-Kino

Niemand erwartet in einem Film, der eindeutig Popcorn-Kino sein will, Logik oder darstellerische Leistungen. Ein gewisses Level der Wahrscheinlich sollte dennoch gewahrt bleiben. „Shark Night“ reiht Loch an Lücke und beraubt selbst den langmütigsten (oder weichbirnigsten) Zuschauer jeglicher Chance, sich durch Blödsinn unterhalten zu lassen.

Die Sünden sind einfach zu tödlich. Was hinter dem massenhaften Auftauchen gierschlundiger Haie steckt, ist als Erklärung so abgrundtief dämlich, dass es selbst als Treibriemen eines Gute-Laune-für-Idioten-Films nicht vergeben werden kann. An dieser Stelle soll darüber der Mantel des Schweigens gebreitet werden, um weiterhin trotz intensiver Warnung nicht abgeschreckten Zuschauern den (garantiert nicht auftretenden) Spaß nicht zu verderben.

Belassen wir es bei einem Blick auf die Haie. Sie wurden – vermutlich von einer Firma, die normalerweise Staubsauger repariert – als Modelle nachgebaut, sowie in allen Szenen, die fischige Bewegung erforderte, von ebenfalls untauglichen ‚Spezialisten‘ digital gestaltet. Da reale Haie offenbar nicht furchteinflößend genug aussehen, wurden die Exemplare entsprechend ‚bearbeitet‘. Sie verfügen nun über aus den Mäulern herausstechende Zähne, tückische Augen und bösartige Gesichtsausdrücke. Um das = ihre Lächerlichkeit zu unterstreichen, brüllen diese Haie außerdem gemein, wenn sie auf ihre Opfer losgehen. Dass dem realiter die Abwesenheit von Stimmbändern entgegensteht, stellt hier kein Hindernis dar. Deshalb ist es den „Shark-Night“-Haien auch möglich, schneller als ein Speed-Boot zu schwimmen oder delfinhoch aus dem Wasser zu springen, um Teenies, die sich bereits in Sicherheit wähnten, aus Bäumen zu pflücken.

Das (dämliche halbe) Dutzend

Obwohl man sämtliche Darsteller in ihren nulldimensionalen Rollen herzlich hasst, erregen sie gleichzeitig Mitleid: Das Drehbuch lässt ihnen nicht die geringste Chance. Ausgewählt wurde zum Teil bereits angegrautes ‚Jungvolk‘, das primär eine Eigenschaft erfüllen = eine Badehose bzw. einen Bikini möglichst ansehnlich füllen musste. Vor allem wenn Sara, Beth oder Maya tauchen, verharrt die Kamera gern auf Äquatorhöhe ihrer schlanken aber unterhalb der Hälse wohlgerundeten Körper. Bis auf Joel David Moore, der klapperdürr die Klischee-Rolle des ulkigen Geeks übernimmt, stellen die männlichen Darsteller Sixpacks zur Schau, wobei auch Nick, der eine Doppelrolle als Held und Nerd übernimmt, keineswegs eine Ausnahme bildet, obwohl er angeblich ständig über seinen Büchern hängt und lernt.

Man fragt sich, wie Regisseur David R. Ellis so tief sinken konnte. Er inszenierte immerhin die durchaus unterhaltsamen „Final-Destination“-Episoden 2 und 4 (allerdings auch den Heuler „Snakes on a Plane“). „Shark Night“ muss ihm in seiner Armseligkeit bereits als Drehbuch ins Auge gestochen sein. Freilich steht die Frage im Raum, ob Ellis womöglich durch Gesundheitsprobleme abgelenkt war: „Shark Night“ wurde sein letzter Film, bevor er Anfang 2013 gerade 60-jährig starb.

Wider Erwarten schluckte die notorisch anspruchsarme Zuschauerschaft den Köder dieses Mal nicht. „Shark Night“ wurde gesichtet und unisono für grottenschlecht befunden. Eine keineswegs geringe Rolle spielte dabei die Zahnlosigkeit eines Films, dessen Zielpublikum normalerweise Blut & Barbusigkeit lautstark forderte. Doch Ellis musste darauf achten, dass „Shark Night“ in der US-Version jugendfrei blieb. Deshalb fallen Gore und blanke Haut aus, was zu absurden Szenen wie dieser führt: Mit offensiver Geilheit fordert Red die gefangene Beth auf, sich sämtlicher Kleider zu entledigen. Das gerät irgendwie in Vergessenheit, denn Beth behält ihren Bikini an, bis sie in ein mit Haien gefülltes Netz geschubst wird. Auf diese Weise bleibt „Shark Night“ seinem Thema unfreiwillig treu: Dieser Film ist eindeutig eher Fisch als Fleisch – und selbst an Freitagen ungenießbar!

DVD-Features

Mit den Extras ist es wie mit dem Hauptfilm: Schaut man näher hin, schnurrt alles zu einem Nichts zusammen. Die stolz aufgeführten ‚Features‘ sind nur minutenkurz und liefern bestenfalls Impressionen von den Dreharbeiten: Was lässt sich beispielsweise in einem viereinhalbminütigen „Making of” über einen Film sagen? Die Wahrheit natürlich, doch die spielt im Dunstkreis offizieller Extras selten eine Rolle

Man sollte deshalb die „10 Interviews mit Cast & Crew“ tunlichst überspringen, weil dort einerseits gelogen und andererseits Phrasenstroh gedroschen wird, dass dem Zuschauer die Ohren bluten. Wenig informativ sind die Featurettes „Fake Sharks” – man umgeht bzw. negiert das Problem der absolut künstlichen Haie – und „Shark Night Survival Guide“; wie in der (kümmerlich zweiminütigen) „B-Roll“ versucht man hier witzig zu sein, aber der Humor wird ebenso zuverlässig wie die Spannung erledigt.

Natürlich gibt es den obligatorischen Trailer – und einen Musikclip: Die Darsteller präsentieren den Rap-Song „Shark Bite“, der in der Tat so grässlich klingt, wie man es sich vorstellt bzw. so aufregt wie der lautstark dem Hauptfilm unterlegte, notgedrungen angehörte sowie umgehend vergessene Retorten-Rock.

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Shark Night
Originaltitel: Shark Night 3D (USA 2011)
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Will Hayes u. Jesse Studenberg
Kamera: Gary Capo
Schnitt: Dennis Virkler
Musik: Graeme Revell
Darsteller: Sara Paxton (Sara Palski), Dustin Milligan (Nick LaDuca), Chris Carmack (Dennis Crim), Katharine McPhee (Beth Mazza), Chris Zylka (Blake Hammond), Joel David Moore (Gordon Guthrien), Sinqua Walls (Malik Williams), Alyssa Diaz (Maya Valdez), Joshua Leonard (Robert „Red“ Allyjah), Donal Logue (Sheriff Greg Sabin) u. a.
Label/Vertrieb: Universum Film
Erscheinungsdatum: 27.04.2012
EAN: 886979997899 (DVD)/886979997998 (Blu-ray)/0886919398694 (3D-Blu-ray)
Bildformat: 16 : 9 (1,78 : 1, anamorph)
Audio: Dolby Digital 5.1 (Deutsch, Englisch)
Untertitel: Deutsch
DVD-Typ: 1 x DVD-9 (Regionalcode: 2)
Länge: 83 min. (Blu-ray: 87 min.)
FSK: 16

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The Shallows – Gefahr aus der Tiefe

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Piranha 3D

Zombiber